Danke, Federico Lombardi

Wie man ihn kennt: Papstsprecher Federico Lombardi SJ

Wie man ihn kennt: Papstsprecher Federico Lombardi SJ

Wer ihn kennt, kennt ihn als Sprecher des Papstes und des Vatikan: Jesuitenpater Federico Lombardi. Er hatte neben diesem Job aber auch einen zweiten: Er war Generaldirektor von Radio Vatikan. Genau genommen war er sogar zuerst unser Direktor, bevor er Papstsprecher wurde.

An diesem 29. Februar ist nun sein letzter Arbeitstag bei uns. Nicht als Papstsprecher, da bleibt er uns erhalten. Aber im Zuge der Reform der Vatikanmedien werden auch die Leitungsstrukturen umgebaut.

Er war mein Chef, seitdem ich hier bin. Ein ruhiger, gelassener, auch unter großem Druck erst einmal nachdenkender Chef. Einer, zu dem man auch mit gemachten Fehlern kommen konnte und der dann erst mal lachte. Ein Chef, der mit der von außen kommenden Kritik an uns richtig umgehen konnte.

Nicht nur weil er in Frankfurt studiert hatte und deswegen unsere Sprache spricht, nicht nur weil er an der Würzburger Synode teilgenommen hatte, versteht er die deutschsprachige Kirche gut. Manchmal sind wir eben anders als der Rest der Welt, wir haben eine andere historisch gewachsene Form des Katholizismus, das versteht Lombardi und hat uns in der Redaktion immer unterstützt. Wir durften sehr oft bei den Papstreisen dabei sein, er hat unsere Sonderaktionen wir den Newsletter oder diesen Blog hier, die es beide so nicht noch mal im Radio gibt, immer unterstützt. Er war ein guter Chef.

Auch als Papstsprecher habe ich ihn nah erleben dürfen, bei fünf Synoden war ich dabei, nicht zu vergessen die Papstreise nach Deutschland 2011, bei der ich im Papstflieger war. Aber mein täglich Brot war dann doch der Generaldirektor.

Ruhestand kann man das nicht nennen, wie gesagt, er bleibt Papstsprecher und das ist sicherlich allein schon ein volles Horn an Arbeit. Trotzdem hoffen wir alle, dass es ihm gut tut, dass sich nicht mehr alles auf einem seiner vielen Schreibtische häuft.

Danke, Federico Lombardi, und jetzt geht es auf in die Reform.

 

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Kopfschütteln

Italien bekommt in diesen Tagen eine gesetzliche Regelung für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Die EU findet das gut und lobt Italien dafür, andere Kreise schreien ihren Protest in die Welt.

Wenn ich mich so in der bonbon-bunten Welt der Medien umschaue, dann kann man wunderbar sehen, wie irre die Berichterstattung manchmal wird. Da sind die einen, die sagen, die Katholische Kirche und vor allem der Sekretär der Bischofskonferenz Italiens Bischof Nunzio Galantino hätte Kirche, Lehre und/oder Jesus Christus verraten und einem Kompromiss zugestimmt, wo kein Kompromiss möglich sei. Es sei ein Sieg der Antikirchlichen gewesen.

Dann gibt es die anderen, die sagen, Ministerpräsident Renzi sei vor der Kirche auf die Knie gegangen und hätte zugelassen, dass das nicht ‚Ehe’ genannt werde und dass es kein Adoptionsrecht gibt. Ein Sieg der Kirche also, meistens über die Vernunft oder den Fortschritt.

Was für ein komischer Planet das doch manchmal ist. Lesen wir zur Beruhigung ein wenig Schiller: „Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.“ Wobei dieses Mal nicht Wallenstein gemeint ist, auf den das Zitat gemünzt war, aber das ist auch so verständlich. Oder einfacher: wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.

 

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AfD auf die Bühne?

Reden oder nicht reden? Der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, sagt dem Domradio, dass man mit der AfD nicht das Podium teilen sollte, weil man die dann erst satisfaktionsfähig machen würde. Das begründet die Absage an diese Partei für den Katholikentag. In Sternbergs eigenen Worten: „Von einem Herrn Höcke würde kein Mensch reden, wenn er nicht bei Günther Jauch aufgetreten wäre“. Und auch wenn die Debatte groß ist und es andere Meinungen dazu gibt, teile ich das: Mit den Menschen reden, die Partei aber nicht auf den Schild heben. Aber das Argument dazu reicht mir irgendwie noch nicht.

