Zwei Öfen, Holzgestelle und die Fresken Michelangelos

[Ein gesprochener Text, abgeschrieben für den Blog]

Die Sixtinische Kapelle beim Aufbau für das Konklave

Die Sixtinische Kapelle beim Aufbau für das Konklave

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Man steht hier unter den Fresken Michelangelos und Botticellis und sieht nicht den Altar und einen liturgischen Raum, man sieht auch nicht die Touristenmassen, die normalerweise hier ein uns aus schieben. Man sieht Sitzungstische, unfertige Sitzungstische. Es ist eine merkwürdige Mischung aus alter wunderbarer Kunst und demokratischen Vollzügen, die sich eben in Tischen und Vorstandstischen zeigen. Vorne drei Stühle, der Rest sitzt sich gegenüber, rechts entlang der Wand zwei Reihen, links ebenso.

 

Etwa einhundert Journalisten sind an diesem Samstag eingeladen, sich die Sixtinische Kapelle anzuschauen, ohne Touristen, ohne Betrieb. Und es ist eine ganz besondere Sixtinische Kapelle, die wir heute vorfinden. Der Teil des Raumes der unter dem Fresko des Jüngsten Gerichtes liegt, also da, wo die Kardinäle sitzen werden, ist mit einem künstlichen Boden erhöht, der Originalboden ist zu uneben für Tische und Stühle, außerdem gibt es am Rand ein Plateau, das durch diesen künstlichen Boden eingeebnet ist.

 

Auf diesem Podest stehen schon die Tische, im Augenblick allerdings sind es noch reine Holzrahmen von denen erst wenige eine Holzplatte und noch weniger die roten Vorhänge tragen, die beim Einzug der Kardinäle am Dienstag zu sehen sein werden. Es ist alles noch im Rohzustand, genagelte Bretter und Balken. In der Mitte stehen einige Stühle herum, Werkzeug, Material, es wirkt eher wie einer Werkstatt, wären da nicht die fantastischen Fresken, unter denen das alles stattfindet, Michelangelo, Sandro Botticelli und andere Künstler schauen sozusagen auf die Handwerker, die die Kapelle in den berühmtesten Wahlort der Welt verwandeln. Weiterlesen

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7. September 2007: Die Liturgie, die Theologie und der Sonntag

Papst Benedikt segnet von seinem Fenster ausEs gibt Tage, die wie ein Brennglas funktionieren. Tage, an denen viele wichtige Dinge passieren; mehr und dichter, als das normalerweise der Fall ist. In der Rückschau – wir gestalten gerade unsere Würdigungssendungen für Papst Benedikt XVI. – war der 9. September 2007 so ein Tag. Der Papst war in Österreich unterwegs, morgens feierte er in Wien eine Messe und nachmittags besuchte er das Zisterzienserstift Heiligenkreuz.

In allen drei Ansprachen kommt eines der zentralen Themen des Pontifikates Benedikt XVI. zum Ausdruck: Die Rückgewinnung der Zentralität Gottes. Der skeptische Blick Benedikts sieht, dass wir zunehmend um uns selbst kreisen, und das auch in den eigentlich Gott geweihten Momenten. Drei Beispiele nennt er an diesem Tag: Den Sonntag, die Liturgie und die Theologie.

Diese drei sind zentrale Bereiche christlichen Lebens. Alle drei sind aber auch umstritten: Was tue ich am Sonntag und warum halte ich ihn? Für wen halte ich und für wen gestalte ich Liturgie? Und dann ist da noch die Frage nach der Wissenschaftlichkeit und der Glaubensanbindung von akademischer Theologie. Ohne irgendjemanden anzumahnen bringt Benedikt XVI. 2007 für dieses Glaubenshandeln die wesentlichen Punkte zur Sprache.

 

Der Sonntag

Predigt im Stephansdom.

