Quatsch

Vor Papst Franziskus sei Wiederheirat nach Scheidung eine Todsünde gewesen, nun sei das nicht mehr so. Solch Unfug musste man nach der Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens Amoris Laetitia (AL) lesen, von jemandem, der als „Papstkenner“ durch deutsche Talkshows und – peinlich! – katholische Pfarreien und Bildungshäuser gereicht wird. Noch einmal also dieses Thema.

Der Text ist nicht ganz einfach zu verstehen. Schon bei der Pressekonferenz zur Vorstellung von AL kreisten einige fachkundige Fragen um eine Fußnote des Textes, Nr. 351, und wie das da mit den Sakramenten „in gewissen Fällen“ zu verstehen sei. Es ist wirklich nicht ganz einfach, das Ganze zu verstehen. Viel einfacher, von einem möglichen „Gegenpapst Benedikt XVI.“ zu schwadronieren, wie das der erwähnet Buchautor in besagtem Interview tun zu müssen glaubte.

Handgeschriebene Karte, von der alle Bischöfe der Welt zur Veröffentlichung von AL eine Kopie erhalten haben.

Handgeschriebene Karte, von der alle Bischöfe der Welt zur Veröffentlichung von AL eine Kopie erhalten haben.

Zugegeben, so ein Quatsch ärgert mich. Er ärgert mich, weil es Menschen davon abhält, den Text zu verstehen. Aber anstatt diesen – ich sage es noch einmal – Unfug weiter zu würdigen, nehme ich lieber ein zweites, dieses Mal Ernst zu nehmendes Problem zur Hand.

Die ersten Meldungen auf dem Mobil-Bildschirm nachdem das Embargo für den Text gefallen war waren „Papst für dies“, „Papst gegen das“, „Papst will jenes“. Meistens waren die Dinge negativ, zum Beispiel „gegen die Homo-Ehe“. Leider ist es so, dass Nachrichtenkonsum auf das Twitter-Format reduziert wird. Aber es zeigt auch, wie die Debatte zumindest bei uns geführt wird: Mit der Frage, ob es neue Festlegungen in gewissen Fragen gibt. Wir wollen Entscheidungen und messen dann Erfolg oder Misserfolg, Reform oder Konservatives Denken oder was auch immer, an diesen Entscheidungen.

 

An Entscheidungen gemessen

 

Bereits im Vorfeld was spekuliert worden, was der Papst denn nun wollte. Und anstatt zu warten, will man natürlich seine eigene Interpretation an Mann und Frau bringen. So kam es dann zu solchen Einschätzungen: Der Papst wird die offizielle Position zum Thema Homosexualität oder Scheidung und Wiederheirat verkünden, die Tatsache dass Kardinal Schönborn gebeten wurde, das Papier vorzustellen, sei ein Zeichen, dass der Papst sich auf die Seite der Progressiven geschlagen habe. Das konnte man auf einer italienischen Seite lesen. Nach der Veröffentlichung übrigens kein Wort darüber, dass man völlig falsch gelegen hat. Noch mehr Quatsch also.

Öffentliche Debatten haben immer schon zur Synode dazu gehört. Die Synode war größer als der Raum, in der sie getagt hat. Das ist auch gut so. Aber es hat auch seine eigenen Herausforderungen. Und Papst Franziskus war das sehr bewusst beim Abfassen des Schreibens, er nimmt darauf direkt zu Beginn, in der Nummer 2, Bezug:

„Die Debatten, wie sie in den Medien oder in Veröffentlichungen und auch unter kirchlichen Amtsträgern geführt werden, reichen von einem ungezügelten Verlangen, ohne ausreichende Reflexion oder Begründung alles zu verändern, bis zu der Einstellung, alles durch die Anwendung genereller Regelungen oder durch die Herleitung übertriebener Schlussfolgerungen aus einigen theologischen Überlegungen lösen zu wollen“. Weiterlesen

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„Der Mensch, der dich am meisten hasst, hat etwas Gutes an sich“

Martin Luther King

Martin Luther King

Die Güte darf niemals über Bord gehen, auch gegenüber Hass nicht, auch gegenüber Feinden nicht. Die Haltung, die sich in diesen Worten ausdrückt, ist zutiefst christlich und sie atmet auch in der neuen Enzyklika des Papstes. Die Worte stammen aber nicht vom Papst selber, sondern sind ein Zitat, der der Papst in seinem Schreiben Amoris Laetitia (AL) sehr ausführlich aufgreift, es ist das längste wörtliche Zitat (abgesehen von den Übernahmen aus den Synodendokumenten), das sich in diesem postsynodalen Text findet. Der Urheber ist Dr. Martin Luther King, in der Enzyklika zitiert der Papst eine berühmte Predigt, gehalten am 17. November 1957 in der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery, Alabama (AL 118).

