Amoris Laetitia: Auf eine Sehnsucht antworten

Nun wissen wir also, was Papst Franziskus über Ehe und Familie und Glaube und Lehre und die komplizierten Situationen denkt. Jetzt muss man den Text nur noch lesen. Kein leichtes Unterfangen, knapp 200 Seiten sind es und sehr, sehr viele Themen.

Was ist es also, was man unbedingt über Amoris Laetitia wissen muss, ohne alle 200 Seiten eifrig studiert zu haben?

Zuerst, dass es keine Antwort auf all die Fragen nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ist. Reden wir nicht drum herum, das fragen alle, das wollen alle wissen und die meisten werden nachdem sie gesehen haben, dass dazu keine Entscheidung im Text ist, das Schreiben als schwach, rückfällig, Kompromiss, gescheitert oder sonstwie ansehen.

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Aber man muss das so klar sagen, darum geht es dem Papst auch gar nicht. Ich darf einmal zitieren: „Es geht nicht allein darum, Normen vorzulegen, sondern Werte anzubieten, und damit auf eine Sehnsucht nach Werten zu antworten“ (AL 201), es geht also in der Dynamik weiter, welche der Papst in Evangelii Gaudium begonnen hat.

Kurz und knapp: wer nur nach einer Entscheidung sucht, wird mit dem Text nicht glücklich.

 

Komplexe Situationen

 

Nun kann man ernsthaft fragen, warum Papst Franziskus dann überhaupt selber diese Debatte zu den wiederverheirateten Geschiedenen an den Anfang gestellt? Immerhin war es ja der Vortrag von Kardinal Kasper, der Anfang 2014 den Prozess begonnen hatte und bei dem Vortrag ging es ja unter anderem auch um einen Weg, wie mit wiederverheirateten Geschiedenen umzugehen ist.

Was davon geblieben ist, ist der Prozess. Das meine nicht nicht herabstufend, sondern ganz ernst. In gewisser Weise ist es ja völlig richtig, mit den komplexen Fragen zu beginnen, denn dort zeigt sich am klarsten, warum es geht und was eigentlich die Knackpunkte sind.

Aber dann ist der Prozess über zwei Jahre weiter gegangen. Die Fragen sind nicht verschwunden und niemand wird behaupten, dass sie nicht wichtig sind. Aber es hat sich heraus gestellt, dass noch einmal grundsätzlich über die ganze Breite des Themas Ehe und Familie gesprochen werden muss, in allen Konkretheiten, und nicht nur beschränkt auf eine oder zwei Fragen.

Und genau das tut das Papier jetzt.

 

Unterscheidung und Gewissen

 

Und es macht noch ein zweites, es gibt das Vorgehen vor. Der Papst ist ja sehr prozess-orientiert, das kennen wir aus Evangelii Gaudium schon, und genau so geht er auch hier vor. Die Stichworte hierfür sind „Unterscheidung“ und „Gewissen“, es geht also nicht um die Formulierung von Regeln, sondern um das Erkennen des Willens Gottes in der konkreten Situation. Auf die Wirklichkeit hören heißt, auf den Heiligen Geist zu achten. Und da kann dieses Dokument helfen. Es muss nicht alles von Rom aus entschieden werden, sagt der Papst ganz zu Beginn von Amoris Laetitia, nicht mehr eine Instanz entscheidet über alles, sondern sie stellt nach Beratungen und mit Blick auf Schrift und Tradition den Weg fest. Hier zeigt sich, was der Papst mit Synodalität meint. Es wäre interessant, dieses Dokument mal als Anwendungsbeispiel von Synodalität zu lesen, vielleicht mache ich das an dieser Stelle in der nächsten Zeit einmal.

Es bleibt die Frage, was genau Papst Franziskus mit diesem Dokument nun will. Mir sieht das ganz nach einem Anliegen aus, das der Papst schon in Evangelii Gaudium formuliert hat und das auch in Amoris Laetitia wieder vorkommt: die missionarische Umkehr. Die Pastoral muss erfahrbar machen, was der Glaube von der Familie zu sagen hat (AL 201). Und Pastoral ist nicht nur Anwendung von Grundsätzen, die woanders verhandelt werden, auf eine Realität. Pastoral ist Kommunikation, ist Unterscheidung, ist überhaupt der Ort, an dem Kirche Kirche ist. Nicht in den Büchern und Lehren, sondern im Leben der Menschen.

Und genau hierhin will Papst Franziskus mit seinen Gedanken führen.

Vielleicht kann man die Intention des Schreibens verkürzend so zusammen fassen: Das Ziel ist die Integration, die Einbeziehung aller. Der Modus dafür ist die Barmherzigkeit, die nicht nur eine Eigenschaft Gottes ist, sondern auch ein Kriterium um zu erkennen, wer Gottes Kind ist (AL 310). Diese Barmherzigkeit ist bedingungslos, weil alles andere das Evangelium verflüssigen würde (AL 311). Und das Mittel für diese Integration, der pastorale Weg, das ist die Unterscheidung und die Begleitung. Alles andere scheint mir an diesem Grundgerüst aufgehängt.

 

 

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69 Kommentare zu Amoris Laetitia: Auf eine Sehnsucht antworten

  1. Bernd Hoffmann sagt:

    ARD-Text 08.04.16 13:30 h: Papst-Schreiben ohne klare Regeln (u.a. in Bezug auf wiederverheiratete Geschiedene).
    Das bedeutet, dass weiterhin die bisherigen Regeln gelten für die oben genannte und sehr betroffene Gruppe, also Ausschluss von Sakramenten.
    Aber, Wegweiser aufgestellt und ausgerichtet auf: dezentrale Lösungen, verteilte Intelligenz, usw. Warum das? Angenommen, den persönlichen Fall mit dem örtlichen Pfarrer besprochen und sozusagen geregelt. Was ist, wenn der Pfarrer nicht mehr da ist, oder bei einem Wechsel des Wohnortes der Betroffenen?
    Alles wieder auf Anfang, vor Ort? Und was ist, wenn dabei neu, ggf. auch anders, bewertet wird? Klare Regeln, bitte. Bitte: ja, ja oder nein, nein, Einschluss oder Ausschluss.
    Es wäre auch weltlich, ausdrücklich gesagt weltlich, gerechter, wenn über ein und den selben Fall, immer und überall gleich (mit den selben Konsequenzen sozusagen) und überall auf der Welt, weltumspannend, global, befunden würde. – Barmherzig eben und transparent.

    • Silvia Brückner sagt:

      In der Praxis wurde es auch bei uns in Deutschland schon so gehandhabt, dass jeder Betroffene nach seinem Gewissen entscheidet, mit oder ohne Pfarrer.

      Diese Praxis wurde von den deutschen Bischöfen mehrheitlich stillschweigend geduldet.

      Ich verstehe das nachsynodale Schreiben so, dass diese stillschweigende Duldung nun in eine offizielle übergehen kann und wird, dh., dass entweder die DBK gemeinsam oder jeder Bischof für seine Diözese nun auf der Basis des nachsynodalen Schreibens Richtlinien für die Praxis erarbeiten wird.

      Der Vorteil besteht darin, dass die „Angst vor Rom“, die Bischöfen und Priestern bei der bisherigen Praxis immer im Nacken saß, nun nicht mehr besteht, weil der Papst in dieser u.ä. Fragen nun offiziell die Gewissensfreiheit anerkennt.

      • Suarez sagt:

        Der Papst ist überaus klar und ich denke, wir zwei dürfen mit dieser Antwort mehr als zufrieden sein:

        „Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt.“

        Hier schließt der Papst eine Fußnote an (351):
        „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb »erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium [14. November 2013], 44: AAS 105 [2013], S. 1038). Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie »nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen« ist (ebd., 47: AAS 105 [2013], S. 1039).“

  2. Danke Pater Hagenkord für die tolle “ Bedienungsanleitung“ (Sorry mir fällt gerade kein besseres Wort ein, aber Sie Spüren schon wie ich es meine..)und vermutlich hatten Sie keine große Vorlaufs Zeit
    CHAPEAU!!

    So kann man diesen Text „meditierend“ lesen und wie eine „Osmose“ wirken Lassen..
    ich selbst hab ja schon früher in diese Richtung gedacht. vgl. frühere Posts..
    und so glaube ich auch dass durch diesen PROZESS weitere angestoßen werden..

