Die moderne Diskriminierung der Frau

Deutliche Worte des Papstes nach Deutschland: An diesem Montag empfing Benedikt XVI. den neuen Botschafter der Bundesrepublik beim Heiligen Stuhl, Reinhard Schweppe, in Audienz. Traditionell werden dabei eher grundsätzlich gehaltene Ansprachen ausgetauscht. Der Papst sprach über Menschenrechte, über den Beitrag der Religion zur Gesellschaft, der über eine ethische Prägung hinaus gehe. Zum Schluss wurde er sehr konkret:

An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, dass Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, dass der notwendige Einsatz gegenüber diesen Missständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.

 

 

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Nachtrag: Das Vatikandokument zu Finanz- und Geldsystem

Leider habe ich das offizielle Dokument online nicht gefunden, also stelle ich es online: Towards Reforming ENG

Towards Reforming the International Financial and Monetary Systems in the Context of Global Public Authority, Vatican City, 2011

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Occupy Vernunft

Die Mächtigen der Welt tagen, vertagen sich und lassen alle weiter führenden Beschlüsse für morgen übrig. Dann drehen sie sich vom Tisch weg, schauen uns an und sagen uns, wir müssten jetzt vernünftig handeln, um aus der Krise hinaus zu kommen. Vernünftig. Das soll wohl heißen, dass die Demokratie und Beteiligung erst einmal suspendiert wird. Alles im Namen der Vernunft.

Was soll das schon sein, die Vernunft? Reason as motive, reason as logic or reason as a way of life? hält George Smiley Peter Guillam entgegen (Tinker Tailor Soldier Spy). Vernunft ist eben nicht immer gleich Vernunft. „Sei doch vernünftig!“ ist ein Rat, der gerne verwendet wird, wenn es gegen ein Wagnis, gegen das Älterwerden oder Selbstständigwerden von Kindern geht. Man will etwas tun aber die Konventionen stehen dagegen. Vernunft: Das kann das Tarnwort für Konvention sein.

So geschehen jetzt in Griechenland. Ich gestehe ich habe Respekt vor Herrn Papandreou, dem Politischen in der Krise wieder einen Platz einräumen zu wollen. Natürlich heißt Demokratie nicht, dass alle anderen für deine Fehler bezahlen müssen. Aber den kollektiven Aufschrei und vor allem die wirtschaftliche Vernunft, die gleich die Aktien in die Tiefe und die Zinsen in die Höhe getrieben hat, um ihr Missfallen über die Einbeziehung der Menschen kund und zu wissen zu geben, die ist eben nicht vernünftig. Stattdessen auf das Großkapital Chinas zu hoffen, spricht Bände.

Diese Vernunft ist Zeichen der Konvention, die sich dagegen wehrt, dass jemand nicht nach ihren Spielregeln spielen will. Die Vernunft schützt die Reichen und die Strukturen, die die Reichen reich sein lassen.

Ich gebe zu dass ich immer noch nicht verstehe, was genau da passiert und wie groß eigentlich die Summen sind, um die es geht. Der Appell an meine Vernunft aber, mich zu unterwerfen und das Unvermeidliche zu tun, der verfängt nicht. Den Mechanismen der Wirtschaft folgen ist nicht immer vernünftig.

Deswegen braucht es eine andere Vernunft, das alles zu kontrollieren. Vernunft und Liebe halten heutzutage nicht viel Gemeinschaft, das wusste schon Shakespeare. Das Handeln nach dem Verstand muss sich gefallen lassen, dass der Verstand selbst nicht letzter Grund ist. Auch er muss sich befragen lassen. Die Kriteren seines Denkens müssen sich befragen lassen.

Der Christ sagt: Glaube und Vernunft gehören zusammen, zweitere muss den ersteren reinigen, damit er nicht eng wird. Aber der Glaube muss auch die Vernunft korrigieren, da sie sonst ihren Grund verliert. Wenn die Vernunft nur dazu da ist, den Status Quo zu erhalten und mir zu sagen, dass ich mich bitteschön anpassen muss, denn im Augenblick geht es gerade nicht anders, dann ist die Vernunft nicht mehr vernünftig. Wenn die Vernunft verbietet, dass in einer Demokratie das Volk gefragt wird, dann ist das nicht mehr vernünftig. Es mag ein Zwang sein und kein Weg darum herum führen, das mag schon sein, aber es ist dann eine Sackgasse und als solche Konsequenz eines Fehlers, es ist aber nicht Quintessenz der Vernunft.

