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Die Schwachen

Rotherham: Sprachlos stehen wir vor der Entdeckung, dass 1.400 Kinder – sprich eintausendvierhundert – Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Die Details sind grausam. Mindestens so grausam sind aber auch die Umstände: Die Täter hielten weiße Mädchen für ‚benutzbar’, die wegschauenden Behörden im Klassendünkel wollten für diesen ‚white trash’, wie die US-Amerikaner das nennen, nichts tun.

Und das alles fast zwanzig Jahre, nachdem die ersten Missbrauchdebatten in Großbritannien geführt wurden, ähnlich wie bei uns nach 2010. Keiner kann also sagen, er oder sie hätte nichts gewusst.

In einem Schweizer Bericht habe ich folgenden Satz gelesen, den ich hier einfach unkommentiert wiedergeben möchte:

„Die alte Weisheit gilt unverändert: Wer eine Gesellschaft verstehen möchte, tut gut daran zu untersuchen, wie sie ihre schwächsten Mitglieder behandelt. Das wirft einen Schatten auf alle.“

Eine Mahnung. Mal wieder.

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Die Welt gibt es nur auf dem Bildschirm

2005

2005

Die britische Zeitung The Guardian hat diese Bilder das erste Mal gebracht, der Spiegel hat das dann aufgegriffen, wenn ich richtig recherchiert habe. Und dann sind sie durchs Internet gewandert: Die Via della Concialiazione mit acht Jahren Unterschied.

Im Vatikan hält sich das Gerücht, man hätte gemessen, dass der Applaus für den Papst abgenommen habe, obwohl die Anzahl der Menschen zunehme. Der Grund: Die Pilger auf dem Peterplatz haben nur noch eine Hand frei, in der anderen halten sie Smartphone, Tablet, irgendwas um den Augenblick „festzuhalten“. Vielleicht ist es nur „gut erfunden“, wie man in Italien sagt: Si non è vero, è ben trovato. Es ist auf jeden Fall plausibel und gibt die Stimmung wieder: Alle schauen auf den Bildschirm, immer weniger auf das Ereignis selber.

2013

2013

Mir ist das bei der Papstreise ins hochtechnisierte Korea noch einmal aufgefallen, und zwar sehr negativ. Wie viele Menschen wollen den Papst gar nicht sehen, sondern nur durch den Bildschirm. Sie sind einen Meter nah dran, vielleicht etwas weiter, und wollen festhalten. Oder die Steigerung: Ein Selfie. Sie drehen sich weg und fotografieren sich selbst mit dem Papst im Hintergrund.

Von der fotografischen Qualität will ich gar nicht anfangen, das ist alles unterirdisch. Aber es dient ja auch einem anderen Zweck: Dem vermeintlichen Festhalten eines Augenblicks.

 

Was ist eigentlich aus dem Erzählen geworden?

 

Es geht gar nicht darum, dabei zu sein, den Moment zu erleben. Die Konzentration wird auf den Bildschirm gelenkt, man bekommt die Nachbarn und ihre Reaktion nicht mit, man bekommt die Nähe nicht mit, man achte auch nicht auf sich selber und die eigenen Reaktionen, es geht nur um das vermeintliche „Festhalten“.

Als begeisterter Fotograf weiß ich, was die Kamera in der Hand macht: sie trennt vom Ereignis. Wer durch die Linse schaut, das Objektiv, macht das Ereignis wortwörtlich zum Objekt. So sehen wir von hinten auf die kleinst-Bildschirme auf hunderte und tausende von Trennschirmen.

