Der verheißene Erlöser? Hier? Quatsch!

An diesem Kunstwerk ist nichts Religiöses. Kein Heiligenschein um die Menschen, keine religiöse Symboli, im Gegenteil, eher versucht der Künstler, alle direkten Bezüge zu vermeiden. Es gibt keine biblische Geschichte, die man sofort zuordnen mag, keine Zitate früherer Kunst, nichts. Und doch hängt es in einer Kirche und heißt: „Krippe“.

Das Kunstwerk "Krippe" von Marc Fromm

Marc Fromm: Krippe

Die Kirche, in der die Krippe hängt, ist Sankt Peter in Köln, die Kunstation Sankt Peter. Die Figuren sind aus Holz geschnitzt, wie „echte“ Krippen auch. Aber in dem Mann und seiner Pommes, mit Tattoo und verspiegelter Sonnenbrille, mag man Josef nicht erkennen. Und die Frau schiebt zwar einen Kinderwagen und hat ein Kreuz um den Hals, das ist aber eher Schmuck wie das „D&G“ Gürtelschloss und andere Accessoires. Das soll Maria sein? Mit Kampfhund und Spike- Halsband an der Leine? Doch wohl eher nicht.

 

Diese Krippe lebt von anderen Krippen

 

Was soll also dieses Kunst-Werk in einer Kirche? Zuerst: Es lebt von anderen Krippen. Der Asia-Grill mit den zwei Figuren lebt davon, dass wir „eigentlich“ wissen, wie Krippen auszusehen haben, jedenfalls so ungefähr. Ohne den Hintergrund unseres kulturellen Wissens oder unserer Glaubenspraxis hat das keinen Sinn, es spielt mit Erwartungen und Voraussetzungen. Es ist also abhängige Kunst.

Würden wir hier den Herrn suchen? "Krippe" im linken Seitenschiff von Sankt Peter, Köln

Würden wir hier den Herrn suchen? „Krippe“ im linken Seitenschiff von Sankt Peter, Köln

Dann muss man genau hinsehen, was diese Krippe macht: Sie stellt nicht dar. Andere Krippen sind historisierende Darstellungen des biblischen Geschehens, da werden Bibelstellen aus den Evangelien nach Lukas (Geburt, Grotte, Hirten) und Matthäus (Sterndeuter) wortwörtlich zusammen gestellt, damit wir sehen, nicht nur hören. Das war die geniale Idee des Franziskus von Assisi, wie wir heute sagen, er hat damit begonnen und es war eine Erfolgsgeschichte.

Aber was sehen wir, wenn wir heute eine Krippe anblicken? Papst Franziskus hat in diesem Jahr immer wieder Figur-Meditation betrieben, „schauen wir auf Maria“, „schauen wir auf Josef“, die Figuren an der Krippe sollen anregen, die biblischen Geschichten der Geburt Gottes zu meditieren. Genau das tut die Krippe in Sankt Peter nicht. Sie stellt nicht dar. Sie repräsentiert nicht.

 

„Ihr werdet ihn finden am Asia-Grill“

 

Die Kraft dieser Krippe liegt woanders. Wenn man auf die Krippe sieht, dann sieht man nicht gleichzeitig weg von der Welt. Da ist die Stärke. Wenn ich durch Neapel laufe, die berühmte Straße wo tausende von Krippenfiguren angeboten werden, von Fußballstars über Schauspieler, Politiker und andere Größen, die dann zum Neugeborenen in den Stall gestellt werden können, dann passiert da etwas Ähnliches: Die Welt von heute hält Einzug.

Es sind nicht merkwürdig gekleidete Personen, bei deren Anblick schon klar ist, dass sie nichts mit unserer Welt zu tun haben. Wer hat schon mal in seinem Leben Hirten gesehen? Nahöstliche Hirten, die ja anders eine Herde führen als das bei uns der Fall ist. Also, wir sehen die Figuren und sind weg aus der Wahrnehmung der Welt, oder wir müssen eine Transferleistung schaffen, die Dinge – Krippen-Geschehen und Welt um uns herum – zusammen zu bringen.

