Die Angst vor der verbeulten Kirche

Es ist mal wieder so weit: Papst Franziskus hört eine Stunde lang öffentlich auf dem Petersplatz Beichte, und die Kritiker können sich gar nicht mehr beruhigen. Beschädigung des Amtes sei das, er mache das nur für die Kamera, das sei alles ein Ego-Trip, er sei für die Weltkirche da und nicht für billigen Populismus, das sei untheologisch und so weiter und so fort. Zu besichtigen unter anderem in den Kommentarspalten bei uns auf Facebook. Bis hin zu dem Herrn, der tatsächlich Benedikt XVI. als letzten wahren Papst bezeichnet, so wirklich echte Sedisvakantisten trifft man sonst nur selten. Und auch dann nur mit der Auffassung, Pius XII. sei der letzte gewesen, unser Kandidat hier erkennt immerhin noch einige mehr an.

Aber wie gesagt, ob es die Flüchtlinge sind, die der Papst aus Lesbos mitgebracht hat, das Beichte hören, das Sprechen davon, dass alle Menschen „Kinder Gottes“ seien, das treibt Menschen auf die Barrikaden.

Warum nur?

Papst Franziskus hört Beichte auf dem Petersplatz

Einige halten das für gegen die Würde des Amtes: Papst Franziskus hört Beichte auf dem Petersplatz

Bevor ich auf die Motive einzugehen mich traue, möchte ich ein Hilfsmittel zum Verständnis heran ziehen, nämlich den Begriff „Integralismus“. Der umfasst nicht alle Kritiker des Papstes, beileibe nicht, man muss genau aufpassen, aber die oben angesprochenen Exponenten eines Unbehagens mit dem Papst, der sich zu sehr mit dem Gewöhnlichen gemein macht, kann ich damit zu verstehen suchen.

Integralismus in aller Kürze bedeutet eine Selbstbestimmung durch Abgrenzung und Ablehnung, die ihre Weltsicht aus nur einer Quelle bezieht. Sie bedeutet eine Reduktion von Komplexität zugunsten von fixen Fundamenten. Das ist mein Ausgangspunkt.

 

Schon einmal war ein Papst dagegen

 

Integralismus ist also weniger an Gott interessiert, als an Religion als Garanten einer gesellschaftlichen Ordnung. Genau das wurde ihm ja schon in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorgeworfen, als Papst Pius XI. ihn verwarf und eine Ausprägung – die Action Française – auf den Index setzte. Diese Geschichte hat eine interessante Lehre, denn integralistische „Konservative“ hatten immer auf den Papst als Letztinstanz verwiesen, nun wendete sich dieser aber gegen sie, mit dem Resultat, dass zum einzigen Mal im 20. Jahrhundert ein Kardinal und Unterstützer der Action vom Kardinalsamt zurück trat. Louis Billot, übrigens ein Jesuit.

Integralismus ist eine Form von Fundamentalismus. Man wendet sich vor allem gegen die Normen der modernen Welt, normalerweise als „Zeitgeist“ beschimpft, wobei diese meistens übertrieben dargestellt werden, des besseren Kontrasts wegen. Die Gefahr und der Gegner sind dann ja stärker, um so heroischer wirkt der eigene Widerstand.

Grundsteine sind fixe Sätze, die als unfehlbare Glaubenswahrheiten anzunehmen sind. Ohne die geht es nicht. Aus diesen fixen Sätzen folgt dann eine Omnikompetenz, man hat zu allem was zu sagen. Diese Sätze werden dann auch zu „Testfragen“, an denen man andere Positionen misst, ein Formalismus, der letztlich am Leben vorbei geht.

Als Historiker ist mir persönlich am vergnüglichsten die Reduktion der Geschichte auf selbstgebastelte Thesen, siehe „Messe aller Zeiten“ und so weiter. Zur Legitimierung wird eine Vergangenheit herbei behauptet, die bei genauerer Hinsicht keiner Untersuchung stand hält. Das Vorgehen ist also unhistorisch.

 

Im Kern unhistorisch

 

Wenn man kirchliche Äußerungen zum Thema Integralismus sucht, findet man vor allem Beschreibungen von Reaktionen: Johannes Paul II., Benedikt XVI. bis hin zu meinem Lehrer in Fundamentaltheologie beschreiben das Phänomen als Reaktion auf eine andere Ideologie, den Modernismus oder Progressismus. Ein Zitat nur: „Und solch unkritischer Progressismus weckt dann wiederum seinen Gegenpart, den Integralismus auf“ (Joseph Ratzinger auf dem Katholikentag 1966 in Bamberg). Damit wird das natürlich nicht klarer, denn damit muss man ja erst mal „Modernismus“ oder „Progressismus“ klar bekommen.

Nun helfen uns diese Begriffsbestimmungen nicht unbedingt weiter, wirklich harte und klare Integralismen finden sich zwar lautstark auf ihren eigenen Webseiten, aber in Reinform und Radikalität sind sie dann doch eher seltene Wesen.

Mir scheint deswegen, dass wir da zwischen einem „starken“ und einem „schwachen“ Integralismus unterscheiden würden. „Stark“ wäre er in Menschen, die sich anmaßen, in gültige und ungültige Päpste zu unterscheiden, selber Lehramt zu spielen, katholische Lehrsätze auf andere Lebensbereiche anzuwenden und die Unterwerfung der Welt unter die Kirche zu fordern. Wie gesagt, zum Glück eher seltene Phänomene.

Ein „schwacher“ Integralismus wäre demnach einer, der Unbehagen mit dem Papst verspürt bis hin dazu, dass er einen Widerspruch zum Glauben vermutet, wenn auch nicht behauptet.

