Clowns bij de paus

Doppelseite in der niederländischen Zeitung de Volkskrant

Die Seite im Volkskrant

Clowns beim Papst – der Fotoredakteur der niederländischen Zeitung de Volkskrant (einer der großen Zeitungen des Landes) hat einige Bilder zusammen gestellt, die den Papst mit Clowns zeigen. Die sind nicht einer einzigen Veranstaltung entnommen, sondern gesammelt.

Das Ganze kann man auch online sehen, und zwar hier.

Es sind nur Eindrücke, die aber eine wunderbare Seite dieses Papsttums zeigen: Freude ohne Lächerlichkeit, Spaß ohne Oberflächlichkeit, ein Papst der für die Freude des Evangeliums genauso zu haben ist wie für die Freude am Leben.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Franziskus, Glaube und Welt, Kirche und Medien, Neulich im Internet | Verschlagwortet mit , , , , | 7 Kommentare

Projekt Franziskus

Man kann im synodalen Prozess erkennen, wie das „Projekt Franziskus“ funktioniert, was bei ihm Reform und Umkehr der Strukturen bedeutet. Je länger ich über die vergangenen Wochen nachdenke und das mit anderen debattiere, desto einleuchtender scheint mir diese These. An dieser Stelle einmal eine kleine Materialsammlung dazu, fertig ist das Ganze sicher noch nicht. Angedeutet hatte ich das Projekt hier ja schon einmal.

Selten waren die Kommentare zum Papst so völlig durcheinander wie nach der Bischofssynode vor zwei Wochen. Aus allen Richtungen der Kompassnadel kamen die Einschätzungen, der gemeinsame Nenner schien zu sein, dass man nicht wirklich einschätzen konnte, was da passiert ist. Bei einigen haben die Konservativen gewonnen, als ob es um Sieg oder Niederlage gegangen sei, bei anderen die war es ein Sieg Liberalen. Dritte sehen die Reform gestoppt, andere wissen so recht gar nicht, wie der Prozess und der Schlusstext zu deuten sind.

Besuch in den USA

Besuch in den USA

Meine These ist, dass man an der Synode gut sehen kann, was das eigentlich ist, das „Projekt Franziskus“. Dazu möchte ich ganz einfach noch mal die vier berühmten Prinzipien heran ziehen, die der Papst in Evangelii Gaudium selber ausführlich angeführt hat.

 

Zeit ist mehr wert als der Raum

Hier geht es um Besitz, um gesicherte Positionen, um Festlegungen, alles Metaphern des Raumes. Dagegen setzt der Papst den Prozess, das Vorangehen, Metaphern der Zeit. „Dieses Prinzip (des Vorrangs der Zeit) erlaubt uns, langfristig zu arbeiten, ohne davon besessen zu sein, sofortige Ergebnisse zu erzielen.“ Spannungen aushalten, geduldig sein, das ist mit diesem Prinzip verbunden.

Schauen sie auf die Synode: die Unsicherheit in der Bewertung liegt auch darin, dass man Ergebnisse will, Entscheidungen. Also Raum. Den gibt der Papst aber nicht. Sondern er setzt auf Prozess, und das ist anstrengender.

 

Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee

Das ist eigentlich selbsterklärend, aber dann doch etwas komplexer, als gedacht. Der Papst spricht in Evangelii Gaudium unter diesem Punkt von den „Formen der Verschleierung von Wirklichkeit“. Also, Idee ist nicht nur eine Gegenposition, sondern verschleiert in gewissen Formen diese Wirklichkeit. Und damit werden sie schädlich: „die engelhaften Purismen, die Totalitarismen des Relativen, die in Erklärungen ausgedrückten Nominalismen, die mehr formalen als realen Projekte, die geschichtswidrigen Fundamentalismen, die Ethizismen ohne Güte, die Intellektualismen ohne Weisheit.“ Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Bischofssynode, Franziskus, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Spiritualität / Geistliches Leben, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , , , | 29 Kommentare

Ach, wie progressiv

Kirche in New York

Kirche in New York

Auslöser für dieses Stück ist ein Foto, das ich in New York gemacht habe, bei der Papstreise im September. Auf den ersten Blick hat es mich sehr geärgert. „A progressive united methodist Community“ steht auf dem Banner. Nun mag das Wort ‚progressiv‘ ja innerhalb der Methodisten etwas ganz spezielles bedeuten, aber mich als Christen hat es erst einmal geärgert. Denn es spricht von Trennung.

