Elende Geschichten

Die Zukunft des Journalismus ist nicht die Übermittlung von Nachrichten, sondern das Erklären und die Einordnung: „News sources can’t just give us the facts. They must tell us what those facts mean.” Ein guter Artikel über unsere Branche.

Die These: Aus längeren, spannenden und nicht einfach zu verstehenden Zusammenhängen einfach Einzelsätze und Fakten herauszubrechen, wird dem Ganzen nicht gerecht. Kurz: Es geht um Verantwortung.

Der Artikel lag diesen Morgen gemeinsam mit einem weiteren auf meinem Desktop: La Stampa – eine italienische Zeitung – hatte einen Brief auf der Titelseite veröffentlicht, den Papst emeritus Benedikt ihnen geschrieben hatte. Italienische und dann auch andere Journalisten hatten pünktlich zum Jahrestag des Amtsverzichtes am 28. Februar spekuliert, ob denn dieser Verzicht denn überhaupt gültig gewesen sei.

Es ist wie beim Wort „umstritten“, indem ich es benutze, mache ich es wahr. Jemand schreibt, dass es Fragen zum Amtsverzicht gäbe, und allein dieses Schreiben macht die Fragen wahr, denn er selbst hat ja angefragt.

Es gibt aber keine kirchenrechtlichen Anfragen an den Amtsverzicht Benedikt XVI.

Was aber einige Kolleginnen und Kollegen nicht davon abhält, daraus trotzdem Artikel zu machen, weil es halt schön die Zeitung füllt und Kontrast, Konflikt, Streit und so weiter bringt.

Was mich wieder zum oben genannten Artikel bringt: verantwortungsbewusst dem Leser gegenüber ist das nicht. Und ich kann nur hoffen, dass es nicht die Zukunft des Journalismus ist.

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Wortumdrehung

Es ist der erste Schritt zur strukturellen Reform des Vatikan: Papst Franziskus hat an diesem Montag eine Zentralbehörde im Vatikan gegründet, der alle wirtschaftlichen und finanziellen Belange unterstehen: einen Rat für die Entscheidungen, ein Sekretariat für die Umsetzung und einen Revisor bzw. Auditor, der alle Konten und Finanzverwaltungen jederzeit kontrollieren kann.

Beim Rat bin ich allerdings hängen geblieben. So gut ich das Projekt finde, musste ich bei einer Formulierung stutzen. Und zwar soll der Rat aus 15 Menschen bestehen, davon sollen acht Kleriker sein und sieben Laien. Und genau da bleibe ich hängen. Sprachlich ist das nämlich mindestens merkwürdig.

Die Pressemitteilung des Vatikan sagt ausdrücklich, dass das Sekretariat und der Rat, so wie sie gegründet sind, sicher stellen sollen, dass fachmännischer Rat einfließen kann. Die sieben Mitglieder, die keine Kleriker sind, sollen also Fachwissen über den Finanzsektor beisteuern, während die Kleriker Fachwissen über die Kirche beisteuern. An sich eine wunderbare Arbeitsteilung. Nur macht das einmal mehr klar, wie vollkommen unsinnig das Wort „Laien“ geworden ist.

Die sieben werden eben genau deswegen ausgewählt, weil sie keine Laien, sondern Fachleute sind. Das Wort „Laien“ wie wir es in der Kirche benutzen, hat einen völlig anderen Sinn als das Wort, wie wir es in der normalen, deutschen Umgangssprache benutzen. Laie bedeutet hier unwissend, Amateur. Und genau das sollen die Mitglieder des Rates nicht sein.

Es wird Zeit, sich nach einer neuen Unterscheidung umzusehen, die alte trägt nicht mehr . Ich gebe zu: Ich habe keine Lösung. Mit dem Gedankenspiel laufe ich schon länger herum, allein, ohne Erfolg.

Hat jemand eine Lösung dafür, wie man über Kleriker und Nichtkleriker sprechen kann, ohne die Zweiteren negativ als „nicht“Kleriker zu bezeichnen oder einen obsoleten Begriff, nämlich „Laien“, zu benutzen? Ich freue mich über alle Vorschläge.

