Frieden wagen

Es fehlt das Spektakuläre. Papst Franziskus wage nichts, habe ich neulich ein Mitglied der Familie Mann in der Zeitung ‚Die Zeit’ gelesen. Das deute ich so, dass Wagnis sichtbar sein muss und die großen Themen angehen muss.

Muss es aber gar nicht. An diesem Neujahrstag feiert die Kirche den Tag des Friedens. Franziskus hatte dazu eine Botschaft veröffentlicht, in der er – noch einmal – seine Grundlinie in Sachen Frieden bekräftigt: „Brüderlichkeit (ist) Fundament und Weg des Friedens“.

Haben Sie das schon mal probiert? Streit, Demütigungen, Abweisen, Herablassen und all den anderen Dingen des Unfriedens die Hand auszustrecken? Das ist ein ziemliches Wagnis, denn man riskiert Verletzung und Zurückweisung. Und ich spreche hier nur vom Frieden unter uns friedfertigen Mitteleuropäern, wie das in Afrika aussieht, wage ich mir nicht auszumalen.

Papst Franziskus fordert das „Wiederentdecken der Brüderlichkeit in der Wirtschaft“ und nennt „politische Maßnahmen“, um „eine übertriebene Unausgeglichenheit bei den Einkommen zu vermindern“. Auch das ist ein Wagnis, müssen wir uns doch Gedanken über unsere scheinbar so stabile Wirtschaft machen, um die uns ganz Europa derzeit beneidet. Deutschland, Österreich, die Schweiz: Es gibt große und wachsende Unterschiede, zum Beispiel in der Bildungsgerechtigkeit, um nur einen Bereich zu nennen.

Es stimmt, da fehlt das Spektakuläre. Wer sich den Papst wünscht, der die Fahne hisst und laut wird, der wird tatsächlich nicht glücklich werden, er wird enttäuscht vom mangelnden Wagen des Papstes.

„Revolution der zärtlichen Liebe Gottes“ hatte Papst Franziskus das in Evangelii Gaudium genannt. Wenn es um Würde geht, um Frieden, um Geschwisterlichkeit, dann funktioniert das Spektakuläre nicht, dann ist es die Zärtlichkeit, die etwas bewegt: „Christus umarmt den ganzen Menschen und möchte, dass niemand verloren geht… Er tut das ohne Druck und ohne den Zwang, ihm die Türen des Herzens und des Geistes zu öffnen.“ Ohne Druck und Zwang.

Enttäuscht zu sein vom Papst hat etwas von Selbstimmunisierung. Dann muss ich mich dem nicht stellen, was der Papst – ohne Druck und Zwang – will. Wer ein Wagnis sehen will, der muss bei sich selbst anfangen. Nein, das ist falsch formuliert: Wenn ich ein Wagnis sehen will, dann muss ich bei mir selber anfangen.

 

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6 Kommentare zu Frieden wagen

  1. Dr. Heinz Greuling sagt:

    Ein wunderbarer Kommentar, lieber Pater! Er beschreibt genau die Haltung der Skeptiker—auf die biografischen Hintergründe und Motive gehen Sie Gott sei Dank nicht ein—die jetzt zunehmend auf Franziskus mit dem Finger zeigen und „Zeichen“ fordern, aber leider die anderen Finger der Hand, die auf sie selbst zeigen, vergessen. Genau das ist es, „was nicht geht,“ um Franziskus zu zitieren. Sich die Publikums wirksamen Schlagzeilen heraussuchen—die es natürlich gibt, die aber eine Zeitung wie die ZEIT ebenfalls zerpflückt, weil zu „unrealistisch“ oder „falsch beraten“—und zu vergessen, dass der Papst jeden und jede einzelnen von uns anspricht: Wie hälst du es mit Christus?! Wo stehst du?! Bei deinen Brüdern und Schwestern?! Die Schrift des Papstes ist erst der Anfang. Es werden sich einige „schweigend abwenden“ wie damals in der versuchten Steinigung der Ehebrecherin, fürchte ich. Einige! Denn viele andere werden die Lebens bejahende Kraft dieser Worte in sich spüren. Und darauf kommt es an.

  2. KRP sagt:

    Ja, P. Hagenkord das spektakuläre zeigt sich im Kleinen, in der Einfachheit nicht in der Schnelligkeit in der die Welt rennt und davon rennt und andere dabei auf der Strecke bleiben. Auf der Strecke weil sie kein Geld haben um sich Bildung zu leisten. Ein Glück das Jesus uns oder wie Sie oben geschrieben haben und auch ich immer sage die Revolution findet in uns, in mir statt und das ohne Mamut Geld. Danke für die schöne Friedensbotschaft die einfach ist und doch so schwer zu verstehen.

    • KRP sagt:

      Kleiner Nachtrag: Ein Glück das Jesus uns ganz will, jeden einzelnen ohne Druck und Zwang. Das ist die 2000 Jahre alte Revolution.

  3. KRP sagt:

    Genau die einen suchen Zeichen und die anderen fordern Zeichen und alle oder viele schauen nur auf die anderen nicht auf sich selber. Es wird immer alles nur bei den anderen gesucht und gefordert. Wir alle fordern lieber als wir geben das schlimme daran ist wir merken es meistens erst wenn es zu spät ist.

  4. Silvia Brückner sagt:

    Meiner Meinung nach hat Papst Franziskus schon eine ganze Menge gewagt. Etwas, was ich vor genau einem Jahr am Neujahrstag 2013 niemals zu hoffen gewagt hätte.

    Papst Franziskus ist sozusagen DAS Wagnis, das Gott zur Zeit mit der Kirche eingeht. Und die Kardinäle haben es gewagt, diesen Mann zum Papst zu wählen.

    Und vielleicht sollten Sie, lieber P. Hagenkord, es auch mal wagen die sehr vielen positiven Meinungen über Papst Franziskus zu veröffentlichen, statt immer nur die wenigen negativen aus zu graben.

    Die positive Sicht auf das bisherige Pontifikat überwiegt bei Weitem.

  5. KRP sagt:

    Entschuldigen Sie P. Hagenkord das ich nochmal schreibe aber mir ist noch mehr eingefallen. Solange wir Menschen, im anderen suchen, im Papst, was er gar nicht möchte, im Politiker, im Priester, im Therapeuten, im Partner, im Kollegen usw. wird sich kaum was ändern. Solange wir Gott nicht in uns suchen und finden sehe ich nur sehr kleine Schritte, aber auch kleine Wege und Schritte führen irgendwann ans Ziel. Unsere Aufgabe ist es unseren Weg, unsere Handlungen, unser Ziel bei Christus, bei Gott zu suchen und zu finden und nur bei ihm und sonst niemanden. Gott allein und sonst nichts ist und bleibt unser Weg und unser Ziel.
    P.Hagenkord Sie müssen gar nichts ausgraben, es ist genau richtig was Sie tun, bei den Tatsachen und der Realität zu bleiben und die Zeit abwarten und erwarten. Was auch immer sie bringen wird.

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