AfD auf die Bühne?

Reden oder nicht reden? Der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, sagt dem Domradio, dass man mit der AfD nicht das Podium teilen sollte, weil man die dann erst satisfaktionsfähig machen würde. Das begründet die Absage an diese Partei für den Katholikentag. In Sternbergs eigenen Worten: „Von einem Herrn Höcke würde kein Mensch reden, wenn er nicht bei Günther Jauch aufgetreten wäre“. Und auch wenn die Debatte groß ist und es andere Meinungen dazu gibt, teile ich das: Mit den Menschen reden, die Partei aber nicht auf den Schild heben. Aber das Argument dazu reicht mir irgendwie noch nicht.

Über das medien-taktische hinaus spüre ich ein großes Unwohlsein, wenn ich die Attacken der AfD betrachte. Wenn die im Thüringer Landtag einen Antrag einbringen, der christliche vor muslimischen Flüchtlingen schützen soll und so das Christliche gegen den Islam auzuspielen suchen, die Kirchen täten selber nicht genug, etc. Da ist mehr als nur die Frage, ob man die öffentlich Ernst nehmen muss. Da ist Gewalt.

Mein Unwohlsein hat mit dieser Gewalt zu tun. Ich darf Roger Willemsen zitieren, aus einem Interview vor einem Jahr: „Jede Situation, in der Ressentiment, pauschale Ablehnung, Vorurteil dominiert ist latent gewalttätig.“ Und: „Die antimuslimische Stimmung bekommt dabei inzwischen auch bei uns bisweilen etwas verdeckt Gewaltsames.“ (Zitiert von Manfred Bissinger bei einer Trauerrede für Willemsen). Das drückt es gut aus. Es war nicht auf die Situation hin gesprochen, ist deswegen auch nicht taktisch gemeint.

 

Das Thema ist Gewalt

 

Es geht um Gewalt, um das Erzeugen und leben aus der Gewalt. Jetzt würden wahrscheinlich einige Leute sagen, dass seien keine Vorurteile, sondern Fakten und so weiter. Was nicht stimmt. Es geht um Stimmung, um Bauchgefühl, um Ressentiment, um Stimmung.

Das Gegenargument: Nur wenn sich die Vertreter der Partei öffentlich zeigen dürfen, demaskieren sie sich. Nur dann könne man sehen, was sie wirklich sagten. Wenn man sie nicht ans Licht zerre, dann würden sie im dunkeln weiter machen.

Das stimmt zwar, ist aber als Argument nur die halbe Wahrheit. Denn Herr Jauch hatt den AfD Vertreter ja nicht deswegen in seine Talk-Show geholt und ihn die Deutschlandfahne zeigen lassen, weil er eine Demaskierung wollte. Er wollte Fernsehen machen.

Es geht um Gewalt, dabei bleibe ich. Und zwar nicht erst, wenn Häuser brennen und Leute applaudieren. Schon lange vorher. Und der Gewalt darf keine Bühne gegeben werden.

 

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20 Kommentare zu AfD auf die Bühne?

