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On Bullshit

Platon hatte etwas gegen die Sophisten. Das seien prinzipienlose Gesellen, die ihre philosophischen Fähigkeiten für Geld verkauften, um anderen beizubringen, Menschen zu manipulieren. So in etwa treten die Sophisten – eine Philosophenschule im antiken Griechenland – in Platons Dialogen auf.

Seitdem tritt die Debatte um Rhetorik, Wirkung, Wahrheit und Prinzipien immer mal wieder auf die Bühne. Mit Donald Trump muss jetzt ein ganz neues Theater gebaut werden, um im Bild zu bleiben, so bizarr ist das Spiel geworden.

Dabei ist doch – eigentlich – alles geklärt. Rhetorisch und philosophisch. Beim Schlendern durch meinen Lieblingsbuchladen in meiner Lieblingsstadt fiel mir ein kleines Büchlein in die Hand, das sich dem Grundproblem widmet. Es ist verfasst von Harry G. Frankfurt, ehemaliger Philosphie-Professor in Princeton, USA. Sechzig Seiten sind es, etwas mehr vielleicht, und der Name Trump kommt noch nicht einmal vor. Wie auch, das Ding ist 2005 erschienen. Damals ist es ziemlich breit besprochen worden, habe ich im Nachhinein heraus gefunden, aber mit der Spitze gegen das allgemeine Geplapper in Talk-Shows und so weiter. Heute wirkt das Buch mit Blick auf eigentlich ernste Debatten geradezu prophetisch.

 

Auch unserer Sprache nicht fremd

 

Der Titel des Buches: „On Bullshit“. Ganz ernsthaft. ‚Bullshit’ ist mit seinen vielen Bedeutungen und im sprachlichen Kontext kaum zu übersetzen, weswegen es auch in unsere Sprache eingedrungen ist, nicht nur in Jugendsprache. Und deswegen heißt die deutsche Übersetzung des Büchleins auch genau so, dem Suhrkamp Verlag sei dank.

Harry Frankfurt nimmt sich nun Äußerungen vor, die als ‚bullshit’ bezeichnet werden, um zu untersuchen, was das genau ist und was es nicht ist, also was das etwa von Lüge unterscheidet oder vom Humbug.

Sein Ergebnis wird niemanden überraschen: Während etwa der Lügner sich an der Wahrheit orientiert, indem er sie verstellt, versteckt, verdrängt, ist einem ‚bullshitter’ die Wahrheit egal. Der Vorwurf ist nicht, dass er nicht die Wahrheit sagt. Der Vorwurf ist, dass die Wahrheit ihn noch nicht einmal interessiert. Wahrheit hat keinen Wert mehr.

Es geht nur um den Effekt, es geht nur um ihn selbst. Damit sei ‚bullshit’ der viel gefährlichere Feind der Wahrheit als die Lüge.

Dabei geht Frankfurt auch dem Irrtum aus dem Weg, dabei könne es sich um Versehen handeln oder um Dummheit. Teuer bezahlte Firmen mit viel Fachkenntnis seien damit beschäftigt, ‚bullshit’ zu produzieren. Damit meint er Werbung in Konsum und Politik, offensichtlich. Und schon 2005 irgendwie auch das, was uns heute jeden Tag aus der Zeitung entgegen starrt.

 

Wie hältst du es mit der Wahrheit?

 

Dass das ganze Büchlein dann auch noch sehr trocken und sprachlich mit den Augen zwinkernd daher kommt, macht es sehr angenehm zu lesen. Und weniger aufgeregt als all die Analysen, die im Augenblick durch die Zeitungsseiten getrieben werden.

Das Problem von Wahrheit und Wirkung ist nicht neu, siehe Platon. Es ist aber dominant geworden. Zeit, sich von all der Erregung zu erholen, sich nicht am emotionalen Nasenring durch die Manege führen zu lassen und nachzudenken, ob Wahrheit überhaupt noch relevant ist. Und wenn ja: was dann daraus folgt.

