Ragt dann nur noch Papst Franziskus heraus?

Pater Lombardi beim Vortrag in Wien

Pater Lombardi beim Vortrag in Wien

Geburtstage sind Würdigungstage, vor allem wenn das Geburtstagskind 70 wird und dazu noch eine Institution und keine Person ist. In diesem Jahr trifft es die österreichische katholische Nachrichtenagentur Kathpress. Es wurde zu einer Feierstunde nach Wien geladen, Kardinal Schönborn sprach, und dann hatte Pater Federico Lombardi als Festredner das Wort. Als ehemaliger Pressesprecher des Vatikan hat er wie kaum ein anderer Einsicht in kirchliche Kommunikation, die Licht- wie auch die Schattenseiten, zumindest was die Zentrale angeht.

Er hat uns ein wenig Einblick hinter die Kulissen seiner 10-jährigen Tätigkeit gewährt. Und dann im Anschluss an Überlegungen zur Entwicklung der Medien heute zwei Bemerkungen angehängt, die ich hier wieder geben möchte. Sie lohnen die Betrachtung:

Der Enthusiasmus für die Neuen Medien darf uns nicht die Aufmerksamkeit für die Solidität, die Konsistenz und die Tiefe des Inhalts der Informationen und der Kommunikation vergessen machen. Ein kompetenter, informierter Journalismus, der Probleme in ihrer Tiefe und in ihrer realen Komplexität verstehen will, ist notwendig und wird es weiter sein, vielleicht sogar noch mehr als früher, weil die Welt nicht einfacher wird und die Herausforderungen immer größer. Solch ein Journalismus muss seine Wege und seine Orte finden, um sich auszudrücken. Kurze und einfache Botschaften sind nützlich und wirkungsvoll, wenn sie auf der Basis von tragfähigen und profunden Botschaften aufruhen. Etwas zu teilen ist gut, wenn etwas wert ist, geteilt zu werden, wenn es nicht unnütz und leer ist und nur Zeitverschwendung.

Soweit die erste Betrachtung. Klingt irgendwie selbstverständlich, muss aber wohl immer wieder ausgesprochen werden, denn der Enthusiasmus droht viel wegzuschwemmen.

Die zweite Beobachtung: Der Papst und der Vatikan sind wichtig, aber sie sind nicht die gesamte Kirche. Der Papst und seine Mitarbeiter üben einen Dienst an der Einheit der universalen Kirche aus. Die Kirche aber ist vielgestaltig – „circumdata varietate!“ – , vielgestaltig in ihren Institutionen, ihren Kulturen, ihren Traditionen, ihren Sprachen, und darf nicht eingeebnet werden. Gewisse Dynamiken des Internets führen dazu, dass die Aufmerksamkeit überproportional auf die starken Webseiten gerichtet wird und auf die bekanntesten Menschen. Eine Vervielfältigung von Kontakten bedeutet aber noch nicht notwendigerweise auch eine Bereicherung der Beziehungen und des Austausches. Ich sehe in der Entwicklung der Kommunikation im Internet nicht nur die positiven Möglichkeiten, sondern auch das Risiko einer Schwächung und einer Verarmung von ernsthafter Kommunikation auf persönlichem Niveau, einer Schwächung der Wichtigkeit von Nachrichten aus der regionalen oder nationalen Dimension von Kirche. …

Die Frage, die ich mir nun stelle, hat mit einer Ekklesiologie der Subsidiarität und Komplementarität zwischen den verschiedenen Ebenen der Kirche zu tun – universal, national, diözesan, lokal: Gelingt es es im neuen Netz und in der fließenden Welt der Neuen Medien stabile Verbindungen zu knüpfen, wo sich das Leben der Gemeinschaft der Kirche vor Ort, im Bistum und so weiter ausdrücken kann? Oder riskieren wir, uns in einem verwirrenden Magma wieder zu finden, aus dem nur noch Papst Franziskus und seine begabten Nachfolger heraus ragen oder andere schwindelerregende Gipfel oder mächtigen Institutionen, die Herr sind über die Suchmaschinen?

Diese zweite Beobachtung ist noch wichtiger als die Erste, und ich bin froh, dass sie auch bei der Reform der Vatikanmedien eine Rolle spielt. Vatikan ist nicht Kirche. Ortskirche wird nicht durch Papst ersetzt, auch wenn sich das medial viel besser darstellen lässt.

Danke Pater Lombardi für die Beobachtungen.

