Beim Planen das Beten vergessen

Ein wenig Römerbrief hilft immer. Alle großen Theologen haben mit ihrem Denken beim Römerbrief begonnen. Behauptete jedenfalls meine Exegese-Professorin. Um dann anzufügen: Arius und Pelagius und Luther aber auch.

Erlösung hat mit Kreuz zu tun, mit Beten, mit Gemeinschaft. Gebets-Kreuz in Sankt Petri, Hamburg

Erlösung hat mit Kreuz zu tun, mit Beten, mit Gemeinschaft. Gebets-Kreuz in Sankt Petri, Hamburg

Was nur heißt, dass der Römerbrief für unser Verständnis von unserem Glauben eine wichtige Rolle hat. Wie auch Papst Franziskus findet. Christus hat uns den Geist geschenkt, der neue Beziehungen mit dem Vater und den Menschen stiftet, so drückte der Papst es heute vor der Vollversammlung der Glaubenskongregation aus. Wir glauben, dass die Erlösung in der Gemeinschaft mit Christus bestehe, „auf diese Weise werden wir eins mit dem Vater, wie Kinder durch den einen Sohn und so werden wir ein einziger Leib in dem Er der „Erstgeborene unter vielen Brüdern“ ist“, letzteres ist das Zitat aus Römer 8:29.

Komplexe Gedanken, abstrakte Gedanken, die normalerweise vielleicht im alltäglichen Beten und Denken nicht immer vorkommen, außer in den formalen Gebeten wie dem Credo. Warum das aber wichtig ist und vor allem auch aktuell ist, hat der Papst in der Ansprache direkt davor gesagt: Unser Verständnis von Erlösung ist wichtig mit Blick auf ein Denken, das den Einzelnen und das Individuum auch als Quelle der eigenen Erlösung sieht.

 

All die „neo“-Versuchungen

 

Der Papst nennt seine alten „Gegner“, den neo-Pelagianismus und den neo-Gnostizismus. Pelagius hatte gelehrt, dass es vom Menschen abhänge, ob er sündige oder nicht, die Erlösung durch Gott sei also nicht unbedingt notwendig. „Notwendig“ ist das Schlüsselwort hier, wir Menschen können also auch ohne Gott selig werden, aus eigener Kraft heraus. Das Präfix „neo“ heißt lediglich, dass es moderne Formen dieses Pelagianismus gibt. Die vielbesprochene „Selbstoptimierung“ gehört dazu, also all die Versuche, sich selbst optimal zu gestalten. Eine säkulare Version von Erlösung, ohne Himmel, und „Sünde“ wird eher mit „Kalorien“ übersetzt.

Aber es sind nicht nur die säkularen Pelagianer, die hier her gehören, es gibt auch viele Versuchungen unter uns Christen, alles selber schaffen zu wollen. All das Planen vergisst schon mal das Beten, Erlösung und damit die Gemeinschaft mit Christus wird als etwas zu Schaffendes empfunden, nicht als etwa zu Empfangendes. Das Ganze läuft eher subtil und nicht so offensichtlich wir bei der säkularen Variante, umso schwieriger ist es zu entdecken.

 

Erlösung kann ich nicht machen

 

Und meistens gibt es das auch nicht in Reinkultur, sondern eben als Versuchung, als eine Tendenz, als etwas was sich einschleicht. Denn wenn alles von mir abhängt, dann habe ich es wenigstens im Griff oder im Blick, selbst im Fall eines Scheiterns. Ich bin von niemandem anderen abhängig in meiner Lösung vom Schlechten und Bösen als von mir. Das wirkt positiv wie negativ. Weiterlesen

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„Verwüstungen des Lebens“

Es war eigentlich eine einzige Rede, aufgeteilt auf vier Events. Oder aufgeteilt in vier Perspektiven: Tag Eins der Papstreise nach Peru – der Freitag – hatte eigentlich nur ein Thema, das schon alleine deswegen im Vordergrund stand, weil der Papst nicht etwa zuerst vom Präsidenten offiziell vor den Vertretern vor Staat und Gesellschaft empfangen wurde – das war erst der vierte und letzte Event des Tages – sondern als erstes nach Amazonien flog, nach Puerto Maldonado.

