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Knotenlöserin

Die Abbildung der Maria Knotenlöserin aus Augsburg

Maria Knotenlöserin, Mayross, Limerick, Irland

Die irische Stadt Limerick ist um eine katholische Attraktion reicher: In der Pfarrei Corpus Christi, Moyross, gibt es seit vergangenem Sonntag eine Kopie des Marienbildes aus Augsburg: Maria Knotenlöserin. Das wäre nicht wirklich eine Nachricht hier, wenn es nicht einen sehr starken Papst Franziskus Bezug gäbe. Der damalige Pater Jorge Bergoglio hatte das Bild in Augsburg in Sankt Peter am Perlach gesehen, nach seiner Ernennung zum Weihbischof dann auch im Bistum Buenos Aires eingeführt, in die Pfarrei San José del Talar, wo es sich großer Beliebtheit erfreut. Jeder 8. des Monats ist dort der Tag der Knotenlöserin, tausende Menschen kommen in die Kirche.

Der britische Journalist Paul Vallely hat das Bild bzw. seine Botschaft – das Lösen der Knoten – sogar zu einer Art roten Faden in seiner Biographie des Papstes werden lassen.

Seit der Wahl Erzbischof Bergoglios gewinnt dieses Bild nun auch anderswo Beliebtheit, unter anderem also in Limerick. Auch in der Casa Santa Marta, wo der Papst lebt, hängt eine Kopie des Bildes.

Dass der päpstliche Nuntius Charles Brown das Bild beim

Vatikan, Santa Marta: Im Hintergrund hängt die Kopie des Augsburger Bildes (c) OssRom

Vatikan, Santa Martha: Im Hintergrund hängt die Kopie des Augsburger Bildes (c) OssRom

Gottesdienst am vergangenen Sonntag gesegnet hat zeigt auch noch einmal, dass es mehr ist als eine Verbindung mit Augsburg, es ist eine Verbindung mit dem Papst. Wie der Pfarrer der Gemeinde Pater Tony O’Riordain mir sagte: Let’s build a link.

Das schöne an dem Link, der Verbindung mit dem Papst: Es ist kein Personenkult. Die Statue, die das Bistum Buenos Aires von Bergoglio aufstellen wollte und gegen die sich der Papst gewehrt hat, was kein guter Stil. Wenn die Verbindung mit dem Papst aber darin besteht, gemeinsam zu beten und das mit der Hilfe eines Bildes zu tun, dass eine eigene Botschaft hat, dann finde ich es wunderbar.

 

Nicht die schnelle Lösung suchen

 

Die Botschaft des Bildes hat mit den Verwirrungen des Lebens zu tun, mit Komplexität, vielleicht auch damit, keinen Ausweg zu wissen. Irgend ein Band oder ein Bund ist nicht glatt, sondern in sich verhakt. Wer schon einmal mit Telefonkabeln gekämpft oder einfach nur ein Seil weggelegt hat weiß, dass der Knoten irgendwie der Naturzustand alles Seins wird, wenn man die Dinge mal alleine lässt. Weiterlesen

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Päpstliche Rauferei

„Wenn du was gegen deinen Bruder hast, sag’s ihm ins Gesicht. Vielleicht endest du in einer Rauferei, aber besser dies als der Terror des Geschwätzes“. Es sind solche Sätze, die Papst Franziskus immer wieder äußert und die immer noch Aufsehen erregen.

Recht hat er ja, der Papst, und er hat es auch schon vielfach gesagt, nur tut er das normalerweise nicht mit der farbigen Metapher einer Schlägerei.

Das Zitat stammt übrigens aus einer Ansprache vor Ordensleuten in der vor-vergangenen Woche.

