Modern ist modern!

Wenn man der „römischen Papstkirche“ so richtig einen mitgeben will, dann zieht man das Wort der „Moderne“ aus dem publizistischen Setzkasten. Das klingt gut, zeitgemäß und jeder, der als moderner Mensch bezeichnet wird, fühlt sich irgendwie bestätigt.

Man dreht es um und sagt, der Papst oder der Vatikan oder wahlweise auch die ganze Kirche sei unmodern, vor-modern, oder sie sei gegen die Moderne. Jetzt wieder in Christ und Welt geschehen, durch den Chefredakteur der evangelischen Zeitschrift Chrismon. Aber er ist bei weitem nicht der einzige, der die Moderne für sich selbst reklamiert und dadurch Kopfnicken erntet.

Die „Moderne“ hat den Vorzug, für alles zu gelten, was wir an der Welt mögen. Alles bleibt schön privat und der eigenen Entscheidung unterworfen, niemand anderes darf mir hineinreden. Weiterlesen

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Beten heißt vertrauen – Die Generalaudienz des Papstes

Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz

Papst Benedikt XVI. bei einer Generalaudienz

Viele der Sprach-Bilder der Bibel sind uns heute fremd und brauchen Erklärung. Das gilt auch für das Bild des Hirten und seiner Herde, das der Papst in seiner Katechese bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch erläuterte.

Psalm 23 stand im Mittelpunkt, der Papst setzte damit seine Reihe über das Gebet fort.

 

 

„Beten ist immer ein Akt des Vertrauens. Wir wissen, dass wir uns Gott anvertrauen dürfen, der gut ist, barmherzig, langmütig, reich an Liebe und Treue. Das sehen wir besonders schön am Psalm 23, der ganz durchdrungen ist von diesem Vertrauen. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“: So bringt der Psalmist gleich am Beginn seine Gewissheit zum Ausdruck, dass Gott ihn führt und schützt. Die Bilder des Psalms sind aus der Erfahrungswelt des Hirten genommen, der seine Schafe kennt und sich um sie kümmert. Sie sind ihm kostbar. Er ist bereit, sie zu verteidigen. Er garantiert ihnen Wohlergehen und inneren Frieden. Der Hirt wandert mit der Herde und lebt mit ihr. Er hat mehr ein Auge für das, was sie braucht, als für seine eigenen Bedürfnisse. Seine Anwesenheit macht selbst im wüstenähnlichen Gebiet Leben möglich, ja schenkt Fülle und Reichtum.“

Mit diesem Sprachbild ließe sich auf das Verhältnis Gottes zu den Menschen beschreiben, Gottes Nähe verwandle die Wirklichkeit, das dunkle Tal verliere das Gefahrvolle.

„In Jesus Christus erhält das Bild vom Hirten schließlich seine volle Bedeutung: Er ist der Gute Hirt, der das verlorene Schaf sucht. Er kennt seine Herde und gibt das Leben für sie hin. Er ist der Weg, der zum Leben führt, das Licht, das das dunkle Tal erleuchtet und alle menschlichen Ängste besiegt. Jesus Christus bietet uns Sicherheit und bereitet uns den Tisch seines Leibes und Blutes und das endgültige messianische Hochzeitsmahl im Himmel. Liebe Brüder und Schwestern, der Psalm 23 lädt uns ein, unser Vertrauen in Gott zu erneuern und uns ganz in seine Hände zu geben. Bitten wir ihn zuversichtlich, dass er uns nahe sei, unser Leben an „ruhige Wasser“ führe und wir aus der Quelle trinken dürfen, „deren Wasser ewiges Leben schenkt“. Jesus Christus, der Gute Hirt, segne und behüte euch alle.“

 

Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

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Störfaktor Kirchen-Radio

Ein Interview mit Erich Jooß, dem scheidenden Leiter des Sankt Michaelsbundes und damit unseres Partnersenders in München, dem Münchner Kirchenradio: Kirche setzt auf Themen, die vor allem der Privatfunk sonst nicht bringe.