 

„Der Mensch, der dich am meisten hasst, hat etwas Gutes an sich; sogar die Nation, die dich am meisten hasst, hat etwas Gutes an sich; sogar die Rasse, die dich am meisten hasst, hat etwas Gutes an sich. Und wenn es dir gelingt, das Gesicht eines jeden Menschen zu betrachten und tief in seinem Innern das zu sehen, was die Religion das „Abbild Gottes“ nennt, dann beginnst du, ihn trotzdem zu lieben. Es kommt nicht darauf an, was er tut, du siehst dort das Abbild Gottes. Es gibt ein Element der Güte, das du niemals über Bord werfen darfst […] Eine andere Weise, in der du deinen Feind liebst, ist diese: Wenn sich die Gelegenheit bietet, deinen Feind zu besiegen, ist genau dies der Moment, in dem du das nicht tun darfst […] Wenn du dich auf die Ebene der Liebe, ihrer großen Schönheit und Macht, erhebst, sind das Einzige, das du zu besiegen suchst, die bösartigen Systeme. Die Menschen, die in diesen Systemen gefangen sind, die liebst du, du trachtest jedoch nur danach, dieses System zu besiegen […] Hass gegen Hass steigert nur die Existenz des Hasses und des Bösen im Universum. Wenn ich dich schlage und du mich schlägst und ich dir den Schlag zurückgebe und du mir den Schlag zurückgibst und so weiter, dann siehst du das geht ewig so weiter. Es endet einfach niemals. An irgendeinem Ort muss irgendjemand ein bisschen Verstand haben, und das ist der starke Mensch.  Der starke Mensch ist derjenige, welcher die Kette des Hasses, die Kette des Bösen durchschneiden kann […] Irgendjemand muss genügend Religion und Moral haben, um sie durchzuschneiden und in das besondere Gefüge des Universums dieses starke und machtvolle Element der Liebe injizieren.“

 

„Die Liebe hält allem Stand“ ist das Zitat aus dem Korintherbrief (1 Kor 13: 4-7), das der Papst mit diesen Worten Kings auslegt, Panta hypoménei wie es auf Griechisch heißt. Diese Liebe ist nicht überhöht und ein Ideal, sie werde „mitten im Leben gelebt“, wie der Papst sagt. Er blickt also in die Schrift und will ergründen, was wir eigentlich zur Liebe glauben.

 

Eine Frage der Haltung

 

Und dort hinein gehört also Dr. Martin Luther King.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Papst den berühmten Baptistenprediger und Bürgerrechts-Anwalt der Afro-Amerikaner in den USA zitiert. Eine prominente Rolle hatte Dr. King auch bei der Rede des Papstes vor dem US-Kongress, was ein Mitglied – der selber mit King marschiert war – zu Tränen rührte und was an jenem Tag auf allen Kanälen im US-TV zu sehen war.

Wir hier bei uns sprechen von Martin Luther King vor allem, wenn es um die Frage von Gerechtigkeit geht. In den Rassen-Auseinandersetzungen in den USA hatte er für die Rechte derer gekämpft, denen sie vorenthalten wurden, Stichwort Gleichberechtigung aller. In dieser Predigt wird aber klar, was genau King damals getan hat. Es ging ihm nicht – nur – um das Einfordern von Recht, von Gesetz, von Regeln. Es ging ihm – darüber hinaus – um eine innere Haltung. Und das verbindet den Prediger mit dem Papst, genau hier findet der Papst das, was ihn an Martin Luther King anspricht. Wie King es in der Predigt sagt: „Wenn sich die Gelegenheit bietet, deinen Feind zu besiegen, ist genau dies der Moment, in dem du das nicht tun darfst“. Weiterlesen

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Amoris Laetitia: Auf eine Sehnsucht antworten

Nun wissen wir also, was Papst Franziskus über Ehe und Familie und Glaube und Lehre und die komplizierten Situationen denkt. Jetzt muss man den Text nur noch lesen. Kein leichtes Unterfangen, knapp 200 Seiten sind es und sehr, sehr viele Themen.

Was ist es also, was man unbedingt über Amoris Laetitia wissen muss, ohne alle 200 Seiten eifrig studiert zu haben?

Zuerst, dass es keine Antwort auf all die Fragen nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ist. Reden wir nicht drum herum, das fragen alle, das wollen alle wissen und die meisten werden nachdem sie gesehen haben, dass dazu keine Entscheidung im Text ist, das Schreiben als schwach, rückfällig, Kompromiss, gescheitert oder sonstwie ansehen.

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Aber man muss das so klar sagen, darum geht es dem Papst auch gar nicht. Ich darf einmal zitieren: „Es geht nicht allein darum, Normen vorzulegen, sondern Werte anzubieten, und damit auf eine Sehnsucht nach Werten zu antworten“ (AL 201), es geht also in der Dynamik weiter, welche der Papst in Evangelii Gaudium begonnen hat.

Kurz und knapp: wer nur nach einer Entscheidung sucht, wird mit dem Text nicht glücklich.

 

Komplexe Situationen

 

Nun kann man ernsthaft fragen, warum Papst Franziskus dann überhaupt selber diese Debatte zu den wiederverheirateten Geschiedenen an den Anfang gestellt? Immerhin war es ja der Vortrag von Kardinal Kasper, der Anfang 2014 den Prozess begonnen hatte und bei dem Vortrag ging es ja unter anderem auch um einen Weg, wie mit wiederverheirateten Geschiedenen umzugehen ist.