    ..mit innerer Anteilnahme habe ich in diesem Zusammenhang die Predigt von Pater Jüsten SJ (immerhin eine „öffentliche“ Person bei der Trauerfeier von G. Westerwelle gehört,
    der anteilnehmend seinen verwitweten Mann mit Vornamen ansprach- in seiner Predigt verwendete er den Begriff Partner- aber immerhin.

    Diesem Thema wird offensichtlich eher kritisch aber nicht verurteilend begegnet? aber wenn von einem Priester im öffentlichen Raum so spricht,kann ja auch da noch etwas mehr entstehen.

    also ich bin dankbar und gespannt was mir auf den weiteren Erkundungen begegnet..

    mir ist -ich hab wegen der Übersetzung die Vorstellung auf EWTN gesehen – ua.auch unverkrampfte Umgang mit der Sexualität aufgefallen..

    Kardinal Schönborn ist ein Geschenk für die Kirche, eben weil das Leben kennt..
    er hat bspw. einen „agnostischen“ Künstler-Bruder und auch in der Flüchtlingsthematik ist er eindeutig positioniert!!
    als „Dino“ erinnert er mich streckerweise an Kardinal König (vermutlich kennen den nur noch wenige.)

    • Suarez sagt:

      Ich bin sehr zufrieden mit Em. Schönborn, auch wenn ich meine, dass König in einer ganz anderen Liga gespielt hat. Der war wirklich ein wunderbarer Mann!

    • Gameover sagt:

      Ihre Zuversicht in allen Ehren. Auch ich habe die Worte von Prälat Jüsten mit Erstaunen gehört. Doch der Text des Papstes hinsichtlich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften – und ich meine hier nicht Ehe – ist sehr eindeutig abweisend, was auch SZ und FAZ deutlich sehen. Ich hoffe, ich täusche mich. Ansonsten bleibt mir nichts anderes übrig als den Heterosexuellen zu wünschen, dass Sie in IHRER Kirche sich weiterhin willkommen heißen und akzeptieren und letztlich die Erlösung finden, die Ihnen Jesus zugesagt hat.

    • Gameover sagt:

      Ergänzend wie es Prantl in der SZ auf den Punkt bringt. Insofern täusche ich mich wohl nicht in meiner Resonanz:

      „Man sieht: Die Liebe, die der Papst predigt, könnte viele Formen haben – auch diejenige, homosexuelle Partner zu achten und ihre Partnerschaft in Ehren zu halten. Hier verweigert sich der Papst in verletzender Weise. Er redet von Liebe, verweigert sie aber den schwulen und lesbischen Paaren; er stößt diese Paare in die Sünde.

      Er reduziert Liebe auf heterosexuelle Liebe. Gibt es Verantwortung nur dort? Der Papst akzeptiert es allenfalls als schweres Los, wenn jemand in der Familie schwul oder lesbisch ist. Er anerkennt nicht das Füreinander-Einstehen in solchen Partnerschaften. Das ist bitter, unbarmherzig und ohne Liebe.“

      • Pater Hagenkord sagt:

        Da kann ich Herrn Prantl nicht folgen. Warum stößt der Papst irgendwen „in die Sünde“? Das Wort „Sünde“ kommt im ganzen Text kaum vor.

        • Schade eigentlich das sie nicht auf den Inhalt des Beitrags von Gameover eingehen sonder nur auf den Begriff „Sünde“ Pater Hagenkord. Es ist enttäuschend zumal Franziskus hinter seine eigenen Aussagen als Bischof von Argentinien zurück geht. Dort hat er zumindest die Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare respektiert. Sogar versucht in der Bischofskonferenz einengen Konsens zu finde ,ist aber gescheitert. Auch die Aussagen zu Gender und andere Ländern z.b. Afrika etwas überstülpen zu wollen finde ich mehr als bedenklich. Gerade die afrikanischen Religionen dazu gehört auch die katholische Kirche diskriminieren Homosexuelle. Mit seinen Aussagen, die ja 1 zu 1 im Katechismus stehen werden dort und leider wohl auch im Westen nichts daran ändern.
          Familie ist für mich nicht nur Mutter, Vater, Kind die Lebenswirklichkeit sieht anders aus. Auch wenn Franziskus sagt es darf keiner ausgeschlossen werden, was großartig ist, heißt das letztendlich nur der der unsere Regeln befolgt. Belehren sie mich eines Besseren wenn es anders ist.

          • Ich meinte Bischof von Buenos Aires

          • Pater Hagenkord sagt:

            Belehren will ich sie gar nicht. Nur bin ich immer wieder überrascht, dass im Text Dinge gelesen werden, die da nicht drin stehen und die auch nicht zur Intention passen. Der Papst bekräftigt die christliche Sicht der Ehe. Alles andere wäre überraschend gewesen. Wie dazu dann auf einmal die Sünde gelesen wird, kann ich nicht nachvollziehen.
            Was ie Aussagen zu Gender angeht: es gibt Fälle und die Synodenväter haben davon berichtet, in denen Entwicklungshilfe an Bedinungen wie zum Beispiel die Einführung eines bestimmten Schulbuches geknüpft wurden. Nicht von der Kirche, aber von anderen Organisationen. Und das ist sehr, sehr bedenktlich.
            Gerade afrikanische Religionen diskriminieren Homosexuelle: Mit dieser Aussage wäre ich sehr vorsichtig. Auch nicht religiöse Nichtafrikaner – schauen Sie nur auf einen x-beliebigen deutschen Schulhof – diskriminieren Homosexuelle. Meinen Sie, aus der Beobachtung von Diskriminierung dürfen wir Westler das Mandat ableiten, dort erzieherisch einzugreifen?

          • nach intensivem Lesen(ca. 2/3) bestätigt sich immer mehr-die grundsätzliche ÖFFNUNG hin zum „Leben in Fülle“.

            das ganze Schreiben ist eigentlich GAR KEIN trockenes klerikales „Lehrschreiben“- !!

            auch der erfrischend ungezwungene Umgang mit Körperlichkeit; Lust(!)und sinnlichen Passionen in der ehelichen Gemeinschaft;- Aber auch deren Routine etc.-
            und vor allem der Alltagsproblematik-ist doch realistisch nah dran.

            JA UND DESWEGEN- dann doch eine gewisse Enttäuschung darüber, dass MM/FF Beziehungen eigentlich nicht wirklich auch institutionell gewürdigt werden….

            es gäbe ja immerhin die Möglichkeit diese Partnerschaften- ähnlich wie in einer „eingetragenen Partnerschaft“
            WENN NICHT SAKRANENTAL MÖGLICH -(ist vielleicht tatsächlich F/M vorbehalten ??..) –
            so doch auf ausdrücklichen Wunsch die Paare zu SEGNEN!, um dann – hier wieder ähnlich der trad. Ehe – die Verbindlichkeit eines gemeinsamen Weges zu bezeugen.

            ob sich da wohl im Sinne weitere Prozesse, gerade auch in offeneren Gesellschaften auftun-im rahmen eines weiteren Prozesses. Noch glaube ich dran.

