Bibeln, verschiedene

Ab und zu kommt hier in den Kommentaren die Sprache auf die Schrift und die Worte Jesu. Ab und zu versuche ich dann mein Bestes, um zu erklären, dass man nicht einfach eine Bibel aufschlagen kann und dann weiß, was Jesus gesagt hat.

Ich dachte mir, machen wir doch mal ein Beispiel, ein harmloses, wo es nicht um Jesusworte geht, aber das das Prinzip erläutert.

So lesen wir zum Beispiel in der ersten Lesung von diesem Dienstag aus dem Buch Jesus Sirach, Kap 35, unter anderem diese zwei Verse:

Das Opfer des Gerechten ist angenehm, sein Gedenkopfer wird nicht vergessen werden. Freigebig ehre den Herrn, nicht gering sei die Gabe in deinen Händen“.

Das sind die Verse 9 und 1o des Kapitels. Eine Kollegin befasste sich nun mit der Papstpredigt von diesem Morgen, in der Papst Franziskus einen Vers aus dem Buch Sirach und der Tageslesung explizit nennt und wiedergibt. Und siehe da, diesen Vers finden wir in der deutschen Fassung vergeblich. Beziehungsweise, der klingt ganz anders. Der Papst zitierte das so:

„Glorifica il Signore con occhio contento …“.

Archivbild: Papstmesse in Santa Marta

„Freigiebig“ und „occhio contento“ mag vielleicht bildlich dasselbe sagen, ist wörtlich aber etwas anders. Und blättern wir weiter: die neue Einheitsübersetzung (die liturgischen Bücher enthalten noch die alte) übersetzt Vers 10 so: „Mit großzügigem Auge preise den Herrn …“ . Da sind wir doch schon wieder viel näher dabei. Die Jerusalemer Übersetzung sagt „mit gebefreudigem Auge“. Und der immer wieder hilfreiche Martin Luther übersetzt „mit fröhlichem Gesicht“. Kein Wunder, dass die Kollegin darüber gestolpert ist, wäre ich auch.

Das ist nur ein kleines Beispiel. Ich will hier auch gar nicht den Besserwisser machen, aber die Schrift ist mir einfach zu wichtig, als dass man sie ohne Denken einfach so für seine Zwecke auswerten darf.

Sie ist reich, sie fordert uns zum Denken und zum Beten heraus, und zum Studium. Und wenn man die Sprachen nicht kann – wie ich – dann kann man sich Hilfe suchen. Ist gar nicht schwer. Zumindest kann und darf und soll man nicht so tun, als ob alles eindeutig und klar wäre.

 

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21 Kommentare zu Bibeln, verschiedene

  1. Suarez sagt:

    „Zumindest kann und darf und soll man nicht so tun, als ob alles eindeutig und klar wäre“.

    Dem kann ich nur aus tiefstem Herzen zustimmen. Ein weiteres schönes Beispiel ist, dass die Torah den Hasen unter die Wiederkäuer zählt… Was werden da nicht für Verrenkungen betrieben bei manchen Evangelikalen, damit man nicht sagen muss: Sorry, da steht nunmal in der Bibel ein Tatsachenirrtum, weil es die „Verfasser“ eben nicht besser wussten und sich der Inspirator eben menschlicher Verfasser bedienen muss.

    • Eskilcgn sagt:

      „Zumindest kann und darf und soll man nicht so tun, als ob alles eindeutig und klar wäre“.

      Suuuuuuper,das macht Spaß, da mache ich mit. Reden wir nicht über den Hasen als Wiederkäuer. Reden wir über …..

      Mt 16,18 wie wäre es, wenn es hier garnicht um den Primateines Papstes ginge?

      Oder Jesaja 7,14 woes nicht um eine Jungfrauengeburt geht sondern um die völlig überraschende Idee, dass eine junge Frau schwanger wird. (Was die Fußnote in der neuen Einheitsübersetzung noch mal unterstreicht.)

      Und, das finde ich besonders spannend, reden wir doch über die biologische Vaterschaft des Jesus von Nazareth Mt 1,24 und Lk 1,26-38.

      Oder kann, darf, soll man das nicht tun und weiter bei den Wiederkäuer bleiben?!?

