Die Situation des Einzelnen vor Gott anerkennen

Die Synode ging an diesem Freitag zum letzten Mal in Kleingruppen. Eigentlich war das erst für den Samstag geplant, aber die Synode hatte gut und schnell gearbeitet, es konnte früher begonnen werden.

Überspitzt formuliert geht es in diesen Tagen um die Frage, wie Barmherzigkeit und Wahrheit konkret zusammen passen, wie das praktisch aussehen kann, pastoral zu sein und aus sich selbst heraus zu gehen. Angeschnitten wurden die Themen bereits vor einer Woche, bei den ersten Beiträgen zum dritten Teil des Arbeitsdokumentes.

Eines der dabei immer wieder genannten Themen war das der Begleitung und Vorbereitung; von Ehen wie auch von ganzen Familien, ebenso von Seelsorgern und Priestern. Ein Synodenvater verwies dazu auf Evangelii Gaudium von Papst Franziskus, in dem dieser ausführlich auf diese Frage eingeht.

Das Kapitel „Die persönliche Begleitung der Wachstumsprozesse“ stelle ich an dieser Stelle noch einmal ein, denn es ist mehr als nur ein praktisches Instrument, darin steckt ein Grundgedanke von Seelsorge und darüber hinaus vom christlichen Umgang miteinander. Beim Thema Familie und bei anderen Themen:

 

Kaffeepause bei der Synode - der Papst im Gespräch

Kaffeepause bei der Synode – der Papst im Gespräch

Aus Evangelii Gaudium

169. In einer Zivilisation, die an der Anonymität leidet und paradoxerweise zugleich, schamlos krank an einer ungesunden Neugier, darauf versessen ist, Details aus dem Leben der anderen zu erfahren, braucht die Kirche den Blick der Nähe, um den anderen anzuschauen, gerührt zu werden und vor ihm Halt zu machen, so oft es nötig ist. In dieser Welt können die geweihten Diener und die übrigen in der Seelsorge Tätigen den Wohlgeruch der Nähe und Gegenwart Jesu und seines persönlichen Blicks wahrnehmbar machen. Die Kirche wird ihre Glieder – Priester, Ordensleute und Laien – in diese „Kunst der Begleitung” einführen müssen, damit alle stets lernen, vor dem heiligen Boden des anderen sich die Sandalen von den Füßen zu streifen (vgl. Ex 3,5). Wir müssen unserem Wandel den heilsamen Rhythmus der Zuwendung geben, mit einem achtungsvollen Blick voll des Mitleids, der aber zugleich heilt, befreit und zum Reifen im christlichen Leben ermuntert.

 

„Wort finden, die uns aus der bequemen Position des Zuschauers herausholen“

 

170. Auch wenn das offensichtlich scheint, muss die geistliche Begleitung mehr und mehr zu Gott hinführen, denn in ihm können wir die wahre Freiheit erlangen. Einige halten sich für frei, wenn sie abseits von Gott eigene Wege gehen. Aber sie merken nicht, dass sie dabei existentiell verwaisen, dass sie ohne Schutz sind, ohne ein Heim, in das sie immer zurückkehren können. Sie hören auf, Pilger zu sein, und werden zu Umherirrenden, die immer um sich selbst kreisen, ohne je an ein Ziel zu gelangen. Die Begleitung wäre allerdings kontraproduktiv, wenn sie zu einer Art Therapie würde, die diese Verschlossenheit der Personen in sich selbst fördert, und aufhörte, Wanderschaft mit Christus zum Vater zu sein.

171. Mehr denn je brauchen wir Männer und Frauen, die aus ihrer Erfahrung als Begleiter die Vorgehensweise kennen, die sich durch Klugheit auszeichnet sowie durch die Fähigkeit zum Verstehen, durch die Kunst des Wartens sowie durch die Fügsamkeit dem Geist gegenüber, damit wir alle zusammen die Schafe, die sich uns anvertrauen, vor den Wölfen, die die Herde zu zerstreuen trachten, beschützen. Wir müssen uns in der Kunst des Zuhörens üben, die mehr ist als Hören. In der Verständigung mit dem anderen steht an erster Stelle die Fähigkeit des Herzens, welche die Nähe möglich macht, ohne die es keine wahre geistliche Begegnung geben kann. Zuhören hilft uns, die passende Geste und das passende Wort zu finden, die uns aus der bequemen Position des Zuschauers herausholen. Nur auf der Grundlage dieses achtungsvollen, mitfühlenden Zuhörens ist es möglich, die Wege für ein echtes Wachstum zu finden, das Verlangen nach dem christlichen Ideal und die Sehnsucht zu wecken, voll auf die Liebe Gottes zu antworten und das Beste, das Gott im eigenen Leben ausgesät hat, zu entfalten. Immer aber mit der Geduld dessen, der weiß, was der heilige Thomas von Aquin gelehrt hat: Es kann jemand die Gnade und die Liebe haben, trotzdem aber die eine oder andere Tugend »aufgrund einiger entgegengesetzter Neigungen«, die weiter bestehen, nicht gut leben. Mit anderen Worten: Der organische Zusammenhang der Tugenden besteht zwar »in habitu« immer und notwendig, es kann aber Umstände geben, die die Verwirklichung dieser tugendhaften Anlagen erschweren. Deshalb bedarf es einer »Pädagogik, welche die Personen schrittweise zur vollen Aneignung des Mysteriums hinführt«. Damit eine gewisse Reife erlangt wird, so dass die Personen fähig werden, wirklich freie und verantwortliche Entscheidungen zu treffen, muss man mit der Zeit rechnen und unermessliche Geduld haben. Der selige Petrus Faber sagte: »Die Zeit ist der Bote Gottes«.

