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Ticket-Box zwischen den Säulen

Hoffentlich ist es nur ein Sturm im Wasserglas: Rom und Italiens Kulturwelt diskutieren gerade, ob es sinnvoll ist, für das Pantheon in Rom Eintritt zu verlangen. Der Kulturminister hat öffentlich Drei Euro ins Spiel gebracht, damit – 21 Mio Euro im Jahr – sollen dann andere Monumente erhalten werden, die nicht so viele Besucher haben wie das Pantheon.

Nun ist das Pantheon aber nicht nur ein antikes Gebäude, sondern eine Kirche. Und zwar eine, wo auch Gottesdienste stattfinden, Messen, Trauungen etc. In Rom gibt es das bisher noch nicht, Kirchen mit Eintritt, anders als etwa in den Touri-Hochburgen Florenz und Siena. Da muss man, wenn man den Duomo oder Santa Croce sehen will, zahlen, es sei denn, man kann bescheinigen, dass man Priester ist. Habe das selbst ausprobiert, funktioniert.

In Rom muss man zwar an Sankt Peter Schlange stehen, wegen der Kontrollen, aber zahlen muss man nicht.

In ungewöhnliches Perspektive: Die Kuppel des Pantheon, Rom

In ungewöhnliches Perspektive: Die Kuppel des Pantheon, Rom

Das Pantheon ist Antik, der Vorbau stammt aus der Zeit des Augustus, die Kuppelhalle ist jünger. Aus dem Tempel wurde dann eine Kirche, bevor das Königreich Italien versuchte, durch die Beerdigung seiner Könige dort drin so etwas wie ein Nationalgefühl zu schaffen, in rührender Nachahmung des Pantheons in Paris, wo die Großen Frankreichs liegen.

Das hat nie richtig funktioniert, kein Tourist kommt, um die Grablege der Könige zu sehen, sondern um die große Kuppel mit dem Loch drin zu bewundern. Die Halle hat wunderbare Proportionen und lohnt den Besuch wirklich, der Lichteinfall, der Raum, all das macht den Besuch zu einem touristischen Highlight.

 

Nur noch touristisches Highlight?

 

Was tatsächlich die Frage aufwirft, ob man das Pantheon deswegen nicht auch als touristisches Highlight behandeln soll und ein Ticket-Häuschen zwischen die Antiken Säulen stellen sollte. Kurz: Bleiben von Sancta Maria ad Martyres nur das Gebäude und die Angaben im Reiseführer?

Mein Herz sagt natürlich ‚Nein’. Aber auch der Verstand hat Zweifel. Das Geld, das hier eingenommen wird, reicht natürlich hinten und vorne nicht. Italien hat so viele zu erhaltene Stätten, da kann Eintritt für das Pantheon eine nur symbolische Bedeutung haben.

Was mich aber noch mehr nervt ist die Perspektive, dass alles nur noch mit Geld zu erreichen sein wird. Natürlich braucht man Geld, ohne Zweifel, so naiv bin ich nun auch wieder nicht. Aber die Innenstadt Roms verwandelt sich eh immer mehr zu einem Besucher-Park. Es wäre schade, wenn Kulturdenkmäler – und Kirchen – sich nahtlos darin einreihen würden.

Wer Geld bezahlt, erwirbt Rechte. Und wenn ich Rechte an etwas habe, etwa etwas zu sehen, dann bin ich irgendwie Herr der Sache.

Wer Geld bezahlt, verändert die Beziehung, die er zum Gebäude oder sonstwas hat. London hat die Gewohnheit, dass dort alle Museen ohne Eintritt funktionieren – noch, muss man ehrlicherweise sagen. Das verändert die Besucher, jedenfalls meinem Eindruck nach.

Wie gesagt, hoffentlich ist das alles nur eine der üblichen politischen Versuche, ein Nutztier durchs Dorf zu treiben, um Aufsehen zu erregen und so zu tun, als tue man was. Andererseits würde und dieses Kulturdenkmal und würde uns diese Kirche wieder ein Stück fremder.

 

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Der verheißene Erlöser? Hier? Quatsch!

An diesem Kunstwerk ist nichts Religiöses. Kein Heiligenschein um die Menschen, keine religiöse Symboli, im Gegenteil, eher versucht der Künstler, alle direkten Bezüge zu vermeiden. Es gibt keine biblische Geschichte, die man sofort zuordnen mag, keine Zitate früherer Kunst, nichts. Und doch hängt es in einer Kirche und heißt: „Krippe“.

