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Das Gwanghwamun-Tor in Seoul: Ort der Seligsprechungen und Symbol kaiserlicher Macht

Das Gwanghwamun-Tor in Seoul: Ort der Seligsprechungen und Symbol kaiserlicher Macht

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, natürlich auch seine eigene Glaubensgeschichte. Einhundertvierundzwanzig unter eine Nummer zusammen zu fassen und dann auch zusammen – quasi als Nummer – selig zu sprechen klingt sehr merkwürdig, nicht nur für europäische und Individualität gewohnte Ohren.

Und doch macht die Kirche das immer wieder. „Paul Yun Ji-Chung und Gefährten“ heißt das dann, obwohl man aus ganz verschiedenen Zeiten kommende und anderen Lebensumständen angehörende Menschen kaum „Gefährten“ nennen kann. Es ist eine Konvention, belassen wir es einfach dabei.

Dahinter liegt aber einfach die Überzeugung, dass wir Menschen für das wertschätzen, was sie für unseren Glauben und den Glauben der ganzen Gemeinschaft bedeuten. Wir verehren sie.

Man mag das lächerlich finden, von gestern, naiv, nur was für Menschen, sie so was halt brauchen, aber ich stehe gerne dazu: Die Seligen und Heiligen sind nicht nur Verzierungen der Vergangenheit, sie bedeuten heute etwas. Ein Ausweis für den Stand einer Kultur – Glaubenskultur oder anderer – ist der Umgang mit den Verstorbenen. Wenn wir die unseren Wertschätzen, dann ist das unserer Weise. Wenn wir ihren Beitrag für unseren Glauben wertschätzen, dann ist das noch ein Schritt weiter.

Unser Glaube ist empfangen und er ist nur in Gemeinschaft möglich. Und diese Gemeinschaft erstreckt sich über die Zeiten und bezieht auch die Verstorbenen ein. Das klingt nicht modern, aber manchmal will ich auch gar nicht supermodern sein.

Bei Märtyrern wie den 124 heute von Papst Franziskus selig gesprochenen kommt hinzu, dass sie ein Durchhaltevermögen gezeigt haben, als es mit Glauben und Leben schwierig wurde. Sie haben sich nicht angepasst. Der Seligsprechungsprozess – der für jeden und jede einzeln geführt wurde – hat gezeigt, dass das im Glauben gründete, so wir das überhaupt mit Dokumenten belegen können.

Macht euch also lächerlich, erhebt euch über uns, die wir das für wichtig halten. Aber wir halten es nun mal für wichtig. Sie gehören dazu, immer noch, auch wenn sie uns noch so fremd erscheinen.

 

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“Are you tired?”

Papst trifft JugendlicheEs hätte ganz leicht abgleiten können. Oder anders formuliert: Wenn es nicht Papst Franziskus gewesen wäre, wäre das Treffen mit den Jugendlichen Gefahr gelaufen, irgendwie billig auszusehen. Der Papst hat alle „Tricks“ aus dem Lehrbuch für den Umgang mit großen Jugendgruppen benutzt, allein, bei ihm waren es keine Tricks.

Sich seiner Umgebung immer genau bewusst, voll da und souverän die Situation meisternd hat er seine Rede gehalten, in einem guten Englisch, wenn man noch die ersten Gehversuche des Papstes in dieser Sprache im Ohr hat.

Und dann geht er ins Italienische. Er fragt die Jugendlichen, bittet um Nachsicht, winkt seine Übersetzerin von der Bühne, um einem Übersetzer aus dem Italienischen Platz zu machen, und dann wird geredet, mit Händen und Augen und ganzem Körper, wie wir es von ihm kennen.

Es wird auch gebetet, dreimal wiederholt. Er geht auf die Fragen der drei Jugendlichen genau ein, die ihm vorher gestellt waren, er verwechselt einen Namen, merkt es und korrigiert sich, nicht ohne auch hier um Nachsicht zu bitten.

 

“Are you tired? Should I stop? Or may I go on?”

 

Alles nichts Besonderes, sollte man meinen, aber wenn man bedenkt, wie streng die Organisation einer Reise ist und auch sein muss und wie schwer es ist, sich in einer fremden Kultur zu bewegen, dann war das heute ganz großes Kino.

Wie gesagt, es waren keine Tricks. Die Jugendlichen haben den Papst echt und authentisch erlebt.

Kritische Stimmen wird es wieder geben, natürlich. Aber sie werden bei niemandem, der dabei war oder das auch nur mitverfolgt hat, Gehör finden.