Und herzlichen Glückwunsch, Kathpress!

 

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Wahrheit, Würde, Gleichheit

Es ist eine kluge Einsicht: Warum lügt jemand, wenn doch jedem Zuschauer offensichtlich ist, dass es eine Lüge ist? Weil die Lüge dem Beweis dient, dass die Wahrheit machtlos ist. Es ist schlicht die „Verschiebung des Diskurses“, alles steht in Frage.

Die Einsicht stammt von Marina Weisband und sie hat sie in einem klugen Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlicht, ausführlicher als ich das hier wieder gebe.

Einen zweiten Effekt beschreibt Weisband: Angesichts von so viel Lüge beginnen Menschen, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. „Es ist ein Kampf gegen die Vernunft“, schreibt sie. Der Versuch, den Menschen die Kontrolle über ihre Wahrnehmung zu nehmen, ist ein Akt gegen ihre Freiheit.

Natürlich geht es um Donald Trump, der mit einer schwindelig machenden Frequenz in den ersten Tagen seiner Präsidentschaft Dinge tut, die wir vor Wochen noch für unmöglich gehalten hätten.

 

Ein Akt gegen die Freiheit

 

Und das Kampf gegen den Wert von Wahrheit ist nicht das Einzige. Da behauptet ein Präsident der Vereinigten Staaten, dass Folter funktioniere. Sein Verteidigungsminister und sein CIA Chef sollten entscheiden, ob er für eine Wiederzulassung arbeiten solle. Die beiden haben aber schon deutlich zu Protokoll gegeben, dass sie von Folter nichts halten. Warum also diese Einstellung?

Um zu zeigen, dass er auch über ungesetzliche Maßnahmen nachdenkt. Die Rechte und die Würde des Menschen, die durch diese Gesetze geschützt werden, verlieren ihre Macht genau so wie die Wahrheit bei den beständigen Lügen.

Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob das auch wirklich passiert. Diese ganzen Aussagen verändert etwas im Kopf von Menschen, die Einstellung verschiebt sich, Wahrheit ist nicht mehr ganz so wichtig, über Würde kann man schon mal sprechen, wenn es höheren Interessen dient.

 

Zertrümmerer

 

Noch immer gibt es Menschen, die als Christen auf Trump setzen. Nur stellt sich mir die Frage, was übrig bleibt, wenn er die Grundlage eines friedlichen, auf Recht bauenden Staates auf solche Weise zertrümmert. Er will wöchentlich Listen veröffentlichen, auf denen von Einwanderern begangene Straftaten verzeichnet sind. Das ist unfassbar! Wie wäre es mit einer Liste von rassistischen Übergriffen? Von Steuerhinterziehungen? Nichts da, hier wird ganz bewusst mit dem Feuer gespielt, Menschen mit Einwanderungshintergrund werden einem grundsätzlichen Verdacht ausgeliefert, der um so perfider ist, als er nicht statistisch begründet ist.

Eine Lüge ist eine Lüge. Wahrheit zählt.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Alle Menschen sind gleich.

Leider sind das die Dinge, an denen die Präsidentschaft Donald Trump gerade knabbert.

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Fremder Barock

Er gehört zu den sichtbarsten Kunstrichtungen der Kirche.  Oder vielleicht ist er sogar die dominierende weil Form-prägende Kunstrichtung überhaupt, welche unsere Kirchen gestaltet: Der Barock. Überwältigende Farben und Formen, die ganze Kirchen, mindestens aber die Altarräume in ein Gesamtereignis gestalten.

Dabei ist diese Bildsprache für uns heute gleichzeitig vertraut und fremd. Vertraut, weil sie nicht überrascht. Wir sind an sie gewöhnt, auch wenn wir persönlich mit Backsteinkirchen aufgewachsen sein sollten. Fotos, Besuche, Tourismus, der Barock ist die „Normalform“. Aber auch fremd, weil es so gar nicht mehr unsere Welt ist.

Das Goldene Jahrhundert: Ausstellung in München

Das Goldene Jahrhundert: Ausstellung in München. Im Hintergrund: Statuen von zwei Jesuitenheiligen, Francisco de Borja und Ignatius von Loyola.

Zu besichtigen etwa derzeit in München in einer Ausstellung zum so genannten goldenen Jahrhundert Spaniens, dem 17. Jh. Sehr schöne Bilder, El Greco etwa und Diego Velázquez, aber auch Bildhauer und andere sind vertreten.

