Vatileaks ist auch eine Mediengeschichte

Die Frage aller Fragen, die im Augenblick im Zusammenhang mit dem Vatikan gestellt wird, ist die nach einem Machtkampf um den Heiligen Stuhl. Vertrauliche Dokumente, die veröffentlicht werden, wenig Information zu den Hintermännern und skandalträchtige Themen: Das ruft nach mehr.

Wenn man die Berichterstattung des Wochenendes hier in Italien als Maßstab nimmt, dann ist tatsächlich ein Machtkampf im Gange. La Repubblica, eine der großen Zeitungen, hatte zwei Briefe mit der Unterschrift des Papstsekretärs Georg Gänswein abgedruckt, aber den Inhalt weiß gelassen. Dazu gab es die Ankündigung (vorgeblich des Maulwurfes selber), dass er den Inhalt nicht weitergeben wolle, weil es den Papst beschädigen würde, aber wenn nicht dies oder das bald geschehen würde (Entlassungen bestimmter Personen, Transparenz im Vatikan, was immer das heißen soll), dann sähe er sich gezwungen, die ganzen Texte weiterzugeben.

Das abzudrucken ist kein Journalismus mehr, das ist Erpressung, das ist Teil eines Machtspiels, das um den Vatikan herum tobt. Natürlich ist es zu einfach, auf „die Medien“ zu zeigen und dort Schuldige zu suchen um vom Vertrauensbruch im Vatikan abzulenken. Genauso einfach ist es aber, sich jetzt zurück zu lehnen und zu sagen „Wir drucken das nur ab, wir machen die Nachrichten nicht“.

Spätestens mit diesem Wochenende wird klar, dass die Medienseite eben auch zur Geschichte um Vatileaks dazu gehört. Die Strippenzieher müssen gar nicht einmal im Vatikan selber sitzen.

Wir hier in der Redaktion als Journalisten wehren uns gegen diese Art, zu berichten. Das überschreitet eine journalistische Linie, auf diese Weise Druck auszuüben ist unprofessionell. Und es hilft überhaupt nicht bei einer informierten Meinungsbildung.
 

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Anziehend un abschreckend: „Für immer und ewig“

Frage und Antwort Nr. 2: Wie kann man heute sinnvoll davon sprechen, dass eine Ehe für immer ist?

Wenn die katholische Kirche über das Thema Familie spricht, klingt das irgendwie immer defensiv. Als ob wir ein Gesellschaftsmodell der Vergangenheit verteidigen würden oder romantisch in eine vorgestellte Vergangenheit blickten. Fünf Fragen, fünf Antworten: In einer Feier am Samstagabend in Mailand stand Papst Benedikt selber zu Fragen der Familie Rede und Antwort. Frei und ohne Manuskript antwortete er auf Fragen zu seiner eigenen Familie, zu wiederverheirateten Geschiedenen oder zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

 

Serge: Heiligkeit, wir sind Fara und Serge aus Madagaskar. Wir haben uns in Florenz kennen gelernt, wo wir studiert haben, ich Ingenieurwesen und sie Wirtschaft. Wir sind seit vier Jahren verlobt und ganz frisch mit unserem bschluss träumen wir davon, in unser Land zurück zu kehren und unseren Leuten zu helfen, auch durch unsere Berufe.

Fara: Die Familienmodelle des Westens überzeugen uns nicht, aber wir wissen auch, dass auch viele Traditionen Afrikas in gewisser Weise überwunden sind.

Wir glauben, für einander geschaffen zu sein; deswegen wollen wir heiraten und eine gemeinsame Zukunft schaffen. Wir wollen auch, dass jeder Aspekt unseres Lebens sich an den Werten des Evangeliums orientiert. Aber um über die Ehe zu sprechen, Heiligkeit, gibt es da ein Wort, das mehr als alle anderen und gleichzeitig anzieht und abschreckt: „Für immer“ …

 

 

Benedikt XVI.: Liebe Freunde, Danke für euer Zeugnis. Mein Gebet begleitet euch auf eurem Weg der Verlobung und ich hoffe, dass ich mit den Werten des Evangeliums eine Familie „für immer“ aufbauen könnt.