Auf der Skala ganz unten steht bei dem allen die Osternacht. Es wird im dunklen Petersdom darum gebeten, beim Einzug des Papstes mit der Osterkerze nicht zu fotografieren. Woran sich natürlich keiner hält, man will den Augenblick ja „festhalten“. Und jedes Jahr dasselbe Schauspiel: Der Papst wird taghell erleuchtet. Blitzlich auf Blitzlicht, das zerstört die Stimmung und die Dramaturgie der Liturgie, auf die es gerade in der Osternacht so sehr ankommt. Man scheitert nicht nur damit, diesen Augenblick „festzuhalten“, man zerstört ihn damit auch. Weiterlesen

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Klarheit, Sanftmut, Vertrauen und Klugheit

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Dialog ganz praktisch: Paul VI. war auch der "Erfinder" der Papstreisen

Dialog ganz praktisch: Paul VI. war auch der “Erfinder” der Papstreisen

Es war der Geburtstag des innerkirchlichen Dialoges: Die Antrittsenzyklika Papst Pauls VI., „Ecclesiam Suam“. Wenn wir heute das Wort vor lauter Übernutzung nicht mehr hören können oder es als Statthalter für allerlei herhalten muss, dann war das vor genau 50 Jahren noch anders. Damals war das Wort ein Fremdwort im Sprachgebrauch der Kirche.

Noch während des Konzils veröffentlichte der Papst sein Schreiben, da er aber den Ergebnissen des Konzils bewusst und ausdrücklich nicht vorgreifen wollte, ist es nicht eines der sonst üblichen thematischen Schreiben geworden, sondern nachdenklich, fast meditierend. Sie wurde am 6. August 1964 veröffentlicht, dies ist also eine etwas verspätete Geburtstagswürdigung.

Kirche dürfe kein Selbstzweck sein. Kirche muss gesprächsbereit sein. Aber auch: Dialog darf nicht in der Aufgabe der eigenen Identität bestehen. Alles Aussagen, die so das erste Mal gemeinsam und gesammelt fallen. Als Kriterien für den Dialog der Kirche nennt der Papst Klarheit, Sanftmut, Vertrauen und Klugheit. Paul VI. will aber auch, dass dieser Dialog nicht nur von der Kirche, sondern auch innerhalb der Kirche geführt wird.

Für uns heute klingt es befremdlich, dass das etwas Neues gewesen sein soll, aber damals war es ein großes Türen Öffnen, während und für das Konzil. Die Kirche, wie sie durch das Konzil geprägt wurde, findet auch hier ein Fundament.

Die Konzilsdokumente haben den Text überschattet, vielleicht Zeit für eine Relecture in Zeiten, in denen Papst Franziskus innerkirchlich – in der Bischofssynode – und außerhalb – in Begegnungen und Friedensgebeten – ganz klar und deutlich auf den Dialog setzt.

Den offiziellen Text des Schreibens gibt es im Internet leider nicht auf deutsch, hier die englische Überstzung.

 

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Mit dem Papst unterwegs

Der Schicksalsgöttin in Form des Programmdirektors von Radio Vatikan habe ich es zu verdanken, dass mich die Papstreisen als Korrespondenten und Begleiter kreuz und quer verschickt haben. Viele sind es noch nicht, erst sechs, aber dafür sind sie gut verteilt: Eine inneritalienische – Assisi – dann Deutschland 2011 und Großbritannien 2010, Kuba, das Heilige Land und jetzt Korea.

Mauer 1: Die beiden Koreas

Mauer 1: Die beiden Koreas

In diesem Jahr waren es zwei, ich war in Jerusalem und jetzt in Seoul. Und bei der zweiten habe ich immer wieder flashbacks aus der ersten gehabt. Bei beiden war ich an einer hochmilitarisierten Grenze, bei beiden war ich unter Menschen, die ohne ihr Feindbild nicht leben können. Nein, das ist ungerecht, das muss ich anders formulieren: Es gibt in beiden Fällen Menschen, die nach zig Jahrzehnten bewaffneten Kampfes ohne den Feind nicht leben können. Wer so lange von Feind spricht und unter der Bedrohung lebt, wer in der Sprache aufwächst, die von Feindbildern lebt, für den wird das einfach ein Teil der Linse, durch welche die Wirklichkeit wahrgenommen wird.

In beiden Regionen steht eine Demokratie gegen nicht demokratische Staaten, um es vorsichtig zu formulieren. Aber in beiden Regionen ist die Demokratie auch in Krise.

Der große Unterschied, der sofort ins Auge fällt: Im Nahen Osten hat alles mit Religion zu tun, in Asien überhaupt nicht. Die Teilung des Landes ist rein militärisch-weltpolitisch-ideologisch. Ohne Religion scheint es mir irgendwie einfacher zu verstehen, wenn Religion ins Spiel kommt, ist es viel komplexer. Fast bin ich versucht zu sagen: Wenn Religion in den Krieg kommt, ist die Aussicht auf Heilung und Versöhnung noch geringer als ohne.

