Von Liebe und Streit

Eigentlich bin ich kein Freund von Jubiläums-Journalismus. Nur weil eine bestimmte Anzahl von Tagen vorüber sind, muss nicht ein Ereigniss unbedingt noch einmal erinnert werden. „Heute vor einem Jahr“ oder so. Eigentlich.

Vor der Vorstellung: Interview mit Kardinal Schönborn

Vor der Vorstellung: Interview mit Kardinal Schönborn

Denn ab und zu muss man da oder darf man da eine Ausnahme machen. Heute vor einem Jahr wurde im Vatikan das päpstliche Lehrschreiben „Amoris Laetitia“ vorgestellt. Zwei Bischodssynoden hatten stattgefunden, bei denen ich drinnen dabei war und zu denen ich viel hier geschrieben habe. Dann die Pressekonferenz mit Kardinal Christoph Schönborn. Aber dann war nicht – wie sich heraus stellen sollte – ein Thema beendet, sondern „nur“ in eine neue Phase getreten.

Danach sollten die Debatten und der Streit noch weiter gehen. Was genau alles passiert ist, will ich nicht wiederholen, das haben andere schon getan. Vielleicht nur der Versuch festzustellen, wo wie heute – ein Jahr später – stehen.

 

Freude des Streits

 

„Freude der Liebe“ heißt der Text, und anders als in der Öffentlichkeit und den Medien oft wahrgenommen, wurde der Text auch genau als das wahr genommen. Wir debattieren in den Medien über eine Fußnote, aber der Rest des Textes, auch wenn nicht so medienwirksam, hat seine Bedeutung entfaltet. Nach langen Jahren, in denen Kirche in Sachen zwischenmenschlicher Beziehung eher sprachlos war, kommen wir langsam zurück. Der Test des Papstes ist einerseits ein Lehrschreiben, also nicht einfach nur eine Predigt. Andererseits enthält er Kapitel, die man sich zu bestimmten Phasen der Ehe, etwa in der Vorbereitung oder beim älter werden, denkend aneignen kann.

Zweitens hat uns die Debatte um die angeblichen „Zweifel“, die so genannten Dubia einiger Kardinäle, am Verständnis des Textes klar gemacht, wie der Papst diese neue Sprachfähigkeit erreichen will: eben nicht durch ein Machtwort, eine Festlegung, eine Definition. Sondern durch das Gewissen, die „Unterscheidung“, die Verantwortung der Gläubigen vor Gott.

Die deutschen Bischöfe haben das glaube ich gut ausgedrückt indem sie sagen, dass es keinen Automatismus etwa im Zugang zu wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion geben kann, andererseits sprechen Sie aber auch von „zu respektierenden Entscheidungen“ der Betroffenen. Nicht alles muss von oben her für den Einzelfall genau festgelegt sein. Weiterlesen

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„Neuvermessung des öffentlichen Raumes“

Es hat etwas von Entdeckungsreise: Vermessung der Welt, dazu gab es einen Roman mit dem Titel. An diesem Mittwoch ist der Begriff bei einem Vortrag in Rom gefallen, der Intendant des BR, Ulrich Wilhelm, hat ihn in die Debatte um Digitalisierung und Ethik der Medien geworfen.

Wir können immer mehr und immer schneller, gleichzeitig trennen uns die Medien zunehmend voneinander, weil wir zunehmend individualisiert mit Nachrichten und Posts beliefert werden. Die Suchmaschinen kennen uns sehr gut und bieten und nur an, was uns in unseren Haltungen konsumverstärkend bestätigt.

BR Intendant Ulrich Wilhelm bei dem Vortrag in Rom

Ulrich Wilhelm bei dem Vortrag in Rom

Eine Lösung wäre, so Wilhelm, andere Algorithmen zu programmieren, die Menschen auch das anzeigen, was nicht in ihre Filterblase gehört. Der BR arbeite gerade daran, man wolle sich nicht auf die großen Konzerne verlassen und ihnen die Regelungsmacht für die Öffentlichkeit überlassen.

So könnten auch Menschen, die Teile der Realität ignorierten, mit Inhalten in Kontakt gebracht werden, die sie von sich aus eher nicht aufsuchen würden.

Was sich wie eine Erziehungsmaßnahme anhört, ist finde ich ein spannendes Experiment. Dahinter liegt die Frage, wem wir den öffentlichen Raum, die Öffentlichkeit, überlassen wollen. Wer darf das bestimmen? Facebook? Google?

