Worum geht es bei diesem Weblog?
Es geht um den Papst, um den Vatikan, um die Weltkirche.  Aus vatikanischer Perspektive, aber auch mit den Augen der deutschsprachigen Kultur und Kirche will ich auf Papst und Rom, auf Weltkirche und Glauben schauen. Denn der Blick lohnt sich.

Pater Bernd Hagenkord

Wenn der Einzelne nur noch an sich selbst glaubt

Kapuziner Paulus Terwitte im Interview

Kapuzinerpater Paulus Terwitte

Paulus Terwitte ist ein Freund der modernen Medien, ein Blogger und Facebooker, wie er im Buche steht. Ein idealer Kandidat, sich bei der Piratenpartei zu engagieren. Oder etwa nicht?

Eine Frage, gestellt auf dem Katholikentag in Mannheim.

 

„Im Moment halte ich die Piraten noch gar nicht für eine Partei, es ist eine Bewegung, die selber noch nicht so genau weiß, wohin sie eigentlich gehen will. Sie lebt von einer uralten Sehnsucht, nämlich dass diese Welt von allen mitgestaltet werden könnte, in dem alle mitreden und alle mit den gleichen Rechten ausgestattet – und die gleichen Pflichten nicht zu vergessen. Sie sind für mich sozusagen erst einmal eine Antimandatspartei und letztlich eine Partei des Misstrauens, denn das Misstrauen gegen die jetzigen Mandatsträger gibt dieser Partei eigentlich die Kraft.

Das ist etwas, was ich schon länger beobachte: Mit der Verdunstung des Christentums nimmt die Individualisierung zu und damit auch eine Weltsicht, in der nur noch der Einzelne sich selber glaubt.”

 

Nicht nur die Künstler haben ja etwas gegen die Piratenpartei – Stichwort Urheberrecht – auch Christen haben Probleme mit deren Menschenbild.

 

„Wenn man überhaupt von einem Menschenbild der Piratenpartei sprechen kann. Das haben die glaube ich noch gar nicht so richtig. Es ist interessant, dass sich dort viele Stammtischmeinungen sammeln können, man muss sich nur einmal deren Software ansehen, mit der sie glauben, alle an Abstimmungsverfahren beteiligen zu können. Dann sieht man, dass dort threads aufgemacht werden können wie “Sollen wir nicht Kindermörder hinrichten lassen”. Das sind Dinge, wo ich hoch erstaunt bin, dass das dann so einfach flockig weiter diskutiert werden kann, letztlich auf Stammtischniveau.

 Niemand hat das Recht dort einzugreifen, und das ist letztlich ein falscher Freiheitsbegriff, nämlich einer, der alles so laufen lässt, als könne man alles neu verhandeln.“

Ist das eine Gefahr, dass über die Partei wieder populistisches Gedankengut in die politische Öffentlichkeit kommt?

 

„Die Äußerungen von Parteiverantwortlichen im öffentlichen Fernsehen hat mich schon erschrecken lassen: Dass da mal jemand während einer Sendung zu einem Ministerpräsidenten sagen kann „Sie haben die Macht, Sie sind Ministerpräsident, warum machen Sie das nicht einfach?” Kurt Beck hat dann geantwortet: „Entschuldigen Sie, ich muss mich auch noch an Gesetze halten.” Da bin ich schon sehr erstaunt.

Ich möchte eigentlich nicht, dass in irgend einer Regierung oder gesetzgebender Versammlung Leute drin sind, die von sich aus offensichtlich als Verantwortliche dieser Partei proklamieren können, dass man sich nicht an Gesetze halten müsse, wenn man eine bessere Einsicht hätte.“

Sie freuen sich auf die Auseinandersetzung mit den Piraten, wie es scheint.

 

„Ich freue mich darüber, wenn ich einzelne von ihnen treffe und sie befrage, was sie denn zum Thema Vertrauen zu sagen haben, oder zum Thema Menschenwürde, und ob Enttäuschung eigentlich genügend Motivation ist, etwas Gutes bewirken zu wollen. Ich bezweifle das.”

