Relatio Sinodi, deutsch

Die Deutsche Bischofskonferenz hat an diesem Donnerstag eine Übersetzung der Relatio Sinodi, des Schlussdokumentes der letzten Versammlung der Bischofssynode und gleichzeitig des Vorbereitungsdokuments für die nächste vorgelegt. Hier geht es zum Dokument

 

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Alle reden über …

Damit das Kinderkriegen in den Businessplan passt: Facebook und Apple zahlen Mitarbeiterinnen finanzielle Unterstützung, damit sie ihre Kinderwünsche auf Eis legen. Eizellen sollen eingefroren werden, damit die teuren Rädchen im großen Getriebe bloß nicht ausfallen. Familie ist dem Geldverdienen unterworfen. Fast schon vergessen ist diese Meldung nur die jüngste im Reigen zu unseren Debatten zur Familie.

Familie? Familiensynode? Nein, nicht Synode, ich meine die ganz normalen politischen und gesellschaftlichen Debatten.

Betreuungsgeld, Kindergeld, Ehegattensplitting: Ein beliebiges googlen zum Thema Familienpolitik bringt immer Geld-Themen zum Vorschein. Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles. Nein, sagt da die Kirche, Familie und Ehe und Kinder und das alles sind Gottesgeschenk und nicht nur Funktion eines brav funktionierenden Geldverdienens. Fürchterlich altmodisch? Eher revolutionär, weil hier auf einmal der Mensch entscheiden darf und nicht das Wohlergehen des Wirtschaftsstandortes.

Natürlich geht es doch um die Familiensynode und den synodalen Prozess, den Papst Franziskus angestoßen hat. Denn wir sollen ja über Familie sprechen. Kirchenweit. Und das will ich in diesem Blog auch aufrecht erhalten.

Seinen wir fair: Nicht allen passt das Familienbild der Kirche und man muss auch genau hinschauen und Ideologisierungen und verzerrte Bilder einer Kritik unterwerfen. Genau das ist auch in der Versammlung der Bischöfe passiert. Es reicht noch nicht? Nun gut, dann debattieren wir halt weiter, innerhalb und außerhalb. Keineswegs aber ist die Familie nur Anhängsel des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Es ist schon erstaunlich, dass die Welt über Familie redet, aber die innerkirchliche Debatte das Thema hernimmt, um sich auf innerkirchliche Konflikte zu versteifen.

Vielleicht sollten wir in der Kirche die Debatten um die Familie ernst nehmen und uns selbst und die internen Konflikt weniger. Und dann über die Familie reden. Denn zu sagen haben wir da einiges.

 

 

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Angepasste Verkündigung

Muss sich die Kirche der Kultur anpassen? Darf sie das überhaupt? Und wenn ja, wie weit? Oder muss sich Kirche nicht vielmehr gegen die Kultur verhalten? Wie kann im Spannungsfeld dieser Fragen eine zeitgemäße Verkündigung stattfinden?

Einen Fragenkomplex nach der Bischofssynode möchte ich mit dieser Skizze zusammenfassen. Übertrieben formuliert sprechen einige vom angeblichen „Ändern der Lehre“ oder anderem. Oder man spricht davon, dass die Kirche nichts aufgeben dürfe, um ihre Glaubwürdigkeit und ihren Auftrag nicht zu verlieren.

Dass solcherlei Überzeichnungen nicht wirklich helfen, liegt auf der Hand. Damit macht man vielleicht Wind in der Öffentlichkeit, kommt aber der Frage nach der Spannung, wie ich sie oben angedeutet habe, nicht wirklich weiter.