 

Wer bestimmt?

 

Die Debatte um neue Gesetze zeigt ja, dass das akut ist. Und es hat ja auch Auswirkungen auf unsere Demokratie. Wilhelm brachte das schöne Beispiel des Brexit: viele junge Menschen meinten, das Engagement im Netz gegen den Austritt sei genug, sie hätten dann aber nicht gewählt. Netz-Debatte reicht also nicht, sie muss sich in die Realität der Wahlzettel übersetzen.

Dahinter liegt immer die Frage, wie wir unseren öffentlichen Raum eigentlich bestimmen. Was ist das heute, die Öffentlichkeit? Sie ist eine andere als noch vor zwanzig Jahren, flüssiger, aufgeteilter.

Neuvermessung, das wäre nun der Versuch, auf Entdeckungsreise zu gehen und sich zu fragen, wo heute alles Öffentlichkeit ist und wie Demokratie da funktionieren kann. Zukunftsfähig funktionieren kann. Dass der BR-Intendant das tut, finde ich ermutigend, denn gerade die öffentlich-rechtlichen Medien müssten hier voran gehen, weil sie einen anderen gesellschaftlichen Auftrag haben, als die anderen Medien. Organisierte Gesellschaft will diese Medien ja, weil sie nicht abhängig sind vom Markt. Oder besser: nicht so abhängig sein müssten.

Man müsste diese Medien nun von der Leine lassen, sie auch in der digitalen Welt mehr machen lassen, auch wenn das den Verband der Zeitungsverleger nicht amüsiert. Es wäre jedenfalls ein Experiment wert, öffentlich-rechtliche Digitalmedien zu unterhalten.

Schreihälse, die mit Unwahrheiten Wahlen gewinnen (wollen) gibt es nun wirklich genug, denen muss man die Öffentlichkeit nicht überlassen.

 

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Konflikt und Begegnung

Kardinal Caffarra und der Papst

Kardinal Caffarra und der Papst

Ein Foto, auf das Journalisten gerne zurück greifen: Zu sehen sind der emeritierte Erzbischof von Bologna, Kardinal Carlo Caffarra, und der ihn begrüßende Papst Franziskus. Das Bild ist an diesem Sonntag entstanden, Papst Franziskus begrüßte bei seiner Ankunft im Dom von Carpi alle anwesenden Bischöfe, so auch Caffarra. Bei diesem sei er aber länger stehen geblieben und habe sich mit ihm unterhalten, hieß es aus dem Pressesaal des Vatikan.

Warum das interessant ist? Kardinal Caffarra ist einer der vier Kardinäle, welche die so genannten „Dubia“ verfasst haben, fünf Anfragen – so sollte man besser sagen – an das Päpstliche Lehrschreiben Amoris Laetitia.

Bei der ersten Bischofssynode von Papst Johannes Paul II., aus der dann Familiaris Consortio als Lehrschreiben hervor gegangen war, war Caffarra bereits als Experte dabei. Danach hatte er das päpstliche Institut für Ehe- und Familienfragen an der Lateranuni geleitet, bevor er Bischof von Bologna wurde. Auch während der beiden Synoden von Papst Franziskus zum Thema war er ein ausgesprochener Gegener jeglicher von ihm als Änderung der Lehre interpretierter Sätze und Meinungen.

Ich glaube, dass das Bild wirklich etwas aussagt. Es spricht von Dialog und davon, sich nicht vor Auseinandersetzungen scheuen. Von Offenheit und der Wertschätzung derselben. Der Papst hatte entschieden, nicht auf das Schreiben zu antworten, was viel Aufregung und Aufgeregtheit verursacht hatte. Es heißt offenbar aber nicht, dass er die Autoren nicht achtet und mit ihnen nichts zu tun haben will. Offensichtlich ist das Gegenteil der Fall.

Begegnung ist eines der Schlüsselworte dieses Papstes. Offenbar gilt das auch für ihn selber und die Kritik an seinem Pontifikat. Man darf diesen Moment nicht überbewerten. Unterbewerten aber auch nicht.

 

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Nicht auf dem Mobiltelefon herum tippen

Der Papst in Ägypten: In etwa einem Monat wird Papst Franziskus wieder auf Auslandsreise gehen, und das besuchte Land war lange nicht auf den Listen der Vatikanbeobachter.

