Jugend forscht und Synode tagt

Gute Nachrichten von der Jugend-Synode der Bischöfe im kommenden Jahr: Es wird eine Vor-Synode geben, und zwar unter Teilnahme der jungen Menschen, um die es ja im Herbst gehen soll. Bereits beim Vorbereitungsseminar vor einigen Wochen hatte sich ja herausgestellt, dass die Einladung von jungen Menschen (‚Jugend‘, wie man international sonst sagt, trifft es in der dt. Sprache nicht wirklich) Folgen hat. Da musste zur Mitte der Woche das Programm umgestellt werden, um auf die Wünsche angemessen reagieren zu können, die waren halt nicht nach Rom gekommen, um fünf Tage lang Ansprachen von Fachmenschen zu hören.

Das kann dann im März kommenden Jahres nur noch besser werden. Wenn die Ausrichter – wonach es aussieht – gelernt haben, dass man die Jugend einbeziehen muss und dass das nicht gefährlich oder giftig wird, sondern im Gegenteil produktiv und hilfreich, dann ist das ein wichtiger Schritt in Richtung echte Synodalität, und zwar nicht nur unter Bischöfen.

Übrigens: Von denen, die nach Ausfüllen des Fragebogens angeben, in Kontakt bleiben zu wollen, gibt es fast genau so viele deutschsprachige wie englischsprachige. Spanisch und Italienisch liegen weit dahinter. Das ist statistisch noch nicht belastbar, man ist mit dem Zählen noch nicht durch, aber es ist immerhin ein Signal, dass sich die sonst so gerne international geschmähten Katholiken deutscher Sprache zumindest hier nicht zu verstecken brauchen.

Alles gute Zeichen.

 

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Der Papst und seine Jesuiten

Es ist mittlerweile Teil der Reisetätigkeit: Papst Franziskus trifft auf allen Auslandsreisen (fast) immer seine Mitbrüder aus dem Jesuitenorden. Mal ist es eine kleine Kommunität wie in Havanna auf Kuba, mal ist es wie zuletzt in Kolumbien die ganze Ordensprovinz. Immer ist es ganz vertraulich, selbst für die teilnehmenden Jesuiten, erst im Abstand von einigen Wochen gibt es dann einen Bericht. Und zwar ebenfalls von einem Jesuiten, vom Italiener Antonio Spadaro, der immer dabei ist und für den Papst diese Treffen organisiert.

Im Allgemeinen betont der Papst seine Zugehörigkeit zum Orden nicht zu stark. Die Ernennungen von Jesuiten zu Bischöfen etwa ist eher noch zurück gegangen, auch gibt es derzeit keinen einzigen wahlberechtigten Jesuitenkardinal (obwohl sich das wohl mit Luis Ladaria SJ ändern wird, der seit kurzem die Glaubenskongregation leitet). Das finde ich gut, als Papst einen Orden und sei es den eigenen zu bevorzugen darf auch nicht sein.

Papst Franziskus, umgeben von den Jesuiten Kolumbiens

Papst Franziskus, umgeben von den Jesuiten Kolumbiens

Und doch haben diese Treffen etwas Familiäres. Zu Beginn, 2013 und 2014 hatte Papst Franziskus mit uns römischen Jesuiten einige Male die Messe gefeiert, ab und zu schaut er auch auf ein Mittagessen in der Generalskurie vorbei (aber nicht in den anderen Häusern des Ordens). Ständiger Fixpunkt der Orden-Papst-Treffen sind aber die Begegnungen bei den Reisen.

In Polen zum Beispiel hatte er uns auf den Weg mitgegeben, sich um „Unterscheidung“ zu kümmern. Beim Papst ist dieses Wort ganz neu in den Vordergrund getreten, auch weil es in der Spiritualität der Jesuiten eine große Rolle spielt. Es sei nun an den Jesuiten, das zu verbreiten und zugänglich zu machen.

In Kolumbien hat er auf eine Frage zur Theologie sein Mantra wiederholt, Theologie dürfe man nicht im Labor betreiben, sie müsse im Dialog und im konkreten Leben geschehen. Theologie sei ein Weg, kein festes System.