Hier kam eines seiner Lieblingsthemen zum Tragen: Der Tratsch. Dabei geht es nicht um leichte Lästerei, der Papst sieht darin eine schwere geistliche Verformung. Wer über andere rede, verborgen und nie wirklich der Wahrheit verpflichtet (= Tratsch), der stellt sich selbst in den Mittelpunkt. Tratsch ist nicht nur eine schlechte Form der Kommunikation, sie ist eine Selbstrechtfertigung, ohne Scham, ohne Freundschaft.

Zu viel gibt es davon unter uns Menschen, und das zersetzt Gemeinschaften.

Aber zurück zur farbigen Formulierung einer „Rauferei“. Den Bericht über die Rede des Papstes habe ich so angelegt, dass diese Formulierung gar nicht vorkam. Es geht in der Ansprache um das zeugnishafte Leben von Ordenschristen, individuell und als Gemeinschaft. Natürlich ist die oben genannte Formulierung packend und drückt den Gedanken sofort verstehbar aus. Aber darüber hinaus hat der Papst noch mehr zu sagen, und das gerät dann etwas in den Hintergrund.

Denn die Botschaft ist letztlich unbequem: Ordensleben sei prophetisch in dem Sinn, als es als Widerspruch zum Zeitgeist zu verstehen sei, wie auch Jesus Widerspruch gewesen sei.

Und er spricht davon, dass man die Charismen der Orden nicht wie destilliertes Wasser behandeln kann, also sichern und abdichten, sondern dass sie sich ausschließlich in der herrschenden Kultur und Realität voll entfalten können, ein Plädoyer wider den Rückzug.

Das sind Botschaften, die wichtig sind.

Bei der Berichterstattung bleibt es spannend – und es ist fast täglich eine Debatte in der Redaktion hier bei uns – wie stark die bunten Formulierungen und wie wichtig die eher trockenen Inhalte in der Berichterstattung sind. Eine abstrakte Lösung gibt es nicht, wir sind Journalisten, wir wollen irgendwie beides.

Auch das gehört zum Spannenden in diesem Pontifikat.

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Das kann mir niemand abnehmen

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Zum Thema meines letzten Textes hier möchte ich noch einmal nachlegen. Ich bin angesprochen worden auf eine Bewegung, die man historisch eigentlich an den Beginn des 20. Jahrhunderts legt, deren Grundmuster aber auch heute noch halten: Der Integralismus. Hier könne man viel von dem finden, was sich jetzt gegen Papst Franziskus und seine gemutmaßte pastorale Ausrichtung richtet. Deswegen wage ich einige Zeilen dazu.

Kirche Christus, Hoffnung der Welt - Wien: Das ewig Wahre immer neu ausdrücken

Kirche “Christus, Hoffnung der Welt” – Wien: Das ewig Wahre immer neu ausdrücken

Als Freund des gedruckten Buchstaben greife ich zum Lexikon für Theologie und Kirche. Dort lese ich: „Integralismus: Vor dem Hintergrund einer negativen Sicht der Welt, besonders der modernen Welt, lehnt der Integralismus das Bemühen, den christlichen Glauben mit dem Denken der jeweiligen Zeit zu verbinden, als Modernismus ab [und] sucht auch profane Lebensbereiche weitestmöglich kirchlicher Entscheidungsgewalt zu unterstellen (..).“

Natürlich gibt es den Integralismus so in der abstrakten Reinform gar nicht, losgelöst von Menschen, die mehr oder weniger in diesen Mustern die Welt wahrnehmen. Es geht also nicht um irgendwelche –Ismen. Das einmal vorweg.

Dann aber gibt uns der oben zitierte Satz zwei Elemente, die ich bezeichnend finde. Das Ablehnende der modernen Welt und damit einhergehend das Bemühen, sich den Glauben ohne diese Welt zu Recht zu legen (meine Interpretation) und zweitens im Umkehrschluss die Kontrolle der Lebenspraxis in der Welt Regeln zu unterwerfen, die diesem zu Recht gelegten Glauben entsprechen.