Auch wenn das Programm noch nicht veröffentlicht ist, braucht es nicht viel, um zu raten, was stattfinden wird. Da wird natürlich die Begegnung mit dem Staat sein, also mit Präsident Abd al-Fattah as-Sisi. Kritiker der Welt, bereitet euch jetzt schon einmal vor, dagegen an zu schreiben.

Dann wird es eine ökumenische Begegnung geben mit dem Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche, Tawadros II., gerne auch Papst Tawadros genannt, denn das ist sein Titel in seiner Kirche.

Einer muss halt anfangen: Shimon Peres (l) und Mahmud Abbas, dahinter der Papst beim Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten 2014

Einer muss halt anfangen: Shimon Peres (l) und Mahmud Abbas, dahinter der Papst beim Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten 2014 (c) Reuters

Natürlich wird er die Katholiken – dort vor allem koptisch-orthodoxe – besuchen und allgemein bei diesen Treffen die Rolle der Christen würdigen.

Und dann ist da die Azhar Moschee und Universität, eine der wichtigsten sunnitischen theologischen Institutionen des Islam. Gemeinsam hatte man erst unlängst eine Tagung veranstaltet, der Imam der Moschee war auch bereits bei Papst Franziskus, es steht also zu vermuten, dass der Papst das irgendwie erwidern wird. In einer Moschee war er bei seiner Türkeireise ja schon und der Dialog mit dem Islam steht seit Anfang an, seit seinem ersten Empfang für das diplomatische Corps im Vatikan 2013, auf seiner To-Do Liste.

Viel Dialog also. Was natürlich auch die üblichen Bedenkenträger auf den Plan rufen wird. Was wie üblich aber den Papst nicht davon abbringen wird, das zu machen, was er für nötig hält.

Und das ist nun einmal der Dialog.

 

Der Papst in Ägypten, bei Kopten und Muslimen

 

In einen Dialog kann man nicht eintreten, wie die schräge deutsche Formulierung sagt, indem man vorher festlegt, worüber man redet und sich also vorab abstimmt. Dialog ist, wenn einer anfängt und damit ein Risiko eingeht, etwa das, abgelehnt oder missverstanden zu werden. Aber so ist das zwischen uns, einer fängt an und dann ist der andere oder sind die anderen dran. Das ist Dialog. Weiterlesen

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Räume entstehen beim Gehen

Mit Räumen muss man umgehen lernen. Es ist ein Thema, zu dem ich hier immer wieder zurück komme. Räume haben es mir angetan, neulich erst war ich in einer Ausstellung in Leipzig, dann im öffentlichen Raum Dresdens, vor der Frauenkirche. Und jetzt wieder, wenn ich darf, und zwar in einer Ausstellung in Berlin.

Joseph Beuys: Richtkräfte einer neuen Gesellschaft, Museum Hamburger Bahnhof, Berlin

Joseph Beuys: Richtkräfte einer neuen Gesellschaft, Museum Hamburger Bahnhof, Berlin

Räume sprechen. Wer einmal eine Kathedrale besucht hat und auf sich hat wirken lassen, kennt das. Kirchen, davor Tempel und so weiter der-räumlichen Religion. Es ist ja kein Zufall, dass die ersten Christen nicht etwa Tempel übernommen haben, sondern Basiliken, nicht die alten Kult-Orte, sondern Versammlungsorte. Das sagt einiges über die christliche Religion aus.

Aber auch Machtinhaber aller Zeiten haben Räume genutzt. Und zwar nicht zur zur Darstellung, sondern auch zur aktiven Machtausübung. Sei es durch Transparenz, wie beim Reichstagsgebäude für den Bundestag in Berlin, sei es durch ästhetische Unterwerfung, gigantische Schreibtische, lange Korridore etc.

Bibliotheken sollen zur Konzentration anregen, Büros zur Effektivität, Kirchen zur Einkehr oder Anbetung, und dann sind da Schulen, Fabriken, Theater, Museen und so weiter und so weiter. Und nicht zuletzt unsere eigenen vier Wände.

 

In alle Richtungen

 

In Berlin werden derzeit Räume und Installationen ausgestellt, die Künstler entworfen haben. Es sind also ganz besondere Räume, die keinen „Nutzen“ haben, wie wir das im Alltag vermuten würden. Raum kostet Geld, da ist es schon ein Luxus, Räume um der Räume willen zu haben. Also braucht es Kunst, die uns das vor Augen und vor Sinnen führt. „Moving in every direction“ heißt die Ausstellung, zu sehen im Museum Hamburger Bahnhof, noch bis Mitte September.