 

Ein „schwacher Integralismus“

 

Dahinter liegt – und da sind sich fast alle Beobachter des Phänomens, die ich gelesen habe, einig – eine tiefe Verunsicherung. Einige sagen auch eine tiefe Angst. Was als Fundament der eigenen Weltinterpretation gegolten hat, ist nicht mehr oder ist in Frage gestellt und muss deswegen gerettet werden. Man braucht ein geistiges Korsett gegen die Verunsicherung.

Die Gefahr dieser Interpretation ist, dass man sich in psychologisch-herablassendem Ton über andere erhebt, man muss also gut aufpassen, nicht übergriffig zu werden. Trotzdem kann man aber mit Vernunft eine solche Verunsicherung oder Angst beschreiben, indem man die Wirkungen beobachten. Der Soziologe Heinz Bude hat ein Buch über die Angst geschrieben, darin findet sich der kluge Satz „Wer von Angst getrieben ist, vermeidet das Unangenehme, verleugnet das Wirkliche und verpasst das Mögliche“ (Gesellschaft der Angst, S. 15).

Das sind beobachtbare Phänomene. Unser Vertreter eines „schwachen Integralismus“ würde demnach die Herausforderungen etwa durch den Papst, aus sich heraus zu gehen, Risiken einzugehen, die Kirche neu uns missionarischer zu machen, vermeiden, weil es unangenehm ist in dem Sinn, dass der Rückhalt wegfallen würde. Um in den Worten des Papstes zu bleiben, er hat Angst vor den „Beulen“. Gleichzeitig wird er Tatsachen negieren, wie wir es im politischen Bereich zum Beispiel in der Behauptung kennen, es gebe gar keine Erderwärmung (vor allem in den USA gerne genommen). In Reaktionen auf die Flüchtlings-Aussagen des Papstes kann man das im kirchlichen Bereich gut sehen. Drittens erkennt man diesen „schwachen Integralismus“ daran, dass nichts voran geht, also „das Mögliche verpasst“ wird. Man hält sich fest und findet nichts Neues, Angemessenes, in Sprache, Ausdruck und Glauben.

 

Beispiel: Liturgie

 

Das hier sind nur skizzenhafte Gedanken, deswegen möchte ich auch nicht umfassend, sondern mit einem Beispiel enden: Liturgie. Das war ja lange Zeit Hauptkampfplatz des Streites um Moderne, Anpassung und Reaktion darauf. Ich möchte noch einmal Joseph Ratzinger zitieren, der beim Katholikentag 1966 in Bamberg über die Liturgiereform gesprochen und diese ziemlich scharfsinnig verteidigt hat. Aus diesem Argument kann man viel lernen, vor allem auch, weil die Vertreter der verschieden Integralismen vor allem in der Liturgie – der „Messe aller Zeiten“ – ihren Rückhalt sehen. Ratzinger wendet sich gegen einen Theologen, der in Reaktion auf das Konzil und die Volkssprachlichkeit der Messe eingewendet habe, die lateinische Messe müsse überall erhalten bleiben, damit sie überall gleich sei. In seinem Vortrag nennt der junge Professor Ratzinger das „Die Liturgie ins Museum der Vergangenheit einreihen“. Kommt die Formulierung bekannt vor? Genau. Das sind die „Museumschristen“, von denen Papst Franziskus heute, 50 Jahre später, immer noch spricht. Aber lesen wir Prof. Joseph Ratzinger:

„Wenn Friedrich Heer [das ist der oben angesprochene Theologe] kürzlich einmal geäußert hat, die lateinische Liturgie müsse erhalten bleiben und der Katholik müsse überall, und sei es einmal auf dem Mars oder auf dem Mond sie vorfinden können, so wie er seinen Seneca und seinen Homer überall finden wolle, so heißt das, die Liturgie ins Museum der Vergangenheit einreihen, in die ästhetische Neutralisierung abdrängen und von vornherein voraussetzen, dass sie in ihrer ursprünglich gemeinten Bedeutung heute gar nicht mehr gemeint sein kann. In diesem Sinn beruht das Skandalöse der Liturgiereform darin, daß sie durchaus naiv genug ist, Liturgie noch immer so zu meinen, wie sie eigentlich gemeint war: nämlich sie ernst zu nehmen als das, was sie ist. Insofern wird man behaupten dürfen, dass heute niemand überzeugender Notwendigkeit und Recht der Liturgiereform beweise als ihre Gegner, denn was sie verteidigen, ist ein Missverständnis der Liturgie, und was sie beweisen, ist folglich dies, daß die bisherige Form der Liturgie Gefahr lief, das Missverständnis als das Eigentliche erscheinen zu lassen. Wer dies sieht, wird zugleich zugeben, dass zur Liturgiereform bis zu einem gewissen Grad der Skandal und das Missverständnis, das Unbehagen gehört. Er wird erkennen, daß man die Liturgiereform nicht daran messen kann, ob sie die Zahl der Kirchenbesucher vermehrt hat, sondern einzig und allein daran, ob sie dem Grundwesen des christlichen Gottesdienstes als solchem entspricht. So werden wir sagen: Liturgie hat nicht den Sinn, uns schaudernd und ahnungsvoll mit dem Gefühl des Heiligen zu erfüllen, sondern uns mit dem schneidenden Schwert des Wortes Gottes zu konfrontieren; sie hat nicht den Sinn, uns den festlich-schönen Rahmen zu liefern für stille Einkehr und Besinnung, sondern uns einzufügen in das Wir der Kinder Gottes und damit auch in die Kenose Gottes, der ins Gewöhnliche abgestiegen ist.“

Vielleicht mag ja unser freundlicher Sedisvakantist auf der Facebook-Seite noch mal überdenken, ob er wirklich Benedikt XVI. noch als „echten“ Papst anerkennen will.

