Synode der Medien

Die Medien: Pressekonferenz mit Kardinal Reinhard Marx während der Synode

Die Medien: Pressekonferenz mit Kardinal Reinhard Marx während der Synode

Es wird wieder eifrig geklagt. In Rom wird über die Familie gesprochen und über die Pastoral und einigen Katholiken gefällt es gar nicht, dass und vor allem wie darüber berichtet wird. Man versucht, den Begriff „Synode der Medien” zu etablieren, es gebe eine Fehlinformation durch die Medien und so weiter, dahinter wittert man Böses.

Ja, es gibt eine Synode der Medien. Ja, es gibt Leute, die Aussagen entstellend in die Medien bringen. Die Übeltäter findet man aber nicht bei den üblichen Verdächtigen, sondern bei denen, sie sich normalerweise als Opfer böser Kampagnen sehen. Beispiel: Die Äußerungen von Kardinal Walter Kasper von Mitte der Woche.

Der Kardinal schildert das Ereignis, der Journalist, der das veröffentlicht hat, hat eine andere Version. Und auf diese Version baut er dann den unausgesprochenen Vorwurf auf, Kardinal Kasper habe sich rassistisch geäußert. Es geht um Werte und Kulturen, so viel ist unumstritten. Der Journalist und seine Helfershelfer haben dann so laut wie möglich „Skandal“ geschrien, schlicht um Kardinal Kasper zu schaden.

 

Einfach laut ‘Skandal’ schreien

 

Kurz: Die Worte von Kardinal Kasper sind aus dem Zusammenhang genommen. Wenn man sich das Audio komplett anhört, dann merkt man, dass das Transkript selektiv ist. Außerdem stimmen einige Stellen nicht. Der so genannte Journalist, der das veröffentlich hat, sagt zum Beispiel, Kasper habe gesagt, „There must be space also for the local bishops’ conferences to solve their problems but I`had say with Africa it’s impossible.” Wenn das stimmen würde, wäre das der Beleg. Es stimmt aber nicht. Kardinal Kasper hat das nicht gesagt. Wenn man sich das ins Internet eingestellte Audio anhört, dann hört man Kasper sagen „but I can`t say about Africa“. Er will also nur über Europa reden, weil Afrika über sich selbst sprechen soll. Damit fällt der Beleg weg und die ganze Behauptung in sich zusammen.

Was natürlich die Kollegen der BILD und einiger italienischen Zeitungen nicht interessiert, der Skandal ist wichtiger. Die falsche Version wird fleißig verbreitet. Weiterlesen

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Jenseits menschlichen Verstehens: Das Credo Papst Paul VI.

Papst Paul VI. ist wird selig gesprochen werden. Nun will ich gar nicht erst den Versuch machen, die fertigen Muster der Wahrnehmung dieses Papstes zu brechen, er ist scheinbar für absehbare Zeit nur als der Zauderer und der Papst von Humanae Vitae bekannt. Dass er ein Papst der Moderne war, mehr als andere, und vielleicht sogar der Lieblingspapst von Papst Franziskus, das muss jeder und jede für sich selbst entdecken. Wenn man denn mag.

Zum Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils hat Papst Paul VI. ein Credo gebetet. Die Vorlage stammt von Jacques Maritain, die Schlussversion vom Papst selber.

 

Der Schöpfer

Wir glauben an den einen Gott: Vater, Sohn und Heiligen Geist, Schöpfer der sichtbaren Dinge, wie es diese Welt ist, auf der unser flüchtiges Leben sich abspielt, Schöpfer der unsichtbaren Dinge, wie es die reinen Geister sind, die man auch Engel nennt, und Schöpfer der unsterblichen Geistseele eines jeden Menschen.

 

Der Heilige, die Liebe

Wir glauben, dass dieser einzige Gott Seiner Wesenheit nach absolut einer ist, unendlich heilig, wie Er in allen Seinen Eigenschaften unendlich vollkommen ist: in Seiner Allmacht, in Seinem unbegrenzten Wissen, in Seiner Vorsehung, in Seinem Willen und in Seiner Liebe. Er ist der, der da ist, wie Er es Moses geoffenbart hat; Er ist Liebe, wie der Apostel Johannes es uns lehrt. Weiterlesen

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Die Kirche ist im Aufbruch geboren

An diesem Sonntag begeht die Kirche den Weltmissionssonntag, bereits im Juni dieses Jahres hat Papst Franziskus dazu eine Botschaft veröffentlicht.

Damit sie nicht in Vergessenheit gerät oder übersehen wird, stelle ich sie hier noch einmal ins Netz.