 

„Alles hinter sich lassen, immer neu aufbrechen“

 

172. Der Begleiter versteht es, die Situation jedes Einzelnen vor Gott anzuerkennen. Sein Leben in der Gnade ist ein Geheimnis, das niemand von außen ganz verstehen kann. Das Evangelium schlägt uns vor, einen Menschen zurechtzuweisen und ihm aufgrund der Kenntnis der objektiven Bosheit seiner Handlungen wachsen zu helfen (vgl. Mt 18,15), ohne jedoch über seine Verantwortung und seine Schuld zu urteilen (vgl. Mt 7,1; Lk 6,37). Ein guter Begleiter lässt freilich fatalistische Haltungen und Kleinmut nicht zu. Immer lädt er ein, sich heilen zu lassen, seine Bahre zu nehmen (vgl. Joh 5,8), das Kreuz zu umarmen, alles hinter sich zu lassen, immer neu aufzubrechen, um das Evangelium zu verkünden. Die eigene Erfahrung, uns begleiten und heilen zu lassen, indem es uns gelingt, unser Leben mit vollkommener Aufrichtigkeit vor unserem Begleiter auszubreiten, lehrt uns, mit den anderen Geduld zu haben und verständnisvoll zu sein, und ermöglicht uns, die Wege zu finden, um ihr Vertrauen zu wecken, so dass sie sich öffnen und bereit sind zu wachsen.

173. Die wahre geistliche Begleitung beginnt und entfaltet sich immer im Bereich des Dienstes am Evangelisierungsauftrag. Die Beziehung des Paulus zu Timotheus und Titus ist ein Beispiel dieser Begleitung und Bildung im Zuge des apostolischen Wirkens. Während er ihnen den Auftrag erteilt, in der Stadt zu bleiben, »damit du das, was noch zu tun ist, zu Ende führst« (Tit 1,5; vgl. 1 Tim 1,3-5), gibt er ihnen Hinweise für ihr persönliches Leben und die pastorale Arbeit. Hier liegt ein klarer Unterschied zu jeder Form von intimistischer, auf isolierte Selbstverwirklichung bedachter Begleitung. Missionarische Jünger begleiten missionarische Jünger.

 

 

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15 Kommentare zu Die Situation des Einzelnen vor Gott anerkennen

  1. Amica sagt:

    Das mit dem „Zuhören“, finde ich, ist eine ganz komplexe Sache:
    Die Zahl von denen die einem Menschen wirklich zuhören können ist leider ziemlich spärlich. Die meisten Leute wollen über sich selbst reden.
    Wenn man zum Beispiel mit älteren Leuten „redet“ artet die ganze „Kommunikation“ des öfteren in einen Monolog aus. Jetzt könnte man natürlich den alten Menschen so vor sich hin reden lassen, also, einfach nur so tun als ob man zuhört. Aber manchmal ist der Monolog auch wieder kein Monolog sondern es fallen Schlüßelworte die einem selbst was bringen. Das kommt jetzt etwas arg esoterisch rüber, aber manchmal ist in den Worten des anderen eine Botschaft für einen selbst enthalten, die wohl nicht nur vom Gegenüber herrührt, also vom Heiligen Geist kommt. Manchmal ist das sogar total witzig und man fragt sich dann, ob der Heilige Geist nicht ein absoluter Spaßvogel ist – aber das ist eine andere Geschichte. Man wird für das viele Zuhören jedenfalls auch „belohnt“.
    Zuhören ist sowieso die beste Form weiterzukommen, zu lernen. Aber es ist eben auch anstrengend und ich kann dem Zuhören dann am besten gerecht werden, indem ich die Dinge/Reize die ich im Laufe des Tages so aufnehme/rezipiere auf ein mögliches Minimum reduziere. Beispiel: bei mir hat eine zeitlang das Zuhören gar nich mehr funktioniert, jetzt wo ich wieder auf dem Land lebe (also einer Reizüberflutung sehr gut aus dem Weg gehen kann), klappt das mit dem wirklichen Zuhören auch wieder besser.

