Darüber sprechen!

Die Publizistin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer erhebt Vorwürfe gegen die Medien bei der Aufklärung des Pädophilen-Skandals im progressiven Milieu. In einer Talkshow zu Missbrauchs-Fällen in katholischen Internaten habe sie 2010 auch auf den Skandal in der Odenwald-Schule hinweisen wollen, doch ihr sei „hart das Wort abgeschnitten“ worden, schreibt Schwarzer am Montag in ihrem Blog. „Es ist gut, dass endlich darüber geredet wird.“

 

Soweit eine Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur von heute. Nichts liegt mir ferner, als mit dem Finger auf irgendjemanden zeigen zu wollen. Dass es Missbrauch auch woanders gegeben hat, macht die Verbrechen in der katholischen Kirche um keinen Deut besser. Aber zum Umgang – und das hat die Kirche lernen müssen – hat immer auch das Wegschauen gehört. Dieses muss genauso beim Namen genannt werden wie die Verbrechen an Kindern selber, schafft es doch das schützende und stützende System für die Missbräuche.

 

Deswegen freut es mich überhaupt nicht, dass es jetzt die Grünen und wohl auch die FDP getroffen hat, was einen dummen Umgang mit der Sexualität von Kindern angeht. Ich wünsche aber allen gesellschaftlichen Gruppen Mut zur Offenheit. Der war in der Kirche auch nicht immer da, das haben wir in den vergangenen Jahren beobachten können. Aber dass nun gesprochen wird und dass Menschen wie Alice Schwarzer den Finger in die Wunde legt, ist ein Schritt zur Besserung. Auch wir Journalisten gehören zu denen, die Dinge nicht wahrhaben wollen. Cohn Bendit kam viel besser weg als jeder Bischof oder Priester. Wie gesagt, das will ich nicht als Aufrechnung verstanden wissen, aber es zeigt, dass es nicht nur Missbrauch, nicht nur Wegschauen, sondern auch eine verbogene Berichterstattung in der Öffentlichkeit gegeben hat und gibt, die auch der Reflexion bedarf.

 

 

 

P.S: Angesichts einiger Kommentare eine Klarstellung: Mit „dumm“ meine ich weder den Missbrauch, noch das Wegsehen oder das Vertuschen. Mit „dummem Umgang“ meine ich das leichtfertige darüber Reden und nicht Erkennen (=dumm) worum es eigentlich geht. Wenn in der Vergangenheit Menschen sexuelle Erfahrungen mit Kindern beschrieben haben, heute aber zugeben, dass das nur Fantasie war, dann ist das unglaublich dumm und dazu vielleicht auch noch gefährlich.

Das Wegsehen und Vertuschen steht auf einem ganz anderen Blatt, vom Missbrauch einmal ganz zu schweigen.

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49 Kommentare zu Darüber sprechen!

  1. Guardianus sagt:

    Ich denke, P.Hagenkord, dass wir hier weniger von einer verbotenen Berichterstattung der Presse reden sollten, sondern – was die Kirche(n) angeht – von einer Verbotenen. Außerdem bin ich der Meinung, dass sich die Kirche nicht auf die gleiche Stufe mit der Welt stellen sollte: beruft Sie sich doch auf Jesus Christus und darauf, dass Sie Ihn und Seine Lehre/Gebote als (absolute) Wahrheit hat erkennen dürfen und wir somit nicht „nur“ von einem Verbrechen sprechen müssen, sondern von einem Bundesbruch. Eine Verharmlosung desselbigen wäre aber m.E. kein Zeugnis dafür, dass sich die Kirche(n) wirklich auf Jesus berufen, bzw. Ihn wirklich und in Wahrheit erkannt hätten. Dass der Stachel dieser Sünde also schwer auf uns liegt und uns zu schaffen macht, das sollte uns wohl nachdenklich machen, dass eben solche Verfehlungen weit mehr sind als ein „dummer Umgang mit der Sexualität von Kindern“, bzw. mit einer fehlgeleiteten Sexualität des Menschen überhaupt….gerade innerhalb der Kirche, innerhalb der getauften und somit sich zu Jesus Christus bekennenden Gemeinschaft. Das ist eben was ganz anderes und mit nichts und niemand zu vergleichen….finde ich.

    • veruschka sagt:

      Vielleicht liegt das auch einfach nur an Ihrem Standpunkt: Sie sind ein Außenstehender.
      Um wen geht es denn hier eigentlich? Eigentlich doch um die Opfer. Vom Standpunkt eines betroffenen Kindes gesehen, ist es wahrscheinlich vollkommen egal, ob der Täter ein Geistlicher war oder ein anderer, ihm Nahestehender… je vertrauter der Erwachsene dem Kind ist, umso schlimmer dürfte sich das auf die Psyche auswirken (also wenn es sich zum Beispiel um die Eltern handelt).

      • Guardianus sagt:

        Ich denke, wir müssen beide sehen: zunächst natürlich das Opfer…nicht weniger aber auch den Täter, sprich: das Menschsein an sich! Ob ich daher „Aussenstehender“ bin oder nicht: ich bin ein auf den Namen Jesu hin getaufter Mensch und somit ist mir getaufter Brudergeist nicht gleichgültig! Wir haben ja letzten Endes (auch) die Verletzung Gottes zu beachten, die wir begehen, wenn wir uns verfehlen.
        Da ist kein Getaufter ein „Aussenstehender“, sondern eben Bundespartner Gottes: in, mit und durch sich selbst und eben auch als Gemeinschaft, weil wir -so Paulus- alle Einer in Jesus Christus sind…als Getaufte. Vielleicht ist dahingehend der Ernst irgendwie verloren gegangen und das dazugehörige Bewusstsein. Weil also die Taufe an Stelle der Beschneidung tritt, ist ein Aussenstehender m.E.“nur“, wer nicht getauft ist.
        Vielleicht sollten wir nicht „nur“ das Sündenbewusstsein ändern, sondern unser Bewusstsein gegenüber Gott überhaupt und da darf uns kein Mensch egal sein: erst recht nicht, wenn es ein Getaufter ist, der sich versündigt hat in einer Weise, die dem ganzen Leib Christi schadet…

      • Dolorus sagt:

