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Es ist das nächste große Projekt, dass Papst Benedikt XVI. und mit ihm Religionsvertreter aus aller Welt angehen: Die Pilgerreise für den Frieden nach Assisi – Religionsvertreter? Nein, nicht nur Religionsvertreter. Erstmalig sind auch ausdrücklich Menschen eingeladen, die sich keiner Religion zugehörig fühlen. Aber dazu später mehr.

Ansicht der Oberstadt von Assisi, von Westen her gesehen.

Assisi

„Pilger der Wahrheit – Pilger des Friedens“, so heißt der volle Titel der Reise nach Umbrien. Ein „Tag der Reflexion, des Dialoges und des Gebetes für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt“ soll es sein. In den nächsten Tagen werde ich im Blog einiges dazu schreiben und dann am Mittwoch – einen Tag vor dem Treffen – selbst nach Assisi reisen, um dabei zu sein.

Heute wurde im Vatikan das Programm und die Teilnehmer vorgestellt. Dabei bezog sich der Leiter des Vatikanrates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, auf eine Ansprache des Papstes bei der Deutschlandreise, beim Treffen mit Vertretern der muslimischen Gemeinde:

„Auch deshalb halte ich es für wichtig, einen Tag der Reflexion, des Dialogs und des Gebets für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu begehen“, so der Papst am 23. September in Berlin. „Und dies wollen wir am kommenden 27. Oktober durchführen, 25 Jahre nach dem historischen Treffen in Assisi unter der Leitung meines Vorgängers, des seligen Papst Johannes Pauls II. Mit dieser Zusammenkunft wollen wir in schlichter Weise zum Ausdruck bringen, dass wir als Menschen des Glaubens unseren besonderen Beitrag für den Aufbau einer besseren Welt leisten, wobei wir zugleich die Notwendigkeit anerkennen, für die Wirksamkeit unserer Taten im Dialog und in der gegenseitigen Wertschätzung zu wachsen.“ Weiterlesen

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Porta Fidei

Ein Link zur Seite, auf der das apostolische Schreiben des Papstes (Motu Proprio) zum Jahr des Glaubens zu finden ist.

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Herr Bischof, warum brauchen wir ein Jahr des Glaubens?

Ein Interview mit Erzbischof Robert Zollitsch

Der Papst hat in der Predigt am heutigen Sonntag und danach noch einmal beim Angelusgebet ein ‚Jahr des Glaubens’ angekündigt, es wird im Oktober 2012 eröffnet, zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und während der Bischofssynode zur Neuevangelisierung. Nach der Messe konnte ich den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zu diesem Projekt des Papstes und der Kirche interviewen. Zollitsch ist selber Mitglied im Rat zur Förderung der Neuevangelisierung und hat an der Veranstaltung im Vatikan teilgenommen.

Herr Erzbischof, wozu brauchen wir dieses ‚Jahr des Glaubens’?

„Ich sehe das so, dass es darum geht, uns auf die Grundlage dessen zu besinnen, wovon wir leben. Wir sollen wissen, das bei allem, was wir tun, was wir entscheiden, es auf die persönliche Beziehung zu Jesus Christus uns zu Gott ankommt; Gott ist das Ziel und die Mitte unseres Lebens. Damit spüren wir eines der zentralen Anliegen Papst Benedikts. Ich verstehe ihn so, dass er uns auf dieses Fundament hinweisen möchte und von dort auch dann das Konzilsjubiläum begehen will.“

 

Über die Neuevangelisierung, das ‚Jahr des Glaubens’ und den Gesprächsprozess

Es gibt ja schon eine ganze Reihe von Veranstaltungen; was hat das zum Beispiel mit dem Gesprächsprozess in Deutschland zu tun, der dann auch noch laufen wird?

