Wünsche an Raúl Castro

Lang, herzlich, und ernsthaft: So beschreibt der Pressesprecher des Papstes, Pater Federico Lombardi, das Gespräch zwischen Papst Benedikt XVI. und Präsident Raúl Castro. Die Kirche habe sich erbeten, dass der Karfreitag zum öffentlichen Feiertag werde. Ich konnte ihn fragen, worum es weiter in dem Gespräch mit Raúl Castro ging.

„Es ging um viele Dinge und natürlich sind nicht alle öffentlich. Ich glaube, dass die persönliche Beziehung das Wichtigste ist. Das ist oft nicht so klar, wenn man an bestimmte Inhalte denkt. Es gibt Inhalte in einem Gespräch, aber es ist das persönliche Kennen der Personen, die zusammen kommen und versuchen, einander zu verstehen. Das hat großen Einfluss auf die Zukunft.

Viele Kubaner haben mir gesagt, das die Beziehung zwischen (Fidel) Castro und Johannes Paul II. so wichig war. Wenn nach dem Papstbesuch etwas in Gang kam, dann lag das auch an dieser persönlichen Beziehung. In diesem Sinn glaube ich auch, dass diese Begegnung wichtig war.

Natürlich hat der Papst auch von den Erwartungen der Kirche in Kuba gesprochen und auch von der Situation des Landes. Aber ich glaube, dass die persönliche Beziehung das Wichtigste ist.“

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Menschliches von der Papstreise

Am Dienstag Morgen (Ortszeit) feierte Benedikt XVI. die Messe in kleinen Kreis beim Heiligtum der Virgen de la Caridad del Cobre, gemeinsam mit etwa zehn Schwestern des kontemplativen Zweiges der Missionarinnen der Nächstenliebe, den Mutter-Teresa-Schwestern. Alle diese Schwestern haben eine Aufgabe, jede betet täglich für einen ganz bestimmten Priester.

Eine der anwesenden Schwestern in Santiago, eine Inderin, hatte jahrelang die Aufgabe, für Kardinal Joseph Ratzinger zu beten. Sie begegnete „ihrem“ Priester nun das erste mal direkt. Und das auf diese Weise und unter diesen Umständen. Ein sehr menschlicher Moment während einer sehr öffentlichen Reise.

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Das „Neue Wort“ für Kuba

Deckblatt der Zeitschrift Palabra Nueba, das Neue WortViel ist während des Papstbesuches auf Kuba über das Engagement der Kirche in der Gesellschaft gesprochen worden und über die relative und wachsende Unabhängigkeit der Kirche. Ein Beispiel dafür ist eine Zeitschrift, die die katholische Kirche unterhält. Ich habe mich mit Orlando Marquez Hidalgo unterhalten, dem Direktor des Monatsmagazins Palabra Nueva, dem ‚Neue Wort’, einer Zeitschrif, die in wenigen Monaten ihren 20. Geburtstag feiern wird. Vor unserer Ankunft hier wurde uns gesagt, es sei eine offene Stimme, respektiert und gelesen. Warum ist das so? Und: Wie kann man in Kuba gesellschaftliche und politische Debatten führen?

 

Auf den ersten – westlichen – Blick sieht Ihre Zeitschrift nach wenig aus. Aber Sie haben mir aber gesagt, dass es das hauptsächliche Medium der Kirche sei, die Situation der Gesellschaft Kubas zum Thema zu machen. Was bedeutet es für die Kirche, solch ein Magazin zu unterhalten?

„Es ist eine gute Weise, in der die Kirche den Kontakt zur Gesellschaft halten kann, vor allem mit den Katholiken, dann aber auch mit der außerkirchlichen Welt. Seit der Gründung haben wir immer Themen aufgegriffen, die nicht nur religiös waren, sondern sozial, kulturell, wirtschaftlich oder politisch, eben alle Themen, die für die Kirche von Interesse sind. Die Katholiken können hier Fragen und Antworten finden, die man in den offiziellen Medien nicht findet.“ Weiterlesen

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Von Ouidah nach Kuba: „Mut, der aus der Vergebung kommt“

Es ist eine wenig wahrgenommene Geschichte, die sich in den vergangenen Reisen Papst Benedikt XVI. verbirgt. Der Papst reist auf den Spuren der Sklaven und der Geschichte und Gegenwart der Ausbeutung eines ganzen Kontinents und der Menschen, die von dort stammen.