Was davon geblieben ist, ist der Prozess. Das meine nicht nicht herabstufend, sondern ganz ernst. In gewisser Weise ist es ja völlig richtig, mit den komplexen Fragen zu beginnen, denn dort zeigt sich am klarsten, warum es geht und was eigentlich die Knackpunkte sind.

Aber dann ist der Prozess über zwei Jahre weiter gegangen. Die Fragen sind nicht verschwunden und niemand wird behaupten, dass sie nicht wichtig sind. Aber es hat sich heraus gestellt, dass noch einmal grundsätzlich über die ganze Breite des Themas Ehe und Familie gesprochen werden muss, in allen Konkretheiten, und nicht nur beschränkt auf eine oder zwei Fragen.

Und genau das tut das Papier jetzt.

 

Unterscheidung und Gewissen

 

Und es macht noch ein zweites, es gibt das Vorgehen vor. Der Papst ist ja sehr prozess-orientiert, das kennen wir aus Evangelii Gaudium schon, und genau so geht er auch hier vor. Die Stichworte hierfür sind „Unterscheidung“ und „Gewissen“, es geht also nicht um die Formulierung von Regeln, sondern um das Erkennen des Willens Gottes in der konkreten Situation. Auf die Wirklichkeit hören heißt, auf den Heiligen Geist zu achten. Und da kann dieses Dokument helfen. Es muss nicht alles von Rom aus entschieden werden, sagt der Papst ganz zu Beginn von Amoris Laetitia, nicht mehr eine Instanz entscheidet über alles, sondern sie stellt nach Beratungen und mit Blick auf Schrift und Tradition den Weg fest. Hier zeigt sich, was der Papst mit Synodalität meint. Es wäre interessant, dieses Dokument mal als Anwendungsbeispiel von Synodalität zu lesen, vielleicht mache ich das an dieser Stelle in der nächsten Zeit einmal.

Es bleibt die Frage, was genau Papst Franziskus mit diesem Dokument nun will. Mir sieht das ganz nach einem Anliegen aus, das der Papst schon in Evangelii Gaudium formuliert hat und das auch in Amoris Laetitia wieder vorkommt: die missionarische Umkehr. Die Pastoral muss erfahrbar machen, was der Glaube von der Familie zu sagen hat (AL 201). Und Pastoral ist nicht nur Anwendung von Grundsätzen, die woanders verhandelt werden, auf eine Realität. Pastoral ist Kommunikation, ist Unterscheidung, ist überhaupt der Ort, an dem Kirche Kirche ist. Nicht in den Büchern und Lehren, sondern im Leben der Menschen.

Und genau hierhin will Papst Franziskus mit seinen Gedanken führen.

Vielleicht kann man die Intention des Schreibens verkürzend so zusammen fassen: Das Ziel ist die Integration, die Einbeziehung aller. Der Modus dafür ist die Barmherzigkeit, die nicht nur eine Eigenschaft Gottes ist, sondern auch ein Kriterium um zu erkennen, wer Gottes Kind ist (AL 310). Diese Barmherzigkeit ist bedingungslos, weil alles andere das Evangelium verflüssigen würde (AL 311). Und das Mittel für diese Integration, der pastorale Weg, das ist die Unterscheidung und die Begleitung. Alles andere scheint mir an diesem Grundgerüst aufgehängt.

 

 

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„Mann und Frau sind das Abbild Gottes“

An diesem Freitag wird der Vatikan das so genannte Postsynodale Schreiben des Papstes zum Thema Familie veröffentlichen, also den Text, mit dem Papst Franziskus die Debatten des synodalen Prozesses zusammen fassen und bewerten wird. Amoris Laetitia wird er heißen und es wird seine Sicht auf die Dinge sein, nachdem er während der Beratungen in der Aula geschwiegen hatte.

Trotzdem wird es nicht das erste Mal sein, dass der Papst sich zum Thema öffentlich äußert, ganz im Gegenteil. Bei der Synode hatte er nicht das Wort ergriffen, aber in 36 Katechesen auf dem Petersplatz hatte er 2015 zum Thema gesprochen. Alles zusammen fassen wäre zu viel, aber als Vorbereitung mag ich hier noch mal an einige zentrale Gedanken dazu erinnern.

 

Aus den Katechesen des Papstes:

 

„Die Menschwerdung des Sohnes Gottes eröffnet einen Neubeginn in der Universalgeschichte des Mannes und der Frau. Und dieser Neubeginn findet im Schoße einer Familie statt, in Nazareth. Jesus wurde in diese Familie hineingeboren. (…) Gott wollte in einer menschlichen Familie geboren werden, die er selbst gebildet hat.“ (17.12.2014)

 

Papst Franziskus bei einer Generalaudienz

Papst Franziskus bei einer Generalaudienz

„Tatsächlich besteht eine enge Verbindung zwischen der Hoffnung eines Volkes und der Harmonie zwischen den Generationen. Die Freude der Kinder lässt das Herz der Eltern erbeben und eröffnet neue Zukunft. Die Kinder sind die Freude der Familie und der Gesellschaft. Sie sind kein Problem der Reproduktionsbiologie und auch keiner der vielen Wege zur Selbstverwirklichung. Und sie sind erst recht kein Eigentum der Eltern… Nein. Kinder sind eine Gabe, sie sind ein Geschenk: verstanden? Kinder sind ein Geschenk. Jedes ist einzigartig und unwiederholbar – und gleichzeitig unverkennbar mit seinen Wurzeln verbunden.“ (11.2.2015)

