Er will nicht dazu gehören

„Sie gehören nicht mehr zu uns, und zwar weil sie durch ihr Handeln gezeigt haben, dass sie es nicht wollen“. So kann man vielleicht das Wort „latae sententiae Exkommunikation“ übersetzen. Es ist keine Art Strafe, die über jemanden verhängt wird, sondern die Feststellung, dass etwas so ist. Jemand hat gegen die Regeln auf eine Weise verstoßen, die nicht mehr ohne weiteres heilbar ist. Also muss man diesen Regelverstoß und damit die verstoßende Person auch Ernst nehmen und die Konsequenz ziehen. In der Sprache des Kirchenrechts: Canon 1382 — „Ein Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu“. Tatstrafe: Das habe ich weiter oben zu übersetzen versucht.

So eine Exkommunikation hatten sich die vier Bischöfe der Bruderschaft Pius X., Piusbrüder genannt, zugezogen, als sie sich 1988 von Bischof Marcel Levebvre zu Bischöfen geweiht wurden. Bischofsweihen unterliegen aber Regeln, man kann nicht einfach so ohne die Zustimmung der Weltkirche weihen. Da die Weihe ein Sakrament ist und deswegen von der Zustimmung des Geweihten abhängt, betraf sie nicht nur Levebvre, sondern auch die Geweihten.

Um den Riss zu heilen, war diese Exkommunikation gegen die vier – Levebvre war schon tot – 2009 wieder aufgehoben worden, mit dem bekannten Skandal: Einer, Richard Williamson, betätigt sich als Holocaust-Leugner, der Aufschrei war groß.

Nun waren die vier nicht mehr exkommuniziert, ihre Weihe und damit auf das Ausüben des sakramentalen Dienstes blieb aber unerlaubt. Das ist eine kirchliche Besonderheit: Unerlaubt, aber gültig. Weihe ist Weihe, daran kann auch das Kirchenrecht nichts ändern, aber die Ausübung kann es regeln. So waren die vier nach der Aufhebung der Exkommunikation auch nicht einfach normale katholische Bischöfe, sie gehören einer kirchlich nicht anerkannten Gemeinschaft an und keinem Bistum, sie hätten ihren Dienst einschließlich des Feierns der Eucharistie nicht ausüben dürfen. Sie sind „a divinis“ suspendiert. Die von ihnen geweihten Priester übrigens auch. Dass sie es trotzdem eifrig taten, spricht in meinen Augen Berge über ihren Respekt für die Tradition, für die sie sich doch angeblich so einsetzen.

2012 war Williamson aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen worden, als Grund war Ungehorsam angegeben worden. Eine interessante Begründung für eine Bruderschaft, die selber unerlaubt Messen feiert. Seine Ansichten sind weit, weit draußen und eigentlich nicht einmal mehr durch Widerspruch ernst zu nehmen: Studium für Frauen? Gleichberechtigung? Die Offizielle Version der Anschläge von 2001? Nichts ist wirr genug, als dass er es nicht vertreten hätte. Von der Leugnung des Holocaust ganz zu schweigen, die kommt ganz oben drauf auf die Liste.

Der Vatikan forderte ihn ultimativ zum Widerruf auf, was er erst nicht tat, weil er „Beweise sichten wolle“, schließlich bedauerte er nur die Wirkungen seiner Ansichten, nicht die Ansichten selbst. Schöne Reue.

Allein, Grund für eine erneute Exkommunikation ist das nicht. Seine Weihe in dieser Woche schon: Im brasilianischen Kloster Santa Cruz in Nova Friburgo weihte er Christian Jean-Michel Faure, einen gleichaltrigen ebenfalls ehemaligen Piusbruder, zum Bischof. Noch einmal das Kirchenrecht aus dem Abschnitt über die Sakramente: Canon 1013 — „Keinem Bischof ist es gestattet, jemanden zum Bischof zu weihen, wenn nicht zuvor der päpstliche Auftrag feststeht“.

Außerhalb, ja weit draußen und nicht mehr auf gut katholischem Grund und Boden stehend, so hat er sich nun festgelegt und mit der Weihe die Konsequenz gezogen. Schade für die, die dem Mann auf den Leim gehen.

 

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15 Kommentare zu Er will nicht dazu gehören

  1. Brigitta sagt:

    Eine Frage zur Verständigung: die bischofsweihe ist doch ein Teil des gesamten weihesakraments und damit kein eigenes Sakrament? Oder liege ich da falsch? Ansonsten ist dem Artikel nichts hinzuzufügen

  2. Suarez sagt:

    Die ganze Piusbruderaffaire zeigt auch nochmal deutlich, dass man sich theologisch nochmals Gedanken machen muss zur GÜLTIGKEIT der Weihen.
    1) Das Weihegebet der Bischofsweihe wurde in der für die sakramentale Gültigkeit absolut notwendigen Form von Paul VI. geändert (und auch durch Benedikt XVI. in Summorum Pontificum nicht wieder zugelassen – bei der Weihe gilt die Aufhebung des alten Ritus durch Paul VI. nach wie vor).
    2) Das 2. Vatikanum hat ausdrücklich die KOLLEGIALITÄT der Bischöfe als zum Dogma gehörig gelehrt. Dieses Dogma lehnen die Piusbrüder aber ab – damit ist auch die rechte Intention nicht mehr bei der Sakramentenspendung gegeben.
    3) Ein Piusbruderbischof kann nicht in ein Kollegium aufgenommen werden, an dessen Existenz er gar nicht glaubt.

