Laudato si‘, mi‘ signore: Gesang der Schöpfung

Der heilige Franziskus spielt in der Enzyklika des Papstes eine große Rolle, was schon der Titel verrät: Laudato Si‘ ist dem Sonnengesang entnommen, der „Laudes Creaturarum“. Und während bei anderen päpstlichen Schreiben der Titel auf Latein zitiert wird, bleibt er hier auf Italienisch, auch in anderen Sprachen steht der Sonnengesang in seiner Ursprungssprache vornan.

Franziskus: Fresco in der Abtei von Subiaco; angeblich das einzige zu Lebenszeiten angefertigte Bild des Heiligen

Franziskus: Fresco in der Abtei von Subiaco; angeblich das einzige zu Lebenszeiten angefertigte Bild des Heiligen

Auch wenn man den etwas kitschigen Franziskus, der mit netten Vögelchen spricht, wegnimmt, bleibt eine tiefe Verbundenheit zur Natur, die fast schon modern anmutet. Franziskus erkannte den Schöpfer in der Schöpfung, das Göttliche im Geschaffenen, ohne es darauf zu beschränken. Es ist keine Vergöttlichung der Natur, die wir bei ihm finden, sondern ein Lob des Schöpfers in dem, was er geschaffen hat.

Johannes Paul II. hatte Franziskus deswegen zum Patron des Umweltschutzes ernannt, in dem Schreiben Inter Sanctos würdigt er ausdrücklich den Sonnengesang: „Denn er erfasste in besonderer Weise mit tiefem Gespür die universalen Werke des Schöpfers, und erfüllt von einem göttlichen Geist stimmte er den schönen „Sonnengesang“ an. Durch die Geschöpfe, durch die kraftvolle Schwester Sonne und durch Bruder Mond und die Sterne am Himmel brachte er treffend Lob, Ehre und allen Segen dem allerhöchsten, allmächtigen und guten Herrn dar.“ (Quelle)

 

Der Text des Sonnengesangs:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

 

Entnommen einer kritischen Edition der Werke des Heiligen.

 

Im Original:

 

Altissimu onnipotente bon signore,
tue so‘ le laude la gloria e l’honore et onne benedictione.
Ad te solo, altissimo, se konfàno,
et nullu homo ène dignu te mentovare.

Laudato sie, mi‘ signore, cun tucte le tue creature,
spetialmente messor lo frate sole,
lo qual’è iorno, et allumini noi per loi.
Et ellu è bellu e radiante cun grande splendore,
de te, altissimo, porta significatione.

Laudato si‘, mi‘ signore, per sora luna e le stelle,
in celu l’ài formate clarite et pretiose et belle.

Laudato si‘, mi‘ signore, per frate vento,
et per aere et nubilo et sereno et onne tempo,
per lo quale a le tue creature dai sustentamento.

Laudato si‘, mi‘ signore, per sor‘ aqua,
la quale è multo utile et humile et pretiosa et casta.

Laudato si‘, mi‘ signore, per frate focu,
per lo quale enn’allumini la nocte,
ed ello è bello et iocundo et robustoso et forte.

Laudato si‘, mi‘ signore, per sora nostra matre terra,
la quale ne sustenta et governa,
et produce diversi fructi con coloriti flori et herba.

Laudato si‘, mi‘ signore, per quelli ke perdonano per lo tuo amore,
et sostengo infirmitate et tribulatione.
Beati quelli ke ’l sosterrano in pace,
ka da te, altissimo, sirano incoronati.

Laudato si‘, mi‘ signore, per sora nostra morte corporale,
da la quale nullu homo vivente pò skappare.
Guai acquelli, ke morrano ne le peccata mortali:
beati quelli ke trovarà ne le tue sanctissime voluntati,
ka la morte secunda nol farrà male.

Laudate et benedicete mi‘ signore,
et rengratiate et serviateli cum grande humilitate.

 

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23 Kommentare zu Laudato si‘, mi‘ signore: Gesang der Schöpfung

  1. chrisma sagt:

    Für mich persönlich ist es eines der schönsten Gebete die unsere Kirche hervorgebracht hat. Ihnen Pater Hagenkord an dieser Stelle danke für die außergewöhlich gute Vorbereitung auf die Enzyklika von Papst Franziskus. Ich freue mich sehr darauf.