 

„In der Familie, unter Geschwistern lernt man das menschliche Zusammenleben, wie man in der Gesellschaft miteinander leben soll. Vielleicht sind wir uns dessen nicht immer bewusst, aber gerade die Familie bringt die Geschwisterlichkeit in die Welt hinein!“ (18.2.2015) „Zunächst erinnern die Kinder uns daran, dass wir alle in den ersten Lebensjahren völlig von der Fürsorge und dem Wohlwollen der anderen abhängig waren. Und der Sohn Gottes hat es sich nicht erspart, diese Situation zu durchleben. Dieses Geheimnis betrachten wir jedes Jahr zu Weihnachten. Die Krippe ist das Bild, das uns diese Wirklichkeit ganz einfach und unmittelbar mitteilt.“ (18.3.2015)

 

Mann und Frau sind das Abbild Gottes, ihm ähnlich. Dem entnehmen wir, dass nicht nur der Mann als Einzelner betrachtet das Abbild Gottes ist, dass nicht nur die Frau als Einzelne betrachtet das Abbild Gottes ist, sondern dass auch Mann und Frau als Paar Abbild Gottes sind.“ (15.4.2015) „Die Sünde erzeugt Misstrauen und Spaltung zwischen dem Mann und der Frau. Ihr Verhältnis wird getrübt durch zahlreiche Formen von Missbrauch und Unterwerfung, von trügerischer Verführung und demütigender Anmaßung, bis hin zu den dramatischsten und gewalttätigsten Formen. Die Geschichte zeigt die Spuren davon. Denken wir zum Beispiel an die negativen Auswüchse der patriarchalen Kulturen. Denken wir an die zahlreichen Formen des Chauvinismus, wo die Frau als zweitrangig betrachtet wurde. Denken wir an die Instrumentalisierung und Kommerzialisierung des weiblichen Körpers in der gegenwärtigen Medienkultur. Aber denken wir auch an die Seuche des Misstrauens, der Skepsis und sogar der Feindseligkeit, die sich in letzter Zeit in unserer Kultur verbreitet – insbesondere von einem verständlichen Argwohn der Frauen her –, bezüglich eines Bundes zwischen Mann und Frau, der die Vertrautheit der Gemeinschaft vertiefen und gleichzeitig die Würde des Unterschieds wahren kann. Weiterlesen

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Bert Brecht und Panama. Oder: Wo ist hier das Verbrechen?

Die Firma Mossack Fonseca in Panama wehrt sich. Es geht um die jetzt durch die Medien gehenden Panama-Papers, die Firma hat in 40 Jahren 240.000 Firmen gegründet. Kein Schreibfehler, das wird mit Berufung auf einen der Inhaber der Firma genau so berichtet.

Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen“, sagt dieser Herr. Das ist korrekt, aber irgendwie will das keiner so richtig ernst nehmen, immerhin geht es darum, das Geld steuerfrei geparkt und illegal außer Landes gebracht wurde.

Die Liste der Menschen mit Briefkastenfirmen ist lang und illuster. Die Verteidigung sieht also so aus, dass man das alles nicht benutzen darf, schließlich sei das illegal. Da mag ich an dieser Stelle mich gar nicht lange über Moralität und den Beitrag zum Gemeinwohl auslassen, den diese pseudo-Firmen an den Menschen vorbei schleusen, die es bräuchten, an Schulen, an Bildung insgesamt, an Gesundheitswesen und so weiter und so weiter. Da will ich nur einfach mal wieder Bert Brecht zitieren, nie war er so wertvoll wie heute: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Aus der Dreigroschenoper, Akt III.

 

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Man nehme … Bischöfe à la Franziskus

Der Vorname Stefan ist keine Vorbedingung für das Bischofsamt. Auch wenn alle drei bisher von Papst Franziskus in Deutschland ernannten Bischöfe – von den „Verschiebungen“ mal abgesehen, Stefan heißen, dürfen wir sicher sein, dass das nur ein Zufall ist. Heße (Hamburg), Burger (Freiburg) und Oster (Passau) sind die Stefans-Bischöfe (oder Stephan, je nachdem). Blicken wir nach Österreich können alle Nicht-Stefans aufatmen: Benno, Werner und Wilhelm heißen die dort ernannten Ortsbischöfe (Elbs, Freistetter bzw. Krautwaschl).

Warum das wichtig sein soll? Weil mit Aachen und Dresden/Meißen bereits zwei Bistümer vakant sind, weil Mainz und Sankt Pölten bereits über das Rücktrittsalter von 75 hinaus sind, Kardinal Lehmann wird bereits 80. Und weil sich auch Würzburg und Hildesheim der Grenze von 75 nähern. Außerdem ist da noch Limburg zu besetzen, also ein ganze Reihe von Bischofsstühlen.

Wenn also Stefan keine Kategorie ist, wonach ernennt dann der Papst? Was sind seine Vorstellungen vom Amt, die ja doch gewissen Einfluss haben?