  1. Rosi Steffens sagt:

    Was kann man als Grenze zur Menschlichkeit ausmachen und wie fortschrittlich sind wir in Bezug auf den Menschen als rechtstragende Person, die sich damit auch sich selbst gegenüber verpflichtet. Mensch an sich stellt eine Anforderungen in den Begriff, um ihn als solchen auch gerechtfertigt handhaben zu können. Gott ist für uns Mensch geworden, um uns als Vorbild dessen zu dienen, was menschenmöglich ist. Hätte Jesus sich gegen Menschen gestellt, egal welcher Abstammung oder Religion? Er war ein geduldiger Mitstreiter der Gerechtigkeit und Ehre Gottes. Wie viele Beispiele gibt es dafür im Evangelium für das menschliche Vorbild und wie weit sind wir diesbezüglich in unseren menschlichen Eigenschaften als Menschheit fortgeschritten. Ich finde es traurig, dass nicht das Volk im Fokus derer steht, die präsentieren, was sie persönlich für wichtig und bildungsrelevant halten. Sicher gibt es auch in der AfD Menschen, die sich von den Rädelsführern hinreißen lassen und aus ihren Reden nur das heraushören, was ihrer eigenen Meinung entspricht. Doch wie sieht es mit dem Gesamtpaket aus, dem menschlichen Grundsatz des würdevollen Umgangs miteinander, der Gleichberechtigung untereinander? Wie viel Mensch bleibt noch übrig, wenn man sich zu Artikulierungen gegen andere Menschen hinreißen lässt oder Positionen vertritt, die ganz klar die Würde und Gleichberechtigung aller Menschen ausschließen? Wie anwendbar sind Menschenrechte, solange diese grundsätzlichen Dinge nicht ein für allemal geklärt werden: Was ist menschenwürdiges Verhalten? Für mich ist es der verantwortungsvolle Umgang mit der Zeit, die dem einzelnen Menschen als Leben vor Augen geführt wird. Um den Begriff Mensch dabei als solchen zu fassen ist es nötig einen Blick auf Gott zu werfen, denn nur wer dieses Wort als menschenmögliche Errungenschaft erkennt, die er in sich selbst entdecken kann, der trägt auch die Würde des Menschen im Leib. Glaube im Vertrauen auf Gott ist die wahre Bestimmungen dessen, was heute oft von anderen gefordert wird, ohne in sich selbst danach zu suchen. Die Würde des Menschen trägt das Herz in den Verstand, der als Widerstand arbeitet, um diese Würde zu fordern und selbst dabei ihr menschliches Maß zu erreichen. Das heißt nicht, Menschen sind untereinander weniger wert, sie haben jedoch einen differenzierten Entwicklungsstand, der durch das Ego beschränkt ist, das menschliche Energie raubt, um sie in den persönlichen Nutzen zu führen. Wer sich selbst in den Mittelpunkt stellt, der hat kein Recht auf das Privileg eines Vertreters der öffentlichen Meinung, er sollte im privaten Umfeld an seinen menschenwürdigen Umgangsformen arbeiten.

  2. DANKE Pater Hagenkord! Diese klaren Sätze machen Mut!!

    ich empfinde, dass diese neue „bleierne Zeit“, in der der TÖDLICHE NATIONALISMUS wieder so akut ist wie in der Spätzeit der Weimarer Republik ..uns alle herausfordert..
    nicht nur die Christen aber auch alle Menschen „guten Willens“
    NIE wieder diese Teuflischen Zeiten!!
    GLÜCKLICHERWEISE haben die Kirchen heute im Gegensatz zu damals wo es „nur“ einige wenige Glaubenszeugen gab, eine eindeutige Position!

  3. Matthias Kaup sagt:

    Sehr geehrter Pater Hagenkord,

    im Kontext der AfD gibt es viel Gewalt, da haben Sie sicher recht. Allerdings nicht nur verbale, sondern ganz konkrete, v.a. gegen Sachen und zunehmend auch gegen Menschen gerichtete Gewalt. Allerdings nicht da, wo Sie sie vermuten, sondern aus der Mitte der Gesellschaft gegen Mitglieder und Eigentum der AfD. Sie scheinen nicht zu wissen, was für ein Kesseltreiben gegen diese Partei von Linksaußen bis zur CDU entfaltet wird, ein Treiben, das „voller Ressentiment, pauschaler Ablehnung und Vorurteil“ ist. Es ist ein Trauerspiel, dass man in den Medien nur Kirchenvertreter zu hören bekommt, die sich an diesem Treiben beteiligen und damit in weiten Kreisen die Glaubwürdigkeit der Kirche unabsehbar beschädigen. Alle demokratischen Standards werden fallen gelassen (informieren Sie sich doch einmal zu den Betrugsversuchen bei der jüngsten Bremer Wahl), eine Komplexitätsreduktion ungeahnten Ausmaßes (Ressentiment, das haben immer nur die anderen) wird betrieben und ein unchristliches Herrschen des Verdachts greift um sich (Egal was er sagt, der AfDler ist ein Nazi). Sehr geehrter Pater Hagenkord, es ist wirklich ein Trauerspiel. Wie können Sie daran mitwirken? Sind Sie wirklich sicher, dass Sie frei von verbaler Gewalt sind?