Deswegen mag ich an dieser Stelle einen Referenztext empfehlen, der sich mit dieser Frage befasst: Gaudium et Spes, ein Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dort heißt es unter der Nr. 44:

 

Die Hilfe, welche die Kirche von der heutigen Welt erfährt

Wie es aber im Interesse der Welt liegt, die Kirche als gesellschaftliche Wirklichkeit der Geschichte und als deren Ferment anzuerkennen, so ist sich die Kirche auch darüber im klaren, wieviel sie selbst der Geschichte und Entwicklung der Menschheit verdankt. Die Erfahrung der geschichtlichen Vergangenheit, der Fortschritt der Wissenschaften, die Reichtümer, die in den verschiedenen Formen der menschlichen Kultur liegen, durch die die Menschennatur immer klarer zur Erscheinung kommt und neue Wege zur Wahrheit aufgetan werden, gereichen auch der Kirche zum Vorteil.

Von Beginn ihrer Geschichte an hat sie gelernt, die Botschaft Christi in der Vorstellungswelt und Sprache der verschiedenen Völker auszusagen und darüber hinaus diese Botschaft mit Hilfe der Weisheit der Philosophen zu verdeutlichen, um so das Evangelium sowohl dem Verständnis aller als auch berechtigten Ansprüchen der Gebildeten angemessen zu verkünden. Diese in diesem Sinne angepasste Verkündigung des geoffenbarten Wortes muss ein Gesetz aller Evangelisation bleiben. Denn so wird in jedem Volk die Fähigkeit, die Botschaft Christi auf eigene Weise auszusagen, entwickelt und zugleich der lebhafte Austausch zwischen der Kirche und den verschiedenen nationalen Kulturen gefördert. Zur Steigerung dieses Austauschs bedarf die Kirche vor allem in unserer Zeit mit ihrem schnellen Wandel der Verhältnisse und der Vielfalt ihrer Denkweisen der besonderen Hilfe der in der Welt Stehenden, die eine wirkliche Kenntnis der verschiedenen Institutionen und Fachgebiete haben und die Mentalität, die in diesen am Werk ist, wirklich verstehen, gleichgültig, ob es sich um Gläubige oder Ungläubige handelt.

Es ist jedoch Aufgabe des ganzen Gottesvolkes, vor allem auch der Seelsorger und Theologen, unter dem Beistand des Heiligen Geistes auf die verschiedenen Sprachen unserer Zeit zu hören, sie zu unterscheiden, zu deuten und im Licht des Gotteswortes zu beurteilen, damit die geoffenbarte Wahrheit immer tiefer erfasst, besser verstanden und passender verkündet werden kann.

Da die Kirche eine sichtbare gesellschaftliche Struktur hat, das Zeichen ihrer Einheit in Christus, sind für sie auch Möglichkeit und Tatsache einer Bereicherung durch die Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens gegeben, nicht als ob in ihrer von Christus gegebenen Verfassung etwas fehle, sondern weil sie so tiefer erkannt, besser zur Erscheinung gebracht und zeitgemäßer gestaltet werden kann.

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Ich will, dass du uns dienst!

Via Cassia, eine der alten römischen Straßen nach Rom, etwa 14 Kilometer außerhalb der alten Stadt: Hier liegt ein kleiner und auch heute noch unscheinbarer Ort, La Storta. Für Jesuiten ist es ein ganz besonderer Ort, weil es ein ganz besonderer Ort für den Gründer, Ignatius, war. Dort war ich zu einem Sonntagsausflug. Es ist nicht weit weg, was ja das Problem ist: Naheliegendes überlässt man dem “später einmal”.

Die Geschichte, die mit dem Ort zusammen hängt, ereignet sich 1537, als die Mitglieder der jungen Gemeinschaft die einmal der Jesuitenorden werden sollte in Venedig zu Priestern geweiht worden waren und nun nach Rom zogen, entweder um dann als Missionare weiter nach Jerusalem zu ziehen, sollte sich trotz des Krieges auf dem Mittelmeer die Gelegenheit ergeben, oder um sich dem Papst zur Verfügung zu stellen.

