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Der Sommer

Pause_icon_statusDieser Blog war in der jüngsten Zeit etwas arg monothematisch. Familiensynode und die Enzyklika Laudato Si‘ haben sehr viel Platz in meinem Hirn eingenommen, und das hatte Auswirkungen. Das soll aber nun, nach der Lateinamerikareise des Papstes, anders werden. Es gibt ja auch noch viele andere schöne Themen und Beobachtungen, die hierher passen und die ich habe liegen lassen müssen, weil die Menge RAM in meinem Kopf nun Mal beschränkt ist.

Die Familiensynode wird uns weiter beschäftigen, das Thema sogar über den Oktober hinaus. Aber anderes wird seinen Platz haben. Kuba zum Beispiel: Ich habe das Vergnügen, zur Papstreise wieder dorthin fahren zu dürfen, wie 2012 schon bei der Reise von Benedikt XVI. Und dann die USA, auch da darf ich dabei sein, nach einer Einreise direkt von Kuba aus.

Und das sind allein die päpstlichen Themen, mehr, viel mehr wird dazu kommen.

Aber – und hier die Message von heute – all das nach einer Sommerpause. Die Redaktion bei uns wird kleiner, die Urlaube stehen an, da gönne ich mir in den kommenden Wochen eine Blog-Auszeit.

Über den Newsletter von RV werden Sie erfahren, wann es weiter geht, spätestens im September. Bis dahin einen schönen Sommer und auf bald.

 

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Facebook

LogoMediennutzungsgewohnheiten ändern sich, Radio Vatikan auch. Es war nicht ganz einfach, schließlich sind wir nicht wirklich viele in der Redaktion, aber nun gibt es uns auch bei Facebook zu sehen. Erst ging ein Stöhnen durch die Ränge, es ist ja nicht so, dass wir nichts zu tun hätten. Das Stöhnen ist dann aber der Einsicht gewichen, dass es dazu gehört. Wir senden keine Nachrichten mehr, wir kommunizieren sie. Und das bedeutet eben einen Ausbau der Kanäle. Also, besuchen Sie uns doch mal. Und vor allem: Ein „Gefällt mir“ würde uns gefallen, geben Sie sich einen Ruck!

Es hat lange gedauert, aber jetzt hat Facebook auch uns eingeholt.

 

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„Die Welt erträgt es nicht mehr“

Der Papst bei seiner Ansprache

Der Papst bei seiner Ansprache

Ein Volkstribun ist eine Figur, den die Menschen sich gewählt haben, und der für sie ihre Anliegen vertritt. So ungefähr kann man diese alt-römische Figur beschreiben, und so habe ich den Begriff auch in meinem Bericht über die Rede von Papst Franziskus vor den Volksbewegungen benutzt. Papst Franziskus bringt etwas ins Wort, für sich und für andere.

Bei der Rede ist er sehr deutlich geworden, wir Europäer haben uns einiges anhören müssen. Wir reichen Länder haben uns einiges anhören müssen. Bereits bei Evangelii Gaudium und dann wieder in Laudato Si’ war das so, nun aber noch einmal in einer Rede, in direkter Kommunikation. „Die Welt erträgt es nicht mehr“ und „Wir wollen und brauchen Veränderung“. Strukturen und Haltungen müssen sich ändern, so der Papst. Eine wunderbare, lange und ausführliche Zusammenfassung dessen, wie er über die Frage denkt, wie wir mit der Welt – sowohl Mitwelt auch Mitmenschen – umgehen.