Das Kunstwerk "Krippe" von Marc Fromm

Marc Fromm: Krippe

Die Kirche, in der die Krippe hängt, ist Sankt Peter in Köln, die Kunstation Sankt Peter. Die Figuren sind aus Holz geschnitzt, wie „echte“ Krippen auch. Aber in dem Mann und seiner Pommes, mit Tattoo und verspiegelter Sonnenbrille, mag man Josef nicht erkennen. Und die Frau schiebt zwar einen Kinderwagen und hat ein Kreuz um den Hals, das ist aber eher Schmuck wie das „D&G“ Gürtelschloss und andere Accessoires. Das soll Maria sein? Mit Kampfhund und Spike- Halsband an der Leine? Doch wohl eher nicht.

 

Diese Krippe lebt von anderen Krippen

 

Was soll also dieses Kunst-Werk in einer Kirche? Zuerst: Es lebt von anderen Krippen. Der Asia-Grill mit den zwei Figuren lebt davon, dass wir „eigentlich“ wissen, wie Krippen auszusehen haben, jedenfalls so ungefähr. Ohne den Hintergrund unseres kulturellen Wissens oder unserer Glaubenspraxis hat das keinen Sinn, es spielt mit Erwartungen und Voraussetzungen. Es ist also abhängige Kunst.

Würden wir hier den Herrn suchen? "Krippe" im linken Seitenschiff von Sankt Peter, Köln

Würden wir hier den Herrn suchen? „Krippe“ im linken Seitenschiff von Sankt Peter, Köln

Dann muss man genau hinsehen, was diese Krippe macht: Sie stellt nicht dar. Andere Krippen sind historisierende Darstellungen des biblischen Geschehens, da werden Bibelstellen aus den Evangelien nach Lukas (Geburt, Grotte, Hirten) und Matthäus (Sterndeuter) wortwörtlich zusammen gestellt, damit wir sehen, nicht nur hören. Das war die geniale Idee des Franziskus von Assisi, wie wir heute sagen, er hat damit begonnen und es war eine Erfolgsgeschichte.

Aber was sehen wir, wenn wir heute eine Krippe anblicken? Papst Franziskus hat in diesem Jahr immer wieder Figur-Meditation betrieben, „schauen wir auf Maria“, „schauen wir auf Josef“, die Figuren an der Krippe sollen anregen, die biblischen Geschichten der Geburt Gottes zu meditieren. Genau das tut die Krippe in Sankt Peter nicht. Sie stellt nicht dar. Sie repräsentiert nicht.

 

„Ihr werdet ihn finden am Asia-Grill“

 

Die Kraft dieser Krippe liegt woanders. Wenn man auf die Krippe sieht, dann sieht man nicht gleichzeitig weg von der Welt. Da ist die Stärke. Wenn ich durch Neapel laufe, die berühmte Straße wo tausende von Krippenfiguren angeboten werden, von Fußballstars über Schauspieler, Politiker und andere Größen, die dann zum Neugeborenen in den Stall gestellt werden können, dann passiert da etwas Ähnliches: Die Welt von heute hält Einzug. Weiterlesen

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Neulich im Erzbistum Rom

Und da ist sie wieder, die Frage nach den wiederverheirateten Geschiedenen. Gerade erst hatte Kardinal Müller zum Dubia-Brief der vier Kardinäle Stellung bezogen, nun gehen durch Teile der deutschen Presse die Regelungen, die für das Bistum Rom getroffen werden. Das ist – weil es ja das Bistum des Papstes ist – für die ganze Debatte nicht uninteressant, deswegen darf man da auch mal ausführlicher drauf schauen.

Es geht um ein Pastoralforum des Bistums, abgehalten im vergangenen Sommer, und um die Abschlussrede von Kardinal Agostino Vallini, dem Vertreter des Papstes als Leiter des Bistums. Das Redemanuskript von Kardinal Vallini ist lang, ausgedruckt sind es fünfzehn Seiten. Dass es im deutschsprachigen Raum damals – im September – nicht wahrgenommen wurde, hat auch damit zu tun, dass der Bischof der Stadt – Papst Franziskus – genau an dem Tag in Assisi war, zum Gebetstreffen.

