Der Beginn des Weges

Leseschlüssel zu Evangelii Gaudium, Teil 1

Es ist für ein kirchliches Dokument nicht normal, dass es auch nach einigen Monaten noch Interesse weckt. Anders ist es bei Evangelii Gaudium. Papst Franziskus hatte es als programmatisches Schreiben veröffentlicht, und anders etwa als seine Enzyklika weckt der Text nach wie vor Interesse.

In den vergangenen Wochen war ich unterwegs, vor verschiedenen Gruppen und in unterschiedlichen Formaten Evangelii Gaudium zu erklären, Einkehrtage zu geben, Gruppen zu moderieren und so weiter. Dabei habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, den Text nicht in seinem gesamten Umfang zu analysieren, sondern einen geistlichen Leseschlüssel anzubieten, mit dem man dann selber den Text lesen kann.

Hier möchte ich so etwas wie eine Synthese dieser verschiedenen Veranstaltungen anbieten, nicht der Beiträge der Teilnehmer, aber eine Zusammenschau des Leseschlüssels.

 

Nicht das Vielwissen sättigt die Seele

 

Beginnen will ich einleitend mit einem der geistlichen Prinzipien des Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens. Er warnt davor, sich alles an geistlicher Nahrung aneignen zu wollen, was sich vielleicht anbietet. Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sagt er.

Natürlich hilft es, den gesamten Text zu lesen und sich von ihm anregen zu lassen. Genau das will der Papst ja auch ganz ausdrücklich: „Ich rufe alle auf, großherzig und mutig die Anregungen dieses Dokuments aufzugreifen, ohne Beschränkungen und Ängste.“ (EG 22)

Man muss das Ganze aber nicht auf einmal schlucken. Bei dem stehen bleiben was einen anspricht – positiv oder auch als Widerspruch – hilft beim Verstehen mehr, als das souveräne Umgehen mit dem ganzen Text, bei dem alles irgendwie gleichwertig bleibt.

Der Papst will Reform. Diese Reform darf aber nicht oberflächlich bleiben, immerhin geht es um die „Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute“, wie der Titel des Textes heißt. Es geht um eine missionarische Kirche und das sind wir – mit Verlaub – nicht. Denn was eine verkündende Kirche ist, das entscheiden nicht wir selber, sondern die Menschen, denen wir begegnen. Und den wenigsten Menschen fällt beim Stichwort „katholische Kirche“ gleich Jesus Christus ein. Die meisten denken an Limburg, an Geld, an Streit, an Papst weit weg in Rom und so weiter. Aber eben nicht an das, was uns eigentlich trägt. Also brauchen wir Reform.

 

Meine eigene Reform

 

Darum geht es in meiner geistlichen Lesart des Textes. Es ist interessant, dass Papst Franziskus das so deutlich vorbringen kann. Wenn Benedikt XVI. von Glaubensvermittlung als der wichtigsten Aufgabe der Kirche von heute sprach, haben das die meisten als Ablenkung von den „wirklich wichtigen Themen“ gesehen, von den ewig gleichen, wichtigen aber nicht weiter führenden Themen vor allem der Kirche in Europa.

Franziskus kann das tun, ohne dass ihm das vorgeworfen wird. Diese Chance gilt es zu nutzen.

Abschließen möchte ich den ersten kurzen Teil mit einem Zitat aus Evangelii Gaudium, einem der vier Prinzipien des Papstes, die ich einmal vorsichtig „pastoralphilosophisch“ nennen will. Das erste ist das Prinzip, dass die Zeit mehr wert ist als der Raum. Was auf den ersten Blick vielleicht ein wenig komisch wirkt, liest sich bei Franziskus so:

 

„Dieses Prinzip (des Vorrangs der Zeit) erlaubt uns, langfristig zu arbeiten, ohne davon besessen zu sein, sofortige Ergebnisse zu erzielen. Es hilft uns, schwierige und widrige Situationen mit Geduld zu ertragen oder Änderungen bei unseren Vorhaben hinzunehmen, die uns die Dynamik der Wirklichkeit auferlegt. Es lädt uns ein, die Spannung zwischen Fülle und Beschränkung anzunehmen, indem wir der Zeit die Priorität einräumen. (..) Dem Raum Vorrang geben bedeutet sich vormachen, alles in der Gegenwart gelöst zu haben und alle Räume der Macht und der Selbstbestätigung in Besitz nehmen zu wollen. Damit werden die Prozesse eingefroren. Man beansprucht, sie aufzuhalten. Der Zeit Vorrang zu geben bedeutet sich damit zu befassen, Prozesse in Gang zu setzen anstatt Räume zu besitzen.“ (222-223)

 

Das klingt abstrakt, meint aber zusammen gefasst nichts anderes als den Hinweis auf die Wichtigkeit von Prozessen. Beherrschen wollen – Räume besetzen – lässt Prozesse nicht zu, der Papst will aber genau das: Prozesse. Jetzt sofort alles lösen und verändern zu wollen, wohlmöglich nach vorgefertigtem Rezept, wird dem nicht gerecht. Prozesse dieser Art sind offen. Und nach einigen Wochen erneuter intensiver Beschäftigung mit Evangelii Gaudium bin ich mir ziemlich sicher, dass es ein solcher Prozess ist, den der Papst anzetteln will. Er gibt keine Antworten vor, er beginnt einen Weg.

 

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Glaube und Gerechtigkeit, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott, Zweites Vatikanisches Konzil abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

61 Kommentare zu Der Beginn des Weges

  1. Silvia Brückner sagt:

    Nur dass die Prozesse (der Veränderung, Reform oder was auch immer) in der katholischen Kirche meist länger als ein Menschenleben dauern.

    Ich habe aber nur ein Leben! Die Themen, die den Katholiken in Europa wichtig sind, mögen auf anderen Kontinenten keine Rolle spielen, das heißt aber nicht, dass sie deswegen generell unwichtig sind und ständig auf die lange Bank geschoben werden können, sonst gibt es in Europa bald überhaupt keine praktizierenden Katholiken mehr.

    Die jungen Menschen, und auch die Älteren aus der „Generation Konzil,“ lassen sich nicht mehr vertrösten und wir lassen uns schon gar nicht sagen, dass UNSERE Themen in der Weltkirche keinen Menschen interessieren, sonst interessiert UNS nämlich bald die Weltkirche nicht mehr und wir machen unsere Reformen selbst.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Es ist zugegeben eine etwas böse Frage, aber mir liegt sie auf der Zunge, bitte sehen Sie mir die Direktheit nach und bitte antworten Sie nicht: Wie sieht das mit ihrer eigenen Reform aus? Das ist meiner Meinung nach der Dreh- und Angelpunkt der Veränderungen, die der Papst will. Verkündigung gelingt nicht, wenn man auf die anderen zeigt, auf Strukturen oder Personen, und von denen Änderung verlangt.
      Im Übrigen behauptet niemand, dass in der Weltkirche „ihre“ Themen niemanden interessieren, aber die ganze Welt hat Themen, die auch gehört werden wollen. Das macht „ihre“ Themen nicht unwichtig, die wichtigen Themen werden nur mehr.

      • KRP sagt:

        Ganz Ihrer Meinung Änderungen sollten doch in erster Linie von jedem einzelnen Menschen und vor allem bei mir selber geschehen.