Es ist nicht nur religiöse Kunst vertreten, aber die hat mich in dieser Ausstellung besonders interessiert.

Es ist schon eine überwältigende Kunst, die da gezeigt wird, wenn auch nur in kleinem Ausschnitt. Alleine wie El Greco Stoffe malt, daran kann man sich gar nicht satt sehen.

Es ist natürlich wunderbar, dass Bilder, die normalerweise in Madrid oder in Chicago hängen, nun bei uns zu sehen sind. Soweit der Vorteil von Ausstellungen. Es macht – und das ist mir besonders in München aufgefallen – aber auch die Fremdheit deutlich, die wir empfinden mögen. Die stark zurück genommene Gestaltung der Räume trifft auf volle Formen, man kann die Jahrhunderte der ästhetischen Wahrnehmung, die uns trennen, geradezu spüren.

 

Weit, weit weg

 

Ganz besonders deutlich wird das beim Zusammentreffen von Gestern und Heute, in einem Film über eine Prozession. Die Gewänder und getragenen Figuren sind wohl dieselben wie im Barock, die Hauben die das Gesicht verdecken, die ausdrucksstarken Figuren, aber unser Lebens- und Bildgefühl heute ist so anders, wunderbar repräsentiert durch die Brechung des Filmes. Weiterlesen

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#SeanSpicerSays

Es ist irgendwie bitter für den frischgebackenen Sprecher der neuen US-Regierung, gleich mit seiner ersten Pressekonferenz vor eine Wand zu laufen. Aber anders als der legendäre George Stephanopoulos damals bei Bill Clinton war es dieses Mal eine selbst gebastelte Wand.

Er hat schlicht die Unwahrheit gesagt. Dass seine Chefin das dann als „alternative Fakten“ umzudeuten versucht hat, ist Grund für viel Häme. Dummerweise waren die Fakten alle überprüfbar.

Und so laufen unter dem Hashtag #SeanSpicerSays derzeit witzige Geschichten durchs Internet, sozusagen alle „alternativ faktisch“. Humor ist da Einzige, was hier hilft.

Aber es geht ja gar nicht um den armen Sean Spicer, die Kultur, sich seine Welt zurecht zu legen und sie als wahr und als Tatsache zu behaupten, hat ja um sich gegriffen. Leider auch bei Regierungen.

Wie nun unterscheiden? Da hilft ein Satz des FDP Politikers Christian Lindner, den ich mir hier ausborgen mag, der sagte über den kommenden Bundespräsidenten Deutschlands Steinmeier, dieser habe den Anspruch „Mutmacher, nicht Engführer“ zu sein. Letztlich ist das die Unterscheidung zwischen Positivität und Negativität. Wohin führt mich jemand? Voran? Oder in die Selbstbeschränkung und die Angst?

Spätestens hier wird der geneigte Leser und die geneigte Leserin dieses Blogs sehen, wo ich den Papst hier sehe. Nicht in der aktuellen Kommentierung von politischen Vorgängen, die in dem jüngsten Papstinterview gesehen wurden. Viel wichtiger ist die Grundhaltung, voran zu gehen, Mut zu machen, sich nicht einschränken zu lassen.

Das finde ich den wichtigsten Schritt, um zu erkennen, worum es sich bei der nächstbesten Behauptung handelt: Wohin soll die mich führen?

Ein zweites Unterscheidungsmerkmal liegt in einem alten Prinzip, das ich in der Jugendarbeit schätzen gelernt habe: Das Gegenteil von Lüge ist nicht Wahrheit, sondern Ehrlichkeit. Soll heißen: Ich kann etwas machen, auch wenn ich nicht immer alles weiß. Ich kann ehrlich sein, ohne gleich die gesamte Wahrheit (alle Fakten) zu kennen. Im Alltag gehört dazu ganz einfach die Feststellung, dass man nicht alles weiß.

Also, wenn der arme Herr Spicer seine in sich widersprüchliche Aussagen mit „Punkt“ abschließt, dann ist da keine Ehrlichkeit, er will einfach jeden Diskurs darüber unterbinden. Das ist ein Machtgestus, der nichts mit ehrlich zu tun hat.

Seien wir also ehrlich, uns selbst gegenüber – was meistens gar nicht so einfach ist – und den anderen gegenüber. Dann werden die „alternativen Fakten“ schnell das, was sie sein sollen: Material für Witze.