Der Vollständigkeit halber: Einfluss haben auch die Konkordate, also die Verträge zwischen den einzelnen Ländern und dem Heiligen Stuhl, Einfluss hat auch die die Ernennungen vorbereitende Bischofskongregation in Rom, der Vorsitzende der jeweiligen Bischofskonferenz und natürlich der das Verfahren vor Ort organisierende Nuntius. Aber die agieren fallweise, der Papst hat grundsätzliche Vorstellungen. Und die zählen.

Bischofsweihe im Petersdom am Samstag vor Palmsonntag

Bischofsweihe im Petersdom am Samstag vor Palmsonntag

Was das für Vorstellungen sind, wird er nicht müde vorzubringen. Keine Papstreise, bei der er nicht der dort versammelten Bischofskonferenz sagt, was er zu sagen hat. Und wenn man die drei Jahre zurück blickt, sind es eher deutliche Worte, die er bei diesen Gelegenheiten findet. Sehr deutliche sogar, es sind die Klartext-Ansprachen der Reise.

So sehr, dass es jetzt nach der Mexiko-Reise einen kleinen Eklat gegeben hat, eine Publikation des Erzbistums Mexiko-Stadt hat im Editorial mit Bezug auf die Papstrede dort gefragt, wer eigentlich den Papst berate, dass dieser so Falsches über das Land und die Bischöfe sage. Da gab es Einiges an Unruhe.

Wenn er vor den Bischöfen spricht, dann ist das meistens die Übersetzung seiner Vorstellung von Kirche in die pastorale Wirklichkeit eines Landes, und das wie gesagt gerne in aller Deutlichkeit, die von Versuchungen dergleichen spricht, wie der Papst das gerne tut.

 

Männer ohne „Prinzen-Psychologie“

 

Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir die erste dieser Bischofs-Ansprachen, die in Rio de Janeiro vor den versammelten Bischöfen des Koordinationsrates der CELAM, also der Bischofskonferenzen des Kontinents: „Derjenige, der die Pastoral (…) leitet, ist der Bischof. Der Bischof muss leiten, was nicht dasselbe ist wie sich als Herr aufzuspielen. (… ) Die Bischöfe müssen Hirten sein, nahe am Volk, Väter und Brüder, mit viel Milde; geduldig und barmherzig. Menschen, die die Armut lieben, sowohl die innere Armut als Freiheit vor dem Herrn, als auch die äußere Armut als Einfachheit und Strenge in der persönlichen Lebensführung. Männer, die nicht eine „Prinzen-Psychologie“ besitzen. Männer, die nicht ehrgeizig sind und die Bräutigam einer Kirche sind, ohne nach einer anderen Ausschau zu halten. Männer, die fähig sind, über die ihnen anvertraute Herde zu wachen und sich um alles zu kümmern, was sie zusammenhält: über ihr Volk zu wachen und Acht zu geben auf eventuelle Gefahren, die es bedrohen, doch vor allem, um die Hoffnung zu mehren: dass die Menschen Sonne und Licht im Herzen haben. Männer, die fähig sind, mit Liebe und Geduld die Schritte Gottes in seinem Volk zu unterstützen. Und der Platz, an dem der Bischof bei seinem Volk stehen muss, ist dreifach: entweder vorne, um den Weg anzuzeigen, oder in mitten unter ihnen, um sie geeint zu halten und Auflösungserscheinungen zu neutralisieren, oder auch dahinter, um dafür zu sorgen, dass niemand zurückbleibt, aber auch und grundsätzlich, weil die Herde selbst ihren eigenen Spürsinn hat, um neue Wege zu finden.“

Bischofsweihe im Petersdom am Samstag vor Palmsonntag

Bischofsweihe im Petersdom am Samstag vor Palmsonntag

Und dann schließt der Papst an: „Ich möchte nicht ausufern in weiteren Einzelheiten über die Person des Bischofs, sondern schlicht hinzufügen – und dabei mich selber einschließen –, dass wir in Bezug auf die Umkehr in der Pastoral ein wenig in Verzug sind.“

Wie gesagt, das sind verbale Anwendungsbeispiele von pastoralen Vorstellungen. Das ist noch nicht gleich eine Kritik, das ist auch nicht unbedingt ein Maßband, aber dass ist die Vorstellung, nach der Bischöfe sich strecken sollen. Und das ist vielleicht auch die Erwartung der Gläubigen. Weiterlesen

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Prophet beim Urbi et Orbi

Niemals habe ich so viele Radio-live-Hörer wie bei den zwei Urbi et Orbi Übertragungen im Jahr. Was wahrscheinlich daran liegt, dass ich die für öffentlich rechtliche Sender mache, Bayerischer Rundfunk, WDR, Hessischer Rundfunk, Deutschlandfunk, und ein Sender in Belgien. Ich werde zugeschaltet und darf dann zum Schluss die Worte sagen, die so wunderbar altmodisch nach Radio klingen: „Ich gebe zurück an die angeschlossenen Funkhäuser“.