Das nimmt diese Krippe uns ab. Da blicken wir auf die Welt, wie sie ist. Der Pfarrer der Kirche erzählte mir, eine Besucherin habe ihm gesagt, das sehe ja aus wie in Köln Chorweiler! Nichts gegen Chorweiler, aber genau hier ist der Punkt: Diese Krippe transportiert uns nicht aus der nicht so glänzenden und nicht so schönen Wirklichkeit heraus in eine romantisierende Version von Bibel und Glauben. Heimelig, Stille-Nacht, familiär.

 

Nix Heimeliges zu sehen

 

Wenn die beiden am Asia-Grill ein Paar sind, dann sieht man es ihnen nicht an. Können Sie sich ‚normales’ Essen nicht leisten? Stehen sie zufällig nebeneinander? Tattoo und Hund, das wirkt eher abweisend denn einladend. Sie sind jedenfalls nicht die Figuren, die ich sonntags in der Kirche neben mir auf der Bank sehe, soviel ist klar.

Keine Darstellung des biblischen Ereignisses. Und dennoch eine "Krippe"

Keine Darstellung des biblischen Ereignisses. Und dennoch eine „Krippe“

Jetzt stellen wir uns mal vor, als Gedankenspiel, dass der Engel uns erscheinen würde und sagen, seht, der Herr ist uns geboren, ein Kind ist uns geschenkt, ihr werden ihn in einem Kinderwagen finden am Asia-Grill in Köln Chorweiler. „Is gut, danke“ würden wir sagen und das weiter ignorieren.

Die Krippe in Köln versetzt uns in die Situation, in der die Hirten waren und in der Herodes und die Priester waren. Was sie gehört haben war wohl genau so absurd wie das Gedankenspiel gerade eben. Absurd. Der verheißene Erlöser? So? Hier? Quatsch!

Ich gebe zu, dieses Blog ist sehr papstlastig. Das bringt meine Welt so mit sich. Es sei mir aber erlaubt, an dieser Stelle aus der Papstpredigt zum Hochfest Erscheinung des Herrn zu zitieren. Bei dem Fest geht es ja darum, zum Neugeborenen Erlöser zu gehen, nachdem Gott zu uns gekommen sind, kommen Menschen – hier die Sterndeuter – zu ihm. Der Papst spricht über diese Deuter, die den neugeborenen König zuerst da suchen, wo so ein König zu vermuten ist: Im Palast.

„Und genau hier begann der längere Weg, den jene Männer, die von weit her gekommen waren, machen mussten. Hier begann die schwierigere und mühevollere Kühnheit. Zu entdecken, dass das, was sie suchten, nicht im Palast war, sich aber an einem nicht nur geographischen, sondern existenziell anderen Ort befand. … . Zu entdecken, dass Gott dort geboren werden wollte, wo wir es nicht erwartetet haben, wo wir es vielleicht gar nicht wollen.“

 

Pommes am Stehtisch

 

Wo wir es vielleicht gar nicht wollen: Das ist die Frage im Kern dieser Kunst-Krippe, dieses Asia-Grills. Wollen wir Jesus da suchen? Ich will hier gar nicht mit Peripherie und so weiter anfangen, das kann man machen, aber braucht man gar nicht. Sondern einfach die Frage: Suchen wir ihn nur dort, wo wir ihn gerne hätten? Wo wir Gott erwarten, in Kirchen, in Gebeten, in alten Gesängen und Liturgie? Schockt uns der Asia-Grill so sehr, dass wir ihn als Meditationsort über unsere Annäherung an die Krippe ablehnen?

An dieser „Krippe“ ist nichts, aber auch gar nichts Religiöses. Dabei bleibe ich, das habe ich zu Beginn schon gesagt. Das Religiöse passiert – wenn überhaupt – in uns. In der Reflexion, im Schauen, wie auch immer. Das Religiöse wird nicht aufgebaut, wird nicht angeschaut, sondern ereignet sich.