Wir sind progressiv, ihr seid konservativ, die da sind traditionell, und so weiter. Sich diese Trennung zur Identität zu geben und damit auf Bannern vor Kirchen zu werben, das ging mir dann doch gegen den katholischen Strich.

Dazu kommt ein Zweites: man reklamiert für sich selbst ja das Positive. „Progressiv“ ist ja etwas gutes, sonst würde man sich das nicht buchstäblich auf die Fahne schreiben. Damit geht automatisch auch immer eine Abwertung einher. „Konservativ“ wäre die konträre Zuschreibung, die wir in der Debatte normalerweise haben, jedenfalls bei uns. „Nicht-progressiv“ – also die kontradiktorische Zuschreibung – wäre auch möglich, wir fortschrittlich, ihr nicht.

In dieser Diktion ist „progressiv“ gleich gut und „konservativ“ ist etwas, was sich der Moderne sperrt. Wobei man jemanden, der seit 30 Jahren dieselben Themen hat, durchaus als Konservativ verstehen könnte. Oder die Progressiven, welche nach der „Entweltlichungs“-Rede von Papst Benedikt in Freiburg 2011 die Kirchensteuerregelung verteidigt haben, als strukturkonservativ. Das nur als Nebenbenerkung.

Umgekehrt geht es übrigens genauso, auch das findet sich oft, das ist nicht den selbsterklärten Progressiven eigen: „Wir verteidigen den Glauben“ lautet das dann normalerweise, auch das bedeutet eine Trennung.

 

Wir alle sind konservativ

 

Wir lieben halt unsere Schubladen. Dabei sind jede Theologie und jeder Glauben notwendigerweise konservativ, wir stehen ja für etwas, was wir verteidigen, die Würde des Lebens etwa, die uns in der Schöpfung in der Gottesebendbildlichkeit geschenkt ist. Wir haben das Wort Gottes, das wir dadurch bewahren, dass wir es immer wieder studieren und übersetzen. Ohne das alles sind wir nur die NGO, über die Papst Franziskus so gerne und wiederholt schimpft.

Wir sind auch traditionell, denn unser Glaube ist ja nicht von uns selbst entwickelt. Er ruht auf den Schultern der Generationen vor uns auf, bis zurück zu den Aposteln. Deswegen glauben wir an die „apostolische“ Kirche, das ist das Empfangen mit dem Auftrag zur Weitergabe. Das ist traditionell. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Die deutschsprachige Kirche, Glaube und Vernunft, Kirche und Medien, Ökumene, Papstreise, Spiritualität / Geistliches Leben | Verschlagwortet mit , , , , | 21 Kommentare

Heilsam dezentral

In der Kirche sind wir nicht gewohnt, dass Differenzen sichtbar werden. Die Kanzel ist der Ort, von dem aus etwas erklärt und ausgelegt wird, und zwar das Wort Gottes. Nun benutzt kaum noch wer die Kanzel, aber Sie wissen schon, was ich meine. Wenn ich predige, beziehe ich mich auf die Heilige Schrift, die ich auslege. Das ist kein Ort für Streitkultur. Und dementsprechend hat die Weltkirche in den letzten 200 Jahren, seitdem im 19. Jahrhundert die Gesellschaft sich rapide veränderte, eine zentrale Kanzel geschaffen, um nicht den Nationalismen, Militarismen und den ganzen anderen -ismen nachgeben zu müssen: Rom.

Nun aber leben wir hier in einer freien Gesellschaft, der Zentralismus nicht nicht mehr das Gebot der Stunde. Dezentralisierung ist angesagt, Papst Franziskus hat das in seiner Rede zum Synodenjubiläum noch einmal genauer ausgelegt. Aber wie geht das?

Zwei Beispiele. Bischof Timothy Thornton, der anglikanische Bischof von Truro, ist bei der Synode dabei und wurde bei einer Pressekonferenz gefragt, wie das eigentlich die anglikanische Gemeinschaft mache, die streite doch auch über Moral- und Sexualitätsfragen, vor allem zwischen den USA und den Ländern Afrikas. Diese Gemeinschaft steht vor einer Zerreißprobe. Thornton hatte nicht wirklich eine Antwort. Die katholische Kirche muss diesen Weg also selber suchen und ertasten.