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Ticket-Box zwischen den Säulen

Hoffentlich ist es nur ein Sturm im Wasserglas: Rom und Italiens Kulturwelt diskutieren gerade, ob es sinnvoll ist, für das Pantheon in Rom Eintritt zu verlangen. Der Kulturminister hat öffentlich Drei Euro ins Spiel gebracht, damit – 21 Mio Euro im Jahr – sollen dann andere Monumente erhalten werden, die nicht so viele Besucher haben wie das Pantheon.

Nun ist das Pantheon aber nicht nur ein antikes Gebäude, sondern eine Kirche. Und zwar eine, wo auch Gottesdienste stattfinden, Messen, Trauungen etc. In Rom gibt es das bisher noch nicht, Kirchen mit Eintritt, anders als etwa in den Touri-Hochburgen Florenz und Siena. Da muss man, wenn man den Duomo oder Santa Croce sehen will, zahlen, es sei denn, man kann bescheinigen, dass man Priester ist. Habe das selbst ausprobiert, funktioniert.

In Rom muss man zwar an Sankt Peter Schlange stehen, wegen der Kontrollen, aber zahlen muss man nicht.

In ungewöhnliches Perspektive: Die Kuppel des Pantheon, Rom

In ungewöhnliches Perspektive: Die Kuppel des Pantheon, Rom

Das Pantheon ist Antik, der Vorbau stammt aus der Zeit des Augustus, die Kuppelhalle ist jünger. Aus dem Tempel wurde dann eine Kirche, bevor das Königreich Italien versuchte, durch die Beerdigung seiner Könige dort drin so etwas wie ein Nationalgefühl zu schaffen, in rührender Nachahmung des Pantheons in Paris, wo die Großen Frankreichs liegen.

Das hat nie richtig funktioniert, kein Tourist kommt, um die Grablege der Könige zu sehen, sondern um die große Kuppel mit dem Loch drin zu bewundern. Die Halle hat wunderbare Proportionen und lohnt den Besuch wirklich, der Lichteinfall, der Raum, all das macht den Besuch zu einem touristischen Highlight.

 

Nur noch touristisches Highlight?

 

Was tatsächlich die Frage aufwirft, ob man das Pantheon deswegen nicht auch als touristisches Highlight behandeln soll und ein Ticket-Häuschen zwischen die Antiken Säulen stellen sollte. Kurz: Bleiben von Sancta Maria ad Martyres nur das Gebäude und die Angaben im Reiseführer?

Mein Herz sagt natürlich ‚Nein’. Aber auch der Verstand hat Zweifel. Das Geld, das hier eingenommen wird, reicht natürlich hinten und vorne nicht. Italien hat so viele zu erhaltene Stätten, da kann Eintritt für das Pantheon eine nur symbolische Bedeutung haben.

Was mich aber noch mehr nervt ist die Perspektive, dass alles nur noch mit Geld zu erreichen sein wird. Natürlich braucht man Geld, ohne Zweifel, so naiv bin ich nun auch wieder nicht. Aber die Innenstadt Roms verwandelt sich eh immer mehr zu einem Besucher-Park. Es wäre schade, wenn Kulturdenkmäler – und Kirchen – sich nahtlos darin einreihen würden.

Wer Geld bezahlt, erwirbt Rechte. Und wenn ich Rechte an etwas habe, etwa etwas zu sehen, dann bin ich irgendwie Herr der Sache.

Wer Geld bezahlt, verändert die Beziehung, die er zum Gebäude oder sonstwas hat. London hat die Gewohnheit, dass dort alle Museen ohne Eintritt funktionieren – noch, muss man ehrlicherweise sagen. Das verändert die Besucher, jedenfalls meinem Eindruck nach.

Wie gesagt, hoffentlich ist das alles nur eine der üblichen politischen Versuche, ein Nutztier durchs Dorf zu treiben, um Aufsehen zu erregen und so zu tun, als tue man was. Andererseits würde und dieses Kulturdenkmal und würde uns diese Kirche wieder ein Stück fremder.

 

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Der verheißene Erlöser? Hier? Quatsch!

An diesem Kunstwerk ist nichts Religiöses. Kein Heiligenschein um die Menschen, keine religiöse Symboli, im Gegenteil, eher versucht der Künstler, alle direkten Bezüge zu vermeiden. Es gibt keine biblische Geschichte, die man sofort zuordnen mag, keine Zitate früherer Kunst, nichts. Und doch hängt es in einer Kirche und heißt: „Krippe“.