Traditioneller Tanz beim Treffenmit den Völkern Amazoniens, Foto Alessandro de Carolis, (c) Vatican News

Traditioneller Tanz beim Treffenmit den Völkern Amazoniens, Foto Alessandro de Carolis, (c) Vatican News

Amazonien also: die Würde und Weisheit der indigenen Völker, die Ausbeutung der Schöpfung – Natur wie Mensch – und die Notwendigkeit, dass vor allem die Menschen vor Ort die Protagonisten sein müssen.

Normal ist, dass der Papst eine Botschaft pro Rede hat, manchmal doppelt sich das. Aber gleich vier, einschließlich einer Ansprache vor Kindern und Jugendlichen, das ist schon außergewöhnlich.

Laudato Si’ in praktischer Anwendung würde ich das nennen.

 

Enzyklika konkret

 

Immer fing der Papst positiv an, Lob des Landes, der Kultur und so weiter. Un dann kam der Schatten, „der Lobgesang stockt“, wie er es bei der ersten Rede am Freitag gesagt hat. Dort sprach er vor allem über die Bedrohungen für die auchtochtonen Völker, die indigenen Völker, die Menschen Amazoniens. In der zweiten Rede ging es etwas abstrakter um die Wegwefkultur, die eine Gefahr für Mensch und Umwelt, für die Schöpfung darstellt. Und in der dritten Rede sprach er von seiner Traurigkeit angesichts der Zerstörung von Wäldern und Vergiftung von Flüssen. In der vierten und letzten Rede, der Rede vor Präsident, Regierung und anderen wichtigen Menschen, band er das alles noch einmal zusammen.

Er könne nicht hierher kommen, ohne darüber zu sprechen, hat er in mehreren Versionen gesagt. Weiterlesen

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Kopfschütteln. Und Glückwünsche

Es ist traurig, dass es so vorhersehbar war. In den Papstfliegern gibt es neuerdings Wifi, und so sind wir in ständigem Kontakt mit unseren Kollegen im Flieger. Noch vor der Landung in Iquique erreichte uns also die Nachricht samt Film und Fotos von der Hochzeit, die der Papst auf dem Flieger gefeiert hatte. Ich gehe also durch die Redaktionen und sage denen, dass es in Kürze ein Video und Fotos geben wird. Die erste Reaktion der englischsprachigen Redaktion: Das gibt Stress.

Und es ist wahr, vor allem das Kommentariat der angelsächsischen Welt musste diese Eheschließung gleich in Frage stellen. War das überhaupt gültig? Sind da nicht viel zu viele kirchenrechtliche Regeln missachtet worden?

Einen Überblick können Sie bei Cruxnow finden.

Und als ob das nicht reicht: Wird damit gleich der ganze Vorbereitungsprozess auf die Ehe verwässert? Ist das nicht gleich der Untergang des Abendlandes?

 

Das angelsächsische Kommentariat

 

Dass das Paar – zwei Flugbegleiter von LATAM – schon 2010 heiraten wollte und nur durch den Einsturz der Kirche beim Erdbeben davon abgehalten wurde, dass es also schon Vorbereitung gegeben hat: egal. Da will man sich aufregen, da will man was finden, also findet man was auch. Und im Ton schlechter kirchenrechtlicher Selbstgerechtigkeit ignoriert man die Menschen und zerbricht sich über die rechte Regelanwendung den Kopf.

Dass es Regeln und Verfahren gibt und geben muss: geschenkt. Die sind wichtig, sie schütze nämlich. Aber bei derlei Debatten kann ich nur noch den Kopf schütteln.

Meine erste Reaktion will ich hier gleich auch noch anhängen: Noch bevor ich das lächelnde „Was für ein Papst!“ gedacht habe, habe ich mit meinen Kollegen erst einmal gemeinsam ein „Glückwünsche“ an das entfernte Paar ausgebracht. Wenn man wirklich die Ehe wertschätzen will, dann wäre das der erste Schritt. Nicht das mäkeln.