Meine letzte Urbi et Orbi Übertragung hat es sogar bis in den TAZ-Blog gebracht. Der Kollege konnte nur zugeben, uns gehört zu haben, weil er auf der Toilette gewesen sei. War ihm wohl peinlich, oder musste ihm per TAZ-Journalist peinlich sein, wie auch immer. Aber er hat ein witziges Phänomen berichtet: Der Kommentator – also ich – sei an einigen Stellen dem Papst bei der Übersetzung voraus gewesen. Er habe also gewusst, was der Papst sagen würde, noch bevor er es sagte. Ein Prophet!

Was daran liegt, dass es sehr schwer ist, gleichzeitig zu hören und zu lesen. Denn Papst Franziskus weicht gerne vom Text ab, setzt neu an oder fügt ein. Da muss man dann mit seiner eigenen Übersetzung genau an der Stelle sein, wo er auch ist, sonst muss man einerseits Text A zu Ende bringen, gleichzeitig aber Textstück B merken, übersetzen und anschließend sagen. Mein Respekt vor Simultanübersetzern war immer schon groß, aber zu diesen Augenblicken wird er riesig.

Da aber in der Deutschen sprache die Wort-Ordnung eine andere ist als im Italienischen, kann es sein, dass das italienische Wort vom Papst noch nicht ausgesprochen ist, wenn ich die deutsche Übersetzung schon ins Mikro gesprochen habe.

Warum ich nicht warte? Weil man am Tonfall hören kann, ob er gleich abweichen wird oder nicht. Das haben wir gelernt.

Lieber TAZ-Kollege, ich gelobe Besserung. Ich werde mich mühen und dieses Mal alles noch besser machen, versprochen.

Gesegnete Ostern!

 

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In dir, Gekreuzigter, sehen wir uns

Karfreitag, die Meditation und Verehrung des Kreuzes. Aber nicht nur das: Papst Franziskus hat im vergangenen Jahr beim traditionellen Kreuzweg am Kolosseum ein Gespräch mit dem Gekreuzigten geführt, ein Gebet in ignatianischer Tradition:  „Wie ein Freund mit einem Freund spricht“, wie Ignatius sagt. Ein wunderbarer Text der Meditation und offensichtlich Frucht eines lebenslangen Betens. Zur geistlichen Begleitung dieses Tages stelle ich diese Meditation/dieses Gebet noch einmal ein.

 

Papst Franziskus beim Kreuzweg 2015

Papst Franziskus beim Kreuzweg 2015

„O gekreuzigter und siegreicher Christus, dein Kreuzweg ist die Synthese deines Lebensweges und das Abbild deines Gehorsams gegenüber dem Willen des Vaters. In ihm wird deine unendliche Liebe für uns Sünder Wirklichkeit und zum Erweis deines Auftrags und zur endgültigen Erfüllung der Offenbarung und der Geschichte des Heils.

Das Gewicht deines Kreuzes befreit uns von all unseren Bürden. In deinem Gehorsam gegen den Vater verringert sich unser Auflehnen und unser Ungehorsam.

In dir, verkauft, verraten und gekreuzigt von deinem Volk und von denen, die du liebtest, sehen wir unseren alltäglichen Verrat und unsere gewöhnliche Untreue.

In deiner Unschuld, unbeflecktes Lamm, sehen wir unser Verschulden. In deinem geschlagenen, angespuckten und entstellten Antlitz sehen wir die Brutalität unserer Sünden. In der Grausamkeit deines Leidens sehen wir die Grausamkeit unseres Herzens und unseres Handelns. In deinem Verlassenen sehen wir alle von den Familien, der Gesellschaft, von Aufmerksamkeit und Solidarität Verlassenen. In deinem geopferten Leib, durchbohrt und zerrissen, sehen wir die Körper unserer am Weg liegen gelassenen Brüder und Schwestern, entstellt von unserer Achtlosigkeit und unserer Gleichgültigkeit.

In deinem Durst, Herr, sehen wir den Durst deines barmherzigen Vaters, der in dir die ganze Menschheit umarmen, ihr vergeben und sie retten wollte.

In Dir, göttlicher Liebe, sehen wir auch heute unsere verfolgten Geschwister, enthauptet und gekreuzigt für ihren Glauben an Dich, unter unseren Augen und oftmals mit unserem mitschuldigen Schweigen.

Präge unsere Herzen, Herr, mit Regungen des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, des Schmerzes für unsere Sünden und führe uns zur Reue über unsere Sünden, die Dich gekreuzigt haben. Führe uns dazu, dass unsere Bekehrung in Worten zu einer Bekehrung des Lebens und der Werke werde.

Lass uns in uns die lebendige Erinnerung an dein entstelltes Antlitz bewahren, so dass wir niemals den entsetzlichen Preis vergessen, den Du bezahlt hast, um uns zu befreien. Gekreuzigter Jesus, stärke in uns den Glauben, dass wir nicht in Versuchung fallen. Mache in uns die Hoffnung lebendig, dass wir uns nicht den Verführungen der Welt folgend verlieren. Bewahre in uns die Nächstenliebe, die sich nicht von der Korruption und der Weltlichkeit trügen lässt. Lehre uns, dass das Kreuz der Weg zur Auferstehung ist. Lehre uns, dass der Karfreitag der Weg zum Osterfest des Lichtes ist. Lehre uns, dass Gott niemals irgendeines seiner Kinder vergisst und niemals müde wird, uns zu vergeben, und uns zu umarmen mit seiner unendlichen Barmherzigkeit, aber lehre uns auch selber nie müde zu werden, um Vergebung zu bitten und an die Barmherzigkeit des Vaters, eine Barmherzigkeit ohne Grenzen zu glauben.“

Und dann sprach der Papst das alte Gebet „Anima Christi“.