    Eine Kleinigkeit möchte ich noch anfügen: in der „Bibel in gerechter Sprache“ (einer neueren Bibelübersetzung) wird Mt 11,5 folgendermaßen übersetzt: „Blinde sehen, Gelähmte gehen umher, Leprakranke werden rein und taube Menschen können hören. Tote werden auferweckt und die Armen bringen die Freudenbotschaft.“ Der letzte Satz ist wichtig: in der Einheitsübersetzung heißt es nämlich: „… und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ Beide Formen der Übersetzung sind anscheinend möglich (und Übersetzung ist ja leider auch immer Interpretation, also verfälscht einen Urtext). Die Sache ist aber die, dass tatsächlich die neuere Übersetzungsvariante die viel Zutreffendere ist: wer könnte das Evangelium besser verstehen als leidende Menschen, die „armen“ müssen hierin also nicht belehrt werden, sondern sie können hierüber viel Besser sprechen als der noch so klügste, gebildetste, privilegierteste Lehrer.

  2. Rosi Steffens sagt:

    Ich versuche es mal mit einer Betrachtung aus meiner Sicht:

    „Die Situation des Einzelnen vor Gott anerkennen“ hat für mich eine sehr tragende Bedeutung, denn vor Gott bedeutet vor Jesus und damit frei von Sünde durch das Kreuz. Ich glaube, wir sollten wirklich dem Urteil Gottes vertrauen, indem wir uns in seine Hand begeben, um Entscheidungen so zu treffen, dass sie unserem eigenen Gewissen nicht zur Belastung werden und vom Heiligen Geist getragen sind.

    „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, das bedeutet, man kann sich selbst so lieben, wie diese Liebe dem Nächsten zu Teil wird. Der Glaube hilft über alles hinweg, ohne ihn hat nichts einen Zweck, denn der Glaube ist die Rechtfertigung vor Gott. Es gibt nichts Höheres als den Glauben an Gott, um mit denen zu teilen, die durch Ihn, mit Ihm und in Ihm als ein Volk nachfolgen werden. Jesus hat für uns bereits alles geteilt, was es zu teilen gibt, mit dem ihm nachfolgenden Leben.

    „Alles hinter sich lassen, immer wieder neu aufbrechen“ fordert uns auf zu gehen und nicht auf der Stelle zu treten. Wir haben alle Möglichkeiten, um gemeinsame Wege zu finden, wir sollten uns dafür so einsetzen, dass unser Dasein allen dient und nicht nur uns selbst. Entscheidungen helfen uns Menschen in ein Miteinander, das dem Glauben an einen Gott, der dem Willen des Herrn entspricht und durch Ihn und mit Ihm und in Ihm das Leben verwirklichen kann, das dieser Zeit nachfolgt.

    Sprache ist die Möglichkeit zur Kommunikation, wenn sie zwischen den Gesprächspartnern das vermittelt, was man zu sagen hat und nicht dem Ungesagten im Wege steht kann sie unglaubliches bewirken. Wir als Menschen haben uns Kommunikationsmöglichkeiten erschaffen, die grenzenlos erscheinen, die jedoch nur für den von Bedeutung sind, der sie auch für den inneren Dialog nutzt, um sich selbst so zu positionieren, dass alle Menschen mitgenommen werden. Unsere Gedanken sind der Zugang zur Sprache und wir sollten sie ins Leben einbringen, um daraus etwas ganz Einzigartiges weiter zu entwickeln, das sich mit gegenseitigem Verständnis beschreiben lässt.

    Liebe wäre dann das Produkt aus dieser Entwicklung, das dem Glauben zu Grunde liegt und doch nur über den Menschen von heute ins Leben finden kann.