      • Suarez sagt:

        Selbst ein Joseph Ratzinger hatte in seiner Einführung ins Christentum absolut keine Probleme die ontologische Ebene der Sohnschaft Jesu von der biologischen zu unterscheiden. Daher: Ich brauche das unversehrte Jungfernhäutchen Mariens nicht, damit ich a) die ewige Jungfräulichkeit Mariens (von der ich überzeugt bin, nur ist sie nichts Biologisch-Medizinisches) erklären kann und b) die Gottessohnschaft Jesu überzeugend darstellen kann. Ebensowenig wie mich Josef als biologischer Vater Jesu davon abbringt, Jesus als Sohn Gottes zu glauben, brächte mich ein Fund von Jesu Leichnam davon ab, an seine Auferstehung zu glauben.
        Die Antike hatte nunmal eine andere Vorstellung von Wirklichkeit als wir und das gilt es zu respektieren UND für unseren Glauben zu übersetzen.

        Jes 7,14 ist eine wirklich schlimme Fehlleistung der neuen Einheitsübersetzung. Für ein Wort vom hebräischen Text abzuweichen zum griechischen, das ist schlicht schlechte Philologie. In Jes 7,14 steht nunmal die junge Frau und die Prophetie des Jesaja bezieht sich an der Stelle vermutlich auf die Frau des judäischen Königs, die, wenn der judäische König nicht ganz blöd war, keine Jungfrau mehr war.
        Dass Jes 7,14 einen „MEHRWERT“ bekommen hat und im Neuen Testament durch die griechische Übersetzung wirksam geworden ist, ist ja deswegen nicht falsch und gehört zu unserer Geschichte.

        • Carlos sagt:

          Wenn Jesu Leichnam gefunden werden würde, wäre ich sofort kein Christ mehr. Alles andere wäre eine schlimme Vergewaltigung der Vernunft.

          KKK 999: Christus ist mit seinem eigenen Leib auferstanden

          • Suarez sagt:

            Selbstverständlich ist Jesus mit seinem eigenen Leib auferstanden – doch ist das ein verklärter Leib, der unabhängig ist von Zeit und Raum. Und daher ist eine Auferstehung bei verwesendem Leichnam Jesu keine Vergewaltigung des Geistes. Diese behaupten Sie – beweisen tun Sie das nicht.
            Letztlich ist es genauso mit der Auferstehung wie mit der Jungfrauengeburt – und da hat Joseph Ratzinger schon recht, man muss die Ontologie von der Biologie unterscheiden. Beides ist nicht dasselbe.

          • Silvia Brückner sagt:

            @Suarez

            Die römisch – katholische Kirche lehrt die leibliche Auferstehung Jesu und beruft sich dabei u.a. auf das leere Grab.

            Demnach ist der verklärte Auferstehungsleib derselbe Leib, der im Grab gelegen ist.

            Laut Evangelien gab es ja auch bereits zu Jesu irdischer Lebenszeit eine Verklärung seines Leibes auf dem Berg Tabor.

            Man kann sich nicht fundamentale Glaubensgrundsätze nach Belieben zurechtbiegen.

          • Stephan sagt:

            Finde ich gut, wenn Vernunft und Geist ins Spiel kommen sollen: Christus ist auferstanden, weil er den Tod überwindet, ist ja logisch; und so verkörpert er die Hoffnung, das leuchtet ein.

          • Suarez sagt:

            „Laut Evangelien gab es ja auch bereits zu Jesu irdischer Lebenszeit eine Verklärung seines Leibes auf dem Berg Tabor.“

            Die ist aber definitiv NICHT die Verklärung durch die Auferstehung.

            „Man kann sich nicht fundamentale Glaubensgrundsätze nach Belieben zurechtbiegen.“

            Man darf aber auch nicht fundamentale Glaubensgrundsätze nach Belieben simplifizieren oder meinen, man hätte sie endgültig verstanden.

  2. Carlos sagt:

    Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch.

    Das ist sehr klar überliefert. Wer behauptet, man müsse diesbezüglich noch herausfinden, „what Jesus really said“, der ist damit das Gegenstück zu denjenigen Evangelikalen, die alles in der Bibel wortwörtlich nehmen wollen.

    Oder anders ausgedrückt: zu sagen, dass man diesbezüglich noch herausfinden müsste „what Jesus really said“, ist ungefähr so abstrus wie zu behaupten, Ehebrecher gehörten gesteinigt, weil das so in der Bibel steht.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Man muss wissen, was „entlassen“ bedeutete und bedeutet, und es von moderner Scheidung differenzieren können. „What Jesus really said“ meint doch nicht, versuchen, herauszubekommen, was er damals und dann wirklich sagte. Es bedeutet, verstehen zu wollen. Und wer meint, zu verstehen, ohne zu denken, der verwirrt.
      Das mit der Steinigung ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, Jesus hat von sich behauptet, er wolle nicht einmal den kleinsten Buchstaben vom Gesetz ändern. Und nun.