Denk selber, occupy Vernunft!

 

 

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Liebes Baby sieben-Milliarden …

Ein Brief des Chefs von Radio Vatikan, Pater Federico Lombardi, an das den neugeborenen Erdenbürger 7.000.000.000.

Liebes Baby Sieben-Milliarden, ich weiß nicht, ob du ein Junge oder ein Mädchen bist, ob du Inder oder Chinese bist, in einer Stadt oder in einem Dorf geboren wurdest, oder ob du nicht vielleicht in der Steppe oder in einem Iglu geboren wurdest, oder auf einer Insel, oder auf der Flucht in einem Zelt. Ich weiß nicht, ob du krank oder gesund bist oder eine Behinderung hast. Ich weiß nicht, ob dich beide Eltern umarmt haben, oder nur deine Mutter. Ich weiß nicht, ob man dir und deinen Gleichaltrigen gesagt hat, dass ihr zu viele oder zu wenige seid. Das ist für mich heute nicht wichtig.

Die Welt, in der du ankommst, ist ziemlich kompliziert und nicht für jeden gastfreundlich. Wir sind nicht wirklich gut darin gewesen, sie auf dich vorzubereiten. Die Chefs der reichsten und mächtigsten Völker treffen sich gerade, um zu beraten, wie man vorwärts kommen könne, ohne andere Desaster herbeizuschwören, und auch wir fragen uns, wie dein Morgen aussehen wird.

Heute aber möchte ich dir sagen, dass du einzigartig bist und verschieden von allen anderen, dass du ein wunderbares Geschenk bist, ein Wunder, dass dein Geist immer leben wird, und dass du willkommen bist. Wir wünschen dir, dass deinem Lächeln immer das Lächeln eines anderen begegnet, und dass dich jemand umarmt, wenn du weinst. Dass du zur Schule gehen kannst und nicht Hunger leidest. Dass jemand klug auf deine Fragen antwortet und dich ermutigt, Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen. Dass du den anderen hilfst, dass du wächst, dass du mit deiner Familie lebst und arbeitest, mit deinen Freunden, in Frieden und Freiheit in deinem Land und auf der Erde. Dass du verstehen mögest, dass dein Leben über den Tod hinaus einen Sinn hat. Denn dazu bist du geboren. Dein Schöpfer und Vater hat dich dafür geschaffen. Wir tun unseren Teil, damit das möglich wird; tue du den deinen, denn deine Zukunft wird auch von dir abhängen, genauso wie das Willkommen für das Baby Acht-Milliarden.

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Als die Religion noch nicht langweilig war

Ich mag Autoren, die klug sind. Ich mag Autoren, die witzig sind, gerne auch etwas böse. Und ich mag Autoren, die das Geistliche im Menschen kennen und schätzen. Und deswegen gehören die Radiobeiträge von Hans Conrad Zander, aber auch seine Bücher über die „Todsünde Dummheit“ oder über den heiligen Thomas zur Standardausrüstung im Bücherregal.

Und jetzt etwas Neues: Als die Religion noch nicht langweilig war. Eine Geschichte der Wüstenfväter. Wer fromme Erbauungsliteratur erwartet, sollte das Buch nicht aufschlagen. Weiterlesen

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Liebes Tagebuch …

Was so alles bei uns passiert. Ein Selbstversuch.

Heute ist ein RG Tag, ein Radiogiornale-Tag, wir die Nachrichtenmagazine bei Radio Vatikan heißen. Aus der Redaktion ist immer einer verantwortlich dafür, und heute stehe ich auf dem Plan. So ein Tag beginnt um 8 Uhr mit dem ersten Blick in die online-Ausgaben der Zeitungen. Griechenland allüberall, keine kirchlichen Themen in Sicht. Mal sehen, was wir daraus machen.

