Ein Medienmann ganz ohne Zynismus

Gestern, mit dem Rückflug aus Krakau und dem Ende der Papstreise nach Polen, endete die Arbeitszeit des Pressesprechers des Papstes, Pater Federico Lombardi SJ. Oder genauer: Gregory Burke übernimmt das Amt des Direktors des Vatikanischen Pressesaals, wie der Job offiziell heißt.

Vorgänger und Nachfolger in Krakau: Greg Burke (l) und Pater Federico Lombardi

Vorgänger und Nachfolger in Krakau: Greg Burke (l) und Pater Federico Lombardi

Eigentlich wollte ich mich an dieser Stelle darüber ärgern, dass die sofortige Reaktion vieler, vieler Journalisten, Christen, Web-Schreiber und leider auch Jesuiten war, dass da jetzt ja wieder ein Opus Dei man komme, es lebe das Vorurteil.

Aber dann habe ich entschieden, das nicht zu tun, sondern einfach mal Pater Lombardi gut zu finden. Sechseinhalb Jahre lang war er mein Chef hier beim Radio, bei zwei Bischofssynoden habe ich als Aushilfe bei ihm im Pressesaal gearbeitet und ihn ganz nah erlebt, seinen Umgang mit Nachrichten, mit Kardinälen, mit Stress, mit Medien-Wahnsinn.

Bei zwei Enzykliken habe ich dann auch mit beiden, Burke wie Lombardi, zusammen gearbeitet und ich bin froh, dass der Job nun in gute Hände gerät.

 

Da geht ein ganz Großer

 

Aber trotzdem: Mit Federico Lombardi geht ein ganz Großer. Und das ist irgendwie auch schade. Einer, der nie die Fassung verloren hat, wie dumm die Zeitungsente auch immer war. Der jede Frage im Pressesaal beantwortet hat, gerne mit dem mittlerweile mythisch gewordenen Satz „sapete bene che non mi risulta“, also „Sie wissen sehr wohl [lächelnder Vorwurf, diese Frage überhaupt zu stellen], dass ich dazu keine Informationen habe [kann/werde ich nicht zu sagen. Oder auch: lasst mich bitte mit dem Quatsch in Ruhe. Immer lächelnd vorgetragen]“. Ein Pressesprecher, der mit der Papstrede Benedikt XVI. in Regensburg seinen Job begonnen hatte und seitdem unter Dauerdruck stand. Der ganz Gentleman nie unfreundlich war. Manchmal klar und direkt, aber nie unfreundlich. Der auch einen manchmal von uns oder mir geschossenen Bock lächelnd korrigieren ließ. Der keine Favoriten kannte, keinen Hofstaat um sich hatte, keine Lieblingsjournalisten.

Wir wohnen quasi nebeneinander, er hat sein Zimmer den Korridor hinunter, und so war es mein Privileg, ab und zu beim Klönsnak auf dem Gang oder spät beim Abendessen noch seine Sicht auf die Dinge zu hören. Das war immer klug, und immer humorvoll. Wie groß der Stress oder der Druck auch immer war – und der war erheblich – abends hat Lombardi immer noch nicht seinen Humor aufgegeben. Ein Medienmann und Pressesprecher ohne Zynismus, wo gibt es das bitteschön heute noch?

Ganz im Ernst, das ist wahrscheinlich der Satz, den ich wählen würde, sollte ich ihn kurz und knapp beschreiben: Loyal, klug, und ganz ohne Zynismus.

Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten, und da er quasi eine one-man-show war, unglaublich in heutigen medialen Zeiten, dann ist es um so erstaunlicher wie gut diese Jahre verlaufen sind, dann merkt man erst so recht, was die Päpste und der Vatikan diesem Mann verdanken.

Über den Vatikan, die Vatikanmedien die Kirche habe ich von Federico Lombardi viel gelernt. Ich wünsche ihm einen geruhsamen Ruhestand, auch wenn ich vermute, dass er so ruhig nicht sein wird.

Also dann ein anderer Wunsch: arbeite nicht zu viel, Federico!

 

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10 Kommentare zu Ein Medienmann ganz ohne Zynismus

  1. Danke Pater Hagenkord für diesen Poste….!!

    da kann man spüren, dass da nicht nur ein „guter“ Chef in den „Unruhestand“ geht, sondern auch ein Vertrauter… und immer wieder der HUMOR!! ich bin fest davon überzeugt, dass dieser existenziell zum Christ Sein dazugehört..mit oder ohne KKK oder CIC.. grins..

    Danke auch dafür, dass Sie ein wenig Ihr Privates haben durchscheinen lassen..

    PS: ich hab in den frühen 1970er Jahren mal in FFM gelebt und in diesem Kontext meine ich mich zu erinnern, dass P. Lombardi mal in St.Georgen war?…
    also gute alte Frankfurter Schule in der jesuitischen Deutung.. wieder grins..

  2. Johanna sagt:

    Pater Lombardi hat das fantastisch gemacht!
    Auch mit mäßigen Italienischkenntnissen konnte man seinen freundlichen Humor bei Pressekonferenzen heraushören.

    Bitte grüßen Sie ihn auch aus Deutschland,
    und alles Gute für seine zukünftigen Aufgaben!

  3. Ja, Padre Federico Lombardi; jedes Mal, wenn ich seine wunderbar sonore Stimme in RV gehört habe, habe ich mich gefreut. Kompetent, wortgewandt und freundlich; cool und gleichzeitig verbindlich; früher hätte man bei uns gesagt, ein echter Sir. So werde ich ihn in Erinnerung behalten.