 

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Die Genialität des Pater Alberto Hurtado SJ

Kein Chilene ist von Papst Franziskus während seiner Reise häufiger zitiert worden als der heilige Alberto Hurtado. Wenn ich richtig gezählt habe, waren es nur zwei Ansprachen oder Predigten, in denen er nicht vorkam. Und irgendwie spiegelt das auch die Realität in Chile wieder, es gibt kaum ein katholisches Haus, in dem kein Bild des Heiligen hängt. Er bedeutet der Kirche dort sehr viel, und auch über die Kirche hinaus hat er eine feste Rolle in der Gesellschaft des Landes. Während meines Jahres dort in Chile habe ich oft erlebt, wie jemand einen Satz des Heiligen begann, etwa in deiner Predigt, und der Rest der Versammelten den Text mitsprechen konnte. Er ist eine Bezugsgröße der Menschen und vor allem der Christen.

Alberto Hurtado SJ

Alberto Hurtado SJ

Hurtado war ein Jesuitenpater und er hat es als einziger katholischer Heiliger weit und breit an die Fassade des Hauptgebäudes der Gewerkschaften Chiles gebracht. Das liegt wohl daran, dass er eine Gewerkschaftsbewegung mit gegründet hat, eine christliche und durchaus in Konkurrenz zu den marxistischen, aber die Rechte der Arbeiter standen bei ihm immer um Fokus.

Hurtado war zunächst Jurist, bevor er in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Jesuit und Priester wurde. Sein 1944 gegründetes Projekt „Hogar de Cristo“ besteht noch heute und versorgt monatlich weit über 20.000 der Ärmsten Chiles.

Im Vorhof der Kirche des Wallfahrtsorts Alberto Hurtado in Santiago steht heute noch der kleine grüne Pickups-Truck aus den 40er Jahren, mit dem Hurtado durch die Hauptstadt fuhr, Kinder aufsammelte oder ihnen zumindest Essen und was zum Anziehen brachte. Für die obdachlosen Kinder hatte er sehr bald ein Heim errichtet und dazu eine Organisation, die sich um die Kinder kümmern sollte.

 

Sozialer Humanismus

 

Als er 2005 heilig gesprochen wurde, konnten noch viele von den Kindern, die er von der Straße geholt hatte, dabei sein.

Das spricht für sein Engagement aus katholischer Soziallehre heraus, ein aktiv gelebtes Christentum. Und wenn man die Jesuiten fragt, die ihn noch gekannt haben – er starb 1952 an Krebs – dann war es sogar ein sehr, sehr aktiv gelebtes Christentum. Nicht immer einfach für die Menschen um ihn herum. Als Mensch hatte er durchaus auch depressive Phasen, Heiligkeit bedeutet eben nicht Perfektion. Weiterlesen

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Ausgesprochen

Es ist eines der großen Themen der Kirche in Chile, wie es das ab 2010 in Deutschland auch war: die sexuelle Gewalt, ausgeübt von Klerikern und Ordensleuten. Und während im Vorfeld des Papstbesuches dort zunächst der Blick auf die Spannungen mit der indigenen Bevölkerung des Landes auf den Titelseiten landeten – der Versuch, Kirchen anzuzünden, wird einer gewaltbereiten Gruppe von Mapuche zugeschrieben – ist es nun der Missbrauch, der sich als Thema durch den Besuch zieht.

Und das liegt auch am Papst selber. Gleich in seiner ersten Ansprache hat Papst Franziskus das angesprochen. Klar und deutlich:

„Und hier kann ich nicht umhin, den Schmerz und die Scham zum Ausdruck zu bringen, die ich angesichts des nicht wieder gutzumachenden Schadens empfinde, der Kindern von Geistlichen der Kirche zugefügt worden ist. [Applaus] Ich möchte mich mit den Mitbrüdern im Bischofsamt vereinen; denn es ist recht, um Verzeihung zu bitten und mit allen Kräften die Opfer zu unterstützen. Zugleich müssen wir uns dafür einsetzen, dass sich dies nicht wiederholt“.

Santiago de Chile, die Franziskanerkirche, älteste Kirche des Landes

Licht und Schatten der Kirche: Santiago de Chile, die Franziskanerkirche, älteste Kirche des Landes

Und das in einer Rede vor allen Vertretern von Staat und Gesellschaft, samt diplomatischen Corps. Das ist ein deutliches Signal zu Beginn der Reise. Das zeigt sehr deutlich, dass der Papst und der Vatikan verstanden haben, welch gesellschaftliche Sprengkraft das Thema hat.