Ein zweites Beispiel: Keine vollständige Einigung beim Vorbereitungstreffen für das 2016 geplante Panorthodoxe Konzil. Die orthodoxen Kirchen, die ja dezentral sind, wollen sich seit 1.000 Jahren das erste Mal wieder zusammen setzen und ein Konzil abhalten. Die orthodoxen Kirchen hatten ein Konsens-Prinzip vereinbart, nun hat aber ein Papier nicht die Zustimmung aller Kirchen erhalten, damit ist alles wieder offen. Hier ist alles dezentral, und hier gibt es große Probleme zwischen den Kirchen.

Beide Beispiele zeigen Problemlagen, auf welche die katholische Kirche blicken muss, wenn sie wirklich „heilsam dezentralisieren“ will, um den Papst zu zitieren. Und auch im Innern unserer Kirche sind ja nicht alle dafür.

 

Rom nicht mehr Garant für die eigenen festen Überzeugungen

 

„Schisma!“ schreien gleich einige. Das ist eine Drohung. Interessant ist, dass die Differenzen in den vergangenen 30 Jahren nie mit diesem Ruf begleitet wurden, es gab harte Konflikte um Schwangerschaftskonfliktberatung – auch eine Frage von Einheit – und Bischofsernennungen. Aber keiner ist auf die Idee gekommen, gleich vor einem „Schisma“ zu warnen. Nun ist es eine andere Gruppe, die alles aufs Spiel gesetzt sieht. Da werde dann gleich die ganze Lehre aufgegeben.

Dezentralisierung wird schwierig, soweit können wir das mit Blick auf die drei Beispiele feststellen. Dazu kommt aber noch etwas anderes: Universalität ist etwas Gutes.

Kardinal Vincent Nichols hat es bei einer unserer Pressekonferenzen während der Bischofssynode so ausgedrückt: „Critical and creative distance to our own culture“, Universalität schaffe eine kritische und kreative Distanz zu unserer eigenen Kultur. So Ähnlich hat es auch Papst Franziskus in Evangelii Gaudium ausgedrückt. Das ist ein katholisches Plus, das wir auf keinen Fall aufgeben wollen, vom Wunsch Jesu, dass alle Eins seien, mal ganz abgesehen.

Der Papst scheint mir weiß darum und hat deswegen in seiner Ansprache zur Dezentralisierung die Rolle des Papstes noch einmal ganz stark gemacht. Ein Widerspruch, wie es zunächst scheint, aber auf den zweiten Blick wichtig, dass bei all den Spannungen, die anstehen und die in den drei Beispielen genannt sind, die Einheit und die Universalität erhalten bleibt.

Gleichzeitig dezentral und Universal, und das auch noch heilsam, das ist das Projekt der Kirche für die kommenden Jahrzehnte

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Bischofssynode, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Spiritualität / Geistliches Leben, Theologisches, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , , , , | 31 Kommentare

Annika und der ältere Bruder

In der Kirche hätten viele das „Problem des älteren Bruders“ heißt es in letzter Zeit immer häufiger. Der Vater über grenzenlose Barmherzigkeit aus, aber derjenige, der verzichtet hat und sich immer bemüht hat, sich an die Regeln zu halten, der treu und loyal war, der zieht den Kürzeren. Das ist die Situation der Erzählung vom verlorenen Sohn oder besser vom barmherzigen Vater, wenn wir uns eine Situation vorstellen, in der wir in so einer „älteren Bruder“ (oder Schwester) Situation handeln müssen, ging allen von uns so: das ist doch ungerecht.

Hauswand, München, im Sommer diesen Jahres

Hauswand, München, im Sommer diesen Jahres

In der vergangenen Zeit habe ich mal wieder viel über die Dynamik des Papstes geschrieben, welche er in die Kirche trägt. Die ist nicht immer schön anzusehen, die drückt sich auch in Konflikten aus und in Widerständen, in Auseinandersetzungen und so weiter. Das ist nicht glatt und wie im Film, das ist echtes Leben. Erst jetzt erkennen wir langsam, was diese „kreative Pastoral“ ist, die gefordert wird, nicht immer klinisch rein und schon gar nicht durch eine einzelne Entscheidung einführbar.

