Einunddreißig mal Gleichgültigkeit

Wenn man wissen will, was Papst Franziskus wichtig ist, dann reicht es manchmal, einfach mal die Worte zu zählen, zum Beispiel in der Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag an diesem 1. Januar. Einunddreißig Mal kommt das Wort „Gleichgültigkeit“ in diesem Text vor. Das ist eindeutig. Dazu noch andere Begriffe wie Mangel an Aufmerksamkeit, Gewöhnung, Lauheit, Teilnahmslosigkeit. Bei der Lektüre dieser Friedens-Botschaft des Papstes wird sofort deutlich, worum sich seine Gedanken in diesem Jahr drehen.

Mitgefühl: Ein Kranz für die Toten im Mittelmeer. Lampedusa 2013

Mitgefühl: Ein Kranz für die Toten im Mittelmeer. Lampedusa 2013

Dabei ist das nicht neu. Der Zentralbegriff, die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, ist bereits zu Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus geprägt worden, auf Lampedusa war das bei seinem ersten Besuch außerhalb von Rom. Er war auf der Flüchtlingsinsel um genau auf diese Gleichgültigkeit aufmerksam zu machen. Und auch seitdem kommt der Begriff immer mal wieder vor. Nun also in einem längeren Text, ausführlich und von mehreren Seiten beleuchtet.

Zwei Dinge macht der Papst dabei klar: Erstens geht es nicht um einen Mangel an Informationen. „Es gibt Menschen, die gut informiert sind, Radio hören, Zeitungen lesen oder Fernsehprogramme verfolgen, das aber mit innerer Lauheit tun, gleichsam in einem Zustand der Gewöhnung. Diese Leute haben eine vage Vorstellung von den Tragödien, welche die Menschheit quälen, fühlen sich aber nicht betroffen, spüren kein Mitleid“, so der Papst. Oder man will gar nichts wissen: „In anderen Fällen zeigt sich die Gleichgültigkeit in Form eines Mangels an Aufmerksamkeit gegenüber der umliegenden Wirklichkeit, besonders der weiter entfernten.“ Gleichgültigkeit könne viele Wurzeln haben, und wie wir es von Papst Franziskus kennen führt er einige genauer aus.

 

Geistliche Haltung, nicht Analyse

 

Es ergeben sich in diesem Text Wortgruppen, die wir gewissen Haltungen zuordnen können und aus denen sich auch genauer erschließt, was der Papst genau meint.

So gehören zur Gegenhaltung zur Gleichgültigkeit Geschwisterlichkeit, Solidarität, Verantwortung, Mitgefühl und die Fähigkeit sich zu öffnen. Das sind keine präzise definierten Begriffe, aber dadurch, dass sie in diesen Wortgruppen auftauchen, ergänzen sie sich gegenseitig. Der hier am häufigsten genutzte Begriff ist der der Barmherzigkeit, und da wird auch noch einmal klar, was das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“, in dem wir uns im Augenblick befinden, soll. Die Barmherzigkeit leben und sie bezeugen ist das wichtigste Mittel gegen die Gleichgültigkeit, die beiden schließen sich gegenseitig aus und jeder muss sich entscheiden, wo er oder sie hin will.

Wieder gibt uns der Papst Kategorien, die weniger analytisch sind als vielmehr eine Art Gewissensrechenschaft ermöglichen. Die Frage ist weniger die der Sozial-Psychologie als vielmehr die der geistlichen Haltung.

Papst Franziskus macht auch sehr klar, dass das nicht nur individuelle Fragen sind: „in unseren Tagen hat sie [die Gleichgültigkeit] entschieden den individuellen Bereich überschritten, um eine globale Dimension anzunehmen und das Phänomen der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ zu erzeugen.“ Hier geht es um Politik und Kultur, die mehr sind als die Summe von Einzelpolitikern oder politischen Entscheidungen. Solche „globalisierte Gleichgültigkeit“ „begünstigt und manchmal auch rechtfertigt Handlungen und politische Programme, die schließlich den Frieden bedrohen. Eine solche Haltung der Gleichgültigkeit kann auch so weit gehen, im Hinblick auf die Verfolgung des eigenen Wohlstands oder jenes der Nation einige tadelnswerte Formen der Wirtschaftspolitik zu rechtfertigen, die zu Ungerechtigkeiten, Spaltungen und Gewalt führen.“

Es fängt beim „ich“ an, geht über das „wir“ einer Gruppe und eines Staates zum „wir“ der ganzen Welt. Gleichgültigkeit zerstört dieses „wir“, weil es nur das „ich“ kennen will. Zum Frieden – das ist die Botschaft des Papstes für dieses Jahr – braucht es aber das „wir“. Die Verantwortung, das Mitgefühl, die Solidarität, das sich Öffnen und vor allem die Barmherzigkeit.