„Ohne den Herrn und ohne den Tag, der ihm gehört, gerät das Leben nicht. Der Sonntag hat sich in unseren westlichen Gesellschaften gewandelt zum Wochenende, zur freien Zeit. Die freie Zeit ist gerade in der Hetze der modernen Welt etwas Schönes und Notwendiges; jeder von uns weiß das. Aber wenn die freie Zeit nicht eine innere Mitte hat, von der Orientierung fürs Ganze ausgeht, dann wird sie schließlich zur leeren Zeit, die uns nicht stärkt und nicht aufhilft. Die freie Zeit braucht eine Mitte – die Begegnung mit dem, der unser Ursprung und unser Ziel ist. (…)

Die frühen Christen haben den ersten Tag der Woche als Herrentag begangen, weil er der Tag der Auferstehung war. Aber sehr bald ist der Kirche auch bewusst geworden, dass der erste Tag der Woche der Tag des Schöpfungsmorgens ist, der Tag, an dem Gott sprach: „Es werde Licht“ (Gen 1, 3). Deshalb ist der Sonntag auch das wöchentliche Schöpfungsfest der Kirche – das Fest der Dankbarkeit für Gottes Schöpfung und der Freude über sie. Weiterlesen

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Wir bauen ein Klischee und das geht so

Wir bauen uns ein Klischee. Ein nicht näher genannter Kölner Privatsender ließ heute bei mir anfragen, ob ich ein Interview in die Kamera geben wolle. Es ging um die Suche nach den Maulwürfen und Vatileaks und so. Gerne, aber heute geht es wirklich nicht. Also habe ich eine informierte Kollegin angeboten, die könne doch an meiner Stelle etwas sagen. Die macht das häufiger, ist telegen und hat Fernseherfahrung, wer die letzten Tage und Wochen TV gesehen hat, hat sie gesehen.

Antwort: Man glaube nicht, dass der Sender eine Frau zum Thema Vatikan vor der Kamera haben möchte. Mir sind bei dieser Antwort erst einmal die Gesichtszüge verrutscht. Was soll man dazu sagen?

Und nachher beklagt man sich dann, dass im Vatikan nur Männer arbeiten. Klischees werden erzeugt, damit man dann über die Klischees berichten kann. Fällt uns dazu noch was ein?

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Unfehlbarer Bissreflex

Vor dem Petersplatz, die Medientribüne

Vor dem Petersplatz, die Medientribüne

Es wird viel geredet. Vieles, sehr vieles, ist klug. Anderes, lautes und buntes meistens, reproduziert mediale Klischees. Eine kurze Begriffsbetrachtung:

Was ist ein Eklat? Ist es bereits ein Eklat, wenn ein Mann auf dem Petersplatz in Soutane gehüllt so tut als wäre er ein Bischof, sich neben Kardinäle stellt und dann beim ersten Kontakt mit der Sicherheit vom Gelände gebracht wird (wie offenbar am Montag in Rom geschehen)? Oder ist das vielmehr nur ein ziemlich dummes Theater? Er war nicht mal ansatzweise irgendwo, wo er nicht hindurfte, und trotzdem muss es für die Medien ein Eklat sein, denn alles andere verkauft sich nicht.

Was ist Reform? Eines der meist verwendeten Worte, wenn es um den nächsten Papst geht. Reformfreudig oder -willig, in irgendeiner Kombination kommt das immer vor. Gemeint ist damit – ich habe das hier schon mal geschrieben – immer das, was der Sprecher für wichtig hält. Ich will die Anliegen gar nicht herunter spielen, aber das Wort Reform suggeriert eine Weise von unhinterfragbarer Richtigkeit und Wichtigkeit, dass sich der Inhalt der Diskussion entzieht. Meistens – nicht immer – meint Reform aber nichts anderes als das Anpassen von kirchlicher Lehre und Praxis an die vermeintliche Moderne (auch ,Moderne‘ wäre so ein Wort).

Die Reform wie auch der Eklat finden ihre mediale Wucht darin, dass man Kontrast braucht.

 

Nackte Demos

 

England 2010 und Rom/Paris 2012: Die kleinen Demos finden ihre Kameras. Eine Handvoll Demonstranten gegen den Papst in London hat mehr Sendezeit als 100.000 Jugendliche im Hyde Park. 100.000 Demonstranten zu Anfang dieses Jahres in Paris finden sehr viel weniger Aufmerksamkeit als drei nackte Frauen auf dem Petersplatz, Femen war mal wieder unterwegs. Das interessante daran ist gar nicht, dass es passiert, wir kennen alle die Medien-Mechanismen: welcher Fernseh- oder Blattmacher kann schon der Versuchung widerstehen, nackte Frauen zu zeigen, und dann auch noch aus „rein journalistischen Gründen“, nein: Das Interessante daran ist, dass es völlig unhinterfragt passiert. Weiterlesen