      • Gabriele sagt:

        Was mir immer wieder auffällt, bei allen Diskussionen um die Kirche und mögliche Veränderungen: Wir Menschen gerade hier im satten Westen gehen immer von uns persönlich aus. Wir stellen immer einen Wunschzettel zusammen, was WIR wollen. Wer aber sind wir, nach unserem kath. Glaubensverständnis? Wir sind Glieder des Leibes Christi, die Kirche ist Leib Christi, wir alle gehören zusammen. Aber wir Einzelne sind nicht der Mittelpunkt. Der Mittelpunkt und das Haupt ist Christus Jesus selbst. Wir fragen nicht mehr, was ist IHM für seine Kirche wichtig und wie will ER das durchsetzen, sondern wir schauen nur noch auf uns. Betreiben Nabelschau. Haben wir in letzter Zeit einmal darüber nachgedacht, dass die Beschwernisse unseres Lebens unser Kreuz sind, das Christus uns auferlegt und das wir tragen müssen, im Glauben und Vertrauen, aber auch in direkter Auseinandersetzung mit IHM? Wer wendet sich denn wirklich an Christus als Person, als Sohn Gottes, als Gegenüber? Holt sich im Gespräch mit IHM persönlich Trost, Zuwendung, aber auch ernste Mahnung für seinen Lebenswandel? Der Gedanke von Papst Franziskus mit Zeit und Raum hat sehr viel für sich. Er verweist von unserer Ich-Bezogenheit auch wieder hin auf Christus, der eben für alle Zeit in der Zeit steht,aber unseren innersten Raum, unser Herz und unsere Seele bewohnen möchte.
        Ich kann mich nur ändern, wenn ich Christus wirklich in mein Leben lasse, Ihn in meinem Herzen und meiner Seele empfange und sie bereit mache für Ihn. Dann wird sich mein Leben verändern, in die Freude und die Schönheit des Glaubens und im Glauben, von der auch Franziskus immer wieder spricht. Es kann sich nicht nur verändern, es wird sich verändern. qed an meinem eigenen Leben. Gerade jetzt, in letzter Zeit.

      • Guardianus sagt:

        Sie schreiben:“…Er gibt keine Antwort vor, er beginnt einen Weg.“
        Zugegeben, das stimmt, aber kann Papst Franziskus (wie auch die übrigen Päpste vor ihm!) nicht doch eine Antwort vorgeben: Jesus Christus, das Wort Gottes? Und wenn er einen Weg geht, sollte es dann nicht heißen, dass er den Weg begonnen hat zu gehen, der wiederum Jesus Christus ist, bzw. das Wort Gottes sein soll? Ist „einen Weg gehen“ nicht zu ungenau? Gut, es ist vielleicht eine sehr spitzfindige Frage, aber habenwir nicht durch die „enge Türe zu gehen, die wiederum Jesus Christus ist?…
        Kann – ja, muss die ( röm.) Kirche da nicht konkreter sein…?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Guardianus, ich habe das glaube ich schon mal gepostet: Sie wollen offensichtlich missverstehen. Natürlich ist Jesus Christus der, der unser Weg ist, aber das bedeutet nicht, dass der Rest nur Malen nach Zahlen wäre. Auch Glauben und Christus auf seinem Weg folgen ist ein Weg.

    • chrisma sagt:

      @Liebe Silvia Brückner, mit der Bewegung „Wir sind Kirche“ stimme ich in Vielem nicht überein. Mir fiel aber ein sehr bemerkenswertes Dokument von Norbert Arntz in die Hand, das einiges über die Arbeitsweise, des Kardinal Jorge Maria Bergolio, Papst Franziskus aussagt. Nun sitzt er also im Vatikan inmitten von alten Wölfen, einige dem Himmel sei Dank schon zahnlos und jungen Wölfchen, die ihre Chancen auf Kariere im Rudel schwinden sehen. Die Umkehr zum sameritanischen Pastoral ist die größte Herausforderung für Europa. Ich sehe es derzeit in Deutschland noch nicht. In anderen europäischen Ländern kann ich es nicht beurteilen. Ich denke die größten Möglichkeiten haben die Kirchen/Länder die nicht über so enorme Pfründe verfügen wie die deutsche Kirche. Aber ohne diese Umkehr ist die Erneuerung also „die Reform „ nicht machbar. „Meines Vaters Haus hat viele Wohnungen“: einige davon sind so morsch, dass sie das gesamte Haus zum Einsturz bringen könnten, ausgerechnet die „Bewohner“ dieser „Wohnungen“ blasen nun zum Angriff gegen die „Renovierung“. Aber auch wir, ich zähle mich dazu, die dringend und schnellsten „renovieren“ wollen, müssen aufpassen, dass wir nicht ein paar tragende Wände mit einreißen. Dazwischen bewegt sich unser Papst und er ist ein schlauer Wolf (ich mag Wölfe, deshalb ist das Bild für mich nicht despektierlich.) Alles in allen bin ich zufrieden mit Jorge Maria Bergolio an der Spitze unsere Kirche. Er zeichnet den Weg auf, er bestimmt ihn nicht, er lässt die Diskussion zu, bezieht die Bischöfe, ja seine gesamte Kirche mit ein, das dauert ein wenig länger, ist aber für uns alle besser. Ob ich persönlich bereit bin? kann ich aus vollen Herzen bejahen, seit ich in Lateinamerika eine Kirche kennenlernen durfte, wie ich sie mir gewünscht habe, ich sah auch wie diese Kirche mundtot gemacht werden sollte. Es gelang nicht. Nicht zuletzt wegen Männern wie Jorge Maria Bergolio. Zurück zu EG, ja zuerst habe ich es entgegen der Regel des Heiligen Ignatius in einem „Rutsch“ durchgelesen. Aber nun genieße ich es Häppchenweise und dabei immer wieder festgestellt, das darin auch das Programm, die Reform des Franziskus festgeschrieben ist.
      http://www.wir-sind-kirche.de/files/2102_GR_Arntz_Pastorale_Umkehr.pdf

      • Silvia Brückner sagt:

        Danke chrisma für den interessanten Link, ich habe ihn mir gespeichert. Ich mag Wölfe auch und ich weiß, was wir unserem Papst jetzt schon verdanken, trotzdem treibt mich die Ungeduld.

        Sie und ich, wir sind Kinder des Konzils, und zumindest ich warte schon mein ganzes Leben darauf, dass dieses Konzil endlich umgesetzt wird.

        Ich hoffe, dass sich unser Papst als starker Leitwolf erweist und ich bin ja mit meiner Ungeduld nicht alleine.

        • Guardianus sagt:

          @chrisma,@Silvia Brückner. Ein wenig verwundert es mich, dass Sie Papst Franziskus als „schlauen Wolf“, bzw. mit „Leitwolf“ betiteln: für mich ein herber Nachgeschmack, wenn ich an den „Wolf im Schafspelz“ denke, der die Herde urplötzlich auseinander sprengt und ein Tier nach dem anderen reißt. Da würde mir doch das Bild vom „Leittier“ besser gefallen, welcher dem „Guten Hirten“ als erstes folgt, damit die übrige Herde das auch tut.
          Also auch wenn man Wölfe mag, so sollte man sich doch jener „Bilder“ bedienen, derer sich auch der Herr bedient hat.
          Ich mag Ihren Vorlieben wirklich nicht im Wege stehen, aber gerade die Bezeichnung des „Wolfes“ in diesem sehr sensiblen Thema finde ich persönlich nicht gut. Einen Wolf mag ich z.B. als -wenn auch schwarzes Schaf- nicht!. 😉

          • chrisma sagt:

            @Guardianus nehmen Sie es gelassen, auch der Wolf ist Gottes Geschöpf. Zum Schaf habe ich persönlich wenig Talent, mag der Herr sich auch Hirte nennen. Obwohl schwarze Schafe sind schon was sehr gutes.

