Christus will in unseren Stall kommen

Es klingt wie ein Widerspruch: Die neue deutsche Bundesregierung hat beim Amtseid den Gottesbeszug mit gesprochen, jeder Minister und jede Ministerin. Gleichzeitig aber werden immer mehr religiöse Bezüge verweltlicht: Weihnachten, Advent, Märkte, Tannenbaum, das alles wird immer mehr zu Familienfest und Jahresendfeier, immer weniger ist von Jesus die Rede, darf von Religion die Rede sein.

Mosaik von Marco Ivan Rupnik SJ, Kapelle der Jesuitenkommunität Petrus Canisius Rom.

Mosaik von Marco Ivan Rupnik SJ, Kapelle der Jesuitenkommunität Petrus Canisius Rom.

Die Unheilspropheten haben Unrecht, Religion ist wichtig und bleibt wichtig, auch im öffentlichen Raum. Aber eben nicht mehr so wie früher, als die gesamte Symbolsprache des Weihnachtsfestes von Christus sprach. Das ist vorbei.

Wenn Gott Mensch wird, dann tut er das in diese recht unklare Situation hinein, damals wie heute. Unser Bekenntnis zum Kind im Stall ist nicht klar und vorgeprägt, wir müssen das neu finden, neu erfinden. Wir können nicht nur einfach wiederholen, was wir ererbt haben, heute weniger denn je. Die klaren Grenzen, Überzeugungen und Aufgabenverteilungen sind weg, ans uns ist es, in dieser grauschattierten und nicht schwarz-weißen Welt diesen menschgewordenen Gott neu zu entdecken.

Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2014. Meine Mitbrüder haben im Memoriale – dem geistlichen Tagebuch – des neuen Heiligen Peter Faber geblättert und einen Text gefunden, den ich hier anschließen möchte. Ein Trost für alle, die sich nicht wirklich haben vorbereiten können für das Fest:

 

In der ersten Messe, als ich mich vor der Kommunion kalt fühlte und betrübt war, dass meine Wohnung [Anm.: mein Herz, mein Inneres] nicht besser bereitet sei, da vernahm ich in meinem Herzen folgende Antwort: Das bedeutet, dass Christus in deinen Stall kommen will. Wenn du nämlich schon glühend wärest, fändest du jetzt deinen Herrn in seinem Menschsein nicht, denn du sähest in deinem Innern viel weniger einem Stall ähnlich. So fand ich meinen Trost im Herrn, der in ein so kaltes Heim zu kommen geruhte. Ich wollte mein Heim geschmückt sehen, um daran einigen Trost zu haben; stattdessen sah ich das Los Unseres Herrn und ward darob getröstet.

(Hl. Peter Faber, Eintragung vom 25. Dezember 1542 im Memoriale)

Ihr P Bernd Hagenkord SJ

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6 Kommentare zu Christus will in unseren Stall kommen

  1. KRP sagt:

    Danke für den schönen Weihnachtsgruß und ich stimme Ihnen zu : Ja, „wir müssen das neu finden, neu erfinden.“ jeder einzelne Mensch für sich, nicht einfach wiederholen, jeder hat die Aufgabe seine eigene Geschichte mit Gott, mit Jesus zu finden und erkennen. Schönes Weihnachtsfest.

  2. Claudia sagt:

    Auch eine Sicht: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-12/weihnachten-kommerz-schenken/komplettansicht
    Ich wünsche Ihnen, Pater Hagencord, ein schönes Weihnachtsfest und allen Blogern ebenso! Und kommen Sie gut ins Neue Jahr.

  3. veruschka sagt:

    Was am „Familienfest“ in Verbindung mit Weihnachten so schlecht sein soll, versteh‘ ich zwar nicht, aber gut.
    Und ich mag auch das Schwarz-Weiß an Weihnachten und das Geordnete… Besonders weil ich ein überaus großer Chaot bin… so wie das viele junge Menschen heute doch sind… und der 24. dann immer eine Art Ausnahmezustand darstellt.
    Wir haben da zu Hause ein richtiges Ritual… (geht fast nach der Stoppuhr 🙂 ) und mein Vater (ein früherer Ministrant) wird etwa fixteufelswild, wenn ihm da irgendjemand „reinpfuscht“. Ich assistiere ihm heute jedenfalls, wie jedes Jahr am Heilig Abend (im Suchen der Weihnachtsgeschichte aus dem NT (nach Lukas), beim Anschalten des uralten Kassettenrekorders mit der uralten Weihnachtsliederkassette von 198x (wann genau wir die gekauft haben, weiß ich nicht) und im Bereithalten seiner Lesebrille, wenn er dann aus der Bibel vorliest. Singen tun wir auch, aber furchtbar laut und furchtbar schlecht.