            Schwule und Lesben mussten im Lauf der Geschichte wirklich extreme Verfolgungen erleiden, dass es angebracht wäre vielleicht auch mal so etwas wie eine kirchliche Buß-Liturgie zu gestalten
            -der muss ja nicht gleich der Papst vorstehen..- aber die Peterskirche hätte insofern eine hohe symbolische Ausstrahlung, weil gerade auch dort -in herausragender Weise- einer der größten schwulen Künstler also MICHELANGELO seine einmaligen Spuren hinterlassen hat!!

            noch eine andere Erfahrung: ich kenne die GENDER IDEOLGIE Nicht, infolgedessen weiß ich gar nicht ob das -was ich ansprechen will-
            überhaupt damit was zu tun hat:
            mich interessiert auch immer der KONKRETE MENSCH und nicht irgendwelche Ideologien.
            ALSO: ich hatte eine liebeswürdige Kollegin, die offensichtlich jahrzehntelang(geb1951) EXTREM darunter LITT, dass sie in einer „Männlichen Hülle“ eingeschlossen war!
            schon als Kind musste sie-grade auch auf dem Schulhoff-und später -mindestens ab der Pubertät-sehr darunter leiden, dass ihre SEELE,IHR KÖRPERGEFÜHL eben nicht mit dem geboren „Körper“ übereinstimmten.
            Nach einem langen-schmerzhaften- Weg und nach erfolgter OP hatte sie noch einige glückliche Jahre und alle Kollegen haben sich mit ihr GEFREUT!!

            die 2. Erfahrung habe ich-mittelbar- mitbekommen: eine Mutter(jetzt 62Jahre) hat ihre 3 Kinder mit großer Liebe großgezogen: das mittlere (jetzt 33J) ist mit WEIBLICHEN UND MÄNNLICHEN ANLAGEN geboren -und die kluge Mutter hat sich-instinktiv – allen Einschüchterungen(!) widersetzt(!) und der erwachsene Mensch ist dafür der Mutter sehr sehr DANKBAR, dass sie nicht „eingegriffen“ hat !
            der(die) transsexuelle Mensch hat gewiss mit VORURTEILEN zu kämpfen- jetzt sehr engagiert in einer Selbsthilfegruppe!!

            Ist das nun GENDER IDEOLOGIE-oder meint selbige was ganz anderes?

            WENN diese beiden Erfahrungen zweier KONKRETER MENSCHEN in diese Schublade gesteckt WÜRDEN- JA dann bestünde allerdings eine wirkliche Metanoia an..

            ist leider länger geworden-trotzdem allen ein gesegneten Sonntag!

          • Suarez sagt:

            Sehr geehrter Herr Hopfener,

            Sie haben mit Ihren Fragen völlig Recht. Das Entscheidende, allein Entscheidende in einer Ehe ist die Liebe. KatholikInnen glauben, dass bei der Spendung der Sakramente Gott auch Gnaden vermittelt (freilich ist Gott nicht darauf verpflichtet, seine Gnaden NUR durch Sakramente zu vermitteln – ER kann auch immer anders). Wenn sich die Kirche weigert anzuerkennen, dass auch gerne zwei Frauen und zwei Männer vor der Welt zeigen wollen, dass Gott ihnen für ihre Liebe alle Gnade gewährt, dann können wir zum einen davon ausgehen, dass Gott diese Gnade nicht verweigert. Zum anderen ist es natürlich ein Armutszeugnis für die Kirche. Ich plädiere daher selbstverständlich FÜR EINE SAKRAMENTALE EHE UNTER GETAUFTEN LESBEN einerseits und SCHWULEN anderseits. Alle Begründungen dagegen überstrapazieren entweder Gen 1-2 oder basteln sich willkürlich eine REIN (!) polare, zweigeschlechtliche Anthorpologie, die nicht in Überstimmung mit Biologie, Vernunft und letztlich auch Gottes Willen ist.
            Für die Zwischenzeit rate ich allen gläubigen katholischen Schwulen und Lesben, die heiratswillig sind zur Verlobung. Die ist kirchenrechtlich zwar kein Sakrament, aber deswegen auch nicht kanonistisch sanktioniert. Und davon abgesehen: Ich kenne genügend geerdete katholische Geistliche, die zwei Frauen und zwei Männer auch verheiraten würden.
            Die Zeiten der Betonayatollahs im mamornen Petersdom sind vorbei. Halleluja.

  3. Pingback: Påvens dokument om familjen nu offentliggjort | Signum

  4. Doktor_Krakebusch sagt:

    Die Standardphrasen zur Homosexualität hätte er sich lieber sparen können. Derartige Formulierungen sind schon im KKK das Papier nicht wert, wie bösartigste Äußerungen diverser „Würdenträger“ laut und deutlich zeigen.

    In Anbetracht des über Jahrhunderte verursachten Leids kommt mir als erstes „erbärmlich“ in den Sinn. Gefolgt von „beschämend“.

  5. Paolo sagt:

    Es ist einfach so dass gerade die Deutschen kulturell für jedes und alles Regeln und Anweisungen zu brauchen scheinen. Nicht umsonst war das Problem mit den Wiederverheirateten aus dem deutschen Sprachraum motiviert. Der Papst aus dem lateinischen Kulturraum hat dem nun das entgegengesetzt was dort schon lange viel entspannter praktiziert wird. In unseren Breiten trifft er damit sicher auf Unverständnis. Vermutlich wird man in diesem Zusammenhang deswegen klare „Regeln“ von der DBK bekommen.
    Dies wollte der Papst aber genau so nicht haben.
    Ich persönlich finde den Inhalt des Schreibens sehr gut. Für mich enthält es viele Selbstverständlichkeiten im Pastoralen Bereich. Kritisch sehe ich dass diese pastoralen Selbstverständlichkeiten von einem Papst in ein Dokument gepackt wurden. Diese wage Sprache öffnet Tür und Tor für alle möglichen Ideen. Da wird sich der ein oder andere liberale wohl noch die Haare raufen…
    Mich würde von Pater Hagenkord interessieren ob das Synodendokument denn den Inhalten der Synoden entspricht bzw. ob der Papst ihrer Meinung nach den Willen der Synode übernommen hat.

    • Chrisma sagt:

      @Paolo Ich bin noch in der Lesephase. Ich mag diese Schubladen „liberal“ „konservativ“ bisschen konservativ“ „halb liberal“ nicht. Aber hier die Retourkutsche : So manchen Konservativer (was immer das ist) wird sich die Haare raufen, aber nur wenn wir uns alle die Haare raufen und gemeinsam an unserem Haus Weltkirche arbeiten kommen wir vorwärts. Ihre Vorstellung „die deutschen brauchen Regeln“ nennt man bei mir daheim „Vorurteil“ und dies mögen wir in einer international gemischten Familie so gar nicht.

    • Silvia Brückner sagt:

      @Paolo, es ist richtig und wichtig, dass die einzelnen Bischofskonferenzen den Ball, den der Papst ihnen zugespielt hat, aufgreifen werden, indem sie Handreichungen für ihre Priester (und Gläubigen) ausarbeiten werden.

      In der Erzdiözese Freiburg wurde vor drei Jahren, noch unter Erzbischof Zollitsch, für Freiburg bereits eine entsprechende Handreichung veröffentlicht.

      Sinnvoll wäre es jetzt, so eine solche Handreichung jetzt auf Länderebene zu erstellen, vielleicht sogar – in unserem speziellen Fall – für den ganzen deutschen Sprachraum, also Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz.

      • Suarez sagt:

        In der Tat, Freiburg hat es vorgemacht und blieb auch standhaft, als Kardinal Müller anordnete, die entsprechende Handreichung zurückzuziehen (soviel übrigens dazu, was man als Bischof bewirken kann – GEGEN Rom). Nun steht die Handreichung wieder in Einklang mit Rom. Weil Rom sich bewegt hat. Apropos, war da nicht vor zwei Wochen nicht noch ein Kommentar von Müller, es werde NIE die Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete geben. Ich würde ihm ein klares, deutliches „revoco“ empfehlen. Oder den Rücktritt.
        Und wenn wir schon dabei sind: Wie mag sich ein Kardinal fühlen – Sarah -, der dem Papst ein Gesetz für die Fußwaschung vorlegt, welches dieser bei erster Gelegenheit gleich wieder abschafft?
        Den Katholizismus eines Müller, Sarah, Brandmüller, Burke habe ich satt. Diese Betonideologie hatte m.E. nie etwas mit Christus zu tun. Und es ist diese Ideologie, die mit dafür gesorgt, dass die katholische Kirche derart in einer Glaubwürdigkeitsfalle sitzt, dass es selbst einem authentischen Manne wie Papst Franz schwer fällt, ihr rauszuhelfen.

  6. Silvia Brückner sagt:

    Mein Dank gebührt vor allem dem von mir schon lange sehr geschätzten und verehrten Kardinal schönborn, der es als Moderator der deutschsprachigen Gruppe nicht nur geschafft hat, in seiner Gruppe Eskalationen zu verhindern sondern am Schluss auch eine einstimmige Annahme der Zusammenfassung der gemeinsamen Arbeit zu erreichen.

    Kardinal Schönborn hat auch den Begriff der Gradualität eingeführt, der nun in die Exhortation Eingang gefunden hat.