Da gibt es wunderbare anregende Räume zu besehen und begehen, ein wenig Beuys geht immer, aber da sind auch andere Namen, bekannte und eher unbekannte, die präsentieren. Meine Lieblingsräume sind zwei Installationen, die aus Klang bestehen. Man steht irgendwo, schließt die Augen und hört. Drumherum entsteht dann Raum, aus verschiedenen Richtungen kommen Klänge, lösen sich aber und ziehen sozusagen an einem vorbei. Wunderbare Erfahrungen.

Leider gibt es aber auch einiges an intellektualistischer Arroganz zu besichtigen, die entsteht, wenn Kunst nicht mehr die Kommunikation sucht, sondern sich abwendet von Menschen, die vielleicht nicht alles richtig verstehen, was sich der Künstler oder die Künstlerin in ihrem Studio so alles gedacht haben. Weiterlesen

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Religion als Religion berichten

An diesem Freitag habe ich ein Seminar zu halten für öffentlich rechtliche Journalisten, Radio Vatikan gehört ja zur Union der öff.-rechtl. Rundfunkanstalten Europas, der EBU, wir sind sogar Gründungsmitglied. Und gemeinsam mit anderen haben wir die Idee ausgeheckt, eine Weiterbildung zum Thema ‚Religion’ zu veranstalten.

Journalismus während der Papstwahl: Auf allen Dächern "Journalisten-Nester"

Journalismus während der Papstwahl: Auf allen Dächern „Journalisten-Nester“

Immer mehr Journalisten ist dieses Thema fremd, gleichzeitig wird es aber immer wichtiger, und zwar sowohl was das fremd gewordene Eigene angeht, das Christentum, als auch was den Islam angeht.

Religion ist eben nicht nur ein soziologisch zu begreifendes Phänomen, sie ist nicht nur von politikwissenschaftlichen, geschichtlichen oder kulturwissenschaftlichen Begriffen zu fassen. Ich verliere sogar eine wichtige Dimension von Religion, wenn ich mich als Journalist in meiner Berichterstattung nur auf solche Begriffe stütze.

Ganz besonders gilt das vielleicht für die Psychologie, wenn man also versucht, Religion völlig aus nicht-religiösen Kategorien heraus zu erklären. Und damit zu unterwerfen. Das alles kann richtig sein und kann wichtig sein und kann helfen, zu verstehen, aber es ist eben nicht alles.

 

Wie ich in den Wald hinein rufe …

 

Wenn zum Beispiel ein neuer Papst gewählt wird, dann findet die Berichterstattung oft im Modus von demokratischen Wahlprozessen statt. Da gibt es dann Parteien, Wahlsieger, da gibt es konservativ und progressiv und so weiter. Und das ist ja auch verständlich, die Kategorien, die ich anlege, bestimmen das Bild, das ich sehe.

Aber es verhindert eben leider auch, dass ich die „wirkliche“ Geschichte erkenne. Die selbstverständliche Präsenz Afrikas wurde reduziert auf die Frage, ob Kardinal Turkson „Chancen“ auf das Papstamt habe, etc. Dass dahinter eine Weltkirchlichkeit steckt, die es so noch nie gegeben hat, wird übersehen.

Am ehesten noch gelingt die Berichterstattung über die religiöse Dimension der Religion im Fernsehen, das wird von Bildern viel besser getragen als von Worten. Aber wie erklärt man das?

Man kann – davon bin ich überzeugt – über Religion als Religion sprechen, selbst wenn man dieser Religion nicht angehört. Man muss nicht selber gläubig oder fromm sein, um klug über Religion zu sprechen. Aber wie kommt man dahin?

 

Angst verlieren

 

Ein erster Schritt ist es, die Angst zu verlieren, sich vereinnahmen zu lassen. Nicht die Vorsicht und nicht die Sorgfalt, aber die Angst. Natürlich gibt es die Versuchung, zum Teil des Systems zu werden, wie bei Sportreportern und Sportfunktionären, Politikreportern und Politikern, und so weiter. Es ist aber kein Automatismus. Weiterlesen

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Namenssuche

Der Vatikan wird reformiert. Was im Überblick manchmal nicht so einfach zu beschreiben ist, hat dann aber auch klare Konsequenzen. Unter anderem für diesen Blog.