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32 Kommentare zu Die Angst vor der verbeulten Kirche

  1. Christa sagt:

    Ich habe durch die RV-Berichterstattung davon gehört, dass Franziskus auf dem Petersplatz die Beichte abgenommen hat. Vor „Schreck“ ist mir glatt die Tastatur runter gefallen: Unser jetziger Papst ist immer wieder für eine Überraschung gut. Ich kann es gar nicht mit Worten beschreiben, wie gut ich es finde, dass er wie ein ganz normaler Seelsorger mit den Menschen spricht und auch so handelt. Ich denke nicht, dass das nur aus Show-Gründen gemacht wird. Diesem Papst ist die Seelsorge, zu der halt auch die Beichte zählt, ein echtes Anliegen. Das merken die Menschen auch. Weil es ein Papst macht, wird es wohl als etwas Besonderes wahrgenommen.

  2. Amica sagt:

    Ich bin aus Versehen in die Freundesliste vom „freundlichen Sedisvakantisten“ hineingerutscht – er hat über 1000 Freunde, obwohl er wohl nicht groß bekannt ist und ausschließlich religiöse Texte auf seiner Seite postet. Er bezieht sich auf ein „Buch der Wahrheit“ – so eine Art prophetische Schrift. Und darin wird von einem Papst erzählt, der Benedikt XVI. ähnelt… daher kommt er immer auf Benedikt zu sprechen.
    Er ist ein sehr eifriger Facebookschreiber und vielleicht freut er sich insgeheim, dass Sie ihn hier extra und mehrfach erwähnen.
    Ich weiß nicht, könnte schon sein. 🙂
    Was Ihren Text angeht, muss ich leider sagen, dass er diesmal recht kompliziert ausgefallen ist… Was auch nicht unbedingt an Papst Franziskus‘ Stil erinnert. Leider.
    Eine Frage nur – bitte nicht falsch verstehen – ich bin nur neugierig und nicht sonderlich bewandert: Welche „Fundamente“ sind dann gut zu heißen und längerfristig gültig? Auf was können Katholiken sich noch verlassen? Oder ist die Katholische Kirche für die Zukunft so zu definieren, dass sie nur noch drei Konstanten auf alle Zeiten gelten lassen will: Nächstenliebe (bezüglich der Lebensführung), Bibelstudium (kontemplative Haltung eines Christen) und persönliches Gebet. Der Gottesdienst kann sich ja wandeln.
    Ich denke halt, dass sich die Amtskirche nicht unbedingt einen Gefallen damit tut, so flexibel zu sein… Es geht hin zu dem Punkt, dass selbst hohe Würdenträger in der Kirche nicht mehr recht zu wissen scheinen, was jetzt Lehre der Kirche ist und was nicht. Was ist jetzt mit den Wiederverheirateten Geschiedenen, was mit den Homosexuellen, was mit den Frauen in der Kirche? Irgendwie sind selbst die Bischöfe etwas verwirrt, nicht?
    Ich finde diese Haltung sehr ehrlich – denn die Bibel richtig auszulegen ist im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit. Aber das macht den Glauben an das Richtige, Wahre, an Gott noch komplizierter als er eh schon ist.
    Wie wollen die Kirchenoberen den Gläubigen – von denen viele, laut Erzbischof Heße, über einen Kinderglauben nicht groß hinaus gekommen sein sollen – diese „Lehre“ vermitteln?
    Das wird eventuell ziemlich schwierig werden.
    Nicht falsch verstehen, ich find den Papst schwer in Ordnung, aber er spaltet, denk ich schon. Ob das alles gut gehen wird, ich weiß nicht.
    Wie wird der Christ der Zukunft aussehen? Das ist spannend. Vielleicht brauchen wir gerade diesen Umbruch… Ein Dauerzustand kann er aber doch nicht sein, oder?
    Ich will niemand hier anklagen… Mich würde nur interessieren, was die Leute hier im Blog darüber denken.

  3. S.G. sagt:

    Ich finde es prima, dass Papst Franziskus die Beichte abnimmt: Er zeigt hiermit deutlich, dass der Papst der Oberhirte / Oberseelsorger ist und keine Marionette des Vatikanischen Klerus´ist.
    Vielleicht werden dann einigen (in Deutschland wahrscheinlich die überwiegende Mehrheit)Priestern die Augen aufgehen und sie sich ihrer ureigensten Hauptaufgabe bewusst werden: Die Aufgabe eines Priesters ist es, den ihnen anvertrauten Menschen die Möglichkeit zur Umkehr zu bieten.Die Eucharistie feiern kann man auch im Himmel, umkehren aber nicht mehr! So viele Priester versündigen sich, weil sie diese Aufgabe entweder gar nicht oder nur sehr ungern tätigen (man kann davon ausgehen, dass diese Priester selbst auch nicht zur Beichte gehen, denn sonst würden sie die Beichte abnehmen wollen -> denn was man selbst nicht kennt, will man dann auch nicht an anderen anwenden….). Papst Franziskus handelt nicht wegen der Publicity, er handelt nach dem Evangelium. Er muss sich letztendlich vor seinem Richter, Jesus Christus, verantworten.Denn wem viel gegeben wurde, von dem wird auch viel gefordert werden!!!(Lk 12,48)

  4. Carmen Fink sagt:

    Mir fällt für seine Kritiker nur ein Wort ein, Angst, starr vor Angst. Ich kann es nur wiederholen, ich hoffe Franziskus bleibt uns lange erhalten. Der gute Hirte.

