Keine Experten für apokalyptische Diagnosen

„Es ist gut, dass man in uns nicht so sehr Experten für apokalyptische Diagnosen sieht bzw. finstere Richter, die sich damit brüsten, jede Gefahr und jede Verirrung aufzuspüren, sondern frohe Boten, die befreiende Lösungen vorschlagen, und Hüter des Guten und der Schönheit, die in einem Leben, das dem Evangelium treu ist, erstrahlen.“ In der vergangenen Woche habe ich erneut intensiv Evangelii Gaudium gelesen, das Schreiben Papst Franziskus, das er „programmatisch“ genannt hat. Und an diesem Satz bin ich hängen geblieben (EG 168).

Als Belgien den Weg frei machte für die aktive Sterbehilfe für Kinder, habe ich mehrfach angesetzt, um im Blog etwas dazu zu schreiben. Einige Zeilen oder Absätze ging das dann auch gut, aber am Ende haben sich meine Gedanken immer mit dem Satz verhakt, den ich eingangs zitiert habe.

 

Nicht gleich der Untergang

 

Es sei der Anfang eines gefährlichen Weges, ein Schritt zur Unterwerfung des Menschen unter Nützlichkeit und so weiter, das waren immer die Schlussgedanken. Dammbrucheffekt, der Verweis auf andere Gesetze, deren erst strengen Regeln nach und nach aufgeweicht wurden und so weiter, das alles stand schon auf dem Bildschirm. Die Vorstellung, Kinder zu töten, korrespondierte in meinem Kopf und in meinen Fingern immer mit starkem Widerspruch und den schlimmsten Folgen.

Aber der Papst sagt mir gleichzeitig, dass das nicht meine Aufgabe ist. Natürlich sollen wir Christen auf die Absurdität hinweisen, Leben zu töten, das Töten kann nie fortschrittlich sein, wie es Franziskus selber sagt. Da gibt es einiges zu zu sagen und glücklicherweise machen das die Fachleute auch.

Aber bei mir stellte ich die Versuchung fest, genau das zu werden, was der Papst nicht von mir will. Ich bin kein Experte für apokalyptische Diagnosen, auch wenn so eine Diagnose das von mir vehement Abgelehnte erst so richtig schlimm aussehen lässt.

Stattdessen sollen wir befreiende Lösungen vorschlagen. Wir sollen über das Leben sprechen, über Geschenk und Liebe und darüber, dass es sich lohnt, das Leben zu schützen, immer. Wir sollen die Errungenschaften, medizinische, psychologische und technische loben, die es uns ermöglichen, Menschen den Schmerz zu nehmen, ohne sie zu töten. Wir sollen die Verantwortung loben, die Menschen für andere Menschen übernehmen, wenn sie sich entscheiden, Kinder zu bekommen. Wir sollen die Gesellschaft loben, die es auch denen unter uns die schlimme Schicksale erleiden ermöglicht, ein würdevolles Leben zu leben. Und dort, wo wir nicht loben könne, dort gilt es mitzuarbeiten, dass das möglich wird.

 

Befreiende Lösungen

 

Was Belgien da erlaubt, ist schlimm. Gegen solche Tendenzen zu arbeiten können wir aber nur, wenn wir das Gute am Leben betonen und jedes Leben ermöglichen, so dass der Wunsch zu töten um eine Last loszuwerden gar nicht entsteht. Mauern aufbauen und das Ende der Zivilisation beschwören ist jedenfalls nicht dem Evangelium gemäß.

Franziskus’ Reformideen sind manchmal gar nicht so leicht.

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31 Kommentare zu Keine Experten für apokalyptische Diagnosen

  1. galahad sagt:

    Danke für diesen sehr wertvollen Beitrag, der wohltuend frei bleibt von allen kulturkämpferischen Reflexen und der die Perspektive einer lähmenden Contra-Rhetorik aufgibt zu Gunsten dessen, was auch Franziskus anmahnt: Frohe Boten befreiender Lösungen zu sein. Und der unbedinge Einsatz für ein würdevolles und lebenswertes Leben ist der beste Weg, damit nach Möglichkeit niemand und nie Nein sagen wird zum Leben, auch wenn dies die (staatlichen) Gesetze im Extremfall zulassen würden.

