Das doppelte Verbrechen

Religion und Gewalt ist wieder Thema, die Brutalität von Paris hat das neu auf die Tagesordnung gesetzt. „Eine doppelte Verurteilung“ hätte der Vatikan, betonte Vize-Pressesprecher des Vatikans Ciro Benedettini vor Journalisten: einerseits für den „schrecklichen Akt der Gewalt“ an sich und andererseits für das Attentat auf die Pressefreiheit, die genauso wichtig sei wie die Religionsfreiheit. Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit auf Augenhöhe, bereits einige Male hat der Vatikan das so gesagt, die beiden Päpste Franziskus und Benedikt vorweg, aber nie war dieser Satz so wichtig wie heute.

Einige Leute meinen nun, das Attentat mit den veröffentlichten Mohamed Karikaturen in Charlie Hebdo in Verbindung bringen zu können. Aber damit hat das nichts zu tun. Die Mörder haben sie Menschen nicht umgebracht, weil Charlie Hebdo Karikaturen veröffentlicht hat. Die Mörder haben Menschen umgebracht, weil sie „niedere Beweggründe“ hatten, wie das Juristendeutsch das eindeutig zuordnet. Die Morde sind nicht zu begründen und schon gar nicht zu rechtfertigen.

Wobei ich bei einer Rede wäre, auf die uns heute der Vatican Insider noch einmal aufmerksam gemacht hat, eine Papstrede über Religion und Gewalt und die Moderne und die Vernunft. Benedikt XVI. hat sie gehalten und sie ist als „Regensburger Rede“ in die Geschichte eingegangen, schnell zerrissen und dann vergessen.

 

Dem Wesen Gottes zuwider

 

Das Argument finde ich aber gerade jetzt bedenkenswert: Zuerst sprach Benedikt davon, dass „Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele“. „Gott hat kein Gefallen am Blut … und nicht vernunftgemäß, nicht „σὺν λόγω” zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider“, zitiert Benedikt XVI. einen byzantinischen, klassisch-griechisch gebildeten oströmischen Kaiser, um dann fortzufahren: „Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann…“.

Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: „Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider,“ eine theologische Aussage.

Benedikt XVI. fährt dann fort, über das in diesen Gedanken sichtbare Fundament zu sprechen, nämlich die in der griechischen Philosophie gegründete Vorstellung von Vernunft. Die Sorge, die er in der Rede zum Ausdruck bringt, ist die, dass die Forderung der Moderne, den Glauben zu „enthellenisieren“, Religion ins Subjektive verlegt. Enthellenisierung, das ist die Vorstellung, man könne zu einem Christentum vor den Griechen zurück, zu einer Urgemeinde ohne gedanklichen Über- oder Unterbau. Aber Benedikt XVI. stellte fest, dass das gar nicht geht, dass die Bibel auf Griechisch verfasst und deswegen die Botschaft Christi immer schon mit den Denk- und Sprachformen seiner Zeit ausgedrückt werde. Nehme man das weg, dann entstehe eben der Subjektivismus.

„Das Subjekt entscheidet mit seinen Erfahrungen, was ihm religiös tragbar erscheint, und das subjektive „Gewissen“ wird zur letztlich einzigen ethischen Instanz. So aber verlieren Ethos und Religion ihre gemeinschaftsbildende Kraft und verfallen der Beliebigkeit. Dieser Zustand ist für die Menschheit gefährlich: Wir sehen es an den uns bedrohenden Pathologien der Religion und der Vernunft.“ Ein Beispiel hat uns Paris vor Augen geführt.

Und dann die heute besonders scharfe Bemerkung: „Was an ethischen Versuchen von den Regeln der Evolution oder von Psychologie und Soziologie her bleibt, reicht einfach nicht aus.“

Das ist weniger ein Diskurs über die Frage von Gewalt und Religion, das ist ein Nachdenken darüber, dass das eine ohne das andere nicht leben kann, weil es sonst subjektivistisch wird. Dass das für die Religion gilt, haben wir in Paris gesehen. Da haben Mörder aus eigenen – ich wiederhole niederen – Beweggründen Menschen getötet. Krankhafte Formen von Religion, die ohne die Einsichten der Vernunft auskommen wollen, ohne Meinungsfreiheit und ohne Religionsfreiheit. Eben ein doppeltes Verbrechen.