Über das medien-taktische hinaus spüre ich ein großes Unwohlsein, wenn ich die Attacken der AfD betrachte. Wenn die im Thüringer Landtag einen Antrag einbringen, der christliche vor muslimischen Flüchtlingen schützen soll und so das Christliche gegen den Islam auzuspielen suchen, die Kirchen täten selber nicht genug, etc. Da ist mehr als nur die Frage, ob man die öffentlich Ernst nehmen muss. Da ist Gewalt.

Mein Unwohlsein hat mit dieser Gewalt zu tun. Ich darf Roger Willemsen zitieren, aus einem Interview vor einem Jahr: „Jede Situation, in der Ressentiment, pauschale Ablehnung, Vorurteil dominiert ist latent gewalttätig.“ Und: „Die antimuslimische Stimmung bekommt dabei inzwischen auch bei uns bisweilen etwas verdeckt Gewaltsames.“ (Zitiert von Manfred Bissinger bei einer Trauerrede für Willemsen). Das drückt es gut aus. Es war nicht auf die Situation hin gesprochen, ist deswegen auch nicht taktisch gemeint.

 

Das Thema ist Gewalt

 

Es geht um Gewalt, um das Erzeugen und leben aus der Gewalt. Jetzt würden wahrscheinlich einige Leute sagen, dass seien keine Vorurteile, sondern Fakten und so weiter. Was nicht stimmt. Es geht um Stimmung, um Bauchgefühl, um Ressentiment, um Stimmung.

Das Gegenargument: Nur wenn sich die Vertreter der Partei öffentlich zeigen dürfen, demaskieren sie sich. Nur dann könne man sehen, was sie wirklich sagten. Wenn man sie nicht ans Licht zerre, dann würden sie im dunkeln weiter machen.

Das stimmt zwar, ist aber als Argument nur die halbe Wahrheit. Denn Herr Jauch hatt den AfD Vertreter ja nicht deswegen in seine Talk-Show geholt und ihn die Deutschlandfahne zeigen lassen, weil er eine Demaskierung wollte. Er wollte Fernsehen machen.

Es geht um Gewalt, dabei bleibe ich. Und zwar nicht erst, wenn Häuser brennen und Leute applaudieren. Schon lange vorher. Und der Gewalt darf keine Bühne gegeben werden.

 

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Reisen ist sprechen

Papstversteher sein ist nicht einfach. Die Nachbeben von der Pressekonferenz des Papstes im Flieger sind noch zu spüren, und wieder tut sich die Frage auf, was dieser Papst eigentlich will. Mehr und mehr schiebt sich diese Frage ins Zentrum derer, die ihn zu interpretieren, verstehen, kommunizieren und überhaupt in den Blick bekommen wollen.

An der Grenze USA-Mexiko

An der Grenze USA-Mexiko

Gerde die Pressekonferenz im Flieger ist ein wunderbares Beispiel. Selbst wohlmeinende Beobachter finden das eher belanglos, nichts Neues, es komme als Aufreger daher, da sei aber im Grunde genommen nicht viel dran. Da wird dem Papst auch schon mal unterstellt, er plappere bloß drauflos, vielleicht aus Sauerstoffmangel im Flieger.

Andere nehmen bewusst Anstoß an dem, was er gesagt hat. Ein Standardvorwurf: zu politisch „linken“ Themen – gegen Trump – äußert er sich, zu politisch „rechten“ Themen – gleichgeschlechtliche Partnerschaften – will er sich nicht einmischen. Ja was denn nun, fragt es im netz. Ich darf dazu einmal aus einem Kommentar zu einem vorherigen Blogeintrag – dem zu Donald Trump – zitieren: Elbsund schreibt „Ich glaube, dass diese Äußerung des Papstes sehr vielen Journalisten (auch bei Radio Vatikan) entgegenkommt, die keine Wahlsieg von Trump wollen. Und wieso wird die Äußerung des Papstes zu Abtreibung von den Journalisten fast ignoriert?“ Also nicht nur der Papst ist auf einem politischen Auge Blind – wenn man so will – , die Journalisten-Papstversteher sind das auch.

