Der Mut, einfach über Gott zu sprechen

Ein Mann steht auf der Bühne und redet zwei Stunden lang, zwei Mal. Das Ganze wird im TV übertragen und das zweite Mal bekommt der Mann die Traumquote von 39 Prozent Zuschaueranteil. Für zwei Stunden reden. Dass es so was noch gibt.

Roberto Benigni (c) RAI

Roberto Benigni (c) RAI

Der Mann ist Roberto Benigni, der beste Komiker und Schauspieler, den Italien derzeit zu bieten hat, ein „großer Künstler“ wie Papst Franziskus ihn genannt hat, er hat ihn sogar neulich zitiert, aus dem Programm der 2×2 Stunden.

Benigni hat über die zehn Gebote gesprochen. Das ist witzig, intelligent, es ist tiefsinnig und leicht zugleich, es ist respektvoll im Umgang mit dem Text und vor allem ist es mutig. Denn Benigni spricht religiöse Sprache. Er ist nicht fromm, nicht betulich, nicht belehrend. Aber er beginnt damit, den Zuhörern abzuverlangen, zwei Stunden lang an Gott zu glauben. Stellen Sie sich das vor, Sie sitzen in einem Programm und der Moderator sagt, dass wir alle für die kommenden zwei Stunden an Gott glauben. Dass Gott existiert. Das ist weniger dezisionistisch gemeint, als ob man sich aktiv für den Glauben entscheiden könne oder einen Glauben an- und ausschalten könnte, als vielmehr ein Durchbrechen der medialen Selbstverständlichkeiten. Über so was spricht man nicht, das ist zu persönlich, oder man lässt halt den Papst sprechen. Hier aber tut es jemand, der Gebote auslegt. Öffentlich, im TV mit einer riesigen Quote.

Und er schafft damit noch etwas anderes: Er stellt sicher, dass er nicht von außen auf die zehn Gebote schaut und die Zuschauer auch nicht. Sei es auch noch so künstlich für einige der Zuhörer, durch seine zwei Stunden Gottesglauben für alle nimmt er alle mit in die Geschichte hinein. Es ist keine fremde Geschichte mehr für Leute, die dem Glauben selber schon entfremdet sind. Wenigstens für einen Abend nimmt er die Leute mit hinein, oder zurück.

 

Für zwei Stunden glauben

 

Wie das geht? Ganz einfach: Sie gehen doch auch ins Kino und sehen sich einen Film an, sagen wir über Robin Hood, so Benigni. Und für zwei Stunden glauben sie, dass es Robin Hood gibt, er ist ja da. Und genau so machen wir es in diesen zwei Stunden mit dem Glauben an Gott. Atemberaubend. Er nimmt den Glauben weg aus der anstrengenden Pädagogik, macht aus ihm etwas leichtes, angenehmes, etwas leicht nachzuvollziehendes, ohne abstrakte Worte, ohne Moral, er bietet uns also einen Eingang in die Welt des Glaubens, die wir vielleicht sonst nicht hätten. Weiterlesen

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Lasst uns reden!

Noch einmal Pegida. Ich halte das ganze für hinreichend gefährlich, um es nicht am Rande liegen zu lassen. Es betrifft Politik und Parteien, es betrifft Medien und öffentliche Debatten, es betrifft das Internet, es geht um Wut und Protest und Angst und Information. Seit Wochen steht die Republik recht klar und deutlich gegen Pegida, Pegida aber wächst und wächst. Die neue Rechte wird beschworen, AfD und Rechtsradikale nachgewiesen und so weiter. Aber irgendwie dreht sich das im Kreis.

Und plötzlich gab es ein neues Argument. Das begann damit, dass eine Stiftung ausrechnete, dass Einwanderer unterm Strich mehr einbringen als kosten. Dann ging es damit weiter, dass das bestritten wurde, und an der Stelle wurde es für mich interessant.

Hans-Werner Sinn ist Wirtschaftswissenschaftler und sagt in einem Artikel zu Beginn der Woche, dass wie gesagt Einwanderung – anders als von anderen vorgerechnet – Geld kostet. Trotzdem brauchen wir Einwanderung, und die nicht zu knapp. Ich zitiere wie die FAZ ihn zitiert: „Wollte man die Relation von Alten und Jungen und damit zugleich das relative Rentenniveau und die Beitragssätze zur Rentenversicherung auf dem heutigen Niveau stabilisieren, würden insgesamt 32 Millionen junge Zuwanderer benötigt, die meisten davon wohl aus außereuropäischen Gebieten“. In Worten: zweiunddreißig Millionen Einwanderer, damit es uns Morgen so gut geht wie heute.

