Gemeinsam auf etwas setzen: Die Beteiligung der Nicht-Glaubenden

Aus Assisi.

Das Friedenstreffen von Assisi ist nicht einfach nur eine Weiterführung einer Idee, es ist eine Weiterentwicklung. Durch die Einladung an Nichtglaubende hat Benedikt XVI. dem Treffen eine eigene Prägung hinzugefügt.

Guillermo Hurtado aus Mexiko spricht bei der Abschlusserklärung einen Absatz, der die Absicht ausdrückt, sich an der Suche der Glaubenden im Dialog zu beteiligen. Mehr Aufsehen aber erregte die Ansprache von Julia Kristeva, Philosophin und Literaturwissenschaftlerin aus Paris.

Die Worte Johannes Pauls II. „Habt keine Angst“ seien nicht nur an Gläubige gerichtet, weil sie dazu aufforderten, dem Totalitarismus zu widerstehen, so Kristeva in Santa Maria degli Angeli. Weiterlesen

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Warum ausgerechnet Assisi?

Assisi – Der Ideale Ort für ein Treffen, bei dem der Frieden im Zentrum steht. Der heilige Franziskus wird automatisch mit Gewaltlosigkeit in Verbindung gebracht. Aber unter den christlichen Heiligen ist er da nicht der einzige. Warum ist es gerade Assisi? Bruder Thomas Freidel lebt seit vier Jahren im großen Franziskanerkloster von Assisi. Er ist der Seelsorger, Fremdenführer, Übersetzer, Organisator und vieles mehr für die vielen Deutschsprachigen in Assisi.

Bruder Thomas Freidel OFM Conv

Bruder Thomas Freidel OFM Conv, Assisi

„Die Entscheidung damals von Papst Johannes Paul II. die traf eigentliche unsere Mitbrüder hier nicht ganz überraschend. Assisi war schon immer ein Anlaufpunkt für ökumenische Begegnungen und für interreligiösen Dialog. Dialog hat schon immer die Menschen hier zusammen geführt und vor allem seit den Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils hatten wir hier schon immer einen Mitbruder, der als Delegierter für diese Arbeit Ökumene / interreligiösen Dialog tätig war. Der Papst hat das dann aufgegriffen und dadurch natürlich gewaltig in Bewegung gebracht. Seit 1986 ist dieses Thema noch viel mehr präsent. Es kommen auch sonnst immer mal Besucher auch aus anderen Religionen hierher. Die christliche Ökumene spielt hier natürlich immer eine Rolle, gerade auch für den Deutschen, der hier tätig ist. Franziskus ist schon immer eine verbindende Figur. Deswegen sind wir natürlich sehr froh, dass dieses Anliegen weiter geführt wird, dass Assisi als Stadt des Friedens und als Ort des Dialoges der Religionen in der Welt präsent bleibt.“

Und wie die Päpste Johannes Paul II. und jetzt Benedikt XVI. den Genius des Ortes aufgegriffen haben, so nutzen sie auch die kleinen Rituale der Franziskaner. So werden den Teilnehmern zum Ende des Treffens Öllampen überreicht.

„Diese Lampen spielen auch sonst bei uns immer eine wichtige Rolle. Jedes Mal, wenn ein Politiker zu Besuch kommt oder ein Ehrengast oder Staatsgast, dann bekommt er immer vor dem Grab des Franziskus diese Lampe überreicht, um zu zeigen, dass es uns ein Anliegen ist, dieses Anliegen des Friedensgebetes weiter zu tragen.“ Weiterlesen

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Aus Assisi

Assisi, der Platz vor San Francesco, die letzten Vorbereitungen für das Friedenstreffen

Vorbereitungen in Assisi für das Treffen morgen

Seit heute Mittag bin ich in Assisi, während in Rom die letzten Vorbereitungen für das Ereignis „Pilger des Friedens, Pilger der Wahrheit“ laufen. So hat der Papst statt einer Generalaudienz heute einen Wortgottesdienst zur Vorbereitung gehalten.

Als Christen müssen wir unterwegs sein, Jesu Versprechen, immer bei uns zu sein, gilt, weil wir Pilger sind. Wir sind unterwegs, aber sind das nicht mit Macht. Das sagte Papst Benedikt beim Vorbereitungsgebet für Assisi III. Wörtlich:

„Wer auf der Suche nach Gott ist, der verbreitet den Frieden, und wer Frieden schafft, der nähert sich Gott.“

 

 

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Bahnfahrt nach Assisi, vierte Haltestelle: 2002

Ein Blick auf Assisi von der Oberstadt aus

Assisi

Assisi 2 – wie ich es einmal nennen möchte – stand ganz unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September einige Monate zuvor.