Sie haben die verschiedenen Typen der Ehe angesprochen: Wie kennen die „Marriage coutumier“ Afrikas [gewohnheitsmäßige Ehe] und die westliche Ehe. Um ehrlich zu sein, auch in Europa gab esbis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein anderes Modell der Ehe, das dominierte: Die Ehe war in Wirklichkeit ein Vertrag zwischen zwei Familien oder Clans, in dem sich die Clans bewahrten, sich eine Zukunft gaben, den Besitz wahrten und so weiter. Die beiden wurden füreinander ausgesucht in der Hoffnung, dass sie sich aneinander anpassen würden.

So war es auch in unseren Ländern. Ich erinnere mich daran, dass es in einem kleinen Dorf, in dem ich zur Schule gegangen bin, immer noch genau so war.

Aber seit dem 19. Jahrhundert beginnen die Emanzipation des Individuums und die Freiheit der Person. Die Ehe baut nicht mehr auf dem Willen anderer auf, sondern auf der eigenen Wahl; Weiterlesen

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„Ich stelle mir das Paradies wie meine Kindheit vor“

Wenn die katholische Kirche über das Thema Familie spricht, klingt das irgendwie immer defensiv. Als ob wir ein Gesellschaftsmodell der Vergangenheit verteidigen würden oder romantisch in eine vorgestellte Vergangenheit blickten.

Fünf Fragen, fünf Antworten: In einer Feier am Samstagabend in Mailand stand Papst Benedikt selber zu Fragen der Familie Rede und Antwort. Frei und ohne Manuskript antwortete er auf Fragen zu seiner eigenen Familie, zu wiederverheirateten Geschiedenen oder zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Die Fragen und die Antworten werde ich in den nächsten Tagen hier posten.

 

Den Anfang machte die junge Vietnamesin Cat Tien, Benedikt XVI. erzählte auf ihre Frage von seiner eigenen Kindheit und Jugend, von den Familiensonntagen und gemeinsam verbrachter Zeit. „Um die Wahrheit zu sagen, ich stelle mir vor, dass es im Paradies so sein wird, wie es in meiner Jugend war, meiner Kindheit“, so der Papst. Weiterlesen

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„Wohin ist Gott?“ Die kleinen Transzendenzen des säkularen Menschen

Pater Mateo Ricci, Chinamissionar, mit einem chinesischen Förderer

Pater Mateo Ricci

An diesem Freitag ist in Vallendar ein Kongress zur Frage des Glaubens in säkularer Gesellschaft zu Ende gegangen. Wie heute Sinndeutung und Transzendenz erfahren werden kann und wie das alles zu einem Impuls für die Missionarische Seelsorge bzw. Neuevangelisierung werden kann, darüber habe mit dem Organisator des Kongresses gesprochen, Prof. Joachim Söder. Ein Gespräch über die Wichtigkeit von Erfahrung und die Transzendenzerfahrung säkularer Menschen.

http://212.77.9.15/audiomp3/00318752
 

 

Der Kongress stand unter dem Titel „Wohin ist Gott?“. Wenn man Ihnen jetzt nach dem Kongress die Frage noch einmal stellt, was ist dann Ihre Antwort, wohin ist Gott?

 

Er ist hinein in die säkulare Welt gegangen, so wie es schon im Neuen Testament heißt: Er hielt nicht fest an seiner Gottheit, sondern hat sich entäußert und sich in die ‚säkulare’ Welt hinein begeben.

 

Von dem Kongress sollen Impulse ausgehen, für die Neuevangelisierung etwa und die Bischofssynode zu diesem Thema im Herbst in Rom, wie stellen Sie sich diese Impulse vor?

 

Zum Beispiel, indem wir uns nun über das eine oder das andere Thema von uns hier in Vallendar unterhalten und ich Sie damit vielleicht interessiere.

 

Was ist denn interessant gewesen an diesem Kongress?

 

Interessant gewesen ist, dass aus den unterschiedlichsten Fachbereichen – Philosophie, Soziologie, Psychologie, Pastoraltheologie, Fundamentaltheologie – jeweils eine Perspektive auf das Phänomen der Säkularisierung und dem theologisch-religiös-kirchlichen Umgang damit, nämlich der Frage, wie Neuevangelisierung erfolgen kann, geleistet wurde.

Diese Perspektivenvielfalt hat doch zu einem ganz interessanten Bild geführt.

 

Was sind denn zum Beispiel Teile dieses Bildes?

