Wie beim Propheten Jonas

Erwartungen an die Kirche in Deutschland. Die weltkirchliche Perspektive: So lautete der Titel eines Vortrages, um den ich gebeten wurde. Natürlich habe ich ihn nicht so gehalten, wie er hier steht, aber als Text ist es denke ich lesbar. Anbei also das Skript.

 

Zunächst muss ich einschränken: Es wäre vermessen, hier auch nur andeutungsweise so etwas wie eine „weltkirchliche Dimension der Erwartungen an die Kirche in Deutschland“ zu umreißen. Deswegen darf ich mich auf Schlaglichter beschränken. Und mein Schlaglicht, das Schlaglicht, heißt natürlich Papst Franziskus. Er hat Erwartungen an die Kirche, an Europa, und deswegen auch an die Kirche in Deutschland. Welche genau das sein werden, werden die Bischöfe bei ihrem Ad Limina Besuch im September hoffentlich heraus finden.

Aber neben dem, was der Papst spezifisch sagt gibt es ja noch das, was aus dem, was der Papst insgesamt sagt, für unsere Kirche folgt. Und hier möchte ich beginnen.

Beginnen wir in der Ferne, in Manila, bei der Papstreise dort: Bei der Schlussmesse gab es ein wunderbares Schauspiel, der Erzbischof der Stadt, Kardinal Luis Antonio Tagle, bedankte sich beim Papst und verabschiedete ihn nach der Messe in einer Rede. Es war eine rhetorische und seelsorgerische Meisterleistung. Er hatte die 5 oder 6 Millionen Menschen fest in der Hand, er war charismatisch, hat sie alle mitgenommen, kommunikativ geleitet, angesprochen. In der Redaktion haben wir diskutiert, wie der das macht und sind bei einer Diagnose angekommen, die so auch für den Papst gilt: Er gibt den Menschen eine Stimme.

 

Den Glaubenden eine Stimme

 

In Papst Franziskus spricht nicht nur der Papst. Er gibt vielen Katholiken eine Stimme, die selber keine haben oder sich nicht trauen. Er formuliert und lebt ein Kirchenbild vor, das sich viele Menschen wünschen. Es ist unideologisch und weit über die längst – biblisch gesprochen – tauben  und stummen Kategorien von liberal und konservativ hinaus. Er kommuniziert, er ist authentisch, er mag Menschen, er hat keine Angst. Dass er bis heute fast immer nur gute Kritiken bekommt liegt daran, dass man sich eine solche Religion wünscht. Das ist vielleicht die größte, wenn auch unkonkreteste Erwartung an die Kirche in Deutschland. Wir werden nicht alle Papst Franziskus. Aber dass die Menschen so einem Papst zuhören und ihm vertrauen, das sollte uns zu denken geben.

Ein Zusatz: In Papst Franziskus bekommen wir keine Billigversion von Religion. Das ist durchaus komplex und hat Schattierungen, der Papst ist kein schneller Vereinfacher und schlichter Charismatiker. Und ich glaube auch, dass die meisten Menschen, die jubeln, das auch ahnen und spüren. Sonst würde der Jubel nicht anhalten: Da ist Substanz dahinter, auch das gehört zur Sehnsucht von Religion dazu, das ist nicht einfach und billig.

Drei Punkte möchte ich unter der Überschrift „Erwartungen“ anführen. Weiterlesen

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Zum Heilgen Jahr: Reich an Erbarmen

Es wird ein Heiliges Jahr: Zum Jahrestag des Abschlusses des Konzils ruft Papst Franziskus ein außerordentliches Heiliges Jahr aus. Das ist eine alte Tradition der Kirche, die ganz besonders feierlich begangen werden. Normalerweise gibt es solch ein Jubiläum alle 25 Jahre, außergewöhnliche Jahre markieren außergewöhnliche Anlässe: Also das Ende des Konzils, und das unter der Überschrift der Barmherzigkeit.

Es ist ein für diesen Papst zentraler Begriff, schon bei seinen ersten Auftritten, etwa bei der Ansprache zum ersten Angelusgebet, was das Thema. „Gott hört nie auf zu vergeben“ ist ein immer wieder genanter Satz.