    • S.G. sagt:

      In der Hospizarbeit hört man hauptsächlich zu und bekommt dadurch vieles geschenkt!
      @Amica: „Jetzt könnte man natürlich den alten Menschen so vor sich hin reden lassen, also, einfach nur so tun als ob man zuhört. Aber manchmal ist der Monolog auch wieder kein Monolog sondern es fallen Schlüßelworte die einem selbst was bringen. Das kommt jetzt etwas arg esoterisch rüber, aber manchmal ist in den Worten des anderen eine Botschaft für einen selbst enthalten, die wohl nicht nur vom Gegenüber herrührt, also vom Heiligen Geist kommt. Manchmal ist das sogar total witzig und man fragt sich dann, ob der Heilige Geist nicht ein absoluter Spaßvogel ist – aber das ist eine andere Geschichte. Man wird für das viele Zuhören jedenfalls auch „belohnt“.
      Liebe(r) Amica, ich stimme Ihrer Schlussfolgerung voll und ganz zu. Durchs Zuhören wird man reich beschenkt und ich hatte oft auch schon das Gefühl, dass Gott durch den Sterbenden zu mir spricht. Ich durfte auch viel daraus lernen – ein wahres Geschenk!

      • Rosi Steffens sagt:

        Gerade ein Zusammentreffen mit der Endlichkeit gewährt uns Einblicke, die wir anders nur schwer erlangen können. Sie zeigt uns auf, wie unwichtig doch der einzelne Mensch für das Leben ist, denn würden wir sonst gehen müssen? Es gilt den Menschen als solchen anzunehmen, in der ganzen Komplexität seiner Eigenschaften, die sich in der Menschheit als solcher immer wieder spiegeln, um endlich als lebendiger Bestandteil in ein Leben zu finden, das durch alle Menschen geteilt wird.

        Folgenden Text schrieb ich nach der Psychose auf, die ich im Anschluss an meine Krebstherapie durchstehen musste, was fast fünf Jahre meines Lebens in Anspruch nahm, in denen ich mit dem Leben kämpfte und durch die Stabilität meines Alltags gewinnen konnte:

        … Schon am dritten Tag nach Behandlungsbeginn schlug die Therapie so gut an, dass ich die erste Nacht seit sehr, sehr langer Zeit wieder durchschlafen konnte ohne Angst, die Luft würde mir nicht mehr zum Überleben reichen. Dieser Erfolg zog sich über den gesamten Therapiezeitraum hinweg und ich hatte diesbezüglich weniger Probleme mit den Medikamenten als beim ersten Mal obwohl die Dosis um ein vielfaches höher war. Was mir jedoch zu schaffen machte waren die Menschen, mit denen ich es zu tun hatte. Es waren Menschen, die teilweise dem Tod geweiht waren, oder die durch die tödliche Krankheit so gezeichnet waren, dass man ihnen ein Weiterleben gar nicht zutraute. Da schien ich mit meinem grenzenlosen Optimismus vollkommen fehl am Platz und doch sprachen mich die Mitpatienten an und versuchten zu verstehen woher ich diesen Optimismus nehmen konnte. Es schien als wären sie froh darüber, mich bei sich zu wissen. Sie tauschten sich mit mir aus und ich versuchte etwas von meiner Lebensart an sie weiter zu vermitteln, denn es schien mir der richtige Weg mit dieser tödlichen Krankheit umzugehen. Es gibt nur ein Leben und entweder man ist dabei, oder man schließt sich selbst in einen goldenen Käfig. Ich musste leider zwei Sterbefälle miterleben, von denen ich sehr betroffen war. Man möchte meinen, man härtet ab auf einer Station auf der man dem Tod näher als dem Leben scheint, doch das ist nicht so. Es ist ein Kampf um die eigene Priorität, denn jeder ist hier ein Kandidat für den Tod und nichts Besonderes. Ich trennte das Leben im Krankenhaus von dem zu Hause und wollte auch keine Besucher auf meiner Station. So schaffte ich es für mich einen Strich zu ziehen zwischen den drei Tagen stationär und meinem Leben draußen. Meine Kinder waren für mich der Jungbrunnen, den ich zum Durchhalten brauchte. Sie gaben mir die Kraft zurück, die ich manchmal im Krankenhaus verloren habe. Überhaupt holte ich mir den Lebenswillen und das Durchhaltevermögen aus meiner Familie, dem Zusammenschluss, der mir all das gab, was ich brauchte, um dem Leben das Schöne abzugewinnen in einer Zeit, in der es nichts Schönes zu geben scheint. Das Kortison, das ich während der Zyklen immer über zwei Wochen einnehmen musste, das machte mir sehr zu schaffen und ich empfand es wie ein Dopingmittel. Es putschte mich derart auf, dass ich in den Einnahmephasen kaum zur Ruhe kam. Immer wenn ich zu müde war, um meine Arbeiten erledigen zu können, dann trieb mich das Kortison an und ich übernahm mich oft so sehr, dass ich abends todmüde ins Bett fiel. Meine gesamte Therapie war am 14.01.2010 mit der letzten Kortison Tablette abgeschlossen und ich konnte mich auf das besinnen, was ich jetzt am meisten brauchte, Erholung von den Nebenwirkungen einer extrem starken Chemotherapie, die jedoch ihren Sinn in meiner Genesung hatte, die bis heute anhält ….