 

Vielleicht lassen Sie uns zunächst einmal über das Phänomen der Säkularisierung sprechen. Säkularisierung kann zweierlei bedeuten. Einmal kann es eine Verlagerung der spirituellen Dimension des Menschseins bedeuten; in Bereiche hinein, die kirchlich-theologisch schwer oder nicht erschlossen sind. Oder aber sie bedeutet einen Verlust der spirituellen Dimension des Menschseins, ein Verlust auf Grund von mangelnden Artikulationsmöglichkeiten.

Im zweiten Fall wäre das eine tiefgreifende anthropologische Herausforderung, denn ein Verlust der spirituellen Dimension heißt ja, dass der Mensch sein Menschsein nicht in Fülle entfalten kann.

Die erste Bedeutung von Säkularisierung, also wenn es sich nur um eine Verlagerung handelt in Bereiche hinein, die kirchlicher Verkündigung nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, stellt eine theologische Herausforderung. Weiterlesen

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Präzisierungen

Pater Federico Lombardi im Pressesaal des Heiligen Stuhles

Pater Federico Lombardi im Pressesaal des Heiligen Stuhles

Seit Tagen steht Vatikansprecher Federico Lombardi den Journalisten zur Causa Vatileaks zur Verfügung, jeden Tag gibt es eine Pressekonferenz dazu, solange, wie es Fragen gibt. Die heutige war besonders aufschlussreich, obwohl es keinerlei Neuigkeiten zu verkünden gab.

Das häufigste Wort war „Präzisierungen“. Pater Lombardi räumte mit den vielen kleinen Unkorrektheiten auf, die sich in den Medien angesammelt hatten. Es wird unglaublich viel hineingeheimnisst, geraten, (absichtlich oder unabsichtlich) falsch verstanden und dann gedruckt und gesendet. Also hat Pater Lombardi das Treffen mit den Journalisten genutzt, das richtig zu stellen.

Was mich wieder einmal darüber nachdenken lässt, was hier eigentlich passiert. Wer gestern oder vorgestern den groben Unfug gelesen hat, der auch in der deutschen Presse verbreitet wurde, über angeblich vier Kardinäle oder das zusammenrühren sämtlicher so genannten Skandale der letzten 40 Jahre, der ist nicht überrascht, dass es Präzisierungen braucht. Denn präzise ist die Berichterstattung nicht. Im Gegenteil. Je unpräziser man schreibt, desto mehr kann man sich auf Verschwörungstheorien etc. beschränken. Fakten und Sorgfalt stören nur.

Ich nehme ausdrücklich die vielen Kolleginnen und Kollegen aus, die sehr sorgfältig arbeiten, und das sind zum Glück die meisten. Aber die anderen, die Schreihälse, geben leider den Ton an.

Links zu denen gibt es hier nicht.

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Treue und Vertrauen

Was ist wichtig? Es fühlt sich merkwürdig an, heute über das Gebet und den Apostel Paulus zu schreiben, wo doch mittlerweile auch in Deutschland viel mehr noch als in Italien von Verschwörungstheorien etc. gesprochen wird. Es gibt zum Glück gute Analysen, wie etwa das Interview vom Kollegen Lutz Ring-Eifel beim Domradio. Aber leider sind auch immer mal wieder Schreihälse darunter, die von der großen Verschwörung phantasieren.

Was ist also wichtig? Gebet ist wichtig. Das löst nicht die Dringlichkeit der Probleme auf einen Schlag, aber es bringt alles in Perspektive. Die persönliche Begegnung mit Gott und die Verwandlung durch das Beten dürfen nicht durch den Rost fallen. Hier zeigt sich, worauf wir bauen und auf was wir uns verlassen.

Papst Benedikt bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch:

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

In den vorangegangenen Katechesen haben wir in der Schule des heiligen Paulus über das Gebet als eine persönliche Begegnung mit Gott nachgedacht: Durch Jesus Christus haben wir im Heiligen Geist Zugang zum Vater. Die Gewissheit, dass Gott treu ist und in seinem Sohn Ja zu uns sagt, schenkt uns Trost und Kraft.

Im zweiten Korintherbrief fordert uns Paulus auf, uns nicht von Schwierigkeiten und Sorgen überwältigen zu lassen. Wenn wir jede Situation in Verbundenheit mit Christus leben, werden wir fähig, nicht nur Trost zu empfangen, sondern auch unsererseits die zu trösten, die von Leid heimgesucht werden (vgl. 2 Kor 1,3ff).

