Liturgie ernst nehmen

Es gibt eine Menge Kritik. Als Papst Franziskus zum ersten Mal die Feier zum letzten Abendmahl gefeiert hat, direkt nach seiner Wahl, war er in ein Jugendgefängnis gegangen und hatte dort auch einer jungen Muslima die Füße gewaschen. Im darauf folgenden Jahr 2014 war er in einem Heim für alte Menschen mit Behinderung, im vergangenen Jahr im Gefängnis von Rebibbia. In diesem Jahr ist er in einem Aufnahmelager für Flüchtlinge.

Fußwaschung 2014

Fußwaschung 2014

Und wieder wird er Menschen die Füße waschen. Männern, Frauen, Kindern, Christen wie Nichtchristen. Und auch wenn sich die verbale Kritik vor allem darauf bezieht, dass der Papst auch Nichtchristen dient, liegt darunter doch das Unbehagen, dass Frauen darunter sind. Bislang war der symbolische Gestus des Füßewaschens für Männer da, weil eben beim letzten Abendmahl Jesu nur Männer präsent waren, jedenfalls berichtet uns die Schrift nichts anderes.

Und dann hat der Papst auch noch die liturgischen Vorschriften geändert, bzw. ändern lassen, so dass ab jetzt eine Gruppe von Menschen ausgewählt werden kann, welche die feiernde Gemeine sozusagen vertritt, oder wie das Dekret dazu es formuliert: „die die Verschiedenheit und Einheit eines jeden Teiles des Gottesvolkes repräsentieren.“ Damit soll die Bedeutung der Geste Jesu im Abendmahlssaal angemessen ausgedrückt werden, wie der Papst in seinem Brief an den zuständigen Kardinal Robert Sarah geschrieben hat.

Und hier ist der Kern der Kritik, wenn man mal von den recht dummen Vorurteilen absieht, Frauen hätten in der Liturgie nichts zu suchen. Die Kritik sagt, der Papst verändere damit den Kern der Aussage dieses symbolischen Aktes. Der immer wieder gerne zitierte Sandro Magister, italienischer Vatikan-Journalist und seit Jahren aktiver Gegner der Reformen Papst Franziskus’ (wenn man bei „aktiver Gegner“ noch von Journalismus sprechen kann), fasst das sehr gut zusammen: früher hätte die Geste Jesu sozusagen erinnert werden sollen, so wie sie war, habe sie heute eine neue Bedeutung. Und Magister fügt an, dass es merkwürdig ist, dass ausgerechnet ein Jesuit mit seiner Betonung der Betrachtung und Meditation der Ereignisse mit Vorstellungskraft und Sinnen davon weggehe und die Geste mit neuem Symbolgehalt fülle.

 

Kann die Geste noch sprechen?

 

Da liegt ein grundsätzliches Missverständnis von Liturgie vor. Liturgie und damit auch liturgische Gesten wie die Fußwaschung sind keine historistischen Akte. Wenn man wirklich Jesu Handeln „wie es wirklich gewesen ist“ darstellen wollte, dann müsste man viel mehr an unserem Rituale ändern. Die Kirche nannte diese Fußwaschung immer das „Mandatum“, also das „Gebot“, weil sich hier ausdrückt, was Jesus als sein Gebot aufgetragen hatte: liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Dient einander. Der erste soll euer Diener sein. Und so weiter. Und dieser Dienst ist nicht symbolisch, er ist real und hat mit sich Bücken und Waschen zu tun. In der Geste drückt sich nicht ein historisches Geschehen aus, sondern ein Gebot für heute.

Wenn ein Bischof nur Priestern die Füße wäscht, weil ja schließlich auch Jesus nur den Jüngern die Füße gewaschen hat, ist das eine historistische Verkürzung. Wie alles in der Liturgie hatten die Regeln ihren Ursprung und ihren Sinn, aber haben in all den Veränderungen der Jahrzehnte nun nicht mehr die Aussagekraft, die sie haben sollten.