 

La Storta, bei Rom, Kapelle des heiligen Ignatius

La Storta

„Sie gingen nach Rom in drei oder vier Gruppen geteilt, und der Pilger [gemeint ist Ignatius] mit [Peter] Faber und [Diego] Laínez. … Er hatte sich entschlossen, nachdem er Priester wäre, eine Jahr noch keine Messe zu lesen und sich vorzubereiten und die Muttergottes zu bitten, sie wolle ihn zu ihrem Sohn stellen“. Eine ganz typische Art des Betens Ignatius‘: Jemanden um Vermittlung bitten. „Und als er an einem Tag, einige Meilen, bevor er nach Rom gelangte, in einer Kirche war und betete, verspürte er eine solche Veränderung in seiner Seele und hat so klar gesehen, dass Gott Vater ihn zu Christus, seinem Sohn, stellte, dass ihm der Mut nicht ausreichen würde, daran zu zweifeln, dass vielmehr Gott der Vater ihn zu seinem Sohn stellte.“

Ignatius nennt das im Exerzitienbuch (einem Handbuch für Geistliche Übungen) die „erste Wahlzeit“: Etwas ist so klar und deutlich, dass man gar nicht daran zweifeln kann.

 

Das Zitat oben stammt aus dem Buch, dass wir den ,Pilgerbericht‘ nennen. Früher nannte man es die Autobiographie des Ignatius, aber das stimmt nicht. Es ist ein aus der Erinnerung niedergeschriebener Text eines der Mitarbeiter des Ignatius, Pater Luis Goncalves da Camera. Der Titel ist aber Ignatius eigenes Wort, er nennt sich selbst den „Pilger“.

 

An dieser Stelle im Pilgerbericht, nach der kurzen Erzählung des Ereignisses tritt nun der Verfasser da Camera in Ich-Form hervor und fügt ein, was ein weiterer der drei dort nach Rom Gehenden, Diego Laínez, ihm bestätigt habe. Was genau, das berichtet Laínez 1559 selber im Zusammenhang mit der Frage, wie der Name des Ordens zu Stande gekommen sei.

„Es schien ihm [Ignatius], dass Gott ihm diese Worte ins Herz einprägte: Ich werde euch in Rom gnädig sein.“ Laínez fügt an, Ignatius habe damals geglaubt, dass das mit Leid und Tod zu tun habe. Gleichzeitig habe Ignatius ihm, Laínez, aber auch davon berichtet, was der Inhalt seiner Vision gewesen sei: Christus mit dem Kreuz auf der Schulter sei ihm entgegen getreten. Gott der Vater, an dessen Seite Jesus gewesen sei, habe seinem Sohn gesagt: „Ich will, dass du diesen als deinen Diener annimmst.“ Worauf Jesus gesagt habe „Ich will, dass du uns dienst.“ Weiterlesen

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Relatio Sinodi

Zum Abschluss der Versammlung der Bischofssynode lag ein Text zur Abstimmung vor, der von Papst Franziskus sofort danach zur Veröffentlichung frei gegeben wurde; allerdings nur auf Italienisch. auch die Abstimmung war über diesen Text erfolgt, Übersetzungen gab es keine.

Ich bin sicher, dass es bald eine deutsche geben wird, bis dahin biete ich hier aber schon einmal die englischsprachige Version an. Im Anschluss daran füge ich auch die Abstimmungsergebnisse an, auch das wollte Papst Franziskus veröffentlicht sehen.

Dieses D0kument ist nun das Vorbereitungsdokument für den nächsten Schritt des synodalen Prozesses, der in einer zweiten Versammlung der Bischofssynode im Oktober münden wird.

P.S. Beim Einstellen heute gegen 16 Uhr hat WortPress die Formatierung der Zahlen verändert. Das musste ich gerade noch ändern, ich bitte um Nachsicht.