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Ich bastele mir den idealen Papst

Als ich noch Jugendseelsorger war, gab es bei den Grundschulungen für junge Jugendleiter eine Übung: Sie sollten sich „den idealen Leiter“ basteln. Augen vorne und hinten, die auch durch Zeltwände schauen können; Leiter, die keinen Schlaf brauchen, die stundenlang zuhören könne, die gleichzeitig Fußball spielen, singen und durch Ringe springen können. Immer ein Wort der Ermutigung, des Trostes, aber auch immer klare Grenzen setzend, partnerschaftlich, etc. etc.

Sie wissen, worauf ich hinaus will: Diese „idealen Leiter“ repräsentieren nie die notwendigen Fähigkeiten, sondern immer die Erwartungen anderer. Und für Jugendleiter was das auch immer sehr wichtig, sich dieser Erwartungen bewusst zu werden, um die eigenen Schwächen kennen zu lernen.

Und genau das beobachten wir gerade mit den Wünschen an den neuen Papst. Die Nachrichtenagenturen spucken einen nach dem andern mit seinen Erwartungen aus, kaum jemand, der nicht gefragt wird. Kaum eine Gruppe, die nicht eine Meinung hat. Ob es nun Kontinent, Alter, Erfahrung, irgendeine theologische Schublade oder sonst etwas ist: Alles wird auf den „der nächste Papst muss …“ projiziert. Dabei hat uns Benedikt XVI. doch gerade erst gezeigt, wie menschlich auch der Inhaber dieses Amtes ist. Und schon wieder wird das Amt aufgeladen, vorzugsweise mit eigenen Steckenpferden, aber auch mit durchaus legitimen Ansprüchen. Weiterlesen

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Auf dem Schreibtisch des Papstes

Appartamento

Lang wird dort oben gearbeitet

Wer auch immer in den dritten Stock des Apostolischen Palastes, ganz oben rechts, einziehen wird, er findet einen vollen Schreibtisch. Die Liste der zu erledigenden Dinge ist lang. Würden wir uns diese auf den kommenden Papst zukommenden Aufgaben jeweils als einen Aktenordner vorstellen, wäre das ein Bild zum Verzweifeln. Da ist das Jahr des Glaubens: Benedikt XVI. hat die Frage nach dem Glauben in der modernen Welt fest auf die kirchliche Tagesordnung gesetzt; die Tatsache, dass das Jahr in deutschsprachigen Landen eher untergeht, zeigt, wie wichtig diese Frage ist. Die Enzyklika zum Thema ist nicht mehr fertig geworden, nun ist es am neuen Papst, diesem Jahr und diesem Thema eine Richtung zu geben.

Auf einer ganzen Reihe von Ordnern würde das Etikett „Wiedervorlage“ kleben: Themen, die uns schon lange begleiten und die auch nicht durch eine einzige Entscheidung, sondern nur durch Entwicklung zu lösen sind: Ökumenefragen zum Beispiel, mit den Ostkirchen genauso wie mit den Kirchen der protestantischen Tradition. Angespitzt wird diese Frage durch eine wachsende Zahl von Kirchen, die nicht wirklich an Ökumene interessiert sind, Pfingstkirchen vor allem. Dialogfragen mit anderen Religionen im Zeitalter zunehmender Fundamentalismen ist ein weiterer Ordner dieser Art. Ethische Fragen, die sich aus der Entwicklung der Technik ergeben stehen da neben Fragen nach Gerechtigkeit und Frieden.

 

Wiedervorlage und Problemordner

 

Dann gibt es die „Problem“-Ordner: Bis zuletzt gab es Meldungen über die Versöhnung und nicht-Versöhnung mit der Piusbruderschaft. Es gilt weiter, die Aufklärung und die Bildung von Problembewusstsein in Sachen Missbrauch voranzutreiben. Vatileaks und andere Geschichten um den Vatikan haben es in der vergangenen Zeit gezeigt: Auch in Sachen Verwaltung kommt auf den nächsten Papst und seine Mannschaft Arbeit zu.