  2. S.G. sagt:

    Einen Prozess, eine Entwicklung muss man geduldig abwarten können. Man muss sich dafür Zeit nehmen – in der heutigen Zeit ein Skandalon, da man alles sofort haben muss und will. Angefangen bei den Kindern, die nicht mehr abwarten können, bis es die nächste Mahlzeit gibt, so dass im Kindergottesdienst die Kekse verspeist werden müssen, bzw. das Kind sofort trinken muss, bis hin zu den Erwachsenen, die den Urlaub auf Pump finanzieren, und nicht abwarten können, bis das Geld hierfür zusammengespart ist.
    Die Entwicklung / den Prozess abwarten können bedeutet auch ein Stück Aufgabe der Ichbezogenheit. Man muss sich sozusagen dem Prozess unterwerfen, man hat keine Einflussmöglichkeit („…schwierige und widrige Situationen mit Geduld zu ertragen oder Änderungen bei unseren Vorhaben hinzunehmen, die uns die Dynamik der Wirklichkeit auferlegt….“)
    Heute muss alles beherrschbar, absehbar sein. Wenn man nicht den Überblick hat, hat man keine Macht / keinen Einfluss – das kratzt am EGO!
    Die katholische Kirche kratzt gewaltig am Ego der heutigen Zeit! Die Kirche macht uns Zeitgenossen deutlich, dass der Mensch ein begrenztes, beschränktes Geschöpf ist und das will man nicht mehr wahr haben. Deshalb wehrt sich der Zeitgeist dagegen mit Maßnahmen, die eigentlich nicht in die Hand des Menschen, sondern in die Hand Gottes gehören: Der Mensch will Schöpfer sein – angefangen mit der Bestimmung, was lebenswertes Leben ist (Abtreibung, Euthanasie, Sterbehilfe) und endet damit, das sich der Mensch selbst definieren darf, so wie er sich zu sein wünscht (Genderismus, Schönheitsoperationen). In Zukunft kann man sich sogar Chips einpflanzen lassen, um somit die von Geburt an erworbenen „Schwachstellen“ zu übertünchen.
    Der perfekte, von Gott unabhängig geschaffene Mensch! Der Anfang ist ja schon gemacht: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/implantierte-chips-das-geht-unter-die-haut-a-394217.html
    Wohin wird das wohl führen?
    Lieber ein Tropfen Liebe als ein ganzer Ozean voll Wissen….
    Papst Franziskus missioniert mit Liebe und bringt nicht sofort Reformvorschläge – denn die Liebe trägt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand (1. Kor. 13,7). Die Liebe ist leider nicht machbar und kontrollierbar, deshalb so gefährlich……………….

    • Sehe ich auch so!

      Papst Franziskus trat nach seiner Wahl auf den Balkon und fing doch direkt mit der Reform an, berührte und traf sofort die Herzen der Menschen: Andere Haltung, andere Worte, andere Kleidungsweise, andere Handlungen. Von Tag zu Tag überraschte und überrascht und berührt er mehr und neu. Das ist doch Handeln mitten im Reformprozess.
      Papst Franziskus Auftreten und Worte sind so vielen Nahrung für die Seele, Trost, Halt, Hoffnung. Da bezeugt er mit seiner Person die ärmere Kirche, die barmherzigere und seelsorgerische Kirche, die dezentralere Kirche, da, wo sinnvoll uvm. Dazu die Gremien, die sich konkret der großen Problemthemen annehmen…..das ist doch soviel Reform für 1 Jahr!
      Aber was er auch tut, er bezieht es auf und von Gott, auf und von Jesus, auf und aus dem Evangelium. Da weist er ja immer wieder drauf hin, dass dies die Kirche eben so tief und entscheidend von einer NGO unterscheidet. Also geht es nicht um rein menschliche Zeitvorstellungen.

      Denn was wollen die Leute hören? Jetzt mal zugespitzt: „Papst Franziskus greift durch: Vatikanbank abgeschafft, Kurie auch gleich mit, Zölibat und Ehescheidungsverbot ebenfalls, dann auch noch Tebartz-van-Elst und das rein männliche Priestertum etc.“

      So etwa? Sonst ist er nicht überzeugend?

      Dann wäre er aber ein reiner Machtmensch, würde er so agieren. Wenn er nicht immer wieder auf Gott, auf den Heiligen Geist horchen und warten würde. Und er wäre ersetzbar durch jeden anderen Machtmenschen. Genauso wie dann irgendwann die Kirche und Gott ersetzbar würden, das käme dann als nächstes. Das meine ich jetzt nicht polemisch, denn das habe ich nicht nur einmal in Diskussionen selber erlebt, auch in kirchenfreundlichen. Die einzelnen Kritikpunkte, so berechtigt sie auch sind, sind nur der Einstieg gewesen, wenn nicht ganz klar ist und bleibt, dass der Papst ein Diener Gottes ist.

      • Silvia Brückner sagt:

        Liebe Marianne, soll sich Ihrer Meinung nach der Papst auf anrührende Gesten und starke Worte beschränken und sonst alles beim Alten lassen, damit er ein Diener Gottes ist?

        Und ja, auch in der „Causa Limburg“ ist eine Entscheidung längst fällig. Der papst ist auch dann ein Diener Gottes wenn er Führungsstärke zeigt und sich nicht von Müller und Gänswein manipulieren lässt.

        • Liebe Silvia, ich habe versucht, (s.u.), in der Antwort auf Dandelion zu zeigen, wie Papst Franziskus meiner Beobachtung nach „arbeitet“, unermüdlich und mit großen ersten Ergebnissen, Möglichkeiten und Grund zu Hoffnungen, wie ich meine.

        • KRP sagt:

          Liebe Silvia wenn Papst Franziskus der kluge Leitwolf ist für den Sie Ihn halten dann wird er sich doch mit Sicherheit nicht manipulieren lassen. An sich sind die sich bestimmt in den wichtigsten Grundsatzfragen einig.

          • KRP sagt:

            Wenn er ein Hirte ist für den er eingesetzt wurde dann wird er alles tun um ALLEN seinen Schafen gerecht zu werden.

  3. Rudi sagt:

    Fast täglich, in dem er in Predigten und Ansprachen unsere Schwächen und Fehler aufzeigt, weist uns Papst Franziskus ja schon den Weg der kleinen persönlichen Reförmchen. Zugegeben das ist alles nicht neu und führt mich bei der Frage der Veränderung immer wieder zum simplen „you and I“ von Mutter Theresa.

  4. KRP sagt:

    Auch auf die Gefahr hin jetzt wieder falsch verstanden zu werde aber das muss ich nun schon los werden. Ich denke nicht das sich ein Mensch selber definiert wenn er eine bestimmte Vorstellung hat wie er meint zu sein sondern das es doch eher die menschliche Umwelt ist die Menschen zu dem machen was sie meinen zu sein, „hässlich“ und „schwul“ anders als man denkt das es normal ist. Es ist auch die Umwelt die zu diesen Bildern beiträgt.

    • S.G. sagt:

      Deshalb ist es doch so wichtig auf Gott zu schauen: Ich bin Gottes geliebtes Kind. Wenn ich mir das verinnerlicht habe, kann mir mein Umfeld sagen was es will. Ich bin vor Gott gut, schön und so wie ich bin, gewollt (auch mit meinen Macken und Schwächen). Wenn ich erkannt habe, das ich so von Gott gewollt bin, erkenne ich auch mein Begrenztsein, Beschränktsein an und hadere nicht mit mir selbst und will nicht andauernd nach den Vorstellungen meines Umfeldes agieren, aussehen, usw. Sonst habe ich kein Leben in Fülle, sondern nur ein „hohles“ Leben, wo ich etwas nachjage, was ich eh nie erreichen kann…
      Wenn ich mich nicht so akzeptieren kann, wie ich bin, beleidige ich meinen Schöpfer. Ich will mich über ihn stellen, nach dem Motto :“Sieh´ ich kann aus mir was Besseres machen, als Du es je könntest“…………

      • KRP sagt:

        Das man sich oft nicht so akzeptieren kann wie man ist liegt nicht daran den Schöpfer zu beleidigen sondern ist durch die Umwelt geprägt. wenn die Umwelt anderen einredet schlecht zu sein.

  5. Dandelion sagt:

    Ist folgendes Themenfeld ein wirklich Wichtiges, ein weiterführendes oder nicht. Ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit, der Barmherzigkeit? Braucht es dazu einen Prozess? wie lange noch? Wer muss hier umkehren?
    Mit was ist es vereinbar oder auch nicht, dass Lesben und Schwule in katholischen Einrichtungen, die aus Steuergeldern finanziert werden, nur arbeiten dürfen, wenn sie sich verleugnen.
    Im Februar 2014 hat die Nigerianische Bischofskonferenz die eklatante Verschärfung der strafrechtlichen Verfolgung von Homosexuellen in ihrem Land als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet…..

    • Wenn Menschen (aufgrund der Kirche) leiden, ist es immer wirklich wichtig!

      Zu dem von Ihnen angesprochenen Thema, Dandelion, fallen mir zwei Aussagen von Papst Franziskus ein, die für mich das veränderte Klima zeigen, in dem derzeit jedenfalls schonmal gesprochen wird. Wer bin ich, oder so ähnlich, hat der Papst gesagt, dass ich die Lebensform von Menschen verurteile, als es um das Thema Homosexualität ging. So schafft er, wie sooft, ein Klima der Achtsamkeit und Zugewandtheit statt der Verhärtung und dem Riesengraben – ebenso sagte er sinngemäß, dass es in der Tradition der Kirche auch durchaus Veränderbares gibt. Und er sagt das so sanft, dass es nicht bedrohlich scheint für Bewahrer. Ja, er darf wirklich, wie es auch in Pater Hagenkords Artikel steht, was andere nicht durften und dürften.

