Nachtrag: Förderverein RV

Hier ist er nun, der neu gewählte Vorstand. Und wenn Sie das als Werbung empfinden: das soll es auch sein. Wir können immer gut neue fördernde Mitglieder gebrauchen. Geben Sie sich einen Ruck!

Von links: Ludwig Waldmüller, Marco Chwalek, Hans-Werner Lichter, P Bernd Hagenkord (nicht Mitglied des Vorstandes, aber gerne bei den Sitzungen dabei)

Von links: Ludwig Waldmüller, Marco Chwalek, Hans-Werner Lichter, P Bernd Hagenkord

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An dieser Stelle ein Dank

Am Wochenende wird gewählt. Radio Vatikan bzw. die deutschsprachige Redaktion wird von jenseits der Alpen von einem Förderverein unterstützt, und dieser Förderverein hält seine Mitgliedsversammlung ab, bei der ein neuer Vorstand gewählt wird.

Deswegen sei an dieser Stelle dem alten Vorstand – der zum Teil wieder antritt – gedankt. Er sei sogar mit Lob überhäuft, denn den Einsatz, der meistens im Stillen vor sich geht, können wir hier in Rom nicht hoch genug schätzen.

Dass Sie zum Beispiel gerade diesen Blogeintrag lesen, haben Sie dem Verein zu verdanken. Ohne die Freunde von Radio Vatikan e.V. gäbe es diesen Blog nämlich gar nicht. Und wenn Sie den Blog Freundeverein, tun Sie das über den Verein.

Oder wenn Sie auf einem Katholikentag an den Stand von Radio Vatikan kommen, dann begegnen Ihnen da Mitglieder des Vereins. Von hier aus könnten wir das alles gar nicht leisten, weder personell noch finanziell. Aber das Ehrenamt von Freunden macht möglich, was anders nicht ginge.

Dazu kommt, dass die letzten zwei Jahre für den Vorstand nicht ganz einfach waren, ich bin glücklich und froh, solche Leute hinter uns stehen zu haben.

Also, Lob und Hudel sei dem Vorstand dargebracht, Leute, ich bin stolz auf euch!

 

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Verwalter der Schöpfung

Man kann sich von den Erwartungen in Sachen Ökologie-Enzyklika kaum noch retten. Hier liest man was, dort was, Erwartungen, Ideen, Konflikte, Streit. Gerne schaue ich dazu über den Teich und lese, was die Verteidigungslinien sind gegen jede aber auch wirklich jede Veränderung. Und da wird man schnell fündig.

Ein Argument, von dem ich nicht wirklich weiß, ob ich es Ernst nehmen soll oder nicht, kommt von einem US-amerikanischen Jesuiten: “More perceptive thinkers, however, suspect that “sustainability” is probably the most “useful” ideology ever invented. It brings everything, especially messy human beings who are the real problem, under direct state jurisdiction. It makes Marxism look like child’s play when it comes to absolute control of man and society.”

Es geht also um das Konzept, das wir hier „Nachhaltigkeit“ nennen. Diese Nachhaltigkeit soll eine Ideologie sein, die hilft, Menschen zu unterwerfen. Der Hintergrund des Argumentes, das Pater James Schall ausführt, ist in der Beziehung zu den kommenden Generationen zu finden. Nachhaltigkeit bedeute, so Schall, dass der Wohlstand auch für kommende Generationen zur Verfügung stehen muss. Das Gegenargument: Auch wir heute würden gar nicht so leben wollen wie die Menschen sagen wir im Jahr 1800, wenn diese dasselbe Anliegen der Nachhaltigkeit gehabt haben sollten. Wir haben neue Wege und Techniken entwickelt, und dasselbe sollten wir von unseren Nachfahren annehmen dürfen. Schall entdeckt in diesem Denken eine gnostische Wurzel, entdeckt also eine der Grundhäresien des Christentums. Nichts weniger. Schall sieht in der Nachhaltigkeits-Ideologie die Ablehnung des Konzepts vom ewigen Leben.

