„Es ist nicht möglich, dass eine Ordenschrist nicht mit der Kirche fühlt“

(c) Malek Homayonifar

(c) Malek Homayonifar

Das Amt und das Charisma sind zwei beliebte Topoi, die in der Geschichte der Kirche immer mal wieder gegeneinander gesetzt werden. Gefüllt werden sie gerne mit der Hierarchie der Kirche, dem Ausüben der Autorität und der Struktur auf der einen Seite und dem Charisma der Ordenschristen auf der anderen Seite.

Immer wieder gab es und gibt es Spannungen, meistens fruchtbar, ab und zu aber auch in Form eines Konfliktes, wie etwa zur Zeit in den Gesprächen zwischen dem Vatikan und einer der Vereinigungen von US-Ordensoberinnen (LCWR). In den vergangenen Tagen hatte sich bereits der Präfekt der Kongregation für die Ordensleute, Kardinal Joao Bráz de Aviz (selber kein Ordensmann) dazu geäußert.

An diesem Mittwoch traf nun Papst Franziskus, der selber aus einem Orden kommt, einen Kongress internationaler Ordensoberinnen. „Der Dienst der Leitung gemäß dem Evangelium” – unter diese Überschrift stellte der Papst seine Ansprache. Seine drei Gedanken, so der Papst, überlasse er dann der gemeinschaftlichen und individuellen Vertiefung: Erstens zu den evangelischen Räten, zweitens gegen den Karrierismus und drittens zur Kirchlichkeit.

 

Gehorsam, Armut, Keuschheit

 

Der erster Punkt des Papstes ist der, dass eine Berufung immer Initiative Gottes ist, nie vom Menschen gemacht oder gewählt. Daraus folge für Ordenschristen ein ständiger „Exodus aus uns selbst“, denn der Wille Gottes sei es, der zähle. Dieser „Exodus“ sei ein Weg der Anbetung und des Dienstes: Zwei Elemente des Ordenslebens, die nicht zu trennen seien. „Den Herrn anbeten und dem Nächsten zu dienen, nichts für sich behalten: Das ist die „Beraubung“ [spoliatio, ein Begriff aus der geistlichen Tradition der Orden: Beim Eintritt gibt das Neumitglied den alten Besitz an die Gemeinschaft] derer, die Autorität ausüben. Der Gehorsam sei das Hören auf den Willen Gottes, so der Papst, auf die inneren Bewegungen des Heiligen Geistes, deren Echtheit von der Kirche bezeugt würden: Das Hören auf den Willen Gottes und die Authentifizierung durch Gemeinschaft und Kirche – der Papst betont hier das klassische geistliche Verständnis von Gehorsam. Weder geben die inneren Regungen ohne die Gemeinschaft das Recht, das zu tun, was man für richtig zu halten meint, noch bedeutet der Gehorsam Unterwerfung unter den Willen eines anderen Menschen oder einer Institution. Der Heilige Geist wirkt durch das Zusammenspiel beider: „Der Gehorsam wird auch durch menschliche Instanzen vermittelt.“ Außerdem führt der Papst aus, dass sich das Verhältnis Gehorsam/Autorität im Spannungsfeld des Dienstes der Kirche finde und in dem Zusammenhang verstehbar wird.

Für die Armut gilt ähnliches: Der Egoismus wird durch die Logik des Evangeliums überwunden, es ist nicht unser Reich Gottes, es sind nicht die menschlichen Mittel, die es wachsen lassen. Armut sei Unterricht in Solidarität, im Teilen und der Nächstenliebe, man erlebe dort die Nüchternheit, sich über die wesentlichen Dinge zu freuen.

