Die Bischofssynode: Worum es geht

An diesem Sonntag hat die Bischofssynode begonnen, knapp 300 Bischöfe auf der ganzen Welt beraten das Thema „Neu-Evangelisierung“. Ein sperriger Begriff, aber auch ein sperriges Ereignis, kaum bekannt und auch in unseren Ländern eher weniger wahrgenommen. Eine Fragen und Antworten dazu:

 

Re-Evangelisierung oder Neu-Evangelisierung?

Wie es das erste Forbereitungsdokument, die so genannten Lineamenta, formuliert hat: „Es geht nicht darum, etwas zu wiederholen, was schlecht gemacht wurde oder nicht funktioniert hat, so als ob der neue Einsatz ein impliziertes Urteil über das Scheitern des ersten wäre. Die neue Evangelisierung (…) ist der Mut, angesichts der gewandelten Voraussetzungen, unter denen die Kirche gerufen ist, heute die Verkündigung des Evangeliums zu leben, neue Wege zu wagen.“

Neue Evangelisierung sei ein Synonym für Mission, Glaubensweitergabe, Kommunikation des Evangeliums, sie erfordert „die Fähigkeit, neu anzufangen, Grenzen zu überschreiten, die Horizonte zu erweitern. Die neue Evangelisierung ist das Gegenteil der Selbstgenügsamkeit, des Sich-zurückziehens auf sich selbst, der Mentalität des Status quo und einer pastoralen Konzeption, die es für ausreichend erachtet, das alles so weiterläuft, wie man es bisher gemacht hat. Das ‚business as usual’ reicht heute nicht mehr.“

Was ist das Ziel?

Negativ formuliert soll es nicht darum gehen, nur „effiziente Kommunikationsstrategien“ zu entwickeln und sich auf eine „Analyse der Empfänger der Botschaft“ zu beschränken. Immer wieder betont das Dokument, dass sich die Kirche selbst befragen muss. Das Problems der Unfruchtbarkeit der Glaubensweitergabe müsse die Kirche dazu führen, ihre Unfähigkeit zur Formung einer wirklichen Gemeinschaft zu thematisieren.
Deswegen dürfe die Kirche nicht nur Subjekt der Glaubensweitergabe sein, „als Evangelisatorin beginnt die Kirche damit, sich selbst zu evangelisieren“. Das Dokument beschreibt die Evangelisierung als geistlichen Prozess „im Hinblick auf den Gesundheitszustand des Christentums“. Dies mache zunächst eine Selbstbesinnung notwendig, „um die Spuren der Angst, der Müdigkeit, der Betäubung, der Rückbezogenheit auf sich selbst zu erkennen, welche die Kultur, in der wir leben, in uns hervorbringen konnte“. Die neue Evangelisierung sei also „eine Haltung, ein mutiger Stil“.
Dazu gehört auch, über die Schattenseiten zu sprechen, offen und ehrlich. Dieser Mut, gemeinsam mit dem Zeugnis für Christus und dem Sprechen vom Bedürfnis der Erlösung, aber auch das Buße-tun, der Einsatz in Wegen der Reinigung und der Wille, die Folgen unserer Fehler wieder gut zu machen, „auch all dies ist eine Frucht der Weitergabe des Glaubens, der Verkündigung des Evangeliums.“

Bezugspunkt für all das will die Praxis sein, der gelebte Glaubem, und zwar der Glaube in Gemeinschaft. Nur Gemeinschaften können den Glauben überhaupt weitergeben. Es geht nicht um abstrakte Vorstellungen, es geht um das Leben des Glaubens.

Wie kam es dazu?

Bekannt geworden ist der Begriff der „Neuen Evangelisierung“ durch Papst Johannes Paul II.: Er benutzte ihn, „um Schwung in eine Sache zu bringen“, wie die Lineamenta sagen. Bereits Papst Paul VI. hatte in seinem apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi von 1975 auf die Wichtigkeit der Evangelisierung für den Glauben hingewiesen. Das Zweite Vatikanum hatte die Glaubensweitergabe das Wesen der pilgernden Kirche genannt.

 

Was genau bei der Synode passiert, werde ich in unregelmäßigen Abständen hier bloggen, als Journalist akkreditiert darf ich dabei sein.

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