        Auf dieser Station lernte ich zuzuhören, um für mein Leben zu lernen, das so Gott wollte, noch lange andauern würde. Vertrauen in die eigenen Gefühle, das ist es was Sprache auf die Reise schickt, um die Wahrheit in Worte fassen zu können. Die Zeit, die man dazu benötigt liegt im Schweigen und fördert die Gedanken zu Tage, die einem die richtigen Worte in den Mund legen können. Manchmal reicht eine kleine Geste, ein Zwinkern der Augen oder auch ein Lächeln um die Lippen, um den Trost zu spenden, den der Mensch im Leben braucht.

  3. Micaela Riepe sagt:

    Ich will nicht unter Ihrem letzten, witzig geschriebenen Beitrag kommentieren, dazu habe ich schon geschrieben. Gut ist, dass Machenschaften dieser „besonderer Qualität“ deutlich zurückgewiesen werden.

    Ich habe Bauchschmerzen anderer Art. Wenn man an die Zusammenfassung der Ergebnisse des ersten Fragebogens denkt und an die doch viel größere Zurückhaltung bei der Beantwortung des Zweiten, so habe ich den Eindruck, Alles bleibt wie gehabt, im Gegenteil, die mystische Überhöhung der Ehe wird sogar noch zur Berufung stilisiert, vergleichbar mit dem Eintritt in einen Orden. Also, wenn das nicht an der Liebe, der erotischen Liebe, und an der Lebensrealität auch der Katholiken vorbeigeht, dann weiß ich es nicht.

    Nur eine kurze Geschichte aus dem katholischen Leben:

    Ich saß im Gemeindehaus und wartete auf mein Treffen mit Pater M.,Pfarrer der Gemeinde, zu der ich mich zugehörig fühle, ohne institutionell katholisch zu sein, es ging um eine Meditation der heiligen Clara: Stelle Deinen Geist vor den Spiegel der Ewigkeit, stelle Deine Seele in den Glanz der Glorie … .

    Nach einer Weile öffnete sich seine Tür und heraus kamen drei freudestrahlende Menschen: Mann und Frau mit einem lächelnden Kind auf dem Arm.

    Pater M. erzählte mir, ebenfalls völlig beglückt, dieses Paar möchte heiraten und anschließend gleich die Taufe des Kindes vollziehen lassen. Kein Problem.

    Jetzt stelle ich mir vor. für dieses Paar gäbe noch eine ausführliche Ehevorbereitung mit Verlobungszeit, wo doch offensichtlich ist, dass dafür sämtliche Voraussetzungen fehlen!

    Sie können sich vielleicht vorstellen, dass die Beiden mit ihrem Kind schreiend davonliefen :-), und es liegt eine große Selbstüberschätzung in der Auffassung, man müsse das pastoral nur gut genug machen. Und wenn ein Paar darauf verzichten will, dann müssten Sie die Eheschließung auch konsequent verweigern. Das möchte ich mal sehen.

    Vielleicht bin ich ja altmodisch, doch stelle ich mir für ein solches Prozedere keusche und völlig dem katholischen Ehe-Ideal ergebene Menschen vor. Gut, auf die mögen ja alle Methoden, die sich katholischer Klerus und Theologen noch ausdenken mögen, zutreffen. Doch die meisten sind ja Sünder, und zwar aus voller Überzeugung, so glücklich wie sie waren wie bei meinem Beispiel.

    Die Zeit ist über das Alles hinweg gegangen, und wenn die schon wichtiger ist als der Raum … .

    Selbst Jesus hat seine Jünger ausgeschickt mit den Worten, bleibt, wo ihr gut aufgenommen werdet und geht von dort weg, wo das nicht so ist. Allerdings war ich für diese Jünger immer optimistisch: denn sie verbreiteten ja nicht die Lehre der katholischen Kirche. Noch ein Smily? Nein. Das Unfehlbare und die Erbarmungslosigkeit gehören zusammen.