Und das tut gut. Auch wenn es – zugegeben – sehr schräg ist, in einer Kirche einen Asia-Imbiss hängen zu sehen.

 

 

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22 Kommentare zu Der verheißene Erlöser? Hier? Quatsch!

  1. @lieber Pater Hagenkord, ob ich diese „Krippe“ „kunsthistorisch“ verstanden habe,weiß ich nicht,

    da ist Pater Friedhelm Mennekes die richtige Adresse-schon wieder ein Jesuit…(grins)

    und trotzdem erschüttert mich diese Krippen-Installation!.. Sehr nah dran und ich bin sofort wieder mittendrin im Geschehen, weil es auch provoziert. ..

    GOTT SEIS GEDANKT!

    und irgendwie-ohne in übertriebene „Eitelkeit“ zu verfallen-es erinnert mich in der Diktion an meinen Beitrag(NR.10) in Ihrem Blog- DUNKLERE TÖNE

    die „Krippenromantik“ in die REALITÄT zurückholen!!

    DANKE für diesen BEITRAG Pater Hagenkord..

  2. Der Beobachter sagt:

    Und das Lamm schrie: „Hurz!“

    • Pater Hagenkord sagt:

      Herzlichen Dank für diesen sehr profunden Kommentar. Lächerlich machen ist einfach, geht es auch anders?

    • Künstler sagt:

      Nicht schlecht beobachtet!

    • Elisabeth sagt:

      Ohne Sie zu einer Wiederholung ermutigen oder Pater Hagenkord in den Rücken fallen zu wollen:
      Die letzten Jahre waren für mich wenig spaßig. Ihr kleiner Einwurf hat mir den ersten und sehr hartnäckigen Lachkrampf seit einer gefühlten Ewigkeit beschert und seither fällt mir das Atmen doch viel leichter.
      Sie haben mir also unbeabsichtigt (und in der Intention nicht ganz nett) wirklich gut getan. Dafür danke!
      (Und es geht mir tatsächlich so gut, dass Sie sich nicht verpflichtet fühlen müssen, nachzulegen.)

  3. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    Lieber Pater Hagenkord, das Alte Testament gehört doch zum Christentum und somit zur Weihnachtskrippe.

    Jetzt sehe ich, Jesaja hat Recht. Kernstücke sollten bei einer Darstellung der Heiligen Nacht, wie sie der heilige Franziskus sah, vorhanden sein. Das ist nicht unbegründet, das kann von einem religiösen Künstler verlangt werden.

    Der Prophet Jesaja 1
    3 Ein Rind kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn. Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.

    Jesaja 6
    9 Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hören, ja, hören sollt ihr und nicht verstehen! Sehen, ja, sehen sollt ihr und nicht erkennen!

    Dazu: Die Jesaja Rollen aus den Höhlen von Qumran waren vollständig und bestens erhalten. Ist das vielleicht ein Hinweis? Ich rätselte. Bei einem Gespräch mit einem erfahrenen Bibliothekar kam die Erklärung. Diese Schriftrolle wurde nicht so oft gelesen bevor sie versteckt wurde, wie die anderen Rollen. Also hat Jesaja 6.9 sich bewahrheitet und 1.3 veranlassten Franziskus zu Ochs und Esel.

    Wann ist diese blinde und gehörlose Zeit zu Ende? Wann fängt die Zeit an in der sich alle schätzen lassen müssen, wie damals. Wäre das nicht schön, wenn sich jeder vor seinen Geldhaufen stellen müsste?

    • Gabriele Luzia sagt:

      Hallo, Herr Theiler, ja, das könnte interessant sein:“ Wann ist diese blinde und gehörlose Zeit zu Ende? Wann fängt die Zeit an in der sich alle schätzen lassen müssen, wie damals. Wäre das nicht schön, wenn sich jeder vor seinen Geldhaufen stellen müsste?“
      Ich schätze, DAS wird dann Niemanden von den früheren Menschen mehr interessieren, aber ich verstehe Ihre kabarettistisch anmutende Idee…

      Gottes Geist verlässt uns aber nicht, darauf dürfen wir hoffen, müssen aber auch lernen, auf IHN zu hören.