Die Keuschheit wiederum „erweitert die Freiheit der Hingabe an Gott an die Nächsten, mit der Zärtlichkeit, der Barmherzigkeit und der Nähe Christi.“ Sie habe ihren Ort in der „reifen Freiheit“ und sei ein Hinweis auf die kommende Welt. Damit ist eine fruchtbare Keuschheit, „Entschuldigt mich bitte, wenn ich so rede … [Applaus], aber diese Mütterlichkeit des geweihten Lebens ist wichtig, diese Fruchtbarkeit, die Ordensfrau ist Mutter, sie muss Mutter sein und keine alte Jungfer!“

 

Der Schaden durch Karrierismus

 

Der zweite Punkt des Papstes unterstreicht das Element des Dienstes in der Ausübung von Autorität. „Denken wir an den Schaden für das Volk Gottes, den die Männer und Frauen der Kirche anrichten, die Karrieristen sind, soziale Aufsteiger, die das Volk Gottes ‚benutzen’, die Kirche, die Brüder und Schwestern – denen sie eigentlich dienen sollen – wie ein Sprungbrett für die eigenen Interessen und die persönlichen Ambitionen.“ Autorität müsse immer begleitend, verstehend, helfend, liebend ausgeübt werden.

 

Absurde Dichotomie zu glauben, man könne mit Christus aber ohne Kirche leben

 

Drittens geht der Papst in seiner Ansprache auf die Kirchlichkeit ein: Sie ist eines der konstitutiven Elemente des Ordenslebens, eine Dimension, die einer ständigen Vertiefung bedürfe. „Es ist nicht möglich, dass eine Ordensfrau oder ein Ordensmann nicht mit der Kirche fühlt“. Dieses ‚Fühlen mit der Kirche’ drücke sich in Treue zum Lehramt aus, in der Gemeinschaft mit den Hirten und dem Nachfolger Petri, dem Zeichen der Einheit der Kirche.

Dieser Begriff, das „Fühlen mit der Kirche“, entstammt der geistlichen Tradition der Jesuiten, des Ordens des Papstes. Es taucht im Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola auf, der ihn zwar nicht erfunden, aber für die Tradition der Kirche geprägt hat. Eine Einführung von Medard Kehl SJ.

Zeugnis für das Evangelium abgeben sei niemals das Handeln eines Einzelnen oder einer Gruppe, so der Papst; das Handeln im Namen Christi geschehe nie „Kraft der persönlichen Inspiration, sondern in Einheit mit der Sendung der Kirche und in ihrem Namen“, zitiert Papst Franziskus seinen Vorgänger Paul VI. [Evangelii Nuntiandi, 80]. Es sei eine „absurde Dichotomie“ zu glauben, man könne mit „Christus aber ohne die Kirche leben, Jesus außerhalb der Kirche nachfolgen, Jesus zu Lieben ohne die Kirche zu lieben“. Und weiter: „Nehmt die Verantwortung wahr, die ihr für die Weiterentwicklung eurer Institute habt in der gesunden Lehre der Kirche, in der Liebe zur Kirche und in der kirchlichen Gesinnung.“

 

Dank für den Einsatz

 

Diese drei Hinweise auf das Ordensleben wolle er den versammelten Ordensoberinnen überlassen: Die Zentralität Christi und seiner Botschaft, Autorität als Dienst und das „Fühlen“ in und mit der Mutter Kirche.

Papst Franziskus fügt dem seinen Dank für den Einsatz in zu, der nicht immer einfach sei. „Was wäre die Kirche ohne euch? Es fehlten Mutterschaft, Zuneigung, Zärtlichkeit! Danke!“

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29 Antworten auf „Es ist nicht möglich, dass eine Ordenschrist nicht mit der Kirche fühlt“

  1. Arnd sagt:

    Häufig sind Differenzen und Streitigkeiten Ausfluss von Misstrauen. Franziskus ist vielleicht durch seine Verurteilung des Karrierismus, den die genannte Vereinigung der Ordensoberinnen vielleicht in autoritativen Weisungen der US-amerikanischen Bischöfe (ob zu recht oder unrecht) vermuten und durch seine Offenheit und die Herzlichkeit, mit der er von „fruchtbarer Keuschheit“ und Mütterlichkeit spricht in der Lage, Vertrauen zurückzugewinnen. Sicher lassen sich dann auch die Probleme lösen.

  2. Silvia Brückner sagt:

    Als ehemalige Klosterschülerin war ich immer davon überzeugt, dass Ordensfrauen Mütter im besten Sinne sein sollen und meistens auch sind.

    Dasselbe gilt meiner Meinung nach aber auch für unverheiratete, weltliche Frauen in sozialen und pflegerischen Berufen.

