Humildemente pido perdón: Papst Franziskus predigt vor Missbrauchopfern

Seit 2010 ist das Thema „Missbrauch an Minderjährigen“ bzw. „Sexualisierte Gewalt in der Kirche“ auf der Tagesordnung. „Vorbei“, wie einige zu Hoffen glauben müssen, ist es noch lange nicht, zu viel Schaden ist angerichtet, zu viele Narben sind geschlagen worden.

Papst Benedikt hatte sich einige Male Missbrauchsopfer getroffen, nun auch Papst Franziskus. Wie sein Vorgänger empfing er nur eine kleine Gruppe, um – wie sein Sprecher Pater Federico Lombardi in der Pressekonferenz dazu sagte – tiefere Gespräche zu ermöglichen, die es in großen Gruppen so nicht geben kann. Die Menschen kamen aus Irland, Deutschland und England.

Davor hatte der Papst in der Morgenmesse mit den Opfern, ihren Angehörigen bzw. Begleitern und den Angehörigen der neuen Päpstlichen Kommission zu diesem Thema gepredigt, ungewöhnlicherweise nicht auf Italienisch, sondern in seiner eigenen Sprache, Spanisch. Auch wenn nicht alle Leser diese Sprache lesen können, möchte ich den gesamten Text hier zur Verfügung stellen:

 

Die Predigt von Papst Franziskus bei der Morgenmesse am 7. Juli.

 

La imagen de Pedro viendo salir a Jesús de esa sesión de tortura e interrogatorio, de Pedro que se cruza la mirada con Jesús y llora. Me viene hoy al corazón en la mirada de ustedes, de tantos hombres y mujeres, niños y niñas, siento la mirada de Jesús y pido la gracia de su orar. La gracia de que la Iglesia llore y repare por sus hijos e hijas que han traicionado su misión, que han torturado inocentes por el camino de los abusos. Y hoy estoy agradecido a ustedes por haber venido hasta aquí.

Desde hace tiempo siento en el corazón el profundo dolor, sufrimiento, tanto tiempo oculto, tanto tiempo disimulado con una complicidad que no, no tiene explicación, hasta que alguien sintio que Jesus miraba, y otro lo mismo y otro lo mismo… y se animaron a sostener esa mirada. Weiterlesen

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Scheuklappen-treu

Was ist eigentlich „Papsttreue“? Immer mal wieder begegnet man auf dem Markt der Meinungen in der Kirche diesem Attribut, und immer lässt es mich ratlos zurück. Wie auch heute, als uns in der Redaktion eine Pressemitteilung erreichte, die vom „Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen“ kam. Es ging um Limburg und um Bischof Tebartz-van Elst.

Die Mitteilung beginnt so: „Was viele erwartet haben, hat sich nun in vollem Umfang bestätigt: Der auf Druck der Medien zurückgetre­tene Bischof von Limburg Tebartz van Elst ist nach dem geltenden Recht in jeder Hinsicht rehabilitiert, nachdem endlich auch die zuständige Staatsanwaltschaft das Untersuchungsverfahren gegen ihn eingestellt hat.“

Ist es also ein Ausweis von Papsttreue, wenn man die Tatsachen ignoriert, die sich in dem sehr umfangreichen Untersuchungsbericht finden? „Auf Druck der Medien zurückgetretene(r) Bischof“ ist absurd, wenn man studiert, was dort geschrieben steht. Dass die Verantwortung nicht allein auf den Schultern einer Person lastet, steht ja auch in dem Bericht, aber von Rehabilitierung zu sprechen, dazu braucht es schon ein großes Paar Scheuklappen.

Der Vorwurf der Untreue träfe nicht zu, heißt es in der Pressemittelung weiter. Die angeführte Begründung: Die Staatsanwaltschaft eröffnet kein Verfahren. Und was ist mit den im Untersuchungsbericht geschilderten Vorgängen? Auf 108 Seiten werden diese Vorgänge in schmerzlich zu lesenden Details dargestellt. Sie betreffen nicht nur den Bischof, aber eben auch.