 

Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2016.

 

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43 Kommentare zu Einunddreißig mal Gleichgültigkeit

  1. Amica sagt:

    Stellen Sie sich einen durchschnittlichen Laien vor, etwa in Deutschland: über was muss sich der nicht alles informieren: Nehmen wir mal einen nicht Geistlichen um Mitte 30: dieser Mensch hat wahrscheinlich ein paar Kinder, muss Miete und seine Tankrechnung zahlen, sich rechtlich und gesundheitlich absichern (also immer wieder langweilige Gesetzestexte lesen), sollte im Beruf funktionieren und sich deshalb ständig updaten und mit Kollegen einigermaßen klar kommen, sollte wissen wie man sich gesund ernähren, sollte ethisch korrekt einkaufen – ohne zu viel Geld auszugeben, sollte die technischen Errungenschaften immer im Blickfeld behalten um seine Kinder einigermaßen verstehen zu können, er sollte auch seine Wäsche waschen und die Wohnung rein halten, muss mit seinen Kindern liebevoll reden (und immer nach Feierabend), sollte den Ehepartner nicht vernachlässigen etc. Dieser Typ Mensch ist defintiv nicht egoistisch – aber eventuell einfach nur überfordert und wenn man ihm noch vorwirft, er wäre gleichgültig der Gesellschaft gegenüber, ist das einfach nur falsch. Ist dieser Mensch denn schlecht? Geistliche haben es da sehr viel leichter, das müssen Sie zugeben. Also: Gleichgültigkeit ist auch eine Art Schutzfunktion für viele berufstätige Eltern. Und ein gesunder Egoismus ist wichtig um nicht krank zu werden.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ich glaube nicht, dass Ihr Beispiel wirklich als Gegenbeispiel zu dem funktioniert, wovon der Papst spricht. Dieser Mensch ist nicht egoistisch, warum sollte ihn dann der Vorwurf der Gleichgültigkeit treffen? Würden Sie wirklich sagen, dass es diese Gleichgültigkeit gar nicht gibt?

      • Amica sagt:

        Ich greif doch nicht den Papst an. Alles was ich versuche zu schreiben, ist, dass die hohen Anforderungen des Papstes einfach nicht jeder erfüllen kann. Dass die Menschen -gerade junge Leute (die auch noch so „verrückt“ sind, Kinder in die Welt zu setzen), so viele Probleme haben, dass sie manchmal einfach nicht global denken bzw. mitfühlen können. Ich will nur, dass man diese Leute auch versteht und hohe Anforderungen vielleicht eher an die Menschen stellt, die stark genug dazu sind.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Da sind aber glaube ich Ihre Anforderungen zu hoch. Der Papst ist der letzte, „normalen“ Menschen ihre „Normalität“ als Gleichgültigkeit auszulegen. Das Gegenstück zu Gleichgültigkeit ist nicht, dass man sich aller Probleme in der Welt immer bewusst ist. Es kann einfach sein, dass es ein Lächeln für jemanden an der Straßenecke ist oder einmal zuhören oder was auch immer. Globales Denken ist eine, aber auch wirklich nur eine Möglichkeit.

          • Bayerin sagt:

            Genauso nehme ich den Papst allerdings ebenfalls wahr: als den „gemeinen“ Menschen überfordernd. Das ist auch der Grund, warum ich von dem Trommelfeuer aus Sancta Marta nichts halte.