        Liebe Veruschka,
        da muss ich Ihnen aber schon widersprechen und dem Guardianus recht geben.
        Leute mit solchen Neigungen und einem krankhaften Drang diese Sünde zu begehen, können schon aus Gleichheitsgründen Mitglieder unserer Kirche sein.
        Am Altar und im öffentlichen Amt der Kirche haben sie m. E. nichts zu suchen, und schon gar nicht sollten sie in unserer Kirche Umgang mit Kindern haben.
        Dafür zu sorgen ist amtlich seelsorgerische Aufgabe der kirchlich Verantwortlichen.
        Auch sollte sich Kirche in Form von Therapieangeboten solchen Menschen widmen.
        Hier würde ich zum Beispiel eine sinnvolle Lebensaufgabe für gefestigte Ordensangehörige sehen wollen.
        Diese sexuelle Fehlentwicklung im Umgang mit Kindern halte ich für das jeweils betroffene Kind in allen Fällen gleich schlimm und ich kann mir vorstellen je perverser die angewandten Praktiken sind, desto stärker wird auch die Psyche des Kindes geschädigt werden.
        Weder Vertreter der Kirche(n) noch Verantwortungsträger in öffentlichen Ämtern sollten also solche schmutzigen Praktiken nicht auch noch verteidigen oder vielleicht gar selbst praktizieren.
        Leben wir eigentlich im normalen Hier und Jetzt oder in Sodom und Gomorra?
        Ich nehme an, dass dieses Bild aus der Hl. Schrift und die Reaktion des Herrn und Gottes den meisten von uns noch bekannt ist.
        Also bitte, immer schön auf dem Teppich der Normalität und des Anstandes bleiben.
        Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Aussagen und meiner aus der Verärgerung heraus geschriebenen Einlassungen nicht zu sehr auf den Schlips getreten bin. Behüt Sie Gott!

  2. Teresa_von_A. sagt:

    Schlimm, schlimmer, am schlimmsten. Das sortieren regelmäßig die, die nichts mit Mißbrauch zu tun haben. Ich denke, P Hagenkords Generation ist ebenso überfallen wie unsereins.Ich habe kirchlichen Mißbrauch erlebt zur Genüge. Weil ich mich dort hauptamtlich aufgehalten habe. Woanders war es nicht besser. In den 70 ern und 60 ern hat Kirche sich an den Zeitgeist gehängt. Man wollte m o d e r n sein, die Leut in die Kirche holen. Und hat mitgemacht.Charismatisch waren sie alle. Der fromme Kaplan war out.Ich kannte Nonnen, die haben ihre Tracht angezogen und sich mit Lippenstift modern gemacht. Die tollsten Auswüchse gab es damals. Nicht nur Kinder waren Freiwild, auch Frauen. „Sei froh, wenn dich überhaupt ein Mann anfaßt.“ Es war ein einziger Brei, gegen den erstmals die Frauenbewegung aufgestanden ist.Kirche hatte damals Angst, ihre Werte entgegenzusetzen. Heute sollte sie das a n d e r s machen.Und eben nicht auf die Zahl der Kirchgänger achten.Und sich nicht anpassen.Ich sage es jetzt als geheiltes Opfer: Herr Pater Hagenkord hat das Recht als Jesuit der jungen Generation sich zu wehren und auf Ungerechtigkeiten in der Bewertung von Kirche und Sonstwem hinzuweisen. Mir hat ein Jesuit aus der MißbrauchMisere geholfen. Da der Pfarrer nicht mein Vermittler zwischen Gott und mir ist, überfordere ich ihn nicht mit…..ihr seid wichtiger. Gott ist wichtiger und Vertrauen ist Vertrauen. Nicht abgestuft. Wird es mißbraucht, ist es s c h .. egal, wer es mißbraucht.Holt mal allesamt Eurer Priesterbild auf den Boden und hört auf, Priester zu Göttern zu machen, deren Sünden schlimmer sind als die des dämlichen Volkes.Sonst wüßt ich nen Spruch. Quod licet Jovi, non licet bovi.

    • Dolorus sagt:

      Zitat:
      Quod licet Jovi, non licet bovi.
      Zwei Übersetzungen(Duden):
      – lateinisch = Was Jupiter erlaubt ist, ist nicht dem Ochsen erlaubt.
      – Bedeutung: Was der Höhergestellte darf, kommt dem niedriger Stehenden nicht zu.

      Liebe Teresa,
      ich kenne Sie hier jetzt schon einige Zeit im Blog und weiß, dass Sie als Diplomtheologin manchmal ziemlich bissig und verbaliniuriert hier Ihre Meinung äußern können.
      Habe Sie aber auch schon von anderer Seite hier im Blog erlebt.
      Kann mir schon auch vorstellen, dass Ihr erlebtes Schicksal Sie ziemlich aggressiv gemacht hat.
      Wenn allerdings der o. a. Spruch im Zusammenhang zum Leitthema von Ihnen ernst gemeint ist, kann ich nur meine Enttäuschung Ihnen gegenüber zum Ausdruck bringen, denn ich meine er ist einer diplomierten Theologin unwürdig und wird Ihrem Bildungs- und Pastoralstand nicht gerecht.
      Vor Gott sind wir nämlich, so lehrt uns die Kirche, alle gleich und deshalb ist das was dem Höhergestellten (Jupiter) recht ist, dem niederer Stehenden (Ochsen) schon längst billig.
      Ich bin mir sicher, Gott als unser vorgesetzter Richter wird das nicht so sehen.
      Und noch eins, nicht nur Sie haben eine gewisse Bildung erworben.
      Zum Schluss noch zwei Sprüche von mir ( bitte nicht böse sein, meine es eigentlich eher scherzhaft):
      1. Unterschied zwischen „kostenlos“ und „umsonst“:
      Bildung ist für die meisten kostenlos, aber für manche umsonst.

      2. Den Satz mit den „Perlen v.. d.. S… geschmissen“ kennen Sie von mir ja schon,
      und ich möchte mich nicht gerne wiederholen.

      Ihnen alles Gute und Gottes Segen.

  3. veruschka sagt:

    Man muss vielleicht auch fragen, weshalb sich eventuell Geistliche besonders zu Kindern hingezogen fühlen könnten. Ich meine, der Artikel von Frau Schwarzer war auch ziemlich direkt… jetzt bin ich’s halt auch.
    Der Geistliche soll im besten Fall ein asexuelles Leben führen: einem Kind etwa vergleichbar (also nicht mal dran denken). Es gibt sicherlich etliche und auch sehr alte Schriften, die Methoden vorgeben, wie man damit am besten umgeht.
    Und dann gibt es zweitens die Mystik und da können ja auch ganz „schöne“ Abarten dabei herauskommen. Also dieses extreme Vergeistigtsein ist in manchen Fällen eventuell das Problem.
    Natürlich müsste man solche Priester kennen (also ich kann das nicht recht einschätzen und zum Glück keine Beispiele anfügen).
    Man kann sich – um noch einmal auf die Mystik zu sprechen zu kommen – auch in Dinge extrem hineinsteigern: Vielleicht strebt ein Geistlicher, der der Mystik besonders zugeneigt ist, auch oft, was die eigen Person betrifft, Perfektionismus an. Und dann macht vielleicht irgendwann einmal der gesunde Menschenverstand auch nicht mehr mit (vor allem, wenn sie nicht in Gemeinschaft mit anderen Geistlichen leben… mit denen sie auch einmal sich verbal austauschen könnten).
    Mich würde etwa sehr interessieren, ob Geistliche, die die meiste Zeit ihres Lebens in Armenvierteln tätig sind (also nicht soviel Zeit vor den Büchern sitzen) überhaupt auf solche Gedanken kommen können.
    Pädophilie hat nicht nur genetische Gründe, oder? Das sagt ja auch Frau Schwarzers Artikel aus.

