Die Demokratien revitalisieren

Das Ergebnis war, dass – wieder einmal – Papst Franziskus für einen Kommunisten gehalten wurde. Als er im Oktober vergangenen Jahres das internationale Treffen der Volksbewegungen im Vatikan empfing, ging ein Raunen durch die Kirche. Immerhin ist aus dieser Bewegung ein Präsident wie Evo Morales hervor gegangen, der international umstritten ist. Manche halten ihn für einen kompromisslosen Anwalt der Armen, andere für einen Diktator, der Bolivien ruinieren wird.

Land - Arbeit - Dach über dem Kopf, das Motto der Volksbewegungen

Land – Arbeit – Dach über dem Kopf, das Motto der Volksbewegungen

Heute ist es wieder soweit, am Donnerstagabend (Ortszeit La Cruz, Bolivien) tritt Papst Franziskus wieder vor eine Versammlung der Volksbewegungen. Ich habe die Rede noch nicht gelesen, bin aber sehr gespannt.

Und ich habe mich vorbereitet und noch einmal gelesen, was der Papst das letzte Mal gesagt hat. Und das ist nicht unspannend, will man verstehen, wie er auf Staat und Gesellschaft blickt.

Zentral war bei der Rede im Oktober 2014 der Begriff der Solidarität, überhaupt ein Wort, dass der Papst immer wieder in den Vordergrund schiebt. Es sei zu einem Schimpfwort geworden, denn zunehmend würden Menschen ausgebeutet. Zuletzt war das auch in Ladato Si’ wieder nachzulesen.

 

Mehr als nur großzügig

 

Solidarität bedeute aber mehr, als nur großzügig zu sein. Ich zitiere den Papst: „Das bedeutet, denken und aktiv werden für die Gemeinschaft und einstehen für die Prioritäten des Lebens, anstatt all das tun, was nur die Inbesitznahme von Gütern ist. Solidarität bedeutet auch, dafür zu kämpfen, dass es keine Ungleichheiten und Armut oder Arbeitslosigkeit und Enteignungen gibt. Solidarität ist auch der Kampf um soziale Rechte und um die Rechte von Arbeitern.“

Deutliche Worte: Kampf – im Sinne von sich einsetzen – aktiv werden, einstehen. Das sind Tätigkeitsworte, Solidarität ist also aktiv.

Zweitens: Solidarität hat offene Augen. Noch einmal der Papst. „Es ist schon komisch, dass es in einer Welt voller Ungerechtigkeiten so viele Euphemismen gibt. Wir nennen die Probleme nicht mehr beim Namen, sondern suchen immer beschönigende Worte. Eine Person, die im Elend lebt oder hungert, nennt man dann einfach ,Straßenmensch´. Das klingt schön, nicht wahr? Doch hinter diesem Euphemismus steckt ein Verbrechen!“

 

Verbrechen, hinter Euphemismen versteckt

 

Die Volksbewegungen, die genau für diese Form von Solidarität einstünden, zeigten die „die dringende Notwendigkeit, unsere Demokratien zu revitalisieren“. Und spätestens dann geht es auch uns an. Von den Streiks bis zu AfD oder FPÖ können wir ja auch bei uns nicht so tun, als sei alles in Ordnung. Unsere Demokratien sind stabil, aber spätestens bei den Wahlbeteiligungen sollten auch wir uns Gedanken über die Revitalisierung machen.

Schlimmer aber als bei uns ist es in anderen Ländern, Gesellschaften, bei der die „großen Mehrheiten“ nicht aktiv mitgestalten dürften, hätten keine Zukunft. Ein päpstliches Bekenntnis zu Demokratie und Mitbestimmung bzw. Mitgestaltung.