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

auch heute gibt es noch viele Menschen, die Jesus Christus nicht kennen. Deshalb bleibt die Mission ad Gentes von großer Dringlichkeit. Alle Mitglieder der Kirche sind berufen, dazu beizutragen, da die Kirche ihrem Wesen nach missionarisch ist: die Kirche ist „im Aufbruch“ geboren. Der Weltmissionssonntag bietet den Gläubigen auf den verschiedenen Kontinenten eine besondere Gelegenheit, durch das Gebet und konkrete Gesten der Solidarität junge Kirchen in den Missionsländern zu unterstützen. An diesem Tag stehen Gnade und Freude im Mittelpunkt der Feiern. Gnade, weil der Heilige Geist, den der Vater gesandt hat, allen, die sich seinem Wirken fügen, Weisheit und Kraft schenkt. Freude, weil Jesus Christus, der Sohn des Vaters, der gesandt wurde, um die Welt zu evangelisieren, unsere missionarischen Werke unterstützt und begleitet. Im Hinblick auf die Freude Jesu und der Jünger, die als Missionare ausgesandt werden, möchte ich eine biblische Episode heranziehen, die wir im Lukasevangelium finden (vgl. 10,21-23). Weiterlesen

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Streitbare Synode

Teilnehmer der Bischofssynode morgens auf dem Weg in die Arbeitsgruppen

Schnappschuss: Morgens in der Bischofssynode, vor der Gruppenarbeit

Vor der Synode habe ich falsch gelegen. Wie andere auch habe ich gemeint und auch in Mikros gesagt, dass man sich nicht zu viel von dieser Versammlung der Bischofssynode erwarten soll, weil zu hoch geschraubte Erwartungen zwangsläufig zu Enttäuschung führen. Ich habe geglaubt, dass erst das Jahr der Vorbereitung für die nächste Synode und dann diese Versammlung im Oktober 2015 Neues bringt. Damit lag ich falsch, seit Montag liegt ein Papier auf dem Tisch, das eine Sprache pflegt, wie wir sie zuletzt in Evangelii Gaudium gehört haben.

Seitdem wird gestritten. Das meine ich auf die positivste Weise: die Vertreter der Weltkirche arbeiten, damit dieser Text von Kardinal Erdö ihr eigener Text wird.

Theologie wird probiert, Argumente getestet, Änderungsvorschläge debattiert, abgelehnt oder angenommen (was noch nicht Arbizu einer Änderung des Gesamttextes führt, aber zu einer Vorlage für das Redaktionsteam). Auch außerhalb der Aula hört man Kommentare in Interviews, einige äußern sich kritisch über den Text, andere zustimmend. Manchmal geht es auch rau zu, gerade in der Öffentlichkeit. In den Kleingruppen ist es eher ein konzentriertes und dichtes Arbeiten, aber auch hier sind nicht immer alle gleich derselben Meinung.

 

Arbeitsgruppen

 

Damit meine ich nicht, dass jetzt alle gegen alle debattieren, dass es keinen gemeinsamen Grund gäbe. Im Gegenteil. Ich war jetzt in einigen Kleingruppen dabei und möchte bezeugen, wie ernsthaft gesprochen wird und wie viel unausgesprochen gut gefunden wird. Aber wie das bei Textarbeit so ist: Man spricht darüber, was man ändern möchte. Wenn ich also Streit sage, meine ich offene, ehrliche, respektvolle Auseinandersetzung, nach der man sich zum Kaffee in der Lobby trifft und freundlich miteinander spricht. Das ist die gute Form von “Streit”, wenn ich bei diesem Wort bleiben darf. Es zeigt, dass das wichtig ist, dass das Ernst genommen wird.

Streit ist gut. Auseinandersetzung ist gut. Abwesenheit von Streit um des “lieben Friedens” Willen, falscher Irenismus wie es Papst Franziskus in Evangelii Gaudium nennt, hilft nicht.

Spätestens bei den Pressekonferenzen, wo neben den Journalisten auch viele Vertreter von katholischen Lobbygruppen anwesend sind, wird deutlich wie wichtig es ist, dass alles debattiert wird und der endgültige Text Hand und Fuß hat.

Ein Teil meiner Meinung vor der Synode bleibt gültig: Der Text dieser Bischofssynode ist immer noch kein endgültiger Text, es wird ein Vorbereitungstext für das kommende Jahr sein. Auch da wird es Streit geben, Debatte, Auseinandersetzung, Änderung, Zustimmung, Lob und all das andere.