    • Teresa_von_A. sagt:

      Veruschka und andere…die bis heute nicht informiert sind.In der Odenwaldschule und bei den Grünen damals war es nicht Neigung, sondern Weltanschauung.Mißbrauch plus Alkohol in der Odenwaldschule. Es gab vor der Mißbrauchsdebatte ein Interview mit Daniel Cohn Bendit.Der hatte eine Weltanschauung.Notfalls hielten die alten Griechen her.Die Kirche hat nicht viel anders gedacht.Witzig aber recht typisch finde ich, dass immer nur vom Mißbrauch an Kindern geredet wird. Warum ist wohl die Frauenbewegung entstanden? Muss man ja alles nicht wissen, Stimmt. Freie Liebe hieß das. Vorrecht des Mannes.Odenwald und Grüne hatten keinen Zölibat und Onkel und Brüder und Väter, die ihre Töchter mißbraucht haben damals, auch nicht.Die Mädchen kamen ins Erziehungsheim damals. Das Thema ist sehr viel weiter verzweigt als man heute weiß. In Heimen des Staates gab es auch keinen Zölibat. Informieren Sie sich, bevor Sie hier posten. Das Thema ist allumfassend und damals hatte es andere Gründe als heute.Wenn es heute noch Mißbrauch an Kindern gibt, liegen die Fälle anders.Mißbrauch als Thema gehört auch in die Abteilung Zwangsprostitution. Wer kümmert sich darum?Laßt mal allesamt die Kirche im Dorf. Die waren ein krümeliger Teil des Ganzen.V e r u s c h k a, Ihr Problem ist, dass Sie posten über Dinge, die Sie nicht kennen. Meterlang. Extremes Vergeistigtsein macht keinen Mißbrauch.Was Sie da über Mystik reden ist f a l s c h.Ihre Vorstellungen zum Teil Fantastereien.Schreibtisch gegen Slums. Sie kennen wohl die Missionarsgeschichten nicht. Nun verabschiede ich mich aus diesem Teil des Blogs, bevor mir noch das Essen hochkommt. Guardianus, Ihre abenteuerlichen Ideen vom Getauftsein könnten Sie auch mal überprüfen. Man faßt es nicht, was hier alles verbraten wird.Und immer wieder wird ü b e r…nie m i t. geredet. Man weiß ja nicht, aber redet mal drauflos…wenn man keine Ahnung har, einfach mal den Mund halten.Und: zu jedem mißbrauchten Kind gehören Eltern, die nicht Ansprechpartner waren. Grün, Odenwald, Kirche..Ettal, AKO, Canisius Kolleg und so weiter.Mystisch oder im Slum.Wie wäre denn d a s mal als Thema?

      • Guardianus sagt:

        Liebe Teresa_v_A.: ….das wirkliche Verständnis und Verstehen vom Getauftsein, das sollten wir alle…jeder für sich überprüfen! Vielleicht hätten wir dann dieses und andere Probleme nicht

    • Teresa_von_A. sagt:

      Veruschka, I h r e Vorstellungen von Mystik gehen sehr weit an dem vorbei, was Mystik ist.

    • Dolorus sagt:

      @ veruschka

      1. Auch aus meiner Sicht hat Herr Pater Hagenkord das Recht (nicht aber
      vordringlich als Jesuit) der jungen Generation sich zu erwehren und auf
      Ungerechtigkeiten in der Bewertung von Kirche und sonst wem
      hinzuweisen, aber vor Gott ist er der selbe kleine Winzling, wie ich, Sie und
      auch Frau Teresa.

      2. Nicht jeder Priester ist Mittler zwischen dem Menschen und Gott, vor allem
      dann, wenn er seine Berufung als Beruf betrachtet.

      3. Gott hat Ihnen einen Verstand gegeben und deshalb will er auch, dass Sie
      Ihn gebrauchen.
      Deshalb meine ich auch, wir dürfen uns unser eigenes Priesterbild machen, so
      wie wir es sehen und Tatsachen es belegen könnten.

      4. Auch wenn wir von manchem Hyperintelligenten als dämliches Volk
      betrachtet werden, sind wir vor Gott nicht weniger wert als diese.

      5. Wir würden uns sicher aber nicht unbedacht disqualifizieren.

      6. Bleiben Sie so, wie Sie sind und lassen Sie sich hier im Blog nicht
      einschüchtern.
      Auch wenn Sie nicht über alles in unserer Kirche Bescheid wissen, sind Sie
      als getaufte Christin ein geliebtes Kind Gottes und dürfen so lange fragen und
      nach der Wahrheit suchen, bis andere Löcher im Bauch haben. Auch wenn mal
      was daneben geht, denken Sie daran, Gottliebt Sie so, wie Sie sind.
      Das Schlimmste, was passieren kann ist, dass Pater Hagenkord Ihren
      Blogbeitrag nicht einstellt.

      Gottes Segen und Mut zur Lücke.

  4. Bluebeard sagt:

    Wird die „verbogene Berichterstattung“ nicht soeben fortgeführt?

    Die Pressekonferenz mit Prof. Pfeiffer war am 13. Juli 2011, das Ende des Projektes 01/2013

    Erzbischof Zollitsch gestern:“Beim nächsten Ständigen Rat im Herbst wollten die Bischöfe „einige Angebote prüfen, mit welchen Instituten wir diese Sache machen. ….Wir haben Präventionsmaßnahmen beschlossen, und wir haben uns auch entschlossen, das Ganze aufzuarbeiten. Und es hat sich gelohnt, hier Geduld zu haben, denn wir haben etwas in unserer Gesellschaft geschafft, was keine andere Gruppe in gleicher Weise bisher geschafft hat…“.
    „Zollitsch: Dass der Auftrag für die Studie gegeben wird, das werde ich sicher noch erreichen. Dass wir das Ergebnis haben, das glaube ich nicht, denn das muss ja dann auch intensiv erforscht werden, aufgearbeitet werden.“

    Prof. Walter arbeitet gerade 6 Wochen an der Grünen-Studie.

