Ökumene im eigenen Haus

Bartholomaios und Franziskus – die Nachfolger der Apostel-Brüder Andreas und Simon Petrus. Eine Begegnung der beiden steht im Zentrum der Papstreise. Sie zeigt aber auch, wie komplex das Christentum hier im Nahen Osten ist. Seit der Aufhebung der gegenseitigen Exkommunikation vor fast 50 Jahren hat sich einiges geändert, aber das Motto der Reise – ut unum sint, auf dass sie eins seien – ist immer noch Zukunft.

Hier in Jerusalem gibt es einige Patriarchen, es gibt viele Kirchen, viele Traditionen, auch viel Streit darum, wer welchen Ort besetzen, nutzen und gestalten darf. Die Grabes- und Auferstehungskirche ist das schlimmste Beispiel dafür: In Parzellen je nach Kirche aufgeteilt darf man nicht zusammen beten, sondern nur aneinander vorbei. Unter Christen.

Oftmals ging es in den Debatten um die Hindernisse zwischen den Kirchen, vor allem mit den orthodoxen wurde über den Primat des Papstes gesprochen. Das Problem besteht aber nicht nur im Papstamt, auch wenn ökumenisch eher zurückhaltende Christen wie der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., das so herausstellen. In einem Interview mit der Zeitung Tagespost hat er noch kurz vor der Reise sehr selbstsicher betont, dass er der einzige sei, der für die Christen des Heiligen Landes sprechen dürfe – direkt nach seiner Kritik am Papstamt.

Ökumene fängt also im eigenen Haus an, Ökumene unter griechisch-orthodoxen, aber auch unter Katholiken. Wenn es um Versöhnung geht, dann bleibt uns Einiges zu tun, zu viele sind päpstlicher als der Papst.

Man muss es aber auch wollen und bereit sein, Anstöße aufzunehmen: Patriarch Theolophilos, oberster Vertreter der griechisch-orthodoxen in Jerusalem versteht den Enthusiasmus der Katholiken nicht. Dann stehen die Chancen schlecht, sich von diesem Enthusiasmus auch ergreifen zu lassen und vielleicht etwas zu entdecken, was man bisher vielleicht nicht gesehen hat.

Bartholomaios und Franziskus – die beiden feiern die Begegnung ihrer Vorgänger Paul VI und Athenagoras. Aber es ist nicht nur ein Blick in die Vergangenheit. Oder vielleicht besser: Wenn es nur ein Blick in die Vergangenheit wäre, dann wäre das viel zu wenig.

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Gelassene Vorbereiter

Der Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem

Bethlehem, Geburtskirche, Freitag Nachmittag

Viel wird Vorbereitet, so viel ist schon klar. Was man vor allem anlang der Papstroute an gelbweißen Fähnchen, gepaart mit den jeweiligen Landesfarben sieht. In Irael ist das einfach nur die eigene Fahne, in Palästina dagegen immer gleich der Präsident auf dem Plakat, zusammen gephotoshopt mit dem Papst wahlweise in Jerusalem oder irgendwo in der Landschaft.

Aber abgesehen davon ist die Gegend recht unaufgeregt. Ich habe das in London beobachtet und in Cuba, von Deutschland ganz zu schweigen. Aber hier ist das alles doch ruhiger.

In Bethlehem wird fleißig gewerkt, aber mit der Altarinsel, dem Chor und dem Sicherheitskordon bleibt außer für die offiziellen Delegationen nicht allzuviel Platz. Dementsprechend gelassen war der Pater Guardian der Franziskaner an der Geburtskirche auch, man erwartet keine unüberschaubaren Massen.

In Jerusalem ist bereits bekannt, wann was gesperrt wird, aber das sind die Taxifahrer hier gewohnt. Das Komplizierteste sind die ökumenischen Befindlichkeiten, jetzt wo das gelöst ist sieht man zwar schon bereitgestellte Absperrgitter, aber sonst noch recht wenig. Auch die Israelis und Palästinenser, die wir gesprochen haben, sind gelassen. Einige freuen sich ein wenig, andere sehen das als etwas, was sie nichts angeht. Aufgeregt und über die Sicherheit besorgt sind sie aber alle nicht.

