Schöpfer und Geschöpf

Vorbereitung auf die Umweltenzyklika, Teil 6

Ein sechster und letzter Punkt: noch einmal zurück zu Schöpfung und Geschöpf. Oder anders gesagt, zum theologischen Blick auf die Frage nach Umwelt und Verantwortung. Den Text der Generalaudienz vom Juni 2015 habe ich bereits ausführlich zitiert, die meisten Dinge darin sind an alle Menschen gerichtet oder können von allen Menschen auf sich selber bezogen werden. Es gibt aber auch genuin christliche Aussagen darin, die natürlich das Fundament von den Aussagen des Papstes sind. Und Papst Franziskus beginnt biblisch: „Wenn von Umwelt, von der Schöpfung, die Rede ist, dann gehen meine Gedanken zu den ersten Seiten der Bibel, zum Buch Genesis, wo es heißt, dass Gott den Mann und die Frau auf die Erde stellt, damit sie sie bebauen und hüten (vgl. 2,15). Und mir kommen die Fragen: Was bedeutet es, die Erde zu bebauen und zu hüten? Bebauen und hüten wir die Schöpfung wirklich? Oder vernachlässigen wir sie und beuten sie aus? Die Schöpfung bebauen und hüten: Diese Weisung gab Gott nicht nur am Anfang der Geschichte, sondern sie gilt einem jeden von uns. Sie gehört zu seinem Plan; es bedeutet, die Welt verantwortungsvoll wachsen zu lassen, sie in einen Garten zu verwandeln, in einen bewohnbaren Ort für alle. (Generalaudienz, 5. Juni 2013)

Das ist der Anfang, die Bibel. Aber auch später, in der Geschichte und der Tradition der Kirche, gibt es Zeugen für so ein behütendes und sich sorgendes Verhalten: „Klein aber stark in der Liebe Gottes wie der heilige Franziskus, sind wir als Christen alle berufen, uns der Schwäche des Volkes und der Welt, in der wir leben, anzunehmen.“ (EG 216) Es braucht also keine Stärke und Macht, sondern Zuwendung zur Schöpfung, Aufmerksamkeit, um unser Verhalten ihr gegenüber zu ändern. Das entspricht dann auch dem Verhältnis, das Gott zu seiner Schöpfung hat, eine Formulierung aus einer Morgenmesse in Santa Marta, die so sehr stark an das Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola erinnert: „Gott arbeitet, Er macht mit seiner Arbeit weiter, und wir können uns fragen, wie wir auf diese Schöpfung Gottes antworten sollen. Denn die Schöpfung ist aus Seiner Liebe entstanden, Gott arbeitet durch die Liebe. Wir haben also eine sozusagen erste Schöpfung, und auf diese müssen wir mit Verantwortung antworten. Der Herr hat uns das Land geschenkt, um Sorge dafür zu tragen. Wir sind dann zwar Herren der Schöpfung, aber nicht die Besitzer!“ (Predigt am 9. Februar 2015, Santa Marta)

Es bleibt immer noch die Frage, ob das wirklich die Aufgabe von Christen als Christen ist, sich dieses Themas anzunehmen. Immer wieder lautet ja der Einwand – zugegeben weniger in unseren Breiten – dass das doch bitte die NGOs machen sollen. Nein, sagt Papst Franziskus. Im Gegenteil: „Manchmal hören wir von Leuten, die sich versammeln, um über Umweltschutz zu sprechen und sagen: Ach, das sind die Grünen! Nein, das sind nicht die Grünen! Das sind Christen! Denn das ist die erste Antwort, die wir auf diese ,erste Schöpfung´ geben sollten. Das ist unsere Verantwortung! Ein Christ, der die Schöpfung nicht achtet, ist ein Gläubiger, der sich nicht um das Werk Gottes schert. Also, die Antwort auf die erste Schöpfung lautet: die Schöpfung bewahren und sie wachsen lassen.“ (Predigt am 9. Februar 2015, Santa Marta)