  5. Elasund sagt:

    Ich fände es toll, wenn Sie im nächsten Artikel dann über „Modernismus“ oder „Progressismus“ schreiben. Nach meinem Eindruck, könnten so manche Sätze kopiert werden, z. B. „Selbstbestimmung durch Abgrenzung und Ablehnung“ oder „Reduktion von Komplexität zugunsten von…“.
    Also mein Eindruck ist, dass JEDER egal ob modern oder nicht Informationen sammelt entsprechend der eigenen Agenda. Mir fällt das z. B. besonders beim Thema Liturgie auf, weil ich mich selbst für diesen Bereich nicht besonders interessiere, also bei vielen Themen keine eigene Meinung habe.
    Nur mal zwei Beispiele aus der „modernen Ecke“:
    Ein Priester in München wurde von Gemeindemitgliedern massiv unter Druck gesetzt wurden, weil er beim Vater Unser den Embolismus gebetet hat (dieses „Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen….) Er (der Priester) würde hier Machtausübung mit dem Mikrophon betreiben und außerdem sei dieses Gebet unökumenisch. (Der Priester hat nachgegeben.) Oder ich habe selbst in einer Kirche die Ansage gehört „Wir empfangen die Kommunion im Stehen und machen auch keine Kniebeuge.“ Mich hat das nicht gestört, denn ich entspreche dem sowieso, aber ich kenne Katholiken die es halt für sich anders wollen und die werden mit solchen Ansagen abgegrenzt und ausgeschlossen.

  6. Suarez sagt:

    „Integralismus ist also weniger an Gott interessiert, als an Religion als Garanten einer gesellschaftlichen Ordnung. Genau das wurde ihm ja schon in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorgeworfen, als Papst Pius XI. ihn verwarf und eine Ausprägung – die Action Française – auf den Index setzte. Diese Geschichte hat eine interessante Lehre, denn integralistische „Konservative“ hatten immer auf den Papst als Letztinstanz verwiesen, nun wendete sich dieser aber gegen sie, mit dem Resultat, dass zum einzigen Mal im 20. Jahrhundert ein Kardinal und Unterstützer der Action vom Kardinalsamt zurück trat. Louis Billot, übrigens ein Jesuit.“

    M.W. ist Billot nicht zurückgetreten, sondern Pius XI. hat ihn aus dem Kardinalat entfernt.
    Und ich möchte ergänzen, dass aus dem reaktionär-braunen Sumpf der Action francaise über das Vichyregime (also die französischen Nazikollaborateure) eine Verbindungslinie bis zur Piusbruderschaft reicht!

  7. Suarez sagt:

    „Nur mal zwei Beispiele aus der „modernen Ecke“:
    Ein Priester in München wurde von Gemeindemitgliedern massiv unter Druck gesetzt wurden, weil er beim Vater Unser den Embolismus gebetet hat (dieses „Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen….) Er (der Priester) würde hier Machtausübung mit dem Mikrophon betreiben und außerdem sei dieses Gebet unökumenisch. (Der Priester hat nachgegeben.) Oder ich habe selbst in einer Kirche die Ansage gehört „Wir empfangen die Kommunion im Stehen und machen auch keine Kniebeuge.“ Mich hat das nicht gestört, denn ich entspreche dem sowieso, aber ich kenne Katholiken die es halt für sich anders wollen und die werden mit solchen Ansagen abgegrenzt und ausgeschlossen.“

    1) Ich bin in unterschiedlichsten Diözesen und Pfarreien zu Hause gewesen – aber solche Geschichten habe ich nie erlebt und halte sie für Räuberpistolen.

    2) Wie kann man einen Pfarrer unter Druck setzen? Und warum lässt er – so die Geschichte, was ich bezweifle, stimmen sollte – eine Diskussion zum Embolismus zu?

    3) „die Ansage gehört „Wir empfangen die Kommunion im Stehen und machen auch keine Kniebeuge.““

    Das ist eine Aussage – hier wird niemandem eine Vorschrift gemacht. Jede und jeder kann die Kommunion so empfangen, wie er mag. Ich halte eine Mundkommunion für überflüssig, wenn man sich die Hände gewaschen hat. Als Weihrauchfassträger habe deswegen aber die Mundkommunion gepflegt, weil meine Hände verschwitzt waren, und ich zu Hause vor dem Essen selbstverständlich die Hände gewaschen hätte. Das war als Ministrant nicht möglich. Aber ansonsten halte ich die Mundkommunion für überflüssig. Das würde ich auch so sagen – nur, warum mache ich mit einer Ansage Vorschriften? Das ist Humbug!

    • Elasund sagt:

      zu 3) Die Ansage habe ich selbst gehört und es war definitiv eine Aufforderung. Es war im Zusammenhang eindeutig. Gegen die Mundkommunion war es nicht gerichtet sondern (nur) gegen die „fromme Steigerung“. Insgesamt sicher keine Räuberpistole lt. Wiktionary „unglaubliche, haarsträubende Geschichte (die jemand als wahr präsentiert)“. Es zeigt für mich halt eine gewisse Enge, aber als Skandal o. ä. wollte ich es nicht präsentieren. Eine gewisse Enge zeigen auch Konservative, aber eben nicht nur – dafür wollte ich ein Beispiel geben.
      zu 2) Die Geschichte mit dem Embolismus habe ich tatsächlich nur gehört aber von denjenigen die (angeblich) diese Diskussion mit dem Pfarrer geführt haben. „Machtausübung mit dem Mikrophon“ und „unökumenisch“ waren die beiden zitierten Argumente und die Drohung war Beendigung der Gottesdienstmitgestaltung. Und es war ein gewisser Stolz da, dass der Pfarrer diesmal dem Druck nachgegeben hat. (Es kann gut sein, dass es dem Pfarrer egal ist wie er das betet, aber ich finde es schon übergriffig, wenn ich dem Pfarrer vorschreiben will was und wie er beten darf. Diese Übergriffigkeit gibt es eben nicht nur bei „Franziskusgegnern“.)