Wie alle Zirkelschlüsse ist auch dieser – aus der Ablehnung folgt der Glauben und aus dem Glauben eine Praxis, die sich abschließt – letztlich unangreifbar. Wer sich innerhalb dieser Logik bewegt, ist in seinen eigenen Augen immer auf der sicheren Seite.

Dabei sind die ewigen Wahrheiten etwas, was immer neu ausgedrückt werden muss. Die Ausdrucksform der Wahrheit kann und muss vielgestaltig sein (Papst Franziskus, Evangelii Gaudium 41, der an dieser Stelle Papst Johannes Paul II. zitiert).

 

Eigenverantwortung

 

Der zentrale Punkt der Debatte liegt aber noch woanders. Ich zitiere noch einmal das LThK, den letzten Satz aus dem Artikel ‚Integralismus’: „Auch hier geht es wieder um die Frage der Eigenverantwortung des Christen, die sich jeder Generation neu stellt.“ Weiterlesen

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Hermeneutik der Reform

Ohne dass jemand am Steuer stünde: Diesen unglücklichen Vergleich meinte ein prominenter Kardinal gebrauchen zu sollen, als er die Ergebnisse der Bischofssynode im Oktober beschrieb. Wir sind also angekommen, Teile der Kirche sehen in Papst Franziskus das Übel und sprechen ihm entweder den Willen oder die Fähigkeit ab, die Kirche zu leiten.

Was heißen soll: So zu leiten, wie sie es für richtig halten. Auch wenn ich ein großer Fan davon bin, die Konflikte nicht in den Mittelpunkt der Kirche zu rücken, braucht es doch einen klaren Blick darauf, um was es geht, damit wir uns nicht ins Boxhorn jagen lassen. Also: Die sich selber traditionsverbunden oder konservativ nennenden Katholiken wittern ein Ändern der Lehre und damit einen Abfall vom tradierten Glauben.

Eine der Annahmen der Kritik am Papst ist, dass die Begriffe „konservativ“ und „orthodox“ austauschbar sind. Diesen Gedanken habe ich bei Pater John O’Malley SJ gefunden, der damit in eine Debatte in den USA eingreift. Eine kluge Beobachtung, die ich mir gleich zu Nutzen mache.

 

Konservativ ist nicht automatisch gleich rechtgläubig

 

Nicht wandeln wollen und rechtgläubig sein – so darf ich die beiden Begriffe übersetzen – seien sozusagen zwei Seiten derselben Medaille. Mir scheint aber, und da stimme ich John O’Malley zu, dass das in diesem Automatismus nicht stimmt. Blicken wir nur zurück auf das Zweite Vatikanum, da gab es eine ganze Reihe von damals so genannten Progressiven – verstanden als Gegensatz zu konservativ – bei denen sich herausgestellt hat, dass sie und ihre Meinungen, Stellungnahmen und Texte sehr rechtgläubig waren.

Es hat Wandel stattgefunden, in vielen Punkten, nehmen wir nur das Verhältnis zu den Juden oder die Ökumene. Rechtgläubigkeit, die getreue Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation, hat im Wandel stattgefunden. Die selbsternannten Wahrer der Lehre sehen sich also als orthodoxer, der Lehre näher, als die zu diesem Zweck geweihten Bischöfe. Das finde ich einen erstaunlichen Befund.

Da gibt es Theologen, die so päpstlich sind, dass sie aus all dem Wandel den Schluss ziehen, wir könnten einen neuen Papst brauchen. Man ist nur dann treu, wenn der Papst das macht, was man selber will. Das hat Untertöne, nämlich die der Spaltung. Das will keiner zugeben, aber logisch gesehen ist das die Drohung, die folgt. Das ist weder orthodox noch konservativ. Weiterlesen

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„Aber das Wort kann man doch nicht lieben!“

Kennen Sie den Film ‚Breaking the Waves’? Lars von Trier, 1996? Es geht um Schuld, um Opfer, um Sexualität, um all die Themen, die von Trier immer wieder in seinen Filmen behandelt. Und es ist ein theologischer Film. Die Hauptperson Bess wird darin von ihrer calvinistischen Gemeinde exkommuniziert. In einer Versammlung der Gemeinde – bei der nur Männer das Wort führen dürfen – wird ihr das Wort Gottes vorgehalten, worauf sie ruft: „Aber das Wort kann man nicht lieben. Man kann nur einen Menschen lieben.”