Aber ich wollte ja über „Papsttreue“ sprechen: Wahrhaftigkeit ist eines der Worte, die mit in Bezug auf die beiden Päpste einfällt, denen ich bisher hier in Rom begegnet bin. Der Realität ins Auge sehen gehört dazu. „Wahrheitstreu“ wäre ein Wort, was mir als Ergänzung einfiele. Weiterlesen

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Die vernetzte Religion

Letzter Akt meiner Reise war in der vergangenenKAS Berlin Woche die Teilnahme am „Adenauer-Lab“, einer Veranstaltung der Adenauer Stiftung in Berlin. Sechs Leute sollten nicht länger als zehn Minuten über Wandel und Veränderung durch Internet und soziale Medien sprechen. Unter anderem auch ich. Meinen Text – ich musste ihm beim Lesen kürzen, damit er unter zehn Minuten blieb – war Folgender:

 

Vorweg: Sie haben jemanden aus dem Vatikan gefragt. Meine Perspektive ist hier und heute die des Christentums. Internet-Rekrutierung durch Islamisten etc. ist ein Thema, aber nicht meins, nicht hier und heute.

Ich möchte Ihnen aus meiner Praxis fünf Beobachtungen vorstellen, zusammen gefasst in 5 Thesen.

 

These 1, oder die Frank Schirrmacher These

Es gibt vor allem in den USA die Vorstellung, die Zunahme der Wichtigkeit des Internets führe gleichzeitig zu einer Abnahme der Wichtigkeit von Religion. Zahlen glauben, das auch belegen zu können. Die Begründung dahinter: Religion wird durch Wissen besiegt, Internet stellt Wissen unkontrolliert und unzensiert zur Verfügung, daraus folgt eben ein Mehr an Aufklärung. Hier interessiert mich die zweite Annahme: Internet stellt Wissen zur Verfügung. Das tut es nicht.

Sie buchen eine Reise, sind dann bei Amazon unterwegs und bekommen Bücher zum Reiseziel angeboten. Das Phänomen kennen wir alle. Algorithmen bestimmen, was wir zu sehen bekommen.

In den USA gibt es bereits Software, die Nachrichten schreibt. Nachrichten schreibt, für Webseiten.

Packen wir das eine mit dem anderen zusammen, dann gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass in nicht allzu langer Ferne jeder von uns spezifische Nachrichten generiert bekommt. Sprachstil und Inhalt, je nach eigenen Präferenzen.

Und die Orientierung ist der Konsum. Nicht die Aufklärung. Auf die Religion angewandt: Es entsteht im Netz eine marktgerechte und konsumorientierte Form von Religion und Religionsdiskurs.

 

These 2, oder die Blog-These

Seit 2011 betreibe ich meinen eigenen (diesen) Blog. Da versammeln sich in der Kommentar-Spalte alle möglichen Meinungen. Und wenn ich im Netz auf anderen Blogs herumlese, oder besser noch auf anderen sich mit Glauben und Kirche befassenden Seiten, dann zeigt sich ein Bild: Selten kommt es zu einer wirklich interessanten Debatte. Web 2.0 ist also noch weit weg, wirkliches Engagement wird nur von einer wirklich sehr kleinen Gruppe betrieben. Weiterlesen

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+++ bin unterwegs +++

Ab dem 17. Juni bin nicht für zwei Wochen unterwegs, unter anderem um in der Schweiz Beiträge für die Sommerserie von Radio Vatikan zu machen. Danach geht es hier munter weiter. Also bis bald …

Kloster Einsiedeln

Kloster Einsiedeln

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Die Freiheit und der Heilige Geist: Warum Papst Franziskus so leitet, wie er leitet

Vom ersten Moment seines Pontifikates an schien Papst Franziskus genau zu wissen, was er wollte. Die Symbole, die Sprache, das Auftreten, gefolgt von den Entscheidungen der ersten Tage: Leadership nennt man das auf Neudeutsch, Führungsqualität. Das kann man nicht lernen, wenn man eine Aufgabe übernimmt, das muss der Papst bereits mitgebracht haben.