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Zum Hüten berufen

Vorbereitung auf die Umweltenzyklika, Teil 5

Was also tun? Dieser fünfte Punkt gleicht in gewisser Hinsicht dem vierten, als dass auch hier nach möglichen Handlungsperspektiven gefragt werden soll. Es geht kurz gesagt um eine Änderung des Lebensstils: „Die Natur steht uns zur Verfügung, und wir sind berufen, sie verantwortlich zu verwalten.“ (Botschaft für den Weltfriedenstag, 1.1.2014)

Dieser Gedanke, berufen um zu verwalten, ist bereits ganz am Anfang des Pontifikates präsent. Der Papst feierte am 19. März die Messe zum Amtsantritt, am Fest des hl. Josef, was er zum Anlass nahm, genau darüber zu sprechen, über das verantwortliche Verwalten, oder übersetzt: über das Hüten:

„Die Berufung zum Hüten geht jedoch nicht nur uns Christen an; sie hat eine Dimension, die vorausgeht und die einfach menschlich ist, die alle betrifft. Sie besteht darin, die gesamte Schöpfung, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren, wie uns im Buch Genesis gesagt wird und wie es uns der heilige Franziskus von Assisi gezeigt hat: Sie besteht darin, Achtung zu haben vor jedem Geschöpf Gottes und vor der Umwelt, in der wir leben. Die Menschen zu hüten, sich um alle zu kümmern, um jeden Einzelnen, mit Liebe, besonders um die Kinder, die alten Menschen, um die, welche schwächer sind und oft in unserem Herzen an den Rand gedrängt werden. … Im Grunde ist alles der Obhut des Menschen anvertraut, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft. Seid Hüter der Gaben Gottes! … Alle Verantwortungsträger auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet, alle Männer und Frauen guten Willens möchte ich herzlich bitten: Lasst uns „Hüter“ der Schöpfung, des in die Natur hineingelegten Planes Gottes sein, Hüter des anderen, der Umwelt; lassen wir nicht zu, dass Zeichen der Zerstörung und des Todes den Weg dieser unserer Welt begleiten! Doch um zu „behüten“, müssen wir auch auf uns selber Acht geben! Erinnern wir uns daran, dass Hass, Neid und Hochmut das Leben verunreinigen! Hüten bedeutet also, über unsere Gefühle, über unser Herz zu wachen, denn von dort gehen unsere guten und bösen Absichten aus: die, welche aufbauen, und die, welche zerstören! Wir dürfen keine Angst haben vor der Güte, ja, nicht einmal vor der Zärtlichkeit!“ (Predigt bei der Messe zum Amtsantritt, 19. März 2013).

 

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Eine offene Debatte

Vorbereitung auf die Umweltenzyklika, Teil 4

Was also tun? Viele Überlegungen von Papst Franziskus zur Frage von Umwelt und Schöpfung, von Mensch und Würde sind Aufforderungen, sich an einer Lösung zu beteiligen. Oder zumindest an der Suche danach, wie etwa hier: „Ich lade alle ein, über das Problem des Verderbens und der Verschwendung von Nahrung nachzudenken, um Wege und Mittel zu finden, die, wenn man dieses Problem ernsthaft angeht, Ausdruck der Solidarität und des Teilens mit den Notleidenden sein sollen.“ (Generalaudienz, 5. Juni 2013)