 

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20 Kommentare zu Die Demokratien revitalisieren

  1. Brigitta sagt:

    Auch ich bin auf diese Rede gespannt. Ich habe allerdings mit dem Wort „Enteignung“ meine Schwierigkeiten. Ich weiß, daß der Papst die Enteignungen der indigenen Völker verurteilt und das finde ich mehr als OK. Ich bin aber für eine Umverteilung des Landbesitz der Großgrundbesitzer, denn diese haben dieses Land oft unredlich erworben und dadurch ein Heer von Landlosen „produziert“ und so müssen diese Landlosen auch heute noch teilweise unter sklavenähnlichen Umständen für die Großgrundbesitzer arbeiten oder sie flüchteten in die Städte – in die Slums, die, wie es einmal jemand genannt hat, wie ein schmerzhafter Rosenkränze diese Städte um“kränzen“.

  2. chrisma sagt:

    „El pueblo unido jamás será vencido“ („Das vereinte Volk wird nie besiegt“) Lied aus Chile.
    Kommunismus (lat. communis „gemeinsam“)
    Kommunion (griech. κοινωνία koinonia 1 Kor 10,16 EU; lat. communio „Gemeinschaft“) 
    Ja und da ist da noch der heilige Franziskus von Assis. Denken wir an sein Wirken. Um gegen die Armut der Menschen zu protestieren übernahm er deren Lebensumstände und lebte mit den Menschen in Armut er erfährt dabei deren unendlichen Reichtum. In Opposition zum aufkommenden Kapitalismus verweigert sich der heilige Franziskus. Er setzt dem ein glückliches Leben entgegen, das alles sein und die gesamte Natur, die Tiere Schwester Mond, Bruder Sonne, die Vögel auf dem Felde und die armen ausgebeuteten Menschen zusammenschloss gegen Macht und Korruption.
    Und wie heißt unser Papst???
    @Brigitta ich stimme unbedingt zu, nur die Großgrundbesitzer, die Oligarchen geben nichts freiwillig ab, deshalb ist enteignen schon das richtige Wort. Es ist nur ideologisch falsch besetzt. Weg von der ideologischen Betrachtung hin zur Betrachtung der Lebenssituation der Menschen, nicht nur in Lateinamerika. Afrika und teile Asiens geht es genauso an. Aber sie geht auch uns an, die Revitalisierung der doch relativ reichen europäischen Demokratien. Ich habe beide Reden nicht gelesen und geh erst mal auf die Suche danach. Hat jemand einen link?? Geht auch auf spanisch…

  3. Brigitta sagt:

    Aber wahrscheinlich bist du schon fündig geworden.
    Noch ein Hinweis:
    Es gab vor ca 25 Jahren das „Kaffeespiel“ herausgehe von Brot für die Welt, Adveniat und Miserior. In diesem Spiel gab es den Großgrundbesitzer, den Großhändler, den kleinen Kaffeebauern und jede Menge Landlosen, die für die Kleinbauern und die Großgrundbesitzer arbeiten mussten. Ich habe es mehrfach mit meinen Schulklassen gespielt, wenn es sich irgendwie mit dem Lehrplan vereinbaren ließ. Ein Schüler brachte es in der Rolle des Landlosen auf den kurzen Nenner: „Egal wie ich spiele – am Ende bin ich immer verschuldet. Scheiße.“
    Das Spiel hätte eine Neuauflage mit einer einfacheren Spielregel und besserer Ausstattung verdient. Damals war alles nur aus Papier und dünner Pappe und hat die Schule leider nicht lange ausgehalten. Und als ich es mir wieder neu zulegen wollte, gab es es nicht mehr.

  4. Brigitta sagt:

    Es ist doch faszinierend zu beobachten. In diesem Blogeintrag geht es um Wesentliches, um etwas, das die ganze Kirche ja nicht nur die Kirche, sondern die ganze Menschheit betrifft: Solidarität. Und wo sind all die, die sich bei den letzten Themen so eifrig beteiligt haben? Sie scheinen mal wieder recht zu behalten, Pater Hagenkord, da fühlen wir uns nicht mehr angesprochen. Wir kaufen uns frei mit unserer Spende für soziale Hilfswerke – aber das ist keine Solidarität. Ansonsten haben mich die bisherigen Ansprachen von Papst franziskus getroffen: beim Lesen immer wieder der Satz: und was heißt das für mich, für mein Handeln?