Wir trauern um die Toten dieses Verbrechens.

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35 Kommentare zu Das doppelte Verbrechen

  1. S.G. sagt:

    2. Vatikanisches Konzil, Dignitatis Humanae Nr.2:
    Diese Freiheit besteht darin, dass alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang…., so dass in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, nach seinem Gewissen zu handeln.“
    Die Suche nach der religiosen Wahrheit darf weder von den eigenen Interessen abgelenkt und durchkreuzt werden, noch darf sie durch äußere Einflüsse oder Druckmittel manipuliert werden. Die Würde des Menschen verlangt gebieterisch, dass der Mensch in diesem Bereich frei ist: frei, sich selbst und nur kraft seiner Einsicht an die Wahrheit und das, was er dafür hält, zu binden. Die einzige Grenze, die in diesem fundamentalem Freiheitsgesetz gesetzt ist, ist das Recht anderer Menschen.
    Johannes Paul II: „dem Gewissen Gewalt anzutun, ist ein schwerer Schaden, der dem Menschen zugefügt wird. Es ist der schmerzlichste Schlag gegen die Menschenwürde, ja in gewissem Sinne schlimmer als der physische Tod(Gewalt 38).“

  2. Petra sagt:

    Das ist doch alles viel zu kompliziert, „religiöse“ und „vernünftige“ Worte mit Wunschdenken in einem Mixer verquirlt und damit dem subjektiven (woran nichts schlechtes ist, denn es gibt nichts anderes, außer es ist Wissenschaft) Denken entzogen.
    Verdammung oder Erlösung, das ist doch bei allen monotheistischen Religionen die entscheidende Frage, die ins Verderben und zu Verbrechen führt. Geht den Weg, befolgt Gesetze und ihr kommt ins ewige Paradies. Wenn nicht geht ihr an der Heil-strasse vorbei.
    Das Auslagern von Werten und Moral in ein imaginäres, unbekanntes und „höheres“ Wesen befreit einen davon in sich, mit sich, im Spiegel zu reflektieren, was ist gut, was tut mir nicht gut, was tut anderen nicht gut, rein subjektiv und damit nachvollziehbar. Das Kleinsein, das hinknien, das ausliefern an eine undurchschaubare Autorität: DAS ist das Problem. Ich würde niemals niemandem etwas antun und dazu reicht bei mir die Selbstachtung, subjektiv gefühlt und gedacht.
    Überall da wo Dinge verboten, verteufelt, als Sünde verdammt und/ oder verdrängt werden, Gott im Spiel ist, Menschen nicht gleichberechtigt/ gebildet sind, das Paradies versprochen wird, katholisch, islamisch oder was weiss ich, dort ist der Schritt zu diesen Verbrechen, von Irrglauben zu Irrsinn, sehr klein. Im Islam ist alles was Spaß macht verboten/ unterdrückt, deshalb wird man gewalttätig, ist ja ‚logos’. Die RKK war mal genauso und es gibt immer noch ein Restrisiko. Alles was unterdrückt, verdrängt, zum Menschsein gehört, Spaß macht, aber aus irgendwelchen abstrusen Gründen als unmoralisch verteufelt wird, führt früher oder später zu Gewalt, gegen sich oder andere. Das ist Psychologie Grundstudium.
    Und Verletzung religiöser Gefühle: tut mir leid, aber es kümmert auch niemanden, dass meine Gefühle, welcher Art auch immer jeden Tag, auch oft von Kirchen verletzt werden. Jeder hat das (Menschen-)Recht, dass man sich über ihn lustig macht. JEDER. Alles andere wäre Diskriminierung.