    Kardinal Schönborn hat also wesentlich dazu beigetragen, dass die gesamte Kirche jetzt einen beachtlichen Schritt nach vorne machen kann.

    Danke, Herr Kardinal Schönborn!

    • Suarez sagt:

      Ja, auch hier liegen Sie sehr richtig (und wir haben auch schon disagreement gehabt ;-). Wenn ich mir überlege, wie Kardinal Schönborn die Gradualität um die Ohren geschlagen wurde auf der Synode, ist die Eindeutigkeit, mit der sich der Papst hinter die Gradualität stellt, auch eine bemerkenswerte Aussage.
      Überdies hat J. Frank (ein Journalist und Theologe – ein Segen) im Kölner Stadtanzeiger sehr richtig festgehalten, dass AL eine Fundgrube für Philologen sei. Man muss neben der Proposition (dem Aussagegehalt) auch den illokutionären Akt (wie etwas gesagt wird und was durch dieses Wie der Aussage an Aussage dazukommt) festhalten. Und wenn man dann bedenkt, dass Rom grundsätzlich NIE sagt: „Da haben wir uns verrannt!“ (was man gut und gern kritisieren darf, aber es ist jetzt nunmal so, wie es ist), dann ist doch auch bezeichnend, dass der Papst bei der Homosexualitätsfrage doch eben nicht den menschenverachtenden Ausführungen von Card. Sarah („Was Nazifaschismus und Kommunismus im 20. Jahrhundert waren, sind homosexuelle und Abtreibungs-Ideologien des Westens und Islamischer Fundamentalismus heute.“ gefolgt ist, sondern sich einerseits massiv gegen Diskriminierung und Gewalt gegen Homosexuelle PERSÖNLICH stellt, während er zur Homoehe nur die Ablehnung der Synode REFERIERT. Und im Übrigen schweigt. Wenn ich bedenke, dass B16 an allen möglichen und unmöglichen Stellen das Abendland wegen der Homoehe untergehen sah, ist auch eine Zurückhaltung im Sprechen und Schreiben eine Aussage, oder?

  7. Pater Hagekord ich gebe Ihnen völlig Recht das überall diskriminiert wird. Ich wollte darauf aufmerksam machen das dieses Land besonders von Diskriminierung betroffen ist. http://www.deutschlandradiokultur.de/religioeser-hass-gegen-schwule-und-lesben.1278.de.html?dram:article_id=234749
    Ich glaube das Franziskus auch wenn er explizit die Diskriminierung jeglicher Art ablehnt mit seinem Text zu Homosexuellität das Gegenteil bewirkt.
    Nein wir dürfen nicht erzieherisch auftreten aber Unrecht ist Unrecht das muss man ansprechen egal wo auf der Welt, dass hätte ich mir auch von Franziskus zu diesem Thema gewünscht.

    • Gameover sagt:

      Ich bin mir nicht ganz sicher, weil ich zu wenig Kontakt habe nach Afrika. Aber es kann sein, dass auch eine andere Realität vorliegt, die der Papst unter Berufung auf das Abschlussdokument der Synode nicht wahrnimmt: Internationale Geldgeber fordern von afrikanischen Ländern bei Zahlungen von Entwicklungshilfe nicht, dass Homosexuelle das Ehe-Recht erhalten sollen. Sie fordern, wenn überhaupt, lediglich, dass Schwule und Lesben nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden und dass Gewalt gegen Homosexuelle bekämpft wird. In Ländern wie Malawi, Nigeria oder Uganda unterstützen Bischöfe jedoch offen die staatliche Verfolgung von Homosexuellen.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Das ist nicht das, was afrikanische Kirchenvertreter erzählen. Da geht es sehr wohl darum, westliche Moral-Standards in Afrika gesetzlich zu verankern.

  8. Danke für den Kommentar. Trotzdem Einspruch. Wenn Amoris Laetitia trotz Nr. 300, 301 und Anm. 336 und 351 angeblich keine Entscheidung beinhaltet, dann enthielt Familiaris Consortio auch keine Entscheidung bei der Interpretation des Kirchenrechtes, und ebenso wenig das (weniger hochrangige) Schreiben der Glaubenskongregation von 1994. Dann haben wir jahrzehntelang um nichts diskutiert?

    Es gibt ja nicht eine solche Norm im Kirchenrecht, die durch eine neue Norm verändert werden müsste. Es geht um die Entscheidung über die zulässigen Interpretationen der kirchenrechtlichen Bestimmungen. Hier werden frühere Entscheidungen durch eine neue Entscheidung abgelöst. Dass sie differenziert ist, ändert nichts daran, dass es eine Entscheidung ist.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Jetzt müssten wir über das Wort „Entscheidung“ philosophieren. Mein Kommentar war weniger kirchenrechtlich oder moraltheologisch, sondern eher medial gefärbt. „Ab jetzt ist alles so oder so …“. Diese Art der Entscheidung, also als Reaktion auf die Erwartungen, gibt es nicht.
      Kardinal Schönborn hat bei der Vorstellung gestern hier in Rom zwei Mal John Henry Newman zitiert, und zwar mit der Vorstellung der Entwicklung der Lehre. So ähnlich verhält es sich hier auch. Man muss das, was der Papst sagt, nachgehen und nachvollziehen und selber umsetzen, und wenn ich „man“ sage, meine ich jeder und jede Einzelne, Paare, Familien, Pfarreien, Bistümer … . Das ist eine Differenzierung bisheriger Bestimmungen, aber vor allem ist es das, was Franziskus „missionarische Umkehr“ nennt.
      Wie gesagt, über „Entscheidung“ können wir philosophieren, ich bin mir aber sicher, dass wir trotz Ihres Einspruchs nicht allzu weit voneinander weg liegen.

      • Ich denke auch, dass wir inhaltlich nicht weit voneinander entfernt sind. Aber es ist ein schwieriges Signal, auch medial, wenn Menschen (und vor allem Betroffene) den Eindruck erhalten, es habe sich eigentlich nichts verändert. Und sollen wir wirklich den Begriff Entscheidung allein für Pauschal-Entscheidungen reservieren?
        Gestern kritisierte Daniel Kosch zu Recht auf Facebook die implizite Gleichsetzung von differenziert mit schwammig (und das auch noch bei der NZZ). Wenn wir das kritisieren, müssen wir aber selbst stark machen, dass es bei diesem Schreiben durchaus nicht nur um einfühlsame und ermutigende Worte geht (das auch, und zwar sehr schön, sehr weisheitlich), sondern um verbindliche Veränderungen der aktuellen Disziplin hin zu einer differenzierten Praxis. Sonst können Journalisten nicht einordnen, was geschehen ist.

        • Pater Hagenkord sagt:

          D’accord, das Schreiben ist mehr als pastorale Ermutigung. Es will geänderte Pastoral, und das meint nicht nur geänderte Techniken. Ich fände es aber schwierig etwas zu signalisieren, was durch den Text nicht gedeckt ist. Wenn Sie so wollen, gab es nicht die Eine Entscheidung sondern die Aufforderung zu tausenden von Entscheidungen. Das bedeutet aber nicht, dass vorgegeben wäre, wie diese auszusehen hätten.
          Differenziert ist anders als schwammig, auch wenn sich das als der Hauptvorwurf gegen Papst Franziskus herauszuschälen scheint. Es ist schwierig, einzeln, und hängt von den Menschen und Umständen vor Ort ab. Deswegen tue ich mich schwer, eine Entscheidung des Papstes als solche zu beschreiben.

          • Silvia Brückner sagt:

            Die Entscheidung des Papstes besteht meiner Ansicht nach darin, dass er den Ortsbischöfen / Bischofskonferenzen gant legitim die Möglichkeit gibt, je nach den sehr unterschiedlichen kulturellen und nationalen Gegebenheiten innerhalb einer Weltkirche, für ihren Kulturkreis pastorale Lösungen zu erarbeiten und das sicher nicht nur in Bezug auf die Sakramentenzulassung für wiederverheiratet Geschiedene.

            Das ist ein totales Novum in der römisch – katholischen Weltkirche und ein riesengroßer Fortschritt.

            bisher wurden Reformen nämlich immer mit dem lapidaren Satz „wir sind eine Weltkirche“ blockiert.