Und dann gibt es die ganz dicken Ordner: Christenverfolgung und das Verschwinden von fast 2.000 Jahre alten Gemeinschaften aus dem Nahen Osten in den Wirren eines Krieges, für dessen Lösung dem starken Westen der Wille fehlt. Die Ausbeutung der Natur und des Menschen, die Würde des Menschen und der Schutz des Lebens.

 

Alltagsordner

 

Gleich daneben stehen dann die Ordner mit dem, was der Papst so alles tagtäglich zu tun hat: Die Reisen zum Beispiel, sein eigenes Erzbistum Rom, die Generalaudienzen wollen jeden Mittwoch einen geistlichen Gedanken haben, jeden Mittwoch. Hochfeste, Synoden, Politikerbesuche, Einweihungen, Besuche und so weiter.

Da wir annehmen können, dass die Kardinäle einen profilierten Mann wählen, wird der dann auch noch seine eigenen Aktenordner mitbringen. Schon dieser erste und nicht wirklich vollständige Blick auf den Schreibtisch des Papstes kann einen erschaudern lassen.

Der neue Papst wird also als erstes priorisieren müssen. Das Amt heißt ja nicht Nachfolger Benedikt XVI., sondern Nachfolger Petri: Man führt nicht den Vorgänger weiter, sondern „erfindet“ das Amt sozusagen neu. Natürlich haben die beiden Vorgänger, eigentlich sogar bis zu Paul VI., das Amt bis heute geprägt und prägen es weiter. Trotzdem wird der Neue sein eigenes Pontifikat entwickeln müssen. Benedikt XVI. hat ihm dazu zwei Geschenke gemacht: Angstfreiheit, was die Möglichkeiten angeht, auch wenn man nicht weiß, was daraus wird. Und das „Nimm dich nicht so wichtig“, das Benedikt XVI. in päpstliche Freiheit verwandelt hat.

 

Beitrag für die Bistumspresse

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Erwartungen

Balkon vor Sankt Peter, der Ort des Habemus Papam

Der Balkon

Die Welt blickt auf Rom, zumindest die katholische. Und fragt sich und andere, was der Neue denn wohl bringen wird. Oder, wenn man ein Mikro oder besser noch eine Kamera vor sich hat, dann sagt man das auch: Die Ansprüche und Erwartungshaltungen hallen durch die Blätter und Kanäle.

Da darf ich einmal ganz vorsichtig – von Rom aus – meinen Blick zurück richten? Was darf sich denn der neue Papst erwarten?

Zugegeben, keine sehr nette Frage, aber eine nötige. Kirche funktioniert nur gemeinsam. Meine erste Erwartung an das neue Pontifikat ist also, dass wir alle einmal unsere Erwartungen auf den Prüfstand stellen. Mach’s wie Benedikt, nimm dich selber nicht so wichtig! Weiterlesen

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Kurioses aus den Straßen Roms

Kurioses aus den Straßen Roms

Kurioses aus den Straßen Roms

Es ist ein sehr skurriles Plakat, das in den vergangenen zwei Tagen in Rom aufgetaucht ist: Wo gestern noch Plakate aus dem italienischen Wahlkampf in Zentimeter dicken Schichten übereinander klebten, ist nun ein Kardinal zu sehen: ein Wahlkampfplakat für Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson.

Absurd ist das Ganze, weil es Plakate italienischen Stils sind, man weiß also gar nicht, gegen wen sich das richten soll. Absurd ist es, weil in diesen Teil der Stadt gar kein Wähler (=Kardinal) kommt, die sind entweder noch nicht in Rom oder aber auf der anderen Seite des Tiber, um den Vatikan herum, untergebracht. Absurd ist es, weil das Ganze kein politischer Prozess ist, der mit dergleichen kruden Mitteln geführt würde.

Nachrichtenagenturen berichten darüber, aber niemand hat bisher klären können, woher dieses skurrile Schauspiel kommt. Ein komischer Scherz? Ironie über italienische Politik? Nicht wirklich intelligenter Einflussversuch? Zu erwarten ist aber, dass sich jetzt, wo die Nachrichten und Bilder für das Tagesgeschäft der Medien schlagartig abgenommen haben, jede Menge Kameras vor diesen Plakaten aufbauen und Journalisten ihre Aufsager machen, und hier hört es dann spätestens auf, witzig zu sein.

Jedes Konklave trägt eine eigene Kuriosität zur bunten Geschichte bei, eine haben wir also schon für 2013 gefunden.