Wenn wir in der Liturgie diese symbolische Geste vollziehen – und ich stimme Sandro Magister zu, das ist nicht das Wichtigste in der Liturgie des Tages, sondern das ist und bleibt die Einsetzung der Eucharistie – dann soll diese Geste das Ausdrücken, was Jesus damit ausdrücken wollte. Damit muss das „Material“ der Geste, die „Sprache“ der Geste, an unsere Welt angepasst werden. Wohlgemerkt: nicht der Welt unterworfen, aber damit die Geste „sprechen“ kann, muss sie in einer Art und Weise vollzogen werden, dass sie verstehbar wird.

 

Kirche ist kein Museum

 

Den Symbolgehalt einer Geste kann man nicht dekretieren, dies und das bedeutet so-und-so. Symbole wirken oder sie wirken nicht. Wenn Papst Franziskus eine große Genialität hat, dann darin, Gesten sprechen zu lassen, sei es in der Liturgie mit der Auswahl seiner Kreuzstäbe oder dem Fußwaschen oder der Schlichtheit, sei es außerhalb der Liturgie mit den Umarmungen oder den Klage-Gesten vor den Mauern in Jerusalem. Und die Änderung der Ordnung in der Abendmahls-Liturgie stellt sicher, dass unsere Gottesdienste genau so sprechend bleiben. Schließlich – um ein Papstwort zu zitieren – ist die Kirche kein Museum, das nur bewahrt. Sie will verkünden und weiter geben, deswegen muss sie sicher stellen, dass sie verstehbar bleibt.

Liebe Kritiker der Franziskus-Aktionen: ihr seid in Gefahr, ein Missverständnis von Liturgie zu bewahren. Nämlich dass man das weiter machen muss, was immer schon gemacht wurde. Aber Liturgie ist lebendig und war es immer schon. Um den Kern zu bewahren, muss man Schritte tun, sie sprechend zu belassen.

Das bedeutet, Liturgie wirklich als das ernst zu nehmen, was sie ist: Zentrum des gemeinsam gelebten Glaubens. Wer die Feier im Museum lässt, macht letztlich genau das Gegenteil dessen, was er vorgibt zu tun. Er nimmt Liturgie nicht ernst.

 

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26 Kommentare zu Liturgie ernst nehmen

  1. Amica sagt:

    Hat sich Jesus diese Geste des Füßewaschens nun von der Sünderin im Haus des Pharisäers abgeschaut oder nicht? (Der Papst hat – soweit ich mich da korrekt erinnere – so etwas in einer seiner Predigten gesagt).
    Auf was ich hierbei hinaus möchte, ist, dass es durchaus Sinn macht, sich zu fragen, welche historische Bedeutung diese Geste hatte – also, zur Zeit Jesus. Erst wenn das klar ist, kann man sie ins Heute übersetzen bzw. auch formal verändern.
    Diese Traditionalisten und Franziskusgegner finde ich deshalb nicht so übel, weil sie mir irgendwie bewusst machen, dass das was der Papst da macht, etwas Besonderes bzw. Neues ist. Ich habe einfach nicht so viel Ahnung von diesen Riten bzw. den Feinheiten innerhalb der Liturgie und würde mir – wenn diese Leute nicht wären – da auch nicht so viel dabei denken, muss ich ehrlich sagen.
    Könnte mir jemand hier im Blog verraten, ob vielleicht im AT eine Gestalt dieses Ritual des Füßewaschens schon an einer anderen Person oder Gruppe durchgeführt hat, oder ob die Geste Jesu etwas völlig Neues darstellte? Ich finde das sehr wichtig: wenn das etwas vollkommen Neues war in Bezug auf den Glauben, dann würde das auch die Haltung des Papstes bekräftigen, gerade dieses Ritual zu erneuern und dem Heute anzugleichen. Dann wäre dieses Ritual weniger traditionslastig (d.h. wenn es eben erst den Christen bekannt gewesen wäre, nicht schon den Juden).
    Und wenn Jesus tatsächlich dieses doch sehr bedeutende christliche Ritual einer Frau abgeschaut haben sollte, dann wäre das schon ziemlich interessant. Hat er überhaupt je irgendetwas getan oder gesagt, dass er von einem Menschen gelernt hatte? Nicht, oder? Eventuell nur dieses eine Ritual des Dienens – und dann von einer Frau. Diesen Gedanken finde ich wunderbar.
    Männer können eben und zumeist schlecht dienen.