 

Was er uns auf den Weg gibt

 

Solche Sachen sind zwar für alle Christinnen und Christen richtig und wichtig, dass er es aber uns sagt bedeutet uns viel. Damit gibt er uns keine Richtung vor. Er greift nicht ein in den Orden und regiert ihn sozusagen irgendwie mit. Vor einem Jahr etwa tagte in Rom die Generalkongregation des Ordens, die oberste Versammlung, und da erwartete man vom Papst so etwas wie eine Richtung für die Beratungen, wie sie Papst Paul VI. dem Orden gegeben hatte durch den Auftrag, sich vor allem im Dialog mit dem Atheismus einzusetzen. Das geschah aber nicht. Papst Franziskus greift nicht ein, gibt uns nicht vor.

Das ist gut, weil wir dadurch diesem Papst nicht näher stehen als vorher Benedikt oder nachher seinem Nachfolger. Wir sind ein besonders dem Papstamt verbundener Orden, immer schon gewesen, das darf aber nicht zu sehr an einer bestimmten Person oder einer anderen hängen.

Das hat aber auch den Nachteil, dass vor allem die deutschsprachigen Jesuiten in meinen Augen zu wenig tun, um diesen Papst und seine Spiritualität zu erklären. Da könnten wir einen großen Dienst leisten, aber der Wunsch, nicht zu sehr papistisch zu werden (oder zu wirken), wiegt schwer.

Der Papst ist Jesuit, trifft Jesuiten, bevorzugt Jesuiten aber nicht. So soll es sein. Aber am „Projekt Franziskus“, der Reform von Kirche und Glaubensleben, dürften wir uns durchaus noch etwas sichtbarer beteiligen. Meine jedenfalls ich persönlich.

 

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Vater der Lüge

Der Papst selber hat sich das Motto ausgesucht: „Die Wahrheit wird euch befreien“: Fake News und Journalismus für den Frieden. Die Kirche begeht einmal im Jahr den Tag der Medien, immer am Gedenktag des heiligen Franz von Sales (die deutsche Kirche weicht im Termin davon ab). Und dazu gibt es immer ein Motto.

Dass der Papst dieses Thema nun heute per Tweet verkündet hat, überrascht also nicht, auch nicht das Thema selber, es klingt uns ja seit Monaten in den Ohren.

Der Papst im Radio-Interview

Der Papst im Radio-Interview

Wobei er im Titel schon zwei Aussagen macht: Erstens gibt er dem – nicht überraschenderweise – eine geistliche Drehung. Er beginnt mit einem Jesuszitat und möchte also die Welt der Medien aus dem Blickwinkel der Schrift und des Glaubens betrachten.

Zweitens aber spricht er auch vom „Journalismus für den Frieden“. Das ist ein Bekenntnis. Von HaJo Friedrichs stammt das Motto, Journalisten dürften sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Der Papst ist da offensichtlich anderer Meinung. Wie alle menschliche Aktivität soll auch Journalismus nützen. Dem Frieden, was Fake News offensichtlich nicht tun.

Spannender aber finde ich den ersten Dreh. Es geht um Freiheit. Im Johannesevangelium (8:31)  klingt das so: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ Martin Luther übersetzt „frei machen“, was irgendwie noch aktiver klingt.

 

Freiheit

 

Der Satz fällt inmitten einer erhitzten Debatte Jesu mit „den Juden“, wie Johannes sagt, was bei ihm Code ist für die etablierten Religionsvertreter, welche die Wahrheit nicht kennen und nicht erkennen. Es ist der Höhepunkt des Streits, der sich über Kapitel angestaut hatte und der schließlich am Kreuz enden wird.

In diesem Streit fallen noch andere Sätze, welche das Motto für dieses Jahr so treffend machen. „Ihr habt den Teufel zum Vater und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit; denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge.“ Alles dreht sich in diesem Stück um Glauben, Wahrheit, Lüge. Und um Mord, das Thema „Journalismus für den Frieden“ findet sich also auch hier. Weiterlesen

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Die Mühen der Ebene

Die Sommerpause hatte mit einem Paukenschlag begonnen. Erst verließ Kardinal Pell auf eigenen Wunsch den Vatikan – vorübergehend – um sich einem Prozess in Australien zu stellen. Und kurz darauf entschied der Papst, Kardinal Gerhard Ludwig Müller keine zweite Amtszeit als Chef der Glaubenskongregation zu geben, sondern diese Erzbischof Luis Ladaria SJ anzuvertrauen.