Die Römer sind nicht die ersten, Argentinien hatte schon (begleitet von einem lobenden Brief des Papstes) Richtlinien vorgelegt, die deutsche Bischofskonferenz will Ähnliches tun. Deswegen loht es sich, auch die konkreten Schritte hier anzuschauen, um zu sehen, wie der synodale Prozess nun in der Praxis ankommt.

 

Und wieder ein Teil des synodalen Prozesses

 

Kaffeepause bei der Familiensynode - der Papst im Gespräch

Kaffeepause bei der Familiensynode – der Papst im Gespräch

Und das ist auch schon das erste Ergebnis: Es ist Teil eines Prozesses. Amoris Laetitia (AL), also das Abschlussdokument der beiden Versammlungen der Bischofssynode zum Thema, legt keinen Schalter um, es beginnt einen Prozess. Und zwar in der Methode wie auch im Inhalt.

Beides spiegelt sich jetzt im Bistum Rom wieder, Kardinal Vallini, der den Papst als Vikar für das Bistum vertritt und damit die praktische Leitung inne hat, hängt die pastoralen und praktischen Vorschläge direkt an den synodalen Prozess zu Ehe und Familie an. Hier wird nicht die Deutungshoheit über einzelne Aussagen für sich beansprucht, keine Debatte um Lehre und Bedeutung geführt, wie es von verschiedenen Seiten gerne passiert (Plural!), sondern hier werden praktische Lösungen gesucht, die den bereits gegangenen Weg praktisch werden lassen.

Zweitens: Vallini zitiert AL mit der Aussage, dass die Kirche nicht bloß eine „kalte und leblose Doktrin“ verteidige. Es gehe auch hier darum, alles aus der Liebe Gottes heraus zu verstehen. Klingt erst einmal selbstverständlich, wenn man sich aber vor Augen hält, wie gerne Ehe und Familie – auch in der Kirche – ohne Gott verstanden werden, rein moralisch etwa, dann ist das nicht unwichtig.

Drittens: Es geht um Begleitung. Das zieht sich seitenlang auch durch Amoris Laetitia und jeder Seelsorger und jede Seelsorgerin weiß das auch. Wirklich tragfähige Gemeinden und Gemeinschaften bauen sich langsam auf, nicht auf Einzelentscheidungen. Also geht es bei Vallini um die langfristige Begleitung vor der Ehe auf die Ehe hin, es geht um die Begleitung der Familie nach der Hochzeit – auch andere Familien etwa – und so weiter. Soll heißen: Kirche als Gemeinschaft ist nicht nur für Problemlösung in „Fällen“ zuständig. Familien, die Teil der Kirche sind, sind es eben nicht nur wenn man sonntags zum Gottesdienst geht oder sich traut oder Kinder taufen lässt. Das Familienleben als solches sollte zumindest offen sein für die Gemeinschaft der Glaubenden, begleitet und begleitend. Wer hier gleich die Einmischung in die Privatsphäre vermutet hat begriffen, dass das nicht ganz ohne Anspruch ist. Es lohnt sich also, auch das zu lesen, und nicht gleich zu den kritischen Stellen über zu gehen. Hier liegt viel anspruchsvolles Tun.

 

Amoris Laetitia, Nr. 300

 

Viertens: Vallini legt in seiner Ansprache vor allem AL 300 aus, wenn es um die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen geht. Fast jeder Satz von AL 300 findet sich bei Vallini wieder, nur eben praktischer, nur eben mit konkreten Vorschlägen. Weiterlesen

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Was Sie nicht sagen …

Gott sei genauso wie Allah, JHWH, und all die anderen Bezeichnungen der Religionen nur ein Name für dasselbe. Oder denselben. Das ist ein Zitat, das seit einigen Wochen durch das Netz schwirrt, zugeschrieben wird es Papst Franziskus. Es ist offensichtlicher Unfug, aber dann doch so hartnäckig, dass der Pressesprecher des Vatikan selber zu Protkoll gab, dass es Unfug ist, erfunden.

Neulich hat hier im Blog jemand behauptet, der Papst habe den Missionsauftrages Christi mit der Gräuelmission des sogenannten Islamischen Staates verglichen. Gleichermaßen erfunden.

Was wäre aber, wenn es einen ‚Beweis’ gäbe? Wenn jemand eine solche Aussage aufgezeichnet hätte?

Demnächst können wir vielleicht Interviews machen, ohne dass der Betreffende irgend etwas sagt.