„Wir werden sehen, wie wir das intensiv miteinander verbinden; aber sie wissen ja, dass es beim Gesprächsprozess sehr darum geht, den Weg der Erneuerung der Kirche zu gehen, um die Besinnung auf das, wovon wir leben, auf das, was trägt. Damit sind wir bei der zentralen Frage nach dem Glauben. Ich sehe das so, dass die Frage nach dem Glauben die Folie ist, auf der wir den Gesprächsprozess durchführen werden. Diese Folie erinnert uns immer daran: ‚Vergesst Gott bei alldem nicht! Vergesst nicht, wovon ihr wirklich lebt! Vergesst nicht, worauf es entscheidend ankommt.’ Insofern sehe ich eine gute Verbindung mit dem Dialogprozess in Deutschland.“

Es ist also nicht zurückzuführen auf die Formulierung des Konfliktes: Wir haben ein Glaubensproblem, kein Kirchenproblem?

„Es wäre schade, wenn wir hier Gegensätze formulieren würden. Wir haben tatsächlich beides. Wir haben ein Glaubensproblem, nämlich die Gottesfrage. Wir spüren, dass die Frage nach Gott weit in den Hintergrund getreten ist und dass viele Menschen diese Frage gar nicht mehr stellen. Aber wir spüren zugleich, dass es auch die ganz konkreten Fragen gibt, die damit eng verbunden sind. Es ist immer schade, wenn wir Gegensätze machen. Ich glaube, das katholische ‚et et’ – das ‚sowohl als auch’ – geboten ist, dass wir die Dinge verbinden und von der Wurzel angehen.“

 

Über die Fähigkeit, offen über den eigenen Glauben sprechen zu können

Mit der Messe ist das Treffen zur Neuevangelisierung zu Ende gegangen, bei dem sie dabei waren. Was nehmen sie nach Deutschland mit?

„Es war für mich die Erfahrung, dass es weltweit eine ganze Fülle von Initiativen gibt, denen es darum geht, das Evangelium neu zum leuchten zu bringen. Das Schöne bei diesem Treffen war, dass eine ganze Bandbreite aufgetaucht ist. Andererseits habe ich aber auch feststellen dürfen, dass vieles von dem, was ich gestern gehört habe, tatsächlich bei uns in Deutschland schon angepackt ist.
Da ist vieles gewachsen, vieles am werden, und die vielen Initiativen dürften nun in diesem Jahr und in der Bischofssynode näher zusammengeführt werden, damit die Stoßkraft noch größer wird.“

Da möchte ich noch einmal nachfragen: Sie persönlich tragen ja in Kopf und Seele viel von den Fragen, Problemen und Möglichkeiten der deutschen Kirche herum. Was nehmen sie persönlich von diesem Treffen mit?

„Ich nehme mit, dass die Frage der Weitergabe des Glaubens nicht nur ein Problem in Deutschland ist, sondern ein weltweites Problem. Und ich nehme mit – und das ist etwas Entscheidendes, was wir Deutsche lernen müssen – dass es in der Frage der Weitergabe des Glaubens auf das persönliche Zeugnis ankommt. Wenn ich in Amerika bin, ob das die USA oder Lateinamerika ist, da kann man mit einer großen Selbstverständlichkeit über den Glauben sprechen und darüber, was er mir bedeutet. Wir Deutschen halten das mehr im Herzen verborgen. Wir müssen lernen, von dem zu sprechen, was uns belebt, wovon wir leben und dann auch ganz persönlich Zeugnis zu geben. Das nehme ich mit, denn das haben viele in einer ganz spontanen Weise bei dem Treffen gezeigt; da können wir Deutschen wirklich davon lernen. Warum verstecken wir das, was uns Gott bedeutet, das, was wir glauben, das wovon wir wirklich leben? Warum ist das nur eine Frage des Herzens? Es muss eine Frage im ganz normalen Gespräch werden.“

 

Über die Jugendarbeit, die sich früher hätte rühren müssen

Eine der Anfragen an das Treffen war, dass es nicht repräsentativ genug gewesen sei. Diese Anfrage kam vor allem aus den Jugendverbänden, aus dem BDKJ. Es seien vor allem neue geistliche Bewegungen versammelt, das würde gar nicht die Kirche in Deutschland repräsentieren. Wie bewerten sie das?