      • Suarez sagt:

        Aussagen sind Aussagen und Aufforderungen sind Aufforderungen. Wie Sie die Perlokution einer Aussage empfinden, ist Ihre Angelegenheit als Adressatin.
        Wenn es eine Aufforderung war, müssen Sie sie als solche auch wiedergeben. Ich halte das nach wie vor für Räuberpistolen. Genauso wie den ganzen Stuss zum liturgischen Missbrauch. Ich habe nie einen mitbekommen – und ich kenne das Messbuch. Es sei denn: lieblosest heruntergelesene Messen.

        • Elasund sagt:

          @Suarez Was genau wollen Sie mir oder den anderen Lesern sagen? Ich hörte den von mir zitierten Satz und wußte den Hintergrund. Ich kenne die Adressaten die gemeint waren. Ich glaube nicht, dass es jemand in der Gemeinde anders verstanden hat als ich. Mit dem Begriff Räuberpistole kann ich trotz Wiederholung nichts anfangen. Da müssten Sie mir vielleicht erklären, was daran so schlimm oder unglaubwürdig sein soll. Der Begriff „liturgischer Missbrauch“ gehört nicht zu meinem Wortschatz und ich habe keine Ahnung was das genau ist.

  8. thesaurus sagt:

    Ich finde es selbstverständlich, dass auch der Papst die Beichte hört. Schließlich ist er Priester. Warum aber muss er das in dieser Weise tun? Was unterscheidet eine Beichte bei ihm von einer Beichte bei einem x-beliebigen Priester? Ich hätte es besser gefunden, wenn es viele Beichtgelegeneheiten/Beichtstühle gegeben hätte. In einem sitzt der Papst. Man weiß nur nicht in welchem. So gehen die Jugendlichen wirklich wegen der vergebenden Begegnung mit Christus zur Beichte. Nicht aus falschem Personenkult….

    • Suarez sagt:

      Ich bin ziemlich froh, dass der Papst nicht den Muff von Beichtstühlen aufgesucht hat. Dieses Sakrament muss dringend raus aus einem falsch verstandenen Individualismus hin zu gemeinschaftlich erlebter Vergebung.

    • Elasund sagt:

      Von der Symbolik fand ich es sehr gut, dass nicht nur der Papst Beichte gehört hat sondern einige weitere Priester. Damit wird eben klar, dass er auch „nur“ Priester ist. Ich weiß noch, dass mich als Kind mal eine Zeitungsmeldung beeindruckt hat über den Beichte hörenden Johannes Paul II. Da sitzt der Papst höchstpersönlich im Beichtstuhl wie jeder andere Beichtvater auch. Personenkult… nu ja, der lässt sich halt nie vermeiden. Wenn ich es noch richtig weiß gab es bei Johannes Paul ein riesiges Gedränge und Gerangel wer in den Beichtstuhl darf, also bzgl. Personenkult ist Franziskus bestimmt nicht der erste.

  9. Rosi Steffens sagt:

    Papst Franziskus zeigt mit der Abnahme der Beichte von Jugendlichen seine Nähe zum Volk in einer sehr menschlichen aber auch angemessenen Haltung. Jesus ist das Maß für die wahre Menschlichkeit und nicht Mitmenschen, die sich selbst über das Menschsein anderer stellen.

    Bedenken sind der größte Hemmschuh für den Fortschritt im Bewusstsein für die Transzendenz im eigenen Dasein. Spontanität bereichert das Leben um seinen menschlichen Charakter und fordert damit den Glauben an Gott. Menschliche Kreativität ist in der Lage durch diesen Glauben etwas ganz wundervolles zu bewirken, nämlich das Vertrauen in ihre von Gott gewollte Existenz. Unsere Aufgabe ist es die Gegenwart zu nutzen, um ihr das Postulat einzuräumen, das unser menschenwürdiges Verhalten abverlangt. Damit bereichert sich die ganze Menschheit um den Alltag menschlicher Kompetenz und verschwendet sie nicht an Zukunftsideale, deren Visionäre oft ohne die Beachtung der Gegenwart handeln. Gott hilft uns nicht dabei bessere Menschen zu werden, doch im Evangelium zeigt er uns auf, wie wir selbst daran arbeiten können. Wir müssen es wollen und diesen Willen Gott unterordnen, der uns durch Jesus Christus unser Heil versprochen hat. Der Glaube stellt die mentale Verbindung zu diesem Versprechen her, das in Liebe das Leben zum Ausdruck bringt und es uns in seiner ganzen Herrlichkeit zur Verfügung stellt. So habe ich es erfahren dürfen. Gott vertraut Jesus die Zeit des Lebens an und führt sie durch seinen Namen in ihre menschliche Bestimmung. Jeder kann das einbringen, was ihm ohne ein schlechtes Gewissen zur Verfügung steht. Als Menschen sollten wir uns nicht auf den Stand Gottes erheben sondern das Leben um seine Menschlichkeit bereichern. Das bedeutet, Gleichstellung entspricht dem Wesen Jesus in der würdevollen Haltung seinem Nächsten gegenüber, der sich als Mitmensch zu erkennen gibt. Jeder Gläubige ist ein neues Glied des menschlichen in Jesus, der ihm seinen Glauben schenkt. Es ist in meinen Augen keines Menschen würdig, sich über einen anderen Menschen zu stellen, denn diesbezügliche Handlungen entbehren menschlicher Würde die im Einklang mit sich und der Natur die Gegebenheiten annimmt, um das Beste daraus zu machen. Damit will ich sagen, nicht nur Papst Franziskus hat das Recht zu sein wie er ist, denn wir alle sind von Gott in diese Welt gesetzt, um sie menschenwürdig zu gestalten. Das Amt ist nicht die Anforderung die Gott an den Papst stellt, es ist die durch Jesus bestehende Menschlichkeit, die er mit diesem Leben fordert. Es ist doch anmaßend einem Mitmenschen seine Lebenskompetenz abzusprechen, nur weil er nicht den eigenen Vorstellungen eines Würdenträgers entspricht. Macht ist die Liebe Gottes, die in ihrer Annahme Allgegenwärtigkeit vermitteln kann, um damit ein Bewusstsein zu wecken, dass der ganzen Menschheit dient. Papst Franziskus setzt etwas in Bewegung und das kostet viel Kraft und Herzlichkeit, denn es wird von Menschen blockiert, die sich selbst als die besseren Lebensinterpreten erachten. Das Lebensgefühl unterliegt der Spontanität des Moments, der aus Zeit schöpfen kann, was seiner Transzendenz die menschenmöglichen Variationen abgewinnt. Dazu braucht es keine Besserwisser und Alleskönner, dafür benötigen wir menschliches Verhalten und geistige Flexibilität im Umgang miteinander. Beides hilft uns dabei, Gottes Liebe so zu fördern, dass seine Menschlichkeit durch Jesus als wesentlicher Bestandteil unserer eigenen Existenz heranwachsen kann. Gott will keine bessere Menschheit, er will ein vernunftbegabtes Miteinander, das aus seinen natürlichen Gegebenheiten das geistige Potential schöpft, das Transzendenz als die Weisheit des Alls offenbart, die sich im Glauben an Gott durch die bestehende Menschheit verwirklichen kann.