Chris LowneyWarum also leitet der Papst so, wie er leitet? Für eine Sendung habe ich jemanden gefragt, der sich ausgiebig damit befasst hat: Chris Lowney, Buchautor und „leadership-consultant“, also Fachmann für genau das. Er ist im Hauptberuf Vorsitzender des Aufsichtsrates der „Catholic Health Inintiative“, einem großen katholischen Krankenhausverbund in den USA, er bringt also reichlich eigene Erfahrung mit. Und nicht nur auf diesem Gebiet.

 

„Ich selber war einmal ein Jesuit, nach meiner Schule für etwa sechs Jahre, habe dann aber gesehen, dass das nicht mein Weg ist, Jesuit zu sein. Danach habe ich erst einmal für siebzehn Jahre als Investmentbanker bei JP Morgan gearbeitet. Mir ist damals immer wieder aufgefallen, dass das zwei völlig verschiedene Organisationen sind, mit ganz und gar anderen Zielen. Aber jede menschliche Organisation hat auch Dinge gemeinsam: Es geht um Motivation unserer selbst und anderer, es geht um Pläne und wie man sie erfüllen kann, es geht um das Setzen von Zielen und so weiter. Damals habe ich begonnen, mich für die Jesuiten als Firma zu interessieren, also sie in einer Unternehmens-Perspektive zu sehen. Wo sind die Leitungs-Werte dieser Organisation?

Daraus ist dann ein Buch entstanden, „Heroic Leadership“, und viele Jahre später, als dann erstmals ein Jesuit Papst wurde, hat mein Verleger mich gebeten, etwas über diesen Papst zu schreiben und deswegen habe ich das als Fallstudie betrachtet: Wer ist dieser Mensch und was ist der Hintergrund seiner Leitungskompetenz?“

 

Also ist das zweite Buch der Beweis, dass das erste Buch recht hatte?

 

„(Lacht) So gewagt würde ich das nicht formulieren.“

 

Wie charakterisieren Sie nun die Art und Weise des Papstes, zu leiten?

 

„Wissen Sie, die erste Formulierung, an die ich denke, ist überhaupt kein Fachausdruck, es ist etwas, was mir einige Freunde nach den ersten Tagen des Pontifikates gesagt haben. Diese Freunde sind keine praktizierenden Katholiken, haben aber fast denselben Kommentar gemacht, nämlich dass sich dieser Papst in seiner Haut wohl zu fühlen scheint. In anderen Worten, sie waren erstaunt, dass jemand, der sich nicht sein ganzes Leben darauf vorbereitet hat, diesen Job zu bekommen, ihn nun auf so völlig natürliche Weise ausübt. Das war dann mein erstes Thema: Wie bekomme ich die Leitungs-Kompetenz, bevor der Moment kommt, wo ich sie brauche.

Als Franziskus Papst wurde, hat ihm keiner eine Woche Zeit gegeben oder ein Buch, diese Aufgabe zu lernen. Er musste sofort beginnen, an diesem ersten Abend. Wir denken immer erst dann an die Bedeutung von Leitung, wenn wir selbst in eine solche Situation kommen. Aber die Realität ist anders: Man muss sehr viel früher daran denken und vor allem sich vorbereiten.“

 

Was hat er gelernt? In Ihrem Buch erwähnen Sie Dinge wie die Fähigkeit, alleine zu sein, verschiedene Perspektiven einzunehmen, klar zu entscheiden und so weiter. Was von alledem finden Sie in Papst Franziskus?