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„Gott liebt uns durch die Wirklichkeit“

Bischof Overbeck im Interview

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck

Wir sprechen über einen neuen Aufbruch, und das aus einer Situation der Krise: Einer finanziellen, moralischen und mit den Missbrauchsfällen auch moralischen Krise. Franz Josef Overbeck ist Bischof eines Bistums, das schon lange umbaut oder rückbaut und der aktiv den Dialog in seinem Bistum betreibt.

 

 

„Wenn Krise auch Entscheidung heißt, dann ist jetzt eine solche Zeit angebrochen. Wir sehen das sehr deutlich in unserem Bistum, das sich schon seit langem durch die demographischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in unendlichen Veränderungsprozessen, in denen die Menschen Verlierer sind, befindet.

Für die Kirche hat das viele Konsequenzen. Wir werden kleiner, und ich sage auch immer: Wir werden ärmer und demütiger. Wir können dabei aber auch gleichzeitig sehen, dass wir als ,Kirche im Volk‘ – wenn nicht mehr ,Volkskirche‘ – lernen was es heißt, mit dem Evangelium gesprochen eine kleine Herde zu sein. Das ist keine Sollensaussage, sondern eine Wesensaussage.”

Sie selber betreiben den Dialogprozess aktiv, wie genau geht das, wie machen Sie das?

 

„Im Bistum Essen versuchen wir es auf dreifache Weise zu realisieren. Der Dialogprozess ist für mich ein geistlicher Prozess und hat deswegen auch den Titel ,Zukunft auf Katholisch.’ Es geht um Identität, die geistlich gegründet ist und gleichzeitig sehr konkret ist.

Auf der einen Seite gibt es fünf Bistumsforen, in denen wir uns mit fast 300 Vertretern und Vertreterinnen aus der ganzen Breite unseres Bistums immer jeweils einen Tag treffen. Wir beten zusammen und halten dann unter verschiedenen Perspektiven Austausch mit dem Ziel, dass wir uns zu pastoral und seelsorglichen Verständigungen zusammenfinden, die die Realität unseres Bistums für die nächsten fünf bis zehn Jahre in den Blick nehmen. Vor allem im Blick auf die Fragen, wie wir bei sich verändernden Strukturen mit Blick auf Gebäude Kirche sein können. Was bedeutet das hinsichtlich der Zahlen von Priestern und anderen in der Seelsorge tätigen, die viel kleiner werden, als wir es bisher kennen? Was bedeutet das zum Beispiel für die Katechese – ich werde nicht müde, da die Erwachsenenkatechese zu betonen – ? Was bedeutet das mit Blick auf die Caritas, besonders die ehrenamtliche Caritas bei den vielen neuen Armen, die es in unserem Bistum gibt, vor allem auch unter den jungen Leuten? Und was heißt das für die Liturgie, vor allem für die Gestaltung vor allem der Sonntagsmesse, von der ich der Überzeugung bin, dass sie noch mehr der Sammlungspunkt für alle, die katholisch sind, werden wird?

Das ist das eine, was wir tun. Das zweite heißt ,Dialog mit dem Bischof’ und bedeutet, dass ich mich sowohl an der katholisch-theologischen Fakultät der Ruhr-Universität wie aber auch in der Wolfsburg – der Sozialakademie des Bistums – zu allen Themen, die auch strittig und bestritten sind, dem Gespräch und der Auseinandersetzung auf der Ebene des Dialoges stelle. Das heißt, des Hörens, Zuhörens und Anhörens, wohl im Bewusstsein, dass der Bischof von Essen vieles sagen, aber doch nicht alles entscheiden kann und auch nicht will, nicht darf und nicht muss.

Demnächst geht es um Fragen von Sexualität und Partnerschaft. Am Anfang ging es um das Theologenmemorandum. Jetzt ging es um die Frage nach der Verschiedenheit in der Kirche und auch innerhalb der Gesellschaft. Es geht auch um Fragen der Stellung der Frau in der Kirche und so weiter.

Die dritte Ebene ist die mit den Priestern, den Diakonen, den Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten, den Ordensleuten, um zu sehen, wie wir da miteinander auf Dauer neue Wege gestellten.“

Und dieser Prozess funktioniert?

