Die Kirche von morgen

Mich gibt es nicht nur hier. Im Blog. Mich gibt es auch in echt, wenn ich ab und zu mal unterwegs bin und Vorträge halte oder anderswie über den Papst spreche. Wie zum Beispiel vorgestern, da war ich bei Ordensleuten in Salzburg, genauer bei den Medienverantwortlichen der Orden. Und weil die medial gut drauf sind, haben die meine Worte auch mitgeschnitten und online gesetzt.

Man kann das hier nachhören.

Die Ideen werden den Lesern hier nicht unbekannt sein, das ist aber mal auf 20 Minuten komprimiert gesprochen. In Kurzversion nachzulesen ist das hier.

 

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23 Kommentare zu Die Kirche von morgen

  1. Amica sagt:

    Seien Sie jetzt bitte nicht verärgert Pater, aber die Kirche von morgen wird, meiner Meinung nach – auf die sowieso keiner etwas hält 🙂 … also brauchen Sie im Grunde nicht groß böse sein – eine ganz andere sein.
    Papst Franziskus verkörpert die Sicht der Kirche von heute, nicht von morgen. Nach ihm wird sich kein Papst mehr trauen einen Schritt zurück zu gehen. Aber das wird den Laien und Nichtgläubigen relativ egal sein. Denn die hören nicht mehr groß zu, zumindest nicht auf die Obrigkeit. Naja, ich spreche von den Gläubigen in unseren Kreisen – aber das sind immerhin die, die die Welt verändern können, da sie reich sind.
    Ich persönlich glaube an eine Kirche die von Menschen geformt wird, die leiden, krank sind.
    Lassen Sie mich das konkretisieren: ich darf seit circa einem halben Jahr etwa monatlich kranken Menschen im Krankenhaus die Kommunion ans Bett bringen. Die meisten von diesen Menschen können nicht mal das Vaterunser beten… sie sind meist über 60, aber gehen wohl nicht mehr groß in die Kirche; aber sie haben irgendwie trotzdem großen Respekt vor dem Kommunionempfang. Sie glauben daran, dass ihnen das gut tut, wichtig ist für den Heilungsprozess. Und auch junge Menschen schauen mich oft erwartungsvoll an, wenn ich Ihnen die Hostie geben darf. Eine Nichtkatholikin hat mich letztes Mal zudem gefragt, für was die Kommunion denn gut sein soll – aber nicht abwertend sondern interessiert.
    Nicht die großen Worte der Mediengurus sind das entscheidende, die kleinen und persönlichen Gesten sind es. Es ist nicht wichtig, dass ein Papst ein Kommunikationsgenie ist. Die kleinen Gesten sind entscheidend für die Kirche der Zukunft.
    Wenn ein Mensch etwa die Kommunion nicht empfangen möchte bzw. zu verstehen gibt, dass Kirche seiner Meinung nach schräg oder Blödsinn ist, dann lächelt man ihn an und ist zu diesem Menschen mindestens genau so freundlich wie zu einem der die Kommunion eben empfangen will. Und viele dieser Leute lächeln irgendwie zurück. Man muss Sympathie wecken, man muss fröhlich sein aber auch sensibel. Und ein schüchterner Mensch – und zum Glück bin ich im echten Leben ein solcher – hat die Herzen meistens auf seiner Seite. 🙂 Kirche von morgen wird also eine stille sein, eine mit viel Herz und Ehrlichkeit. Eine sehr gute. Und da sind zu viele Worte einfach fehl am Platz.
    Die Kirche der Zukunft braucht das Schüchterne – denn es ist ehrlich – und die Menschen ( besonders kritische Nichtgläubige) merken das einfach. Ein Offensein hierfür setzt aber vielleicht einen Menschen voraus der eine Niederlage, etwa eine Krankheit, durchstehen muss bzw. musste. Dann erst hat er ein offenes Ohr für den leisen Gott des 20./21. Jahrhunderts. Denn vorher hatte er keine Zeit zu hören. „Hören“, ein wundervolles Wort das in der Bibel so oft zu lesen ist. Wir reden zu viel und wir hören zu wenig zu. Das ist das Problem. Der Papst der Zukunft! Vielleicht ist er ein Papst der schweigen kann und zuhört. Papst Franziskus steht vielleicht für den Anfang einer ehrlichen Kirche.