    Und:
    Trauern ist zu wenig gesagt: ich verzweifle…

    • Pater Hagenkord sagt:

      Liebe Petra, das ist alles ziemlich schlicht, was sie da schreiben. Von Religion haben sie offenbar nicht sehr viel Ahnung, vom Islam nicht, vom Christentum aber auch nicht viel mehr. Das Argument nach Vernunft und Subjektivität hat sich Benedikt XVI. und haben sich andere ausführlich zum Thema gestellt, man kann das bestreiten aber man sollte schon ein wenig mehr tun als irgendwelche Küchenwerkzeuge zu zitieren.
      Und: zu behaupten, dass über all wo Gott im Spiel ist, zum Beispiel hier auf der Seite, der Schritt zu „diesen Verbrechen“ sehr klein ist, ist obszön.

    • Vom-anderen-Stern sagt:

      Aus dem Herzen leben, ohne die Selbstachtung zu verlieren, dazu sollten Religionen und ihre Vertreter den Weg weisen, alles andere geschieht dann von selbst.

  3. Bürokratius sagt:

    Man wird ein Problem nicht los, indem man die Betrachtung seiner Ursachen zum Tabu erklärt: Wenn nicht sein darf, daß eine Religion ein Problem mit der Gewalt hat, dann liegt es nicht an dieser Religion, wenn in ihrem Namen Gewalt ausgeübt wird. Basta!

    Ich erlaube mir, hier aus einem Beitrag von Christoph Schwennike im Cicero zu zitieren (http://www.cicero.de/weltbuehne/attentat-frankreich-blutspur-im-namen-des-islam/58706):

    Ich kann und will diese Beschwichtigungen nicht mehr hören. Seit anderthalb Jahrzehnten zieht sich eine Blutspur um die Welt. Im Namen keiner einzigen anderen Religion ist seit den Anschlägen auf das World Trade Center derart bestialisch gemordet worden. Nur im Namen des Islam werden diese barbarischen Taten begangen. Zuletzt in Sydney in einem Café, vorher in England, wo zwei Attentäter einen Soldaten auf offener Straße mit einem Schlachtbeil regelrecht zerhackt haben. Die grauenhaften sadistischen Massaker des so genannten Islamischen Staates in Syrien und im Irak, der Terroranschlag auf Busse und die U-Bahn in London: Das alles hat man im Kopf, dazu die Attentäter, die „Allah ist groß!“ rufen, wenn Sie den Finger am Abzug haben. Und gleichzeitig echot der Satz im Kopf: „Terroranschläge haben nichts mit dem Islam zu tun.“ Man faßt es nicht. Man faßt es einfach nicht.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Es braucht etwas mehr Nachdenken als das Lesen des Cicero. Ursache dieser Gewalt ist nicht nur der Islam. Da geht es auch noch um ganz andere Dinge. Armut. Fehlende und vorenthaltene Bildung. Eine unglaublich junge Gesellschaft mit viel innerem Druck. Niemand bezweifelt, dass der Islam ein massives Gewaltproblem hat. Ich bezweifle aber, dass die Ablehnung des Islam irgend ein Problem löst. Wir die Welt durch das Packen von Menschen in Schubladen an irgend einer Stelle besser? Friedlicher? Also: Nachdenken und die Welt differenzierter betrachten, auch wenn es anstrengend ist, ist der Weg vorwärts. NIcht die pauschale Schuldzuweisung.

  4. Bürokratius sagt:

    Verehrter Pater, aber das sind doch immer dieselben Stereotypen: Armut, fehlende Bildung usw. als Ursache des Terrors. Waren die Attentäter des 11.Septembers arm oder hatten sie keinen Zugang zu Bildung? Wohl eher nicht.

    Sie haben natürlich recht, wenn Sie sagen, daß die Ablehnung des Islams das Problem nicht löst. Ihre Stereotypen tun dies aber ebensowenig. Das Kernproblem liegt in der riesigen Zahl der Anhänger des Islams. Hätte der Islam keine 1,3 Mrd Anhänger sondern nur 1300, könnte und müßte man ihn wegen seines Gewaltproblems verbieten. Da das aber nicht geht, haben wir ein Problem und ich befürchte, dieses Problem ist für uns alle existentiell.

    Unsere Politik hat vor diesem Problem längst kapituliert. Das einzige, was den Verantwortlichen einfällt, ist uns und den Mohammedanern immer wieder zu erzählen, daß der Islam eigentlich friedlich ist und die Gewalt nichts mit dem Islam zu tun hat. In der Hoffnung, daß irgendwann einmal aus dem Islam eine wirkliche Religion erwächst, mit der man leben kann.