 

„Das ist nicht immer einfach Harmonie, was auch unrealistisch wäre. Gott liebt uns durch die Wirklichkeit kann ich da nur drüber schreiben. Diese Wirklichkeit anzunehmen und trotzdem nüchtern zu bleiben und sehen, wo wir jetzt gemeinsame Schritte finden können, ist eine große Herausforderung, der wir uns jetzt deutlich zu stellen haben.

Es ist mir wichtig, deutlich zu machen, dass wir uns in einem Entwicklungsprozess befinden, wo wir nur den nächsten Schritt gehen, und nicht die Lösung haben. Angesichts dieser Prozesse, die jetzt seit gut dreißig bis vierzig Jahren offen geworden sind, gehen wir momentan den nächsten Schritt, und zwar sehr bewusst in eine mehr von der Moderne geprägten säkularen Welt. Das ist für viele Katholiken immer noch etwas eher Ungewohntes.

Das heißt sehr konkret Abschied zu nehmen von der Vorstellung, wir könnten mit neuen Lösungsvorschlägen die alten Strukturen weiterführen.

Das gilt für alle Wirklichkeiten von Kirche, ob ich von den Gemeinden und Pfarreien meiner Diözese rede, ob von Vereinen, Verbänden oder von Orden, von allen Orten kirchlichen Lebens bis hin zu den großen Strukturen von Krankenhäusern und Altenheimen, Kindergärten und anderen.

Von daher gehe ich das mit einer gewissen Gelassenheit an und sage, dass wir diesen Schritt im Rahmen eines geistlichen Prozesses machen, von dem ich glaube, dass wenn er uns nicht gelingt, wir keine Zukunft haben werden.

Es geht hier nicht nur um Diskussion von Strukturen, die scheinbar veränderbar sind, sondern um die Frage, wie wir das neu mit einer Christusverbundenheit und das heißt mit einem Glauben, der auch Glaubensfeuer in sich trägt, gestalten. Das ist, was jetzt dran ist, und das wird mindestens eine Generation dauern.”

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Zeitansage

Pressekonferenz Alois Glück Robert Zollitsch

Pressekonferenz in Mannheim

Der Katholikentag beginnt mit der Eröffnungsfeier am Schloss. Vorher haben ZdK Präsident Alois Glück und der Gastgeber Erzbischof Robert Zolltisch auf einer Pressekonferenz noch einmal die Grundlinien für die Veranstaltung gezogen.

Der Katholikentag sei immer in doppelter Weise Zeitansage. Einmal würde sich schon im Programm widerspiegeln, was die Menschen beschäftige. Gleichzeitig sei der Katholikentag Zeitansage im Sinne des Beitrages der Kirche zur Gesellschaft.

Als Orte der Begegnung hätten Katholikentage integrierende Wirkung auf Glaubensleben, auf politischen Positionen und Frömmigkeitswege. Diese integrierende Funktion werde immer wichtiger, so Glück. Das sei wichtig, vor allem bei den anstehenden Veränderungen.

 

Keine Wellnessdebatten

„Weiter so“ geht nicht mehr. Es brauche also den Mut für Neues, was der Katholikentag „Aufbruch“ nennt. Das aktive Gestalten sei die Antwort der Katholiken auf Verdrängung und Resignation, und das aus dem Geist des Glaubens. Die andere Alternative wäre passives Erleiden.

Die politischen Debatten seien eher im Sinn von Wellness geführt worden, so Glück, nicht um die wirklich drängenden Themen der Zeit. Und da sei die Kirche frei, diese zu benennen und zu diskutieren, denn sie gehe nicht durch Wahlkämpfe. Oder mehr als nur Freiheit: Verpflichtet. Weiterlesen

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Einmal Aufbruch ohne Bruch, bitte!

Zelte um den Wasserturm in Mannheim

More of the same: Katholisches Engagement in weißen Zelten. Katholikentag 2012 in Mannheim

Liebes ZdK,

 

Sprache ist wichtig. Das sage ich als Radiomensch, als Zeitung- und Buchleser, als jemand, der zu kommunizieren versucht. Mit Verlaub und Respekt, ich bin entsetzt, was für einer Sprache ich hier in Mannheim begegne.