Bereits seit einiger Zeit liegt Dives in Misericordia auf meinem Schreibtisch, die Enzyklika Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1980 über das göttliche Erbarmen. Was wäre eine bessere Gelegenheit, die jetzt mal aufzuschlagen? Schließlich ist das Sprechen von der Barmherzigkeit ja nicht vom Himmel gefallen, auch bei den Päpsten nicht. Schon Johannes XXIII. war das wichtig, und auch Benedikt XVI. hat mit Deus Caritas Est seinen Beitrag dazu geleistet.

Wir Menschen erkennen Gott darin, dass wir auf Christus schauen: So beginnt Johannes Paul II. seinen Text. Es geht ihm darum, das Antlitz Gottes zu suchen. Gleich also zu Beginn wird Barmherzigkeit ganz eng an Gott geknüpft. Niemand könne Gott sehen, außer „dem einen“, wie der Evangelist Johannes sagt, und wir wiederum könnten ihn „vor allem in seiner liebenden Zuwendung zum Menschen, in seiner „Menschen – Freundlichkeit’“ erkennen: „jene göttliche Eigenschaft tritt hervor, die schon das Alte Testament – in verschiedenen Bildern und Ausdrucksweisen – als ‚Erbarmen’ beschrieben hat. Christus gibt der gesamten alttestamentlichen Tradition vom göttlichen Erbarmen eine endgültige Bedeutung. Er spricht nicht nur vom Erbarmen und erklärt es mit Hilfe von Gleichnissen und Parabeln, er ist vor allem selbst eine Verkörperung des Erbarmens, stellt es in seiner Person dar. Er selbst ist in gewissem Sinne das Erbarmen. “ (Nr. 2, Kursiv im Original). Dabei geht es nicht so sehr um das abstrakte Erkennen und Nachdenken über Gott, sondern ganz praktisch um das „Zuflucht nehmen“ zu Gott.

Die Vorstellung des Erbarmens sei aber heute recht unpopulär geworden, weil wir vor allem eines gelernt hätten: Durch Technik zu kontrollieren. Der Papst zitiert Gaudium et Spes, das Schlussdokument des Zweiten Vatikanums (Nr. 9) und stellt die Barmherzigkeit als einen Widerpart gegen die Kontrolle und Unterwerfung der Welt hin. Wenn ich also Zuflucht nehme und auf Gottes Barmherzigkeit baue, dann entziehe ich der Kontrolle der Welt etwas von ihrer Macht. Genauso handelte Jesus: „Es ist ungemein bezeichnend, dass diese Menschen vor allem die Armen sind, denen es an Lebensunterhalt fehlt; die, welche ihrer Freiheit beraubt sind; die Blinden, welche die Schönheit der Schöpfung nicht sehen können; die, welche in Trauer und Sorge leben oder unter sozialen Ungerechtigkeiten leiden; und schließlich die Sünder. Vor allem für die Letztgenannten wird der Messias ein besonders verstehbares Zeichen Gottes, der Liebe ist, ein Zeichen des Vaters. In diesem sichtbaren Zeichen können die Menschen von heute ebenso wie die Menschen von damals den Vater sehen.” (Nr. 3)

In Jesus offenbart sich also die Liebe Gottes, die eine „wirkende Liebe“ ist. Den Ausdruck mag ich ganz besonders; natürlich gibt es keine wirkungslose Liebe, aber dieser Zusatz weist noch einmal darauf hin, woher die Barmherzigkeit kommt. Eben nicht aus einem Gutmenschentum oder einer Geringschätzung von Regeln.

 

Die Norm der Gerechtigkeit überschreiten

 

Und Jesus verkörpert es nicht nur, er macht es auch zu einem „Hauptthemen seiner Lehrtätigkeit“ (Nr. 3). Es ist Lehre Jesu, vielleicht gipfelnd in der Seligpreisung „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5:7).