    • Amica sagt:

      Mir gefällt der Sonnengesang auch sehr gut… aber mit der achten bis zehnten Strophe habe ich so meine Probleme. Diese Passage setzt sich sehr ab vom übrigen Hymnus. Hierbei wird nicht mehr auf die Naturgewalten eingegangen sondern auf den Mensch und den Tod. Zwischen der siebten Strophe (also der zum Thema Schwester Erde) und der achten findet eine Art Zäsur statt. Ich finde gerade jene Textpassagen extrem lyrisch bzw. tiefgründig, aber recht fassen kann ich die nicht. Mich macht sie im Moment etwas hilflos: Aber sie muss im Kontext der Entstehung gestehen werden. der hl. Franziskus hat den „Sonnengesang“ zu Ende seines Lebens verfasst und in dieser Phase war er wohl sehr krank… also er hat Dich wohl in einer menschlichen Extremsituation befunden. Für mich ist dieser letzte Textabschnitt jedenfalls sehr geheimnisvoll und ich muss ihn immer und immer lesen um ihn irgendwann begreifen zu können. Aber nichts desto trotz: Sehr gekonnt und ergreifend.

      • Amica sagt:

        „Sich“ statt „dich“ muss es heißen, sorry.
        Ich wollte noch anfügen, dass gerade die Dinge, die einen zu Beginn ratlos machen, die wirklich schönen und wertvollen sind. Das habe ich schon oft erfahren. Gerade wenn ich etwas nicht sofort fassen kann, zieht es mich um so mehr in seinen Bann, beschäftigt mich um so mehr. Der Sonnengesang ist genau so strukturiert und deshalb nicht hoch genug einzuschätzen!

        • Stephan sagt:

          Liebe Amica,
          ich finde es ist Poesie, es ist Mystik, das schöne Gedicht geht auf dieses Ende hin zu und lässt uns so den Frieden einer solchen Haltung erleben. Mit „Laudare“ meint Franziskus also anscheinend nicht eine Art Oberlehrer, der Gott für das Eine lobt, für das Andere tadelt, sondern er dankt dafür, ein Teil der Schöpfung zu sein. Gendermäßig war er wohl nicht korrekt, er ist in der italienischen Sprache wohnen geblieben: il sole, la luna, la terra, la morte – und entsprechend dem italienischen Artikel sind’s eben Brüder und Schwestern. Genauso wie das „Gendern“ war ihm auch die heutige Mode des dekonstruktivistischen Deutens fern, mit der heute jede Kunst untergraben wird unter Hinweisen auf ganz persönliche, meistens niedere und beschränkte, engstirnige angeblich verborgene Motive des Autors, die der Leser natürlich durschaut, aber nicht der Autor.
          Für mich lässt der Gesang etwas ahnen von der Hingabe an die göttliche Schöpfung, des barmherzigen, guten Gottes, deren Teil wir sind, poetischer beschrieben als bei Hijob (der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, gepriesen sei der Herr!)
          Es gibt auch weltliche Gedichte, die den Tod „preisen“ z.B. Carl Bellmanns Lied aus dem 18. Jahrhundert („So trolln wir uns ganz fromm und sacht“)
          …Wer heut noch frech den Schnabel wetzt
          Und glaubt ein großer Herr zu sein:
          Paß‘ auf, der Schreiner hobelt jetzt
          Schon grad‘ an deinem Schrein!…
          Oder Andreas Gryphius: „…dem Port näh’rt sich der Glieder Kahn, das Leben kommt mir vor als eine Rennebahn…“.
          Sowas hilft mir, vom Verstehen zurückzutreten und sich dem mystischen Erleben hinzugeben, wo wir Gott näherkommen können, so ähnlich meinen Sie’s ja wohl?
          Liebe Grüße,
          Stephan

          • Amica sagt:

            Lieber Stephan, wenn ich ehrlich sein soll, haben mir Ihre – zwar gut überlegten Ausführung – nicht so wirklich weitergeholfen. Ich bin gerade damit beschäftigt, diesen Hymnus von Franziskus zu malen (vier Bilder sollen es werden – keine große Kunst, aber mir gefällt’s). Und In der bildenden, der gegenständlichen Kunst (ich bin kein Fan von rein abstrakter Malerei) muss ich etwas erst verstehen, heißt, für mich greifbar machen. Wenn ich also diesen Text gerade lese, dann versuche ich mir die „Schwestern“ und „Brüder“ darin tatsächlich wie Menschen vorzustellen. Also ich übersetze Literatur in Bilder. Das kann man mit diesem Hymnus recht gut. Ich male gerade am Bild mit der „Mutter Erde“ und Sie können sich wahrscheinlich ganz gut vorstellen, dass diese „Schwester“ gut dargestellt werden kann. Anders verhält es sich mit Frau Tod. Ich muss irgendwie eine Bildlösung finden, die eine Art „Schönheit des Sterbens“ ( ich weiß, das klingt furchtbar) auszudrücken vermag bzw. einen guten, liebevollen Tod zeigt. Melancholisch sollte das Bild insgesamt erscheinen. Ihre Meinung hierzu würde mich sehr interessieren!