Demnächst können wir vielleicht Interviews machen, ohne dass der Betreffende irgend etwas sagt.

Die Frage ist so theoretisch nicht, denn es wird in Kürze möglich sein, einen Audiobeweis über solche Aussagen vorzulegen, ohne dass der Papst jemals irgend etwas in dieser Richtung gesagt hat. Wie das? Der Computer macht es möglich. VoCo heißt die Software, die seit Wochen auf den Fach-Webseiten, aber auch in Medien-Formaten etwa im Radio – das ja besonders betroffen wäre – debattiert wurde. VoCo hört sich 20 Minuten gesprochenes Wort einer Person an, danach kann es einen Text in der Stimme, die gespeichert und analysiert wurde, selber aufsagen. Inhalte also, welche von der Stimme selber nie gesagt wurden, klingen nun so.

VoCo stammt von der Firma Adobe, die dasselbe ja auch schon mit Bildern gemacht hat, Photoshop ist der Standard.

 

Realitäts-Verschiebung

 

Es funktioniert auch genau so: Die Sprache wird in kleine Bestandteile zerlegt – Phoneme, bei Bildern sind es Pixel – und dann neu zusammen gesetzt, je nachdem, was gebraucht wird. Man kann sich die Vorführung hier ansehen.

Ich vermute einmal, dass es zuerst so ruckelig sein wird, wie Computer-generierte Menschen im Film, irgendwie erkennen wir noch, dass das alles „falsch“ ist. Menschen in Wirklichkeit sind komplexer als das, was der Computer über sie weiß, intuitiv erkennen wir. Aber mit Rechenleistung und lernenden Programmen werden die immer besser.

Das Gleiche wird auch mit dem Audio passieren, das kleine verlinkte Video zeigt das schon ganz gut. Der Horror für jeden Radio-Menschen.

OK, Kulturpessimismus bringt es nicht, Technikfeindlichkeit auch nicht, Alarmismus hat auf die Dauer auch noch nie was gebracht. Aber Obacht, hier werden mal wieder die Grenzen der Wirklichkeit verschoben. Was ‚wirklich’ ist, ist nicht mehr offenbar. Wir brauchen andere Software, um zu entdecken, ob etwa eine menschliche Stimme eine menschliche Stimme ist, oder ob sie erzeugt wurde.

Noch einmal eine Verschiebung dessen, was Realität bedeutet. Was das für eine Mentalitätsverschiebung bedeuten wird, können wir heute noch nicht wissen. Achtsam sollten wir aber bleiben, dass uns die Wirklichkeit nicht entgleitet.

 

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Dunklere Töne

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich habe bei der Lektüre des Papstbriefes an die Bischöfe der Welt erst einmal geschluckt. Am 28. Dezember hatte er den verschickt, Anlass war das Fest der Unschuldigen Kinder. Und das war dann auch das Thema.

Nie wieder Missbrauch, die Ausbeutung von Kindern weltweit, irgendwie passt es zu dem Tag, an dem die Kirche einer Dimension des Weihnachtsfestes gedenkt, die so gar nicht in die romantische  Weihnachtsmann-Geschenke-Familienstimmung passen will: Die Gewalt, die Jesus entgegen schlägt. Oder die Gewalt, die Teil der Welt ist, in die Jesus hinein geboren wird. Oder die Gewalt, die durch ein kleines Ereignis wie eine Geburt und die große Angst eines Königs ausgelöst wird. Wie auch immer man die Geschichte vom Kindermord in Bethlehem liest, Gewalt gehört nicht zur zum Osterfest – Karfreitag – hinzu, sondern auch zu Weihnachten, ob es uns passt oder nicht.

 

Weihnachten und die Gewalt

 

In den Worten des Papstes: „Gegen unseren Willen wird Weihnachten auch vom Weinen begleitet. Die Evangelisten nahmen es sich nicht heraus, die Wirklichkeit zu verschleiern, um sie glaubwürdiger oder anregender werden zu lassen. Sie nahmen es sich nicht heraus, einen „schönen“, aber irrealen Text zu verfassen. Weihnachten war für sie nicht ein imaginärer Zufluchtsort, wo man sich angesichts der Herausforderungen und Ungerechtigkeiten ihrer Zeit verstecken konnte. Vielmehr verkünden sie uns auch die Geburt des Sohnes Gottes in eine leidvolle Tragödie eingebettet.“ Man kann die Menschwerdung nicht feiern, und gleichzeitig der Realität den Rücken kehren. ‚Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht an’, sagt der Evangelist Johannes.