    • Silvia Brückner sagt:

      @Amica

      Die Fußwaschung war zur Zeit und in der Kultur Jesu üblich und wurde Gästen, die man ehren wollte, zuteil.

      Vorgenommen wurde die Fußwaschung von den Dienern des Hausherrn an dessen Gästen.

      Dh., Niedriggestellte nahmen diesen Dienst an Höhergestellten vor.

      Jesus kehrt dies nun um, indem er, der Höchste, seinen Jüngern die Füße wäscht.

      Dieses Ritual hat in die Gründonnerstagsliturgie Eingang gefunden, ist aber meines Wissens nach kein MUSS.

      Nicht bekannt war mir, dass es bisher offiziell nur an Männern vollzogen werden durfte.

      In meiner Gemeine z.B. stellen sich für die Fußwaschung nur die Erstkommunionkinder zur Verfügung, und da natürlich Mädchen genauso wie Jungen.

      Da der Papst seit Beginn seines Pontifikates die Fußwaschung nicht mehr in der Lateranbasilika an irgendwelchen Prälaten vollzieht sondern buchstäblich an die Ränder der Gesellschaft geht, drückt er damit das aus, was auch Jesus ausdrücken wollte:

      Ein Akt der Liebe und christlicher Demut, den ein Hochgestellter Menschen erweist, die gesellschaftlich ganz weit unter ihm stehen.

      Dass er die Fußwaschung auch an Nichtchristen vollzieht, ist aus der christlichen Sicht des Papstes nachvollziehbar.

      Trotzdem bleibt für mich die Frage offen, ob und wie die teilgenommenen Nichtchristen dieses Ritual verstanden haben.

      • Amica sagt:

        Ah, Sie sind wieder da. Freut mich.
        Ich wünsche Ihnen frohe Ostern und danke für die fundierten Erläuterungen!

        Bis demnächst!

      • Chrisma sagt:

        @Silvia Brückner. ich gehe einfach davon aus, das die Geistlichen die die Messe vorbereitet haben, die Menschen die unmittelbar beteiligt waren, über die Bedeutung informiert haben.

  2. Amadeus sagt:

    „Wenn wir in der Liturgie diese symbolische Geste vollziehen – und ich stimme Sandro Magister zu, das ist nicht das Wichtigste in der Liturgie des Tages, sondern das ist und bleibt die Einsetzung der Eucharistie – dann soll diese Geste das Ausdrücken, was Jesus damit ausdrücken wollte.“
    Ich kann Ihnen, Pater Hagenkord, in vielem folgen, hier nicht. Warum ist im Johannesevangelium die Fusswaschung erwähnt, nicht aber die Einsetzung der Eucharistie? Beide Handlungen Jesu sind wie die beiden Seiten einer Medaille. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Auch hinsichtlich der Eucharistie gibt es eine Entwicklung, sie wurde immer wichtiger – bis zur Überbetonung des Priesteramtes gegenüber dem Rest des Gottesvolkes und dessen Gehorsamspflicht. Dazu gehört auch das mühsame kaschieren von Herrschaft mit den Begriffen Dienst und Dienen. Ich danke Papst Franziskus. Er versucht vieles wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Lieber Amadeus, mir ist nicht ganz klar, was Sie damit sagen möchten. Ist das eine Anfrage an Johannes, den Evangelisten? Meinen Sie, die Eucharistie sei nicht das Zentrum des Glaubens und der Kirche? Das wird mir nicht ganz deutlich.

      • Amadeus sagt:

        Lieber Pater, es geht mir darum, den uns allen aufgetragenen Akt der Fußwaschung nicht von der Eucharistie zu trennen. Erst wenn wir dies einander tun – nicht als realen Akt, sondern in dieser Gesinnung – können wir miteinander Eucharistie feiern.
        An Symbolik haben wir weiß Gott genug, uns fehlt streckenweise die harte Realität. Und „Dienen“ ist in unserer Kirche – nach meinem Eindruck – oftmals ebenso symbolisch.