    Mit freundlichem Gruß,

    M. Kaup

    • Pater Hagenkord sagt:

      Herr Kaup, ich bin mir nicht sicher, dass das funktioniert, die AfD hier als Opfer auftreten zu lassen. Jede Gewalt ist abzulehnen, da sind wir uns einig, aber die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt werden. Christ ist, wer Brücken baut, nicht wer Grenzen zieht, wenn ich den Papst so frei übersetzen darf. Wenn die Kirchenvertreter das sagen, sagen sie nur selbstverständliche Dinge, die genau so von Jesus an gelehrt werden. Das ist kein Treiben. Schon gar nicht beschädigt das die Glaubwürdigkeit der Kirche, ein Mitlaufen mit der AfD würde die Kirche beschädigen.

      • Matthias Kaup sagt:

        Sehr geehrter Pater Hagenkord, so gut der von Ihnen formulierte Leitsatz unseres gemeinsamen Kirchenoberhaupt klingt, er funktioniert weder bei Ihnen noch bei sonst einem Menschen, der eine kommunizierbare Position vertritt. Nach dem von Ihnen aufgestellten Maßstab sind Sie kein Christ, denn Sie ziehen eindeutige Grenzen, Sie grenzen die AfD aus. Wollen Sie ernsthaft behaupten, dass Jörg Meuthen, der wie wir beide Katholik ist, nicht verantwortlich zu handeln und zu argumentieren bemüht ist und aus dem Glauben zu lleben versucht? Wollen Sie behaupten, dass die Position des Papstes in der Flüchtlingsfragen ex Cathedra gesprochen sei und es keine andere verantwortbare Position dazu für einen Katholiken gebe? Mit freundlichem Gruß, M. Kaup

        • Matthias Kaup sagt:

          P.S. Ich bitte, die uebersehenen Rechtschreibfehler zu entschuldigen. Sie sind kein Ausdruck mangelnden Respekts, sondern ärgerliche Folge des Tippens in ein Smartphone, das ich erstmals praktiziert und unterschätzt habe.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Die Frage ist doch, was Christentum sein will. Kann man wirklich Statements, die gegen das stehen, was wir glauben, unter das Dach des Christentums bringen? Und wenn nein, darf das dann auch gesagt werden? Dass ich nach dem Maßstab kein Christ bin ist ziemlicher Unfug, ich ziehe ja keine Grenzen, ich frage nur nach dem Inhalt und der Botschaft unseres Glaubens. Die gibt es nämlich. Machen wir doch ein Beispiel. Der Papst hat sich in der gleichen Pressekonferenz klar und deutlich gegen Abtreibung ausgesprochen. Christentum ist für den Schutz allen Lebens und dessen Würde. Wenn nun jemand sich als katholischer Christ bezeichnet und gleichzeitig aktiv Werbung macht für seine eigene Abtreibungsklinik, muss man dann nicht darauf hinweisen, dass da ein Widerspruch besteht? Heißt das Grenze setzen?
          Die AfD grenze ich nicht aus. Das macht die ganz alleine, die braucht mich nicht dazu.
          Und was die Position des Papstes angeht: Wir können und sollen die Schrift, unsere Tradition, unseren Auftrag, diskutieren und herauszufinden, was Jesu Wort für uns heute bedeutet. Das ist der Maßstab. Wer wie Herr Trump bewusst und ohne auf die einzelnen Menschen zu schauen Mauern bauen will, wer christliche gegen muslimische Flüchtlinge ausspielt wie das die AfD tut (und sie sind nicht so naiv das nicht zu merken), dem muss ich sagen, was ich sehe. Vielleicht gibt es dahinter den Versuch, aus dem Glauben zu leben, mag schon sein. Ich sehe aber was ich sehe und höre was ich höre und demnach spreche ich.