 

Dort, wo einst Schiffsladung nach Schiffsladung von Sklaven gen Neue Welt verschickt wurden, am Strand von Ouidah in Benin, steht das „Tor ohne Wiederkehr“. Nicht weit entfernt davon auf dem Weg zur Stadt das „Tor der Vergebung“. Der Papst war im November 2011 dort, am Beginn des Weges der Sklaven. Diesen symbolträchtigen Ort hatte er sich ausgesucht, um an Afrikas Beitrag zu Frieden und Versöhnung in der Welt zu erinnern. Der Kontinent sei kein Empfänger, sondern ein Geber.

Die Kirche des Kontinents sei aufgerufen, Frieden und Gerechtigkeit zu fördern, so Benedikt XVI.. Die beiden Pforten erinnerten uns an unsere Pflicht, jede Form der Sklaverei anzuprangern und zu bekämpfen. In Ouidah übergab der Papst der Kirche Afikas auch den Grundlagentext, der aus der Bischofssynode zu Afrika entstanden war, „Die Kirche in Afrika im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“.

 

Nun steht Benedikt XVI. in Santiago de Cuba symbolisch am Strand des Ankommens. Weiterlesen

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Muttergottes der Befreiung

Freiheit ist etwas ganz Besonderes. Besonders die indigene Bevölkerung Amerikas und die dort hin gezwungenen Sklaven wissen davon zu erzählen. Der Kampf um die Freiheit braucht aber immer auch eine Identität und ein besonderes Symbol. 1612 wurde eine Figur gefunden, die dieses Symbol für Kuba sein sollte: La Virgen de la Caridad del Cobre. Juan und Rodrigo de Hoyos und Juan Moreno – zwei indigene Kubaner und ein Sklave afrikanischer Abstammung – hatten beim Fischen im Wasser die Holzfigur einer Muttergottes gefunden, versehen mit der Aufschrift „Ich bin die Jungfrau der Nächstenliebe“. Die Figur wurde zu einer Kupfermine gebracht, wodurch sie ihren Beinamen „vom Kupfer / del Cobre“ bekam.

Spätestens 1801 wurde dieser Ort dann der Symbolort für die Sklavenbefreiung auf Kuba, ein Manifest zur Sklavenbefreiung ist mit dem Heiligtum verbunden. Später wurde si auch Patronin der Befreiung der Insel vom Kolonialismus.

Die Muttergottes wurde zur Fürsprecherin der Befreiung. Sie konnte es aber nur werden, weil sie eine „örtliche“ Figur war. Von Unterdrückten und einem Sklaven gefunden gehört sie diesen Menschen, die ihre Freiheit erstreiten wollten oder erstritten haben.

Ganz ähnlich ist es überall auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Die Muttergottes ist die Fürsprecherin, wenn die indigene Bevölkerung und die Sklaven eine solche brauchten. Sie war oft zugänglicher als der Weg zur ‚offiziellen’ Religion, die häufig genug mit den Mächtigen verbunden war.

 

Die Goldene Rose

Papst Benedikt XVI. hat den Wallfahrtsort der Virgen de la Caridad del Cobre nun mit der Goldenen Rose gewürdig. Damit griff der Papst eine Tradition auf, deren Wurzeln weit ins Mittelalter zurück reichen. Bei einer Prozession am Laetare–Sonntag in der Fastenzeit trugen die Päpste eine solche Rose, sie sei Zeichen der Passion und Auferstehung, so Papst Eugen III: Gold und Geruch – die Rosen waren mit Balsam und Weihrauch gefüllt – wiesen auf die Auferstehung, die Dornen auf das Leiden hin.