Was ist da nicht alles zu geschrieben worden! In den deutschsprachigen Medien eher zurück haltend, wenn ich das mit dem großen Aufreger vergleiche, genau fünf Jahre zuvor, als Papst Benedikt XVI. Müller ernannt hatte. Das gab jede Menge Beschwerden zur Berichterstattung dieses Ereignisses, das ZDF kann da ein Lied von singen. Wie gesagt: aufmerksam, ausführlich, aber trotz allem eher zurück haltend.

In anderen Medien war das ganz anders. Da wurde das hochstilisiert zum Finalen Kampf derer, welche die eine Lehre hoch halten und verteidigen, gegen die Anpasser und Zeitgeist-Priester. Müller habe Jesus gegen den Papst verteidigt und so weiter.

Und die Üblichen melden sich auch wieder, der Häretiker Müller sei vom Häretiker Papst gefeuert worden, und so weiter, fast schon amüsant. Amüsant ist auch zu beobachten, dass ausgerechnet die, welche sich damals – vor fünf Jahren – über die Nähe von Kardinal Müller zur Befreiungstheologie beschwert haben, jetzt seinen Weggang beklagen. Wenn es halt in den Kram passt, wir Menschen vergessen sowas halt gerne … .

 

Autoritär?

 

Das sei ein autoritärer Akt gewesen, wird dem Papst vorgeworfen. Von Menschen, die selber ein sehr autoritätshöriges Verständnis von Glauben und Kirche fordern, aber halt nur, wenn es ihnen selbst passt.

Das liegt jetzt alles zurück. Die Glaubenskongregation arbeitet weiter, Erzbischof Luis Ladaria hat sein Amt angetreten, und die Erde dreht sich weiter. Wir sind in den Mühen der Ebene, wir hüpfen nicht von Einzelaufreger zu Einzelaufreger.

Es ist schwierig, die Arbeit und die Entscheidungen des Papstes zu verstehen, wenn man Einzelstücke hochspielt. Das sind komplexe Stücke, die sich aus vielen Einzelfaktoren zusammen setzen. Das in ein schon fix und fertiges Weltbild einzubauen, mag bequem sein, geht aber an der Wirklichkeit vorbei.

Und das ist mein größter Vorwurf an all diejenigen, die immer wieder eine Verschwörung wittern, wie auch an all die, die jetzt die große Befreiung sehen: Der Glaube spielt in der Wirklichkeit, Wahrheit ist Begegnung, die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee; ganz egal, wie man das formuliert, aber wer sich in einfache Erklärungen flüchtet, weil die die Welt so schön einfach machen und ich mich so schön aufregen kann, der verpasst die Wirklichkeit. Und schadet sich selber.

 

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Obdachlos am Petersplatz

Der Papst will die „Umkehr der Strukturen“: In Evangelii Gaudium haben wir das zum ersten Mal gehört, auch wenn es da leider als „Neuausrichtung“ übersetzt ist, geschrieben hat der Papst „Umkehr“. Oder gar „Bekehrung“, „conversión“.

Wie schwierig das sein kann, sehen wir hier gerade in Rom. Der Aufreger des Tages ist die Tatsache, dass die Vatikanpolizei gemeinsam mit anderen Autoritäten wie der etwa der Stadtverwaltung Roms veranlasst hat, dass die vielen Obdachlosen, die unter den Kolonnaden des Petersplatzes schlafen, diesen Ort morgens, und zwar sehr früh morgens verlassen müssen.

Rückblick: Papst Franziskus und vor allem auch sein für Almosen zuständiger Erzbischof Krajewski haben in den vergangenen Jahren Aktionen für Obdachlose in Rom gestartet. Weil es hier in der Stadt warm ist und viele Touristen kommen, gibt es davon sehr viele. Für sie gibt es einen Friseur und eine Duschmöglichkeit, dem Papst geht es nicht nur ums Überleben, sondern auch um die Würde der Männer und Frauen. Und mit einigen von ihnen gemeinsam hat der Papst deswegen auch die Sixtinische Kapelle besichtigt.