„Man muss es vom Ausgangspunkt her sehen. Es war offen eingeladen worden: Die, die im Bereich der Neuevangelisierung schon etwas machen, sollen sich melden. Da haben sich vor allem viele geistliche Gemeinschaften gemeldet, viele Initiativen. Unser BDKJ hat sich erst gemeldet, als sie merkten, dass sie nicht eingeladen waren. Sie haben vielleicht etwas spät entdeckt, dass da eine Aufgabe ist.

Das, was wir in der Jugendarbeit tun, ist natürlich eine Form der Evangelisierung, vielleicht hätte man hier etwas früher schalten dürfen. Aber ich habe die Frage hier selbstverständlich bei den Verantwortlichen angesprochen.“

 

Über Wiederverheiratete Geschiedene und andere Konflikte

Vor dem Papstbesuch – und dann etwas vom Papstbesuch verdeckt – gab es ja auch noch andere Themen, sie hatten selber die Frage nach den Wiederverheirateten Geschiedenen angesprochen. Dann war die Frage nach der Spaltung in der katholischen Kirche, die in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Bleibt das jetzt vom Papstbesuch und den neuen Initiativen verdeckt oder wie gehen sie da weiter vor?

„Wir haben jetzt bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe darüber beraten, was der Papstbesuch für uns bedeutet und haben das in der ganzen Breite angesprochen. Wir werden dann bei der nächsten Sitzung des ständigen Rates schauen, wie wir konkret diese Themen angehen, die für uns wichtig sind. Etwa, wie wir in der Pastoral mit denen umgehen, die geschieden und wieder verheiratet sind. Wie schaffen wir das unter ganz klarer Respektierung und Anerkennung der Unauflöslichkeit der Ehe. Wie gehen wir damit um? Oder auch die Frage nach der Stellung der Laien oder der Frauen in der Kirche. Diese Fragen werden wir in aller Sachlichkeit in nächster Zeit angehen. Aber der Hintergrund ist die Frage, was der Glaube für uns heute bedeutet.

Ich erlebe immer wieder persönlich die Frage, ob es nicht die Alternative wäre, Neuevangelisierung statt Dialogprozess zu machen. Da sage ich Nein, der Dialogprozess ist für uns ein Weg auch im Rahmen dessen, wie wir den Glauben neu verkünden wollen. Denn das Katholische ist, dass wir die Bandbreite dessen auszuhalten versuchen, was bei uns in der Kirche da ist, und deswegen dürfen auch die verschiedenen Anliegen und die verschiedenen Probleme auch zur Sprache kommen.“

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„Wie können wir Menschen erreichen, die vergessen haben, dass sie Gott vergessen haben?“

Nachgefragt: Vor einer Woche hatte ich hier an dieser Stelle unter anderem den Chef des Bonifatiuswerkes interviewt, Thema Neuevangelisierung. Zur Zeit befindet sich Georg Austen hier in Rom und nimmt an der Tagung zum Thema Teil. Deswegen meine Nachfrage an ihn:

Sie sind jetzt hier zu einem Treffen zur Neuevangelisierung, über 8.000 Menschen tauschen sich aus. Was bringen sie an Erfahrungen aus der Diaspora in die Diskussionen und die Zeugnisse hier vor Ort ein?

„Wir vom Bonifatiuswerk bringen mit eine 160-jährige Erfahrung damit, Glaubensbrüder und –schwestern, die in einer Minderheitssituation leben, zu unterstützen. Früher war das mehr protestantisch-katholisch, heute erleben wir mehr und mehr eine Glaubensdiaspora in den säkularisierten Gebieten. Ich bringe aber auch eine Reihe von Fragen mit, wir haben auch nicht die Patentrezepte, wir sind auch nicht die Macher, aber wir versuchen, Rahmenbedingungen zu setzen. Weiterlesen

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Verstehen Sie das noch?