Eine aufgeschlagene Bibel aus Taiwan, gedruckt 1933

Auch die Bibel: Chinesich.

Diese Formulierung ist mir hängen geblieben. Sie ist ja auch einprägsam und passt wunderbar zum Satz: Die Wahrheit des Christentums ist keine Sammlung von Sätzen, sondern eine Person: Jesus Christus. Aber da wollte ich gar nicht hin. Ich will etwas anderes sagen.

Immer wieder – auch und gerade in den Kommentaren hier im Blog – wird auf das Wort Gottes Bezug genommen. Da steht dies drin und das und danach müssen wir uns richten. Felsenfest und klar seien die Aussagen, wir seien nicht Herren über das Wort Gottes und so weiter. Und das ist auch alles richtig.

Bess’ Ausruf lässt mich aber noch mal nachschlagen: Wie gehen wir eigentlich mit dem Wort Gottes um?

Schauen wir einfach mal nach. Zum Beispiel in eine der wichtigsten Enzykliken zum Thema, „Divino Afflante Spiritu“, 1943 von Papst Pius XII. veröffentlicht. Der Umgang mit der Heiligen Schrift war in der katholischen Kirche ja nicht immer einfach. Vor allem das Aufkommen der Textkritik als Methode hatte zu Streit geführt, Pius XII. beendet diesen Streit zu Gunsten der historisch-kritischen Methode, wenn sie denn richtig angewandt wird. Das macht diese Enzyklika so wichtig und für heute noch – wo gerne einmal mit dem Wort Gottes wewedelt wird, ohne nachzudenken – so wichtig.

 

Zwei Straßengräben

 

Die wichtigste Aussage der Enzyklika: Was macht die Bibel zur Heiligen Schrift? Die Inspiration durch den Heiligen Geist. Das klingt erst einmal selbstverständlich, ist es natürlich auch, aber daraus folgen ja einige Dinge, die es zu beachten gilt.

Es hat vor allem Folgen für diejenigen, die sich mit der Schrift beschäftigen.

Was soll der Bibelwissenschaftler und jeder, der sich um die richtige Lektüre der Schrift tun? Versehen mit der Kenntnis der biblischen Sprachen und dem Instrument der Textkritik „die Auffindung und Erklärung des wahren Sinnes der heiligen Bücher“. Dabei gilt es, zwei Straßengräben zu vermeiden. Der eine ist die Beschränkung auf den „Literalsinn“, wie der Papst es nannte, also das Festhalten an der Wortwörtlichkeit, ohne Verstehen zu suchen. Dagegen hilft das Lernen der Sprachen der Bibel, dagegen hilft auch die Einsicht, dass wir ja gar keinen Urtext der Schrift haben, nur verschiedene Textzeugen, die teilweise Unterschiedliches, manchmal auch sich widersprechendes berichten. Es ist also an den Exegeten, nach bestem Wissen und Gewissen immer wieder die plausibelste Version des Textes zu erarbeiten. Allein das hilft schon gegen einen zu schlicht verstandenen Literalsinn. Weiterlesen

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Mauerfall und Mauerbau

Es ist nicht sonderlich originell, aber auch ich will mich hier den vielen Berichten anschließen, die anlässlich des Jahrestages des Falls der Mauer all die anderen Mauern aufzählen, die wir haben oder gerade errichten. Zwei besonders brutale habe ich in diesem Jahr selber gesehen, die zwischen den beiden Koreas und die zwischen Israel und Palästina. Dann gibt es die gegen die Flüchtlinge aus Mexiko in die USA, Triton – die Ablösung von Mare Nostrum im Mittelmeer – könnte auch eine Mauer werden. Und dann könnte ich auch noch die Mauern in den Köpfen anfügen, aber das können Sie selber auch.

