Die Angst, die Geretteten zu verlieren, und der Wunsch, die Verlorenen zu retten.

Manchmal ist mein Job frustrierend. Da gibt man sich Mühe, denkt, schreibt, versucht, und alles nur um diesen Papst verständlich zu machen. Und dann kommt der Papst selber und predigt, so dass man nur noch eines sagen kann: Vergiss, was ich gesagt habe und lies direkt.

So eine Predigt hat Papst Franziskus an diesem Sonntag gehalten. Eine von den Predigten, die Biographen noch in zehn, zwanzig Jahren zitieren werden, wenn es darum geht, herauszufinden für was Papst Franziskus steht. Deutlicher, klarer und überzeugender kann man es nicht sagen.

Deswegen stelle ich hier den kompletten Text ein. Eine Meditation der Worte lohnt sich, das ist mehr als eine Predigt. Papst Franziskus weckt in uns eine Sehnsucht von Religion und Glaube, eine Ahnung von dem wer Jesus Christus war und ist. Mich bewegt es immer wieder, direkt auf solche Texte zu stoßen.

 

Predigt von Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier anlässlich der Kardinalserhebung 15. Februar 2015

»Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde«. Von Mitleid bewegt, streckte Jesus die Hand aus, berührte ihn und sagte zu ihm: »Ich will es – werde rein!« (vgl. Mk 1,40-41). Das Mitleid Jesu! Dieses Mit-leiden, das ihn jedem leidenden Menschen nahebringt! Jesus schont sich nicht, nein, er lässt sich hineinziehen in den Schmerz und in die Not der Menschen, einfach weil er „mit-leiden“ kann und will, weil er ein Herz hat, das sich nicht schämt, „Mitleid“ zu haben.

»Jesus [konnte sich] in keiner Stadt mehr zeigen … er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf« (Mk 1,45). Das bedeutet, dass Jesus den Aussätzigen nicht nur geheilt hat, sondern außerdem auch dessen Ausgrenzung auf sich genommen hat, die das Gesetz des Mose vorschrieb (vgl. Lev 13,1-2.45-46). Jesus hat keine Angst vor dem Risiko, das Leiden des anderen auf sich zu nehmen, sondern er zahlt dessen Preis bis zum Äußersten (vgl. Jes 53,4).

Das Mitleid bringt Jesus dazu, konkret zu handeln: den Ausgegrenzten wieder einzugliedern! Das sind die drei Schlüsselbegriffe, die die Kirche uns heute im Wortgottesdienst vorstellt: das Mitleid Jesu angesichts der Ausgrenzung und sein Wille zur Eingliederung.

Ausgrenzung: Mose behandelt das Problem der Aussätzigen unter juristischem Gesichtspunkt und verlangt, dass sie aus der Gesellschaft entfernt und ausgegrenzt werden, solange das Übel anhält, und erklärt sie für »unrein« (vgl. Lev 13,1-2.45-46).

Stellt euch vor, wie viel Leiden und wie viel Scham ein Aussätziger empfinden musste: physisch, gesellschaftlich, psychologisch und spirituell! Er ist nicht nur Opfer der Krankheit, sondern meint, sie auch verschuldet zu haben und fühlt sich für seine Sünden bestraft! Er ist tot bei lebendigem Leibe, wie einer, dem sein Vater »ins Gesicht gespuckt« hat (Num 12,14).

Außerdem flößt der Aussätzige Angst, Verachtung und Ekel ein und wird darum von den eigenen Angehörigen verlassen, von den anderen gemieden, von der Gesellschaft ausgegrenzt, ja, die Gesellschaft selbst stößt ihn aus und zwingt ihn, an Orten zu leben, die von den Gesunden entfernt sind, sie schließt ihn aus. Und das geht so weit, dass ein Gesunder, sollte er sich einem Aussätzigen genähert haben, schwer bestraft und oft selbst wie ein Aussätziger behandelt wird.