Das Kunstwerk "Krippe" von Marc Fromm

Marc Fromm: Krippe

Die Kirche, in der die Krippe hängt, ist Sankt Peter in Köln, die Kunstation Sankt Peter. Die Figuren sind aus Holz geschnitzt, wie „echte“ Krippen auch. Aber in dem Mann und seiner Pommes, mit Tattoo und verspiegelter Sonnenbrille, mag man Josef nicht erkennen. Und die Frau schiebt zwar einen Kinderwagen und hat ein Kreuz um den Hals, das ist aber eher Schmuck wie das „D&G“ Gürtelschloss und andere Accessoires. Das soll Maria sein? Mit Kampfhund und Spike- Halsband an der Leine? Doch wohl eher nicht.

 

Diese Krippe lebt von anderen Krippen

 

Was soll also dieses Kunst-Werk in einer Kirche? Zuerst: Es lebt von anderen Krippen. Der Asia-Grill mit den zwei Figuren lebt davon, dass wir „eigentlich“ wissen, wie Krippen auszusehen haben, jedenfalls so ungefähr. Ohne den Hintergrund unseres kulturellen Wissens oder unserer Glaubenspraxis hat das keinen Sinn, es spielt mit Erwartungen und Voraussetzungen. Es ist also abhängige Kunst.

Würden wir hier den Herrn suchen? "Krippe" im linken Seitenschiff von Sankt Peter, Köln

Würden wir hier den Herrn suchen? „Krippe“ im linken Seitenschiff von Sankt Peter, Köln

Dann muss man genau hinsehen, was diese Krippe macht: Sie stellt nicht dar. Andere Krippen sind historisierende Darstellungen des biblischen Geschehens, da werden Bibelstellen aus den Evangelien nach Lukas (Geburt, Grotte, Hirten) und Matthäus (Sterndeuter) wortwörtlich zusammen gestellt, damit wir sehen, nicht nur hören. Das war die geniale Idee des Franziskus von Assisi, wie wir heute sagen, er hat damit begonnen und es war eine Erfolgsgeschichte.

Aber was sehen wir, wenn wir heute eine Krippe anblicken? Papst Franziskus hat in diesem Jahr immer wieder Figur-Meditation betrieben, „schauen wir auf Maria“, „schauen wir auf Josef“, die Figuren an der Krippe sollen anregen, die biblischen Geschichten der Geburt Gottes zu meditieren. Genau das tut die Krippe in Sankt Peter nicht. Sie stellt nicht dar. Sie repräsentiert nicht.

 

„Ihr werdet ihn finden am Asia-Grill“

 

Die Kraft dieser Krippe liegt woanders. Wenn man auf die Krippe sieht, dann sieht man nicht gleichzeitig weg von der Welt. Da ist die Stärke. Wenn ich durch Neapel laufe, die berühmte Straße wo tausende von Krippenfiguren angeboten werden, von Fußballstars über Schauspieler, Politiker und andere Größen, die dann zum Neugeborenen in den Stall gestellt werden können, dann passiert da etwas Ähnliches: Die Welt von heute hält Einzug. Weiterlesen

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Neulich im Erzbistum Rom

Und da ist sie wieder, die Frage nach den wiederverheirateten Geschiedenen. Gerade erst hatte Kardinal Müller zum Dubia-Brief der vier Kardinäle Stellung bezogen, nun gehen durch Teile der deutschen Presse die Regelungen, die für das Bistum Rom getroffen werden. Das ist – weil es ja das Bistum des Papstes ist – für die ganze Debatte nicht uninteressant, deswegen darf man da auch mal ausführlicher drauf schauen.

Es geht um ein Pastoralforum des Bistums, abgehalten im vergangenen Sommer, und um die Abschlussrede von Kardinal Agostino Vallini, dem Vertreter des Papstes als Leiter des Bistums. Das Redemanuskript von Kardinal Vallini ist lang, ausgedruckt sind es fünfzehn Seiten. Dass es im deutschsprachigen Raum damals – im September – nicht wahrgenommen wurde, hat auch damit zu tun, dass der Bischof der Stadt – Papst Franziskus – genau an dem Tag in Assisi war, zum Gebetstreffen.

Die Römer sind nicht die ersten, Argentinien hatte schon (begleitet von einem lobenden Brief des Papstes) Richtlinien vorgelegt, die deutsche Bischofskonferenz will Ähnliches tun. Deswegen loht es sich, auch die konkreten Schritte hier anzuschauen, um zu sehen, wie der synodale Prozess nun in der Praxis ankommt.

