Der Pharisäer

Meinen Sie nicht auch, es könnte hilfreich sein, wenn Sie – in einem Kommentar oder „Blog“ – ad usum delphinorum darlegten, wen Seine Heiligkeit meint, wenn er von „Pharisäern“ spricht, und wen nicht? – Ein Kommentar hier im Blog, vor einiger Zeit schon.

Und auch bei unserem Facebook-Auftritt finden sich immer wieder Nachfragen, wie der Papst mit den Pharisäern umgeht. Schließlich sagt er denen alles mögliche nach, ihnen und ganz allgemein den Schriftgelehrten. Und wirklich geht die Schrift ja nicht wirklich zimperlich mit ihnen um. Religionswissenschaftler und -historiker sehen das etwas anders und sehen in den Angriffen – unter anderem durch den Papst – durch die Geschichte ungerechtfertigte Verunglimpfungen einer Frömmigkeitsbewegung des Judentums.

Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 23. August

Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 23. August

Ich will mal die Gelegenheit nutzen und darüber nachdenken, was der Papst da tut, wenn er so schlecht über die Pharisäer spricht. Schauen wir einmal hin, wenn der Papst über sie spricht:

Beispiel Eins: Zunächst einmal stehen die Pharisäer in der Art und Weise, wie der Papst die Schrift auslegt, für die Oppositionsrolle gegenüber Jesu Auslegung des Gesetzes. „Jesus ruft ihn in die Nachfolge und dazu, sein Jünger zu werden, und Matthäus akzeptiert und lädt ihn und die anderen Jünger zu sich nach Hause zum Essen ein. Daraufhin kommt es zu einer Diskussion zwischen den Pharisäern und den Jüngern Jesu, weil letztere sich mit Zöllnern und Sündern zu Tisch setzen. Du kannst doch zu solchen Leuten nicht nach Hause gehen!, sagten sie ihnen. Aber Jesus hielt zu diesen Leuten keine Distanz, er ging zu ihnen nach Hause und setzte sich mit ihnen zu Tisch: Das bedeutete, dass auch sie seine Jünger werden können!“ (GA 13. April 2016)

Die Pharisäer kennen die Reinheitsvorschriften und klagen sie ein, aber Jesus – und hier kommt wieder der Papst – ruft alle in die Nachfolge, auch die Sünder. Die Kirche sei nicht die „Gemeinschaft der Perfekten“, sondern die von „Jüngern auf dem Weg, die dem Herrn folgen, weil sie wissen, dass sie Sünder sind und seine Vergebung brauchen“. Christliches Leben sei daher „eine Schule der Demut, die uns für die Gnade öffnet“. Das könnten Menschen, die sich für „gerecht“ hielten, nur schwer verstehen. Und dafür müssen dann die Pharisäer herhalten.

Wenn die Historiker Recht haben, dann war es Teil der Bewegung der Pharisäer, die Regeln für Reinheit und andere Gesetze aus der Thora auch auf den Alltag anzuwenden, also die Menschen und ihr Leben einzubeziehen. Das erklärt den Widerstand, den man in der Frage erkennen kann. Beim Papst bleibt der Widerstand übrig, die Hintergründe sind an dieser Stelle – also während einer Generalaudienz – nicht sein Thema.

 

Der Moralist

 

Beispiel Zwei: der „kasuistische moralistische Pharisäer“ (26. Juni 2014). Hier spricht er allgemein über die Schriftgelehrten, die zum Volk „ohne Vollmacht“ sprechen, ihre Worte erreichten aber das Volk nicht, „sie standen dem Volk fern“. Mit Sicherheit „war die bekannteste dieser Gruppen die der Pharisäer“, sagte der Papst damals. Mit der Einschränkung, dass es auch gute Pharisäer gegeben habe, nur spreche Jesus nicht über die. Die, über die Jesus spreche, machten viele Gebote, kurz „sie bürdeten dem Volk diese Last auf: ‚Du musst das tun! Du musst!’“

Und dann schließt Papst Franziskus seine am Häufigsten auftretende Charakterisierung an: Sie verkürzten den Glauben an den lebendigen Gott auf eine reine Kasuistik und verfielen so „in Widersprüche grausamster Kasuistik“. Hier stehen die Pharisäer für Kasuisten, gemeint sind dem konkreten Leben fern stehende Richter, die mit Moral und Regeln Lasten auflegen, anstatt davon zu befreien.

Insofern sie selber dann nicht danach lebten, seien sie ‚Heuchler’, auch das ein Titel, den der Papst gerne verleiht, auch aber nicht ausschließlich an Pharisäer.