    • KRP sagt:

      Das was Sie hier beschreiben ist mein Anliegen seit es diesen Blog gibt. Bei den wichtigen Themen des Lebens der Welt seiner Ausbeutung halten alle sich zurück aber wenn es daran geht einen wegen immer den gleichen Themen Ehe, Sexualität und Zölibat da kommen die Streiter hervor nur um zu Streiten um des Streiten willens.

  5. chrisma sagt:

    @lieber Brigitta, inzwischen habe ich die Rede gelesen. Die Bilder, die visuellen Eindrücke, die ich bis jetzt von dieser Reise gesehen habe sind sehr sehr beeindruckend und gehen direkt im mein Herz. Dazu die wirklich außergewöhnliche Rede von Hermano Papa Francesco.
    PS Schade das es das Spiel nicht mehr gibt…..

  6. Rosi Steffens sagt:

    „Herrschaft des Staatsvolkes“ ist die altgriechische Übersetzung von Demokratie auf Wikipedia. Das bedeutet für mich, das Volk trifft die Entscheidungen und Politik führt diese Entscheidungen in geordnete Bahnen. Heute scheint mir das irgendwie anders zu laufen, denn Politiker treffen aufgrund von Wirtschaftsweisen und anderen Flüsterern Entscheidungen, die dann durch das Volk getragen werden müssen. Menschen maßen sich an zu wissen wo es lang geht und wie es richtig läuft und bestimmen so über das Schicksal ganzer Völker. Dabei sollte in einer Demokratie die Macht vom Volk ausgehen und das fordert Vertrauen von Seiten der Politik. Vertrauen in die Bürger ihrer Länder und in deren Fähigkeiten und Kompetenzen. Es fordert aber auch Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit einer Demokratie, denn Politik und jeder Bürger muss sich darauf verlassen können, dass Rechte gelten und auch eingehalten werden. Heute werden Rechte anwaltlich vertreten und oft durch Gesetze gefügig gemacht, deren Auslegung in der Macht der Anwälte liegt, die wiederum vom finanziellen Status des Mandanten abhängt. Das ist nicht richtig! Verlässlichkeit in Grundrechte und auch Menschenrechte ist eine Grundvoraussetzung, andernfalls braucht man sie nicht, denn ein Rechtssystem ist wertlos, wenn es weder konsequent eingesetzt, noch gewissenhaft umgesetzt wird. Ich glaube, der Mensch muss sich zunächst grundlegende Gedanken darüber machen, was Grundrechte eigentlich bedeuten, denn sie sind das Fundament einer demokratischen Entwicklung, die nur durch das Einhalten von moralischen und ethischen Grundsätzen überhaupt funktionieren kann. Erst wenn Menschen in der Lage sind sich dem geltenden Recht zu unterwerfen und sich eben nicht daran zu messen, um es zu unterwandern, dann kann Demokratie wachsen und gedeihen. Politik sollte das nötige Feingefühl entwickeln können, wo Stellschrauben angesetzt werden müssen, um die bestehenden Potentiale so einzusetzen, dass sie der Gemeinschaft nutzen und nicht nur den Einzelnen fördern. Im Grunde genommen ist die Politik eine Koordinationsgemeinschaft deren Aufgabe darin besteht, den strukturellen Aufbau einer Demokratie zu vollziehen. Wir in Europa stellen gerade fest, dass die Anforderungen an demokratische Strukturen, die aus einer Diktatur erwachsen sind nicht den Ansprüchen einer Demokratie genügen können, die sich aus Volksbegehren entwickelt. Es werden gerade die höchsten Anforderungen an unsere Politiker gestellt, um dieser Herausforderung entgegen zu treten, ohne kriegerische Handlungen hervorzurufen und trotzdem „von vorne anzufangen“. Bisher waren es immer Kriege, die uns Menschen zu einem Neuanfang gezwungen haben. Diesmal ist es das eigene Bewusstsein für die fehlende Ordnung in einem gewachsenen System, das durch Menschen geführt wurde und nicht aus ihnen erwachsen ist. Wir alle stehen an einem Scheideweg, der uns Möglichkeiten zur echten