  2. Katharinadiekleine sagt:

    Ja, das haben Sie sehr schön gesagt! Vor allem das Loben und Anerkennen von menschlichen Leistungen, Mühen, guten Absichten, das finde ich auch sehr wichtig! Danke.

  3. smilodon sagt:

    P. Hagenkord, gehen Sie ruhig der „Versuchung“ nach, zu sagen, was zu sagen ist. Unrecht muss als solches benannt werden. Wenn man nur davon spricht, wie wertvoll das Leben ist, dass es sich lohnt, das Leben zu schützen etc., dann fühlen sich die, die es angeht, genau gar nicht betroffen. Denn die bilden sich meistens tatsächlich ein, sie tun ihren Opfern etwas Gutes und fühlen sich womöglich noch bestätigt.
    Es ist natürlich richtig, dass man auch über die positiven Dinge reden soll, unter normalen Umständen sollte das sogar in erster Linie geschehen. Aber bei einem konkreten Anlass wie diesem muss man Klartext sprechen und notfalls mit der Faust auf den Tisch hauen. Auch auf die Gefahr hin, dass man dann keine gute Presse mehr hat.
    Nochmals: Wenn Unrecht geschieht, muss es auch als Unrecht bezeichnet werden. Lieb herumsäuseln wird da nämlich gar nichts helfen.

    • galahad sagt:

      Ich fürchte, @smilodon, Sie haben ein Problem, den Perspektiv-Wechsel von Pater Hagenkord nachzuvollziehen: Es geht nämlich nicht (mehr) in erster Linie um die akademische oder moraltheologische Recht-Unrecht-Kontrobverse, sondern um die entscheidende Frage; was wir konkret tun können, um andere Menschen von einem Ja zum Leben zu überzeugen. Wie vielen Kindern – ungeborenen oder schwerst kranken – konnte geholfen werden durch einen Gestzes-Rigorismus? Und wie viele verdanken sich einer einfühlsamen und zugleich hoch professionellen Beratung, sei es in einer modernen Palliativ-Station, sei es bei Donum Vitae oder vergleichbar lebensnahen Einrichtungen? Das Leben braucht befreiende und fröhliche Menschen und keine, die mit der Faust auf den Tisch hauen (und die damit in einer säkularisierten Welt ohnehin irgdnwo im Abseits ihren Lärm veranstalten).

      • smilodon sagt:

        Ich fürchte, @galahad, Sie haben ein Problem, den Perspektiv-Wechsel von Pater Hagenkord nachzuvollziehen: Es geht nämlich nicht in erster Linie um einen Gesetzes-Rigorismus, sondern darum, wie man es den Leuten klar macht, dass Unrecht eben Unrecht ist. Ob man das Unrecht deutlich als solches benennen soll oder nichts darüber sagen, sondern nur über die Alternativen zu sprechen. Und meine Meinung ist halt, dass man Klartext sprechen soll, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Gibt es keinen, dann reicht es, positiv über den Wert und die Schönheit des Lebens zu reden. In diesem speziellen Fall muss aber zusätzlich Mord auch wirklich als Mord bezeichnet werden. Alles andere wäre eine Anbiederung an den Zeitgeist und an die Medien.

        • galahad sagt:

          Für mich sind Kampf-Floskeln wie „Zeitgeist“ und „Medien“ ein Signal, dass sich jemand aus einem vernünftigen Diskurs verabschieden möchte. Ich werde Sie @ smilodon nicht daran hindern.