          • Amica sagt:

            Ich lese gerade die Enzyklika – wie die meisten hier wahrscheinlich – und, lieber Stephan, die hilft mir gerade bzgl. meines Miniproblemchens weiter: in Absatz 56 schreibt der Papst von der Notwendigkeit sich mit der Vergänglichkeit (bzw. den Grenzen) der Umwelt mental auseinander zu setzen (NB: woran uns die Ablenkungen innerhalb der Konsumwelt/ Medienwelt hindern; vgl. Ebenda); das ist die Antwort auf meine Frage: der Tod ist insofern etwas Gutes – und hier komm ich wieder zum Hymnus – weil er eng mit der „Demut“ des rechtschaffenen Gläubigen zusammenhängt. Der Tod ist insofern positiv zu sehen, weil erst durch diesen sich der Mensch seiner Grenzen/ Endlichkeit bewusst wird, zum Wesentlichen gelangt, weiser wird. Ihnen hilft Gryphius und mir der Papst. 😉 Manchmal sagen zwei im Grunde das Gleiche, aber man spricht irgendwie nur auf die eine Art und Weise an.

      • Vom-anderen-Stern sagt:

        Mit dem zweiten Tod dürfte er das Jüngste Gericht meinen.

        • Amica sagt:

          Sie sind zwar ein kluges Köpfchen, liebe/lieber Sternenfreund, aber das meinte ich nicht. Ich versteh einfach nicht, wie Franziskus den Tod loben(!) kann. Erst preist er die Schönheiten bzw. Naturgewalten der Erde und zum Schluss lobt er „Schwester Tod“, der man nicht entkommen kann. Natürlich ist alles Irdische vergänglich und insofern passt der „erste Tod“ doch auch zum Gedicht. Aber wieso schließt er seinen Hymnus so negativ ab? Sehnte er sich selbst nach dem Tod… weil er eine Art von Ruhe herbeiführt? Muss man diese „Frau Tod“ positiv oder negativ einschätzen? Diese Personifikation ist so zwiespältig. Aber ich finde die auch – würde ich sie mir bildlich vorstellen – außergewöhnlich. In unserer europäischen Kultur wird der Tod meist männlich dargestellt. Totentanzdarstellungen zeigen den Tod immer männlich. Was meinen Sie?

          • Stephan sagt:

            Liebe Amica,
            hier schreibe ich jetzt die Antwort zu Ihrer Frage an mich oben. Ich meine es geht dem hl. Franziskus um die Zärtlichkeit im Leben, die Zärtlichkeit der Liebe Gottes, die uns erst erreicht mit „sora nostra morte corporale“ und dem Verzeihen. J.S.Bach hat seiner Frau Anna Magdalena, uns allen, ein kleines Lied komponiert:

            „Bist du bei mir
            geh ich mit Freuden
            zum Sterben
            und zu meiner Ruh
            zum Sterben
            und zu meiner Ruh.

            Ach, wie vergnügt
            wär so mein Ende,
            es drückten
            deine schönen
            Hände mir
            die getreuen Augen zu.

            Bist du bei mir
            geh ich mit Freuden
            zum Sterben
            und zu meiner Ruh
            zum Sterben
            und zu meiner Ruh.“

            Ich würd‘ die Schwester Tod mehr mit Freude, Liebe, Zärtlichkeit, Güte in Verbindung bringen. Haben Sie Musik im Ohr? Da wird das Lied Bachs Bilder wecken. Melancholie ist eher brutal und grausam, weil sie nicht loslässt, packen, beherrschen will….
            Herzlich, Stephan

          • Amica sagt:

            Das ist großartig! Genau so was hab ich benötigt. Meine Bilder stellen nämlich unter anderem auch vier Liebespaare dar, wobei das letzte Paar sich aus „Schwester Tod“ und „Bruder Mensch“ (den Mensch mit Krone im Hymnus) zusammen setzt. Ich werde mir das Lied von Bach sehr gerne anhören. Liebe die loslassen kann (nicht Besitz ergreifend ist), also eine bessere Form von Liebe als man das für gewöhnlich so kennt. So kann dieses Bild die anderen drei im Ausdruck der Liebe noch übertrumpfen – das hätte ich nicht geglaubt. Darauf freu ich mich sehr! Vielen lieben Dank für Ihre wunderbaren Gedanken!