Die Debatte (oder hier) geht nun in die Richtung, ob die Zahlen stimmen und was man alles einrechnen muss, darf und soll, was alles richtig und wichtig ist, die Aussage zur Notwendigkeit von Einwanderern aber nicht abschwächt. Und selbst wenn das Wirtschaftswachstum blühen würde, die Steuereinnahmen steigen und die Abgaben auch und deswegen die Zahl der benötigten Steuerzahler nicht so hoch läge, sagen wir konservativ bei der Hälfte, wären das immer noch 16 Mio Einwanderer.

 

32 Millionen Einwanderer

 

Umkehrschluss: Wenn wir keine Einwanderung von jungen Menschen bekommen, dann lassen sich das Rentenniveau und die Beitragssätze zur Rentenversicherung nicht auf heutigem Niveau stabilisieren. Die Demos in zwanzig Jahren möchte ich sehen, wenn kein Geld mehr da ist, die Rente zu zahlen, wenn all diejenigen, die jetzt Mitte 50 sind eine wertlose Rente bekommen, weil niemand mehr da ist, der das zahlt. Wir haben hier in der Redaktion immer Praktikanten und aus vielen Gesprächen genau darüber weiß ich, dass die nachfolgende Generation nicht gerade davon begeistert ist, die Rechnung zahlen zu müssen. Die wollen auch was vom Leben haben. Weiterlesen

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Glaube à la Pegida

Die Kirche verrät den Glauben, wenn sie sich gegen Pegida richtet. Klingt das vertraut? Mir jedenfalls sehr, denn wir bekommen hier dauernd solche eMails, offenen Briefe und dergleichen in die Redaktion. Bei Facebook hört sich das dann unschöner an, da wird gleich beschimpft, aber der Tenor ist derselbe: Gegen die selbsterklärten Gegner der Islamisierung zu sein, sei ein Verrat am Glauben. Die letzte der vielen eMails: Das Ausschalten der Dombeleuchtung in Köln knipse der abendländischen Kultur das Licht aus.

Spätestens jetzt klingt das Argument vertraut. Selbsterklärte Verteidiger des Abendlandes sehen überall Feinde. Wer nicht für uns ist und wagt, eine eigene Meinung zu haben, ist gegen uns.

Aus der Angst der Pegida-Mitläufer heraus ist das vielleicht nachvollziehbar, man muss aber schon einen schweren Denkfehler machen, um das so aussprechen zu können. Nämlich den: Das, wofür Pegida steht, ist mit christlichem Glauben vereinbar. Ist es aber nicht.

Ein auch nur oberflächliches Blättern in den Evangelien zeigt einen Jesus, der anders mit Menschen umgeht, als das die Slogans in Dresden und anderswo tun. Das Christentum, was bei den Demos herbeibehauptet wird, ist eines in der Defensive, in Gefahr. Man darf aber nicht den Fehler machen, den Glauben für die Rechtfertigung eigener Ängste heran zu ziehen. Die Kirche hat das selber lange Zeit gemacht, das sind nicht wirklich schöne Kapitel in der Geschichte. Deswegen jetzt auch der gute Rat: Tut das nicht!

Ein Christentum, das deckungsgleich ist mit einer bestimmten europäischen kleinbürgerlichen Kultur, ist kein Christentum. Ein Christentum, das gegen einen Feind in Stellung gebracht wird, den es so gar nicht gibt, ist kein Christentum.

Die Kritiker haben insofern recht, als auch das Gegenteil nicht gilt: Ein Christentum, dass dem Wohlfühl-Diskurs in Deutschland dient, ist kein Christentum, richtig. Nur wenn der Glaube etwas mit Jesus Christus und seiner Botschaft zu tun hat, dann ist er wirklich christlicher Glaube.

Das Absingen von ehemalig christlichen Weihnachtsliedern in Dresden erfüllt diesen Tatbestand aber noch nicht.

Wenn also der Kölner Dom es der Dresdener Oper gleich macht und seine Beleuchtung ausschaltet, um nicht als Kulisse für die Demos missbraucht werden zu können, dann kann man nur sagen: Bravo!