 

Und wieder ein Teil des synodalen Prozesses

 

Kaffeepause bei der Familiensynode - der Papst im Gespräch

Kaffeepause bei der Familiensynode – der Papst im Gespräch

Und das ist auch schon das erste Ergebnis: Es ist Teil eines Prozesses. Amoris Laetitia (AL), also das Abschlussdokument der beiden Versammlungen der Bischofssynode zum Thema, legt keinen Schalter um, es beginnt einen Prozess. Und zwar in der Methode wie auch im Inhalt.

Beides spiegelt sich jetzt im Bistum Rom wieder, Kardinal Vallini, der den Papst als Vikar für das Bistum vertritt und damit die praktische Leitung inne hat, hängt die pastoralen und praktischen Vorschläge direkt an den synodalen Prozess zu Ehe und Familie an. Hier wird nicht die Deutungshoheit über einzelne Aussagen für sich beansprucht, keine Debatte um Lehre und Bedeutung geführt, wie es von verschiedenen Seiten gerne passiert (Plural!), sondern hier werden praktische Lösungen gesucht, die den bereits gegangenen Weg praktisch werden lassen.

Zweitens: Vallini zitiert AL mit der Aussage, dass die Kirche nicht bloß eine „kalte und leblose Doktrin“ verteidige. Es gehe auch hier darum, alles aus der Liebe Gottes heraus zu verstehen. Klingt erst einmal selbstverständlich, wenn man sich aber vor Augen hält, wie gerne Ehe und Familie – auch in der Kirche – ohne Gott verstanden werden, rein moralisch etwa, dann ist das nicht unwichtig.

Drittens: Es geht um Begleitung. Das zieht sich seitenlang auch durch Amoris Laetitia und jeder Seelsorger und jede Seelsorgerin weiß das auch. Wirklich tragfähige Gemeinden und Gemeinschaften bauen sich langsam auf, nicht auf Einzelentscheidungen. Also geht es bei Vallini um die langfristige Begleitung vor der Ehe auf die Ehe hin, es geht um die Begleitung der Familie nach der Hochzeit – auch andere Familien etwa – und so weiter. Soll heißen: Kirche als Gemeinschaft ist nicht nur für Problemlösung in „Fällen“ zuständig. Familien, die Teil der Kirche sind, sind es eben nicht nur wenn man sonntags zum Gottesdienst geht oder sich traut oder Kinder taufen lässt. Das Familienleben als solches sollte zumindest offen sein für die Gemeinschaft der Glaubenden, begleitet und begleitend. Wer hier gleich die Einmischung in die Privatsphäre vermutet hat begriffen, dass das nicht ganz ohne Anspruch ist. Es lohnt sich also, auch das zu lesen, und nicht gleich zu den kritischen Stellen über zu gehen. Hier liegt viel anspruchsvolles Tun.

 

Amoris Laetitia, Nr. 300

 

Viertens: Vallini legt in seiner Ansprache vor allem AL 300 aus, wenn es um die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen geht. Fast jeder Satz von AL 300 findet sich bei Vallini wieder, nur eben praktischer, nur eben mit konkreten Vorschlägen. Weiterlesen

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Was Sie nicht sagen …

Gott sei genauso wie Allah, JHWH, und all die anderen Bezeichnungen der Religionen nur ein Name für dasselbe. Oder denselben. Das ist ein Zitat, das seit einigen Wochen durch das Netz schwirrt, zugeschrieben wird es Papst Franziskus. Es ist offensichtlicher Unfug, aber dann doch so hartnäckig, dass der Pressesprecher des Vatikan selber zu Protkoll gab, dass es Unfug ist, erfunden.

Neulich hat hier im Blog jemand behauptet, der Papst habe den Missionsauftrages Christi mit der Gräuelmission des sogenannten Islamischen Staates verglichen. Gleichermaßen erfunden.

Was wäre aber, wenn es einen ‚Beweis’ gäbe? Wenn jemand eine solche Aussage aufgezeichnet hätte?

Demnächst können wir vielleicht Interviews machen, ohne dass der Betreffende irgend etwas sagt.

Demnächst können wir vielleicht Interviews machen, ohne dass der Betreffende irgend etwas sagt.