Nachdenken ist also der erste Schritt. Und der zweite? „Ich möchte also, dass wir alle uns ernsthaft bemühen, die Schöpfung zu achten und zu hüten, jedem Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, der Kultur des Verschwendens und des Wegwerfens entgegenzuwirken, um eine Kultur der Solidarität und der Begegnung zu fördern.“ (Generalaudienz, 5. Juni 2013) Das sind alles offensichtliche Punkte, die aber zu wenig gemacht werden. Aufmerksamkeit ist ein Schritt zur Lösung, genau so wie er den Verlust des Staunens und der Wertschätzung genannt hat. Das bedeutet keine falsche Romantik, ein Verehren einer angeblich unberührbaren Natur. „Die christliche Sicht der Schöpfung beinhaltet ein positives Urteil über die Zulässigkeit der Eingriffe in die Natur, um einen Nutzen daraus zu ziehen, unter der Bedingung, dass man verantwortlich handelt, das heißt die „Grammatik“ anerkennt, die in sie eingeschrieben ist, und die Ressourcen klug zum Vorteil aller nutzt und dabei die Schönheit, die Zweckbestimmtheit und die Nützlichkeit der einzelnen Lebewesen und ihre Funktion im Ökosystem berücksichtigt.“ (Botschaft für den Weltfriedenstag, 1.1.2014)

 

Keine naive Romantik

 

Also, die Einladung zur Debatte findet nicht auf naiven Grund und Boden statt. Ganz im Gegenteil, der Papst hat ganz konkrete Ziele im Blick, was seine Enzyklika angeht, es ist nicht die Klage eines Romantikers, sondern der Beitrag eines Realisten. Was man am Zeitrahmen für die Enzyklika ablesen kann: „Wichtig ist, dass zwischen ihrer Veröffentlichung und dem Treffen in Paris ein gewisser zeitlicher Abstand liegt, damit sie einen Beitrag leistet. Das Treffen in Peru war nichts Besonderes [UN-Klimakonferenz in Lima 2014]. Mich hat der Mangel an Mut enttäuscht: An einem gewissen Punkt haben sie aufgehört. Hoffen wir, dass in Paris die Vertreter mutiger sein werden, um in dieser Sache voranzukommen.“ (Pressekonferenz auf dem Flug von Colombo nach Manila, 15. Januar 2015) Wohin voran kommen? „Tatsächlich ist es eine unumgängliche Pflicht, die Ressourcen der Erde so zu nutzen, dass keiner Hunger leidet.“  (Botschaft für den Weltfriedenstag, 1.1.2014)

Auch von kirchlicher Seite will sich der Papst an den politischen und gesellschaftlichen Debatten um Umwelt und Zukunft beteiligen. Und er weiß sich nicht allein: „Gottlob gibt es heute Stimmen, viele, viele Stimmen, die darüber sprechen; in diesem Moment möchte ich meinen geliebten Bruder Bartholomaios erwähnen, der seit vielen Jahren über dieses Thema predigt. Und ich habe vieles von ihm gelesen, um diese Enzyklika vorzubereiten.“ (Pressekonferenz auf dem Flug von Colombo nach Manila, 15. Januar 2015) Aber es sind nicht nur christliche Mitstreiter: „Ich meine, dass der Dialog zwischen den Religionen über diesen Punkt wichtig ist. Die anderen Religionen haben eine gute Sichtweise. Auch zu diesem Punkt gibt es eine Abmachung, um die gleiche Sicht zu haben.“ (Pressekonferenz auf dem Flug von Colombo nach Manila, 15. Januar 2015)

Die Einladung des Papstes will also eine breite, offene Debatte, unter Beteiligung aller, die dazu etwas zu sagen haben.

 