Grafiti an einer Wand in der Bankenstast Zürich. Dort steht "Aufstand"

Grafiti an einer Wand in der Bankenstadt Zürich

Ich verstehe das mit dem Geld schon längst nicht mehr. Ich verstehe, dass Bahntickets teurer werden; als fleißiger Bahnfahrer merke ich das sofort, dass das alles mehr kosten wird. Aber was die Banken da tun und machen, das sind zunehmend böhmische Dörfer für mich. Früher hatte ich zumindest das Gefühl zu wissen, was ich nicht verstehe, aber selbst das ist weg. Was ich lese ist, dass die hoch bezahlten und hoch privilegierten Wirtschaftschefs viele Fehler gemacht haben.

In New York straft ein Gericht Banker wegen Insidergeschäften ab. Was beweist, dass Gier, nicht ausschließlich wirtschaftliche Vernunft, das Tun leitet. Als ob es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, aber den haben wir nun.

Ebenfalls in New York sieht man an der Bewegung „Occupy Wall Street“ sehr deutlich den völligen Vertrauensverlust in die Wirtschaft.

Warnung nach Warnung geht über die Titelseiten und durch das Internet, wer wen vor was warnt ist mir schon längst schleierhaft. Die EZB solle, die Deutsche Bank würde, die EU Finanzminister hätten, die USA möge, die Großbanken müssten … .

Ich möchte aufstehen und protestieren, aber irgendwie weiß man nicht so recht, gegen wen. Alles ist so unfassbar geworden. Die alten Sprüche stecken noch im Kopf, dass es ohne Kapital und Banken keine wirtschaftliche Entwicklung geben kann. Aber das gilt nicht mehr. Die Banken crashen, weil sie sich verspekuliert haben und „Finanzprodukte“ entwickelt haben, die völlig daneben gehen. Immer und immer wieder wird Geld vernichtet, die Staaten schießen nach, und wir fragen uns: Warum ist dieses Nachschießen nicht möglich, wenn es um den Hunger in der Welt, die Umweltzerstörung oder andere Dinge geht? Auf einmal kommen Summen scheinbar aus dem Nichts, die es vorher so nicht gab und die auch außer für die Banken für niemanden geschaffen werden.

Hat das noch irgend etwas mit der Wirklichkeit zu tun, in die ich jeden Morgen hinaustrete? Vielleicht bin ich ja wirklich nicht verständig genug oder beschäftige mich nicht genug damit, das kann sein und das gebe ich auch gerne zu. Trotzdem bleibt mit nur eines übrig, nämlich mal wieder Bert Brecht zu zitieren: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Aus der Dreigroschenoper).

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„Schwung in die Sache bringen“

Fassade des römischen Zeitungshauses von Il Messagero im Mondschein

Il Messagero - Neue Boten braucht das Land!

Persönlich halte ich es für eines der besten Dokumente aus dem Vatikan, die ich gelesen habe: Die Lineamenta zur Bischofssynode über die Neuevangelisierung. Wie in einem der letzten Blogeinträge angekündigt hier eine kurze Einführung in den Text:

 

 

 

 

Re-Evangelisierung oder Neu-Evangelisierung?

„Es geht nicht darum, etwas zu wiederholen, was schlecht gemacht wurde oder nicht funktioniert hat, so als ob der neue Einsatz ein impliziertes Urteil über das Scheitern des ersten wäre. Die neue Evangelisierung (…) ist der Mut, angesichts der gewandelten Voraussetzungen, unter denen die Kirche gerufen ist, heute die Verkündigung des Evangeliums zu leben, neue Wege zu wagen.“

Neue Evangelisierung sei ein Synonym für Mission, Glaubensweitergabe, Kommunikation des Evangeliums, sie erfordert „die Fähigkeit, neu anzufangen, Grenzen zu überschreiten, die Horizonte zu erweitern. Die neue Evangelisierung ist das Gegenteil der Selbstgenügsamkeit, des Sich-zurückziehens auf sich selbst, der Mentalität des Status quo und einer pastoralen Konzeption, die es für ausreichend erachtet, das alles so weiterläuft, wie man es bisher gemacht hat. Das ‚business as usual’ reicht heute nicht mehr.“

 

Was ist das Ziel?