 

Linke und rechte Debatten

 

Aber hält sich der Papst nur an das, was er selber gesagt hat: in Politik mischt er sich nicht ein (siehe die Frage nach den gleichgeschlechtlichen Partnerschaften). Das heißt nicht, dass die ganze Kirche sich da raus hält, im Gegenteil, er hat den Bischöfen Italiens gesagt, dazu eine gemeinsame Linie zu finden.

Und was die andere politische Seite angeht: da geht es nicht um Einmischung in einen Wahlkampf. Trump hätte wahrscheinlich viel Geld dafür bezahlt, den Papst in einen Konflikt ziehen zu können. Aber die Frage war die nach einem politischen Argument, nämlich nach den Zäunen und der Abschiebung. Das wird dermaßen verzerrt, dass es mittlerweile jenseits der Politik ist und auf dem Gebiet der reinen Polemik angekommen. Ein Mann, der offen auf der Bühne die Folger wieder einführen will, die Obama (viel zu spät) abgeschafft hat, den kann man als Christ nicht da stehen lassen, wenn man danach gefragt wird. Weiterlesen

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Der Papst und Herr Trump

Die Süddeutsche Zeitung hatte es online auf der Eins, Spiegel Online hatte den Papst gleich zwei Mal, auf Position Zwei und Drei. Tagesschau.de hat eine Sondermeldung draus gemacht, die KNA auch. Wir sind ja gewohnt, dass der Papst bei seinen Pressekonferenzen offen spricht, aber die Worte beim Rückflug aus Mexiko waren dann doch was besonderes.

2xPapst

Spiegel online, 20 Uhr gestern Abend (18.2.)

Spiegel online, 20 Uhr gestern Abend (18.2.)

Aber waren sie das wirklich? Lassen wir die Frage mit den Verhütungsmitteln mal weg, da lese ich nicht, was die meisten Medien daraus gemacht haben. Er rüttelt an keinem Dogma, sagt das auch ausdrücklich. Bleiben wir beim Thema, was mal witzig, mal tragisch aussieht, bleiben wir bei Donald Trump.

Er hat ausgeteilt, der Papst. So habe ich das bei uns berichtet:

‚Ob er nur ein Spielball der Politik sei, dieses Urteil überlasse er gerne anderen, antwortete Papst Franziskus. „Ein Mensch, der nur daran denkt, Mauern zu bauen und nicht Brücken, der ist nicht christlich. Das ist nicht das Evangelium“, ging der Papst auf den zweiten Teil der Frage ein. Zur Frage, ob man so jemanden wählen könne, wollte er sich nicht direkt äußern. „Ich sage nur: Dieser Mensch ist kein Christ, wenn er das so sagt. Man muss aber sehen, ob er das wirklich so gesagt hat, nicht wahr?“ ‚

Der erste Facebook Kommentar echauffierte sich gleich, was der Papst sich denn erlaube. Ich fühlte mich irgendwie an die Überreaktion der AfD Frau Frauke Petry erinnert, die der deutschen Kirche vorwarf, nicht genug für die Christen im Nahen Osten zu tun, die verfolgt würden, dafür aber mehr für Muslime zu sprechen. Ähnlich dünnhäutig äußerte sich Trump auf seiner Webseite – oder er ließ äußern, denn es ist ja Wahlkampf.

„If and when the Vatican is attacked by ISIS, which as everyone knows is ISIS’s ultimate trophy, I can promise you that the Pope would have only wished and prayed that Donald Trump would have been President because this would not have happened. ISIS would have been eradicated unlike what is happening now with our all talk, no action politicians.“

Die Formulierung „would have been“ gibt mir Hoffnung, scheint Herr Trump schon selber nicht mehr von seinem Wahlsieg auszugehen. Aber das nur nebenbei. Zu viel Konjunktiv.

Die Formulierung „if and when“ dagegen ärgert mich. Dem ‚ob‘ folgt gleich das ’sobald‘, hier wird mit Angst gespielt. Und ich darf schon fragen, wer die ganzen Islamisten jahrelang militärisch ausgerüstet hat, in Afghanistan gegen die Sowjetunion, in Pakistan, wir dürfen auch fragen wer die erste demokratisch gewählte Regierung Irans gestürzt hat, und so weiter. Das war das Amerika, das Trump wieder groß machen will. Also, jetzt mit den Ängsten zu spielen ist schon ziemlich zynisch.

 

Wäre Trump nur Präsident gewesen!

