Markenkern und Alleinstellungsmerkmal

Nach dem Katholikentag ist vor dem nächsten. Oder zumindest mitten in den Überlegungen, wie es weiter gehen kann und soll. Neben allem möglichen Lob gab es und gibt es auch kritische Stimmen, anmerkende und vorschlagende, aber auch klarere und deutlichere Kritik. Alles gehört dazu. Schließlich gab es und gibt es auch ganz grundsätzliche, und eine solche möchte ich hier aufgreifen, einen Artikel unter der Überschrift „Schamlos Paternalistisch“. Schon der Titel gibt hier die Musik vor.

Mit etwas Abstand bietet der Autor Christian Geyer in seinem Artikel in der FAZ seine Analyse an. Der Kern dieser Überlegungen ist eine „inklusive Gottessuche“, ich übersetze das für mich als ein Denken und Reden von Gott in der Welt, das auf möglichst große Breite setzt. In den Worten des Autors: Wer gibt nun wem das Maß vor, die Welt der Kirche oder umgekehrt? Papst Benedikt XVI. hat in seinem Sprechen von der „Entweltlichung“ einen Vorschlag gemacht, der Autor hier geht aber einen anderen Weg. Er wendet sich dem Theologisieren zu. Wie ist die Sache mit Gott und den Menschen zu sehen? (Ich benutze hier „theologisieren“ bewusst nicht im akademischen Zusammenhang, sondern weiter, als das reflektierende und reflektierte Sprechen und Suchen nach Gott)

Kreuzgang in einem österreichischen Kloster

Links der rechts? Abgrenzung oder Inklusion? Wohin gehen mit meiner Gottsuche?

Was Theologie zu sein hat, kann man ganz gut in einer Kritik an besagtem Artikel entdecken. So vereinnahmt der Autor gleich ganze Kontinente gegen den Papst („die afrikanischen, nordamerikanischen und viele asiatische Bischöfe“). Man sei verstimmt, spätestens seit der autoritativen Führung der Synode. Wenn ich selber während der Synode Kritik gehört habe, dann die, dass der Papst zu wenig das Heft in die Hand genommen und zu viel auf Prozess gesetzt habe. Und selbst wenn es die andere Kritik auch gibt, eine derartige Vereinnahmung ist grob und schädigt letztlich das Argument. Deswegen kann man sagen: Theologie muss im Gegensatz zu den Thesen im Artikel differenzieren. Nicht über einen Kamm scheren. Oder wie mein erster Theologie-Lehrer sagte: Der Teufel liegt im Detail, Gott auch. Das etwas grob geschnitzte und deswegen fehl gehende Argument des Kontinente übergreifenden Aufbegehrens gegen die Theologie des Papstes verführt, erklärt aber nichts.

 

Auch mal prophetisch sein

 

„Es gibt eine gesellschaftliche Suchbewegung nach Alleinstellungsmerkmalen“ sagt Geyer weiter und wendet diesen Satz gegen das theologische Sprechen von der Inklusion. Erstens ist diese Suche zunächst noch wertneutral. Sie kann auch kräftig nach Hinten losgehen, die Wirklichkeiten verachten, ein sich Abschließen von Realität sein. Kann, nicht muss. Das nur als Bedenken. Theologisches Sprechen bedeutet hier eben, auch mal dagegen zu sein. Prophetisch wäre vielleicht schon zu stark, aber man muss den Geist der Zeit auch hier unterscheiden und feststellen, wo man mitgehen kann und wo man widersprechen muss, mit Blick auf den eigenen Glauben und auf Jesus Christus.