          • smilodon sagt:

            Aus diesem Rausschmiss – genau das ist Ihr Posting – ziehe ich den Schluss, dass Sie in diesem Forum ausschließlich Leute zulassen, die der selben Meinung sind wie Sie.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Wenn ich mich einschieben darf: Was soll denn dann „Medien“ und „Zeitgeist“ heißen? Das sind inhaltsfreie Schlagworte. Natürlich will ich klare Sprache finden, natürlich darf man das alles nicht herunter spielen, aber das tue ich auch gar nicht. Sie scheinen mir zu unterstellen, aus meiner Haltung könnten Befürworter der belgischen Gesetze Zustimmung ablesen und deswegen würde ich alles nur noch schlimmer machen. Dem kann ich nicht zustimmen. Unrecht bleibt Unrecht, Wegwerfgesellschaft bleibt Wegwerfgesellschaft, aber ein nebulöses Verwenden von Worten wie „Zeitgeist“ hilft ganz und gar nicht, irgend etwas daran zu ändern.

          • smilodon sagt:

            Das ist jetzt eine Antwort für P. Hagenkord auf sein Statement von weiter unten. Wenn ich es hierher schreibe, dann deshalb, weil unter seiner Meldung kein Antwortbutton ist. (Ich bin also nicht nur von galahad hinausgeworfen worden, sondern auch Sie, P. Hagenkord wünschen keine Antwort von mir.) Sie kriegen sie trotzdem.
            1. Was heißt „Medien“
            In diesem Fall nicht „Nährmedium“, „Person, die mit Geistern in Verbindung tritt“ oder das Genus eines Verbum zwischen Aktiv und Passiv, sondern schlicht und einfach Zeitungen, Radio, Fernsehen, meinetwegen auch Internet. Und tun Sie bitte nicht so, wie wenn Sie das nicht genau wüssten. Diese „Medien“ (furchtbar, ich verwende dieses Wort schon wieder) geben nicht nur objektive Nachrichten wieder, sondern manipulieren auch sehr häufig, um die Stimmung und Meinung ihrer Konsumenten in ihrem (der Medien) Sinne zu verändern. Beispiel Abtreibung: Man (= die Medien) hat sich für sie eingesetzt, obwohl Anfangs gar kein öffentliches Bedürfnis dafür bestanden hat. Dieses Bedürfnis wurde erst von den Medien geschaffen (als eines der ersten die Zeitschrift =das Medium „Emma“). Das Ganze hat immer weitere Kreise gezogen, und dann hat der Gesetzgeber halt unter dem Druck der Öffentlichkeit (= v.a. der Medien) nachgegeben. Und wehe, wenn es heute jemand wagt, die Möglichkeit zur Abtreibung in Frage zu stellen. Der wird von den (ja, schon wieder) Medien ins reaktionäre, rechtsradikale Eck gestellt, die Leute lassen sich das einreden, und heutzutage gibt es ja – im Gegensatz zu früher – wirklich nicht mehr viele Leute, die sich öffentlich trauen, Abtreibung als Mord zu bezeichnen. Die – ich sag halt jetzt einmal – Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender – haben ganze Arbeit geleistet. Abtreibung wird heutzutage als normal betrachtet.
            2. „Zeitgeist“: Als „Zeitgeist“ bezeichnet man die allgemein verbreiteten Ansichten eines konkreten Zeitalters. (Der Begriff wurde übrigens von Herder geprägt.) Aber das wissen Sie ja eh. Ihre Frage, was denn „Zeitgeist“ heißen solle, war bestenfalls rhetorisch gemeint. Ich habe angenommen, dass sowieso alle kapieren, dass ich vom aktuellen Zeitgeist spreche und nicht von irgend einem von früher. Und zu diesem aktuellen Zeitgeist gehört eben auch die Akzeptanz, dass man menschliches Leben, das einem irgendwie im Weg ist, das das eigene Wohlbefinden stört, für das man womöglich Verantwortung übernehmen müsste oder womöglich sogar Geld ausgeben, einfach weggeräumt wird. Das können ungeborene Kinder sein, in einem weiteren Schritt kranke ältere Menschen (alles schon da), dann kranke Kinder (seit Neuestem auch da). Wie wird es weiter gehen? Demente? Geisteskranke (hatten wir schon einmal, vor 70 Jahren oder so)? Leute die so alt sind, dass sie „ohnehin nichts mehr von ihrem Leben haben“?
            „Kultur des Todes“ hat Johannes Paul II. das genannt, und das ist, wie gesagt, ein Teil des heutigen (tut mir leid, dass ich dieses Unwort schon wieder verwenden muss) Zeitgeistes.
            Und jetzt noch zur Unterstellung, dass ich ihnen etwas unterstelle. Aus IHRER Haltung alleine werden Befürworter der belgischen Gesetze sicher nicht Zustimmung ablesen. Wenn aber die Spitzenvertreter der RKK auch nur „befreiende Lösungen“ vorschlagen, werden sich diese Typen einfach nicht betroffen fühlen. Kann sein, dass ihr im Vatikan irgendwie doch in einem Elfenbeinturm sitzt und ganz ehrlich meint, auf diese indirekte Weise kann man bei denen etwas erreichen. Nein, bitte. So ist es nicht. Man muss die Leute, die es angeht, mit der Nase darauf stoßen, und zwar sehr direkt. Wenn man das nicht tut glauben die, man gibt ihnen recht oder hat zumindest nichts dagegen, falls die überhaupt registrieren, dass man zu dem Thema etwas gesagt hat. Möglicherweise werden sie es nicht registrieren, Aufmerksamkeit erregt man nicht, indem man brav „positive Lösungen“ vorschlägt, sondern indem man gegen den Strom schwimmt (furchtbar, schon wieder so ein „inhaltsfreies Schlagwort“), indem man sagt, was Sache ist. Auch auf die Gefahr hin, dass man sich fürs Erste unbeliebt macht. Aber wenigstens haben die dann gehört, was man sagen wollte. Und vielleicht beginnen manche von denen dann wirklich nachzudenken, wenn man tatsächlich im Klartext spricht.
            PS: Sie müssen das nicht veröffentlichen, wenn Sie nicht wollen. Eine Antwort auf Ihren Einschub ist ja, wie schon oben erwähnt, offenbar nicht vorgesehen. Es ist mir auch egal, ob die Anderen das lesen. Es ist sowieso nur als Antwort an Sie gedacht.