Das Geheimnis: Der Papst packt und lässt gleichzeitig frei. Das ist der Grund, dass es keine Tricks sind. Er überwältigt nicht, er umwirbt und bittet und kommuniziert, nicht in Phrasen sondern mit echten Sätzen. Und wenn die Sprache nicht reicht, dann muss halt en neuer Übersetzer ran. Das lässt jedem und jeder die Freiheit, sich dazu zu verhalten.

Und genau so geht man mit Jugendlichen um. Bei uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird man nicht viel davon mitbekommen, jedenfalls nicht über die regulären Medien. Aber für mich war dieses Treffen mal wieder einer der vielen Höhepunkte dieses Pontifikates.

 

 

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Die geduldige Kunst des Möglichen

Willkommensplakat für den Papst Nr. 2

Willkommensplakat für den Papst Nr. 2

Mein persönliches Highlight des Tages, es passt so gut auf Korea, und auf Israel und Palästina, auf Irak, auf Nigeria und und und

“Diplomatie als die Kunst des Möglichen beruht auf der festen und beharrlichen Überzeugung, dass Friede eher durch ruhiges Zuhören und durch Dialog erlangt werden kann als durch gegenseitige Schuldzuweisungen, unfruchtbare Kritik und Zurschaustellung von Macht.

Friede ist nicht einfach das Nicht-Vorhandensein von Krieg, sondern „das Werk der Gerechtigkeit“ (vgl. Jes 32,17). Und Gerechtigkeit als Tugend erfordert die Disziplin der Langmütigkeit; sie verlangt, dass wir vergangene Ungerechtigkeiten nicht totschweigen, sondern sie überwinden durch Vergebung, Toleranz und Zusammenarbeit. Sie verlangt die Bereitschaft, Ziele auszumachen und zu erreichen, die beiderseitig von Vorteil sind, und so die Grundlagen für gegenseitige Achtung, Verständigung und Versöhnung zu schaffen. Möge jeder von uns diese Tage dem Frieden widmen, dem Gebet für den Frieden und der Vertiefung unserer Entschlossenheit, ihn zu erreichen.

Papst Franziskus, Rede am 14. August vor Vertretern von Staat und Gesellschaft Koreas

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Gelbe Gedenk-Schleifen

Eine der Gedenkwände für die Opfer des Fährunglücks

Eine der Gedenkwände für die Opfer des Fährunglücks

Ein Abendessen mit Kollegen anderer Sender hat mit Gelegenheit gegeben, meine Eindrücke zu Korea abzugleichen. Und unter allen diesen Eindrücken herrscht einer nach einigen Tagen hier vor: Wir sind erstaunt bis entsetzt, wie gespalten diese Gesellschaft ist. Und davon, wie offen und direkt jeder und wirklich jeder in Interviews und anderen Unterhaltungen darüber spricht.

Da ist das Fährunglück vom April dieses Jahres, 300 Menschen starben, darunter viele Kinder. Das hat das Ausmaß an Korruption im Land sichtbar werden lassen, seitdem zeigt sich die politische Klasse unfähig, das aufzuklären. Die Menschen leiden und sie leiden öffentlich, sie protestieren auf der Straße. Wir hatten ja keine Ahnung, wie tief der Schock und der Zorn über das Unglück und die Unfähigkeit der Politik sitzt.

Die Mutter aller Spannungen sei der Nord-Süd-Konflikt ist die allgemein akzeptierte These. Aber abgeleitet davon werden alle Menschen, die Veränderung werden allgemein als „Kommunisten“ abgestempelt. Konflikt und offiziell vertretene Feindschaft hat die Gesellschaft vergiftet, der offene Konflikt, die Gegnerschaft sind normal geworden. Und das hat auch die Auseinandersetzungen zu anderen Themen geprägt.

„Unheilbar“, „destruktiv“, „ohne Ausweg“ sind nur einige der Begriffe, die ich dazu gehört habe. Es hat uns alle überrascht, wie stark diese Wahrnehmung der eigenen Gesellschaft ist. Der Papst mit seiner Botschaft der Versöhnung wird vor diesem Hintergrund von den Menschen verstanden werden. Und alle hoffen, dass irgend ein Impuls kommt, um aus der Selbstblockade heraus zu kommen.

 

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Es ist angerichtet

Buch und Comic: Papst in jeder Form

Buch und Comic: Papst in jeder Form

Den größten Teil des Tages habe ich heute an der DMZ verbracht, der zynisch „demilitarisierte Zone“ getauften Trennlinie zwischen Nord- und Südkorea. Zynisch kommt es deswegen rüber, weil es hochgradig bewaffnet ist. Man will sich ja gegen den jeweiligen Gegner schützen.