            Wenn ich von der Arbeit erschöpft zu meiner Mutter zum Esssen komme, fühle ich mich häufig schon von ihren Hinweisen auf die neusten Veränderungen im Garten total überfordert („Hast du schon gesehen – die Hortensien blühen!“ – „Was soll ich denn immer alles schon gesehen haben!!!“)…

          • Amica sagt:

            Na, dann ist es ja gut. Dann ist diese Bibelstelle mit dem Splitter im Auge des anderen und des eigenen Balken im Auge – ich kann es nicht richtig zitieren (Sie wissen schon was ich meine) – auch im Sinne des Papstes.
            Trotzdem muss irgendwas passieren, damit die Menschen in unserem Land nicht so gnadenlos überfordert sind. Viele sind überfordert und leider immer die, die die aller besten sind, die zu viel nachdenken, zu sensibel sind (ich spreche nicht von mir 🙂 ). Wir müssen die Kindererziehung überdenken… vielleicht war dieses Modell in der damaligen DDR (ich hab eine zeitlang dort ein Praktikum gemacht – in Schwerin) gar nicht so schlecht. Vielleicht wäre eine gemilderte Form von Kommunismus nicht so schlecht. Die Menschen sind in unserer Leistungsgesellschaft eben schlichtweg überfordert, nicht gleichgültig. Es gibt ein paar oberflächliche Menschen – das ist mir schin klar. Aber die meisten haben einen guten Kern! Sicherlich!

          • Silvia Brückner sagt:

            @Bayerin

            teilweise geht es mir ähnlich und jeden Tag eine „Gardinenpredigt“ aus Santa Martha ist einfach zu viel, weil tägliche Ermahnungen leicht abstumpfen und dann niemand mehr zuhört.

            Es ist nicht gut, den Menschen immer nur ihre Defizite vorzuhalten. Jeder Pädagoge weiß, dass ein Lob oder eine freundliche Ermutigung oft mehr bewirkt als pausenlose Kritik.

            Das gilt übrigens auch für Mitarbeiterführung.

            Berechtigte Kritik von Mitarbeitern gehört auch nicht in die Öffentlichkeit.

            In unserer Kirche geschieht an der Basis viel Gutes, das mehr in den Blick zu nehmen, würde die Leute eher anspornen als sie pausenlos zu tadeln für das, was aus Sicht des Papstes – noch – nicht so gut gelingt.

            Unsere Kirche in Deutschland z.B. ist wesentlich besser als ihr Ruf.

            Nur am Rande, bei mir in der Stadt wohnen inzwischen in jedem Pfarrhaus Flüchtlinge und das sind keine leer stehenden Pfarrhäuser, da wohnt auch noch ein Pfarrer.

          • KRP sagt:

            Recht hat der Papst schon wenn er die Verantwortlichen in die Mangel nimmt denn nicht die einfachen Menschen wirft er Gleichgültigkeit vor sondern denen die es sind und die sich angesprochen fühlen sollen. Immer nur Loben führt dann aber auch zu Überheblichkeit und keiner kann mehr Kritik einstecken und vertragen und fühlt sich nur noch angegriffen.

          • chrisma sagt:

            @Silvia Brückner, tut mir leid! So sehr ich mich darüber freue, dass in den Pfarrhäusern ihrer direkten Umgebung Flüchtlinge wohnen, Ihnen zustimme das die deutsche katholische Kirche auf einen sehr, sehr guten Weg ist… aber die Tagesmeditationen des geistlichen Oberhauptes der Weltchristenheit als Gardinenpredigten zu bezeichnen ist despektierlich, sehr despektierlich. Hier einen Zusammenfassung, die mir, meiner Familie, meinen Freunden auch den Agnostikern unter ihnen, Anleitung sind die Bibel im Kontext der heutigen Zeit zu sehen.

            Ihnen ein vor allem gesundes und friedvolles 2016

            https://w2.vatican.va/content/francesco/de/cotidie/2013.index.html

          • Silvia Brückner sagt:

            nun, liebe chrisma, Ihnen mag das despektierlich erscheinen, mir nicht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Sie früher bei Papst Benedikt diesbezüglich weniger sensibel reagiert haben.

            Meine spirituellen Impulse beziehe ich primär aus unserer wöchentlichen lectio divina Gruppe und dem persönlichen Austausch mit einem ganz wunderbaren Priester, nämlich unserem Vikar (Kaplan).

            Da erlebe ich im direkten Kontakt so viel Bereicherndes, dass ich glücklich und zufrieden bin.

          • chrisma sagt:

            @Silvia, danke für Ihre Antwort. Nur Sie müssen mich verwechseln, ich habe mich nie und zu keiner Zeit „despektierlich“ über das Pontifikat Benedikt geäußert, es liegt mir fern. Mein Verhältnis zu diesem Papst ist ein ausgewogenes. Mag es den einen oder anderen Mosaikstein geben, der mir nicht behagt… Darüber habe ich mich hier aber nicht geäußert. Nichts für ungut.