Es liegt vielleicht daran, dass es außer in Amman keine Großveranstaltung geben wird, wie wir sie in Rio gesehen haben und von Benedikt XVI. und Johannes Paul II. her kennen. Ob das Stil wird oder der Besonderheit dieser Reise geschuldet ist, das werden wir in der Zukunft noch sehen. Auf jeden Fall übersteigt der Charakter der Inszenierung nicht die Bedeutung des Anlasses und des Gastes. Und das ist gut.

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Die Phantasie anregen

Die Phantasie anregen. Seit Pater David Neuhaus, ein Jesuit hier aus Jerusalem, uns das als Hoffnung für die Papstreise gesagt hat, bleibt mir diese Formulierung im Kopf. In einer Situation so voller jahrhundertealter Konflikte, aktueller Animositäten, Verhärtungen und mit einem erst jüngst abgebrochenen Friedensprozess kann der Papst zeigen, dass es sich lohnt, es zu probieren.

Der Papst sei jemand, der die Vorstellungskraft anregen könne, die Phantasie darüber, dass es auch anders sein könne. Das meint Pater Neuhaus.

Den ersten Schritt machen, etwas wagen, auch wenn er vorsichtig agieren muss. Das will der Papst uns zeigen.

Hier gibt es bereits erste Demos gegen den Papst, integralistische Juden seien dies, wurde uns gesagt, nicht wirklich viele aber dafür um so lauter. Das wird es bei allen besuchten Gruppen und Menschen geben, dass einige den Papst nicht in der Region, in ihrem Land oder im Nachbarland sehen wollen, dass einige nicht den Papst den jeweiligen Gegner, Konkurrenten, oder was auch immer anerkennen sehen wollen.

Umso wichtiger ist es, dem nicht nachzugeben und freundlich und begeisternd diese Reise zu machen. Viele Menschen hier in Jerusalem freuen sich auf den Papst. Und ich auch.

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check in

Morgen in aller Frühe geht es gen Israel, die nächste Papstreise steht vor der Tür und ich darf mal wieder von vor Ort berichten. Es gibt wenig, was schöner ist als das Begleiten einer solchen Reise.

Der Papst hat einiges vor, er hat ein straffes Programm, und das will erzählt werden: Pilgern im Heiligen Land, die Christen Palästinas, Ökumene ganz praktisch, etc. Ab Morgen also.

Leider geht es “nur” nach Jerusalem, mit einem Abstecher nach Bethlehem, Jordanien steht für mich nicht auf dem Programm, das wäre dann auch zu viel.

An dieser Stelle werde ich versuchen, ab und zu meine Eindrücke zu reflektieren. Vielleicht schaffe ich ja auch das eine oder andere Foto. Mal sehen.

Shalom also, eingecheckt bin ich, der Koffer sieht gut aus, es kann los gehen.

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Es liegt ganz an uns

Leseschlüssel zu Evangelii Gaudium, Teil 5 [ein überarbeiteter Vortrag vor den Priestern des Erzbistums München und Freising Mitte Mai]

 

Papstreise nach Brasilien, der Papst ist in einem Armenviertel under den Leuten

Besuch in der Favela Varginha, Rio de Janeiro

Das Projekt Franziskus funktioniert nur, wenn es in uns selber funktioniert. Wenn man es verlegt, etwa von der Person in die Institution und wartet, bis dies und das geändert wird, dann wird daraus nichts. Oder in den Worten des Papstes: „Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln“. Oder: „brechen wir auf, gehen wir hinaus, um allen das Leben Jesu Christi anzubieten!“

Zwei Zitate von Papst Franziskus über das, was ich hier ansprechen will: Es geht um diejenigen, die das Projekt der Verkündigung heute in Angriff nehmen. Es geht – um das sperrige Wort zu benutzen – um den Missionar.