      Hiermit zeigt sich Papst Franziskus offen und sanftmütig und nicht als irgendein harter Glaubenshüter und Prinzipienreiter, so klar treu er auch den Grundlagen des Evangeliums bleibt. Aber er schafft Bewegunsgspielräume, einfach durch diese so große Achtsamkeit allen Kindern Gottes gegenüber. Denn auch Jesus wandte die Gebote barmherzig und situativ unterschiedlich an.

      So kann ich mir gut vorstellen, dass dieser ersten Klimaänderung dann weitere Schritte folgen. Z.B. könnte ich mir vorstellen, so, wie es bereits Papst Benedikt feststellte, dass die Kirche nicht zu sehr an ihren Gütern hängen soll und bleibt, sondern an ihrem eigentlichen christlichen „Gut“. Warum also nicht nach und nach und entspannt im Klima einer ärmeren Kirche der größere Rückzug als Arbeitgeber aus den aus Steuergeldern finanzierten Arbeitsfeldern? Könnte ich mir durchaus vorstellen.

      Ebenso denke ich mir, dass genauso wie irgendwann auch die Kirche zugab, dass die Erde eine Kugel ist, auch endlich anerkannt wird, dass Homosexualität eine angeborene sexuelle Orientierung ist. Was das für das Ehesakrament bedeutet, ist dann natürlich sofort die nächste Frage, aber deshalb ist die Beantwortung der ersten trotzdem fällig.
      Das ist jetzt von mir in die Zukunft einfach mal hineingeträumt, schon klar. Aber von solchen Entwicklungen (heute noch „Zugeständnissen“?) sähe ich jetzt auch nicht den Glauben der katholischen Kirche bedroht. Was mir viel wichtiger erscheint, ist, dass in einem entschärfteren Klima, wie es Papst Franziskus durch seine überzeugende mitfühlende Freundlichkeit und Barmherzigkeit zeigt, viel mehr entspanntere und weniger hochgekochte Kreativität der Lösungen denkbar ist, ohne Schöpfungsregeln oder christliche Gebote aufzugeben. Viel entspannter und angstfreier. Und wie das geht? Franziskus macht es so einfach vor: Einfach mit Gott!

      • Zum Beispiel: „Papst Franziskus hat am Samstag eine Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche eingesetzt. Unter den Mitgliedern des neuen Gremiums ist auch ein Missbrauchsopfer aus Irland.(…)“ (Internetseite Radio Vatikan)

      • Peter Lauschus sagt:

        KKK 2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt…..
        Aber warum sollen daraus Konsequenzen für die Ehelehre zu ziehen sein? Ein Choleriker hat diese Veranlagung auch nicht gewählt, müssen dann auch Konsequenzen gezogen werden?

    • KRP sagt:

      Sehr gute Fragen und es braucht Prozesse der Umkehr für jeden einzelnen, in jeder Generation. und es dauert für jeden Menschen sein ganzes Leben. Der Glaube muss, sollte in jeder Generation umgesetzt werden und solange es Wölfe und Schafe weiss oder Schwarz gibt wird es in Jedermanns Leben auch immer eine Umkehrung und Reform geben.

    • chrisma sagt:

      @Dandelion, nein die Haltung der nigerianischen Bischofskonferenz ist und bleibt ein No-Go, ist mit gar nichts zu vereinbaren Da helfen auch die liebevollen Worte von Papst Franziskus die Wortgetreu lauten „wer bin ich, das ich richte“. Darauf zu warten, dass dann irgendwann einmal ganz von alleine auch die Letzten in der katholischen Kirche mitkriegen, dass Homosexualität eine angeborene also von Gott gegebene Prägung ist, ist eindeutig zu langwierig i. d. R. so rund um 300 Jahre. Es kann nicht angehen das die katholische Kirche in Deutschland verdeckte Berufsverbote aufgrund der sexuellen Prägung ausspricht. Das ist schlicht gegen die deutsche Gesetzgebung, die auch die katholische Kirche zu beachten hat. Es sollten möglichst viele Arbeitsgerichtsverfahren gegen die Kirche angestrebt werden um dem endlich ein Ende zu bereiten. Es hat sich sicher in der Wortwahl der deutschen Bischöfe einiges geändert. Aber der Fakt der Diskriminierung bleibt. Da helfen auch blumenreiche Worte nichts. Ihnen zur Kenntnis ein Auszug aus einem Interview mit dem nigerianischen Bischof: Kaigama von Jo: Wir sagen ganz klar: Wir hassen niemanden. Wir respektieren die Homosexuellen als Menschen und wir unterstützen sie, wenn ihre Rechte als Menschen verletzt werden. Die Kirche ist dann da und verteidigt sie. Wir sagen aber auch ganz klar, daß homosexuelle Handlungen widernatürlich sind. Sie widersprechen völlig dem, was wir verteidigen. Mächtige Organisationen, die unsere Regierung erpressen, möchten, daß wir die Homo-Ehe legalisieren. Und wenn sie behaupten, daß es vereinzelte homosexuelle Tendenzen auch in Afrika gebe, dann sagen wir ganz deutlich, daß es sich um Verirrungen handelt. Wir achten die Würde der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. Wir haben dem Westen nicht nachzugeben, nur weil er Geld hat, mit dem er uns unter Druck setzen kann“, so Erzbischof Ignatius Kaigama von Jos. In seinem Schlusssatz spielt er darauf an, dass die EU und auch die UN z.Z. versuchen Hilfsmaßnahmen an die Veränderungen in den Gesetzgebungen (Afrika und Indien) zu koppeln. Das sich diese Länder wehren und es mit einer neuen Form von Kolonialismus vergleichen liegt auf der Hand. Hier wären offene Worte von Rom hilfreich. Es ist und bleibt aber in jeder Hinsicht ein langer Weg. Ihnen viel Mut und Kraft seien Sie versichert es gibt Menschen in unserer Kirche die hinter Ihnen stehen.

  6. Guardianus sagt:

    Die Lebensregel des Franz von Assisi ist es, das Evangelium zu beobachten, d.h. sich intensiv mit dem Wort Gottes zu beschäftigen und es aufzunehmen wie ein „guter Boden“, der das Wort Gottes aufnimmt, es in sich wachsen und reifen lässt und schließlich die Frucht zur rechten Zeit hervorbringt, welche das Wort Gottes hervor bringt. Dieses Wort Gottes gibt uns die Antworten nach denen der Mensch sucht und: Er -das Wort Gottes- ist der Weg.
    Ich bin mir sicher, dass der Mensch durch intensiver Beschäftigung mit der Frohen Botschaft, sich verändern kann und langsam frei wird von jeder Art der Versklavung.
    Da das Wort Gottes zur Freiheit hin befreit: zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes, so darf die Frage erlaubt sein, in wie weit dieser Prozess zugelassen wird ohen dass dieser ausgebremst oder sogar in dessen ersten Anfängen jenes Prozesses verhindert wird, da das Wort Gottes und dessen Wirken sich nicht eingrenzen lässt, als dass es alle Grenzen zu sprengen sucht……
    Ist der Mensch wirklich darauf vorbereitet, was Gott „angezettelt“ hat und der Mensch sich auf das Wort Gottes einlässt? – Das Wort Gottes: Kann es nicht Antworten vorgeben, noch ehe wir die Frage stellen, weil das Wort Gottes keinen Weg beginnt, sondern der Weg ist?
    In der Tat: Viel Wissen sättigt die Seele nicht: sättigt nicht das Herz und den Geist, wohl aber wird es viel Glauben sein in Sein Wort und nicht weniger die Treue in den kleinen Dingen.
    Jeder Papst will irgendwie ein Reformer der Kirche sein, hingegen der Herr die Umkehr des Menschen zum himmlischen Vater „angezettelt“ hat. Zwischen beiden Absichten liegt, so meine ich ein Unterschied: hier geht es um den institutionalisierten Menschen, dort geht es um jedes einzelne Geschöpf, welches der Schöpfer „Menschensohn“ nennt:…….
    Nichts gegen Evangelii Gaudium, aber wenn der Mensch das Evangelium selbst nicht ernst nimmt und umsetzt, wird er die Worte eines Papstes Franziskus auch nicht umzusetzen versuchen, als vielmehr -wie das Evangelium- durch endlose Worte und Diskussionen in Stücke reisen….natürlich den Schein der frömmigkeit wahrend. Oder irre ich mich?

