Es gibt immer eine Tür, die nicht ganz zu ist

Donald Trump kommt nach Rom und trifft Papst Franziskus. Am Mittwoch ist es soweit, während also 70.000 Pilger oder so versuchen, für die Generalaudienz auf den Petersplatz zu kommen, werden viele Straßen gesperrt sein, um die Prozession von Autos durchzulassen. Bei Obama zuletzt waren es 40 Autos, die sind unter meinem Fenster durchgefahren, eine ganze Reihe von denen muss man eher als Kleinpanzer bezeichnen denn als Auto. Das alleine lässt uns Römer seufzen. Obwohl: Vorgestern kreiste der bekannte weiß verzierte US-Präsidenten-Hubschrauber über der Stadt, es gibt also Hoffnung, dass das Chaos vermieden wird.

Aber das ist natürlich nicht das wirkliche Problem.

Papst Franziskus und Donald Trump werden zwar – in meinen Augen fälschlicherweise – in ihrer Amtsführung miteinander verglichen, aber in ihren Inhalten könnten sie verschiedener nicht sein. Internationale Solidarität und Migranten, Waffen und Handel, Armut und Kapitalismus, was auch immer man zückt, die beiden scheinen an jeweils dem anderen Extrem voneinander entfernt zu stehen.

Der Raum des Politischen: der Papst betritt den US-Kongress, September 2015

Der Raum des Politischen: der Papst betritt den US-Kongress, September 2015

Für einen Vatikan-Journalisten wie mich, der versuchen muss, sich im Vorfeld einen Überblick zu verschaffen und Erwartungen zu klären, ist das aber aber vor allem eine Frage zu Donald Trump. Er scheint für Dinge zu stehen, redet und twittert auch dauernd darüber, aber passieren tut in den USA zur Zeit wenig.

Da ist zuerst die schiere Menge. Dauernd ist da was, immer zornig, nie ausgewogen, immer „great“, „biggest“ oder das Gegenteil, „total failure“ und so weiter. Das sind Überwältigungsversuche, keine Gesprächsangebote oder Werbung für seine eigenen Überzeugungen und Politiken.

 

Chaos und Tweets

 

Dann ist da das Chaos, von dem wie lesen und hören. Ungläubig schaue ich jeden Morgen auf den Bildschirm und lese, was am vergangenen Tag in den USA rund um das Weiße Haus alles passiert ist. Da ist die Kommunikationsweise, das Tweeten und Reden, das – sagen wir – öfters mal eher phantasievoll denn realitätsnah ist.

Dann sind da auch noch die Lügen zweiter Ordnung, also die so genannte Berichterstattung in einigen Medien. „Alternative Fakten“ sind ja als Begriff geworden, und das ist schlimm. Was da alles zusammenbehauptet wird, macht einen normalen Menschen hier auf dieser Seite des Atlantiks fassungslos.

Neulich war ich bei einer Konferenz, bei der – per Video – eine ganze Menge europäischer Korrespondenten aus Washington berichtet haben. Ihre Panik: Sie können nicht mehr aus der Stadt weg. Anstatt aus dem ganzen Land zu berichten, müssen sie in der Nähe des Weißen Hauses bleiben, weil buchstäblich täglich was passiert.

 

Nicht christlich?!

 

Das macht es auf der einen Seite einfach, weil das Material für die News frei Haus geliefert wird. Auf der anderen Seite aber blendet es so viel von der Realität des Landes aus, die wir eigentlich berichtet haben müssten, um zu verstehen, wie es so weit hat kommen können.

Zurück nach Roma: Meine größte Sorge gilt befürchte ich dem Tweet danach. Was wird Trump über das Papst-Treffen twittern? Und wird das irgendwie verständlich sein? Mit der Realität zu tun haben? Werden Worte wie „Great“, „Huge“, „big“ oder „best ever“ drin sein?

Der Papst hat auf den Besuch angesprochen gesagt, dass er davon ausgeht, dass es immer eine Tür gibt, die nicht ganz geschlossen ist. Übereinander haben sie schon gesprochen, der Papst über das Mauerbauprojekt – „das ist nicht christlich“ – und Trump in seiner Antwort, dass er das unanständig findet, was der Papst gesagt hatte. Nun werden sie also das erste Mal miteinander reden. 29 Treffen hat es zwischen Päpsten und US-Präsidenten bereits gegeben, einen wunderbaren Überblick bietet Cruxnow.

Falls sich die Vorbereiter im Weißen Haus die Rede von Papst Franziskus vor dem US-Kongress durchgelesen haben, dann dürften sie wissen, was der Papst den USA zu sagen hat. Da steckt Ermutigendes drin, aber auch eine Menge Stoff, gegen den zu twittern sich lohnen würde.

 

Martin Luther King

 

In seiner Rede sprach er über vier große Gestalten der US-Geschichte, unter anderem Martin Luther King. Seine Botschaft: „Their problems are our problems“, also Verantwortung übernehmen für andere Menschen, auch wenn mich oder uns deren Probleme erst einmal nichts angehen. Das ist der Kern des Politischen, das richtet sich gegen Abgrenzung und Ausgrenzung und gegen Mauern.

Nach der Kongress-Rede hat Papst Franziskus noch einmal auf Dr. King zurück gegriffen, in einem langen Zitat in Amoris Laetitia, „Eine andere Weise, in der du deinen Feind liebst, ist diese: Wenn sich die Gelegenheit bietet, deinen Feind zu besiegen, ist genau dies der Moment, in dem du das nicht tun darfst”. Auch das wieder Ausdruck einer Haltung, wie sie eher selten bei Politikern zu finden ist.