    • Chrisma sagt:

      Liebe Silvia Brückner, ich glaube wir sind eine Generation. Auch ich hatte das Glück von katholischen Ordensschwester „schulisch“ erzogen worden zu sein. Mütterlich waren sie nicht. Sie waren und sind hochgebildete Frauen (Schwestern der Maria Ward CJ), die uns Bildung und nochmals Bildung vermittelt haben, so konnten wir qualifizierte Berufe erlernen dafür danke ich sehr. Das „mütterliche“ sorgende Prinzip können auch Frauen in sich tragen die unverheiratet sind und in „normalen“ Berufen arbeiten. Auch Männer manchmal, (Anzahl steigend) … Ihnen alles Liebe

  3. Voluntarius sagt:

    Zitat: Absurde Dichotomie zu glauben, man könne mit Christus aber ohne Kirche leben.
    Absurd = widersinnig, dem gesunden Menschenverstand widersprechend, abwegig, sinnlos
    Dichotomie = Zweiteilung; zweigliedrige Einteilung; Zweigliedrigkeit

    Alleine die Verwendung der Floskel/ Wortverbindung „Absurde Dichotomie“ halte ich für eine verächtliche Diskriminierung in Bezug auf die informationelle und persönliche Selbstbestimmung/ -findung von Personen in ihrer „Gott-Ähnlichkeit“ als menschliche Abbilder Gottes selbst , die eine andere Meinung vertreten als das Kath. Kirchenamt in Persona Papst Franziskus.
    Jesu Worte waren: “Glaube und folge mir nach“.
    Jesus hat aber jedem seine persönliche Wahl gelassen.
    Und was tut diese unsere Kirche?
    Sie macht alles von einer finanziellen Mitgliedschaft abhängig ohne dabei auf den freien Willen ihrer Kirchenmitglieder Rücksicht zu nehmen.
    Kirchengesetze, Dogmen, Sakramente hat es bei „Jesus dem Christus“ nicht gegeben. Alles eine Erfindung der Röm. Kath. Amtskirche?! Er lehrte sie Regeln der Hl. Schrift und des menschlich Zusammenlebens, entscheiden durften sie aber selbst.
    Was macht unsere Röm. Kath. Amtskirche?
    Jesus Christus hat nie, weder von seiner Kirche, noch von einer Institution Kirche, noch von einem kirchlichen Amt, noch von Päpsten, noch von Bischöfen, von Ordensgemeinschaften oder gar Priestern und Diakonen in Bezug auf seine Apostel- und Jüngerschar gesprochen. Diese Begriffe sind m. E. alles Wort- und Sinngebilde, die die Hierarchie in der Röm. Kath. Kirche erklären und später auch legitimieren sollten.
    Bei „Jesus dem Christus“ ihrem Herrn und Meister waren alle Menschen gleich und gleichberechtigt. Er hat auch nicht zu ihnen unter Verwendung von Fremdsprachen bzw. Fremdsprachenfragmenten, wie o. a., gesprochen, sondern in der Sprache (Mutter-/ Landessprache), die sie verstanden. Wenn er dem einen oder andern eine selbstverantwortliche Führungsrolle innerhalb der Urkirche gegeben hat, sagt dies aber noch lange nicht, dass er diese höher stellen wollte (also keine Hierarchie).
    Könnte es sein, dass sich diese Institution im Hinblick auf den gläubigen Christen als Mensch, auf Macht- Führungs- und Restriktions- und Weisungsanspruch gar nicht auf die Gläubigen zu bewegen will, um liebgewordene Annehmlichkeiten nicht zu verlieren? Ich hoffe nur, dass der „Dreifaltige Gott möglichst schnell eingreift und den Hl. Geist kräftig im Sinne unserer Gemeinschaft der gläubigen Christinnen und Christenwirken lässt!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ich freue mich darauf, zukünftig Ihre Beiträge auf aramäisch zu lesen, der Sprache Jesu.

      • Famulus sagt:

        Wenn Sie der aramäischen Sprache unseres Herrn Jesus Christus kundig sind, lieber Pater, dann freue ich mich auf Ihre Übersetzung der Heiligen Urschriften in die deutsche Sprache. Wie viele Übersetzungsfehler werden dann, GOTTLOB, die Gemüter nicht mehr erhitzen können. Halleluja.