 

 

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Demnächst …

Er möge das Reisen nicht so sehr, hat Papst Franziskus zu Beginn seines Pontifikates gesagt. Und alle Biografien betonen das auch: Aus Buenos Aires sei er kaum heraus gekommen, nur wenn es absolut nötig war ist er in einen Flieger gestiegen. Verglichen mit dieser Aussage ist das Programm der vergangenen Monate wie auch das der kommenden Monate etwas ungewöhnlich: Papst Franziskus war viel unterwegs und wird wieder viel unterwegs sein.

Es sind sicherlich die Ereignisse, die medial die meiste Aufmerksamkeit erregen werden. Unter den im Februar zu ernennenden Kardinälen wird kein deutschsprachiger sein, also sind es – neben Urbi et Orbi – die Reisen, die berichtet werden.

Fangen wir also für einen Blick auf das kommende Jahr mit diesen Reisen an. Sri Lanka und die Philippinen stehen fest, Philadelphia im September ebenfalls. Außerdem hat der Papst selber Frankreich, Afrika und Lateinamerika erwähnt, dazu kommen sicherlich auch noch inneritalienische Kurzreisen. Damit sind wir auf der sicheren Seite. So häufig, wie der Papst das sagt, würde mich aber auch eine Reise in den Irak nicht überraschen, so unwahrscheinlich sie auch ist. Aber auch ohne den Irak ist der Reisekalender voll.

Überhaupt: Die Überraschungen. Wir hier in der Redaktion sitzen in einer „Aktualitätsfalle“. Es ist so viel los, dass wir kaum dazu kommen, Hintergründe zu machen, längere Geschichten, bunte Geschichten um den Vatikan herum. Aber diese „Aktualitätsfalle“ gilt auch für die Wahrnehmung jenseits der Alpen: Hier eine Rede vor der Kurie, dort eine Begegnung, da Duschen auf dem Petersplatz, es ist sehr schwer, den Überblick zu behalten oder den Wald bei den vielen Bäumen zu sehen. Also versuche ich mich einmal an einigen Linien, die sich durch das kommende Jahr ziehen werden.

 

Reform, Verkündigung, Synode

 

Da ist zum einen die Reform der Kurie. Das hat der Papst bereits begonnen und das wird auch 2015 nicht beendet werden, aber es wird einen großen Teil der Energien der Kurie kosten. Das Radio gehört ja auch zu den zu reformierenden Institutionen, es gibt eine Kommission, die sich die Medien des Vatikan anschaut und Vorschläge zur Verbesserung macht. Wir warten also darauf.

Was am Ende des Jahres steht? Neue Vorschläge, erste Umsetzungen, einige Ernennungen, vielleicht sogar Zusammenlegungen von einzelnen Institutionen. Weiterlesen

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Vorsicht, Störung!

Geburt Christi, Ikone aus dem 18. Jh

Geburt Christi, Ikone aus dem 18. Jh

Noch bevor er da war, störte er. Nur die ganz unten und die ganz oben, Hirten und Engel, sahen ihn wie er war, alle anderen sahen ihn als die Störung. Die Geschichte seines Lebens.

Die Macht wollte alles ordnen, zählen. Nicht nur der Steuer wegen: wer ordnet, bestimmt. Diesem unruhigen Volk im Osten mit ihrem Gott der Freiheit, der so intolerant war und keine Götter neben sich duldete, diesem Volk war nur mit strenger Ordnung beizukommen. Das dachte die Macht und lag falsch, fand das aber erst viele Jahre später heraus. Als er in die Welt kam, war man noch dabei, zu ordnen. Hier in Rom kann man es sehen, am „Altar“ des Friedensherrschers Augustus. Sein Frieden heißt „alle anderen sind tot”. Schön aufgeschrieben und als Figuren in Stein gemeißelt. Alles geordnet.

Die Religion war auch gestört. Nicht erst das Predigen, später, schon die Priester damals, während seiner Geburt, mussten erst vom König befragt werden, um überhaupt auf die Idee zu kommen, dass da was passiert. Die Beobachter der Religion, des im Menschlichen gefangen Bleibenden, des Moralischen und Kultischen, sahen nicht, während die Beobachter des kosmischen Geschehens kamen, um zu suchen.