Der Zweck dieser Rechtsvorschrift war der, „die Gesunden zu retten“, „die Gerechten zu schützen“ und, um sie vor jedem Risiko zu bewahren, „die Gefahr“ zu bannen, indem man den Ansteckenden erbarmungslos behandelte. So bestimmte ja der Hohepriester Kajaphas, »dass es besser … ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht« (Joh 11,50).

Eingliederung: Jesus stürzt jene Mentalität um, die sich in Angst verschließt und in ihren Vorurteilen selbst beschränkt, und erschüttert sie nachdrücklich. Er hebt jedoch das Gesetz des Mose nicht auf, sondern erfüllt es (vgl. Mt 5,17), wenn er zum Beispiel das Talionsystem für unwirksam und schädlich erklärt; wenn er erklärt, dass eine Beobachtung des Sabbat, die den Menschen verachtet und verurteilt, Gott nicht gefällt, oder wenn er angesichts der Ehebrecherin diese nicht verurteilt, sondern sie sogar rettet vor dem blinden Eifer derer, die schon bereit waren, sie erbarmungslos zu steinigen, weil sie meinten, so das Gesetz des Mose anzuwenden (vgl. Joh 8,3-11). Auch in der Bergpredigt (vgl. Mt 5) krempelt Jesus die Gewissen um, indem er der Menschheit neue Horizonte eröffnet und die Logik Gottes vollkommen offenbart – die Logik der Liebe, die sich nicht auf die Angst gründet, sondern auf die Freiheit, die Liebe, auf den gesunden Eifer und auf den Heilswillen Gottes: »Das … gefällt Gott, unserem Retter; er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen« (1 Tim 2,3-4). »Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer« (vgl. Mt 12,7; Hos 6,6)).

 

Und das ist manchem ein Ärgernis!

 

Jesus, der neue Mose, wollte den Aussätzigen heilen, er wollte ihn berühren, er wollte ihn wieder in die Gesellschaft eingliedern, ohne sich in Vorurteilen selbst zu beschränken, ohne sich der herrschenden Mentalität der Leute anzupassen, ohne sich über die Ansteckung überhaupt Gedanken zu machen. Jesus antwortet auf die flehentliche Bitte des Aussätzigen unverzüglich und ohne die üblichen Verzögerungen, um die Situation zu untersuchen und alle eventuellen Folgen abzuwägen! Was für Jesus zählt, ist vor allem, die Fernen zu erreichen und zu retten, die Wunden der Kranken zu heilen und alle wieder in die Familie Gottes einzugliedern Und das ist manchem ein Ärgernis!

Vor dieser Art von Ärgernis hat Jesus keine Angst! Er denkt nicht an die Verschlossenen, für die sogar eine Heilung ein Ärgernis ist, die an jeglicher Öffnung Anstoß nehmen, an jedwedem Schritt, der nicht in ihr geistiges und geistliches Schema passt, an jeder Liebkosung oder Zärtlichkeit, die nicht ihren Denkgewohnheiten und ihrer ritualistischen Reinheit entspricht. Er wollte die Ausgegrenzten eingliedern und diejenigen retten, die sich außerhalb des Lagers befinden (vgl. Joh 10).

Es sind zwei Arten von Logik des Denkens und des Glaubens: die Angst, die Geretteten zu verlieren, und der Wunsch, die Verlorenen zu retten. Auch heute geschieht es manchmal, dass wir uns am Kreuzungspunkt dieser beiden Arten der Logik befinden: der Logik der Gesetzeslehrer, das heißt die Gefahr zu bannen durch Entfernen der angesteckten Person, und der Logik Gottes, der mit seiner Barmherzigkeit den Menschen umarmt und aufnimmt, ihn wieder eingliedert und so das Böse in Gutes, die Verurteilung in Rettung und die Ausgrenzung in Verkündigung verwandelt.