 

Table of contents

Introduction

Part I
Listening: The Context and the Challenges of the Family
The Socio-Cultural Context
The Importance of Affectivity in Life
Pastoral Challenges

Part II
Looking at Christ: The Gospel of the Family
Looking at Jesus and Divine Pedagogy in the History of Salvation
The Family in the God’s Salvific Plan
The Family in the Church’s Documents
Indissolubility of Matrimony and the Joy of Sharing Life Together
The Truth and Beauty of the Family and Mercy Towards Broken and Fragile Families

Part III
Facing the Situation: Pastoral Perspectives
Proclaiming the Gospel of the Family Today in Various Contexts
Guiding Engaged Couples in Their Preparation for Marriage
Accompanying Married Couples in the Initial Years of Marriage
Pastoral Care for Couples Civilly Married or Living Together
Caring for Broken Families (Separated, Divorced and Not Remarried, Divorced and Remarried, Single-Parent Families)
Pastoral Attention towards Persons with Homosexual Tendencies
The Transmission of Life and the Challenges of the Declining Birthrate
Upbringing and the Role of the Family in Evangelization

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Rückhaltlos

„Nur wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich der Führung der Gnade rückhaltlos übergäben“. Ich weiß nicht, in welcher Stimmung er war, als Ignatius von Loyola das schrieb. Was es ein trauriges Kopfschütteln darüber, wie wenig Menschen sich Gott wirklich überlassen? War es eine geistliche Einsicht, dass Gott Menschen verändert, dass es dazu aber das Zulassen des Menschen braucht, weil Gott uns nicht gegen unseren Willen führt? Was es ein Versprechen an diejenigen, die sich nicht so richtig trauten?

SpoletoAn dieses Zitat musste ich in den vergangenen Wochen immer wieder denken, vor allem wenn ich die Berichterstattung und die Webkommentare zur Bischofssynode verfolgt habe.

Da gab es einen Priester, der Papst Franziskus voll und ganz zustimmt, aber er solle doch bitte die wahre Lehre unverändert verkünden. Das brauche er, um pastoral tätig zu sein. Als ob die Lehre eine Sammlung von Sätzen wäre, die man nur wiederholen müsste.

Da war die Behauptung, es gäbe eine Agenda einer Gruppe, die man entweder Kardinal Kasper, Kardinal Schönborn oder auch schon mal Kardinal Marx zuordnete. Die wollten mit Hilfe von diesem und jenem die Kirche ändern, gegen den Willen der Gläubigen.

Da war immer wieder der Rückzug darauf, dass Barmherzigkeit die Lehre nicht aufheben könnte. Als ob das jemand behauptet hätte.

Da war immer wieder die Verwechslung von Frage und Behauptung, man wollte sich schon mit den Fragen nicht beschäftigen, die zum Beispiel die Situation wiederverheirateter Geschiedener aufwerfen. Und es gibt Fragen um Schuld und Sünde, die einer Antwort bedürften. Aber schon die Frage darf nicht sein.

Es findet in Teilen der Kirche eine große Immunisierung statt gegen das Gehen, Aufbrechen, Aus-sich-heraus-gehen.

Dabei würde Gott so viel aus uns machen, würden wir uns der Führung der Gnade rückhaltlos übergäben.

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Die soziale Dimension des Evangelisierens

Drei Mal war ich in diesem Jahr in München und Freising, um jeweils einen Einkehrtag zu geben, die beiden ersten Male habe ich meinen Text danach hier eingestellt, das will ich – mit etwas Verspätung durch die Synode -mit diesem Impuls ebenfalls tun.

 

Ein Drittel: Das ist in etwa der Umfang des Kapitels „Die soziale Dimension der Evangelisierung“, also des vierten Kapitels, in Evangelii Gaudium. Damit ist es das längste Einzelkapitel des gesamten Textes.

