Der Papst und die Politik

Ein Koordinatensystem für den Papst, Teil 4

Eine weitere Koordinate: die Politik ist zurück im Vatikan. Während wir im vergangenen Oktober bei der Bischofssynode waren, alle Journalisten mit Blick auf die Kirche, trafen sich wenige Meter weg Kuba und die USA und handelten erste Schritte zur Annäherung aus. Ausgelöst hatten das zwei Briefe des Papstes, einen an Präsident Castro, einen an Präsident Obama. Nun waren die Briefe nicht der Grund für das Tauwetter, aber sie kamen zur richtigen Zeit. Und die Tatsache, dass das so lange geheim bleiben konnte und auch dass der geplante Papstbesuch auf Kuba lange geheim bleiben konnte, das zeigt die Qualität der Arbeit.

Ganz aktuell: Raúl Castro bei Papst Franziskus, Sonntag, 10. Mai 2015

Ganz aktuell: Raúl Castro bei Papst Franziskus, Sonntag, 10. Mai 2015

In meinen Kontakten mit Diplomaten begegne ich einem wieder erwachenden Respekt für das, was der Heilige Stuhl weltweit tut. Das hat mit dem Netzwerk zu tun, was die Kirche bildet, mit Kontakten, und es hat mit den Prinzipien zu tun, für die die Kirche unter den Staaten einsteht. Aber es hat auch damit zu tun, dass hoch professionell gearbeitet wird, wenn auch auf zahlenmäßig eher kleinem Niveau, und dass das was aus Rom kommt Ernst zu nehmen ist.

 

Palästina und Kuba

 

Denken Sie an den Coups mit den Friedensgebeten im Vatikan mit Palästina und Israel. Niemand hätte gedacht, dass so etwas möglich wäre. Aber es war möglich. Und schauen Sie, wer auf der Welt alles Papst Franziskus zitiert. Er ist eine politische und gesellschaftliche Größe, und zwar nicht eine zum schmücken, sondern eine Herausforderung. Er spricht von Syrien, wenn unsere Medien gerade etwas anderes vor Augen haben. Vom Irak. Vom Hunger. Von den ungerechten Wirtschaftssystemen, die Menschen wegwerfen.

Nicht alles passt uns aber in den Kram, wenn ich das einmal so sagen darf. „Diese Wirtschaft tötet“ hat einiges an Unruhe geschaffen. Dabei spricht er nur das aus, was mit Händen zu greifen ist: die Art und Weise, wie unsere Welt ökonomisch geordnet ist und die Überzeugungen von unendlichem Fortschritt und nach uns die Sintflut produzieren Opfer. Ungeborenes Leben, junge Menschen ohne Perspektive und alte Menschen ohne Würde. Das wird weggeworfen. Eine eminent politische Aussage.

Wir warten auf die Umweltenzyklika. Es würde mich sehr wundern, wenn nicht auch die sehr politisch daher käme. Es wird kein Ritterschlag für die Grünen werden, aber sicherlich werden wir uns nicht nachher als Gutmenschen zurück lehnen können. Die Erwartungen sind jedenfalls sehr hoch, vor allem auch, weil der Papst ganz explizit den Text in die Beratungen zur Umweltkonferenz von Paris im Dezember diesen Jahres einfließen lassen will. Auch das ist eminent politisch.

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Ein Kommentar zu Der Papst und die Politik

  1. KRP sagt:

    Ja eine Umweltenzyklika viele warten darauf, eine Empfehlung an alle es gibt sie schon nach zu lesen in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Und ja man produziert Opfer, der Mensch zerstört sich er produziert in seiner Gier um Nahrung und Wachstum nicht das was er möchte sondern nur mehr an Vernichtung durch Antibiotikagabe und Genprodukten und was die Wissenschaft und Forschung nicht schafft zerstört der Normalverbraucher in dem er in seinem Hass auf Tier, Mensch und Natur durch Zerstörung von Lebewesen alles niederbügelt in dem er unschuldige Tiere mit Wurst tötet in dem er Rasierklingen und Schrauben etc. ausstreut. Menschen machen vor Mord nicht halt und streiten sich lieber um Kampfbegriffe.

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