Direkt um die Ecke vom Petersplatz: Die Betten der Obdachlosen

Direkt um die Ecke vom Petersplatz: Die Betten der Obdachlosen

Das erhöht natürlich die Attraktivität des Vatikan für Menschen auf der Straße. Auch in den Nebenstraßen leben jetzt viele, jede Nische wird zum Schutz vor dem Wetter genutzt.

Man sieht: Je mehr der Vatikan hilft, desto schwieriger wird es aber auch, wie die Entscheidung in dieser Woche zeigt.

In dem Jesuiten-Haus, in dem ich wohne, sind unten im Erdgeschoss Schlafmöglichkeiten für Obdachlose geschaffen worden, gemeinsam mit dem Vatikan. Es gibt eine Gruppe von Männern, die das gerne in Anspruch nehmen, Frauen finden woanders Unterkunft. Dann gibt es aber auch Männer, die das gar nicht wollen. Und es kommt Alkohol und dergleichen ins Spiel. Und damit Streit und Aggression, was einer der konkreten Auslöser der Entscheidung war, dass morgens um fünf Uhr die Schlafstätten geräumt werden müssen.

 

Sicherheit und Hygiene

 

Die Straßenreinigung muss putzen, hygienisch kann man das sonst nicht den Touristen und Pilgern zumuten. Ungesund für alle ist es auch, wenn man die Kolonnaden sich selbst überlassen würde. Außerdem ist der Petersplatz der Petersplatz, es geht auch um ein gewisses Dekorum. Das ist keine Show, es gehört aber zu einem Kirchplatz hinzu, dass er nicht aussieht wie eine Toilette.

Und dazu kommt auch die Sicherheit, wie uns der Chef der Vatikanpolizei, Domenico Giani, gesagt hat. Wenn die Obdachlosen unter Tage ihre Pappen und Kisten, unter denen sie schlafen, zurück lassen, dann ist das gefährlich. Wer sagt denn, dass ein Terrorist eine Bombe nicht genau da versteckt? Es sei den italienischen Kollegen nicht zuzumuten, dass dort so viele uneinsichtige Berge von Material lägen, die müssten die alle kontrollieren und sichern, sagt Domenico Gianni.

 

Ort der Zuflucht

 

Nachts dürfen die Männer – es sind vor allem Männer – dann wieder zurück, um dort zu schlafen. Auch haben sie Broschüren bekommen, in denen drin steht, wo man noch in Rom sicher unterkommen kann und wo man auch bleiben kann. Denn einer der attraktiven Punkte ist ja, dass der Petersplatz sicher ist, hier gibt es viel Polizei, hier werden Obdachlose nicht ausgeraubt und Opfer von Gewalt. Sicherheit ist wichtig.

Ich erzähle das so ausführlich, weil es eben ein Beispiel für den Prozess der Umkehr der Strukturen ist. Man macht einen Schritt, dann einen weiteren, und dann tauchen völlig neue Probleme auf. Probleme, die man ohne die Schritte vielleicht so nicht hätte.

Und trotzdem: Was kann dem Zentrum der katholischen Kirche besseres geschehen, als dass die am Rand unserer Gesellschaft Lebenden dort eine Zuflucht suchen und finden? Eigentlich ist das ein gutes Zeichen. Das muss nur jetzt in den Alltag übersetzt werden. Duschen und Friseur waren ein Schritt, jetzt braucht es weitere Schritte, um das umzusetzen.

Schrei-Kritik, wie wir sie hier in italienischen Medien hören, hilft da wenig. Als Christ freut mich, dass den Männern geholfen wird. Als Anwohner freut mich, dass es hygienisch bleibt. Und sicher. Das alles zusammen zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Aber dass es einfach würde, hat auch nie jemand behauptet.

 

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Wir sind weiter dabei

Es ist nur ein kleines Kapitel in der Geschichte des Vatikan und der Vatikanreform, aber ein viel beachtetes, jedenfalls wenn man misst, wie viele Journalisten sich im vergangenen Jahr dafür interessiert und bei mir angerufen haben.