 

 

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Wege des Papstes

Wie geht das mit dem Papst und Jesus? Wortzähler wollen festgestellt haben, dass Franziskus häufiger „Jesus“ sagt als „Christus“. Ob das dann schon den Schluss rechtfertigt, der Papst denke eher biblisch als dogmatisch-theologisch lasse ich mal dahin gestellt, sicher ist aber, dass Franziskus mit der Bibel lebt. Und was kann man auch sprachlich nachverfolgen.

Immer wieder wird das auch in den Morgenpredigten hörbar, wenn er über das spricht, was er vorher meditiert hat. Papst Franziskus ist ganz buchstäblich mit Jesus Christus auf dem Weg. Zwei Abschnitte vom vergangenen Wochenende möchte ich dazu noch einmal anführen, in ihrer Prägnanz sind sie mir hängen geblieben und ich finde sie beispielhaft.

 

Aus der Ansprache bei der Feier zur Erhebung neuer Kardinäle am 22. Februar, über das Wort „gehen“.

 

„Heute kehrt dieses Wort [im Evangelium] wieder, aber als eine Geste, als das Handeln Jesu, das fortdauert: ‚Jesus ging…’. Das beeindruckt uns in den Evangelien: Jesus wandert viel umher, und während des Weges unterweist er die Seinen. Das ist wichtig. Jesus ist nicht gekommen, um eine Philosophie, eine Ideologie zu lehren… sondern einen „Weg“ – einen Weg, der gemeinsam mit ihm zurückzulegen ist, und diesen Weg erlernt man, indem man ihn beschreitet, im Gehen. Ja, liebe Mitbrüder, das ist unsere Freude: mit Jesus zu gehen. Doch das ist nicht einfach, ist nicht bequem, denn der Weg, den Jesus wählt, ist der des Kreuzes.“

 

Aus der Morgenpredigt am 20. Februar über die Frage, wie man Jesus kennenlernen kann.

 

„Es sieht so aus, als ob es nicht reicht, auf diese Frage einfach mit dem zu antworten, was wir im Katechismus gelernt haben. Natürlich ist es wichtig, den Katechismus zu studieren, aber es reicht nicht! Um Jesus kennenzulernen, müssen wir den Weg mitgehen, den Petrus gegangen ist. Weiterlesen

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Mit ganzer Würde

AP2288583Ein großartiges Bild: Der Papst und sein Vorgänger. Als ich gestern Abend die Ansprache von Pietro Parolin übersetzte, in der er den Anwesenden Papst emeritus begrüßt, musste ich erst zweimal hinsehen. Es war die erste öffentliche Anwesenheit Benedikt XVI. nach seinem Amtsverzicht bei einer Feier im Petersdom.

Keiner wusste etwas davon, die vor der Feier einziehenden Kardinäle waren sichtlich überrascht und erfreut, schnell bildete sich eine Traube. Beim Einzug in die Basilika machte auch Papst Franziskus einen kleinen Umweg und ging zu seinem Vorgänger. Der hatte entschieden, dass er unter den Kardinälen sitzen wollte, also nicht extra für sich. Allein das ist eine Geste.

Benedikt nimmt sein Pilelolus – das kleine weiße Scheitelkäppchen – ab, er zieht sozusagen respektvoll den Hut. Eine herzliche Umarmung, dann nimmt das Konsistorium seinen Lauf.

Die Kirche feiert heute “Kathedra Petri”, und ein Konsistorium ist quasi das päpstlichste aller vatikanischen Ereignisse. Papst Benedikt hatte vor seinem Rücktritt gesagt, dass er nicht weglaufe, sondern auf andere Weise dem Amt zur Verfügung stehen würde: betend. Genau das haben wir heute gesehen. Hut ab, möchte ich das sagen.

Kleine Nebenbemerkung: Papst emeritus Benedikt gibt damit auch allen Nachfolgern ein Beispiel. Die nächsten Päpste, die sich mit Rücktrittsgedanken tragen, werden in ihm ein Beispiel finden, dass das gut gehen kann. Dass man nicht eingesperrt sein muss und dass trotz Mediengesellschaft mit Hype-Versessenheit man auftauchen kann, ohne den Nachfolger zu stören.

Mich hat dieses Konsistorium heute sehr beeindruckt. Eine sehr würdevolle Sache.