    Die von klerikalem sexuellen Missbrauch Betroffenen haben diese Geduld nicht mehr – siehe auch die Diskussion im Unheilige-Macht-Blog und die berühmten 100 Fragen…

    Und es besteht ein massiver Unterschied zwischen Wegschauen und Vertuschen.
    Ich kann Guardianus nur zustimmen “dass eben solche Verfehlungen weit mehr sind als ein “dummer Umgang mit der Sexualität von Kindern”: nämlich Verbrechen! Nur wird das per Euphemismen kaschiert.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Kurz zur Ergänzung: „Dummer Umgang“ besteht bei mir im dummen Reden darüber, weder im Vertuschen noch im Wegschauen noch im Missbrauch selber, da gebe ich ihnen Recht, das ist so nicht zu bezeichnen. Habe ich aber auch glaube ich nicht. Wenn es Unklar war, dann möchte ich das hier noch mal Klarstellen: die Verfehlungen, sei es der Missbrauch selbst, das Vertuschen oder Wegsehen ist weit mehr als nur dumm. Dumm ist, wenn man leichtfertig darüber redet und meint, Kinderrechte oder sonstiges zu besprechen, aber damit weit an der Realität vorbei geht.

      • Bluebeard sagt:

        Danke für Ihre Klarstellung, belassen wir es dabei…Und was meinen Sie nun zu der erneuten Verzögerung der seit 2010 versprochenen Aufklärung?

        „Wir können nicht einfach tun, was wir immer getan haben“ – ein guter Vorsatz!

        Bischof Ackermann: „kein Abweichen von der Linie einer Nulltoleranz gegenüber den schändlichen Verbrechen sexueller Gewalt“
        „Die Leitlinien lassen zu viel Spielraum“, meint dagegen die geistliche Leiterin der katholischen Jugendorganisation KSJ, Jutta Lehnert.
        Wo bleibt die angekündigte 3. Änderung der Leitlinien hinsichtlich dieser von Benedikt XVI vorgegebene Nulltoleranz bei sexueller Kindesmisshandlung durch Kleriker ?

        Und noch als Nachsatz: könnte man Ihren Beitrag nicht auch ein wenig als Eingriff in den derzeit gerade mit der Grünen-Kampagne tobenden Wahlkampf verstehen – natürlich wesentlich schwächer als die Aussage von Erzbischof Zollitsch Zitat:er gebe der AfD seinen „Segen“ nicht. Laut Zollitsch nämlich liegt „unsere Zukunft in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.“(focus). PS. Ich bin kein Anhänger beider Parteien!

        • Pater Hagenkord sagt:

          Grundsätzlich bin ich für den Satz „Sorgfalt vor Schnelligkeit“. Wenn die wissenschaftliche Aufarbeitung sich verzögert, weil die Zusammenarbeit nicht geklappt hat, dann ist das tragisch, aber ich hoffe, dass ein zweiter Wurf gelingt. Wir wollen alle wissen, warum die Dinge geschehen sind.
          Jutte Lehnert hat ihre Meinung. Ich finde es aber schwierig, eine Einzelmeinung gegen einen Satz die den von der „Nulltoleranz“ in Stellung zu bringen. Wir werden die „Nulltoleranz“ am konkreten Umgang messen, nicht daran, Frau Lehnert dazu meint. Was die angekündigte 3. Änderung angeht, weiß ich nichts davon, wann ist die angekündigt worden? Bitte sehen Sie mir nach, dass ich nicht alle Details im Kopf habe.

          Wenn Sie den Beitrag als Eingriff in den Wahlkampf sehen, dann fühle ich mich geehrt! Allerdings glaube ich nicht wirklich, dass ich so viel Einfluss mitbringe. Und außerdem bin ich wahlberechtigter Bürger und nehme mein Recht zur Meinungsäußerung wahr, ich spreche ja nicht für jemanden.

          • Bluebeard sagt:

            Sehr geehrter Pater Hagenkord

            Sind Sie nicht mehr Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan?

            Und nennt sich Ihr Blog nicht radiovatikan.de?

            „ich spreche ja nicht für jemanden“ verstehe ich dann nicht ganz. Natürlich will ich Ihnen keine Meinungsäußerung absprechen, wie käme ich dazu.

            exitus acta probat?

          • Pater Hagenkord sagt:

            Schon, aber ich habe kein Mandat, ich mache das als Kommentator. Darf ich keine Meinung zu politischen Parteien haben?

          • Bluebeard sagt:

            (ZDF) Jürgen Erbacher 11. Dezember 2012
            http://blog.zdf.de/papstgefluester/2012/12/11/missbrauch-kommt-null-toleranz-politik/

            „…..Klar sei, dass die Täter auch bei einem positiven Risikogutachten nicht mehr im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt würden. Doch darüber hinaus stelle sich die Frage, ob überhaupt noch eine Arbeit als Seelsorger möglich sei. Sollen auch die deutschen Bischöfe die Null-Toleranz-Politik ihrer US-amerikanischen Kollegen übernehmen? Darüber wird offensichtlich derzeit im Rahmen der Überarbeitung der Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen diskutiert. Denn, so Ackermann, selbst wenn das Risikogutachten keine Bedenken für einen Einsatz sehe, stelle sich noch immer die Frage der Akzeptanz des ehemaligen Täters im neuen Arbeitsumfeld. Wenn diese Akzeptanz fehle, könne ein öffentliches Ärgernis im Sinne des Kirchenrechts vorliegen; d.h. ein weiterer Einsatz wäre trotz anderweitiger wissenschaftlicher Empfehlung nicht möglich. Das hört sich doch sehr danach an, als könnte in den überarbeiteten Richtlinien, die bis zum Sommer 2013 verabschiedet werden sollen, das US-amerikanische Vorbild auch in Deutschland Nachahmung finden..“

          • Pater Hagenkord sagt:

            Ah, das wusste ich nicht. Ich hoffe, dass eine Lösung – wie immer sie auch aussieht – ein Maximum an Sicherheit für Opfer und mögliche Opfer vorsieht. Und auch die Schmach für Opfer vermeidet, den Täter frei sehen zu müssen, oder in Amt und Würden oder so etwas.

          • Bluebeard sagt:

            Nun, m.E. war das nach dem Vorstellen der Leygraf-Studienkurzfassung eine zwecks PR lancierte „Idee“, die danach nirgendwo mehr offiziell auftauchte und völlig vom Bildschirm verschwunden ist.

            „darüber reden“: wie kann eine Sicherheit für schon geschädigte Opfer nach Ihrer Ansicht überhaupt aussehen und wie wäre die über Leitlinienneufassung zu erreichen?

            Eine strikte Laizisierung bzw. defrocking von Priestern als Sicherheit für mögliche Opfer wurde ja in den aller seltensten Fällen überhaupt durchgeführt – und die Rückkehr an Altar und Kinder-/Jugendkontakt war doch bislang bei den von „Wir sind Kirche“ gezählten 1202 Tätern (Bistümer 932, Orden 260) http://www.wir-sind-kirche.de/files/1880_12.2.10.1.Bilanzen%20der%20Bistuemer-H20130204.html
            eher Standard und wurde selbst noch 2012/13 nur durch heftigen Protest (ich erinnere da an Trier und MissBiT) verhindert.