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Ein Gott, der nicht spricht

Ein Gedanke zur beginnenden Arbeitswoche: Benedikt XVI. über das religiöse Leben in den deutschsprachigen Ländern.

Viele Menschen folgten einer nachgiebigen religiösen Auffassung. An die Stelle des personalen Gottes trete ein unbestimmtes Höchstes Wesen, das „nur eine vage Beziehung zum persönlichen Leben des Menschen hat.“ Die Aufgabe dieses Glaubens an einen persönlichen Gott habe aber einen Gott zur folge, der nicht mehr erkenne, spreche oder höre, und der auch keinen Willen habe. „Wenn Gott keinen Willen hat, dann ist Gut und Böse letztlich nicht mehr zu unterscheiden. Gut und Böse stehen nicht mehr im Widerspruch zueinander, sondern sind nur ein Gegensatz, in dem beide Elemente komplementär sind“, so der Papst.

(Ansprache im September 2010 an den damals neuen deutschen Botschafter im Vatikan, Walter Jürgen Schmid)

 

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Der Dom und die toten Kaiser

Das Kaiserrelief im Dom zu Speyer, zu sehen sind Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V.

Kaiserrelief im Dom zu Speyer: Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V.

Die Mächtigen dieser Erde suchen die Nähe zur Allmacht. Auf der Suche nach Legitimation in den ständigen Veränderungen der Welt binden sie diese an den einzigen unwandelbar Mächtigen der Welt, an Gott. Und so finden sich im Kaiserdom zu Speyer, der an diesem Sonntag 950 Jahre geweiht ist, Kaisergräber.

Nun will ich auf keinen Fall Urteile fällen über den persönlichen Glauben der Herren. Trotzdem fragen wir uns heute doch, wo denn all die anderen Gläubigen sind, die keine Macht hatten. Jedenfalls nicht in der wunderschönen Krypta unter dem Dom, einem der schönsten Räume, die ich kenne. Und diese Frage ist nicht nur aus political correctness gestellt. Warum erfahren diese Herren soviel christliche Aufmerksamkeit? Wie halten wir es mit dieser Nähe von Macht und Kirche? Weiterlesen

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Gerhard Richters Heisenbergkunst

Es ist Kunst, die irgendwie Scheu hat, ihr Objekt anzufassen. Un-Klar, un-deutlich, aber dann doch sichtbar und darstellend. Es sind die Bilder von Gerhard Richter. Im Sommer war eine Ausstellung im Bucerius-Kunstforum zu sehen, ab dem 6. Oktober dann in der Tate Modern in London. Für eine Buchbesprechung habe ich heute den Katalog zur Ausstellung in die Hand bekommen.

Von Gerhard Richter stammt das jüngste Großfenster im Hohen Dom zu Köln. Das ist das Mindeste, was man von ihm kennt. Von ihm stammen viele Bilder von Mutter und Kind, die Madonnendarstellungen durch die Jahrhunderte finden sich in ihnen wieder. Das war mein Zugang zu ihm.

Richter ist ein beunruhigender Künstler. Wer seine Foto-Gemälde-Bilder schon einmal im Original gesehen hat, kennt den Effekt der Klarheit aus der Ferne. Je näher man aber dem Bild kommt, desto unklarer wird es. Von ganz nah ist schon nicht mehr zu erkennen, was das sein soll. Heisenbergsche Unschärferelation der Kunst (ich bitte Physiker, nicht allzu sehr gegen diese Metapher zu protestieren). Weiterlesen

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Der Papst und seine Kirche

Blick auf die Jugendlichen, Backstage

Die Vigilfeier in Freiburg, 24. September

Radio Vatikan betreibt eine Nachlese zum Papstbesuch in Deutschland. Die Texte dazu stelle ich in diesen Tagen ins Netz. Die dritte Nachlese ist vom Kollegen Stefan von Kempis:

 

 

 

 

 