 

„Drei davon kann ich gleich nennen und alle drei sind sehr eng mit seinen jesuitischen Wurzeln verbunden, der jesuitischen Kultur und Tradition. Weiterlesen

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Spirituell übermittelte Krankheiten

Geistlich auf dem Weg zu sein, kann nach hinten losgehen. Nicht jeder Schritt ist gut und hilfreich, nicht alles was ich als geistlich wahrnehme ist es auch und vieles ist vielleicht sogar das genaue Gegenteil.

Diese Einsicht ist klassisch in der christlichen Tradition, von den Mönchsvätern angefangen. Bei Papst Franziskus erlebt sie gerade eine neue Blüte, wenn er gegen neue Formen des Gnostizismus oder neo-Pelagianismus schimpft. Aber das will ich hier gar nicht vertiefen.

Im Netz kursiert seit einigen Tagen ein Artikel, der einen modernen Blick auf verkrümmte Formen des Geistlichen wirft. Einige Male musste ich beim Lesen auflachen – passiert mir im Internet immer seltener – über die Einsichten und die Zusammenstellung.

Die Autorin – Mariana Caplan – beschäftigt sich mit geistlichen Unterscheidungsprozessen in der Spiritualität, wenn wir es im Spiri-Deutsch ausdrücken. Also damit, dass nicht alles irgendwie gleich wichtig und richtig ist, sondern dass man in geistlichen Prozessen Fehler machen kann oder auch richtig liegen kann. Und das kann man unterscheiden.

Sie sagt, dass unsere geistlichen Einsichten kontaminiert werden und sich zu einer Art Infektion entwickeln.

Unter den Top-10, die sie in dem Artikel nennt, sind zum Beispiel die Vermischung von Spiritualität und der Kultur der „instant gratification“, des schnellen Konsums. Sie nennt es Fast-Food Spiritualität. Alles ist schnell und leicht.

Dann gibt es die Spiritualität zum Anziehen, die Dinge die ich kaufe und mit denen ich mich umgebe und die mich aussehen lassen, als ob ich spirituell wäre. Vielleicht glaube ich das dann auch irgendwann selber.

Schon komplexer ist die Krankheit, sich selbst mit seinen Erfahrungen zu verwechseln, also zu glauben, wir seien Verkörperungen der Erfahrungen, die wir irgendwann mal gemacht haben.

Dann gibt es das undurchdringliche Spiritualitäts-Ego, das keine kritische Rückmeldung mehr zulässt und deswegen auch nicht wachsen kann.

Geistlicher Stolz ist ein Klassiker, den sie erwähnt, „groupthink“ – unterbewusste Absprachen darüber, was man denken soll – ein anderer (witzigerweise nennt sie es Ashram-Disease).

Und die tödlichste von allen Krankheiten: Ich habe es geschafft.

Viel davon ist mir in verschiedenen Formen schon begegnet, natürlich vor allem bei mir selber. Deswegen musste ich ja auch lachen. Was mir besonders gefällt ist die grundlegende Einsicht, dass nicht alles, was als Geistlich daher kommt, es auch ist. Dass es – um christlich-traditionell zu bleiben – unterschieden werden muss. Es gibt so viel verschiedenes und verwirrendes Zeug unter all den guten Schritten. Um mit den Worten zu schließen, mit denen Caplan ihren Artikel beginnt: „It is a jungle out there.”

 

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„Insofern bin ich da ein totaler Optimist“

Frank Schirrmacher ist tot. Ein freier Denker und Schreiber, ein intelligenter und witziger Mann. Leider bin ich ihm nur einmal live begegnet, aber gelesen habe ich ihn gerne. Und diese eine Begegnung war etwas Besonderes, bis heute.

Es ging um eines seiner Themen, um Egoismus – Thema eines Buches von ihm – und die Frage, wie sehr Maschinen und Algorithmen unser Denken, unsere Wirtschaft und unser Tun mittlerweile bestimmen.

Er beschreibt die Mathematisierung unserer Welt: Alles wird erfasst, berechnet und ökonomiesiert. Amazon weiß, was ich bei Google gesucht habe und schlägt mir Bücher zum Thema vor; das Netz gibt vor zu wissen, was für mich gut wäre.