Mauer 2: Israel - Palästina

Mauer 2: Israel – Palästina

Ich will hier die beiden Regionen der Welt nicht über einen Leisten ziehen, ich habe sehr stark abstrahiert, um den Vergleich anstellen zu können. Aber es gibt Punkte, wo die Krisen und Konflikte – und ich bin mir sicher, man könnte noch andere Weltgegenden anfügen – sich begegnen.

Mir geht es hier um die Beobachtung, dass sich Situationen dermaßen ineinander verhaken, dass die Gegner eins werden. Der eine kann gar nicht mehr ohne den anderen. Der Verstand begreift das schnell, auch von zu Hause aus mit der Zeitung in der Hand, das aber vor Ort zu sehen und die tiefe Hoffnungslosigkeit von Menschen mitzubekommen – oder die Verbohrtheit anderer – das nehme ich aus diesen beiden Reisen mit.

 

Geistlich politisch

 

Es hilft mir aber auch, den Papst zu verstehen. Wenn der in Rom bei den Morgenmessen über “aus sich selbst heraus gehen” spricht, immer wieder von Versöhnung und dem “sich nicht in sich selbst verschließen”, dann hat das für mich geistlichen Wert. Es ist herausfordernd, wenn man sich darauf einlässt

Wenn man aber in Jerusalem auf die Mauer blickt oder in der so genannten Demilitarisierten Zone auf die Zäune schaut, dann bekommt das noch einmal eine ganz eigene Wucht. Es wird im besten Sinn des Wortes politisch, es hat etwas mit Einmischen zu tun. Und damit, dass wir etwas daran tun können, das sich die Welt ändert. Und zwar genau dadurch, dass wir uns ändern.

Nur so ein Eindruck, von den Grenzen dieser Welt.

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Wie viele Schafe hat die Herde?

Muttergottes in KoreaAsiens Kirche ist jung, dynamisch und wächst. Das höre ich hier in Seoul immer wieder. Und die Zahlen sind ja auch beeindruckend, auch wenn die Kirchen absolut gesehen klein sind.

Das mit dem Wachsen kann aber auch ein zweischneidiges Schwert sein. Ich will hier nicht zwanghaft Wasser in den Wein gießen, aber hier steckt auch eine Botschaft, die ich von Koreanern selber mehr als ein Mal gehört habe.

Ja es stimmt, die Kirche ist gewachsen, aber waren sind die protestantischen Kirchen auch. Sie nennen sogar ein Wachstum von über 400 Prozent in wenigen Jahrzehnten. Dann aber stagnierte diese Konfession, die Anzahl protestantischer Christen ging sogar zuletzt zurück.

 

Die Identität der Kirche

 

Die katholische Kirche wurde stärker gegen-kulturell wahrgenommen, gegen die Militärdiktatur, für Werte und Würde einstehend. Und davon profitiert sie jetzt. Die Kirche – das hat mehr als nur eine Umfrage gezeigt – wurde und wird in Korea als die vertrauenswürdigste Religion wahrgenommen.

Dass muss sie aber aufrecht erhalten und meine Gespräche hier haben mir gezeigt, dass das schwierig ist, die Kirche ist auch hier wohlhabend geworden. Dass Papst Franziskus immer wieder vor einer Institutionalisierung und damit Erstarrung warnt, passt so gesehen auch hier hin. Wichtiger also als die Zahlen sind die Impulse, die die Kirche unter anderem von Papst Franziskus bekommt und wie sie sich in Evangelii Gaudium finden: Die innere Erneuerung und das Zeugnis nach außen. Und nicht zuletzt: Die Dynamik, persönlich wie auch als Gemeinschaft.

Und das zu sehen ist schon beeindruckend, beeindruckender als die Zahlen. Und letztlich auch wichtiger.