Der König war gestört. In seiner Macht, schon, aber viel mehr noch darin, dass er ja zuständig war dafür, das alles glatt lief. Das unruhige Volk unten und die Macht über ihm mussten ruhig gehalten werden, da half nur die harte Hand. Und nun das: da kommt ein anderer. Unruhe, Streit, Revolte, alles das lag wieder in der Luft.

Die Abläufe waren gestört durch sein Kommen, die Herberge hatte keinen Platz für ihn. Seitdem versuchen wir, das alles in Ruhe zu verwandeln, was als Unruhe in die Welt kam. Wir bauen niedliche Krippen, anstatt das Raue und am Rande sich abspielende zu zeigen. Lange wallende Haare, geneigte Köpfe, schöne Musik. „Last Christmas“ klingt über einem nachgebauten italienischen Dorfplatz, in den seine Geburt widerspruchslos eingebaut ist. Das hakt nicht mehr. Das stört nicht mehr.

Noch bevor er da war, störte er. Und mit seinem Kommen nahm die Störung noch zu. Dem Kosmos ist das ein Halleluja wert. Und wir? Wir sollen uns freuen. Das geht aber nur, wenn wir die Störung erkennen. Wenn wir sie in uns aufnehmen, wie der Stall, der seinem Kommen als Ort dient. Sein Kommen verändert die Welt, den Kosmos, die Macht, den König, die Moral, die Religion, die Ordnung der Dinge.

Man wird versuchen, die Störung wegzunehmen. Macht und Religion und König und Moral werden immer und immer wieder versuchen, alles schön geregelt zu machen. Die Störung, die er bringt, zu regulieren. Schließlich ist sie verträglicher, wenn man sie in Regeln fasst, nicht wahr! Dann überfordert sie nicht. Dann ist sie klein und eingefasst, auch wenn man dazu halt eine mächtige Macht und eine kleine Moral und so weiter braucht. Dann haben wir es geschafft, dann ist die Störung keine Störung mehr, dann ist alles wie vorher.

Dabei ist die einzige Weise, die Störung, zu sehen, die der Bibel: Kommen und Anbeten. Kommen und Anbeten, nichts weiter.

 

Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und den Frieden, den der Herr in die Welt bringt.

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Reform, zuerst bei mir!

Eigentlich wollte ich hier nichts über die Ansprache des Papstes an die vatikanische Kurie schreiben. Den Papst versteht man am besten, wenn man ihm einfach zuhört. Nachdem ich mich aber so durch die Interpretationen gelesen habe und die Fragen gehört habe, die mir diverse Kollegen vor und ohne Kamera stellen, möchte ich doch noch ein Wort dazu sagen.

Man geht fehl, wenn man in den Worten des Papstes konkrete Anlässe sucht. In einer Zeitung – leider habe ich vergessen in welcher – habe ich gelesen, dass der Papst über Umzüge gesprochen habe, ohne den Namen Kardinal Bertones zu erwähnen. Das bedeutet, dass der Kollege oder die Kollegin hinter der Kritik des Papstes ganz konkrete Anlässe gesucht und vermeidlich auch gefunden hat.

Der Papst spricht konfrontativ, deutlich, aber nicht wütend. Der Text ist ruhig abgelesen worden und ganz ehrlich: Auch in Evangelii Gaudium finden sich seitenweise ähnliche Analysen. Der Anlass ist ein besonderer, aber wer von den Worten des Papstes überrascht ist, hat bisher noch nicht mitbekommen, wie er spricht und schreibt.

Nein, wirklich gute Mitarbeitermotivation ist das nicht. Es ist harsch und überfordernd. Dahinter liegt aber die Absicht, dass wir – nicht nur Kardinäle, nicht nur Kurie – alle bei uns selber nachsehen, ob da nicht was dran ist. Die Beobachtungen des Papstes sind klug und präzise, bei vielen Beschreibungen habe ich auflachen müssen, weil ich mich ertappt gefühlt habe. Weiterlesen

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Da hilft Humor

Beeindruckend war es, was Papst Franziskus an diesem Montagmorgen seinen engsten Mitarbeitern in der Kurie zu Weihnachten auf den Weg gab. Gewissenserforschungen hat er schon einige gegeben, ganz ausführlich in Evangelii Gaudium, aber diese “15 kurialen Krankheiten”, die er nannte und ausführte, hatten es in sich.