    • @Liebe Amica,wenn Sie das NICHT aus FRUST ,aber mit ehrlichem Herzen(meine 98jährige sehr selbstbewusste Mutter würde sagen mit“ demütigen Herzen“)geschrieben haben,

      DANN bin ich voll bei Ihnen. Alles Gute denn die Menschen im Krankenhaus sind sensibilisiert für die absichtslose Liebe.
      ein kleines Bild: eine brennende Bienenwachskerze: das Wachs steht für die FÜHLENDEN Augen..

      Schönen Sonntag U.H.

      • Amica sagt:

        Wieso gefrustet? Nein, ich bin momentan wirklich sehr gut gelaunt. Diese Tätigkeit im Krankenhaus ist das Beste was ich je gemacht habe – das empfehle ich jedem weiter und zudem kann ich da meine verborgenen Krankenschwesterqualitäten ausleben (mein Berufswunsch in der Grundschule 🙂 ) Also, ich hab kein Problem damit. Kranke Menschen sind mir zehnmal lieber als irgendwelche gesunden Vollpfosten. Pardon, aber das musste sein.

  2. Gabi sagt:

    Lieber Pater Hagenkord,
    meine Eindrücke stimmen in allem, was Sie in Ihrem Vortrag vor Ordensleuten in Österreich über Papst Franziskus sagten, überein. Natürlich bin ich geprägt von Ihren immer zum Mitdenken einladenden Blog-Themen, aber auch von den Nachrichten von Radio Vatikan – woanders als an der Quelle mag ich mich gar nicht informieren – , und wenn es nicht eine übereinstimmende Grundhaltung gäbe, wäre ich hier nicht. Ich bin gern und interessiert und häufig hier. Es entscheidet wohl das individuelle Gespür, was man als „wahr“ oder „unwahr“ für sich entscheidet, und das geprägt ist von Familie, Umfeld und damit im Zusammenhang stehenden eigenen Lebenserfahrungen. Herzlichen Dank für die Übermittlung dieses Mitschnitts, mit dem Sie uns einen weiteren realistischen Einblick in Ihre Arbeitswelt und damit in den Vatikan geben.

  3. Damian sagt:

    Mal nebenbei gesagt: Pater Hagenkord, ich finde Sie machen einfach eine sehr gute Arbeit!

  4. Danke Pater Hagenkord für diesen-mit Stichworten-also nicht gelesenen Vortrag!
    bestätigt auch so ein wenig meine Eindrücke aus der geographischen“ Ferne“.
    etwas hab ich „Vermisst“. die Weise wie Franziskus die Messe feiert!
    diese totale Innerlichkeit einerseits und eben – gerade beim Brotbrechen – dieser Bezug der „Eucharistie“ zum Alltag zum Leben!!

    und die totale Distanz zu allem „Verfeierlichten“!!

    aber ich hab auch ein wenig Ihr Denken kennengelernt und war nicht nur nützlich aber auch beeindruckend..

    ich bin auch sehr froh, dass sich der deutschspr.RV vom Verlautbarungs Journalismus immer mehr zu einem weiteren Horizont bewegt. DANKE dafür!
    Ansonsten kann man Sie ja- gottseidank-bei Übertragungen „in Echt“ erleben kriegt dann auch vom „Kommentar“ eine REALE Übersetzung und auch die Übermittlung des Atmosphärischen.Kommt gut rüber..
    das vermisse ich bei EWTN fast immer.(GA. und Angelus ausgenommen!).)

  5. Zunächst, lieber Pater Hagenkord, keine Sorge, Sie sind ganz echt; 🙂 egal, ob hier im Blog, ob im Radio oder Vorgestern in Salzburg.

    DER TÜRÖFFNER

    den 29. November hat Papst Franziskus die erste Heilige Pforte geöffnet und in den nächsten Tagen werden weitere folgen. Doch ich denke nicht nur an so schöne, ehrwürdige Türen, sondern auch an alte, knarrende Gatter; aus Holz oder Eisen, die sich schwer öffnen lassen und manchmal einfach im Dreck stecken bleiben.