Das Wort ‚Frieden’ hatte einen ganz anderen Klang, nach dem Terror standn die Zeichen auf Konfrontation, auf Vereinfachung der Konfliktsprache in ‚Kampf der Kulturen’, es herrschte Angst vor dem unsichtbaren Terror: Es wurde schnell gerüstet, Journalisten machten Geschichten über militärische Spezialeinheiten und man schaute in den Irak und nach Afghanistan. Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 war das Thema auch in der westlichen Welt angekommen.

Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache: „Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass die Wolken des Terrorismus, des Hasses, der bewaffneten Konflikte vertrieben werden, denn in den vergangenen Monaten haben sich diese Wolken am Horizont der Menschheit besonders verdichtet. Deshalb wollen wir aufeinander hören, weil das schon ein Zeichen des Friedens ist, das fühlen wir. Darin liegt ja schon eine Antwort auf die besorgten Fragen, die uns beunruhigen. Das dient bereits dazu, die Nebel des Misstrauens und Unverständnisses zu lichten.“

Aufeinander hören ist schon ein Zeichen des Friedens. Miteinander den Berg nach Assisi hinauf ziehen ist schon ein Zeichen des Friedens, möchte ich mit Blick auf das Friedenstreffen in diesem Jahr anfügen.

Einigen reicht das nicht. Weiterlesen

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Bahnfahrt nach Assisi, dritte Haltestelle: 1986

Beim Friedenstreffen von Assisi 1986 stand das Gebet ganz im Mittelpunkt, und das nicht ohne Kontroverse.

Es war ein Welttag des Gebetes, das hat damals auch der Papst betont. Nur durch Gebet würde eine Dimension des Friedens erreicht, die durch Verhandlungen niemals erreicht werden könne. Politische Kompromisse oder ökonomisches Handeln schaffen nicht, was Gebet schafft: Das Nutzen der tiefsten Quellen des Menschseins, die Suche nach dem Absoluten, wie auch immer dieses genannt und angebetet wird.

Was meinte der Papst damit? Gebet schließt die Bekehrung ein und vertieft unser Verständnis der letzten Wirklichkeit. Es schließt für die Christen auch ausdrücklich das Bekenntnis der eigenen Reue ein. Das bedeutet vor allem die Betrachtung des Kreuzes, das Gewahrwerden der Konsequenzen von Sünde und Unfrieden unter den Menschen. Es bedeutet aber auch im Geist der Wahrheit Wege des gegenseitigen Verstehens zu finden. Johannes Paul II.: „Ich wiederhole demütig hier meine eigene Überzeugung: Friede trägt den Namen Jesu Christi. Aber zur selben Zeit und im selben Atemzug bin ich bereit anzuerkennen, dass Katholiken nicht immer treu zu dieser Glaubensaussage gestanden haben. Wir sind nicht immer ‚Friedensstifter’ gewesen. Deshalb ist für uns selbst, aber vielleicht auch in einem gewissen Sinn für alle diese Begegnung in Assisi ein Akt der Buße. Wir haben gebetet, jeder auf seine Weise, wir haben gefastet, wir sind zusammen gepilgert. Auf diese Weise haben wir versucht, unsere Herzen der göttlichen Wirklichkeit über uns und auf unsere Mitmenschen hin zu öffnen.“ Weiterlesen

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Bahnfahrt nach Assisi, zweite Haltestelle: Franziskus

Darstellung des Heiligen Franziskus im Kloster Subiaco, wahrscheinlich das einzige zu den Lebzeiten des Heiligen entstandene

Franziskus, Darstellung im Benediktinerkloster Subiaco, das wahrscheinlich einzige zu Lebzeiten entstandene Bild

Der Heilige Franz von Assisi ist mit Abstand der beliebteste und bekannteste Heilige der Katholischen Kirche. Wenige haben wie er Spiritualität und Glauben geprägt, wenige eine so starke und lang anhaltende Bewegung gegründet.