  4. Andreas sagt:

    Befreiende Lösungen – ein Bericht: http://www.lisafreund.de/docs/kokon.pdf

  5. Silvia Brückner sagt:

    P. Hagenkord, könnte es sein, dass Sie etwas missverstanden haben, wenn Sie die Empfehlungen von Papst Franziskus auf den konkreten Fall der Sterbehilfe für Kinder in Belgien anwenden?

    Für eine normale Predigt stimme ich Ihnen hundertprozentig zu. Aber es gibt Fälle, in denen jeder Christ und natürlich erst recht jeder Vertreter der Kirche klar und eindeutig „Nein“ sagen muss, und dazu zähle ich die Frage der Euthanasie für Kinder.

    Meine Eltern und Großeltern haben mir von der Euthanasie an geistig Behinderten und Allen, die nicht dem nationalsozialistischen Menschenbild entsprochen haben, unter Hitler erzählt und das hat sich mir eingeprägt.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Natürlich muss man „nein“ sagen, sehr klar und deutlich. Aber eben nicht dabei stehen bleiben und sich da herein steigern. Das „nein“ muss klar sein, aber auch die Perspektive, was man tun muss, davon weg zu kommen. Das „nein“ reicht nicht, finde ich.

      • AM sagt:

        Ja, das „Nein“ oder den Wegweiser erklären lässt sich heutzutage kaum jemand. Und schon gar nicht von der Kirche. Deshalb hat Papst Franziskus auch diesmal Recht, denn Er weißt Bescheid über die Menschen. Erlaube ich mir mit Antoine de Saint-Exupery Zitat zu vergleichen. Denn er war auch ein ausgezeichneter Menschenkenner.