Für eine Krankheit lieferte der Papst gleich die Kur mit: Humor. Selbstironie. Er selber bete deswegen jeden Tag das Gebet, das dem heiligen Thomas Morus zugeschrieben wird: “Herr, schenke mir Sinn für Humor”. Übersetzt lautet das ganze Gebet etwa so:

 

Das Gebet des Thomas Morus

 

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,
und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes,
mit dem nötigen Sinn dafür, ihn
möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr,
die das im Auge behält, was gut ist und rein,
damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke,
sondern das Mittel finde,
die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine Seele,
der die Langeweile fremd ist,
die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen,
und lass nicht zu, dass ich mir all zu viel Sorgen mache
um dieses sich breit machende Etwas, das sich „Ich” nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor,
gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
und anderen davon mitteile.

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Wandel duch Annäherung

Papst Franziskus hat keine Angst vor Konflikten. In Italien die Mafia, in Europa die Flüchtlingsfrage, dann die beiden Koreas, Israel und Palästina und nun das: Kuba. Überraschend für alle Beobachter gab der US Präsident die Mithilfe des Papstes beim Versuch bekannt, den politischen Knoten zu lösen.

In die andere Richtung: Die Revolutionäre Kubas in La Havanna, 2012

In die andere Richtung: Die Revolutionäre Kubas in La Habana, 2012

Die Bilder gleichen sich: In den beiden Koreas und auch im heiligen Land hat man sich an die Feinbilder gewöhnt, sie sind Teil der Wirklichkeit. Der eine kann nicht ohne den anderen, in Gegnerschaft ist man vereint. Dasselbe ist mir 2012 begegnet, als ich anlässlich des Besuches Papst Benedikt XVI. auf Kuba war: Kritik aus den USA von den Exilkubanern am Regime, und das Regime in La Havanna stellte sich gegen den Nachbarn im Norden. Man ist gegeneinander, auf keinen Fall dürfe man auf die anderen zugehen, das wäre Verrat. Die Sätze gleichen sich.

 

Sich einmischen

 

Papst Franziskus mischt sich in die Konflikte ein. Er ist kein Papst, der nur segnet. Er nutzt die Gunst der Stunde, die Konfliktparteien waren wohl des Streites müde oder haben mehr Angst vor dem Stillstand als vor Veränderung, wie dem auch sei, es war die Gelegenheit des Handelns. Viele werden das getan haben, aber eben auch der Papst, wie Präsident Obama ausdrücklich betonte. Da dürfen wir ein wenig stolz sein auf unseren Papst.

Nicht vergessen sollten wir aber auch die Vorarbeit, die Reise Benedikt XVI. nach Kuba habe ich schon erwähnt. Er war kritisiert worden, dass er Fidel traf und so gar keine Kritik äußerte, auch wenn die Kirche im Land sehr, sehr froh war, die Unterstützung des Papstes zu bekommen. Wie sich nun herausstellt, hat es sich gelohnt. Die katholische Kirche in Kuba wird als Verhandlungspartner geschätzt, die katholische Weltkirche und der Papst als Vermittler akzeptiert.

Das ist jetzt nur der erste Schritt. Obama wird Schwierigkeiten mit den Exilkubanern bekommen, die ihre Plantagen, Häuser, Rechte und all das wiederhaben wollen, was die Castros ihnen widerrechtlich genommen haben. Die Castros und die kubanische Elite werden ihren Status sichern wollen, angesichts furchtbarer wirtschaftlicher Zustände im Land brauchen sie Hilfe von außen. Und Verhandlungen mit den USA tragen ein Risiko mit sich: „Wandel durch Annäherung“ hat schon einmal das Ende von kommunistischen Staaten eingeleitet.

Eine Politik der kleinen Schritte hat der Papst das heute genannt. Unspektakulär und vielleicht auch nicht immer erfolgreich, siehe Palästina und Israel. Da hat Franziskus gezeigt, das Begegnung möglich ist, Wirkungen hat das noch keine. Noch. Aber Kuba zeigt uns allen, dass Wandel möglich ist. Man darf nur keine Angst vor Konflikten haben.

 

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Der Papst und das liebe Vieh

Ach wenn es nur alles wahr wäre … . Papst Franziskus sorgt für Aufsehen, dieses Mal bei Tierfreunden. Nichts ist dem Menschen ja näher als das eigene Viechzeug. Als also die Meldung um die Welt – erst die italienische Welt, dann die Welt der New York Times [Titelseite!] – ging, der Papst habe erklärt, auch Tiere kämen in den Himmel, war die Begeisterung groß.