 

Die beiden Logiken

 

Diese beiden Arten der Logik durchziehen die gesamte Geschichte der Kirche: ausgrenzen und wiedereingliedern. Als der heilige Paulus den Auftrag des Herrn ausführte, die Verkündigung des Evangeliums bis an die Grenzen der Erde zu tragen (vgl. Mt 28,19; Apg 1,8), erregte er Ärgernis und stieß auf starken Widerstand und große Feindseligkeit vor allem bei denen, die eine bedingungslose Befolgung des mosaischen Gesetzes auch von den konvertierten Heiden verlangten. Selbst der heilige Petrus wurde von der Gemeinde hart kritisiert, als er das Haus des heidnischen Hauptmanns Kornelius betreten hatte (vgl. Apg 10).

Der Weg der Kirche ist vom Jerusalemer Konzil an immer der Weg Jesu: der Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung. Das bedeutet nicht, die Gefahr zu unterschätzen oder die Wölfe in die Herde eindringen zu lassen, sondern den verlorenen Sohn aufzunehmen, entschieden und mutig die Verletzungen der Sünde zu heilen, sich die Ärmel aufzukrempeln und nicht darin zu verharren, passiv das Leiden der Welt zu beobachten. Der Weg der Kirche ist der, niemanden auf ewig zu verurteilen, die Barmherzigkeit Gottes über alle Menschen auszugießen, die sie mit ehrlichen Herzen erbitten. Der Weg der Kirche ist genau der, aus der eigenen Umzäunung herauszugehen, um in den Randgebieten der Existenz die Fernen aufzusuchen; der Weg, ganz und gar die Logik Gottes zu übernehmen und dem Meister zu folgen, der sagte: »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten« (Lk 5,31-32).

Indem Jesus den Aussätzigen heilt, fügt er keinem Gesunden Schaden zu, vielmehr befreit er ihn von der Angst; er setzt ihn nicht einer Gefahr aus, sondern schenkt ihm einen Bruder; er verachtet nicht das Gesetz, sondern achtet den Menschen, für den Gott das Gesetz gegeben hat. Tatsächlich befreit Jesus die Gesunden von der Versuchung des „älteren Bruders“ (vgl. Lk 15,11-32) wie auch von der Last des Neids und dem Murren der Arbeiter, die „den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen haben“ (vgl. Mt 20,1-16).

 

Die Liebe kann nicht neutral sein

 

 

Daraus folgt: Die Liebe kann nicht neutral, gleichgültig, lau oder unparteiisch sein! Die Liebe steckt an, begeistert, wagt und bezieht ein! Denn die wirkliche Liebe ist immer unverdient, bedingungslos und gegenleistungsfrei (vgl. 1 Kor 13). Die Liebe ist kreativ, wenn es darum geht, die richtige Sprache zu finden, um mit all denen Verbindung aufzunehmen, die als unheilbar und darum unberührbar angesehen werden. Die Berührung ist die wahre kommunikative Sprache, dieselbe affektive Sprache, die dem Aussätzigen die Heilung vermittelt hat. Wie viele Heilungen können wir vollbringen und vermitteln, wenn wir diese Sprache lernen! Er war ein Aussätziger und ist ein Verkünder der Liebe Gottes geworden. Das Evangelium berichtet: »Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war« (Mk 1,45).

Liebe neue Kardinäle, das ist die Logik Jesu, das ist der Weg der Kirche: nicht nur jene, die an unsere Tür klopfen, mit dem Mut, der dem Evangelium entspricht, aufnehmen und eingliedern, sondern sich aufmachen und ohne Vorurteile und Angst die Fernstehenden suchen und ihnen gegenleistungsfrei das offenbaren, was wir selber gegenleistungsfrei empfangen haben. »Wer sagt, dass er in ihm [Christus] bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat« (1 Joh 2,6). Die rückhaltlose Verfügbarkeit im Dienst an den anderen ist unser Erkennungszeichen, ist unser einziger Ehrentitel!