Das „Begehren“ nach Christus führt nämlich genau nicht zu Ausschluss, und wenn der Autor einen Jesuiten zitiert, dann tue ich das auch: „Die Welt ist Gottes so voll“, sagt Alfred Delp. Wenn man sich entschieden hat, Gott zu suchen und diese Entscheidung auch in seinem Leben durch trägt, dann lernt man, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden. Das ist keine Verwässerung des Gottesgedankens, das ist eine geistliche Präzisierung der Suchbewegung. Nicht alles ist deswegen gleich gut, Sünde bleibt Sünde, aber im Erkennen der Sünde erkenne ich eben auch den vergebenden Christus.

Der Artikel ist letztlich ein Plädoyer für „kirchliche Identität“. Das hat durchaus einen taktischen Zug: „Der Markenkern der Kirche wird unscharf, wenn sie ihre Marketingstrategen „Ecce homo“ mit „ja zur gesamten Wirklichkeit des Menschen“ übersetzen lässt.“ Markenkern, das ist so ein Begriff, der irgendwie modern klingt, aber einen Gedanken ins theologische Reden einführt, der da eigentlich nichts zu sagen hat. Kirche ist nicht um ihrer selbst willen Kirche, sondern um Gottes und der Menschen willen. Das Volk Gottes ist nichts in sich, es ist Volk Gottes, weil es als solches gerufen und berufen ist.

Wir könnten der Kirche gar keine Identität geben, selbst wenn wir uns noch so sehr bemühten. Das kann nur Christus. An uns bleibt es, in der menschlichen Wirklichkeit zu entdecken, wo wir seinen Auftrag erfüllen und seine Kirche aufzubauen helfen und auf seine Stimme hören können. Das geht nur durch das Hören, das geht nicht durch Alleinstellungsmerkmal und Markenkerne.

 

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26 Kommentare zu Markenkern und Alleinstellungsmerkmal

  1. Ecce Homo— und “ Kirche ist nicht um ihrer selbst willen Kirche,sondern um Gottes und der Menschen willen…“ zitiert aus ihrem bemerkenswerten Beitrag Pater Hagenkord!

    und das lässt mich an einen Zeugen denken, der mir auch Vorbild war und bleibt und um den ich mit unzählig vielen anderen trauere, TROTZ aller christlicher Hoffnung..

    RUPERT NEUDECK+

    er hat Liebe KONKRET gelebt!! und hat deswegen die beste Antwort auf diesen rechtsradikalen Müll gegeben!

    Rupert N. hat Antworten vorgelebt, die vielleicht wirklich die SEELE(!!)des „christlichen Abendlandes“ zu retten vermögen…

    RIP

    PS:
    mir fällt auf, dass die wichtigen Beiträge unserer Mitbloggerin Chrisma kaum mehr zu lesen sind; hoffentlich sind Sie nicht erkrankt. Und wenn doch DANN gute Besserung!

  2. Andreas sagt:

    Das jesuitische Motto „Gott in allen Dingen suchen …“ könnte Ignatius aus der Bhagavadgita entlehnt haben, als man dort findet: „Wer mich in allen Dingen sieht und alles schaut in mir, für den bin ich nie abwesend, und er ist nie abwesend für mich.“ (BG VI, 30; vgl. auch: http://www.pfarrerverband.de/print/artikel.php?id=3416)

    • Andreas sagt:

      Ergänzung: Die Bhagavadgita könnte man als Ganzes durchaus als ein Grundlagenwerk für die Ignatianischen Exerzitien ansehen. Und wie bei Matth. 10, 34-35 liegt ihr der gleiche Anstößigkeit zugrunde, ob man unter nahen Blutsverwandten Zwietracht sähen und kämpfen soll. Dürfen Brüder gegen Brüder das Schwert erheben? War Jesus, bevor er öffentlich auftrat, mit diesem Gedankengut auf ’seiner‘ Erde vertraut? https://www.flickr.com/photos/14591607@N05/5580259346 und http://www.old-map-blog.com/wp-content/uploads/2010/09/World_Map_Strabo_63BC-24AC.jpg
      Es dürfte doch damals wie heute für aufgeschlossene junge Menschen, damals nur Männer, ein Antrieb gewesen, zu den Rändern der ihnen bekannten Welt aufzubrechen, um sich von dort neue Erfahrungen und Einsichten zu holen.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Das ist schon recht weit an den Haaren herbei gezogen, wenn ich das sagen darf. Um zu solchen Schlüssen zu kommen, muss man nicht reisen, da helfen andere Erklärungen. Und nein, man kann die Bhagavadgita nicht als Ganzes als Grundlagenwerk für die Exerzitien ansehen. Ignatius kannte sie nicht und baut religiös auch anderen Quellen und Ideen auf. Das passt nicht hintereinander .

