Die Vergangenheit ist auch nicht mehr was sie mal war

Handkommunion. Immer wieder ein beliebtes Thema, wenn man sich an Liturgie abarbeiten will. Immer wieder gibt es – wie jetzt erst wieder durch Kardinal Robert Sarah – die Einschätzung, Mundkommunion und das auf Knien sei die würdige Form, den Herrn in der Eucharistie zu empfangen.

Wer schnell ein Maximum (innerkirchlicher) Erregung erreichen will, der verhält sich zu diesem Thema. Kardinal Sarah tut das, Handkommunion „stelle einen Mangel an Ehrerbietung gegenüber den Zeichen Gottes dar“. Nun will ich dem Kardinal die Ernsthaftigkeit seiner Überzeugungen nicht absprechen, auch all den anderen nicht, die diese Form des Empfangs für würdig halten.

Messfeier mit Papst Franziskus in Ariccia @Vatican Media

Messfeier mit Papst Franziskus in Ariccia @Vatican Media

Aus eigener Erfahrung kenne ich Gemeinden, wo das die normale Form ist, das ist nicht unwürdiger oder altbackener als anderswo.

Mein Problem damit ist einerseits die Frage der Würde, andererseits der implizite Vorwurf, hier habe es eine Änderung gegeben. Eine Änderung der Tradition der Liturgie.

Bei der Frage der Würde denke ich immer an einen Mitbruder zurück, der von seiner Mutter erzählt hat. Die habe nach Einführung der Handkommunion auf derlei Vorwürfe immer mit dem Satz reagiert, „meine Hände haben sieben Kinder gefüttert und erzogen, die sind nicht unwürdig.“ Für mich ist damit die Frage erledigt. Besser kann man das glaube ich nicht ausdrücken.

 

Die Frage der Tradition

 

Die Frage der Tradition ist da schon schwieriger. Aber dank dem erneuten Einwurf von Kardinal Sarah haben sich andere Stimmen gemeldet, die ein wenig tiefer geschürft haben, als ich das kann.

Markus Tymister zum Beispiel, der in Rom Liturgie doziert und Pfarrer in Hamburg ist, hat ein wenig im frühen Mittelalter nachgelesen. Da ist es eindeutig: Mundkommunion und unter beiderlei Gestalten war die Norm, und zwar im römischen Ritus.

Ich darf Dr. Tymister zitieren: „Erst ab der ersten Jahrtausendwende vollzieht sich der Übergang zur Mundkommunion im Knien. Mindestens 900 Jahre haben die Christen die Eucharistie stehend und selbstverständlich unter beiderlei gestalten (meist wohl auch direkt am Altar) empfangen. Die Gründe, warum Laien der Zutritt zum Altarraum nach und nach verwehrt wurde, sind vielschichtig und haben vor allem mit alttestamentlichen (und heidnischen) Vorstellungen von kultischer Reinheit zu tun“.

 

1.000 Jahre lang

 

Mein Liturgie-Dozent in London, Pater Andrew Cameron-Mowat SJ, bezieht sich genau auf diese  mit einem ausführlichen Ratzinger-Zitat: Man könne unmöglich sagen, dass die Kirche 1.000 Jahre lang die Eucharistie unwürdig gefeiert habe. Dem Theologen Joseph Ratzinger geht es um Verehrung und Würdigung im Herzen, für die man richtige Ausdrucksformen finden müsse, sein Beispiel ist die Art und Weise, die Hände zur Kommunion zu reichen, dem Kirchenvater Cyril von Jerusalem entnommen.

Was lehrt uns das?

Es lehrt uns, dass man der Vergangenheit nicht einfach Lehren entnehmen kann, ohne genauer hinzuschauen. Es braucht Wissenschaft, um die Tradition zu kennen, die Verlängerung historischer Vorgänger sagen wir von 100 Jahren in die Vergangenheit – bis in einigen Fällen zur Behauptung einer „Messe aller Zeiten“ – ist nicht haltbar.

 

Drei Lehren

 

Zweitens lehrt uns das und besonders das Zitat Ratzingers, dass man dann auch die richtigen Schlüsse ziehen muss. Aus einem Sein folgt noch kein Sollen, heißt es richtig, also aus der Beschreibung einer Vergangenheit folgt noch kein moralisches Urteil „gut“, „richtig“, „verfehlt“ oder auch „kontingent“. Was zu meiner zugegeben etwaqs flapsig formulierten Überschrift führt: So einfach lässt sich Vergangenheit nicht instrumentalisierten. Historische Ergebnisse müssen erst interpretiert und debattiert werden.

