Der Vatikan antwortet

Der Vatikan antwortet. Im Juli hatte der irische Premier Enda Kenny im Parlament den Vatikan sehr deutlich angegriffen. Das Klischee-Wort lautet „scharf kritisiert“. Eine Antwort war angekündigt und – noch ein Klischee-Wort – „mit Spannung erwartet“ worden. Und diese Antwort ist nun der irischen Regierung übergeben und gleichzeitig veröffentlicht worden.
Die 24 ausgedruckten Seiten wollen aber erst einmal verstanden werden. Die Materie ist komplex, leider lässt sich das gar nicht in eine Überschrift packen. Aber zumindest ist die Sprache an den richtigen Stellen klar und deutlich. Die richtigen Stellen: Die Verurteilung von Missbrauch als „vile“, „criminal and sinful“, im Umgang sah man „serious and disturbing failings“. „Abhorrance“, „shame“ und „sorry“ sind weitere Ausdrücke.

Und dann geht es an den Inhalt. Der Vatikan entschuldigt nichts, macht keine Vorwürfe, er erklärt. Das finde ich mehr als nur angemessen. Die Differenzierungen werden die emotionale Debatte nicht beenden und nicht beenden können, aber sie sind notwendig, um Ruhe in die Debatte zu bekommen.

Es geht neben der Antwort auf den Premier auch um einen Brief, geschrieben vom Nuntius – dem Botschafter – des Papstes in Irland auf Veranlassung der für Kleriker zuständigen Institution des Vatikan. Dieser Brief galt in den Medien lange als Beweis für vom Vatikan geduldete Vertuschung. Der Guardian hatte die deutlichste Überschrift: „Vatican letter told Ireland’s Catholic bishops not to report child abuse“ (28. Jan 2011). Das stimmt nicht, sagt der Vatikan nun.

Die ersten Reaktionen kamen wie erwartet. Die beste Antwort hat meiner Meinung der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, gegeben:

  1. Polemik tut wenig dazu, Kinder zu schützen und den Überlebenden zu helfen.
  2. Die Behauptung, dass der Brief aus Rom einigen Klerikern die Deckung für ihre Vertuschung gegeben habe, krankt an der Tatsache, dass die Vertuscher sich danach auch an klare kirchenrechtliche Vorgaben nicht gehalten haben.

Punkt 1 sagt mir, dass die Klärung der Sachverhalte auch dann gilt, wenn die Kirche betroffen ist. Auch hier muss man genau hinschauen, ein allgemeines „die haben vertuscht“ hilft niemandem. Und es hilft nicht dabei, die genauen Gründe herauszufinden. Will man etwas zukünftig verhindern, so muss man schon genau hinschauen, wann was warum passiert ist.

Und dann Punkt 2: Es gibt Wegseher, Vertuscher. Man kann sich denen aber nicht dadurch nähern, dass man möglichst viele andere, und überhaupt den Vatikan und den Papst, mit auf die Liste setzt. Die Anschuldigungen wollen schon präzise sein, sonst kann man sich um sie nicht kümmern. Allgemeine Verdächtigungen und das Abschieben auf „Die …“ hilft in der Talkshow, nicht aber bei der Wahrheitsfindung.

Differenzierung: Das ist das Wort hinter den 24 Seiten.

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