Hinter allem Lächeln ...

Hinter allem Lächeln …

Dass ich bei der Lektüre geschluckt habe, liegt aber gar nicht einmal am Thema oder der Art und Weise, wie es behandelt wird. Auch das Thema Missbrauch, dass ja im Schlussabsatz sehr deutlich zur Sprache kommt, ist ja so neu nicht und dass es zu diesem Tag passt, liegt auf der Hand. Es ist vielmehr der dunkle Ton, den ich wahrnehme.

Es ist nicht das erste Mal. In den vergangenen Monaten scheint der Papst mehr als früher von den Dingen, mit denen er direkt zu tun hat, bedrückt zu sein. Syrien ist so ein Beispiel, was kann man da tun? Reden und reden und anbieten, aber dann gewinnen doch die Bomben?

Der Papst hat nie vor dem Leiden Halt gemacht. Er umarmt und lächelt, hört zu und tröstet, segnet und ist einfach nur da, das ist eine der großen Stärken. Um so mehr nehme ich jetzt diesen Grundton in Moll wahr.

 

Grundton in Moll

 

„Wir weinen“, „es bewegt unsere Seele“, „ich schreibe es tief bedrückt“, „eine Sünde, die beschämt“, es sind viele dieser Worte, die gerne auch mal formalistisch klingen können, gerade auch aus dem Mund von Klerikern. Das ist einfach formuliert und klingt wie etwas, was man sagen muss. Hier aber, in diesem Text wie so oft bei Papst Franziskus, klingt das echt, zu echt fast. Als säße ihm das wirklich auf der Seele, nicht nur auf dem Schreibtisch. Weiterlesen

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Alles bleibt anders

Es ist irgendwie anders als sonst. Wir schauen voraus und planen das Jahr und stellen fest, dass da gar nichts zu planen ist. Gut, da sind Papstreisen in Italien und eine nach Portugal, im Mai, aber sonst ist noch nichts bestätigt oder als festes Gerücht im Umlauf.

Er könne nicht nach Argentinien kommen, denn es gebe schon feste Zusagen in Afrika und Asien, hat der Papst gesagt, was genau das aber sein wird, wissen wir zu Beginn diesen Jahres aber nicht.

Weltkugel? Christbaumkugel? Papst Franziskus betet das Angelus auf dem Petersplatz

Weltkugel? Christbaumkugel? Papst Franziskus betet das Angelus auf dem Petersplatz

Es sind aber nicht nur die Papstreisen. Es gibt keinen Weltjugendtag in diesem Jahr. Es gibt keine Versammlung der Bischofssynode in diesem Jahr. Beides waren ja Großereignisse, welche die Papstjahre in der Vergangenheit geprägt haben.

Natürlich ist der Papst immer für eine Überraschung gut, oder vielleicht sollte man eher sagen, dass heute anders geplant wird als noch vor fünf Jahren, alles ist flexibler geworden. Trotzdem scheint irgendwie das vor uns liegende Jahr weniger von aufsehen erregenden Ereignissen geprägt zu werden, als mehr von den berühmten „Mühen der Ebene“. Die Reform des Vatikan muss weitere klare Schritte machen, hier bei uns im Haus merkt man das sehr deutlich.

 

Die berühmten „Mühen der Ebene“

 

Das noch größere aber viel weniger greifbare Projekt des Papstes, der Traum von einer missionarischen Kirche, ist auch ständig auf der Tagesordnung. Vielleicht ist das ja eine Chance: Wenn wir weniger auf die großen Events starren, bleibt uns vielleicht etwas mehr Zeit für die Beobachtung von langfristigen Entwicklungen.

Da ich diesen Satz schreibe, kommen mir gleich schon die Zweifel, das verkauft sich nicht, das ist keine News, der Papst wiederholt sich ständig, das will keiner mehr wissen, er hat nichts Neues zu sagen, das werden die Einwände werden. Auch das eine Erwartung für das kommende Jahr, es wird ohne die Leuchttürme schwieriger, den Papst in den „Mühen der Ebene“ zu berichten. Die Faszination ist da und bleibt wohl auch noch, jetzt muss sich aber zeigen, ob das, was Franziskus zu sagen hat, ankommt oder ob es immer eines Reizes von Rom aus bedarf.