  3. Johannes sagt:

    Das Europa-Parlament ist nun dem so genannten Tarabella-Bericht gefolgt und hat Abtreibung als ein „Menschenrecht „beschlossen“. Da diese Institution ja nun kein Stammtisch in Kleinkleckersdorf ist, hat Papst Franziskus seine Barmherzigkeit sicher auch gegenüber den ungeborenen Kindern gezeigt und an geeigneter Stelle scharf gegen diese Entscheidung protestiert. Könnten Sie bitte veröffentlichen, an welcher Stelle man diesen Protest finden kann. Danke!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das hat zwar mit meinem Text nichts zu tun, aber gerne antworte ich ihnen: Der Papst äußert sich immer und immer wieder gegen die Kultur des Wegwerfens und nennt immer drei Menschengruppen, die Ungeborenen, die jungen ohne Perspektive und die alten Menschen, denen ihre Würde genommen wird. Das gehört zusammen und ist ständiges Thema bei Papst Franziskus.
      Ansonsten äußert sich der Papst selber nie direkt zu innerstaatlichen oder zwischenstaatlichen Abkommen oder Gesetzen.

  4. Elasund sagt:

    „Unerlaubt, aber gültig“ Könnte man das „gültig“ mit „Weitergabe der apostolische Sukzession“ übersetzen oder ist das wieder was völlig anderes?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Nein, das ist genau richtig, wenn ich das richtig verstehe. Deswegen ja auch die Bedingung, dass der Papst eine Weihe erlauben muss: Das liegt in der Sukzession begründet.

  5. Brigitta sagt:

    Aber das mit der Sukzession treibt auch seltsame Blüten. So stehen die evangelischen Bischöfe in der Sukzession (warum weiß ich nicht mehr) und es gibt deshalb evangelische Pfarrer in Deutschland, die nach ihrer Ordinations hier sich wegen der Sukzession noch mal in Schweden ordinieren lassen, weil sie in dieser sukzession stehen wollen

    • Pater Hagenkord sagt:

      So sicher ist das gar nicht; auch die Anglikaner sehen das so, aber zur Sukzession gehört auch das Dazugehören, wenn man sich also als Kirche trennt, finde ich es irgendwie merkwürdig, diese Sukzession unbeding in Anspruch nehmen zu wollen.

  6. Brigitta sagt:

    Sehe ich ähnlich aber es zeigt für mich auch das innere leiden an der Trennung der Kirche.

  7. Matthieu sagt:

    Sehr geehrter Pater Hagenkord,
    vielen Dank für Ihren Blog und Ihre sehr lesenswerten Artikel!
    Erlauben Sie mir aber auf zwei Schreibfehler hinzuweisen:
    Zum einen müsste es im 2. Absatz: PiUsbrüder heißen. Und der verstorbene Erzbischof schrieb sich LeFebvre.
    Vielen Dank nochmal und Gottes Segen für Ihren Dienst!

  8. Kosmas sagt:

    Gut, dass es Herrn Williamson gibt; bis 2012 gehörte er offenbar als einer ihrer Bischöfe zu den Piusbrüdern. Extreme verdeutlichen etwas und helfen zu begreifen, worum es dort geht. Ideologie wird in eine Organisationsform überführt und damit akzeptabel gemacht; ein idealer Ort für solche ideologischen Persönlichkeiten und für Leute, die Probleme mit der Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit unserer Welt haben. Was mich wirklicht erstaunt, ist dass sie meinen das hätte was mit dem Evangelium zu tun. Aber vielleicht meinen sie das ja auch nicht; sie reden ja auch mehr von der Lehre.

  9. benedetto05 sagt:

    Die Beweggründe des Bischofs sind primär nicht „nicht mehr dazugehören
    zu wollen“ sondern er möchte „sein Werk“ über seinen Tod hinaus fort-
    gesetzt wissen. Daher die vom Papst nicht erlaubte Bischofsweihe. Die
    Exkommunikation nimmt er dafür billigend in Kauf.

    Ungehorsam ist immer problematisch. Ich persönlich kann aber den Ungehorsam
    der Piusbrüder und auch von Bischof Williamsen eher nachvollziehen, als das
    ungehorsame Verhalten einiger Priester und Diakone in Deutschland und Österreich,
    die sich zu Ungehorsamsinitiativen zusammengeschlossen haben und wiederverheirateten
    Geschiedenen entgegen dem Kirchenrecht die Kommunion spenden. Auch die in diesem
    Zusammenhang zu nennende sog. „Freiburger Handreichung“ ist ein Dokument des
    Ungehorsams, das ich nicht akzeptieren kann. Es wurde auch vom Präfekten der
    Glaubenskongregation abgelehnt. Hier würde ich mir aus Rom aber noch klarere
    Stellungnahmen und auch Sanktionen wünschen.

    • Kosmas sagt:

      Werter Benedetto05, gibt es Ihrer Meinung nach auch einen Gehorsam gegenüber dem Evangelium?

      • benedetto05 sagt:

        Ja Kosmas, den gibt es natürlich. Und bezogen auf den von mir an-
        gesprochenen Kontext bedeutet das, daß Jesu Worte zur Ehe, zu
        Ehescheidung und -bruch Ernst genommen werden müßen („Was Gott verbunden hat,daß darf der Mensch nicht trennen.“ und „Nur weil ihr (die Juden) so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.“ (Mt 19,8).

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