    Nur, diese Islam-heißt-Frieden-Geschichten glauben weder die Mohammedaner noch eine wachsende Zahl von Europäern.

    Ein alternativer Ansatz wären massive Missionierungsbemühungen unter den Mohammedanern. Aber auch dieser Ansatz ist angesichts des Zustandes der Kirche in Europa völlig unrealistisch.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Nun, mir Stereotypen vorzuwerfen hat schon etwas Witziges. „Den“ Islam gibt es nicht, er ist weder als Religion noch als Gruppe verantwortlich zu machen für den Terror. Natürlich gibt es verschiedene Gründe, nicht immer gelten alle Gründe und der 11. Sept war etwas anderes als jetzt Paris. Um so mehr ein Grund, genau hinzusehen und nicht einfach einen einzigen Grund – bei Ihnen der Islam als solcher – zu nennen.

      • Bürokratius sagt:

        Recep Tayyip Erdogan, ein prominenter Mohammedaner, sieht den Islam nicht so mannigfaltig wie Sie. 2007 äußerte er sich in einem Interview zum Thema moderater Islam wie folgt: „Diese Bezeichnungen sind sehr häßlich, es ist anstößig und eine Beleidigung unserer Religion. Es gibt keinen moderaten oder nicht-moderaten Islam. Islam ist Islam und damit hat es sich.“

        • Pater Hagenkord sagt:

          Ach ja, und auf einmal ist ein Politiker glaubwürdig? Ich dachte, die hätten alle längst kapituliert. Sie müssen sich da schon entscheiden, Sie können sich das nicht einfach so zurecht legen, wie es passt.

          • Bürokratius sagt:

            Ich schrieb: „Unsere Politik“. Bitte lesen einfach mal, was ich schreibe, bevor Sie wild drauflos tippen!

          • Pater Hagenkord sagt:

            Na, da ist aber jemand wütend! Meinen Sie, so will ich mit Ihnen diskutieren? Falsch gedacht.

          • Silvia Brückner sagt:

            P. Hagenkord, das ist aber jetzt ein SEHR schwaches Argument.

            Aus dem Zusammenhang geht klar hervor, dass Bürokratius die Glaubwürdigkeit UNSERER westlichen Politiker angezweifelt hat, und das tun inzwischen sehr viele friedliche Bürger.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Lesen Sie Zeitung? Kennen Sie die Gesetze, welche von der Regierung der Türkei in Sachen Presse und Meinungsfreiheit erlassen wurden oder geplant sind? Und dann können Sie so was schreiben? Sie meinen wirklich, das unsere Politiker ein Glaubwürdigkeitsproblem haben, Herr Erdogan aber nicht? Das kann nicht Ihr Ernst sein.

        • Silvia Brückner sagt:

          P. Hagenkord, Sie wissen genau, was ich gemeint habe. Ganz sicher nicht, dass Erdogan ein glaubwürdiger Politiker ist.

          Sie begeben sich immer weiter auf den Holzweg, wenn Sie standhaft wiederholen, dass die im Namen des Islams begangenen Gewalttaten nichts mit dem Islam zu tun hätten.

          Der Islam ist eben viel mehr als „nur“ eine Religion, er ist ein politisches System, das alle Bereiche des Lebens beherrschen will.

          Im Islam kennt man keine Trennung von Staat und Religion, das religiöse Gesetz der Scharia ist auch das staatliche Gesetz.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das ist mir viel zu generalisierend. Warum funktioniert den an einigen Stellen der Dialog zwischen den Religionen gut? Warum kenne ich fromme Muslime, die Fans von Demokratie und Meinungsfreiheit sind? Das passt doch alles nicht zusammen. Ich sehe keinen Holzweg, ich will nur sicher gehen, dass wir uns in der Analyse nicht den Weg verbauen, wenn wir eine einzige Ursache zulassen.

        • Suarez sagt:

          Bitte verwenden Sie nicht das Wort „Mohammedaner“. Auch Muslim haben das Recht, nicht verballhornt zu werden.