In dieser Eucharistiefeier, die uns um den Altar des Herrn vereint sieht, bitten wir um die Fürsprache Marias, der Mutter der Kirche, die selber die Ausgrenzung erlitten hat aufgrund von Verleumdungen (vgl. Joh 8,41) und Exil (vgl. Mt 2,13-23). Sie erwirke uns die Gnade, Diener in der Treue zu Gott zu sein. Sie, die Mutter, lehre uns, keine Angst zu haben, die Ausgegrenzten mit Zärtlichkeit aufzunehmen; keine Angst vor Zärtlichkeit und Mitleid zu haben. Sie statte uns mit Geduld aus, wenn wir jene Menschen auf ihrem Weg begleiten, ohne Ergebnisse eines weltlichen Erfolgs zu suchen. Sie zeige uns Jesus und lasse uns vorangehen wie er.

Liebe Brüder, im Blick auf Jesus und auf unsere Mutter Maria rufe ich euch auf, der Kirche so zu dienen, dass die Christen – durch unser Beispiel angeregt – nicht in Versuchung kommen, bei Jesus zu sein, aber nicht bei den Ausgegrenzten sein zu wollen, und sich in einer Kaste abkapseln, die nichts mit echter Kirchlichkeit zu tun hat. Ich rufe euch auf, dem gekreuzigten Christus in jedem Menschen zu dienen, der ausgegrenzt ist, ganz gleich aus welchem Grund; den Herrn in jedem Ausgeschlossenen zu sehen, der hungert, der dürstet, der nackt ist; den Herrn, der auch in denen gegenwärtig ist, die den Glauben verloren haben oder die davon Abstand genommen haben, ihren Glauben zu leben; den Herrn, der im Gefängnis ist, der krank ist, der keine Arbeit hat, der verfolgt wird; den Herrn, der im körperlich oder seelisch Aussätzigen ist, der diskriminiert ist! Wir entdecken den Herrn nicht, wenn wir den Ausgegrenzten nicht ehrlich aufnehmen! Erinnern wir uns immer an den heiligen Franziskus, der sich nicht scheute, den Aussätzigen zu umarmen und die aufzunehmen, die unter jeglicher Art von Ausgrenzung leiden. Tatsächlich, am Evangelium der Ausgegrenzten zeigt und erweist sich unsere Glaubwürdigkeit!

 

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14 Kommentare zu Die Angst, die Geretteten zu verlieren, und der Wunsch, die Verlorenen zu retten.

  1. AM sagt:

    Die ganze Predigt spiegelt das Denken und Handeln von Franziskus wieder.
    „Jesus stürzt jene Mentalität um, die sich in Angst verschließt und in ihren Vorurteilen selbst beschränkt“- ja, die Stereotypen, das „Angepasste“, das „diktiert“ Gültige und das oberflächlich Gelernte „ohne die „Wurzeln Kenntnis“ können sehr die Freiheit und das Gebot der Stunde blockieren, oder sogar zum falschen Handeln zwingen. Parallel zu diesen wahren Worten kam mir Powell (aus dem Film Instinkt) mit seinen Zeilen auf dem Zettel nach seiner Flucht aus dem Gefängnis „dass Freiheit tatsächlich existiert („Sie liegt jenseits der Mauern die wir selbst errichten.“)“ in den Sinn. Lief heute im Fernseher 🙂

  2. Kosmas sagt:

    Hier hört und liest man, dass Nachfolge etwas anderes ist als der „Gott geschuldete und korrekt ausgeführte Kult“ auf dem Boden eines „abgezirkelten Lehrsystems“. Es sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, ist es aber nicht. Der „Gott geschuldete Kult“ gibt der Religion ein glänzendes Gewand, unterliegt sicher nicht der „Häresie der Formlosigkeit“; aber er hat mit der jesuanischen Botschaft wenig zu tun, mehr mit Konstantin und den Folgen. Organisationen wollen logischerweise immer Klarheit und möglichst viel Eindeutigkeit, deshalb erfreuen sie sich daran; ist nachvollziehbar. Aber der Preis ist hoch: So wurde und wird die Botschaft immer entschärft, damit es in der Organisation in Ordnung ist. Unsere Heiligen haben das immer wieder klargemacht. Papst Franziskus sei mehr als gedankt, dass der „oberste Monarch“ als „Antimonarch“ auf diese tiefen Ambivalenzen aufmerksam macht!