    • Rosi Steffens sagt:

      „Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen“, was ist daran mystisch und erhöht? Eine Ehe ist keine Verbindung auf Zeit sondern eine Verbindung fürs Leben, darauf möchte ich mich als Ehepartner verlassen können. Wenn mein Mann dieses Versprechen nicht ernst nehmen würde, dann hätte er in den vergangenen Jahren sicherlich genügend Gründe gefunden, mich und die Kinder oder mich mit den Kindern zu verlassen, doch er tat es nicht, er stand an meiner Seite und das obwohl wir „nur“ standesamtlich getraut sind. Der Alltag holt einen ziemlich schnell wieder ein, wenn man die erste Zeit voller Liebe hinter sich gebracht hat. Darum aber geht es doch, den Alltag gemeinsam zu meistern, mit den euphorischen Gedanken an eine nie enden wollende Liebe, die einen in die höchsten Höhen trägt, um dich im nächsten Moment aus den tiefsten Abgründen zu holen. Aneinander festzuhalten, egal was auch kommen mag, das sollte allerdings auch gut überlegt sein und man sollte dabei nicht einem Gefühl erliegen, das dann sehr schnell in Vergessenheit gerät. Es geht bei der Ehe um die eigene Prüfung, der man Stand halten muss: „Bin ich bereit mein Leben mit diesem Menschen zu teilen ohne dafür etwas anderes zu bekommen als genau dieses Leben?“ Es liegt immer in der eigenen Verantwortung was man aus diesem Leben macht und man sollte sich dabei in einer Ehe auf den Partner verlassen können, denn das Leben an sich bringt schon genügend Unwägbarkeiten mit sich, als das man dann auch noch einem Versprechen nicht den Wert beimessen kann, der ihm gebührt. Es sollte nichts Besonderes unter Menschen sein, gegebene Versprechen auch einzuhalten. Das mag viel verlangt sein, doch es beruht ja auch auf Gegenseitigkeit.

  4. Bayerin sagt:

    Sehr geehrter Herr Pater Hagenkord

    Das lange Zitat aus Evangelii Gaudium liest sich für mich wie ein Hirtenbrief des Inhalts: „Wir haben eine Marktnische gefunden. (…) Nun aber ran!!!“

    Irgendwie geht mir – ich glaube – Schleiermacher´s Aussage nicht aus dem Sinn, der Mensch sei Mit-Zweck, und ihn als Mittel zu gebrauchen, heiße, ihn zu täuschen. Auf der anderen Seite ist mir natürlich klar, dass Ihr die Menschen nicht bewusst als Mittel gebrauchen wollt. Aber das Stehenbleiben und Hinschauen in einer derart engen Verquickung mit Missionstätigkeit erscheint mir doch wie der Missbrauch eines Alleinstellungsmerkmals. Das zum einen.

    Zum anderen werden all jene Hilfsbedürftigen, die ihre Katholizität als den größten Irrtum ihres Lebens betrachten – wie ich – einen noch größeren Bogen um „kirchens“ machen als ohnehin schon, sobald sich unter uns die Kunde verbreitet, wie eng mit dem Missionsgedanken verknüpft Euer Hinschauen ist.

    Im Übrigen ist das wirklich eine revolutionäre Neuerung! Ich bin ausgetreten, weil mich jahrzehntelang niemand gesehen / gemeint hat. Doch letztlich: Inwieweit kann man sich wirklich gesehen / gemeint fühlen, wenn das Hinschauen nicht zweckfrei geschieht? Zumal als jemand, der bzgl. Katholizismus kein leeres Blatt ist, das aber in suboptimaler Weise beschrieben wurde?

    • Rosi Steffens sagt:

      Vielleicht verliert das Evangelii Gaudium an missionarischer Bedeutung, wenn man sich davon als christlicher Laie direkt angesprochen fühlt und nicht in der Position eines Priesters, der in einem Amt als Zeuge Christi steht und vielleicht nicht als gelebter Christ durch Gott im Leben fest verankert ist. Ich glaube man sollte hierbei versuchen einen Unterschied nicht im Menschen an sich zu entdecken, sondern viel eher die Unterscheidung im Amt zu finden, das ja einen Auftrag enthält, den es zu erfüllen galt. Was will Jesus Christus von allen Menschen gleichsam, egal welche Lebensaufgabe sie gerade selbst wahrnehmen können? Ich glaube er will Gott erreichen, durch die gesamte Menschheit im Geiste von Angesicht zu Angesicht. Es ist sein Weg in das Herz des Vaters, um von dort die Liebe zu empfangen, die das Leben wahr werden lässt, das ihm verheißen wurde. Mir ist die Kirche ein zu theoretisches Pflaster. Im Grunde genommen wäre das Amt der Kirche mit Jesus Wiederauferstehung abgeschlossen, doch nicht alle Menschen sind Teil einer Menschheit, die an Jesus als den erstgeborenen Sohn Gottes glauben. Es gilt jeden Menschen mitzunehmen der in einer Zeit voller Erfahrungen, nicht ohne das geistige Bewusstsein für die Erleuchtung der gesamten Menschheit im bloßen Dasein Gottes hängen bliebe und nicht mit dem Leben in Seine Verwirklichung fände. Kirche sollte als Mutter ihre erzieherischen Pflichten so wahrnehmen, wie es eine Mutter ihren Kindern schuldet, die sie aus Gottes Hand empfängt und nicht aus eigener Motivation missioniert. Jeder Mensch ist das Kind seines Vaters und damit von Gott gesegnet als Teil dieser Menschheit. Mutter dient Gott zur Verwirklichung seiner väterlichen Liebe, die er durch das Herz der Mutter dem zuträgt, der sie als solche annehmen kann. Jesus Christus nahm Gott als Vater an und glaubte an das Leben als göttliche Vorhersehung, die sich mit der Zeit in eigener Erkenntnis dem Menschen erschließen würde. Ich glaube jeder Mensch ist dazu berufen Gott zu vertrauen, denn in sich trägt er die bestehende Menschlichkeit, die das Leben nur durch Gott mit der Zeit in Liebe wandeln kann.