    Noch viele andere Arten von Türen gibt es und wie ist dass, wenn sie eine nach der anderen Aufgehen? Nicht alle sind begeistert, durch diese offenen Türen zu gehen. Wer weiß, was dahinter ist. Manche möchten sie wieder zudrücken oder lieber in eine ganz andere Richtung gehen.

    Nun, Türöffner haben es wohl nicht immer leicht, vor allem, wenn es sich um Türen handelt, die in mehr oder minder geschlossene Bereiche oder in gefühlt private Räume führen.

    Auf den eigenen Füßen stehen:

    – Genaue Anweisungen vom Chef?
    – Eine Lösung für alle?
    – Alles sicher?
    – Oder doch vielmehr mitdenken und die eigenen Entscheidungen eigenverantwortlich treffen?

    Gegen Ende der Synode hat der Erzbischoph von Chicago Blase Joseph Cupich von „einem Glauben für Erwachsene“ gesprochen. Denn so spinne ich meine Gedanken weiter, – selbst, wenn alle möglichen Türen offen sind, durchgehen muss jeder und jede schon selber.

    Doch wir sind mitten im Advent und ein türchen nach dem anderen öffnet sich, unaufhaltsam; wer wollte sie ernstlich wieder zudrücken?

    In America Magazine habe ich vorhin einen schönen und bedenkenswerten Artikel gelesen. Nächste Woche Jährt sich der Todestag von Thomas Merton, den ich sehr, sehr gerne lese.

    Advent, On Our Own Two Feet
    IN ALL THINGS
    Francis X. Clooney, SJ
    http://americamagazine.org/content/all-things/advent-our-own-two-feet?utm_content=bufferb8d75&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

    Kurzlink:
    http://is.gd/Kzxinl

    Herzlichst, Euer Lese-Esel, der gerne durch offene Gatter geht, und sie auch mal für andere aufhält. 🙂

    • @liebe Beate Hattinger,
      bei den Büchern, die ich am Bett habe, ist ein ständiger Begleiter: THOMAS MERTON EIN TOR ZUM HIMMEL IST ÜBERALL.herausg.von Bernardin SCHELLENBERGER..
      es enthält auch einige späte Gedichte und lässt den Leser auch an seiner späten Liebe zu jener Krankenschwester Anteil nehmen. Und den steinigen Weg zurück zu seiner eigentlichen Berufung.
      Kennen Sie auch das asiatische Tagebuch?- die dort beschriebe „Buddha“ Erfahrung und seine letzte Rede vor Mönchen. und dann dieser Tod und der Rückflug mit einem MILITÄRFLUGZEUG der Amerikaner(Vietnam Krieg)…

      ERNESTO CARDENAL, der bei Merton einige Zeit in Gethemany lebte,
      hat seinem Freund ein wunderbares Prosa Gedicht gewidmet: STROPHEN BEIM TODE MERTONS. Sehr stark und persönlich!

      Leider werden Vom Orden immer noch viele Literaturen unter Verschluss Gehalten. Im 21. Jahrhundert!!
      Im Philosophischen Salon.-Christian Modehn kann man einiges Googeln..

      gefreut hat mich, dass Franziskus ihn neben Lincoln ,King,Dorothy Day als exemplarische Amerikaner im Kongress vorstellte
      danke für diesen Propheten der mit ausdrückl. Unterstützung von Paul VI, auch das Gespräch mit den östlichen Mönchs Traditionen eröffnete..

  6. Sciens sagt:

    Die Kirche von morgen wird entweder wieder katholisch sein oder sie wird zusammen mit den Protestanten ins Nirvana des Zeitgeistes hinwegdiffundiert sein.