        • Andreas sagt:

          Ein solcher Kulturaustausch mag sehr unwahrscheinlich, aber nicht völlig unmöglich gewesen sein. Wir wissen so gut wie nichts darüber, wie Jesus die vielen Jahre vor seinem Auftreten zugebracht hat, was er tat, erlebte und reflektierte. „Als Ganzes“ wurde von mir sicherlich voreilig hingeschrieben, aber zur BhG und den IgE gibt es in der Literatur eingehende Vergleichsstudien z.B. von Varghese Malpan und Pavulraj Michael. Es ist ja verblüffend, welche Parallelen man trotz einiger Unterschiedlichkeit entdeckt.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Es mag schon sein, dass es Parallelen gibt, aber zur Entstehungsgeschichte der Exerzitien, zum geistlichen Hintergrund des Ignatius, zur Mentalitätsgeschichte der Frühneuzeit und allerlei anderem gibt es genug Studien um hier eine kausale Verbindung ausschließen zu können.
            Und aus einer nicht völligen Unmöglichkeit ergibt sich noch längst keine Möglichkeit. Das ist unlogisch. Man braucht da schon mehr als Mutmaßungen und Sätze mit Fragezeichen. Man bräuchte historische, sprachliche, kulturelle oder andere Verbindungen, die es nicht gibt. Aus Unwissen heraus kann man alles vermuten.

          • Andreas sagt:

            Indien war auf dem Landweg erreichbar und man hätte sich einer Handelskarawane anschließen können. Das wäre möglich gewesen. Wer sich zum Predigen berufen fühlte, für den dürfte (beschwerliches) Reisen ohnehin keine innere Hürde gewesen sein. Reisen war sicherlich damals die einzige Möglichkeit, etwas über die Welt, ihre Menschen und Völker zu erfahren. Könnte eine solche Erfahrung nicht in das Wort „Gehet hin zu allen Völkern…“ eingeflossen sein? Vielleicht wurde die Hypothese einer „Indienreise Jesu“ bereits mit wissenschaftlicher Strenge untersucht und das Ergebnis liegt irgendwo veröffentlicht vor. „Ich und der Vater sind eins“ findet m.E. eine Parallele im „Atman und Brahman sind eins“.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Ich bewundere ihre Hartnäckigkeit. Auch Afrika war auf dem Landweg erreichbar, dort gab es Handwerker, Zimmerleute etwa. Wäre es nicht möglich gewesen, dass Jesus sein Handwerk von dort gelernt hätte? Hätte würde wäre bei Abwesenheit von jeglichem Beweis oder auch nur Hinweis, bezogen nur auf sehr, sehr allgemeine Aussagen oder Satzstrukturen ergeben keine Theorie.

          • Andreas sagt:

            Es gibt sicherlich aktuellere und wichtigere Themen, als die Weltbezüge des Judentums zur Zeit Jesu und ihre möglichen Auswirkungen auf den Gründer des Christentums zu studieren. Vielleicht fühlt sich ja eines Tages ein Historiker berufen, sich solchen Fragestellungen seriös zu widmen und zu Antworten zu kommen in ähnlicher Weise, wie es vor Jahrzehnten Henry Petiot getan hat: http://www.catholicauthors.com/daniel-rops.html

      • Amica sagt:

        Lieber Andreas,

        ich denke auch, dass es viele Parallelen in den Lehren der Religionen gibt.
        Vielleicht liegt das ja an einem Art „Heiligen Geist“ der die Gläubigen egal welcher Konfessionen erhellt und letztendlich zur gleichen Wahrheit führt.
        Interessant finde ich etwa, dass es eine „Religion“ (?) geben soll, die irgendwie alle religiösen Lehren miteinander zu verbinden sucht: das Bahaitum.
        Leider kenn ich mich in dieser „Konglomeratlehre“ nicht aus… aber vielleicht finden Sie irgendwelche Antworten. 🙂

        • Andreas sagt:

          Danke für Ihren Hinweis. Es geht mir nicht um das Finden einer letzten gleichartigen Wahrheit – wenn es diese überhaupt gibt – sondern um ein zutreffendes Verstehen für die Zusammenhänge. Immerhin ist es erstaunlich, dass offenbar in einer bestimmten Epoche der Menschheitsgeschichte in den landverbundenenn Regionen der Erde ähnliche grundlegende und bis heute nachwirkende Fragen und Antworten auftauchten. Karl Jaspers nannte dies die Achsenzeit. https://de.wikipedia.org/wiki/Achsenzeit

          • Rosi Steffens sagt:

            Vielleicht ist es ja der Glaube, der sich in Religionen trennte um den letztendlichen Wahrheitsgehalt durch Ihn zu finden. Am Ende wird wohl die Vernunft über den Glauben siegen indem sie seinen Platz einnimmt und Gott als die Allmacht anerkennt, die ohne zeitliche und räumliche Begrenzung das Leben als stiller Begleiter jeglichem Wesen in dessen individueller Begrenztheit offenbaren kann. Jesus ist die Offenbarung Gottes, die durch das Evangelium für die ganze Menschheit gleich berechtigt im Raum steht. Was der Einzelne daraus für sich gewinnen kann, das obliegt seiner Fähigkeit zu glauben und aus dem Willen seiner Person die Eigenschaften zu schöpfen, die ihn Demut und Güte lehrten. Körper, Geist und Seele sind in Verbindung, das, was jedem Menschen zu Grunde liegt, um daraus ein Bewusstsein zu schöpfen, das sich durch das Ich kommunizieren kann. Die Achsenzeit mag der Weg in die bewusste Entscheidung der Gelehrten für die Göttlichkeit des Lebens gewesen sein oder aber der Erkenntnis aus der menschlichen Begrenztheit auf die eigene Lebenszeit zu Grunde liegen. Mit Jesus wurde auf jeden Fall all das offenbart, was durch göttliche Vaterschaft seinen menschlichen Zugang finden kann um daraus Unendlichkeit zu schöpfen. Damit ist jeder Mensch dem Willen der eigenen Person unterworfen, der die Gnade Gottes für das Leben in all seiner menschlichen Würde erlangen kann, die durch Jesus Christus im Raum steht.

        • Konstantin sagt:

          Parallelen in den Religionen gibt es sicher. Aber ob es ausgerechnet das BAHAITUM ist, mag ich doch zu bezweifeln.Grundaussage dieser Religion ist, dass Gott sich nicht nur einmal, sondern mehrmalig progressiv und zyklisch offenbart. Gott hat sich in seinem Sohn der Menschheit in
          e i n m a l i g e r w e i s e in Jesus Christus uns Menschen offenbart. Die Beziehungen zum Christentum mögen zwar Geschwisterlich sein, aber theologisch gesehen wiederspricht es schon der christlichen Religionen. Für mich unverständlich ist aber, das man/fau immer mit anderen „fremden“ Religionen argumentiert um damit das Christentum zu rechtfertigen.