        „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

        • Ja, das Gute tun, das ist die richtige Strategie! Auch wenn jemand ganz für sich allein lebt, und er nur Gutes tut in seinem kleinen Lebenbereich, hat es doch Auswirkungen auf das Ganze! Wir gehören alles derselben Lebensform an. Wir sind wie die Pilze, individuell, jeder steht für sich allein. aber, so wie die Pilze mit einem einzigen Myzel verbunden sind, so sind auch wir mit einem gemeinsamen „Myzel“ verbunden – das ist das Leben – wir nennen es „Gott“. (ich bin der Weg. die Wahrheit und das Leben)

      • Peter Lehmann sagt:

        Das ist wohl wahr, eine Perspektive aufzeigen.
        Aber als Betroffener die Kraft zu finden, möglicherweise über qualvolle Jahrzehnte. Wer von uns weiß sicher, wie lebensbejahend er in einer aussichtslosen Situation reagiert. Ob er sich nicht den Tod als Erlösung wünscht.
        Die Gesellschaft/Öffentlichkeit tut sich da mitunter sehr leicht. Selbstmord aus welchem Grund auch immer gilt in unserer Gesellschaft im allgemeinen als unakzeptabel. Aber bei dem Freitod von Frau Hannelore Kohl hat die Öffentlichkeit Verständnis aufgebracht. Dieser Freitod wurde nicht geächtet. Für mich ein Fall von vielen. Ich wage mir da in keinem Fall ein Urteil.

        • AAM sagt:

          Ich denke es kommt darauf an, wen ich bei mir habe. Wenn ich als Schwerkranke Menschen an der Seite habe, denen auf dem Gesicht geschrieben ist, dass ich nur „Last“ bin, oder gar keinen habe, dann nehmen die Gedanken über den Tod überhand.

          • Peter Lehmann sagt:

            Ich weiß nicht recht. Ich kann das nicht so sicher beantworten.
            Hoffentlich gerate ich nicht in eine lang anhaltende, völlig ausweglose Situation.

  6. KRP sagt:

    Im ersten Moment ging es mir ähnlich wie Ihnen @ Silvia auch im dritten Reich gab es das, wieder mal stellen sich Menschen über Leben und Tod. doch gab es auch da Menschen die sich mit Taten und Handlungen dagegen gestellt haben z.B. v. Bodelschwingh und viele Andere solchen Beispielen sollen wir folgen.
    Nein sagen allein hilft nicht da stimme ich Ihnen voll und ganz zu P. Hagenkord es gehört das sich einsetzen dazu. Möglichkeiten, Hilfen, Ansprechpartner und Netzwerke schaffen. Taten zeigen und Handeln. Perspektiven aufzeigen was das Leben lebenswert macht und das Sterben nicht das Ende ist.

  7. Carmen Fink sagt:

    Pater Hagenkord, ein klares ja. Was können wir tun? Jeden Tag aufs neue da wo wir gerade sind das beste geben! Jeden Tag zeigen dass das Leben lebenswert ist. Helfen im konkreten Augenblick, da sein. Es ist noch nicht so lange her das meine Freundin gestorben ist, Freunde, die Palliativpflege und die begleitende Pflege im Krankenhaus war menschlich, liebevoll. Ein deutliches JA, an jeden Tag sein bestes zu geben. Eine Berührung ein Wort ein Blick. Sie bringen ihr Anliegen auf den Punkt, nein es ist nicht einfach, das erlebe ich jeden Tag in der Klinik aber wir bemühen uns jeden Tag, für das Leben.

    • AM sagt:

      Die Frage – Was können wir tun? – ist noch nicht bis Ende beantwortet. Jemandem, der betroffen ist – sei es ein Kranke, ein Alte, ein Behinderte, eine Schwangere oder ein Nächste des Betroffenen – zu zeigen, dass das Leben trotz des Leids und der Schwierigkeiten lebenswert ist, geht überhaupt nicht so einfach.  Wie denn? Vor allem hier in Deutschland, wo jedes Wort,  auch das tröstende, als Einmischung in die Privatsphäre  verstanden wird. Wie sollte dann der Weg zum „Lebensbejahen“ sein?    Meine Erfahrung auf einem Hundespaziergang, „die  sind psychisch krank“ – sagte mir meine Begleiterin über eine Familie mit fünf Kindern. Dabei vorzumerken ist: der Vater stabil im Beruf, die Mutter als Mutter vorzeigbare Person.