 

Am Dienstag haben Sie einen Text verabschiedet, der unter dem Titel „Mannheimer Aufruf“ steht. „Auf Gott vertrauen und mutig aufbrechen“ heißt er. Er will den Aufschlag geben für den Katholikentag. Oder den Ton angeben. Oder die Richtung, jedenfalls stellt er selbst den Anspruch, zu sagen, was der Katholikentag sein will. Ich bin entsetzt ob der Sprachlosigkeit dieses Textes.

Es reiht sich ein leere Aussage an die andere, meistens zusammenhanglos. Alles ist irgendwie richtig und niemand kann wirklich dagegen sein, aber Inhalt hat das alles nicht. Keine Kante, keine Schärfe, keine Klarheit.

 

Sie wollen nicht gestalten, Sie wollen mit-gestalten. Sie wollen nicht tragen, sondern mit-tragen. Das zeigt eine Partnerschaftlichkeit, die die Übernahme von Verantwortung verdeckt. Nur niemandem auf den Fuß treten, nur keine Aussage machen, die irgend jemandem missfallen könnte.

 

Sie wollen nicht, dass das Bild der Kirche von Konflikten bestimmt wird. Diese Konflikte sind aber da, und die Gemeinden vor Ort erleben sie jeden Tag. Weiterlesen

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Katholikentag die Zweite: Aufbruch? Abbruch?

Zwischen meinem Besuch in Trier am vergangenen Wochenende und dem Beginn des Katholikentages habe ich einige Redaktionsbesuche gemacht. Natürlich war der Katholikentag Thema und mit dem Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“ auch die Frage nach dem Gesundheitszustand der Kirche in Deutschland.

Dabei kam mehrfach die Frage auf, ob „Aufbruch“ noch das richtige Wort ist. Jemand hat sogar vorgeschlagen, „Einen neuen Abbruch wagen“ zu thematisieren. Und das war nicht zynisch oder verbittert gemeint. Jedenfalls habe ich es nicht so verstanden.

Erst habe ich das für einen cleveren Spruch gehalten, aber wenn man darüber nachdenkt, was wir in den vergangenen Jahren alles abgegeben, aufgegeben, aufgelöst, verloren haben, dann ist das schon ein Abbruch.

Kirche baut viel und renoviert und hat gute neue Ideen, und all das ist auch sehr erfreulich. Aber wir sollten uns nichts vormachen: Abgegeben haben wir auch. Ordenshäuser, Bildungseinrichtungen, Pfarreien, Initiativen, Zeitungen, die Liste ist lang.

Dabei ist das gute Managen wichtig. Geschenkt.

Was wir aber nicht so richtig wagen, ist das Abgeben. Mir scheint, dass wir nicht trauern, dass wir nicht die Wunden, die das alles schlägt, akzeptieren können. Wir haben Pläne und Konzepte, aber wenig Trauer.

Das mag unfair sein und es mag gute Gegenbeispiele geben: Ich bitte um Nennungen im Kommentar. Aber viel Vertrautes ist weg und es wird leider mit Aktivität zugedeckt.

Auch den Abbruch muss man wagen. Den Mut zur Wunde haben, zum Abgeben, zum Schnitt.

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Katholikentag die Erste: Engagement sehen

In Mannheim beginnt in dieser Woche der Katholikentag. Es ist das Treffen der Engagierten, derer, die sich und etwas vorzeigen wollen und vorzuzeigen haben. Mehr noch als alle Überschriften (in diesem Jahr „Einen neuen Aufbruch wagen“) ist es die Begegnung mit diesem Engagement, die die Katholikentage für mich interessant macht. Und das Engagement ist seit Beginn der Tradition das Engagement der Laien.

Das Zweite Vatikanum hat Laien der erste mal ausführlich gewürdigt und ihren eigenen theologischen Platz beschrieben. Nachzulesen ist das in einem ausführlichen Artikel von Hans Maier, dem ehemaligen ZdK Vorsitzenden, am Montag in der FAZ. Maier geht dem Verhältnis von Laien und Gesamtkirche nach. Darunter sind auch einige lesenswerte Gedanken zur Frage der „Entweltlichung“ und zur Frage des politischen Katholizismus.

Kurz: Es geht – unter anderem – um die Frage nach dem Engagement von Christinnen und Christen in unserer Gesellschaft. Irgendwie muss das Wort Gottes weitergegeben werden, und das geschieht in einer wunderbar bunten Vielfalt.

