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Sommerbetrieb – Blog-Pause

Liebe Leserinnen und Leser, für den Sommer werde ich den Betrieb hier auf dem Blog etwas zurück fahren und im August wieder an die Tastatur zurück kehren. In der Redaktion ist zwar weiterhin Betrieb, aber der Blog macht Sommerpause.

Für die Zwischenzeit gibt es ein Bild, vor einigen Tagen aufgenommen in der Casa Santa Marta, dem Wohnort des Papstes: Maria Knotenlöserin, die Kopie des Bildes aus Augsburg.

Maria Knotenlöserin: Das Bild in Santa Marta

Maria Knotenlöserin: Das Bild in Santa Marta

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Weltkirchlich

Mit dem Konsistorium heute wird Papst Franziskus insgesamt 49 Kardinäle ernannt und erhoben haben, ich rechne in diesem Stück nur die wahlberechtigten Kardinäle, also die unter 80 Jahren.

Benedikt XVI. hatte es in seinem Pontifikat auf insgesamt 74 Kardinäle gebracht, rechnet man nur die ersten vier Jahre – als Vergleich zu Franziskus’ ersten vier Jahren – dann liegen die beiden etwa gleichauf, da waren es bei Papst Benedikt 50 Erhebungen.

Archiv: Neue Kardinäle 2016

Archiv: Neue Kardinäle 2016

Hier also wenig Neues, die Verschiebungen in den Pontifikaten liegen woanders. Während Benedikt XVI. insgesamt 19 Italiener zu Kardinälen erhob, sind es bei Franziskus bislang 7. Und während Papst Franziskus 5 Leiter von Kurienbehörden zu Kardinälen gemacht hat, waren es bei Papst Benedikt insgesamt 31. Man muss hier zwar einrechnen, dass Papst Benedikt viel mehr Kurienleiter neu eingesetzt hat, als es Papst Franziskus bisher getan hat, aber auch so wird klar, dass sich das Schwergewicht verschiebt.

 

Haiti, Laos, Tonga

 

Noch auffälliger sind die Herkunftsländer: während in den letzten Pontifikaten eher „klassische“ Länder Kardinäle stellten, finden wir nun vermehrt Mali, Laos, Papua-Neu Guinea, Bangladesch, Tonga und Kap Verde. Einen Nuntius hat Franziskus ebenso zum Kardinal ernannt wie einen Weihbischof, sozusagen an seinem Bischof vorbei, der kein Kardinal ist.

Das ist alles sehr ungewöhnlich und wird – korrekterweise – als zunehmende Verweltkirchlichung des Kardinals-Kollegiums gesehen.

Das hat einige Folgen: Erstens kennen sich die Kardinäle bei einem künftigen Konklave nicht so gut wie in der Vergangenheit. Noch 2013 gab es eine große Gruppe von Vatikan-Kardinälen oder solchen, die früher im Vatikan gearbeitet hatten, sozusagen eine Kerngruppe. Dieser Kern schmilzt. Man kennt sich also nicht so gut und deswegen könnte entweder ein Konklave länger dauern oder aber man wählt einen der plausiblen Kandidaten, der schnell eine größere Menge an Stimmen auf sich vereinen kann.

Zweitens wird die Wahl eines Papstes weniger vorhersagbar. Bereits beim letzten Mal war das schon so, wo sich die gesamte Riege der Bescheidwisser gründlich blamiert hat, ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich in jede Kamera hinein gesagt habe, dass ich nicht weiß, wer Papst wird. Andere meinten es zu wissen und haben daneben gelegen.

 

Venedig und Turin

 

Drittens sind auch Kardinalserhebungen weniger kalkulierbar. Venedig und Turin – um nur zwei Städte zu nennen, die „eigentlich“ immer schon einen Kardinal hatten – sind immer noch ohne roten Hut. Madrid, Buenos Aires und Brüssel haben schnell einen Kardinal bekommen, andere warten bis heute. Dagegen stehen dann Tonga und ein Weihbischof.