  3. Christa sagt:

    Lieber Pater Hagenkord,
    herzlichen Dank für die Veröffentlichung des Predigttextes. Das wäre ansonsten nicht so ohne weiteres zu finden. Ihr Blog bzw. der Newsletter sind einige der wenigen kirchlich-sachlichen Informationsquellen. Auch hier ist es wieder bemerkenswert, wie sich der Papst äußert. Man kann ihm auch ohne theologisches Studium gut zuhören – bei ihm hab ich immer etwas das Gefühl, dass er beim Predigen in unserer Dorfkirche steht und die Leute direkt anspricht.

  4. Vom-anderen-Stern sagt:

    Heinrich Böll, dessen katholische Heimat St. Peter in Köln war, würde über diese Predigt gewiß ebenfalls ungeteilte Freude empfinden. Man lese: http://zeitzeichen.net/kultur-naturwissenschaft/heinrich-boell/
    und https://www.herder-korrespondenz.de/kultur/literatur/was-heute-von-heinrich-boell-zu-lernen-waere-ein-unbequemer-katholik-auszug

  5. chrisma sagt:

    Zu den Menschen die „nah am Wasser gebaut“ haben gehöre ich nicht sicher nicht. Tränen hatte ich aber besonders beim Schlussakkord dieser Predigt in den Augen. Mein Herr Jesus, der arme Jesus von Nazareth ist in den Vatikan zurückgekehrt. Dank unserem Papst Franziskus. Er hat die neuen Kardinäle mit Bedacht gewählt und nun sollten wir für sie beten das sie Kirchenschiff im Sinne dieser außergewöhnlichen Predigt dienend steuern.

  6. Liebe Pater Hagenkord, ich hoffe und wünsche das viele Menschen diese großartige Predigt lesen und darüber meditieren werden.
    Ich habe gestern mit offenen Mund wie schon oft Franziskus Predigt gehört, doch diese war eine Sternstunde. Es ist eine Freude, innere Arbeit drüber zu meditieren, und eine große Aufgabe dies umzusetzen.
    Ich bin danke jeden Tag für diesen Papst.
    Und ihnen danke ich für die große Mühe die sie sich immer wieder machen.

  7. Michael sagt:

    Meines Erachtens kann auch die schönste Rede oder Predigt nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, dass viele Lebewesen auf dieser Erde verloren gehen und der Wunsch, diese Verlorenen zu retten, einfach nicht in Erfüllung geht.
    Besser wäre es, dafür zu sorgen, dass jedem Menschen von Geburt an ein menschenwürdiges Grundeinkommen zur Verfügung steht.
    Wer glaubt, dass das nicht zu finanzieren ist, sollte sich einmal unvoreingenommen, aber auch intensiv mit der Webseite: „www.bandbreitenmodell.de“ befassen. Hier kann man ein Wirtschaftssystem kennenlernen, das es jedem Menschen erlaubt, nach seinen Wünschen selig zu werden. Falls das jedem jedoch nicht gelingen sollte, ist bei den „Erfolgreichen“ genügend Geld vorhanden, um dieser Minderheit der Erfolglosen problemlos helfen zu können

  8. Vom-anderen-Stern sagt:

    Nüchtern betrachtet stellt man fest, dass von derzeit 227 Kardinälen nur sieben, also lediglich 3 Prozent jünger als 60 Jahre sind. Es mag eine sehr gute Reform sein, bei dem Verleihen der Kardinalswürde einer weltumspannenden Christenheit ausgewogen örtlich Rechnung zu tragen, eine – vielleicht radikalere – Reform wäre es, auch die Altersstruktur substanziell nach unten ausdehnen, denn naturgemäß nimmt ab der sechsten Lebensjahrzehnt die Leistungsfähigkeit ab und kerngesund sind dann in der Regel nur noch wenige. Jesus war ja selber ein junger Mann, als er wirkte, und seine Apostel dürften in etwa genau so alt wie er gewesen sein. Also warum sollte es keinen 40jährigen Kardinal geben?