Ich könnte Seite nach Seite mit Zitaten anführen: Aus Ansprachen, den Morgenpredigten (vor allem den Morgenpredigten), aus Büchern, Interviews und so weiter. Nur ein einziges Beispiel erlaube ich mir hier, Morgenmesse am vergangenen Donnerstag (8. Mai), also fast noch frisch: „Philippus gehorcht – er folgt dem Ruf des Herrn. Sicher hatte er genug anderes zu tun, die Apostel hatten damals vieles am Hals mit dem Evangelisieren. Aber er lässt alles stehen und liegen und geht. Das zeigt uns, dass man ohne diese Fügsamkeit der Stimme Gottes gegenüber nicht evangelisieren kann. Keiner kann von sich aus Jesus Christus verkünden, höchstens sich selbst. Gott ist es, der ruft! Gott ist es, der Philippus in Bewegung setzt. Und Philippus geht – er ist gehorsam.“

 

Wahrheit in Begegnung

 

Es geht also um uns selber. Es geht um den Verkünder, den Prediger, Seelsorger, den Glaubenszeugen, um alle diese, kurz es geht um den Missionar. Den, der den Auftrag – die Mission – Jesu weiter trägt: „Gebt Ihr ihnen zu essen!“, zitiert Franziskus den Herrn.

Ich möchte in diesem Stück einige Elemente destillieren, die mir für das Sprechen über den Missionar – und ich möchte bewusst bei diesem etwas sperrigen Begriff bleiben – in Evangelii Gaudium wichtig erscheinen und Ihnen das als Impuls anbieten. Beginnen möchte ich mit der Wahrheit.

29. August vergangenen Jahres, bei einem Treffen des Papstes mit Jugendlichen: „,Aber Pater, ich habe doch die Wahrheit!‘ [in Predigten baut der Papst gerne fiktive Dialog ein, in denen er sich selber mit „Pater“ ansprechen lässt] Nun, da ist ein Fehler, nicht wahr? Denn die Wahrheit hat man nicht, trägt man nicht mit sich, man begegnet ihr. Es ist Begegnung mit der Wahrheit, die Gott ist, aber man muss sie suchen.“

Ein Aufschrei ging damals durch die Bloggerszene und bei bestimmten italienischen Journalisten: Papst Franziskus definiert den Wahrheitsbegriff um. Es gebe einen Widerspruch zwischen dem Wahrheitsbegriff seiner ersten Enzyklika und diesem Wahrheitsbegriff. Noch einmal der Papst, an anderer Stelle: „Jesus sagt uns im heutigen Evangelium: ‚Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen’ (Joh 16,13). Paulus sagt zu den Athenern nicht: ‚Das ist eine Enzyklopädie der Wahrheit. Lernt das und ihr werdet die Wahrheit besitzen!’. Nein! Die Wahrheit geht in keine Enzyklopädie hinein. Die Wahrheit ist eine Begegnung. Sie ist eine Begegnung mit der höchsten Wahrheit Jesu, der großen Wahrheit. Keiner ist Herr der Wahrheit. Die Wahrheit wird in einer Begegnung empfangen“. Predigt im Gästehaus am Mittwoch der sechsten Osterwoche im vergangenen Jahr.

Man kann jetzt sagen, dass wir nicht an eine Lehre glauben sondern an eine Person, Jesus Christus, und deswegen Begegnung das Zentrum ist und nicht der Buchstabe. Aber Franziskus geht da noch viel weiter und damit sind wir endlich bei unserem Thema und damit sind wir endlich bei dem Text, der uns hier beschäftigen soll: Evangelii Gaudium.