          • Andreas sagt:

            Man argumentiert nicht mit anderen sondern älteren Religionen. Ohne das Judentum wäre das Christentum z.B. undenkbar. Woher wissen Sie so genau, dass Gott sich ausschließlich in Jesus Christus der Menschheit für alle Zeiten, natürlicherweise noch ein, zwei Milliarden Jahre auf der Erde, geoffenbart hat? Sollte man da nicht etwas bescheidener denken? Oder kennen Sie Gottes Wege?

          • Konstantin sagt:

            @Andreas 5. Juni / 22.55
            Jesus wird (wieder) kommen in Herrlichkeit.Karl Jaspers Theorie von der „Achsenzeit“ wird heute von vielen Geschichstwissenschaftlern skeptisch gesehen und der Forschung verworfen. Karl J. spricht in diesem Zusammenhang ausdrücklich von philosophischen und technischen Fortschritten.

          • Andreas sagt:

            Aber wann ist die Rückkehr? Dass die Theorie einer Achsenzeit umstritten ist, ist (auch mir) bekannt. Eine Theorie kann durchaus unzutreffend sei und im Laufe der Zeit revidiert oder gar aus guten, vernünftigen Gründen ganz verworfen werden.

  3. L'Osservatore sagt:

    In der Tat: Wir können der Kirche keine neue Identität geben.
    Aber wir müssen verhindern, daß sie von den „Katholiken“, die den Protestanten ins Nirvana des Zeitgeistes folgen wollen, mißbraucht wird.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ein wenig wirr ist das schon. Katholiken in Anführungszeichen und so. Bleiben Sie positiv!

    • Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion in festgefahrenen Bahnen verläuft und deswegen auch kaum Fortschritte zu erwarten sind.

      In der letzten Zeit bin ich auf das Buch des Soziologen Peter L. Berger, Auf den Spuren der Engel. Die moderne Gesellschaft und die Wiederentdeckung der Transzendenz, gestoßen, das vor rund 50 Jahren geschrieben worden ist und das für mich erstaunlich aktuell ist (Berger ist nämlich ein guter Soziologe!).

      Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Diagnose der Säkularisierung moderner Gesellschaften, die mit einer Marginalisierung religiösen Denkens, der Entzauberung der Welt einhergehe. Ihn interessiert, wie Religion mit dieser Krise umgeht, und er beschreibt dann zwei wesentlichen Strategien: Die deduktive Option, die in Frontstellung zum Zeitgeist die eigene ewige Wahrheit in Erwartung besserer Zeiten verteidigen will, und die reduktive Option, die die Religion von allem Fremden, dem Zeitgeist nicht mehr vermittelbaren bereinigen möchte, um so noch Zugang zum modernen Menschen zu finden. Mir scheint, dass wir heute über diesen Diskussionsstand noch nicht hinausgekommen sind.

      Berger kommt zu ganz anderen Schlüssen. Zunächst hat er in seinen kulturvergleichenden Studien festgestellt, dass Religion keineswegs marginalisiert, sondern unverzichtbar ist zum Verständnis von Gesellschaften in globaler Perspektive. Für mich ist es schon faszinierend, wie ein Wissenschaftler vor 50 Jahren die wesentlichen Wirkmechanismen unserer globalen Welt von heute identifizieren konnte.

      Auch den Gegensatz zwischen der deduktiven und reduktiven Option löst er sehr elegant auf, indem er nämlich nach den unscheinbaren Zeichen von Transzendenz in modernen Gesellschaften forscht. Ohne hier ins Detail gehen zu wollen, interpretiert er den Sinn für Ordnung, das selbstvergessene Spiel, die unbegründete Freude als Rumor of Angels (so der Originaltitel seines Buches), als Spuren von Engeln. Das sind für ihn empirisch beobachtbaren Zeichen, die zeigen, dass die Dimension der Transzendenz auch für modere Gesellschaften gilt, dass hier nach wie vor ein tiefes Bedürfnis des Menschen besteht. Dieses Bedürfnis müssen wir aufgreifen – da sind sich Berger, vor 50 Jahren, und Papst Franziskus, in Evangelii Gaudium heute, einig.