      Der Mensch dient dabei jedem Tag als schöpferisches Potential, das er in seiner Unvollkommenheit selbst zulässt. Das Göttliche findet damit in seinen menschlichen Auftrag, der jeden neuen Tag als ein Geschenk des Himmels erkennt. Gleichberechtigung ist das menschliche Ziel, das durch Gott bereits vorgegeben ist. Jeder Mensch ist als Mann und Frau seinem Nächsten gegenüber so verpflichtet, wie sich selbst. Das setzt voraus, dass man nicht egoistisch oder sexistisch handelt sondern eigenverantwortlich reagiert. Erst wenn aus dieser Verantwortung ein Leben erwächst, das bewusst geführt wird, dann kann man teilen, denn erst dann weiß man was es zu teilen gilt. Das Leben ist so wundervoll in seiner unendlichen Weisheit und Güte, die allein durch Gott in die Zeit getragen wird.

  5. Bayerin sagt:

    Herzlichen Dank, Rosi Steffens, für die Einlassung!

    Je länger ich über die zitierten Gedanken des Papstes zur Mission sinniere, für desto unpraktikabler halte ich sie allerdings.

    Um mal den Gedanken von P. Hagenkord aufzugreifen: „darin steckt ein Grundgedanke von Seelsorge und darüber hinaus vom christlichen Umgang miteinander. Beim Thema Familie und bei anderen Themen“:

    – Unter Freunden ist Missionierung ein No-Go.

    – Gemeinden, speziell Gemeindepriester, dürften das Problem haben, dass sich die „Schäfchen“ scheuen, sich ihnen oft genug „zuzumuten“. Aber da ist dann ja auch nicht die Rede davon, dass man zu den Notleidenden hingeht, sondern es läuft umgekehrt.
    Das ist auch gleichzeitig meine Antwort @Rosi Steffens: M. E hilft es grundsätzlich nichts, vom Heiligen Geist erfüllt zu sein und zu wissen, was man (mit)zuteilen hat, so dass die Enzyklika wie graue Theorie wirken mag.

    – In den geistlichen Gemeinschaften, die ich kenne, siezt frau einander. Die Distanz ist förmlich zu greifen.

    – Die Hospize, die ich kenne, wollen von Missionierungsversuchen jeglicher Art nichts wissen. Auch jenes der Barmherzigen Brüder in München nicht, jedenfalls vor 10 Jahren noch nicht.

    – In Familien, sofern es echte sind (also keiner zum zweiten Mal verheiratet und auch keine „wilde Ehe“; jene Erwachsenen dürften der Kirche was husten) mag das noch am ehesten funktionieren, und zwar den Kindern gegenüber. Aber das sind dann halt die Ausnahmen, die dazugehören, wenn man „grundsätzlich“ sagt.

    • Rosi Steffens sagt:

      Ich denke jeder muss seinen eigenen Weg im Glauben an Gott finden, doch dabei sollte man in der Lage sein, sich an Regeln zu halten, die dem gemeinsamen Wohl dienen und dem einzelnen Menschen die Sicherheit geben, die ihn gleichberechtigt im Raum stehen lassen und nicht aufgrund göttlicher Gaben, wie immer die auch geartet sein mögen, zu differenzieren. Ich habe Papst Franziskus in Bezug auf seine Enzyklika angeschrieben, weil ich ihn darauf hinweisen wollte, dass ich durch dieses Schreiben den Eindruck gewonnen habe, er würde den Glauben an den Menschen vermitteln wollen, was ich persönlich jedoch als Gottes Aufgabe betrachte. Jeder kann immer nur im eigenen Ermessen handeln und dabei sollte die Zeit den Rahmen vorgeben, der diesem Ermessen zu Grunde liegt. Was nützt mir der Glaube, wenn ich mich durch seine Kraft nicht so integrieren kann, dass diese Welt ein Bild ergibt und sich nicht an mein Bild anpassen muss? Welches Menschenbild liegt dem Weltbild zu Grunde und wer hat diese Anforderungen in die Welt gesetzt? Ich bin Mensch geworden, weil mein Leben auf Jesus baut und ich durch den Glauben an Gott meinen Weg in die Wirklichkeit finden konnte. Wenn man durch den Glauben an Gott im Leben steht und dies bewusst auch so wahrnehmen kann, dann glaube ich, ist man sehr wohl selbst in der Lage über die Teilnahme an bestimmten Sakramenten so zu entscheiden, dass es im Sinne des eigenen Wohlergehens geschieht.

      • Bayerin sagt:

        Weiß man denn, was dem Glauben den Weg bahnt? Ich meine, welche zwei, drei Standardsituationen gibt es da? Oder wie erkennt man einen Träger der missionarischen Gabe? – Eben.

        Ich bin nicht der Ansicht, dass es eine missionarische Gabe gibt. Es gibt nur einen selber so wie man ist und auf der anderen Seite jene, zu denen man durch seine Persönlichkeit einen Draht findet.
        Alles, wobei sich ein Mensch gemeint fühlt, kann – ok – den Hl. Geist einladen, Glauben zu bewirken.

        Beispiel: Für mich ist die r.-k. Liturgie ein ungeduldiges Auf und Nieder. Dies vermutlich v. a. deshalb, weil ich auch sonst nirgends Geduld habe erleben dürfen.

        Nach meinem Austritt sind meine Glaubensreste verdunstet wie der sprichwörtliche Tropfen auf der Herdplatte.
        Aber wann ist eigentlich ein Glaube „ganz“? Oder wann ist er „ganz“ weg? Wäre ich tatsächlich völlig ohne Anknüpfungspunkte – Stichwort „Gott hat Geduld“?

        • Rosi Steffens sagt:

          Ich glaube jeder Mensch ist im Glauben durch Gott in dieser Welt, wären Sie anders auf diesem Blog gelandet? Der Glaube ist doch der „Draht“ zu allem und jedem, von dem man sich angesprochen fühlt, auch von sich selbst. Ohne Glaube fühlte man sich einsam und verlassen in einer Welt voller Fülle und Herrlichkeit, man hätte Angst vor all den Dingen, die einem fremd erscheinen und könnte sie nicht in ihrer göttlichen Daseinsberechtigung als solche annehmen.

          • Bayerin sagt:

            Es tut mir leid, @Rosi Steffens, aber diese Art Teleologie („Jetzt bist du schon mal hier angekommen, jetzt geht´s weiter bergauf“) ist das Letzte, woran ich glauben könnte.

            … Nachdem ich den Schwestern von U. in ihr Gästebuch geschrieben hatte: „Führ mich endlich nach Hause, Herr! Ich habe diese Sackgassen bis oben satt!“ war sozusagen Schluss. So als hätten die Nonnen meine Bitte tatsächlich in ihr Abendgebet aufgenommen. Den finalen Schritt zur Vorbeugung weiteren Umherirrens („Pilgerschaft“ und das Gefühl der Schutzlosigkeit schließen einander nämlich absolut nicht aus) habe ich dann selbst getan.

          • Rosi Steffens sagt:

            Das muss Ihnen nicht leid tun, jeder geht seinen eigenen Weg, auch ich hätte mir meinen nicht vorschreiben lassen wollen. Es reicht schon, was das Leben für einen bereit hält, da braucht es nicht auch noch Menschen, die einem sagen wollen, wo es lang geht.

  6. J.Gräßer sagt:

    Hallo und Grüß Gott, zum Kommunion-Empfang geschiedener-wiederverh.:
    Die einfachste Lösung für mich könnte sein:
    wenn ich eingeladen bin und bei jemand zu Gast, wird der Gastgeber nicht sagen-du darfst nicht mit speisen, du lebst im Schuldenverhältnis! Wenn ich die reuige Haltung in mir betrachte, müsste das genügen, zum Gastmahl zu schreiten.-Ich kenne die Meinung Gläubiger „wenn ich schon ausgeschlossen bin, dann kann ich auch ganz aus der Kirche austreten“.-Im Moment des Gast-seins (wer ist schon ohne Schuld?!) darf ich auch mit essen. Gott verzeiht, aber das Kirchenrecht nicht?
    Mit kath.Gruß J.Gräßer

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