Kurienreform à la Franziskus

Alle Jahre wieder, ist man versucht zu sagen: Der Papst setzt die Reform der Kurie auf die Tagesordnung, und zwar immer beim Weihnachtsempfang für die höheren Kurienmitarbeiter, vor allem also die Kardinäle und Bischöfe, die in der Kurie – den Dikasterien, wie das hier heißt – arbeiten.

Papstansprache in diesem Jahr

Papstansprache in diesem Jahr

Diese Ansprachen an die höheren Kurienmitarbeiter finden traditionell jedes Jahr statt, der Papst wünscht ein Frohes Fest und nutzt die Gelegenheit zu grundsätzlichen Überlegungen. Das erste Mal wirklich öffentliche Aufmerksamkeit bekam diese Ansprache aber erst 2005, als Papst Benedikt XVI. diesen Rahmen nutzte, um über die Hermeneutik der Reform zu sprechen, die er einer Hermeneutik des Bruchs gegenüber setzte.

„Reform“ war also schon bei Benedikt Thema, seit dem Amtsantritt von Franziskus ist das aber noch systematischer geworden, und der Papst sagt auch, warum: Das sei dem zu wählenden Papst vom Konklave mitgegeben worden.

Im vergangenen Jahr hat Papst Franziskus betont, dass die Reform der Kurie „mit Entschlossenheit fortgesetzt“ wird. Das Jahr zuvor hatte er eine der am meisten berichteten Ansprachen gehalten, die berühmt gewordenen fünfzehn Krankheiten der Kurie, „spiritueller Alzheimer“ ist hängen geblieben. Diese Ansprache hat er dann 2015 wieder aufgegriffen: „Einige dieser Krankheiten sind im Laufe dieses Jahres aufgetreten; sie haben dem gesamten Leib nicht unerhebliche Schmerzen zugefügt und viele Menschen innerlich verletzt.“

 

„Reform“ war schon bei Benedikt Thema

 

Dieses Jahr also wieder, und zwar zwölf – kurze und knappe – Kriterien für eine Reform. Das die einzelnen Ansprachen auch innerlich zusammen hängen, wird nicht nur dadurch deutlich, dass der Papst sich selber zitiert und diese Zusammenhänge auch deutlich macht. Man sieht es auch ganz konkret, wenn man sich die Reformschritte ansieht, die um uns herum passieren.

Zwei Dinge sind wichtig: Erstens der Gedanke der Bekehrung. In allen Ansprachen kommt die persönliche Ebene vor der strukturellen. Reform macht nur Sinn und ist nur nachhaltig, wenn sie den Einzelnen reformiert, oder besser: wenn dieser sich bekehrt. Ohne Jesus im Zentrum funktioniert gar nichts, möchte ich das übersetzen.

Zweitens: die Schattenseiten. Heute waren es die „bösartigen Widerstände“, die der Papst nannte, in der Vergangenheit die Krankheiten etc. Man darf nicht naiv sein bei der Umsetzung von Reform, scheint der Papst zu sagen.

Franziskus ist realistischer geworden. Die zwölf Kriterien sind geerdeter als die Tugenden oder zuvor die Barmherzigkeit und die Krankheiten. Und das ist ja auch folgerichtig, das sind die „Mühen der Ebene“. Die Reform geht weiter.

 

Nachtrag

In einem frei gehaltenen Teil im Anschluss an die Rede in diesem Jahr berichtet der Papst, woher er den Gedanken der fünfzehn Krankheiten hat. Ich bin ein wenig froh, dass ich mit meiner Diagnose vor einiger Zeit recht hatte. Das tut auch mal gut.

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15 Kommentare zu Kurienreform à la Franziskus

  1. Silvia Brückner sagt:

    Seit 2014 erwarte ich jedes Jahr die päpstliche Weihnachtsansprache an die Kurie mit Spannung und auch dieses Jahr lässt sie mich schmunzeln, so nach dem Motto „Der Papst hat es ihnen mal wieder gegeben“.