Demokratie anbietet aber auch die Strategie einer Elite bereit hält. Nun liegt es an den Völkern das zu tun, was sie für richtig halten. Sie müssen sich für etwas einsetzen, das ihnen so viel bedeutet, dass sie dafür auch große Mühen in Kauf nehmen und notfalls Opfer bringen, für den Frieden und die Freiheit. Das Volk hat die Macht aufzustehen, um dadurch Gerechtigkeit zu fordern, das funktioniert aber nur dann, wenn alle an einem Strang ziehen und nicht einzelne auf ihren Vorteil bedacht sind. Die Gemeinschaft steht im Vordergrund, um sie geht es jetzt und je strukturierter sie sich formieren kann, umso effektiver wirkt sie auf die Politik und hält sie handlungsfähig. Es nützt nichts nur aufzustehen, man muss auch wissen, wo man hin will und alle sollten die gleiche Richtung einschlagen, anders funktioniert es nicht. Papst Franziskus hat in Bolivien eine sehr eindrucksvolle Rede gehalten und ich hoffe, möglichst viele Menschen nehmen sich seine Worte zu Herzen, um daraus etwas Großartiges zu bauen, gemeinsam und für die Gemeinschaft. Ich bete aber auch für ihn, denn es kostet viel Kraft sich so für Dinge einzusetzen wie er und damit die Macht neu zu verteilen. Es wird immer Menschen geben, deren Kompetenz über der eigenen steht, doch all das nützt nichts, wenn nicht der Wille da ist, sich im System einzuordnen als tragende Kraft einer Gesellschaft. Was wichtig ist für alles und jeden, es darf keine Voreingenommenheit geben, denn jeder trägt seine Würde in das was er tut und gestaltet dadurch die Gemeinschaft mit. Egal ob Mann oder Frau, der Mensch zählt als Person mit all den Eigenschaften, die möglichst sinnvoll ins Leben einzubringen sind. Der Sinn des Lebens dient dem Selbstbewusstsein der Zeit, denn es fördert Gedanken zu Tage und gewinnt dadurch Raum für die eigene Existenz in einem demokratischen System dessen Struktur bereits vorgegeben ist, das sich jedoch noch durchsetzen muss. Die Menschheit ist es leid Krieg zu führen, es mag einige Ausnahmen geben, die gemäß der geltenden Menschenrechte zur Vernunft gebracht werden müssen, indem man ihnen den Zugang zu den Waffen versperrt und sie Konsequenzen aus ihren Handlungen spüren lässt. Es geht hier um Menschen, um Personen, die sich das Recht anmaßen über andere Menschen zu herrschen und sie auszurotten indem sie sie einsperren, foltern, töten oder hinrichten. Es geht um Menschen, die die Würde ihrer Mitmenschen mit Füßen treten, indem sie sie in Käfigen halten. Es geht aber auch um die Menschen, die diese Lebenseinstellungen dulden indem sie sie zulassen und nichts dagegen tun. Sei es mit Haftstrafen, mit Sanktionen oder dem Ausschluss aus der Gesellschaft. Demokratien müssen sich überlegen, wie sie mit den Diktatoren umgehen, um sie zu integrieren in einer Welt voller Möglichkeiten. Vertrauen in den eigenen Mut und die Stärke hinter dem zu stehen, was man tut und wie man handelt, das sind die Grundvoraussetzungen für ein dauerhaftes Gelingen des Wandels in eine echte Demokratie des Lebens. Die Völker müssen aufstehen, sie sind am Zug und müssen erkennen, wie sie das am besten tun, jeder unterstützt dabei jeden, immer auf das Wohl der Gemeinschaft bedacht. Wir haben alle Zeit der Welt, nur sollten wir uns in eine Richtung bewegen und nicht gegeneinander sondern miteinander arbeiten. Gleichberechtigte Partner und nicht ungleiche Gegner. Dieses Bild vermittelt mir unsere deutsche Demokratie im Zusammenhang mit Europa und dem Problem der Gleichberechtigung aller Menschen in dieser Gemeinschaft. Sie wird durch Anforderungen aus dem Wirtschaftssektor und dem Finanzmarkt gehemmt obwohl die Menschen selbst zusammenwachsen wollen.