Das trifft auf eine Stimmung zumindest in unserer Gesellschaft, die das Individuelle betont und positiv besetzt – den verlorenen Sohn – und das sich Halten an Konventionen, Treue und Loyalität – den älteren Bruder – eher schlecht. Annika ist langweilig, Pippi Langstrumpf dagegen kreativ und lebendig und es ist gut, dass sie aus Annika immer mehr Pippi macht. Aber was im Film witzig ist, es es vielleicht nicht immer im echten Leben.

Da helfen auch die eher als Vertröstung verstandenen Abschlussworte des Vaters nicht, man habe ja schließlich alles geerbt, es geht nicht um Erbe, es geht um Zuneigung und Anerkennung.

 

Eine Frage der Zuneigung, nicht des Erbes

 

Kreativität überfordert meist. Ich will niemandem, der Einwände hat gegen das, was der Papst predigt, Überforderung unterstellen, das würde herablassend, wertend und psychologisierend sein. Aber als eine Möglichkeit unter vielen möchte ich es doch genannt wissen.

Der ältere Bruder ist nicht gescheitert. Der jüngere war individuell, hat sich gelöst, seinen Weg gesucht. Und er ist damit gescheitert. Dieses kleine Detail dürfen wir nicht vergessen, der liegt in der Gosse, hungernd. Mit einem solchen Scheitern auf ganzer Linie umzugehen, überfordert uns menschlich. Bis zu einem gewissen Punkt haben wir unglaubliche Reserven an Menschlichkeit, siehe Flüchtlinge bei uns, da wird geholfen, aufgenommen, versorgt, zugehört. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo das alles zu viel wird, weil es unsere Welt aus den Fugen bringt. Das ist der Punkt des großen Bruders.

Die Anerkennung und Zuwendung, die der Vater gewährt, bringt ihn durcheinander. Er war loyal und hat sich dadurch eigentlich nicht nur das Erbe, sondern auch die Zuwendung des Vaters verdient. Aber die bekommt der andere.

In uns steckt halt immer auch ein gutes Stück Annika. Nicht aus Über-Ich, weil die Eltern so sind, sondern weil wir selber so sind. Dem müssen wir ins Gesicht schauen. Hart formuliert: Kann ich mich darüber freuen, dass der andere etwas bekommt, das ich für mich erwartet habe? Persönlich oder als Gemeinschaft? Können wir ertragen, dass all die wichtigen Themen, die wir seit Jahren und Jahrzehnten debattieren, auf dem Feld bleiben, während die Party gerade woanders steigt?

Der ältere Bruder gehört zu uns, ihn zu entdecken und zu umarmen gehört zur Dynamik, welche der Papst in uns anzetteln will. Wir sind halt manchmal überfordert. Es geht uns aber besser, das zu wissen.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Glaube und Vernunft, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott | Verschlagwortet mit , , , , , | 28 Kommentare

Die große Verwirrung

Was war das nun? Die Synode ist zu Ende, alle hatten das Schlussdokument betreffend etwas anderes erwartet, der Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen. Die Kommentatoren weltweit wissen nicht recht, was sie vom Ergebnis der Synode halten sollen. „Triumph der Konservativen“ und „Triumph für Franziskus“ liest sich beides, bei den Leuten, die es nicht lassen können, in diesen Kategorien zu denken. Auf Deutsch heißt es entweder, die Kirche habe nichts Wirklichkeitstaugliches zur Familie zu sagen, Kirche könne sich nicht zu Reformen durchringen oder Streit ohne Fortschritt. Die große Verwirrung.

Bei mir drängt sich allmählich ein anderer Gedanke nach vorne, nämlich der, dass wir im synodalen Prozess ein Stück „Projekt Franziskus“ gesehen haben. Nichts weniger.

Abschlussrede des Papstes bei der Synode

Abschlussrede des Papstes bei der Synode

Der Papst will Zeit, nicht Raum, genau das haben wir hier. Wenn die Kolleginnen und Kollegen sagen, dass die Synode nix zu sagen habe, dann liegt das genau daran: Prozess, nicht Festlegung.

Die „Umkehr der Kirche“, von der der Papst in Evangelii Gaudium sprach, liegt deswegen nicht in neuen Positionen, an denen man das messen könnte. Sie liegt in der Dynamik, die angestoßen wird, so dass die Kirche sich wieder auf den Weg macht und nicht stecken bleibt.