Aber worauf gründen? Papst Benedikt XVI. hat es am Sonntag bei seinem Besuch in der Toscana so ausgedrückt:

 

„Es ist heute ganz besonders nötig, dass sich der Dienst der Kirche an der Welt durch gläubige und erleuchtete Laien ausdrückt, die fähig sind, im Innern der Stadt des Menschen zu arbeiten – mit dem Willen, einen Dienst zu leisten, der über das Privatinteresse oder die Anliegen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen hinausgeht. Das Gemeinwohl zählt mehr als das Wohl des Einzelnen, und auch die Christen müssen ihren Beitrag leisten zur Entstehung einer neuen öffentlichen Ethik!“

 

Das ist nicht gerade das, was in Sachen Politik und Gesellschaft in Mode ist, die Erfolge der so genannten Piraten beweisen das. Gemeinwohl klingt so traditionell.

 

„Dem Misstrauen allem politischen und sozialen Einsatz gegenüber sollten die Christen, vor allem die jungen Leute, das Engagement und die Liebe zur Verantwortung entgegensetzen – angetrieben von der Nächstenliebe des Evangeliums, die dazu drängt, sich nicht in sich selbst zu verschließen, sondern Verantwortung für die anderen zu übernehmen. Weiterlesen

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„Der Auferstandene braucht kein Gewand mehr“

Die Hand einer Wallfahrerin am Schrein des Rocks

(c) Bistum Trier

Wie das Grabtuch von Turin wird er eine „Ikone Christi“ genannt: Der heilige Rock. An diesem Sonntag geht die Wallfahrt nach Trier zu Ende, einen Monat lang war diese Christus-Reliquie im Dom zu sehen. 500 Jahre seit der ersten Wallfahrt waren vergangen, das war der Anlass für diese nicht sehr häufige Ausstellung des Gewandes Jesu, wie die Tradition es will. Am vergangenen Freitag war ich dort und hatte die Gelegenheit, mit einigen der Verantwortlichen über die Wallfahrt und das Gewand zu sprechen.

 

Johannes 19: 23-24 „Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus.“

 

„Viele sagen ,Ich bin anders nach Hause zurück gekommen, als ich aufgebrochen bin‘“, so erzählt mir Msgr. Georg Bätzing, Leiter der Heilig Rock Wallfahrt. „Einige Elemente sind ihnen wichtig, zum Beispiel das persönliche Berührtsein von der Person Christi und seiner Botschaft. Und dann ein Kirchenerleben, wie Kirche sein kann: hilfreich, unaufdringlich, tröstlich, besorgt umeinander, Angebote machend und nicht irgendwo hin zwingend oder drängend. So hat sich Kirche als Gemeinschaft von Glaubenden hier gezeigt.

Viele Menschen waren auch durch die Gottesdienste mit vielen, vielen Menschen berührt,   mit Menschen unterschiedlicher Motivation und Alter, mit Leuten aus ganz Europa und der ganzen Welt. Die Dimensionen, die wir in den eigenen Pfarreien nur noch selten erleben können, waren hier spürbar.“

 

Bis spät in den Abend stehen die Menschen Schlange, und das nicht erst in den letzten Tagen. Ich habe ein eindrucksvolles Abendlob erlebt in einem übervollen Dom. Das sei nicht immer ganz so voll, erzählten mir Teilnehmer, aber die Gebetszeiten seien immer sehr gut besucht. Das gleiche auch bei den Mittagsgebeten, und das sei besonders erstaunlich, denn die haben in einer anderen Kirche stattgefunden, also ohne den Rock. Es muss also mehr bei der Wallfahrt zu finden sein als nur das Gewand. Weiterlesen

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Von der Gemeinde das Beten lernen

Beten kann man lernen. Gebet ist nichts, was ich selber immer wieder neu erfinden muss, was nur in meinem Kopf entsteht und was an meine Subjektivität angepasst ist. Vulgo: Was mir etwas bringt. Beten kann man lernen, und zwar von unseren Vorgängern, bis zurück zu den ersten Christen, der Urgemeinde nach der Auferstehung und Himmelfahrt.