 

Streng genommen hat der Papst ja auch nur die Aussagen kommentiert, die ihm vorgehalten wurden und dann angefügt, man müsse genau sehen, was Herr Trump gesagt habe. Aber die Reaktion von Trump’s Camp macht das ja wohl überflüssig, man fühlt sich angesprochen.

Aber zur wirklich wichtigen Frage: Darf jemand über jemand anderen sagen, dass er oder sie kein Christ sei? Dass seine oder ihre Äußerungen nicht christlich seien? Da mag ich anders herum fragen: Muss man nicht irgendwann mal den Strich ziehen und Äußerungen Ernst nehmen? Unendlich biegsam für politische Zwecke sind die Worte Jesu nicht, irgendwann brechen sie. Und das muss schon mal gesagt werden dürfen.

Einwand eines Freundes – US-Amerikaner, Republikaner, kein Trump-Fan – „wer bin ich zu richten“. Papst Franziskus hatte das selber gesagt. Der Unterschied ist nur, dass er das über Menschen gesagt hat, die nach bestem Wissen und Gewissen dem Evangelium gemäß leben wollen. Kann man das aber auf Menschen ausdehnen, die abschotten und ausweisen wollen? Wo man beim besten Willen nicht Aussagen Jesu neben politischen Populismus halten kann?

 

Darf der Papst das?

 

Wir können gerne darüber streiten, ob jemand mit dem Amt des Papstes das tun sollte oder nicht, da gibt es gute Argumente auf allen Seiten. Aber wenn ich die hunderte Kommentare im Netz auch nur überfliege, ist das gar nicht so sehr das Argument. Da fühlen sich Leute vielmehr ertappt, scheint mir. Das politische Schauspiel, das sich in den USA gerade bietet, macht Angst. Die USA sind einfach zu mächtig, als dass jemand von 2.500 Kilometern Zaun faseln darf, den andere zahlen sollen. Da finde ich persönlich es gut, dass mal jemand in diese Ballons eine Nadel sticht und Luft raus lässt. Oder im Sinn des Märchens: dass jemand aufsteht und sagt, dass der Kaiser keine Kleider an hat.

Und wenn wir ehrlich sind – der Wahlkampf dort ist bereits so emotional und absurd und bei einigen Kandidaten fern der Realität, da sind die Äußerungen des Papstes schon erfrischend normal zu nennen.

 

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Um den Altar

Lange habe ich versucht mich zu erinnern, aber mir fällt keine Papstreise ein, die so viele große Messfeiern gehabt hätte. Bei Johannes Paul II. mag es eine solche gegeben haben, aber das ist außerhalb meiner Erinnerung. Bei Benedikt XVI. jedenfalls und bis jetzt bei Franziskus hat es das noch nicht gegeben. Jeden Tag einer längeren Reise – fünf Tage ist der Papst in Mexiko unterwegs – feiert er eine große „Stadionmesse“.

Konzelebration bei einer Papstmesse

Konzelebration bei einer Papstmesse

Üblich war es zum Beispiel, mit Ordensleuten und Priestern eine Vesper zu feiern, angehängt an eine Fragestunde. Aber in Mexiko war auch das eine große Messe. Sonntag Ecatepec, Montag San Cristóbal de Las Casas, Dienstag Morelia und an diesem Mittwoch abschließend in Ciudad Juárez, jeden Tag eine große Messe.

Dabei ist das aber nicht nur „fromm“, der Papst verlegt seine Botschaften nicht in das „nur“ Geistliche oder Spirituelle. Man muss nur den Reiseplan lesen, um die Absicht zu lesen. Ausgebeutete Indigene, Drogenkriminalität, Migration und Flucht, das sind die Orte, die mit den Messfeiern verbunden sind.

Das ganze zeigt auf eine besondere Weise, die diese Dinge, „fromm“ und „politisch“, engagiert und geistlich, zusammen gehören. Oder wie es der Papst in der Predigt am Dienstag gesagt hat: „„wenn du mir zeigst, wie du betest, werde ich lernen, den Gott zu entdecken, den du erlebst, und wenn du mir zeigst, wie du lebst, werde ich lernen, an den Gott zu glauben, zu dem du betest“. Der Jesus ist eben nicht in Kirchengebäuden und reservierten Zeiten zu Hause, auch nicht der Jesus des Sakrament des Altares. Die Altäre der Papstreise stehen dort, wo Jesus während seines Lebens auch gewesen ist.