In Chile geht es vor allem immer wieder um einen Täter, der von der Kirche als Priester auf Lebenszeit suspendiert ist und der nicht auftreten darf, dessen Taten strafrechtlich aber verjährt sind. Zu seinen Vertrauten gehören einige, die seitdem Bischöfe geworden sind, in eine Versetzung eines solchen Bischofs war auch Papst Franziskus involviert. Erst vor einigen Tagen hatte die Washington Post von einem angeblichen Brief des Papstes zu diesem Thema berichtet. Ob das alles so stimmt, ist nicht klar, die Geschichte zeigt aber, wie verworren der Umgang mit den Tätern ist.

 

Für Gerechtigkeit arbeiten

 

In seiner Predigt während der ersten öffentlichen Messe hat er das Thema nicht angeschnitten, aber einen in Chile sehr bekannten Satz eines ehemaligen und sehr verehrten Bischofs zitiert: „wenn du den Frieden willst, arbeite für die Gerechtigkeit“, und das kann man durchaus auch in diesem Zusammenhang sehen.

Es folgte ein Treffen in einem Frauengefängnis, auch da war das nicht Thema, mittags traf der Papst dann eine kleine Gruppe von Missbrauchsopfern. Das war nicht Teil des offiziellen Programms, wohl auch um den Betroffenen die Entscheidung zu überlassen, das öffentlich zu machen oder nicht. Nur sie und der Papst waren dabei, niemand sonst, und der Papst habe zugehört und mit ihnen geweint, berichtete der Pressesprecher des Vatikan nachher.

Gesprochen hat der Papst dann aber wieder – wie sollte es auch anders sein – sehr deutlich beim Treffen mit Priestern, Seminaristen und Ordensleuten: Weiterlesen

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Indigene, Diktatoren, Umwelt: Papstreise nach Chile und Peru

Auf den ersten, europäischen Blick mag es wie ein Heimspiel aussehen: Papst Franziskus geht wieder auf Reisen, wieder nach Lateinamerika, dieses Mal nach Chile und Peru. Wieder nicht nach Argentinien, das ist so ziemlich das einzige, was merkwürdig erscheint, haben doch vergangene Päpste ihre Heimatländer immer wieder besucht.

Aber wenn man genauer hinschaut, dann ist das Ganze doch nicht so einfach, wie man denkt.

Ansicht der Kathedrale von Santiago de Chile

2009 war ich einige Monate in Chile: ein Foto von der Kathedrale von Santiago

Nehmen wir Chile: Vier Angriffe mit Brandbomben auf vier Kirchen der Hauptstadt, in Protest gegen den Papstbesuch. Dazu noch die kurze gewaltsame Besetzung der Nuntiatur – also der diplomatischen Vertretung – in Santiago. Das mag nach einigen verwirrten Seelen klingen, ist aber ein Indikator.

Und das nicht erst seit heute: die Kirche und auch der Papst (damals Johannes Paul II.) haben eine schwierige Geschichte mit der Diktatur des Landes, Johannes Paul war auf Friedensmission im Land und ist von General Pinochet damals vorgeführt worden, was zu Vorwürfen geführt hat, der Papst würde den Diktator unterstützen. Dabei hatte er davor mit dazu beigetragen, einen fast schon ausgebrochenen Krieg zwischen Chile und Argentinien zu vermeiden.

Die Monate vor meiner Ankunft in Rom habe ich selber in Chile verbracht und weiß um die Wunden, welche die Diktatur in der Gesellschaft und der Kirche hinterlassen hat, das ist noch längst nicht verheilt.

 

Proteste

 

Dann gibt es auch Spannungen in der Gesellschaft, weitere Proteste gegen die Papstreise sind angekündigt. Auch in der Kirche selbst ist es nicht einfach, auch hier in Chile hat es Missbrauchsfälle gegeben, mit denen nicht richtig umgegangen wurde, ein Mitarbeiter eines Täters ist sogar vor wenigen Jahren Bischof geworden.