  8. Tilda sagt:

    In der heutigen Zeit genügt ein nein-sagen nicht mehr, daher bin ich nach einem
    Vortag von Alexandra Maria Linder Mitglied bei Alfa geworden.
    Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (Alfa)
    Es heißt auch für die Lebensschützer die Kräfte bündeln und sich vernetzen, den
    die Kräfte, die für Abtreibung und Euthanasie arbeiten sind dies schon lange.

    • Tilda sagt:

      Tippfehler bitte entschuldigen (Vortrag- denn)
      frohes Schaffen!!!

    • chrisma sagt:

      @Tilda, was mir an der Alfa e.V. gut gefällt ( bin ebenfalls Mitglied). Alfa e.V. arbeitet sachlich in allen Bereichen des Gesamtspektrums, mit hoher Sachkompetenz und gesamtgesellschaftlicher Breite, nimmt Einfluss auf den Gesetzgeber, auch auf Europäischer Ebene. Alfa e.V verzichtet – gerade im Bereich der individuellen Entscheidung ob die Schwangerschaft ausgetragen werden wird oder nicht auf die moralische „Keule“, die leider in einigen katholischen Initiativen noch Gang und gäbe ist, leistet aber eben auch ganz konkrete Hilfe bei dieser Entscheidung.

  9. chrisma sagt:

    Natürlich keine Mauern aufbauen, natürlich nicht den Untergang der Zivilisation heraufbeschwören, aber die erweiterte Zulassung der Euthanasie in Belgien ist ein weiterer Einstieg in ein Horrorszenario dessen Ende wir nur wage erahnen können. Als Papst Franziskus das erste Mal sehr klar zur Frage Vernichtung von Leben Stellung nahm, stellte er die Vernichtung von Leben in den Zusammenhang mit der der „Wegwerf“-Gesellschaft. Und genauso ist es. Sei es in der Stammzellendebatte, sei es in der Debatte um die Präimplantation, hier besonders da die Auslese im vollen Umfang bereits eingesetzt hat und nun erneut in der nun auf Kinder erweiterten Euthanasie Debatte. Es ist nur noch eine kurze Frage der Zeit bis die Debatte die schwerst an Demenz erkrankten Menschen erreicht. Dies wird dann vor dem Hintergrund der immensen Kosten die diese Krankheit verursacht geschehen. Wir wissen von ersten Übergriffen der Krankenkassen auf die Präimplantationsdiagnose bei z.B. voraussichtlich chronischen Krankheiten. Persönlich will ich nicht mehr nachvollziehen warum in immer mehr Verfassungen, Rechtsprechungen der verschiedenen Länder dieser Welt das „Recht auf Tötung“ in den verschiedenen Formen verankert werden muss. Da ist es schon einmal erlaubt sehr kritisch zu fragen: wo gehst du hin Mensch und es ist erlaubt zu hadern. Aber als gute Christen/innen wissen wir, dass Gott uns nicht allein lässt, wir können auf ihn vertrauen. Mitarbeiten an einer freudigen Sicht auf das Leben in all seiner Vielfalt und nicht müde werden, dies immer wieder deutlich zu machen, ist unsere freudige Aufgabe. In Belgien sollten wir gespannt sein wie der neue König sich verhält. Aus einer hochkatholischen Familie entsprungen hat er die Möglichkeit zumindest formal „Nein“ zu sagen. Sein Onkel Baudoin trat für einen Tag zurück, um die seinerzeit neuen Gesetzte in Belgien zur Abtreibung nicht unterschreiben zu müssen.

    • Silvia Brückner sagt:

      Als vor gut 40 Jahren ein gesetzlicher Einstieg in die Abtreibung zur Diskussion stand, habe ich zu meinen Eltern gesagt, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis es um die Euthanasie gehen wird.

      Meine Eltern, die als junge Menschen das 3. Reich erlebt hatten, hielten ein solches Horrorszenario für völlig unmöglich in der Überzeugung, dass die Menschheit aus der Barbarei des Nationalsozialismus etwas gelernt hätte.