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Nachdenken über Grenzen: Berlin, 2003

Die Ereignisse, die zum Mauerfall geführt haben, die Demonstrationen und Proteste, der Mut und so weiter, das alles sind die Ereignisse, an die wir uns erinnern sollten. Nicht an die großen Männer der Geschichte, die sich selber große Bedeutung zuschreiben, sondern an die vielen, die Veränderung wollten und dafür aufstanden und auf die Straße gingen. Die Namen, die kaum mehr jemand kennt. Die haben das geschafft, was wir gedenken: Die Mauer steht nicht mehr.

Und das hat dann über reine Gedenktage hinaus auch noch Wirkung für heute: Für Korea, Palästina, das Mittelmeer … .

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Relatio Sinodi, deutsch

Die Deutsche Bischofskonferenz hat an diesem Donnerstag eine Übersetzung der Relatio Sinodi, des Schlussdokumentes der letzten Versammlung der Bischofssynode und gleichzeitig des Vorbereitungsdokuments für die nächste vorgelegt. Hier geht es zum Dokument

 

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Alle reden über …

Damit das Kinderkriegen in den Businessplan passt: Facebook und Apple zahlen Mitarbeiterinnen finanzielle Unterstützung, damit sie ihre Kinderwünsche auf Eis legen. Eizellen sollen eingefroren werden, damit die teuren Rädchen im großen Getriebe bloß nicht ausfallen. Familie ist dem Geldverdienen unterworfen. Fast schon vergessen ist diese Meldung nur die jüngste im Reigen zu unseren Debatten zur Familie.

Familie? Familiensynode? Nein, nicht Synode, ich meine die ganz normalen politischen und gesellschaftlichen Debatten.

Betreuungsgeld, Kindergeld, Ehegattensplitting: Ein beliebiges googlen zum Thema Familienpolitik bringt immer Geld-Themen zum Vorschein. Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles. Nein, sagt da die Kirche, Familie und Ehe und Kinder und das alles sind Gottesgeschenk und nicht nur Funktion eines brav funktionierenden Geldverdienens. Fürchterlich altmodisch? Eher revolutionär, weil hier auf einmal der Mensch entscheiden darf und nicht das Wohlergehen des Wirtschaftsstandortes.

Natürlich geht es doch um die Familiensynode und den synodalen Prozess, den Papst Franziskus angestoßen hat. Denn wir sollen ja über Familie sprechen. Kirchenweit. Und das will ich in diesem Blog auch aufrecht erhalten.

Seinen wir fair: Nicht allen passt das Familienbild der Kirche und man muss auch genau hinschauen und Ideologisierungen und verzerrte Bilder einer Kritik unterwerfen. Genau das ist auch in der Versammlung der Bischöfe passiert. Es reicht noch nicht? Nun gut, dann debattieren wir halt weiter, innerhalb und außerhalb. Keineswegs aber ist die Familie nur Anhängsel des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Es ist schon erstaunlich, dass die Welt über Familie redet, aber die innerkirchliche Debatte das Thema hernimmt, um sich auf innerkirchliche Konflikte zu versteifen.

Vielleicht sollten wir in der Kirche die Debatten um die Familie ernst nehmen und uns selbst und die internen Konflikt weniger. Und dann über die Familie reden. Denn zu sagen haben wir da einiges.

 

 

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Angepasste Verkündigung

Muss sich die Kirche der Kultur anpassen? Darf sie das überhaupt? Und wenn ja, wie weit? Oder muss sich Kirche nicht vielmehr gegen die Kultur verhalten? Wie kann im Spannungsfeld dieser Fragen eine zeitgemäße Verkündigung stattfinden?