Viertens: Daraus folgt, dass das Kardinalsamt nicht nur weltkirchlicher wird, sondern auch persönlicher. Es repräsentiert weniger ein Bistum als mehr eine Person, welche der Papst bei der nächsten Wahl beteiligt sehen möchte.

Zwei Kriterien sind es also, nach denen der Papst wählt: die Weltkirche und hier vor allem die Peripherie, damit die Wirklichkeit der Kirche repräsentiert ist. Und dann ist es die Persönlichkeit des Ausgewählten selber, nicht die Tradition – im schlechten Sinn das-war-schon-immer-so – welche den Ausschlag gibt.

So prägt Papst Franziskus das Kollegium der Kardinäle, ganz auf derselben Linie wie er die Kirche prägt.

 

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Die gemeinsame Reise

Man nennt es ein „Narrativ“: eine sinnstiftende, erklärende Erzählung. Einzelne Ereignisse, Hintergründe, Motive und Gründe werden in einen Zusammenhang erzählt und bekommen dadurch Zusammenhalt und Abfolge. Sinn eben. Werte werden auf diese Weise weiter gegeben.

Die meisten Narrative erkennt man daran, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt. Die Erzählung vom Wirtschaftswunder ist so ein Narrativ, es ordnete für Jahrzehnte das Selbstverständnis und die Werte nach dem Krieg, bis in den 68er Jahren auffiel, wo die Schatten waren. Die Shoah wurde thematisiert und das „Wunder-Narrativ“ geriet ins Wanken, weil die Fundamente nicht mehr hielten.

Der amerikanische Traum ist auch so ein Narrativ. Der ‚Erfinder’ der Begriffs in dieser Bedeutung, der Philosoph Jean-François Lyotard, nannte die zunehmende Selbstaufklärung des Menschen (Kant) und die Zielgerichtetheit der menschlichen Geschichte (Hegel) als zwei grundlegende Narrative, an denen wir die Welt erzählen.

 

Der Held auf seinem Weg

 

Aber auch Einzelschicksale haben ein Narrativ. Bei Papst Franziskus ist es zum Beispiel das des „Kämpfers im Vatikan“, das ein eher unterkomplex argumentierender Kollege gerne verbreitet und das sich in Abwandlungen gerne in der Öffentlichkeit findet. Guter und gutwilliger Außenseiter kommt in verkommene Strukturen, kämpft mit dem Drachen, ist auf der Seite der Schwachen, und so weiter. Aber zum Papst komme ich später noch einmal zurück.

Wird in festen Mustern erzählt: Papst Franziskus, hier bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz

Wird in festen Mustern erzählt: Papst Franziskus

Hinter dieser Form des Narrativs liegt eine Struktur, und zwar eine Struktur, in der wir gerne und immer wieder Geschichten und Sinn und Werte erzählen. Man kann sie bei jeder Heldenerzählung im Kino sehen, bei Romanen und im Fernsehen.

Die Beschreibung habe ich nicht erfunden, die habe ich vom Medienunternehmer Jeff Gomez. Er nennt es „The Way of the Hero“ (das hat er von einem Kommunikationstheoretiker) und wie gesagt funktioniert das ziemlich gut, wenn man sich umschaut. Jeff Gomez arbeitet in New York am storytelling für große Medienprodukte, für Serien und Filme, aber auch im Bildungsbereich. Soll heißen: er weiß wovon er redet. Und er fasst den „Weg des Helden“ so zusammen:

Ein Held bekommt widerwillig eine Aufgabe, überwindet sein Zögern, droht überwältigt zu werden, widersteht Prüfungen und Versuchungen, besiegt das auf eine Person konzentrierte Böse und kehrt mit dem Schatz oder der Gerechtigkeit oder was auch immer zurück und hat die Welt gerettet. Falls jemand sich hier an Frodo und den Herrn der Ringe erinnert fühlt, das ist ein wunderbares Beispiel. Andere Heldengeschichten tun es aber auch. Fast alle Geschichten sind Variationen dieser Abfolge, jedenfalls bis vor wenigen Jahren.