        Im Übrigen sollten die konservativen Kritiker nie vergessen: Unsere Kirche ist als Sakrament für die Welt zu allen Menschen gesandt – nicht nur an Konfessionsangehörige oder gar nur an unser geistliches Personal. Insofern ist die Handlung unseres Papstes „Goldstandard“. Er spricht mit seinem Tun, eine klare Botschaft ohne Worte.

  3. JLTD sagt:

    Danke, Pater, für Ihre Erklärungen!

    Wenn die Kirche entscheidet, dass ein Ritual geändert werden soll, verlasse ich mich darauf, dass es der Wille Gottes ist, dass etwas geändert werden soll. Aber die eigene Vernunft verlangt immer nach Erklärungen sobald Ungereimtheiten tatsächlich oder nur scheinbar erkennbar werden.

    Eine solche (vielleicht nur scheinbare) Ungereimtheit besteht in meinen Augen, wenn man sich den Bruch in diesem Ritual vor Augen hält: Bis jetzt nur „ausgewählte Männer“, nun jeder. Die Frage, die sich da aufdrängt, ist: was hat dieser Ritus denn bedeutet, wenn es bis jetzt geboten schien, dass nur „ausgewählten Männern“ die Füße gewaschen werden, nun aber die Fußwaschung von weiblichen Muslimen möglich ist? Wenn die Geste früher und heute die gleiche Bedeutung haben soll, stellt sich die Frage, wie ein so großer Bruch damit in Einklang zu bringen ist. Früher an den engen Kreis gerichtet, heute an jeden, egal ob Christ oder nicht? Und trotzdem keine Umdeutung?

    Eine weitere Ungereimtheit ist, dass der Heilige Vater angeblich schon in Buenos Aires sich nicht an die Vorgaben der Kirche diesbezüglich gehalten haben soll. Wenn das wahr ist, dürfte man sich fragen: ist das wirklich ein gutes Vorbild?

    Ganz abgesehen davon verstehe ich nicht welche Motivation ein Nichtchrist (insbesondere ein Moslem) haben soll, sich vom Papst die Füße waschen zu lassen. Aber das ist ein anderes Thema.

    • JLTD sagt:

      Unser Heiliger Vater, den ich in seiner vollsten Autorität als Nachfolger des Heiligen Petrus respektiere, hat heute gesagt:

      „Muslime, Hindus, Katholiken, Kopten, evangelische Christen. Wir sind alle Geschwister, Kinder desselben Gottes“

      Mir ist völlig klar, dass dahinter eine sehr löbliche Absicht steht. Dennoch wäre das leider eine weitere Ungereimtheit, zumindest in meinen Augen:

      Laut der neuen Regelung zur Fußwaschung sind dafür nun Menschen aus dem ganzen Gottesvolk auszuwählen. Und laut KKK gilt, dass die Zugehörigkeit zum Volk Gottes den Glauben an Christus und die Taufe als Voraussetzungen hat.

      Die Aussage des KKK und die heutige Aussage des Papstes sind damit nur dadurch im Einklang zu bringen, wenn es möglich ist, dass ein Kind Gottes nicht zu Seinem Volk gehört (?).

      Ich bin kein Theologe und dieses Thema hat etwas sehr schwieriges und auch schmerzhaftes, aber trotzdem gibt es bei diesen zwei Aussagen, nämlich die des KKK und die des Papstes heute, meiner Ansicht nach zumindest Erläuterungsbedarf.

      Es hat auch etwas widerliches, den Papst in der Öffentlichkeit zu kritisieren. Ich weiß nur nicht an wen ich sonst diese Bedenken herantragen sollte.

