Auf zurück nach Kuba!

Das Papst-Krokodil im Zoo von Rom, bestaunt von Gästen und in der Hand des Pflegers

Das Papstkrokodil im Zoo von Rom

Erzbischof Angelo Becciu war einer der Gäste, der Außenmininster Kubas ein weiterer: An diesem Mittwoch machte sich ein Gast aus Rom auf den Weg in die Karibik: Ein Krokodil, genauer: Crocodylus rhombifer. Es ist klein, 30 cm lang, jung, und ist die letzte Zeit im römischen Bioparco aufgewachsen.

Es sei ein Zeichen der Völkerveständigung, wenn ein Staat einem anderen helfe, seine bedrohte Tierwelt zu erhalten, so Erzbischof Beccio, der als Substitut in etwa der Innenminister des Vatikans ist. Seine Verbundenheit mit kubanischen Krokodilen: Er war von 2009 bis 2011 Botschafter des Vatikan in Kuba, kennt also Land und – Tiere.

Dieses Exemplar der Gattung war in Norditalien aufgefunden worden, wahrscheinlich ausgebüxt. Genesen und gewachsen kehrt es nun in seine natürliche Umgebung zurück. Fast: Es geht an den Zoo in Havanna. Erst später kommt es wieder in die Natur. Die Art ist kritisch bedroht, da ist jedes Exemplar willkommen.

Papst Benedikt hat Crocodylus rhombifer Mitte Januar persönlich kennen lernen dürfen, das kleine Kroko war zur Generalaudienz gekommen. 100 Jahre römischer Zoo wurden gefeiert, da durfte der kubanische Gast mit.

Das Krokodil wird dem Papst vorgestellt

Der Gast aus Kuba beim Papst

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Netzgemeinde gegen Warlord: Kony 2012

Kony 2012 ist Thema. Was als kleine Kampagne im Internet begann, hat durch Berichterstattung – morgen früh auf der Titelseite der ‚Zeit’ – seine eigene Bekanntheit erlangt. Und das ist die Absicht.

„Kony – wer?“ Joseph Kony ist ein ugandischer ‚Warlord’, den der Internationale Gerichtshof seit 2005 sucht. Bis vor kurzem war das in der breiten Öffentlichkeit so gut wie unbekannt, es gibt so viel anderes zu berichten. Spätestens mit dem 30-Mintuten-Film in Internet, produziert von „invisible children“, hat Kony aber eine Berühmtheit erlangt, die ihm selber sicherlich nicht recht ist. Vor 10 Tagen ist der Film ins Netz gegangen, ich selber war heute der 77.672.554ste Anseher. 77 Mio kann sich bei jeder Aktion sehen lassen.

Der Film baut sich als Internetkampagne auf, um durch die Bekanntheit Konys und der Geschichte des Krieges in Uganda den nötigen Druck aufzubauen, dass Kony gefasst und vor Gericht gestellt wird.

Die Bedenkenträger werfen der Kampagne vor, sich vor politische Karren spannen zu lassen, unprofessionell zu sein oder sogar koloniale Perspektiven und Denkmuster zu vertreten.

Ich habe Pater Jörg Alt gefragt, einen katholischen Lobbyisten, wenn man ihn denn so bezeichnen darf. Seine Erfahrung geht auf die Initiative zum „Erlassjahr“ zurück, im Augenblick wirbt er für die Einführung der Finanztransaktionssteuer. Ist die Kampagne nicht naiv?

„Mag sein, aber es ist anscheinend ihre erste Aktion und vielleicht sogar die erste Aktion dieser Machart überhaupt. Da darf man ruhig auch ein paar Fehler machen. Ansonsten gab es auch zuvor schon Ideen, die als ‚naiv’ belächelt wurden und die dann doch derartig an Kraft gewannen, dass sie schlussendlich fast selbstverständlich wurden – wie etwa die Kampagne für eine Finanztransaktionssteuer.“ Weiterlesen

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Die große Betende

Beten kann man lernen. Und zwar sowohl als Individuum als auch als Gemeinschaft. Papst Benedikt geht mit seiner Gebetsschule bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch einen Schritt weiter, aus dem Leben Jesu ins Leben der Kirche. Die Gemeinde sammelt sich und lernt neu das Beten, das ein anderes geworden ist.