„Seele Christi, heilige mich,
Leib Christi, rette mich,
Blut Christi, tränke mich,
Wasser der Seite Christi, reinige mich,
Leiden Christi, stärke mich,
O guter Jesus, erhöre mich.

Birg in deinen Wunden mich,
von dir lass nimmer scheiden mich,
vor dem bösen Feind beschütze mich.
In meiner Todesstunde rufe mich,
zu dir kommen heiße mich,
mit deinen Heiligen zu loben dich
in deinem Reiche ewiglich. Amen.“

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Liturgie ernst nehmen

Es gibt eine Menge Kritik. Als Papst Franziskus zum ersten Mal die Feier zum letzten Abendmahl gefeiert hat, direkt nach seiner Wahl, war er in ein Jugendgefängnis gegangen und hatte dort auch einer jungen Muslima die Füße gewaschen. Im darauf folgenden Jahr 2014 war er in einem Heim für alte Menschen mit Behinderung, im vergangenen Jahr im Gefängnis von Rebibbia. In diesem Jahr ist er in einem Aufnahmelager für Flüchtlinge.

Fußwaschung 2014

Fußwaschung 2014

Und wieder wird er Menschen die Füße waschen. Männern, Frauen, Kindern, Christen wie Nichtchristen. Und auch wenn sich die verbale Kritik vor allem darauf bezieht, dass der Papst auch Nichtchristen dient, liegt darunter doch das Unbehagen, dass Frauen darunter sind. Bislang war der symbolische Gestus des Füßewaschens für Männer da, weil eben beim letzten Abendmahl Jesu nur Männer präsent waren, jedenfalls berichtet uns die Schrift nichts anderes.

Und dann hat der Papst auch noch die liturgischen Vorschriften geändert, bzw. ändern lassen, so dass ab jetzt eine Gruppe von Menschen ausgewählt werden kann, welche die feiernde Gemeine sozusagen vertritt, oder wie das Dekret dazu es formuliert: „die die Verschiedenheit und Einheit eines jeden Teiles des Gottesvolkes repräsentieren.“ Damit soll die Bedeutung der Geste Jesu im Abendmahlssaal angemessen ausgedrückt werden, wie der Papst in seinem Brief an den zuständigen Kardinal Robert Sarah geschrieben hat.

Und hier ist der Kern der Kritik, wenn man mal von den recht dummen Vorurteilen absieht, Frauen hätten in der Liturgie nichts zu suchen. Die Kritik sagt, der Papst verändere damit den Kern der Aussage dieses symbolischen Aktes. Der immer wieder gerne zitierte Sandro Magister, italienischer Vatikan-Journalist und seit Jahren aktiver Gegner der Reformen Papst Franziskus’ (wenn man bei „aktiver Gegner“ noch von Journalismus sprechen kann), fasst das sehr gut zusammen: früher hätte die Geste Jesu sozusagen erinnert werden sollen, so wie sie war, habe sie heute eine neue Bedeutung. Und Magister fügt an, dass es merkwürdig ist, dass ausgerechnet ein Jesuit mit seiner Betonung der Betrachtung und Meditation der Ereignisse mit Vorstellungskraft und Sinnen davon weggehe und die Geste mit neuem Symbolgehalt fülle.

 

Kann die Geste noch sprechen?

 

Da liegt ein grundsätzliches Missverständnis von Liturgie vor. Liturgie und damit auch liturgische Gesten wie die Fußwaschung sind keine historistischen Akte. Wenn man wirklich Jesu Handeln „wie es wirklich gewesen ist“ darstellen wollte, dann müsste man viel mehr an unserem Rituale ändern. Die Kirche nannte diese Fußwaschung immer das „Mandatum“, also das „Gebot“, weil sich hier ausdrückt, was Jesus als sein Gebot aufgetragen hatte: liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Dient einander. Der erste soll euer Diener sein. Und so weiter. Und dieser Dienst ist nicht symbolisch, er ist real und hat mit sich Bücken und Waschen zu tun. In der Geste drückt sich nicht ein historisches Geschehen aus, sondern ein Gebot für heute.

Wenn ein Bischof nur Priestern die Füße wäscht, weil ja schließlich auch Jesus nur den Jüngern die Füße gewaschen hat, ist das eine historistische Verkürzung. Wie alles in der Liturgie hatten die Regeln ihren Ursprung und ihren Sinn, aber haben in all den Veränderungen der Jahrzehnte nun nicht mehr die Aussagekraft, die sie haben sollten.

Wenn wir in der Liturgie diese symbolische Geste vollziehen – und ich stimme Sandro Magister zu, das ist nicht das Wichtigste in der Liturgie des Tages, sondern das ist und bleibt die Einsetzung der Eucharistie – dann soll diese Geste das Ausdrücken, was Jesus damit ausdrücken wollte. Damit muss das „Material“ der Geste, die „Sprache“ der Geste, an unsere Welt angepasst werden. Wohlgemerkt: nicht der Welt unterworfen, aber damit die Geste „sprechen“ kann, muss sie in einer Art und Weise vollzogen werden, dass sie verstehbar wird.