Schirrmacher fügt ein Beispiel an, das ich hier bringen will, weil mich das Thema Journalismus schon aus Eigeninteresse nicht loslässt. Auch hier würde die Dominanz der Algorithmen langsam zugreifen, sagt Schirrmacher.

Das Interview möchte ich an dieser Stelle noch einmal veröffentlichen, meinen Hut ziehend und mich vor einem freien klugen Denker verneigend.

 

Frank Schirrmacher„Aus sich selbst herausgehen“: Es ist eines der zentralen Themen, die Papst Franziskus immer und immer wieder für Christen einfordert; alles andere führe zum Egoismus. Was dieser Egoismus heute bedeutet, das habe ich im Juni 2013 – vor exakt einem Jahr – Frank Schirrmacher gefragt. Er hat gerade ein Buch über die moderne Form des Egoismus geschrieben: „Ego – das Spiel des Lebens.“ Es ist ein kontroverses Werk, aber auch ein nachdenklich stimmendes Buch. Ein Gespräch mit dem Autor über den Wert von Intuition, die Macht des Informationskapitalismus und darüber, was eigentlich Egoismus ist.

 

„Wir alle reden ja ständig über Egoismus und wir glauben zu wissen, was es ist. Ich will mal sagen, was es in dem Interesse, dem ich gefolgt bin, nicht ist. Mein Buch ist keine moralphilosophische oder moraltheologische Annäherung an das Thema, sondern etwas, wo das Interesse bei mir ausgelöst wurde durch die Finanzkrise und die Art und Weise, wie die handelnden Personen reagiert haben. Was mich interessiert ist ein Egoismus, von dem gesagt wird, dass er ‚rational’ sei. Das eigentlich Neue und Beunruhigende daran finde ich, und das war mir vorher nicht so klar, dass wir uns einer Welt annähern, die das egoistische Eigeninteresse für einen Kern von Rationalität hält. Das ist natürlich eine Form des ökonomischen Denkens aber es geht weit darüber hinaus: Es ist vernünftig, egoistisch zu sein.“

 

Damit ist das Hauptthema Schirrmachers benannt: Die Behauptung, dass der Egoismus das Zentrum unserer Gesellschaft sei. Zur Präzisierung: Das an sich selber Denken an und für sich ist nicht vollständig schlecht und war schon immer Teil der Gesellschaft. Schirrmacher geht es aber um ein Phänomen, das viel weiter geht und das im Zeitalter der Informationsökonomie und des Informationskapitalismus bestimmend geworden sei.



„Es ist eine Sache, ob Sie eine Welt analysieren und sagen, dass aufgeklärtes Selbstinteresse ein wesentlicher Wert für Gesellschaften ist, oder ob sie eine Gesellschaft danach organisieren, dass sie nur noch nach Selbstinteresse funktioniert. Das eine ist eine Beschreibung von – wie wir ja alle sofort einräumen würden – partiellen Phänomenen innerhalb einer Gesellschaft, das andere ist etwas, was Ausschließlichkeit bedeutet. Weiterlesen

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Wir haben für euch Flöte gespielt

Der Papst und seine Botschaften bewirken nichts. Das hat der Schriftsteller Martin Mosebach, ein profilierter Katholik und Freund der alten Messe, der Süddeutschen Zeitung gesagt. Sie seien zu simpel, sagt er. Sie seien wie die Schocksprüche auf den Zigarettenschachteln, aber einfache Dinge erhielten leicht einen großen Beifall. Das angenehme für viele Menschen sei, dass man für sich daraus keine Schlüsse ziehen müsse.

Groß ist meine Lust, das einfach umzudrehen: Die Botschaften von Martin Mosebach bewirken nichts. Sie sind zu simpel, wie die Schocksprüche auf den Zigarettenschachteln, aber einfach Dinge erhalten halt leicht Beifall. So einfach kann man mit dem Papst und seinen Anliegen nicht umgehen, lieber Herr Mosebach.