Es beginnt in der Gruppe von Menschen, die von Jesus „zurückgelassen“ wurden, die die Kirche, die in Christus begonnen ist, weiter leben. Und diese Gemeinschaft der Betenden findet sich im „Ja“ Mariens. Es geht um Hinwendung zu Gott, um Gebet, aber auch um Ausharren und Treu sein, alles das gehört ins Gebet der Kirche.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Im Rahmen der großen Katechesenreihe über das Gebet möchte ich heute eine neue Reihe beginnen über das Gebet in der Apostelgeschichte und in den Paulusbriefen. Der heilige Evangelist Lukas beschreibt in der Apostelgeschichte, wie die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu im Gebet den verheißenen Heiligen Geist erwarten, die Gabe des Auferstandenen, der dann sie zur Kirche machen soll.

In diesem Klima betender Erwartung erwähnt Lukas, der sein Evangelium mit Maria begonnen hatte, zum letzten Mal Maria. Er schreibt: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14). Maria stand am Beginn des irdischen Lebens Jesu, und mit ihr nehmen auch die ersten Schritte der Kirche ihren Anfang, so wie Jesus bei Maria durch den Heiligen Geist empfangen und geboren wurde, so wird wieder aus der betenden Gemeinschaft der Jünger mit Maria in der Mitte der Heilige Geist kommen über sie und von ihr und aus ihnen wird die Kirche erschaffen. Maria steht am Beginn des irdischen Lebens Jesu und mit ihm beginnt auch die Kirche. Ihre betende Gegenwart, mit der sie ihren Sohn begleitet hat bis unter das Kreuz, dauert in der Kirche fort. Im Abendmahlssaal teilt Maria mit den anderen die Gabe des Heiligen Geistes.

Wenn es ohne Pfingsten keine Kirche gibt, so gibt es ohne die Mutter Jesu kein Pfingsten. Oder, wie der heilige Chromatius von Aquileia sagt: Man könnte sie nicht Kirche nennen, wenn nicht Maria zugegen wäre, die Mutter des Herrn. Die Kirche Christi ist dort, wo die Menschwerdung Christi aus der Jungfrau verkündet wird; und wo die Apostel verkünden, dort hört man das Evangelium (vgl. Sermo 30,1). Die Mutter Jesu in der Kirche verehren heißt dann von Maria lernen, betende Gemeinschaft zu sein und alle Aspekte des Gebets aufzutun: sich nicht nur in der Not und allein an Gott zu wenden, sondern in Gemeinschaft, einmütig, beharrlich und treu. Und auch zu beten, wenn wir Freude haben und danken dürfen.

(..) Maria wird uns von Lukas vor allem als die große Betende dargestellt. Durch das Hören auf den Herrn und das Gebet war sie bereit, Mutter Gottes und Mutter der Kirche zu werden. Ihre Mutterschaft übt sie bis zum Ende der Zeiten aus, und ihr dürfen wir unser Leben anvertrauen. Von Maria können wir das Beten lernen und lernen, aus der Beziehung zu Gott zu leben. Der Heilige Geist mache euch froh und stark im Glauben.

 

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Vor mir liegt mein Reisepass, ein selten genutztes Stück. Aber die kommende Woche wirft ihre Schatten voraus. Neben dem Pass liegen Flugtickets und im Pass ist ein Visum für die Republik Kuba.

So schön Rom auch sein kann: Wenn der Papst unterwegs ist, wird die Arbeit bei Radio Vatikan so richtig spannend, zumindest für diejenigen, die das Glück haben, dabei sein zu können. Und ich darf wieder einmal dabei sein. Es ist meine Papstreise Nummer vier, die erste außerhalb Europas.

Jedes mal lernt man eine neue Kirche, neue Gemeinden, Formen des Glaubens kennen. Wenn man Glück hat, dann lässt sich das auch in Radiobeiträge übersetzen, ich werde jedenfalls mein Möglichstes tun. Und gerade Kuba wird spannend, denn es ist das einzige lateinamerikanische Land, in dem der Katholizismus nicht die Mehrheitsreligion ist. Es gibt die Santería, es gibt den Atheismus, aber es gibt eben auch noch die katholische Kirche und ihre Gemeinden.

Neben dem Reisepass liegen die Karteikarten mit den Spanisch-Vokabeln. Auch das gehört dazu. Ob es reicht? Das werden Sie hier lesen. Ab Ende nächster Woche.