    • KRP sagt:

      Dem stimme ich zu…“wenn der Mensch das Evangelium selbst nicht ernst nimmt und umsetzt, wird er die Worte eines Papstes Franziskus auch nicht umzusetzen versuchen, als vielmehr -wie das Evangelium- durch endlose Worte und Diskussionen in Stücke reisen….natürlich den Schein der Frömmigkeit wahrend“…

  7. Silvia Brückner sagt:

    Wenn was dran ist mit der Meldung, dass der deutsche Zoll eine Postsendung mit Kokain an den Vatikan sichergestellt hat, hilft nur ein hartes Durchgreifen des Papstes, sobald der Sachverhalt aufgeklärt ist, da ist es mit Gesten und Worten nicht mehr getan.

    Ich habe heute schon eine Email bekommen mit der Frage, ob das stimmt, was ich natürlich auch nicht weiß, aber ich habe es schon lägst satt, dass ich mich ständig für irgendwelche Kirchenskandale rechtfertigen muss und dann immer zu hören bekomme „und die wollen anderen Menschen Moral predigen“.

    Ich lebe nach der Lehre der Kirche und habe es wirklich satt, immer angegangen zu werden, wenn irgendwelche Priester oder höhere Geistliche schon wieder was verbrochen haben, ganz egal ob bischöfliche Badewannen, angebliche oder tatsächliche Sexabenteuer, Geldwäsche oder Drogen.

    Deswegen wünsche ich mir vom Papst ein energisches Durchgreifen im Vatikan.

  8. Amadeus sagt:

    Ich bewundere Menschen die Ihren Weg gefunden und unbeirrt gehen, dabei alle Umstände ignorieren, die sie auf ihrem Weg hindern könnten. Solche Menschen sind selten. Unser Papst ist ganz offenkundig so einer. Was ihn auszeichnet ist, dass er diesen Weg nicht schweigend auf sein Ziel hin absolviert, sondern allgemeinverständlich mit Wort und Tat kommentiert. Deswegen wird Evangelii gaudium so nachhaltig aufgenommen. Er traktiert die Menschen nicht mit einem unleidigen Pessismismus, mit Zeitgeistanklagen und der Schlechtigkeit der Welt.

    Der Papst setzt das Thema: „Missionarische Kirche“. Sie, Pater Hagenkorn, monieren, dass die meisten Menschen bei „katholischer Kirche“ an alles Mögliche denken nur nicht an Jesus Christus und sein Evangelium. Wer kann sich darüber wundern?

    Ich kann die Umstände nicht ignorieren. Sie belasten mich und beschweren mich in meinen Glauben. Wie soll ich davon Zeugnis geben? Wir haben eine massive Glaubwürdigkeitskrise und die Verursacher dieser Krise sind nicht die einfachen Gläubigen, die sonntags zur Kirche gehen und werktags versuchen, mit Anstand ihr Lebensziel zu erreichen. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Das hindert an der Verkündigung der Frohbotschaft.

    Wenn es also um Reformen geht, dann geht es im Grunde nur darum, das endlich umzusetzen, was die Masse der Theologen schon lange der Länge und Breite nach vor- und durchgekaut haben und was vom Glaubenssinn des Gottesvolkes bereits bestätigt wird. Sei es die Frage der Sakramentenempfangs der Wiederverheirateten, die Ämterfrage in der Ökumene, der Zölibat für die Weltgeistlichen, der Frauen im Diakonenamt, der Beteiligung der Laien an der Leitung der Kirche, um nur die wichtigsten zu nennen.

    Unsere Führung tut offensichtlich nichts, um die Zustände zu ändern. Für Streitereien wie derzeit zwischen den Kardinälen Kaspar und Müller habe ich überhaupt kein Verständnis ebenso wenig für die Blockaden von Entscheidungen aufgrund einer rückwärtsgewandten um nicht zu sagen reaktionären Haltung. Wir leben im Jahr 2014 und müssen die Zukunft gestalten.

    • Gottes Kirche ist keine rein menschliche Organisation mit einfacher menschlicher Kirchenleitung. Sie ist würdig und Ort des Glaubens, weil Jesus sie eingesetzt hat und selber in ihr lebendig ist und nicht wegen der Menge ihrer Mitglieder. Und obwohl der Papst wie alle gesalbten Priester, Bischöfe und Kardinäle ein Sünder ist und bleibt und viele schlimme Fehler geschehen, hat Jesus ihnen die Macht und seinen Heiligen Geist gegeben als Gesalbte, in seinem Namen zu handeln.
      Nicht wir, ihre Mitglieder, bestimmen, ob sie würdig ist und ob ihre Lehre würdig ist geglaubt zu werden oder nicht und auch nicht die Masse der Theologen. Wenn wir meinen, der Kirche eine Glaubwürdigkeitskrise attestieren zu dürfen, dann übernehmen wir uns meiner Ansicht ganz und gar. Dann fehlt eine Menge Ehrfurcht. Beteiligung der Laien heißt doch nicht: Auf Augenhöhe mit dem Wirken des Heiligen Geistes.
      Und ich bin froh, dass der Vatikan angesichts dieser, nämlich in Wahrheit unserer geltungsbedürftigen Zustände, nicht alle der von uns angemahnten Zustände gehorsamst in unserem Sinne löst, sondern Gegenweltlichkeit beibehält.

      Ein König ohne Land ist zu wenig und wird nicht lange König bleiben. Mit Gottes Reich schaut das ja nun ganz anders aus. Er braucht nicht uns, sondern wir ihn. Die Qualität seiner Kirche macht sich nicht an der Zustimmung der Masse fest, so wünschenswert die auch ist und so wichtig Jesus jedes „Schäflein“ ist.

      Wenn wir unseren gesamtgesellschaftlichen Wertewandel und -verlust, unsere Glaubensferne und -krise der römischen Kirchen“Leitung“ anhängen und meinen, wenn diese nur unsere geltungsbedürftigen Luxusprobleme behebt, ändert sich an unserer Misere auch nur ein Deut, dann, glaube ich, täuschen wir uns sehr.

      • Silvia Brückner sagt:

        Liebe Marianne, Ihrer Definition nach wären dann z.B. auch Priester, die Kinder missbraucht haben oder die in die bisherigen Skandale der Vatikanbank verwickelt waren, immer noch würdig und vom Hl. Geist geleitet, denn „Gesalbte“ bleiben sie ja, die Priesterweihe kann niemand mehr rückgängig machen.

        Genau dieses überhöhte Priesterbild hat in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass die Missbräuche durch Priester überhaupt möglich geworden sind, denn ein Priester konnte ja nichts Falsches tun, den durfte man ja auch nicht anzeigen.

        Priester bis hinauf zum Papst sind normale Menschen, wie der Papst neulich erst von sich selbst sagte. Und menschen werden nicht dadurch würdig, weil sie eine Weihe erhalten haben, sondern sie müssen sich ihrer Weihe würdig erweisen.

        Als getaufte und gefirmte Laien haben wir sehr wohl das Recht, mit unserer Kirchenleitung, die aus Menschen besteht und nicht aus Halbgöttern, auf Augenhöhe zu verkehren.

        Die Kirche besteht aus dem ganzen Volk Gottes, nicht nur aus dem Klerus.

        • chrisma sagt:

          @Ja liebe Silvia, genau auf den Punkt gebracht. Die Überhöhung hat genau zu dem Punkt geführt an dem wir nun sind.

          • Silvia Brückner sagt:

            Liebe chrisma, mir tun auch die Priester leid, die auf einen Sockel gestellt werden und keine normalen Menschen mehr sein dürfen. Dagegen wehrt sich ja auch Papst franziskus, u.a. sagte er kürzlich, dass in jeder Idealisierung Aggression steckt.