Auch hier gilt der Hinweis von oben: Die Gesetze und Regeln dienen dazu, die Gebote Gottes in der Bibel in den Alltag zu übersetzen. Aber das ist nicht das Thema des Papstes.

 

Der Klerikalist

 

Drittes Beispiel: Seelsorger dürfen sich nach den Worten von Papst Franziskus nicht vor den vielfältigen pastoralen Herausforderungen der Gegenwart hinter Glaubensregeln verstecken. In Evangelii Gaudium hatte er vor dieser Art „Klerikalismus“ gewarnt und bei einer Tagung zu diesem Schreiben, im September 2014, nannte er als Negativbeispiel wieder die Pharisäer: Wer sich auf Regeln und Instruktionen konzentriere, ähnele den Pharisäern und Schriftgelehrten des Neuen Testaments, also den Widersachern Jesu. Hier stehen die Pharisäer für das Verstecken hinter Regeln.

In seiner Abschlussrede zur Synode 2014 hat der Papst das so charakterisiert: „Die Versuchung der feindlichen Erstarrung: Das ist der Wunsch, sich im Geschriebenen einzuschließen (dem Buchstaben) und sich nicht von Gott überraschen lassen wollen, vom Gott der Überraschungen (dem Geist). Im Gesetz einschließen, in der Sicherheit dessen, was wir wissen und nicht dessen, was wir noch lernen und erreichen müssen. Das ist die Versuchung der Eifrigen, der Skrupulösen, der Betulichen, der sogenannten „Traditionalisten“ und auch der Intellektualisten.” Dafür müssen die Pharisäer als Beispiel dienen.

 

Die Figuren in der Schrift

 

Der Selbstgerechte, der Moralist und der sich hinter Regeln versteckende Klerikalist, das sind die drei Figuren, die Papst Franziskus am häufigsten in den Phärisern der Jesus-Geschichte entdeckt und nennt.

Es sind drei verschiedene „Versuchungen“ oder Verirrungen, die alle eines gemeinsam haben, und hier kommen wir zum Punkt, den ich machen möchte: sie verstellen den Weg zu Jesus und zu Gottes Barmherzigkeit. In der Bibel entspricht das den Geschichten, in denen sie das Wort Gottes – Jesus – verkennen und ihn entweder in Regeln einschließen (wollen) oder seine Botschaft nicht verstehen (wollen).

Noch einmal Evangelii Gaudium: „Die spirituelle Weltlichkeit, die sich hinter dem Anschein der Religiosität und sogar der Liebe zur Kirche verbirgt, besteht darin, anstatt die Ehre des Herrn die menschliche Ehre und das persönliche Wohlergehen zu suchen. Es ist das, was der Herr den Pharisäern vorwarf: ‚Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?’ (Joh 5,44). Es handelt sich um eine subtile Art, » den eigenen Vorteil, nicht die Sache Jesu Christi « zu suchen (Phil 2,21).“ (EG 93)

Hier ist noch einmal ein weiterer Vorwurf an die Adresse der Pharisäer: Bestätigung und damit Identität als religiöse Menschen suchen sie nicht von Gott, sondern voneinander, das sei der Vorwurf Jesu an sie gewesen. Das ist harter Tobak und ist so etwas wie der Schlüssel, wie Papst Franziskus das Sprechen von den Pharisäern in seinen Predigten und Ansprachen einsetzt.

Aber hat das mit den historischen Pharisäern zu tun? Haben die das verdient? Wenn man Bibelwissenschaftler und Historiker fragt, dann gilt hier wie überall, dass es ein solches Schwarz-Weiß nicht gegeben hat. Ein Urteil wie das oft vom Papst gesprochene trifft also die historische Realität nicht.

 

Der ex-Pharisäer Paulus

 

Nur ist genau das auch gar nicht der Punkt. Wir wissen recht wenig über diese Frömmigkeitsbewegung im Judentum, der Historiker Flavius Josephus, ein Zeitgenosse, war eher ein Fan, während die Heilige Schrift wie gesehen sehr kritisch mit ihnen umgeht. Am kritischsten wohl einer, der selber mal Pharisäer war, Paulus. „Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, lebte als Pharisäer nach dem Gesetz, verfolgte voll Eifer die Kirche und war untadelig in der Gerechtigkeit, wie sie das Gesetz vorschreibt“. (Phil 3:5-6). Hier ist die ganze Misere in einer Nussschale: Pharisäer ist gleich Verfolger der Kirche und untadelig vor dem Gesetz, aber das gibt Paulus alles auf, weil er Jesus erkannt hat, wie es an der Stelle weiter heißt. Gesetzesglaube wird also in Widerspruch zu Christuerkenntnis gesetzt, das charakterisiert die Pharisäer auch in den anderen Büchern der Schrift.