Ich will mich dem nicht wirklich stellen, das Ganze ist fürchterlich US-amerikanisch gedacht, alles ist in der Entscheidung des Individuums, das durch staatliche oder anderweitige Grenzen nicht eingeschränkt werden darf. Sein Credo: „The earth and its resources, including its chief resource, the human mind, are given for the purposes for which each individual was created. Enough resources, including human mind and enterprise, are given for man to accomplish his purpose. When this purpose is accomplished, no more “resources” are needed. In this sense, the revealed doctrine that this world will end is the one that frees us from the dismal “sustaining” cycle that, presumably, goes on and on.”

Also: Wenn wir Fehler machen, winkt uns Vergebung und Verzeihung. Und dann kommt irgendwann das Ende der Welt und die Erlösung der Menschheit. Wir brauchen uns aber noch nicht hier die alles übergreifende Einschränkung auferlegen, die dem vermutlich gottgegebenen Unternehmerwillen Grenzen setzt: Die Verantwortung.

Das ist es letztlich, was Schall und andere ablehnen: Verantwortung. Nachhaltigkeit ist nur ein Hinweis, nur eine Anwendung des Nachdenkens über Verantwortung für andere. Verantwortung für die Menschen, die an Entwaldung und Versteppung leiden. Verantwortung für die kommenden Generationen, die kein sauberes Wasser mehr haben. Verantwortung für die Natur, die Umweltkatastrophen einfach kaputt ist und nicht mehr wieder herzustellen ist.

Gott allein ist der Herr der Welt, wir sind nur seine Verwalter. Verantwortliche Verwalter.

 

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Familiäre Verhärtung

Auf die Gefahr hin, dass ich zu einem „trainspotter“ werde: Das Argument in Richtung Bischofssynode im Oktober, die Frage nach wiederverheirateten Geschiedenen habe mit der Kirchensteuer und deswegen mit der Anpassung an den Zeitgeist zu tun, nimmt an Fahrt auf. Mittlerweile wird es auch im deutschsprachigen Raum bertreten.

Aus einer Pressemitteilung des Bistums Chur über einen Priestertag im Mai, referiert hatte der emeritierte Professor Hubert Windisch: „Das „Drängen auf Veränderung“ in solchen Fragen komme, so Professor em. Windisch, besonders aus dem deutschsprachigen Raum. Dies habe mit dem Kirchensteuersystem zu tun: die Kirche im deutschen Sprachraum leide wegen der Austrittszahlen unter sinkenden Einnahmen und versuche diesen Verlust „mit den Mitteln der Anbiederung gegenüber den Zeitläuften“ zu kompensieren.“

So schlicht können Argumente sein. Unterkomplex. Kein Wort davon, dass es darum geht, sich die Frage nach dem Scheitern zu stellen. Kein Wort davon, was die Kirche denen zu sagen hat, die sich ausgegrenzt fühlen. Kein Wort davon, dass es auch schuldlose Menschen in diesen Konflikten gibt, die trotzdem leiden.

Einfach nur das Wort „Anbiederung“ und die richtigen Kreise heulen laut auf, weil sie für die komplexen Fragen eine schlichte Antwort bekommen haben, die bestens auf die kirchlichen Stammtische passt.

Man kann zur Frage stehen wie man will. Man kann theologisch verantwortet Meinungen vertreten und meiner Beobachtung nach ist das bei der Bischofssynode auch geschehen und wird – so vermute ich – auch wieder geschehen. „Anbiederung“ ist aber kein Argument, dass irgendwelchen theologischen Debatten gerecht werden würde.

Es ist schade, dass die Angst vor Veränderungen solche Verhärtungen mit sich bringt.

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Los hermanos Koch …

Noch einmal die Frage nach dem Klima, noch einmal die Frage nach dem Papst und seiner Enzyklika, noch einmal die Frage, wie das vor deren Erscheinen debattiert wird. Aber jetzt geht es nicht um die Kirche. Es geht um Politik. Obwohl erst im Herbst 2016 ein neuer Präsident gewählt wird, laufen die Werbemaschinen bereits auf Volltouren. Jetzt ist in den USA ein TV-Clip erschienen, der ganz direkt Papst Franziskus auftreten lässt.