      • Gabriele sagt:

        Ich kann Ihnen da nur Recht geben. Genau das ist der Punkt.

      • Amadeus sagt:

        Verehrte Frau O Donnell-Michael,

        ich respektiere die sich aus Ihrer Frömmigkeit ergebenden Ansichten, aber teile sie nicht. Was ist die Kirche? Die Kirche ist das Volk Gottes in seiner Gesamtheit, alle sind gesalbt, allen ist der Heilige Geist verliehen und alle haben – vor jedweder Differenzierung – die gleiche Würde. Diese Kirche hat sich – in ihrer Frühzeit beginnend – eine differenzierte Struktur gegeben und verschiedene Funktionen eingerichtet, damit das Gottesvolk ein solches sein kann. Zu diesem Gottesvolk gehörend nehme ich in Anspruch eine Meinung zu haben und sie zu vertreten. Dazu brauche ich kein kirchliches Recht, welches mir dies gnädigerweise gestattet (vgl. CIC Canon 208 ff, insbesondere 212, § 2 + 3) und Ehrfurcht gebührt allein Gott.
        Nicht wir entscheiden über unsere Glaubwürdigkeit, sondern jene, denen wir die Frohe Botschaft verkünden (sollen) in Wort und Tat. Wer dieses nicht zur Kenntnis nehmen will und daraus entsprechende Konsequenzen ableitet, will Hütten bauen und sich einrichten nach der Devise: Hauptsache ich und mein Gott und so wie es ist.

  9. S.G. sagt:

    In der evangelischen Kirche ist all das verwirklicht, was Amadeus von der KK fordert (Wenn es also um Reformen geht, dann geht es im Grunde nur darum, das endlich umzusetzen, was die Masse der Theologen schon lange der Länge und Breite nach vor- und durchgekaut haben und was vom Glaubenssinn des Gottesvolkes bereits bestätigt wird. Sei es die Frage der Sakramentenempfangs der Wiederverheirateten, die Ämterfrage in der Ökumene, der Zölibat für die Weltgeistlichen, der Frauen im Diakonenamt, der Beteiligung der Laien an der Leitung der Kirche, um nur die wichtigsten zu nennen.
    Unsere Führung tut offensichtlich nichts, um die Zustände zu ändern. Für Streitereien wie derzeit zwischen den Kardinälen Kaspar und Müller habe ich überhaupt kein Verständnis ebenso wenig für die Blockaden von Entscheidungen aufgrund einer rückwärtsgewandten um nicht zu sagen reaktionären Haltung. Wir leben im Jahr 2014 und müssen die Zukunft gestalten).
    Hat die Evangelische Kirche deshalb mehr Gläubige? Ich denke nicht.
    Warum haben Evangelikale solch einen Zulauf?
    Ich denke der Glaube ist dort verankert, wo der Heilige Geist ist. Er weht wo er will… Da kann man menschliche Reformen ausdenken so viel man will – wenn Gott nicht dahinter steht, klappt nichts (Der Mensch denkt, Gott lenkt)

    • Liebe Silvia, andersherum wird aber kein Schuh draus, indem wegen klerikalen Sündern und Verbrechern nun wir nichtklerikalen Sünder und Verbrecher die Urteilskompetenz über die gesamte Kirche an uns reißen. Was dabei herauskommt, zeigt in der Tat die evangelische Kirche! Gottesferne und Glaubenskrise genau wie in der katholischen Kirche.

      Gottesnähe und Glauben hat Jesus uns mit seiner Kirche und seinem Heiligen Geist hinterlassen. Sie außerhalb seiner Kirche zu suchen und sogar zu definieren ist der Weg aus der Kirche und aus dem Glauben!

      Natürlich müssen sich Menschen ihrer Weihe würdig erweisen und wir, das Gottesvolk, hier auch angesichts der Verbrechen von Priestern wach bleiben und sein. Wir sollen auch nicht aus einer devoten Haltung unsere Priester überhöhen.

      Aber wir dürfen auch nicht uns selber überhöhen und die kirchliche von Jesus eingesetzte Hierarchie in einem Rundumschlag angreifen.

      Wenn wir die letztliche Unverfügbarkeit der Kirche und ihre Gegenweltlichkeit ganz durch menschliche Transparenz ersetzen wollen, werden wir vermutlich noch mehr Verbrechen und Sünden erhalten.

      • P.S.: Wo habe ich neulich noch gelesen, dass viele das Böse, den Teufel als Vorkonzils-Konstrukt heute betrachten und aufgeklärt auf die Naivlinge hinunterlächeln, die ihn noch am Werke meinen.
        Dabei: Und wie er am Werke ist. Ich meine, wenn ich Satan wäre, dann hätte ich da so richtig meine Freude dran, wenn das Gottesvolk selbstherrlich die Auflösung seiner Kirche von innen versucht und das TRANSPARENZ und Gerechtigkeit nennt.

        Bei der Beurteilung von menschlichen Sünden und Verbrechen durch uns selbst ALLEINE wird mir Angst und Bange. Wenn wir aber Jesus befragen, finden wir ihn im Evangelium und in seiner von ihm eingesetzten Kirche. Im Gebet und im Gehorsam im Sinne von endlich mal wieder HinHÖREN auf die Botschaften des Heiligen Geistes und mit der Kirche mitarbeiten, nicht im Fordern, Fordern, Fordern.

        jesus wird uns alle, uns Verbrecher und Sünder richten und wir alle werden dabei nicht abseits stehen. Wir bekommen hier keine einzige Institution ohne Sünden und vermutlich auch Verbrechen auf dieser Welt. Aber wir haben eine, in der Jesus dennoch lebendig wirkt und sein Heiliger Geist.

        • Silvia Brückner sagt:

          Liebe Marianne, Sie hängen offenbar einem vorkonziliaren Kirchenbild an, ich dem konziliaren. So werden wir auf keinen gemeinsamen Nenner kommen.

          Ich beanspruche in unserer Kirche meine Würde, die mir als getaufte und gefirmte Christin von Gott selbst verliehen ist, und dazu gehört auch das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Kirche. Das Einfordern dieses Rechtes ist kein Verbrechen, das sich mit Straftaten nach dem Gesetz des Staates auf eine Stufe stellen lässt.

          Und das ständige Heruntermachen der evangelischen Kirche ist, ich sage es mal ganz unhöflich, eine Frechheit und Überheblichkeit sonders gleichen.

      • Silvia Brückner sagt:

        Es ist zu unterscheiden zwischen Sünden und Verbrechen, das tut auch unser Papst.

        Sünder sind wir in der Tat alle, Verbrecher mehrheitlich wohl nicht.

    • Amadeus sagt:

      Werter S.G.,

      auf den Punkt gebracht bedeutet Ihre Äußerung: Wenn ihnen/euch das alles nicht so passt (wie mir), dann werdet /werden sie doch evangelisch. Dazu antworte ich: Wer in seinem Leben einmal katholisch formatiert wurde, wird dies nie mehr los. Ich bin unheilbar katholisch und trotzdem nicht mit allem einverstanden und lasse mich auch nicht hinausdrängen. Im Übrigen ist diese Behauptung gegenüber der evangelischen Kirche eine elende Beleidigung, auch wenn sie gelegentlich von hohen kirchlichen Würdenträgern geäußert wird.
      Ihre weitere Argumentation ist ziemlich schräg. Es geht doch nicht um die Zahl der Gläubigen. Gemäß unserer Bibel ist alles, was sich zwischen zwei oder drei und einhundertvierundvierzigtausend bewegt in Ordnung. Und warum Evangelikale und vor allem die Pfingstkirchler einen solchen Zulauf haben, das will ich gerne sagen: Wenn du genug betest, dann wird es dir gut gehen. Wenn es dir trotzdem nicht gut geht, dann hast du zu wenig gebetet. Oder: Wer von Gott geliebt und sicher gerettet wird, wird mit Wohlstand in diesem Leben belohnt. Oder: Warum soll ich einem armen Menschen Gutes tun, er ist doch offensichtlich von Gott der ewigen Verdammnis bestimmt.
      „Der Geist weht wo er will“, das unterschreibe ich sofort. Deshalb kann ich nicht wie Sie annehmen, dass er sich an einem bestimmten Ort garantiert aufhält. Ganz bestimmt aber nicht dort, wo mit aller Gewalt alle Fenster und Türen von innen verrammelt sind.