Die große Versuchung nennt Frankfurt ganz am Schluss, und das nicht nicht weniger wichtig als die Begriffsklärung vorher: die Versuchung ist, es mit Authentizität zu probieren. Als Philosoph warnt er davor, ganz auf authentisch zu setzen, das öffnet Bullshit Tor und Tür. Denn auch authentisch hat nicht wirklich einen Wahrheitsbezug, sondern im Kern einen Selbstbezug. Hinter einem Argument oder Auftritt muss mehr stecken als nur ein überzeugende und gewinnende Persönlichkeit. Denn die könnte ja ein Sophist sein. Oder ein Bullshitter.

 

 

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Menschen zeigen

Drei Ausstellungen – Teil 3

Er gehört zu den Berühmteiten im Mode-Business: Peter Lindbergh. Seine Bilder kennt jeder. Oder besser, man kennt vielleicht nicht seinen Namen, aber sein Stil ist unverkennbar. Harte schwarz/weiß Modefotografie (vor allem s/w), starke Frauen, keine auf Perfektion getrimmten Schönheiten sondern gerne auch mit Macken. Seine Bilder haben eine neue Art Model geschaffen, die Supermodels aus den 90ern, die Turlingtons, Moss, Schiffers, Macphersons.

Er wollte eben Menschen zeigen, nicht Abziehbilder, mag man seine Einstellung zusammen fassen. Und die Fotos in der Ausstellung in München in der Kunsthalle sind genau so: direkt, offen, in die Kamera schauend (meistens), stylisch aber nicht ästhetisiert. So wirken sie jedenfalls und so sollen sie auch wirken.

Es sind einfach fantastische Fotos von nicht nur schönen Menschen, er kann mit seiner Kamera Charakter einfangen und zeigen und inszenieren.

 

Die Welt der Supermodels

 

Kunsthalle München: Werbung für Lindbergh

Kunsthalle München: Werbung für Lindbergh

Man kann kaum anders als all die schönen Menschen bewundernd anzusehen. Und genau an dieser Stelle befallen mich da meine Zweifel. Was für Menschen zeigt uns da Lindbergh? Denn bei allem künstlerischen Anspruch darf man doch nicht vergessen, dass das alles einen Zweck hat: Werbung!

Es ist eine künstliche Welt, die Lindbergh zeigt und in die er uns hinein nimmt. Es ist eine Konsumwelt, wenn der potentielle Käufer soll ein Gefühl bekommen, das zu Konsum anregt.

Lindbergh zeigt Selbstbewusstsein und Individualität, gar kein Zweifel. Aber der Zweck der Bilder ist eben der, dass man meint, genau dieses Selbstbewusstsein und diese Individualität habe mit Kleidung und Stil zu tun. Und lasse sich kaufen.

 

Ich kann das kaufen

 

Und anders als die Fotos des großen Vorgängers Helmut Newton machen seine Bilder auch nicht nervös, da ist letztlich doch alles glatt. Er orientiert sich an Filmszenen, stellt wie an einem Drehort mit riesigem Aufwand alles nach. Er will Geschichten erzählen. Aber bei aller Brillianz ist es dann doch Verkauf. Das Menschenbild des Peter Lindbergh – in seinen Fotos – ist letztlich nicht sehr verlockend.

Will man in München in einer Ausstellung Fotografien von Menschen sehen, dann geht man besser einige Meter weiter, ins Haus der Kunst. Dort ist Thomas Struth ausgestellt, streng genommen schon Ausstellung vier dieser kleinen Reihe. Da kann man sehen, wie die Organisation von Lebensabläufen sich in der Welt niederschlägt. Das sind großartige Fotos, nicht immer einfach zu erschließen, abervon  der Welt in der wir leben, nicht wie die schwarz/weiß-bunte Werbewelt.

 

Ausstellung 4: Thomas Struth

 

Das ist eine Ausstellung, die ich empfehlen kann, auch wenn für sie nicht halb München plakatiert ist, wie für Lindbergh. Aber um Werbung geht es Struth ja auch nicht … .

Blick in die Ausstellung von Thomas Struth in München

Thomas Struth im Haus der Kunst, München

 

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Leider nicht sehr ökumenisch

Ambition ist gut. Auch theologische Ambition ist gut. Davon gibt es viel zu wenig, meistens geben sich Kirche und Theologie mit maßvollen eine gesunde Vernunft bezeugende Aussagen zufrieden.