            Jetzt können die Bischöfe in pastoralen Fragen ihr Hirtenamt eigenverantwortlich ausüben ohne disziplinarische Strafen „von Rom“ befürchten zu müssen.

  9. Silvia Brückner sagt:

    Amoris Laetitia wird in gedruckter Form ab 29. April erhältlich sein und kann schon jetzt vorbestellt werden.

    Falls ich den Verlag hier veröffentlichen darf, werde ich es nachholen.

  10. Martin M. Lintner sagt:

    Sehr geehrter P. Hagenkord, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich lese AL mit großer Freude. Natürlich kann man jetzt diskutieren, ob der Papst Entscheidungen getroffen hat oder nicht. Mir scheint aber, dass das, was er zum Gewissen und zur Gewissenkompetenz schreibt sowie zur Differenzierung der objektiven Situation von der subjektiven Verantwortbarkeit „aus Rom“ etwas entscheidend Neues ist.
    Kollegin Eva-Maria Faber möchte ich mich anschließen und auch die Fußnote 329 noch erwähnen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Um zu verstehen, was an diesem Papst wirklich neu und entscheiden ist, hat mir die Lektüre von J.B. Metz „jenseits bürgerlicher Kirche“ geholfen, so oder ähnlich lautet der Titel. Ich glaube, dass sich das „Entscheidende“ nicht an einzelnen Verhaltensvorschriften oder Prozessen festmachen lässt, weil dann die Gefahr bestünde, es dabei bewenden zu lassen. Es geht um eine Haltung, die der Papst seit Evangelii Gaudium, ja eigentlich seit seinem Lampedusa-Besuch 2013, einfordert.

      • Martin M. Lintner sagt:

        … und dass er auf der Ebene der Einzelperson Entscheidungen ermöglicht, deren sittliche Güte nicht ausschließlich an der Übereinstimmung mit Normen gemessen werden kann;
        dass die Person die Verantwortung hat der Güterabwägung;
        dass der objektive Widerspruch nicht eo ipso schwere Sünde bedeutet.
        Der Papst hat hier, sehr vorsichtig, aber doch, einiges einfließen lassen, worüber in der Moraltheologie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten intensiv diskutiert worden ist.
        Für unsere Zunft ist es jetzt die große Herausforderungen, das aufzugreifen und weiter zu vertiefen.
        Frohen Gruß nach Rom!

  11. Amica sagt:

    Ich bin jetzt erst auf Seite 100, würde aber trotzdem schon jetzt eine Frage stellen wollen: Kann es keine christliche Ehe ohne Sexualität geben? Wieso werden arrangierten Ehen – zu Anfang des Schreibens wird darauf zusammen mit der Polygamie kurz verwiesen – eigentlich generell als so schlecht empfunden? Es muss ja dabei nicht immer um Zwangsverheiratung gehen.
    Nehmen wir einmal an, ein Christ findet keine passende Frau für sich und er heiratet eine andere Christin die er gut leiden kann, aber nicht sonderlich anziehend findet – einfach aus dem Grund, weil er Kinder haben möchte und ein guter Vater wäre. Aus so einer Ehe können auch Kinder hervorgehen und eventuell werden sie besser erzogen als Kinder aus zu Anfang leidenschaftlichen Verbindungen. Das wäre jedenfalls besser, als wenn ein familienfähiger Mensch zu Lebzeiten alleine bleibt, weil er irgendeiner romantischen bzw. leidenschaftlichen Liebe hinterherseniert, oder?
    Von solchen Realitäten hab ich im Text – zumindest bis Seite 100 – noch nichts gelesen.
    Und solche Verbindungen gab es früher auch und ob die immer so viel schlechter waren, das wissen Sie alle ja auch nicht.
    Entstamme Papst Bendikt XIV. nicht aus so einer Beziehung?
    Wahrscheinlich bin ich jetzt der Buhmann, aber das ist mir auch egal.

    • @Amica : wie soll DAS denn funktionieren…? OHNE eine LIEBE die das beiderseitiges BEGEHREN NICHT kennt..
      SORRY das muss mir erst mal jemand erklären..

      • Gabriele Luzia sagt:

        Ich stimme Ihnen zu, sowas verstehe ich auch nicht … Und ich glaube auch nicht, dass Papst Franziskus von einer liebenden Beziehung ohne Begehren spricht!

      • Amica sagt:

        Na, das ging früher ja irgendwie auch – fragen Sie mich nicht wie, aber es ging wohl. Die Liebesheirat ist, soweit ich weiß, eine Art Erfindung seit 1800 (der Strömung der Romantik). Und wenn Sie sich den Islam anschauen, bekommen die Leute dort auch ihre Kinder, ohne sich vorher unbedingt geliebt zu haben.
        Die Frage ist hier also: Kann Liebe mit der Ehe erst entstehen? Kann man in Liebe hineinwachsen?
        Ich kenne – zwar mehr schlecht als recht – ein Ärzteehepaar, das aus eher rationalen Gründen geheiratet hat. Die Ehe funktioniert wohl gut… zumindest haben sich die beiden bis heute nicht scheiden lassen (sie sind beide um die 60).
        Also: Verlangen wir vielleicht zu viel von dem Vorstadium Ehe (dem Verliebtsein, Schwärmen füreinander etc)? Oder muss das so sein, weil es sonst keine kirchlich gültige Ehe ist? Aber, was heißt das dann für eben solche oben beschriebenen Fälle? Heißt das dann einfach, dass Gott einfach nicht wollte, dass solche unglücklichen Leute Kinder bekommen? Soll man sich dann seinem „Schicksal“ ergeben und eben allein bleiben oder vielleicht ins Kloster gehen – um irgendwie anders fruchtbar zu sein?

        • Amica sagt:

          Ok, ich bin nun auf Seite 200 und offensichtlich meint der Fall, den ich oben beschrieben habe, keine christliche Ehe.
          Da müssten jetzt einige Ehen als nicht gültig gelten und Papst Benedikt als uneheliches Kind betrachtet werden (so ähnlich wie das momentane Oberhaupt der anglikanischen Kirche – find ich irgendwie spaßig 🙂 )
          Aber abgesehen von diesen kleinkarierten Dingen meinerseits ist der Text schon wirklich schön: Die Tipps vom Papst für die täglichen Rituale innerhalb der Ehe (Kuß am Morgen, aufeinander warten etc.) sind sehr praxisorientiert.
          Auch sein Ratschlag, die Hochzeitsfeierlichkeiten bescheiden zu begehen, find ich sehr schön.
          Und dann das Kapitel für die Seelsorger: man will die Eheleute während der Verlobungszeit, und auch noch in den ersten Ehejahren unterstützen und gut in die Gemeinde integrieren. Sie sollen Tipps von und Gespräche mit älteren Ehepaaren erhalten/ führen können.
          Da hat man richtig Lust sich zu binden, wenn man das alles so liest – und es ist so einfach geschrieben. Echt schön!
          Was mich zum Schmutzeln gebracht hat, war auch die Randbemerkung, dass der Name den die Eltern dem Kind geben für die Ewigkeit bestehen bleibt. Da sind manche Kinder wirklich arm dran (Justin, Chantal, Fabian, Jolie etc.).

          • Silvia Brückner sagt:

            Ich denke, dass auch eine von beiden Seiten freiwillig eingegangene Vernunftehe sakramental gültig sein kann.

            Entscheidend für das Zustandkommen einer kirchenrechtlich gültigen Ehe ist u.a. die Freiwilligkeit.

            In früheren Zeiten wurden Ehen oft von den Eltern erzwungen, auch die aus dynastischen Gründen geschlossenen Ehen in Herrscherhäusern, die sind nach unserem heutigen Verständnis keine sakramental gültigen Ehen.

            Wohlgemerkt nach unserem HEUTIGEN Verständnis.

  12. Amica sagt:

    Benedikt XVI. meinte ich

  13. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    Pater Hagenkord Sie schreiben:
    „Kurz und knapp: wer nur nach einer Entscheidung sucht, wird mit dem Text nicht glücklich.“

    Ich bin glücklich und überzeugt, es fehlt in dem Papier nichts und es sagt aus, dass eigentlich dies alles schon im Christlichen vorhanden ist und war. Man hat nur alles verschüttet unter dem Zeitgeist Schutt der Geschichte. Franziskus hat es jetzt nur freigelegt, wie ein archäologischer Schatzgräber, nicht mit Schaufel und Hacke, sondern ganz fein mit dem Stift.