Interessant ist, wie er uns mitnehmen will. Der Papst stellt Fragen: Sehen wir ein, dass etwas nicht in Ordnung ist …? Ich zitiere: „Sehen wir ein, dass etwas nicht in Ordnung ist in einer Welt, in der es so viele Campesinos ohne Grund und Boden, so viele Familien ohne Wohnung, so viele Arbeiter ohne Rechte gibt, so viele Menschen, die in ihrer Würde verletzt sind? Sehen wir ein, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn so viele sinnlose Kriege ausbrechen und die brudermörderische Gewalt sich selbst unserer Stadtviertel bemächtigt? Sehen wir ein, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn der Boden, das Wasser, die Luft und alle Wesen der Schöpfung einer ständigen Bedrohung ausgesetzt sind?“

 

Erster Schritt: Einsicht

 

Es braucht also als erstes Einsicht. Einsicht ist etwas, was ich selber leisten muss. Das kann niemand für mich tun, das ist der Wert dieses Wortes. Der Papst will also, dass wir selber den Schritt machen. Da kann keiner an der Tafel uns vormachen, was alles der Fall ist, es braucht unsere eigene Aktivität.

Dem entspricht dann auch, dass er sagt, dass die Änderung der Strukturen nicht ausreicht, weil diese schnell bürokratisch wird. Die Perspektive, die er einnimmt, ist auch nicht nur die der Verlierer und Ausgeschlossenen. „Bei den verschiedenen Begegnungen, auf den verschiedenen Reisen habe ich festgestellt, dass es in allen Völkern der Welt eine Erwartung gibt, eine starke Suche, ein Sehnen nach Veränderung. Selbst in dieser immer kleineren Minderheit, die glaubt, von diesem System zu profitieren [damit sind wir gemeint, Anm Hagenkord], herrscht die Unzufriedenheit und besonders die Traurigkeit. Viele erhoffen einen Wandel, der sie von dieser individualistischen, versklavenden Traurigkeit befreit.“ Weiterlesen

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Die Demokratien revitalisieren

Das Ergebnis war, dass – wieder einmal – Papst Franziskus für einen Kommunisten gehalten wurde. Als er im Oktober vergangenen Jahres das internationale Treffen der Volksbewegungen im Vatikan empfing, ging ein Raunen durch die Kirche. Immerhin ist aus dieser Bewegung ein Präsident wie Evo Morales hervor gegangen, der international umstritten ist. Manche halten ihn für einen kompromisslosen Anwalt der Armen, andere für einen Diktator, der Bolivien ruinieren wird.

Land - Arbeit - Dach über dem Kopf, das Motto der Volksbewegungen

Land – Arbeit – Dach über dem Kopf, das Motto der Volksbewegungen

Heute ist es wieder soweit, am Donnerstagabend (Ortszeit La Cruz, Bolivien) tritt Papst Franziskus wieder vor eine Versammlung der Volksbewegungen. Ich habe die Rede noch nicht gelesen, bin aber sehr gespannt.

Und ich habe mich vorbereitet und noch einmal gelesen, was der Papst das letzte Mal gesagt hat. Und das ist nicht unspannend, will man verstehen, wie er auf Staat und Gesellschaft blickt.

Zentral war bei der Rede im Oktober 2014 der Begriff der Solidarität, überhaupt ein Wort, dass der Papst immer wieder in den Vordergrund schiebt. Es sei zu einem Schimpfwort geworden, denn zunehmend würden Menschen ausgebeutet. Zuletzt war das auch in Ladato Si’ wieder nachzulesen.

 

Mehr als nur großzügig

 

Solidarität bedeute aber mehr, als nur großzügig zu sein. Ich zitiere den Papst: „Das bedeutet, denken und aktiv werden für die Gemeinschaft und einstehen für die Prioritäten des Lebens, anstatt all das tun, was nur die Inbesitznahme von Gütern ist. Solidarität bedeutet auch, dafür zu kämpfen, dass es keine Ungleichheiten und Armut oder Arbeitslosigkeit und Enteignungen gibt. Solidarität ist auch der Kampf um soziale Rechte und um die Rechte von Arbeitern.“

Deutliche Worte: Kampf – im Sinne von sich einsetzen – aktiv werden, einstehen. Das sind Tätigkeitsworte, Solidarität ist also aktiv. Weiterlesen

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Worte haben Wirklichkeit

Es ist nicht wirklich ein Skandal. Zu einem Bericht über gleichgeschlechtliche Partnerschaften hatten wir ein Bild ins Netz eingestellt, das zwei sich küssende Frauen zeigt. Vielleicht nicht allzu klug gewählt, weil es auch nicht so richtig zum Bericht passte, aber nicht wirklich ein Skandal.