 

Immer nur mit Konflikt und Gewalt

 

Die Strukturelemente dieses Narrativs sind der Konflikt und die Gewalt – explizit oder implizit -, die Männlichkeit als Muster, Linearität von Anfang bis zur Auflösung, und vielleicht am Wichtigsten: der Sieg über den Bösen. Weiterlesen

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54 Sklaven

Für mich arbeiten 54 Sklaven. Kein Scherz, das kann man ermitteln. Sklaverei ist ja nicht nur, wenn man direkt involviert ist, sondern auch, wenn man von den Produkten und der Arbeit profitiert, und sei es indirekt. Über eine Webseite kann man ausrechnen, die der eigene „Fußabdruck“ beim Thema Sklaverei ist, Fußabdruck ist der Begriff, den man auch beim Klima benutzt, er bezeichnet da das eigene Erzeugen von Schadstoffen.

54 Sklaven also. Das klingt nicht gut. Einer ist zuviel, aber wenn ich mich umsehe, die Kleidung und Schuhe, die Dinge des täglichen Lebens, und dann die Preise dazu denke, dann wird das schon plausibel. Die Webseite macht natürlich Annahmen und peilt über den Daumen, aber selbst das reicht schon aus, um mir eine Idee zu geben.

Vor einigen Tagen kam ein Kollege aus Sizilien zurück und berichtete, wie dort Flüchtlinge unbezahlt in der Landwirtschaft arbeiten. Das ist Sklaverei. Sie können nicht weg, müssen arbeiten, die Gewinne streicht jemand anderes ein. Und ich habe keine Ahnung, ob von diesen Produkten nicht irgendwas bei mir auf dem Teller landet.

Papst Franziskus hat den Menschenhandel und alle damit verbundenen Phänomene immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt. So eine kleine Aktion wie der Selbsttest im Netz zeigen mir, wie wichtig das ist, selbst wenn mir keine „gehandelten“ Menschen über den Weg laufen.

 

Strukturelle Sünde

 

Die Theologie hat dazu den Begriff der „strukturellen Sünde“ entwickelt, also der Sünde, in die ich verwickelt bin und aus der ich gar nicht heraus kann, weil ich mich hier in Wirtschaftsstrukturen bewege, in denen zum Beispiel Menschenhandel eine Rolle spielt. Natürlich fußt Sünde immer auf der Sünde Einzelner, aber die Komplexität unserer Welt führt eben zu Netzen, aus denen ich nicht heraus kann. Man lese zum Beispiel Papst Johannes Paul II. dazu, aber nicht nur Päpste haben sich dazu geäußert.

Die Umkehr – das ist ja das Gegenstück zur Sünde – muss aus dieser strukturellen Sünde gemeinsam passieren, einer alleine kann das gar nicht machen, dazu sind wir zu sehr vernetzt. Deswegen ist es richtig, immer wieder auf Menschenhandel hinzuweisen, aber es ist auch wichtig, das beim Namen „Sünde“ zu nennen und nicht nur bei wirtschaftlichen Kategorien zu belassen.

In der Kirche hat Sklaverei immer schon Licht und Schatten hervorgerufen, es gab Kämpfer gegen und Profiteure von Sklaverei. Um so wichtiger, hier eindeutig Stellung zu beziehen.

 

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Festtag, ganz gleich wann

An diesem Sonntag ist Fronleichnam. Falsch, an diesem Sonntag wird an vielen Orten Fronleichnam gefeiert, obwohl das Fest eigentlich am Donnerstag ist. Donnerstag muss es auch aus einem inneren Zusammenhang sein, denn es geht gewissermaßen um das Wiederaufgreifen des Gründonnerstages, der Eucharistie.

Nun feiert der Papst das zum ersten Mal selber nicht am Donnerstag, sondern am Sonntag. Die Prozession von San Giovanni in Lateran zu Santa Maria Maggiore, die Via Merulana rauf, findet nicht am Donnerstag statt. Das hat etwas Aufsehen erregt, nicht nur in Rom. Kalenderfragen kommen immer recht harmlos daher, sind es aber ganz und gar nicht.