An diesem Donnerstag hat der Jesuitenorden jedenfalls eine Übereinkunft mit dem so genannten Sekretariat für Kommunikation des Vatikan getroffen, also der Institution, welche alle Medien des Vatikan unter einem Dach vereint. Pater Juan Antonio Guerrero, unser Oberer hier in Rom, und Don Dario Viganò, Präfekt des Sekretariats, haben die Übereinkunft unterschrieben, ich konnte sogar dabei sein, wenn auch ein wenig zufällig.

Pater Guerrero (l) und Don Dario Viganò (r) bei der Unterschrift

Pater Guerrero (l) und Don Dario Viganò (r) bei der Unterschrift

Bis dahin war ein Teil der Medien – nämlich Radio Vatikan – vom Orden geleitet worden, Papst Pius XI. hatte Techniker gesucht und war bei den Jesuiten bei einem Ingenieur fündig geworden. Und der technische Aspekt war lange vorherrschend, das Journalistische kam erst allmählich dazu.

Mit der Reform war mein Orden nun auf einmal nicht mehr verantwortlich und die Frage entstand, wie er angebunden ist. Und das hatte ganz praktische Fragen: Wer bestimmt, ob ein Jesuit und welcher Jesuit dort arbeitet? Der Orden? Das Sekretariat? Wie sieht es mit Versetzungen etc. aus? Ganz praktische Fragen, die geregelt sein wollen.

Das sind sie jetzt. Jedenfalls fürs Erste, wir werden in einigen Jahren schauen müssen, was gut und was weniger gut funktioniert und dann nachjustieren, auch dieses Verfahren ist Teil der Reform.

Die Vatikanmedien brauchen Reform, da hat der Papst und da haben all die Fachleute angefangen von Lord Chris Patten und seiner Kommission von 2013/14 völlig recht. Dazu gehören auch neue Formen der Zusammenarbeit. Und eine Solche haben wir heute getroffen.

Wie gesagt, nur ein kleines Kapitel, aber ich stoße heute Abend drauf an.

 

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Bischöfe, revisited

„Wenn [der Papst] vor den Bischöfen spricht, dann ist das meistens die Übersetzung seiner Vorstellung von Kirche in die pastorale Wirklichkeit eines Landes, und das wie gesagt gerne in aller Deutlichkeit.” Vor eineinhalb Jahren hatte ich schon einmal darüber geschrieben, wie sich Papst Franziskus Bischöfe und die Ausübung des Amtes vorstellt,

Der Papst und sein Bischof: Beim Treffen mit den Neugeweihten im Vatikan

Der Papst und sein Bischof: Beim Treffen mit den Neugeweihten im Vatikan

Nah am Volk, keine „Prinzen-Psychologie“, Geruch der Schafe, das sind die Stichworte, die einem dazu einfallen. Und wenn das stimmt, wenn seine Bischofs-Ansprachen die Umsetzung seiner Vorstellung von Kirche in die pastorale Wirklichkeit übersetzen wollen, dann haben wir gerade Glück, denn der Papst hat innerhalb kurzer Zeit drei solcher Ansprachen gehalten.

Die jüngste an die neu geweihten Bischöfe, die in Rom zu einem Kurs versammelt waren, und davor zwei in Kolumbien.

 

Nicht die eigenen Projekte und Ideen

 

Fangen wir an mit der Ansprache am 14. September: Das erste, was bei der Ansprache an die Jungbischöfe ins Auge fällt, ist dass es auch hier wieder um die innere Haltung geht. Nicht überraschend, aber vielleicht muss es gerade deswegen noch einmal betont werden.

Zunächst dreht sich alles um die Kunst der geistlichen Unterscheidung und der inneren Einstellung dazu: wer sie als erworbenes Recht betrachtet, also meint das sei jetzt seine und nur seine Aufgabe, bleibe unfruchtbar in seinem Dienst. Bei Unterscheidungen ginge es um menschliche Schwäche, psychologische Bedingungen, und vor allem und zuerst um viel Gebet, denn der Heilige Geist sei der Hauptakteur dabei. „Die Unterscheidung ist eine Gabe des Geistes an die Kirche, dem wir durch Zuhören antworten.“ Das ist die Grundhaltung: Hören auf Gott. Und das heißt: seinen eigenen Standpunkt aufgeben können, um die Perspektive Gottes zu finden.