    Schadenfreude ist halt doch die schönste Freude!

    In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten Eminenzen und Exzellenzen!!!!!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: aber genau das ist die falsche Einstellung. Zuerst bei sich selber anfangen, das ist die Franziskus-Devise. Fingerzeigen gehört – mit Verlaub – nicht zu den Tugenden, die er im vergangenen Jahr aufgezeigt hat.

      • Silvia Brückner sagt:

        Mein Beitrag war nicht toternst gemeint sondern scherzhaft und auch selbstironisch, siehe meine Bemerkung, dass Schadenfreude die schönste Freude sei.

        Ich hatte gehofft, dies würde auch ohne Extrahinweis so verstanden werden.

  2. Suarez sagt:

    Ich bin sehr froh, dass wir diesen Papst haben, voller Mut, Kraft, Elan für Gott, die Reform der Kirche und vor allem die Menschen. Gott segne ihn!

  3. AR35 sagt:

    Ich muss sagen, die Rede hat mir sehr gut gefallen. Wie Sie schon sagten, Pater Hagenkord, sehr geerdet.
    Überhaupt scheint es mir, dass die Kurienreform zu den grossen Stärken dieses Pontifikates zählt. Die Überlegungen des Heiligen Vaters zeugen von grossem Realitätssinn.
    Ich muss aber auch sagen, dass die Wortwahl dieses Jahr um einiges freundlicher war als in den letzten Jahren. Die Weihnachtsansprache 2014 mit den 15 Krankheiten schien mir doch etwas misslungen. Nicht wegen der Kritik an sich, sondern wegen der Wortwahl und der öffentlichen Schelte. So motiviert man keine Mitarbeiter. Den 4 Kardinäle mit ihrer Dubia hält man es zurecht vor, das in die Öffentlichkeit getragen zu haben. Das tut man nicht! Das gilt aber auch für den Papst.
    Aber schauen wir nicht zurück, sondern nach vorne. Die Kurienreform wird gelingen. Spätestens nach dieser Rede bin ich davon überzeugt.

  4. Carmen Fink sagt:

    Ich meine das eine hat nichts mit dem andere zu tun. Man darf nicht vergessen das Papst Franziskus auch Jesuit ist, soviel ich weiß halten Jesuiten Ende des Jahres eine Selbstreflexion. Wenn ich mich da irre korrigieren sie mich bitte Pater Hagenkord.
    Am Ende seine diesjährigen Rede hat PF seine erste Rede sehr charmant begründet mit einem Geschenk, Buch „Tricks zur Heilung von Krankheiten der Seele“
    Er ist der Papst und darf das tun.

  5. Suarez sagt:

    Gesegnete Weihnachten allen Menschen guten Willens – und auch denen, die diesen guten Willen oft nicht haben.

    • Silvia Brückner sagt:

      Ich wünsche ebenfalls Allen gesegnete und friedvolle Weihnachten!

      • Krakebusch sagt:

        Da schließ ich mich an, und wünsche allen schöne (und hoffentlich friedliche) Weihnachtstage.

        Und weil ich bis ins neue Jahr eine Art Internet-Detox mache, rutsche ein jeder so gut rein, wie es nur möglich ist.

  6. WEIHNACHTEN 2016 -(o Heiland) REISS DIE HIMMEL AUF..

    am 24.12 in der Früh kommt-fast schon- ritualisiert in der früh ein Weihnachtsgeschenk- der entsprechende-thematisch an Weihnachten orientierte Leitartikel-von Heribert Prantl.

    er gehört für mich zu den aufrichtigsten ,engagierten und mit großer Empathie schreibender Journalistenkollege von Ihnen @Pater Hagenkord. er ist ein Beispiel dafür, dass sich- engagiertes schreiben für die Schwachen u.“Stimmlosen“ durchaus mit glasklarer Analyse( gelernter und als Staatsanwalt erfahrener Praktiker) vereinbaren lassen..