Drittens finde ich es sehr ermutigend, dass gerade in Sachen Liturgie nun die Debatte breiter zu werden scheint. Bislang war das Feld recht einseitig besetzt, die einen argumentierten mit Tradition, die anderen mit Moderne. Nun wird allseits über die Tradition gesprochen, die Debatte wird ehrlicher. Danke also an die beiden hier zitierten und all die anderen, die dazu schreiben.

In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Debatten.

 

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35 Kommentare zu Die Vergangenheit ist auch nicht mehr was sie mal war

  1. G.F. sagt:

    „Nun will ich dem Kardinal die Ernsthaftigkeit seiner Überzeugungen nicht absprechen, auch all den anderen nicht, die diese Form des Empfangs für würdig halten.“

    Das ist eigentlich auch nicht die Frage. Kardinal Sarah stellt zur Handkommunion fest: „Diese Haltung stelle einen Mangel an Ehrerbietung gegenüber den Zeichen Gottes dar“.
    Würden sie dem zustimmen?

    • Pater Hagenkord sagt:

      In der Allgemeinheit stimme ich dem nicht zu.

      • Bayer sagt:

        Ich bin sehr froh, dass Sie differenzieren. Es ist wohl wie mit vielen Dingen – man kann sie so oder so verrichten. Damit meine ich, dass man sowohl die Hand- als auch die Mundkommunion würdig oder schlampig empfangen kann. Wie stehe ich da? Bin ich andächtig? Ein Zeichen der Ehre zum Altar (Kniebeuge, Beugen des Oberkörpes – falls die Knie nicht mehr mitmachen).

        Ich persönlich bevorzuge die Handkommunion, u. a. aus hygienischen Gründen. Ich hatte auch schon Zahnprobleme, wo zu befürchten war, dass das Provisorium herausfällt. Das wäre mehr als peinlich und der Eucharistie nicht angemessen gewesen.

        Wer die Mundkommunion bevorzugt, soll dies tun.

  2. G.F. sagt:

    Es gibt also Besonderheiten. Etwas zäh die Debatte.

  3. G.F. sagt:

    Vielleicht ein Debatten-Anstoß: Nachdem der Priester die Wandlungsworte gesprochen hat, den Leib und das Blut des Herrn dem Volk zeigt, macht er jeweils zwei Kniebeugen. Warum eigentlich sollen die Gläubigen beim Empfang des Sakramentes das anders handhaben?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Der Priester vollzieht die Wandlung in seiner sakramentalen Rolle. Die Gläubigen nicht.
      Man könnte auch sagen: der Priester nimmt die Kommunion aus dem Ziborium, warum nicht die Gläubigen? Der Priester trinkt aus dem Kelch, am Altar, warum nicht die Gläubigen?

      • G.F. sagt:

        Der Priester vollzieht die Handlung in seiner sakramentalen Rolle. Was genau bedeutet das? Im übrigen kann man beim Gründonnerstag in unserer Gemeinde genau das beobachten was sie als Beispiel bringen. Die Gläubigen nehmen die Hostie von dem Ziborium und trinken aus dem Kelch. Alles ohne Kniebeuge, die dann wohl nur dem Priester auferlegt ist?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Was genau das bedeuten soll? Ich bitte Sie. Trollen gilt nicht!

          • G.F. sagt:

            Ich habe höflich gefragt. Das sind nicht die Merkmale eines Trolls. Da ich, im Gegensatz zu ihnen, kein Theologe bin ist meine Frage doch berechtigt, immerhin wollte sie ja eine Debatte.
            Vielleicht meine unerhebliche Meinung: Der Priester bekundet durch seine Kniebeuge, dass der Herr in den verwandelten äußeren Zeichen wirklich und wahrhaftig zugegen ist. Warum also sollten die Gläubigen beim Empfang des Leibes und Blutes nicht knien? Wenn das Stehen kein Mangel an Ehrfurcht ist, könnte der Priester ja selber stehen bleiben. Das tut er aber nicht. Sehen sie da keinen Unterschied?

            MfG
            Gerd Franken

          • Pater Hagenkord sagt:

            Einerseits sprechen Sie von “wirklich und wahrhaftig”, andererseits geben Sie vor, nicht zu wissen, was es mit der sakramentalen Rolle des Priesters auf sich hat. Das kann ich nicht ernst nehmen und werde es hier auch nicht weiter kommentieren.