Was danach geschah, hat mich dann aber doch überrascht.

Es war kein Shit-Storm, aber ging in die Richtung. Es war der Tonfall, der uns überfiel und der mich überraschte. Wie mein Freund Michael sagen würde: Am Niveau lag es nicht, da war keines.

„Homo-Perversion“, „seid ihr noch katholisch?“, „widerliche Porno Bilder“ und so weiter. Da sind einige Menschen da draußen wirklich ganz übel fixiert und können es nicht ertragen, dass manche Menschen anders sind. Und da wundern wir uns noch (wir = Gesellschaft, wir = Kirchen), dass homosexuelle Menschen sich diskriminiert fühlen? Auch heute noch.

Jawohl, auch heute noch. Wildes verbales Draufhauen, als ob Worte keine Wirklichkeit und Wirkung hätten. Alles im Namen von Lehre, Wahrheit und Kirche.

Ich will das gar nicht analysieren, das könnte man und sollte man auch mal tun, vielleicht ein andern mal. Es ist aber bezeichnend, dass bei uns und vor allem auch in den USA – da gibt es besonders viele super-katholische Anzeige-Christen – ein einziges Bild ausreicht, sich dermaßen in Erregung zu versetzen, dass die Wortwahl kein Halten mehr kennt.

Um die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften geht es gar nicht, es geht darum, sich künstlich aufzuregen und (ich sage es bewusst) sich zu erregen und sich maßlos über andere zu erheben. Vor allem finden es Menschen wohl toll, sich selber als enthemmt wahrzunehmen. Was das mit Nächstenliebe oder auch nur normalem zwischenmenschlichen Verhalten zu tun haben soll, entzieht sich mir.

Innerkirchlich wird der Ton rauer, das stellen wir schon länger fest. Aber selbst wenn wir hier oder da mal Fehler machen, sind wir nicht bereit, dieses Spiel mitzumachen.

 

Nachtrag 9. Juli: da die Anzahl der so genannten Kommentare, die nicht freischaltbar sind, überhand nimmt, schließe ich jetzt (10 Uhr morgens) diesen Thread. Es tut mir Leid für alle, die sich konstruktiv beteiligen wollen und beteiligt haben, aber alles hat eine Grenze.

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Unser Lateinamerika

„Mit unseren Kenntnissen von Lateinamerika zählen wir zu den Unterentwickelten dieser Erde, sehr zu unserem eigenen Nachteil. Wir Europäer denken an dortige soziale Ungerechtigkeit und Armut, an fehlende Freiheiten und Menschenrechte. Wir sehen ein Feld der Konfrontation von Großmächten. Unsere eigenen ideologischen Kämpfe verstärken wir mit halb verstandenen lateinamerikanischen Parolen. Zugleich suchen wir Wirtschaftsbeziehungen, Rohstoffe und Absatzmärkte. (..) Das Gefühl politischer und geistiger Überlegenheit der alten Welt hat sich in den Glauben an einen Entwicklungsvorsprung verwandelt, den wir uns in der modernen Welt der Technik und Wirtschaft gegenüber Lateinamerika zuerkennen. So prägen noch immer eine Mischung von Interessen und Unkenntnis, von Gleichgültigkeit und Zukunftssorge unseren lateinamerikanischen Horizont.“

Richard von Weizsäcker 1984, bei der Laudatio für den Friedenspreisträger Octavio Paz. Vielleicht müssten wir heute noch die Wachstumsmärkte Brasiliens dazu nennen, aber im Großen und Ganzen stimme ich der Beschreibung des ehemaligen Bundespräsidenten auch heute noch zu.

Nicht wissen ist dabei noch nicht einmal das wirkliche Problem, der zweite Halbsatz Weizsäckers spricht das echte Problem an: Wir glauben zu wissen.