 

Sakrament mitten im Leben

 

In der Papst-Berichterstattung habe ich den Satz eines Mexikaners gelesen, der der Kirche eher kritisch gegenüber steht. Er sagte, dass viele Menschen in Mexiko der Kirche den Rücken kehren, weil die zu sehr einer Moralagenda verhaftet sei, zu viel gegen Werteverfall und gegen Abtreibung sei und die Armen zu wenig im Blick habe. Dieser Papst dreht das, er steht für eine andere Form von Religion. Oder besser: Er weitet das. Einen unpolitischen Politiker habe ich das genannt, bei ihm gehören das Geistliche und das Soziale zusammen.

Papst Franziskus beim Einzug ins Stadion von Morelia zur Feier der Messe

Papst Franziskus beim Einzug ins Stadion von Morelia zur Feier der Messe

In Moralia rief er zum Beispiel die Jugendlichen dazu auf, ein „Heiligtum“ zu bauen, keinen physischen Ort, sondern eine Gemeinschaft, Pfarrei oder Nation. „Die Gemeinschaft, die Familie, das Gefühl, Bürger zu sein – dies ist eines der wichtigsten Gegenmittel gegen all das, was uns bedroht“. Jesus sei dabei derjenige, der Leben garantiere. So gehören die Dinge zusammen, politische und gesellschaftliche Fragen gehen Christen eben mit Christus an.

Das besondere dabei ist, dass das nicht wie bei Pfingstkirchen oder anderen charismatischen Gruppen im Wort oder in der inneren Begeisterung oder im gemeinsamen Gebet bleibt, sondern dass es sich um das Sakrament dreht. Das ist das besonders Katholische an dem, wie der Papst Kirche sichtbar macht.

Ungewöhnlich mag es also für eine Papstreise sein, dass so viele große Messen gefeiert werden, aber es passt zu Papst Franziskus. Es fokussiert, Gebet und Leben gehören eben ineinander. Und für das Sakrament gilt das eben auch, es steht im Leben.

 

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Die Freundschaft eines Papstes

Karol Józef Wojtyła hatte eine „intensive Freundschaft“. Seit einigen Tagen geht diese Geschichte um den heiligen Papst Johannes Paul II. durch die Medien, gestern – Montag – Abend wurde von der BBC endlich der Beitrag ausgestrahlt, auf den sich so viele kleine Stücke bezogen.

Vielleicht darf ich an dieser Stelle mal was klarstellen: Erstens ist es gut und wichtig und gesund, Freundschaften zu unterhalten. Und vielleicht ist 2016 auch ein Jahr, in dem es nicht mehr wirklich anrüchig ist, wenn ein Mann eine Freundschaft mit einer Frau unterhält. Selbst wenn sie verheiratet und er ein Priester ist. Dass Freundschaften auch mal schillern kennt jeder, der mal eine gepflegt hat. Oder pflegt.

Da jetzt durch ein Fragezeichen in der Überschrift was hinein zu geheimnissen, bringt nichts. Die BBC-Geschichte ist ja auch sehr klar, alles dokumentiert, es gibt viele Briefe, es gab emotionale Dichte, aber munkeln muss man da nix. „Papst Johannes Paul soll eine intensive Freundschaft gehabt haben“ klingt es in den Medien: falsch, ganz falsch. Er hatte eine. Nicht „soll gehabt haben“, „hatte eine“. Hier die Vermutungsform einzuführen verkauft vielleicht Papier und Sendeminuten, liefert aber null Information.

 

Der Mensch Karol

 

Wir lernen vielleicht etwas über den Menschen Karol und den Papst Johannes Paul II., was wir bisher nicht wussten, insoweit ist das wirklich was Neues. Aber da Anna-Teresa Tymieniecka schon in den 90er Jahren dazu interviewt wurde, ist das alles so neu nicht.

Wo die Neugierde einsetzt und wo man irgendwie dann doch mehr wissen will ist bei der Frage nach Verliebtheit oder nicht. Das wird ja auch bei der BBC deutlich, wobei die das dankenswerterweise sehr ehrlich und offen behandeln und sagen, was sie wissen und was sie nicht wissen. Aber ganz ehrlich, ein Mensch der nicht sich nicht auch mal verliebt, ist doch kein Mensch. Das hat nichts mit Gelübden – Zölibat oder Ehe – zu tun, sondern mit Menschsein. Wer sich nie verliebt, bei dem stimmt was nicht.