Neun von zehn Latinos seien dafür, dass die Regierung sofort gegen den Klimawandel handle, heißt es zu Beginn. Und: Nichts zu tun sei viel teurer. Und dann wechselt die Stimme, von der Frau aus dem Off geht sie über auf einen Mann, es klingt wie ein Stück Nachrichten. Man sieht Papst Franziskus, wie er UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon trifft und dazu heißt es, „Papst Franziskus wird den Klimawandel als dringendes moralisches Gebot angehen.“

So weit, so harmlos. Aber dann wendet sich der Spot gegen die Brüder Koch, zwei US-amerikanische Industrielle und Multimillionäre, denen unterstellt wird, viel Geld – es ist die Rede von 900 Millionen Dollar – in den Wahlkampf zu stecken, um ihre Industrien zu schützen, also die den Planeten verschmutzenden Industrien. Sie hätten die Republikanische Partei gekauft und seien nun dabei, den Papst „einzuschüchtern“. Gezeigt werden Bilder einer Konferenz in Rom, in der US-Amerikaner für traditionelle Energiegewinnung durch Kohle und Öl sprechen und davon, dass der Papst sich für diese einsetzen müsse – unterstellt wird, dass es die Industrie der Koch-Brüder sei. Man dürfe nicht zulassen, dass die Brüder Koch und die Republikaner „uns zum schweigen bringen“, heißt es zum Abschluss.

Und das ist der Clou, der gesamte Spot ist nicht etwa auf Englisch, sondern auf Spanisch gemacht, richtet sich also an die mehrheitlich katholischen Latinos in den USA. Die Latinos sind mit dem „Wir“ gemeint. Vor dem Papstbesuch im September, vor dem Auftritt des Papstes vor dem Kongress und danach vor der UNO, wird Papst Franziskus einsortiert in Parteipolitik.

Dahinter steht ein so genannter Super-PAC, also ein Aktionskomitee, das der besonderen Wahlkampf-Gesetzgebung folgt, vor allem finanziell. So lange man keine Kandidaten nennt, darf man so viel Geld ausgeben, wie man will.

Schon in der Vergangenheit war in den US-Medien viel über den Papst und die Erderwärmung zu lesen, dort scheint die gesamte Klima- und Umweltschutzdebatte – anders als in Europa – auf diese eine Frage enggeführt zu werden. Vielleicht ist es deswegen kein Wunder, dass der Papst nun auch zu Wahlkampfzwecken zwangsrekrutiert wird. Die Situation ist aufgeladen. Und wenn in den kommenden Wochen die Enzyklika erscheinen wird, dann wird der Streit erst richtig losgehen, ganz gleich, was genau der Papst sagen wird. Denn leider wird man versuchen, den Papst vor den jeweils eigenen Wagen zu spannen. Soviel jedenfalls hat der Spot bereits bewiesen.

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Debatte vor der Debatte

Es sind üble persönliche Angriffe, die in der Bloggerwelt derzeit umgehen. Wir warten auf die angekündigte Enzyklika des Papstes zum Thema Schöpfung und Ökologie und das ist scheinbar genug, dass sich einige Menschen mit Schaum vor dem Mund in Rage reden.

Ein Beispiel aus der vergangenen Woche: Da wurde schlicht behauptet, die Enzyklika würde zurück gezogen, weil dem Papst klar geworden sei, dass sie der Überprüfung durch die Glaubenskongregation nicht standhalten würde. Und das von einer Webseite, die „katholisch“ im Titel führt. Garniert wurde das durch wüste persönliche Attacken gegen einen der vermuteten und herbeispekulierten Ghostwriter des Papstes, Erzbischof Manuel Fernandez. Das ist leider gang und gäbe geworden, vor allem in Italien und bei uns: wenn man nicht mehr weiter weiß, wird man halt persönlich.

Für uns eher weniger nachvollziehbar ist die Debatte, wie sie in den USA tobt. Da ist es vor allem das Thema „Klimaerwärmung“, das die Gemüter in Wallung bringt. Auch da gibt es persönliche Attacken, zum Beispiel durch George Weigel gegen Erzbischof Marcello Sorondo, den Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, der ein Symposion zum Thema Klima veranstaltet hatte. Ohne den Text zu kennen – das kann man gar nicht oft genug wiederholen: ohne den Text zu kennen – schreibt der Bescheidwisser Weigel über die „global-warming-encyclical“. Der Vatikan sei unfähig, den pre-Veröffentlichungs-Spin zu kontrollieren. Lieber Herr Weigel, der Spin, das sind Sie!