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Zu weit gegangen

Vorbereitung auf die Umwelt-Enzyklika, Teil 3

Die Verantwortung des Menschen ist keine moralische Verantwortung, das lässt sich aus dem vorherigen Überlegungen entnehmen. Was aber folgt aus dem Gegenentwurf, aus dem Schöpfungsgedanken? Wie ist die Verantwortung mit dem Glauben and Schöpfung verwoben? „Benedikt XVI. hat uns oft daran erinnert, dass diese Aufgabe, die Gott, der Schöpfer, uns anvertraut hat, es verlangt, den Rhythmus und die Logik der Schöpfung zu verstehen. Wir dagegen sind oft vom Hochmut des Herrschens, des Besitzens, des Manipulierens, des Ausbeutens geleitet; wir „hüten“ sie nicht, wir achten sie nicht, wir betrachten sie nicht als unentgeltliches Geschenk, für das wir Sorge tragen müssen. Wir verlieren die Haltung des Staunens, der Betrachtung, des Hörens auf die Schöpfung; und so können wir darin nicht mehr das erkennen, was Benedikt XVI. „den Rhythmus der Liebesgeschichte Gottes mit dem Menschen“ nennt. Warum passiert das? Weil wir horizontal denken und leben, uns von Gott entfernt haben, seine Zeichen nicht erkennen.“ (Generalaudienz, 5. Juni 2013) Das Resultat: „Männer und Frauen [werden] den Götzen des Profits und des Konsums geopfert: Das ist die „Wegwerfkultur“.“ (ebd.)

Und dann wird auch klarer, wie die Auswirkungen sind, wenn wir diese „Haltung des Staunens“ verlieren: „In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Marktes, die zur absoluten Regel werden“ (EG 56).

Aber sind es wirklich immer wir Menschen, ist es immer die Eigendynamik des Marktes ohne Ethik, des egoistischen Finanzsystems, das den Schaden verursacht? Selbst wenn – so der Papst – das nicht so ist, ist das noch lange keine Entschuldigung, nichts zu tun. „Ich weiß nicht, ob die Verantwortung ganz und gar beim Menschen liegt, aber größtenteils, in weitem Umfang ist er es, der die Natur ohrfeigt, fortwährend. Wir haben uns der Natur, der Schwester Erde, der Mutter Erde etwas zu viel bemächtigt. Ich erinnere mich an das – Sie haben es schon gehört –, was ein alter Bauer einst zu mir sagte: „Gott verzeiht immer, wir, die Menschen, verzeihen einige Male, die Natur verzeiht nie.“ Wenn du sie ohrfeigst, dann zahlt sei es dir heim. Ich glaube, wir haben die Natur zu sehr ausgebeutet. …Ich glaube, der Mensch ist zu weit gegangen“ (Pressekonferenz auf dem Flug von Colombo nach Manila, 15. Januar 2015).

 

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Verantwortung!

Vorbereitung auf die Umweltenzyklika, Teil 2 (Veröffentlichungsdatum: 18. Juni)

Die Wirtschaft, die Menschen ausschließt, tötet. Dieser Satz klingt bis heute in den Ohren all derjenigen, die meinen, dass der Markt alles regeln wird. Tut er nicht, im Gegenteil, die Welt – die soziale wie die ökologische – ist Gefahr, aus dem Gleichgewicht zu geraten: „Die Gefahr ist groß, denn die Ursache des Problems ist nicht oberflächlich, sondern sitzt tief: Es ist nicht nur eine Frage der Wirtschaft, sondern der Ethik und der Anthropologie. Die Kirche hat das oft hervorgehoben. Und viele sagen: Ja, das stimmt, das ist wahr , aber das System geht weiter wie zuvor, denn was herrscht, sind die Dynamiken einer Wirtschaft und einer Finanz, denen es an Ethik mangelt. Heute gebietet nicht der Mensch, sondern das Geld, das Geld regiert. Und Gott, unser Vater, hat nicht dem Geld die Aufgabe erteilt, die Erde zu hüten, sondern uns: den Männern und Frauen. Wir haben diese Aufgabe! Stattdessen werden Männer und Frauen den Götzen des Profits und des Konsums geopfert: Das ist die „Wegwerfkultur“.“ (Generalaudienz, 5. Juni 2013)