      • KRP sagt:

        Das was Sie @Amadeus hier an Fr. O Donell-Michael und S.G. schreiben da kann ich nur zustimmen, Sie haben es auf den Punkt gebracht.

      • Silvia Brückner sagt:

        Genau, Amadeus, der Geist weht, wo er will, sofern man ihn denn lässt und nicht ängstlich alle Kirchenfenster – türen vor ihm verrammelt.

        • Ich hänge keinem vorkonziliaren Menschenbild an, nur das noch zur Anmerkung. Und ich bin absolut gegen Machtmissbrauch wie gegen jeglichen anderen Missbrauch und trete für die freie Meinungsäußerung ein, das mal vorweg.

          Ich bin nur wohl nicht unter den radikal konziliaren, sondern den sehr viel gemäßigteren Katholikinnen, denn ich war lange genug evangelisch um zu wissen, dass all die Forderungen und die erwünschten Hierarchielosigkeiten, wenn sie sich denn umsetzen, nicht zu Jesus und dem Evangelium führen sondern zu vielen SelbstdarstellerInnen und zu Relativismus und schmerzvoller Haltlosigkeit. Darum weiß ich so genau, dass wir Menschen die Kirche definitiv federführend nicht in der Hand haben sollten. Unsere Würde als individuelle Christen und als individuelles Kind Gottes im Gottesvolk haben wir trotzdem. Aber durch Jesus, nicht durch uns. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ja, Gott sei Dank!

          • S.G. sagt:

            Liebe Marianne O Donnell-Michael,
            ich stimme Ihnen voll und ganz zu.
            Auweia, da haben wir ja ganz schön ins Wespennest gestochen. ..
            Bei solch harten Unterstellungen (vorkonziliares Kirchenbild, unhöflich, Frechheit, Überheblichkeit, schräge Argumentation, elendige Beleidigung) darf man nicht empfindlich sein – zumindest es nicht als persönlichen Angriff werten………….
            Ich möchte auch einmal klar stellen, dass ich nichts gegen Protestanten habe (ich habe ein wunderbares Exemplar davon als Ehemann, der christlicher als so mancher „fromme“ Katholik in unserer Gemeinde ist und oft barmherziger gegenüber unseren Kindern ist als ich (Ich bin da eher gerecht, als barmherzig….).
            Ich wollte mit meiner „Reizantwort“ nur ausdrücken, was Marianne O Donnell-Michael sehr schön formuliert: „indem wegen klerikalen Sündern und Verbrechern nun wir nichtklerikalen Sünder und Verbrecher die Urteilskompetenz über die gesamte Kirche an uns reißen“.
            Z.Bsp. das Frauenpriestertum: Ich hatte eine Zeit, da war ich so von Gott erfüllt, dass ich die Männer beneidete, die sich durch das Priestertum Gott ganz hingeben können. Ich fand die KK ungerecht und männerdominierend. Ich überlegte zu konvertieren, zumal mein Mann evangelisch ist… Irgendwann kam mir die Einsicht (Heiliger Geist?), dass wenn Gott es gewollt hätte, dass Frauen Priester werden, dann hätte er sich erst in heutiger Zeit in Europa inkarniert. Da er sich aber vor 2000 Jahren in Jesus von Nazareth inkarniert hat, denke ich mir, dass er sich dabei schon etwas gedacht hat….
            Deshalb, nichts für ungut, ich denke, jeder kann frei entscheiden, in welcher Denomination er die Verbindung zu Gott stärken kann. Ich habe für mich entschieden, katholisch zu bleiben, weil mir die Eucharistie und das Bußsakrament Kraft geben und ich mein Ehrenamt als Hospizhelfer nicht meistern könnte ohne diese Gnadengaben („Werdet zu dem, was ihr empfangt“).

        • Guardianus sagt:

          Da stimme ich Ihnen zu. Dennoch sind die Türen, bzw. Fenster nicht so verschlossen, wie es den Anschein hat an manchen Orten: bekannter Weise ist das ja kein Hindernis.VVielmehr, so denke ich, hat der Geist Gottes so zu wehen und zu wirken, wie es den Vorstellungen und der Menschen und Traditionen entspricht. Die Frage stellt sich, ob mit dieser Ein-und Vorstellung Reform/ Erneuerung geschehen kann?!
          Wenn “ nur“ das “ gegessen wird, was der Bauer kennt“, dann wird die “ Küche“ langweilig und uninteressant….., wird das wahre Manna nicht gefunden, bzw. Nicht erkannt und somit auch nicht gegessen. Die Einrichtung und das Besteck zu erneuern, führt nicht zwangsläufig zu neuen Gerichten….

        • chrisma sagt:

          @Amadeus sie haben in den letzten Tagen einige Beiträge eingestellt, die meinen Vorstellungen sehr nahe kommen. Als mündige Christen sind wir mitverantwortlich für die Gestaltung unserer Kirche. So einfach ist das…liebe Marianne O Donnel-Michael

  10. chrisma sagt:

    @ S.G. Bei solch harten Unterstellungen (vorkonziliares Kirchenbild, unhöflich, Frechheit, Überheblichkeit, schräge Argumentation, elendige Beleidigung) darf man nicht empfindlich sein – zumindest es nicht als persönlichen Angriff werten
    Ich beziehe mich auf diesen Text, es ist keine harte Unterstellung jemanden darauf hinzuweisen, das er möglicherweise einen vorkonziliarem Kirchenbild anhängt. Alles andere was dann schreiben finde ich im Blog nicht, jedenfalls nicht in dieser Deutlichkeit.: Nein in ein Wespennest sind Sie nicht gestoßen, da ich und die anderen Bloger Menschen sind. Viele mündige Christen sind darunter und Sie dürfen sicher sein, dass ich fest zu meinem Glauben stehe. Ihnen für Ihre Arbeit alles Gute und wenn Sie aus Ihrem Glaubensbild die nötige Kraft dazu bekommen so ist es eine gute Glaubensvorstellung.

  11. chrisma sagt:

    @ S.G. Ich habe ja schon einige seltsame Vorstellungen zum Thema Frauen Ordinariat gelesen, aber das wenn Gott dies gewollt hätte, er sich erst im 21. Jahrhundert ?inkarniert? hätte, ist mehr als gewagt….Das sollten Sie mir bei anderer Gelegenheit mal näher erklären. Vielleicht als Frau???

  12. chrisma sagt:

    @Marianne O Donnel-Michael, nun habe ich mir mal die Mühe gemacht all Ihre Beiträge in diesem Blog zu lesen aber das ist ein ziemliches Durcheinander von durchaus katholischen Vorstellungen und eine seltsame Mischung die ich mal als Religionilinili bezeichne, mag ja sein das Ihnen Vatikanum II fremd geblieben, aber es ist zu Ende geführt durch Paul VI und hat vieles verbindlich in unserer Kirche verändert. Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil erfolgte eine positive Neuausrichtung. Das Konzil hat sich von der alten Teilung der Kirche in Klerus und Laien verabschiedet und die biblische Volk-Gottes-Theologie wieder entdeckt. Vor aller Unterscheidung der Dienste und Ämter wird die gleiche Würde aller Getauften hervorgehoben. Alle sind, wie das Konzil sagt, „vom Herrn selbst durch Taufe und Firmung“ (Lumen Gentium Nr. 33) zum Aufbau von Kirche und Welt berufen. Es gibt ein gemeinsames Priestertum aller Gläubigen. Laien werden seitdem nicht mehr als passive und zu versorgende Glieder der Kirche angesehen. Alle Getauften sind Träger der kirchlichen Sendung. Ob dies Ihnen nun passt oder nicht ok? So, wenn ich mir was wünschen darf; etwas weniger plakativ, das wäre nett. Ihre Gedanken zur evangelischen Kirche finde ich despektierlich, sie mögen sich aus Konvertierung ergeben, sind aber einem ökumenischen Verständnis nicht sehr zuträglich.
    Schlussendlich noch ein schöner Satz den Pater Hagenkord weiter oben geschrieben hat „Natürlich ist Jesus Christus der, der unser Weg ist, aber das bedeutet nicht, dass der Rest nur Malen nach Zahlen wäre. Auch Glauben und Christus auf seinem Weg folgen ist ein Weg.“ Keiner von uns gläubigen katholischen Menschen hat „den Weg“ in der Tasche, wir müssen ihnen wieder und wieder suchen und finden. Wie @Silvia Brückner es Ihnen schon geschrieben hat: der Geist kann nur wehen wenn wir die Fenster und Türen öffnen.