    • Paul Compes sagt:

      Für mich ist es interessant, dass für Papst Franziskus die globalisierte Gleichgültigkeit mit einer verbreiteten Traurigkeit einhergeht (Evangelii Gaudium). Gegen diese Traurigkeit setzt er die Freude, die aus der Beschäftigung mit dem Evangelium entsteht. Barmherzigkeit ergibt sich dann fast zwangsläufig aus der Freude am Evangelium. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, wie die Freude am Evangelium mit einem unbarmherzigen Verhalten einhergehen kann.

  2. Eine bewusste Gleichgültligkeit ist schwer nachzuweisen, es kommt einem ja immer was dazwischen und es geschieht niemals mit Fleiß.
    So kommt es mir vor. Denn von Beruf bin ich Mesnerin und sehe tatsächlich an den Feiertagen, wo vermehrt Menschen in die Gottesdienste kommen, die unter dem Jahr eher selten auftauchen, grundsätzlich dieselben Verhaltensweisen, die weder von Achtsamkeit noch von Empathie geprägt sind.
    Oder bezichtige ich zu Unrecht die Kirchenfernen? So viel Durcheinander, Schmutz und Unordnung nach dem Gottesdienstbesuch wie bei Festlichkeiten wie Patronatsfesten, Gruppierungsveranstaltungen, musikalische Gottesdienste, Extrawortgottesdienste wie Krippenfeiern, Kinderevents und Gebetskreisen begegnet mir nur noch, wenn die Kirchentreppe alle Jahre wieder als Abschussrampe für das Silvesterfeuerwerk missbraucht wird.
    Papst Franziskus beklagt die Gleichgültigkeit menschlichen Leidens gegenüber, herunter gebrochen auf meinen Alltag wundert mich dies kein bisschen. Wenn die mehr oder weniger frommen Kirchenbesucher nicht einmal die lokation so hinterlassen, wie sie sie vorgefunden haben, was soll er dann von denen erwarten, die nicht einmal den Gebrauch eines Mülleimers erlernt haben?

  3. Rosi Steffens sagt:

    Vielleicht sollte man Gleichgültigkeit der Sensibilität gegenüberstellen, die uns als Menschen leiten sollte, wenn wir miteinander umgehen, denn jeder hat in seinem Umfeld meines Erachtens genug zu tun, diese Sensibilität wieder zum Leben zu erwecken. Im Kleinen bewirkt sich das Große ganz von selbst, denn aus dem kleinen Konsens erwächst, was die Welt verändern kann. Wir sollten uns nicht mit Anforderungen überhäufen, die in den Raum gestellt doch nur die betreffen können, deren Herzen sich dadurch angesprochen fühlen. Pflichtgefühl ist eine schöne Sache, wenn es der eigenen Person dient, sodass daraus ein würdevoller Mensch erwächst, der seinem Umfeld als sensibler Teil des Ganzen gegenübertritt, um möglichst sinnvoll aufzuarbeiten was an Gemeinsamkeiten auftritt, um diese in ihrer Differenziertheit zu fördern. Eine gelebte Vielfalt braucht die Würde des Menschen, um das gewinnen zu können, was ihr zu Grunde liegt, die Idee eines friedvollen und freien Lebens im Schutz der eigenen Sensibilität für die Anforderungen, die sich dadurch an jeden Einzelnen stellen. Ich glaube, Gleichgültigkeit entsteht auch aus dem Gefühl der Überlastung heraus, einer Ohnmacht gegenüber, die einem Unvermögen unterstellt, was man durch Sensibilität für die eigenen Ansprüche und deren Erreichbarkeit durch persönlichen Einsatz ausgleichen könnte. Motivation ist für mich der Antrieb allen Lebens, das in eine sinnvolle Gestalt finden will, um als solche den eigenen Anteil zum schöpferischen Potential des Ganzen beitragen zu können.

  4. Angelika Oetken sagt:

    Was sich hinter vorgeblicher „Gleichgültigkeit“ alles verbergen kann, zeigte doch ganz anschaulich der Umgang der Funktionäre der Katholischen Kirche mit dem, was ab 2010 als „Missbrauchsskandal“ bezeichnet wurde.

    Der ist genauso wenig aufgeklärt, wie die Verantwortlichen ihre eigene Rolle dabei aufgearbeitet zu haben scheinen.