Die geistliche Unterscheidung wird dann weiter ausbuchstabiert: sie ist immer eine Gemeinschaftshandlung, nicht isoliert sozusagen am Schreibtisch gemacht. „Wer nicht mehr auf die Schwestern und Brüder hört, der hört auch nicht mehr auf Gott“, eine kleine Warnung des Papstes. „Euer Auftrag ist nicht, eigene Ideen und Projekte voran zu bringen, und auch nicht abstrakt erdachte Lösungen.“

 

Evangelium, Lehre, Kirche, Normen

 

Als Anker: Unterscheidung heißt aber auch nicht, alles frei entscheiden zu können, Hören auf den Geist heißt auch Hören auf das Evangelium, „das letzte Kriterium“, auf die Kirche, die Lehre und die Normen. Trotzdem sei es ein „kreativer Prozess“, der sich nicht darauf beschränke, feste Schemata umzusetzen. Also: Anwendung von Lehre und Evangelium ist kein Anwenden abstrakter Ideen auf die Wirklichkeit, und pastorale Entscheidungen entstehen nicht im Augenblick und rein charismatisch, sondern immer mit Bezug auf Evangelium und Kirche. So lese ich das. Weiterlesen

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Theologie nach Missbrauch

Immer und immer noch und immer wieder müssen wir – Kirche, Gesellschaft, Familien – uns dem Schmutz stellen, vor dem wir eigentlich und verständlicherweise fast automatisch lieber die Augen verschließen wollen. Sexuelle Gewalt ist ein Thema geworden, Prävention auch, und doch fehlen immer noch Dimensionen am Verstehen dessen, was Menschen angetan wurde, und an dem, wie darauf reagiert wurde. Oder nicht reagiert wurde.

An diesem Samstag war ich bei einer eindrucksvollen Veranstaltung. Daniel Pittet, jahrelang als Jugendlicher Opfer sexueller Gewalt, hatte im Februar ein Buch mit seiner Geschichte veröffentlicht, es ist ein brutales, explizites Buch geworden, wie eben auch seine Geschichte brutal und explizit ist. Papst Franziskus hatte ein Vorwort beigesteuert.

Daniel Pittet bei der Buchvorstellung, im Vordergrund Pater Zollner

Daniel Pittet bei der Buchvorstellung, im Vordergrund Pater Zollner

Dieses Buch ist nun auch in Rom vorgestellt worden, im Beisein des Autors. Und was ich einleitend angemerkt habe, ist das was ich aus dem Vormittag mitgenommen habe. Da war einerseits Daniel Pittet selbst, im Interview ist das auf unserer RV-Webseite nachzulesen. Ein Mann, der keine Angst hat, der frei ist, wie er sagt. Den seine Vergebung für den Täter frei gemacht hat. So frei, dass es einem den Atem nimmt. Der überhaupt nich moralisch rüber kommt, keine Forderungen stellt, keine Anklage erhebt. Der nur sein ganzes restliches Leben sich gegen Pädophilie einsetzen will, wie er sagt, und dabei eine erstaunlich Empathie für die Täter hat. Ein ganz außergewöhnlicher Mann, der dafür betet, dass er einmal gemeinsam mit seinem Peiniger im Himmel sein wird.

 

Mit dem Täter gemeinsam in den Himmel kommen

 

Andererseits war da aber auch eine Einleitung, Pater Hans Zollner von der Gregoriana, Leiter des Kinderschutzzentrums dort und auch Mitglied in der päpstlichen Einrichtung mit dem gleichen Ziel, sprach über seine Weise, Missbrauch in der Kirche heute zu sehen.

Und das kam ganz und gar nicht ohne Forderungen aus. Klagend, anklagend, irgendwo dazwischen lag die Absicht hinter den mit nicht wenig Ärger und Mahnung vorgebrachten Sätzen. Wobei ich selber nicht den Eindruck hatte, dass da Selbstgerechtigkeit im Spiel war.

Seine Frage am Samstag war die nach der Theologie. Wo sei die Theologie mit ihren Antworten auf den Missbrauch? Kirchenrecht, Psychologie, Pastoraltheologie, Bistumsorganisation, all das hat auf den Missbrauch reagiert. Aber die Theologie?