 

Kampf gegen die Windmühle Erderwärmung

 

Die Tragik ist, dass Weigel und andere eigentlich ein gutes Gespür dafür haben, was das katholische Denken zu Schöpfung und Umwelt ist, man kann es debattieren, aber es sind ehrliche und informierte Ansichten. Wenn da nicht die Obsession wäre, immer und überall gegen die Windmühlen der globalen Erwärmung kämpfen zu müssen. Aber er hat ja wenig Chance, er kämpft ja gegen die „global-warming industry“.

Leider muss man auch Ban Ki-moon auf die Liste setzen, der nach dem oben erwähnten Symposion, zu dem er in Rom war, den Papst vor den Karren der UNO spannen wollte. Wobei die UNO sich in der Vergangenheit eher unfähig gezeigt hat, die etwa in Rio gewonnen Einsichten auch einzufordern. Weiterlesen

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Befreite Befreiungstheologie

Befreiungstheologie ist für kurze Zeit wieder Thema. Aber leider nur als Konflikt. Für den Inhalt interessieren sich nach wie vor nur sehr wenige. Als vor einigen Tagen Pater Gustavo Gutierrez, der mit seinem Buch „Theologie der Befreiung“ Namensgeber dieser theologischen Richtung ist, an einer Pressekonferenz im Vatikan teilnahm, wollte gleich die erste Frage, später dann noch einmal zwei Fragen, wissen wie es um den Streit und die Ablehnung und die Verurteilung der Befreiungstheologie stehe. Ein Journalist meinte sogar fragen zu sollen, ob die Seligsprechung von Oscar Romero und anderen nicht wie der Berliner Fall der Mauer zwischen Vatikan und Befreiungstheologie sei. Ich selber habe auch Interviewanfragen bekommen, die dann aber zurückgezogen wurden, weil sich nicht wirklich ein Konflikt abzeichnete (jedenfalls vermute ich hier den Rückzug). Gutierrez selber Gustavo Gutierrez, die Befreiungstheologie sei „nie, nie verurteilt“ worden.

Dominikanerpater Gustavo Gutierrez bei der PK im Vatikan

Dominikanerpater Gustavo Gutierrez bei der PK im Vatikan

Da meist zitierte Dokument – wenn denn überhaupt eines zitiert wird – ist „Libertatis Nuntius“, über einige Aspekte der Theologie der Befreiung“ [übersetzt: Botschacht der Freiheit, veröffentlicht 1984]. Hier warnt der Vatikan vor Theorien, die marxistisch, nicht christlich begründet sind. Oder in den Worten des Textes selber: „Sie will die Aufmerksamkeit der Hirten, Theologen und aller Gläubigen auf die Abweichungen und die Gefahren der Abweichung lenken, die den Glauben und das christliche Leben zerstören, wie sie gewisse Formen der Theologie der Befreiung enthalten, die in ungenügend kritischer Weise ihre Zuflucht zu Konzepten nehmen, die von verschiedenen Strömungen des marxistischen Denkens gespeist sind.”

 

Keine Verurteilung

 

Aber auch hier gleich die Einschränkung im nächsten Satz: „Diese Warnung darf in keiner Weise als eine Verurteilung all derer ausgelegt werden, die hochherzig und im authentischen Geist des Evangeliums auf die „vorrangige Option für die Armen“ antworten wollen. Sie darf in keiner Weise denen zum Vorwand dienen, die sich angesichts der tragischen und drängenden Probleme des Elends und der Ungerechtigkeit hinter einer Haltung der Neutralität und der Indifferenz verschanzen. Im Gegenteil, sie ist von der Gewißheit bestimmt, daß die tiefgreifenden ideologischen Abweichungen, die sie anzeigt, unabdingbar dazu führen, die Sache der Armen zu verraten. Mehr denn je ist es erforderlich, daß die zahlreichen Christen, die in ihrem Glauben erleuchtet und dazu entschlossen sind, ein christliches Leben ohne Abstriche zu führen, sich aus Liebe zu ihren enterbten, unterdrückten und verfolgten Brüdern im Kampf für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde einsetzen. Mehr denn je will die Kirche die Mißbräuche, die Ungerechtigkeiten und die Verstöße gegen die Freiheit verurteilen, wo immer sie begegnen und wer immer sie anzettelt, und mit den ihr eigenen Mitteln kämpfen, um die Menschenrechte, insbesondere in der Person der Armen, zu verteidigen und zu fördern.”