  5. Ein gesegnetes neues Jahr alle zusammen.
    Ich danke dem heiligen Vater sehr für dieses heilige Jahr unter dem Motto der Barmherzigkeit. Seitdem dringt die Bedeutung des Wortes mehr und mehr in mein Bewußtsein und in mein Leben.
    Das Wort Gleichgültigkeit hat für mich in diesem Zusammenhang noch eine ganz andere Bedeutung als das bereits Ausgedrückte.
    Wenn ich nämlich das Wort betrachte, meint es doch, dass mehrere Aussagen, Dinge, Geschehnisse … den gleichen Wert haben oder in ihrer Bedeutung gleich gültig sind.
    Das, was oft mit „Gleichgültigkeit“ ausgedrückt werden soll, ist aber eine Art von fehlender Anteilnahme, einer Resistenz in Bezug auf das Befinden des Mitmenschen etc..
    Ich glaube, dass es etwas ausmacht, wie wir die Worte verwenden und welche Bedeutung sie haben. Und ich glaube, dass es wichtig ist, uns im sensiblen und achtsamen Umgang mit Worten zu schulen und uns dessen bewußt zu sein, was wir mit dem Wort sagen. Denn im Wort liegt eine starke Kraft, die zerstören oder heilen kann.

  6. „Einunddreißig mal Gleichgültigkeit“ – so oft in einem einzigen Dokument! Was hat es damit auf sich?

    Meinem Verständnis nach bedeutet Gleichgültigkeit in diesem Zusammenhang eine abgewandte Haltung, die keinen Raum für Verantwortung offen lässt.

    Und was ist eine mögliche Antwort darauf? Anteilnahme. Dies bedeutet keineswegs, sich in alles einzumischen, was einen nichts angeht.

    Ehrlich gesagt ist mir diese Anteilnahme nicht immer sympathisch. Muss ich denn immer Anteil haben an diversen Widrigkeiten, die sich in meiner Umgebung abspielen? 🙂 Wohl ja, denn Mitgestalten ist viel besser als darauf zu warten, dass andere statt mir gestalten, wahrscheinlich so, wie ich es nicht will. 🙂

    Wir Menschen haben Anteil an der Welt, in der wir leben, aneinander, ja so gar an Gott. Unzählige Erfahrungen zeigen dies, auch jene, die in der Bibel berichtet werden.

    (…) „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“, (Joh 13,8) erwidert Jesus dem fassungslosen Petrus.

    Dieses Jahr kann es leichter sein, dies zu verstehen, bei all den geöffneten Pforrten. Doch Joan Baez drückt dies viel poetischer und musikalischer aus als ich; den 9. Jänner feiert sie übrigens ihren 75. Geburtstag.

    BLESSED ARE …
    (Words and Music by Joan Baez)

    (…) Rain will come and winds will blow,
    wild deer die in the mountain snow.
    Birds will beat at heaven’s wall,
    what comes to one must come to us all.

    For you and I are one way ticket holders
    on a one way street.
    which lies across a golden valley
    where the waters of joy and hope run deep.
    So if you pass the parents weeping
    of the young ones who have died,
    take them to your warmth and keeping
    for blessed are the tears they cried
    and many were the years they tried.
    Take them to that valley wide
    and let their souls be pacified.

    © 1970, 1971 Chandos Music (ASCAP)

    http://www.joanbaez.com/Lyrics/blessed.html

    Und hier zum Nachhören:
    joan baez „blessed are“ (paroles et chanson) – YouTube
    https://www.youtube.com/watch?v=BL_LNVIzqFQ

    Ganz in diesem Sinne wünscht ein gutes neues Jahr 2016,

    Euer Lese-Esel

  7. Pingback: 31 gånger likgiltighet | Signum

  8. chrisma sagt:

    31 x Barmherzigkeit in den Reden unseres Papstes und in einigen Blogbeiträgen wird das mit „Überforderung“ in Verbindung gebracht. Da muss ich mich nicht wundern, das die Welt so aussieht wie sie aussieht. Wie wollen Menschen die sich durch „Barmherzigkeit“ überfordert fühlen Kinder ins Leben begleiten, wie wollen sie den Kindern beibringen das die Liebe zur Schöpfung in all ihren Ausdrucksformen der Schlüssel zu einer besseren Welt ist? Ein kleines Beispiel: In der Stadt werde ich zum x male um einen Euro angehauen, ich kann mich entnervt abwenden oder mit einem lächeln erklären das ich nicht mehr geben kann. So gibt es viele, viele kleine Gesten in denen wir das Leben können, was uns Jesus mit auf den Weg gibt: die Liebe zum Nächsten.