Eine gute Ambition spricht aus den Worten von Wolfgang Huber, dem ehemaligen EKD-Vorsitzenden und Bischof von Berlin-Brandenburg, wenn er über die Entwicklung der Ökumene spricht. In einem Interview zu seinem 75. Geburtstag sagt er, dass er sich den nächsten ökumenischen Kirchentag, also 2021, nicht vorstellen kann, „ohne dass im Bereich der eucharistischen Gastbereitschaft ein Durchbruch erzielt worden ist oder bei diesem Anlass erzielt wird.“

Das kann man nur als ambitioniert bezeichnen. Ähnlich hatte sich im Dezember vergangenen Jahres Kardinal Walter Kasper geäußert, allerdings bezog sich dieser nur auf Paare aus verschiedenen Konfessionen, nicht gleich auf die ganze Lösung. Aber wie gesagt, Ambition ist gut.

Es mag jetzt zwar wieder Mal Erwartung geweckt werden, die dann vielleicht enttäuscht wird, aber Huber hat schon recht: Der Kirchentag wird vom Thema Abendmahl überlagert werden, wenn sich nichts tut. Und wenn man nicht mal ab und zu mutig auf den Mond fliegen will und den Bedenken und Abwägungen das Feld überlässt, dann darf man sich nicht wundern, dass es dann auch bei denen bleibt. Also, Ambition in Ökumene ist gut.

 

Kirchentag und Abendmahl

 

Allein, der Weg zum anvisierten Ziel des Durchbruchs in Sachen Eucharistie/Abrndmahl lässt mich zögern. Im Interview spricht Huber erst über die Lutherdekade, also die zehn Jahre zur Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum in diesem Jahr, die er selber eröffnet hatte. Dann ging es um den Papst und den ökumenischen Gottesdienst in Lund im vergangenen Jahr. Und dann sagt er, dass die nächsten Schritte in Sachen Ökumene – und er meint ganz bewusst die Eucharistie und das Abendmahl – eher „dezentral“ passieren werden. Und wie das? Dadurch das Papst Franziskus die Spielräume für Bischofskonferenzen erweitert.

Und dann geht das Interview über zur Frage des Kirchentages, die ich eingangs beschrieben habe.

Mich ärgert das ein wenig. Schon wieder ist hier eindeutig geklärt, wersich hier zu bewegen hat: die katholische Kirche. Der Papst. Sehr geehrter Herr Huber, das ist nicht der ökumenische Dialog, wie ich ihn verstehe. Papst Franziskus hatte sehr bewusst in Lund eine Ökumene der Solidarität und der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit angesprochen, hier liegen viele Gemeinsamkeiten der Konfessionen, die wir ausloten können und wo wir feststellen können, wie nahe wir uns sind und dass wir gemeinsam für den Glauben einstehen können. Auch hier kann man ambitioniert sein.

 

Dezentral gelöst?

 

Jetzt wieder zu sagen, die Katholiken müssen sich bewegen, damit der ökumenische Kirchentag überhaupt sinnvoll ist, ist nicht sehr ökumenisch. Es verrät die Ambition, denn die nimmt einen ja immer selber in die Pflicht. Sehr geehrter Herr Huber, sie verschieben diese Ambition aber auf einen der Handelnden, auf die katholische Kirche. Das ist nicht Ambition. Das ist Selbstentschuldigung.

Eucharistie ist für Katholiken nicht nur eine Frage von wer darf und wer darf nicht, auch wenn wir selber die Debatte gerne darauf verkürzen, siehe wiederverheiratete Geschiedene. Es ist eine Frage von Sakrament und Amt, und darüber müssen wir reden. Das ist keine Frage, die ein Papst an Bischofskonferenzen delegieren kann.

Diese Einstellung des ‚wenn-die-Katholiken-nur-wollten’ ist bekannt und sie ist einfach. Aber falsch. Wenn sich bis 2021 was bewegen muss, dann hier.

 

 

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Realität, nicht versteckt

Drei Ausstellungen, Teil 2

Es sind Szenen, wie wir sie eigentlich täglich auf der Straße sehen: Obdachlose Menschen, unter Pappe, in alten und zerrissenen Sachen. Aber wenn sie übergroß und sehr bunt im Eingangssaal einer Ausstellung hängen, als Fotografie und Portrait, dann ist da dann doch mehr.