Das mag erst einmal nicht überraschen, haben wir den Papst doch als jemanden kennen gelernt, dem die soziale Komponente – ganz allgemein – sehr am Herzen liegt. Ein Papst der ins Gefängnis geht und jungen Menschen die Füße wäscht, der Menschen mit Behinderung umarmt und dessen erste Reise nach Lampedusa ging, um die Flüchtlinge zu besuchen.

Und in diesem langen Kapitel sind Sätze wie „Diese Wirtschaft tötet“ und die vier Neins zur sozialen Ungleichheit noch nicht einmal dabei. Wenn wir also die vielen Gedanken, die zu diesem Punkt noch dazu gehören, einbezieht, dann wird dieser Umfang also noch einmal beträchtlich erweitert. Die soziale Dimension ist einer der Schwerpunkte dessen, was Papst Franziskus uns mit Evangelii Gaudium auf den Weg geben will.

Und dem möchte ich mich in diesem Impuls annähern.

 

Evangelisieren ist ein Tun

 

Eine kleine begriffliche Unterscheidung vorab: Papst Franziskus spricht nicht von der sozialen Dimension des Evangeliums, sondern von der sozialen Dimension der Evangelisierung. Ein kleiner, feiner und für uns hier heute wichtiger Unterschied. Er verweist auf uns selbst zurück, wir sprechen nicht analytisch oder exegetisch über die Lehre Jesu, sondern über unser Tun. Über uns. Es geht um uns.

Vielleicht ist das überhaupt die Grundlinie, von der aus der Papst seine Gedanken spielt. In den ersten beiden Treffen hier habe ich das ja bereits auszulegen versucht, wer das nachlesen möchte, der kann das gerne auf meinem Blog tun. Wenn der Papst mir mal eine Atempause lässt, schaffe ich es vielleicht sogar einmal, ein Buch daraus zu machen. Aber das ist Zukunftsmusik. Zurück zu unserem Thema.

Ich möchte in diesem Impuls die einzelnen Elemente aufgreifen, die uns verstehen lassen können, worum es dem Papst geht. Aber wie ich am Anfang schon gesagt habe, dass es um unser Tun geht, muss ich jetzt anfügen, dass das Verstehen nicht ausreicht. Papst Franziskus will uns zum Tun und Denken und Handeln und Beten und schlichtweg zu einer Umkehr einladen. Evangelii Gaudium ist wie Jesus, der den Menschen zuruft „Metanoete, metanoete! Kehrt um!“ Evangelii Gaudium hat mir beim Beten und Meditieren sogar das Bild dieses zur Umkehr einladenden Jesus verwandelt: Ich sehe keinen Propheten mehr, ich sehe einen lächelnden Jesus: Evangelii Gaudium. Weiterlesen

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Die gerechtfertigte Vielfalt von Urteilen

Einige Leute in meiner Redaktion meinen, ich sollte – auch nach den Debatten hier der vergangenen Tage – ruhig ab und zu mehr Zitate aus unseren Berichten im Radio hier einstellen, um das Gespräch zu erweitern oder um Kommentare zu ermöglichen. Also probiere ich das mal, und zwar mit Kardinal Gianfranco Ravasi. Der hat am Schlussdokument der Synode teilgenommen, ist unglaublich gebildet, kennt die Kirchenväter und zitiert gerne auch schon mal aus dem Orgiginal. Aus dem Bericht von RV:

 

Der Satz der Synodenbotschaft, man müsse „die positiven Elemente in Zivilehen und, trotz aller Unterschiede, bei den ohne Trauschein Zusammenlebenden anerkennen“, sei von vielen als „Neuigkeit“ angesehen worden. Das wundert Kardinal Ravasi: Für die kirchliche Tradition sei das alles andere als neu. „Die mittelalterliche Theologie hat gelehrt, dass die Gnade nicht absieht von der Natur“, so Ravasi. „Wenn also zwei Personen sich ernsthaft zusammentun, vor allem durch eine offizielle Zivilehe, oder wenn sie wegen einer lange anhaltenden persönlichen Verbundenheit, voller Zuneigung, Verständnis und Unterstützung, zusammen sind, dann haben wir da einen natürlichen Wert, den man nicht ignorieren kann. Vielmehr kann er als Basis dienen, um darauf die Schönheit, den Reichtum, die Übernatürlichkeit der Gnade Christi aufzubauen“, sagte der Kardinal zu Radio Vatikan.

