Gerhard Richters Heisenbergkunst

Es ist Kunst, die irgendwie Scheu hat, ihr Objekt anzufassen. Un-Klar, un-deutlich, aber dann doch sichtbar und darstellend. Es sind die Bilder von Gerhard Richter. Im Sommer war eine Ausstellung im Bucerius-Kunstforum zu sehen, ab dem 6. Oktober dann in der Tate Modern in London. Für eine Buchbesprechung habe ich heute den Katalog zur Ausstellung in die Hand bekommen.

Von Gerhard Richter stammt das jüngste Großfenster im Hohen Dom zu Köln. Das ist das Mindeste, was man von ihm kennt. Von ihm stammen viele Bilder von Mutter und Kind, die Madonnendarstellungen durch die Jahrhunderte finden sich in ihnen wieder. Das war mein Zugang zu ihm.

Richter ist ein beunruhigender Künstler. Wer seine Foto-Gemälde-Bilder schon einmal im Original gesehen hat, kennt den Effekt der Klarheit aus der Ferne. Je näher man aber dem Bild kommt, desto unklarer wird es. Von ganz nah ist schon nicht mehr zu erkennen, was das sein soll. Heisenbergsche Unschärferelation der Kunst (ich bitte Physiker, nicht allzu sehr gegen diese Metapher zu protestieren). Weiterlesen

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Der Papst und seine Kirche

Blick auf die Jugendlichen, Backstage

Die Vigilfeier in Freiburg, 24. September

Radio Vatikan betreibt eine Nachlese zum Papstbesuch in Deutschland. Die Texte dazu stelle ich in diesen Tagen ins Netz. Die dritte Nachlese ist vom Kollegen Stefan von Kempis:

 

 

 

 

 

Für die Ökumene hatte er, wie er selber sagte, keine Gastgeschenke mitgebracht. Aber für seine eigene Kirche schon: Benedikt XVI. hinterließ der deutschen katholischen Kirche, aus der er kommt, einen ganzen Packen von Ratschlägen, Kritiken und Ermutigungen. Das Paket wird zusammengehalten von einem Faden namens „Entweltlichung“. Nicht alle sind begeistert von diesem Gastgeschenk des Papstes – aber wie sagt der Geistliche und Vatikanberater Wilhelm Imkamp aus dem Bistum Augsburg: „Der Papst ist ja nicht der Aushilfskellner, der für einen Lieferservice Bestellungen abarbeitet. Und zweitens sind geteilte Reaktionen eigentlich positiv: Das Schlimmste, was dem Papst und der Kirche überhaupt passieren kann, ist, dass ihre Worte und ihre Botschaft im Zeitgeistlob ersäuft werden und sozusagen zu Tode gelobt werden“ (in einem Interview mit dem Domradio Köln). Der Papst und seine deutsche Kirche: Machen wir das Paket mal auf, und schauen wir hinein. Weiterlesen

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Der Papst und die Neuevangelisierung

Papst Benedikt XVI. fährt im Papamobil im Olympiastadion Berlin ein

Olympiastadion Berlin, 22. Sept 2011

Radio Vatikan betreibt eine Nachlese zum Papstbesuch in Deutschland. Die Texte dazu stelle ich in diesen Tagen ins Netz. Die zweite Nachlese ist von der Kollegin Anne Preckel:

 

 

 

 

Neuevangelisierung: Neben der Ökumene hat der Papst die Stärkung des Glaubens im christlich geprägten Deutschland – denn das ist mit Neuevangelisierung gemeint – im Vorfeld seiner Reise als Hauptanliegen herausgestellt. Wenige Tage vor Abfahrt sagt Benedikt XVI. im „Wort zum Sonntag“, ausgestrahlt im Ersten Deutschen Fernsehen:

„All dies ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show. Worum es geht, sagt das Leitwort dieser Tage: ‚Wo Gott ist, da ist Zukunft’. Es soll darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen.“ Weiterlesen

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Sprechen Sie Katholisch?

Das Funkhaus von Radio Vatikan, von der Engelsburg aus gesehen

Das Funkhaus von Radio Vatikan, Rom

Dieser Blog ist der erste, den Radio Vatikan produziert. Aber – standing on the shoulder of giants – er nutzt die Tradition, die der Sender hat. 80 Jahre alt wird Radio Vatikan in diesem Jahr, die Gelegenheit zur Feier bietet unser Patronatsfest. Denn der Erzengel Gabriel ist nicht nur der Schutzpatron der Müllmänner, Diplomaten und Zusteller, sondern auch der Radiosprecher.