          • G.F. sagt:

            „In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Debatten.“
            Das sind ihre Worte Herr Hagenkord, nicht meine.

      • Was ist ein „zimborium“?
        Ist das nicht der Kelch??
        Und dann warum kann man nicht“ gesammelt „
        Das hl Brot da eintauchen und in Gemeinschaft dieses Mahl teilen mit und ohne Kniebeuge….

        Wenn ich versuche mir die Situation des „historischen“ Abendmahls nach zu empfinden dann sind dieses eher „äußerliche“ Betrachtungen doch
        EIGENTLICH eher an der Oberfläche….??

    • carn sagt:

      Man könnte argumentieren, dass die Gläubigen ja schon während der Einsetzungsworte knien.

      Der Priester kann technisch während der Einsetzungsworte schlecht knien, denn er soll ja was hochhalten und das soll gesehen werden.

      Folglich macht er halt eine kurze Kniebeuge danach; sozusagen als Kompromiss zwischen den beiden von ihm eigentlich zu erfüllenden Anforderungen, nämlich angemessen vor dem Herrn knien und gleichzeitig Leib und Blut des Herrn sichtbar für alle in die Höhe halten.

      Deswegen ist da nicht zwingend ein Widerspruch.

      Lediglich wenn Gemeindemitglieder in großer Zahl das Knien während der Einsetzungsworte unterlassen, hat man wohl einen Widerspruch (wenn es nur ein paar machen, dann sind das vermutlich die, die schlicht gesundheitlich nicht knien können; nur wenn halt die meisten nicht knien, dann liegt es bei vielen offensichtlich nicht an medizinischen Problemen)

      • Pater Hagenkord sagt:

        Die biblische Gebetshaltung ist nicht das Knien, sondern das Stehen. Knien ist eine höfische Verehrungshaltung, die als Form der Ehrfurcht Eingang in unsere Liturgie gefunden hat. Es gibt auch einen Unterschied zwischen Knien und der Kniebeuge, das zweite ist nicht die Kurzform des Ersteren.
        Im Übrigen macht nur ein Priester nach den jeweiligen Wandlungsworten eine Kniebeuge, alle Konzelebranten verneigen sich.
        Es ist also gar nicht so einfach, eine generelle Linie zu finden.

        • carn sagt:

          „Die biblische Gebetshaltung ist nicht das Knien, sondern das Stehen.“

          Nicht eher das Niederwerfen und Gesicht auf den Boden?

          https://www.bibleserver.com/text/EU/Matth%C3%A4us26%2C36

          „Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

          „Es ist also gar nicht so einfach, eine generelle Linie zu finden.“

          Meiner Ansicht nach sollte es sich danach richten, was als größte Ehrehrbietung angesehen wird.

          Wenn irgendwo die größte Eherehrbietung für jemanden darin bestünde, demjenigen den Rücken zuzuwenden und ihn nur über die Schulter anzublicken, dann sollte man eben dort eben mit dem Rücken zum Zelebranten stehen.

          Aber meines Wissens ist in den allermeisten Kulturen hier auf der Erde die größte Form der Ehrerbietung das Niederknien und/oder das Niederwerfen.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Kotau

          Bei uns knien wir auch nicht mehr vor Bundespräsident/Bundeskanzler oder sonstwelchen Politikern, weil Knien nicht eine höhere Form der Ehrerbietung wäre als Stehen oder Verbeugen, sondern weil nach unserem politischen Verständnis eben Staatsoberhäupter/Regierungschef keine solche Ehrerbietung verdienen.

          Hingegen habe ich meiner Frau selbstverständlich den Antrag auf einem Knie gemacht.

          Und das ist hierzulande immer noch nicht unüblich:
          https://de.wikihow.com/Einer-Frau-einen-Heiratsantrag-machen
          „Aber für ein wenig Inspiration findest du hier einige Vorschläge:

          Versuche die traditionelle Pose. Beuge dich runter auf ein Knie, nimm ihre Hand in deine und frage sie, ob sie dich heiraten möchte. Die Schönheit dieser Geste liegt darin, dass sie Dank der Filmindustrie weltweit bekannt ist und überall durchgeführt werden kann. Sei dir nur dabei bewusst, dass wenn du dies in Gegenwart von anderen machst, diese (freundlich) lauschen werden, also erwarte ihr Interesse und ihre Unterstützung.“

          Wenn Knie beugen/Knien als größere Zeichen von Ehrerbietung zählt als Stehen/Verbeugen, dann ist zu geeigneten Zeitpunkten während der Messe Knien/Knie beugen angemessen (wobei nicht unbedingt zwingend bei der Kommunion selbst; aber da wäre es auch nicht falsch).