Und schließlich sind da die Mapuche, die Ureinwohner des Landes, die seit einigen Jahren teilweise sogar mit Gewalt, in jedem Fall aber mit Protesten um ihre Rolle in der Gesellschaft streiten. Da wo ich in Chile war wurde sehr viel wert darauf gelegt, dass die Mapuche ihre Kultur erhalten können, das ist aber nicht immer so gewesen und auch heute nicht überall so. Der Papst wird sie besuchen, da wird natürlich erwartet, dass er sich dazu verhält. Weiterlesen

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Zahlenspiel

Es verblüfft mich etwas. Und freut mich. Und macht mich auch etwas nervös. Im Netz bin ich über eine Statistik gestolpert, welche sich unter den deutschsprachigen christlichen Blogs umgeschaut hat. Und finde diesen meinen Blog auf Platz acht. Wow.

Nun ist keiner der Artikel unter den am meisten aufgerufenen und auch die anderen Zahlen der Statistik relativieren das etwas, aber dennoch bin ich überrascht.

Jetzt müsste ich an dieser Stelle den Dank an alle Leser richten und das als Auftrag für die Zukunft verstehen und so weiter, und das ist auch alles richtig und gut, aber zuerst muss ich doch erstmal darüber nachdenken, was das für mich bedeutet.

Ich bin nicht derjenige, der mit SEO und Zahlen-Analyse versucht, möglichst weite Verbreitung zu finden. Ich schreibe über das, was mir wichtig scheint oder was mir am Herzen liegt. Aber die Zahlen zeigen mir, dass ich mich um diese Seite etwas mehr kümmern muss, scheinbar wird der Blog dann doch mehr gelesen, als die Kommentare hier im Blog das anzudeuten scheinen.

Also: dann doch der Dank an alle, die hier lesend vorbei schauen, ich werde es also zu einer meiner nächsten Aufgaben machen, mich mehr darum zu kümmern.

Bis zum nächsten Artikel also.

Hier die Liste, Quelle : Theopop – Religion, Medien, Popkultur

Top 10 christliche Blogs 2017
(In Klammern die Anzahl aller erfassten Social-Media-Aktionen im Jahr 2017)

1feinschwarz.net (19613)
2Theoleaks (16815)
3GekreuzSiegt (12101)
4Jobo72 (9465)
5The Cathwalk (7466)
6kreuz und queer (4306)
7Natur des Glaubens (4188)
8Laudetur Jesus Christus (3253)
9Hanniel (3035)
10Aufatmen in Gottes Gegenwart (2948)

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Die Predigt, Aufzucht und Pflege

„Predigen grenzt an Hybris“ schreibt Johannes Leitlein in der aktuellen Ausgabe von Christ & Welt (4. Januar), der Beilage der Zeit. Und damit der Satz auch nicht untergeht, ist es der Titel. Und ich stimme aus ganzem Herzen zu, als einer, der selber ab und zu da oben steht, liturgisch gekleidet ist und sprechen muss/darf/soll.

Papst Franziskus predigt selbst

Papst Franziskus predigt selbst

Das Ganze ist natürlich Ergebnis der Debatte, was Predigten politisch sagen dürfen oder müssen, wo sie sich zurückhalten oder nach vorne stürzen dürfen, wenn es um im weitesten Sinn politische Themen geht. Und welches Thema heutzutage ist nicht politisch?

Im Artikel heißt es: „An kaum einem Ort wird Zuhörern noch ein 20-minütiger Monolog zugemutet, gar erwartet, jemand ließe sich davon trösten oder bekehren.“ Wie wahr! Es ist eine Kommunikationsform, wie es sie sonst fast nur noch in Hörsälen gibt und bei Festakten, wo viel geredet wird. Trost und Bekehrung sind dort aber keine Kategorien, jedenfalls ist mir das noch nie aufgefallen.

 

Selber daran glauben

 

Prediger „sind gefordert, die gute Botschaft zu übersetzen, zu deuten und dabei zumindest den Eindruck zu erwecken, sie würden selbst daran glauben und daraus Kraft und Hoffnung schöpfen,“ heißt es in dem Artikel. In den Worten des Papstes „Die Homilie ist der Prüfstein, um die Nähe und die Kontaktfähigkeit eines Hirten zu seinem Volk zu beurteilen“. Das ist eine steile Ansage und stammt aus dem Text, der immer noch Leitfaden für das Verstehen dieses Papstes ist, Evangelii Gaudium (ab Nr. 135, von da stammen auch die Zitate). Dort findet sich nämlich einen eigenen Teil zur Predigt. Die Gläubigen, heißt es da, „wie die geweihten Amtsträger selbst, leiden oft, die einen beim Zuhören, die anderen beim Predigen. Es ist traurig, dass das so ist.“ Weiterlesen

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What-about-ism

Es ist absehbar. Wenn an dieser Stelle etwas zum Thema Armut, Flüchtlinge, Migranten, Hetze durch deutsche Politiker kommt, dann kann ich die ersten Reaktionen gleich selber schreiben.