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Ecclesia in Asia

Papstreise„Sechzig Prozent der Weltbevölkerung leben in Asien. Es ist ein junger Kontinent, die Mehrheit der Bevölkerung sind junge Menschen. Und deswegen ist auf vielerlei Weise Asien zentral für die Zukunft der Welt und für die Zukunft der Welt.“ Überhaupt nicht triumphalistisch trug der Erzbischof von Bombay und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Bischöfe Asiens, Kardinal Oswald Gracias, diese Worte vor Papst Franziskus vor. Gestern war er noch bei uns im Studio, um dieselbe Botschaft loszuwerden: Schaut auf Asien, interessiert euch für Asien, nie wegen unseres Egos, sondern weil hier die Zukunft spielt

„Asien wird das Zentrum der Welt“ hatte es ebenfalls in unserem Studio der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, lächelnd gesagt.

1999 hatte Papst Johannes Paul als Ergebnis der Sonderversammlung der Bischofssynode zu Asien ein Dokument veröffentlicht, „Ecclesia in Asia“, einen Text, an dem sich Papst Franziskus in seiner Ansprache klar orientiert hat. Um den aktuellen Papstbesuch und auch die Zukunft besser zu verstehen, lohnt vielleicht ein Blick auf einige wenige Passagen.

 

Logik der Menschwerdung

 

Der eigentliche Synodenprozess bestätigte die Bedeutung des Dialogs als kennzeichnende Eigenschaft des kirchlichen Lebens in Asien. Ein aufrichtiges und ehrliches Teilen von Erfahrungen, Ideen und Vorschlägen erwies sich als ein Weg echter geistlicher Begegnung, als Weg zu jener Gemeinschaft des Geistes und des Herzens, die in der Liebe die Verschiedenheiten achtet und sie überwindet. (3)

Aber dieser Wille zum Dialog ist nicht einfach nur eine Strategie zur friedvollen Koexistenz zwischen den Völkern, sondern sie ist vielmehr ein wesentlicher Bestandteil der kirchlichen Sendung, da die Kirche selbst ihre Ursprünge im liebevollen Heilsdialog hat, den der Vater mit der Menschheit durch den Sohn und in der Kraft des Heiligen Geistes führt.

Die Kirche kann ihre Mission nur in einer Weise erfüllen, die jener entspricht, in der Gott in Jesus Christus gehandelt hat, welcher Mensch geworden ist, als Mensch mit den Menschen gelebt hat und die Sprache der Menschen gesprochen hat, um seine Heilsbotschaft mitzuteilen. Dieser Dialog, den die Kirche vorschlägt, erhält seine Grundlage in der Logik der Menschwerdung. Daher kann lediglich eine innige und selbstlose Solidarität dem Dialog der Kirche mit den Menschen Asiens einen Aufwind geben, die auf der Suche nach der Wahrheit in der Liebe sind. (29)

 

Zeugnis und Dialog

 

Das, was die Christen zu diesem Dialog beitragen, ist die feste Überzeugung, dass die Heilsfülle nur von Christus kommt und dass die Gemeinschaft der Kirche, aus der sie stammen, das ordentliche Mittel zu diesem Heil ist. Und ich wiederhole hier, was ich bereits an die Fünfte Vollversammlung der Föderation der asiatischen Bischofskonferenzen geschrieben habe: »Obwohl die Kirche gerne all das anerkennt, was in den religiösen Traditionen des Buddhismus, des Hinduismus und des Islam wahr und heilig, ja gleichsam ein Widerschein jener Wahrheit ist, die alle Menschen erleuchtet, so mindert dies dennoch nicht ihre Aufgabe, unaufhörlich Jesus Christus zu verkünden, der »der Weg, die Wahrheit und das Leben« ist (Joh 14,6). Weiterlesen

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Das Gwanghwamun-Tor in Seoul: Ort der Seligsprechungen und Symbol kaiserlicher Macht

Das Gwanghwamun-Tor in Seoul: Ort der Seligsprechungen und Symbol kaiserlicher Macht

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, natürlich auch seine eigene Glaubensgeschichte. Einhundertvierundzwanzig unter eine Nummer zusammen zu fassen und dann auch zusammen – quasi als Nummer – selig zu sprechen klingt sehr merkwürdig, nicht nur für europäische und Individualität gewohnte Ohren.