Auf der Straße schauen wir normalerweise weg oder verschämt irgendwie drüber hinweg, wir umgehen diese Szenen. Andres Serrano, seit Jahren einer der Stars der Fotografie-Szene, zeigt uns diese Menschen direkt und wir schauen hin. Jedenfalls wenn wir uns die Ausstellung im Amsterdamer Huis Marseille ansehen.

 

Andres Serrano

 

Eingangssaal der Ausstellung: Nomaden und Bürger von New York und Brüssel

Eingangssaal der Ausstellung: Nomaden und Bürger von New York und Brüssel

Man sieht auf den Bildern nicht vor allem Armut, von der wir uns irgendwie abgrenzen müssten. Wir sehen Menschen.

Es sind keine schönen Bilder, aber sie erzählen Geschichten. Von Menschen. Von Würde. Die Bilder sind auch nicht plakativ oder appellativ, moralisierend. Die Bilder sentimentalisieren nicht und gaukeln uns eine heilere Welt vor.

Eine Serie, die dort in der Ausstellung zu sehen ist, heißt „Residents of New York“. Ganz bewusst sieht und zeigt Serrano die Obdachlosen als Bewohner der Stadt, nicht als Fremdkörper.

Eine andere Serie heißt „Nomaden“, er vermeidet die Definition, die ich hier verwendet habe, nämlich ‚Obdachlos’. Er will nicht Menschen negativ definieren, über etwas was sie nicht haben. Sondern positiv, als Bewohner, als Menschen mit eigener Lebensweise, ob die nun freiwillig gewählt ist oder nicht.

 

Bewohner und Nomaden

 

Anschließend an die Fotos hat Serrano den Residents und Nomaden dann ihre Pappschilder abgekauft. Sie wissen schon, wo drauf steht warum sie jetzt Geld brauchen oder Hilfe. Und auch diese Schilder sind in der Ausstellung zu sehen, eine ganze Wand voll. Traurig oder witzig sind die und in der Menge und Enge ungewöhnlich. Aber auch sie gehören zu den Geschichten, welche von den Fotos erzählt werden. Geschichten für den, der sie denn sehen will.

Die Ausstellung beginnt mit Fotos von Obdachlosen, und sie endet auch mit solchen Fotos. Dazwischen gibt es aber noch allerlei anderes aus dem Werk von Serrano zu sehen. Er schaut zum Beispiel auf christliche Ikonographie, zeigt gläubige Menschen und Kirchen. Serrano ist katholisch geprägt, das merkt man auch seinen Bildern irgendwie an, da ist immer auch der Respekt vor dem Glauben im Bild.

„Revealing reality“ heißt die Ausstellung. Dass wir uns Realität schonreden oder schönsehen, dass wir sie nicht wirklich sehen wollen, das ist normal. Ob das nun bei Nomaden ist oder anderen Bereichen des Lebens. Serrano richtet seine Kamera darauf, kunstvoll, respektvoll. Und – wenn wir denn schauen – lernen zu sehen, was um uns herum so alles zu sehen ist.

Noch bis zum 3. September in Amsterdam zu sehen.

 

 

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Lösungen oder Utopien

Drei Ausstellungen – Teil 1

Die Moschee von Casablanca steht fast neben dem Petersdom. Getrennt werden die beiden nur vom Hafen von Rotterdam: Eine Idee für ein Bauwerk mitten im Meer, eine künstliche Insel mit den Kopien von Bauwerken und Landschaften.

Ein Zelt ist auch Kleidung und Kleidung wird Zelt. Und auch eine eigene „National“-Fahne gibt es zu sehen: Stadelijk Museum Amsterdam

Das Ganze ist aber keine Idee für das Urlaubsparadies der Zukunft, sozusagen für die Reichen, die mit einer Reise alle Orte auf einmal abhaken wollen. Schon der Standort der Insel gibt seinen wirklichen Zweck preis: Sie soll – so die Idee – zwischen Europa und Afrika gebaut werden. Es ist eine Insel für Flüchtlinge und Migranten. Eine Integrationsinsel. Samt Verfassung, Regeln und allem drum und dran entworfen.