Fronleichnam 2016 in Rom - noch auf einem Donnerstag

Fronleichnam 2016 in Rom – noch auf einem Donnerstag

Bislang war beim Fest immer auch etwas Protest dabei, eben weil in Italien Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist. Die Prozession fiel in den Berufsverkehr, eine wichtige Zone Roms wurde gesperrt und es wurde klar, dass man nicht nur an Sonntagen katholisch ist, sozusagen.

Dass Papst Franziskus jetzt entschieden hat, pragmatisch zu sein und diesen öffentlichen kleinen Protest zum Fest fallen zu lassen, tragen ihm einige nach. Zeitgeist nachgegeben und so weiter.

 

Gründonnerstag nach Pfingsten

 

Es ist zwar schade, dass wir den inneren Zusammenhang der Feste Gründonnerstag und Fronleichnam dadurch verlieren, aber der Papst schafft sich dadurch etwas Freiraum. Man kann sich auf das Fest konzentrieren und muss nicht nach einem Arbeitstag noch irgendwie zur Prozession kommen. Der Sonntag ist in Sachen Infrastruktur – wo Fronleichnam kein Feiertag ist – besser geeignet. Wie gesagt, es ist schade, dass es kein Feiertag in Italien ist, aber solange das so ist und bleibt, braucht es halt pragmatische Lösungen, und genau so eine hat der Papst nun gewählt.

Der Protest gegen den so genannten Zeitgeist und so weiter fällt weg. Das hat aber auch eine gute Seite. Wir können uns beim Feiern auf Christus konzentrieren. Und andere Kämpfe kämpfen, die viel wichtiger sind, wenn es um Kalender geht, etwa den um den arbeitsfreien Sonntag.

Fronleichnam ist eben eine Prozession und keine Demo.

 

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Die Armut und die Millionen

Es ist ein wenig ironisch, dass wir heute bei Radio Vatikan zwei Themen nebeneinander stehen haben, die widersprüchlicher nicht sein könnten und doch die Realität unserer Kirche ganz gut passen. Zum einen geht es um die „Arme Kirche für die Armen“, Papst Franziskus hat einen Text zum Welttag der Armen geschrieben, der in diesem Jahr erstmals begangen wird und zwar am 19. November, also dem vorletzten Sonntag vor dem Advent. Die Armen sind kein Problem, von den Armen kann man das Wesen des Evangeliums lernen, heißt es dort.

Nachricht Nummer Zwei: Gestern Abend aber hat das IOR – im Volksmund „Vatikanbank“ – seine Jahresbilanz vorgestellt: Der komplette Reingewinn, 36 Mio Euro, gehen an den Vatikan.

Die arme Kirche für die Armen bekommt also 36 Mio Euro überwiesen. Ironisch. Gott hat halt Humor. Als ich dann auch noch die Nachricht geschrieben habe, dass an diesem Donnerstag im Vatikan eine internationale Tagung zum Thema Korruption stattfinden wird, musste ich erst mal laut auflachen.

 

Einerseits 36 Millionen Euro …

 

Da ist also die Welt der Spiritualität, der Menschlichkeit, des Anspruchs Jesu an seine Kirche, da ist das Ideal, die Theologie, die Umkehr der Menschen und der ganzen Kirche. Und da ist andererseits die Welt der Pragmatik, des Bezahlens von Angestellten, der immer besser kontrollierten und risikoarmen Verwaltung von Geld. Beides auf derselben Seite.

Franziskus-Fresco in Subiaco

Erklären kann man das alles, aber das ist hier nicht mein Punkt. Beide Nachrichten haben eine Botschaft: Pragmatik ist wichtig, schließlich ist die Realität wichtiger als die Idee. Aufruf zur Umkehr ist wichtig, schließlich sind wir keine NGO. Um es ganz überspitzt zu sagen.