Für die Ökumene hatte er, wie er selber sagte, keine Gastgeschenke mitgebracht. Aber für seine eigene Kirche schon: Benedikt XVI. hinterließ der deutschen katholischen Kirche, aus der er kommt, einen ganzen Packen von Ratschlägen, Kritiken und Ermutigungen. Das Paket wird zusammengehalten von einem Faden namens „Entweltlichung“. Nicht alle sind begeistert von diesem Gastgeschenk des Papstes – aber wie sagt der Geistliche und Vatikanberater Wilhelm Imkamp aus dem Bistum Augsburg: „Der Papst ist ja nicht der Aushilfskellner, der für einen Lieferservice Bestellungen abarbeitet. Und zweitens sind geteilte Reaktionen eigentlich positiv: Das Schlimmste, was dem Papst und der Kirche überhaupt passieren kann, ist, dass ihre Worte und ihre Botschaft im Zeitgeistlob ersäuft werden und sozusagen zu Tode gelobt werden“ (in einem Interview mit dem Domradio Köln). Der Papst und seine deutsche Kirche: Machen wir das Paket mal auf, und schauen wir hinein. Weiterlesen

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Der Papst und die Neuevangelisierung

Papst Benedikt XVI. fährt im Papamobil im Olympiastadion Berlin ein

Olympiastadion Berlin, 22. Sept 2011

Radio Vatikan betreibt eine Nachlese zum Papstbesuch in Deutschland. Die Texte dazu stelle ich in diesen Tagen ins Netz. Die zweite Nachlese ist von der Kollegin Anne Preckel:

 

 

 

 

Neuevangelisierung: Neben der Ökumene hat der Papst die Stärkung des Glaubens im christlich geprägten Deutschland – denn das ist mit Neuevangelisierung gemeint – im Vorfeld seiner Reise als Hauptanliegen herausgestellt. Wenige Tage vor Abfahrt sagt Benedikt XVI. im „Wort zum Sonntag“, ausgestrahlt im Ersten Deutschen Fernsehen:

„All dies ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show. Worum es geht, sagt das Leitwort dieser Tage: ‚Wo Gott ist, da ist Zukunft’. Es soll darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen.“ Weiterlesen

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Sprechen Sie Katholisch?

Das Funkhaus von Radio Vatikan, von der Engelsburg aus gesehen

Das Funkhaus von Radio Vatikan, Rom

Dieser Blog ist der erste, den Radio Vatikan produziert. Aber – standing on the shoulder of giants – er nutzt die Tradition, die der Sender hat. 80 Jahre alt wird Radio Vatikan in diesem Jahr, die Gelegenheit zur Feier bietet unser Patronatsfest. Denn der Erzengel Gabriel ist nicht nur der Schutzpatron der Müllmänner, Diplomaten und Zusteller, sondern auch der Radiosprecher.

Die Linie, die man vielleicht von der ersten Sendung am 12. Februar 1931 bis zu einer modernen Kommunikationsform wie einem Blog ziehen kann, kann man ja mal in die Zukunft verlängern. Und was dann?

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hat in seiner Predigt bei der Festmesse heute morgen unter freiem und sonnenstrahlendem Himmel diese Dynamik aufgegriffen:

„Die Aufgabe der Kirche besteht darin, die Umstände zu schaffen, damit die Menschen Christus begegnen, damit jeder Mensch in ihm leben kann, in wahrem Frieden und in wahrer Freude. Die Medien arbeiten an dieser Aufgabe mit und sind aufgerufen, mit Mut der Wahrheit zu dienen. Zu helfen, dass die Öffentlichkeit die Tatsachen aus der Sicht des Evangeliums sehen kann. Es geht darum, die Grundsätze des Glaubens darzustellen, die über jede ideologische Vision hinaus gehen und jede Berechtigung haben müssen, im öffentlichen Diskurs zu stehen.“ Weiterlesen

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Nicht verschiebbare Bühnenbilder: Die Kirche und die Medien

Über dieses Spannungsfeld reden könnte ich stunden- und seitenlang. Auf einen Artikel komprimiert habe ich es auf den Seiten 29 – 31 hier.

 

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