Einen Fragenkomplex nach der Bischofssynode möchte ich mit dieser Skizze zusammenfassen. Übertrieben formuliert sprechen einige vom angeblichen „Ändern der Lehre“ oder anderem. Oder man spricht davon, dass die Kirche nichts aufgeben dürfe, um ihre Glaubwürdigkeit und ihren Auftrag nicht zu verlieren.

Dass solcherlei Überzeichnungen nicht wirklich helfen, liegt auf der Hand. Damit macht man vielleicht Wind in der Öffentlichkeit, kommt aber der Frage nach der Spannung, wie ich sie oben angedeutet habe, nicht wirklich weiter.

Deswegen mag ich an dieser Stelle einen Referenztext empfehlen, der sich mit dieser Frage befasst: Gaudium et Spes, ein Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dort heißt es unter der Nr. 44:

 

Die Hilfe, welche die Kirche von der heutigen Welt erfährt

Wie es aber im Interesse der Welt liegt, die Kirche als gesellschaftliche Wirklichkeit der Geschichte und als deren Ferment anzuerkennen, so ist sich die Kirche auch darüber im klaren, wieviel sie selbst der Geschichte und Entwicklung der Menschheit verdankt. Die Erfahrung der geschichtlichen Vergangenheit, der Fortschritt der Wissenschaften, die Reichtümer, die in den verschiedenen Formen der menschlichen Kultur liegen, durch die die Menschennatur immer klarer zur Erscheinung kommt und neue Wege zur Wahrheit aufgetan werden, gereichen auch der Kirche zum Vorteil.

Von Beginn ihrer Geschichte an hat sie gelernt, die Botschaft Christi in der Vorstellungswelt und Sprache der verschiedenen Völker auszusagen und darüber hinaus diese Botschaft mit Hilfe der Weisheit der Philosophen zu verdeutlichen, um so das Evangelium sowohl dem Verständnis aller als auch berechtigten Ansprüchen der Gebildeten angemessen zu verkünden. Diese in diesem Sinne angepasste Verkündigung des geoffenbarten Wortes muss ein Gesetz aller Evangelisation bleiben. Denn so wird in jedem Volk die Fähigkeit, die Botschaft Christi auf eigene Weise auszusagen, entwickelt und zugleich der lebhafte Austausch zwischen der Kirche und den verschiedenen nationalen Kulturen gefördert. Zur Steigerung dieses Austauschs bedarf die Kirche vor allem in unserer Zeit mit ihrem schnellen Wandel der Verhältnisse und der Vielfalt ihrer Denkweisen der besonderen Hilfe der in der Welt Stehenden, die eine wirkliche Kenntnis der verschiedenen Institutionen und Fachgebiete haben und die Mentalität, die in diesen am Werk ist, wirklich verstehen, gleichgültig, ob es sich um Gläubige oder Ungläubige handelt.

Es ist jedoch Aufgabe des ganzen Gottesvolkes, vor allem auch der Seelsorger und Theologen, unter dem Beistand des Heiligen Geistes auf die verschiedenen Sprachen unserer Zeit zu hören, sie zu unterscheiden, zu deuten und im Licht des Gotteswortes zu beurteilen, damit die geoffenbarte Wahrheit immer tiefer erfasst, besser verstanden und passender verkündet werden kann.

Da die Kirche eine sichtbare gesellschaftliche Struktur hat, das Zeichen ihrer Einheit in Christus, sind für sie auch Möglichkeit und Tatsache einer Bereicherung durch die Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens gegeben, nicht als ob in ihrer von Christus gegebenen Verfassung etwas fehle, sondern weil sie so tiefer erkannt, besser zur Erscheinung gebracht und zeitgemäßer gestaltet werden kann.