Deswegen an dieser Stelle etwas Leichtes zum Ausgleich. Vorgestern hatte ich gepostet, dass man noch nicht so viel sieht vom Papstbesuch. Das hat sich geklärt. Mehrere Vertreter der Kirche haben mir gesagt, dass man das absichtlich so gemacht habe. Papst Franziskus wolle das bestimmt nicht, als Werbebotschaft an allen Wänden hängen. Eine sehr sympathische Erklärung für eine gute Entscheidung, wie ich finde.

Aber dafür sind die Medien voll. Nicht, dass ich das bestätigen könnte, Koreanisch kann ich nicht, aber meine Gesprächspartner bestätigen das. Zuerst natürlich die Tatsache an und für sich, dann die Störungen im Verkehr – nicht unwichtig, denn die Messe am Samstag findet auf einem der zentralen Verkehrsknotenpunkte statt – und dann die Frage, was zu erwarten ist.

Das gehen die Meinungen auseinander, wird mir versichert.

Vor der Kathedrale von Seoul

Vor der Kathedrale von Seoul

Rund um die Kathedrale von Seoul rüstet man sich ebenfalls aus. Der Vorplatz – ein kleiner Hügel – ist noch Baustelle, da wird noch gepflanzt und da werden noch Steine als Wege verlegt. Oben aber ist man bestens gerüstet für die Besucher, Pilger, Neugierigen und Menschen wie mich. Papst in Gips, als Comic, als Sammlung von Predigten, als Tuch.

Das gehört wohl dazu.

Und drinnen in der Kathedrale – Nun, vor den Event haben die Götter die Talk-Show gesetzt. Glastische mit Mikros daruf, davor Kameras: Ich nehme alles zurück, medial ist das Land voll eingestimmt. Was mich auch zu der zugegeben etwas schnippigen Überschrift verleitet hat.

Wie das halt so ist, wenn der Papst auf Reisen geht.

Die unvermeidbare Talkshow: Vorbereitungen

Die unvermeidbare Talkshow: Vorbereitungen

 

 

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Gruß aus Seoul II, aus der Fremde

Seoul

Seoul

Ich bin fremd hier. Das ist jetzt nicht wirklich eine besonders intelligente Aussage von jemandem, der seit Tagen durch Seoul läuft und fährt. Aber an einer Stelle wird das ganz besonders aktuell: Fährt man auf einer der Hochautobahnen durch die Stadt, schaut man auf viele kleine Kirchen samt ihren Kirchtürmen, Neon-Kreuz oben drauf. Auf einigen findet sich aber ein anderes Zeichen: Ein Hakenkreuz. Und hier schlägt die Fremdheit zu.

Denn es ist natürlich kein Hakenkreuz, die Haken an den Kreuz-Enden gehen in die andere Richtung. Nur die in Deutschland aufgewachsenen Augen sehen darin ein Nazi-Zeichen. Trotzdem: In Europa, den USA und anderen Teilen der Welt könnte man dieses Zeichen nicht unbefangen benutzen. Hier schon. Hier ist es sogar auf den Stadtplänen das offizielle Zeichen für einen buddhistischen Tempel.

Denn genau da kommt es her, ein Sonnensymbol aus dem indischen Subkontinent, hier als Zeichen für buddhistische Zentren und Tempel genutzt.

Die Zeichensprache hier ist eine andere. Eine wertvolle Lektion, nicht zu glauben, zu wissen, was man da sieht. So sieht auch die Kathedrale von Seoul aus, als könnte Sie in einer deutschen Kleinstadt stehen: Neogotik pur. Kein einziges asiatisches Element, selbst die zwölf Apostel auf den Rentablen können ihre mitteleuropäische Herkunft nicht verleugnen.

Trotzdem muss man genauer hinsehen, will man den Glauben der Menschen hier kennen lernen. Das ist nicht ein aus Europa nach hier verpflanzter Katholizismus.

Das Fremde fasziniert mich eh, wer diesen Blog verfolgt, wird das schon bemerkt haben. Einen meiner Lieblingsautoren zum Thema, Francois Jullien, habe ich hier schon mal besprochen. Ich zitiere seine Methode des “Umweges”: Er will Denktraditionen brechen, er will das Denken „in Unordnung bringen“, wie er sagt. Er verlässt das Denken Europas, indem er eine Sprache lernt, die nichts mit der unsrigen zu tun hat [Mandarin in seinem Fall]. Abstraktionen, Konfrontation, all die Taktiken und Strategien unseres Denkens muss er verlassen, um sich – über seinen Umweg – neu dem Denken zu nähern.

