Die Mühen der ökumenischen Ebene

Die Kathedrale von Lund ist nicht wirklich groß, wunderschön aber nicht groß. Die versammelte ökumenische Prominenz musste sich etwas drängeln, um Platz zu finden. Und es waren wirklich alle da: Nur um mal einige Namen ins Feld zu werfen die deutschen Bischöfe Bode und Feige, Frère Alois von Taizé, mit den Kardinälen Koch und Parolin vatikanische Schwergewichte, koptische, orthodoxe und evangelikale Vertreter in bunt, die ökumenische Theologie in Vollstärke und natürlich sehr viele lutherische geistliche Trachten.

Papst Franziskus bei seiner Ansprache in Lund

Papst Franziskus bei seiner Ansprache in Lund

Und das aus gutem Grund: es war ein historisches Ereignis. Lutherische und katholische Kirche laden gemeinsam zu einem Gottesdienst im Gedenken an die Rerformation ein. Noch mal, falls das zu schnell ging: an die Reformation. Das klingt so normal, dass man vergessen kann, wie unwahrscheinlich so etwas noch vor wenigen Jahren gewesen wäre, jedenfalls mit Anwesenheit des Papstes.

Und dennoch: Man muss genauer hinsehen und hinhören. Wer nicht hier ist und die Begeisterung nicht teilt, die alle Papstevents nun einmal an sich haben, der wird sich fragen, was das denn nun gebracht hat. Und genau dazu habe ich meinen Kommentar für RV heute geschrieben:

 

Es war nicht die große ökumenische Vision, die an diesem Montag in Lund zu sehen war. Wer das große Zeichen, den bahnbrechenden Schritt, die großen Worte erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Stattdessen war viel vom Weg die Rede, „die große Reise fortsetzen“ nennt es die unterzeichnete gemeinsame Erklärung. Es war vom Bekenntnis der eigenen Fehler die Rede und vom gemeinsamen Zeugnis für Christus.

Nur in der schon erwähnten gemeinsamen Erklärung wird die Trennung in der eucharistischen Gemeinschaft genannt, sie wird festgestellt und beklagt, kein revolutionärer Akt wird vollzogen.

Nichts Spektakuläres, aber vielleicht ist ja gerade das das Zeichen der Ökumene heute. Viel ist erreicht, vor allem mit der lutherischen Kirche, so dass sich Ökumene jetzt neu orientieren muss. Der Wunsch nach Einheit tritt oft hinter dem Wunsch nach Profilierung zurück, das muss sich wieder ändern. Ökumene ist nicht nur für die Kirchen da, sondern soll auch nach außen wirken, ein neuer Gedanke, der Fuß fassen muss. Die eucharistische Trennung ist Realität, Konvergenzen in der Theologie werden festgestellt, aber ganz da sind wir noch nicht, da braucht es – um in der Wegmetapher zu bleiben – viele kleine Schritte, nicht die große Geste.

Die Liturgie in Lund war geprägt von Gebet, Dank, von Ausdrücken der Reue und von der Versicherung, gemeinsam Zeugnis ablegen zu wollen. Noch einmal: das ist alles nicht spektakulär. Aber genau das ist heute Ökumene: die berühmten Mühen der Ebene. Das ist die Botschaft, die von Lund ausgeht, für die nächsten Schritte auf dem Weg.

 

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16 Kommentare zu Die Mühen der ökumenischen Ebene

  1. Konservativer Katholik sagt:

    „Viel ist erreicht, vor allem mit der lutherischen Kirche“

    Habe ich da etwas verpaßt? Die lutherischen kirchlichen Gemeinschaften sind im Prinzip nur noch eine Organisation zur Verbreitung der politischen Korrektheitsideologie, in der manchmal auch ein politisch korrekter Gott auftauchen kann. Will die Katholische Kirche den Lutheranern auf diesem Weg folgen?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Aber das ist doch Unsinn, was sie hier behaupten. Sie haben ja schon mal hingelangt, was Lutheraner angeht, offensichtlich aus völliger Unkenntnis heraus. Es gab ausdrückliches Lob von päpstlicher Seite für Luthers Theologie, und damit meine ich nicht nur Papst Franziskus sondern auch Papst Benedikt, etwa in Erfurt. Das passt ihnen offensichtlich nicht.

      • David sagt:

        Danke Pater Hagenkord, für Ihre klare Antwort. Auch Kardinal Koch hat ja darauf hingewiesen, dass neben Franziskus schon seine Vorgänger sich klar geäussert haben. Ich lese auf einem einschlägigen Blog noch vom „exkommunizierten Häretiker“ – und finde niemand, der solchen verachtenden Positionen entgegensteht, mit dem nötigen Wissen … Daher: Danke!

      • Konservativer Katholik sagt:

        Was genau meinen Sie mit „Luthers Theologie“?

        Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. Luthers Sakramentenlehre gelobt hat.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Es geht zum Beispiel um die Rechtfertigungslehre, also um das Kernstück Luthers Theologie, wie er selber es genannt hat.

        • Suarez sagt:

          Diese Sakramententheologie unterscheidet sich nicht in wirklich wesentlichen Punkten von der katholischen. Mir will scheinen, dass Sie weder die lutherische noch die katholische Sakramentenlehre kennen.