8.20 Uhr: Ein Scannen der üblichen Quellen und ein Gespräch mit dem Kollegen von Kempis hat einiges an Themen ergeben:

– Irland schließt offenbar aus Spargründen seine Botschaft beim Heiligen Stuhl
– Papst empfängt Botschafter der Elfenbeinküste
– Französische Bischofskonferenz reden bei ihrer Herbstvollversammlung in Lourdes über die Finanzkrise
– Interview mit dem Sprecher der Bischofskonferenz, Der Generalsekretär der lateinischen Bischofskonferenz im Hl. Land zur derzeitigen Lage Israel-Palästina
– Neuer Bischof von Lausanne / Genf, Charles Morerod OP
– 40 Jahre Organspendeausweis in Deutschland
– Kongress in Assisi: Kirchen schaffen „grüne Wallfahrtsorte“
– Luther aus katholischer Sicht
Jetzt geht es daran, zu sichten, was für uns in Frage kommt. Und der Tag hat ja gerade erst begonnen.

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Die TAZ arbeitet für den Papst

Die TAZ ist unter uns, na ja, zumindest unter den italienischen Kollegen. Ambros Waibel, Redakteur der TAZ, also der Tageszeitung aus Berlin, ist als Teil eines Austauschprogramms Radiomacher für den Vatikan geworden. Wie sich das entwickelt liest man hier. Das ganze ist ungewöhnlich genug, so ungewöhnlich, dass die ersten Nachrichtenagenturen das schon als Meldung bringen, die deutsche KNA und die italienische ANSA vorweg. Wir hier im Radio sind halt immer wieder für eine Überraschung gut!

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Kirchenbilder – Medienbilder

Blick auf die Marienkirche in Berlin Mitte und auf den Fernsehturm, Berlin

Die Kirche und die Medien

Aktuell ist was anderes: Mit zwei Tagen Verspätung ein kleiner Bericht über das Innenleben des Journalismus. Oder besser: Wie Journalisten in den Spiegel blicken.

Jeder hat seine eigenen Erfahrungen und jeder hat Recht.“ Das klingt ein wenig nach Anything goes. Auch wenn ich sofort widersprechen will, ist so ein Satz notwendig, wenn Journalisten sich unterhalten. Ohne diese hermeneutische Annahme fallen wir sonst zu schnell übereinander her. Nur eine Unterhaltung unter dieser Voraussetzung kann gut gehen. So geschehen bei einer Tagung der Gesellschaft für Katholische Publizisten am Montag in Bonn. Jede Menge Journalisten und Medienschaffende – wie das Neudeutsch heißt. Viele Erfahrungswelten am Mikro, viele Erfahrungswelten, die sich in den Medien ausdrücken und die wir auf dem Bildschirm oder im Internet als „Kirchenberichterstattung“ finden. Ein Blick in den Spiegel also. Angeleitet von einigen eingeladenen Kolleginnen und Kollegen.

Perspektive Eins: Alexander Kissler, Redakteur beim Fokus. Ein sehr meinungsfreudiger Mensch, wer ihn kennt, weiß, was ich meine. Er beginnt die Debatte damit, dass er sagt, dass Kirche sich nicht mehr von selbst verstehe. Erst einmal nichts Neues. Kissler sprach von der Bildungskatastrophe und dem Wegbrechen vom Wissen, das man brauche, um Kirche zu verstehen. Weiterlesen

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Reformationstag

Die Händer Martin Luthers, Lutherstatue vor der Marienkirche in Berlin Mitte

Die Hände Luthers auf der Bibel - Lutherstatue in Berlin Mitte

Einige katholische fromme Gedanken

„Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Luther steht mit einigen anderen Größen des Glaubens am Beginn unserer Frage: Wie ist das nun mit Gott und mir? Für Luther – und andere – ist die Frage die nach dem Individuum und Gott, nach meiner persönlichen Beziehung zu Gott. Oder wem das übernutzte Wort ,Beziehung‘ nicht gefällt: Wie begegne ich Gott? Wie ist mein Inneres, dort, wo die Zweifel wohnen, zu beruhigen?