    • KRP sagt:

      Kann ich nachempfinden, Voluntarius.

  4. Pater Hagenkord sagt:

    Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Orientierung des eigenen Lebens am Evangelium und der Illusion, in der Zeit Jesu leben zu können. Das Christentum hat eine Geschichte, und die ist konkret und mit der müssen wir umgehen, denn sie ist genau so Teil unseres Glaubens wie das, was wir sonst von unseren Vätern und Müttern im Glauben bekommen haben.
    Jesus hat keinen Computer benutzt, ist das das Niveau, auf das Sie herab wollen? Wer außerhalb der Kirche leben will, der soll das bitte tun, der muss dann aber auch erklären können, warum Jesus seinen Jüngern den Auftrag zur Verbreitung des Glaubens gab. Denn das ist eine ganz klare Gemeinschaftsbildung, vom Abendmahl und der Zwölfzahl der Bibel, die das Volk Gottes bezeichnet, einmal ganz abgesehen.
    Ich wiederhole, es ist eine Illusion zu glauben, unseren Glauben könne es ohne die Kirche geben, welche christliche Kirche das auch im Einzelnen sein mag.

    • Voluntarius sagt:

      Ich will nicht, dass wir gläubigen Christinnen und Christen uns auf das weltliche Niveau des „Jesus der Christus“ in der damaligen Zeit herab sollen. Aber die Besinnung auf das geistige, sittliche und menschliche Niveau der Lehre unseres „Jesus der Christus“, die Hl. Urschrift des Neuen Testamentes. Weiterhin die Berücksichtigung der für Jesus Christus relevanten Urschriften des alten Testamentes, die er nach dem Willen seines Vaters in seine Lehre des Neue Testamentes einfließen lässt. Bringt endlich die Bibel des Neuen Testamentes auf das Niveau, dass Gott Vater in der Einheit mit Jesus Christus uns gläubigen Christen anheim gelegt hat. Keine Verfälschungen, keine philosophischen Einflüsse, keine Einbeziehung von machtrelevanten Vorgaben der Röm. Kath. Amtskirche oder sonstige für die Wahrheit unseres Glaubens kontraproduktive Maßstäbe sollen künftig für unseren „Christlichen Glauben noch zielgebend sein.
      Die Gemeinschaft von der Sie sprechen ist nicht die Röm. Kath. Amtskirche, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen Christinnen und Christen nach den Vorgaben unseres Messias „ Jesus der Christus“. Wenn ich der Röm. Kath. Amtskirche aber die Stirn biete ist sie au monetären Gründen gnadenlos und entreißt mir die Gemeinschaft der Gläubigen aus Racheüberlegungen. Wir wollen endlich wieder von Gott geliebte Abbilder seiner selbst sein, die in der Lehre Jesu Christi leben und nach eigener Entscheidung im Glauben die ewige Herrlichkeit im Dreifaltigen Gott finden und erreichen können. Alles dies ohne institutionelle Knebel und in freier Entscheidung nach der Lehre unseres „Jesus der Christus“.
      Wenn ich mich auf Gott und Jesus Christus als Mensch einlasse und mit ihm zu gehen versuche, muss ich überhaupt nichts und niemandem erklären.
      Dann sind diese beiden meine alleinigen Bezugspunkte.
      Ihre Behauptungen betrachte ich deshalb aus dem Reich der Mär.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Aber genau das ist doch die Illusion. „Christus“, „christlich“ und „Messias“ sind alles Fremdworte die Zeigen, dass unser ganzer Glaube eine Geschichte hat, die wir nicht überspringen dürfen und die zu überspringen grob fahrlässig wäre. Auch die „Urschriften“, das Alte Testament – wie wir Christen es nennen – lag den Schreibern der Texte des Neuen Testamentes nicht in der Urform vor bei genauer Textbetrachtung stellt man fest, dass sie die so genannte Septuaginta, also die griechische Übersetzung, kannten. Alles voller Geschichte, die wir nicht überspringen dürfen hin zu einem imaginären Jesus.
        Und was die Philosophie angeht: Das zurück zu den Quellen ist selbst so eine Philosophie, erstmals in der Renaissance entwickelt und in seiner aktuellen Form im 19. Jahrhundert geprägt.
        Um es theologisch mit dem heutigen Tag zu formulieren: Jesus ist in den Himmel aufgefahren, wir haben keinen direkten Zugang mehr zu ihm außer durch den Heiligen Geist. Und ich denke, dass Gott wusste, was er tat, als er uns seinen Auftrag anvertraute: Die Geschichte gehört zu uns.