    • AM sagt:

      Lieber @Vom-anderen-Stern, da der 40-jährige Kardinal wahrscheinlich durch ungesunde Ehrgeiz und fehlende Weisheit die Freiheit selbst nicht kennen kann:) Franziskus von sich selbst sagte, „in jüngeren Jahren war Er weit entfernt von dem, das Er erst später innehatte“ so ungefähr.

      Noch eine Anmerkung, derjenige, der permanent geistig aktiv bleibt, bei dem muss nicht unbedingt seine Leistung nachlassen. Und „Hirnleistung“ allein reicht nicht – die Weisheit, die zählt, und ist in diesem Umfeld viel wichtiger.

      • Vom-anderen-Stern sagt:

        Ihre Analyse macht klar, warum es im Mittelalter bisweilen so unselig in der Kirche zuging – mangelnde Weisheit der Kleriker infolge durchschnittlich geringerer Lebenserwartung. Wie alt mag wohl Salomon gewesen sein, als Gott ihm seine Weisheit schenkte (1 Könige, Kap. 5, Vers 9-14)?
        http://www.demografie-blog.de/2013/03/papste-fit-wie-nie/

        • AM sagt:

          Ich nehme Ihre Ironie zu der Weisheit der Päpste im Mittelalter gerne entgegen 😉
          Eine Frage: Wieviele von den „Salomons“ haben wir heute? Es kann gut sein, dass es mehrere gibt, die leider in den Strukturen der Kirche nicht zum Erschein kommen, mindestens heutzutage. Hoffe, das Franziskus hilft dies zu ändern. Es ist nicht einfach die über Jahre gewonnene Überzeugung und Gewohnheiten zu brechen.
          Die gewählten Kardinäle sind vornehmlich aus den Ländern außerhalb Europa. Da ist die Hoffnung auf selbstständiges Denken hoch.

          Die neue Generation von Kardinälen, die Weise und unter 60 sind, wird kommen, denke ich. Das braucht Zeit und neue Kultur des Handelns in der Kirche. Und es muss schon nach der Priesterweihe beginnen, damit nicht zum „business as usual“ kommt.

          Johannes Paul I. war 58 alt, als Er Papst wurde. Das Potenzial, das der Papst hatte, war nie wirklich bis Ende in Seinem Pontifikat ausgeschöpft worden. Nicht mal in Polen könnte Er den Prozess in der Kirche stoppen oder verändern können, dass es so „unselig“ dort zuging. Warum? Man möge mehrere Grunde und Umstände hier aufzählen. M.E. nach war es Sein Alter.

    • Elasund sagt:

      Wow. Echt erschreckend!!! Kein einziger Kardinal ist unter 50 Jahre alt. Hier wäre wirklich mal Bedarf für eine Reform:
      Mein Vorschlag: Kardinal nicht mehr (automatisch) auf Lebenszeit. Wenn es wirklich ein Dienstamt ist und keine Auszeichnung, kann es auch für eine bestimmte Zeit ausgeübt werden. Dann kann man auch einen 30-jährigen zum Kardinal bestimmen der 10 Jahre später wieder was anderes macht. UND:
      Frauen in den Kardinalsrang!!! Ich nicht für das Frauenpriestertum aber Frauen als Kardinäle die den Papst mitwählen und bei wichtigen Themen gleichberechtigt mitarbeiten könnten die Kirche bereichern.

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