    Aber ein ganz wichtiges Thema wurde scheinbar nicht erwähnt, die Dornenvögel. Aber auch dieses Thema ist selbstverständlich im Text enthalten. Franziskus sagt: „Darum empfehle ich nicht, es hastig ganz durchzulesen.“

    Viele wollen es nicht wahrhaben, diese Dornenvögel stehen weltweit nicht auf der Roten Liste. Wenn Amor zuschlägt, dann war es bis jetzt, wie ein ins Wasser geworfener Stein. Auch diese jungen, zur Erde gesandten Kinder haben ein Recht auf Liebe. Denn sie sind Ölbäumchen und wir alle sind ihnen verpflichtet.

    Wir können jetzt zurück zum See Genezareth und alles andere zählt nicht. Wer hebt die Axt auf und hackt ein so unglückliches Ölbäumchen ab? Wo das Ölbäumchen, sein Vater und seine Mutter doch durch einen Krug Wasser ein glückliches, Gott gefälliges Leben führen können. Wer die Axt aufhebt verletzt nicht nur sich selbst, er trennt sich auch von dem, was er nach diesem Franziskus Schreiben glauben und auch handeln müsste.

    Eine Geschichte:
    Eine junge, ledige Frau bekommt um 1950 ein Kind. Die Familie hätte einen anderen Kindsvater erwartet. Es ging in der Familie der Kindsmutter turbulent zu. An Taufe bei dem Bankert dachte außer der jungen Mutter niemand. Aber alleine zum Pfarrer gehen, das ging nicht. Das Kind verstarb nach zwei Wochen an mangelnder Pflege oder auch Liebe. Jetzt musste das ungeliebte Kind beerdigt werden. Der Pfarrer verweigerte diese am Kirchanger, außerhalb der Friedhofsmauer war dafür Platz genug. Und so kam es, dass der arme Erdenwurm dort der Erde wieder zurückgegeben wurde. Die Mutter stellte ein kleines Holzkreuz an diese Stelle. Der herbeieilende Pfarrer riss das Kreuz aus dem Boden und warf es beiseite. Wann kommt ein Pfarrer auf die Idee, symbolisch all die so Bestatteten heimzuholen auf den Friedhof. Es war eine dunkle Zeit, aber die Kirchen waren voll.

    Das kommende Pfingstfest wird es nicht zulassen, das die Einen und die Anderen mit anderer Zunge lesen oder mit anderen Ohren hören. Ein Blick auf die geschundene und ausgebeutete Schöpfung ruft uns alle auf Wichtigeres zu tun, auf dass es weiterhin Menschen gibt, die Gott erkennen und lieben. Denn auch dazu ließ er uns die Freiheit. Werden wir sie nutzen?

    • Gabriele Luzia sagt:

      … Genau! So traurig Ihre Geschichte ist – und ich hoffe, sowas ereignet sich in unseren Breiten nicht mehr -, so ist Pfingsten immer wieder neu die Rückversicherung auf den Geist der göttlichen Liebe, gegen alle Engherzigkeit, auch priesterliche Engstirnigkeit. Gottes Barmherzigkeit möge all Denjenigen bewusst werden, die sich von Gesetzen, auch denen der Kirche. eingeengt und bedrückt fühlen! Gottes Liebe ist immer größer, als wir es uns vorstellen können!
      So und nicht anders verstehe ich Papst Franziskus von Anfang an.

  14. Chrisma sagt:

    Ihnen Pater Hagenkord danke für die Einführungen, die mir schon bei Evangelii Gaudium und Laudatio Si eine große Hilfe waren, so auch hier. so wie ich Sie in diesem Blog kenne wird’s (sehr, sehr hoffentlich) noch Vertiefungen geben.

    Wie schon in den Texten Evanglii Gaudium und Laudatio Si wählt Papst Franziskus eine Sprache die uns zum Lesen einlädt und im Text festhält. Sehr poetisch mit Liebe zu den Menschen geschrieben.

    Der synodale Weg konsequent gegangen ist der einzige der unsere Kirche in das 21.Jahrhundert führt. Ohne wenn und aber. Sicher wird die es in der Kurie in Rom Kreise gebenden die den Versuch Unternehmen den Weg zu korrigieren, aber auch hier hat Papst Franziskus den Wegweiser aufgestellt. „Die Zeit in mehr wert als der Raum“
    Er weist in AL klar und unmissverständlich auf die große Gefahr hin die -neben positiven Aspekten der Gleichberechtigung- im Gender liegen können . Wir stehen am Anfang einer Entwicklung im 21. Jahrhundert in denen es möglich sein wird wird Kinder aus der, Retorte nach genetischen Merkmalen zu züchten (Erste Versuche mit künstlicher Gebärmutter laufen bereits) Hier Ist die klare Haltung der katholischen Kirche unverzichtbar. Wenn der Papst in AL den Hymnus des heiligen Paulus als Leitfaden für seine Gedanken zur Ehe und Liebe her nimmt. zeigt sich einmal mehr, das an Papst Franziskus ein Eheberater verloren gegangen ist. Eben ein Papst der (Achtung @Silvia B.) das Pastoral im Mittelpunkt sieht. Das gesamte Kapitel sind sehr gut geeignet für die Vorbereitung auf die Ehe, aber eben auch als Leitfaden für Paare und hier schließe ich persönlich auch gleichgeschlechtliche Paare und Paare die ohne den Segen der Kirche leben ein.
    Dazu der Satz, den Sie liebe @ Carmen Fink uns einmal geschrieben haben, der mir inzwischen in Vielem dient „Gottes Liebe und Barmherzigkeit sind größer als alle Regelwerke seiner Kirche“. Der Weg zu dieser Liebe, dieser grenzenlosen und allumfassenden Liebe ist nun einmal mehr offen und weit.
    Papst Franziskus bleibt bei dem was er schon in EG begonnen hat: Bewegung und Dynamik. Er ersetzt dem Himmel sei Dank nicht alte Regel durch neue, wir müssen selbst denken vor Gott und uns an Jesus orientieren wie mündige Christen dies schon länger tun. Es wird in der nächsten Zeit viel diskutiert, gerungen werden. Es liegt an uns mündigen Christen wohin die Reise geht.
    PS Auf diesem Weg und dieser Reise steht sicher dringend eine Überarbeitung unseres Katechismus an. U.a was so die Sünde und die Liebe angeht…..

    @ Suarez „Den Katholizismus eines Müller, Sarah, Brandmüller, Burke habe ich satt. Diese Betonideologie hatte m.E. nie etwas mit Christus zu tun. Und es ist diese Ideologie, die mit dafür gesorgt, dass die katholische Kirche derart in einer Glaubwürdigkeitsfalle sitzt, dass es selbst einem authentischen Manne wie Papst Franz schwer fällt, ihr raus zuhelfen.“ So geht das nicht, lieber Suarez, den Satz wollte ich schreiben. Sehr, sehr lieben Dank dafür.
    Ja und Bücher können diese Herren soviel schreiben wie sie möchten. Ich kauf sie nicht und lese sie nicht. Verbildlichen Charakter für meinen Glauben haben sie nicht. Bedenklich ist es aber schon, wenn Kardinal Müller versucht die Botschaft des Papstes ständig „auszuhebeln“.
    @Silvia Brückner ich freue mich sehr – dies meine ich aufrichtig von Herzen, das Sie zufrieden sind und den Text annehmen.

    PS @Pater Hagenkord ich sehe gerade Sie haben mit den Vertiefungen schon begonnen…

    • Silvia Brückner sagt:

      @Chrisma, da ich am Bildschirm längere Texte schlecht lesen kann, muss ich warten, bis ich ihn in gedruckter Form vorliegen habe.

      Aber von der Zusammenfassung ausgehend übertrifft das nachsynodale Schreiben meine Erwartungen deutlich und zwar positiv.

      Im Gegensatz zu „Rom“ kann ich auch Irrtümer zugeben (ist jetzt augenzwinkernd gemeint).