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Blog ohne Strom

FranziskusBuchEs ist angekommen: Mein Papst-Buch. Dank dem Benno-Verlag sind meine Gedanken und Beobachtungen aus den ersten Monaten mit Papst Franziskus nun im Regal. Wer diesem Blog folgt, der wird nichts Neues finden, es sind die Artikel, die hier eingestellt waren. Aber es ist eben ein Buch, ein Blog ohne Strom, leider auch ohne Kommentarfunktion, aber eben ein Buch. Wer sich mit dem Internet schwer tut, dem kann ich vielleicht damit dienen.

Und deswegen habe ich auch keine Hemmungen, an dieser Stelle für das Buch zu werben. Auch wenn es merkwürdig ist, virtuell für etwas Reales zu werben, das etwas vorher Virtuelles herausgibt. Wie dem auch sei, wem es gefällt, dem sei es empfohlen.

Viel Vergnügen beim Nachstöbern.

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Arme Kirche für die Armen

Etwas nicht zu haben, also arm sein, muss nichts Schlimmes sein, im Gegenteil. Mangel und Bedürftigkeit ist Teil des Menschseins, wir schaffen uns nicht selbst mit unseren Gütern und Fähigkeiten und hängen immer von anderen ab. Wenn man sich das eingesteht, dann ist der Weg frei für eine solidarische Gesellschaft, in der wir uns gegenseitig als Bereicherung erfahren. Und das ist auch gemeint, wenn Jesus im Evangelium die Armut in die Seligpreisungen aufnimmt.

corriere-della-seraDas ist zugegeben eine halsbrecherische Kurzversion des Textes, den Papst Franziskus als Vorwort für ein Buch von Kardinal Gerhard Ludwig Müller geschrieben hat. Im heutigen Corriere della Sera ist der Text abgedruckt. Auf die Titelseite hat es der Papst dieses Mal nicht geschafft, die Regierungsbildung Renzi ist dann doch spannender als geistliche Überlegungen zu Armut und Bedürftigkeit. Nebenbemerkung: Kardinal Müller, weil das Buch erst am Dienstag erscheint, dann wird Erzbischof Müller bereits Kardinal sein. „Arm für die Armen“, „Povera per i Poveri” heißt das Buch. „Povera“ ist grammatisch feminin, es ist also eindeutig die Kirche, chiesa, gemeint.

Für Radio Vatikan habe ich den Text des Papstes etwas ausführlicher zusammen gefasst, als in meinem Radikalmanöver oben.

Aber in dieser Kürzung wird etwas sichtbar, was als Bewegung dem Sprechen des Papstes über Armut zu Grunde liegt: Es ist nie nur Wirtschaftskritik, wenn er Armut anprangert. Das auch, und der erste Teil des Vorwortes ist genau das. Dahinter liegt aber eine geistige und geistliche Haltung. Geld könne etwas Gutes oder auch etwas Schlechtes sein, je nachdem, ob es Freiheit fördere oder einschränke indem es unterdrücke. Das Gleiche gelte für Armut: Das von anderen Abhängen sei Teil des Lebens, das könne man fruchtbar machen und solidarisch leben, indem man die Güter verteile, in einer Art gegenseitiger Fruchtbarkeit des Gewinnens und Weggebens.

Es wird Zeit, sich all dem genauer zuzuwenden. Fast ein Jahr nach dem Satz, er wolle eine „arme Kirche für die Armen“ wird langsam deutlich, was genau Papst Franziskus darunter verstanden wissen will, das Vorwort liefert einen weiteren Verständnisschritt dazu.

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Für den Jahrestag lernen

In Jahrestagen gerechnet sind wir noch im Pontifikat Benedikt XVI. Am 11. jährte sich die Ankündigung zum Amtsverzicht, am 28. wird sich dieser selbst jähren, und erst am 13. März ist dann Jahrestag der Wahl Franziskus’.

Trotzdem richten sich die Blicke vor allem auf letzteren Termine. In den vergangenen Tagen habe ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen gesprochen, interessanterweise auch aus anderen Ländern, die meine Sichtweise der Dinge hören wollten, was den „neuen“ Papst angeht. Alle arbeiten gerade an den Titelgeschichten zur Papstwahl-Erinnerung und jeder möchte eine profunde Analyse abgeben.