Das Ganz ist natürlich mühsam, ist natürlich voller Haken und Ösen, aber so ist das Leben eben – die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee, um noch einmal den Papst zu zitieren. Wer genaueres lesen will, dem empfehle ich dringend die Schlussansprache des Papstes, das ist ein Stück für die Geschichtsbücher, auch wenn es gar nicht so daher kommt.

So und genau so sieht das „Projekt Franziskus“ aus.

Jetzt werde ich mich erst einmal von der Synode entfernen, aber irgendwann muss ich diesen Gedanken noch einmal ausführlicher aufgreifen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Bischofssynode, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Kirche und Medien, Rom, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , | 76 Kommentare

Unruhe machen, auch in der Synode

Franziskus hat viel Unruhe in Vatikan und Weltkirche gebracht, seine Kirche, die herausgeht, die sich bewegt, die an die Ränder geht steht für ein dynamisches Christentum, das gleichzeitig vieles von dem, was ist, in Frage stellt.

Anfangsgebet der Synode mit Papst Franziskus

Anfangsgebet der Synode

Die Synode ist eine Weise, darauf zu reagieren. Hier sind nun Vertreter der Weltkirche, die sich bewegen soll und wird. Und die bringen all die Erfahrungen und Perspektiven mit, die das „Projekt Franziskus“ so interessant aber auch so schwierig machen.

Es geht um gemeinsamen Grund und Boden. Und dann auch wieder nicht, denn eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu: Papst Franziskus will gar keine Positionen besetzen, er will Prozesse beginnen, „die Zeit ist wichtiger als der Raum“ nennt er das. Dieses Zitat sollte ich langsam etwas vorsichtiger benutzen, sonst leiert es sich aus, aber es ist wirklich eine der zentralen Achsen, um die sich alles bewegt.

Also selbst wenn die Synode sich auf eine gemeinsame Haltung einigt, die vor allem nach Innen und auf sich selbst gerichtet ist, selbst dann ist das nur der erste Schritt. Papst Franziskus hat viel Unruhe in die Kirche gebracht. Und aus meinem Pressebalkon aus sieht das sehr gut aus.

 

Werben, nicht fordern

 

Nicht immer glatt, nicht immer sind alle einverstanden, es gibt Widerstände und Leute, die das für den falschen Weg halten. Leider kommt es in der Debatte auch immer wieder zu Übertreibungen. Zulassung einiger wird zur freien Zulassung, theologische Bedenken werden zur Blockade, da wird einiges schwieriger gemacht, als es in Wirklichkeit ist. Aber das ist Teil dessen, wie wir Menschen miteinander umgehen. Das macht auch vor Bischöfen nicht halt.

„Für etwas werben“ ist die richtige Verhaltensform in einer solchen Debatte. Und davon habe ich sehr viel gesehen. Fordern ist die falsche. Apodiktisch feststellen ist destruktiv, und damit auch nicht weiterführend. In all dem hat die Kirche noch viel, sehr viel zu lernen. Angefangen von der Bischofssynode als Institution.

Die Unruhe, die der Papst in Vatikan und Weltkirche gebracht hat, zeigt sich darin, dass die angestoßenen Prozesse nicht glatt ablaufen, weil sie eben mit konkreten Menschen und Kulturen zu tun haben. Das mag man beklagen, das mag man zu langsam finden, aber das ist vor allem eins: es ist echt.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Bischofssynode, Franziskus, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Rom, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , , , | 16 Kommentare

Pastorale Konsequenzen

Die Kirche muss pastoral handeln, in konkreten Situationen und nicht abstrakten Begriffen. Das ist eine der Richtungen, die bei der im Augenblick ablaufenden Synode immer wieder debattiert wird. Das gibt es in der Spielart der Dezentralisierung, Entscheidungen etwa zur Zulassung zu den Sakramenten sollten lokal getroffen werden. Das gibt es in der Spielart des „Forum Internum“, also vor allem der Beichte: Hier sei der Ort, zu unterscheiden, ob ein Sakramentenzugang möglich sei.