    In das Jahr 2016 schaue ich mit gemischten Gefühlen. Ja die Gegensätze verschärfen sich, es wird in Europa ein Rechtsruck geben, vom Frieden in der Welt sind wir weit entfernt. Auf der anderen Seite, dies lehrt uns die Geschichte, wird es Gegenbewegungen geben. Ja wir werden Energie und Bereitschaft dazu benötigen. Also: Ora et Labora, Kontemplation und Aktion immer unter dem „Banner der Barmherzigkeit“. Das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit wird uns stützen.

    PS: den Grundsatz „sehen urteilen handeln“ nicht vergessen. Vor allem das Handeln nicht ….

    • chrisma sagt:

      Es sollte lauten 31 x Gleichgültigkeit……

    • Bayerin sagt:

      Das vom Papst ausgerufene „Jahr der Barmherzigkeit“ wird vielleicht die Kirche stützen, aber sonst…
      „Jahr der Liebe“, finde ich, wäre besser gewesen. Das Lachen über die Kirche ist eh´ allgegenwärtig, da wär´s auf das bisschen auch nicht mehr angekommen. „Barmherzigkeit“ hat meiner Meinung nach etwas Herablassendes.
      Hinterher wird man sich wohl wieder darüber wundern, dass Welt und Kirche noch immer so aussehen wie sie aussehen.

      Warum soll man eine Gardinenpredigt nicht Gardinenpredigt nennen dürfen, nur weil sie vom Papst kommt? Was ist mit derlei Konfliktscheu gewonnen? Ich habe mich entschlossen, Diplomatie gegen Verbindlichkeit einzutauschen, weil ich denke, dass mein Gegenüber damit auf Dauer besser fährt.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Manchmal sind es aber gar keine „Gardinenpredigten“, sondern nur einzelne Sätze aus dem Zusammenhang heraus.

        • Bayerin sagt:

          Jetzt habe ich als ausgetretene Person natürlich nicht den leichtesten Stand. Man KÖNNTE mir Böswilligkeit beim selektiven Lesen, so es denn dazu kam, unterstellen.

          Ich freilich sehe das eher als automatisches Weiterspinnen des im Alltag ständig auf uns einprasselnden „Du sollst“.

      • Rosi Steffens sagt:

        Ich denke, es kommt darauf an wer, sich wie, und warum überhaupt angesprochen f ü h l t , denn Papst Franziskus ist offensichtlich in der Lage einzelne Personen als solche aus der Gesamtheit heraus so anzusprechen, dass daraus ein Akt der Nächstenliebe entsteht, ohne Menschen an den Pranger zu stellen. Durch diese Möglichkeit sollte sich jeder selbst auf seine Reaktion hin prüfen und sich mit dieser persönlichen Auseinandersetzung in Bezug auf die gefühlte Gleichgültigkeit konfrontieren, die genau der Papst hier angesprochen hat. Gleichgültigkeit wird dann global, wenn sie vom einzelnen in die Welt getragen ist und dort ihren Anspruch wieder findet. Wenn der Einzelne Stellung bezieht, um sich selbst als würdevoller Mensch zu erkennen zu geben und dafür keine Fürsprecher braucht, sondern seine Zeit nutzt, dann denke ich kann man eine Gemeinschaft gewinnen, die globale Gleichgültigkeit überwindet, indem sie sich deren Anspruch widersetzt und damit in ein würdevolles Leben führt. Jeder sollte für sich selbst im Leben das fordern, was er für richtig hält und dann mit der Resonanz so umgehen, wie es sein Gewissen einklagt. Konsequent geführt kann so jeder einen sinnvollen Beitrag zum Leben leisten.

  9. Silvia Brückner sagt:

    http://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/mit-klarem-zeugnis

    Ist dieser Beitrag auch „despektierlich“?
    Kann man eine abweichende Meinung nicht mehr ertragen? Ist das Toleranz? Wie soll da Synodalität in der Kirche wachsen?

    Papst Franziskus hat offenbar kein Problem, wenn ihm widersprochen wird!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Mir ist nicht ganz klar, was Sie mit diesem Post sagen wollen. Könnten Sie einige Worte hinzu fügen, bitte? Danke.

      • Silvia Brückner sagt:

        Es bezog sich auf den Vorwurf von @chrisma, der von mir gebrauchte Begriff „Gardinenpredigt“, den ich übrigens bewusst in Anführungszeichen gestzt habe, sei despektierlich.