  7. Brigitta sagt:

    So ganz verstehe ich Ihren Beitrag hier nicht. Zunächst mal ist mir nicht einsichtig was er mit dem Blog von Pater Hagenkord zu tun hat. Aber ich habe trotzdem darüber nachgedacht.
    Wir haben eine repräsentative Demokratie in Deutschland, d.h. dass die Abgeordneten die Bevölkerung im Bundestag bzw allen anderen Parlamenten auf den diversen Ebenen repräsentiert. Also bin ich als WählerIn gefragt. Zunächst mal gehe ich,wenn mich das Thema interessiert und ich es schaffe zu Parteiversammlungen und/oder bezirksversammlungen und ich gehe wählen. Ich wähle bewusst.
    Z.B.: Meine letzte Wahl war die Stadtratswahl hier in München. Das bedeutet nach dem bayerischen Kommunalwahlgesetz 80 Stimmen sind zu vergeben, denn so viele Stadträte sitzen in München im Stadtrat. Also habe ich mir im Vorfeld die Parteiprogramme bezogen auf die Stadt München angeschaut, dann (da man diese 80 Stimmen über sämtliche Parteilisten verteilen darf) habe ich mir im Internet herausgesucht, was die einzelnen Kandidaten zu speziellen Münchner Problemen gesagt haben und wie und für was sie sich in den letzten Jahren eingesetzt haben. Da nach hatte ich keine 80 Leute zusammen – aber man darf auch noch häufeln, d.h. einzelnen Kandidaten bis zu drei Stimmen geben – also bin ich noch mal meine Liste durchgegangen – und dann hatte ich meine 80 Stimmen komplett.

    • Rosi Steffens sagt:

      Wenn sie so wollen, dann ist Gott für mich der Demokrat, der den gesamten Weltaufbau dem Gesetz der Natur unterworfen hat und dabei nur den Menschen insoweit unterstützte, als er ihm den Glauben an eine göttliche Macht überließ und mit Jesus die Zeit der Besinnung ins Leben rief. Alles was aus dieser „Demokratie Gottes“ entstanden ist, das hat der Mensch selbst zu verantworten, das zeigt uns unsere gemeinsame Geschichte. Heute ist das Resultat aus unserer eigenen Lebensweise und ich versuchte meine Ansicht dessen darzustellen, was ich durch dieses Leben in Deutschland empfinden kann.

      Mich repräsentiert unsere Politik nicht, und das obwohl ich die eine der Regierungsparteien wählte, denn Wahlversprechen werden nicht eingehalten und Verträge sind das Papier nicht wert auf dem sie ausformuliert wurden, da sie der anwaltlichen Willkür unterworfen sind und deren Auslegungspraktiken, die immer dubiosere Formen annehmen. Gerade erfahre ich im Zuge einer Betreuung, dass das Recht in Deutschland nicht für alle Menschen gleich gilt und auch das ist nicht demokratisch und auch nicht legitim, trotzdem kann man sich kaum dagegen wehren. Ich kann leider nicht nachvollziehen, was genau an meinem Text unverständlich formuliert sein sollte, denn er ist in einer Sprache geschrieben, die für die meisten Menschen verständlich sein sollte. Wenn ich mir den Titel des Blogbeitrages durchlese, „Demokratie revitalisieren“, dann sehe ich auch nicht, was an meinem Beitrag unpassend wäre. Er stellt meine Gedanken und Empfindungen dar, die ich in Deutschland durch unsere derzeit gelebte Demokratie habe und formuliert, welche Defizite ich darin erkennen kann. Gleichzeitig versuche ich meine Ansichten zur Verbesserung dieser unguten Situation beizutragen. Dabei kann ich mich allerdings nur auf mich selbst berufen und auf keine Vorredner oder -denker, die diese Ansicht vielleicht mit vertreten. Es ist einfach mein Beitrag zu dem Blog von Herrn Hagenkord, wenn meine Gedanken dabei nicht mit Ihren konform gehen, dann ist das zwar sehr bedauerlich, doch sicher nicht relevant.