Die Linie, die man vielleicht von der ersten Sendung am 12. Februar 1931 bis zu einer modernen Kommunikationsform wie einem Blog ziehen kann, kann man ja mal in die Zukunft verlängern. Und was dann?

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hat in seiner Predigt bei der Festmesse heute morgen unter freiem und sonnenstrahlendem Himmel diese Dynamik aufgegriffen:

„Die Aufgabe der Kirche besteht darin, die Umstände zu schaffen, damit die Menschen Christus begegnen, damit jeder Mensch in ihm leben kann, in wahrem Frieden und in wahrer Freude. Die Medien arbeiten an dieser Aufgabe mit und sind aufgerufen, mit Mut der Wahrheit zu dienen. Zu helfen, dass die Öffentlichkeit die Tatsachen aus der Sicht des Evangeliums sehen kann. Es geht darum, die Grundsätze des Glaubens darzustellen, die über jede ideologische Vision hinaus gehen und jede Berechtigung haben müssen, im öffentlichen Diskurs zu stehen.“ Weiterlesen

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Nicht verschiebbare Bühnenbilder: Die Kirche und die Medien

Über dieses Spannungsfeld reden könnte ich stunden- und seitenlang. Auf einen Artikel komprimiert habe ich es auf den Seiten 29 – 31 hier.

 

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Der Papst und das Konzil

Das Zweite Vatikanische Konzil ist der Ideengeber des Papstes. Viele Kommentatoren würden das verneinen, aber gerade bei den letzten Ansprachen Benedikt XVI. in Deutschland war das mit Händen zu greifen. Lumen Gentium sei in Länge zitiert worden, meine Bischof Hanke zu erkennen. Darauf habe ich mich hingesetzt und ein wenig gestöbert. In Gaudium et Spes, der Pastoralkonstitution des Konzils, bin ich als erstes fündig geworden. Das ist zwar nicht wirklich erstaunlich, aber interessant finde ich es allemal. Es geht um das Verhältnis von Staat und Kirche, vor allem aber auch um die vom Papst angesprochenen Privilegien.

 

Gaudium et Spes, Nr. 76:

Sehr wichtig ist besonders in einer pluralistischen Gesellschaft, dass man das Verhältnis zwischen der politischen Gemeinschaft und der Kirche richtig sieht, so dass zwischen dem, was die Christen als Einzelne oder im Verbund im eigenen Namen als Staatsbürger, die von ihrem christlichen Gewissen geleitet werden, und dem, was sie im Namen der Kirche zusammen mit ihren Hirten tun, klar unterschieden wird. Die Kirche, die in keiner Weise hinsichtlich ihrer Aufgabe und Zuständigkeit mit der politischen Gemeinschaft verwechselt werden darf noch auch an irgendein politisches System gebunden ist, ist zugleich Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person. Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind auf je ihrem Gebiet voneinander unabhängig und autonom. Weiterlesen

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Der Papst und die Politik

Papst Benedikt und Präsident Wulff bei den Begrüßungsansprachen im Garten von Schloss Belvue

Die Begrüßung des Papstes durch den Bundespräsidenten

Radio Vatikan betreibt eine Nachlese zum Papstbesuch in Deutschland. Die Texte dazu stelle ich in den nächsten Tagen ins Netz. Die erste Nachlese ist vom Kollegen Alex Kofler und bezieht sich auf den Papst und die Politik:

 

 

 

Schoss Bellvue

Der Papst stellte schon am ersten Tag seiner Reise vor dem Schloss Bellevue in Berlin, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, klar, dass er nicht, wie es andere Staatsmänner zu Recht tun, nur politische und wirtschaftliche Ziele verfolge. Bei seiner ersten Rede auf deutschem Boden deutete Benedikt an, dass es ihm um die Grundsätze geht, auf denen auch die deutsche Gesellschaft fußt.

„Der Religion gegenüber erleben wir eine zunehmende Gleichgültigkeit in der Gesellschaft, die bei ihren Entscheidungen die Wahrheitsfrage eher als ein Hindernis ansieht und statt dessen Nützlichkeitserwägungen den Vorrang gibt. Es bedarf aber für unser Zusammenleben einer verbindlichen Basis, sonst lebt jeder nur noch seinen Individualismus.“ Weiterlesen

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Der Papst und Lumen Gentium

Ein ganz neuer Gedanke zur Papstrede in Freiburg, von Bischof Gregor Maria Hanke OSB, Eichstätt:


„Die Plattform für seine Rede war nichts anderes als Lumen gentium 8: Ich erkannte in einigen Formulierungen wortwörtlich Formulierungen aus der Konstitution Lumen gentium wieder, wo ja auch schon steht, dass die Kirche den Weg Christi gehen muss, der sich selbst entäußert hat und arm geworden ist. Dass die Kirche nicht auf Macht und Glanz in der Gesellschaft angelegt ist usw. Also, ich denke, der Heilige Vater hat uns hier einen kräftigen Impuls gegeben, uns mit dem Konzil auseinanderzusetzen. Wir sind vielleicht hierzulande deshalb so erschrocken über diese Rede, weil wir uns innerlich von diesen Forderungen des Konzils schon viel zu weit entfernt haben.“

Hier das ganze Interviewstück

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… da ist Zukunft, Lesehilfe Teil 2

Papst Benedikt XVI. hat während seiner Reise über Gott sprechen wollen, über die Vernunft und den Glauben. Wo Gott ist, da ist Zukunft, also machen wir uns in einer Wiederholungsbetrachtung noch einmal auf den Weg, dieser Zukunft auf die Spur zu kommen.

Im ersten Teil meiner kleinen Lesehilfe bin ich den Gedanken des Papstes nachgegangen, wie über das menschliche Suchen und Fragen die „Vernunft sich weitet“ und damit Gott ins Spiel kommt. Hier entsteht dann das Denken darüber, wie denn das Leben zu gestalten sei. Auch diese Gedanken nehmen im Bundestag ihren Ausgang. Der Papst macht klar, dass ein jedes Nachdenken darüber in der Frage nach Gott wurzeln muss.

 

Freiheit und Religion brauchen einander

Und noch etwas anderes kommt hinzu: Es ist wohl die Sorge vieler Menschen, dass der Papst auf sie herabblicke, sie verurteile. Wenn er sagt, viele seien „der Beliebigkeit verfallen“ meinen sie, der Papst wolle die Unterwerfung – und sie protestieren dagegen, innerlich oder auf der Straße. Dabei muss man aber immer den Satz des Papstes als Referenzrahmen dazu denken: „Wie die Religion die Freiheit braucht, so braucht die Freiheit die Religion.“ Wie es Präses Schneider ausgedrückt hat: Die Freiheit in der Religion ist genau eben nicht die Beliebigkeit. Sie ist eine Festlegung, eine Festlegung auf Gott. Weiterlesen

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… da ist Zukunft: Eine Lesehilfe zu den Papstreden

Die christliche Tradition kennt die so genannte Wiederholungsbetrachtung. Man macht etwas zweimal, das zweite mal ohne die Emotionen des ersten Males. Diese Tradition empfiehlt sich sehr beim Papstbesuch. Das alles war viel zu dicht, 18 Ansprachen und Predigten, vier große Gottesdienste, das ist viel zu viel, um es beim Besuch selbst mitbekommen zu haben. Die Webseite des Vatikan bietet alle Links zu den Reden, aber auch die vollständigen Videos an. Wir bieten auch eine CD mit allen Reden im Audio an.

 

Der rote Faden

Für alle, die möchten, biete ich eine Lesehilfe. Es gibt nämlich rote Fäden und Grundgedanken, die die Reden und Predigten des Papstes aufschlüsseln. Ganz bewusst lasse ich einmal die Kritiken an dem, was der Papst gesagt hat, außen vor. Aber auch die Texte derjenigen, die jetzt schon in den Papst hineinlesen, was er gar nicht gesagt hat. Die Lesehilfe soll keine Antwort auf diese Kritiken sein, man kann sich nämlich zu diesem Papst ganz einfach auch eine eigene Meinung bilden, wenn man denn hinhört. Er ist ein Papst, der eine verstehbare Sprache spricht. Man braucht die Kommentarseiten der Medien nicht. Er spricht nicht über die Köpfe der Menschen hinweg, aber man muss sich schon ein wenig anstrengen. Man muss sich von seinen Gedanken mitnehmen lassen.

 

Thema hörendes Herz

Der Papst begann sein Thema im Flugzeug: In der Gesellschaft wachse die Sehnsucht nach einer Stimme der Moral. Dasselbe Thema sprach er im Bundestag an, in seinem Lob der ökologischen Bewegung. Es ist der Gedanke der Sehnsucht, des Wunsches nach etwas, was über die ausbeutende oder unmoralische Welt des Alltages hinausgeht. Dabei ist das Wort Sehnsucht kein emotionaler Begriff, er gehört in das Nachdenken, oder besser das Nachspüren, das „hörende Herz“ König Salomos hinein, wie der Papst es vor dem Bundestag ausdrückte. Ein Gedanke, der am Schluss des Papstbesuches noch einmal explizit auftauchte. Weiterlesen

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