      • Matthias Wünsche sagt:

        Der Papst darf jederzeit und aus eigener Vollmacht in diesen Dingen die Liturgie ändern, und ändert damit punktuell, einmalig oder auch generell, exemplarisch geltende Normen. Das darf er qua Amt.
        Und wenn er das schon in Buenos Aires getan haben sollte, dann halt in vorauseilendem Gehorsam. Viele liturgischen Normen wurden erst von der Praxis und erst später von „Rom“ verändert. Auch so wirkt Gottes Geist in die Geschichte hinein. Ohne Kreativität – manche nennen es Ungehorsam, ich aber nicht – gäbe es nur Erstarrung.

        • JLTD sagt:

          Sie meinen, die Vorgaben der Kirche sind also grundsätzlich nicht so ernst zu nehmen, da das dann Erstarrung bedeuten würde. Und wer will das schon?

          Die Strategie in der Argumentation ist also: eine unmögliche Alternative als die einzige hinstellen, damit man sich für das Alternativlose entscheiden muss, das wiederum zufällig das ist, was man zu rechtfertigen sucht.

  4. Dr Johannes Hwalica sagt:

    Ich sehe gerade die Messe des Papstes zum Gründonnerstag, und muß ehrlich sagen das ist nicht die Religion die ich gelernt habe.
    ich werde mir irgend eine Kapelle suchen wo eine ordentliche Liturgie stattfindet, und alles ignorieren was da an Zeichen kommt, den offenbar sind Leute wie ich in dieser neuen „Sozialkirche“ unerwünscht,
    die ihre Werke der nächsten Liebe nicht hinausposaunen und einfach den katholischen Glauben leben wollen wie unsere Eltern und Großeltern.
    Imn der Kirche die an die Ränder geht, ist für die immer treu zur Kirche gestanden sind offenbar kein Platz mehr.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Aber die Treue zum Herrn zeigt sich gerade im hinaus gehen. Das kann man schon bei Papst Benedikt lesen, das ist keine Franziskus-Erfindung. Wenn Sie sich überfordert sehen, tut mir das sehr leid, aber das hier ist keine Sozialkirche, Papst Franziskus hat in seinen Gesten die Worte Jesu im Evangelium ausgeübt, die ja die Haltung des Herrn in seiner Selbsthingabe ausdrücken. Das ist keine „neue Sozialkirche“. Das ist auch nicht hinausposaunt, das ist öffentliche Liturgie.

    • Konstantin sagt:

      Ich habe Verständnis für Menschen, die einen Gottesdienst (HL.Messe) besuchen wollen, wo man sich „wohl“ füllt. Ich tue mich aber sehr schwer damit, wen man eine Hl.Messe mit „ordentliche Liturgie“ sucht. Welche HL. Messen sind dann unordentlich? In der Kirche ist für alle Platz, auch die sich schwer tun, mit neuen Erneuerungen die der Papst einführt. Und nur ER ist es der Erneuerungen einführt, erlaupt oder auch nicht.

  5. Thomas sagt:

    Ich kann es immer noch nicht fassen, daß dieser „Papst“ vor Mohammedanern (egal ob Mann oder Frau) auf die Knie geht und ihnen die Füße wäscht und küßt. Vor Anhängern einer Religion, die die Christen als minderwertige Ungläubige ansehen, denen die Köpfe abgerissen werden müssen. Und die das tatsächlich auch in die Tat umsetzen und für alle derzeitig geführten Kriege und Terroranschläge verantwortlich sind!

    Anscheinend ist ihm nicht bewußt, daß diese symbolische Geste bei den Anhängern dieser Religion eine triumphale Freude und immer tiefer werdende Verachtung für die Christenheit auslöst. Meines Erachtens hat dieser Mann überhaupt keine Vorstellung davon, was seine spontanen gut gemeinten Äußerungen und Handlungen für weitreichende Folgen haben.