    • F. H. sagt:

      Lieber Konservativer Katholik,

      leider sind von Ihrer Seite immer nur Schlagwörter und negativ eingefärbte Kritik, die jeder Grundlage entbehrt, zu lesen. Die Suggestivfrage, die Sie stellen, stellt sich in Wirklichkeit gar nicht. Wo ist die Freude des Evangeliums, die Sie eigentlich versprühen sollten? Freuen Sie sich doch, dass Katholiken und Lutheraner ein gemeinsames Zeichen gesetzt haben, dass das Christentum noch etwas gilt in Europa. Selbst die Bild-Zeitung hat die Frage getitelt: „Glauben Sie noch?“

      Also ich sehe in den gestrigen Ereignissen weder falschen Zeitgeist noch Political Correctness, sondern ein großes Zeichen im Jahr der Barmherzigkeit und am Beginn des 500-jährigen Gedenkens unserer großen europäischen Kirchenspaltung mit unendlich viel Entfremdung, Sünde, Leid und Tod auf beiden Seiten. Und die sehr wichtige Rückbesinnung auf unser aller gemeinsame Wurzeln im Evangelium und in Jesus Christus.

      Meine nicht kirchlichen Freunde sind jedenfalls sehr beeindruckt von Papst Franziskus, seinen Initiativen, seinem Mut, seiner Authentizität und seinem Vorbild und beklagen, dass seine Kirche ihm so wenig folgt: Es wird von uns erwartet, dass wir Salz der Erde sind und Sauerteig, aber es sei wenig davon spürbar. Und es ist nicht die konservativ-katholische und sauertöpfische Attitüde, die erwartet – und erhofft! – wird. Von einem Christentum der Tat sei nicht viel zu sehen… So sind wir weder attraktiv noch missionarisch.

      • @F.H
        was sie über Ihre“nicht kirchlichen“ Freunde sagen kenne ich auch und es ist schade, dass das von pseudo- konservativen Kräften provoziert wird..

        wirklich WERT-Konservative sind dialogfähig!!

    • Carlos sagt:

      @Konservativer Katholik
      Lassen Sie sich nicht vom Misstrauen auffressen! Gott selbst leitet Seine Kirche!

      Weisheit 17,11: „Furcht ist ja nichts anderes als der Verzicht auf die von der Vernunft angebotene Hilfe.“

      Begründen Sie Ihre Ansichten und lassen Sie sich nicht einreden, andere seien vom Teufel besessene Monster.

      Die meisten Progressisten sind völlig verwirrt, ja. Aber das ist kein Grund, sie zu hassen oder vor ihnen Angst zu haben. Ebenso leiden die meisten Traditionalisten unter einer krassen Herzensverhärtung… aber auch sie sind keine Monster.

      Seien Sie einfach keines von beiden und glauben Sie alles, was die Kirche lehrt. Kümmern Sie sich um Ihre Heiligkeit, zu der wir alle berufen sind. Dann sind Sie sogar im Internet ein Segen für Andere.

  2. galahad sagt:

    Ich habe mich heute in einem (seriösen) katholischen Forum dafür stark gemacht, dass ein erster Schritt auf diesem wortreich beschworenen Weg zur Überwindung der Trennung darin bestehen könnte, dass Katholiken der Einladung zum evangelischen Abendmahl folgen dürfen, ohne dass sie damit rechnen müssen, von ihrer Kirche gemaßregelt zu werden. Die darauf folgende Kontroverse ist für mich in vielerlei Hinsicht ein Lehrstück, allerdings kein wirklich überraschendes …

  3. David sagt:

    Als „Nichttheologe“ aus der Schweiz kann ich nur schreiben: Wenn es denn für das ganz gewöhnliche „Volk“ möglich würde, in gemischten Ehen, Freundschaften, Gruppen zur Kommunion respektive zum Abendmahl zu gehen, dann wäre schon viel erreicht. Für die meisten von uns mehr oder weniger kirchennahen oder – fernen und mehr oder weniger praktizierenden Katholiken ist es gerade in einem Land wie dem meinen immer noch schmerzlich, wenn man fast mit schlechtem Gewissen … Ein Schlüsselerlebnis im Glauben war für mich vor 30 Jahren eine frühmorgendliche Messe in der Offiziersschule, nach einer Uebung, durchnässt, müde, in einer Kapelle. Gelesen hat sie der für uns zuständige Feldprediger, im Range eines Bischofsvikar sonst tätig. Und ich höre ihn immer noch, wie er alle eingeladen hat, ob katholisch oder protestantisch, alle! Die Nacht hat uns zusammen gebracht, und bestärkt. Und das erhoffe ich mir, ungeachtet der für mich als einfachen Laien nicht verständlichen theologischen Trennlinien…

  4. Pingback: Det ekumeniska vardagsgnetet | Signum

  5. Konstantin sagt:

    „Der Wunsch,etwas zu ändern
    ist anfangs oft nur ein unscheinbares Samenkorn.
    Aber es liegen ungeahnte Kräfte darin verborgen.
    Lege es in die Erde der Zuvesicht,
    bewahre es vor den Dornen des Alltags,
    beschütze es vor dem Wind de Gewohnheit,
    dann wird es wachsen und herrliche Blüten treiben.“

    Verfasser unbekannt

  6. @lieber Pater Hagenkord, TECHNISCHE ANFRAGE:

    Sowohl über den Player als auch über YouTube
    konnte ich a) den Gottesdienst in der Kirche
    B) HEUTE 1.1.2011 DIE MESSE

    NICHT empfangen! liegt das an MEINEM PC oder ist da ein anderes technisches Problem?

    die 2. Veranstaltung gestern konnte ich ganz normal empfangen

    für Kurze INFO besten Dank!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das ist komisch. Eigentlich sollte es da keine technischen Probleme gegeben haben, ich gehe dem nach. Gruß aus Malmö.

  7. Es war wunderbar in Schweden zu sein von zu Hause sehen lesen und horen.Alles ist moglich zu bekommen ,wenn es Mensch verteiligt Gottes Plan aus seiner grossen Wurde .Viele herzlliche liebe Wunsche an allen Menschen guten Willen .Ich danke

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