Es geht auf jeden Fall um pastorale Unterscheidungen. Seitdem Kardinal Kasper vor mittlerweile eineinhalb Jahren seinen berühmten Vortrag vor dem Konsistorium gehalten hat, ist das einer von vielen möglichen Wegen, aus der vertrackten Debatte um gescheiterter Ehen und den Zugang zu den Sakramenten wieder heraus zu kommen. Seitdem wird debattiert und polemisiert, und auch wenn Kardinal Kaspers Name damit verbunden ist, ist er längst nicht der einzige, der darüber spricht.

Seit Monaten wird diese Frage nun geknetet und reflektiert, mir selber sind da auch einige Überlegungen gekommen. Machen wir ein Beispiel: Ein Mann heiratet, bekommt Kinder, lässt dann aber seine Frau mit den Kindern sitzen. Diese muss, um den Kindern einen Vater zu geben und selber überleben zu können, eine neue Partnerschaft eingehen. Nun darf sie aber nicht zu den Sakramenten, er aber schon, weil er nicht wieder geheiratet hat.

 

Wie sage ich „Nein“?

 

Die entscheidende Frage, und auch die entscheidende pastorale Frage lautet nun: Wie sage ich „Nein“? „Ja“ sagen fällt einfach, dafür gibt es immer pastorale Gründe. Aber eine Unterscheidung und Prüfung hat ja nur dann einen Sinn, wenn es auch die Alternative eines „Nein“ gibt.

Nun – bleiben wir hypothetisch – hat aber eine der beiden Parteien einen Bruder im Kirchenvorstand oder der Stadtverwaltung, der entscheidende Pfarrer muss also Rücksichten nehmen, er entscheidet nicht im luftleeren Raum. Will er sich seine Situation vor Ort nicht ruinieren, dann fließt das alles in die Entscheidung ein. Aus einzelnen pastoralen Entscheidungen können als schnell Zwickmühlen entstehen, die weit mehr Faktoren in die Unterscheidung einbeziehen, als den Ideengebern lieb ist. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Bischofssynode, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Glaube und Vernunft, Kirche und Medien, Rom, Theologisches, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , , , | 46 Kommentare

Unglückspropheten

Kardinal Donald Wuerl hat vorgelegt, die deutschsprachige Gruppe hat nachgelegt: In einem Interview mit dem Magazin „America“ betonte der Erzbischof von Washington DC, dass er nicht erkennen kann, wo und wie die Synode manipuliert worden sein soll. Immer wieder war ja von Bloggern dieser Vorwurf erhoben worden. Auch im Pressesaal haben wir das einige Male gehört, da allerdings von Leuten, denen weniger daran gelegen war, eine Frage zu stellen, sondern ein Statement abzugeben. Eine interessante Aufgabe wird sein, wie man in Zukunft Journalist sein will, wenn immer mehr Zeit von Rechthabern eingenommen wird. Aber ich schweife ab.

Also, der Kardinal hat vorgelegt: keine Manipulation. „Nun gibt es einige Bischöfe, die finden, wir sollten über all das am besten überhaupt nicht diskutieren. Das sind die, die während der letzten Synode dauernd Interviews gaben und behaupteten, dass es Intrigen und Manipulation gebe. Das fällt, denke ich, auf sie zurück.“ Er frage sich, „ob einigen dieser Leute einfach dieser Papst nicht passt“. Es gebe immer jemanden, „der unglücklich ist über das, was in der Kirche vorgeht“. Aber am Ende werde die Wahrheit gewinnen: all die Schwarzseher – meine Worte – die vermuten, dass hier Lehre geändert würde, eine Verschwörung gegen die Katholizität der Kirche, Manipulation durch den Papst und all das, das sieht Wuerl nicht. Immerhin hat sogar ein Kommentar in der New York Times, wenn auch kein wirklich erleuchteter, diese Vorwürfe erhoben. „Liberale“ Zeitungen scheinen sich allgemein einen unzufriedenen Schimpfer zuzulegen, das ist wohl Mode. Aber ich schweife schon wieder ab.

Wuerls Unzufriedenheit über die Munkler und Unglückspropheten ist jedenfalls deutlich zu bemerken. Und ihm scheint es auch besser zu gehen, jetzt wo er das mal öffentlich gesagt hat, jedenfalls schien er mir aufgeräumt.