 

„Wahrheit und Barmherzigkeit im Gleichgewicht“

 

Ravasi zeigt Verständnis dafür, dass der Passus der Erklärung, der sich auf wiederverheiratete Geschiedene und ihre mögliche Zulassung zur Kommunion betrifft, nicht die qualifizierte Mehrheit der Synodenväter gefunden hat. Es gehe in diesem Bereich darum, Wahrheit und Barmherzigkeit miteinander zu verbinden. Allerdings seien das „nicht zwei Komponenten auf verschiedenen Niveaus, also Lehre und Seelsorge, sondern beides zwei Elemente der Lehre, die man in Gleichgewicht zu halten versuchen sollte“. Daraus ergebe sich die Schwierigkeit, „und so rechtfertigt sich auch die Vielfalt in den Urteilen“.

 

 

 

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Fünf Plagen und zehn Canones

(c) OssRom

(c) OssRom

Die Bibel und das Kirchenrecht: Etwas überraschend war es schon, was für Referenzpunkte Papst Franziskus in seiner Ansprache zum Abschluss der Versammlung der Bischofssynode am vergangenen Samstag anführte. Da gab es zwei Verweise auf Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, ein sehr ausführliches Zitat aus einer Generalaudienz Papst Benedikt XVI. und ansonsten nur diese beiden, Bibel und Kirchenrecht.

Dass Papst Franziskus die Bibel zitiert ist nichts Neues. Dass er das Kirchenrecht zur Hand nimmt dagegen schon.

Gleich zehn Canones nahm er in seine Ansprache als Verweis auf. Nun löst das Wort „Kirchenrecht“ gerne negative Reaktionen aus, deswegen lohnt es sich vielleicht genauer hinzusehen.

Zuerst sind da drei Canones, die er gemeinsam mit einem Zitat aus dem Johannesevangelium als Beschreibung der Aufgabe des Bischofs anführt (CIC 375, 386, 387). Hier werden die Pflichten eines Bischofs in Bezug auf die Lehre der Kirche genannt, im letzten Canon die Verpflichtung, mit Beispiel voran zu gehen.

Zwei Canones (CIC 1055, 1056) werden zitiert, um die Lehre der Kirche zur Ehe mit einem Beleg zu versehen, hier spricht das Kirchenrecht darüber, wie die katholische Kirche Ehe versteht und fasst.

 

Was sagt das Kirchenrecht zur Ehe, was zum Bischofsamt

 

Gegen Ende der Ansprache kommen dann die übrigen Verweise: Canon 749, der die oberste Lehrautorität des Papstes rechtlich fasst. Und zur Verstärkung dann noch einmal die Canones 331-334, welche die Stellung des Papstes als oberste Autorität der Kirche festlegen. Er verfügt Kraft seines Amtes in der Kirche über „höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann“, heißt es da (CIC 331). Die Bischöfe stünden ihm zur Seite, die „mit ihm auf verschiedene Weisen zusammenarbeiten können, wozu die Bischofssynode zählt“ (CIC 334).

Zwei Wochen lang war synodal gearbeitet worden und das Instrument der Bischofssynode hat sich als ein taugliches Instrument erwiesen, die Realität der weltweiten Kirche abzubilden und zur Sprache zu bringen. Vielleicht noch nicht immer in allem ganz ausgereift war es eine gute Synode mit offenem Austausch und vielen Themen. Warum also zum Schluss eines kollegialen und synodalen Treffens der kirchenrechtliche Verweis auf die Autorität des Papstamtes? Und das durch einen Papst, der meiner Beobachtung nach noch nie auf das Kirchenrecht verwiesen hat?