Das Buddhismus-Zeichen war für mich ein echter Aufwecker, vielleicht noch nicht ein Umweg, aber der Anfang eines solchen. Ich hoffe, noch viel davon zu sehen zu bekommen.

 

 

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Gruß aus Seoul

Man kann es leicht übersehen: groß ist das Plakat nicht. Schon gar nicht verglichen mit der restlichen Werbung in Seoul

Man kann es leicht übersehen: groß ist das Plakat nicht. Schon gar nicht verglichen mit der restlichen Werbung in Seoul

Der letzte Besuch eines Papstes in Asien – und ich meine nicht den Nahen Osten – liegt einige Zeit zurück es war noch Johannes Paul II., der 2001 und 2002 Zentralasien besuchte. 1999 war Indien das Ziel, der ferne Osten lag zuletzt 1995 auf der Reiseroute des Papstes.

Wenn also jetzt Papst Franziskus nach Korea kommt, kann man das als eine Neuheit betrachten. Hier in Seoul merkt man aber noch nicht so viel davon. Ich laufe jetzt seit einigen Tagen durch die Stadt, besuche Leute und Orte und merke noch nicht viel vom anstehenden Großereignis. Einige wenige verlorene kleine Plakate finden sich, wenn man genauer hinschaut, aber neben all dem großflächigen Neon fällt das nicht weiter auf.

Das wird sich sicherlich ändern, wenn der Papst erst einmal hier ist, aber im Augenblick ist eher business as usual angesagt. Man sieht schon jede Menge Polizei dort, wo der Papst hinkommen wird. Aber wenn man nicht schon weiß, warum die da sind, könnte das alles Mögliche sein.

Das erste Mal seit über 1.000 Jahren ist kein Europäer Papst, ich weiß gar nicht, wen mal als letzten Nichteuropäer ansehen könnte. Auf jeden Fall ist das auch für Asien eine gute Nachricht: Die anderen Kirchen schließen auf. Ich hoffe, dass das auch hier sichtbar wird, wenn der Lateinamerikaner nach Asien kommt.

Herzlich willkommen, Papst Franziskus.

 

 

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Zeitreise ins 9. Jahrhundert: Man lernt Geduld

Im Campus Galli will Bert Geurten eine karolingische Klosterstadt bauen. Getreu nach Plan

Bert Geurten, “Klosterbauherr” vor dem Sankt Gallener Klosterplan

Der Mann muss ein wenig verrückt sein. Im sympathischsten Sinn des Wortes. Bert Geurten steht auf einem bewaldeten Gelände, vor ihm steht der Bauplan der Gebäude, die dort errichtet werden sollen. Nur: Der Plan ist nicht mehr so ganz frisch, er stammt aus dem 9. Jahrhundert: Dort auf der Tafel findet sich der Sankt Gallener Klosterplan, der selber in seiner Zeit nie umgesetzt wurde. Gemeinsam mit einem Verein, mit 30 Angestellten und etwa 15 freiwilligen soll dort das Ideal einer karolingischen Klosterstadt entstehen. Wir sind im Campus Galli.

Man baut dort aber nicht nur die Klosterstadt nach, Geurten betont auch, dass man das mit original Methoden, Werkzeugen, Kleidung, Pflanzen und so weiter machen will. Was sich etwas auf die Geschwindigkeit des Bauens auswirkt, ein Jahr sei man schon dabei, erzählt er, er rechne mit weiteren 39 Jahren Bau. Was mich eine Frage stellen lässt: Wie kommt man nur auf so eine Idee.

„Tja, Man sollte Karolinger sein“, antwortet Geurten. Er selber sei Aachener und sei mit Karl dem Großen aufgewachsen – auch wenn der selber mit dem Plan wenig zu tun gehabt habe. Bei einer Ausstellung habe er einmal ein Modell der Klosterstadt gesehen, damals war Geurten 17 Jahre alt. Die Faszination sei ihm seitdem geblieben.

Ein Jahr ist der Verein und sind die Mitarbeiter jetzt dabei, hobeln, weben, säen, bauen, insgesamt 40 Jahre lang soll das dauern. Was bedeutet, dass die meisten der Mitarbeiter das Ende gar nicht mehr erleben werden.