Die Kunst ist nun, beides zusammen zu tun. Klug zu sein um Umgang mit den Dingen der Welt, aber sich von denen nicht gefangen nehmen zu lassen. Es gehe um den „Maßstab, der es erlaubt, den korrekten Umgang mit den materiellen Dingen einzuschätzen“, wie es die Papstbotschaft sagt.

 

… andererseits Arme Kirche für die Armen

 

Das ist letztlich viel anspruchsvoller als die Radikale und letztlich einfache Forderung, schlicht alles wegzugeben. Die Dinge haben und sie so haben, als ob man sie nicht habe, um den Apostel Paulus zu paraphrasieren, gilt es immer wieder neu zu lernen. Immerhin ist die Kirchengeschichte – und die Geschichte des IOR – voll mit Ereignissen, wo das so richtig schief gegangen ist.

Aber irgendwas in mir schreit da auch „Vorsicht!“ Die beiden Nachrichten bleiben sperrig nebeneinander stehen, sie mögen sich gegenseitig nicht. Und drinnen bleibt das Gefühl, dass das auch gar nicht stimmen kann, dass das gar nicht stimmen will, dass man das eine nicht in das andere überführen kann, ohne dass die Sinnspitze verloren geht.

Es ist und bleibt widersprüchlich. Und vielleicht ist das auch ganz gut so: das nervt beim zu einfachen Sprechen über Armut und das nervt beim zu professionellen Verwalten der Güter. Das eine ärgert das andere. Da ist Dynamik drin und das ist ja nichts Schlechtes.

 

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Ekklesiologie des Internets

Demnächst werden wir hier im Vatikan die verschieden Medien zusammen legen und dabei auch gleich unsere Verfahren ändern. Dazu gehört zum Beispiel eine gemeinsame Linie im Umgang mit sozialen Medien. Bisher hat jede Institution und jede Redaktion das nach eigener Einschätzung gemacht, nun wollen wir gemeinsam vorgehen.

Eine Linie zum Beispiel ist die, dass der Vatikan nicht das Pfarramt der Welt ist. Anfragen zum Beispiel auf der Facebookseite bei uns sollen – so sie nicht Vatikanthemen sondern Konkretes angehen – an örtliche Kirchen weitervermittelt werden. Die Kirche sei eine, weltweit, aber sie bestehe eben als lokalen Kirchen und dort spiele sich das echte Leben ab.

Tut es das? Das Internet kennt ja keine Grenzen und ob ich nun auf einer österreichischen Webseite oder einer deutschen eine Frage stelle, sollte eigentlich egal sein. Leute erwarten Antworten von demjenigen, dem sie die Frage stellen.

 

Eine Zentrale, die lokal denkt

 

Auf der anderen Seite hat der Gedanke ja etwas für sich, nicht alles durch das Interesse am Papst an den Vatikan zu ziehen, sondern lokal zu denken. Eine Zentrale, die sich dem Lokalen verschrieben hat: Globalität in Lokalität, wenn es uns gelingt, das wirklich umzusetzen, dann hat das eine Chance, zu einer Ekklesiologie, also einer Theologie von Kirche, im Zeitalter des Internets zu werden.

Kirchen bei Second Life hat es schon gegeben, wenn ich mich richtig erinnere betrieben etwa vom Erzbistum Freiburg. Das ist aber mit dem Ding wieder untergegangen. Im Netz gibt es auch viele Initiativen und Meinungsseiten, die über alles Mögliche urteilen, auch wenn man die Umstände vielleicht gar nicht kennt. Genau das nicht zu tun, sondern die lokalen Kirchen (Bistümer oder Orden oder Initiativen oder anderes Kirchliches) einzubinden, das hat eine Chance, modern und global zu sein, ohne die Konkretheit zu verlieren. Weiterlesen

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qui consequitur sequitur

Mittwoch Abend, laue Sommernacht, ein Gartenlokal in der Villa Borghese, Roma. Zwei Jesuiten lassen den Tag ausklingen und unterhalten sich buchstäblich über Gott und Welt. Nur dass in diesen Tagen auch solche Gespräche unweigerlich bei einem einzigen Thema landen.