          • Warum ist nur das Christentum und nicht jeder Mensch für den Erhalt von Leben verantwortlich? Es liegt im Bewusstsein des einzelnen Menschen wie würdig er mit allem Leben umgeht. Der würdevolle Umgang miteinander ist zunächst ein rein geistiger Akt, der sich entsprechend der des Menschen möglichen Fähigkeiten als menschliche Eigenschaft widerspiegelt. Dass die AfD eine Grenze des guten Tons darstellt, das mag für die zutreffen, die sich selbst als Mensch vergessen, um sich in den betreffenden Reden wiederzuerkennen und daraus eine menschenwürdige Position nicht nur zu finden, sondern auch einzunehmen. Was hätte wohl Jesus dem Redner der AfD entgegengesetzt, der Flüchtlinge auf sein eigenes, menschliches Maß begrenzt und nicht auf ihre göttliche Abstammung zurückführt, um darin seinen wahren Auftrag als Mensch zu erkennen. Wir alle sind als Sünder geboren, um als Menschen im Glauben an Gott zu leben, weil Er uns dieses Leben in seiner vollen Tragweite vermitteln kann. In sich selbst die menschliche Begrenztheit zu akzeptieren, jedoch daraus das göttliche Vermögen zu schöpfen, das scheint doch unsere Aufgabe zu sein. Im Bösen das Gute zu suchen, das ist eine Herausforderung an die geistige Kompetenz, die nur der Mensch wirklich nutzen kann, weil er im Glauben Gott als Grenze erkennt. Was will Gott uns zeigen, indem er uns immer und immer wieder unsere menschlichen Schwächen vorführt? Ich glaube Gott will uns damit das Gefühl für uns selbst geben, als geeintes Wesen, geteilt durch die Individualität des Einzelnen und seine zeitliche Begrenztheit, um daraus das zu schöpfen, was menschlich möglich ist, um Existenz zu sichern. Jesus ist durch die Wiederauferstehung der zeitlichen Begrenztheit entzogen, denn sein Name steht für die Unendlichkeit des menschlichen Wesens in göttlicher Vorhersehung und nicht durch menschliche Individualität. Sein Wesen steht in der Liebe des Herrn für das Bewusstsein aller Zeiten bereit, um Menschheit für Menschheit anzuleiten, bis durch deren Vollendung Gott ins Leben findet. Ich würde mich z.B. nicht unbedingt als Christin bezeichnen, habe jedoch als Frau und Mensch über Jesus und die Dreifaltigkeit zu Gott gefunden. Obwohl ich dafür aus allen Religionen schöpfte sehe ich es als meine Aufgabe das zu erhalten und weiter zu vermitteln, was ich selbst aus dem Leben gewinnen kann, auch wenn das noch so hohe Anforderungen an mich stellt. Dabei geht es nicht um mich, es geht um Gott und seine Anforderungen an den Menschen, der teilen und mitteilen kann, das Menschheit eine Menschlichkeit empfinden lässt, die in begreifbare Worte zu fassen ist. Diese Menschlichkeit lässt sich durch Jesus empfinden, weil er als fühlbares Vorbild im Evangelium vermittelt ist und in seinem Kampf um Gerechtigkeit durch Gott und den Menschen unterstützt wird. Diese Unterstützung erhalten wir heute im Glauben an Gott, sollen die Gerechtigkeit jedoch als Sünder selbst verwirklichen. Dafür sind uns Rechte zur Seite gestellt, die nicht mehr verlangen, als dass wir uns ihnen unterordnen, alle gleich und doch auch jeder für sich, so wie es Gott bereits mit den Geboten als Möglichkeit in den Raum stellte.

    • Herr Kaup, was Sie in Ihrem 1.Beitrag über Kirchenvertreter schreiben ist unerträglich.
      Die Bischöfe beider Kirchen müssen doch die Sünde benennen dürfen!!..
      und das,was sich gerade in den letzten Tagen ereignet, ist theologisch ausgedrückt die VERLEUGNUNG JESU.
      In zig1000 Gesichtern nicht mehr und nicht weniger. die Verspottung und Geißelung Jesu in der Passionsgeschichte ist mir da vor Augen..

      gestern in der Messe das Evangelium vom armen Lazarus.

      ich fasse es nicht wie Sie als Christ für Ausgrenzung,Abschottung usf. eintreten ,jedenfalls die AFD tut das. oder der Herr Höcke mit seinen kruden Hass Predigten in Erfurt, die mich eher an einen bestimmten Propaganda Minister in (hoffentlich ???) nie wiederkehrenden Zeiten erinnern…

      ich bin beeindruckt von einer jungen Journalistin vom ZDF; sie scheint eine Frau zu sein die wirklich VERSTEHEN will. Ihr Name ist DUNJA HAYALI.

      mehr hier: https://www.youtube.com/watch?v=5dQeK8pKkfM erst ein kurzes emotionales Dankeschön ; das Folgevideo ist eine DOKU von ihr mitten drin und sie versucht mit diesen Demonstranten ins Gespräch zu kommen

      • Lieber Herr Hopfener!