Und doch macht die Kirche das immer wieder. „Paul Yun Ji-Chung und Gefährten“ heißt das dann, obwohl man aus ganz verschiedenen Zeiten kommende und anderen Lebensumständen angehörende Menschen kaum „Gefährten“ nennen kann. Es ist eine Konvention, belassen wir es einfach dabei.

Dahinter liegt aber einfach die Überzeugung, dass wir Menschen für das wertschätzen, was sie für unseren Glauben und den Glauben der ganzen Gemeinschaft bedeuten. Wir verehren sie.

Man mag das lächerlich finden, von gestern, naiv, nur was für Menschen, sie so was halt brauchen, aber ich stehe gerne dazu: Die Seligen und Heiligen sind nicht nur Verzierungen der Vergangenheit, sie bedeuten heute etwas. Ein Ausweis für den Stand einer Kultur – Glaubenskultur oder anderer – ist der Umgang mit den Verstorbenen. Wenn wir die unseren Wertschätzen, dann ist das unserer Weise. Wenn wir ihren Beitrag für unseren Glauben wertschätzen, dann ist das noch ein Schritt weiter.

Unser Glaube ist empfangen und er ist nur in Gemeinschaft möglich. Und diese Gemeinschaft erstreckt sich über die Zeiten und bezieht auch die Verstorbenen ein. Das klingt nicht modern, aber manchmal will ich auch gar nicht supermodern sein.

Bei Märtyrern wie den 124 heute von Papst Franziskus selig gesprochenen kommt hinzu, dass sie ein Durchhaltevermögen gezeigt haben, als es mit Glauben und Leben schwierig wurde. Sie haben sich nicht angepasst. Der Seligsprechungsprozess – der für jeden und jede einzeln geführt wurde – hat gezeigt, dass das im Glauben gründete, so wir das überhaupt mit Dokumenten belegen können.

Macht euch also lächerlich, erhebt euch über uns, die wir das für wichtig halten. Aber wir halten es nun mal für wichtig. Sie gehören dazu, immer noch, auch wenn sie uns noch so fremd erscheinen.

 

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“Are you tired?”

Papst trifft JugendlicheEs hätte ganz leicht abgleiten können. Oder anders formuliert: Wenn es nicht Papst Franziskus gewesen wäre, wäre das Treffen mit den Jugendlichen Gefahr gelaufen, irgendwie billig auszusehen. Der Papst hat alle „Tricks“ aus dem Lehrbuch für den Umgang mit großen Jugendgruppen benutzt, allein, bei ihm waren es keine Tricks.

Sich seiner Umgebung immer genau bewusst, voll da und souverän die Situation meisternd hat er seine Rede gehalten, in einem guten Englisch, wenn man noch die ersten Gehversuche des Papstes in dieser Sprache im Ohr hat.

Und dann geht er ins Italienische. Er fragt die Jugendlichen, bittet um Nachsicht, winkt seine Übersetzerin von der Bühne, um einem Übersetzer aus dem Italienischen Platz zu machen, und dann wird geredet, mit Händen und Augen und ganzem Körper, wie wir es von ihm kennen.

Es wird auch gebetet, dreimal wiederholt. Er geht auf die Fragen der drei Jugendlichen genau ein, die ihm vorher gestellt waren, er verwechselt einen Namen, merkt es und korrigiert sich, nicht ohne auch hier um Nachsicht zu bitten.

 

“Are you tired? Should I stop? Or may I go on?”

 

Alles nichts Besonderes, sollte man meinen, aber wenn man bedenkt, wie streng die Organisation einer Reise ist und auch sein muss und wie schwer es ist, sich in einer fremden Kultur zu bewegen, dann war das heute ganz großes Kino.

Wie gesagt, es waren keine Tricks. Die Jugendlichen haben den Papst echt und authentisch erlebt.

Kritische Stimmen wird es wieder geben, natürlich. Aber sie werden bei niemandem, der dabei war oder das auch nur mitverfolgt hat, Gehör finden.