    dieses mal ist er auch bei einem dieser,im WORT-Sinn merk-würdigen Jesuiten gelandet:Friedrich von Spee.. und seinem Weihnachtslied oder besser Schrei angekommen…

    und er baut-mit seinem christlich -suchendem Background – die existenziellen Ängste, Zweifel** das Erlebte von 2016 nochmal vor dem Leser auf-um ganz am Ende einen Hoffnungs- Strahl erkennen zu lassen.

    ich kannte die existenzielle Bedeutung noch gar nicht.. also heißer Tipp. diese etwas andere Meditation lesen..

    **“mit dem „Zweifel“ hier kann ich was anfangen und da kommt mir die „Dubia“ der Vier doch sehr LEBENS-fremd und theoretisch dahher.

    sei es drum -Franziskus hat ja in seiner Rede vor der Kurie sich durchaus positioniert..

    so bleibt mir jetzt,allen ein er-GREIFENDES Fest zu wünschen ganz besonderer Dank an Pater Hagenkord und @alle seine Kolleginnen für ihre Arbeit..

    nie hätte ich vor 25 bzw. 30Jahren gedacht was für eine qualitative Entwicklung RV durch-lebt hat, und ich muss -ohne Schmeichelei-feststellen dass RV im Vergleich zu internen „Wettbewerbern“ aber auch darüber hinaus -„als Stimme des Papstes“ einen offene Haltung lebt, also RV, katholisch.de, Dom Radio Köln sind meine-Kirchen bzw. religiösen INFO Quellen
    DER BLOG steht für sich-ätzend was die sich auch „katholisch“ nennenden Blogs bisweilen „verlautbaren“- bzw. nicht selten einfach mit der „Wahrheit“ spielen..

    ist der Begriff „katholisch“ urheberrechtlich nicht geschützt?

    schließlich „meinen Kollegen“ von der Blog-Gemeinde die besten wünsche auch für 2017..ich gebe gern zu, dass mich das neue Jahr stärker wie sonst auch ängstigt:

    vor allem die Geisel des Nationalismus-des Neofaschismus. LEIDER keine „Worthülse“ mehr.. der Weltfrieden-die „Alten“ die die ganze Sch…noch als Kriegsteilnehmer bzw. „weiße“ Jahrgänge noch erlebt haben sind tot oder in teilen verdiente Rentner. Pars pro toto : Helmut Kohl oder Erhard Eppler
    und Adenauer hatte-in DIESER Forderung 100% recht- EUROPA MUSS JESCHAFFEN WE´RDEN- ja es wird Zeit dass wir einen europäischen Staat-allerdings mit STARKEN FÖDERALEN STRUKTUREN aufbauen und leben !!
    in meine Gedanken mischen sich auch liebe Grüße an die Blogger die nicht mehr zu lesen sind-wie @“Lese-Esel(?) und natürlich @ CHRISMA.. hoffentlich sind Sie nicht in Afrika „verschollen“..

    Last but not least. exemplarische Christen haben -von den vielen Tugenden mal abgesehen- auch zwei ganz besondere Eigenschaften : GELASSENHEIT und HUMOR!!!- wer kennt denn das gebet ,das in diesem Zusammenhang Franziskus-nach eigener Aussage täglich betet??

    in DIESEM Sinne frohe Weihnachten und ei gesundes- friedliches (oder wenigstens erträgliches) 2017 !!

    • F. H. sagt:

      Danke für diese Zeilen, denen ich mich weitestgehend anschließen will und leider auch muss, besonders auch nach den Ereignissen der vergangenen Woche, geschehen in meiner nächsten Nähe und im Herzen meiner zweiten Heimat sozusagen (hunderte Male bin ich dort lang gefahren und gelaufen). Die Ereignisse in Syrien, die nuklearen Aufrüstungsansagen der beiden (…) in Ihren goldenen Palästen, die sich gerade die Welt neu aufteilen wollen, und vieles andere mehr inklusive der ungebremsten Umweltzerstörung und Wachstumsideologien nagen ganz schön heftig an Hoffnung, Zuversicht und Stimmung.