          Man sollte dem Herrn ja wenigstens soviel Eherehrbietung zukommen lassen wie der/dem „Angebeteten“, die/den man gerne ehelichen würde; und irgendwo gabs da auch ein paar Aussagen/Gleichnisse hinsichtlich Bräutigam, etc.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Was das Niederwerfen angeht, natürlich gibt es das in der Bibel, aber die normale Gebetshaltung ist die des Stehens. Niederwerfen ist Unterwerfen, deswegen ist auch der Vergleich mit dem chinesischen Kotau Kotau irreführend.
            Im Übrigen ist die Verehrung des Allerheiligsten in der Messe – und darüber reden wir hier – keine individuelle Frömmigkeitsübung, sondern ein gemeinschaftliches liturgisches Tun. Es kommt also nicht nur auf mich an, sondern auf einen gemeinsam zu vollziehenden Gestus. Deswegen – so schön ein Heiratsantrag sein mag – kommen wir mit diesem Beispiel nicht wirklich weiter.
            Die Haltung der größeren Ehrerbietung: Sie sprechen also von Inkulturation. Und da wird es dann wirklich haarig. Nicht, dass das zu vermeiden wäre, im Gegenteil, aber die Herausforderungen einer gemeinsamen und kulturell verschiedenen Gebets-Haltungs-Spreche beginnen dann erst.

        • G.F. sagt:

          „Was das Niederwerfen angeht, natürlich gibt es das in der Bibel, aber die normale Gebetshaltung ist die des Stehens.“

          Da wäre ich mir nicht so sicher. Thomas fiel, als sich ihm Jesus offenbarte vor ihm auf die Knie. Natürlich? Unnatürlich? Oder verhalf die Erkenntnis des Thomas, wer da vor ihm stand, auf die Knie?

          • Pater Hagenkord sagt:

            Nein, ganz natürlich, es gibt in der Bibel immer wieder Menschen, die sich niederwerfen. Das ist aber eine individuelle Haltung. Das „Nakad“, das stehend Beten, ist eine kollektive Haltung des Betens im Tempel.

        • maltem sagt:

          Sie schreiben „biblisch“ und meinen die Praxis im Tempel in Jerusalem (vermutlich in einer bestimmten Epoche). Das hilft nicht besonders weiter, denn dann ist es auch „biblisch“, im Tempel Geld zu wechseln, Tauben darzubringen und alles mögliche andere.

  4. Rosi Steffens sagt:

    Der ganze Mensch arbeitet an sich, dem Anspruch der Gnade Gottes gerecht zu werden, da sollte die Kommunion als geistiges Ritual angenommen werden aus dem eine ganz intensive Beziehung zu Jesus erwachsen kann.

    Ich persönlich finde es dabei sehr störend durch einen Priester vorgegeben zu bekommen, wie ich diese Beziehung am besten eingehen kann, damit ich sie mit Leib und Seele erfahren kann. Es ist doch angemessen der Kommunion frei nach den bestehenden Regeln zu folgen, damit wäre der Liturgie genüge getan und der Priester zeigte seine Sensibilität im Dienst der Zuwendung zum Nächsten.

    Ich persönlich habe beide Formen der Kommunion, also in den Mund und in die Hand, während einer Liturgie beobachten können und fand das sehr ansprechend, weil eben der Priester mit in die Beziehung zu Jesus eintritt indem er die Glieder erkennt und in ihrer Würde annimmt. Gerade durch Altersunterschiede im Amt oder bei den Laien oder auch in Begegnung miteinander wird viel Sensibilität im Umgang mit Jesus gefordert.

    Ich finde es immer schöner jemandem die Treue zu halten, der einem einen gewissen Freiraum lässt den man im Rahmen der vorgegebenen Regeln für die Kommunion nach eigenem Ermessen nutzen kann, als sich dem Amtsgebaren eines Priesters ausgeliefert zu sehen.