Ob das nun das Mittagessen nach einer Firmung am vergangenen Sonntag ist, ob ein Gespräch beim Ausflug in die Berge, ob die Redaktionskonferenz oder das gemeinsame Frühstück, seit Monaten ist es immer und immer wieder und immer nur Donald Trump.

An diesem Donnerstag blüht uns die Verschärfung dieser Debatte, wenn wir vor zwei Monaten auch nicht für möglich gehalten hätten, dass das überhaupt möglich wäre. Der ex-FBI Chef sagt aus und die Wahlen in Großbritannien und die in Frankreich am kommenden Sonntag verschwinden dahinter. Trump, Trump, immer wieder Trump.

Wir alle werden Trump. Wenn es stimmt, dass sich bei Donald Trump alles um Donald Trump dreht, dann werden wir, so auch wir uns um ihn drehen, selber auch ein wenig Trump. Im Ernst, diese Obsession ist vielleicht erklärbar, aber nicht unbedingt gesund.

Der andere Jesuit erwähnte die im Titel genannte lateinische Formulierung, die ich gar nicht kannte, wohl ein altes römisches Wort: Wer verfolgt, folgt. Soll heißen, dass jede obsessive Beschäftigung mit dem Phänomen uns zum Teil des Phänomens macht. Das sollte uns zu Denken geben.

 

Zaphod Trump

 

Die Versuche, das alles ja nicht normal werden zu lassen und die Unglaublichkeit immer wieder zu betonen, finde ich wichtig und richtig. Aber es gibt auch noch andere Themen, die im Augenblick so gar nicht vorkommen.

Kennen Sie Zaphod Beeblebrox? Das ist eine Figur aus der Romanserie Per Anhalter Durch Die Galaxis. ZB ist der Präsident der Galaxie und seine Aufgabe ist es, so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen, so dass niemand merkt, wer wirklich die Macht hat und ausübt. Klingelt da was?

Verschwörungstheorien einmal beiseite, eines hat Trump mit Beeblebrox gemeinsam: sie ziehen alles an Aufmerksamkeit auf sich, was in der Galaxie zu haben ist. Und das kann – bei all den anderen Problemen die wir haben – nicht gesund sein.

Also hoffen wir mal, dass die Wahlen in GB eine stabile Regierung hervor bringen, dasselbe für Frankreich am kommenden Sonntag. Hoffen wir auf eine Lösung der Konflikte in Quasar/Türkei/Saudi Arabien, schauen wir mal wieder nach Nordkorea und natürlich auf die ausbrechende und sich entwickelnde Hungerkatastrophe in Afrika (soll keiner sagen können, davon hätten wir nichts gewusst). Von all dem lenkt Zaphod Trump ab.

Für das nächste Gespräch im Gartenlokal gilt einfach mal ein Themen-Verbot: No Trump!

 

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Erst Verschiedenheit, dann Einheit

Erst kommt die Verschiedenheit und die wird dann zu einer Einheit geformt: Es sind scheinbar unschuldige Sätze wie dieser aus der Pfingstpredigt des Papstes, die sich bei mir festhaken. Ist doch klar, könnte man denken, wie soll Einheit auch sonst entstehen? Erst sind alle eins und dann entsteht Verschiedenheit?

Wenn da nicht im Hintergrund eine Menge theologischer Debatten herumlaufen würden, die sich bei diesem Satz wieder melden. Die bekannteste ist die zwischen den beiden Kardinälen Joseph Ratzinger und Walter Kasper, ausgetragen vor allem in der Zeitschrift ‚Stimmen der Zeit’: Was war zuerst da, die Einheit der einen Kirche oder die Verschiedenheit der Ortskirchen? Dahinter lag leider auch immer die Frage nach Vorrang und Wichtigkeit, den beiden Protagonisten ging es aber vielmehr darum, wie man Kirche denken kann.