Es geht dem Papst hierbei also um die Frage von menschlicher Verantwortung, die abgegeben wird, wenn man sich allein auf vermeintliche „Gesetze des Marktes“ verlässt. Dessen ethikfreie Dynamik zerstört. An anderer Stelle führt der Papst aus, wie es das meint: „Es gibt noch andere schwache und schutzlose Wesen, die wirtschaftlichen Interessen oder einer wahllosen Ausnutzung auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Ich beziehe mich auf die Gesamtheit der Schöpfung.“(EG 215) Und auch hier geht der Papst auf sein Thema der Verantwortung ein: „Wir sind als Menschen nicht bloß Nutznießer, sondern Hüter der anderen Geschöpfe. Durch unsere Leiblichkeit hat Gott uns so eng mit der Welt, die uns umgibt, verbunden, dass die Desertifikation des Bodens so etwas wie eine Krankheit für jeden Einzelnen ist, und wir können das Aussterben einer Art beklagen, als wäre es eine Verstümmelung. Lassen wir nicht zu, dass an unserem Weg Zeichen der Zerstörung und des Todes zurückbleiben, die unserem Leben und dem der kommenden Generationen schaden.“ (EG 215) Die Verantwortung ist also nicht nur eine moralische, sondern uns als Geschöpfe Gottes mitgegeben. Diesen Gedanken kann man glaube ich nicht genug betonen: Es geht nicht um Moral, es geht darum, dass wir Teil der Schöpfung sind, nicht getrennt, sondern durch unsere Leiblichkeit tief verwoben. Umweltzerstörung ist Verstümmelung des Menschen, enger kann man die beiden Themen nicht zusammen bringen.

 

Einschränkung: Was der Papst nicht sagt

 

An dieser Stelle muss man aber auch eine Einschränkung machen, und zwar dazu, was der Papst sagt und was er nicht sagt. Vor einiger Zeit bin ich auf die  Debatte vor der Debatte  eingegangen und auf die vielen Vor-Urteile über die kommende Enzyklika. Weiterlesen

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Ökologie des Menschen und der Natur

Vorbereitung auf die Umweltenzyklika, Teil 1

Das Thema Ökologie ist nicht neu für Papst Franziskus. In Evangelii Gaudium ist davon die Rede, in seiner Predigt zum Amtsantritt, in Generalaudienzen, bei Pressekonferenzen: immer wieder spricht er dieses Thema an. Aber anstatt an dieser Stelle diese Texte einfach aufzuzählen, sollen sie um fünf Themen herum gruppiert werden, die sich – meiner Meinung nach – deutlich zeigen und die ich in den kommenden Tagen zur Vorbereitung auf die Veröffentlichung der Enzyklika einstellen werde.

Der erste Punkt ist ein eher allgemeiner. Wenn man Papst Franziskus Texte zum Thema nachliest, dann wird offensichtlich, dass Ökologie kein isoliertes Thema ist, die „ Ökologie des Menschen und Ökologie der Umwelt gehen Hand in Hand.“ Das betonte er bei der Generalaudienz vom 5. Juni 2013 (GA), die er ganz dem Thema Ökologie gewidmet hat. Und „Ökologie des Menschen“ ist ja das Thema, wie es von Vatikansprecher Federico Lombardi angekündigt wurde.

Dass das alles zusammen gehört zeiht sich auch in seinen Gedanken zur Brüderlichkeit bzw. Geschwisterlichkeit, denen er die Botschaft zum Weltfriedenstag 2014 gewidmet hatte: „Wir bewahren die Natur nicht, respektieren sie nicht und betrachten sie nicht als eine unentgeltliche Gabe, für die man Sorge tragen und sie in den Dienst der Mitmenschen, einschließlich der kommenden Generationen, stellen soll.“ (Botschaft für den Weltfriedenstag, 1.1.2014) Mindestens also bei den kommenden Generationen gehört Natur und Sorge um den Menschen zusammen, mindestens. Aber Papst Franziskus macht das Thema noch weiter: „Die Päpste haben von der Ökologie des Menschen gesprochen, die eng mit der Ökologie der Umwelt verbunden ist. Wir durchleben gerade einem Augenblick der Krise; das sehen wir in der Umwelt, aber vor allem sehen wir es im Menschen. Der Mensch ist gefährdet: Das ist sicher, der Mensch ist heute gefährdet, daher die Dringlichkeit der Ökologie des Menschen!“ (GA)

Die sozialen und ökologischen Dimensionen gehören also im Sprechen und Denken des Papstes zusammen. Mehr davon im nächsten Kapitel.