Ob das Treffen zwischen Papst und Präsident etwas „bringt“? Keine Ahnung, das müssen wir abwarten. Auf jeden Fall aber ist es gut, dass der Papst immer auf Dialog setzt. Das ist letztlich der einzige Weg, die von ihm beschriebenen Haltungen in die Debatte zu bringen. Und persönlich geht das allemal besser als in einem Tweet.

 

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13 Kommentare zu Es gibt immer eine Tür, die nicht ganz zu ist

  1. Carmen Fink sagt:

    Pater Hagenkord sie nehmen mir die Worte aus den Mund ;), genau das frage ich mich auch „Was kommt danach“ ich befürchte leider nicht viel. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf, denn Papst Franziskus ist ein unwiderstehlicher Künstler Herzen zu erreichen zu bewegen. Lukas 8,11–15.

    Dieser Waffendeal mit Saudi Arabien ist ein Schlag ins Gesicht für die Menschheit.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Ich finde nicht, dass dieser Waffendeal ein Schlag ins Gesicht der Menschheit ist, er zeigt nur wie wenig Einfluss die Menschheit auf einzelne Personen nehmen kann, wenn das Wort Macht sie präsentiert, ohne die dafür geforderte Menschlichkeit an den Tag zu legen.

      Für mich ist Donald Trump eine Witzfigur im Kabinett der Macht, die sich ihres eigenen Systems bedient und dabei vergisst, dass wir einem höheren System entnommen sind, das wir zwingend brauchen, um zu überleben.

    • Epiktet sagt:

      Ach ja, ein „Schlag ins „Gesicht für die Menschheit“? Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Seinen werfen, heisst es doch. Es gibt Länder die machen das eben „subtiler“. Heckler und Hoch Holding schon einmal gehört? Aber sicher doch! 500 Millionen (2016) von Deutschland sind ja nichts dagegen. Und dann kommt noch das Totschlagargument Arbeitslose. Wer schlägt hier eigentlich wem ins Gesicht?

      • Carmen Fink sagt:

        Sind ja nur „schlappe“ 110 Milliarden Dollar für das Geschäft. Wenn man überlegt was und wer da alles dran hängt finde ich den Begriff Menschheit in diesem Zusammenhang angebracht, denn die ist Eindeutig bedroht.

        Natürlich habe ich von Heckler und Hoch gehört ich wohne in BW 😉
        Ich gebe ihnen Recht alles subtiler, macht aber nichts besser. Ich weiß, dass ich hier hoch gegriffen habe, aber mal ganz ehrlich wo soll das alles noch hinführen.

        Gerade weil Trump so ist wie er ist macht ihn das so gefährlich.
        „Witzfigur“ hin oder her.

        • Carmen Fink sagt:

          Außerdem ist es ein Affront und eine eindeutige Sprache dieser Deal kurz vor dem Treffen mit PF abzuschließen.
          Aber ich bin mir sicher das Thema steht auf der Agenda des Papstes.

        • Epiktet sagt:

          Eine „Witzfigur“ ist ein Mensch, den man nicht ernst nimmt. Und lustig macht man sich auch noch. Trump ist keine Witzfigur, denn er ist mehr! Er ist unberechenbar, mit grossem Ego, dass schon pathologische Züge annimmt. Und er ist nicht der einzige! Wo das alles mit ihm und seinen „Gesinnungsgesossen hinführt? Schauen wir uns doch einmal um. Die Menschheit schafft sich seit Jahrzehnten schon selber ab. Und dafür braucht es noch nicht einmal Waffen. Sehr gewagte Aussage von mir, ich weiss, aber es ist so. Beispiele gibt es doch genug oder?

          • Epiktet sagt:

            Nachtrag
            Ich bin nicht unbedingt einer der Gerhard Kardinal Müller gerne in seiner jetzigen Position sieht. Aber man lese alleine (!) nur das Vorwort von ihm in Papst Franziskus: „Laudati si“. Da gehen einem schon die Augen auf. Und ich verstehe auch die teilweisen vernichtenden Urteile nicht. Genannt sei hier z.B.: „Jesus, der Kapitalist – Das christliche Herz der Marktwirtschaft“ von Robert Grötzinger/ FBV- Verlag. Wer dieses Buch gelesen hat, der weiss „woher der Wind“ weht.“

  2. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    Trumps Besuch in der Sixtinischenkapelle

    Ich hoffe, dass die Pinsel aus Michelangelos, „Das Jüngste Gericht“ Trump so tief in die Rippen fahren und die Worte aus Cosimo Rossellis „Sermone della Montagna“ die Sixtinische Kapelle ins Wanken bringt. Auch möchte ich noch Dante beschwörend bitten, eine Silbe seinem Werk hinzuzufügen.

    „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung erfahren!“

    Was könnte die kleine Silbe „er“ bewirken? Vielleicht sagt Trump: „Vater Franziskus, ich übergebe dir einen Koffer mit der ersten Posaune. Nimm sie in Gewahrsam. Ich und das Amerikanische Volk werden sie nicht anstoßen.“ Bestimmt kommen dann auch andere Weltenlenker, Denker, Völker und geben auch ihre Koffer ab.

    Ach ich träume schon wieder, aber es könnte doch so schön sein. Oder sollten wir alle zerstörte Städte und verbrannte Erde erleben? Eine göttliche Komödie life, das muss, das darf nicht sein.

  3. Mai sagt:

    Nun, er wird den Vatikan ’so amazing‘ wie das Disneyland finden.

  4. Resi sagt:

    Nach dem vorherrschenden Tonfall in diesem Thread
    scheint Respekt und christliche Nächstenliebe
    nur Gleichgesinnten vorbehalten zu sein.

    Das Studium der heiligen Schrift könnte hier durchaus bereichern.

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