  5. Antonius Theiler geb,1941 sagt:

    Vatikan verurteilt Attentat auf Satirezeitschrift in Paris
    http://de.radiovaticana.va/news/2015/01/07/vatikan_verurteilt_attentat_auf_satirezeitschrift_in_paris/1117241

    “Eine doppelte Verurteilung“, betonte der Vize-Pressesprecher des Vatikans Ciro Benedettini vor Journalisten, käme von Seiten des Vatikans: einerseits für den „schrecklichen Akt der Gewalt“ an sich und andererseits für das Attentat auf die Pressefreiheit, die genauso wichtig sei wie die Religionsfreiheit.
    Nichts könne eine derartige Gewalt gegenüber einem gemeinschaftlichen Gut der Gesellschaft – die Meinungsfreiheit – rechtfertigen.

    Es ist noch kein Wunder, es könnte eins werden.
    Die drei Wörter, die der Theologe scheut, wie der Teufel das Weihwasser, sind geschrieben:

    Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Religionsfreiheit mit der Bedeutung, sie wären ein gemeinschaftliches Gut der Gesellschaft.

    Bei all dem Wahnsinn, der in Paris geschah, wirft Gregorovius der Geschichtsschreiber der Stadt Rom, sein römisches Tagebuch jetzt mit Freuden ins Feuer. Er klagt darin die katholische Kirche des kindisch gewordenen Alters dieses Instituts an, anlässlich des syllabirten Blödsinns der Quanta cura. Dort wurde die Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Religionsfreiheit als ein wichtiges Gut in der Gesellschaft mit Unfehlbarkeit verflucht.

    Welch einen jugendlichen Glanz gibt jetzt dieser Heilige Vater Franziskus seiner Kirche.

    Gregorovius schrieb weiter, dass dieser Gordische Knoten, mit dem sich unsere Kirche selbst fesselte, in unserer Zeit gelöst werden wird.

    Als einer, der unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil austrat, werde ich für diesen Heiligen Vater Franziskus täglich ein Gebet sprechen, möge er Tag und Nacht vom Gewissen geplagt werden, bis er das Gerät in die Hand nimmt, mit der dieser Knoten gelöst werden kann.

    Ich weiß, das ist eine schwere Bedrohung und unser Heimatdichter der „Heiligen Nacht“ Ludwig Thoma, wurde für weniger, nämlich nur wegen einem Gedicht ins Gefängnis gebracht.

    Anhang Quanta cura 1864:

    Diese Sätze sind mit Unfehlbarkeit verworfen; denn das Urteil lautet:
    Alle u. jede der schlechten Meinungen u. Lehren, wie sie in diesem Schreiben erwähnt sind, verwerfen, ächten u. verdammen wir einzeln kraft Unserer Apost. Autorität, u. wollen u. befehlen, dass sie von allen Söhnen der kath. Kirche schlechthin als verworfen, geächtet u. verdammt angesehen werden’.
    Es verwirft (ohne den Grad der theol. Zensur zu nennen u. ohne Nummerierung) 16 Sätze:

    Die beste Ordnung der menschl. Gesellschaft verlange absolute Religions=, Kultus=, Gewissens=, Rede= und Pressefreiheit;
    Frevel gg. die kathol. Religion seien nie zu ahnden, es wäre denn um der öffentl. Ruhe willen (Satz 1 – 3).

    Der Staat sei die Quelle alles Rechtes; vollendete Tatsachen als solche seien in der Politik rechtlich gültig, öffentliche Almosen seien zu untersagen, das Verbot knechtl. Arbeit an gewissen Tagen sei aufzuheben (Satz 4 – 6).

    Jeder Einfluß auf Erziehung u. Unterricht der Jugend sei dem Klerus zu entziehen (Satz 7).

    Die Gesetze der Kirche verpflichten im Gewissen erst durch die staatl. Promulgation (Satz 8) die Erlasse u. Dekrete der röm. Päpste in relig. u. kirchl. Angelegenheiten bedürfen der Bestätigung od. Zustimmung des Staates (Satz 9).

    Der Kirchenbann gg. die geheimen Gesellschaften gilt dort nicht, wo sie vom Staate geduldet sind (Satz 10).