Utopie? Praktikable Lösung? Gedankenspiel? Es gibt viele Ideen zur Bewältigung der Krise, die besten befassen sich politisch mit den Lösungen in den Ländern, aus denen die Menschen kommen. Es gibt neben politischen auch wirtschaftliche Versuche, polizeiliche, und so weiter. Aber daneben haben sich auch Designer und Techniker an Lösungen gemacht. Oder an Utopien.

 

Ausstellung in Amsterdam

 

Versammelt werden die Lösungen derzeit in einer Ausstellung in Amsterdam, im Stadelijk Museum.

Da gibt es ein Instant-Klassenzimmer für Kinder, zum Ausklappen aus einer Metallkiste. Da gibt es Apps für Flüchtlinge, um sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Da gibt es die verschiedensten Formen von Unterbringungsmöglichkeiten. Da gibt es Design, dass unsere Umgebung etwa im Sanitärbereich an andere Kulturen anpasst. Da gibt es sehr viel Technik, etwa eine Drohne speziell zum Auffinden von in Seenot geratenen Flüchtlingen.

Noch bis zum 3. September kann man das da besichtigen. Das sind alles nicht die großen, alles irgendwie in Ordnung bringenden Lösungen. Meistens sind es sehr konkrete Ideen für sehr konkrete Situationen, aber auch die wollen ja bewältigt werden.

Die künstliche Insel dagegen ist zwar auch irgendwie konkret gedacht, gehört aber im Spannungsfeld des Titels der Ausstellung – Solutions or Utopia – eher nach Utopia. Wobei mir noch nicht einmal klar ist, ob das überhaupt wünschenswert wäre, alle Flüchtlinge und Migranten erst einmal fünf Jahre zusammen leben zu lassen und zu unterrichten, wie es die Idee ist, und sie dann mit dem Recht auf Weiterreise zu versehen. Aber soweit ich weiß, ist die Idee über die Ausstellungsvitrine auch noch nicht hinaus gekommen.

 

Kreativ

 

Die Ausstellung lohnt sich erstens, weil man viel Kreativität sehen kann, im Dienst an Menschen in Not. Da kann auch Design und Technik viel tun. Zweitens lohnt sie sich, weil sie zeigt, wie weit gespannt die Probleme sind, denen Migranten bei uns begegnen. Das ist nicht nur Arbeitserlaubnis und Unterkunft. Die ausgestellten Stücke betreffen die verschiedensten Lebensbereiche, die eine Antwort brauchen.

„Solutions“ – Lösungen – für alles und überhaupt gibt es auch hier nicht zu besichtigen. Aber das wäre auch eine Überforderung. Es sind aber nicht nur NGOs und Staaten, die sich den Problemen und Lösungen widmen. Und das zu sehen tut gut.

Zu besichtigen in Amsterdam.

 

 

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Sommerbetrieb – Blog-Pause

Liebe Leserinnen und Leser, für den Sommer werde ich den Betrieb hier auf dem Blog etwas zurück fahren und im August wieder an die Tastatur zurück kehren. In der Redaktion ist zwar weiterhin Betrieb, aber der Blog macht Sommerpause.

Für die Zwischenzeit gibt es ein Bild, vor einigen Tagen aufgenommen in der Casa Santa Marta, dem Wohnort des Papstes: Maria Knotenlöserin, die Kopie des Bildes aus Augsburg.

Maria Knotenlöserin: Das Bild in Santa Marta

Maria Knotenlöserin: Das Bild in Santa Marta

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Weltkirchlich

Mit dem Konsistorium heute wird Papst Franziskus insgesamt 49 Kardinäle ernannt und erhoben haben, ich rechne in diesem Stück nur die wahlberechtigten Kardinäle, also die unter 80 Jahren.

Benedikt XVI. hatte es in seinem Pontifikat auf insgesamt 74 Kardinäle gebracht, rechnet man nur die ersten vier Jahre – als Vergleich zu Franziskus’ ersten vier Jahren – dann liegen die beiden etwa gleichauf, da waren es bei Papst Benedikt 50 Erhebungen.