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„Wenn du es verstehst, ist es nicht Gott.“

Die Situation der wissenschaftlichen Theologie gibt Anlass zur Besorgnis: Eines der Ergebnisse der Versammlung der deutschen Bischöfe vor zwei Wochen. Gleichzeitig blicken die Medien in diesen Tagen auf ein Jahr Theologenmemorandum zurück. Garniert wird das Ganze von den Diskussionen um die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Was für eine Rolle haben Theologen und hat die Theologie? Passend dazu hat die Internationale Theologische Kommission des Vatikan an diesem Donnerstag ein Dokument veröffentlicht, dessen Ursprünge fast vier Jahre zurück liegen. Entstanden ist ein sehr grundsätzlicher Text, bislang gibt es ihn ausschließlich auf Englisch.

Man sieht die Fragmentarisierung der Theologie in einzelne Bereiche, man sieht gleichzeitig aber auch die enorme Fruchtbarkeit von Theologie seit dem vergangenen Konzil. Gerade kulturelle Kontexte außerhalb Europas hätten viel beigetragen zu einem neuen Denken, Frieden, Befreiung, Ökologie und Bioethik seien ebenfalls feste Bestandteile der Theologie geworden. Neue liturgische, exegetische, liturgische Methoden seien entwickelt worden, alles „grundsätzlich positive Entwicklungen“. Trotzdem stelle sich nun die Frage nach der Identität katholischer Theologie. Wobei der Text gleich anfügt, dass unter Identität auf keinen Fall Einheitlichkeit oder Uniformität zu verstehen sei. Weiterlesen

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Netzkultur, fehlende

Als mich gestern ein Kollege anrief und mir sagte, dass die Website des Vatikan nicht aufrufbar sei, habe ich zuerst das Übliche gedacht: Schon wieder diese Technik! Wurde dann aber eines besseren belehrt: Anonymous Italia hatte protestieren wollen und deswegen – nach eigenen Angaben – die Seite vatican.va lahm gelegt.

Warum? Gute Frage. Das wird nicht ganz klar. Der Blog der Hacker gibt Gründe an, aber die sind doch eher verwirrt. Es geht um die Gebote, die Liturgie, um Sklaverei, die Nazis, Missbrauch und um Wissenschaft. Irgendwie also um überhaupt alles. Es sei mir erlaubt, ein wenig gelangweilt zu sein.

Man habe das als „Antwort auf die Lehre, die Liturgie und auf die absurden und anachronistischen Gebote“ getan. Die Kirche habe Bücher verbrannt, Gegner und Kritiker genauso, die Kirche habe universell gültige und  plausible Ideen abgelehnt, und die Kirche habe den Eingang ins Paradies durch den Verkauf von Ablässen versilbert. „Ihr seid verantwortlich für die Versklavung ganzer Bevölkerungen … und in jüngerer Zeit habt ihr eine wichtige Rolle bei der Hilfe für die Kriminellen im Nazi-Krieg gespielt, denen ihr die Flucht in andere Länder ermöglicht habt ..“ Dann kommt noch der Missbrauch dazu und so weiter.

Von einem Philosophie-Prof habe ich einmal gelernt, dass wer alles sagen will, nichts sagt. So hört sich Anonymous an. „Wir sind irgendwie gegen alles und so“.

A sagt, die Kirche sei ein „Relikt vergangener Zeiten.“ Das mag man so sehen und man mag das diskutieren. Aber bitte nicht in diesem pubertären Gehabe.

Wer gegen Kirche oder Glauben ist, der darf das sein. Er darf sich aber auch informieren – und es sei gesagt: die meisten sind gut informiert. Es ist aber pures Gehabe, Quellen dieser Information, und genau das und nichts anderes ist vatican.va, zu blockieren.

Ihr seid ganz große Helden! Bravo! Darf ich jetzt bitte weiter arbeiten?

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Stille schafft Raum: Gebetsschule Benedikt XVI.

Zum Sprechen gehört die Stille. Das hat der Papst bereits in einer Botschaft zum Thema Kommunikation angesprochen. Stille und Wort seien „zwei Momente der Kommunikation, die sich ausgleichen, aufeinander folgen und sich ergänzen müssen, um einen echten Dialog und eine tiefe Nähe unter den Menschen zu ermöglichen“, heißt es dort.