    Der Kirchenbann gg. Usurpatoren geistl. Rechtes u. Eigentums sei auf Erreichung eines rein weltl. Gutes gerichtet (Satz 11).

    Die Kirche dürfe über den Gebrauch zeitl. Güter keine Gewissenspflicht auferlegen (Satz 12), über die Verletzer ihrer Gesetze keine zeitl. Strafe verhängen (Satz 13), das Eigentumsrecht an den Gütern der Kirche, relig. Genossenschaften u. anderer frommer Stiftungen sei dem Staate zuzusprechen (Satz 14).

    Die kirchl. Macht sei nicht nach göttl. Rechte v. der bürgerlichen verschieden u. unabhängig
    (Satz 15).

    Nur dogmat. Bestimmungen über Glaube u. Sitten, nicht aber andere Bestimmungen des Apost. Stuhles verpflichten im Gewissen (Satz 16).

    Auszug aus Michael Buchberger 1912

    Es bleibt mir nur ein Gedicht aus dieser Kirchenspaltzeit um 1870. Antonius Theiler geb.1941, nicht Hermann oder gar Adolf. Dafür bin ich meinen Eltern dankbar.
    Wen’ge, Söhnlein, bleiben nur,
    Als der Ausschuss der Natur,
    Wie der Syllabus uns lehrt,
    Die nicht sind verfluchenswert.
    Siehst du dir die Wen’gen an,
    Sicher, glaub ich, stimmst du dann
    Mit mir in den Hymnus ein:
    Ha, welch Glück verflucht zu sein!

    http://www.payer.de/religionskritik/karikaturen132.htm

  6. Vom-anderen-Stern sagt:

    In diesen von Schreckensmeldungen geplagten Zeiten lohnt es sich, sich die berühmte, dreißig Jahre alte Rede von Richard von Weizsäcker noch einmal in Erinnerung zu rufen oder neu kennenzulernen: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html und hier mit Ton: http://www.youtube.com/watch?v=twOsY-Zag7c

  7. Silvia Brückner sagt:

    Lieber Pater hagenkord, wie bewerten Sie denn den Beitrag in „Christ in der Gegenwart“?:

    http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/artikel_html?wkz=CGWWW11&campaign=KATHDE

    • Pater Hagenkord sagt:

      Schwierig zu sagen. Den Schluss finden ich etwas merkwürdig, aber die Idee der Solidarität, die sich zeigen muss und über die man nicht nur reden darf, ist richtig. Auch halte ich die Meinung zu Pegida und Dschihadismus zu Beginn des Artikels für ausgewogen, auch wenn ich das so nicht teilen würde.

  8. Konstantin sagt:

    Liebe Silvia Brückner, Sie springen von einem zum anderen Blog und übernehmen deren Kommentare. Das finde ich auch Pater Hagenkord gegenüber nich fair. Es idt eben kein Holzweg, sondern der einzig gangbare Weg zwischen de Religionen. Sie sehen den Islam aud reaktionären Sicht. Und Ihr Bild vom Islam ist fest zementiert, so das Sie sehr schwer andere Sichtweisen auf diese Religion zulassen.

    • Silvia Brückner sagt:

      @Konstantin, muss ich das jetzt verstehen? Wenn ja, dann erklären Sie mir mal ganz konkret, was Sie mir eigentlich vorwerfen!

  9. chrisma sagt:

    Liebe Silvia doch noch etwas ausführlicher. Auch mich irritiert die bei Ihnen immer wieder vorkommende Gleichsetzung „der Islam“ mit “Gewalt“. Nein, der Islam ist nicht gewalttätig. Einige Gruppierungen machen ihn dazu. Nein der Islam will die Sharia nicht unbedingt, viele Staaten und ihre diktatorischen Systeme nutzen sie aus um die Menschen zu beherrschen, zu unterdrücken. Islam ist so vielfältig wie der christliche Glaube, in dem es durchaus auch Gruppierungen gibt die vor Gewaltaufrufen nicht zurückschrecken. Es ist noch gar nicht so lange her das wir die These „vom gerechten Krieg“ verbreitet haben und auch noch verbreiten. ich weiß, dass der Islam genauso vielfältig ist wie der christliche Glaube: von den Fundamentalisten der evangelikalen Kirchen bis hin zu na sagen wir mal „Wir sind Kirche.“ Was uns Katholischen anlangt so gibt es auch bei uns Gruppierungen die sich katholisch nennen und sehr fragwürdige Inhalte vertreten( nach meiner Auffassung). Viel habe ich noch nicht über den Islam gelernt, ich fange gerade damit an. Aber die Grundlektion lautet: Sprachlich bedeutet das arabische Wort Jihad „Anstrengung“ oder „Bemühung“. Im Westen wird „Jihad“ in der Regel mit „Heiliger Krieg“ übersetzt, eine Verwendung, die von den Medien popularisiert wurde. Gemäß der islamischen Lehre ist es UNHEILIG, einen Krieg anzustiften oder zu beginnen. Die Muslime die mit uns in den demokratischen Staaten in Europa leben, halten sich an unsere Gesetze und leben mit uns friedlich zusammen.
    Für mich einer der besten Kommentare die ich in den letzten Tagen gelesen habe.
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/kommentar-paris-attentat
    +0#20

  10. @konstantin sagt:

    Die einfach gestrickten Feinbildern und einfach gestrickten Antworten auf komplizierte Fragen unserer Gesellschaft in Europa geht man auf „Rattenfang“. Ja, die „Rattenfänger“ sind wieder unterwegs. Man muss nichts selber nachdenken, dass Denken wird einem abgenommen. Erstaunlich ist, dass da wo Menschen am wenigsten mit Muslime und ihrer Religion in Berührung kommen (z.B. Ostdeutschland) der Widerstand am grössten ist. Eigentlich müsste jeder Bundesbürger die neue Studie der Bertelsmann Stiftung in die Hand gedrückt bekommen. Oder man sollte sich wenigsten den Absatz in dem Zeit Artikel hinter die Ohren schreiben. “ Nichts hassen und verachten diese……

  11. Antonius Theiler geb,1941 sagt:

    Lieber @konstantin, zu dem Ausdruck „Rattenfang“ „Rattenfänger“ eine Studie in die Hand gedrückt. Der Rattenfänger von Hameln müsste den Leuten in die Hand gedrückt werden.

    1. Eine Gemeinde war schmutzig und mit Ratten besiedelt, Gemeinderäte waren faul.
    2. Die Gemeinderäte suchten einen der ihnen das schmutzige Problem abnahm.
    3. Es fand sich ein Rattenfänger, der für die feinen Gemeinderäte die Arbeit machte.
    4. Als er die Ratten weglockte, versperrten die gierigen Reichen ihre Keller.
    5. Die Reichen meinten, er könnte etwas aus den übervollen Lagerkellern stehlen.
    6. Dadurch blieben viele Ratten in der Stadt, weil sie nicht aus den Kellern konnten.
    7. Jetzt wollten diese Reichen aber sonst schmutzigen, den Rattenfänger nicht bezahlen.
    8. Als der betrogene Rattenfänger traurig aus der Stadt ging, folgten ihm die Kinder.
    9. Jetzt verstehen Sie, warum manchmal Kinder nicht bei schmutzigen Eltern bleiben.
    10. Viele Heilige haben sich ihren Eltern widersetzt. Lesen Sie deren Geschichten.

    Verhaltensforschungs-Ergebnis: Ratten sind sozialer als viele Menschen.

  12. @konstantin sagt:

    Selten habe ich so über einen Kommentar gelacht. Und zwar durchaus in einem positiven Sinn. @ Antonius Teiler ich finde Ihren Kommentar nicht nur amüsant, Ihr Hinweis ist spitzfindig und auf eine gewisse Weise auch klug und durchdacht. Ratten sind wirklich besser als ihr Ruf. Aber mir ging es ja um die „Rattenfänger“ Im deutschen Sprachgebrauch steht das Wort „Rattenfänger“ als Synonym für Volksverführer. So wollte ich das auch verstanden haben. Die Volksverführer sind unterwegs und auf Stimmenfang. Ich schlage Ihnen lieber Antonius Teiler daher vor, verteilen wir doch gleich zwei Exemplare, den Rattenfänger von von Hameln und ein Exemplar der Bertelsmann Stiftung. Ich wünschen einen schönen Sonntag. 😉