Wenn ich Papst Franziskus so zuhöre, dann höre ich jemanden predigen, der die Bildwelt der Heiligen Schrift ernst nimmt. Er relativiert nicht und sagt nicht, was die Autoren eigentlich damit sagen wollten, sondern übernimmt deren Umgang mit den Figuren.

 

Die Bildwelt der Schrift

 

Und all die Figuren – seien es Apostel, seien es Kranke und Bittsteller, seien es Pharisäer oder Gegner – haben überhaupt nur in Bezug auf Jesus in der Bibel einen Sinn. Keine Figur steht alleine, außer Jesus. Alles kann nur mit Bezug auf Jesus hin verstanden und gelesen werden. So verlieren dann die einzelnen Figuren ihre Individualität und werden zu Teilen der Jesuserzählung.

Und genau so behandelt Papst Franziskus die Pharisäer. Es geht ihm nicht um die historischen Personen, um die verschiedenen Schulen. Es geht ihm um die biblisch beschriebene Gegnerschaft zu Jesus, die Opposition. Und die legt er mit Bezug auf sehr aktuelle Phänomene aus. Der Selbstgerechte, der Klerikalist, der Moralist, das sind ja Versuchungen, die der Papst in der Gesellschaft und der Kirche heute benennt und beklagt. Die Pharisäer dienen Papst Franziskus auch zur Auslegung der geistlichen Realität heute.

Da haben die historischen Figuren also gar keine Chance, als solche wahrgenommen zu werden. Aber das ist auch gar nicht die Absicht des Papstes. Wenn er in Bilder spricht, spricht er in Bildern und nicht darüber hinaus. Das muss man einfach wissen. Das ist kein Herabwürdigen von einer historischen Frömmigkeitsbewegung im Judentum, sondern ein Ernst nehmen der Schrift und besonders ihrer Bildwelt.

 

 

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8 Kommentare zu Der Pharisäer

  1. Suarez sagt:

    Danke, P. Hagenkord, das war spannend zu lesen. Mei, man wird halt einen religionswissenschaftlich-historischen Pharisäerbegriff (der positiv ist) von einem negativen Begriff, wie ihn das Neue Testament (als Oppositionsbegriff zu Jesu Jüngerschaft), abgrenzen müssen. Das ist ja in der Kirche nichts Neues. In der Trinität heißt Person ja auch nicht Person. Sonst wären ja im Himmel drei Männer 😉

  2. Elasund sagt:

    Mit der Frage wen (genau) bzw. welche innerkirchlichen Gruppen etc. Seine Heiligkeit meint, wenn er von „Pharisäern“ spricht, und wen (ganz sicher) nicht war ich auch schon ein paar mal konfrontiert. Beim Lesen dieses Artikels fiel mir ein, dass ich mich vor Jahren in Exerzitien mit Jesus und den Pharisäern beschäftigt habe. An zwei „Merksätze“ kann ich mich noch erinnern:
    1) Wer ist Jesus? Es geht bei diesem Konflikt mit den Pharisäern um Jesus,
    seine Person und sein Anspruch. (Ist er Herr über den Sabbath? Kann er Sünden vergeben?…)
    2) Sei dir nie zu sicher, dass „der Andere“ der Pharisäer ist, vielleicht bist du es ja doch selbst!

  3. carn sagt:

    „Mit der Frage wen (genau) bzw. welche innerkirchlichen Gruppen etc. Seine Heiligkeit meint, wenn er von „Pharisäern“ spricht, und wen (ganz sicher) nicht war ich auch schon ein paar mal konfrontiert.“

    Und? Eine Antwort gefunden?

    Ich nämlich keine eindeutige, blos Vermutungen.

    • Elasund sagt:

      Na ja, für eine eindeutige Antwort müsste man wohl den Papst selbst fragen. So die eine Schiene ist, dass der Papst eben innerkirchliche Gruppen oder Personen meint (Konservative, Kurie etc.). Ein anderer Ansatz ist, dass er uns alle zur Gewissenserforschung aufrufen will und nicht irgendwelche Gruppen oder Personen identifizieren möchte. Eine andere These, dass er sich selbst meint. Ein Prediger predigt immer zunächst sich selbst und er hat diese Gefahren in sich, die er mit „Pharisäer“ verbindet, deswegen predigt er so viel drüber.

      • carn sagt:

        „alle zur Gewissenserforschung aufrufen will“

        Habe ich gemacht. Bin zum Ergebnis gekommen, dass ich erstmal nur die „Regeln“ kennen will; irgendeine Verurteilungsabsicht (*) oder mich selber aufs hohe Ross zu setzen, gibt es kaum oder gar nicht.