Bleibt Barmherzigkeit ein Thema, oder ist das nach dem Heiligen Jahr irgendwie abgehakt? Reden wir weiter über Ehe und Familie und wie das heute glaubend und verantwortet gelebt werden kann, oder schauen wir nur auf Konflikte? Ich jedenfalls bin gespannt, was 2017 so alles bringen wird.

Und ich bin sicher, in einem letzten Post am Ende des Jahres werde ich wieder sagen, dass dann doch alles anders gekommen ist, als wir alle vermutet haben.

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Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden

Eine Politik des Friedens ist möglich. Es braucht immer mal wieder einen Papst, der so etwas sagt. Papst Johannes Paul II. hatte sich in der Politik keine Freunde gemacht, als er ganz konkret gegen den Irak-Krieg Position bezog. Legendär ist auch Papst Johannes XXIII. während der Kubakrise oder auch Benedikt XV. während des Ersten Weltkrieges.

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Papst Franziskus macht das genauso, und das seit Jahren. Immer wieder spricht er über den „guerra mondiale a pezzi“, was wir als Weltkrieg in Stücken übersetzen. Und er setzt sein Sprechen vom Frieden dagegen, unter anderem heute, am 1. Januar, dem Tag, an dem die Kirche den Weltfrieden ins Zentrum rückt. Der Papst hat dazu wie in jedem Jahr eine Botschaft veröffentlicht.

Der Gedanke ist an sich nicht neu, immer wieder hat Papst Franziskus Elemente oder einzelne Posten dieses Politikstils aufgegriffen.

Der Papst nennt jetzt in der Botschaft Personen, die zeigen, wie da genau geht, der Stil einer Politik für den Frieden: Mahatma Ghandi, Martin Luther King und natürlich Mutter Teresa. Und er nennt die Bergpredigt das „Handbuch“ dazu: „Selig, die keine Gewalt anwenden – sagt Jesus –, selig die Barmherzigen, die Friedenstifter, selig, die ein reines Herz haben, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit,“ so die Papstbotschaft zum heutigen Tag.

Es ist halt eine Stilfrage: kann ich Konflikte ertragen, ohne mich gleich zu Macht und Gewalt verführen zu lassen? Das Wort „ich“ ist hier wichtig, für den Papst beginnt dieser Stil der Politik zu Hause, im eigenen Leben, nicht erst bei der UNO-Vollversammlung. Der Stil muss eingeübt werden, ausprobiert werden, gelebt werden, dann wird er in den handelnden Menschen auch wirksam.

Es ist halt wie immer bei diesem Papst: es muss bei mir anfangen, hier, heute, morgen, ganz konkret. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein friedvolles Jahr 2017.

 

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Für 2017

In unserer Sprache klingt das Wort „Ermächtigung“ schräg. Es hat historische Konnotationen, die nichts mit meinem Gedanken hier zu tun haben. Leider haben uns die dunklen Jahre bis 1945 auch viele Worte geraubt, die sich nicht mehr benutzen lassen. Der Gedanke dahinter ist aber wichtig, etwas selber in die Hand nehmen, befähigt werden. Das ist es, was Papst Franziskus will. Den Glauben, den eigenen Glauben, selber in die Hand nehmen.

Zeichnung von Rembrandt: Der verlorene Sohn

Rembrandt Harmenz van Rijn: Der verlorene Sohn

Politische Beobachter sehen in den Wahl-Entwicklungen der vergangenen Jahre bis zu Österreich und Italien, allen voran in den USA, nicht etwa eine Rebellion der ungebildeten und so weiter, solch eine Argumentation verlängere nur die Fehleinschätzung derer, die sich verwundert die Augen reiben, wie es nur so weit kommen konnte.

Es geht vielmehr darum, dass Menschen selber bestimmen wollen, wie ihr Leben funktioniert. Dazu wollen sie keine Almosen, sondern Möglichkeiten.

 

Möglichkeiten, nicht Almosen

 

Die Welt um uns herum beschränkt aber immer mehr Möglichkeiten, von den Großkonzernen und Daten-Monstern angefangen über immer komplexere Vorgänge etwa an den Börsen, die buchstäblich so schnell sind, dass kein Mensch sie mehr kontrollieren kann. Konzerne zahlen keine Steuern, aber die Straßen funktionieren nicht oder die Rente reicht nicht mehr zum Leben. Und so weiter.