    Naiv ist der Vergleich mit dem nachgeahmten Verhalten Jesu´. Denn Jesus hat seinen Feinden nicht die Füße gewaschen und geküßt.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Nein, Jesus hat für seine Feinde gebetet und dafür, dass ihnen vergeben wird. Und er ist für sie gestorben, was ja wohl noch etwas über das Füße Waschen hinaus geht. Oder halten Sie auch Jesus für naiv?
      Außerdem ist das Wort im Deutschen „Muslim“, nicht „Mohammedaner“. Und sie sehen auch nicht Christen als minderwertig an. Wenn Sie Islamismus nicht vom Islam unterscheiden können, dann sollten Sie solche falschen und eheabschneidenden Urteile nicht fällen. Die Menschen vor Ort sind jedenfalls nicht in „triumphale Freude“ ausgebrochen. Die Geste in angekommen.
      Und zum Mitschreiben: Terroristen verursachen Terror, Flüchtlinge fliehen davor. Ganz gleich, welcher Religion sie angehören.

  6. Anne sagt:

    Danke, P. Hagenkord. Papst Franziskus handelt ganz im Sinne Jesu, wenn er Menschen die Füße wäscht, ohne vorher zu fragen: Mann oder Frau, Christ oder Nichtchrist. Der Auftrag Jesu ist klar: Wir sollen einander die Füße waschen (Joh 13,14). Da ist keine Einschränkung, dass das nur die Apostel untereinander tun sollen. Mit der uneingeschränkten Zuwendung des Papstes zu den Menschen gewinnt die Kirche wieder mehr Glaubwürdigkeit.

  7. Philipp Prestel sagt:

    Sehr geehrter Herr Hagenkorn, vielen Dank für Ihre deutliche Antwort zum Kommentar von „Thomas“. Bleibt zu hoffen, dass „Thomas“ sich selbst die Chance gibt, darüber ernsthaft nachzudenken und deutlich differenzierter zu werden. Denn mit seiner einfachen „Schwarz-Weiß-Sicht“ tut er sich selbst und uns allen keinen Gefallen. Leider, leider ist es so, dass wohl alle Religionen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder von egozentrischen, machtgierigen und fanatisch veranlagten und von in die Irre geführte Menschen missbraucht und zweckentfremdet wurden. Es „schreit zum Himmel“, was dieser terroristische IS unter dem Deckmantel des Islam anrichtet. Nicht nur wir Christen, auch viele Muslime beten dafür, dass dieser Terror bald ein Ende findet.

  8. Monika Humpert sagt:

    Kann ein Widerspruch darin liegen, Liturgie ernst zu nehmen und Jesus ernst zu nehmen ? Hat Jesus irgendwo jemals zum Ausdruck gebracht, dass er Frauen weniger würdig findet als Männer ? ich habe das noch nie so wahrgenommen – im Gegenteil – angesichts der Kultur seiner Zeit. Jesus hat seinen Freunden die Füße gewaschen als Zeichen seiner unverbrüchlichen Freundschaft – komme was wolle. Die Fußwaschung ist nicht nur Liturgie, sondern „typisch Jesus“. Wenn man denkt wie es dieser kleinen Freundesgruppe wohl gegangen ist an jenem Abend, von der ursprünglichen Begeisterung für Jesus (der Willkommenskultur am Palmsonntag) ist nicht viel geblieben, im Gegenteil die Stimmung des Volkes ist in Feindseligkeit umgeschlagen. Das Ende ist unausweichlich und schon wenige Stunden später sind die Freunde versprengt und Jesus erniedrigt und getötet.
    Mit der Fußwaschung und dem Brotbrechen schafft Jesus so eine große Nähe und soviel Trost, dass die Freunde als Freunde überleben – bis heute. Indem Jesus sagt: „ich tue es für euch“ und für uns, schafft er eine unverbrüchliche Bindung – und geht nicht unter bis heute. Ich finde gut, dass der Papst sich den freien Blick auf Jesus hin bewahrt und in Jesus Sinn das liturgische Spiel lebendig sein lässt. Danke Pater Hagenkorn für die guten Kommentare.