        O je, leider verstehe ich nicht ganz, was Sie meinen.
        Geht es um Links, die Sie in Ihren eigenen Kommentaren posten? Oder geht es um Links in anderen Kommentaren, die Sie öffnen möchten?

        Zu 1. Entdecken Sie einen interessanten Link, den Sie für uns posten möchten, kopieren Sie ihn von der Adressleiste in die Zwischenablage und fügen ihn von dort in Ihren Text ein. So mache ich es immer, allerdings schreibe ich meine Kommentartexte im Editor und kopiere sie als ganzes in das Kommentareingabefeld.So tu ich mir leichter, aber das ist Geschmackssache.

        Zu 2. Da kann ich nur spekulieren, was ich aber nicht mag. Sind es vielleicht die Sicherheitseinstellungen Ihres Browsers, die es nicht erlauben, Links zu öffnen. Was auf jeden Fall funktioniert: den Link markieren, in die Zwischenablage kopieren, in die Adressleiste Ihres Browsers einfügen (am besten in einem neuen Tab, damit Sie schnell wieder zum Kommentar zurückkehren können) und den Link dann öffnen.

        War es das, was Sie wissen wollten? Wenn nicht, einfach melden.

        Ja, DUNJA HAYALI ist eine mutige Frau. Und gestern hab ich sie auch im OE1 Journal-Panorama gehört:

        Glaubwürdigkeit welcome
        Gestaltung: Stefan Kappacher
        http://oe1.orf.at/programm/428051

        Herzlichst, Euer Lese-Esel

  4. .. danke P. Hagenkord, dass Sie die Gedenkrede für ROGER WILLEMSEN zitieren..
    ich mochte ihn AUCH deswegen, weil er eine mir sehr zusagende Sprachgebärde hatte.. ebenso unvergessen die TV Sendungen mit seinem -auch verstorbenen- Jazz Freund dem Pianisten M. Petrucciani

    • Doktor_Krakebusch sagt:

      „…dem Pianisten M. Petrucciani.“

      Oh ja, der war (musikalisch gesehen) einer der Größten. Was er zusammen mit Eddy Louiss in „Conference De Presse“ geschaffen hat, ist schlicht und einfach brilliant.

  5. „Wehret den Anfängen!“, hat eine Freundin oft zu mir gesagt.

    Ja, Gewalt fängt nicht erst an
    – wenn Menschen ganz offen missachtet, diskriminiert und herabgesezt werden,
    – wenn es zu blutigen Auseinandersetzungen kommt,
    – wenn ein Unrechtssystem errichtet ist mit allem, was dazugehört.

    Nein, Gewalt fängt viel früher an, in den Herzen, in den Köpfen der Menschen; in diesem selbstbestätigendem Gerede voller Vorurteile, Angst, Unsicherheit, sich benachteiligt fühlen, recht haben wollen. War Jesus deswegen so streng in der Bergpredigt, Kapitel 5, ab Vers 17?

    Das ist das Erste. Das Zweite ist die Bühne. Ja, ich kann gut nachvollziehen, was Herr Sternberg sagt und meint. Doch es gibt so viele Bühnen; wenn es nicht jene des Katholikentages ist, sind es 17 andere, virtuell oder körperlich anwesend. Und so widerwärtig dies auch ist, eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe ist notwendig, denn Verbote und tot Schweigen erhöen nur die Attraktivität.

    Und das Dritte, das ist für mich das am schwersten Begreifbare, nämlich die Empfängerseite, die Hörer, Leser, Parteigänger, Fans. Mit einigem historischen Abstand ist dies natürlich leichter. Es genügt, sich Tonaufnahmen eines gewissen Herren aus Österreich anzuhören, sein irres Geplärre ohne Maß und Vernunft. Mir geht es nicht darum, Menschen früherer Generationen zu verurteilen. Doch ich frage mich: was denken Menschen zwei bis drei Generationen nach uns, welche Stimmen in unserer Gesellschaft gehör gefunden haben; diese Mischung aus Halbwahrheiten und Plemplem. Was wären ein Herr Höcke, ein Herr Strache, Vater und Tochter Le Pen, ein Herr Trump ohne ihre erschreckend großen Anhängerschaften?