  4. Eszter Meggyesyne Benke sagt:

    Liebe Leute,
    ich habe auch schon ein aussergewöhnliches Krippe gesehen, in Frankfurt, vor Jahren.
    Es war eine Bushaltestelle, kalte Neonlicht, paar Lumpen und rechts an der Scheibe aufgeklebt der Text aus der Lukasevangelium: …aber sie hatten keine Platz in der Herberge.
    Ich weiss jetzt allerdings nicht mehr ob da Die Gestalten da waren oder nur die Kulisse, eines weiss ich aber, wie mein Herz da sich zusammenzog und ich dachte an alle, die keine Platz haben in irgendeine Herberge und seitdem ist dieses Bild in mir geblieben und seitdem weiss ich einfach immer alle Menschen in der Krippe – mal sind wir die weißen, mal die schwarze Schafen…mal der knurrende Hund. Mal Könige, mal die frohe-frühe Hirten. Mal der, der zu Hause geblieben ist. Wir sind da, und wir sind alle da. Ein bisschen die Herzen erweitern, dann schlüpfen auch andere Gedanken rein…!

    Vielen Dank auch für diese aussergewöhnliche Krippenbesuch.

  5. Gabriele Luzia sagt:

    Das ist eine der schwersten Aufgaben: den Anderen anzunehmen, der so total anders ist… Diese Krippen-Darstellung fordert wirklich heraus aus der Gewohnheit. Welche Prioritäten Jeder in seinem Leben setzt, hat Gott uns in Seiner Güte in Freiheit überlassen… Nur sollen wir Jesu‘ Maßstäbe im Blick behalten.
    Die Prioritäten eines Jeden: ein Urteil darüber steht uns Geschöpfen nicht zu. Ich kann SO oder SO leben, für dieses Paar an der „KRIPPE“ dieser Art stimmt es eben so, wie sie da stehen. Hier (beim ASIA – Imbiss) kann man für wenig Geld was Schmackhaftes essen.
    Diese Menschen stehen einfach nur Woanders, und nun noch in dieser provokanten Gruppierung: Mutter, Kind, ein Vielleicht-Vater, und anstatt Schaf oder Ochs und … ein Hund. Ein Kampfhund, der das vermutlich kleine hilflose Kind im Kinderwagen auch verteidigen könnte gegen eventuelle gedankenlose Übergriffe von toleranzlosen Mit(?)-Menschen!
    Es ist gewöhnungsbedürftig, aber durchaus stellt es eine realistische heutzeitige Not-Situation dar.
    Ich gehe davon aus, dass der Schöpfer dieser Krippen-Darstellung in Köln sich Gedanken gemacht hat, und deshalb ist er mit seinem Werk ernst zu nehmen. Ob die Menschengruppe materiell arm und/oder arm im Geiste ist … – es reicht, dass nur eine von beiden Vermutungen stimmt, um auf die Bergpredigt von Jesus zu stoßen und sich an Seine Seeligpreisungen zu erinnern, ja, diese bestenfalls zu LEBEN: „Was ihr dem Geringsten Meiner Brüder getan habt, das habt ihr MIR getan.“
    Wenigstens sollen wir doch ERKENNEN können, was Jesus damit meinte. Und vielleicht können wir ja irgendwann in unserem Leben auch noch was TUN für Diejenigen, die unserer Hilfe bedürfen.
    Aber es ist schon schwer, wirklich …!

  6. Eszter Meggyesyne Benke sagt:

    Ja und noch was – ich liebe in diesem Blog eben das es so un-ge-heu-er papstlastig ist
    Weiter so bitte sehr!!!

  7. Silvia Brückner sagt:

    Was mich interessieren würde: Weiß man, wie Besucher dieser Kirche oder Gemeindemitglieder auf diese Krippe reagiert haben?

    Mich würden einfach die Reaktionen ganz normaler Durchschnittsmenschen interessieren, außer denen der paar User hier.