      Zur Anhebung letzterer habe ich Gato Barbieris ‚Latin America‘ in den CD-Player geschoben, und es hilft tatsächlich ein bisschen. Vielleicht auch, wenn ich jetzt gleich bei der ‚Ökumenischen Konkurrenz‘ die Flöte blasen werde…

      Allen hier nicht ein fröhliches, aber ein frohes, hoffnungsvolles, besinnliches und friedvolles Weihnachtsfest!
      Und vergesst nicht die, die es nicht so gut haben wie unsereins!

  7. Elke sagt:

    Papst: „Ich dulde keine Schwarzarbeit bei uns“

    Wie könnte denn Schwarzarbeit im Vatikan aussehen?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Naja, sie holen einen Handwerker oder nehmen sonst eine Dienstleistung in Anspruch und zahlen nachher in Bar, ohne Rechnung, ohne Steuern. Das würde bei uns wie überall anders auch gehen.

  8. Elisabeth sagt:

    Gerade in den letzten Tagen habe ich viel über die Brüder und Schwestern gelesen, die unter Einsatz ihres Lebens unermüdlich in dem Kriegs- und Krisenzonen unserer Welt – auch Aleppo – ausharren und ohne Unterlass arbeiten, um den Menschen dort zumindest die schlimmste Not zu lindern, sie mit Nahrung, Medikamenten und Obdach zu versorgen, seelsorgerisch zu betreuen und den Kindern irgendwie eine Art Schuldbesuch zu ermöglichen.

    Dieser Einsatz bewegt mich sehr und ich bete für diese selbstlosen Bruder und Schwestern.

    Gerade in diesem Lichte ist es mir umso schmerzlicher, wie sehr Franziskus immer und immer wieder kämpfen muss, um mit seiner Botschaft durchzudringen – nach innen wie nach draußen.

    Und leider beherrscht das interne Ringen (besonders da, wo es skandaltauglich scheint) die öffentliche Wahrnehmung. (Das geht nicht an Ihre Adresse, Pater Hagenkord!)
    Dabei müssten sich die Augen auf diese Menschen richten, die ihr Leben in den Dienst stellen, das Leid zu lindern, das andere aus niederen Gründen anrichten – und die der beste Beweis sind, dass Franziskus‘ Worte keine hohlen Phrasen, sondern gelebte Realität sind.

    An dieser Stelle daher ein tiefempfundener Dank an all die Helfer vor Ort. Mögen Sie sicher und behütet sein! Und möge der Geist, in dem Sie Ihren Dienst tun, über jeden von uns kommen.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Wahrnehmung ist in meinen Augen das „Für wahr Halten“ dessen, was einem als Mensch präsentiert wird. Nun ist Mensch eine sehr komplexe Angelegenheit, der man ihre Würde in Bezug auf die Unterscheidung von Wahrheit und Propaganda nicht absprechen sollte. Ich persönlich empfinde diesbezüglich Pressestimmen oft als viel zu laut, um mich erreichen zu können. Ein uraltes Sprichwort aus dem Munde meiner Mutter lautete: „Wer schreit hat Unrecht.“ Es gilt auch, „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht.“ Alles dient also nur einer Orientierung aus menschlicher Mitverantwortung. Wie viele Menschen nehmen sich in diesem Zusammenhang der Wahrheit noch ernsthaft an, ohne dabei außer Acht zu lassen, dass sie selbst wichtigster Teil davon sind? Ich glaube an die Kraft, die von Gott ausgeht und das schenkt mir persönlich das Vertrauen, das ich brauche, um nicht die Hoffnung in die Menschheit zu verlieren, die gerade jetzt das Leben mit mir teilt.

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