            Die Schmach der Opfer konnte deshalb nur punktuell verhindert werden – deshalb empfinde ich ja, wie in vorhergehenden Beiträgen ausgedrückt, die Selbsterhöhung „..Und es hat sich gelohnt, hier Geduld zu haben, denn wir haben etwas in unserer Gesellschaft geschafft,….“ als bedrückend und beschämend.

            Und wenn Sie tagtäglich den Abusetracker von Bishopaccountability aufsuchen, werden Sie das Problem als ein weiterhin weltweit bestehendes betrübt wahrnehmen müssen (Australien ist gerade mitten in so einem Prozess gelandet)

            Sie kennen schon die katholischen whistleblower in den USA? http://www.catholicwhistleblowers.org/

            Das wäre doch auch einmal für deutsche Klerikale eine Form „darüber zu reden“.

  5. Dolorus sagt:

    Liebe Veruschka,
    bitte nicht traurig sein, wenn Sie hier so abgekanzelt werden.
    Leider hatten Sie wohl nicht das Glück gehabt auf Kosten der Kirche oder einer sonstigen Institution zu studieren.
    Das erreichen meist nur die, die das frechste Mundwerk haben und sich mit Ellenbogen und allen sonstigen Mitteln durchsetzen können.
    Nicht deshalb an Gott und unserem Glauben verzweifeln.
    Kopf hoch, Augen zu und durch.
    Vielleicht ist es sogar Gottes Wille, wenn jemand meint sich aus Jähzorn und wegen einer Lappalie hier aus dem Blog verabschieden zu müssen.
    Einen guten Abend und tief durchatmen.

  6. Angelika Oetken sagt:

    Sehr geehrter Herr Hagenkord,

    als Jesuit leben Sie ja sicherlich zölibatär, deshalb habe ich Verständnis, dass Sie die institutionell geduldete sexualisierte Misshandlung von Kindern in Ihrem Beitrag als „dummen Umgang mit der Sexualität von Kindern“ bezeichnen.

    Wer einmal einvernehmliche und befriedigende sexuelle Handlungen zwischen dafür reifen Menschen selbst erlebt hat und dann dem gegenüberstellt, was beim Missbrauch von Kindern geschieht wird schnell erkennen, dass das eine mit dem anderen so gut wie nichts zu tun hat.

    Ginge es den Tätern „nur“ um Sex oder Zuwendung, dann wäre es für sie ein Leichtes die Dienstleistungen von weiblichen oder männlichen Prostituierten in Anspruch zu nehmen. Oder sich – was etwas aufwändiger ist – einen oder mehrere passende Partner zu suchen.

    Alles vollkommen legal und gesellschaftlich mehr oder weniger akzeptiert.

    Auf jeden Fall nicht kriminell. Oder krank. Das sind nämlich die Eigenschaften, die Missbrauchstäterinnen und -täter haben.

    Laut Gallwitz und Paulus lassen sich Täter in folgende Gruppen einteilen:
    -regressiver Typ: unreif, verdrängend, „Looser“
    -Erlebnistäter-Typ: gewissenlos, impulsiv
    -fixierter Tätertyp: („pädophil“, 5 – 10 Prozent der Täter) süchtig, sozial sehr gut angepaßt
    -soziopathischer Typ: (sehr kleiner Prozentsatz, aber sehr gefährlich) rundum kriminell
    -Inzest-Täter: manipulativ

    Sie werden mir hoffentlich in Folgendem zustimmen: so richtig sympathische Beschreibungen sind das nicht, die Herr Gallwitz und Herr Paulus, zwei hoch angesehen Experten für die Aufklärung von Missbrauchskriminalität da von den Tätern abliefern.

    Ich bin Opfer von Missbrauch im familiären Umfeld, tausche mich mit anderen Opferaktivisten aus und kann nur sagen, dass es vergleichsweise belanglos ist, in welchem Kontext Kinder missbraucht werden. Denn die Bedingungen ähneln sich. Unabhängig von Weltanschauung oder sozialem Rang. Das heißt: ein missbrauchender Priester, eine übergriffige Nonne wird sich von der Persönlichkeitsstruktur nicht groß von einem Missbraucher in einem linken Wohnprojekt, einer übergriffigen Lehrerin an einem humanistischen Internat oder einem seine Enkelkinder missbrauchenden Großvater unterscheiden.

    Was einzig und allein zählt – für die Opfer und für die Verantwortlichen – ist, ob die Verbrecher gestellt werden, die Geschädigten angemessenes Schmerzensgeld erhalten und Anstalten gemacht werden, die missbrauchsfördernden Faktoren zu identifizieren und einzudämmen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

    • Pater Hagenkord sagt:

      Liebe Frau Oetken, ich gebe Ihnen vollkommen Recht, bis auf einen Punkt: ich bezeichne nicht geduldete sexualisierte Misshandlung als „dummen Umgang“. Das habe ich in meinem PS auch noch einmal klar zu stellen versucht. „Dumm“ ist für mich das Sprechen darüber, wie es früher wohl in einigen Parteien vorgekommen ist. Sobald ein Wegschauen oder Vertuschen oder gar der Missbrauch selbst betroffen ist, ist das nicht mehr nur dumm. Dann ist das kriminell oder krank, wie Sie sagen.

  7. Guardianus sagt:

    Richtig ist, über das Thema „Mißbrauch“ und Sexualität, bzw. Mißbrauch der Sexualität gerade von Priestern/ Gott geweihten Menschen zu sprechen. Ebenso wichtig ist es auch, über andere Übergriffe von dieser Seite zu sprechen. Nicht weniger wichtig ist sich aber auch darüber Gedanken zu machen, weshalb wir darüber sprechen müssen: weshalb es so ist, warum Gott geweihte Menschen so handeln? Weshalb die Leidenschaft des Fleisches größer und stärker ist wie die Leidenschaft für den Herrn zu arbeiten, für Den man(n) wie auch Frau sein Leben hingibt. Das wird den Opfern sicherlich nicht helfen, wenn ich mir diese Fragen stelle, bzw. sich die Kirche dieser Frage stellen sollte, da hier ja grundsätzlich „intern“ etwas falsch zu laufen scheint, wenn eben Jesus Christus und dessen Auftrag nicht (mehr) das Leben der Seinigen er-und ausfüllt. Die Wurzel dieses Übels muss also auch hier gesucht werden wie ich meine. Auch das muss zur Sprache kommen.