      • Konstantin sagt:

        Paul Compes 2.Juni / 17:10
        Kann man alles sehr gut nachlesen in dem Buch von Fritz Stolz: „Religion und Rekonstruktion“ (Verlag Vandenhoeck & Ruprecht.) Einen Fritz Stolz, immerhin einer der grossen Religionswissenschaftler unserer Zeit, sollte man, in seinen Ansichten, nicht so „zerrupfen“.

        MfG

        • … ich wollte eigentlich ganz unschuldig nur die Soziologie ins Spiel bringen.

          • Konstantin sagt:

            @Paul Compes 6.Juni 2016 / 13:23
            Verzeihen sie mir, ich wollte sie nicht mit ihrem Kommentar kompromittieren. Aber, während meines Studium waren die Schriften von Fritz Stolz so etwas wie ein „Ziehvater“.Für mich war er durch und durch Religionswissenschaftler.

    • Kosakenzipfel sagt:

      Komisch, bei „Zeitgeist“ schalte ich immer automatisch ab, weil den nur Ewiggestrige bemühen, die irgendwo in einem der letzten Jahrhunderte feststecken…

      • Konstantin sagt:

        An ihren Nick – Kosakenzipfel – muss man sich zwar erst gewöhnen, aber ihr Kommentar spiegel kurz und bündig aus, was auch „Zeitgeist“ für mich bedeutet. Danke und einen guten Sonntag.

        MfG

  4. Jorge sagt:

    Man sollte es so ausdrücken:
    Markenkern und evtl. auch Alleinstellungsmerkmal des Christentums, und da speziell auch der Katholizität, ist ja gerade die Menschenfreundlichkeit und der „inklusive“ Ansatz der vorweg geschenkten Liebe des guten Vaters.

    Deshalb ist es zum Beispiel auch nicht „unbarmherzig“, menschenfeindliche Tendenzen auszugrenzen bzw. sich bewusst von ihnen abzugrenzen (man denke an den vieldiskutierten AfD-Ausschluss).

    Da gehen sehr häufig die Begriffe durcheinander.

    Im WELT-Interview mit Sternberg z.B. wurde er bzgl. der Abgrenzung von dieser Partei darauf hingewiesen, Jesus habe ja auch mit Sündern und Zöllner gegessen. Diese Argumentationsweise findet man auch bei sonstigen Kritikern des Umgangs der ZdK-Katholiken mit der AfD oft.

    In Wirklichkeit grenzt man sich von diesen Leute ja gerade deswegen ab, weil sie diesen „inklusiven“ Ansatz, sich mit Außenseitern abzugeben und mit allen zu essen, ausdrücklich ablehnen und lieber das „Eigene“ und die Ausgrenzung des „anderen“ hervorheben.

    Wenn Christus sagt, er sei das Schwert, das Streit auf die Welt bringt und keinen Frieden, wird das von vielen so ausgelegt, als dürfe man demzufolge auch mal dreinschlagen und das Christentum sei gar nicht so friedfertig, wie es scheint und müsse auch mal hart sein.

    In Wirklichkeit besteht die Spaltung und der Streit ja gerade zwischen denen, die friedfertig und „inklusiv“ sind, und jenen, die das nicht sein und lieber dreinschlagen wollen.
    Und *diese* Spaltung und *dieser* Streit sind genau richtig und den Worten des Herrn zufolge unausweichlich.

    Wir sollen also gerade gegen die Widerstände derjenigen, die die streitende Kirche als Kampftruppe begreifen und der Abgrenzung das Wort reden, konsequent bleiben und an Sanftmut und Inklusion als Markenkern festhalten und *dafür* auch Streit riskieren.

    Diesen Markenkern, das „Eigene“, verwässerern also gerade diejenigen, die das „Eigene“ in den Vordergrund stellen und einer selbstbezogenen Religion das Wort reden.

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