        Trotzdem habe ich von manchen, mit denen ich eigentlich darüber reden wollte, wie bestimmte „Regeln“ nun lauten, Vorwürfe gehört, die quasi äquivalent zu Papst Franziskus Formulierungen sind.

        * Ich bin mir da deshalb relativ sicher, da ich mit äquivalent schon in anderen Bereichen nach „Regeln“ gesucht habe; z.b. im Kriegsrecht danach, wann man denn nun beim Bombadieren Kollateralschäden – also zerfetzte und verbrannte Kinder – in Kauf nehmen darf oder nicht.

        Eine äquivalente Reaktion zu dem, was mir im kirchenrechtlichen passiert, wäre dann, dass mein gegenüber mir unmittelbar vorwirft, ich wolle Oberst Klein (der der 2009 einen Angriffsbefehl gegeben hat mit in Folge ca. 100 toten Zivilisten) als Mörder brandmarken und mich moralisch über ihn erheben wolle und zwar ohne dass ich den Fall überhaupt erwähnt habe; und mir nicht mal sagt, wie die relevanten gültigen „Regeln“ lauten/stehen.

        Was im Falle von Bombadierungen klar und einfach ist, die „Regel“ findet sich letztlich in Art. 51 Abs. 4 und Abs. 5 Zusatzprotokoll 1 Genfer Konvention (wobei vor allem Absatz 5 b) es „in sich hat“; genau auf den Paragrafen hat sich die Staatsanwaltschaft auch gestützt für dei Einstellung des Strafverfahrens in dem Fall)

        Als zentrale „Regeln“ wäre in Bezug auf Kommunionempfang
        http://www.vatican.va/archive/DEU0036/__P39.HTM
        CIC 915 und 916 möglicherweise zu nennen; nur sind die noch anzuwenden? Sagt keiner, weil bereits das Fragen nach „Regeln“ ja böse ist.

        Und eine weitere interessante zentrale „Regel“ wäre natürlich, ob es denn bestimmte in sich böse Handlungen gibt, die immer untersagt sind (separat davon noch die Frage, welches diese denn sind); fragt man danach, ist das noch viel böser.

        Wie gesagt, mir geht es erstmal immer darum, ob es denn die betreffenden „Regeln“ gibt und ob sie „in Kraft sind“; irgendwen damit zu verurteilen, beabsichtige ich gar nicht (vor allem da ich da natürlich auch Selbstverurteilung betreiben müsste).

        • Elasund sagt:

          Irgendwie scheint die Frage nach den Regeln in die Sackgasse zu führen. Schon zwischen Jesus und den Pharisäern war das der Fall. Die Regeln kennen Sie ja offensichtlich bzgl. Kommunionempfang und dass diese nicht aufgehoben sind dürfte Ihnen auch bekannt sein. Dass diese Regeln nicht mehr gelehrt werden und vielen offensichtlich egal sind, ist auch klar. Doch hilft hier eine Rückbesinnung auf die Regeln? Wir sind ja nicht in der Schule. Regeln sind geschaffen, weil etwas geschützt oder bewahrt werden soll und ich finde genau darüber sollte geredet werden. Was soll denn geschützt werden? Was bedeutet der Schatz den ich entdeckt habe? Was ist mir heilig?
          Also z.B. beim Thema Eucharistie: Wieso ist es mir wichtig zur Messe zu gehen? Was „gibt“ mir eucharistische Anbetung? Was hat Jesus gemacht im Abendmahlssaal? Was fasziniert mich daran?

          • carn sagt:

            „Irgendwie scheint die Frage nach den Regeln in die Sackgasse zu führen. Schon zwischen Jesus und den Pharisäern war das der Fall.“

            Wie kommt man darauf, dass die Frage nach Regeln in eine Sackgasse führt?

            https://www.bibleserver.com/text/EU/Markus12%2C28-34
            „Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da er bemerkt hatte, wie treffend Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?5
            29 Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.
            30 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
            31 Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
            32 Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm,
            33 und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.
            34 Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.“

            Da hat einer nach Regeln gefragt und es scheint nicht in einer Sackgasse geendet zu haben.

            „Doch hilft hier eine Rückbesinnung auf die Regeln? Wir sind ja nicht in der Schule.“

            Ich bevorzuge es, dass wenn man Regeln nicht mehr anwenden will, dass dann im entsprechend ordnungsgemäßen Verfahren die Regeln geeignet abgeändert/gestrichen werden. Dass jeder nach eigenem Gusto entscheidet, ob denn die Regeln nun Geltung haben sollen oder nicht, gefällt mir nicht so sehr.