Bereits damals wurden verdiente Würdenträger der Kirche, später auch Fürsten mit dem Geschenk einer solchen Rose ausgezeichnet. Die Rose war aber immer auch als Mahnung und nie ausschließlich als eine Würdigung gedacht: Eine Erinnerung, was mit dem Christsein an Verantwortung verbunden ist.

Davon abgeleitet ist der Brauch, Wallfahrtsorten ebenfalls eine Rose zu übergeben. Papst Benedikt XVI. hat dies bereits in Altötting, Mariazell, Fatima und Aparecida in Brasilien getan.

 

Hemingway und Fidel

Jetzt hat auch das Marienheiligtum von Cobre diese Rose erhalten. Sie ist nicht die einzige Gabe, die dort zu besichtigen ist. Papst Johannes Paul II. hatte eine Krone geschenkt und symbolisch die Muttergottes zur Nationalheiligen ‚gekrönt’. Auch Ernest Hemingway hat eine Gabe hinterlassen: Er hat seinen Nobelpreis für Literatur der Muttergottes gewidmet. Hemingway lebte damals überwiegend auf der Insel und auch der durch das Nobelpreiskommitee gewürdigte Werk, Der Alte Mann und das Meer, spielt dort. Nachdem der Preis gestohlen und wiedergebracht wurde, ist das Original der Medaille allerdings sicher verschlossen.

Man findet aber auch Votivgaben an die Muttergottes, unter anderem die einer Mutter, die darum bittet, dass ihre Söhne von der Guerilla verschont bleiben mögen. Die Namen der beiden Söhne: Raúl und Fidel Castro.

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Auf Kuba gelandet

In Santiago gelandet, galten die ersten Worte Benedikt XVI. seinem Vorgänger Johannes Paul II. und dessen Besuch auf Kuba vor 14 Jahren. „In der Tat war seine Reise über die Insel wie eine angenehme Brise frischer Luft, die der Kirche in Kuba neue Kraft gegeben hat (…). Gleichzeitig hat sie die Hoffnung entzündet und das Verlangen geweckt, mutig für eine bessere Zukunft zu arbeiten.“ Eine Entwicklung, die auf diesen Besuch zurückgehe, sei die Verbesserung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat gewesen. Dann richtet sich der Blick des Papstes aber auch auf das Morgen, der „Pilger der Nächstenliebe“, als der er gekommen sei, wolle an die Entwicklung des Landes hin begleiten.

Echter Fortschritt, der die Krise der Werte überwinde, brauche eine Ethik, die sich auf die Würde des Menschen beziehe. Dazu gehöre auch die geistliche und die religiöse Dimension.

 

„Liebe Freunde, ich bin überzeugt, dass Kuba in diesem so wichtigen Augenblick seiner Geschichte schon auf das Morgen schaut und sich daher bemüht, seine Horizonte zu erneuern und zu weiten; dazu trägt das große Erbe an geistigen und moralischen Werten bei, die seine wahre Identität geformt haben und die sich im Werk und Leben vieler berühmter Söhne des Landes eingeprägt finden, wie des seligen José Olallo y Valdés, des Dieners Gottes Félix Varela oder des prominenten José Martí. Die Kirche ihrerseits konnte durch ihre großzügige und hingebungsvolle Seelsorge sehr zur Förderung solcher Werte beitragen und bekräftigt ihre Absicht, weiter rastlos zu arbeiten, um allen Kubanern besser zu dienen.“

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Der unsichtbare Besuch

Es ist kein gewöhnlicher Papstbesuch, der an diesem Montag beginnt. Das wurde jedem deutlich, der in den vergangenen Tagen durch die Hauptstadt Havanna ging. Grund ist natürlich die nicht ganz einfache Beziehung zwischen Kirche und Staat.

Auch Mexiko wie viele andere vom Papst besuchte Länder hat eine Geschichte von Kirche und Staat, die nie frei von Spannungen war, die sogar Verfolgungen in der Vergangenheit kannte. Kuba ist aber noch einmal etwas Besonderes. Die Insel erlebt im Augenblick sein 54. Jahr der Revolution. Alles weist darauf hin, dass es wirtschaftliche Öffnung gibt, auch wenn eine Schrifttafel in der Nähe des Flughafens verkündet, dass dies für mehr Sozialismus geschehe.