  5. carn sagt:

    Letztlich fände ich hinsichtlich der Frage des würdigen Empfangs den Punkt Beichte erheblich wichtiger als die Frage ob Hand- oder Mundkommunion; und damit wäre erheblich wichtiger als die Frage, ob man die Gläubigen jetzt zum Knien auffordert oder nicht, die Frage, wie man denn die Gläubigen dazu motivieren könnte zur Beichte zu gehen.

    • G.F. sagt:

      @carn

      Das sehe ich genauso. Es ist doch frappierend, dass mit der Erlaubnis zur Handkommunion ein Niedergang der Beichtpraxis fest zu stellen ist. Auch dort könnte man einen Zusammenhang erkennen, wenn man nur wollte. Meine Erfahrung ist: Man will nicht.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Was hat denn die Handkommunion mit der Beichte zu tun? Ich kann da keinen Zusammenhang erkennen. Ich habe längere Zeit in anderen Ländern gelebt, in Chile, in Großbritannien, und jetzt in Italien. In Chile ist Handkommunion üblich, aber auch das Beichten. In Großbritannien gibt es noch viel Mundkommunion, aber kaum noch Beichte.
        Wo soll da ein – kausaler, sonst macht es ja keinen Sinn – Zusammenhang sein?

        • G.F. sagt:

          Wir müssten erst mal anerkennen, dass die Beichtpraxis hierzulande stark nachgelassen hat, seid dem die Mundkommunion eingeführt wurde. Das spricht erst mal nicht gegen die Handkommunion, ist aber bedenkenswert.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das bezweifle ich sofort. Sie unterstellen einen kausalen Zusammenhang, ein rein zeitlicher Zusammenhang wäre kein Argument. Das müssen Sie erst einmal beweisen. Oder zumindest plausibel zeigen. Mehr als eine Behauptung, die Dinge gehörten zusammen, muss das schon sein.

          • G.F. sagt:

            Wie sollte man einen Vorgang der sich nunmehr über 50 Jahre vollzieht mit einem einzigen Beweis erklärbar machen? Wir sind ja nicht bei einer Gerichtsverhandlung sondern in einer Debatte, die sie, ich wiederhole mich, angestoßen haben.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Sie haben da eine Behauptung aufgestellt. Und auch für Debatten gilt, dass man schon mehr brauch als nur eine Begründung, um ein Argument zu liefern.

      • carn sagt:

        Obacht, Korrelation ist nicht Kausalität. Vor allem wenn die Korrelation nur mancherorts auftritt.

        Als Korrelation, die eher auch eine Kausalität beinhalten könnte, wäre der gesellschaftliche Aufbruch/“Aufbruch“ der 60ger/70ger in Kombination mit einem im Nachgang von Vat II erfolgenden kirchlichen Aufbruch/“Aufbruch“ eher diskussionswert.

        Denn dieses beinhaltet auch den großen Wunsch viel althergebrachtes zu hinterfragen und vermeintlich/tatsächlich überflüssiges/fehlerhaftes zu verwerfen.

        Das könnte ein Hinterfragen und verwerfen von Glaubensgrundsätzen auf individueller Ebene begünstigt haben; glaubt man aber nicht an Hölle, Gericht, apostolische Nachfolge, Befugnis zur Sündenvergebung, Realpräsenz ODER mehrere andere Dinge (also im Sinne, dass wenn man eines nicht glaubt, dass dann der nachfolgende Schluss gilt), dann ist Beichten eigentlich überflüssig und ein Beichtgespräch dann für den Beichtenden/“Beichtenden“ ggf. auch nicht viel anders als ein Gespräch mit einem Therapeuten (was natürlich immer noch was positives sein kann).

        Womit natürlich weniger Anlass zum Beichten besteht.

        Selbstverständlich ist man dann auch vehement für die Handkommunion, alleine schon, weil man damit althergebrachtes und vermeintlich überflüssiges aka Mundkommunion verwerfen kann.

        Das ist dann konsistent mit der Beobachtung von Pater Hagenkord über Chile; denn dort wurden eventuelle Aufbruchsstimmungen beginnend mit dem 11. September 1973 (https://de.wikipedia.org/wiki/Putsch_in_Chile_1973) mindestens gedämpft.

        In Folge wurde viel weniger Hinterfragen und Verworfen, weshalb auch weniger Glaubensgrundsätze auf individueller Ebene fielen, womit eher die Voraussetzung gegeben ist, dass man überhaupt einen Sinn in der Beichte sehen kann.