    • @Chrisma: Wie bissig, von oben herab belehrend und meine Beiträge im Rundumschlag abwertend!

      Gott sei Dank ist die katholische Kirche doch so viel mehr.

      Aber ich habe schon eine Menge von Ihnen gelesen, was ich hoch interessant fand. Darum warte ich einfach auf bessere Zeiten zum Weiterdiskutieren, wenn es um das Wohl unserer Kirche geht.

      • chrisma sagt:

        @Marianne O Donnell Michael, ich denke Sie haben aber die für Sie scheinbar so interessanten Beiträge nicht so recht verstanden. Sie entstehen aus einem Kirchenbild, das Sie offensichtlich doch völlig anders sehen. Ich möchte noch zwei Dinge herausheben:
        @Silvia Brückner schreibt vom „Vorkonziliaren Kirchenbild“ das Ihnen zu eigenen ist, das sehr ich auch so. Sie machen daraus aber „Vorkonziliares Menschenbild“ Das sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge. Unser Menschenbild hat sich durch das Konzil nicht geändert, wir sind immer noch nach Gottes Ebenbild geschaffen, er gab uns „Gut und Böse“ und die Freiheit uns immer wieder neu zu entscheiden, jeden Tag jede Stunde unseres Lebens. Und wie @Amadeus Ihnen schreibt „ (vgl. CIC Canon 208 ff, insbesondere 212, § 2 + 3) und Ehrfurcht gebührt allein Gott.“ Die Ehrfurcht gebührt Gott allein, das möchte ich nochmal hervorheben! Darauf gehen Sie dann aber nicht mehr ein. Dass alles kann ich noch stehen lassen, auch Ihre doch sehr ausführlichen Tiraden, dann aber kommt es doch ziemlich „Dicke“:
        Zitat: „P.S.: Wo habe ich neulich noch gelesen, dass viele das Böse, den Teufel als Vorkonzils-Konstrukt heute betrachten und aufgeklärt auf die Naivlinge hinunterlächeln, die ihn noch am Werke meinen.
        Dabei: Und wie er am Werke ist. Ich meine, wenn ich Satan wäre, dann hätte ich da so richtig meine Freude dran, wenn das Gottesvolk selbstherrlich die Auflösung seiner Kirche von innen versucht und das TRANSPARENZ und Gerechtigkeit nennt.“Zitat ende.
        Der erste Teil ist eine „ bewusste Verdrehung/Verfälschung, da würde ich von Ihnen gern hören wo Sie dies gelesen haben. Dann aber kommen Ihre eigenen Gedanken: Menschen, katholische Menschen, getauft wie Sie, fest und liebevoll verankert in Ihrem Glauben wie auch Sie, Kinder der Mutter Kirche wie Sie, lösen die Kirche von innen „selbstherrlich „ auf !!! und zwar durch „Transparenz und Gerechtigkeit“, das sind keine BÄH-Worte, sie stehen für eine freie und offene Kirche, in der aus der „DROH-Botschaft wieder eine FROH-Botschaft wird. Die Gedanken denen Sie hier folgen kommen aus einer sehr verstaubten und vermoderten Ecke in Gottes wunderbarem Haus. So könnte ich noch einige Beispiele herausgreifen, aber erst mal nur so weit. Ich habe mir vorgenommen Ihre Beiträge aufmerksamer zu lesen, nicht nur zu überfliegen…..

        • @Chrisma. Bevor ich mich jetzt mal nach dieser für mich sehr berührenden Diskussion in die Gebetsmeditation darüber begebe, damit ich nicht zuviel nur von mir ausgehe und meine Meinung verteidigen will, aber eine Antwort an Sie. Ich denke, theologisch finden Sie meinen Standpunkt bei dem emeritierten Papst Benedikt, der aktiver Konzilstheologe war und hinter den Konzilsabsichten stand, um dann in den folgenden Jahren teilweise erschrocken zurückrudern zu müssen angesichts dessen, was der gesellschaftliche Werteverlust und Relativismus unter dem Etikett der Befreiung, Gerechtigkeit und heute Transparenz anrichtete und drohte, auch in der Kirche von innen her anzurichten.
          Von daher bin ich nicht vorkonziliar. Ich bin ja mit meiner Biografie ganz ein Kind dieser Zeit! Ich bin bloß angesichts dessen, wie wir uns alle geändert haben, auch nicht mehr einfach konziliar, sondern ich bete und hoffe auf Reformen im Sinne von Papst Franziskus, für den ich um den Heiligen Geist bete und mit ihm sehe ich die Reformen durchaus im Sinne des Konzils aber mit der notwendigen Achtsamkeit und Zeit angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen und Gefahren.

          Eigentlich hatte ich mich vertippt und es sollte vorkonziliares Kirchenbild statt vorkonziliares „Menschenbild“ heißen. Hinterher, als ich es gemerkt habe, fand ich es aber viel treffender für das, was ich meine. Es geht nämlich eigentlich mehr um unser heutiges Menschenbild bei diesen Diskussionen, finde ich. Und eigentlich geht es um das gesellschaftliche Menschenbild als Maßstab und Zentrum, um das sich alles dreht. Zuwenig um Gott.

          Und ich bin froh, wenn Sie meine Beiträge aufmerksamer lesen, das tue ich ja bei Ihren auch. 🙂

        • Silvia Brückner sagt:

          Danke Chrisma, Sie sprechen mir aus dem Herzen!!!!

          • chrisma sagt:

            @Liebe Marianne, danke dass Sie dies so ausführlich noch einmal dargelegt haben, so kann ich es besser nach vollziehen. Es gibt so gesehen viel zu diskutieren. Nur eines noch: ich habe „Vorkonziliar“ nicht als Schimpfwort gesehen, sondern als eine Standortbestimmung. Ihnen eine gute meditative Zeit im Gebet.
            @Liebe Silvia, es bleibt viel zu tun, packen wir es an……

  13. KRP sagt:

    Wie hat P. Hagenkord in seinem nächsten Beitrag geschrieben man sollte auch als Verkünder dafür sorgen das es verstanden wird und das läuft halt oft genug anders. Nach dem verstehen wird oft nicht gefragt. Wie heisst es doch in dem Sprichwort…“Hund friss oder stirb…“

  14. KRP sagt:

    Was nicht dem Verständnis anderer entspricht wird oft abgewertet. Es wird nicht akzeptiert das jeder Mensch seinen eigenen Weg, sein eigenes Verständnis hat, dass sich entwickeln muss. Das sich auch nicht mit dem von anderen decken muss. Katholische und evangelische Kirche beides sind weltliche Institutionen. Luther hat etwas erkannt vor 500 Jahren das die katholische Welt erst seit dem 2. Vatikanum erkannt hat. Beide Seiten haben meines erachtens ihre guten Seiten wie ihre Schwachstellen. Wie es in der Welt halt so üblich ist.
    Eine zeitlang dachte ich auch konvertieren zu müssen, ich habe es nicht getan, wozu auch? Ich gehöre einer christlichen Kirche an ob die nun evanglisch oder katholisch ist, egal es kommt auf meinen eigenen Glauben an. Das hat mir eine sehr kluge und gute Freundin gelehrt, die Dipl.Theologin ist deren ich von ganzem Herzen dankbar bin das sie in mein Leben getreten und mich begleitet hat. Sie ist und war das Beste das mir passieren konnte. Danke liebe Annemarie.

  15. Pingback: Innere Bewegungen: Leseschlüssel zu Evangelii Gaudium | Laudetur Jesus Christus

  16. Pingback: Dynamik des Christseins: Leseschlüssel zu Evangelii Gaudium | Laudetur Jesus Christus

  17. Pingback: Leseschlüssel zu Papst Franziskus Evangelii Gaudium | Laudetur Jesus Christus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*