 

Der Anruf Gottes in all dem

 

In den Worten von Pater Zollner: „Wo ist der Anruf Gottes in all dem?“ Gerade im Zuhören oder Lesen von Daniel Pittets Geschichte wird das eine notwendige Frage, denn Bittest Geschichte ist auch ein Glaubenszeugnis. Er ist ein Mann des Gebets, nach all den Vergewaltigungen, dem Verrat durch die Oberen, dem Kreuzweg betet er für seinen Peiniger. Was sagt das über Gott in der Welt? Über Leiden?

Und verschärft, wie Pater Zollner es formuliert, was sagt es über das Priestertum und das Amt, wenn wir es als Vermittler zu Gott, an Christi statt während der Messe, begreifen, wenn diese Menschen andere missbrauchen und ihnen so zu allem anderen auch noch den Weg zu Gott verstellen? Es sei befremdlich, so Zollner, wie wenig Stellungnahme es aus der Kirche zur spirituellen und theologischen Dimension von Missbrauch gebe.

Sein Vorschlage war, hier mehr auf Gott zu vertrauen, mehr auf Gott zu schauen denn auf den Menschen. Nach dem Hören der Geschichte von Daniel Pittet gebe ich zu, dass mir das im Augenblick schwer fällt, die leichte Schwere seiner Erzählung ist noch ganz bei mir. Aber Zollner hat schon recht, hier ist noch was, was zu tun ist.

Also denn, Theologen, seid ermutigt! Lest und hört und dann denkt. Pittet und andere haben Zeugnis abgelegt, ein Zeugnis unter Zittern unter der Gefahr der Re-Traumatisierung, wie Zollner es nennt. Wie steht es da um Erlösung? Um die Anwesenheit Gottes in der Welt?

 

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Jede Hilfe zählt

Ein Text des Dalai Lama in der FAZ

Der Dalai Lama Text

Langa habe ich nichts mehr von ihm gehört. Der Dalai Lama war jahrelang immer wieder präsent, in den letzten vielleicht zehn Jahren hat das nachgelassen. Am Montag war er wieder einmal in Deutschland zu lesen, weil er ein buddhistisches Zentrum in Frankfurt einweihte und einige Veranstaltungen abhielt, erschien ein Text von ihm in der FAZ.

Zunächst hatte ich den Autor überlesen und ertappte mich beim Kopfnicken: Innere Abrüstung ist eine schöne Formulierung für ein wichtiges Anliegen.

Kurz: Es beginnt halt drinnen, in uns, wenn es um Gewalt und Frieden geht. Ob das die Sprachwahl im Internet oder das Verghalten draußen ist: die innere Haltung des Friedfertigen will eingeübt und dann ausgeübt sein.

Mit gefällt das Wort „kultiviere“. Mein Ordensgründer hätte „einüben“ gesagt, was strenger klingt, aber denselben Effekt hat: Etwas zum Teil des Lebens werden lassen klingt an. Auch Sorgfalt und Aufmerksamkeit, wenn man den Begriff aus der Pflanzenzucht herüber bringt.

Auch dass er so unbeschwert von einer „Erziehung des Herzens“ redet, das trauen wir Christen uns schon gar nicht mehr, weil es so schräg klingt. Das Herz? Irgendwie kitschig. Und dann noch „erziehen“? Aber er hat recht, wenn man es im Zusammenhang mit dem Wort „kultivieren“ sieht. Es kommt nicht von selber, es braucht liebevollen Einsatz und Aufmerksamkeit auf sich selbst.

 

Große Worte, große Ideen

 

Mir gefällt auch sehr der Ehrgeiz, der hinter den Worten steckt. Ehrgeiz deswegen, weil der Dalai Lama nicht nur von unseren eigenen Leben  spricht, sondern von den „Krisen der Menschheit“. Das ist groß gedacht, er hat keine Angst, die ganz dicken Fische anzugehen. Eine vollständig demilitarisierte Welt: das ist eine Vorstellung, die ich gerne teile. Hier geht es nicht nur – wie ihm oft vorgeworfen wird – um love, peace and happieness, hier geht es um viel mehr.