  9. Elasund sagt:

    Ich finde es sehr schade, dass diese symbolische Fußwaschung eine so überragende Bedeutung bekommt und das übrige dieses Tages (und der Liturgie dieses Tages) damit in den Hintergrund tritt. Früher war die Papstmesse am Gründonnerstag öffentlich, jetzt gibt es nur noch Bilder wo der Papst Füße küsst und die Frage wessen Füße das sein dürfen oder sollen spaltet die Leute. Da wird polemisiert und belehrt. Mich stört das vom Papst grundsätzlich nicht, aber muss dies unbedingt am Gründonnerstag sein? Wenn ich am Gründonnerstag nicht im Gottesdienst war, fehlte mir am Karfreitag der Anfang. Das fand ich nicht stimmig. Es hört sich vielleicht doof an, aber wenn ich mit dem Papst die drei österlichen Tage feiern wollte, würde ich am Karfreitag schlecht reinkommen, weil am Gründonnerstag war der Papst ja in geschlossener Gesellschaft (keine Ahnung, wie es dieses Jahr war, aber die zwei letzten Jahre war es so).
    Blogger verschiedenster Ausrichtung arbeiten sich an der Fußwaschung eines Papstes ab anstatt darüber zu schreiben, worum es an diesem Tag geht.
    Mal grundsätzlich zur Fußwaschung: Sie ist unserem Kulturkreis fremd. Vielleicht kommt deswegen so ein symbolischer Gestus dabei raus wo jeder andere Gefühle und Meinungen entwickelt. Die Fußwaschung durch meinen Bischof habe ich heute miterlebt. Da wird kurz eine Socke ausgezogen und der Bischof beugt sich zum sauber geschrubbten Fuß, gißt etwas Wasser drüber. Was soll das eigentlich mit dem zu tun haben, was in Johannes über die Fußwaschung Jesu geschrieben wird?

    • k sagt:

      P. Hagenkords Einführung sagt alles relevante zu der Fusswaschung.
      P.Hagenkord ich danke ihnen dafür sehr. Ja kirche ist kein Museum nach dem Motto: „Es war immer schon so“. Wer Internet hat, konnte die bewegende Zeremonie mitverfolgen. Besonders beeindruckt hat aber auch, dass der Papst nach dem Gottesdienst durch die Reihen ging und jedem Flüchtling die Hand gab. Zur zeit werden in Europa Flüchlinge mit Füssen getreten. Der Papst, welch verkehrte Welt, küsste den Flüchtlingen die Füsse.

      • Elasund sagt:

        Was die Menschen „relevant“ finden am Thema Fußwaschung ist halt verschieden. Ich habe nichts gegen päpstliche Gesten gegenüber Flüchtlingen. Ich glaube nur, dass es ca. 300 Tage im Jahr gibt, die dafür besser geeignet sind als der Gründonnerstag.
        Ich habe in meiner Gemeinde auch schon tolle Aktionen zur Fußwaschung erlebt. Es geht nicht darum, immer das gleiche zu machen oder die Liturgie nicht zu ändern. Einmal wurden bei uns Schuhe geputzt (was die meisten doof fanden, aber doch zum Nachdenken anregte), einmal wurden Jugendliche ausgesendet, die nach der Liturgie Menschen im Altersheim besuchten, einmal wurde etwas gemacht für die Suppenküche, einmal wurde sie weggelassen, weil es im Vorfeld Streit gab wer gewaschen wird. Also ich finde, niemand sollte so tun, als sei die Fußwaschung wie sie der Papst macht die einzig richtige Möglichkeit sich dem ganzen anzunähern. Für mich ist eine Gründonnerstagsliturgie ohne Fußwaschungsvorführung vollständig. Fußwaschung ist nicht der Kern des Gründonnerstags.
        Vielleicht bin ich auch ein gebranntes Kind (nicht erst seit den Franziskus-Aktionen). Unser Pfarrer hat mal gesagt: „Egal was ich mit der Fußwaschung mache. Irgendjemand wird sich drüber aufregen.“