Der wahre Grund ist aber wahrscheinlich, dass wenige Menschen Jesus so nahe gekommen sind, wie er. Wir sehen in dem mittelalterlichen Asketen und Prediger ein Bild, wie Jesus 1.000 Jahre nach Christus gelebt haben könnte. Oder vielleicht besser: Wie ein Leben 1.000 Jahre nach Christus aussehen müsste. Und das ohne moralinsaure Botschaft. Der Heilige ist freundlich und macht uns kein schlechtes Gewissen, er zeigt uns christliches Leben in aller Radikalität, Friedlichkeit, Freiheit, Anspruchslosigkeit in Sachen Macht etc.

Damit gibt er uns den perfekten Ort für Treffen zum Thema Frieden: Seine Stadt, Assisi. Sein Leben und das seiner Mitstreiter Clara und der erste Franziskaner – so fern es uns auch sein mag – ist immer noch stark genug, das meiste von dem auszudrücken, warum die Vertreter der Religionen und nicht nur sie nach Assisi kommen. Weiterlesen

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Bahnfahrt nach Assisi, erste Haltestelle: Nostra Aetate

Die Treffen von Assisi sind ohne das Zweite Vatikanische Konzil nicht denkbar. Johannes Paul II. und jetzt Benedikt XVI. führen eine Gedankenlinie fort, die mit der Konzilserklärung Nostra Aetate ihren Anfang nahm, dabei aber nicht stehen blieb.

Grundlage dieser Gedankenlinie ist die gottgefügte Schicksalsgemeinschaft aller Menschen. Die Kirche „lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist“, heißt es in der Konzilserklärung. Alle Christen sollen die sittlichen und geistlichen Güter der anderen Religionen anerkennen und fördern, aber auch die sozial-kulturellen Werte. Gleichzeitig formuliert die Kirche aber auch ihren Sendungsauftrag, ohne diesen Auftrag ist die Kirche nicht die Kirche. Achtung der anderen Religionen und die Achtung der eigenen Religion, die ohne Verkündung nicht zu denken ist, gehören zusammen.

Das Stichwort ist „Gespräch und Zusammenarbeit“. Das ist das Mittel, das das Konzil angewendet wissen will. Die dahinter liegende Haltung ist die der Achtung und der Brüderlichkeit, auch diese liegt in der christlichen Religion: „Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern“, so heißt es zu Beginn des Schlussabsatzes.

Seit 1986 wird diese Gedankenlinie weiter gezogen, Assisi geht einen Schritt weiter. Johannes Paul II. entwickelt den Gedanken des Gemeinsamen, er wollte Gespräch und Zusammenarbeit, aber er wollte auch die Symbolik, die unserer Welt ihre eigene Plausibilität und Stärke hat. Das Nebeneinanderstehen der vielen Religionsvertreter ist nicht nur ein Arbeitstreffen für eine besserer Welt, es ist sichtbares Zeichen dafür, dass die Religionen etwas Gemeinsam haben. Dieses Gemeinsame mag nicht in der Lehre und im Gottesverständnis liegen, dazu sind wir doch zu verschieden. Aber alle sind „Menschen des Glaubens“.

Die Konzilserklärung Nostra Aetate

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Gerechtigkeit in Olivgrün

Militärseelsorge habe ich selber sehr schätzen lernen: An meinen eigenen Militärpfarrer kann ich mich noch gut erinnern, Pater Josef liebte es, in seinem weißen Habit übers Feld zu laufen und unsere Unteroffiziere zu nerven; nahm er doch sichtbar die Fiktion des Manövers nicht ernst, uns Soldaten aber um so ernster. Damals stand aber die Mauer noch und die Situation war eine ganz andere. Heute geht es um Terror, um Warlords, um Dronenkriege und private Sicherheitsfirmen in Heeresstärke. Wie macht man da Soldatenseelsorge? Dazu gab es in den letzten Tagen eine Tagung im Vatikan.