Das Sprechen über den „lateinamerikanischen Papst“ hat das noch einmal zu Tage gebracht, vieles wird exotisiert und ist in dieser Fremdheit irgendwie ungefährlich. Es stammt ja aus Lateinamerika. „Ah, ach so. Dann gehört das ja dahin. Jetzt verstehe ich“, erklärt man sich.

Nehmen wir das Sprechen über den Teufel und die Dämonen, das ist vielleicht das deutlichste Beispiel. Das wird in unseren Denk- und Sprechkontexten als „Fremdes“ markiert, das nach Lateinamerika gehört. Das ist dann entweder exotisch und betrifft uns nicht, wie ein schickes Souvenier, das aber nicht wirklich in unsere Welt gehört. Oder wir werten das mit unseren eigenen Kategorien, als „noch-nicht-so-aufgeklärt-wie-wir“. Die Reise des Papstes ab Montag ist eine Möglichkeit, die kirchliche Realität neu kennen zu lernen. Jedenfalls ein Stück.

Und die Reise wird und zeigen, dass es sich lohnt.

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Immer wieder Turmbau

Für einige Monate war es der Turmbau zu Babel: im Herbst 2013 und den folgenden Monaten kam Papst Franziskus immer wieder auf diese Geschichte aus dem Buch Genesis zurück, in Ansprachen, Predigten, Interviews. Damals seien Ziegel wichtiger und wertvoller gewesen als die Menschen, zitierte er immer wieder einen Rabbiner. Und dann verschwand dieses Thema wieder.

Ein andern Mal war es das Gleichnis vom barmhrzigen Samariter. Auch der war eine zeitlang Thema, dann wieder weniger. Aber es sind nicht nur biblische Themen, auch andere Dinge haben beim Papst „Saison“ um dann später abgelöst zu werden.

Manchmal kann man das nachvollziehen. So sind Dinge aus dem Beginn dieses Jahres nun Teil der veröffentlichten Enzyklika. Das  waren also Gedanken, die den Papst länger beschäftigt haben und die er sozusagen durchgekaut hat, bevor er den Text seines Lehrschreibens endgültig verfasst hat. Bei anderen Dingen ist das weniger offensichtlich, wie etwa beim Turmbau. Der hatte keine Funktion, wurde nicht Teil von etwas, sondern war einfach nur längere Zeit wichtig für das Sprechen und wie ich vermute das Beten des Papstes.

Zur Zeit werden diese Wellenbewegungen überlagert, mit Papsteeisen nach Sarajevo, Turin und Lateinamerika, mit den Papstkatechesen zur Familie und der Enzyklika ist das weniger häufig festzustellen, dass ein Gleichniss oder ein Sprachbild häufiger vorkommt. Aber ich bin sicher, mit einigem zeitlichen Abstand werden wir das auch hier sehen können.

 

Kreisendes Denken

 

Dabei sind diese Dinge nicht neu. Wer alte Texte und Predigten von Kardinal Bergoglio liest, dem wird vieles bekannt vorkommen. Zum Beispiel der Tumbau. Der ist nicht neu und überraschend als Thema.

Wir sehen also einen Papst, der Gedanken aufgreift und Reifen lässt, der sie immer wieder vorkommen lässt. Und dann Jahre später wieder auf sie zurück kommt. Er denkt in Phasen oder Kreisbewegungen und lässt das auch sichtbar werden. Weiterlesen

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Blindschirm

Umringt von Bildschirm-Wesen: Der Papst unterwegs

Umringt von Bildschirm-Wesen: Der Papst unterwegs

In Turin war es wieder soweit: ein regelmäßiges und ununterbrochenes Kopfschütteln stellte sich bei mir ein, immer wenn der Papst sich durch die Mengen bewegte. Man sieht dann nämlich viele, viele Päpste. Den echten und die Reproduktionen, wenn die Kamera die ganzen Mobiltelefone einfängt, die den Papst fotografieren wollen.