Ausblick: Der Schreiber dieser Zeilen im Vatikan

Ausblick: Der Schreiber dieser Zeilen im Vatikan

Dass Radio Vatikan in einer Vatikaninstitution aufgeht, welche die meisten Medienproduktionen übernehmen wird – Internet, Audio, Twitter, Video, Film, usw. – das werden einige von Ihnen mitbekommen haben. Es wird aus den bestehenden Institutionen eine einzige, zusammen gehörige Institution gebildet.

Diese neue Institution wird auch einen neuen Namen bekommen, unter der sie produziert. Und damit bin ich beim Thema.

Der Blog benennt sich – bislang – nach den lateinischen Worten, mit denen unsere Sendungen bei Radio Vatikan beginnen und enden. Da wir aber nicht mehr nur Radio sind, da eine neue Institution gegründet und nicht nur alte reformiert werden sollen, wäre es vielleicht Zeit, eine neue Überschrift zu finden.

Hätten Sie Ideen? Im Ernst, noch habe ich mich nicht entschieden, außer dass sowohl Format als auch Name angepasst werden müssen. Wenn Sie also eine Idee hätten, wäre ich froh, wenn Sie diese teilen würden. Gerne hier, gerne in der Kommentarspalte.

Danke sehr!

 

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Ganz und gar nicht vergangen

Da stehen drei Busse hochkant auf einem prominenten Platz in Dresden. In den vergangenen Wochen haben die meisten von Ihnen von dieser Kunstaktion wohl gehört, Manaf Halbouni, deutsch-syrischer Künstler, hatte sie auf dem Neumarkt aufgestellt, direkt vor die Frauenkirche. Witzigerweise nennt die so genannte AfD das „Lügenbusse“, auf die Idee muss man erst mal kommen.

Dresden, vor der Frauenkirche

Dresden, vor der Frauenkirche

Aber abgesehen von dieser komischen Note ist die Aktion ein Hinweis auf all die Tragik Aleppos. Dort dienten solche Buss-Barrieren dem Schutz vor Scharfschützen. In Dresden erinnert das nun einerseits an das Leiden Aleppos, das hier immer wieder vergessen wird, andererseits greift es aber auch die Vergangenheit Dresdens aus vom Krieg zerstört auf, weswegen der Ort der Installation genau richtig ist. Dass drittens Pegida und Konsorten nicht müde werden, gegen das Monument – so der Name – anzustreiten, gibt ihm noch einmal eine aktuelle Bilanz.

Also bin ich hin gegangen, um mir das selber anzusehen. Was mich dort aber nicht mehr losgelassen hat, war noch ein weiterer Gedanken. Ja, da ist Aleppo und da ist die Geschichtsumdeutung und die Vergangenheit der Stadt, aber wenn man sich auf diesem Neumarkt so umsieht – und ich war lange nicht da gewesen – dann beschleicht mich ein komisches Gefühl.

Da ist nämlich alles fake. Die Frauenkirche mag ja noch angehen, aber selbst da hat man versucht, Vergangenheit auszulöschen, indem man sie bruchlos wieder aufgebaut hat. Bei den Gebäuden drum herum ist es noch schlimmer. Alles Betonbauten, denen man ein pseudo-barockes Aussehen gegeben hat. Damit wirkt wie eine Freundin es genannt hat Dresden wie Disney-Land, für Touristen gemacht, die üblichen Geschäfte unten, alles neu oben, man tut barock aber da wird man keinen Nagel in die Wand schlagen können, weil alles einfach nur beton ist. Bunt angemalter Beton.

 

Falsche Historisierung

 

Die drei Busse auf dem Markt sind deswegen auch ein Mahnmal gegen diese Historisierung, die einen wichtigen Teil der Geschichte, nämlich den brutalen Bruch, nicht weg-putzt. Welche Bomben und Tote nicht auf einige Mahnmale reduziert und ansonsten alles fein macht für die Busladungen shoppender und knipsender Besucher.

Dresden ist da nicht der einzige Ort, das Schloss in Berlin ist ja gerade zu ein Symbol für dergleichen Geschichtsklitterung. Als ob die Demokratie und die Gesellschaft nach der Zerstörung heute künstlerisch und architektonisch nichts beizutragen hätte.