 

Liberale Werte, Benedikt XVI. und die Frage nach den Entscheidungen

 

Drei Dinge möchte ich dazu an dieser Stelle loswerden, sozusagen als Synthese der Gespräche:

Erstens: Franziskus ist nicht der Kreuzritter der europäisch-liberalen Werte. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Frauenpriestertum, was auch immer alles auf der Agenda der sich selber als liberal verstehenden Menschen – Christen und auch nicht – steht, das ist nicht die Agenda des Papstes. Er will eine missionarische Kirche, und was das bedeutet, das hat er uns schriftlich gegeben (Evangelii Gaudium). Jede Frage, die mit „wann wird Franziskus endlich …“ beginnt, trifft unvermeidlich ins Leere.

Er selber hat von sich gesagt, dass er „vom Ende der Welt“ sei. Das heißt vor allem erst einmal, dass die bisherigen europäischen oder westlichen Schubladen oder Kategorien nicht mehr alleine bestimmen, wie die Welt funktioniert. An uns Europäern entscheidet sich nicht mehr die Zukunft. Das müssen wir einsehen lernen.

 

Zweitens: Jeder Vergleich Benedikt XVI. und Franziskus zeigt mehr eigenes Vorverständnis als dass er zum wirklichen Verstehen beiträgt. Weiterlesen

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Keine Experten für apokalyptische Diagnosen

„Es ist gut, dass man in uns nicht so sehr Experten für apokalyptische Diagnosen sieht bzw. finstere Richter, die sich damit brüsten, jede Gefahr und jede Verirrung aufzuspüren, sondern frohe Boten, die befreiende Lösungen vorschlagen, und Hüter des Guten und der Schönheit, die in einem Leben, das dem Evangelium treu ist, erstrahlen.“ In der vergangenen Woche habe ich erneut intensiv Evangelii Gaudium gelesen, das Schreiben Papst Franziskus, das er „programmatisch“ genannt hat. Und an diesem Satz bin ich hängen geblieben (EG 168).

Als Belgien den Weg frei machte für die aktive Sterbehilfe für Kinder, habe ich mehrfach angesetzt, um im Blog etwas dazu zu schreiben. Einige Zeilen oder Absätze ging das dann auch gut, aber am Ende haben sich meine Gedanken immer mit dem Satz verhakt, den ich eingangs zitiert habe.

 

Nicht gleich der Untergang

 

Es sei der Anfang eines gefährlichen Weges, ein Schritt zur Unterwerfung des Menschen unter Nützlichkeit und so weiter, das waren immer die Schlussgedanken. Dammbrucheffekt, der Verweis auf andere Gesetze, deren erst strengen Regeln nach und nach aufgeweicht wurden und so weiter, das alles stand schon auf dem Bildschirm. Die Vorstellung, Kinder zu töten, korrespondierte in meinem Kopf und in meinen Fingern immer mit starkem Widerspruch und den schlimmsten Folgen.

Aber der Papst sagt mir gleichzeitig, dass das nicht meine Aufgabe ist. Natürlich sollen wir Christen auf die Absurdität hinweisen, Leben zu töten, das Töten kann nie fortschrittlich sein, wie es Franziskus selber sagt. Da gibt es einiges zu zu sagen und glücklicherweise machen das die Fachleute auch.

Aber bei mir stellte ich die Versuchung fest, genau das zu werden, was der Papst nicht von mir will. Ich bin kein Experte für apokalyptische Diagnosen, auch wenn so eine Diagnose das von mir vehement Abgelehnte erst so richtig schlimm aussehen lässt.

Stattdessen sollen wir befreiende Lösungen vorschlagen. Wir sollen über das Leben sprechen, über Geschenk und Liebe und darüber, dass es sich lohnt, das Leben zu schützen, immer. Wir sollen die Errungenschaften, medizinische, psychologische und technische loben, die es uns ermöglichen, Menschen den Schmerz zu nehmen, ohne sie zu töten. Wir sollen die Verantwortung loben, die Menschen für andere Menschen übernehmen, wenn sie sich entscheiden, Kinder zu bekommen. Wir sollen die Gesellschaft loben, die es auch denen unter uns die schlimme Schicksale erleiden ermöglicht, ein würdevolles Leben zu leben. Und dort, wo wir nicht loben könne, dort gilt es mitzuarbeiten, dass das möglich wird.