Nun meinen wir mit „Tier“ im Zusammenhang mit dem Himmel und dem ewigen Leben im Allgemeinen nicht das Rind oder Schwein, das uns aus Massentierhaltung abends als Aufschnitt begegnet. Und schon gar nicht die nervende Mücke. Sondern den mit unseren eigenen Emotionen aufgeladenen kleinen Hund oder die Katze oder den Vogel. Einige Gruppen sehen das weiter, Veganer zum Beispiel, die sind nicht so eingeschränkt in ihrer Sichtweise, aber das ist die Minderheit.

 

Dackel und Mücke

 

Die Geschichte: Papst Franziskus habe zu einem kleinen traurigen Jungen auf dem Petersplatz gesagt, seinen kürzlich verstorbenen Hund werde er ja im Himmel wieder sehen, oder so ähnlich. Man bemerke den Konjunktiv: Nichts davon stimmt. Im Netz ist die Genese der Geschichte ausführlich beschrieben worden. Da wird Papst Franziskus mit Papst Paul VI. verwechselt und Paul VI. mit dem Apostel Paulus, Paulus wird mit Worten zitiert, die sich in der Schrift nicht finden etc.

Aber da es in Zeitungen gestanden hat und im Netz kursiert, wird aus der Meme Wahrheit. Der Papst hat gesagt … . Selbst normalerweise gut informierte Seiten wie Crux sind voll drauf eingestiegen.

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Die Straße

Da wo ich lebe, geht man gerne auf die Straße. Ohne den berechtigten Anliegen und Ängsten von Demonstranten hier in Italien zu nahe treten zu wollen, fällt es schon auf, dass Demos gerne an Freitagen oder Montagen stattfinden, oder an Brückentagen. Das gibt freie Zeit.

Deswegen ist es schwer, von hier aus – aus Rom – zu verstehen, wer gerade in Deutschland auf die Straße geht. Ich habe deswegen auch mehr Fragen als Antworten.

Da ist zum Beispiel diese Demo in Dresden, die sich selbst so nennenden Patrioten demonstrieren, geführt vor allem wohl von eigenen Ängsten, wenn man den klügeren der Berichte folgt.

Da ist zum Beispiel diese Demo in Berlin, „Friedenswinter“, pro Völkerrechts-Verletzer Putin, gegen den Mann der offenen Sprache, Gauck. Ausgerechnet Eugen Drewermann findet sich dort auf der Bühne, warum auch immer. Pazifismus im Namen des Aggressors in der Ukraine und der Krim? Schwer zu verstehen.

Was schon einfacher zu verstehen ist, ist die allgemeine Verunsicherung. Russland steht vermeintlich für eine einfacher, geregelte Welt, in der zur Not Werte mit Gewalt durchgesetzt werden. Das gibt Sicherheit. Dass man die Opfer in der Ukraine dabei übersehen muss, ist geradezu tragisch.

Zurück zu den „Patrioten Europas“ , die flankiert von online-Schreibern und in der Szene altbekannten Gesichtern Parolen auf ihre Plakate schreiben, die vor allem eines aufgreifen: Angst. Angst vor etwas, was es statistisch gesehen nicht gibt – die Islamisierung Deutschlands. Angst vor der Unsicherheit, das Gefühl der Minderwertigkeit wenn einem das TV jeden Tag Reichtum und Konsum zeigt und man selber nicht mal annähernd so weit kommt. Das muss raus. Angst davor, dass man selbst in den eigenen Rückzugsorten neue Kulturen, Sprachen, Umgangsformen sieht, dass selbst die eigenen Rückzugsorte keine mehr sind.

Das sind keine Wut“Bürger“ mehr, mit Bürger hat das wenig zu tun. Wie gesagt, alles aus der Ferne beobachtet und deswegen analytisch nicht gerade scharf. Ich bin bestimmt auch nicht der einzige, der das so sagt und sieht.

Das sind alles Eindrücke, mehr Fragen als Antworten. Trotzdem gehört die Straße allen und ich mag nicht still daneben sitzen, wenn Demos Abgrenzung, und Ausgrenzung fordern.

 

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