Aber ein wenig hat er ja auch recht. Nicht mit der Bewertung, dass die Botschaften zu einfach seien, das teile ich ganz und gar nicht. Aber man muss schon aufpassen, dass man das nicht hört, sich daran begeistert und dann zur Tagesordnung übergeht. Aber ich bin weit davon entfernt, den vielen Menschen, die nicht sofort in Bekehrungs- und Verkündigungsmodus schalten, Gleichgültigkeit zu unterstellen.

Der Papst ist nämlich anspruchsvoll in seinen Botschaften, anders als Herr Mosebach und mit ihm viele andere das sehen. Das sind keine Kalendersprüche, die er morgens bei den Messen ausspricht, sondern diese Sätze rütteln an Selbstverständlichkeiten des Glaubens und der Kirche. Er will diese Selbstverständlichkeiten zum Leben erwecken, aus dem Sprechen hinaus ins Leben, sozusagen.

Ich glaube nicht, dass das für die meisten Menschen angenehm ist, weil man für sich keine Schlüsse ziehen muss. Oder vielleicht besser so formuliert: Wenn man daraus keine Schlüsse ziehen will, ist das eine Entscheidung der Christen, unterbewusst oder bewusst, was aber nicht an einer unterstellten Einfachheit der Botschaft liegt. Im Gegenteil, wer die Botschaften simplifiziert, nimmt ihnen den Inhalt.

In den Worten der Schrift: „Wir haben für euch auf der Flöte gespielt, und ihr habt nicht getanzt“ (Mt 11:17).

 

Geistlicher Realismus

 

Der Grund ist ganz einfach: Der Papst geht von Erfahrungen aus, von konkreten Dingen, und er spricht so, dass die anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen sich darin erkennen können. Er spricht nicht darüber, wie es sein soll, abstrakt und idealistisch. Er bleibt in der Welt wie sie ist. Und da wir nicht in den Ideen leben sondern ganz konkret, kommt das an.

Wir werden uns in den kommenden Jahren noch oft mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie die Kommunikation und die Inhalte des Papstes vermittelt werden.

Aber ganz so einfach, wie die Kritik hier lautet, ist das nicht.

 

 

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Nein, nein, nein

Die Texte bei den Friedensgebeten vom Sonntag in den Vatikanischen Gärten – was wirklich gesagt wurde.

 

Nein, bei den Gebeten für den Frieden ist nicht der Koran zitiert worden mit der Aufforderung, die Ungläubigen zu vernichten. Das ist Stuss.

Nein, das war kein Synkretismus. Der Katechismus der Katholischen Kirche spricht von Gottes Heilsabsicht, besonders auch für die Muslime. Da wird aber nichts vermischt.

Nein, dass bei einem Treffen drei Religionen ihre Gebete sprechen, bedeutet noch nicht, dass alle glauben, dass alles irgendwie gleich sei und eins. Der Papst glaubt weiterhin an Jesus Christus.

Sonntagabend in den Vatikanischen Gärten

Sonntagabend in den Vatikanischen Gärten

Nein, die Gebete für den Frieden waren weder Relativismus, noch Atheismus,  (oder sonst ein -ismus), es ist auch nicht was einige meinen glauben zu müssen Blasphemie.

Was für eine Quelle von unglaublichem Zeug das Internet doch ist. Da darf jeder behaupten, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Ok, das ist jetzt nicht wirklich originell, muss aber immer wieder mal gesagt werden.

 

Stuss

 

Ein wenig waren die Friedensgebete am vergangenen Sonntag wie Assisi; seit dieser Friedens-Initiative Johannes Pauls II. können sich die Verschwörungstheoretiker und Gegener jedweder Form des interreligiösen Respektes und vor allem diejenigen, die sich brüsten, gegen jede Form der angeblichen politischen Korrektheit zu sein, gar nicht mehr einkriegen. Das ist ein Fest für die.