        Der von mir verlinkte Artikel sagt sinngemäß nichts Anderes und wendet sich ebenfalls gegen die immerwährende Kritik (aus Rom) an der katholischen Kirche in Deutschland.

        • KRP sagt:

          Ich kann mich aber auch sehr gut daran erinnern das Sie diverse Kritik an Papst Franziskus vor nicht allzu langer Zeit ganz anders gesehen haben. Wo kommt der plötzliche Umschwung her?

        • chrisma sagt:

          Abschließend, liebe Silvia Brückner, nicht der Begriff „Gardinenpredigt“ an sich stört mich, sondern der Satz den Sie in die Runde werfen: „und jeden Tag eine „Gardinenpredigt“ aus Santa Martha“. Glaubensverkündigung, Meditationen unseres Papstes als „Gardienenpredigt“ abzuqualifizieren stört mich!

  10. chrisma sagt:

    Liebe Silvia, ich sehe in diesem Artikel nicht Ihren Kernvorwurf wiederholt : die Predigten aus St. Martha sind „Gardinenpredigten“.“ Der Papst beschäftigt sich in den Mediationen zum Evangelium in St. Martha so gut wie gar nicht mir der deutschen katholischen Kirche und das ist gut so. Es geht immer um unseren Glauben und wie wir in in der heutigen Zeit leben und lebendig gestalten können.
    Aus den vielen Meditationen habe ich hier eine herausgestellt, die zu unserem Thema Barmherzigkeit passt:

    https://w2.vatican.va/content/francesco/de/cotidie/2013/documents/papa-francesco_20130705_meditazioni-41.html

    Die Gedanken von Ulrich Waschki kann man durchaus so stehen lassen und ich teile sie in den wesentlichen Punkten. Papst Franziskus hat sich kritisch zur deutschen katholischen Kirche geäußert und die Probleme richtig benannt. Daraus können wir bei besten Willen nicht ableiten, dass er ständig den deutschen Katholiken „Gardinenpredigten“ hält.

    Zu Ihnen liebe @Bayerin
    Die Barmherzigkeit  ist eine Eigenschaft des menschlichen Charakters. Eine barmherzige Person öffnet ihr Herz fremder Not und nimmt sich ihrer mildtätig an.Sie gilt als eine der Haupttugend in den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, aber auch in anderer Religionen wie Buddhismus und Hinduismus.Der Begriff „Liebe“ bedürfte einer umfassenden Definition bevor er absolut gesetzt werden kann. Wenn Sie tatsächlich auf die Predigten des Papstes den Begriff „Gardinenpredigten“ anwenden wollen, ist Ihnen das unbenommen, wundern sollten Sie sich aber dann nicht, dass die katholische Kirche der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Was Sie als „Trommelfeuer“ aus St. Martha bezeichnen ist die Aufgabe des Papstes. Inwieweit Sie sich damit auseinandersetzen ist sicher Ihnen persönlich belassen.

    • Bayerin sagt:

      „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ Was gibt´s da noch zu definieren, umfassend noch dazu? Und: Macht der Papst das sonst auch immer?

      Mir kann es ja egal sein, ob ein kurzfristiger Shitstorm / „Laughterstorm“ nicht letztlich besser für die Kirche ausgeht als einen weiteren nicht mehr so ganz in der Alltagssprache gegenwärtigen Begriff zu transportieren.

      Ich möchte nur darauf hinaus, dass es nicht so ist, wie P. Hagenkord am Anfang schreibt: „Wieder gibt uns der Papst Kategorien, die weniger analytisch sind als vielmehr eine Art Gewissensrechenschaft ermöglichen. Die Frage ist weniger die der Sozial-Psychologie als vielmehr die der geistlichen Haltung.“

      Wenn Neuevangelisation betrieben werden soll, ist alles auch eine Frage der Sozial-Psychologie.

      • Bayerin sagt:

        „Was Sie als „Trommelfeuer“ aus St. Martha bezeichnen ist die Aufgabe des Papstes. Inwieweit Sie sich damit auseinandersetzen ist sicher Ihnen persönlich belassen.“

        Wenn bei angestrebter Neuevangelisation alles auch eine Frage der Sozial-Psychologie ist, wären auch die Aufgaben des Papstes neu zu definieren.