Negativ kann man das in Populismus ummünzen, das haben wir oft genug gesehen. Aber dieser Populismus injiziert ja nicht etwas in die Menschen hinein, er ruft etwas auf, was schon da ist und benutzt das.

Auch Papst Franziskus ruft das auf, aber nicht populistisch. Er will christliche Möglichkeitsräume schaffen. Das Leben als Christ entscheidet sich nicht an der möglichst genauen Erfüllung der Regeln, sondern im Umsetzen dessen, was Christus von uns will, im eigenen Leben, selbstbestimmt und in Gemeinschaft.

Natürlich gibt es dazu Rahmenbedingungen, natürlich schwebt das, was Jesus gelehrt hat, nicht im freien Raum, das wäre „Situationismus“, wie der Papst das neulich genannt hat. Relativismus hatte Benedikt XVI. das genannt.

Deswegen kann der Papst ja auch so deutlich gegen das Bauen von Mauern und andere Populismen Stellung beziehen: Die Lehren Jesu haben Folgen für uns und unser Leben, die wir nicht schlicht der eigenen Entscheidung oder Ängsten unterwerfen dürfen. Das nennen wir Tradition.

 

Gemeinschaft und Auftrag

 

Was wir von Jesus aber durch die Jahrhunderte hindurch als Tradition empfangen haben, sind zwei Dinge: Gemeinschaft und Auftrag. Kirche und Lehre, mag man das übersetzen, beides wird aber wenn statisch verstanden falsch und richtet sich gegen die dem Gedanken eigentlich innewohnende Dynamik. Wenn wir es aber dynamisch verstehen, dann wird es zum Glauben selber in die Hand nehmen, dann wird das zu unserem „Empowerment“, dann werden wir nicht Objekte einer Kirche, sondern ihre Träger, ihre mit der Würde der Entscheidung ausgestatteten Mitglieder.

Wir entscheiden nicht über unseren Glauben, weil der uns geschenkt ist, aber wir setzen ihn um, im Leben, im Alltag.

Der Populismus hat uns die letzten Jahre über begleitet, in dem jetzt zu Ende gehenden Jahr auch hier im Blog. Und es ist ja auch gut so, dass wir uns dem stellen – jedenfalls wenn er sich dem Dialog stellen will.

Das Gefühl, dass die Welt uns entgleitet und in die Hände von komplexen und unüberschaubaren Vorgängen geht, Konzernen und Daten-Kraken, darf uns nicht in die Versuchung führen, der Allmacht anheim zu fallen, der einen-Lösung-für-alles oder des starken Mannes. Das beschränkt die Räume nur noch mehr, auch wenn es aussieht, als böte es Sicherheit – das Gegenteil ist der Fall.

Einen dynamischen Glauben der aufsteht, der losgeht, der keine Angst hat, und der dann auch den Versuchungen des Populismus widerstehen kann, das ist die Antwort auf die vielen Beschränkungen und Fragen, denen wir begegnen. Das ist nicht einfacher, das Jubeln über die großen Vereinfachungen der Populisten geht besser und schneller, aber es geht eben vorbei an dem, was ein selbstbestimmter und gelebter Glaube sein will.

Einen solchen Glauben, oder einen Weg dahin, den wünsche ich uns allen für das kommende Jahr 2017.

Alles Gute Ihnen.

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Kurienreform à la Franziskus

Alle Jahre wieder, ist man versucht zu sagen: Der Papst setzt die Reform der Kurie auf die Tagesordnung, und zwar immer beim Weihnachtsempfang für die höheren Kurienmitarbeiter, vor allem also die Kardinäle und Bischöfe, die in der Kurie – den Dikasterien, wie das hier heißt – arbeiten.

Papstansprache in diesem Jahr

Papstansprache in diesem Jahr

Diese Ansprachen an die höheren Kurienmitarbeiter finden traditionell jedes Jahr statt, der Papst wünscht ein Frohes Fest und nutzt die Gelegenheit zu grundsätzlichen Überlegungen. Das erste Mal wirklich öffentliche Aufmerksamkeit bekam diese Ansprache aber erst 2005, als Papst Benedikt XVI. diesen Rahmen nutzte, um über die Hermeneutik der Reform zu sprechen, die er einer Hermeneutik des Bruchs gegenüber setzte.

„Reform“ war also schon bei Benedikt Thema, seit dem Amtsantritt von Franziskus ist das aber noch systematischer geworden, und der Papst sagt auch, warum: Das sei dem zu wählenden Papst vom Konklave mitgegeben worden.