Den Text habe ich deswegen so ausführlich zitiert, weil er zeigt, dass es nicht um die Ablehnung von Freiheit oder ein Wegschauen geht, wo Unterdrückung herrscht. Leider ist das medial aber anders gespielt worden und der Satz „der Vatikan war/ist gegen Befreiungstheologie“ gehört zum Standartrepertoire eines normalen mitteleuropäischen Christen. Und er ist falsch. Weiterlesen

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Es ist ein Verb

Koordinatensystem für den Papst, Teil 6

Ganz vollständig ist das Koordinatensystem natürlich noch nicht, man könnte noch weitere Themen anführen. Aber vor allem fehlen noch die Koordinaten, die der Papst selber eingeführt hat. Die Zeit ist mehr wert als der Raum ist das erste Koordinate, „Dem Raum Vorrang geben bedeutet sich vormachen, alles in der Gegenwart gelöst zu haben und alle Räume der Macht und der Selbstbestätigung in Besitz nehmen zu wollen. Damit werden die Prozesse eingefroren. Man beansprucht, sie aufzuhalten. Der Zeit Vorrang zu geben bedeutet sich damit zu befassen, Prozesse in Gang zu setzen anstatt Räume zu besitzen.“

Uns macht das nervös, weil wir keine Ergebnisse sehen, keine Ergebnissicherung, keine Pläne. Er geht einfach los und vertraut dem Heiligen Geist.

„Die Einheit wiegt mehr als der Konflikt“ wäre die zweite Koordinate, auch das etwas, was wir uns innerkirchlich hinter die Ohren schreiben könnten. Leider leben Fraktionen in der Kirche vom und für den Konflikt, da klingen diese Worte des Papstes sehr aktuell. Er selber sagt das so: „Der Konflikt darf nicht ignoriert oder beschönigt werden. Man muss sich ihm stellen. Aber wenn wir uns in ihn verstricken, verlieren wir die Perspektive, unsere Horizonte werden kleiner, und die Wirklichkeit selbst zerbröckelt. Wenn wir im Auf und Ab der Konflikte verharren, verlieren wir den Sinn für die tiefe Einheit der Wirklichkeit.“

 

Die vier päpstlichen Koordinaten

 

Die dritte päpstliche Koordinate: „Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee“. Ich zitiere: „Das schließt ein, verschiedene Formen der Verschleierung der Wirklichkeit zu vermeiden: die engelhaften Purismen, die Totalitarismen des Relativen, die in Erklärungen ausgedrückten Nominalismen, die mehr formalen als realen Projekte, die geschichtswidrigen Fundamentalismen, die Ethizismen ohne Güte, die Intellektualismen ohne Weisheit.“ Das hat mit nichts weniger als der Inkarnation Gottes in die Welt zu tun. Und wer schöne Ideen hat, diese Dynamik der Inkarnation aber nicht nachvollzieht, der verfehlt Jesus: „Das Wort nicht in die Praxis umzusetzen, es nicht in die Wirklichkeit zu führen bedeutet, auf Sand zu bauen, in der reinen Idee verhaftet zu bleiben und in Formen von Innerlichkeitskult und Gnostizismus zu verfallen, die keine Frucht bringen und die Dynamik des Wortes zur Sterilität verurteilen.“

Und viertens: „Das Ganze ist dem Teil übergeordnet“. Diese vier Koordinaten sind eher abstrakt. Aber wenn man das sprechen und tun dieses Papstes beobachtet, dann wird das schnell sehr konkret. Weiterlesen

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Die Kreativität Christi: Verkündigung

Koordinatensystem für den Papst, Teil 5

Noch eine weitere Koordinate: „eine ständige missionarische Haltung“. Das will der Papst von seiner Kirche. EG ist voll davon, aber auch sonst sehen wir an diesem Papst einen Verkünder. Und das ist kein einfaches Konzept von Christentum, der Papst liebt Verben der Bewegung, da muss man dauernd aufstehen, aus sich heraus gehen, losgehen, aufstehen, und so weiter.