    • Angelika Oetken sagt:

      „Weshalb die Leidenschaft des Fleisches größer und stärker ist wie die Leidenschaft für den Herrn zu arbeiten, für Den man(n) wie auch Frau sein Leben hingibt.“

      @Guardianus:

      Sexueller Missbrauch hätte nur unter der Voraussetzung etwas mit dem was Sie „Leidenschaft des Fleisches“ nennen zu tun, als dass man sexuelle Kontakte automatisch mit Demütigung, Übergriff und Entwertung eines – schwächeren – Menschen durch einen anderen stärkeren mittels Sex gleichsetzt. Dies ist eine sehr traditionelle Sicht auf Sexualität, die in unser Kulturkreis mittlerweile zu überwinden sucht. Was ich persönlich sehr begrüße.

      Die sexualisierte Misshandlung und Instrumentalisierung eines Kindes oder Jugendlichen hat starke unterschwellig aggressive Aspekte. Machtmissbrauch, Wut, die Freude am Demütigen, Entwerten, Beschmutzen einer anderen, unterlegenen Person spielen eine Rolle.

      Insofern würde ich den Verantwortlichen innerhalb der RKK dringend raten, sich ziemlich schnell Gedanken darüber zu machen, wie es sein konnte, dass Menschen mit solchen Gesinnungen ausgerechnet als Seelsorger eingesetzt und dann auch noch durch die Institution selbst dann nicht gestoppt wurden, als ihre Verbrechen offenbar wurden.

      Ich habe den Eindruck, dass die Öffentlichkeit dieses Auseinanderdriften von Anspruch und Wirklichkeit innerhalb der RKK schon deutlicher wahrgenommen hat als diese selbst.

      Und ich weiß, dass ein einmal beschädigter Leumund nur durch sehr harte Arbeit an sich selbst wieder hergestellt werden kann. Leugnen, Kleinreden, Vertuschen, Ausflüchte… machen alles nur noch schlimmer.

      Es sei denn die Verantwortlichen sind insgeheim stolz darauf, die Öffentlichkeit derart täuschen zu können. Dies entspräche Täterverhalten auf einer anderen Ebene. Es gibt ja das Sprichwort „der Apfel fällt…“.

      Mag sein, dass es Individuen gibt, die so etwas Tugend betrachten. Aber was die katholische Kirche angeht wäre das doch schade für all die Menschen, die sich innerhalb der römisch-katholischen Kirche ehrlich und anständig für andere einsetzen. Die sind es nämlich, die die Folgen tragen. Nicht der Führungskader.

      Das wissen die Menschen in unserem Land ganz genau.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

      • Guardianus sagt:

        Geehrte Frau Oetken, ich finde, dass Sie bei Ihrer Aussage, mich betreffend, eines übersehen: den Glauben, die Berufung und Erwählung zur Nachfolge Jesu…..und somit eigentlich das tiefere Problem, das hier auftaucht. Unsere Kultur, gerade unsere Glaubenskultur schwimmt an der Oberfläche, versucht die faulen bzw. unreife Früchte zu erklären, anstelle nach der Wurzel allen Übels zu suchen.
        Mag die „Lust des Fleisches“ ein allgemeiner Begriff sein, welcher Sie darin einlädt mich zu korrigieren, darin ich jedoch „nur“ das eigentliche Problem anzusprechen suche und dieses Problem eben jenes ist, dass die „Leidenschaft an Gott“ irgendwie- und wo verlorengegangen ist und dieser Verlust keinesfalls „nur“ jener trägt, der eben dessen (krankhaften) Trieb erlegen istund der sich vielleicht daraus entwickelt hat, dass dessen Berufensein ihn nicht mehr befriedet und dieser oder jener u.U. deswegen nach Ersatz für dessen unbefriedete Sehnsüchte sucht und die sich dann eben so oder anders auswirken: nicht selten auch in Alkoholkonsum.
        Die „Leidenschaft des Fliesches“ ist also für mich ein Oberbegegriff um eine Problematik aufzuzeigen, die weniger das Opfer betreffen (ohne dieses vergessen zu wollen!), sondern eben die fehlende/verlorene Leidenschaft, der Berufung und Erwählung Rechnung zu tragen, was auch ein Paulus sieht, der schreibt, dass wir zusehen sollen, dass unsere Berufung und Erwählung auch Bestand hat. Hier ist sicherlich noch viel Arbeit zu leisten, darin der Täter eben zugleich auch Opfer sein kann….durch mangelnde Geborgenheit/Rückhalt seitens der Kirche selbst. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb sich jene betroffene Priester auch als Opfer sehen…worin diese nicht unbedingt Unrecht haben.
        Wie bereits erwähnt: auch darüber sollte gesprochen werden….ohne zu die Wiedergutmachung bei jenen zu vergessen, die letzten Endes das Versagen der Kirche (im Einzelnen wie im Gesamten) zu tragen haben…..und das sollte nicht am Geld scheitern.

        • Angelika Oetken sagt:

          @Guardianus,
          ich empfinde „Pädokriminalität“ als treffendsten Begriff für sexualisierte Übergriffe auf Kinder. Deshalb werde ich ihn im Folgenden auch verwenden.
          Die Annahme, dass pädosexuelles Verhalten gewissermaßen eine Abart von gewöhnlicher Sexualität sei ist genauso verbreitet wie umstritten. Sie ist die Grundlage des üblichen gedanklichen Kurzschlusses, Pädokriminalität unter Priestern und Nonnen sei eine direkte Folge des Gebotes sexuell enthaltsam zu leben. Mich überzeugt das gar nicht. Um ein Kind oder einen Jugendlichen sexuell auszubeuten bedarf es mehr als eines schnöden Triebstaus. Der an sich leicht zu beheben wäre. Und auch immer schon war.

          Der von Ihnen hergestellte Zusammenhang von Pädokriminalität und Suchtverhalten ist übrigens sehr gut beobachtet und entspricht der praktischen Erfahrung von Menschen die mit Opfern und/oder Tätern arbeiten. Es gibt etliche Praktiker, die mutmaßen, dass Täter Suchtmittel konsumieren, weil sie so entweder versuchen, ihre Dissoziationen („Wegtreten“, „blitzlichtartige, übergriffige Impulse“) zu unterdrücken oder weil es ihnen leichter fällt zu missbrauchen, wenn sie berauscht sind. Und sie missbrauchen, weil sie persönlichkeitsgestört sind. Selbst wenn sie einen erwachsenen Sexualpartner finden sollten, würden sie damit nicht aufhören. Etliche Täterinnen und Täter wurden früh negativ geprägt, misshandelt oder missbraucht. Häufig durch die eigene Mutter oder eine andere nahe Bezugsperson.