  7. chrisma sagt:

    Ach ja die Kirche der Zukunft, Mir gefällt das Bild, das Sie lieber Lese-Esel (eines meiner Lieblingstiere, da er/sie so schön störrisch sein kann),liebe @Beate Hattinger von den Türen entwerfen, ganz herzlichen Dank dafür. Nein, die Türen werden nicht mehr zugedrückt und verschlossen gehalten. Kein Papst der nach Franziskus kommt wird das schaffen. Schon das zweite Vatikanum hat mit „dem öffnen der Türen“ begonnen. So sehr auch versucht wurde einige wieder zu schließen, es gelang nicht. Mit dem Beginn der Dezentralisierung ist ein Entscheidender Schritt in die Richtige Richtung getan. Die Macht einer leider in weiten Teilen nicht im Sinne des Evangeliums handelnden klerikalen Clique ist im schwinden begriffen. Die Kirche des 21. Jahrhunderts ist eine Kirche die das Evangelium lebt, vor allem vorlebt. Sie wird in diesem Kontext authentisch sein, die Schönheit des Evangeliums authentisch verkünden.
    Ja @ Amica sie wird bei den Armen, den Kranken sein, die die Welt auch gestalten können, nicht nur die Reichen. Und sie darf auf keinen Fall „schüchtern“ sein, denn das bedeutet letztlich Angst vor den Menschen. Ich würde das Wort „schüchtern“ so gern durch „bescheiden sein“ ersetzten. Unter diesem Aspekt würde ich Ihren Gedanken besser zu stimmen können. Bescheiden und demütig im Angesicht der Botschaft die Jesus uns im Evangelium hinterlassen hat, so soll unsere Kirche im 21. Jahrhundert sein. Und wir haben ja auch einen großen Vorteil: wir können unsere Botschaft in Sekunden in die globale Welt senden und tun es auch heute schon. Ihnen Pater Hagenkord danke für die Zusammenfassung. Schon vor einiger Zeit, als Sie es hier im Blog ansprachen, bin ich Ihrem Beispiel gefolgt und habe „liberal“ und „konservativ“ durch „konstruktiv“ und „destruktiv“ ersetzt. Es gelingt mir als Kind eines ideologischen Jahrhunderts (20.) nicht immer aber ich arbeite daran.
    Ihnen allen einen gesegneten 2. Advent

    • Amica sagt:

      Nein, schüchtern bedeutet keinesfalls Angst,liebe Chrisama, schüchtern – eine wundervolle Haltung – bedeutetd abwartend, sensibel, sich selbst zurücknehmend, leise sein. Ein blöder Vergleich: aber wenn ich in ein Chinarestaurant gehe, dann weiß ich, was schüchtern ist. Papst Franziskus liebt die Asiaten und ich kann ihn gut verstehen. Das Christentum muss asiatischer werden. Ich liebe Papst Franziskus, aber Kardinal Tagle wäre ein grandioser Nachfolgere; Liebevolles Schmunzeln mit drei Ausrufezeichen. Schüchternheit ist der Schlüssel. Wir brauchen ein buddhistisches Christentum.

      • Amica sagt:

        Chrisam – Entschuldigung

        • Amica sagt:

          Chrisma – ich bin heute etwas danaben 🙂 Entschuldigung hoch zehn!

          • chrisma sagt:

            Oh Amica, liebe Amica keine Entschuldigung ist notwendig, gar keine. Ich habe Ihre Definition von „schüchtern“ gelesen und so kann ich sie mitnehmen. Nur eine kleine Anregung: im real existierenden Buddhismus steckt – also so wie er wirklich ist, nicht der in unseren westlichen Vorstellungen- leider auch eine Menge Fatalismus…..Ich lese Ihre Kommentare immer mit großer Aufmerksamkeit, auch wenn ich nicht immer Antworte. Für Ihr Engagement bei kranken Menschen wünsche ich Ihnen Mariens Schutz

  8. Johanna sagt:

    Ich würde auch sagen, dass „konservativ“ nicht mit „geschlossen“ und „liberal“ nicht mit „offen“ gleichgesetzt werden darf, geschweige denn mit „destruktiv“ und „konstruktiv“, da stimme ich Ihnen ganz zu. Man muss sich nur vor Augen halten, dass die Kirche überall dort wächst und gedeiht, wo sie „konservativ“ ist, und dort vom Aussterben bedroht ist, wo sie sich „liberal“ gibt, unter anderem in Deutschland.