      • Suarez sagt:

        Mehr noch, P. Hagenkord!
        Ist denn „Ehe“ für Jesu Verständnis dasselbe wie für unseres? Wenn man das Alte und Neue Testament durchforstet, dann wird man schnell feststellen, dass da kaum eine Ehe AUS Liebe geschlossen worden ist – für eine Ehe im katholischen Sinne heute unabdingbare Voraussetzung – und nur bei einigen Ehen wenigstens noch die Liebe dazukam (so zum Bsp. bei Isaak und Rebekka).
        Ist eine Ehe noch dasselbe Institut, wenn es damals regelmäßig (!) zwischen 20jährigen Männern und 14jährigen Mädchen geschlossen wurde, die ebenso regelmäßig spätestens nach der zweiten Schwangerschaft starben, wie heute, wo Ehepartner 30, 40 oder gar 50 Jahre zusammenleben?
        DANN und NUR DANN, wenn EINDEUTIG belegbar ist, dass sich Jesus auch unser heutiges Institut bezieht, ist auch Jesu Wort aussagekräftig…
        Und davon abgesehen: Niemand will eine kirchliche Zweitehe. Manche Dunkelkatholiken haben nur immer noch nicht eingesehen, dass die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene das eine, aber eine kirchliche Zweitehe, die niemand will, etwas ganz anderes ist.

        • Stephan sagt:

          Wenn man mit den eigenen Kategorien – auch soziologischen oder dem sogenannten Durchschnittsmenschen, den es ja bekanntlich gar nicht gibt – nicht weiterkommt, kann man diesen Weg auch aufgeben und einen anderen suchen, das wäre z.B. die dialektische Methode; das führt schnell dahin, daß etwas über den eigenen Kategorien ausgedrückt sein könnte. Wenn man sich dem Text etwas überlässt in Verbindung mit diesem Denken – es ist etwa ein Gefühl, wie auf dem Wasser zu gehen – scheint durch, daß es um die Liebe gehen könnte und eine besondere Treue zur Liebe – wir befinden uns dann aber in einer nichtlinearen Welt. Ich hab‘ jetzt aber gerade keine Zeit, es noch genauer zu beschreiben. Es hat was mit Wissenschaft zu tun – oder mit Transzendenz – je nachdem, vor allem aber mit Gehen. Gehen.

      • Carlos sagt:

        P. Sosa: „A quel tempo nessuno aveva un registratore per inciderne le parole.“

        P. Sosa meint damit also offenbar doch was „Er damals wirklich sagte“.

        Die Kirche hat (bis vor kurzem) daran festgehalten, dass es klar ist, was „Entlassung“ in diesem Fall bedeutet, und dass für die „moderne“ Scheidung daraus folgt, dass eine Wiederheirat als fortgesetzter Ehebruch zu werten ist.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Und während der Synode ist klar geworden, dass es Situationen gibt, in denen es keinen Ausweg gibt, ohne sich schuldig zu machen – im Sinne der Moraltheologie. Die klaren Festlegungen funktionieren also nicht mehr so, wie sie einmal funktioniert haben, deswegen muss man weiter nachdenken. Das einfache Zitieren von Worten aus der Schrift hilft jedenfalls nicht weiter.

          • Suarez sagt:

            Sehr veehrter P. Hagenkord,

            mich erinnert die Art, WIE manche hier meinen mit der Bibel umgehen zu können, sehr stark an das Wort aus der Johannespassion: „Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben.“

        • Suarez sagt:

          „Die Kirche hat (bis vor kurzem) daran festgehalten, dass es klar ist, was „Entlassung“ in diesem Fall bedeutet, und dass für die „moderne“ Scheidung daraus folgt, dass eine Wiederheirat als fortgesetzter Ehebruch zu werten ist.“

          Hat die Kirche etwa kein Recht auf eine tiefere und wahrere Einsicht in die Bedeutung der Heiligen Schrift? Wollen Sie darauf pochen, dass das, was SIE für wahr halten, die Lehre der Kirche sein muss?

          • Silvia Brückner sagt:

            Die Kirche hat die Unauflöslichkeit der sakramental gültigen Ehe NICHT abgeschafft, wie hier suggeriert wird, sondern man hat – nach einem Prozess der geistlichen Begleitung durch einen Priester – die Möglichkeit geschaffen, dass in Einzelfällen wiederverheiratet Geschiedene die Sakramente der Buße und Eucharistie wieder empfangen dürfen, weil eben nicht jeder „Fall“ gleich ist und man nun heute jeden Einzelfall berücksichtigen will, was ich im Übrigen für richtig halte.