    Gibt es eine Lösung? Ich weiß keine, und wenn doch, ist es bestimmt keine einfache. Vielleicht:
    – Wachsam sein, interessiert sein;
    – die eigene Meinung immer wieder überprüfen und hinterfragen;
    – das Gespräch suchen, auch wenns mich noch so anwidert;
    – und niemanden verachten.

    „Wehret den Anfängen!“

    Herzlichst, Euer Lese-Esel

    – wenn ein Unrechtssystem errichtet ist

    • @liebe Frau Hattinger.
      vor paar Monaten konnten Sie mir schon mal wegen eines banalen technischen ´“Problems“ helfen; da ging es um das Verlinken grundsätzlich.
      ich muss aber jetzt jedes Zeichen HÄNDISCH eintippen im Gegensatz funktioniert es bei normalen Mails -habe Office 2007- problemlos durchs „Anklicken“
      in diesem Modus habe ich da keine „Lösung“;
      braucht man in diesem Fall eine eigene Homepage bzw. einen eigenen Blog?
      oder kann ich das auch als gewöhnlich Sterblicher aktivieren..
      wiegesagt in diesen Fragen bin ich eine absolute Null. Grins..
      Danke Frau Hattinger für ne kurze Antwort. Schönen Tag.

  6. S.G. sagt:

    Ja, wehret den Anfängen! Als ich die Titelbilder der Süddeutschen Zeitung und Focus gesehen habe, meinte ich, meinen Augen nicht trauen zu können:

    http://www.migazin.de/2016/01/12/nach-koeln-kritik-titelseiten-focus/

    Mir lief ein kalter Schauder über den Rücken – so hat es im Dritten Reich mit der Judenverfolgung begonnen. Da wurden Bilder vom „hässlichen“ Juden verbreitet. Wir wissen ja, was daraus wurde…

    Man kann doch nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren, bloß weil da einige testesterongesteuerte Männer sich ungebührlich verhalten haben. Man kann doch deswegen nicht alle in Sippenhaft nehmen!
    Das wäre genauso,wie wenn man heute alle Deutschen als Nazis bezeichnen würde, bloß weil wir das Dritte Reich hatten und weil es immer noch Ewiggestrige gibt, die meinen, nationalistisch gesinnt sein zu müssen.

  7. Chrisma sagt:

    „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das Kroch.“
    Für die klaren Worte Pater Hagenkord sage ich danke.
    Es ist gut das unsere Kirche in ihrer großen Mehrheit und in der Spitze in diesen Tagen klar und eindeutig Position bezieht.
    „Es geht hier um ein gewaltiges Geschiebe unterhalb der Oberfläche unserer politischen Strukturen. Es ist die Ausbreitung des Rechtspopulismus nach Deutschland“, sagt der Politikwissenschaftler Patzelt,
    2015 wurden bundesweit etwa 1000 Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert, das sind im Schnitt fast drei an jedem einzelnen Tag. Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres gab es schon 118 Straftaten, geht aus den neuesten Zahlen des Bundesinnenministeriums hervor. Diese Straftaten werden allerdings verharmlost, nicht zuletzt durch den Bundesinnenminister selbst. Nun ist Rechtspopulismus selbst ja noch kein Faschismus, aber die Duldung oder Verharmlosung von politisch motivierter Gewalt ist ein Schritt in Richtung Faschismus.
    Die Beiträge von @Herrn Knaup sind Ausdruck einer bestimmten Haltung. In der AfD gibt es eine Gruppierung „Christen in der AfD“ die in ihrer Grundsatzerklärung typische „Feindbilder“ aufgreift, Islam, Flüchtlingspolitik usw usf. Das Gebot der Nächstenliebe wird durch ausgeprägte Vorbehalte ausgehebelt. In den diversen Sozialen Medien treten Recht(s)gläubige ohne Unterlass Gewalttaten breit die angeblich von Flüchtlingen ausgehe. Ohne je schlüssige Beweise zu liefern. Von Empörung und Entsetzten über die vielen Anschläge die oben aufgeführt sind finden wir dort nichts. Der Einfluss dieser und anderer Gruppierungen im vorpolitischen Raum ist nicht zu unterschätzen, auch wenn sie innerkirchlich nur eine kleine Minderheit darstellen. Die mitfühlende Haltung von Papst Franziskus gegenüber Bürgerkriegsflüchtlingen, die gesamte Ausrichtung des Pontifikats Franziskus in Richtung „Theologie der Barmherzigkeit“ passt da so gar nicht ins „ultrakonservative“ Weltbild. Die früher betont „Papsttreuen“ die immer so sehr auf Einhaltung auf Kirchenhierarchie pochten, glänzen heute mit Diffamierungen gegen den Papst (Not my Pope…) und gegen die eindeutige Haltung der deutschen Bischofskonferenz. Die einfache Frage die wir diesen Leuten und den Christen unter den AfD- Anhängern immer wieder stellen müssen: wie hältst Du es mit der Bergpredigt?? Diese unmittelbare Vermächtnis Jesu passt zu dem was diese Menschen verbreiten, wie sie sich verhalten einfach nicht. Es liegt kein leichter Weg vor uns, aber aus den Worten der Bergpredigt lächelt uns Jesus zu und ist bei uns auch in der Dunkelheit.