Die Frage ist so theoretisch nicht, denn es wird in Kürze möglich sein, einen Audiobeweis über solche Aussagen vorzulegen, ohne dass der Papst jemals irgend etwas in dieser Richtung gesagt hat. Wie das? Der Computer macht es möglich. VoCo heißt die Software, die seit Wochen auf den Fach-Webseiten, aber auch in Medien-Formaten etwa im Radio – das ja besonders betroffen wäre – debattiert wurde. VoCo hört sich 20 Minuten gesprochenes Wort einer Person an, danach kann es einen Text in der Stimme, die gespeichert und analysiert wurde, selber aufsagen. Inhalte also, welche von der Stimme selber nie gesagt wurden, klingen nun so.

VoCo stammt von der Firma Adobe, die dasselbe ja auch schon mit Bildern gemacht hat, Photoshop ist der Standard.

 

Realitäts-Verschiebung

 

Es funktioniert auch genau so: Die Sprache wird in kleine Bestandteile zerlegt – Phoneme, bei Bildern sind es Pixel – und dann neu zusammen gesetzt, je nachdem, was gebraucht wird. Man kann sich die Vorführung hier ansehen.

Ich vermute einmal, dass es zuerst so ruckelig sein wird, wie Computer-generierte Menschen im Film, irgendwie erkennen wir noch, dass das alles „falsch“ ist. Menschen in Wirklichkeit sind komplexer als das, was der Computer über sie weiß, intuitiv erkennen wir. Aber mit Rechenleistung und lernenden Programmen werden die immer besser.

Das Gleiche wird auch mit dem Audio passieren, das kleine verlinkte Video zeigt das schon ganz gut. Der Horror für jeden Radio-Menschen.

OK, Kulturpessimismus bringt es nicht, Technikfeindlichkeit auch nicht, Alarmismus hat auf die Dauer auch noch nie was gebracht. Aber Obacht, hier werden mal wieder die Grenzen der Wirklichkeit verschoben. Was ‚wirklich’ ist, ist nicht mehr offenbar. Wir brauchen andere Software, um zu entdecken, ob etwa eine menschliche Stimme eine menschliche Stimme ist, oder ob sie erzeugt wurde.

Noch einmal eine Verschiebung dessen, was Realität bedeutet. Was das für eine Mentalitätsverschiebung bedeuten wird, können wir heute noch nicht wissen. Achtsam sollten wir aber bleiben, dass uns die Wirklichkeit nicht entgleitet.

 

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Dunklere Töne

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich habe bei der Lektüre des Papstbriefes an die Bischöfe der Welt erst einmal geschluckt. Am 28. Dezember hatte er den verschickt, Anlass war das Fest der Unschuldigen Kinder. Und das war dann auch das Thema.

Nie wieder Missbrauch, die Ausbeutung von Kindern weltweit, irgendwie passt es zu dem Tag, an dem die Kirche einer Dimension des Weihnachtsfestes gedenkt, die so gar nicht in die romantische  Weihnachtsmann-Geschenke-Familienstimmung passen will: Die Gewalt, die Jesus entgegen schlägt. Oder die Gewalt, die Teil der Welt ist, in die Jesus hinein geboren wird. Oder die Gewalt, die durch ein kleines Ereignis wie eine Geburt und die große Angst eines Königs ausgelöst wird. Wie auch immer man die Geschichte vom Kindermord in Bethlehem liest, Gewalt gehört nicht zur zum Osterfest – Karfreitag – hinzu, sondern auch zu Weihnachten, ob es uns passt oder nicht.

 

Weihnachten und die Gewalt

 

In den Worten des Papstes: „Gegen unseren Willen wird Weihnachten auch vom Weinen begleitet. Die Evangelisten nahmen es sich nicht heraus, die Wirklichkeit zu verschleiern, um sie glaubwürdiger oder anregender werden zu lassen. Sie nahmen es sich nicht heraus, einen „schönen“, aber irrealen Text zu verfassen. Weihnachten war für sie nicht ein imaginärer Zufluchtsort, wo man sich angesichts der Herausforderungen und Ungerechtigkeiten ihrer Zeit verstecken konnte. Vielmehr verkünden sie uns auch die Geburt des Sohnes Gottes in eine leidvolle Tragödie eingebettet.“ Man kann die Menschwerdung nicht feiern, und gleichzeitig der Realität den Rücken kehren. ‚Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht an’, sagt der Evangelist Johannes.

Hinter allem Lächeln ...

Hinter allem Lächeln …

Dass ich bei der Lektüre geschluckt habe, liegt aber gar nicht einmal am Thema oder der Art und Weise, wie es behandelt wird. Auch das Thema Missbrauch, dass ja im Schlussabsatz sehr deutlich zur Sprache kommt, ist ja so neu nicht und dass es zu diesem Tag passt, liegt auf der Hand. Es ist vielmehr der dunkle Ton, den ich wahrnehme.