Mit vielen anderen würde ich sagen: Das geht gar nicht allein. Ohne die vielen Glaubenden, ohne die von Gott selbst ins Leben gerufene Gemeinde, die Kirche, sein Volk, geht das gar nicht. Meine Frage ist also nicht Luthers Frage. Aber Luthers Frage hilft mir, meine eigene zu stellen. Es ist eben nicht alles happy und schön und zum Wohlfühlen, es gibt Selbstzweifel und Fragen und Unsicherheit, wie das mit mir und Gott ist und da trifft die Frage Luthers in den Kern: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“

Wenn unser Glaube an die moderne Welt schön angepasst ist, wenn die Musik lustig und die Lebenshilfe von der Kanzel ungefährlich ist, spätestens dann muss Luthers Frage uns beunruhigen. Denn wenn wir ehrlich sind, dann gibt es da viel in uns, was nicht so lustig und passend ist, was nagt oder zumindest nagen möchte. Und auch hier trifft Luthers Frage meinen katholischen Glauben: Brauche ich das überhaupt, einen gnädigen Gott? Oder bin ich nicht vielleicht schon zufrieden? Bin ich zu sehr eingerichtet? Viel zu selbstbestätigt? Die Frag Luthers lässt sich an dieser Stelle eben so stellen: Wie kann ich es zulassen, dass ich diesen Gott der Gnade einlasse in mein Leben und damit zugebe, dass ich sie brauche, diese Gnade? Das ist die moderne Frage Luthers für uns, heute.

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Das wahre Gesicht ?!

Die Vera Icona von Manoppello, durchsichtig

(c) Paul Badde

Manoppello – ein kleiner Ort fast an der Adria, direkt östlich von Rom, in den Ausläufern der Abruzzen. Nichts wirklich Auffälliges dort, wenn da nicht das Bild wäre. Ein Bild, von dem gesagt wird, dass es das Stück Stoff sei, das im Grab auf Jesu Gesicht gelegen habe. Ein Parallelbild also zum Grabtuch in Turin. Aber wie auch beim Grabtuch gibt es Debatten darum, ob das denn überhaupt stimmen könne. Und wenn es stimmt, was es für unseren Glauben bedeute. Der Journalist Paul Badde hat sich lange und intensiv mit dem Stück Stoff beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben. Mit ihm habe ich mich über das Tuch, seine Geschichte und die Frage nach Christi Gesicht unterhalten. Ein Gespräch über Gott und Welt, über die Wichtigkeit von Bildern und die Spuren Jesu in unserer Welt.

„Ich bin hineingestolpert. Ich hatte schon oft davon gehört, hatte es aber nie Ernst nehmen können. Bevor ich nach Jerusalem entsandt worden war (Anm.: P. Badde arbeitet für die Zeitung Die Welt), hatte ich in Berlin meine erste Digitalkamera bekommen. Vor Jerusalem wollte ich Auschwitz sehen. Ich bin also nach Auschwitz gefahren. Dann bin ich nach Loreto geflogen – das wollte ich meiner Frau zeigen – und dann sagte ich zu meiner Frau: Ich muss dir dieses eine Bild noch einmal zeigen, das habe ich gesehen. Dann sind wir runter gefahren und ich habe die ersten Fotos gemacht. Die ersten Digitalfotos überhaupt, die je in meinem Computer waren. Und die Bilder waren in meinem Computer in Jerusalem und immer wieder sprangen die mal hoch, sodass ich erneut darüber gestolpert bin. Und plötzlich, eines Tages – ich hatte ja gehört, was darüber erzählt worden war – und da dachte ich: Was ist eigentlich, wenn das stimmt? Wenn das wirklich das wahre Bild ist, die Veronika, das Acta-Bild, die ganzen Namen, die es dafür gibt? Und da dachte ich, das müsste ich mir noch einmal anschauen. Und dann bin ich hingefahren, ich hatte meine Kamera dabei und wusste mittlerweile auch besser, wie man fotografiert, und habe dann verschiedene Dinge ausprobiert. Und plötzlich dachte ich, es gibt gar keine andere Möglichkeit, das muss es sein, es gibt nichts Vergleichbares dazu.“

Vielleicht ein paar Sätze noch dazu: Was ist das? Das ist Muschelseide, also recht rares Material. Man sieht das Gesicht eines Mannes, aber was ist das? Wenn es „echt“ ist, was ist es eigentlich?

„Es gibt verschiedene Namen dafür. Der erste Namen, der dafür in der Weltgeschichte gefallen ist, ist „Sudarium“. Und zwar im Evangelium des Johannes in der Sequenz der Auferstehung, als Johannes und Petrus morgens zum Grab laufen. Sie finden das Grab nicht leer, sondern da sind Objekte drin, Tücher. Weiterlesen

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