Das Geheimnis: Der Papst packt und lässt gleichzeitig frei. Das ist der Grund, dass es keine Tricks sind. Er überwältigt nicht, er umwirbt und bittet und kommuniziert, nicht in Phrasen sondern mit echten Sätzen. Und wenn die Sprache nicht reicht, dann muss halt en neuer Übersetzer ran. Das lässt jedem und jeder die Freiheit, sich dazu zu verhalten.

Und genau so geht man mit Jugendlichen um. Bei uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird man nicht viel davon mitbekommen, jedenfalls nicht über die regulären Medien. Aber für mich war dieses Treffen mal wieder einer der vielen Höhepunkte dieses Pontifikates.

 

 

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Die geduldige Kunst des Möglichen

Willkommensplakat für den Papst Nr. 2

Willkommensplakat für den Papst Nr. 2

Mein persönliches Highlight des Tages, es passt so gut auf Korea, und auf Israel und Palästina, auf Irak, auf Nigeria und und und

“Diplomatie als die Kunst des Möglichen beruht auf der festen und beharrlichen Überzeugung, dass Friede eher durch ruhiges Zuhören und durch Dialog erlangt werden kann als durch gegenseitige Schuldzuweisungen, unfruchtbare Kritik und Zurschaustellung von Macht.

Friede ist nicht einfach das Nicht-Vorhandensein von Krieg, sondern „das Werk der Gerechtigkeit“ (vgl. Jes 32,17). Und Gerechtigkeit als Tugend erfordert die Disziplin der Langmütigkeit; sie verlangt, dass wir vergangene Ungerechtigkeiten nicht totschweigen, sondern sie überwinden durch Vergebung, Toleranz und Zusammenarbeit. Sie verlangt die Bereitschaft, Ziele auszumachen und zu erreichen, die beiderseitig von Vorteil sind, und so die Grundlagen für gegenseitige Achtung, Verständigung und Versöhnung zu schaffen. Möge jeder von uns diese Tage dem Frieden widmen, dem Gebet für den Frieden und der Vertiefung unserer Entschlossenheit, ihn zu erreichen.

Papst Franziskus, Rede am 14. August vor Vertretern von Staat und Gesellschaft Koreas

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Gelbe Gedenk-Schleifen

Eine der Gedenkwände für die Opfer des Fährunglücks

Eine der Gedenkwände für die Opfer des Fährunglücks

Ein Abendessen mit Kollegen anderer Sender hat mit Gelegenheit gegeben, meine Eindrücke zu Korea abzugleichen. Und unter allen diesen Eindrücken herrscht einer nach einigen Tagen hier vor: Wir sind erstaunt bis entsetzt, wie gespalten diese Gesellschaft ist. Und davon, wie offen und direkt jeder und wirklich jeder in Interviews und anderen Unterhaltungen darüber spricht.

Da ist das Fährunglück vom April dieses Jahres, 300 Menschen starben, darunter viele Kinder. Das hat das Ausmaß an Korruption im Land sichtbar werden lassen, seitdem zeigt sich die politische Klasse unfähig, das aufzuklären. Die Menschen leiden und sie leiden öffentlich, sie protestieren auf der Straße. Wir hatten ja keine Ahnung, wie tief der Schock und der Zorn über das Unglück und die Unfähigkeit der Politik sitzt.

Die Mutter aller Spannungen sei der Nord-Süd-Konflikt ist die allgemein akzeptierte These. Aber abgeleitet davon werden alle Menschen, die Veränderung werden allgemein als „Kommunisten“ abgestempelt. Konflikt und offiziell vertretene Feindschaft hat die Gesellschaft vergiftet, der offene Konflikt, die Gegnerschaft sind normal geworden. Und das hat auch die Auseinandersetzungen zu anderen Themen geprägt.

„Unheilbar“, „destruktiv“, „ohne Ausweg“ sind nur einige der Begriffe, die ich dazu gehört habe. Es hat uns alle überrascht, wie stark diese Wahrnehmung der eigenen Gesellschaft ist. Der Papst mit seiner Botschaft der Versöhnung wird vor diesem Hintergrund von den Menschen verstanden werden. Und alle hoffen, dass irgend ein Impuls kommt, um aus der Selbstblockade heraus zu kommen.

 

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