 

Nachgelegt

 

Und dann legt der Germanicus, die deutschsprachige Arbeitsgruppe, nach. Die Mitglieder kritisieren mit deutlichen Worten direkt zu Beginn ihres Abschlussberichtes Synodenväter, allerdings ohne Namen oder genaue Umstände zu nennen. Es seien in Interviews „Bilder und Vergleiche“ gebraucht worden, die „nicht nur undifferenziert und falsch“ seien, sondern „verletzend“. Einstimmig ist dieser Text verabschiedet worden, darf man dazu sagen.

„Mit großer Betroffenheit und Trauer“ habe man die Äußerungen einzelner Synodenväter „zu Personen, Inhalt und Verlauf“ der Synode zur Kenntnis genommen, heißt es in dem auf deutsch in der Aula verlesenen Papier. Man distanziere sich entschieden, das Vorgehen widerspreche „dem Geist des Zusammengehens, dem Geist der Synode und ihren elementaren Regeln“. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Bischofssynode, Franziskus, Geschichte, Glaube und Vernunft, Rom, Vatikan, Zweites Vatikanisches Konzil | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 9 Kommentare

Die Situation des Einzelnen vor Gott anerkennen

Die Synode ging an diesem Freitag zum letzten Mal in Kleingruppen. Eigentlich war das erst für den Samstag geplant, aber die Synode hatte gut und schnell gearbeitet, es konnte früher begonnen werden.

Überspitzt formuliert geht es in diesen Tagen um die Frage, wie Barmherzigkeit und Wahrheit konkret zusammen passen, wie das praktisch aussehen kann, pastoral zu sein und aus sich selbst heraus zu gehen. Angeschnitten wurden die Themen bereits vor einer Woche, bei den ersten Beiträgen zum dritten Teil des Arbeitsdokumentes.

Eines der dabei immer wieder genannten Themen war das der Begleitung und Vorbereitung; von Ehen wie auch von ganzen Familien, ebenso von Seelsorgern und Priestern. Ein Synodenvater verwies dazu auf Evangelii Gaudium von Papst Franziskus, in dem dieser ausführlich auf diese Frage eingeht.

Das Kapitel „Die persönliche Begleitung der Wachstumsprozesse“ stelle ich an dieser Stelle noch einmal ein, denn es ist mehr als nur ein praktisches Instrument, darin steckt ein Grundgedanke von Seelsorge und darüber hinaus vom christlichen Umgang miteinander. Beim Thema Familie und bei anderen Themen:

 

Kaffeepause bei der Synode - der Papst im Gespräch

Kaffeepause bei der Synode – der Papst im Gespräch

Aus Evangelii Gaudium

169. In einer Zivilisation, die an der Anonymität leidet und paradoxerweise zugleich, schamlos krank an einer ungesunden Neugier, darauf versessen ist, Details aus dem Leben der anderen zu erfahren, braucht die Kirche den Blick der Nähe, um den anderen anzuschauen, gerührt zu werden und vor ihm Halt zu machen, so oft es nötig ist. In dieser Welt können die geweihten Diener und die übrigen in der Seelsorge Tätigen den Wohlgeruch der Nähe und Gegenwart Jesu und seines persönlichen Blicks wahrnehmbar machen. Die Kirche wird ihre Glieder – Priester, Ordensleute und Laien – in diese „Kunst der Begleitung” einführen müssen, damit alle stets lernen, vor dem heiligen Boden des anderen sich die Sandalen von den Füßen zu streifen (vgl. Ex 3,5). Wir müssen unserem Wandel den heilsamen Rhythmus der Zuwendung geben, mit einem achtungsvollen Blick voll des Mitleids, der aber zugleich heilt, befreit und zum Reifen im christlichen Leben ermuntert.

 

„Wort finden, die uns aus der bequemen Position des Zuschauers herausholen“

 

170. Auch wenn das offensichtlich scheint, muss die geistliche Begleitung mehr und mehr zu Gott hinführen, denn in ihm können wir die wahre Freiheit erlangen. Einige halten sich für frei, wenn sie abseits von Gott eigene Wege gehen. Aber sie merken nicht, dass sie dabei existentiell verwaisen, dass sie ohne Schutz sind, ohne ein Heim, in das sie immer zurückkehren können. Sie hören auf, Pilger zu sein, und werden zu Umherirrenden, die immer um sich selbst kreisen, ohne je an ein Ziel zu gelangen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Bischofssynode, Franziskus, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 15 Kommentare