„Setze dich mir zur Rechten“

Es gibt erstaunlich viele Menschen, die die Gebete der Laudes oder der Vesper oder beides täglich beten. Geweihten Priestern ist dies aufgegeben, aber darüber hinaus finden eine ganze Menge Christinnen und Christen dort eine Sprache für das Gebet, die ihnen entspricht.

Erstaunlich ist dies vielleicht deshalb, weil die Sprache der Psalmen und deren Bildwelt nicht mehr die unsere ist. Es geht um eine Agrargesellschaft und um mediterane Pflanzen, es geht um Könige und Feinde, um Krieg und Unterwerfung. Und doch überliefern sich in diesen Texten oder besser in diesen Gesängen Erfahrungen mit Gott, die weitergebbar sind.

Mache ich mir diese Worte zu eigen, kann ich lernen, mein Leben in ihnen auszudrücken. Das ist manchmal sperrig und geht nicht von heute auf morgen. Wie alle Dichtung brauchen auch die Psalmen Aufmerksamkeit und Wachheit des Betenden.

Papst Benedikt XVI. schloss an diesem Mittwoch seine Generalaudienz-Katechesen zu den Psalmen ab, und er fügte die Einladung an alle an, „noch mehr mit den Worten der Psalmen zu beten, vielleicht sogar die Laudes, die Vesper und die Komplet zu eurem  regelmäßigen Gebet zu machen.“ Das könne eine Bereicherung werden.

 

Der Papst sprach heute über Psalm 110:

„Dieser Königspsalm wurde von der Kirche stets sehr geliebt. Die feierlichen Anfangsworte: „So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße“ (V. 1), Weiterlesen

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Unverständnis

Es lässt sich nicht leugnen, mir ist in diesem Blog die Beziehungskiste zwischen Kirche und Medien sehr wichtig. Es tut sich viel, nicht alles angenehm, wie man auch in diesem Blog hat lesen können, sehr viel an Wandel und an Überforderung, sehr viel an neuen Chancen.

Mit einem Studientag hat sich der Vatikan letzte Woche mit dem Phänomen beschäftigt. Titel: „Unverständnis – die katholische Kirche und die Medien“. Kardinal Gianfranco Ravasi vom Päpstlichen Kulturrat hat uns gegenüber versucht, aus der Veranstaltung seine Schlüsse zu ziehen:

„Wir müssen eben sehen, dass es in unserer Zeit eine große Revolution im Medienbereich gegeben hat: Wir stehen nicht mehr nur der Presse gegenüber, wie wir sie etwa zu Zeiten von „Humanae Vitae“ oder dem Konzil hatten. Jetzt leben wir in einer virtuellen Welt, einer Welt extrem schneller Information, des Fernsehens und des Bildes. Weiterlesen

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Die Predigt von den Dächern

Was Kirche im Internet zu suchen hat, für Möglichkeiten hat, tun kann und tun soll: Auf der Suche nach klugen Gedanken dazu bin ich auf einen Text Papst Johannes Pauls II. gestoßen: Das Evangelium im Zeitalter der globalen Kommunikation. Hier ein Auszug:

 

,,Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern“ (Mt 10,27). Tief in unserem Herzen haben wir heimlich die Wahrheit Jesu vernommen; nun sollen wir jene Wahrheit von den Dächern verkünden.“

,,In unserer heutigen Welt sind die Hausdächer fast immer übersät mit einem ganzen Wald von Sende- und Empfangsantennen, die Botschaften jeder Art in alle Welt aussenden und aus aller Welt empfangen. Da ist es nun von entscheidender Bedeutung zu gewährleisten, dass unter diesen vielen Botschaften auch das Wort Gottes gehört wird. Den Glauben von den Dächern zu verkünden, heißt heute, das Wort Jesu in der und durch die dynamische Welt der Kommunikationsmittel auszusprechen.“

Die Kirche dürfe nicht schweigen – so fährt der Papst dann fort – denn sie biete „die einzige letztlich befriedigende Antwort auf die tiefgründigsten Fragen des menschlichen Herzens – Jesus Christus selber“. Dieses Heil sei den Menschen zur Weitergabe anvertraut.