  13. Antonius Theiler geb,1941 sagt:

    Lieber @Konstantin, so ist das mit der deutschen Sprache. Welches Wort steht für was?
    Allein bei „Volksführer“ stellen sich schon meine Nackenhaare und bei „Führer“ erstarre ich.
    Schauen Sie, wenn Sie bei dem großdeutschen Führer nicht sagten „Heil Hitler“ wurden Sie eingesperrt. Wenn Sie sagten „Heilt Hitler“ wurden Sie auch eingesperrt. Das Leben ist gefährlich!

    • @konstantin sagt:

      Wie recht Sie haben: „Das Leben ist gefährlich“. Aber nur dann, wenn ich m e i n Leben auch lebe. Mein Leben, mit all der Freiheit, die mir geschenkt worden ist JA oder NEIN zu sagen. Mich eben nicht hinter Parolen, Glaubenssätzen, Dogmen u.s.w. „verstecke“. Wenn ich auf jede Frage, gleich eine Antwort habe und dem anderen ein Bibelzitat „unter die Nase reibe“, dass im schlimmsten Fall noch aus dem Zusammenhang gerissen worden ist. Die Kirche in Frankreich lebt in einem laizistischen Staat. Und ich glaube, diese Kirche lebt ihren Glauben anders, als die fette, vollgef… Kirche, finanziell abgesichert in unserem Land. „Gesegnet“ mit all ihren Privilegien (noch). Aber diese Kirche lebt. Sie ist, wie ein Stachel im Fleisch (im positiven Sinn), die mit dieser Kirche nichts anfangen können, wollen und müssen und das alles gesetzlich verankert…………………………………….

  14. Silvia Brückner sagt:

    Hier ein kurzer aber interessanter Artikel auf der hiesigen Website:

    http://de.radiovaticana.va/news/2015/01/11/islamexperte_gewalt_hat_doch_mit_dem_islam_zu_tun/1117822

  15. Guardianus sagt:

    @Augen auf: auch wenn Sie im Glauben sind, Ihre Augen offen zu haben, so heißt das noch lange nicht, dass Ihre Augen sehen…noch weniger erkennen. Auch Blinde haben offene Augen…

  16. Guardianus sagt:

    …noch an @Augen auf: .. heißt es nicht, dass man(n) wie Frau nur mit dem Herzen gut sieht (…und erkennt)? Wenn der Glaube durch die Liebe erst (heils-)wirksam wird, so ist ein Glaube ohne Liebe – wertlos. Auch hier ist wohl ein „doppeltes Verbrechen“ zu erahnen. Wenn Sie Ihre Augen aufmachen: die Augen des Herzens, erkennen Sie vielleicht dieses Verbrechen im doppelten Sinn. 😉

  17. @konstantin sagt:

    Die aktuellsten Nachrichten sagen, dass Islamisten hunderte von Internetseiten im französischen Internet gehackt haben. Frage: Gehöhren die Gewalttaten der Islamisten zum Islam? Noch verkneife ich mir eine eindeutige Antwort. In den letzten Tagen ist zu viel passiert. Ich bin hin und her gerissen.

    • Antonius Theiler geb,1941 sagt:

      Lieber @Konstantin, wenn sich all diese Religionsterroristen verstecken würden, wäre es noch erträglich. Diese Menschen stellen sich oben drauf und sagen dann, dieser Über- oder Unterbau aus Papier ist notwendig, auf den Felsen ja den Kern können wir nicht zurück. Als einfacher Techniker sehe ich das Problem so, die Religionscomputer aller sind abgestürzt. Alle Arbeitsspeicher sind voll, das eigentliche Betriebssystem ging verloren, alle haben gehackt. Die mosaischen, christlichen, mohammedanischen Religionen, alle sind am Ende. Es wird nur noch ausgelegt. Ein Schiff braucht einen Ausleger, dass es nicht kentert. Jetzt sitzen die Religionsführer da und haben nur zwei Knöpfe, den Resetknopf und den Atomknopf. Die Menschen müssten gefragt werden, was wollt ihr denn, Haribo?

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