Dahinter liegt ganz schlicht die Frage, wie Christsein im 21. Jahrhundert zu leben ist. Jedenfalls nicht bürgerlich zufrieden, um noch einmal das Feindbild aufzurufen. Wir erleben einen Traditionsabbruch, wir müssen neu lernen, zu verkünden. Wir müssen christliches Handeln ohne stützendes Milieu erlernen. Das bedeutet Christsein.

EG „[Christus] kann mit seiner Neuheit immer unser Leben und unsere Gemeinschaft erneuern, und selbst dann, wenn die christliche Botschaft dunkle Zeiten und kirchliche Schwachheiten durchläuft, altert sie nie. Jesus Christus kann auch die langweiligen Schablonen durchbrechen, in denen wir uns anmaßen, ihn gefangen zu halten, und überrascht uns mit seiner beständigen göttlichen Kreativität.“

 

Nicht delegierbar

 

Und da rüttelt der Papst an unserem Verständnis von Glauben und Kirche. Verkündigung ist nämlich nicht an eine Stabsstelle delegierbar, an kein Institut und keinen Hauptamtlichen. Verkünden soll jeder. Letztlich ist das ja auch gut jesuanisch, aber irgendwie hat das keinen sehr guten Ruf bei uns.

Damit deutet der Papst auch den unglücklichen Begriff der Neuevangelisierung um. Er nutzt ihn selber überhaupt nicht, füllt die Idee aber auf seine eigene Weise. Wir müssen lernen, neu zu verkünden. Und das ist mehr, als nur das Internet zu nutzen, dahinter steckt eine Haltung. Ich zitiere noch einmal EG „Niemals verschließt sich das missionarische Herz, niemals greift es auf die eigenen Sicherheiten zurück, niemals entscheidet es sich für die Starrheit der Selbstverteidigung. Es weiß, dass es selbst wachsen muss im Verständnis des Evangeliums und in der Unterscheidung der Wege des Geistes, und so verzichtet es nicht auf das mögliche Gute, obwohl es Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen.“ Weiterlesen

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Der Papst und die Politik

Ein Koordinatensystem für den Papst, Teil 4

Eine weitere Koordinate: die Politik ist zurück im Vatikan. Während wir im vergangenen Oktober bei der Bischofssynode waren, alle Journalisten mit Blick auf die Kirche, trafen sich wenige Meter weg Kuba und die USA und handelten erste Schritte zur Annäherung aus. Ausgelöst hatten das zwei Briefe des Papstes, einen an Präsident Castro, einen an Präsident Obama. Nun waren die Briefe nicht der Grund für das Tauwetter, aber sie kamen zur richtigen Zeit. Und die Tatsache, dass das so lange geheim bleiben konnte und auch dass der geplante Papstbesuch auf Kuba lange geheim bleiben konnte, das zeigt die Qualität der Arbeit.

Ganz aktuell: Raúl Castro bei Papst Franziskus, Sonntag, 10. Mai 2015

Ganz aktuell: Raúl Castro bei Papst Franziskus, Sonntag, 10. Mai 2015

In meinen Kontakten mit Diplomaten begegne ich einem wieder erwachenden Respekt für das, was der Heilige Stuhl weltweit tut. Das hat mit dem Netzwerk zu tun, was die Kirche bildet, mit Kontakten, und es hat mit den Prinzipien zu tun, für die die Kirche unter den Staaten einsteht. Aber es hat auch damit zu tun, dass hoch professionell gearbeitet wird, wenn auch auf zahlenmäßig eher kleinem Niveau, und dass das was aus Rom kommt Ernst zu nehmen ist.

 

Palästina und Kuba

 

Denken Sie an den Coups mit den Friedensgebeten im Vatikan mit Palästina und Israel. Niemand hätte gedacht, dass so etwas möglich wäre. Aber es war möglich. Und schauen Sie, wer auf der Welt alles Papst Franziskus zitiert. Er ist eine politische und gesellschaftliche Größe, und zwar nicht eine zum schmücken, sondern eine Herausforderung. Er spricht von Syrien, wenn unsere Medien gerade etwas anderes vor Augen haben. Vom Irak. Vom Hunger. Von den ungerechten Wirtschaftssystemen, die Menschen wegwerfen. Weiterlesen

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