      Als ich sagte, dass wir als Christen „nein“ sagen müssen, meinte ich damit nicht nur reden sondern natürlich auch handeln.

      Meine Mutter hat mir von Kardinal von Galen, Bischof von Münster, erzählt, der einen mutigen Hirtenbrief gegen die Euthanasie sogenannter „Geisteskranker“ erlassen und diverse Predigten zu diesem Thema gehalten hat.

      Als die Gestapo bei ihm erschien, um ihn zu verhaften, sagte er, er ginge nur im vollen Ornat als Bischof von Münster mit ihnen und nur so sollten sie ihn abführen.

      Da hat die Gestapo gekniffen, weil selbst Hitlers Schergen es nicht wagten, einen in ganz Deutschland überaus geschätzten Bischof vor den Augen der Öffentlichkeit zu verhaften.

      @Tilda, ja, wir müssen uns vernetzen. Hat jemand den Link zu der o.g. Organisation?

  10. „Es ist gut, dass man in uns nicht so sehr Experten für apokalyptische Diagnosen sieht bzw. finstere Richter, die sich damit brüsten, jede Gefahr und jede Verirrung aufzuspüren, sondern frohe Boten, die befreiende Lösungen vorschlagen, und Hüter des Guten und der Schönheit, die in einem Leben, das dem Evangelium treu ist, erstrahlen.“

    Genauso weist ja auch Kardinal Reinhard Marx im Zusammenhang mit den Befragungergebnissen zu den Themen Ehe&Familie darauf hin, dass es ständig vergessen wird, wie übereinstimmend die Lehre der katholischen Kirche und die Ideale und Sehnsüchte junger Paare zumeist sind. Natürlich wünschen sich nämlich Paare erstmal Treue, Familie und keine Scheidung. Trotzdem sehen alle jetzt in den Diskussionen einzig aufs Scheitern der Ehen, auf die großen Unterschiede zwischen heutiger Lebensform und kirchlicher Lehre, was die Folgen bei Scheitern der Wünsche und Sehnsüchte betrifft.

    Bloß, wer kann das? Ein klares deutliches „So nicht weiter“ oder „Nein“ gleich mit überzeugenden freudigen Beispielen in Worten und Handeln zu verdeutlichen, wie man mit viel innerer Glaubensfreude, Liebe, Zärtlichkeit, Barmherzigkeit und vor allem auch der Kraft dazu auf viel besserem Wege geht, die Negativentwicklungen stoppt und ins Gegenteil verkehrt und dabei noch vielen Mut macht?

    Mir fällt nur Gott ein.

    Denn gestern habe ich zum Thema Sterbehilfe in einem TV-Breitag den Münchner Sozialexperten Fussek so verstanden, dass den vielen leidenden Kranken und Sterbenden in Pflegeheimen und Krankenhäusern, die unnötige Angst, Leiden und Schmerzen ertragen und keine Palliativmedizin erhalten, doch dann der Wunsch nach einem selbstbestimmten Sterben und Beendigung ihrer Leiden kommen kann.

    Ich habe das so verstanden, dass die vorhandenen unmenschlichen Mängel in der Versorgung, Begleitung der Sterbenden und Schwerkranken, die eigentlich gar nicht sein müssten, denjenigen, die Sterbehilfe einführen möchten, zuspielt. Das pervertiert die ganze Situation ja noch.
    (Und das Schlagwort „Sozialverträgliches Frühableben“ ist dann womöglich auch nicht mehr lange ein „Witz“ oder Horrorszenarium?)

    Und wer kann hier das Ganze so wenden, dass die allgemeine Grundhaltung von Resignation und Ausweglosigkeit nicht nur gestoppt wird, sondern in eine freudige Umkehr verändert wird? Wer kann sowas?

    Da fällt mir wieder nur Gott ein.

    Wie soll das gehen für uns Menschen? Hätten wir es dann nicht schon getan?