Und dann ist da die Frage, dass die Freundschaft „vom Vatikan verschwiegen“ worden sei. Was für ein Unfug. Dass man seine Freundschaften, vor allem die wichtigen, nicht an die große Glocke hängt und dass man vor allem wenn man dauernd in der Öffentlichkeit steht das Private um so mehr schätzt heißt doch gar nichts. Und wenn es so ist, wie die Briefe und der Bericht sagen, dass es also eine Freundschaft war und nichts mehr und nichts weniger, dann gibt es auch keinen Anlass, das dem voyeuristischen Blick der Öffentlichkeit auszusetzen.

Freundschaften sind komplexe Dinge, die taugen nicht für das schnelle Urteil.

Die Geschichte wird missverstanden werden. Sie wird auch möglichst schief berichtet, damit sie missverstanden werden kann. Das ist nicht zu ändern. Aber wenn wir wollen, dann zeigt uns die Geschichte die menschliche Seite eines Mannes, den wir nur in öffentlichen Auftritten zu kennen meinen. Und die menschliche Seite einer polnischen Philosophin.

Und wer sich das selber anschauen will: Heute Abend, 20.15 Uhr gibt es das bei Arte zu sehen.

 

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¡Hola Mexiko!

Kalter Krieg und Russland, Flüchtlingskrise, US-Wahlkampf: Eigentlich ist es keine themenarme Zeit, die wir in den Medien verfolgen. Und dennoch ist Papst Franziskus und seine Reise nach Mexiko sehr prominent vertreten. Ich sage „dennoch“, denn vor genau einem Jahr, bei der Reise nach Ostasien, war das nicht der Fall. Das hat wenige medial bewegt, was war fast unsichtbar.

Die Elite Mexikos, in der Mitte der Gast Papst Franziskus

Die Elite Mexikos, in der Mitte der Gast Papst Franziskus

Mit der Voraussage, dass das Treffen in Kuba mit Patriarch Kyrill direkt vor Mexiko die Reise danach in den Schatten stellen wird, habe ich auch falsch gelegen. Zwar hat das eine ganze Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen, durchaus auch kritisch und mit Blick auf die Situation um Russland, Syrien, die Ukraine und Präsident Putins Verhältnis zu seiner Kirche, aber das hat nicht zum Abfall des Interesses danach geführt. Im Gegenteil. Ich lerne also mal wieder dazu.

Dabei liegt der mediale Schwerpunkt auf Dingen, die mich persönlich erstaunen. Papst kritisiert scharf – diese Floskel ist Journalisten wohl nicht mehr auszutreiben, wann darf jemand eigentlich mal kritisieren, ohne „scharf“? – Papst mahnt, Papst wird deutlich.

Papst Franziskus wird als gesellschaftliche und moralische Autorität wahrgenommen, der die Dinge anspricht, die in Gesellschaft und Moral nicht gut laufen. In Zeiten der europäischen Krise, wo außer der Kanzlerin kaum jemand in der Politik nach Prinzipien zu handeln scheint und viele auf die Ängste der Menschen mit Zäunen reagieren, wird der Papst als jemand gesehen, der sich nicht einschüchtern lässt.

Und wie in Sri Lanka oder auf den Philippinen im vergangenen Jahr, wie in Korea und in Jordanien und Israel, wie auf Kuba und in den USA gibt es in den gesuchten Gesellschaften viel, was angesprochen werden will. Wir haben von Gefängnisrevolten in Mexiko gelesen, besser muss man wohl sagen, dass dort rechtsfreie Räume voller Gewalt ab und zu überquellen. Drogenkrieg, der wirklich ein Krieg ist und nicht nur von wortschwachen Kollegen so genannt wird, Entführte Studenten, Proteste der Indigenen gegen feudale Politikerfamilien, alles mögliche gilt es anzusprechen.