          • Vom-anderen-Stern sagt:

            @Amica: Man findet bestimmt für sich eine passende Interpretation und Einsicht in die Worte, aber ob es exakt das ist, was Franz von Assisi wirklich meinte und empfand, entzieht sich wohl unserer Kenntnis, wenn er dazu nichts Erklärendes hinterlassen hat. Das Nichtwissen kann man m.E. am besten verringern, wenn man selber dorthin fährt, wo Franziskus gelebt und seinen Sonnengesang geschrieben hat. Dann kann es einem vielleicht geschehen, wie es an anderer Stelle Carl Friedrich von Weizsäcker geschah: „Als ich die Schuhe ausgezogen hatte und vor das Grab trat, wusste ich im Blitz: ‚Ja, das ist es.'“

          • Amica sagt:

            Lieber Sternenfreund, ich bin kein großer Reisender. Ich bleibe lieber und immer gern an dem Ort wo ich bin ( das hat bestimmte persönliche Gründe). Und muss meine Sichtweise auf den Hymnus denn korrekt das widerspiegeln, was Franziskus damit im 13. Jahrhundert meinte. Ich lebe im. 21. Jh., bin kein Geistlicher, kein Mann und doch spricht mich das Gebet auf irgendeine Weise an… es spricht mich an, weil es authentisch wirkt, weil da jemand ehrlich ist. Ich lasse es auf mich wirken und verinnerliche es und schaffe daraus etwas Neues, in Form von meinen bescheidenen Bildern. Ich illustriere also nicht nur, ich lasse mich davon inspirieren und geringe persönliche Sichtweisen mit in die Bilder, weil ich selbst etwas schaffen will, was wiederum authentisch, ungekünstelt ist. Ist das verwerflich?

          • Vom-anderen-Stern sagt:

            Keineswegs, auch Immanuel Kant hat die Welt von Königsberg aus auf seine Weise durch Lesen (er wohnte zeitweise bei einem Buchhändler), Nachdenken und Gespräche, gründlicher und tiefer erfaßt als die meisten seiner umherreisenden Zeitgenossen.

          • Amica sagt:

            Er muss auch ein ziemlicher Hypochonder gewesen sein: Hatte große Angst davor, nicht alt zu werden und aß deshalb sehr viel und teils ausschließlich Senf. So was hab ich mal über ihn gelesen. Ich bin zwar kein Philosoph und erst recht keiner von diesem Kaliber, aber dafür bin ich ordentlich neurotisch. Genie und Wahnsinn liegen ja angeblich dicht beieinander, aber auf mich trifft das nicht zu. Letzt genanntes schlägt sein Zelt alleine auf. 😉

          • Vom-anderen-Stern sagt:

            HIer finden Sie Genaueres über seinen Charakter:
            http://www.religion-online.de/Immanuel_Kant/immanuel_kant.htm

          • Amica sagt:

            Ich hab es gelesen, vielen Dank für den Link. Das erinnert mich an meinen Lieblingsprofessor (in Kunstgeschichte), der erzählte einmal von einem seiner Professoren: Der Mann war offensichtlich nie groß verreist, musste aber ein grandioses Gedächtnis bzw. auch dreidimensionales Denken besessen haben. Er wusste zu so gut wie jeder Kirche – die er nie besuchte hatte – wo welches Fresko, welcher Altar, welches Grabmal etc. von dem und dem Künstler stehen musste. Alles hatte er sich offensichtlich im stillen Kämmerlein (und anhand von schwarz-weißen Fotos mittlerer Qualität) angegeignet. Aber damals gab es ja auch keine großen Möglichkeiten Stätte so ganz auf die Schnelle und en masse zu besichtigen.
            Die angebliche Homosexualität Kants möchte ich aber mal bezweifeln: Die Männer der Aufklärungsepoche bzw. der Empfindsamkeit gaben sich schon mal ganz gerne ein Küsschen.:-) Wenn man die Briefe von damals liest, kommen einem die Anredeformeln und die übertriebene Liebenswürdigkeiten erst einmal ziemlich seltsam vor. Das war aber Usus. Ich denke auch, dass Kant, der ja die Ruhe gebraucht hat, einfach zu beschäftigt war um sich um eine Frau zu schauen. Kompliziertes Denken nimmt einen Menschen völlig ein, da bleibt oft nicht mehr viel Zeit für anderes. Man kann ja nicht festlegen, dass man lediglich von zum Beispiel 10:00 bis 12:00 Uhr über Metaphysik nachdenkt. Solche komplexen Gedanken schwirren einem Menschen doch den ganzen Tag im Hirn herum. Manche Leute brauchen einfach kein Du, Sie sind mit ihrem Fachgebiet einfach zu sehr ausgelastet. Aber vielen Dank für den Artikel! Wieder etwas gelernt! 🙂