      Es kommt doch immer darauf an, dass Gedanken die Menschen treffen, denen sie das Herz anrühren, denn nur dann haben sie auch Aussicht auf Ertrag.

      Mit Volk meine ich die Menschen, die mit mir bemerken, dass etwas nicht mehr in der Ordnung ist, die für eine Demokratie von Nöten ist, um diese fortzuführen. Ich hoffe einfach, dass auch in diesem Blog Menschen sind, die meine Gedanken nachvollziehen können und so durch meine Kommentare darin bestärkt werden an einer Gemeinschaft zu arbeiten und sich nicht als Einzelkämpfer zu etablieren. Wahlen sind gut und schön, nur was geschieht, wenn keiner mehr hingeht, weil das Volk nicht mehr durch Politik vertreten wird und Parteien mehr auf ihr Programm fixiert sind als auf das Wohl der Gemeinschaft, die immer mehr in Egoisten zerfällt, die sich selbst durchsetzen wollen? In meinem Bekanntenkreis finde ich diesbezüglich sehr viele Fürsprechen, doch nicht jeder hat die Zeit, um sich so zu engagieren, dass er damit möglichst viele Menschen erreichen kann. Ich lebe Demokratie, doch ich werde immer mehr in meiner Lebensform eingeschränkt, da sich politische Maßnahmen und Gesetzestexte in meine ganz privaten Angelegenheiten einmischen und damit die Gleichberechtigung, die im GG verankert ist ausschließen, und nicht nur das, Menschen stellen sich darüber und bestimmen wer diese Gleichberechtigung erhält und in welcher Form.

      • Brigitta sagt:

        Vielleicht ist das der Unterschied. Ich fühle mich durch die Politik zu ca 70% repräsentiert und alles über 50 ist für mich ein gutes Ergebnis (gilt übrigens für alle 3 Ebenen: Stadt – Land – Bund)
        Thema Betreuung: Ich habe aufgrund meiner gesundheitlichen Situation 2007 selber den Antrag auf Betreuung gestellt und habe eine hauptamtliche Betreuerin, die ihre Aufgabe sehr gut wahrnimmt mit der gebotenen Zurückhaltung, den notwendigen Hilfestellungen und der fortwährenden Pflege des Vertrauensverhältnisses.
        Ich glaube, jeder Fall ist anders sowohl politisch wie persönlich. Und ich deute „Revitalisierung“ aufgrund meiner Erfahrungen anders als Sie. Revitalisierung heißt für mich zunächst mal die Möglichkeiten nutzen, die mir unsere Demokratie bietet durch aktive Teilnahme an Bürgerinitiativen, die ich sinnvoll finde, an politischen Versammlungen, durch Schreiben von Leserbriefen durch Eingaben von beim Stadtrat oder Bezirksausschuss usw. Bevor wir nicht all das, was uns das GG heute an Teilnahme ermöglicht nicht wirklich ausnutzen, sollten wir nicht nach Volksentscheiden rufen, wobei ich mich in Bayern nicht beschweren darf. Wir haben auf kommunaler Ebene den Bürgerentscheid und auf Landesebene den Volksentscheid.

        • Brigitta sagt:

          Nachtrag
          Wir müssen den aktiven Politikern lästig fallen, sonst heben sie ab. Das weiß ich nur zu gut aus der Zeit, als ich selber noch aktiv politisch tätig war.
          Gilt übrigens genauso für Pfarrgemeinderäte und die Mitglieder der Kirchenverwaltungen.