 

Unpolitischer Politiker

 

Dabei ist der Papst aber nicht der übliche Politiker. Er ist sozusagen das Gegenteil eines Politikers. Er sieht sich als Hirte und spricht geistlich, er nennt die Dinge, die genannt werden müssen und die jeder seiner Zuhörer auch versteht. Zitieren will ich nur ein Stück, aus den anderen Reden an die Politische Elite des Landes oder an die Bischöfe könnte man Ähnliches zitieren. Dies ist aus der Ansprache zum Angelusgebet an diesem Sonntag: „Ich möchte euch heute auffordern, an vorderster Front zu stehen, Vorreiter zu sein in allen Initiativen, die dazu beitragen, dieses gesegnete mexikanische Land zu einem Land der Chancen zu machen, wo es nicht nötig ist auszuwandern, um träumen zu können; wo es nicht nötig ist ausgebeutet zu werden, um arbeiten zu können; wo es nicht nötig ist, die Verzweiflung und die Armut vieler zum Opportunismus einiger weniger zu machen. Ein Land, das nicht Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder beweinen muss, die zugrunde gerichtet in den Händen der Händler des Todes enden.“ Da ist alles drin. Wer Ohren hat, zu hören … .

Messfeier in Ecatepec

Messfeier in Ecatepec

Ich finde es erstaunlich, dass diese Worte des Papstes mal sehr viel Aufmerksamkeit finden, wie zur Zeit in Mexiko, dann aber auch mal gar keine, wie bei anderen Reisen. Dabei hält er sich doch immer an sein eigenes Vorgehen, trifft Menschen vom Rand der Gesellschaft und liest die Gesellschaft von dort her, er versucht keine politischen oder medialen Punkte zu sammeln, keinen Applaus, aber wer genau hin hört, der hört eben, dass dieser Papst kein Schönwetterpapst ist, der durch Potemkinsche Dörfer – innerlich wie auch geographisch – geführt wird.

Noch mal ein wenig Kollegenschelte: „kritisiert scharf“, „geißelt“, das sind die Worte, die sich dann in der Berichterstattung wieder finden. Und die alles in die Schubladen einpassen, in die wir diese Dinge halt innerlich einordnen. Und die dem Papst aber nicht gerecht werden, weil wir zu verstehen meinen, wo wir noch nicht einmal richtig hingehört haben.

Ich finde sehr spannend, was der Papst derzeit bei dieser sehr langen Reise alles tut und sagt. Wo er hinfährt alleine liest sich wie eine eigene Predigt: Ecatepec, Chiapas, Ciudad Juarez, das sind Brennpunkte der mexikanischen Gesellschaft. Und genau da soll die Kirche hin.

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Waffen sind doch nur konsequent

Augsburg protestiert gegen AfD Chefin Frauke Petry: Der Bürgermeister wollte sie erst gar nicht ins Rathaus lassen, unterlag aber vor Gericht. Dann wurde im Saal und in der Stadt protestiert, als sie doch sprach. Grund für die Aufregung sind die Zitate um die Waffen für Polizisten an den Grenzen, um Flüchtlinge abzuhalten. Man müsse doch verhindern, dass so viele Flüchtlinge aus Österreich kämen, „notfalls“ auch mit Gewalt. Und AfD-Frau Beatrix von Storch ging bekanntlich noch einen Schritt weiter: Wenn man die schon habe, solle man sie auch nutzen, auch gegen Frauen. Und gegen Kinder, auch wenn sie bei Facebook das wieder zurück nahm. Diesen Satz hat sie – Frau von Storch – als einen Fehler bezeichnet, Einsicht ist also Vorhanden.

Wobei ich die Aufregung nicht ganz verstehe. Ich war gerade unter anderem in Österreich unterwegs, wo ja die Obergrenze für Flüchtlinge beschlossen wurde. Und wo man das Theater beobachten kann, wie die Politik hart und entschieden aussehen will, aber das Wort Obergrenze möglichst zu vermeiden sucht, weil man ja einsieht, dass das gar nicht geht.

Was die AfD-Zitate nun zeigen ist die Konsequenz des Sprechens von Obergrenzen. Was uns als politische und menschliche Unverschämtheit erscheint, nämlich auf Flüchtlinge in Donald-Trump-Manier mit Gewalt zu antworten, ist eigentlich nichts anderes als die Fortsetzung der Obergrenzen-Logik.

Was passiert denn mit Flüchtling Nummer Obergrenze-plus-Eins? Den muss ich doch draußen halten, da der aber rein will, muss ich Gewalt anwenden. Erst einen Zaun, dann bei wachsendem Druck auch weitere Mittel. Irgendwann braucht es dann die Waffe. Oder sieht jemand eine andere Entwicklung? Glaubt jemand ernsthaft, das Wort „Obergrenze“ werde auf geheimnisvolle Weise von selbst dafür sorgen, dass die Menschen nicht mehr kommen wollen?