          Was Ihre Schlussbemerkung: „… und das sollte nicht am Geld scheitern“ angeht: da stimme ich Ihnen ebenfalls voll und ganz zu.
          Ich tausche mich mit Kirchenopfern aus: wir müssen aktuell davon ausgehen, dass der EHS-Hilfefonds für institutionelle Opfer nicht zu Stande kommen wird. Jedenfalls nicht in dieser Legislaturperiode. Inwieweit das auf Bestreben der RKK-Führung zurückgeht, können wir derzeit noch nicht beurteilen. Das jüngste Statement von Herrn Zollitsch ist insofern aufschlussreich, da eindeutig: „Denn wir haben etwas in unserer Gesellschaft geschafft, was keine andere Gruppe in gleicher Weise bisher geschafft hat.“ Quelle: „Deutschlandradio Kultur“, 10.08.2013, Religionen I / Gespräch Erzbischof Zollisch / („Ich bin neugierig auf den Himmel“)

          „Ich bin neugierig auf den Himmel“… tja, wer weiß, ob und wenn ja wo man sich wiedertrifft sag ich da mal…

          Mit freundlichen Grüßen,
          Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  8. Hall Veruschka, bitte lassen Sie sich nicht hier vertreiben. Sie sollen und dürfen Fragen stellen.

    Da jammert man immer, dass „die Jugend“ sich nicht für die Kirche interessiert und wenn es doch mal jemand aus der jungen Generation tut und manches nicht weiß, macht man ihn fertig.

    Leute, die das machen, sind schuld daran, wenn sich bald wirklich niemand mehr zu uns wagt.

    Ich selbst habe Teresas Ausfälligkeiten schon oft am eigenen Leib zu spüren bekommen, aber ich bin entsetzt, dass eine Mutter von zwei erwachsenen kindern so wenig Geduld mit jungen Menschen hat.

    Mir dürfen Sie jederzeit Fragen stellen.

    • KRP sagt:

      Also ich kann nicht heraus lesen das jemand fertig gemacht wird, ich lese nur das Teresa versucht zu erklären das das Bild der Mystik und das Bild vom Missbrauch falsch ist und nichts anderes und das man sich informieren sollte und nicht immer aufs gerade wohl schreiben. Ich verstehe nicht weshalb Sie sich immer wieder angegriffen fühlen oder andere als angegriffen sehen. Es sollten einige hier nicht nur einzelne Sätze oder Wörter lesen sondern im Z u s a m m e n h a n g.

      • Na klar, SIE segeln ja immer in Teresas Kielwasser. Aber auch Andere haben schon festgestellt, dass diese Dame hier meistens wild um sich schlägt.

        Ich war in der Vergangenheit NUR EINES ihrer Opfer und diesmal habe ich mich nicht angegriffen gefühlt weil es nicht um mich ging sondern das rausekeln einer interessierten jungen Frau aus diesem Blog nur weil sich Teresa mal wieder nicht im Griff hatte und keinen funken Einfühlungsvermögen gezeigt hat.

        • KRP sagt:

          Diese Dame hat einen Namen und schlägt sicher nicht mehr um sich als Sie und andere. Ich fahren in niemanden Kielwasser aber Teresa`s Ton ist sicher nicht anders als der von anderen. Und Sie teilen genauso aus auch das haben andere bereits festgestellt.

          • Dolorus sagt:

            Welche Dame und bitte wo?
            Dame ist für mich etwas weibliches und ein Mensch, der auch weibliche Merkmale
            verkörpert und im Umgang mit anderen Menschen (auch hier im Blog) erkennen lässt sowie auch ausstrahlt.
            Tut mir leid, aber solches vermag ich hier oft nicht erkennen.
            Ein Gscheithaferl oder egoistische Besserwisser, ohne eigene Kontrolle, so wie ich es sehe, als Dame zu bezeichnen, würde ich eher nicht unterstützen.
            Ihnen allen einen von Gott gesegneten Sonntag in kirchlich christlicher Besinnung.

      • Guardianus sagt:

        KRP, das mag stimmen…aber der „Ton“ macht eben die „Musik“…und der kam eben unsauber offenkundig an. Das taucht bei mir die Frage auf, inwieweit auch „geistige Gewalt“ und „geistige Übergriffe“….bis hin zu einer Vergewaltigung des Geistes in solche Gespräche einfließen müssten…und welcher Stellenwert auch eine solche Gewaltanwendung: der Mißbrauch des Wortes und insoweit auch der Mißbrauch der Wahrheit, gerade in einschlägigen Kreisen hat….und entsprechend zumindest in Schranken gewiesen wird unabhängig von Personen, welche sich im Wort und Ton vergreifen. Wo also fängt Gewalt und Mißbrauch an? Und wenn wir, die wir uns auf Jesus Christus berufen, schon derart (gelinde gesagt) grob miteinander umgehen, an Stelle von zart fühlend……, was wundern wir uns über den allgemeinen rohen Umgang in der profanen Welt?

      • Dolorus sagt:

        Lieber KRP,
        wenn Sie persönlich die Beiträge in ihrer Gesamtheit gelesen hätten, dann wären Ihnen sicherlich die verbalen Entgleisungen aufgefallen.
        Auch Schönredner, wie ich meine, können eine Gefahr für unsere Kirche sein.
        Mehr Objektivität, vor allem, wenn man der Kirche im Dienst nahe steht, täte hier im Blog sicherlich not.

        • KRP sagt:

          Ich lese die Beiträge in ihrer Gesamtheit, mir fallen auch die Entgleisungen anderer auf und jeder hat hier sich an seiner Nase zu fassen.
          @ Fr. Brückner das war mir klar das Sie so schreiben und ich denke mal sie haben ein persönliches Problem.

        • Bluebeard sagt:

          Ihre Worte haben mich nachdenklich werden lassen. Als ich über Monate den Heilige-Macht-Blog verfolgte, (bei dem ähnliche Probleme wie jetzt hier auch mit zum Abbruch führten) stieß ich auf die Geistigen Übungen von Loyola, die ich leider nur auf Englisch zitieren kann:

          First Rule. The first: All judgment laid aside, we ought to have our mind ready and prompt to obey, in all, the true Spouse of Christ our Lord, which is our holy Mother the Church Hierarchical.

          Thirteenth Rule. To be right in everything, we ought always to hold that the white which I see, is black, if the Hierarchical Church so decides it,

          Nun wurde ja aus den Reihen des „schwarzen Papstes“ Herr Bergoglio SJ zum „weißen Papst“.
          Könnten z.B. diese beiden ignatianischen Regeln nicht zu einer contradictio führen, auch im Bereich des Umganges mit klerikalen sexuellen Verbrechen und dem Reden darüber?
          Man verzeihe bitte meine atheologische Formulierung.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das ist überhaupt nicht atheologisch. Aber die „Regeln zum Fühlen mit der Kirche“, die Sie zitieren, sind nicht einfach aus dem Zusammenhang herausgelöst verständlich. Wenn man sie so einfach und wörtlich verstehen würde, wären sie unmenschlich. Ich denke, dazu sollte ich mal was schreiben.