Die Tradition des Gebetes wurde durch die Jahrhunderte weiter gegeben, ein Blick dorthin zurück lohnt sich. Nicht, um dort sehnsüchtig zu meinen, wie schön das doch war, sondern für mich heute und hier.

 

Die Katechese des Papstes bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch:

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute möchte ich über das Gebet der antiken Gemeinde von Jerusalem sprechen, die für den Apostel Petrus inständig betete, als dieser auf Anordnung des Königs Herodes im Gefängnis war. Diese Begebenheit ist ein Beispiel dafür, wie die Gemeinschaft der ersten Christen den Schwierigkeiten, die ihre Existenz bedrohten, begegneten – den äußeren Verfolgungen, aber auch den inneren Auseinandersetzungen, wie Neid oder Streit, von denen zum Beispiel der Apostel Jakobus berichtet (3,14-16).

Die Urgemeinde findet sich angesichts dieser Bedrängnisse zum gemeinsamen und inständigen Gebet zusammen. Der Bericht des heiligen Lukas zeigt uns aber auch, wie nah, ja gegenwärtig Gott dem Beten seiner Kirche ist. Der Herr sendet dem gefangenen Petrus seinen Engel in den Kerker, um ihn zu befreien. Die Ketten fallen von seinen Händen und das eiserne Tor öffnet sich von selbst. Und der Engel erneuert den Ruf, den Christus einst an Petrus richtete: „Folge mir nach!“ (Joh 21,19.22).

Schließlich erwähnt der heilige Lukas eigens, dass Petrus im Gefängnis schläft, obgleich seine Hinrichtung unmittelbar anberaumt ist. Er will uns damit sagen: Petrus ruht ganz im Vertrauen auf Gott, zumal er sich vom beständigen Gebet der Kirche getragen weiß. Er ist ganz und gar von der Zuversicht erfüllt, dass Gott alles gut machen wird.

Der Marienmonat Mai ist der besonderen Verehrung der Muttergottes gewidmet. Gott hat Marias Liebe angenommen, um seinen geliebten Sohn der Welt zu schenken. Vertrauen auch wir uns ihrer mütterlichen Fürsprache an: „O Mutter der Gnaden, o reich uns die Hand, auf all unsern Wegen, durchs irdische Land.“

 

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„Helfer zu eurer Freude“: Österreichs Bischöfe zur Neuevangelisierung

Titelseite des Dokumentes

(c) Österreichische Bischofskonferenz

Papier produziert unsere Kirche wahrlich genug. Stellungnahmen, Handreichungen, Anleitungen, Vorgaben: Alles gedruckt und gut durchdacht. In diesem Jahr wird die Aufmerksamkeit vor allem auf der Verkündigung des Glaubens heute liegen, auf der Neuevangelisierung. Der Vatikan hat mit den Lineamenta zur Bischofssynode im Oktober, die sich mit diesem Thema befassen wird, den Anfang gemacht.

 

Am vergangenen Wochenende hat die österreichische Bischofskonferenz ihren Beitrag geleistet. „Verkündigung und neue Evangelisierung in der Welt von heute“. Der Titel verspricht keinen spannenden Roman, und tatsächlich findet sich dort nicht die alles rettende Lösung, eher ein sehr überblickshafter, allgemein daher kommender Text. Er liefert nicht das große Versprechen, man müsse nur dies tun oder jenes bedenken, und dann würde alles besser. Er hat noch nicht einmal den großen Horizont einer Vision von Kirche.

Das alles halte ich aber für die Stärke des Textes. „Orientierung und Anregung“ will er sein, nicht Lösung. Ein Text, der sich zurück nimmt und die Arbeit dem Leser überlässt.

 

Nehmen wir zum Beispiel den zweiten Teil des Textes, den praktischen Teil. Unter vielen – sehr kurz gehaltenen – Absätzen finden sich einfach nur Stichworte, ohne Verben, ohne Konjunktionen, ohne Erläuterung. Ich bin sicher, dass sich in der Kirche viele Menschen gefunden hätten, die zu jedem einzelnen Stichwort einen ganzen Artikel hätten schreiben können und auch die Wichtigkeit gerade dieses Stichwortes im Kontext des Ganzen betont hätten, aber genau das macht dieser Text nicht. Er belässt es bei Stichworten.