 

Beziehungsgeschichte Medien – Wirklichkeit

,,(…) Daraus folgt, dass sich die Kirche immer eingehender auf die sich rapid entwickelnde Welt der Kommunikation einlassen muss. Das weltumspannende Kommunikationsnetz weitet sich aus und wird von Tag zu Tag komplexer, und die Medien haben in zunehmendem Maße erkennbaren Einfluss auf die Kultur und ihre Übermittlung. Wo einst die Medien über Ereignisse berichteten, werden heute oft Ereignisse erfunden oder bearbeitet, um den Bedürfnissen der Medien zu entsprechen. Auf diese Weise ist die Beziehung zwischen Wirklichkeit und Medien komplizierter geworden, und das ist ein zutiefst ambivalentes Phänomen. Weiterlesen

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Eine Frage, Pater Terstriep …

Wir sprechen heute vermehrt von „religiöser Indifferenz“. Menschen sei Religion egal. Nun ist Indifferenz ja Teil der christlichen Tradition, und das auch noch in einem guten Sinn. Trotzdem ist der Begriff der religiösen Indifferenz nicht positiv gemeint: Pater Dominik Terstriep: Was ist der Unterschied zwischen Indifferenz und „Das-ist-mir-egal“?

„Das-ist-mir-egal” kann man von zwei Seiten her betrachten. Es gibt eine aktive Gleichgültigkeit. Die kann positiv ein Schutz sein. Jemand muss sich vor etwas schützen, das ihm bedrohlich erscheint, um weiter leben zu können. Er weiß sehr wohl, dass es die Gefahren um ihn herum gibt, sieht aber an ihnen vorbei, um – im Extremfall – überleben zu können oder weniger dramatisch, um weiter das tun zu können, was er gerade jetzt tun muss. Man kann z.B. an einen Studenten denken, der sich auf ein Examen vorbereitet und weiß, dass die Stoffmenge so groß ist, dass er das Ganze nicht wird beherrschen können. Dennoch versucht er sich so gut wie möglich vorzubereiten. Während der Vorbereitung auf die Prüfung ist ihm egal, was dann drankommen wird. Er tut sein Bestes, um arbeitsfähig zu bleiben und nicht durchzudrehen.

Oder eine Pflegerin im Hospiz, die jeden Tag mit dem Sterben konfrontiert wird. Sie kann nicht mit jedem Patienten mitsterben. Sie wird kaum sagen, der Sterbende sei ihr egal, aber sie schützt sich, indem sie den Tod, der auch sie einmal treffen wird, nicht zu nah an sich heran lässt. Oder denken wir an eine Frage oder einen Konflikt. Beide können jetzt nicht gelöst werden, man kommt da einfach nicht weiter. Sie werden auf die Seite gestellt, um dann hoffentlich später einmal wieder aufgegriffen zu werden.

Ins Negative schlägt diese Haltung um, wenn „Das-ist-mir-egal“ zu einem undurchdringlichen Panzer wird. Weiterlesen

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Der Rhythmus der Synode

Sprechen und Buchstaben auf weißem Papier: Mindestens wir im Westen haben entschieden, was die Medien für die ernsthaften Dinge sind. Wenn wir da mal nicht falsch liegen: Es geht auch anders, vielleicht von uns ach so fortschrittlichen Menschen belächelt, sind diese Aufschreibsysteme nicht der einzige Weg. Was ein Projekt und ein Gespräch darüber zeigen soll: Wenn Papst Benedikt XVI. gegen Ender der Woche nach Benin fährt, dann wird einer der Anlässe für die Reise das sogenannte postsynodale Schreiben sein, also die Gedanken und Reflexionen des Papstes im Anschluss an die Afrika-Synode im Vatikan vor nun zwei Jahren. „Die Kirche im Dienst an Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“ war das Thema der Sonderversammlung der Bischofssynode. Ein Text auf Papier.

Drei Musiker haben nach der Synode die Gedanken und Anstöße in Musik umgesetzt. Zwei von ihnen sind kontinentweit bekannte Größen der Musik, der dritte ist im Hauptberuf Redakteur hier bei Radio Vatikan. Ein Gespräch über Afrika, die Macht der Musik und den Beitrag der Kirche:

Filomeno Lopes, Redakteur von Radio Vatikan, im Studio

Filomeno Lopes

Filomeno Lopes, es ist eine CD mit afrikanischer Musik entstanden, wahrscheinlich wird es in Benin vor dem Papstbesuch auch ein Konzert mit dieser Musik geben. Warum Musik? Wann habt ihr begonnen, diese Musik zur Synode zu machen? Schon während der Synode?

„Nein, wir haben nach der Synode damit begonnen. Wir haben darüber nachgedacht, was ein Mittel sein könnte, die Ideen und den Inhalt der Synode und auch des kommenden Schreibens des Papstes zur Synode zu verbreiten. In Afrika sind das Straßenthemen. Frieden, Gerechtigkeit und Frieden sind keine Predigtthemen, man spricht überall darüber. Wir wollten nun ein in ganz Afrika geschätztes Mittel nutzen, und das ist nun einmal die Musik.“

 

Sprache der Jugend
„Wir wollten die Kirche ermuntern, vor allem die katholische Kirche, endlich zu erkenne dass heute ein großer Teil der Jugendlichen, die wir ja erreichen wollen, wir nur über die Musik erreichen können. Ob es uns gefällt oder nicht, die Musik ist das Mittel dazu.

