Franziskus auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten

Das lässt einen irgendwie perplex zurück. ‚Vanity Fair’ kürt Papst Franziskus zum „Mann des Jahres“. ‚Vanity Fair’ heißt übersetzt ‚Jahrmarkt der Eitelkeit’ und ist ein Mode- und Stilmagazin, dass sonst eher minderbekleidete Frauen präsentiert. Ich weiß, das wissen Sie, das muss an dieser Stelle aber einfach wiederholt werden. Und: Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Mann des Jahres. Ausgerechnet Papst Franziskus.

Ist der Papst eine Stilikone? Es steht doch mit allem was er sagt in diametralem Gegensatz zu den Grundsätzen, nach denen ‚Fanity Fair’ die Welt gestaltet sehen will. Oder sehe ich das falsch? Ist das zynisch, dass man nun den Papst auf seinen ‚Stil’ reduziert? Elton John darf im Heft was sagen, außerdem Andrea Bocelli, also keine genuin religiösen Redner. Schaut man auf die Webseite, sieht man allerlei Größen und A, B, C und sonstige Promis, die gerade irgend was gemacht haben und sich dabei haben fotografieren lassen, damit sie in die Zeitung kommen. Nein, nicht die Zeitung: Vanity Fair. Da gehört Franziskus doch eigentlich gar nicht hin.

Oder haben wir den Papst auch da unterschätzt, dass seine Persönlichkeit und Botschaft nun auch auf nichtreligiösem Gebiet ihre Spuren hinterlassen? Immerhin wird er als jemand gewürdigt, der in nur kurzer Zeit eine „Führungspersönlichkeit, die Geschichte gemacht hat“ geworden sei.

Bislang wurde der Papst als innerer Reformer wahrgenommen, als jemand, der das Christentum neu mit Dynamik versorgt und sich um Kurienreform etc. kümmere, also ad intra. Gerne und zufrieden haben wir wahrgenommen, dass auch außerhalb der Kirche andere religiöse oder spirituelle Menschen ihn als einen der „Ihren“ erkannt haben, seien es Muslime, Buddhisten oder keiner Religion zugehörige. Aber alles bleibt irgendwie Religion.

Nun aber auch ‚Vanity Fair’. Seien wir einmal nicht zynisch und nehmen wir an, dass das bedeutet, dass sich dem Papst auch die Modekreise nicht entziehen können. Ein so ausgemacht unmodischer Mensch auf dem Cover einer Mode- und Eitelkeitszeitschrift: Die Welt ist noch nicht verloren!

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8 Antworten auf Franziskus auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten

  1. Arnd sagt:

    Es gibt vielleicht eine Schnittmenge der Agenda des Papstes mit dem liberalen Bürgertum, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht. Ich kenne Vanity Fair ansonsten nicht, aber Künstler und Prominente des Showbusiness, über die vielleicht vornehmlich berichtet wird, sind häufig sozial engagiert.
    Außerdem spricht derzeit alle Welt vom Papst, sei die Welt katholisch oder nicht. Erlebe dies selbst, fing übrigens schon mit dem Rücktritt Benedikts an.
    Schließlich hat sich der Kapitalismus noch jede Mode des Zeitgeistes einverleibt, warum sollte man nicht den Papst zum Mann des Jahres küren, ganz unverbindlich natürlich…

  2. Dolorus sagt:

    Ist es nicht so, dass die gerade, offene, ehrliche und lebenserfahrene Kommunikation von Papst Franziskus mit der Öffentlichkeit und der Röm. Kath. Weltkirche, seine Beliebtheit und katholische Anerkennung wiederspiegeln? Er scheut sich dabei nicht auch negative Aspekte der ihm eigenen vatikanischen Administration sowie unchristliche Verhaltensweisen im weltlichen und kirchlichen Alltag aufzuzeigen, anzuprangern und unter Bezug auf christliche Glaubensgrundsätze, Lösungsweisen für zukünftiges Verhalten prophetisch aufzuzeigen und auch in beispielhafter Manier zu leben. Die Christinnen und Christen und auch die Weltöffentlichkeit schätzen so eine Vorgehensweise, auch wenn sie manchmal unangenehm ist oder gar weh tut. Sie wollen nicht angelogen bzw. unterjocht werden, sondern es tut Ihnen gut, wenn sie vom Pontifex in menschlich direkter , aber auch liebevoller Weise als mündige Gläubige ernst- und angenommen werden. Diese Sprache versteht und schätzt das Volk, weil sie eher salbend, als belehrend ist und auch die Menschen untereinander in der Regel so verkehren. Ersteht eben ganz und gar seinen Mann und deshalb kann er wegen mir verdienter Weise auch zum Mann der Welt gekürt werden. Alles zum Wohl einer zukünftig aufstrebenden Christlichen Kirche? Wäre das nicht schon für alle?

  3. Andreas sagt:

    Als “Mann des Jahres” rückt auch der Friedensnobelpreis näher.

    • Pater Hagenkord sagt:

      ;-)

    • bernardo sagt:

      Der Friedensnobelpreis wäre, wenn man an einige seiner Träger denkt, dem Papst nicht zu wünschen. Wenn man ihn dem Papst antrüge, so würde er bestimmt höflich ablehnen.

      • Andreas sagt:

        Gewiß sollte ein solch renommierter Preis nicht als Vorschußlorbeer oder politisches Schutzschild vergeben werden, sondern für eine nachhaltige Friedensbringerschaft, die den Preisträger von niemandem abhängig macht.

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