Der Papst will eine Kultur der Begegnung fördern. Wenn es rote Fäden in diesem Pontifikat gibt, dann gehört das sicherlich dazu. Begegnung auf allen Ebenen, von den Umarmungen auf dem Petersplatz bis zu politisch höchst komplexen Veranstaltungen wie den Gebeten und Friedensbitten am Sonntag.

Wer immer das nicht aushält, der findet im Internet genug Stuss (ich darf mich hier wiederholen), um seine Paranoia zu füttern. Für alle die unsicher sind setze ich einfach mal den Volltext der Gebete vor den Ansprachen hier ins Netz. Weiterlesen

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Mit dem Frieden ist das so eine Sache

Es geht doch. In der Welt ist gestern Abend nicht auf einmal der Frieden ausgebrochen, nicht einmal im Nahen Osten. Aber all denen, die sagen, dass nur die Sprache hilft, die dort immer schon gesprochen wird – Religion gegen Religion, Mensch gegen Mensch, Volk gegen Volk – denen hat der Abend gestern gezeigt, dass das nicht stimmt.

Shimon Peres (l) und Mahmud Abbas, dahinter der Papst (c) Reuters

Shimon Peres (l) und Mahmud Abbas, dahinter der Papst (c) Reuters

Etwas erstaunt war ich über die vielen negativen Reaktionen auf die Gebete für den Frieden. Auch hier im Blog. Da sind die, die glauben, dass das eh nichts bringt. Da halte ich gegen, dass jeder Schritt, den man nicht macht obwohl man ihn machen könnte, sträflich ist. Es gibt viele Schritte, die in Richtung mehr Gewalt und Verhärtung gemacht werden, denen muss man etwas entgegen setzen. Denen darf man die Welt nicht überlassen. Und das haben Abbas und Peres gestern im Vatikan getan.

 

Unsinn, Show, unkirchlich

 

Dann gibt es die, die glauben, dass das nur Show war, dass das keine politischen Auswirkungen hat, dass sich der Papst damit nur schmückt. Ob es politisch etwas bewirkt, wissen wir nicht. Aber nach dem Friedensgebet für Syrien, der Zornesrede bei Amman über die Waffenhändler und nun dieser Initiative glaube ich sagen zu können, dass es keine Show war, sondern Papst Franziskus ein wichtiges Anliegen. Er will das Seine beitragen. In den Worten des Kustos des Heiligen Landes, Pater Pierbattista Pizzaballa: Den Frieden darf man nicht den Politikern überlassen.

Dann gibt es drittens die, die sagen, dass das nicht die Aufgabe des Papstes sei, sondern dass der sich nur um die Kirche zu kümmern habe. So vieles funktioniere innen nicht, da müsse das Äußere warten. Aber wenn ich die Reaktionen in der Kirche und unter Gläubigen auf diese Friedensgebete richtig einschätze, dann tut der Papst genau das. Er gibt dem Glauben und den Gläubigen eine Dynamik. Er zeigt, was glauben und beten erreichen kann, dass man es nicht nur im Kämmerlein tun sollte sondern damit an die Öffentlichkeit gehen. Auch wenn man Gefahr läuft, als Show-Mann oder als Versager kritisiert zu werden.

Persönlich finde ich es schon etwas verwunderlich, dass in einer von Kriegen und Bürgerkriegen und Terror und Waffen geschüttelten Welt eine Initiative für Frieden kritisiert wird. Sie wäre zu kritisieren, wenn sie andere Dinge verhindern würde. Das hat der Papst nicht getan. Im Gegenteil, er hat eine Begegnung ermöglicht, die es sonst nicht gegeben hätte. Und mit dem Beten geht man in eine Perspektive, die man über Kimme und Korn nicht hat.

Glauben hat Folgen für die Welt. Jetzt hoffen wir, dass das Beten auch Folgen hat.

Und all die, die immer noch nörgeln wollen: Dann macht ihr doch mal was!

 

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