 

Die fünf Plagen

 

Es war eine ganz starke Ansprache des Papstes, in der er auf die großen Versuchungen verwiesen hat, welche die Teilnehmer beeinflussen können. Die Versuchung der feindlichen Erstarrung (die Versuchung der Eifrigen und Traditionalisten), die Versuchung des „zerstörerischen Gutmenschentums“ (die Versuchung der Progressiven und Liberalen), die Versuchung, zu schwere Lasten aufzuerleben, die Versuchung, vom Kreuz hinunter steigen zu wollen und sich vor dem Geist der Welt zu verneigen, und schließlich die Versuchung, entweder den Glaubensschatz – das depositum fidei – oder aber die Realität zu vernachlässigen und „eine einengende Sprache zu benutzen und so zu sprechen, dass man viel redet und nichts sagt!“

Da war für jeden etwas dabei. Weiterlesen

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Es ist noch nicht vorbei

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Das Schlüsselwort zum Abschluss der Synode kam von Papst Franziskus: Lineamenta. Während seiner Rede zum Abschluss der Versammlung der Bischofssynode fügte er diesen vatikanischen Fachbegriff für ein Vorbereitungsdokument in seine Ansprache ein. Der Papst sprach bei der letzten Sitzung der Versammlung, davor hatten die 183 anwesenden Synodenväter über das Schlussdokument abgestimmt. Mit dem Wort „Lineamenta“ machte der Papst deutlich, dass auch dies ein Arbeitsdokument ist, in Vorbereitung auf die Debatte in den Ortskirchen und Bischofskonferenzen und besonders auch in Vorbereitung auf die nächste Synode im Oktober 2015.Auch eine Entscheidung des Papstes macht diesen Charakter deutlich: Papst Franziskus entschied, das gesamte Dokument zu veröffentlichen, so wie es war, auch mit den Abschnitten, die zuvor nicht die formal notwendige Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen bekommen hatten. Er verfügte ebenfalls, dass die Stimmenanzahlen bekannt gegeben werden. Noch am Abend legte der Pressesaal des Vatikans den wartenden Journalisten den abgestimmten Text vor.

Eine Stunde lang waren die 62 Abschnitte einzeln zur Abstimmung gestellt worden. Der Text war bereits am Vormittag vorgelesen worden, eine weitere Debatte gab es nicht. Gegenüber der ersten Zusammenfassung, der so genannten Relatio Post Disceptationem, die am Montag vorgelegt worden war und die für viel Aufsehen gesorgt hatte, war viel am Text geändert worden. Vor allem die ersten beiden Teile waren stark erweitert worden. Die Arbeitsgruppen hatten 470 Änderungsvorschläge gemacht, die – wenn sie sich nicht gegenseitig widersprachen – eingearbeitet werden mussten.

Über den Inhalt dieses Dokumentes wird Sie Radio Vatikan auf dem Laufenden halten. Insgesamt drei Abschnitte bekamen nicht die qualifizierte Mehrheit von über 123 Stimmen, bei zweien ging es um die wiederverheirateten Geschiedenen und beim dritten um die Einstellung gegenüber Homosexualität. Eine Mehrheit der Synodenväter hieß sie gut, aber nicht die notwendige zwei Drittel Mehrheit. Die Entscheidung des Papstes zur Veröffentlichung zeigt aber, dass das Teil der Debatte sein soll, wenn auch der Wille der Bischöfe sich deutlich geäußert hat. Nun geht der synodale Prozess weiter, die Ortskirchen sind am Zug.

 

Nachtrag: Das ist ein Beitrag, den ich für Radio Vatikan gemacht habe, ich stelle ihn aber auch gleichzeitig hier ein, um die Gelegenheit zum Kommentieren zu geben.

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