 

Kirche ist kein Museum

 

Den Symbolgehalt einer Geste kann man nicht dekretieren, dies und das bedeutet so-und-so. Symbole wirken oder sie wirken nicht. Wenn Papst Franziskus eine große Genialität hat, dann darin, Gesten sprechen zu lassen, sei es in der Liturgie mit der Auswahl seiner Kreuzstäbe oder dem Fußwaschen oder der Schlichtheit, sei es außerhalb der Liturgie mit den Umarmungen oder den Klage-Gesten vor den Mauern in Jerusalem. Und die Änderung der Ordnung in der Abendmahls-Liturgie stellt sicher, dass unsere Gottesdienste genau so sprechend bleiben. Schließlich – um ein Papstwort zu zitieren – ist die Kirche kein Museum, das nur bewahrt. Sie will verkünden und weiter geben, deswegen muss sie sicher stellen, dass sie verstehbar bleibt.

Liebe Kritiker der Franziskus-Aktionen: ihr seid in Gefahr, ein Missverständnis von Liturgie zu bewahren. Nämlich dass man das weiter machen muss, was immer schon gemacht wurde. Aber Liturgie ist lebendig und war es immer schon. Um den Kern zu bewahren, muss man Schritte tun, sie sprechend zu belassen.

Das bedeutet, Liturgie wirklich als das ernst zu nehmen, was sie ist: Zentrum des gemeinsam gelebten Glaubens. Wer die Feier im Museum lässt, macht letztlich genau das Gegenteil dessen, was er vorgibt zu tun. Er nimmt Liturgie nicht ernst.

 

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Santa Maria Antiqua

Rom hat eine Kirche mehr. Keine neue, obwohl auch auf diesem Gebiet einiges zu tun ist, Rom hat zu wenig Kirchen – klingt komisch und wenn man durch den Stadtkern geht wundert man sich über so einen Satz – aber es stimmt, Rom wächst an den Stadträndern und braucht neue Kirchen für die Menschen, die da wohnen.

Mit technischer Hilfe werden die Fresken besser sichtbar - Santa Maria Antiqua, Rom

Mit technischer Hilfe werden die Fresken besser sichtbar

Aber die Kirche, um die es hier geht, ist nicht neu. Sie ist alt. Eine der ältesten Kirchen, die noch stehen, wenn auch nur als Ruine. Was daran liegt, dass Santa Maria Antiqua im 9. Jahrhundert bei einem Erdbeben verschüttet wurde – wahrscheinlich von den auf sie fallenden Trümmern alter Kaiserpaläste – und erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt wurde. Man musst eine andere Kirche abreißen, um an diese Kirche heran zu kommen.

Das Ergebnis: eine mittelalterliche Kirche mit mittelalterlichen Fresken, unberührt von Hochmittelalter, Renaissance und Barock, von anderen Kunststilen mal ganz zu schweigen. Wie gesagt, es ist eine Ruine, aber eine sehr sehenswerte. Man kann ein wenig besser nachspüren, wie damals Kirche und Liturgie und bildliche Darstellung funktioniert haben. Es fehlen die uns vertrauten Gesichter wie die allen bekannten Heiligen, weil Franziskus und Katharina und wie sie alle heißen noch nicht geboren waren, als diese Kirche verfiel. Es sind weniger individuelle Heilige, die man hier sieht, sondern eher das, was die Tradition den „himmlischen Hofstaat“ nennt, also den Chor der Heiligen um Gott herum. Die Grenze zwischen Welt und Reich Gottes verschwimmt ein wenig, man ist irgendwie bei der Feier der Liturgie dazwischen, einerseits voll in der Welt, andererseits umgeben von den Heiligen. Man kann ganze Wände mit Heiligen sehen, die sozusagen die in der Kirche versammelte Gemeinde auf dem Himmel hin erweitert haben.

Man kann auch ein Kind Jesus sehen, das gewaschen wird, ein Mosaik zeigt das. Eher ungewöhnlich, diese Darstellung. Mit Hilfe von Licht werden auch einzelne Bereiche der Fresken besonders deutlich gemacht, eine Art pädagogische Lightshow. Das muss man nicht unbedingt mögen, aber es ist sehr hilfreich, zu verstehen und besser zu sehen.

Also, beim nächsten Rombesuch auf die Liste: Santa Maria Antiqua, auf dem Forum Romanum, direkt dem Eingang an der Via dei Fori Imperiali gegenüber.

 

Santa Maria Antiqua
Heilige - Fresko in Santa Maria Antiqua
Fresko in Santa Maria Antiqua
Fresko in Santa Maria Antiqua
Eine der beiden Seitenkapellen neben der Apsis
Fresken in Santa Maria Antiqua
Santa Maria Antiqua
Fresken in Santa Maria Antiqua
Apsis in Santa Maria Antiqua
Fresko in Santa Maria Antiqua
Santa Maria Antiqua

 

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