Zeichnung von Rembrandt: Der verlorene Sohn

Rembrandt Harmenz van Rijn: Der verlorene Sohn

Papst Johannes Paul II. geht dann durch die einzelnen Bücher des Alten Testaments hindurch, um der Bedeutung von Barmherzigkeit nachzuspüren, und gelangt dann zum Zentralgleichnis seiner Enzyklika: Dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, oder dem Gleichnis vom barmherzigen Vater (Lk 15:11-32). Der Sohn sei gewissermaßen „der Mensch aller Zeiten“, er stehe für uns alle, „die Parabel bezieht sich indirekt auf jeden Bruch des Liebesbundes, auf jeden Verlust der Gnade, auf jede Sünde“ (Nr. 5).

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Zur Erinnerung: Wie es begann

Zwei Jahre ist es morgen her, dass Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt wurde. Sehr viel ist seitdem geschehen, sehr viel Text ist geschrieben, gesprochen und gesendet worden. Es gibt aber einen Text, auf den ich immer noch gerne zurück greife, er ist etwas über zwei Jahre alt und von Kardinal Bergoglio beim Vorkonklave, also vor der eigentlichen Wahl, gesprochen worden.

Als Erinnerung stelle ich ihn hier noch einmal ein.

 

Ich habe Bezug genommen auf die Evangelisierung. Sie ist der Daseinsgrund der Kirche. Es ist die „süße, tröstende Freude, das Evangelium zu verkünden“ (Paul VI.). Es ist Jesus Christus selbst, der uns von innen her dazu antreibt.

1. Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht. Sie ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.

2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus.

In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen … Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten.

3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das „Geheimnis des Mondlichts“ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der „geistlichen Weltlichkeit“ Raum (nach Worten de Lubacs das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern. Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das „Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet“; und die weltliche Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.

Dies muss ein Licht auf die möglichen Veränderungen und Reformen werfen, die notwendig sind für die Rettung der Seelen.

 

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Rausgehaut

Eigentlich wollte ich ja gar nichts dazu schreiben. Ein Artikel über den Papst, angekündigt auf der Titelseite der FAS unter „Niemand weiß, was Franziskus als Nächstes raushaut“. Nicht wirklich die Sprache, die ich von der Frankfurter gewohnt bin, aber nun ja, wenn das die Richtung ist, bitteschön.

Gegen Mittag kamen dann einige Kommentare, eMails und Bemerkungen bei mir an und ich habe mich auf die Suche nach dem vollen Text gemacht, also einer Kopie der Zeitung, in Rom gar nicht so einfach. Online habe ich ihn – bis jetzt – nicht gefunden (Nachtrag: Seit dem 10.3. hier zu finden). Und wie gesagt, nach der Lektüre dieses informationsfreien Meinungsstücks wollte ich eigentlich nichts dazu schreiben.

Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

FAS vom Sonntag, Seite 2

Der Autor des Stücks „Die Kanone ist los“ zeichnet dort das Bild eines Papstes, der wild drauflos spricht, der nicht darauf achtet, wie das wirkt und der außer Kontrolle geraten ist. Es fällt das Wort von „Teilzeit“ und davon, dass der Papst an Nachmittagen komplett selbst darüber verfügt, was er tut. Der Papst habe noch nicht akzeptiert, dass es für ihn kein Privatleben mehr gibt. Aha, habe ich mir gedacht, da passt dem Autor die Weise nicht, wie der Papst sein Amt ausübt. Er würde selber gerne vorgeben, wie das zu sein hat.

Andere Fragen, die der Autor stellt, sind wirklich interessant und sollten auch in solchen Stücken gestellt werden, die Debatte darüber lohnt sich wirklich und ich versuche ja auch hier, meinen Teil dazu beizutragen.

Was mich aber wirklich gewurmt hat – und dann doch zur Tastatur hat greifen lassen – war die These, dass es in der Vergangenheit immer wieder gelungen sei, „Unverständliches und eigentlich Inakzeptables grade noch zugunsten des Papstes umzudeuten.“ Damit meint der Autor mich. Natürlich nicht nur, so eitel bin ich auch wieder nicht, aber in meinen Versuchen unter anderem an dieser Stelle zu erklären zu versuchen, wie man den Papst verstehen kann, sehe ich diese Aussage schon als Abwertung.