        • Andreas sagt:

          Das „Zurück-zu den-Quellen“ war offenbar Karl Rahner SJ wichtig, als er sich zurückgezogen intensiv mit den Originaltexten der Kirchenväter befasste.

        • Andreas sagt:

          Die Geschichte der Kirche ist ohne die Geschichte der Menschheit und diese ohne eine evolutionäre Naturgeschichte nicht denkbar. Die Geschichte der Kirche auf Erden verdankt sich der „Erfindung“ des Universums und seiner Expansion. Wenn man sie und ihre Inhalte davon abkoppelt, wird sie unbegreiflich.

    • Guardianus sagt:

      Lieber P.Hagenkord, ich teile die Worte des geehrten Voluntarius und wundere mich über Ihren Seitenhieb dazu und ich glaube auch, dass es ein falsches Verstehen Ihrerseits ist, darin Sie meinen, dass diese oder jene der Illusion erlegen sind, in der Zeit Jesu zu können. Die Orientierung des eigenen Lebens am Evangelium führt eben nicht in eine Illusion, in der Zeit Jesu mit Ihm leben zu wollen, sondern in der Gleichzeitigkeit mit Ihm, d.h. diesen Mann aus Nazareth nicht zu einer Geschichtsfigur werden zu lassen, sondern hier in diese Zeit hereinzuholen, als eben das Ewige Wort des Vaters. Das ist in der Tat ein gewaltiger Unterschied. Auch werde ich wohl Famulus recht geben dürfen, darin eben gerade die aramäische Sprache nicht in ein konkretes z.B. Deutsch übersetzt werden kann, sondern eben eine sehr lebendige Sprache ist, deren Wurzel wohl in kein Wort dieser Welt wirklich übersetzt …. ganz zu schweigen davon: dogmatisiert werden kann.
      Wenngleich der Herr keinen Computer benutzt hat und auch heute noch keinen benutzen würde, so hat Er doch auch keine Festung gebaut. Noch weniger hat Er Ländereien besessen, sondern seinen Aposteln des Auftrag gegeben in alle Welt hinaus zu gehen, das Evangelium vom Kommen Seines Reiches zu verküden, Kranke in, mit und durch Seinen Namen zu heilen, darin vielleicht gerade ein Apostel allein schon von diesem Glauben noch weit entfernt ist, bzw. sich vielleicht dieserhalb gar nicht mehr angesprochen fühlt.
      Wenn wir schon in der Wahrheit bleiben wollen, dann in der ganzen Wahrheit, die eben auch (wenigstens) zu glauben ist, wenn wir diese schon nicht tun.
      Sie enttäuschen mich, P. Hagenkord…..was ich als sehr schmerzhaft empfinde: Ihretwegen!

      • Pater Hagenkord sagt:

        Jesus hat Aramäisch gesprochen, die Bibel ist Griechisch geschrieben, allein dieser Sprung macht deutlich, dass es ohne Tradition und ohne Gemeinschaft nicht geht. Ich bin völlig einverstanden: Jesus darf keine Geschichtsfigur werden. Aber er ist eben nicht so gegenwärtig, wie er es seinen Jüngern war, das feiern wir heute am Fest Christi Himmelfahrt.
        Ich kann mir nicht einfach die Dinge aussuchen, die mir passen, und den Rest in der Akte „Schuld der Vorväter und -mütter“ ablegen. So funktioniert der Glaube nicht. Geschichtslosigkeit ist ein grobes Verkennen eines Teils der Welt, in die hinein Gott schließlich Mensch geworden ist.