Das ist natürlich übertrieben, es gibt gute Beispiele modernen Bauens, welche die Vergangenheit und die Stil-Vorbilder nicht ignoriert, aber eben auch heutig ist. Das Gegenteil stand in dieser Woche in der Zeitung: In Berlin soll die Bauakademie wieder errichtet werden, das Original war 1836 eröffnet worden, Entwurf Karl Friedrich Schinkel.

„Bauherrenschaft und Zweck des Gebäudes sind noch unklar, aber das Geld für die „Hülle“ ist, wie damals beim Berliner Schloss, bereits da”, schreibt etwas bösartig aber treffend die FAZ. Das aussehen ist alles, die Fassade für die Knipser.

Was für ein Verständnis von Geschichte ist das denn bitte? Kein Wunder, dass alle möglichen Populisten sich ihre Stücke aussuchen und für ihre Zwecke zurecht biegen, wenn selbst öffentliche Bauherren das tun.

Braucht es wirklich die Mahnung an Aleppo, um Dresden zu zeigen, dass diese bunten Betonwände eben nicht das alte Dresden sind? Dass es Zerstörung gegeben hat, die man jetzt irgendwie weg-bauen will?

Danke jedenfalls an Manaf Halbouni, dass er sich Dresden ausgesucht hat. Und schade, dass das Monument im April schon wieder abgebaut wird. Es täte Dresden gut, als Erinnerungsort der eigenen Vergangenheit. Der Rest drumherum hat jedenfalls mit Vergangenheit nicht viel zu tun.

 

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Gedanken-Räume

Meistens heißen sie „Räume der Stille“ oder ähnlich. Man findet sich in Bahnhöfen, Flughäfen, Unis, aber zunehmend auch in Innenstädten als Anlaufstellen für Laufkundschaft, die mal raus will aus der Umtriebigkeit. Es sind modern gestaltete Räume, zurückhaltend gestaltet, mit Kugelnd drin oder abstrakten Bildern oder Formen. Dieses Räume zeichnet vor allem aus, dass sie verzichten. Verzichten auf zu viel Symbolik, verzichten auf zu viel Dinge, verzichte auf zu viel Voraussetzung beim Besucher, verzichten auf eine eindeutige Funktion.

Gedanken Raum geben

Ausstellung: Gedanken Raum geben

Diese Räume zeigen vor allem eines: was man als gut und wichtig und erstrebenswert erachtet – mal für sich sein, nicht überflutet werden von Reizen, still sein – steht im direkten Gegensatz zu der Welt, in welche diese Räume hinein gebaut werden. Aufatmen sozusagen in der Hektik. Man tritt aus etwas heraus, um dort hinein zu treten.

Konsum allüberall, diese Räume wollen Inseln sein, wo man sich all dem anderen nicht unterwerfen muss. Die Reduktion, das Weniger wird als etwas Gutes gesehen, entweder als Alternative zum Viel und Mehr um uns herum, oder aber mindestens als wichtige Ergänzung. Das zeigt, dass es einen Widerspruch gibt zwischen dem, was man Besinnung nennen mag oder zu-sich-selbst-Kommen, und dem, was unsere Welt sonst so ausmacht.

 

Heraus und hinein

 

Aber was passiert, wenn man nicht kirchliche Mitarbeiter oder Pastoraltheologen so einen Raum gestalten lässt, sondern Künstler? Und ich meine jetzt nicht solche, die sich spezialisiert haben. Was genau dann passiert, das kann man derzeit noch in Leipzig sehen. „Gedanken Raum geben“ heißt dort eine Ausstellung.

Gedanken Raum geben

Ausstellung: Gedanken Raum geben

Wie so vieles in diesem Jahr hat auch diese Ausstellung im Museum Grassi ihren Bezug zum Reformations-Jahr. Der Besucher wird mit einem Luther-Zitat begrüßt: „Wenn … gute Gedanken kommen, so soll man diese Bitten fahren lassen und diesen Gedanken Raum geben und ihnen in Stille zuhören.“ ‚Wie man beten soll‘ heißt der Text Luthers, aus dem das genommen ist.

Der Jesuit in mir lächelt zufrieden, denn fast wortgleich findet sich dieser Satz bei Ignatius von Loyola, wenn man genauer hinsieht, dann bestimmt auch noch bei anderen. Was heißen soll, dass Martin Luther hier eine geistliche Methode beschreibt, oder einen geistlichen Ratschlag gibt, der klug und erprobt ist. Auch beim Beten soll man also da inne halten, wo man etwas findet, was ein „guter Gedanke“ ist. Und der Raum dazu, das ist die Stille.