        Womit dann Handkommunion und viel Beichte in Chile auftritt und Handkommunion und wenig Beichte in D. Gleichzeitig würde aber auch eine leichte Korrelation zwischen Handkommunion und Beichte auftreten können, denn wo man viel verwirft wird man eher dazu gelangen sowohl Mundkommunion als auch Beichte zu verwerfen.

        Zur Betonung: Das ist eine Skzizzierung, warum eine Kausalität zwischen Aufbruch/“Aufbruch“ und Beichte gesehen werden kann, die mit der Beobachtung viel Beichte in Chile, wenig in D (oder auch B) zusammenpassen würde und die besser begründbar ist als einfach Handkommunion-Beichte; die Realität kann immer noch ganz anders sein, ich wollte einfach nur aufzeigen, dass Kausalitäten auf verschiedene Weise denkbar sind und auf komplexe Weise zu tatsächlichen/vermeintlichen Korrelationen führen können.

        Und nein, dass soll nicht heißen, dass Pinochet toll war, selbst wenn seine Politik in obiger Weise eine stärkere Neigung zur Beichte zu gehen in Chile begünstigt haben sollte.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Diese Darstellung wäre mir zu einseitig, was die Zuschreibung von Ursache und Wirkung angeht. Um es einfach zu formulieren: vielleicht haben sich die Menschen nicht von der Kirche, sondern die Kirche von den Menschen wegbewegt? Ich meine nur, dass Hinterfragungen der richtige Weg sein können, das Wichtige vom weniger Wichtigen zu trennen. Und wenn man das nicht tut, dann entfremdet man sich.

  6. Theodoros sagt:

    Wie würde man eine Hostie am besten in einer schwerelosen Umgebung reichen?

  7. Christian sagt:

    Vom Weltall nochmal zurück zur Erde: ein Freund erzählte mir neulich, dass es im Islam Strömungen gibt, die darüber streiten, welche Körperhaltung bzw. Bewegungsabfolge für ein würdiges Gebet vorgeschrieben ist. Vielleicht eine ähnliche Denkweise?

    Lieber Pater Hagenkord, die Mutter ihres Mitbruders hat es treffend auf den Punkt gebracht. Erinnern wir uns daran, was Jesus gesagt hat: tut dies zu meinem Gedächtnis. DAS gehört für mich zum Missionsauftrag. Was soll da ein Pauschalurteil, ob Handkommunion unwürdig und Mundkommunion würdig sein soll? Nebenbei wird damit indirekt verlangt, dass wir uns auch vor derjenigen Person hinknien, welche die Kommunion reicht. Dabei liegt Lazarus vor der Tür – da sollte ich mal mein Knie beugen, doch dazu bin ich oft zu träge, zu ängstlich, zu kleinkariert, zu engherzig. Ok, ich werde mir vornehmen, mehr in die Knie zu gehen – dort, wo es wirklich drauf ankommt.

  8. Stephan sagt:

    Gehen Sie mal in Polen oder im Baltikum oder im Tirol in die Kirche, dort knien, beten und nehmen sie die Mundkommunion mit inständiger Inbrunst, Verehrung, Andacht und Freude – scheint mir so. Es hat bestimmt eine Bedeutung, Tradition? Freiheit von der kommunistischen Entwertung? In Deutschland undenkbar. Knien würde hier glaube ich eher als Unterwerfung in einem Herr und Knecht Verhältnis als wie eine hingerissene Haltung vor einem geliebten, gekreuzigten, sterbenden Freund angesehen werden, wie es mir in Osteuropa vorkommt. Beides kann man doch anerkennen. Zu sagen das eine wäre besser und das andere abwerten, na das ist doch nicht nur von vorgestern, sondern auch bisschen albern. In der Fussgängerzone in Polen, kann es Dir passieren, wenn Du mit Deiner Frau Hand in Hand gehst, daß ein vorbeikommender Priester Euch segnet. Oooops! Was ganz besonderes, nett, berührend. Das soll mal einer z.B. in London versuchen, dort wirkt ein Priester eher wie ein Fremdkörper, man würde vielleicht eher denken, „was will der denn jetzt schon wieder?“. Man sollte vielleicht eher alles weniger verbissen sehen und sich nach den Leuten richten, was sie berührt, je nachdem welchen bzw. wo. Wo man noch kniet? Alle Eltern knien wohl auch immer wieder vor ihren schlafenden Kindern z.B..

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