        • Guardianus sagt:

          Ohne jeden Zweifel teile ich Ihren Glauben, dass Jesus Christus nicht mehr so unter uns weilt, wie Er im Kreise Seiner Jünger weilte, was eben auch nicht heisst, dass Er heute weniger unter uns weilt, als vielmehr -so denke ich- wesentlicher als damals und eben in Seiner vollen und ganzen Wahrheit: „Gott ist Geist….“
          Natürlich hat der Mensch eine Geschichte: seine eigene wie auch eben eine globale Geschichte aus der uns aber offenkundig der Herr wesentlich herausführern will, da wir ja zum einen nicht zurückschauen und zum anderen auf unseren ganzen Besitz verzichten sollen, zu dem eben die eigene Geschichte wie die des Menschen insgesamt zählt, wenn ich den Herrn einmal in dessen ganzen Radikalität verstehen will. Logischer Weise, werde ich dann wohl „meine“ Geschichte los sein, darin ich kein grobes Verkennen eines Teiles dieser Welt sehe, sondern eben die Gegenwart Gottes und die Begegnung mit Ihm -dem Wort Gottes- in rechter Weise habe erkennen und würdigen dürfen, darin „ich“ „mich“ eben für Seine Gegenwart entscheide: ein „neues Leben“ beginnen darf, das eben insoweit -naturbedingt- noch keine Geschichte hat und erst noch eine Geschichte schreiben muss…..gemeinsamt mit Ihm und sich deshalb durchaus von der bisherigen Geschichte unterscheidet. Da Sie mir nun sagen können, wie Glauben nicht funktioniert, so können Sie mir sicherlich auch sagen und mitteilen, wie Glauben funktioniert, darin wir wohl beide zum Ergebnis kommen, dass Glauben der Gehorsam in Gottes Wort ist. Und wenn Er eben sagt, dass wir auf unseren ganzen Besitz verzichten und nicht zurückschauen sollen, sondern auf Ihn, auf den Weg, und nach vorne auf das Ziel (was Er ebenfalls ist), dann mache ich das halt, auch wenn es in Ihren und der Kirche Augen ein grober Verstoß ist…..

          • Pater Hagenkord sagt:

            Ich verstehe kein Wort von dem, was sie da schreiben. Wieso soll ich das alles als Verstoß sehen wollen? Ich wende mich nur gegen eine Geschichtslosigkeit, die meint, auf die konkrete Gemeinschaft der Christen heute und durch die Jahrhunderte verzichten zu müssen und nur sich selbst und Jesus kennt. Da fehlt was.

          • Voluntarius sagt:

            @ Guardianus

            habe Ihnen schon mehrmals geantwortet, aber Pater Hagenkord hat schon mehrmals meinen Blog-Beitrag nicht eingestellt. Vielleicht habe ich etwas zu deutlich meine Meinung gesagt. Aber das Verhalten von P. H. festigt nur meine negative Einschätzung von seiner und der vatikanischen Institutspraktik, was sich bei mir auch negativ auf meine Einschätzung des Röm. Kath. Kirchenamtes auswirkt.
            Irgendwo habe ich da mal etwas von Nächstenliebe und Werten gehört.
            Wollte Ihnen nur sagen:
            Lieber Guardianus, danke für Ihre Hilfestellung. Ich muss Ihnen sagen, dass ich von P. H. nicht mehr enttäuscht bin, weil ich ihn nach kurzer Zeit im Blog schon so eingeschätzt habe, wie er sich manchem Blogger hier gegenüber gibt. Ich kann aber Ihre Enttäuschung verstehen. Manchmal überlege ich und frage mich auch, sind u. U. Meinungen von uns einfachen Christinnen und Christen in diesem Blog gar nicht erwünscht?
            Ihre Beitrage verstehe ich, weil sie vom wahren gelebten Wort Gottes und von der Urlehre unseres „Jesus der Christus“ geprägt sind und deshalb gefallen sie mir! Mit einigen anderen Beiträgen und vor allem mit vielen vom Meister tue ich mich oft wesentlich schwerer.
            Wer nicht verstehen will, wird nie über seinen Schatten springen.
            Bitte bleiben Sie so, wie Sie sind!
            Ihnen Gottes Segen, lieber Guardianus. Man blogt gelegentlich wieder. Bis bald.