 

Befreiende Lösungen

 

Was Belgien da erlaubt, ist schlimm. Gegen solche Tendenzen zu arbeiten können wir aber nur, wenn wir das Gute am Leben betonen und jedes Leben ermöglichen, so dass der Wunsch zu töten um eine Last loszuwerden gar nicht entsteht. Mauern aufbauen und das Ende der Zivilisation beschwören ist jedenfalls nicht dem Evangelium gemäß.

Franziskus’ Reformideen sind manchmal gar nicht so leicht.

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Geistliche Übung

„Es muss nun daran erinnert werden, dass die liturgische Verkündigung des Wortes Gottes … das Gespräch Gottes mit seinem Volk ist“ sagt Papst Franziskus in Evangelii Gaudium (Nr. 137). Es geht in dem Abschnitt um die Predigt und der Papst will sicher stellen – wie auch an anderen Stellen im Text – dass das nichts Theoretisches bleibt, sondern praktisch wird.

Papstpredigt in der PFarrei Sacro Cuore, Rom, 19. Januar

Papstpredigt in der Pfarrei Sacro Cuore, Rom, 19. Januar

Ab und zu haben wir seine Form, das praktisch werden zu lassen, auf dem Petersplatz erlebt. Wenn er zum Beispiel bei Audienz oder Angelusgebet Fragen stellt und dann von den Versammelten Antworten erbittet, in Form von Zuruf oder gemeinsamen Gebetsruf. Er schließt die Menschen in sein Denken und Sprechen ein, lässt sie nicht nur Zuhörer sein sondern Mitmacher.

Das kann man noch für rhetorische Mittel halten oder für einen eigenen oder kulturell geprägten Predigtstil. Aber Franziskus kann noch mehr, er kann in seine Predigten kleine angeleitete geistliche Übungen einbauen, ohne die Zuhörer und Mitfeiernden zu überfahren oder zu überfordern.

Eine dieser Predigten möchte ich noch einmal hier zitieren, sie ist etwa einen Monat her aber beschäftigt mich seitdem: Die Papstpredigt bei einem Pfarreibesuch in Rom am 19. Januar:

 

„Und jetzt lade ich euch ein, etwas zu tun: Wir wollen die Augen schließen und uns jene Szene dort am Ufer des Flusses vorstellen: Johannes tauft, und Jesus kommt auf ihn zu. Und wir hören die Stimme des Johannes: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.“ Wir wollen Jesus anschauen, und im Stillen möge jeder von uns aus seinem Herzen heraus etwas zu Jesus sagen. Im Stillen. [Augenblick der Stille]. Der Herr Jesus, der sanft ist, der gut ist – der ein Lamm ist –, der gekommen ist, um die Sünden hinwegzunehmen, begleite uns auf dem Weg unseres Lebens. So sei es.”

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Der wahre Revolutionär

Papst Benedikt XVI. verlässt die GeneralaudienzAm 11. Februar 2013: Die revolutionäre Tat Papst Benedikt XVI., mit einem wachen Blick auf die Realität seinen Rücktritt anzukündigen. Damit habe dieser Papst das Papstamt für immer verändert lauteten viele Kommentare, auch der meine.

Ein Jahr später ist das irgendwie in den Hintergrund geraten. Franziskus wird auf eine Art und Weise mit dem Amt identifiziert, wie es bei Benedikt nie der Fall war. Und während der Rücktritt ja gerade Mensch und Amt wörtlich voneinander trennte, findet im Augenblick in den Augen der Öffentlichkeit das Gegenteil statt.

Nun kann man sagen, dass wir und noch nicht richtig daran gewöhnt haben, dass nun diese Möglichkeit eines Rücktritts besteht. Die Kirche denkt immer in Präzedenzfällen, und einen zurück getretenen Papst gibt es ja nun. Und dass das auch noch problemlos vonstatten geht, mit Treffen, Besuchen und einem geringen Maß an Öffentlichkeit, das ist um so mehr das Zeichen dafür, dass es kein Ausnahmefall bleiben wird. Irgendwann wird wieder ein Papst zurück treten, wer und wann das auch immer sein wird.

Bei all dem Revolutionären, mit dem Papst Franziskus im Augenblick in Verbindung gebracht wird, ist doch der bei weitem revolutionärste Akt immer noch der Rücktritt seines Vorgängers. Alles, was an Wandel derzeit in der Kirche geschieht, verdankt sich ihm. Danke, Papst Benedikt.

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