  11. chrisma sagt:

    Antwort auf einen Beitrag den ich nicht lesen sollte, es aber trotzdem tat. @smilodon’s Antwort auf Pater Hagenkord. Die Bewegung „Mein Bauch gehört mir“ oder auch „Weg mit den § 218“ ist keine „Medien“ Erfindung, sondern hatte ihren Ursprung in der alten Frauenbewegung und ging von Frankreich aus. Im wesentlichen ging es darum, die Demütigung und Entmündigung sowie die körperlichen Gefahren für Frauen, die verbotene Abtreibungen vornehmen ließen publik zu machen, z.B. durch sog. Engelmacherinnen, gewissenlose Ärzte die für teures Geld in diffusen Hinterzimmern illegale Abtreibungen vornahmen, bei denen die Frauen nicht selten verbluteten oder auch Frauen, die in ihrer grenzenlosen Not und völlig alleingelassen mit Stricknadeln versuchten die frühzeitige Geburt einzuleiten. Flächendeckende Hilfe so wie heute gab es nicht. Hatten die Frauen diese Eingriffe überstanden und es kam „heraus“ wurden sie durch die Gesellschaft, allen voran durch die katholische Kirche verurteilt und nicht selten an den „Pranger“ gestellt und von einer gnadenlosen Männerjustiz, die zu diesem historischen Zeitpunkt noch stark von ehemaligen Nazi-Mitläufern durchsetzt war, gejagt. Es bestand also sehr wohl ein Interesse, berechtigtes Interesse der Frauen daran, mit diesen Zuständen aufzuräumen. Der Kampf um die Straflosstellung der Abtreibung war zentraler Bestandteil dieses Kampfes, Kampf in des Wortes bester Bedeutung. Alice Schwarzer war nur ein sehr geringer Bestandteil dieses Kampfes, aber wie auch heute noch, konnte sie für ihre persönlichen Interessen sehr laut trommeln. „Emma“ wurde später gegründet. Das der „Stern“ die Selbstanzeige von Frauen „Ich habe abgetrieben“ unterstütze war ein Segen, dass Alice Schwarzer versuchte die Bewegung zu okkupieren einFluch.
    @Sehr geschätzte liebe Silvia Brückner, als wir uns als junge katholische Medizinstudentinnen, angehende Medizinerinnen für die Abschaffung des § 218 einsetzten brachten wir dies nicht mit Euthanasie in Verbindung. Wir wollten mit der Straffreiheit, der Fristenlösung d. h. Eingrenzung des Abbruchs der Schwangerschaft auf die ersten 3 Monate (hier lag das alte Bild „erst ca. ab dem 3. Monat fängt die Menschwerdung an“ zu Grunde) und der strikten Indikationsregelung dem illegalen Schwangerschaftsabbruch und seiner strafrechtlichen Verfolgung ein Ende setzten. Das beide Regelungen inzwischen aufgeweicht sind ist tragisch. Bleibt die Debatte „Selbstbestimmungsrecht der Frau vs. Lebensrecht des Kindes“, (früher soziale Indikation) hier sollten wir uns hüten ohne Kenntnis aller, ausnahmslos aller Fakten uns ein Urteil oder gar ein „Ver“urteil zu erlauben. Wenn das Band zwischen Mutter und werdendem Kind während der Schwangerschaft durchschnitten wird, entsteht ohne es nun psychisch zu verorten, eine lebenslange latente Trauer, die es je nach Schwere aufzuarbeiten gilt. Auch hier brauchen die Frauen unsere Anteilnahme, unseren Respekt vor der Entscheidung und nicht zuletzt auch unsere Hilfe.

    • galahad sagt:

      Danke, Chrisma, für diese sehr differenzierten und geschichtskundigen Überlegungen und Erinnerungen. Ich frage mich manchmal, ob gerade die militanten „Lebensschützer“ ernsthaft zu einem „status quo ante“ vor 1974 zurück wollen? Alfa e.V. ist sehr wertvoll, bei der Initiatorin der von Ihnen empfohlenen Petition an den Belgischen König bin ich da deutlich skeptischer.

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