  9. veruschka sagt:

    Liebe Teresa von A., lieber Guardianus, lieber Dolorus,

    mir ist jetzt jedenfalls eines klar geworden: Ich bin doch froh, dass es keine Priesterinnen in der katholischen Kirche gibt (außer die wären alle so wie Frau Brückner… aber das bezweifle ich).
    Liebe Teresa v. A., Sie werden sich sicherlich freuen, wenn ich Ihnen hiermit feierlich verspreche, diesen Blog nicht mehr zu frequentieren… ich habe einen anderen gefunden der meinem Niveau eher entspricht. Und wenn Sie jetzt wieder eine Antwort hierauf geben sollten, dann lese ich die schon nicht mehr.
    Lieben Gruß an die beiden Herren 🙂 Sie sind schwer in Ordnung! Alles Gute für Sie beide!

  10. Guardianus sagt:

    Dass dieses Thema „sexueller Mißbrauch“ von Schutzempfolhlenen, bzw. Übergriffe auf jene ans Tageslicht gekommen ist, das ist ja kein Verdienst der Kirche(n), sondern -so meine ich- der Mut der Opfer. Und dass hier immer noch seitens so mancher Kleriker geblockt wird, versteht sich wohl darin, die sogenannte „weiße Weste“ der Kirche(n) zu wahren. Und somit wird es immer ein Thema bleiben, wobei das viele Reden darüber den Anschein wohl wahren soll, dass etwas gemacht wird…..obwohl sich eigentlich nichts bewegt. Das ist sicherlich für viele Kleriker unbefriedigend, weil es eben auch diese betrifft: deren Stand beschmutzt ist und diese eben sehr daran interessiert sind, solche „schwarzen Schafe“ aus deren Mitte zu wissen. Und doch zeigt es sich auch hier, dass es wieder einmal mehr „um uns selber geht“……und nicht um Gott selbst, welcher der eigentlich Verlertzte, Betrogene wie auch Verratene ist. Und wieder einmal mehr durch die Seinigen. Darüber sprechen…..werden wir auch noch in ein paar Jahren, weil sich insoweit nicht viel ändern wird, wenn wir die Wurzel dieses Übels nicht beseitigen, bzw. reinigen.

    • Bluebeard sagt:

      Danke, Guardianus

      Als Betroffener von klerikaler sexueller Gewalt in den 60ern stimme ich mit Ihrer Einschätzung der Sachlage voll überein.

      Die jetzige PR-Arbeit per Selbsterhöhung (Zollitsch: Die Kirche in Deutschland habe etwas geschafft, was „keine andere Gruppe in gleicher Weise bisher geschafft hat“) erniedrigt imho die Betroffenen, die weiter warten müssen, auch die Opfer der SJ.

      (~ 8 Mille € für „Leidanerkennung“ und Thera, einige Schulungen und Leitlinien ohne Rechtsanspruch , eine Reihe von gerichtlichen Vergleichen, um Verfahren / Schuldsprüche zu vermeiden und eine tönerne Studie von Leygraff).

  11. KRP sagt:

    Noch was fällt mir auf immer wird über alles und jeden gesprochen nur nicht miteinander. Jeder denkt alle dürfen so drauflos sündigen, über andere Urteile fällen, am meisten über andere nur nicht über sich selber nachzudenken. Solange Menschen auf dieser Erde leben sind sie keine Heiligen oder täusche ich mich da, weshalb sollten dann Pfarrer frei sein von allem menschlichen. Ich möchte damit niemanden entschuldigen. Schuld ist Schuld ob die nun von einem Pfarrer oder von sonst jemanden anderes ist, da sind alle gleich. Es kommt darauf an ob jemand seine Fehler ernstlich erkennt und bereut. Ob es Ernst gemeint ist weiss am Ende nur einer und das ist Gott.

    • Dolorus sagt:

      Lieber KRP,
      ich finde, darüber sollten wir alle noch mal viel gründlicher und Ich-bezogener in gläubiger Objektivität und Selbstkritik nachdenken. Mit Verlaub, Ihre Beiträge haben für mich zuwenig christlichen Tiefgang, auch wenn sie von Kirche und Glauben sprechen.

    • Angelika Oetken sagt:

      @KRP,

      was die RKK angeht (und ähnliche missbrauchsfördernde Strukturen gibt es auch in anderen institutionalisierten Religionsgemeinschaften) gibt es zwei Besonderheiten:
      1). Priester wie Nonnen oder Ordensfrauen befinden sich in einem besonders abhängigen Verhältnis zu ihrem Dienstherren Kirche. Die Gesellschaft erwartet von ihnen eine lebenslange Gefolgschaft und eine besondere moralische Integrität. Das macht es ihnen schwer, das Kirchengefüge zu verlassen. Begeht so eine Nonne oder ein Priester dann auch noch Straftaten, dann können die Vorgesetzten diesen Umstand leicht ausnutzen und den Übeltäter entsprechend instrumentalisieren. Es gibt nämlich keinen abhängigeren und folgsameren Mitarbeiter als einen, bei dem man als Chef eine grobe Verfehlung deckt. Vor allem wenn man dafür Beweise hat. Experten für Kirchenrecht gehen davon aus, dass deshalb so mancher Eintrag bezüglich Missbrauch über Gebühr lange in der Personalakte verblieben ist. Damit „alle“ davon erfahren… könnten. Selbstverständlich erfordert dieses „Personalführungsinstrument“, dass der Mitarbeiter, in diesem Falle der Priester oder die Nonne häufiger ähnliche Verbrechen begeht, bzw. dass es immer genug potentielle Straftäter gibt. Und das schien der Fall gewesen zu sein. Denn häufig zog sich das über viele Jahrzehnte hin. Zum Beispiel am Aloisiuskolleg, wie man im Zinsmeister-Bericht gut nachlesen kann.
      Inwieweit mehr oder minder vorsätzlich gezielt Missbrauchstäter akquiriert wurden kann ich nicht beurteilen.
      2.). Das Opfern an sich wurde in der christlichen Religion durch Kulthandlungen ersetzt. Was ja auch sehr human ist. Aber dafür wurde das „sich-Opfern“ bzw. das „Leid erdulden“ mythisch überhöht. Insofern wird von jemandem, dem etwas Schlimmes widerfährt erwartet, dass er das idealerweise geduldig erträgt und dem Täter verzeiht. Kirchenopfer müssten aber aus den von mir unter 1). beschriebenen Gründen gleich der ganzen Institution „vergeben“. Was ich als einen unrealistischen Anspruch ansehe. Abgesehen davon, dass für die Missbrauchsfolgen die ganze Gesellschaft aufkommt.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

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