 

Nachtrag, 2. Februar abends: Es ist Kunst. Jetzt wissen wir es endlich. Es ist eine italienische Künstlergruppe, die diese Plakate gestaltet hat. Kunst also. Aha.

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Gehorsam

Sedisvakant: Der Bischofsstuhl von Rom in San Giovanni in Laterano

Sedisvakant: Der Bischofsstuhl von Rom in San Giovanni in Laterano

Ein Wort, dass bei der Abschiedrede des Papstes vor den Kardinälen gefallen ist, hat nachhaltig Eindruck gemacht: Gehorsam. Schon jetzt verspricht Benedikt XVI., Pontifex emeritus, seinem Nachfolger Gehorsam.

Das ist mehr als nur Loyalität. Das ist mehr als wir das aus dem politischen Raum vielleicht kennen. Religiös ist das Wort „Gehorsam“ aufgeladen und voller Bedeutung. Da steckt der Gedanke der Sendung drin, des sich Einordnens in ein größeres Ganzes. Ordensleute leben das als Basis ihres Lebens.

Wenn also ein Papst das so sagt, dann bedeutet das natürlich zuerst, dass es keinen Nebenpapst geben wird und dass Benedikt XVI. sich nicht gegen seinen Nachfolger ausspielen lässt.

Es bedeutet aber mehr: Benedikt XVI. was immer ein geistlicher Papst, ein theologischer Papst. Gehorsam ist eine theologische und geistliche Kategorie. Jetzt schon dem Neuen gehorsam leisten bedeutet, die geistliche Dimension des Amtes zu unterstreichen. Zu viel ist in den vergangenen Tagen darüber geschrieben worden, dass auch das Papstamt ja nur ein Amt sei, nur ein Job und so weiter.

Benedikt XVI. hat zum Abschluss noch einmal betont, dass das Papstamt mehr ist. Auch wenn er selber es menschlicher gemacht hat, ist es und bleibt es ein Amt der Kirche, dass vor allem in der Beziehung zu Gott lebt und existiert, nicht um sich selber willen. Es verweist auf etwas, das größer ist als wir selber. Es verweist auf die Kirche, die mehr ist als das, was wir sehen.

Starke Worte und eine starke, wenn auch leise, Geste.

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Benedikt XVI. ist nicht mehr Papst

Benedikt XVI.Der Stuhl Petri ist vakant. Zum ersten mal haben Christen es kommen sehen und sich darauf vorbereiten können, seit zwei Wochen versuchen wir, zu verstehen. Und gleichzeitig geht es ja weiter, die Kardinäle wählen einen neuen Papst. Wenn mir das einer am 10. Februar gesagt hätte, dass wir zu Ostern einen neuen Papst hätten … .

Benedikt XVI. ist „mein“ Papst. Natürlich habe ich das Pontifikat Johannes Pauls II. bewusst erlebt, aber nah dran war ich vor allem an diesem Papst. Im Flugzeug mit ihm nach Deutschland, zig-tausend male seine Stimme schneiden und in Beiträge einbauen, Reisen nach Cuba, London, Assisi – Benedikt hat mich geprägt. Ich finde seinen Schritt zugleich menschlich und groß, trotzdem auch sehr schade. Aber kaum ist der Rücktritt gültig, geht es schon weiter, Sedisvakanz, Kardinäle, Beratungen, Konklave und dann Wahl. Also bevor das ganze wieder hektisch und spannend wird ein kurzes Innehalten.

 

Was soll es bedeuten?

Was bedeutet dieser Rücktritt? Es gibt viele Meinungen, Sichtweisen, Perspektiven und Wertungen, und das ist ja auch legitim. Es ist wichtig, sich in die Frage nach der Deutung einzureihen und aus unserer Perspektive die Dichte und die Bedeutung dieses zu Ende gegangenen Pontifikates einzubringen. Dafür schreibe ich und dafür arbeitet mein Sender.

Trotzdem wehrt sich etwas in mir, jetzt mit einem Abgesang  dieses Pontifikat zu beenden. Der Schlusskommentar, sozusagen. So, wie Johannes Paul II. das Papstamt, nicht nur seine Zeitgenossen, geprägt hat, so hat das auch Benedikt XVI. getan und so tut er es weiter. Weiterlesen

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