Was aber vor allem auffällt, ist die fast vollständige Unsichtbarkeit des Papstbesuches. Auf der Plaza de la Revolución ist das naturgemäß anders, der Altar ist aufgebaut und wird von den Abbildungen der Revolutionäre José Marti und Che Guevara überragt. Je weiter man sich aber von den zentralen Orten entfernt, desto weniger sichtbar wird der Besuch im Straßenbild.

In Havanna gibt es gar keine Straßenwerbung, ein ungewohnter und sehr angenehmer Anblick für einen Westler. Weiterlesen

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„Es ist nicht recht …”

Aus der Predigt Papst Benedikt XVI. bei der Vesper am Sonntag Nachmittag (Ortszeit) mit den Bischöfen Lateinamerikas.

 

„Und in zunehmendem Maß muß den Laien besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, die zumeist in der Katechese, in der liturgischen Gestaltung oder in karitativer Tätigkeit und sozialem Engagement beschäftigt sind. Ihre Bildung im Glauben ist ausschlaggebend, um das Evangelium in der Gesellschaft von heute gegenwärtig und fruchtbar werden zu lassen. Es ist nicht recht, daß sie das Gefühl haben, als Menschen von geringer Bedeutung in der Kirche angesehen zu werden, trotz des Eifers, mit dem sie entsprechend ihrer persönlichen Berufung in ihr arbeiten, und des großen Opfers, das dieser Einsatz manchmal verlangt.

Bei alledem ist es für die Hirten besonders wichtig, daß unter den Priestern, Ordensleuten und Laien ein Gemeinschaftsgeist herrscht und unnütze Spaltungen, Kritiken und schädliches Mißtrauen vermieden werden.“

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Politik oder nicht Politik, das ist die Frage

Wie entwickelt sich die katholische Kirche in einem sozialistischen Land? Wie kann sie sich mit dem Staat arrangieren, wie zu dessen Wandel beitragen?

Seit Jahren beschäftigt sich Bernd Klaschka mit Kuba. Als Geschäftsführer des Hilfswerkes Adveniat der deutschen Bischöfe war er mehrfach auf der Insel. Als Helfer kennt er die Projekte und die Dinge, die die Kirche vor Ort braucht. Ein Gespräch darüber, wie sich unter diesen Umständen die Kirche in die Gesellschaft einbringen kann.

 

Bis Anfang der 90er Jahre war Kuba offiziell atheistisch. Es düfen nach wie vor keine Kirchen gebaut werden. Der Papst hat davon gesprochen, dass er am Wandel Kubas mitarbeiten möchte. Wie kann man bei solch einem Staat ‚mitarbeiten’?

„Ein Beispiel dafür hat uns Johannes Paul II. gegeben; bevor er gekommen ist, war Kuba ein atheistischer Staat. Durch diesen Besuch des Papstes 1998 hat sich Kuba in eine Laizistischen Staat verwandelt.

Ich finde, dass das zeigt, dass der Besuch des Papstes und damit des Oberhauptes der katholischen Christenheit etwas öffnen kann und Impulse setzen kann. Ich glaube auch, dass dieser Besuch von Benedikt XVI. Impulse geben wird, in dem er die Dinge anspricht, wie er sie ansprechen möchte und ich glaube, dass die Leute ihn hören werden.“

 

Das Stichwort ist Wandel, die katholische Kirche möchte einen Wandel durch Annäherung, also in der Nähe zum Staat die Schritte zum Wandel mit tun. Man will weniger die starke Opposition. Kann die Kirche in die politische Öffentlichkeit hinein wirken oder ist sie dafür zu schwach oder zu klein?

„Ich glaube, dass die Kirche in ihrer Vermittlerrolle anerkannt ist, zum Beispiel zwischen einzelnen Gruppierungen, die in der Opposition sind wie den Damas blancas und dem Staat. Insbesondere auch die Person des Erzbischofs von Havanna, Kardinal Ortega, ist als Vermittler anerkannt. Die Kirche hat sich viele Verdienste und Anerkennung in der kubanischen Gesellschaft erworben.