  5. Chrisma sagt:

    Die Orden sind auch heute noch das wichtigste „Standbein“ unserer Kirche. Ich habe das Glück in einer Stadt zu Leben in der zwei sehr starke Orden mit ihren Stadtklöstern beheimatet sind. Dominikaner und Franziskaner. Sie gestalten die die Arbeit mit den Ärmsten absolut vorbildlich. Beide Orden leisten eine gute spirituelle Betreuung. Das soziale Leben in unserer Stad wird durch sie entscheidend geprägt. Das spirituelle Leben ohne die „Jungs“ wäre arm, sehr arm.
    Die kleine Einführung von Medard Kehl SJ habe ich gelesen und dabei wurde ich an H. de Lubac erinnert, der irgendwie in meinen Hinterkopf verschwunden war. Dem Himmel sei Dank nicht aus unserem Bücherregal. (Daneben stand Teilhard de Chardin). „Kirche, ein Betrachtung“ liegt nun auf dem Stapel: bis Weihnachten lesen.“
    Einen Satz möchte ich doch aus dieser kleinen Einführung besonders zitieren, da er genauso gut in den vorherigen Block „ Es geht nicht um uns“ passt. Eigentlich noch ein wenig besser: “ Der kritische Blick auf die institutionelle Kirche wird so sehr zum Vorzeichen jeglicher Kirchenwahrnehmung und Kirchendiskussion, dass eine tiefverwurzelte, wirklich unbezwingbare Freude an der Kirche mehr und mehr abhandenkommt oder erst gar nicht mehr entstehen kann. „

    • Voluntarius sagt:

      Hallo, geehrte Chrisma,
      warum soll es denn nicht auch mal positive Ausnahmen in der Röm. Kath. Kirche und ihren Organisationen geben?
      Mehr freut mich aber und ich hoffe ich täusche mich nicht, mal wieder etwas von einer ehemaligen streitbaren , aber liebenswert im Glauben diskutierenden Mitbloggerin zu hören. Ich hoffe, es geht Ihnen gut?! Mehr wird nicht verraten.Ihnen ein schönen Feiertag an dem wir die Rückkehr des Sohnes zum Vater feiern. Leben Sie wohl! Bis bald wieder und Gottes Segen für Sie!

    • Voluntarius sagt:

      Zitat:
      Der kritische Blick auf die institutionelle Kirche wird so sehr zum Vorzeichen jeglicher Kirchenwahrnehmung und Kirchendiskussion, dass eine tiefverwurzelte, wirklich unbezwingbare Freude an der Kirche mehr und mehr abhandenkommt oder erst gar nicht mehr entstehen kann. “

      Sorry, hätte diesen weisen Satz vor Freude beinahe überlesen.
      Aber dieser letzte Satz von Ihnen aus „Die kleine Einführung von Medard Kehl SJ“
      ist sehr treffend für den Zustand unserer Kirche.
      Schade aber, dass viele unserer Kleriker solche Lektüre scheinbar gar nicht kennen. Aber dafür haben wir ja , Gott sei Dank, Sie. Danke sehr!

      • Chrisma sagt:

        Lieber Voluntarius, oder ??Liebe??, streitbar bin ich in der Tat, für das liebenswert danke ich. Eine kleine Korrektur: wir haben nicht „mich“, sonder Pater Hagencord der uns diesen(gesamten) Text zur Verfügung gestellt hat. Sie täuschen sich allerdings, ich bin brandneu in diesem Blog, der mir aber sehr viel Freude bereitet und gute Anregungen vermittelt. So nun geht raus zur Prozession….

  6. Andreas sagt:

    @ Pater Hagenkord
    Eine Anmerkung am Rande: Die Zwölfzahl dürfte einen älteren Ursprung als die Bibel haben. In ihr verdichtet sich die Urerfahrung des Menschen, dass sich der Lebensraum vertikal entlang der Schwerkraftwirkung in eine Ober-, eine Erd- und eine Unterwelt und in der Ebene des Horizonts, wo sich diese drei Welten berühren, in vier bevorzugte Himmelsrichtungen einteilen läßt. Die Zahl 12 als Produkt von 3 x 4 spannt also die dreidimensionale natürliche Lebens- und Erfahrungswelt des Menschen auf. In diesem Sinne hat die Zwölf einen das Ganze betreffenden Symbolcharakter. Eine andere Widerspiegelung der Zwölf findet sich in den Sternkonstellationen des Zodiakus, der als Weg der Sonne durch die Jahreszeiten, gleichfalls älteren Ursprungs als biblische Texte ist. Für die
    „mystische“ Sieben gelten ähnliche Überlegungen.
    Ob die heutige Kirche jene Versammlung (ekklesia) ist, wie sie Jesus auf den Weg bringen wollte, darüber hat sich Rupert Lay SJ in seinen teils umstrittenen Büchern ernsthaft Gedanken gemacht.