Diese Dynamik greift Benedikt XVI. in seiner Katechese für die Generalaudienz an diesem Mittwoch auf: Sprechen und Stille im Beten Jesu. Damit geht er auf einen weiteren Aspekt in seiner Reihe zum Gebet ein, seiner „kleinen Gebetsschule“, wie ich sie nennen möchte.

Benedikt XVI. spricht über die Rolle des Schweigens und der Stille im Gebet, aber auch über das Begegnen des Schweigens Gottes, das sich uns beim Beten zumutet.

 

Die Katechese des Papstes:

Die Betrachtungen über einige Aspekte des Betens Jesu wollen wir nicht beschließen, ohne vorher wenigstens kurz die Bedeutung der Stille in seiner Beziehung zu Gott bedacht zu haben. Bei Christus gehören Sprechen und Stille zusammen, ja sie bilden eine innere Dynamik, die für sein Beten charakteristisch ist. Das Wort Gottes können wir nur in der Stille, in der Sammlung hören. So sagt auch der heilige Augustinus: „Wo das Wort Gottes wächst, werden Menschenworte weniger“ (vgl. Sermo 288,5: PL 38,1307). Ganz in diesem Sinne zieht sich Jesus immer wieder in die Einsamkeit zurück, um in der Stille zu beten. Denn die Stille schafft in uns einen tiefen und innerlichen Raum, damit Gott in uns wohnen kann, damit sein Wort in uns bleibt und wir ganz mit seinem Leben erfüllt werden.

Dann gibt es aber noch eine zweite Stille: das Schweigen Gottes. Hier hat der Beter an der Verlassenheit der Seele Christi selbst teil, als dieser am Kreuz betete: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Mk 15,34). Zugleich wusste Jesus, dass sein Vater auch in diesem Schweigen ganz bei ihm ist. Und in diesem Wissen fährt er in seinem Beten voller Vertrauen fort: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist“ (Lk 23,46).

Das Beispiel Jesu kann uns eine Anleitung für unser eigenes Beten werden: zunächst betrachten wir, wie Jesus betet; wir hören, was er uns zu beten lehrt, und wir erkennen, auf welche Weise er unser Gebet erhört (vgl. Katechismus 2598).

(…) Nehmen wir uns in dieser vorösterlichen Bußzeit immer wieder Zeiten der Stille, um auf dem Weg des vertrauensvollen Gebetes voranzuschreiten und um uns fest mit dem Leben Christi und seiner Liebe zu verbinden. Der Herr schenke euch dazu seine Gnade.

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Fragen Sie nicht Herrn Dr. Sommer

Grafik von Johannes Faupel: Der Ehefrachter

Der Ehefrachter (c) Johannes Faupel

Vor einigen Tagen hatte ich bereits auf eine Internetseite hingewiesen: Statt-Seitensprung.de. Treue und Partnerschaft im Internet, mal was anderes. Gestartet war das zum Beginn der Fastenzeit.

Ehe und Freundschaft und Sex und lebenslange Bindung wollen gemeinsam unter einen Hut, da ist – eigentlich – das Internet nicht wirklich der geeignete Ort. Denkt man. Wie falsch man doch liegen kann.

Die Rosarote Brille für Verliebte, die Selbstdiagnose in Sachen Liebesdingen, die Wahrheit über Seitensprung-Agenturen im Netz: Alles im Dienst an der Beziehung (ein fürchterliches Wort. Hat jemand einen Vorschlag für ein besseres?). Und genau eben nicht im Stil von Lebenshilfe-Frageseiten in einschlägigen bunten Auslegemagazinen beim Zahnarzt. Besser. Echter. Selbst ein Zölibatärer wie ich kann dem einiges abgewinnen.

Macher der Seite ist Johannes Faupel. Ihn habe ich gefragt, ob er mit seiner Seite wirklich glaubt, Menschen in ihren Beziehungen helfen zu können.

 

„Helfen kann man – wenn überhaupt – nur, wenn man darum gebeten wird, also einen Auftrag hat. Diese Website ist daher nicht als Hilfe gedacht, sondern eher als Stolperstein, als Denkanstoß. Außerdem ist ja gar nicht sicher, ob es Menschen überhaupt als Problem ansehen, sich auf die Suche nach einer Außenbeziehung zu begeben. Weiterlesen

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„Die Medien machen uns zu Zuschauern”

Von der Kamera Aufgenommen: Die SchweizergardeAb und zu gehört es zu meinen Aufgaben, mit Kollegen zu diskutieren, was gerade in Rom und im Vatikan passiert. Ich meine Kollegen von anderen Medien, deren Aufgabe es ist, zu verstehen und zu erklären und zu berichten. Die am häufigsten gestellte Frage in diesen Tagen ist die nach den Dokumenten, die aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit dringen. Dabei wird in den deutschsprachigen Medien noch das Allerwenigste davon berichtet, hier in Italien wird jeder auch noch so kleine Schnipsel in eine Sondersendung verwandelt.