Und immer wieder auch diese absurde Geste des sich Umdrehens, wenn der Papst vorbei fährt, um ein Selfie mit ihm zu machen. Dass man dabei selbst den Papst nicht sieht, fällt nicht ins Gewicht, Hauptsache bei Facebook sehen alle mich und den Papst als Hintergrund. Genauso wie ich und das Kolosseum, ich und der Petersdom, ich und und und. So viele ichs und der Rest der Welt wird Hintergrund. Beim Besuch bei den Salesianern war das besonders krass: Das stand ein Priester einen Meter weg vom Papst, war aber nur weggedreht und hatte seinen Handy-Stick in der Hand in der Hoffnung, sein ich mit Papsthintergrund einfangen zu können. Da tritt dann auch das Religiöse in den Hinter-Hintergrund.

Eine Kollegin erzählte mir neulich, was ihr das dauernde Fotografieren ausgetrieben habe. Sie sei der Queen begegnet und als die vorüber ging, wollte sie ein Foto machen. Das habe aber nicht funktioniert so dass sie am Ende weder die Queen gesehen noch ein Bild gemacht habe. Seitdem schaue sie nur noch hin, nicht mehr in den Bildschirm.

Genau das passiert. Es gibt keine Gegenwart mehr, kein Staunen oder Freuen über einen Augenblick, sondern nur den Versuch, sich selber in Szene zu setzen. Nervosität, das auch wirklich ins Bild zu bekommen. Und dann ein verwischtes Foto niedriger Auflösung und die Erleichterung, dass da irgendwas zu sehen ist.

Es sind Bildschirm-Wesen, zu denen Pilger und Besucher da werden. Gesteuert vom Zwang, die Speicherkarte mit Abbildern des eigenen Ego zu füllen. Nicht sehen, sondern gesehen werden. Das ist auch eine Form von Blindheit. Tragisch.

 

 

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Spaltung!

Es war eine denkwürdige Veranstaltung: Wissenschaftler und Theologen haben sich in der Gregoriana in Rom versammelt – auf Einladung der Bischofskonferenzen Deutschlands, der Schweiz und Frankreichs – und das Thema Ehe und Familie im theologischen Zusammenhang zu diskutieren. Da zu dieser Veranstaltung auch immer wieder mein Name genannt wird – ich war als Moderator eines Teiles des Tages geladen – bin ich im Netz jetzt offenbar einer der „Kasperianer“, „Marxisten“, der „Räubersynode“, die dem offenen Gespräch des Papstes widersprechend geheim Absprachen getroffen hat, um die Synode und die mediale Berichterstattung darüber zu beeinflussen.

Das ist natürlich totaler Stuss.

Dem will ich auch gar nicht weiter Aufmerksamkeit schenken, der Schaum vor dem Mund interessierter Kreise ist so schon schlimm genug. Es gibt Menschen, die können sich gar nicht genug aufregen.

Für alle, die sich nicht sicher sind, was hier eigentlich gerade passiert, möchte ich einfach nur eine Unterscheidung einführen, das Wort ‚Unterscheidung’ geistlich gebraucht.

Wenn Sie solche Äußerungen lesen, fragen Sie sich doch einfach:

Wer trägt zur größeren Einheit bei und wer spaltet?

Wer macht Vorwürfe und wer nicht?

Wer (be)schimpft und wer nicht?

Wer möchte weniger denken und wer mehr?

Wer führt Parteien und Parteinamen ein (Kasperianer) und wer nicht?

Wer urteilt und wer nicht?

Sie werden dann schnell feststellen, dass die jeweils Erstgenannten in den Gegenüberstellungen sehr schnell zu identifizieren sind. Und ja: Wenn Sie sich über diese Aufstellung aufregen, dann stimmt es, Sie sind gemeint.

Kirchlich ist das nicht. Mich widert es eher an.

 

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Vor dem Grabtuch

Der Dom in Turin, wo das Grabtuch ausgestellt ist. Blick aus unserem Studiofenster

Der Dom in Turin, wo das Grabtuch ausgestellt ist. Blick aus unserem Studiofenster

Man sieht beim Original viel weniger als auf den ganzen Reproduktionen. Das Grabtuch ist beleuchtet ausgestellt, wie ein großer Diakasten steht es im Altarraum des Doms von Turin, das hellste Objekt im ansonsten sehr dunklen Raum. Aber das Gesicht sieht man kaum und auch der Körper, Arme und Beine sind eher zu ahnen als zu sehen. Die Brandspuren geben der langen Stoffbahn so etwas wie eine Struktur und deswegen weiß man, wo man hinsehen muss. Aber wirklich erkennen?