Archiv: Neue Kardinäle 2016

Archiv: Neue Kardinäle 2016

Hier also wenig Neues, die Verschiebungen in den Pontifikaten liegen woanders. Während Benedikt XVI. insgesamt 19 Italiener zu Kardinälen erhob, sind es bei Franziskus bislang 7. Und während Papst Franziskus 5 Leiter von Kurienbehörden zu Kardinälen gemacht hat, waren es bei Papst Benedikt insgesamt 31. Man muss hier zwar einrechnen, dass Papst Benedikt viel mehr Kurienleiter neu eingesetzt hat, als es Papst Franziskus bisher getan hat, aber auch so wird klar, dass sich das Schwergewicht verschiebt.

 

Haiti, Laos, Tonga

 

Noch auffälliger sind die Herkunftsländer: während in den letzten Pontifikaten eher „klassische“ Länder Kardinäle stellten, finden wir nun vermehrt Mali, Laos, Papua-Neu Guinea, Bangladesch, Tonga und Kap Verde. Einen Nuntius hat Franziskus ebenso zum Kardinal ernannt wie einen Weihbischof, sozusagen an seinem Bischof vorbei, der kein Kardinal ist.

Das ist alles sehr ungewöhnlich und wird – korrekterweise – als zunehmende Verweltkirchlichung des Kardinals-Kollegiums gesehen.

Das hat einige Folgen: Erstens kennen sich die Kardinäle bei einem künftigen Konklave nicht so gut wie in der Vergangenheit. Noch 2013 gab es eine große Gruppe von Vatikan-Kardinälen oder solchen, die früher im Vatikan gearbeitet hatten, sozusagen eine Kerngruppe. Dieser Kern schmilzt. Man kennt sich also nicht so gut und deswegen könnte entweder ein Konklave länger dauern oder aber man wählt einen der plausiblen Kandidaten, der schnell eine größere Menge an Stimmen auf sich vereinen kann.

Zweitens wird die Wahl eines Papstes weniger vorhersagbar. Bereits beim letzten Mal war das schon so, wo sich die gesamte Riege der Bescheidwisser gründlich blamiert hat, ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich in jede Kamera hinein gesagt habe, dass ich nicht weiß, wer Papst wird. Andere meinten es zu wissen und haben daneben gelegen.

 

Venedig und Turin

 

Drittens sind auch Kardinalserhebungen weniger kalkulierbar. Venedig und Turin – um nur zwei Städte zu nennen, die „eigentlich“ immer schon einen Kardinal hatten – sind immer noch ohne roten Hut. Madrid, Buenos Aires und Brüssel haben schnell einen Kardinal bekommen, andere warten bis heute. Dagegen stehen dann Tonga und ein Weihbischof.

Viertens: Daraus folgt, dass das Kardinalsamt nicht nur weltkirchlicher wird, sondern auch persönlicher. Es repräsentiert weniger ein Bistum als mehr eine Person, welche der Papst bei der nächsten Wahl beteiligt sehen möchte.

Zwei Kriterien sind es also, nach denen der Papst wählt: die Weltkirche und hier vor allem die Peripherie, damit die Wirklichkeit der Kirche repräsentiert ist. Und dann ist es die Persönlichkeit des Ausgewählten selber, nicht die Tradition – im schlechten Sinn das-war-schon-immer-so – welche den Ausschlag gibt.

So prägt Papst Franziskus das Kollegium der Kardinäle, ganz auf derselben Linie wie er die Kirche prägt.

 

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Die gemeinsame Reise

Man nennt es ein „Narrativ“: eine sinnstiftende, erklärende Erzählung. Einzelne Ereignisse, Hintergründe, Motive und Gründe werden in einen Zusammenhang erzählt und bekommen dadurch Zusammenhalt und Abfolge. Sinn eben. Werte werden auf diese Weise weiter gegeben.

Die meisten Narrative erkennt man daran, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt. Die Erzählung vom Wirtschaftswunder ist so ein Narrativ, es ordnete für Jahrzehnte das Selbstverständnis und die Werte nach dem Krieg, bis in den 68er Jahren auffiel, wo die Schatten waren. Die Shoah wurde thematisiert und das „Wunder-Narrativ“ geriet ins Wanken, weil die Fundamente nicht mehr hielten.