    Schöne Weihnachten für Sie, Pater Hagenkord! Und schöne Weihnachten an alle, die das hier lesen und sich schon wie die kleinen Kinder auf heute Abend freuen!

    • veruschka sagt:

      Nur ein kleiner Nachtrag, der alle freuen könnte, die über meinen Kommentar wahrscheinlich den Kopf geschüttelt haben (leider muss ich ja noch sehr viel lernen was das Christsein angeht):
      Bei meinem (gut vorbereiteten) Weihnachtsfest ging ziemlich viel schief (selbst die Musikkassette kann ich jetzt wohl in den Mülleimer werfen).
      Ich versteh‘ das Zitat nach Peter Faber jetzt etwas besser.
      Tut mir leid, dass ich so einen Blödsinn geschrieben habe… Weihnachten kann leider nicht überall auf der Welt so ruhig gefeiert werden wie bei uns.
      Viele Grüße diesbezüglich auch an Herrn Kapner!

  4. Chrisma sagt:

    Lieber Pater Hagenkord, Ihnen eine gesegnete Weihnacht. Mir ging es gestern Nacht in der Christmette so wie es der Heilige Peter Faber beschreibt, unvorbereitet war ich, war unkonzentriert, tausend Gedanken und Bilder liefen in meinem Kopf herum. So haben mich seine Worte, die Sie uns vermittelt haben, ein klein wenig getröstet. Danke möchte ich Ihnen sagen Pater Hagenkord für die Begleitung die ich in diesem Jahr durch Ihre Beiträge erfahren habe. Danke für die vielen literarischen Anregungen, für die spirituellen Inspirationen. Nicht zuletzt auch für Ihre Kommentare zu den TV Übertragungen aus Rom. So bleibt mir Ihnen für 2014 vor allem Gesundheit und viel Kraft für Ihre Arbeit zu wünschen. Und verlieren Sie Ihren Humor nicht…..

  5. Friedrich Kapner sagt:

    Ich möchte allen frohe Weihnachten wünschen. Insbesondere Pater Hagenkords aufopferungsvolle Arbeit auf diesem Blog verdient Lob und Anerkennung.

    Die interesanten und spannenden Diskussionen erlauben Ein-, Aus- und Ansichten.

    Der Umgangston auf diesem Blog hebt sich wohltuend von anderen Blogs ab.

    Dieser Artikel mit des heiligen Peter Fabers Erläuterungen war mir ebenso wie @Chrisma im Gedächtnis geblieben. Ein wunderschöner und gleichsam tröstlicher Gedanke. Eine Anregung, die haften bleibt.

    Interessant fand ich ebenfalls heute die Meldung , Jesus sei laut Präsident Abbas ein „palästinensischer Botschafter“ und Vorbild. Ich fand den Gedanken gar nicht so abwegig, wie er zunächst erscheint.

    Einerseits gehört das Christentum fest zu Palästina. Andererseits wurden gestern in Gaza ein 4 Jähriges Mädchen getötet. Wer denkt da nicht an die Kinder von Bethlehem…

    Laut Shlomo Sand, einem bekannten israelischen Schriftsteller haben vielleicht die palästinensen Bürger rein GENETISCH!!! mehr mit den Juden des Altertums gemeinsam, als 90 % der heutigen Juden, da diese Proselyten aus Südrußland, Nordafrika, Jemen und anderen Regionen sind. Insofern interresanter ein Gedanke des Präsident Abbas. Frohe Weihnachten an alle Freunde auf diesem Blog.

    Beten wir auch für die heute im Iraak getöteten Christen.

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