Wandel durch Annäherung ist das eine, aber die katholische Kirche sagt auch, wo sie anders denkt und wo sie anders empfindet, wenn sie etwa das Thema Menschenrechte – wenn auch nicht in der Öffentlichkeit – verbalisiert, aber in Gespächen immer wieder auf die Tagesordnung setzt. Ich weiß auch, dass in den Gesprächen mit der kubanischen Bischofskonferenz und der Regierung das ein Thema ist.

Auch die Unterstützung der Damas blancas durch die katholische Kirche hat ihnen auch in der Öffentlichkeit die Stärke gegeben und das sieht man und das wird wahrgenommen.“ Weiterlesen

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Ein Kloster in Havanna

Das Bild der Jungfrau von Cobre bei der Prozession durch Kuba

La Virgen del Cobre bei der Prozession durch Kuba

Wenn der Papst Kuba besucht, dann richtet sich der Blick auf eine Ortskirche, die langsam und Schritt für Schritt ihre Stellung in der Gesellschaft wieder gewinnt. Der Glaube darf wieder gezeigt werden, im vergangenen Jahr ist das Bild der Jungfrau der Barmherzigkeit von Cobre – das Heiligtum des Landes – durch das ganze Land gepilgert, sichtbar, öffentlich. Das Land ändert sich, und mit ihm die Kirche.

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung zum Beispiel bei Klostergründungen. In der Geschichte des Christentums waren solche Initiativen immer Zeichen von neuem Leben bzw. von Veränderung. Und so gibt es seit 2008 ein Benediktinerkloster in La Havanna, gegründet von den Missionsbenediktinern von Sankt Ottilien. Jeremias Schröder ist der Abt des Klosters und damit verantwortlich auch für das Kloster in Havanna.

 

 

Erzabt Jeremias, wie sind Sie darauf gekommen, ein Kloster ausgerechnet in einem sozialistischen Staat zu gründen?

„Der Sozialismus schreckt uns nicht ab. Wir versuchen ja auch, in China wieder Fuß zu fassen und wir haben sogar Beziehungen nach Nordkorea. Aber der Grund, weswegen wir nach Kuba gegangen sind, war eine ganz dringende Bitte des Kardinals von Havanna. Der wollte Benediktiner im Land haben, die diese Grundform des Ordenslebens dort verwirklichen. Das war ein Anliegen, das er schon lange mit sich herum trug.

1998 – nach dem Besuch von Johannes Paul II. in Kuba – hat er mit Fidel Castro über diese Frage gesprochen und von Castro selber die Erlaubnis bekommen, Benediktiner ins Land holen zu dürfen. Er hat dann 2006 begonnen, nach Benediktinern zu suchen, die nach Kuba kommen könnten.

Kardinal Ortega hat erst in Lateinamerika gesucht, wo es zwar große Begeisterung gab, aber keine Möglichkeit, Mönche frei zu stellen, die dafür in Frage gekommen wären. Er kam dann zu uns zu den Missionsbenediktinern, weil er erfahren hatte, dass es einen Zweig der Benediktiner gibt, der sozusagen darauf spezialisiert ist, Gründungen in anderen Kontinenten zu machen.“

 

Wie haben wir uns dieses Kloster vorzustellen?

„Momentan ist das ein kleines Provisorium, wir – das heißt die Benediktiner dort – leben dort in einem Klösterchen, das die Karmeliter ursprünglich in einem Vorort von Havanna gebaut haben. Von dort aus bereiten wir die eigentliche Klostergründung vor, die auf dem Land sein wird, etwa 30 Kilometer von Havanna entfernt.

Die Mitbrüder leben da und beten und arbeiten, sie versuchen, das Land besser zu verstehen, sie bilden die ersten einheimischen Mitbrüder aus und arbeiten an dem Prozess der Verlagerung des Klosters. Das ist sehr mühsam, denn es geht in Kuba schon alles sehr gemächlich vor sich. Weiterlesen

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