    Wieder einmal mehr hat mich dieser Beitrag in die von mir dadurch empfundene Menschlichkeit geführt, denn sie ist es, die mich dazu bewegt nicht mit dem Schreiben aufzuhören. Jesus liegt als menschliches Wesen in der Stimme des Herrn, doch jeder Mensch muss sich dieser inneren Stimme annehmen, um ihr Gehör zu verschaffen.

  10. @DANKE Pater Hagenkord für DIESEN Beitrag; der scheint mir BESONDERS gelungen.. den Theologen Ratzinger mit in die Argumentation hineinzunehmen ist ein besonderes Bonmot-wird dieser doch immer wieder fälschlicherweise bei den Integralsten als sog. Kronzeuge missbraucht.

    gleichwohl habe ich – persönlich – einen gewissen Abstand zu diesen ganzen „kirchenrechtlichen“ Stützen? – knien oder stehen bzw. Hand (Mund) Kommunion usf. usf. sind eher die „nachrangigeren“ Fragen..

    aber so ein Rahner Bekenntnis wie
    „die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten“
    oder die FRAGENDE und SUCHENDE „Exegese“ eines Beethoven im „Agnus Dei-Donna nobis pacem der Missa solemnis beschäftigen mich weitaus mehr..

    bei Franziskus erlebe ich beispielsweise die Messe,aber auch seine Beziehung zu Maria inkarniert in den ganzheitlichen Lebensvollzug! also keine losgelösten! Kult-Veranstaltungen!!

    ja und die „Spontanität“ der Beichtgespräche auf dem Petersplatz… Ich glaube dass sich Franziskus zuallererst als Seelsorger versteht und wie jeder Priester eben auch die Beichte abnimmt.. das schmälert die Berufung zum Papst-Amt überhaupt nicht.( mit Euch bin ich Papst – frei nach Augustinus)

    wenn das jemand als „Anbiederung“ oä. sieht, dem ist nicht zu helfen..

    • Brigitta sagt:

      Dem ist wirklich nicht zu helfen…
      Ansonsten braucht es auch den Beichtstuhl nicht. Durch die Exerzitientage im Internat zwischen 1960 und 1964 habe ich die Befreiung erlebt, die eine Beichte bei einem Spaziergang oder sitzend auf einer Bank am Ufer eines Sees sein kann und habe mir danach nur noch solche Möglichkeiten gesucht – zumindest – wenn schon „indoor“, dann in einem Raum der Stille

  11. Brigitta sagt:

    Und für einen Südeuropäer und einen Südamerikaner ist diese Verhaltensweise relativ normal, quasi „in der Öffentlichkeit“ zu beichten. Die haben nicht die Bedenken wie wir

  12. Chrisma sagt:

    Wir tragen in diesen Tagen eine gute Freundin zu Grabe. Sie starb in ihrem 80zigsten Jahr und war katholisch getauft. Die Kirche die sie kannte war dunkel, muffig weihrauchgeschwängert und bigott. Aber ,es war so Sitte, sie heiratete katholisch. So hat sie es beschrieben. Die Ehe hat sie nie gebrochen in den fünfzig Jahren der Ehe, Unsere „hardliner“ hätten ihre Freude an dieser Tatsache gehabt, nur den Glauben hat sie über diese Art von Kirche verloren. Sie gebar drei Söhne, die Sie nicht mehr taufen ließ, Freigeist der sie wurde. Diese Söhne hat Sie zu wunderbaren Menschen erzogen. Sie war ein Mensch der zutiefst – auch ohne Glauben an Gott – geprägt war zur Liebe zu den Menschen. Warum schreibe ich dies zum Thema. „Integralismus“ist also weniger an Gott interessiert, als an Religion als Garanten einer gesellschaftlichen Ordnung“dieser Satz in den Ausführungen von Pater Hagenkord hat mich dazu inspiriert. Unsere Freundin fand nicht zurück zu Gott, aber Sie las Laudatio Si. In den Gedanken von Papst Franziskus fand sie etwas von dem wieder was sie sich unter Glauben an Gott hätte vorstellen können. „Es ist die Angst vor der verbeulten Kirche und wie @Carmen Fink es ausdrückt, es gibt in dieser Kirche Menschen die starr vor Angst sind. Mir fällt in diesem Zusammenhang Dostojewski ein: die Legende vom Großinquisitor, ein großartiges Dokument des Glaubens. Am Ende dieser Erzählung schweigt Jesus und küsst den Großinquisitor in Liebe. Diese Größe habe ich nicht. Es macht mich wütend wie Menschen mit unserem Glauben umgehen. Das Schiff Petri ist noch gar nicht fertig, aber dass es bereits fahren kann, ist der Verdienst der Generationen vor uns. Und hoffentlich findet sich niemand, der für alle Zeiten festschreibt: es ist vollendet.Es ist immer nur so weit „fertig“, wie wir in unserer Diesseitigkeit Vollendung denken können.
    Wir werden es auch immer wieder reparieren und restaurieren müssen, müssen, damit es überhaupt weiterhin fahren kann. Wer weiß, welche Gedanken und Ideen die Generationen nach uns dazu haben.„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“Antoine de Saint-Exupery
    Es geht um Sehnsucht und nicht um Vollkommenheit.