Im vergangenen Jahr hat Papst Franziskus betont, dass die Reform der Kurie „mit Entschlossenheit fortgesetzt“ wird. Das Jahr zuvor hatte er eine der am meisten berichteten Ansprachen gehalten, die berühmt gewordenen fünfzehn Krankheiten der Kurie, „spiritueller Alzheimer“ ist hängen geblieben. Diese Ansprache hat er dann 2015 wieder aufgegriffen: „Einige dieser Krankheiten sind im Laufe dieses Jahres aufgetreten; sie haben dem gesamten Leib nicht unerhebliche Schmerzen zugefügt und viele Menschen innerlich verletzt.“

 

„Reform“ war schon bei Benedikt Thema

 

Dieses Jahr also wieder, und zwar zwölf – kurze und knappe – Kriterien für eine Reform. Das die einzelnen Ansprachen auch innerlich zusammen hängen, wird nicht nur dadurch deutlich, dass der Papst sich selber zitiert und diese Zusammenhänge auch deutlich macht. Man sieht es auch ganz konkret, wenn man sich die Reformschritte ansieht, die um uns herum passieren.

Zwei Dinge sind wichtig: Erstens der Gedanke der Bekehrung. In allen Ansprachen kommt die persönliche Ebene vor der strukturellen. Reform macht nur Sinn und ist nur nachhaltig, wenn sie den Einzelnen reformiert, oder besser: wenn dieser sich bekehrt. Ohne Jesus im Zentrum funktioniert gar nichts, möchte ich das übersetzen.

Zweitens: die Schattenseiten. Heute waren es die „bösartigen Widerstände“, die der Papst nannte, in der Vergangenheit die Krankheiten etc. Man darf nicht naiv sein bei der Umsetzung von Reform, scheint der Papst zu sagen.

Franziskus ist realistischer geworden. Die zwölf Kriterien sind geerdeter als die Tugenden oder zuvor die Barmherzigkeit und die Krankheiten. Und das ist ja auch folgerichtig, das sind die „Mühen der Ebene“. Die Reform geht weiter.

 

Nachtrag

In einem frei gehaltenen Teil im Anschluss an die Rede in diesem Jahr berichtet der Papst, woher er den Gedanken der fünfzehn Krankheiten hat. Ich bin ein wenig froh, dass ich mit meiner Diagnose vor einiger Zeit recht hatte. Das tut auch mal gut.

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Anschlagsfolgen

Quelle: Facebook @DressedLikeMachines

Quelle: Facebook @DressedLikeMachines

Zu den beiden Titelseiten von großen Zeitungen heute muss man eigengtlich nicht mehr viel sagen. Frage: Wer von beiden spielt hier das Spiel des Terroristen? Wer verstärkt das, was der Mörder erreichen wollte? Und wer setzt dem etwas dagegen?

Danke, Berliner Morgenpost.

Und wenn wir schon beim Thema verstärken sind, der bayerische Ministerpräsident Seehofer setzt noch einen drauf. „Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik überdenken und neu justieren“, sagt er, er macht politische Punkte rechts außen durch das Missbrauchen von Angst und Trauer.

Eigentlich bin ich hier ja selten parteipolitisch, aber an dieser Stelle muss ich – wie viele andere auch – einfach mal „Halt!“ sagen. Das geht so nicht. Gerade erst habe ich ein Interview mit Alexandria in Ägypten geführt, dort ist Terror alltäglich und dort gab es einen verheerenden Anschlag auf eine Kirche. Die Menschen – Christen wie Muslime- wollen sich aber nicht einschüchtern lassen. Das ist die Nachricht hier.

Angst kann man nicht einfach wegmachen, die ist da. Aber wenn sich die Gemeinschaft nicht auflöst, wenn wir uns nicht zurück ziehen und unsere Freiheiten und unsere Lebensweise aufgeben, dann gewinnt die Angst nicht. Was Herr Seehofer da macht, um einige Wählerstimmen willen, ist genau das Gegenteil. Er sägt an dem, was die Gesellschaft zusammen hält. Weniger Solidarität, weniger Mitmenschlichkeit, alles um die Angst auszunutzen.

Nutzen Sie die Weihnachtstage, Herr Seehofer, vielleicht fällt Ihnen ja noch ein, was das „C“ in Ihrem Parteinamen bedeuten soll.

 

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