So absurd die Debatte um die Schusswaffen und die Auftritte der AfD Chefin auch sind, beginnt die Absurdität schon bei der Debatte um die Obergrenzen. Wir sollten den beiden Damen fast dankbar sein, dass sie uns das vor Augen geführt haben. Manchmal hilft es eben, die Dinge zu Ende zu denken, bevor man den Mund aufmacht und auf schnelle Effekte schielt.

 

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Ökumene dauert

Wir Menschen sind viel besser darin, etwas kaputt zu machen, als etwas heil zu erhalten. Kinderzimmer können Geschichten davon erzählen, aber auch die große Politik schafft das immer wieder. Und auch das Christentum. Streit zwischen Gläubigen und zwischen Gemeinschaften, auch innerhalb einer Gemeinschaft, sind leider immer wieder Anlass zu Trennungen. Abfinden wollen wir uns damit nicht, dürfen wir ja auch gar nicht, wenn wir das Ernst nehmen, was wir glauben. Aber der Weg dahin ist komplex.

Feier einer orthodoxen Liturgie in Mailand

Moskau? Konstantinopel? Jerusalem? Nein: Mailand.

Papst Franziskus und Patriarch Kyrill haben einen Schritt auf diesem Dauer-Weg gemacht, in Havanna mit einer Begegnung und einer gemeinsamen Erklärung.

Nun ist eine Begegnung nur das, eine Begegnung, so symbolisch sie auch ist. Und Papier ist geduldig. Und dennoch loht es sich, genauer hin zu schauen. Denn da finden sich interessante und hilfreiche Feststellungen. So sagt die Erklärung, dass die Trennungen durch historische Konflikte und „von den Vorfahren ererbte Gegensätze“ entstanden und gepflegt würden. Die Historisierung ist immer ein guter Schritt, sie hilft die Dinge in Perspektive zu sehen und nicht gleich moralisch zu werden, Geschichte wenn man sie richtig betreibt hat nichts von Schuldzuweisungen.

Lesen wir etwas in der Erklärung: „Orthodoxe und Katholiken müssen lernen, in Bereichen, wo es möglich und notwendig ist, ein einmütiges Zeugnis für die Wahrheit zu geben. Die menschliche Zivilisation ist in eine Zeit epochalen Wandels eingetreten. Unser christliches Gewissen und unsere pastorale Verantwortung erlauben es uns nicht, angesichts der Herausforderungen, die eine gemeinsame Antwort erfordern, untätig zu bleiben.“

Wir sollen also lernen, heißt es in der Erklärung. Um aus den historischen Konflikten heraus zu kommen, hilft keine einzige Entscheidung. Da gibt es keinen Schalter, den man umlegen kann, keinen Text, keine einzelne Vereinbarung, die das alles lösen könnte.

 

Es geht nicht auf die Schnelle

 

Das kann auch bei den anderen Feldern der Ökumene, den mit den Kirchen der Reformation, helfen: es ist nicht einfach nur eine Entscheidung, die getroffen werden müsste, und dann ist alles gut.

Zurück zum Umgang mit der Geschichte. Wie das gehen kann und wie schwierig das ist, erläutert der Text mit Bezug auf die mit Rom unierten Kirchen: „Heute ist klar, dass die Methode des „Uniatismus“ aus der Vergangenheit, der als Vereinigung einer Gemeinschaft mit der anderen durch ihre Loslösung von ihrer Kirche verstanden wurde, nicht eine Weise ist, die es ermöglicht, die Einheit wiederherzustellen. Dennoch haben die kirchlichen Gemeinschaften, die unter diesen historischen Umständen entstanden sind, das Recht zu existieren und alles zu unternehmen, was notwendig ist, um die geistlichen Ansprüche ihrer Gläubigen zu befriedigen, bei gleichzeitigem Bemühen, mit ihren Nachbarn in Frieden zu leben. Orthodoxe und Griechisch-Katholische haben es nötig, sich miteinander zu versöhnen und Formen des Zusammenlebens zu finden, die beiderseitig annehmbar sind.“ 1993 bereits hat die Kirche eingestanden, dass das Gründen von „Gegenkirchen“ keine Lösung ist. Weiterlesen

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