 

Ich Umdeuter

 

Machen wir einmal die Hypothese und sagen, das sei so. Es gibt beim Papst Unverständliches und das wird von Leuten umgedeutet. Dann müssten wir dem Autor dankbar sein, denn das ist ja die Aufgabe eines Journalisten: Umdeutungen als solche zu benennen.

Tut er das in dem Artikel? Nein. Nicht eine einzige neue Information, nicht ein einziger Name im Artikel, dafür viel „man“ oder „es wird“. Kein Beleg, keine Recherche. Dafür viele Fehler. Der Autor behauptet, der Vatikan bezahle „extrem niedrige Gehälter“. Tut er nicht. Der Autor behauptet, der Papst habe die Bezahlung der Überstunden gestrichen. Hat er nicht. Fehler dieser Art, bei denen man die Recherche mit einem einzigen Telefonanruf erledigen könnte, lassen in mir den Verdacht wachsen, dass es ihm nicht um das Aufdecken von Umdeutungen geht, sondern dass da selber Umdeutung am Werk ist. Weiterlesen

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Und das Konzil wurde konkret

„Was machen wir hier?“ Mit diesen Worten begann Papst Paul VI. seine Predigt heute vor 50 Jahren am ersten Fastensonntag, den 7. März 1965. Die Frage war berechtigt, denn es war eine besondere Messfeier. Was sie so besonders machte, war die Form: zum ersten Mal feierte ein Papst die Messe in der Volkssprache, also auf Italienisch. Es war noch nicht das neue Messbuch, das sollte erst 1970 promulgiert werden, auch war noch nicht die ganze Messe in Italienisch, aber es war der Schritt, den das Vatikanische Konzil gewollt hatte und den Papst Paul nun vollzog. Der Papst feierte die Messe in der Kirche Ognissanti – Allerheiligen – in der an diesem Abend Papst Franziskus die Messe feiern wird, um dieses Ereignisses zu gedenken und den Ritus der Kirche zu würdigen.

Papst Paul VI. feiert die erste Papstmesse auf Italienisch

Papstmesse, 7. März 1965, Ognissanti, Rom. Die erste Papstmesse auf Italienisch

Also, „was machen wir hier?“ Paul VI. nennt zwei Aspekte des feierlichen Ritus, einen außerordentlichen und einen gewohnten und ordentlichen, wie er sagt. „Außerordentlich ist die heute neue Form des Betens, der Feier der heiligen Messe. Wir beginnen heute die neue Form der Liturgie in allen Pfarreien und Kirchen auf der Welt, für alle Messen, an denen das Volk teilnimmt.“ Nebenbemerkung meinerseits: Es ist eine neue Form des Ritus, nicht der neue Ritus. Dies nur all denen gesagt, die vom neuen Ritus und von dem alten Ritus sprechen, das stimmt so nicht. Nur die Form hat sich geändert.

 

Dialog zwischen Gott und den Menschen

 

„Es ist ein großartiger Augenblick, den wir als Beginn eines blühenden geistlichen Lebens erinnern sollten, wie einen neuen Auftrag, dem großen Dialog zwischen Gott und Mensch zu entsprechen.“ Die Sprache ist formal, auch im Italienischen sehr komplex und wie mir wirkliche Italienischkenner sagen literarisch, in der Übersetzung – zumal durch mich – wirkt es etwas sperrig. Aber die Idee ist klar.

„Was ist der Ritus, den wir hier feiern? Es ist eine Begegnung dessen, der das Göttliche Opfer darbringt mit denen, die ihm assistieren. Diese Begegnung muss deswegen voll und herzlich sein. Es ist deswegen nicht unangebracht, dass der Zelebrant – in diesem Fall der Papst – einige Male an die Anwesenden diesen Gruß richtet: Der Herr sei mit Euch!“

Papst Paul mache eine liturgische Katechese, die Worte sind noch völlig neu, die Gläubigen kennen sie noch nicht, dieselben Worte die wir heute vielleicht im Schlaf aufsagen könnten. Ich habe ein vergleichbares Phänomen vor einiger Zeit bemerkt, als die Worte ebendiesen Grußes im Englischen verändert wurden, die Antwort lautet nun „and with your spirit“ und nicht mehr „and also with you“. In der englischsprachigen Gemeinde, in die ich manchmal gehe, hörte sich das dann manchmal eher nach „and also with–eh–spirit“ an. So ähnlich muss das damals auch gewesen sein, man war das einfach noch nicht gewohnt. Und deswegen erklärt Papst Paul den Ritus.