        SIE sollen ja ebenfalls Leute erreichen, die Ihnen bisher noch nicht zuhören. Von daher könnte man überlegen, die Rollenverteilung, wie der Papst sie zu sehen scheint, in Frage zu stellen: Statt des täglichen Feuer-unter-sonstwas-Machens für jene guten Willens, die ihm noch zuhören, wäre vielleicht mal eine Enzyklika an den Rest der Welt zu verfassen. Das ginge womöglich in derselben Zeit.
        Allerdings müsste dabei von Zuspruch und Trost (nicht: Vertröstung) was zu spüren sein.

      • chrisma sagt:

        @ Bayerin Die Gefahr die in Ihrer willkürlichen „Umbenennung“ liegt, erkennen Sie offensichtlich schon selbst. Mag sein das Ihnen Shitstorm u.ä, egal sein kann. Mir ist es nicht egal. Papst Benedikt 16 em. widmet sich dem Begriff „Liebe“ in „Deus Caritas est“ umfassend, immer wieder lesenswert. Für Milliarden von gläubigen Menschen ist der Begriff „Barmherzigkeit“ ein zentraler Begriff des jeweiligen Glaubens. Wenn der Begriff für Sie nicht mehr allgegenwärtig ist, finde ich es persönlich traurig für Sie.
        Was den Rest Ihres Post anlangt: nun kommen Sie, wie wir bei uns daheim sagen, von „Hölzchen auf Stölzchen“ Grundsätzlich nur eins dazu: Bei der Neuevangelisierung geht es um Glaubensverkündigung. Das ist eben keine Sozial-Psychologie, da gibt es wesentlichen Unterscheidungen.

        • Bayerin sagt:

          Na dann viel Spaß!

          Und damit bin ich raus.

          • Bayerin sagt:

            Eines noch: Wer die Chancen, die in diesem Pontifikat liegen, nicht sieht, der tut mir leid.
            Wer denkt: Jemand, der von Franziskus begeistert ist, wird genauso gern zu B XVI greifen, der tut mir leid.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Ich denke das. Ich lasse mich von dem, was Franziskus sagt und tut, begeistern. Aber bis heute greife ich immer wieder gerne zu den tief-geistlichen Texten von Papst Benedikt XVI. Warum tue ich Ihnen jetzt leid?

          • chrisma sagt:

            @Bayerin zu Ihrem letzten Post: ich definiere meinen Glauben über das neue Testament und nur begleitend über die diversen Pontifikate. In meinen Fall sind es inzwischen sieben.
            Maria’s Schutz auf Ihren Wegen

          • Bayerin sagt:

            Ich habe die Neu-Begeisterten gemeint.

            Die meisten von denen, die von Franziskus neu begeistert worden sind, dürften nicht mehr so taufrisch sein, dass sie seinen Vorgänger nicht erlebt hätten. Die hätten also längst „Deus Caritas est“ lesen können.

          • KRP sagt:

            Die Chancen von denen Sie @Bayerin schreiben dazu gehört mit Sicherheit nicht allein das Pontifikat des „Neuen“ denn ohne seines Vorgängers hätte es diese Chance eh nicht gegeben. Die Kirche besteht auch nicht nur in einem Pontifikat sondern seit 2000 Jahren und es liegt in der Hauptsache an den Menschen in der jetzt Zeit was mit Kirche und dem Christentum geschieht und vor allem nicht alleine an einem Papst egal wie der heißt.

  11. KRP sagt:

    Ich frage mich weshalb sich die Deutsche Kirche in den letzten drei Jahren so stark in ihren moralischen Wertvorstellungen geändert haben sollte das man nun denkt der Papst würde zu sehr pausenlos dagegen wettern. Auch ist die deutsche Kirche nicht alleine der Weltenmittelpunkt und muss oder sollte sich allein angesprochen fühlen. Kann es nicht auch sein das mal andere gemeint sind als ständig die deutsche Kirche. Es ist immer derjenige gemeint der sich angesprochen fühlt und das nicht nur seit der letzten Papstwahl sondern mit Sicherheit schon vorher.

  12. Bayerin sagt:

    – Edit: Es ist ja durchaus nicht so, dass ich nicht auch hier Gleichgültigkeit wahrgenommen hätte. Was soll das Ganze also? –

    • KRP sagt:

      Also kurz gesagt ist die sogenannte „Gardinenpredigt“ doch angebracht und für alle die sich angesprochen fühlen. Oder wie muss ich das verstehen.

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