    „Wehret den Anfängen“ .

    PS Ein Papst darf sich politisch äußern, muss es sogar. Ich erinnere hier nur an „Mit brennender Sorge“ eine Enzyklika von Papst Pius XI. Sie ist in deutscher Sprache verfasst und verurteilt u.a.Politik und Ideologie des Nationalsozialismus.

    • Rosi Steffens sagt:

      Solange sich schon Parteien als gegnerische Mannschaften sehen, ohne ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, so lange werden wir keine Ruhe vor populistischen Anhängern finden. Politische Ziele sind in Deutschland Frieden und Freiheit zu erhalten und an der fehlenden Brüderlichkeit zu arbeiten. Dabei hilft extremes Gedankengut dann, wenn es sich in ein adäquates Blickfeld rücken lässt, um als bildungsrelevantes Gut in die Bildungspolitik aller Parteien einzufließen. Zugang zu extremen Haltungen zu finden bedeutet nichts anderes, als sie als solche anzunehmen und gemeinsam daran zu arbeiten, sie in eine annehmbare, gemeinsame Arbeitshaltung zu führen. Unsere Parteienlandschaft darf doch nicht dem persönlichen Gedankengut derer dienen, die sich dadurch etablieren können, dass wir in einer Demokratie leben, jedoch am demokratischen Ziel mit radikalen Maßnahmen an der Brüderlichkeit weit vorbei schießen. Jeder hier im Land hat das Recht sich zu äußern, nur geht damit auch die Pflicht einher, den Gesprächspartnern zuzugestehen, eine andere Auffassung vertreten zu dürfen, ohne aus dem bestehenden System der Rechtsstaatlichkeit ausgeschlossen zu werden. Politik ist die legislative, also die ordnungsführende, gesetzgebende Gewalt bei uns in Deutschland. Unsere Gesetze stehen als Grundrechte verankert, nur fehlt dem gegenüber die staatliche Verfassung Deutschlands und die scheint mir, entspricht nicht dem geforderten Maß. Nun Menschen aus dieser Grundhaltung auszuschließen, also ihnen zu unterstellen, sie könnten diese nicht erreichen, das sehe ich als den falschen Ansatz, der auch dem Abs. 1 unserer GG wiedersprechen würde. Dieser Absatz gilt nicht nur für jeden Bürger unseres Landes er gilt der Würde aller Menschen auf dieser Erde.

  8. F.H. sagt:

    Danke für diese sehr klaren Worte, denen ich in dieser Deutlichkeit kaum etwas hinzufügen kann!
    Noch einmal heraus greifen möchte ich Ihre Formulierungen, die es auf den Punkt bringen:
    „Nun ist Rechtspopulismus selbst ja noch kein Faschismus, aber die Duldung oder Verharmlosung von politisch motivierter Gewalt ist ein Schritt in Richtung Faschismus.“ und
    „Das Gebot der Nächstenliebe wird durch ausgeprägte Vorbehalte ausgehebelt.“
    So ist es!