    Nicht umsonst hat Papst Franziskus den deutschen Bischöfen bei ihrem Besuch in Rom das Ausmaß der Erosion des Glaubens in Deutschland vor Augen gestellt und von einer deutschen Kirche gesprochen, die sich selbst immer mehr in selbstgewählt zentralistischen Strukturen verliert, die sie jedoch nicht mehr mit Gläubigen füllen kann.
    Offene Türen reichen nicht mehr, wenn es keine Gläubigen mehr gibt, die an die Peripherie hinausgehen würden, um die Menschen einzuladen.

    • chrisma sagt:

      @Johanna das ist ja wohl eine sehr persönliche Wunschvorstellung. Nur die „konservative“ Kirche hat Zulauf?? Die Weltkirche haben Sie dabei offensichtlich nicht im Blick. Hinaus gehen immer noch viele, sehr viele, aber nicht mit den Vorstellungen, die Sie liebe @Johanna hegen. Sondern mit der Bibel unterm Arm, wie sich das gehört, nicht mit Regelwerken. Eine in ihren eigenen Regeln erstarrte Kirche wird nicht mehr gehört, egal in welchem Teil der Welt. Die Kirchenaustritte in Europa haben andere Ursachen als die Schubladen die Sie hier anbieten, aber träumen Sie ruhig weiter.

      • ja in der Einheit mit Jesus, genau das ist es!!
        @liebe Chrisma. noch ein Hinweis als Ergänzung zum bemerkenswerten Vortrag von P.Hagenkord:
        gestern.6.12.2015 0,20 ZDF war eine DOKU von Erbacher: Katakomben Pakt in Bezug zur Situation heute. Im ZDF bzw. Internet abrufbar.

  9. Johanna sagt:

    Liebe Chrisma, woher Ihre Aggression?
    Ich habe keine Schubladen angeboten, sondern den Papst zitiert, der nun mal von Deutschland gesprochen hat. Und ich denke, uns sollte zunächst mal die Situation hier bewegen, denn nur hier können wir etwas tun. Reden tun schon genug. Und wenn Sie die Ursachen der Probleme in Deutschland kennen, dann wissen Sie sicher auch, was zu tun ist.

    Oder wo sehen Sie denn in Deutschland Menschen oder Gemeinden, die mit der Bibel zu den Menschen gehen?

    • chrisma sagt:

      Liebe Johanna, wenn Sie meinen Beitrag als „aggressiv“ erlebt haben, so tut es mir aufrichtig leid. Zugespitzt sollte es wirken. Zurück zum Thema. Ich habe mir auf Ihren Einwand hin die Ansprache die der Papst an die deutschen Bischöfe geschrieben hat, angeschaut. Ja er kennzeichnet die deutsche Situation sehr genau und gibt den deutschen Bischöfen mit auf dem Weg, dass es eine pastorale Neuausrichtung geben muss. Er spricht in keiner Weise davon, dass die nun wieder „konservativ„ werden muss. Ich bin nicht gegen Traditionen generell, sie sind ein ganz wichtiger Bestandteil unseres Glaubens. Leicht „genervt“ bin ich immer, wenn es heißt: Vatikanum II hat die Kirche „ruiniert“ oder gar „ nur wenn wir wieder konservativ (was immer das meint) werden; kommen die Gläubigen auch zurück. Dies ist ein großer Irrtum.