          • Suarez sagt:

            Sehr geehrte Frau Brückner,

            vielleicht lassen Sie Ihrer blühenden Phantasie mal weniger freien Lauf. Ich habe nichts dergleichen behauptet, geschweige denn suggeriert. Das wäre auch schwierig, da ich Ihren Satz „Die Kirche hat die Unauflöslichkeit der sakramental gültigen Ehe NICHT abgeschafft“ nur unterschreiben kann. Nichtsdestotrotz kann es sein, dass die Kirche tiefere und wahrere Einsichten in die Schrift bekommt, auch in die Verfasstheit von Ehe. Zu behaupten, Ehe vor 2000 Jahren und heute sei dasselbe Institut, und Ehescheidung vor 2000 Jahren und heute sei dasselbe Instrument, geht jedenfalls nicht.

  3. Die Schwierigkeit der Bibelexegese besteht darin, aus einer mehrdeutigen Schrift, wie noch von Origines vertreten, eine eindeutige Schrift zu entwickeln.

    Origines sagt, die Bibel werde durch verschieden charakterisierte Menschen auch verschieden gelesen und verstanden, daher ergebe sich ein mehrfacher Schriftsinn.

    Ich zitiere aus Wikipedia:

    Demzufolge reichte nicht die rein literarisch-philologische Analyse des Textes. Dem einfachen Gläubigen genügte dieser geschichtliche Sinn, jedoch sollte die Exegese für Geübtere auch den seelischen Sinn erheben und für Vollkommene der geistig-geistliche Sinn festgestellt werden.

    Erweitert und verändet wurde das durch Johannes Cassanius, der gar einen vierfachen Schriftsinn ausmachte:

    Literalsinn (wörtliche, geschichtliche Auslegung)
    Allegorischer Sinn (Interpretation „im Glauben“) = dogmatisch
    Tropologischer Sinn (Interpretation „in Liebe“) = moralisch
    Anagogischer Sinn (Interpretation „in Hoffnung“) = endzeitlich,

    wieder nach Wikipedia.

    Der Reformeifer hin zu einem einheitlichen Schriftsinn trug viele Blüten, doch bis heute ist dadurch nicht verhindert worden, dass unterschiedliche Menschen die Bibel auch unterschiedlich verstehen, ein mehrfacher Schriftsinn also schlichtweg Fakt ist. Dabei sollten wir es Alle belassen und einander die Bibel nicht wie eine Waffe um die Ohren schlagen. Eigentlich müsste dann eine Reflektion darüber erfolgen, wieso ich diesen Text auf meine Weise verstehe, doch so viel Selbsterkenntnis ist wohl zuviel verlangt.

  4. Stephan sagt:

    Ihr Beispiel gefällt mir, weil es darin ja um etwas grundlegendes in der Religion und der Liebe geht, auch wenn es gar nicht so leicht zu erreichen ist. Mir scheint (ich hab die betreffenden Verse mal in der Septuaginta nachgeschaut) da ist etwas verdichtet, vermischt oder verwechselt, denn in Vers 10 heißt es „animo bono“, in Vers 12 „in oculo bono“. Aber das macht ja nichts, es ist zwar „Heilige Schrift“, aber deswegen muss es ja nicht starr sein, es ist trotzdem Poesie, eben deswegen ist es multideterminiert, nicht eindeutig und man kann auch ruhig ein bisschen damit spielen.
    Die ganze heilige Schrift ist ja doch Poesie, das wird ja am deutlichsten mit dem teleologischen strukturellen Aufbau, zu leiblicher Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten hinführend.

  5. Suarez sagt:

    Achja, nur mal so als Probefrage: Wie stehen eigentliche @Carlos und seine Gesinnungsgenossen

    – zur Abschaffung des Limbus puerorum durch Benedikt XVI.;
    – zur Kehrtwende des Lehramts hinsichtlich der Erlaubtheit von Todesstrafe;
    – zur Kehrtwende des Lehramts hinsichtlich der Erlaubtheit von Sklaverei;
    – zur Kehrtwende des Lehramts hinsichtlich der Erlaubtheit von Zinsnehmen;
    – zur Kehrtwende des Lehramts hinsichtlich der Erlaubtheit von Gaslaternen.

    Immerhin gibt es für die Erlaubtheit von Sklaverei und das Verbot von Zinsnehmen EINDEUTIGE (sowas hat ja @Carlos gern) biblische Belege.

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