Nun kann man das für schwach halten, zumal viele der Stichworte Punkte aufgreifen, auf die wir als Leser auch kommen würden. Ich halte es aber genau für das Gegenteil von Schwäche. Die Weitergabe des Glaubens liegt in der Verantwortung aller, sie wird nicht dadurch erreicht, dass einige Wenige gelehrte und vollständige Erläuterungen in einen Text gießen, den dann eh keiner mehr liest, weil er mit der Realität nichts zu tun hat. Die Weitergabe des Glaubens geschieht so, dass man sich vor Ort den Text oder auch andere vornimmt und dann an der Konkretion arbeitet. Weiterlesen

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Im Internet und in Augsburg: Aufbruch

YouCat Titel

(c) YOUCAT

„Es gibt nichts Gutes / außer: man tut es“. Auch wenn dieses Epigramm Erich Kästners philosophisch vielleicht nicht auf sicherern Beinen steht, hat es doch einen wahren Kern: Wer die Hände in den Schoß legt und wartet, dass etwas passiert, darf sich nachher nicht darüber beschweren, dass nichts passiert.

 

Viel wird in diesen Tagen über Aufbrüche gesprochen, beim deutschen Katholikentag nächste Woche in Mannheim, hier in Rom bei der Vorbereitung der Bischofssynode zur Verkündigung in der modernen Welt, oder um den römischen Begriff zu benutzet: Bei der Neuevangelisierung, und überhaupt: Es braucht Aufbruch. Der wird aber nicht passieren, wenn man auf Projektgruppen und Umsetzungspläne wartet.

 

Ein erfolgreiches Projekt in Sachen Aufbrüche ist die Marke ‚YOUCAT’. Begonnen hatte es mit der Idee, dass der Katechismus der Katholischen Kirche eine Jugendversion brauche. Mittlerweile ist es eine erfolgreiche und medienübergreifende Bewegung, was sicher an den Machern liegt, aber mindestens so viel auch daran, dass hier offensichtlich ein Energiereservoir angezapft wurde, was viel Aufbruch ermöglicht.

 

Neben dem YOUCAT selbst, dem Katechismus in jugendgemäßer Form, hat sich diese Initiative vor allem im Internet bewegt. Stefan Ahrens ist Mitarbeiter dort und zuständig für die Vernetzungen und das Netz. Ich habe ihn gefragt, was Kirche von Initiativen wie dem YOUCAT lernen kann.

 

„Was man zuerst vielleicht lernen kann – um es etwas unbescheiden zu sagen – ist, dass man mit relativ wenigen Mitteln ins Internet gehen kann und auch mit wenigen Mitteln Menschen erreichen kann.

Im August 2011 sind wir mit dem YOUCAT online gegangen, wir haben die internationale Hompage youcat.org ins Leben gerufen, die mittlerweile in acht Sprachen online ist. Außerdem sind wir auf Facebook altiv und haben eine eigene YOUCAT Gruppe, in der etwa 27.000 User Mitglied sind. Angegliedert an diese Hauptgruppe auf Facebook sind so genannte „Study Groups“, d.h. es gibt Gruppen, in denen sich Jugendliche in Gruppen treffen, un in denen Sie über den Glauben sprechen können.

Wir haben seit August letzten Jahres über 170 Study Groups bei Facebook freigeschaltet – das waren immer Jugendliche, die sich bei uns gemeldet haben, um eine solche Gruppe zu gründen. Die Mitgliederzahl dieser Gruppen variiert, man kann sagen von zwei bis 2.000. Auf den Philippinen gibt es sogar eine Gruppe mit 12.000 Usern.

Da wird sehr lebendig über den Glauben gesprochen und auch mal kontrovers diskutiert. Wir haben mit sehr wenigen Mitteln sehr viele Leute erreichen können, die sich über den Glauben austauschen möchten.

Im Vorwort zum YOUCAT hat Papst Benedikt geschrieben, dass es sein Herzenswunsch sei, dass Jugendliche den Katechismus studieren, Lerngruppen bilden und sich im Internet austauschen. Hier haben wir den heiligen Vater beim Wort genommen.“ Weiterlesen

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