      • Brigitta sagt:

        Und mir geht es genau so – auch ich muss noch warten, aber ich freu mich schon aufs Lesen nach allem, was ich hier lese

    • Danke Chrisma, sie haben mich heute bewegt.Durch ihre lieben Worte haben sie mich erinnern worauf es ankommt.“Gottes Liebe und Barmherzigkeit sind größer als alle Regelwerke seiner Kirche“. Ich bin versöhnt und werde Amoris Laetitia in diesem Sinnen studieren.

  15. JLTD sagt:

    Was treibt Menschen, die den Katechismus ablehnen, die voller Hass über die Tradition der Kirche herziehen, oder und die die Autorität des Papstamtes ohnehin nicht anerkennen dazu, sich über dieses Schreiben des Heiligen Vaters zu äußern?

    Es ist erstaunlich wie viele bereit sind, dieses Dokument (wie eigentlich alles andere auch) für den Zweck des eigenen vermeintlichen Sieges zu missbrauchen.

    Wer den Katechismus ablehnt, wer die Tradition der Kirche ablehnt, und wer das Papstamt ablehnt (es sei denn, die Aussagen des Papstes sind ihm/ihr gelegen), der ist „in Wahrheit“ nicht mehr Teil der Kirche und sollte umkehren.

    • Antonius Theiler geb.1941 sagt:

      @JLTD Ist das Tradition, wenn ein Papst sich seine Kutsche für 6000 Scudi/Rom 2. Juni 1861 vergolden lässt oder mit einem Kleinauto durch die Gegend braust?

      Tradition ist, wenn ein Papst mit beiden Beinen auf dem felsigen Boden steht der ihm vom Nazarener und durch das Konklave zugewiesen wurde. Das ist die Autorität der Kirche. Da passt kein Papier dazwischen und schon gar keine Bücher.

      Franziskus steht mit beiden Beinen auf diesem felsigen Boden. Viel Liebe und Sorgfalt wird er noch aufbringen müssen, um Liebe und Barmherzigkeit zum Christentum zurück zu bringen.

      Ich bitte Sie die Enzyklika nochmals zu lesen, dann wissen Sie, dass dies auch ein Wunsch von Franziskus ist. Auch ein Maoist sollte aus dieser Botschaft Positives für sich verspüren dürfen, sie ist für die ganze Welt geschrieben. Siegen soll keiner, mit liebe sollen wir alle aufeinander zugehen.

    • Brigitta sagt:

      Mit welchem Hass reden Sie hier?
      Ich habe den Text noch nicht lesen können, weil mir das am Bildschirm schwer fällt, aber dieser Text scheint die Liebe Jesu genauso stark im Mittelpunkt wie in den anderen Texten von Franziskus.
      Und in keinem Beitrag hier wurde Kritik an den vorangegangenen Päpsten in Ihrem Sinne laut.

    • Gabriele Luzia sagt:

      Nein, @JLTD, „Hass“ hat hier gewiss niemand auf Traditionen der Kirche, hassen kann man ja wohl allenfalls Personen, und davor sollten sich Christen hüten. Wir sind Brüder und Schwestern, oder?!
      Traditionen stehen immer in der Überprüfung der Gegenwart, egal, welche, und damit auch die der Kirche. Auch der jeweils geltende Katechismus ist ein Werk von Menschen ihrer Zeit.
      Die Kirche ist wesentlich von Menschen geprägt worden, auch wenn sie von Jesus eingesetzt / gegründet wurde. Menschen leben nun mal jeweils in ihrer Zeit.
      Sehr wohl können und müssen sie deshalb das Anliegen, das Jesus hatte, zeitgemäß verstehen und umsetzen wollen. Nicht nur früher, sondern auch heute. Ich erinnere daran, dass es im Laufe von zwei Jahrtausenden – auch heute noch von Christen weltweit sehr hoch geschätzte – Heilige gab, die sich zum Glück auf den Weg gemacht haben zu den Päpsten (unter heute undenkbar schwierigen Bedingungen), um ihnen ihre Bedenken über den Weg der Kirchenleitung zu vermitteln.

      Sie, JLTD, mögen Wut in sich haben, dass Andere anders denken als Sie, weil Sie einfach nicht aus Ihrer Haut heraus können bisher… Warum nur? Tun Sie einfach das, was Papst Franziskus mit diesem langen Zitat von Dr. Martin Luther King sagen will: suchen Sie das Gute in den Worten derer und in den Menschen, die sich zu Christus hingezogen fühlen, und die doch anders denken und verstehen, als Sie persönlich es verstehen. Das ist schwer, weiß Gott, und es betrifft jeden Menschen gleichermaßen…
      Jesus hat die Liebe in unsere Welt gebracht, nicht aber den Hass.

      • Gabriele Luzia sagt:

        Ergänzen möchte ich noch, dass es vermutlich auch deshalb – neben der medialen Technik – noch nie so viele „Laien“ gab wie heutzutage, die sich wagen, ihre Gedanken aus der Welt der Laienchristen zu den Worten des Papstes zu äußern, weil Papst Franziskus eine weltweit verständliche Sprache spricht – und sie anspricht! Er ist meilenweit entfernt von der Forderung eines blinden Gehorsams… .
        Ich kann sicher nicht genug ausdrücken, wie froh ich darüber bin.

      • DANKE@ Gabriele Luzia für diesen poste!!

        mit soviel Liebe – auf die immer wiederkehrenden „Hass“- Gefühle auf die LEBENDIGEN konziliaren Kirche -ganz mit einer „liebenden“
        Haltung in dieser klaren Haltung -aber ohne innerem Agressionsspotential – zu antworten…

  16. @Antonius Theiler. DANKE für ihren poste. war ne schlimme Zeit..ich bin 1949 geboren und ich kann manch erlebte Realsatire nur mit „Humor“ begreifen..

    werden heute eigentlich „Sternen Kinder“ auf Wunsch kirchlich bestattet?

    man darf die Abreibung nicht verurteilen, wenn Kirche diese tot geboren „Gotteskinder“ nicht mit DERSELBEN WÜRDE sieht wie „gesunde“ Kinder.

  17. Silvia Brückner sagt:

    @Ulrich Hopfener,

    Wieso darf man „die Abtreibung nicht verurteilen“ weil die Kirche keine totgeborenen Kinder beerdigt?

    Das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nichts zu tun. Ich weiß nicht, wie es die Kirche mit der Bestattung totgeborener Kinder hält, in o.g. Beispiel ging es um ein lebend geborenes, nichteheliches Kind, das ungetauft gestorben ist.

    Was das o.g. Beispiel angeht, da habe ich auch gedacht, dass man bei einer solchen kirchlichen und gesellschaftlichen Praxis, denn die Gesellschaft insgesamt hat damals weitgehend so gedacht, die Abtreibung nicht verurteilen darf.

    Aber das hat nichts mit totgeborenen Kindern zu tun sondern mit der damaligen Haltung gegenüber nichtehelichen Kindern und deren Müttern.

    Und auf keinen Fall kann man die kirchliche und gesellschaftliche Haltung von 1950 auf die heutige Situation anwenden und damit die Abtreibung heute rechtfertigen.

    • @Silvia Brückner: da liegt wohl ein MISSVERSTÄNDNIS vor:
      ich bin grundsätzlich GEGEN Abtreibung.
      es gibt wohl EXTREME Einzelfälle- aber da bin ich mir nicht so sicher-wo es eine Abwägung geben KANN..NIEMALS darf man aber verurteilen.

      ich wollte nur KLARSTELLEN, dass im Umgang beispielsweise mit totgeborenen Kindern -in welchem Stadium der Entwicklung auch immer- DIESELBE KLARE Haltung wie bei der Abtreibung zu gelten hat!!

      Sonst nimmt ja die Kirche die gleiche Haltung ein, wie MANCHER ruchloser „Arzt“ der diese Kinder als Müll „Entsorgt“
      oder wie bei sog. Spätabteibungen einem überlebenden Kind erstmal keine akute Unterstützung gewährt wird.

      in diesem Kontext ist ein wunderbarer Erfahrungsbericht eines Ehepaares erschienen, die bei einem Krankenbesuch ein solches-durch die langen Qualen schwer behindertes Kind-ein wirkliches zuhause gaben. ‚den Titel hab ich nicht parat aber bitte googeln
      ich kann NICHT verstehen, wieso da die Bundes bzw. Landesärztekammer nicht deutlich einschreitet!!

      ganz zu schweigen vom „Eid“ des Hippokrates ..