Es ging um Dialog und Communio, es ging um Einheit in Christus, es ging um das Gottesreich, dass in der Kirche angebrochen ist. Es geht darum, ob Kirche aus Christus oder aus dem Geist gedacht werden kann, soll oder muss.

 

Ratzinger und Kasper

 

Wenn man von Christus ausgeht, dann steht selbstverständlich die Einheit am Beginn. Denke ich historisch, dann ist eher das andere wahr. Aber beide Betrachtungsweisen schließen sich ja nicht aus, es ist alles eine Frage der Perspektive. Ich fand die Debatte damals – die ich im Studium dann noch einmal vorgelegt bekam – sehr inspirierend, wahrscheinlich gibt es gar nicht die eine alle anderen Argumente schlagende Antwort. In jedem Fall hat sie uns alle ans Nachdenken gebracht. Dass es die eine alles klärende Antwort vielleicht nicht gibt macht die Diskussion aber nicht unwichtig, im Gegenteil, so verstehen wir mehr was wir wissen und was wir nicht wissen.

Aber zurück zum Papst, der hat so gepredigt:

„Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden« (Apg 2,3-4). So beschreibt das Wort Gottes das Walten des Geistes, das zuerst über jeden Einzelnen kommt und dann alle miteinander in Verbindung setzt. Jedem gibt er eine Gabe und alle versammelt er in der Einheit. Mit anderen Worten, derselbe Geist erschafft die Verschiedenheit und die Einheit und auf diese Weise formt er ein neues Volk, das vielfältig und geeint ist: die universale Kirche. Zuerst erschafft er einfallsreich und unvorhersehbar die Verschiedenheit; denn zu jeder Zeit lässt er neue und vielfältige Charismen aufblühen. Dann verwirklicht der gleiche Geist die Einheit: er verbindet, versammelt und stellt die Harmonie wieder her.“ Weiterlesen

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Die Herausforderung der Vielfalt

Österreich kennt einen „soliden und bewährten Religionsfrieden”: Es ist zwar schon einige Tage her – Mittwoch – aber da ich unterwegs war komme ich erst jetzt dazu, das aufzuschreiben. Kardinal Christoph Schönborn hat diese Worte gewählt, bei einem Empfang für Medien, Kultur und Wirtschaft, und daran die Warnung angeschlossen, denen nicht in die Hände zu spielen, die diesen Religionsfrieden nicht wollen.

Blick auf den Redner, von mir aus gesehen weit weg. Aber es kommt ja auf das Hören an

Blick auf den Redner, von mir aus gesehen weit weg. Aber es kommt ja auf das Hören an

Er nannte zum Beispiel die Reduzierung des Islam auf einige wenige Kontroversthemen, das sei ein Weg, die Spalter stark zu machen. Religionsfrieden sei zwar nicht mehr so einfach wie vielleicht früher, aber das sei kein Grund zur Panik.

Leben in Vielfalt sei eine Herausforderung: leicht versteckt lag hier die Aufforderung, sich nicht zurück zu sehnen oder zu glauben, mit einfachen Rezepten sei das Früher wieder herstellbar.

Interessant war auch, dass Kardinal Schönborn seine Gedanken ausdrücklich unter die Überschrift des „Tages des Lebens“ stellte. Er begann damit, an das Leben der Christen zu erinnern, die verfolgt werden, und er nannte ausdrücklich die Kopten Ägyptens. „Tag des Lebens“ ruft gleicht das Wort „Lebensschutz“ wach, und das ist leider von einigen kirchlichen Gruppen auf die Frage nach Abtreibung beschränkt worden. Auch hier helfen die Gedanken des Kardinals: Wer für das Leben eintritt, muss auch für das Leben der Christen im Nahen Osten eintreten wie überhaupt aller Verfolgten dort. Wer für das Leben eintritt, muss auch für den Religionsfrieden eintreten, siehe oben.

Der Religionsfrieden in Österreich und der Einsatz für Christen und alle Verfolgten im Nahen Osten: Das sind Anliegen des Lebensschutzes. Nur zwei kurze Eindrücke von einer sehr guten Veranstaltung.

 

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