      Kardinal Kasper hat kürzlich es kürzlich auf den Punkt gebracht „ wir müssen von Jesus ausgehen, der das Gesicht Gottes ist, das Gesicht eines barmherzigen Gottes und deshalb müssen wir auf eine neue Weise von einem Gott sprechen, der annimmt, von einem Gott, der zuhört, von einem Gott, der das Elend des Menschen sieht, der uns begleitet. Und ich denke, daß dieser Gott wirklich eine neue Attraktivität für den Menschen von heute haben kann.“ Von Kardinal Kasper stammt auch der wunderschöne Satz „Die Mystik der Barmherzigkeit ist die Mystik der offenen Augen“: Das will sagen: „offene Augen um das Elend des anderen zu sehen, für die Bedürfnisse, die heute sich schnell ändern; offene Augen, um im anderen das Gesicht Jesu Christi zu sehen, der gesagt hat: „Was ihr einem anderen getan habt, das habt ihr mir getan“
      Für die deutsche Mittelstandskirche meint das: klar sie spendet, sicher reichlich, aber ansonsten bleibt sie unter sich, schottet sich ab. Schmort in ihren Gemeinden vor sich hin. Ist sehr oft „geschlossene Gesellschaft“ Sie muss aber lernen andere Wege zu gehen, neu lernen aufzubrechen.
      Hier ein Beispiel: ich sah am Samstag vor dem 2. Advent den Pfarrer meiner Gemeinde zusammen mit einigen Gemeindemitglieder
      (ich bin im freiwilligen „Exil“ in der Stadtkirche der Dominikaner) an einem Infostand auf unserem Stadteilweihnachtsmarkt. Die standen nicht allein da, sondern es wurde sehr viel diskutiert. Ein Weg… unsere Kreativität ist gefragt, unserer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

      Ich habe die Ansprache des Papstes an die deutschen Bischöfe.hier noch einmal angehängt. Für die die nachlesen möchten

      http://de.radiovaticana.va/news/2015/11/20/ad_limina_der_deutschen_bisch%C3%B6fe_die_papstansprache/1188163

      • Johanna sagt:

        Liebe Chrisma, da bin ich ganz bei Ihnen. Auch die Zitate von Kardinal Kasper gefallen mir gut. Nur bei der konkreten Umsetzung bin ich nicht so überzeugt von der Linie von Kardinal Kasper, siehe z.B. die heutige Überschrift bei RV: „Kirche muss an Außenwirkung arbeiten“. Die Kirche muss den Menschen ihr Innerstes – Christus – bringen und nicht an ihrer Außenwirkung arbeiten. Der Eindruck, die Kirche sei bisher unbarmherzig gewesen, ist leider oft innerkirchlich hausgemacht, wenn die Kirche, statt die christliche Lehre zu erklären, sie versucht zu vertuschen und dann irgendwann bei ihren eigenen Mitgliedern auf Unverständnis und Ablehnung stößt. Eine Kirche, die sich immer weiter verbiegt, um den Menschen zu gefallen, verliert irgendwann diese Substanz bzw. hat sie schon verloren. Diese Substanz zu bewahren heißt für mich „konservativ“.

        So ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt ist doch eine tolle Sache, die freuen sich bestimmt auch über Quereinsteiger! Und natürlich geht man mit der Bibel zu den Menschen und nicht mit dem Katechismus, aber für diejenigen, die schon etwas fortgeschritten sind, sind die Inhalte des Katechismus oft eine große Hilfe zum Verständnis der Lehre der Kirche. Der Katechismus ist in diesem Sinne sogar eigentlich ein Instrument des II. Vatikanums, die Ansichten der Kirche zu erklären und zu vermitteln und nicht einfach zu sagen: glaub das! Vorkonziliare Strömungen sind für mich nicht konservativ, sondern traditionalistisch, und -ismen sind immer problematisch. Aber wem’s gefällt, dem sei es gegönnt.

  10. chrisma sagt:

    @Ullrich, danke für die Erinnerung. Hab den Termin verschwitz, in des Wortes bester Bedeutung, mich hat ein Grippe erwischt. Aber ich schau es heute in der Mediathek.

  11. Rosi Steffens sagt:

    Ich finde die Kirche von morgen sollte in Dankbarkeit angenommen werden, denn sie kann das tragen, was der Mensch in seinem Versuch Gott zu spielen auf anderen Menschen abgeladen hat. Es ist Schwerstarbeit diese Schulden an der Menschheit in die Zeit zu führen, die ihnen Stand halten kann, ohne dafür erneut das Volk Gottes zu schädigen. Ohne Kirche hätte ich persölich z.B. all das verloren, was mich heute stark macht. Würde ist ein Akt der Nächstenliebe und das hat mir die Kirche beigebracht. Als stiller Zuhörer gab sie mir die Kraft, die ich brauchte um meinen Auftrag durchzustehen.

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