Nur ein Beispiel: Im Südwesten Afrikas, wo ich herkomme, gibt es 15 Staaten. Nach dem Krieg in Liberia, in Guinea Bissau – meinem Land – und so weiter, wollen heute über 90 % aller Jugendlichen bis 17 Jahren Musiker werden. Sie wollen Rapper werden. Sie wollen Dinge sagen, die ich in ihrem Alter mich nicht getraut hätte, den Erwachsenen zu sagen. Sie wollen kommunizieren, sie wollen reden. Und die Musik kann das schaffen. Weiterlesen

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Schämt euch, Journalisten, schämt euch!

Wer für den Vatikan arbeitet, bekommt sehr schnell und mehr als einem lieb ist Einblick in die Arbeitsweise meines Berufsstandes. Vieles wird übertrieben, angespitzt, falsch dargestellt, Dinge werden weggelassen, kurz: Je konfliktreicher, desto besser. Der Gipfel journalistischer Qualität ist derzeit in der Schweiz zu finden: Die Überschrift „Papst will keine Sexfilme mehr verkaufen“ ist auf so verschiedenen Ebenen falsch, irreführend, ärgerlich und unjournalistisch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, mich zu ärgern.

Wäre ich gelassen, würde ich denken, dass dieser Schreiberling meine, der Papst habe bisher selber Filme verkauft, in einer dieser Zeitungskioske wohlmöglich, hinterm Bahnhof, unterm Ladentisch. Das allein zeigt, wie völlig absurd das Theater ist. Der Artikel selbst unterstützt die Überschrift natürlich nicht, die ist nur gewählt worden, weil es sexy ist und Leute das lesen. Für wie dumm werden wir eigentlich gehalten? Auch wenn es sich um „20Minuten“ handelt, es gibt ein Grundniveau, das nicht unterboten gehört.

Noch ein Beispiel gefällig? Das ‚Pur’ Magazin, das sich katholisch nennt, fragt auf der Titelseite ‚Bischöfe als Porno-Produzenten?’, schön mit Fragezeichen versehen, dass das nicht als üble Nachrede zu bezeichnen ist. Meinen die tatsächlich ‚Produzenten’ ? Doch wohl kaum!

Das ist Irreführung, das ist unprofessionell. Nur weil es mit Sex und Pornografie zu tun hat und endlich schön mit Dreck geworfen werden kann, fallen alle journalistischen Hemmschwellen.

Schämen Sie sich!

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Der Herr des einen Bundes

Gerne hören wir die Unterscheidung zwischen den beiden Bünden, dem neuen (Neues Testament, christlich) und dem alten Bund. Das soll wohl dabei helfen, die Gebote des ersten Bundes nicht zu wichtig nehmen zu müssen. Falsch! sagt unser Glaube. Falsch! sagt heute auch der Papst:

 

Generalaudienz 9. November 2011

Papst Benedikt XVI. bei einer Generalaudienz

Papst Benedikt XVI., Generalaudienz auf dem Petersplatz

Heute möchte ich einige Gedanken zu Psalm 119 oder nach anderen Zählungen 118 vorlegen. In diesem langen Gebet wird die Schönheit der Tora, des Gesetzes Gottes besungen. Als Offenbarung und Wort Gottes trägt sie eine heilende Kraft in sich, sie zeigt, wie man lebt, sie schenkt Freude und Leben. Das Gesetz Gottes drückt nicht nieder wie eine Last, es ist uns nicht wie als Knechten auferlegt, sondern es macht uns frei, zu Söhnen, wird von uns so angenommen und wird dann zur wirklichen Freude. Für den Psalmisten bedeutet das Hören des Wortes deswegen auch, ihn selbst aufzunehmen, im Wort ist Er da, ihm zu begegnen. Und so betet er: „Mein Anteil ist der Herr; ich habe versprochen, dein Wort zu beachten“ (V. 57). Das Wort „Anteil“ erinnert an die Stämme Israels, die sich das verheißene Land in Besitz nahmen und jeder sein Landstück bekam und damit fest zum Erbe Gottes gehörte, indem er ein Erbe im Land hatte. Die Leviten und damit die Priesterschaft wurde kein Land zugeteilt. Ihr Erbteil, ihr Land, war Gott selbst. So spricht der nach Numeri zum Priester Aaron: „Du sollst in ihrem Land keinen erblichen Besitz haben. Dir gehört unter ihnen kein Besitzanteil; ich bin dein Besitz und dein Erbteil mitten unter den Israeliten“ (Num 18:20). Weiterlesen