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Ich will, dass du uns dienst!

Via Cassia, eine der alten römischen Straßen nach Rom, etwa 14 Kilometer außerhalb der alten Stadt: Hier liegt ein kleiner und auch heute noch unscheinbarer Ort, La Storta. Für Jesuiten ist es ein ganz besonderer Ort, weil es ein ganz besonderer Ort für den Gründer, Ignatius, war. Dort war ich zu einem Sonntagsausflug. Es ist nicht weit weg, was ja das Problem ist: Naheliegendes überlässt man dem “später einmal”.

Die Geschichte, die mit dem Ort zusammen hängt, ereignet sich 1537, als die Mitglieder der jungen Gemeinschaft die einmal der Jesuitenorden werden sollte in Venedig zu Priestern geweiht worden waren und nun nach Rom zogen, entweder um dann als Missionare weiter nach Jerusalem zu ziehen, sollte sich trotz des Krieges auf dem Mittelmeer die Gelegenheit ergeben, oder um sich dem Papst zur Verfügung zu stellen.

 

La Storta, bei Rom, Kapelle des heiligen Ignatius

La Storta

„Sie gingen nach Rom in drei oder vier Gruppen geteilt, und der Pilger [gemeint ist Ignatius] mit [Peter] Faber und [Diego] Laínez. … Er hatte sich entschlossen, nachdem er Priester wäre, eine Jahr noch keine Messe zu lesen und sich vorzubereiten und die Muttergottes zu bitten, sie wolle ihn zu ihrem Sohn stellen“. Eine ganz typische Art des Betens Ignatius‘: Jemanden um Vermittlung bitten. „Und als er an einem Tag, einige Meilen, bevor er nach Rom gelangte, in einer Kirche war und betete, verspürte er eine solche Veränderung in seiner Seele und hat so klar gesehen, dass Gott Vater ihn zu Christus, seinem Sohn, stellte, dass ihm der Mut nicht ausreichen würde, daran zu zweifeln, dass vielmehr Gott der Vater ihn zu seinem Sohn stellte.“

Ignatius nennt das im Exerzitienbuch (einem Handbuch für Geistliche Übungen) die „erste Wahlzeit“: Etwas ist so klar und deutlich, dass man gar nicht daran zweifeln kann.

 

Das Zitat oben stammt aus dem Buch, dass wir den ,Pilgerbericht‘ nennen. Früher nannte man es die Autobiographie des Ignatius, aber das stimmt nicht. Es ist ein aus der Erinnerung niedergeschriebener Text eines der Mitarbeiter des Ignatius, Pater Luis Goncalves da Camera. Der Titel ist aber Ignatius eigenes Wort, er nennt sich selbst den „Pilger“.

 

An dieser Stelle im Pilgerbericht, nach der kurzen Erzählung des Ereignisses tritt nun der Verfasser da Camera in Ich-Form hervor und fügt ein, was ein weiterer der drei dort nach Rom Gehenden, Diego Laínez, ihm bestätigt habe. Was genau, das berichtet Laínez 1559 selber im Zusammenhang mit der Frage, wie der Name des Ordens zu Stande gekommen sei.

„Es schien ihm [Ignatius], dass Gott ihm diese Worte ins Herz einprägte: Ich werde euch in Rom gnädig sein.“ Laínez fügt an, Ignatius habe damals geglaubt, dass das mit Leid und Tod zu tun habe. Gleichzeitig habe Ignatius ihm, Laínez, aber auch davon berichtet, was der Inhalt seiner Vision gewesen sei: Christus mit dem Kreuz auf der Schulter sei ihm entgegen getreten. Gott der Vater, an dessen Seite Jesus gewesen sei, habe seinem Sohn gesagt: „Ich will, dass du diesen als deinen Diener annimmst.“ Worauf Jesus gesagt habe „Ich will, dass du uns dienst.“ Weiterlesen

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