  7. Die Keuschheit und Mütterlichkeit der Ordensfrau zu glorifizieren halte ich schlichtweg für unangebracht. Womit soll denn die Zärtlichkeit und Barmherzigkeit im Dienst an den Nächsten denn genährt werden, wenn nicht durch ein reales auf Erden lebendes Du? Hat Gott sich denn geirrt als er sagte, dass es nicht gut sei, wenn der Mensch alleine bleibt?

    • Arnd sagt:

      @Frau Haunold:
      es ist erfrischend mit welcher Leichtigkeit Sie dem Papst endlich einmal sagen, worauf die Kirche und die Päpste in Jahrhunderten nicht gekommen sind:
      um sich wirklich um die Armen und Kranken zu kümmern, sollten Ordensleute doch nun wirklich einen realen Liebespartner auf Erden haben.
      Ich kann Sie ob des direkten Drahtes zum Heiligen Geist nur beglückwünschen.
      Vielleicht haben Sie noch weitere durchdachte Ratschläge an die Kirche ?

      • Guardianus sagt:

        Arnd, ich denke, dass Sie da ein wenig mehr zuhören sollten ob dieses Themas. Den realen „Liebespartner“ gibt es für gottgeweihte Menschen (m/w) durchaus, anderen Falles die Wirklichkeit Jesu -„vor der unsere Wirklichkeit verweht“- ja geleugnet wäre.
        Auch ist die Mütterlichkeit eines solchen Menschen und nicht weniger die Jungfräulichkeit (im Idealfall) gegeben, da ja gerade ein solcher Mensch der Welt Jesus Christus (Gott) immer wieder neu zu gebären hat: das Wort Gottes in, mit und durch jenen berufenen und erwählten Menschen Fleisch und Blut annimmt. Gewiß wurde die Frau für den Mann geschaffen, damit er nicht alleine ist und somit der Mann Vater und Mutter verlässt…., aber leider kam dann der Fall des Menschen dazwischen, so dass dieserhalb die Bemühung um das Reich Gottes an erster Stelle steht, wenn der Mensch sich entschliesst, Ihm nachzufolgen. Die Nachfolge aber die muss und sollten wir nicht glorifizieren, da hinter dieser eine enorme Verantwortung steht und:“wer steht, der passe auf, dass er nicht fällt.
        Der von Ihnen erkannte „heiße Draht…“ ist doch eher heiße Luft, die viel Lärm um Nichts gebiert: fruchtlos ist und „nur“ die Gemüter erhitzt.

        • Arnd sagt:

          Ironie ist an Sie wohl verschwendet…?

          • Guardianus sagt:

            🙂

          • H.Sattel sagt:

            Wenn Ihr Beitrag ironisch gemeint ist, so erlaube ich mir Sie zu fragen, seit wann Ironie eine Fruchtb des Heiligen Geistes und somit „katholisch“ ist? Ist Glauben nicht eine ernste Sache, so dass wir mit diesem nach Belieben „spielen“, bzw. benutzen dürfen? Es ist wohl die Ironie derselbigen, dass deren Nutzung dazu führt, das der Glaubende an sich deshalb vielleicht nicht mehr ernst genommen wird…..und durch diesen auch nicht mehr das Wort Gottes.

        • Arnd sagt:

          @ Herr Sattel:
          Sie halten den Heiligen Geist also für bierernst ? Das tue ich nicht. Wen möchten Sie denn mit frömmlerischem Ernst für den Katholizismus begeistern ?
          Außerdem ist Ironie wie ich finde eine milde Art, einem Mitblogger das Befremden über einen Beitrag mitzuteilen. Sie sollten Ironie nicht mit Zynismus gleichsetzen.

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