124

Das Gwanghwamun-Tor in Seoul: Ort der Seligsprechungen und Symbol kaiserlicher Macht

Das Gwanghwamun-Tor in Seoul: Ort der Seligsprechungen und Symbol kaiserlicher Macht

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, natürlich auch seine eigene Glaubensgeschichte. Einhundertvierundzwanzig unter eine Nummer zusammen zu fassen und dann auch zusammen – quasi als Nummer – selig zu sprechen klingt sehr merkwürdig, nicht nur für europäische und Individualität gewohnte Ohren.

Und doch macht die Kirche das immer wieder. „Paul Yun Ji-Chung und Gefährten“ heißt das dann, obwohl man aus ganz verschiedenen Zeiten kommende und anderen Lebensumständen angehörende Menschen kaum „Gefährten“ nennen kann. Es ist eine Konvention, belassen wir es einfach dabei.

Dahinter liegt aber einfach die Überzeugung, dass wir Menschen für das wertschätzen, was sie für unseren Glauben und den Glauben der ganzen Gemeinschaft bedeuten. Wir verehren sie.

Man mag das lächerlich finden, von gestern, naiv, nur was für Menschen, sie so was halt brauchen, aber ich stehe gerne dazu: Die Seligen und Heiligen sind nicht nur Verzierungen der Vergangenheit, sie bedeuten heute etwas. Ein Ausweis für den Stand einer Kultur – Glaubenskultur oder anderer – ist der Umgang mit den Verstorbenen. Wenn wir die unseren Wertschätzen, dann ist das unserer Weise. Wenn wir ihren Beitrag für unseren Glauben wertschätzen, dann ist das noch ein Schritt weiter.

Unser Glaube ist empfangen und er ist nur in Gemeinschaft möglich. Und diese Gemeinschaft erstreckt sich über die Zeiten und bezieht auch die Verstorbenen ein. Das klingt nicht modern, aber manchmal will ich auch gar nicht supermodern sein.

Bei Märtyrern wie den 124 heute von Papst Franziskus selig gesprochenen kommt hinzu, dass sie ein Durchhaltevermögen gezeigt haben, als es mit Glauben und Leben schwierig wurde. Sie haben sich nicht angepasst. Der Seligsprechungsprozess – der für jeden und jede einzeln geführt wurde – hat gezeigt, dass das im Glauben gründete, so wir das überhaupt mit Dokumenten belegen können.

Macht euch also lächerlich, erhebt euch über uns, die wir das für wichtig halten. Aber wir halten es nun mal für wichtig. Sie gehören dazu, immer noch, auch wenn sie uns noch so fremd erscheinen.

 

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Franziskus, Geschichte, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Papstreise abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*