Jeder solle bereitwillig antworten: „Und mit deinem Geiste!“, erklärt der Papst weiter, er geht auf die Konstitution der Gemeinde ein, die in diesem Augenblick und durch diesen Gruß beginnt. Weiterlesen

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Warum bist du reich?

Mehr gab es zu Gier, tötender weil ausschließender Wirtschaft, Egoismus und Kapital eigentlich nie zu sagen. Lesen wir also Basilius von Cäsarea († 379) – die fünfte der Exegetischs paränetischen Predigten, Kapitel 7. Veröffentlicht durch die Universität Freiburg/Schweiz. Gute christliche Tradition in alttestamentarisch-prophetischer Sprache.

 

Wem tue ich Unrecht, fragt der Geizige, wenn ich das Meinige zusammenhalte? Aber sage mir, was ist denn dein? Woher hast du es bekommen und in die Welt gebracht? Wie wenn einer im Theater, der bereits seinen Platz hat, die nachher Eintretenden fernhalten und den allgemein zugänglichen Raum als sein Eigentum ansprechen wollte, so ähnlich gebärden sich die Reichen.

Die gemeinsamen Güter nehmen sie zuerst in Beschlag und machen sie durch diese Vorwegnahme zu ihrem Privateigentum. Würde jeder nur soviel nehmen, als er braucht zur Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse, das Übrige aber dem Dürftigen überlassen, dann gäbe es weder Reiche noch Arme. Bist du nicht nackt aus dem Mutterschoße gekommen, und wirst du nicht nackt wieder zur Erde zurückkehren? Woher hast du denn deine Güter?

Sagst du: vom Zufalle, dann bist du gottlos, weil du den Schöpfer nicht erkennst und dem Geber keinen Dank weißt. Bekennst du aber, sie seien von Gott, dann nenne mir doch den Rechtstitel, auf den hin du sie erhalten hast! Ist Gott nicht ungerecht, dass er an uns die Lebensgüter so ungleich verteilt? Warum bist du dann reich, jener aber arm? Jedenfalls nur deshalb, damit du für deine Güte und treue Verwaltung einen Lohn erhältst, der Arme aber mit den herrlichen Preisen der Geduld bedacht werde. Du aber raffst alles im unersättlichen Schoße deiner Habsucht zusammen und glaubst, keinem Unrecht zu tun, wenn du so viele beraubst.

Wer ist denn ein Habsüchtiger? Wer sich mit dem Ausreichenden nicht begnügt. Wer ist ein Räuber? Wer jedem das Seinige nimmt. Bist du nun kein Habsüchtiger, kein Räuber, wenn du das, was dir in Verwaltung gegeben worden, als dein Eigentum ansprichst?

Wer einem andern die Kleider auszieht und sie nimmt, wird als Räuber bezeichnet; wer aber einen Nackten nicht kleidet, obschon er es machen könnte, verdient der etwa eine andere Bezeichnung? Dem Hungrigen gehört das Brot, das du zurückhältst, dem Nackten das Kleid, das du um Schranke verwahrst, dem Barfüßigen der Schuh, der bei dir verfault, dem Bedürftigen das Silber, das du vergraben hast.

Du tust also ebenso vielen Unrecht, als du hättest geben können.

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ad limina

Das Mittelmeer darf kein Friedhof werden. So die Worte von Papst Franziskus vor dem Europaparlament im vergangenen Jahr. Die erfrorenen Flüchtlinge der vergangenen Woche sprechen aber eine andere Sprache. Wir haben es noch nicht geschafft, noch ist das Meer tödlich für viele Menschen, die Not, Krieg, Ausbeutung und vielem anderen entkommen wollen.