  2. Vom-anderen-Stern sagt:

    Wenn dem hl. Franziskus damals schon bekannt gewesen wäre, dass der Mond in Wahrheit sogar ein Teil der Erde ist, hätte er ihm sicherlich noch einen eigenen wunderschönen Vers gewidmet.
    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-10/Mond-aus-Erde-entstanden
    Der Sonnengesang legt von seinem Symbolbezug her nahe, dass das höchste Fest der Christenheit stets an einem Tag gefeiert werden sollte, an dem Sonne und Mond gleichermaßen den Tag bzw. die Nacht zu erhellen vermögen, also niemals zu Zeiten des Neumonds und einer möglichen Sonnenfinsternis, ganz im Einklang mit dem Ersten Konzil von Nicäa und Exodus 12.
    Verwunderlich ist, dass „Laudatio si“, offenbar offiziell nicht in chinesischer und indischer Sprache erscheint, obwohl in diesen beiden Ländern zusammengenommen rund ein Drittel aller Menschen leben. Doch dafür mag es eine plausible Erklärung geben.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Radio Vatikan hat Übersetzungen zumindest der Zusammenfassung angefertigt, in Mandarin (Chinesisch als solches gibt es nicht) als auch in Malayalam und Hindi (Indisch als solches gibt es nicht, Indien hat über 120 Sprachen). Das ist doch schon mal ein Anfang.
      Wir schätzen alle die Wissenschaften, Laudato Si‘ hat das noch einmal klargemacht, aber bei Franziskus handelt es sich um Gebet und Hymnus. Wäre-er-so-klug-wie-ich-heute bringt da gar nichts zum Verständnis bei.

  3. Rosi Steffens sagt:

    Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für die klaren Worte die uns durch diese Enzyklika mitgeteilt wurden. Nun haben wir als Mitmenschen die Möglichkeit, unsere eigene Position dazu zu finden und diese in der Öffentlichkeit zu vertreten. Es geht uns alle an, wenn Menschen, Menschen sterben lassen, nur weil sie nicht ihren Ansprüchen genügen können, und das geschieht heute, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Natur hat uns geschützt und gefördert, jetzt zeigt sie uns unsere Grenzen auf, die wir alle hoffentlich über kurz oder lang zu akzeptieren lernen. Sie hat schon viel ihrer Schönheit eingebüsst, an die menschliche Nehmerkultur verloren und ich hoffe sehr, dieses Schreiben trägt zur allgemeinen Besinnung bei.

    Vielen Dank dafür an alle Mitwirkenden.

    • Vom-anderen-Stern sagt:

      Eine Position konnte man schon vor 20 oder 30 Jahren finden! Bereits im Jahre 1997 erklommen Greenpeace-Aktivisten, vom SPIEGEL als Öko-Krieger bezeichnet und den Vorwurf des Hausfriedensbruchs in Kauf nehmend, den Kölner Dom und spannten zwischen Süd- und Nordturm ihr Spruchband gegen Gen-Manipulationen auf: „Mensch ist nicht Gott.“

      • Pater Hagenkord sagt:

        … ein Satz der sich fast genau so in der Enzyklika findet.

      • Rosi Steffens sagt:

        Ich denke es kommt immer darauf wer eine Position vertritt und welche Möglichkeiten ihm dafür zur Verfügung stehen, sie dann auch zu vertreten, um ihnen Nachdruck zu verleihen. Schließlich haben sich trotz aller Aktivisten für die Umwelt die Bedingungen weiter verschlechtert und nicht verbessert. Die veröffentlichten Worte eines Papstes haben sicherlich mehr Gewicht als die Veröffentlichung einer Positionierung des Bürgers von nebenan. Dahingegen ist es die Umsetzung im Leben beider, die dann das Leben an sich wirklich weiter bringt.

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