Die Frage nach den Menschenrechten angesichts der sich ändernden Rolle des Militärs: Ein Interview mit dem deutschen Soldatenbischof, Franz-Josef Overbeck über sein Amt, über die Tagung in Rom und über den Alltag der deutschen Soldaten in Afghanistan:

„Afghanistan ist eine andere Situation, in der die Soldaten ihren Dienst tun müssen, menschlich äußerst extrem – Vier Monate ohne die normalen Sozialkontakte. Vier Monate auf engstem Raum bei größter Hitze, viel Sonne und Sand und natürlich mit dem Wissen: Wir müssen in extreme Einsätze, die auch bedeuten können, getötet zu werden oder selbst zu töten, auf jeden Fall Gewalt anzuwenden. Auch da scheint mir genauso wie die Rolle der Seelsorger meine Rolle zu sein, hinzugehen, zuzuhören, in ethischen Fragen ein hoffentlich kompetentes Urteil oder einen Hinweis zu geben, den sie dann selbst für ihre Entscheidungen nutzen können.“

Sie waren selber in Afghanistan vor nicht allzu langer Zeit. Welchen Eindruck hat das Leben der Soldaten dort auf Sie gemacht?

„Das Leben der Soldaten ist ein sehr solidarisches Leben untereinander, das haben sie mir bestätigt. Man merkt es im Umgang der Soldaten untereinander, dass sie einander so kennen lernten wie sonst nie in langen Jahren gemeinsamen Tuns in Deutschland. Ich habe den Eindruck, dass sie hochprofessionell ihren Dienst tun und anders als unter anderen Umständen, auch sehr viele Fragen haben, die wirklich ins Innerste des Menscheseins gehen. Das habe ich in Gesprächen sofort gemerkt und das sagen die Priester, die dort sind, genauso.“ Weiterlesen

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„Die Heiligen verändern die Welt“

Die Petrusstatue in der Petersbasilika, an der Menschen vorbeigehen

Urbild des Heiligen und Sünders: Petrus

Es ist einer der Lieblingssätze des Papstes, den er immer wieder nennt. Und da an diesem Sonntag drei weitere Christen zu den Ehren der Altäre erhoben werden – wie eine Heiligsprechung offiziell heißt – versuche ich mich an einigen Gedanken zur Heiligkeit. Grundlage dafür soll ein Buch Joseph Ratzingers sein, dass man immer wieder aufschlagen kann, um sein Denken und seine Theologie zu verstehen: Die ‚Einführung in das Christentum’.

Das Problem mit der Heiligkeit ist – so verstehe ich den Theologen Ratzinger – , dass wir sie mit völliger Reinheit und Unberührtheit vom Bösen zu verwechseln neigen. Ein Heiliger steht hoch oben auf einer Säule, entfernt und damit entrückt. Das ist falsch gedacht. Uns ist es irgendwie nicht möglich, die Sünde zum Heiligen dazu zu denken. Wir wollen Trennen, schwarz-weiß denken.

Dabei ist es gerade dieses Nebeneinander, das die Heiligkeit Jesu ausmacht: Er ist bei den Sündern, sogar bevorzugterweise. Heiligkeit ist deswegen nicht als Trennung zu verstehen, so Ratzinger: hier das Heilige, da die Sünde. Die erlösende Liebe, die wir in den Heiligen wahrnehmen, zeigt sich eben nicht in Makellosigkeit und Trennung, sondern in der Tischgemeinschaft mit Sündern.

Wie viel Kritik ist an der Seligsprechung Johannes Pauls II. geäußert worden, die allesamt daran krankte, dass dieses Zusammen nicht gesehen wird? Die Verehrung von Heiligen ist eben nicht ein historisches Urteil über die Moralität eines Menschen, kein Ergebnis am Ende einer Gleichung, die Gutes und Schlechtes gegeneinander aufrechnet. Es geht um das Erkennen der erlösenden Liebe Gottes in der Welt.

Die Heiligen verändern die Welt, weil ganz normale Christen, keine Superchristen, diese Liebe zugelassen haben. Das ist es, was wir verehren.

 

 

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Glaubens-Funde

Es sollte ein Preis ausgeschrieben werden für kluge und vor allem einfache Formulierungen des Glaubens, Glaubensbekenntnisse in einem Satz. Ich werde versuchen, einige davon hier zu sammeln. Den Anfang macht der Papst:

„Einem Spruch nach, der einem großen Dichter meiner Heimat – Johann Wolfgang von Goethe – zugeschrieben wird, sind es zwei Dinge, die Kinder von ihren Eltern bekommen sollten: Wurzeln und Flügel.“ Das gelte auch für die Kirche, so Papst Benedikt XVI.: „Den Glauben der Apostel, von Generation zu Generation weiter gegeben, und die Gnade des Heiligen Geistes, verliehen durch die Sakramente.“ Geäußert in Rom, 19. Okt 2011

 

 

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