In der Pressekonferenz vorgestern (Montag) sagte Kardinal Luis Tagle einen Satz, der so etwas wie unser Mantra im Pressesaal geworden ist: “The drama continues”. It does.

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Und der Papst schweigt

Papst Franziskus leitet das Morgengebet bei der Bischofssynode in rom

Morgengebet bei der Synode

So sieht man Papst Franziskus selten: Sitzend und schweigend. Vor ihm die Teilnehmer der Synode, neben ihm das Präsidium und die anderen Funktionsträger. Aber er beteiligt sich nicht an der Debatte, sondern hört zu.

Die Bilder, die wir kennen, zeigen einen dynamischen Papst, einen der spricht und kommuniziert. Und in den Pausen sehen wir auch immer diesen Papst, morgens wenn er kommt schüttelt er den Schweizergardisten die Hände und jedem, der gerade auch ankommt. In der Pause steht er in der Halle unten unter all den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, spricht, scherzt, begrüßt. Wie wir ihn halt kennen.

Es wäre ja auch gefährlich, würde er selber das Wort ergreifen. Auf einmal würde sich die Debatte nicht mehr wie offener Meinungsaustausch verhalten, sie würde sich um die Worte des Papstes gruppieren. Die Synode wäre nicht mehr frei, sondern hätte Vorgaben.

Die Beteiligung des Papstes sieht anders aus. Zuerst ist da die Tatsache, dass man sich überhaupt trifft, zu diesem Thema. Dann ist da die geänderte Methodik. Die mag hier und da noch etwas haken, einige Teilnehmer konnten sich mehr von ihren vorbereiteten Statements lösen, andere weniger, was natürlich auch an den vielen anwesenden Sprachen lag. Aber die Methodik hat ihre Wirkung auf die Offenheit der Debatte gehabt, und das ist sicherlich auch der Beteiligung des Papstes zu verdanken.

 

Offenheit der Debatte

 

Franziskus hat als Kardinal Bergoglio zwei kirchliche Veranstaltungen dieser Art prägend erlebt. Da  war zum einen die zehnte ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan 2001. Der Relator – also derjenige, der die Beratungen zusammen fasst und dann den Text zur Abstimmung vorlegt – war der New Yorker Kardinal Edward Egan, der aber nach den Anschlägen in New York nicht kommen konnte. Also wurde Jorge Bergoglio zum „beigeordneten Generalrelator“ ernannt und er übernahm diese äußerst wichtige Aufgabe. Das Thema der Versammlung war das Bischofssamt, ein Thema, das Bergoglio und auch Franziskus immer wieder beschäftigt: Der Hirte.

Dann ist da Aparecida. Auch hier wurde Kardinal Bergoglio die Verantwortung für die Redaktion des Schlussdokumentes anvertraut. Die Bischöfe Lateinamerikas hatten sich versammelt, um ein Grundlagendokument zur Pastoral zu erstellen, debattieren und abzustimmen, Kardinal Bergoglio hat dort Erfahrungen gemacht, die sicherlich auch bei den Planungen zur jetzigen Versammlung der Bischofssynode eine Rolle spielen. Weiterlesen

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Homosexualität und Menschenrechte in Afrika

Bischof Kaigama bei der PK, (C) HolySeePress

Bischof Kaigama bei der PK, (C) HolySeePress

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind ein Thema, nicht nur bei der Synode. Und der Westen hat seine klaren Prinzipien, jedenfalls öffentlich, wenn es auch noch zu viel Homophobie gibt.

Leider hat die Öffentlichkeit auch ihre klar benannten Rollenzuschreibungen, was bei einer Pressekonferenz im Vatikan am Mittwoch deutlich wurde. Kaigama ist einer der Synodenteilnehmer, die vom Vatikan zur Pressekonferenz eingeladen wurden.

Bischof Ignatius Kaigama aus Jos berichtete über seine Sicht der Dinge, und er bekam natürlich die Frage, wie er zur Gesetzgebung zur Homosexualität in seinem Land – Nigeria – steht. Eine sehr höflich formulierte Frage, aber es war klar, dass die Vermutung ist, in Afrika sei die Kirche aktiv gegen Homosexualität und Homosexuelle.