Umarmung mit einem jungen Mann in Rio, beim Besuch eines Drogen-Rehabilitations Zentrums

Umarmung mit einem jungen Mann in Rio, beim Besuch eines Drogen-Rehabilitations Zentrums

„Heute, da die Netze und die Mittel menschlicher Kommunikation unglaubliche Entwicklungen erreicht haben, spüren wir die Herausforderung, die „Mystik“ zu entdecken und weiterzugeben, die darin liegt, zusammen zu leben, uns unter die anderen zu mischen, einander zu begegnen, uns in den Armen zu halten, uns anzulehnen, teilzuhaben an dieser etwas chaotischen Menge, die sich in eine wahre Erfahrung von Brüderlichkeit verwandeln kann, in eine solidarische Karawane, in eine heilige Wallfahrt. (..) Weiterlesen

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Lassen wir uns Zeit

Es ist vielleicht nicht das auffälligste Thema der Kirche im Augenblick, aber seit dem großen Aufreger um die Fragebögen zu Familie und Pastoral im vergangenen Jahr gehen wir auf eine Bischofssynode im Oktober zu, bei der das alles Thema sein wird.

Wir reden immer über Synode. Oder vollständig: Über eine außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode. Dabei ist das doch eigentlich viel mehr.

Erst eine ausführliche Aussprache mit einem Vortrag von Kardinal Walter Kasper in einer Kardinalsversammlung, einem Konsistorium. Dann die außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode im Herbst, dann eine ordentliche Generalversammlung ein Jahr später, davor die an die Weltkirche gerichteten Fragebögen. Zwischen den Versammlungen ein Jahr für Debatten und Ideen und Gespräche: Aus der Synode wird ein synodaler Prozess, begleitet von den Tönen und eingefärbt in die Farben von Evangelii Gaudium.

Das erste Mal habe ich das bei einem Vortrag Kardinal Kaspers in München gelesen, er sagte „synodaler Prozess“. In München habe ich am Montag Kardinal Marx getroffen, auch er sprach selbstverständlich vom „synodalen Prozess“, ohne das aber besonders zu betonen.

Vielleicht sollten wir das in unseren Sprachgebrauch aufnehmen: Es geht nicht um die Debatten bei der Synode im Oktober, und dann um Entscheidungen sofort und gleich, es geht um einen Prozess, der bereits begonnen hat und der bis in die zweite Jahreshälfte 2015 andauern wird.

Zeit, noch einmal in Evangelii Gaudium zu blättern, dort zeigt der Papst, dass er Vertrauen in Prozesse setzt und allem zu schnellen misstraut. Es ist das erste der „Vier Prinzipien“, die ich die „pastoralphilosophischen Prinzipien“ getauft habe, es lautet „Die Zeit ist mehr wert als der Raum“:

 

„Dieses Prinzip (des Vorrangs der Zeit) erlaubt uns, langfristig zu arbeiten, ohne davon besessen zu sein, sofortige Ergebnisse zu erzielen. Es hilft uns, schwierige und widrige Situationen mit Geduld zu ertragen oder Änderungen bei unseren Vorhaben hinzunehmen, die uns die Dynamik der Wirklichkeit auferlegt. Es lädt uns ein, die Spannung zwischen Fülle und Beschränkung anzunehmen, indem wir der Zeit die Priorität einräumen. (..) Dem Raum Vorrang geben bedeutet sich vormachen, alles in der Gegenwart gelöst zu haben und alle Räume der Macht und der Selbstbestätigung in Besitz nehmen zu wollen. Damit werden die Prozesse eingefroren. Man beansprucht, sie aufzuhalten. Der Zeit Vorrang zu geben bedeutet sich damit zu befassen, Prozesse in Gang zu setzen anstatt Räume zu besitzen.“ (EG 222-223)

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umstritten!

[Ein Nachtrag zu einer Zeile in einem Post vor einiger Zeit, nach einigen Gesprächen mit Kollegen]

Es gehört zum Wesen des Journalismus, sich vor allem Dingen zuzuwenden, die nicht klar sind. Wo es Widerspruch, unterschiedliche Meinungen, Auseinandersetzungen und Mangel an Information gibt. Kontroverse und Polarisierungen, da sind wir gerne zu Hause.