Sankt Peter Köln, Kunststation

Sankt Peter Köln, Kunststation

Vor einiger Zeit war ich in Köln, in Sankt Peter, der Kirche in der ich selber zum Priester geweiht wurde. Da lief bis vor einigen Tagen eine Kunstaktion. Ein aus verschiedenen Plastikplanen zusammen gesetztes Zelt spannt sich durch das Kirchenschiff, Basislager hieß das. Herman Josef Hack ist der Künstler.

Das fiel mir wieder ein, als ich an diesem Montag die Liste der Bischöfe sah, die der Papst ad limina, also zum etwa alle fünf Jahre stattfindenden Besuch einer Bischofskonferenz, empfängt. Algerien, Libyen, Tunesien und Marokko sind vertreten, also die Länder, über die die Flüchtlinge zu uns zu kommen versuchen und die die Last tragen. Es sind die Länder, in denen die Schlepper die Leute ausnehmen. Es sind somit die Länder, die den Druck aushalten müssen: Das verschlossene Europa im Norden, die Armut, Vertreibung und Gewalt im Süden.

An das Zelt habe ich mich deswegen erinnert, weil damit ein Stück der Wirklichkeit dieser Menschen symbolisch und als Kunst einzieht in die Kirche. Natürlich machen wir viel, gerade die Kirchen. Aber es in einem Gottesdienstraum zu sehen, ist wichtig.

Damit wir wenigstens ein Stück die Perspektive der Menschen verstehen, die dort am Nordrand Afrikas leben oder einfach nur überleben in der Hoffnung nach vorne und der Verzweiflung im Blick zurück.

 

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Diplomatische Rauten

Von Kuba und der USA waren wir alle völlig überrascht. Als Präsident Obama bekannt gab, man wolle Gespräche mit dem Nachbarn auf der Insel führen mit dem Ziel eines Friedens und dass Papst Franziskus dort persönlich eine Rolle gespielt habe, waren wir alle erstaunt darüber, dass die Vorbereitungen dazu keiner mitbekommen hatte. Auch als das Beten in den Vatikanischen Gärten stattfand und Franziskus Vertreter Israels und Palästinas nach Rom einlud, war das eine große und auf zwischenstaatlichem Parkett gar nicht selbstverständliche Geste.

„Papst Franziskus mischt sich in die Konflikte ein. Er ist kein Papst, der nur segnet. Er nutzt die Gunst der Stunde, die Konfliktparteien waren wohl des Streites müde oder haben mehr Angst vor dem Stillstand als vor Veränderung, wie dem auch sei, es war die Gelegenheit des Handelns.“ Das ist ein Selbstzitat, das habe ich vor einiger Zeit hier an dieser Stelle über die diplomatischen Bemühungen geschrieben.

PK von Angela Merkel nach dem Papstbesuch

Zu Gast: Angela Merkel

Als am Samstag Bundeskanzlerin Angela Merkel in Rom war, wurde das noch einmal deutlicher. Sie hätte nicht kommen müssen. Niemandem wäre es aufgefallen, wenn sie nicht gekommen wäre. Und schon gar nicht bei dem Terminplan.

Trotzdem hat sie es für wichtig gehalten, mit dem Papst zu sprechen. 47 Minuten lang, den Protokollbeamten des Vatikan nach, das ist außergewöhnlich lang.

 

Ukraine, Armut – und China

 

Aufgehorcht habe ich dann aber auch bei Gesprächen um den Besuch herum, so sagte Regierungssprecher Seibert uns Journalisten am Rande, beim Gespräch der Kanzlerin mit dem Kardinalstaatssekretär sei es unter anderem um die Katholiken in China gegangen. Nun sind die Gespräche mit dem Leiter der vatikanischen Diplomatie normal, jeder Staats- und Regierungschef geht nach dem Papst zum Kardinal. Aber dass auch dies offensichtlich kein Höflichkeitsbesuch war, sondern dass für beide interessante Themen angesprochen wurden, fand ich interessant. Kardinal Parolin hat sich lange mit China befasst und auch der Kanzlerin ist das Land ein Anliegen. Scheinbar passiert bei diesen Begegnungen dann doch mehr, als gedacht.