  18. Silvia Brückner sagt:

    Sehr lesenswert ist der Kommentar von Abtpräses Jeremias Schröder, der schon im Oktober täglich life aus der Synode und der deutschsprachigen Gruppe berichtet hat:

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kein-paukenschlag-aber

    Er weist darauf hin, dass es gerade beim Thema wiederverheiratete Geschiedene sehr wichtig ist, auch die Fußnoten zu lesen (da scheint wohl das Wesentliche drin zu stehen).

  19. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    @ullrich Hopfener, Silvia Brückner, Gabriele Luzia, Brigitta, JLTD und alle die ihr euch im Forum vom mutigen Pater Hagenkord austobt.

    Es ging mir bei der Geschichte nicht um die Bestattung des kleinen Balgs. Es ging mir um das ausgerissene und hingeworfene Kreuz.

    Die Kopflosigkeit bei uns Menschen kann manchmal sehr groß sein, wenn z.B. eine Gemeinde zwischen dem Ortsschild und einem Wegkreuz schrieb: „Diese Ortschaft ist Juden frei.“

    Wir sollten schon über den Tellerrand unseres Planetensystems hinaus schauen. Wie groß und größer wird das Universum? Da habe ich die Gewissheit, es hat ein Verschwender geschaffen. Und ein Lied geht mir durch den Kopf:
    „Da streiten sich die Leut‘ herum…“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Hobellied

    So sollten eigentlich alle wissen, dass für alle Platz genug da ist.
    Und jetzt lese ich die Amoris Laetitia noch mal und noch mal!

    • Silvia Brückner sagt:

      @Antonius Theiler, aber MIR ging es um den „kleinen Balg“ und seine Mutter generell, nicht nur um die Bestattung des Kindes sondern um den Umgang mit der unverheirateten Mutter und in Folge davon auch um den Umgang mit dem in jeder Hinsicht unschuldigen Kind.

      Das ausgerissene kreuz war ja auch nur ein Symbol für den damaligen, unseligen Zeitgeist in Kirche und Gesellschaft.

    • @Antonius Theiler,
      JA: „wir sollten schon über den Tellerrand unseres Planetensystems hinausschauen. Wie groß und größer wird das Universum?“

      das lässt mich an einen „Vorläufer“ von Galilei denken, so eine Art Seher, der mit seiner Vision das alles schon früher vage beschrieben hat, und dafür auf dem Scheiterhaufen landete.

      genährt durch diese Einsichten entwickelte er ein ganz persönliches Gottesbild – er war und blieb ein tief gläubiger Mensch-
      deswegen ist es mehr als ärgerlich, dass in Deutschland eine recht aggressive „Atheisten“ Organisation fälschlicherweise diesen Namen als Vereinsnamen gekapert hat.
      Sein Name: GIORANO BRUNO
      —————————————————————–
      Heute die Franziskus Predigt in Santa Martha: die „JUDAS PASSAGE“
      hat mich sehr berührt..
      dass er – vermutlich als 1. Papst der Geschichte – solch mitfühlende worte für den Verräter gefunden hat. da können wir-gerade auch in Partnerschaften- einiges lernen..

      die ganze Predigt ist unbedingt nicht nur lesenswert!! auf der RV Website.

      die Stadt Rom hat ihm ein Denkmal errichtet; und die Kirche sollte sich -auch inhaltlich- konstruktiv mit seinen Einsichten beschäftigen

  20. Silvia Brückner sagt:

    „Amoris laetitia“ enttäuscht Eiferer hüben wie drüben, erlöst das Gros der übrigen gemeinen Sünder und zeichnet der Kirche einen anstrengenden Weg vor.“

    Diesen bemerkenswerten Satz von Ihrer Kollegin Gudrun Sailer habe ich gerade auf katholisch.de als Schlusssatz unter deren Artikel entdeckt.

    Besser könnte man es wohl nicht auf den Punkt bringen.

    In diesem Satz ist das zutiefst Jesuanische von Amoris Laetitia zusammengefasst.

    Nun muss es nur noch umgesetzt werden.

  21. Silvia Brückner sagt:

    Ich habe gelesen, dass es beim derzeitigen Treffen des K 9 – Rates um die Dezentralisierung der Kirche gehen soll, also mehr Befugnisse für Bischofskonferenzen und Diözesanbischöfe.

    Das Timing ist perfekt, dann braucht wirklich kein Bischof mehr Angst zu haben, Amoris Laetitia umzusetzen.

    Mein Bischof von Rottenburg – Stuttgart hat gleich nach Erscheinen von Amoris Laetitia angekündigt, ans Werk gehen zu wollen. Bischof Gebhard ist das sowieso schon lange ein Anliegen.

  22. Johanna sagt:

    Lieber Pater Hagenkord, vielen Dank für Ihre Einordnung des Schreibens.
    Es ist für mich eine der wenigen, die nicht versucht, den Text in die eine oder andere Richtung zu zerren, indem einzelne Sätze überbetont werden und andere dafür ignoriert, und ihn dadurch zur Bestätigung der eigenen Meinung zu benutzen.

    Das Schreiben steckt für mich einen Rahmen mit vier Ecken ab: Lehre, Gewissen, Lebensgeschichte und Barmherzigkeit. In diesem Rahmen kann sich Seelsorge bewegen, und kein Eckpunkt darf vernachlässigt werden.

    Ein Schlüssel zum Verständnis des ganzen Dokumentes ist für mich das Kapitel über die Erziehung der Kinder, ab Nr. 259. Wir möchten den Kindern wichtige Dinge für ihr Leben beibringen, aber dazu hilft es nicht, sie zu kontrollieren und ihnen etwas überzustülpen, das sie nicht begreifen können, sondern mit ihnen in Beziehung zu sein.
    Die gleiche Haltung zeigt der Heilige Vater uns Kindern gegenüber.

    • Silvia Brückner sagt:

      @Johanna, ich glaube nicht, dass der Papst uns als Kinder betrachtet (auch nicht als seine) sondern als mündige Menschen / Christen, die ermutigt werden sollen, selbständig nach ihrem Gewissen zu entscheiden ohne dabei ständig nach Rom zu schielen.

    • Johanna sagt:

      Interessant, genau diesen Einwand habe ich erwartet. Doch, ich denke durchaus, dass, wenn wir ihn schon als Heiligen Vater bezeichnen dürfen, er uns in desem Sinne auch als Kinder annimmt. Dem widerspricht natürlich überhaupt nicht, dass wir dadurch zu mündigen Menschen und Christen werden sollen, die selbst erkennen können, was vor Gott richtig ist für unser Leben.

      Wenn Sie es aber so verstehen, wir sollten von nun an selbständig nach unserem Gewissen über offene Fragen entscheiden, z.B. über den Sakramentenempfang, oder die Ortskirchen und Pfarrer dürften hier beliebig entscheiden, widerspricht Ihnen der Text sehr deutlich:

      „Diese Haltungen sind grundlegend, um die schwerwiegende Gefahr falscher Auskunft zu vermeiden wie die Vorstellung, dass jeder Priester schnell „Ausnahmen“ gewähren kann oder dass es Personen gibt, die gegen Gefälligkeiten sakramentale Privilegien erhalten können. Wenn ein verantwortungsbewusster und besonnener Mensch, der nicht beabsichtigt, seine Wünsche über das Allgemeinwohl der Kirche zu stellen, auf einen Hirten trifft, der den Ernst der Angelegenheit, die er in Händen hat, zu erkennen weiß, wird das Risiko vermieden, dass eine bestimmte Unterscheidung daran denken lässt, die Kirche vertrete eine Doppelmoral.“

      Es geht also auf keinen Fall darum, von nun an solche Dinge mit sich selbst in seinem eigenen Kämmerchen auszumachen, sondern im Gegenteil, den Kontakt mit einem Pfarrer zu suchen und mit ihm gemeinsam die Situation zu verstehen und unterscheiden zu lernen.

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