Wenn westliche Medien nur einen Teil der Geschichte wahrnähmen, sei das nicht seine Schuld, so Kaigama in seiner Antwort. Und dann folgte ein flammendes Plädoyer für die Menschenrechte: Die Kirche trete immer für Menschenrechte ein, auch gegenüber der Regierung. Auch für Homosexuelle? Natürlich, sexuelle Orientierung habe mit Menschenrechten nichts zu tun, man trete für die Rechte aller ein und trete damit auch der Regierung entgegen. Jeder, der zu ihnen käme, bekäme Schutz. Kurz schien es so, als wollte er gar nicht mehr aufhören, sehr engagiert und sprachgewandt stellte er sich gegen jede Form von Diskriminierung.

Dass es christliche Stimmen gibt, welche die derzeit angestrebte Verschärfung der Gesetze gegen Homosexualität in Nigeria unterstützen, ist eine traurige Wahrheit. Erzbischof Kaigama machte aber klar, dass die katholische Kirche nicht dazu gehört.

Eine Nebenbühne der Versammlung der Bischofssynode, aber eine wichtige: Die Weltkirche lässt sich eben nicht nach den medial geordneten Kategorien, wer für was und gegen wen ist, organisieren. Afrika ist nicht einheitlich, sondern ein riesiger Kontinent. Und die Meinungen und Einstellungen dort sind nicht das, was wir vermuten oder fürchten.

Einer der spannendsten Augenblicke bei der Synode bisher. Das Video der Pressekonferenz müsste abrufbar sein.

 

 

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#Synod14, Nachtrag

Tagung der Bischofssynode am Mittwoch, ohne Papst Franziskus - der ist bei der Generalaudienz

Tagung der Bischofssynode am Mittwoch, ohne Papst Franziskus – der ist bei der Generalaudienz

Man mag Twitter mögen oder nicht: Ignorieren kann man es nicht, auch nicht in einer Bischofssynode. Bei den Beratungen gestern hat ein Kardinal die Wichtigkeit dieser Formen der Kommunikation betont. Nur einer, aber immerhin.

300.000 “Interaktionen” hat Twitter gestern unter @HolySeePress gehabt, also die offiziellen Tweets aus dem Vatikan über die Synode, kurz #Synod14. Das meint Retweets, Kommentare und so weiter. Es ist ein Experiment, aber offensichtlich ein gelungenes.

Aber lesen sie selbst.

Update: In den vergangenen fünf Tagen waren es

817.000 Besuche
2.244 klicks
3.380 retweets
1.549 Präferenzen
3.000 Follower

geografisch:

22% USA
13% Italien
12% Venezuela
6% Spanien
4% UK
4% Mexiko
29% “Andere”

61% der Follower sind männlich

 

 

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#Synod14

Die Versammlung der Bischofssynode hat begonnen, die erste so genannte Relatio, also Zusammenfassung, ist vorgestellt worden. Neu dieses Mal: Der Relator, also das Mitglied der Synode, das alle anderen Beiträge zusammen fasst, hat in sein erstes Statement bereits die eingereichten Beiträge eingearbeitet. Das Resultat: Man startet nicht bei Null, sondern gleich mitbringen ersten Überblick, wo die Synodalen den Schwerpunkt sehen.

Das beschränkt die Debatte nicht, gibt ihr aber Fokus.

Wer mehr wissen und auf dem Laufenden bleiben will: Twitter hilft. @HolySeePress – die Pressestelle des Vatikan – twittert laufend zur Synode. Der Hashtag dazu, unter dem auch andere ihre Tweets zum Thema abschicken: #Synod14.

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Eine neue Methode

Pressekonferenz im Vatikan

Pressekonferenz im Vatikan

Synodos – gemeinsam gehen. Nimmt man den griechischen Ursprung des Wortes für die anstehende Versammlung im Vatikan, dann kann man gar nicht anders als die immer wiederkehrenden Worte Papst Franziskus’ erinnern: Aufbrechen, gemeinsam gehen, losgehen, gemeinsam auf dem Weg sein.

Bischofssynode: Mit einer Pressekonferenz begann an diesem Freitag die heiße Phase der Beratungen. Bücher sind geschrieben, Fragebögen beantwortet und in ein Vorbereitungsdokument eingebracht, Erwartungen sind hoch und tief, je nachdem.

Nun traten also Kardinal Lorenzo Baldisseri, Sekretär der Bischofssynode, und Erzbischof Fabio Fabene, Untersekretär der Synode, vor die Presse, um Einzelheiten zu erläutern. Die üblichen meist italienischen Medien schreiben von einer verdeckten Synode und klagen, dass die einzelnen Texte, welche von den Bischöfen bis zum 5. September eingereicht wurden, nicht veröffentlicht werden. Sie klagen sozusagen, dass sie nicht mehr die Richter sein werden, was gut, schlecht, zukunftsweisen ist etc. Sie klagen, dass die Texte nicht für die Weltöffentlichkeit geschrieben sind, sondern für die Synode.

