Glaube kommt nicht aus der Pflicht

Bild des Heiligen Paters Alberto Hurtado Crichaga

Pater Alberto Hurtado SJ

Während meiner – kurzen – Zeit in Chile habe ich die Arbeit und die Schriften eines 1952 verstorbenen Mitbruders kennen gelernt, Pater Alberto Hurtado Cruchaga SJ. Er wurde 2005 in Rom heilig gesprochen, der zweite Chilene erst. Er hat etwas bodenständiges, zupackendes, aber auch etwas gefährliches, weil er so klar spricht, dass man sich dem gar nicht entziehen kann. Seine Sozialwerke überziehen noch heute Chile, und trotzdem ist er ein zutiefst geistlicher Redner und Schreiber.

Zum Fest Christkönig ein Auszug aus einer Predigt über das Königreich, Osterwoche für Jugendliche 1946

 

 

 

Der Erweis des Glaubens ist die Liebe, aber heroische Liebe und Heroismus sind nicht verpflichtend. Priestertum, Mission, Taten der Nächstenliege, das alles ist keine Verpflichtung unter Sünde, trotzdem sind sie alle notwendig für die Kirche und sie sind Werke der Freigiebigkeit.

An dem Tag, an dem es keine Priester mehr gibt, wird es keine Sakramente mehr geben. Und doch ist das Priestertum nicht verpflichtend.

An dem Tag, an dem es keine Missionare mehr gibt, wird sich der Glaube nicht verbreiten, aber trotzdem ist es nicht verpflichtend, Missionar zu werden.

An dem Tag, an dem es keinen mehr gibt, der sich um Kranke und Arme kümmert, wird die Besonderheit des Zeugnisses Christi verschwinden, trotzdem sind alle diese Werke nicht verpflichtend.

Was für eine wunderbare Idee das doch ist! Die Kirche lebt nicht und entwickelt sich nicht aus der Erfüllung von Verpflichtungen, sondern aus der Freigiebigkeit der Gläubigen!

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3 Kommentare zu Glaube kommt nicht aus der Pflicht

  1. Annemarie Wachsmann sagt:

    Er spricht mir aus tiefster Seele.

  2. Maletzka sagt:

    …und mir auch 🙂
    Ich glaube, die Verpflichtung, oder das Gefühl verpflichtet zu werden, macht das, dass die Taten so “lauwarm sind”, ohne Liebe. Somit auch ohne Anziehungskraft.

  3. Maletzka sagt:

    Ich erlaube mir ein Kommentar zum heutigen Evangelium eines polnischen Paters Edward Staniek nach meiner Übersetzung an dieser Stelle zitieren, die m.E. nach sehr treffend den Gedanken einer wirkungslosen „verpflichtenden Moral“ zurückgibt. Es sind auch meine Gedanken, seitdem ich in der deutschen “Ordnung schaffender” Gesellschaft lebe. Verzeihen Sie mir, wenn ich Jemandes Gefühle hierbei verletze.

    „Der Weltpräsident

    Er war der beste Kandidat. Hat das ausgezeichnet vorbereitete Programm und ein perfekt „geschliffenes“ Gesetz. Zur Verfügung standen ihm alle Mittel, um sein Programm zu realisieren. Er wollte die Welt in ein glückliches Zuhause ändern, und das Volk in eine glückliche, liebevolle Familie.

    Er könnte seine Weltherrschaft hier auf der Erde mit Hilfe von Gewalt einführen. Er könnte sein Volk zur Beachtung seines Gesetzes mit Strafsanktionen zwingen. Er könnte dies tun und hätte das Recht dazu. Das Volk würde aus Angst anständig und ehrlich leben. Viele würden sehr dankbar dafür sein, dass auf diese Weise jegliche Konfliktsituationen, nicht nur die familiären, sondern auch die nationalen und alle Weltprobleme, gelöst werden würden. Er würde nämlich alle, die sich noch nicht angepasst haben, zur Rede stellen, und auf Basis seiner Gerechtigkeit von jedem die gegenseitige Achtung und Respekt abverlangen.
    Menschen müssten dann gut, ehrlich und gerecht sein. Nur mit einer Einschränkung – dass jemand „gut“ sein sollte, ist derjenige noch lange nicht wirklich „gut“ geworden.

    Der Weltpräsident würde dann ein „Zuhause“ schaffen, in dem Ordnung und Sicherheit herrschen würden,. Es würde aber auch eine Welt ohne Liebe sein. Die Liebe blüht und ist nur da anwesend, wenn der Mensch von sich selbst die „Güte“ im Herzen hat.
    Und dazu braucht man die Freiheit… (…)“

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