    Ihnen @Suarez danke ich an dieser Stelle für Ihre Beiträge – nicht nur zu diesem Thema – in denen sich oft grundsätzlich meine Haltung wiederfindet. Übrigens bevorzuge ich das Beichtgespräch. Diese „Stühle“ sind schrecklich.

    @Amica Die von Ihnen beschriebenen drei Konstanten sind die Kirche Jesu Christi: Nächstenliebe“ ist das Kernwort unseres Glaubens. Also der Kern der Kirche und der Lehre Jesu Christi in der Vergangenheit und in der Zukunft. Bibelstudium ist für mich keine rein „kontemplative Haltung“ sondern Anleitung zum Handeln. Kontemplation und Aktion beides gehört zum Studium der Bibel. Ich habe meinen Glauben über „Bibel teilen“ zurückgewonnen. Die Klarheit der Botschaft Jesu Christi kann nur dazu führen seine Botschaft in die Tat umzusetzen. Das persönliche Gebet ist, wie Theresa von Avila es einmal sagte, das täglich Gespräch mit einem Freund (Jesus). Aber auch hier gilt – unsere Benediktiner bringen es so schön auf den Punkt- Ora et labora – (meint auch handeln, nicht nur körperlich arbeiten).
    Übrigens zum Thema Franziskus spaltet: Selten in der Neuzeit hat ein Pontifikat mehr „Brücken“ gebaut als das Pontifikat Franziskus. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Zum Thema Kirche der Zukunft siehe oben
     

    • @liebe Chrisma. Zuerst -das Leben ihrer lieben Verstorbenen kann ich aus meinem Umfeld heraus absolut verstehen..

      es ist schon eigentümlich, dass es gerade „Katholiken“ sind, die vereinzelt auch auf diesem Blog mit Franziskus den Untergang des „christlichen“ Abendlandes befürchten..

      danke, dass Sie auch das „ora und labora“ so betonen, ich gehe soweit, dass man die Messe nicht gültig mit-feiert ,wenn man das Engagement für den Nächsten NICHT lebt!
      klar, dass dies Kranke usf. nicht in dieser Unmittelbarkeit leben können..

      ALSO:JEDE THEOLOGISCHE ENGFÜHRUNG IST VON ÜBEL!!

    • Amica sagt:

      Liebe Chrisma,
      danke für die Antworten.
      Ich weiß nicht, was ich hierzu groß schreiben könnte… bemerke dabei nur, dass mir ein tatsächliches Glaubensleben wohl fehlt und ich schlicht und einfach nur Fragen stellen kann.
      Halten Sie mich bitte für keinen „Hardliner“, ich suche vielmehr nach irgendetwas was Sinn macht und stelle deshalb seltsame Fragen bzw. stelle manchmal ebensolche Thesen in den Raum. Eine Lebensphilosophie habe ich jedenfalls nicht und bin auch keiner Strömung innerhalb der Kirche wirklich zugeneigt. Da ist es nicht verwunderlich, wenn ich nicht besonders begeistert reagiere, wenn der Papst eine Kirche will, die auf dem Weg sein soll und fortwährend in Bewegung/Veränderung bleiben soll.
      Sie und viele hier im Blog haben wohl ein geordnetes Privat- und Arbeitsleben. Aber wenn im Leben im Grunde sowieso alles unstabil und chaotisch ist, hat man nicht auch noch Freude daran, wenn in der Kirche Stabiliät nicht mehr viel gelten soll – selbst wenn diese Stabiliät aus Lügen bzw. Fehlentscheidungen der Vergangenheit zusammengesetzt sein könnte. Irgendwie fehlt mir der Enthusiasmus der 68er Generation.
      Wo geh ich dann noch hin? frag ich mich da kleinlaut. Wer schenkt mir dann noch Sicherheit? Und jetzt sagen Sie nicht, dass ich kleinkariert bin. Das was ich beschreibe ist nämlich auch menschlich. Angst ist auch menschlich… Und natürlich kann Angst auch dazu führen, Dinge falsch einzuschätzen… Aber da sind wir alle nicht gefeit vor.

      • Amica sagt:

        P.S.: Aber egal wie ich grad drauf bin, ich find den Papst trotzdem super in Ordnung und glaubwürdig und herzerwärmend und ich hab ihn richtig lieb.
        Und ich weiß nicht, wie er das macht, aber auch wenn ich kein 68er bin, begeistert er mich trotzdem und deshalb hoffe ich, Sie haben Recht Liebe Chrisma! 🙂 Schönen Abend! Schlafen Sie gut!