          • Rosi Steffens sagt:

            Ich glauben nicht, dass Belästigung von Politikern ausreicht, um die Gedaken in die richtige Richtung zu lenken. Hier noch ein kleiner Nachtrag zu meinen Ausführungen:

            Fast glaube ich, Gott hat sich unser aller erbarmt, um seinem Sohn Weggefährten zur Seite zu stellen. In der Einigkeit liegt das Gute des Universums, geteilt mit Gott schöpft Zeit aus der Dreifaltigkeit. Der Mensch ist der Teil der Schöpfung, der aus sich selbst schöpft und damit unabhängig vom Universum seinen Lebensraum gestalten kann. Wenn ich nun bedenke, was alles aus dem Volk geschöpft werden konnte und das mit dem Weltvermögen vergleiche, dann sollte die Verteilung durch politisches Feingefühl kein Problem mehr sein.

        • Rosi Steffens sagt:

          Meinen Sie den Bürgerentscheid der Stadt, der auch für die 3. Startbahn z.B. gilt? Die werden ja enteignet, alles wegen einem Flughafenausbau. Offensichtlich eine lebensnotwendige Angelegenheit, anders rechtfertigt sich für mich nämlich Enteignung in diesem Umfang nicht und die hier derzeit gültige Rechtslage.

          Oder meinen sie das Milliardengrab bei der Vertretung der Bundesangelegenheiten im Falle des Flughafenbaus Berlin? Das sind Steuergelder und die fließen nicht unbedingt in soziale Projekte oder den Ausbau der Infrastruktur sondern eher in die Hälse von total überbewerteten Flughafenmanagern und deren Profiteuren. Wer genau verantwortlich dafür ist, das ist wohl nicht so klar, nur zahlen tut der Bürger mit seinen Steuerabgaben.

          Ich meine, unsere Politiker, egal ob Stadt, Land oder Bund haben eine Nehmerkultur entwickelt, die sich oft über die Steuerlast der Bürger trägt und nicht über die Gewinne aus Unternehmen und Kapital. Im Gegenzug dazu steht unsere Gesundheitspolitik auf sehr wackeligen Beinen und die Rentenpolitik schreit nur so nach einer Reform. Alte und Kranke sowie das traditionelle Familienbild werden in unserer Gesellschaft ganz klar benachteiligt und das ist politisch so provoziert.

          Tut man nicht was Staat und Politik wollen, dann wird einem das Leben schwer gemacht und das ist für mich Diskriminierung der Bevölkerung, die einfach nur ihrem Alltag nachgehen möchte, ohne weitere Ambitionen für politische Belange und soziale Projekte, weil es für diese Bürger auch ohne Projekte normal ist dem Nachbarn zu helfen und sich in der Familie zu engagieren.

          • Brigitta sagt:

            Der Bürgerentscheid hat für die Stadt München die Meinung geklärt, dass die dritte Startbahn nicht gebaut werden soll.

          • Brigitta sagt:

            Aber weil Sie das Wort Enteignung ansprechen. Ich wäre z.B. dafür, Hausbesitzer (egal ob Privateigentümer oder Immobiliengesellschaften oder was es auf diesem Gebiet noch alles gibt) in einer angemessenen Frist zu enteignen, wenn sie Wohnblocks oder auch einzelne Wohnungen leer stehen lassen oder auch bewusst entmieten, um sie dann vergammeln zu lassen, damit sie dann die Genehmigung zum Abriss bekommen und dann Luxuswohnraum schaffen oder Luxussanierung betreiben.