Manche sind dumm, manche sind böse, manche sind zynisch, manche auffallend gleichlautend.

Was aber die meisten gemeinsam haben ist ein rhetorisches Mittel: Der What-about-ism, wie die US-Amerikaner das getauft haben. Es ist eine alte sowjet-Technik aus dem kalten Krieg, wollen Literaturwissenschaftler herausgefunden haben, wobei ich das nicht glauben kann, das muss mindestens 1.000 Jahre alt sein, so verführerisch das ist.

Ich habe hier ja schon mal über rhetorische Tricks in Debatten geschrieben, über den Mann statt den Ball spielen, über Umkehr der Beweislast und so weiter. Aber What-about-ism ist so verbreitet, dass man das einfach mal nennen muss. Denn eine Gefahr erkennen heißt meistens, sie auch vermeiden können. Oder auf sie reagieren können.

 

Vorwurf und moralischer Druck

 

Jemand – Cajus – macht einen Vorwurf: „Gaius hat sich schlecht benommen, er hat auf dem Schulhof Marcus geschlagen“. Das ist ein Vorwurf, dem muss man eigentlich nachgehen. Wenn dann aber Lucius, Freund von Gaius, zum Mittel des What-about-ism greift, dann hören wir auf einmal „aber Sempronius und Linus sind noch viel schlimmer, die haben nämlich …“. Anstelle der drei Punkte kann man sich dann was ausdenken und einsetzen, das spielt weiter keine Rolle.

Das mag so sein, Sempronius und Linus brauchen vielleicht auch Aufmerksamkeit, aber was Lucius mit dem What-about-ism erreicht hat ist, dass wir nicht mehr auf Gaius und das Schlagen von Marcus schauen. Auf einmal ist es nicht mehr wichtig, dass ein Unrecht geschehen ist, sondern Cajus muss sich an anderem Unrecht messen lassen und daran, warum er nicht auf das andere gezeigt hat.

Achten Sie mal drauf, ist vor allem bei populistischen Extremisten sehr beliebt.

Einfach Thema wechseln und denjenigen, der einen Vorwurf macht, moralisch unter Druck setzen („eigentlich hättest du auf den und den schauen sollen“), das ist die Methode. Nicht sehr subtil, aber effektiv.

So verdirbt man die Debatte. Erfolgreich.

 

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Das Mehrheitsprinzip reicht nicht

Mit nicht wenig Freude sehe ich, dass gerade wieder die Frage nach Kirche und Politik, genauer: Parteipolitik, debattiert wird. Zumindest in Deutschland. Bild und Welt, FAZ und Domradio, Kardinäle und Bischöfe, Theologen und Journalisten: was darf, soll, kann Kirche sagen und wie sich einbringen oder gar einmischen?

Nein, ich werde dazu an dieser Stelle nicht schreiben, das habe ich schon einige Male getan, zuletzt erst vor einer Woche. Ich mag nur einfach zitieren, und zwar aus der Bundestagsrede von Papst Benedikt XVI., September 2011.

„Im ersten Buch der Könige wird erzählt, dass Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem Augenblick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9). Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muß. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein.

Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen. Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, ohne den er überhaupt nicht die Möglichkeit politischer Gestaltung hätte. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit.(…)

Wie erkennen wir, was Recht ist? Wie können wir zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden? Die salomonische Bitte bleibt die entscheidende Frage, vor der der Politiker und die Politik auch heute stehen.

In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber dass in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen.“

Und zurück zum Thema: Was darf, muss, soll Kirche? Weiter sagte der Papst damals.

„Im 3. Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde …“.

Nun leisten wir gottlob keinen Widerstand gegen die Rechtsordnung, aber das Prinzip bleibt bestehen. Es ist vernünftig, eine Vereinigung zu bilden, spricht sich einzubringen, mitzumachen, mitzureden. Und wenn das zum lauten Aufschrei wird, um so besser, dann merkt man, dass es den richtigen Punkt trifft.

 

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