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Nachtrag: Förderverein RV

Hier ist er nun, der neu gewählte Vorstand. Und wenn Sie das als Werbung empfinden: das soll es auch sein. Wir können immer gut neue fördernde Mitglieder gebrauchen. Geben Sie sich einen Ruck!

Von links: Ludwig Waldmüller, Marco Chwalek, Hans-Werner Lichter, P Bernd Hagenkord (nicht Mitglied des Vorstandes, aber gerne bei den Sitzungen dabei)

Von links: Ludwig Waldmüller, Marco Chwalek, Hans-Werner Lichter, P Bernd Hagenkord

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An dieser Stelle ein Dank

Am Wochenende wird gewählt. Radio Vatikan bzw. die deutschsprachige Redaktion wird von jenseits der Alpen von einem Förderverein unterstützt, und dieser Förderverein hält seine Mitgliedsversammlung ab, bei der ein neuer Vorstand gewählt wird.

Deswegen sei an dieser Stelle dem alten Vorstand – der zum Teil wieder antritt – gedankt. Er sei sogar mit Lob überhäuft, denn den Einsatz, der meistens im Stillen vor sich geht, können wir hier in Rom nicht hoch genug schätzen.

Dass Sie zum Beispiel gerade diesen Blogeintrag lesen, haben Sie dem Verein zu verdanken. Ohne die Freunde von Radio Vatikan e.V. gäbe es diesen Blog nämlich gar nicht. Und wenn Sie den Blog Freundeverein, tun Sie das über den Verein.

Oder wenn Sie auf einem Katholikentag an den Stand von Radio Vatikan kommen, dann begegnen Ihnen da Mitglieder des Vereins. Von hier aus könnten wir das alles gar nicht leisten, weder personell noch finanziell. Aber das Ehrenamt von Freunden macht möglich, was anders nicht ginge.

Dazu kommt, dass die letzten zwei Jahre für den Vorstand nicht ganz einfach waren, ich bin glücklich und froh, solche Leute hinter uns stehen zu haben.

Also, Lob und Hudel sei dem Vorstand dargebracht, Leute, ich bin stolz auf euch!

 

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Verwalter der Schöpfung

Man kann sich von den Erwartungen in Sachen Ökologie-Enzyklika kaum noch retten. Hier liest man was, dort was, Erwartungen, Ideen, Konflikte, Streit. Gerne schaue ich dazu über den Teich und lese, was die Verteidigungslinien sind gegen jede aber auch wirklich jede Veränderung. Und da wird man schnell fündig.

Ein Argument, von dem ich nicht wirklich weiß, ob ich es Ernst nehmen soll oder nicht, kommt von einem US-amerikanischen Jesuiten: “More perceptive thinkers, however, suspect that “sustainability” is probably the most “useful” ideology ever invented. It brings everything, especially messy human beings who are the real problem, under direct state jurisdiction. It makes Marxism look like child’s play when it comes to absolute control of man and society.”

Es geht also um das Konzept, das wir hier „Nachhaltigkeit“ nennen. Diese Nachhaltigkeit soll eine Ideologie sein, die hilft, Menschen zu unterwerfen. Der Hintergrund des Argumentes, das Pater James Schall ausführt, ist in der Beziehung zu den kommenden Generationen zu finden. Nachhaltigkeit bedeute, so Schall, dass der Wohlstand auch für kommende Generationen zur Verfügung stehen muss. Das Gegenargument: Auch wir heute würden gar nicht so leben wollen wie die Menschen sagen wir im Jahr 1800, wenn diese dasselbe Anliegen der Nachhaltigkeit gehabt haben sollten. Wir haben neue Wege und Techniken entwickelt, und dasselbe sollten wir von unseren Nachfahren annehmen dürfen. Schall entdeckt in diesem Denken eine gnostische Wurzel, entdeckt also eine der Grundhäresien des Christentums. Nichts weniger. Schall sieht in der Nachhaltigkeits-Ideologie die Ablehnung des Konzepts vom ewigen Leben.