Im Journalistensprech heißt das dann gerne „umstritten“. Seit Jahren führe ich eine kleine private Liste über die Verwendung dieses Wortes und meiner – nicht repräsentativen – Beobachtung nach hatte die überbordende Verwendung in den vergangenen Monaten etwas nachgelassen. Erfreulicherweise. Jetzt sehe ich es wieder in Verwendung, bei umstrittenen Päpsten, umstrittenen Bischöfen und so weiter. Deswegen meine Zeilen an dieser Stelle.

Das Großartige an dem Wort „umstritten“ ist, dass es immer wahr ist. Sobald ich, der Journalist, etwas „umstreite“, ist es umstritten. Der Gebrauch des Wortes macht es also zutreffend. Eigentlich wäre das ein Grund, das Wort nicht zu benutzen, aber da es so schöne Reizsignale aussendet, findet man es gerne in journalistischen Texten vor. „Polarisierung!“ ruft es mir zu, und in meinen Bildschirm schauend kann ich der Versuchung nicht widerstehen.

Manchmal macht das Wort auch erst eine Nachricht. ‚Person X sagt ABC’ ist keine Nachricht; dass irgendwer eine Äußerung von sich gibt, sollte nicht gleich die Tastatur in Bewegung setzen. Aber wenn Person X „umstritten“ ist, dann äußert sich X ja vielleicht zu dem Konflikt, den wir dank des benutzten Adjektives jäh zu vermuten gedungen sind.

Umstritten bedeutet, dass da etwas Schlimmes ist, Streit und so weiter. Dass die Berichterstattung diesen Konflikt oft durch diese Berichterstattung erst herstellt, bleibt außen vor.

Deswegen mein Vorschlag, zugegeben ein naiver: Das Adjektiv niemals im passiven Sinn von „ist umstritten“ benutzen, sondern immer nur im aktiven Sinn unter Nennung des Namens, wer denn da etwas „umstreitet“.

Ein kleines unbedeutendes Plädoyer für etwas mehr Klarheit. Und eine Warnung vor weiterer unbedarfter Nutzung.

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Vertrauen kommt in Mode

Ein Twitter-Satz geht bei Journalisten um die Welt: „The next big thing is not attention, the next big thing is trust”. Gesagt hat ihn ein französischer Fernsehjournalist, Eric Scherer. Wer morgen gesucht und in und angesagt und einflussreich sein wird, entscheidet der Faktor „Vertrauen“, wenn ich das einmal lose übersetzen darf.

Für einen Journalisten ist das natürlich ein ganz großes Thema, wir werden überschwemmt von Zeug, das vom Internet produziert wird, und wissen nicht recht, was eigentlich echt ist und was nicht.

Einige Kollegen werden auch neu lernen müssen, Meinung und Nachricht zu trennen, denn Meinungen kann man nicht vertrauen. Analysen schon.

Und wenn die Scherer-Satz stimmt, dann ist das auch für Kirche eine Herausforderung, nach Missbrauch, Tebartz-van Elst und so weiter. Nicht das laute Auftreten, nicht das immer Dabeisein, nicht das Gesehen-Werden, sondern das vertrauenswürdig Sein lohnt den Einsatz.

Das unterschreibe ich sofort.

 

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Wie weit geht Umkehr?

Unter all den Verben der Bewegung, die der Papst so gerne benutzt, ragen einige heraus: Gehen, folgen, aus sich heraus gehen und vor allem umkehren. Letzteres ist ein biblisches und jesuanisches Wort und setzt sozusagen den Kurs für alle nachfolgenden Bewegungen. Und das geht bis ins Extreme, bei einem Angelusgebet (6. April dieses Jahres) deutet er die Erweckung des Lazarus in dieser Weise:

 