    • Suarez sagt:

      Liebe Chrisma,

      mein aufrichtiges Beileid zum Tod Ihrer Freundin, deren Biographie mich betroffen macht. Ich bin gewiss, dass gerade auch in der Freude an der Lektüre von Laudato Si genau das vorhanden ist, was berechtigt, mit den Worten von Goethe zu sagen: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“. Ich bete darum, dass, wenn der Tod auch zu mir kommt, ich diesen entscheidenden Funken haben werde, der das ewige Licht entzünden wird. Ob man dann den konkreten Glauben beibehalten hat oder nicht, ich glaube, da ist Gott kein Korinthenkacker (danke, Herr @Hopfener).

  13. Brigitta sagt:

    Schön Chrisma sie wieder einmal zu lesen. Ihre Geschichte von der Freundin berührt mich zutiefst. Die Spätfolgen dieser alten Kirche habe ich ein Stück weit an meiner eigenen Mutter erlebt, die ihr lebenlang unter dieser erzeugten Angst gelitten hatte, was zu der absurden Aussage führte: „Der Himmel bewahre mich vor dem barmherzigen Gott.“ Und vieles, was jetzt Franziskus sagt, hätte ihr sicher geholfen, auf der anderen Seite bin ich mir sicher, dass sie es jetzt sowieso weiß

    • @Brigitta JA jetzt weiß sie es-ich glaub an mein „Lebenswort“ Gott KANN NUR lieben.

      und trotzdem ist es so schwer diese ganzen unnötigen Leidenswege zu verstehen..siehe oben (Nr.10) das zitierte Rahner Zitat..

      meine Mutter Jahrgang 1916 kam oft mit hochtotem Kopf und total geplättet aus dem Beichtstuhl( Folterstuhl..?)

      sie hat die Flucht aus Masuren – litt an Depressionen – überstanden und hat TROTZDEM noch 3 Kinder großgezogen..

      • Brigitta sagt:

        Ich bewundere alle, die die Flucht mit allen Folgen überstanden haben und trotzdem dem Glauben treu bleiben könnten.
        Meine Mutter Jahrgang 1918 musste zwar nicht fliehen, wurde aber 1956 Witwe und hat dann auch ihre drei Kinder allein groß gezogen – allerdings mit einer großen Unterstützung von Familien und Freunden

  14. Brigitta sagt:

    Und für mich ist mein Wort des Lebens „Wenn ihr in meinem Worte bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger“ (Joh 8,31a) kombiniert mit der Aussage „Sein Wille für dich ist Liebe“. Diese Liebe hatte ich damals immer nur teilweise gefunden und der Satz, obwohl er hart klingt, hat mir geholfen, weil ich mich daran klammern konnte.

  15. Chrisma sagt:

    @Liebe Brigitta, ich denk oft an und freue mich immer wenn ich Sie lese. Ja, Sein Wille für uns ist Liebe. Aber seine Worte sollen wir nach Möglichkeit achten, aber wenn es mal wieder schwer fällt wird er uns milde zulächeln und sagen, ja ja Kinder so schwer ist es doch nicht.
    @lieber Ullrich es sind die Biografien unserer Mütter und Großmütter aus denen wir gelernt haben. Unsere Kirche müssen darin unterstützen das der Weg sich eben nicht mehr verengt, das der Weg zu Gottes Liebe und Barmherzigkeit offen bleibt.
    @ Amica ja ich habe gestern Nacht gut geschlafen und mich herzlich über Ihre Antwort gefreut. Ein kleiner Satz zur Sicherheit. Sicher und geborgen sind wir nur in Jesus.Vor einiger Zeit hat mir einmal ein katholischer Ordensmann, der in Rumänien mit Kindern arbeitet gesagt: „ich weiß nicht ob ich morgen alles zusammen bekomme was ich für den Tag brauche (essen für die Kinder, Material für den Bau des Schulraum etc.) ich spreche mit Jesus, denn „Sorgt euch also nicht und sagt nicht: Was werden wir essen? Oder: Was werden wir trinken? Oder: Was werden wir anziehen?…. Euer himmlischer Vater weiss nämlich, dass ihr das alles braucht.“ Also Mut und Vertrauen in Jesus…Und viele Erkenntnisse wünsche ich in der Zeit im Kloster.
    @Suarez ihren Worte haben sehr gut getan. So ganz ohne unseren Herrn ist sie nicht gegangen. Sie hatte noch Besuch von einem Seelsorger am Krankenbett. Was die Beiden besprochen haben nimmt meine Freundin mit zum Herrn und der Seelsorger behält es in seinem Herzen.

    • Amica sagt:

      Danke, aber das mit dem Kloster muss ich verschieben… Leider (aus familiären Gründen). Im Herbst aber, so hoffe ich, schau ich mir das Klosterleben dann wirklich an.

  16. Sven sagt:

    Mich wundert es nicht, dass der Papst sich auf den Petersplatz setzt und mitten unter den Leuten die Beichte abnimmt. Es ist – wie so vieles, was dieser Papst tut – ein wunderbares Zeichen. Warum sollte ein Papst auch nicht die Beichte abnehmen? Spricht etwas dagegen? Er sieht sich als einfacher Diener Gottes, hält bekanntermaßen nichts von „Pomp and Circumstances“ – somit ist es nicht verwunderlich, dass er es tut. Er will für die Menschen da sein und nicht unnahbar hinter dicken vatikanischen Mauern sitzen. Davon darf sich so mancher Kardinal und Bischof eine Scheibe abschneiden.

  17. Brigitta sagt:

    Genau so sehe ich das auch.
    Oder anders ausgedrückt: geweiht um Seelsorger zu sein: und die originären Aufgaben als Seelsorger sind die Lossprechung in der Beichte und der Feier der Eucharistie – und ,wenn ich es richtig weiß, der Krankensalbung. Alles andere können auch Diakone und/oder Pastoral- und/oder Gemeindereferenten übernehmen

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