            „Was soll denn geschützt werden?“
            Leib und Blut von Jesus Christus einerseits, andererseits die Menschen davor, unwürdig Leib und/oder Blut zu empfangen; laut Paulus soll das nämlich eine nicht so dolle Idee sein.

            „Was bedeutet der Schatz den ich entdeckt habe? Was ist mir heilig?
            Also z.B. beim Thema Eucharistie: Wieso ist es mir wichtig zur Messe zu gehen? … Was hat Jesus gemacht im Abendmahlssaal? Was fasziniert mich daran?“

            Was soll der ganze Ich-Bezug?

            „Was hat Jesus gemacht im Abendmahlssaal?“
            Vieles; konkret aber auch gezeigt, wie die Wandlung vorzunehmen ist.

  4. Roswitha Steffens sagt:

    Ich glaube, Pharisäern fehlt die Liebe zur Mutter Gottes, dem grundlegenden Wesen der Seele, die es in ihrer Reinheit für jeden Menschen zu erhalten gilt. Damit meine ich, wer denkt er wäre ohne Jesus bereits Mensch, der scheitert kläglich am Ich, dessen Geburt eine gemeinsame Geschichte erfordert.

    Erst für die Gewissheit durch Gott zu leben empfand ich persönlich eine Kraft, die mich innerlich angetrieben hat dem jetzigen Stand der Dinge die Stirn zu bieten, um mein Herz zu öffnen. Das erfordert den tiefen und ehrlichen Wunsch Eins zu sein mit Gott, der sich uns im Wesentlichen mitteilt. Wahrheit behält dann ihre ganze Kraft, wenn wir sie als solche wahrnehmen können und uns selbst hineinversetzen wollen, um von ihrer Güte und Herrlichkeit zu sprechen.

    Gott ist da, der Beweis dafür liegt auf der Hand, denn wie könnte ich selbst ein Mensch sein ohne die Person, deren Geist sich mir durch Nächstenliebe zu erkennen gibt, um aus ihrem Leben mein ich zu begreifen? Denkvermögen ist für mich die Fähigkeit sich in 1. Person als Mensch zu erschließen. Dialogfähigkeit führt dann die Auseinandersetzung zwischen zwei Menschen in der Einheit dieser Person.

    Für mich ist ein Pharisäer wer denkt er stünde im Recht als menschlicher Gesetzgeber. Ich bin überzeugt davon, Recht und Gesetz teilen sich im Wesen die Würde, die durch Gott mit Jesus bereits vorgegeben ist und durch das Leben erfasst wurde. Das Recht liegt im Schoß der Mutter, die Gott geboren hat, um seinen Alltag so lange zu hinterfragen bis er sich aus ihrer eigenen Gegenwart im Heiligen Geist erschließt.

    Jesus hat demnach getan was getan werden musste, um sich seiner Gegenwart in ganzer Fülle bewusst zu werden und sie mit Gott im ewigen Bund mit dem Wesen der Mutter zu beschließen, die das gemeinsame Leben daraus als Geschenk angenommen hat.

    Wir sind mehr als die Summe aller Teile, die für Gott bereit stehen, um sie durch ein Wesen zu verkörpern, denn wir können dessen Geist darin aussprechen, weil seine Kraft außerhalb jeglicher Vorstellung schon vor allen Zeiten bestanden hat, sodass sie sich in einem Wort zu bündeln vermochte. Gott ist also die unbegreifliche aber wahrnehmbare Ordnung eines Lebens, das in der Zukunft liegt, die ihre Gegenwart selbst bestimmt, durch die Geschichte, die sich aus Nächstenliebe in ihr offenbart, um der Wiederkehr als Mensch durch Gott Sinn und Verstand zu verleihen.

    Gott brauchte nur eine reine Seele, um sich in ihr als Sohn zu offenbaren, der das Leben annehmen kann. Das Leben, das durch ihn gewonnen wurche, das steht für Gott in seiner ganzen Kraft und Herrlichkeit, die aus der Ordnung besteht, die es gilt zu begreifen, um ihren Alltag menschenwürdig mit zu gestalten.

    Pharisäer stellen meiner Ansicht nach die Ordnung Gottes nicht nur in Frage sie übernehmen den Teil in ihre eigene Bestimmung, den sie selbst nicht fassen können. Das kann nicht funktionieren, denn das Volk als stärkste Gemeinschaft findet immer einen Weg sich von Gesetzen unter der Würde Gottes zu befreien, um das Recht auf Leben zu erhalten.

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