Der amerikanische Traum ist auch so ein Narrativ. Der ‚Erfinder’ der Begriffs in dieser Bedeutung, der Philosoph Jean-François Lyotard, nannte die zunehmende Selbstaufklärung des Menschen (Kant) und die Zielgerichtetheit der menschlichen Geschichte (Hegel) als zwei grundlegende Narrative, an denen wir die Welt erzählen.

 

Der Held auf seinem Weg

 

Aber auch Einzelschicksale haben ein Narrativ. Bei Papst Franziskus ist es zum Beispiel das des „Kämpfers im Vatikan“, das ein eher unterkomplex argumentierender Kollege gerne verbreitet und das sich in Abwandlungen gerne in der Öffentlichkeit findet. Guter und gutwilliger Außenseiter kommt in verkommene Strukturen, kämpft mit dem Drachen, ist auf der Seite der Schwachen, und so weiter. Aber zum Papst komme ich später noch einmal zurück.

Wird in festen Mustern erzählt: Papst Franziskus, hier bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz

Wird in festen Mustern erzählt: Papst Franziskus

Hinter dieser Form des Narrativs liegt eine Struktur, und zwar eine Struktur, in der wir gerne und immer wieder Geschichten und Sinn und Werte erzählen. Man kann sie bei jeder Heldenerzählung im Kino sehen, bei Romanen und im Fernsehen.

Die Beschreibung habe ich nicht erfunden, die habe ich vom Medienunternehmer Jeff Gomez. Er nennt es „The Way of the Hero“ (das hat er von einem Kommunikationstheoretiker) und wie gesagt funktioniert das ziemlich gut, wenn man sich umschaut. Jeff Gomez arbeitet in New York am storytelling für große Medienprodukte, für Serien und Filme, aber auch im Bildungsbereich. Soll heißen: er weiß wovon er redet. Und er fasst den „Weg des Helden“ so zusammen:

Ein Held bekommt widerwillig eine Aufgabe, überwindet sein Zögern, droht überwältigt zu werden, widersteht Prüfungen und Versuchungen, besiegt das auf eine Person konzentrierte Böse und kehrt mit dem Schatz oder der Gerechtigkeit oder was auch immer zurück und hat die Welt gerettet. Falls jemand sich hier an Frodo und den Herrn der Ringe erinnert fühlt, das ist ein wunderbares Beispiel. Andere Heldengeschichten tun es aber auch. Fast alle Geschichten sind Variationen dieser Abfolge, jedenfalls bis vor wenigen Jahren.

 

Immer nur mit Konflikt und Gewalt

 

Die Strukturelemente dieses Narrativs sind der Konflikt und die Gewalt – explizit oder implizit -, die Männlichkeit als Muster, Linearität von Anfang bis zur Auflösung, und vielleicht am Wichtigsten: der Sieg über den Bösen. Weiterlesen

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54 Sklaven

Für mich arbeiten 54 Sklaven. Kein Scherz, das kann man ermitteln. Sklaverei ist ja nicht nur, wenn man direkt involviert ist, sondern auch, wenn man von den Produkten und der Arbeit profitiert, und sei es indirekt. Über eine Webseite kann man ausrechnen, die der eigene „Fußabdruck“ beim Thema Sklaverei ist, Fußabdruck ist der Begriff, den man auch beim Klima benutzt, er bezeichnet da das eigene Erzeugen von Schadstoffen.

54 Sklaven also. Das klingt nicht gut. Einer ist zuviel, aber wenn ich mich umsehe, die Kleidung und Schuhe, die Dinge des täglichen Lebens, und dann die Preise dazu denke, dann wird das schon plausibel. Die Webseite macht natürlich Annahmen und peilt über den Daumen, aber selbst das reicht schon aus, um mir eine Idee zu geben.

Vor einigen Tagen kam ein Kollege aus Sizilien zurück und berichtete, wie dort Flüchtlinge unbezahlt in der Landwirtschaft arbeiten. Das ist Sklaverei. Sie können nicht weg, müssen arbeiten, die Gewinne streicht jemand anderes ein. Und ich habe keine Ahnung, ob von diesen Produkten nicht irgendwas bei mir auf dem Teller landet.