 

Bleiben

 

Wenn ich ein wenig Bibel einwerfen darf: „Bleiben“ ist eines der wichtigsten Worte im Evangelium nach Johannes, es kommt immer und immer wieder vor. Bleiben, das hat ja etwas Räumliches, etwas von nicht weiter gehen. Da muss man noch nicht gleich an drei zu bauende Hütten denken, aber innerlich kann dabei schon so etwas wie ein Raum entstehen.

Diese Räume, die in Leipzig entworfen und ausgestellt sind, sind aber anders als die „Räume der Besinnung“, sie man sonst so findet und die sich ja alle irgendwie in ihrer Kargheit, dem Benutzen von rohem hellen Holz und so weiter gleichen. Weiterlesen

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Päpstlicher Populismus?

Die Weltmacht Kirche wird seid vier Jahren von einem Populisten geleitet: der Wiener Journalist Hans Winkler macht sehr klar, wie er die Dinge sieht. Und damit kein Zweifel aufkommt: Trump wird als Vergleich herbei gezogen.

Es war ein Artikel in der Zeitung Die Presse, in der Winkler seine Sicht der Dinge darlegte, es gab eine Menge Aufsehen und viel Reaktion. Abgesehen davon, dass der Vorwurf des Populismus nur durch die Nennung des Namens Trump charakterisiert wird und ansonsten keinerlei Verständnis für dieses doch sehr komplexe Phänomen gezeigt wird, finde ich die dort geäußerten Vorwürfe dann doch lesenswert, weil charakteristisch. Kritik ist gut und wichtig, meistens sehen Kritiker Dinge, die begeisterte Fans nicht sehen.

Außerdem hat es ja Tradition, dass um den Jahrestag der Wahl herum ein dicker Kritik-Artikel veröffentlicht wird. Nehmen wir uns also diesen Artikel einmal vor.

 

Sich selber im Zentrum

 

Papst Franziskus - bitte immer ganz zuhören!

Papst Franziskus – etwas zu kritisieren findet man immer

Kritikpunkt Eins ist die Missachtung des Rechtes im Namen einer selbst definierten Gerechtigkeit.

An die Stelle des Rechts setzt er den Entscheider und eine Unmittelbarkeit zu den Menschen. Das ist zunächst einmal richtig beobachtet, wenn ich auch die Wertungen der Beobachtung nicht teile. Dass der Papst vor allem auf eigene Entscheidungen setzt und nicht auf die Abläufe im Apparat, ist offensichtlich. Das mag man gut finden oder nicht, da es aber beim Vatika nicht um einen Selbstzweck geht, sondern um einen Dienst an Kirche und vor allem Papst, darf das ja so sein.

Daraus aber schon eine Missachtung des Rechts zu folgern, überdehnt die Beobachtung. Das mag man vielleicht bei Trump feststellen, aber beim Papst? Und welches Recht bitte wird da überspielt?

Er spiele seine Unmittelbarkeit zu den Menschen aus gegen das Recht heißt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das eine ist noch kein Gegensatz zum zweiten, erst die Kritik versucht, daraus einen Gegensatz zu konstruieren.

Kritikpunkt Zwei ist der Umgang mit den Dubia, also den mittlerweile zu Referenzpunkten geronnenen Fragen von vier Kardinälen zum Lehrschreiben Amoris Laetitia. Nicht zu antworten sei unhöflich, außerdem würde kein anderer Chef einer Weltfirma so mit seinem Führungspersonal umgehen. „Stattdessen lässt er Unterläufel los“, meint der Autor zu wissen. Dass der Papst emotional und nicht rational agiere, weiß der Autor allerdings nur durch ein „wird erzählt“ zu beweisen. Für so ein kantiges Stück ziemlich schwach.

 

Umgangsformen einer Weltfirma

 

Eine Leserreaktion in der Zeitung weist richtig darauf hin, dass der Vergleich mit dem Chef einer Weltfirma ziemlich hinkt. Jeder Chef einer Weltfirma hätte einen solchen Mitarbeiter gleich in die Wüste gejagt. Die Sitten sind da etwas rauer. Die Romantisierung der „Weltfirma“ kommt ziemlich weltfremd daher, Chefs von Weltfirmen gehen ganz anders mit ihrem Personal um. Weiterlesen

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