Negativ formuliert soll es nicht darum gehen, nur „effiziente Kommunikationsstrategien“ zu entwickeln und sich auf eine „Analyse der Empfänger der Botschaft“ zu beschränken. Weiterlesen

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Neuevangelisierung: Wie geht das? Was ist das? Interview Nr. 2

Ein Interview meiner Kollegin Gudrun Sailer mit Augustinerchorherr Nicolaus Buhlmann, Mitarbeiter im Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung.

Das Thema des Treffens werden die neuen Evangelisatoren sein; wer kann das sein?

„Das ist nicht notwendigerweise ein Berufschrist, also ein Priester, eine Ordensfrau oder ein Ordensmann, sondern was wir eigentlich brauchen sind Menschen, die dort wo sie arbeiten und leben, in der Berufswelt, in ihrer familiären freundschaftlichen Welt, bereit sind, den Mund aufzutun und die Schweigespirale zu durchbrechen. Das heißt, Gott wieder ins Gespräch zu bringen.“

Dass in säkularen Ländern der „Grundwasserspiegel des Glaubens“ sinkt, hatte bereits Papst Paul VI. in den 1970er-Jahren erkannt. Johannes Paul II. sprach sehr oft über diese Herausforderung, doch erst Benedikt XVI. stellte die Neuevangelisierung auch institutionell auf eigene Beine. Welche Reaktionen die neue Glaubensoffensive der Kirche in den säkularen westlichen Gesellschaften Europas hervorrufen wird, ist für Nikolaus Buhlmann nicht abzusehen.

„Ich halte alles für möglich, von Zustimmung bis zu echter Ablehnung. Denn im Augenblick geht es ja um nichts Geringeres als um eine regelrechte Mentalitätsänderung. Diese Mentalitätsänderung bedeutet, wir Christen in den westlichen Ländern müssen akzeptieren, dass wir zu Minderheit geworden sind oder zumindest dabei sind, zur Minderheit zu werden. Wir müssen des Weiteren akzeptieren, dass wir, wenn wir überleben wollen, darauf setzen müssen zu wachsen.“

Das ganze Interview lesen Sie hier

Oder Sie hören es hier

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„Die Frage nach dem Gesundheitszustand des Christentums“

„Neuevangelisierung“ ist irgendwie das Modewort der Kirche geworden, alles und jedes wird im Augenblick unter diesem Gesichtspunkt vorgestellt und eingeführt. Zum einen natürlich gerechtfertigt, das Finden eines zeitgemäßen Ausdrucks des Glaubens ist unerlässlich. Zum anderen kann das aber dazu führen, dass der Begriff inflationär wird; eine Theorie, die alles erklärt, erklärt nichts. Also versuche ich – nach dem Interview mit den beiden „Tätern“ der missionarischen Seelsorge hier im Blog, dervatikanischen und weltkirchlichen Sicht der Dinge zu nachzugehen.

Fokus für die Neuevangelisierung wird die Bischofssynode im Oktober nächsten Jahres sein. Dazu hat es bereits im Frühjahr ein Vorbereitungsdokument gegeben, die sogenannten „Lineamenta“. Am Anfang stand aber eine Entscheidung des Papstes:

„… Ich habe deshalb entschieden, die nächste Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode im Jahr 2012 dem folgenden Thema zu widmen: Nova evangelizatio ad christianum fidem tradendam – Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens“. Mit diesen Worten kündigte Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt zum Abschluss der letzten Sonderversammlung der Bischofssynode im Oktober 2010 das nächste weltweite Bischofstreffen an. Die Lineamenta sind der zweite Schritt, der Schritt in die inhaltliche Vorbereitung.

 

Sich nicht des Glaubens schämen

Die neue Evangelisierung ist der zeitgemäße und notwenige Ausdruck des Glaubens heute. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Dokument. Bereits Papst Paul VI. hatte betont, dass die Weitergabe zum Glauben dazu gehöre, ein Unterlassen bedeute ein „sich des Glaubens Schämen“, zitierte Papst Paul er den Apostel Paulus. Die Lineamenta greifen das auf und fordern dazu auf, „die Qualität unseres Glaubens zu befragen“. Weiterlesen

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Neuevangelisierung – Wie geht das? Was ist das?