Man man schon auch fragen, was das alles bringt. Wenn Regierungschefs sich treffen oder ein Regierungschef den Papst trifft, setzt automatisch der Verdacht ein, das sei nur ein Stunt für Foto und Beliebtheit. Natürlich gibt es immer eine ganze Reihe von Gründen für einen solchen Besuch, schließlich kommen ja Politiker. Aber wenn als Ergebnis sinnvoller Austausch steht, dann soll mir das recht sein. Gerne mehr davon!

 

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Ökologie des Menschen

Ende Juni oder Anfang Juli kommt sie endlich: Papst Franziskus hat eine neue Enzyklika angekündigt, erst hatte man sie für November, dann für März erwartet. Und bei der Pressekonferenz während des Rückfluges aus Manila hat er dann selber gesagt, dass er sie im März fertig stellen wolle, dann solle sie übersetzt werden und dann im Frühsommer vorgestellt.

Wichtig sei ihm, dass sie vor dem Klimatreffen von Paris vorgestellt wird, so dass sie ihren Beitrag leisten könne. Und damit sind wir beim Thema, denn es wird eine Umweltschutz-Enzyklika erwartet. Zu Ökologie und Klimawandel vielleicht. Auf jeden Fall wird sie als solche erwartet, aber hier liegt auch ein Teil des Problems.

Wenn man durch das Internet blättert und Kommentare dazu sucht, findet man eine große Erwartung, der Papst werde sich für dieses oder jenes einsetzen. Tatsächlich wird die Frage des Umweltschutzes ja wert- und glaubensneutral geführt, und oft begegnet mir die unausgesprochene Einschätzung, an dieser Debatte werde sich der Papst beteiligen.

Es ist noch eine Weile hin, aber vielleicht lohnt sich jetzt schon mal ein Blick darauf, was uns auch erwarten könnte.

„Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur achtet, sie hört und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“ Weiterlesen

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„Die Mission ist das, worüber die Liebe nicht schweigen darf“

Unterschrieben ist sie am 4. Oktober, veröffentlicht am 27. Januar, aber gemeint ist sie für die Zeit ab dem 18. Februar: Die Botschaft zur Fastenzeit von Papst Franziskus. Sie erscheint früh, da besteht die Gefahr, dass man das alles schon vergessen hat, was da drin steht. Deswegen eine „Wiederholungsbetrachtung“, wie das auf jesuitisch heißt, also sich denselben Text noch einmal vornehmen.

 

Fastenbotschaft von Papst Franziskus: „Macht euer Herz stark“

Liebe Brüder und Schwestern!

die österliche Bußzeit ist eine Zeit der Erneuerung für die Kirche, für die Gemeinschaften wie für  die einzelnen Gläubigen. Vor allem aber ist sie eine „Zeit der Gnade“ (2 Kor 6,2). Gott verlangt nichts  von uns, das er uns nicht schon vorher geschenkt  hätte: „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh4,19). Er ist uns gegenüber nicht gleichgültig. Jeder von uns liegt ihm am Herzen,  er kennt uns beim Namen, sorgt sich um uns und  sucht uns, wenn wir uns von ihm entfernen. Jedem Einzelnen von uns gilt sein Interesse; seine Liebe  hindert ihn, gleichgültig gegenüber dem zu sein,  was uns geschieht. Es kommt allerdings vor, dass wir, wenn es uns gut geht und wir uns wohl fühlen,  die anderen gewiss vergessen (was Gott Vater niemals tut); dass wir uns nicht für ihre Probleme, für ihre Leiden und für die Ungerechtigkeiten interessieren, die sie erdulden … Dann verfällt unser Herz der Gleichgültigkeit: Während es mir relativ gut  geht und ich mich wohl fühle, vergesse ich jene, denen es nicht gut geht. Diese egoistische Haltung der Gleichgültigkeit hat heute ein weltweites Ausmaß angenommen, so dass wir von einer Globalisierung der Gleichgültigkeit sprechen können. Weiterlesen

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