Es soll alles einer offenen Debatte dienen. Einer Debatte unter denen, die hier versammelt sein werden.

Bei der PK gab es jede Menge Aufregung darüber, das sei ein “Casino”, “Durcheinander”. Zwischenrufe, erregte und witzige Wortwechsel zwischen dem Kardinal und einigen Journalisten. Ein Kollege verglich die Synode mit einem US-Parteitag, mit Spin-Doktoren und so weiter.

 

Neues auch für mich

 

Man sieht, dass sich die Methode gewandelt hat. Die Themen werden einzeln abgehandelt, nicht danach, was der jeweilige Redner sagen will. Die Beratungen werden darüber hinaus nicht von Synodalen begonnen, den Aufschlag machen jeweils die Experten, also Laien. Diese werden dann auch in der zweiten Woche an den Arbeitskreisen teilnehmen, welche die Beiträge der ersten Woche weiterentwickeln. Und so weiter und so weiter, ich werde sicherlich über die Methode und den Ablauf noch berichten.

Nebenbemerkung für meine Leser hier im Blog: Während der Synode arbeite ich nicht (nur) für das Radio, sondern vor allem für den Pressesaal des Vatikan, d.h. ich übernehme die Pressebetreuung der deutschsprachigen Journalisten hier. Das ändert meine Rolle. Das wird auch Auswirkungen auf den Blog haben, aber ich versichere: Das wird nicht ein Forum des Pressesprechers. Vielleicht muss ich mehr schweigen, weil meine Aufgabe eine andere sein wird, aber gleichzeitig soll ja debattiert werden. Also ist nicht nur – in den Worten von Kardinal Christoph Schönborn – eine veränderte Methode, sondern auch für mich das Experiment einer veränderten Aufgabe.

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Ich bitte euch, Revolutionäre zu sein

Am kommenden Sonntag beginnt die außerordentliche papst-franziskus-rioGeneralversammlung der Bischofssynode – kurz aber nicht korrekt „Bischofssynode“ genannt – zum Thema Familie. Viel Tinte ist bereits verwendet worden, die Erwartungen sind entweder hoch oder man erwartet sich gar nichts, man spricht von „Krise der Familie“ oder davon, was das mit wiederverheirateten Geschiedenen zu tun hat, von Regeln gegen Seelsorge, Dogma gegen Pastoral und so weiter und so weiter.

Bevor es losgeht möchte ich eine Formulierung Papst Franziskus’ in Erinnerung bringen. So ähnlich gibt es das häufiger von ihm, aber beim Weltjugendtag hat er das besonders prägnant formuliert und eine Aufforderung zur Familie angeschlossen. Sein Anliegen: positiv sprechen. Etwas unternehmen, etwas tun, etwas wagen. Kurz: leben.

 

„Gott ruft zu endgültigen Entscheidungen, für jeden hat er einen Plan: Ihn zu entdecken und der eigenen Berufung zu entsprechen bedeutet, einer glücklichen Selbstverwirklichung entgegenzugehen. Gott ruft uns alle zur Heiligkeit; er ruft uns, sein Leben zu leben, doch für jeden hat er einen persönlichen Weg. Einige sind berufen, sich zu heiligen, indem sie durch das Sakrament der Ehe eine Familie gründen. Es wird gesagt, die Ehe sei heute „aus der Mode“ gekommen. Ist die Ehe aus der Mode gekommen? [Nein…]. In der Kultur des Provisorischen, des Relativen predigen viele, das Wichtige sei, den Augenblick zu „genießen“, sich für das ganze Leben zu verpflichten, endgültige Entscheidungen „für immer“ zu treffen, sei nicht der Mühe wert, denn man weiß ja nicht, was das Morgen bereithält. Ich hingegen bitte euch, Revolutionäre zu sein; ich bitte euch, gegen den Strom zu schwimmen; ja in diesem Punkt bitte ich euch, gegen diese Kultur des Provisorischen zu rebellieren, die im Grunde meint, dass ihr nicht imstande seid, Verantwortung zu übernehmen; die meint, dass ihr nicht fähig seid, wirklich zu lieben. Ich habe Vertrauen in euch junge Freunde und bete für euch. Habt den Mut, „gegen den Strom zu schwimmen“. Und habt auch den Mut, treu zu sein.“

 

Papst Franziskus, Rio de Janeiro am 28. Juli 2013

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