Die Bilder, die im Netz und überall zu sehen sind und die hier in Turin auch an jeder Straßenecke als Postkarte oder Poster angeboten werden, sind da schon ganz anders. Da erkennt man klar die Gesichtszüge und auch die Folterspuren. Eine Art künstliche Realität, die das Gedächtnis abruft und die mit dem echten Tuch nicht so wirklich übereinstimmt.

Deswegen war es doch eine Überraschung, als ich gestern das erste Mal vor dem Grabtuch stand. Wenig Leute waren noch in der Kathedrale, sie wurde geschlossen um den Papstbesuch heute vorbereiten zu können. Es gab also kein Drängeln und keine Eile und tatsächlich so etwas wie eine meditative Stimmung, was ich nicht erwartet hätte.

Aber keine Kerzen-meditative-Stimmung. Normalerweise verbinden wir doch eher warmes Licht und Pflanzen und dergleichen mit Meditation, gedämpfte Musik und so weiter. Das Arrangement in Turin erinnert mich eher an die Kronjuwelen im Tower von London. Nicht der Sicherheit wegen, aber der geregelten Zugänge, der neutralen Umgebung und so weiter. Trotzdem blieb es meditativ. Angenehm meditativ, würde ich in der Rückschau sogar sagen.

Und was ist das nun, was man da sieht? Ikone, wie es bei der letzten Ausstellung 2010 geheißen hatte und was man als Wort zum Beispiel auch für den heiligen Rock in Trier genutzt hatte? Ein Zeuge? Das Gesicht des Evangeliums, wie Johannes Paul II. es genannt hatte? Eine Jesus-Reliquie? Ein Zeichen der Frömmigkeit, Jahrhunderte nach dem Tod Jesu erst erstanden?

Zu entscheiden ist das für uns sicherlich nicht, aber wenn man als Gläubiger Mensch davor steht, dann muss man ja wissen, was das für den eigenen Glauben bedeutet. Man kann das ja nicht einfach nur anschauen, das Grabtuch stellt ja Ansprüche an meinen Glauben. Welche genau, das muss sich vor dem Tuch entscheiden. Glaube ich, dass ich da den Abdruck Jesu sehe? Und wenn ja, was für eine Rolle spielt das für meinen Glauben?

Bei meinen Vorbereitungen für diese kurze Papstreise habe ich diese Fragen gar nicht beachtet und war überrascht von mir selber, als ich dann tatsächlich davor stand. Dann kann man sich nämlich nicht entziehen.

Die einfachste Lösung wäre ja gewesen, das als Objekt zu sehen und zu sagen, ich bin zur Übertragung hier und sollte genau beobachten, um berichten zu können. Mich selber sozusagen raushalten. Ich hätte den „aufgeklärten“ Mitteleuropäer geben können, der das für seinen Glauben gar nicht braucht. Aber das alles schien mir irgendwie feige. Die Frage nach dem, der mich da anblickt, musste ich schon zulassen. Und dann „spricht“ die Sindone, wie das Tuch in Italien heißt, auch irgendwie, es stellt Fragen nach damals und Leiden und Kreuz und Folter und so weiter. Die Vergangenheit ist eben nicht nur das, Vergangenheit. Durch den Verweiser auf Jesus, den für uns Gestorbenen, kommt sie nahe. Und das Grabtuch ist mindestens das: Ein Verweiser auf Jesus. Und es stellt leise die Frage, was das Geschehen damals mit mir hier und jetzt zu tun hat.

Es war eine schöne Erfahrung , eine geistliche Erfahrung. Allein deswegen hat sich das gelohnt. Nicht nur für den Journalisten, auch für den Gläubigen.

 

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