Am Wochenende wird in Rom ein großes Treffen zur Neuevangelisierung stattfinden, 8.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich angesagt. Im Vorfeld habe ich dazu ein Interview mit zwei „Tätern“ der Verkündigung geführt.

Monsignore Georg Austen ist Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, eines Hilfswerkes für die Christen in „Christen-freien-Zonen“, also in der Diaspora.

Dr. Hubertus Schönemann leitet die Arbeitsstelle der deutschen Kirche für „missionarische Seelsorge“ in Erfurt, KAMP.

Beide befassen sich mit Verkündigung, beide mit den Bedingungen der modernen und zunehmend nicht-christlichen Welt.

 

Bis an die Enden der Erde will Christus bei seiner Kirche sein, so das Versprechen des Evangeliums  Gilt das auch für die deutschsprachigen Kirchen oder müssen wir uns erst einmal um Konsolidierung bemühen, um dann neu an die Verbreitung des Glaubens gehen zu können?

Austen: Die Konsolidierung der Kirche in Deutschland und die Verbreitung des Glaubens sind zwei unterschiedliche Ebenen der kirchlichen Realität.  Natürlich muss unser „Profil“ immer wieder am Evangelium ausgerichtet werden, damit unsere alten Wurzeln lebendig bleiben. Die Verbreitung des Glaubens findet immer neu und fortdauernd statt, jeden Tag, an jedem Ort. Sie darf jedoch nicht erst mit einer zentralen Auftaktveranstaltung und nach einem langwierigen Konsolidierungskurs am Sankt-Nimmerleinstag beginnen. Indem ein gläubiger Christ sein Leben an der Botschaft Jesu ausrichtet und  aus seinem Glauben heraus handelt, verkündet er das Evangelium. Unser Zeugnis wirkt in die Welt und führt Menschen dazu, uns in unserem Glauben anzufragen. Was für den einzelnen gilt, gilt umso mehr für unsere Gemeinden, kirchliche Institutionen und karitative Einrichtungen. Es gilt, den Glauben vorzuschlagen, als Lebensangebot und zweckfrei, ohne Hintergedanken. Glaube ist nicht machbar. Gottes Geist wirkt, wo er will. Er erfüllt jede und jeden, die gesamte Lebenswirklichkeit.

Schönemann: Die Verheißung und die Zusage des Evangeliums gilt nicht nur exklusiv der Kirche, sondern allen Menschen. Die Kirche muss sich immer wieder im Blick auf das Evangelium neu in ihrem Handeln und in ihren Strukturen daran orientieren, ob und wie sie diesem Sendungsauftrag dienlich ist. Von daher ist Konsolidierung, wenn sie dieses Ziel neu in den Blick nimmt, notwendig. Es geht darum, neu den Boden (lat. solum = Erdboden) zu bereiten und mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität zu stehen. Die Verbreitung oder „Weitergabe“ des Glaubens ist übrigens kein Einbahngeschehen, sondern ein Geschehen, sich mit den Menschen dieser Zeit, ihren Hoffnungen, Sehnsüchten, ihren Freuden und Schmerzen auseinanderzusetzen und so das Evangelium mit ihnen gemeinsam neu zu buchstabieren. Weiterlesen

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Die Kirche und die Welt – Fortsetzung folgt

In Deutschland wird noch eifrig über die Ansprachen des Papstes gesprochen – besonders über die in Freiburg, wo es um Ent-Weltlichung ging, da legt der Papst heute nach. Die nächste Reise, von der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, ging nach Kalabrien, nach Lamezia Terme. Und auch hier sprach – in diesem Fall predigte – Benedikt XVI. über das Verhältnis von Kirche und Glauben auf der einen und Welt auf der anderen Seite. Weiterlesen

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