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Die moderne Diskriminierung der Frau

Deutliche Worte des Papstes nach Deutschland: An diesem Montag empfing Benedikt XVI. den neuen Botschafter der Bundesrepublik beim Heiligen Stuhl, Reinhard Schweppe, in Audienz. Traditionell werden dabei eher grundsätzlich gehaltene Ansprachen ausgetauscht. Der Papst sprach über Menschenrechte, über den Beitrag der Religion zur Gesellschaft, der über eine ethische Prägung hinaus gehe. Zum Schluss wurde er sehr konkret:

An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, dass Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, dass der notwendige Einsatz gegenüber diesen Missständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.

 

 

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Nachtrag: Das Vatikandokument zu Finanz- und Geldsystem

Leider habe ich das offizielle Dokument online nicht gefunden, also stelle ich es online: Towards Reforming ENG

Towards Reforming the International Financial and Monetary Systems in the Context of Global Public Authority, Vatican City, 2011

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Occupy Vernunft

Die Mächtigen der Welt tagen, vertagen sich und lassen alle weiter führenden Beschlüsse für morgen übrig. Dann drehen sie sich vom Tisch weg, schauen uns an und sagen uns, wir müssten jetzt vernünftig handeln, um aus der Krise hinaus zu kommen. Vernünftig. Das soll wohl heißen, dass die Demokratie und Beteiligung erst einmal suspendiert wird. Alles im Namen der Vernunft.

Was soll das schon sein, die Vernunft? Reason as motive, reason as logic or reason as a way of life? hält George Smiley Peter Guillam entgegen (Tinker Tailor Soldier Spy). Vernunft ist eben nicht immer gleich Vernunft. „Sei doch vernünftig!“ ist ein Rat, der gerne verwendet wird, wenn es gegen ein Wagnis, gegen das Älterwerden oder Selbstständigwerden von Kindern geht. Man will etwas tun aber die Konventionen stehen dagegen. Vernunft: Das kann das Tarnwort für Konvention sein.

So geschehen jetzt in Griechenland. Ich gestehe ich habe Respekt vor Herrn Papandreou, dem Politischen in der Krise wieder einen Platz einräumen zu wollen. Natürlich heißt Demokratie nicht, dass alle anderen für deine Fehler bezahlen müssen. Aber den kollektiven Aufschrei und vor allem die wirtschaftliche Vernunft, die gleich die Aktien in die Tiefe und die Zinsen in die Höhe getrieben hat, um ihr Missfallen über die Einbeziehung der Menschen kund und zu wissen zu geben, die ist eben nicht vernünftig. Stattdessen auf das Großkapital Chinas zu hoffen, spricht Bände.

Diese Vernunft ist Zeichen der Konvention, die sich dagegen wehrt, dass jemand nicht nach ihren Spielregeln spielen will. Die Vernunft schützt die Reichen und die Strukturen, die die Reichen reich sein lassen.

Ich gebe zu dass ich immer noch nicht verstehe, was genau da passiert und wie groß eigentlich die Summen sind, um die es geht. Der Appell an meine Vernunft aber, mich zu unterwerfen und das Unvermeidliche zu tun, der verfängt nicht. Den Mechanismen der Wirtschaft folgen ist nicht immer vernünftig.

Deswegen braucht es eine andere Vernunft, das alles zu kontrollieren. Vernunft und Liebe halten heutzutage nicht viel Gemeinschaft, das wusste schon Shakespeare. Das Handeln nach dem Verstand muss sich gefallen lassen, dass der Verstand selbst nicht letzter Grund ist. Auch er muss sich befragen lassen. Die Kriteren seines Denkens müssen sich befragen lassen.

Der Christ sagt: Glaube und Vernunft gehören zusammen, zweitere muss den ersteren reinigen, damit er nicht eng wird. Aber der Glaube muss auch die Vernunft korrigieren, da sie sonst ihren Grund verliert. Wenn die Vernunft nur dazu da ist, den Status Quo zu erhalten und mir zu sagen, dass ich mich bitteschön anpassen muss, denn im Augenblick geht es gerade nicht anders, dann ist die Vernunft nicht mehr vernünftig. Wenn die Vernunft verbietet, dass in einer Demokratie das Volk gefragt wird, dann ist das nicht mehr vernünftig. Es mag ein Zwang sein und kein Weg darum herum führen, das mag schon sein, aber es ist dann eine Sackgasse und als solche Konsequenz eines Fehlers, es ist aber nicht Quintessenz der Vernunft.

Denk selber, occupy Vernunft!

 

 

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