    Das Neue Testament ist in diesen Dingen sehr klar, wenn ich mich als Christ bezeichnen möchte, gibt es an dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe kein Herumdeuteln (Gottesliebe bedeutet übrigens auch: Liebe zu Gottes Schöpfung und nicht Ausbeutung um jeden Preis und zu Lasten von Gottes Geschöpfen! Denn Gott ist nicht getrennt von seiner Schöpfung, sondern IN ihr – sonst wäre er nicht allgegenwärtig…)

    Hinzufügen möchte ich noch die Geschichte vom armen Lazarus, kürzlich die Tageslesung, und das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Allein diese beiden passen ganz und gar nicht zu den Fotos von verzweifelten Müttern mit in Decken gewickelten Kindern an eilig hochgezogenen Grenzzäunen. Ich habe selbst 4 Kinder im entsprechenden Alter und finde solche Bilder einfach nur herzzerreissend und unerträglich. Hätten wir ein bisschen mehr Platz in der Hütte, würden wir sofort eine solche Familie bei uns aufnehmen – und es ist mir völlig unverständlich, dass es nicht möglich ist, im mehr oder weniger reichen Europa ein Prozent der Bevölkerung zusätzlich unterzubringen! Oder seien es 2 oder gar 5 – wo liegt das Problem??? Aber unsere Wohnungen müssen wir permanent auf 23 Grad heizen und das neueste und noch dickere Auto fahren und 3 mal im Jahr in den Urlaub fliegen. Wie erbärmlich!

    Darüber hinaus frage ich mich ohnehin, was die Parteien und Gewerkschaften überhaupt auf einem Katholikentag sollen. Wer dabei sein will, soll als KatholikIn (oder meinetwegen auch als nichtkatholischer Teilnehmer) dorthin kommen, aber doch nicht als erstes in seiner/ihrer Eigenschaft als Mitglied irgendeiner Partei!

    Überhaupt: die sogenannten christlichen Parteien haben sich für mich in den vergangenen Monaten, Wochen und Tagen endgültig und völlig diskreditiert: einfach nur unerträglich die Geisteshaltung von Tillich, Seehofer, Stoiber, Mikl-Leitner und Kurz, von den Parteien rechts davon will ich erst einmal gar nicht reden, nun geht die Saat auf, die ein Herr Haider (er möge ruhen in Frieden, aber darüber habe ich nicht zu entscheiden) vor gut 30 Jahren bereits zu säen begonnen hat, im Vergleich zu seinen heutigen geifernden Nachahmern war er ja fast schon moderat. Aber wie hat der Papst letztens sich geäußert: Der Drache schlägt noch mit dem Schwanz hin und her.

    Ja, der Teufel, an den ich fast nicht mehr geglaubt hätte, macht „gute“ Arbeit gerade. Das Böse ist übrigens die einzige Macht, die sich selbst bekämpft, um dadurch zu wachsen und noch mehr Leid und noch mehr Böses entstehen zu lassen. Die aktuelle politische Lage ist allerdeutlichster Ausdruck davon.

    Ich möchte erinnern an die Tauferneuerung zu Ostern, wo wir ganz ausdrücklich dem Bösen und dem Teufel widersprechen. Ich wünsche mir von meinen Mitchristen, dass sie das in diesem Jahr ganz bewusst tun – aber auch in ihrem Umfeld gegen das Böse auftreten. Jede Macht, auch jede politische Kraft, die nicht konstruktiv, sondern destruktiv arbeitet, nicht für sondern gegen die Menschen ist, nicht Brücken baut, sondern Mauern und Zäune, nicht auf das Leid der Menschen (und der Schöpfung) schaut, sondern es vergrößert, ist vom Bösen beeinflusst und kann sich nicht auf die Basis des Evangeliums stellen!

  9. F.H. sagt:

    Hier ist es noch einmal in anderem Zusammenhang auf den Punkt gebracht (Eintrag vom 26. Februar 2016):

    http://www.kaineder.at/wordpress/

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