  8. Brigitta sagt:

    Und Nachtrag:
    In einer Demokratie geht es nicht ohne Kompromisse. Das haben wir durch viele Kriege, die dann in den zwei Weltkriege gipfelten, mühsam gelernt. Aber erst seit 70 Jahren versuchen wir zu verstehen, was echte Kompromisse sind, in denen jeder zu seinem Recht kommt und keiner übervorteilt wird. Wir müssen noch viel lernen und wir wissen nicht, wohin uns dieser Weg führen wird (mein Traum wäre eine Auflösung aller Nationalstaaten und eine einzige Regierung für die ganze Welt und dann im Subsidiaritätsprinzip für einzelne Regionen Regionalregierungen). Aber wir sind auf diesem Weg doch auch ein kleines Stückchen weiter gekommen: warum wohl flüchten die Menschen wohl zu uns und nicht beispielsweise nach Russland? Allerdings müssen wir noch viel lernen und da können uns die Reden und Predigten von Papst Franziskus jetzt in Lateinamerika helfen. Auch wir müssen uns in Europa und für Europa fragen:
    Hat jeder Arbeit?
    Hat jeder eine Wohnung?
    Hat jeder genug zu Essen?

    • Rosi Steffens sagt:

      Mein Traum ist die Aufarbeitung der Gegenwart, um daraus den kommenden Tag zu bauen, um ihn dann mit der Motivation zu meistern, die eine Demokratie jedem einzelnen Menschen bringen sollte. Jeder hat in einer Demokratie das gleiche Recht auf dieses Leben und der Mensch sollte dieses Recht nicht mit Füßen treten, egal unter welchem Vorwand, im Gegenteil, er sollte sich darum bemühen, es seinen Mitmenschen gleichermaßen wie sich selbst zuzugestehen.

  9. Brigitta sagt:

    Und noch ein Nachtrag zu Chrisma:
    Es hat nicht nur dieses Spiel gegeben sondern eine ganze Reihe solcher Spiele zu verschiedenen Themen in den Entwicklungsländern, die die Situation einem jeweils ähnlich plastisch vor Augen führten. Daran hätte man meines Erachtens weiterarbeiten müssen und es besser vermarkten mit besserer Qualität, denn über diese Schiene erreicht man eher jemanden als über Unterrichtung oder auch gute Jugendbücher zu diesem Themenkomplex waren mir immer willkommen. Ich habe auch bei meinen „Großen“ (ich war Hauptschullehrerin) immer viel vorgelesen und immer „schwere“ Kost bevorzugt und wie sagte mal einer meiner „Sargnägel“ (trotz allem liebevoll gemeint): „ich wusste gar nicht, dass Bücher so geil sein können.“

  10. Stephan sagt:

    Ich habe den Text gelesen.
    Ich denke dabei an bestimmte Menschen in meiner schönen Stadt. Hier gibt es die Müllabfuhr von zentralen Plätzen, mehrere Straßenblöcke umfassend; da stehen 10-15 grosse Mülltonnen. Hinter den Tonnen in einer Ecke „leben“ Menschen. Mit Lumpen und Pappkartons bedeckt, bei Sonne und Regen, Tag und Nacht liegen sie im Gestank, zwischen Müll. Sie suchen im Müll, den ich bringe nach Essbarem und essen und trinken aus den Tonnen. Ich schäme mich, wenn ich sie sehe und sie sich, wenn ich komme, ich traue mich kaum, sie zu grüßen. Es sind Männer und Frauen, sie sprechen leise miteinander, ich weiss nicht, welche der hier gesprochenen Sprachen sie sprechen, ich habe sie noch nicht angesprochen. Sie sind ohne Würde, haben sie eine Zukunft? Ich stelle mir vor, wenn ich sie da so gekrümmt liegen sehe, dass sie voller Verzweiflung sind.
    Die Gedanken, die Sie vom Papst wiedergeben sind ermutigend, weil sie ein verborgenes Verbrechen benennen. Ich meine, das Verbrechen ist, daß man Ihnen die Würde genommen hat, das darf nicht sein, daß ein Mensch so ohne Würde ist, es schreit zum Himmel! Ich finde es gut, wenn es im Christentum einen ziemlich klaren Begriff von der Menschen-Würde gibt. Ist sie nicht schon dadurch in Frage gestellt, daß der Mensch vom Menschen lebt? Ist es das, was der Papst meint?
    Liebe Grüße, Stephan

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