Beobachtungen eines Beobachters

Bischofssynode, 6. Tag, Samstag

Nach fast einer Woche Tagung – öfters durch Feiern und Grundsatzansprachen unterbrochen –  zeichnen sich bei der Bischofssynode im Vatikan einige erste Linien ab, die ich weitergeben möchte. Es sind lediglich persönliche Beobachtungen und fassen sicherlich nicht die ganze Diskussionen zusammen. Es sind nur erste Eindrücke.

 

Ad intra oder ad extra?

Liegt der Beginn einer erfolgreichen und guten erneuerten Verkündigung nun in den Verkündigern selber oder in der Struktur der Kirche und ihrer Methode bzw. in der Art und Weise der Verkündigung? In Kürze formuliert: Innen oder Außen? Nach den Gewichtungen in dieser Frage lassen sich viele Beiträge den bisherigen Versammlungen der Bischofssynode ordnen.

Die ad-intra-Schule spricht von Umkehr, vom Bekenntnis der eigenen Fehler und der eigenen Schwächen, aber auch vom Finden er eigenen Berufung aller Christen. Nur in der persönlichen Begegnung mit Christus und in der Treue zu seiner Lehre finde man die Authentizität und die Energie zur erneuerten Verkündigung.

Die ad-extra-Schule spricht von Kommunikation und deren Änderung, vom Umbruch sozialer und ökonomischer Strukturen etc. Sie betont unter anderem die Wichtigkeit der katholischen Soziallehre, der Bildung, der Familien als Orte der Evangslisierung, die Ausbildung von Katecheten.

Selten sind Beiträge, die beide Seiten verbinden, den wichtigsten hat der Papst selber geliefert, als er am Donnerstagabend von der Sünde in der Kirche sprach, die zu struktureller Sünde werden könne: Bürstet man die Ansprache des Papstes etwas gegen den Strich, dann macht sie deutlich, dass innen und außen letztlich nicht zu trennen sind, auch wenn man sie systematisch getrennt behandeln muss.

Beiden Sichtweisen eigen ist aber der Gedanke der Änderung: So bleiben, wie es ist, kann es nicht.

 

Pfarrei, Bewegung oder Gemeinschaft?

Eine weitere Beobachtung bezieht sich auf die Orte der Neuevangelisierung: Pfarrei, Bewegung oder kleine Gemeinschaft: Auf ein Element dieser Trias beziehen sich die meisten Beiträge, die nach dem Subjekt der Verkündigung suchen. Ist die Pfarrei – klassisch oder gewandelt – der Ort? Bringen die neuen geistlichen Gemeinschaften die Energie oder liegen die Kerne in den kleinen Gemeinschaften innerhalb der Pfarreistruktur? Die Hintergründe liegen in den jeweilgen Erfahrungen der Synodenväter, was nicht überraschend ist.

Dazu ist die Familie als Ort der Verkündigung zu nennen, immer wieder wird angesprochen oder angefragt, wie Eltern geholfen werden kann, den Schwung zu bekommen oder erhalten, den Glauben weiter zu geben.

 

Lateinamerika und Paul VI.

Auffällig sind auch die Bezugspunkte der Redner. Vor allem Lateinamerikaner beziehen sich auf die Dokumente von Puebla (1979) und Aparecida (2007), verabschiedete Texte der Bischofskonferenzen des Kontinents. Von ersterem ist vor allem die Formulierung der „bevorzugten Option für die Armen“ bekannt geworden, letzteres führt dies weiter, dort finden sich aber auch die später in anderen Bistümern wie zum Beispiel auch in Wien aufgegriffene Idee der „neuen Jüngerschaft“.

Wenig Bezug wird auf päpstliche oder vatikanische Dokumente genommen, jedenfalls bisher. Das hier am häufigsten genannte Dokument ist evangelii nuntiandi, das von Papst Paul VI. formulierte Abschlussdokument der dritten Vollversammlung der Bischofssynode.

 

Bis zum Mittwoch Vormittag gehen die Wortbeiträge der einzelnen Synodalen noch weiter, es ist aber jetzt schon absehbar, dass nicht alle werden zu Wort kommen können. Ab Mittwoch beginnt dann eine weitere Phase der Synode. Dazu später mehr.

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