 

„Aber einer muss es beginnen“

 

„Ich nehme mich als Beispiel“, sagt Geurten. „Ich weiß genau, dass ich es selber nicht erlebe, aber das ist doch mittelalterlich gedacht. Ein Mensch, der im Mittelalter eine Kathedrale stiftete oder irgendein Bauwerk, der wusste genau, dass er das Ende nicht erleben wird. Aber einer muss es beginnen. Und das bin ich jetzt.“

Geurten betont immer und immer wieder, das es keine Art

Wie es sich für ein Kloster gehört: Das erste Gebäude wird eine Kapelle sein

Das erste Gebäude entsteht: Eine Kapelle

Disney-Land werden soll, mit Souvenirs und Fressbuden all-überall, es soll aber auch nicht dieses Mittelalter-Nachspielen werden, wo man sich in komischen Kleidern Schwerter in die Hand nimmt und Ritter spielt. „Das ist mir sehr wichtig!“ Was soll das dann sein? „Es soll den Menschen zeigen, dass das 9. Jahrhundert kein finsteres Mittelalter war. Es war ein schwieriges Jahrhundert, es hatte Kriege und Seuchen, es war hart. Das möchte ich aber zeigen, dass die Leute mit wenig Mitteln Großes geschaffen haben.“ Weiterlesen

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Minis ante portas

(c) afj

(c) afj

Man spricht Deutsch. Wer im Augenblick durch Rom läuft, stößt in jeder Kirche, auf jedem Platz, in jeder Pizzeria und jedem Bus auf Deutsch sprechende Gruppen. Normalerweise sind die Sprachen gut verteilt und Deutsch kommt eher in der Bildungsreisen-Kleingruppen-Größe vor, in diesen Tagen ist die Stadt aber übernommen.

50.000 Menschen. Eine mittlere Kleinstadt. Und alle sind im Stadtzentrum Roms. Die Römer sind freudig überrascht, weil das alles so prima und geordnet abgeht. Es sind ja schließlich Jugendliche in Begleitung, die als Messdiener auch Benehmen gelernt haben.

Die anderen Touristen sind irgendwie nicht so glücklich, weil überall Gruppen Messe feiern, Beten, herein und heraus strömen, die Orte belagern und so gut organisiert sind, dass man sonst gar nicht dazwischen kommt.

Die deutschsprachige Kirche hat einige großartige Traditionen. Messdiener sein gehört dazu. Mich selber hat es zwölf Jahre lang geprägt, deswegen sehe ich die bunte mit Armtüchern und Sonnenhüten bestückte Schar mit viel Freude durch die Straßen ziehen.

Da zeigt sich unsere Kirche wirklich von der allerbesten Seite.

Fotos gibt es hier zu sehen

 

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Einsiedler

Im Kanton Solothurn in der Schweiz war im Frühjahr eine Einsiedelei zu vergeben. Wohl gemerkt, man suchte dort keinen Käufer, sondern einen Einsiedler oder eine Einsiedlerin, die die Tradition fortsetzt und dort lebt. Als ich das las, habe ich erst einmal mit dem Kopf geschüttelt und gedacht, wirklich viele Menschen wird das nicht interessieren.

Einsiedlerin im Kanton Sankt Gallen: Schwester Fabienne Boucher

Sr Fabienne Boucher

Weit gefehlt. Der Rat der Stadt musste viele Bewerbungen sichten und dann auswählen. Bekommen hat den „Job“, wie eine Schweizer Zeitung es schrieb, dann eine Frau, die davor ein Heim für Kinder in schwierigen Lebenssituationen betrieben hatte.

Ruhe ist ein Luxusgut, zum einen weil es immer weniger davon gibt und wir uns selber abhängig machen von allerlei pipsenden Bildschirmen und Mobiltelefonen, andererseits aber auch, weil wir verlernt haben, Ruhe zu genießen. Muten Sie einmal einer Gruppe Menschen zehn Minuten Stille zu, da ist dann richtig was los, das wird richtig unruhig.

 

Still zu sein ist nicht ganz einfach

 

Ruhe für das gesamte Leben zu suchen, das ist noch einmal ein riesiger Schritt. Es gibt Mönche und Schwestern, die kontemplativ leben und schweigen. Aber Einsiedlerin sein, seinen Lebensrhythmus selber gestalten müssen und sich nicht auf die Tradition und die Gemeinschaft der Mitschweigenden verlassen können, das ist noch einmal eine ganz andere Nummer.

Und ich hatte keine Ahnung, was das wirklich bedeutet, bis ich eine solche Einsiedlerin besucht habe. Auch im Kanton St. Gallen gibt es eine, Sr. Fabienne. Ihre Einsiedelei sieht zunächst einmal aus wie ein „normales“ Haus, sie hat auch einen Wagen und ein Mobiltelefon. Sie öffnet und empfängt Besuch. Es ist nicht so, wie ich mich das vorgestellt hatte, ganz und gar nicht. Berg Athos und so, in Höhlen und voller sichtbarer Askese. Weiterlesen

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