  10. Rosi Steffens sagt:

    Geht es nicht bei allem was Jesus tut um die innere Verbundenheit mit einem Menschenvolk dessen Handlungsweise dieser Verbundenheit entbehrt? Die Fußwaschung im Wissen um seinen eigenen Tod bezeugt diese Verbundenheit weit über den Tod hinaus. Mir ist nicht klar ob Jesus bereits wusste, dass er wiederauferstehen würde, doch Er zeigte uns allen im Leben, dass der Tod allein keine Trennung verursacht. Ich denke Rituale geben jedem von uns die Möglichkeit durch ihre Wiederholung eine Verbundenheit herzustellen, die wir ohne diese Rituale verlieren würden. Sei es durch das Gebet, durch regelmäßiges Essen, aber auch durch unser tägliches Tun in Abläufen, die zur Gewohnheit werden. Rituale wecken das Bewusstsein für die Dinge, die wir unbewusst und selbstverständlich hinnehmen, um sie abzuarbeiten und damit ins rechte Licht zu rücken. All das steckt auch hinter dieser Selbstverständlichkeit Jesus, die er auch uns durch seine Verbundenheit in Wort und Tat vermittelt, um ein Gefühl dafür zu wecken, das in seiner geistigen Vollkommenheit die Liebe findet, indem dieses Gefühl bereit ist sein Leben in die Hände Gottes zu legen. Wir können das, denn es ist Gottes Wille, der dieser Versuchung des Lebens, der Trennbarkeit in seine individuellen Bestandteile den Namen Jesus entgegensetzt, um die Menschheit als Ganzes zu einen und ihr sein Leben zur Verfügung zu stellen, das sie durch seine reale Anwesenheit teilen können. Hoffnung ist für mich die Zuversicht, dass Gott die Kraft hat alle Menschen in dieses eine Leben zu integrieren, um sie im Heiligen Geist anzuleiten. Wir haben alles was wir zum Leben brauchen, einzig die Verbundenheit fehlt uns für dieses eine Ganze die Verantwortung zu übernehmen, um es für all die uns nachfolgenden Generationen als bereicherndes Leben weiter zu vermitteln, das immer wieder Neues für uns bereit hält, um uns damit in unserer ganzen Menschlichkeit herauszufordern. Ich danke Gott für seine Verbundenheit mit dem Leben, denn es hat schon so viel Böses beschert und doch ist er nicht an dem Wesen verzweifelt, das seinen Sohn in den Tod schickte, er hat es durch ihn mit einem neuen, reicheren Leben beschenkt. Nun liegt es an der Einheit, dieser Verbundenheit zueinander, die Gott uns bedingungslos schenkt und die wir erwidern sollen, um durch ihn dieses unbeschreiblich schöne Ganze am Leben erhalten zu können. Das gab mir diese Fußwaschung des Papstes und ich hoffe, es gibt noch ganz viele Menschen, denen sie ähnliche Gedanken ins Herz ruft, um sie von dort ins Leben zu tragen.

  11. Chrisma sagt:

    Es war eine sehr bewegende Messe an diesem Gründonnerstag, die ich wegen Bereitschaft am TV verfolgt habe. Weg vom Pomp des Petersdom in der schlichte Umgebung eines Flüchtlingslagers. Muslimen in diesen Tagen des Hasses mit der Fußwaschung ein christliches Zeichen der Liebe Jesu und der Versöhnung zu geben, zeigt ein weiteres mal die menschliche Größe des Papstes.

    Danke Pater Hagenkord für die geistliche Begleitung bei dieser Messfeier.

    • Ullrich Hofener sagt:

      ja @PATER HAGENKORD DANKE für diese Begleitung!
      @liebe CHRISMA danke für Ihre Posts zum Thema..

      und nach dieser schlichten aber wesentlichen!! Messe,-und das ist ein DOKUMENT, kann sich KEIN CHRIST mehr auf Mauer und Stacheldraht zur „Obergrenzen“ „Sicherung“ uä. berufen, denn sonst dient er (theologisch gesagt) den Mächten der Finsternis ,also Lucifer..

      Die „Litanei“ gestern Abend am Kolosseum ist mir im Ohr und begleitet mich…

  12. Tom sagt:

    Es macht mich ehrlich gesagt immer wieder traurig, wenn ich hier lese, wie manche über unseren Papst schreiben. Als wäre er Politiker oder Vereinsvorstand. Er ist aber der Fels auf den unsere Kirche gebaut ist. Basta wie Theresa schreibt …..

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