„Christus resigniert nicht vor den Gräbern, die wir uns selbst gebaut haben mit unseren Entscheidungen zum Bösen und zum Tod. Er lädt uns ein, befiehlt uns fast, aus dem Grab herauszukommen, in das unsere Sünden uns geworfen haben. Er ruft uns beharrlich dazu auf, aus dem Dunkel des Gefängnisses herauszukommen, in das wir uns selbst eingeschlossen haben, indem wir uns mit einem falschen, selbstsüchtigen, mittelmäßigen Leben zufrieden gegeben haben. Lassen wir uns ergreifen von diesen Worten, die Jesus heute jedem von uns wiederholt. Lassen wir uns befreien von den „Binden“ des Stolzes.“

 

P. David Birchall SJ: Abfrage unter knapp 300 Exerzitienteilnehmern

P. David Birchall SJ: Abfrage unter knapp 300 Exerzitienteilnehmern

Sprachlich das Gegenstück zur Umkehr ist die Barmherzigkeit Gottes, die kein Ende finde und die immer da sei, wie weit weg wir auch immer sein mögen.

 

„Unser Vater wird niemals müde, zu lieben, und seine Augen werden nie müde, dabei auf die Straße zu schauen, auf der der Sohn, der weggegangen ist und verloren war, zurückkehrt. Wir können von der Hoffnung Gottes sprechen: Unser Vater wartet immer auf uns, er lässt nicht nur die Tür offen, sondern er wartet auch auf uns. Dieser Vater wird auch nicht müde, den anderen Sohn zu lieben, der – obwohl immer bei ihm – doch nicht an der Barmherzigkeit teilhat, an seinem Erbarmen.“ (Bußliturgie, 28. März 2014)

 

Wir können uns auf Gott verlassen, immer, sollen uns aber auch selber in Bewegung setzen.

 

„Viele Christen stehen einfach still! Es gibt so viele unter ihnen, die nur eine schwache Hoffnung haben. Ja, sie glauben an den Himmel und dass alles gutgehen wird. Das ist schön, dass sie das glauben, aber sie sehnen sich gar nicht danach. Sie halten sich an die Gebote und Verbote, alles, alles… aber sie stehen still. (..) Dann gibt es andere wiederum, die den falschen Weg einschlagen. Das kann jedem von uns einmal passieren, das wissen wir. Das Problem aber ist nicht, den falschen Weg einzuschlagen, sondern auf diesem dann zu bleiben, obwohl man genau weiß, dass man falsch liegt! (…) Das sind irrende Christen – sie ziehen umher und gestalten ihr Leben so, als ob es sich um einen existenziellen Tourismus handeln würde. Weiterlesen

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Toleranz? Toleranz!

„Juden missionieren nicht. Mission ist das Gegenteil von Toleranz. Mission bedeutet, mein Glaube ist wertvoller als deiner, du musst meinen Glauben annehmen, damit du so wertvoll bist wie ich. Juden kennen die sieben Gesetze Noachs. Ein guter Christ, ein guter Muslim und jeder Mensch,
der einer abrahamitischen Religion angehört, folgt diesen Gesetzen und ist damit genauso ‚gut’ wie ein gläubiger Jude. Ich kann also einem Muslim seinen Mohammed und seine Bräuche lassen und muss ihn nicht davon überzeugen, dass meine Religion die bessere ist. Das ist Toleranz.” Der jüdische Autor Eliyah Havemann im Interview mit dem „Bund” (12. April 2014), wie die schweizer Agentur Apic ihn zitiert.

Ohne irgend jemandem zu Nahe treten zu wollen behaupte ich an dieser Stelle einfach mal, dass die meisten Christen, die ich kenne, das unterschreiben würden, und zwar auch aus der eigenen Perspektive.

Und dann sitze ich wieder an einem Impulsreferat, dass ich am kommenden Montag zu halten habe, dessen Überschrift „Der Missionar“ lautet. Es geht um Evangelii Gaudium und den Traum des Papstes von einer missionarischen Kirche, die hinausgeht zu bezeugen und zu verkünden. Er träumt davon, dass nicht die Angst Fehler zu machen sondern die Sorge so vieler Menschen, die Christus (noch) nicht kennen, Antrieb sei für den, der Verkündet. Also für den Missionar.

Wie passt das zusammen? Weiterlesen

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