    Was der Künstler ausdrücken will, ist mir klar. Aber versteht das auch der Durchschnitt der Kirchenbesucher?

    Woran ich mich am meisten reibe, aber Reibung zu erzeugen ist ja die Absicht des Künstlers, ist diese auf mich ausgesprochen brutal und gefährlich wirkende männliche Figur. Ein Typ, dem ich nicht unbedingt begegnen möchte.

    Auch die weibliche Figur samt Kampfhund wirkt auf mich eher abstoßend.

    Der Künstler will provozieren und zum Nachdenken anregen. Wie weit ist ihm das gelungen?

    Übrigens stellen auch die konventionellen Krippendarstellungen keine heile Welt dar mit der Geburt im Stall zu unruhigen poltischen Zeiten (Volkszählung zwecks Steuerschätzung) und den anbetenden Hirten, den sozialen Außenseitern der damaligen Zeit.

    Ob die Eltern Jesu arm waren, darf man hinterfragen. Schließlich war Josef selbständiger Zimmermann/ Bauhandwerker und die Geburt im Stall dürfte wohl eher dem Umstand geschuldet gewesen sein, dass Bethlehem durch die Volkszählung hoffnungslos überfüllt gewesen war. Nichtsdestotrotz, so etwas wie „Krippenromantik“ vermittelt die Geschichte von der Geburt Jesu nicht.

    Ansonsten kann man über Kunst und Geschmack streiten, ohne auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Interessant ist die Darstellung, vieleicht gerade, weil die Szenerie (auf mich) so abstoßend wirkt.

    • Gabriele Luzia sagt:

      @Silvia Brückner “ …. Künstler will provozieren und zum Nachdenken anregen. Wie weit ist ihm das gelungen“? Liebe Silvia Brückner, DAS kann für einen Künstler nicht der Grund sein, etwas Neues zu schöpfen. Damit unterwerfen Sie ihn ja der Ökonomie. Sie selbst haben es schon verstanden, was er meint, schreiben Sie sinngemäß.
      Warum machen Sie sich Gedanken darum, ob Andere außer Ihnen dieses Kunstwerk auch verstehen? Gott hat jedem Menschen Geist gegeben. Sorgen Sie doch eher dafür, dass Fragende verständliche Antworten bekommen.

  8. Brigitta sagt:

    Die Pfarrgemeinde ist an solche Kunstaktionen gewöhnt – einfach mal auf der Webseite von St. Peter in Köln anschauen…..
    Ich habe mir die Bilder jetzt immer mal wieder angeschaut und muss sagen, diese Krippe ist auf den ersten Blick verstörend aber gerade dadurch regt sie zum Nachdenken an.

  9. Silvia Brückner sagt:

    Was man in ein Kunstwerk hineininterpretiert, ist ja immer subjektiv.

    Je länger ich diese beiden Bilder von der Krippenszene auf mich wirken lasse, desto mehr drängt sich mir der Eindruck auf, dass die beiden Figuren der Neonaziszene angehören.

    Die männliche Figur scheint ein Skinhead zu sein, auch die üppigen Tätowierungen deuten in diese Richtung ebenso wie der Kampfhund, den die offensichtlich blonde Frau an der Leine hält. Ein Widerspruch hierzu scheint mir ihre Kette mit dem Kreuzanhänger zu sein.

    Die Vorstellung, dass Gott auch in diesem Milieu buchstäblich zur Welt kommen will, ist schon ein ziemlich unverdaulicher harter Brocken.

  10. Brigitta sagt:

    und genau diesen unverdaulich harten Brocken finde ich gut. Denn er regt mich zum Nachdenken an.
    Wir sind alle – auch die Skinhheads und co – Kinder Gottes.
    Ich persönlich würde zu Hause eine solche Krippe nicht aufstellen, aber im (halb)öffentlichen Raum finde ich es gut, weil es zum Nachdenken anregt.
    …. und die Krippe ist für mich kein Sakrileg.