Es ist nicht das erste Mal. In den vergangenen Monaten scheint der Papst mehr als früher von den Dingen, mit denen er direkt zu tun hat, bedrückt zu sein. Syrien ist so ein Beispiel, was kann man da tun? Reden und reden und anbieten, aber dann gewinnen doch die Bomben?

Der Papst hat nie vor dem Leiden Halt gemacht. Er umarmt und lächelt, hört zu und tröstet, segnet und ist einfach nur da, das ist eine der großen Stärken. Um so mehr nehme ich jetzt diesen Grundton in Moll wahr.

 

Grundton in Moll

 

„Wir weinen“, „es bewegt unsere Seele“, „ich schreibe es tief bedrückt“, „eine Sünde, die beschämt“, es sind viele dieser Worte, die gerne auch mal formalistisch klingen können, gerade auch aus dem Mund von Klerikern. Das ist einfach formuliert und klingt wie etwas, was man sagen muss. Hier aber, in diesem Text wie so oft bei Papst Franziskus, klingt das echt, zu echt fast. Als säße ihm das wirklich auf der Seele, nicht nur auf dem Schreibtisch. Weiterlesen

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Alles bleibt anders

Es ist irgendwie anders als sonst. Wir schauen voraus und planen das Jahr und stellen fest, dass da gar nichts zu planen ist. Gut, da sind Papstreisen in Italien und eine nach Portugal, im Mai, aber sonst ist noch nichts bestätigt oder als festes Gerücht im Umlauf.

Er könne nicht nach Argentinien kommen, denn es gebe schon feste Zusagen in Afrika und Asien, hat der Papst gesagt, was genau das aber sein wird, wissen wir zu Beginn diesen Jahres aber nicht.

Weltkugel? Christbaumkugel? Papst Franziskus betet das Angelus auf dem Petersplatz

Weltkugel? Christbaumkugel? Papst Franziskus betet das Angelus auf dem Petersplatz

Es sind aber nicht nur die Papstreisen. Es gibt keinen Weltjugendtag in diesem Jahr. Es gibt keine Versammlung der Bischofssynode in diesem Jahr. Beides waren ja Großereignisse, welche die Papstjahre in der Vergangenheit geprägt haben.

Natürlich ist der Papst immer für eine Überraschung gut, oder vielleicht sollte man eher sagen, dass heute anders geplant wird als noch vor fünf Jahren, alles ist flexibler geworden. Trotzdem scheint irgendwie das vor uns liegende Jahr weniger von aufsehen erregenden Ereignissen geprägt zu werden, als mehr von den berühmten „Mühen der Ebene“. Die Reform des Vatikan muss weitere klare Schritte machen, hier bei uns im Haus merkt man das sehr deutlich.

 

Die berühmten „Mühen der Ebene“

 

Das noch größere aber viel weniger greifbare Projekt des Papstes, der Traum von einer missionarischen Kirche, ist auch ständig auf der Tagesordnung. Vielleicht ist das ja eine Chance: Wenn wir weniger auf die großen Events starren, bleibt uns vielleicht etwas mehr Zeit für die Beobachtung von langfristigen Entwicklungen.

Da ich diesen Satz schreibe, kommen mir gleich schon die Zweifel, das verkauft sich nicht, das ist keine News, der Papst wiederholt sich ständig, das will keiner mehr wissen, er hat nichts Neues zu sagen, das werden die Einwände werden. Auch das eine Erwartung für das kommende Jahr, es wird ohne die Leuchttürme schwieriger, den Papst in den „Mühen der Ebene“ zu berichten. Die Faszination ist da und bleibt wohl auch noch, jetzt muss sich aber zeigen, ob das, was Franziskus zu sagen hat, ankommt oder ob es immer eines Reizes von Rom aus bedarf.

Bleibt Barmherzigkeit ein Thema, oder ist das nach dem Heiligen Jahr irgendwie abgehakt? Reden wir weiter über Ehe und Familie und wie das heute glaubend und verantwortet gelebt werden kann, oder schauen wir nur auf Konflikte? Ich jedenfalls bin gespannt, was 2017 so alles bringen wird.

Und ich bin sicher, in einem letzten Post am Ende des Jahres werde ich wieder sagen, dass dann doch alles anders gekommen ist, als wir alle vermutet haben.

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