    Padre Lombardi ist nicht nur ein Ordens-, sondern auch ein Radiomann mit einer tollen Radiostimme. karfreitag 2016 hat er den abendlichen Kreuzweg auf RV 105 kommentiert: diskret, innig und sensibel. Nun, ich werde ihn vermissen, doch seinen Ruhestand bzw. Unruhestand hat er sich mehr als redlich verdient.

    Herzlichst, Euer Lese-Esel

  4. Ich selbst erinnere mich an einige Treffen mit P. Lombardi in seinem Büro. Eines ist mir in bester Erinnerung geblieben.
    Es war damals, als die „Affäre Williamson“ begann. Pater Gemmingen hatte kurzfristig einen Termin für mich mit P. Lombardi gemacht und sagte vorher, dass er – Lombardi – nur 15 Minuten Zeit hätte, da viele Termine anstehen und er sehr in Zeitdruck sei.
    Kurzum: Aus den 15 Minuten wurden über eine Stunde mit jemandem, der trotz der Anspannung viel lachte, sehr gut zuhörte und mit dem man sehr gut über viele Themen diskutieren konnte. Und das in sehr gutem deutsch.
    Ich habe allergrößte Hochachtung vor P. Lombardi für das, was er alles bewirkt hat und vor allem auch WIE und mit welcher immer zu spürenden Freundlichkeit und Interesse er das machte.
    Für mich wirklich ein Rätsel, wie er über so lange Jahre diese 3 „Full-time-jobs“ als Chef des Presesaals, seine Funktionen bei Radio Vatikan und dem CTV unter einen Hut bringen konnte und dann abends beim Essen in der Jesuitenkongregation immer noch lächelnd, gerne zu einem Gespräch bereit, als „einfacher“ Jesuit auf Augenhöhe sich zu uns an den Tisch setzte.
    Alles erdenklich Gute, Gesundheit und viel Freude an den neuen Aufgaben und Gottes reichen Segen.
    Wir alle verdanken ihm sehr viel, auch wir als Verein der Freunde von Radio Vatikan !
    HERZLICHEN DANK für alles, lieber P. Lombardi. Gott vergelts !

  5. lieber Pater Hagenkord:
    Gerade festgestellt:

    DIE DEUTSCHE RADIO VATIKAN WEWSITE ( radiovaticano.de) wird von meiner „Sicherheit“ = NORTTON INTERNET SECURITY ONLINE – als GEFÄHRLICHE Website blockiert;

    außer Ihrem Blog sind noch andere Unterseiten blockiert;
    meine Suchmaschine ist Google

    ist in Rom schon was bekannt???

  6. webmaster sagt:

    Sehr geehrter Herr Hopfener,
    vielen Dank für Ihren Hinweis. Dies haben wir ab und an.
    Grund dafür ist, dass irgendwelche – lassen Sie es mich mal so vorsichtig sagen – „kirchen- oder Vatikan-/Papstfeindliche“ Personen diese Seite radiovaticana.de als gefährlich an Norton gemeldet haben.
    Wir hatten das in dewr Vergangenheit auch schon bei AVIRA, BULLGUARD.
    Bei uns (wir benutzen den Norton nicht) wird sie ganz normal angezeigt.
    Wir können diese Meldung auch nicht wegnehmen lassen, Sie können natürlich gerne unsere Seite dann an Norton als „nicht gefährlich“ melden und wenn einige dies tun, wird das System sie wieder freigeben.
    Ansonsten können Sie auch http://www.radiovatikan.de nehmen.
    Beste Grüße !

    • danke Web Master für Info,

      gerne würde ich ja das an Norton weitermelden,aber als einfacher Nutzer glaubt Norton mir das OHNE quasi „amtliche“ Bestätigung nicht!

      Könnten Sie mir im Namen von Radio Vatikan eine solche Mail schicken, die ich dann an Norton weiterleite?
      vielen Dank schon mal.

      PS danke für den Link, ABER der führt direkt zur selben Meldung…!!

      meine Mail Adresse hat ja Pater Hagenkord, dem ich auch besagte Meldung als Anhang geschickt habe

  7. webmaster sagt:

    Sehr geehrter Herr Hopfener,
    Ihre an P. Hagenkord übermittelte Meldung (Screenshot) ist mir bekannt, sie betrifft die deutschsprachige Seite auf dem Vatikan-Server (de.radiovaticana.va).
    Ich habe soeben Kontakt mit NORTON aufgenommen und auf diese Blockierung hingewiesen mit der Bitte, diese zu entfernen – in der Hoffnung, dass dies denn auch umgehend geschieht.
    Bei Norton ist dies etwas komplizierter als bei anderen Schutzprogrammen.
    Vielen Dank in jedem Falle für Ihre Mithilfe ! – Der ausführliche Bericht, auf den Norton-Symantec hinweist, wäre interessant gewesen, weil hier u.a. die Gründe der Blockierung lesbar sind.

  8. danke Webmaster Für Ihre Bemühungen !!!

    in diesem Norton Bericht steht:

    “ Norton Safe Web hat radiovaticana.va

    ( Ihr link auf Radio Vatikan war nicht zielführend. das gleiche Ergebnis)

    ..auf Sicherheit und Sicherheitsprobleme analysiert. Unten sehen Sie ein Beispiel der gefundenen Bedrohungen
    ZUSAMMENFASSUNG:

    – Computerbedrohung: 0
    – Identitätsbedrohung: 1
    – Störfaktoren . 0

    PHISING Angriffe: 1 “ soweit Norton….

    ich hoffe,dass Sie geehrter Webmaster was damit anfangen können..
    hoffentlich reagiert jetzt Norton- andererseits ist es ja beruhigend ,dass Norton „arbeitet“-wenn auch in DIESEM Fall unberechtigt…
    Schönen Sonntag!

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