Papst Franziskus hat den Menschenhandel und alle damit verbundenen Phänomene immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt. So eine kleine Aktion wie der Selbsttest im Netz zeigen mir, wie wichtig das ist, selbst wenn mir keine „gehandelten“ Menschen über den Weg laufen.

 

Strukturelle Sünde

 

Die Theologie hat dazu den Begriff der „strukturellen Sünde“ entwickelt, also der Sünde, in die ich verwickelt bin und aus der ich gar nicht heraus kann, weil ich mich hier in Wirtschaftsstrukturen bewege, in denen zum Beispiel Menschenhandel eine Rolle spielt. Natürlich fußt Sünde immer auf der Sünde Einzelner, aber die Komplexität unserer Welt führt eben zu Netzen, aus denen ich nicht heraus kann. Man lese zum Beispiel Papst Johannes Paul II. dazu, aber nicht nur Päpste haben sich dazu geäußert.

Die Umkehr – das ist ja das Gegenstück zur Sünde – muss aus dieser strukturellen Sünde gemeinsam passieren, einer alleine kann das gar nicht machen, dazu sind wir zu sehr vernetzt. Deswegen ist es richtig, immer wieder auf Menschenhandel hinzuweisen, aber es ist auch wichtig, das beim Namen „Sünde“ zu nennen und nicht nur bei wirtschaftlichen Kategorien zu belassen.

In der Kirche hat Sklaverei immer schon Licht und Schatten hervorgerufen, es gab Kämpfer gegen und Profiteure von Sklaverei. Um so wichtiger, hier eindeutig Stellung zu beziehen.

 

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Festtag, ganz gleich wann

An diesem Sonntag ist Fronleichnam. Falsch, an diesem Sonntag wird an vielen Orten Fronleichnam gefeiert, obwohl das Fest eigentlich am Donnerstag ist. Donnerstag muss es auch aus einem inneren Zusammenhang sein, denn es geht gewissermaßen um das Wiederaufgreifen des Gründonnerstages, der Eucharistie.

Nun feiert der Papst das zum ersten Mal selber nicht am Donnerstag, sondern am Sonntag. Die Prozession von San Giovanni in Lateran zu Santa Maria Maggiore, die Via Merulana rauf, findet nicht am Donnerstag statt. Das hat etwas Aufsehen erregt, nicht nur in Rom. Kalenderfragen kommen immer recht harmlos daher, sind es aber ganz und gar nicht.

Fronleichnam 2016 in Rom - noch auf einem Donnerstag

Fronleichnam 2016 in Rom – noch auf einem Donnerstag

Bislang war beim Fest immer auch etwas Protest dabei, eben weil in Italien Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist. Die Prozession fiel in den Berufsverkehr, eine wichtige Zone Roms wurde gesperrt und es wurde klar, dass man nicht nur an Sonntagen katholisch ist, sozusagen.

Dass Papst Franziskus jetzt entschieden hat, pragmatisch zu sein und diesen öffentlichen kleinen Protest zum Fest fallen zu lassen, tragen ihm einige nach. Zeitgeist nachgegeben und so weiter.

 

Gründonnerstag nach Pfingsten

 

Es ist zwar schade, dass wir den inneren Zusammenhang der Feste Gründonnerstag und Fronleichnam dadurch verlieren, aber der Papst schafft sich dadurch etwas Freiraum. Man kann sich auf das Fest konzentrieren und muss nicht nach einem Arbeitstag noch irgendwie zur Prozession kommen. Der Sonntag ist in Sachen Infrastruktur – wo Fronleichnam kein Feiertag ist – besser geeignet. Wie gesagt, es ist schade, dass es kein Feiertag in Italien ist, aber solange das so ist und bleibt, braucht es halt pragmatische Lösungen, und genau so eine hat der Papst nun gewählt.

Der Protest gegen den so genannten Zeitgeist und so weiter fällt weg. Das hat aber auch eine gute Seite. Wir können uns beim Feiern auf Christus konzentrieren. Und andere Kämpfe kämpfen, die viel wichtiger sind, wenn es um Kalender geht, etwa den um den arbeitsfreien Sonntag.

Fronleichnam ist eben eine Prozession und keine Demo.

 

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