Da lohnt sich eine Relecture einer Ansprache, die Papst Benedikt im Dezember 2009 gehalten hat. Völlig unaktuell, ohne jeden konkreten Bezug zu den Ereignissen in diesem Jahr, aber trotzdem noch ein Gewinn.

Jedes Jahr – seit 1953 – begibt sich der Papst am 8. Dezember zum Hochfest an die Mariensäule Roms, in der Nähe der Spanischen Treppe. Dort wendet er sich an „die Stadt“, an Rom. Aber man darf – glaube ich – ruhig Stadt mit „Civitas“ übersetzen, mit Gemeinwesen. Was der Papst dort sagt, gilt nicht nur den Römern. Es gilt der ganzen Civitas des Christentums.

 

Aber zurück zum Dezember 2009: Benedikt XVI. erinnerte damals die Massenmedien an ihre ethische Verantwortung. Er warnte in eindringlichen Worten vor einer „Verschmutzung des Geistes“, die „genauso gefährlich“ sei wie die Luftverschmutzung.

„Habt keine Angst, Jesus hat das Böse besiegt – wie sehr brauchen wir diese gute Nachricht! Jeden Tag wird uns doch in Zeitung, Fernsehen und Radio das Böse erzählt, wiederholt, aufgeblasen; wir gewöhnen uns an die schrecklichsten Dinge, werden gefühllos und gewissermaßen vergiftet. Das Böse hinterlässt Ablagerungen, jeden Tag mehr, das Herz verhärtet sich, die Gedanken werden bitter.“

„In der Stadt leben – und überleben – unsichtbare Personen, die manchmal auf die Seite eins oder auf den Bildschirm katapultiert werden: ausgenutzt bis zum Letzten, solange die Nachricht oder das Bild noch einen Rest an Aufmerksamkeit ergattern. Das ist ein perverser Mechanismus, gegen den leider kaum etwas zu unternehmen ist. Die Stadt verbirgt zunächst – und breitet dann alles vor der Öffentlichkeit aus. Ohne Mitleid, oder mit einem falschen Mitleid.“ Weiterlesen

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Die verstörende und heilbringende Gegenwart Christi

Das Thema lässt uns nicht los, und das zu Recht: ‚Entweltlichung’. Man kann vieles daran ausbuchstabieren, und viele tun das ja auch. Zeit für mich, mal wieder einen Beitrag zu leisten, auch wenn es nicht mein eigener Beitrag ist:

Eine Pressemeldung von heute zum Thema:

Kardinal Reinhard Marx hat einem Rückzug der Kirche aus der modernen Gesellschaft und einer dahin zielenden Interpretation des Begriffs Entweltlichung eine Absage erteilt. „Die Worte und das Handeln Jesu sind klare Orientierungspunkte für die Verwandlung der Welt und auch meines Lebens. Mitten in der Welt sollen wir Zeugnis ablegen von der neuen Welt, die mit Jesus Christus angebrochen ist“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Samstagabend, 3. März, in einem Radiobeitrag für das zweite Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks. Das sei für ihn die geistliche Dimension der Frage, die in den letzten Monaten immer wieder unter dem Stichwort Entweltlichung behandelt werde.

„Es kann vom Evangelium her nicht um einen Rückzug der Kirche aus der Welt gehen, sondern es geht um ein In-der-Welt-sein, damit durch die verstörende und zugleich heilbringende Gegenwart Jesu Christi die Welt auf die neue Schöpfung hin verwandelt wird“, stellte der Kardinal klar. Der Glaube an einen Gott, der die Welt unbedingt liebt und in Liebe verwandeln will, störe den selbstzufriedenen Weltenlauf, störe Selbstgenügsamkeit und die Versuchung, sich über die anderen zu erheben und sich womöglich sogar selbst als Mittelpunkt der besten aller Welten zu sehen.

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