Es geht um die grundsätzliche Gleichheit aller Menschen. Etwas, was man heute wieder sagen muss, weil nicht alle das im Herzen haben, um in der Sprache zu bleiben. Es geht – und an dieser Stelle muss ich einfach den Papst anführen – um die falsche Vorstellung, Wirtschaftswachstum mache die Menschen glücklich und führe zu mehr Gleichheit. Das Gegenteil sei der Fall. Und so weiter, und so weiter.

Man muss kein Buddhist sein, um im Dalai Lama und in diesem Text einen Verbündeten zu sehen.

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Die Sache mit dem Frieden

„Die Bischofkonferenz von XZ ruft zum Frieden auf“: Das sind so Meldungen, die wenn sie auf meinen Schreibtisch kommen ich gerne ‚in die runde Ablage lege’, weil es so selbstverständlich klingt. ‚Bischofskonferenz spricht sich gegen Frieden aus’, das wäre eine Meldung. Eine unsinnige, aber sie würde Aufmerksamkeit erregen.

Was ich damit sagen will: Wenn Kirche für Frieden ist, wenn sie für Frieden spricht, dann kann das gerne ins Selbstverständliche und abstrakte abgleiten. Für Friedern, Toleranz, Geschwisterlichkeit ist man immer.

Vor Tätern und Opfern: Papst Franziskus in Villavicencio

Vor Tätern und Opfern: Papst Franziskus in Villavicencio

Nun ist Papst Franziskus in ein Land gereist, wo Frieden auf der Tagesordnung steht. Ein Abkommen dazu ist geschlossen, eine weitere Rebellengruppe scheint zumindest bereit zum Frieden zu sein. Der Papst hatte da seinen Anteil dran, das gab auch Staatspräsident Santos zu: Kolumbien scheint auf einem guten Weg, auf einem Weg zum Frieden.

In all seinen Reden hat Papst Franziskus während seiner Reise durch das Land vom Frieden gesprochen. Und er hat noch einen drauf gelegt, denn Frieden allein bleibt ja wie gesagt abstrakt. Der Weg dahin, das ist das Schwierige. Und den hat der Papst mit ‚Versöhnung’ benannt.

 

Frieden ist abstrakt, Versöhnung nicht

 

Frieden ist einfach, da sind wir alle für. Bei Versöhnung ist das schon anders. Nehmen wir etwa das, was der Papst am Freitag in Villavicencia, einer früher stark umkämpften Stadt, vor Tätern und Opfern der Kämpfe gesagt hat: Es ist schwer zu akzeptieren, dass die Täter, die mit den Waffen, jetzt Frieden finden und nicht Bestrafung. Das war ja auch das Problem und ist noch das Problem bei der Akzeptanz des Friedensprozesses im Land, viele wollen Bestrafung, und dafür gibt man natürlich nicht seine Waffen ab. „Es ist schwer, den Wandel derer zu akzeptieren, die grausame Gewalt angewendet haben“, ein klarsichtiger Satz der vielen sicherlich aus dem Herzen spricht.

Der Papst hat dazu etwas Bemerkenswertes, aber auch Gewagtes gesagt: Alle sind Opfer, „schuldig oder unschuldig, aber alle Opfer. Alle vereint in diesem Verlust von Menschlichkeit, den die Gewalt und der Tod mit sich bringen.“ Das ist gewagt, weil der Satz natürlich missverstanden werden kann, Täter und Opfer tragen eben nicht dieselbe Verantwortung für die Gewalt. Aber der Nachsatz, der Verlust an Menschlichkeit, hier stimmt der Satz eben und diese Einsicht ist der Kern für Versöhnung.

 

Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Wahrheit

 

„Auch wenn Konflikte, Gewalt oder Rachegefühle fortbestehen, dürfen wir nicht verhindern, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sich umarmen und so die Leidensgeschichte Kolumbiens auffangen.” Also: die Konflikte gibt es weiter, auch die Rachegefühle sind da, sie sind verständlich. In sich sind sie aber noch kein Hindernis für den Versöhnungsprozess, sondern erst dann, wenn man ihnen nachgibt und sie die Realität und Mentalität beherrschen lässt, so verstehe ich den Papst. Weiterlesen

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