    • Silvia Brückner sagt:

      Für mich ist diese Krippe auch kein Sakrileg sondern im Gegenteil, je länger ich sie anschaue, desto mehr gefällt mir, was der Künstler damit ausdrücken will und vor allem, dass er kein Motiv gewählt hat, wie es gerade der öffentlichen und kirchlichen Meinung entgegen käme (kein Flüchtlingsboot, keine Frau mit Kopftuch u.ä.) sondern das krasse Gegenteil, ein Mann, dem man den Neonazi förmlich ansieht, eine blonde Frau mit offenen, langen Haaren, einenm knappen, ärmellosen Oberteil zum Schlabberrock und dann auch noch mit Kampfhund und Kreuzanhänger an der Halskette.

      DAS ist eine echte Provokation, aber genau das finde ich gut, weil es – jenseits der gängigen Schiene zum Nachdenken anregt. Auch die „Schmuddelkinder“ sind Gottes Kinder, auch sie können der Erlösung teilhaftig werden. Insofern passt die Darstellung bestens in eine Kirche.

  11. Roswitha Steffens sagt:

    Es ist das Kind, dieses durch jede Person getragene Ich, das im Mittelpunkt all dessen steht, was sich in seinem Umfeld abspielt. Wollen wir dieses Kind annehmen, dessen Leben von der menschlichen Vielfalt getragen ist oder sehen wir uns lieber in einem sicheren Hafen vorgegebener Normen, die uns ein Leben vorschreiben, das uns prägt? Egal wie sich jeder einzelne entscheidet, was bleibt ist das Kind, dieses Ich, das sich aus der Krippe heraus betrachten kann, um menschliche Gleichstellung zu leben, sie eigenverantwortlich zu tragen und daraus die Gleichberechtigung zu erwirken, die sich durch Gerechtigkeit auszeichnet.

    In der Vergangenheit bauten viele dieser Kinder aus ihrer Krippe Lebenspläne durch Wunschvorstellungen, die nicht den Tatsachen entsprechen, deren Inhalte das Leben heute prägen. Überall auf dieser Welt gibt es Plätze, an denen man sich wohlfühlen und auch selbst verwirklichen kann.

    Diese Plätze haben wir aus einer Krippe erhalten, die sich Erde nennt und allen Wesen gleichberechtigt als Lebensraum dienen mag. Unser Lebensraum ist so vielfältig, dass es uns immer schwerer fällt, ihn in ein Bild zu fassen, dessen sich jeder so bewusst werden kann, dass er in sich selbst das entdeckt, was diesem Bild noch fehlt. Um jedem Menschen gerecht werden zu können müssen wir unsere Wiege schützen, wie eine Mutter die Schlafstätte ihrer Kinder. Wir wollen diesen Schutz unseres Lebensraumes, doch Menschen vergessen oft mit fortschreitendem Alter ihr Ich als das Kind aus der Krippe und damit auch das Wohlwollen der Mutter, die die Hoffnung in ein unschuldiges Wesen setzt, das sie aus der Kraft des eigenen Lebens schöpft und mit dem Vater verbindet, der dies ermöglicht.

    Freiheit ist ein ganz persönlicher Sachverhalt, der sich aus seiner menschlichen Existenz heraus selbst wiedergibt, um den Frieden zu finden, den die Geborgenheit einer Krippe schenken kann, um die sich liebevoll gekümmert wird.

  12. Helga sagt:

    Ob man Gott an einem Ort wo seine eigenen Kreaturen zermahlen in den eigenen Darm zurück gestopft und unter Hitze zu Köstlichkeiten verarbeitet werden, wirklich erwarten sollte? Darf man Gott denn
    alles zumuten was uns beliebt?

    • Roswitha Steffens sagt:

      Wenn dieses „uns“ Menschen aus Gottes Hand sind, dann darf man Gott all das zumuten, was diese Menschen in Armut, Krankheit und Leid stürzt, weil sich Menschen aus diesem „uns“ selbst ausgrenzen, um ihr persönliches Lebensbild zu verwirklichen und dabei vergessen, dass „wir“ alle einem Bild entstammen, das uns Jesus vorgelebt und das Evangelium beschrieben hat.

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