Ich will mich dem nicht wirklich stellen, das Ganze ist fürchterlich US-amerikanisch gedacht, alles ist in der Entscheidung des Individuums, das durch staatliche oder anderweitige Grenzen nicht eingeschränkt werden darf. Sein Credo: „The earth and its resources, including its chief resource, the human mind, are given for the purposes for which each individual was created. Enough resources, including human mind and enterprise, are given for man to accomplish his purpose. When this purpose is accomplished, no more “resources” are needed. In this sense, the revealed doctrine that this world will end is the one that frees us from the dismal “sustaining” cycle that, presumably, goes on and on.”

Also: Wenn wir Fehler machen, winkt uns Vergebung und Verzeihung. Und dann kommt irgendwann das Ende der Welt und die Erlösung der Menschheit. Wir brauchen uns aber noch nicht hier die alles übergreifende Einschränkung auferlegen, die dem vermutlich gottgegebenen Unternehmerwillen Grenzen setzt: Die Verantwortung.

Das ist es letztlich, was Schall und andere ablehnen: Verantwortung. Nachhaltigkeit ist nur ein Hinweis, nur eine Anwendung des Nachdenkens über Verantwortung für andere. Verantwortung für die Menschen, die an Entwaldung und Versteppung leiden. Verantwortung für die kommenden Generationen, die kein sauberes Wasser mehr haben. Verantwortung für die Natur, die Umweltkatastrophen einfach kaputt ist und nicht mehr wieder herzustellen ist.

Gott allein ist der Herr der Welt, wir sind nur seine Verwalter. Verantwortliche Verwalter.

 

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Familiäre Verhärtung

Auf die Gefahr hin, dass ich zu einem „trainspotter“ werde: Das Argument in Richtung Bischofssynode im Oktober, die Frage nach wiederverheirateten Geschiedenen habe mit der Kirchensteuer und deswegen mit der Anpassung an den Zeitgeist zu tun, nimmt an Fahrt auf. Mittlerweile wird es auch im deutschsprachigen Raum bertreten.

Aus einer Pressemitteilung des Bistums Chur über einen Priestertag im Mai, referiert hatte der emeritierte Professor Hubert Windisch: „Das „Drängen auf Veränderung“ in solchen Fragen komme, so Professor em. Windisch, besonders aus dem deutschsprachigen Raum. Dies habe mit dem Kirchensteuersystem zu tun: die Kirche im deutschen Sprachraum leide wegen der Austrittszahlen unter sinkenden Einnahmen und versuche diesen Verlust „mit den Mitteln der Anbiederung gegenüber den Zeitläuften“ zu kompensieren.“

So schlicht können Argumente sein. Unterkomplex. Kein Wort davon, dass es darum geht, sich die Frage nach dem Scheitern zu stellen. Kein Wort davon, was die Kirche denen zu sagen hat, die sich ausgegrenzt fühlen. Kein Wort davon, dass es auch schuldlose Menschen in diesen Konflikten gibt, die trotzdem leiden.

Einfach nur das Wort „Anbiederung“ und die richtigen Kreise heulen laut auf, weil sie für die komplexen Fragen eine schlichte Antwort bekommen haben, die bestens auf die kirchlichen Stammtische passt.

Man kann zur Frage stehen wie man will. Man kann theologisch verantwortet Meinungen vertreten und meiner Beobachtung nach ist das bei der Bischofssynode auch geschehen und wird – so vermute ich – auch wieder geschehen. „Anbiederung“ ist aber kein Argument, dass irgendwelchen theologischen Debatten gerecht werden würde.

Es ist schade, dass die Angst vor Veränderungen solche Verhärtungen mit sich bringt.

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