Die tiefe Einheit mit Christus im beharrlichen, täglichen Gebet und das Vertrauen auf seine Nähe schenken Trost und machen uns zugleich bereit, die Sorgen und Leiden unserer Mitmenschen zu teilen. Dies stärkt wiederum unseren Glauben, da wir ganz konkret das Ja Gottes zu uns Menschen, die Treue seiner Liebe erfahren dürfen. Mit Paulus dürfen daher auch wir sagen: „In Christus ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen“ (2 Kor 1,19b-20).

Es ist dann der Heilige Geist, der Gottes Ja in uns gegenwärtig und lebendig macht und in unserem Herzen den Wunsch weckt, dem Herrn zu folgen und ganz in seine Liebe einzutreten. Unsere Zustimmung zu Gottes Plan, unsere Antwort des Glaubens kommt im Lobpreis der Kirche zum Ausdruck. So mündet in Gottes Ja das Amen der Kirche ein.

(..) Im Gebet wollen wir uns stets dem Willen und der Liebe Gottes anvertrauen. Wenn wir in Verbundenheit mit dem Herrn leben und uns von ihm verändern lassen, finden wir Kraft für uns und können unseren Mitmenschen Hoffnung geben. Der Heilige Geist stärke euch mit seinen Gaben!

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Vatileaks und der Verrat

Die Kirche lebt von Beziehungen. Beziehungen des Glaubens und Vertrauens, der Autorität und der Lehre, sie lebt von Beziehungen bei gemeinsamen Gottesdiensten und den Beziehungen, die die Tradition uns hinterlässt. Die Kirche ist kein Block, kein Staat, der sich auf eine Verfassung oder einen von Menschen gesetzten Gründungsakt stützt. Sie versteht sich in Beziehung mit Jesus, dem Grund.

Normalerweise bin ich ziemlich zurückhaltend, das Wort „Beziehung“ zu benutzen, denn es kann einen leicht kitschigen Klang haben. Häufig genug wird es als Verschleierung benutzt, um Dinge nicht aussprechen zu müssen.

In diesem Fall ist es aber völlig berechtigt: Die Menschen und ihr Glaube, die Tradition und deren Weitergabe, all das bezieht sich aufeinander. Es ist ein lebendiges Gewebe, das entstanden ist und weiter wächst.

Und genau hier trifft der Verrat. In den letzten Tagen habe ich häufiger darüber nachgedacht, wo genau der Schaden ist, den diese ganzen Veröffentlichungen oder vielmehr der Vertrauensbruch anrichtet: Er liegt genau hier. Beziehungen beruhen auf Vertrauen, und genau hier zersetzt der Verrat. Was auch immer die Motive sein mögen, der Effekt ist fürchterlich.

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Die Kirchenlehrerin – Aus der Zeit gerutscht

Hildegard von Bingen - Buchillustration aus dem Mittelalter

Hildegard empfängt eine Inspiration - Buchillustration

Kirchenlehrer sind nicht Kirchenlehrer, weil sie viel wissen und das Wissen weitergeben oder weitergegeben haben. Sie sind Kirchenlehrer, weil sie es auf eine Weise tun, die durch die Zeiten und vor allem für alle Menschen zugänglich ist. Letztere Aussage muss man vielleicht kulturell einschränken, nicht Alles ist ohne weiteres übersetzbar, aber grundsätzlich hält sie.

Die Lehre besteht nicht aus Fußnoten und Präzision, sondern aus Nachvollzierbarkeit für möglichst viele. In diese Reihe der Kirchenlehrer wird auch Hildegard von Bingen gehören. Das hat Papst Benedikt XVI. an diesem Sonntag beim Gebet des Regina Caeli bekannt gegeben. Am 7. Oktober wird es soweit sein, gemeinsam mit dem Spanier Johannes von Avila wird Hildegard diese Ehrung erfahren. Papst Benedikt heute auf dem Petersplatz:

„Hildegard, Benediktinernonne im deutschen Hochmittelalter, war eine wahre Meisterin der Theologie, darüber hinaus eine Gelehrte der Naturwissenschaften und der Musik. Johannes, Diözesanpriester in den Jahren der spanischen Renaissance, erlebte die bewegten Zeiten der kulturellen und religiösen Erneuerung der Kirche und des sozialen Gefüges in der Morgendämmerung der Neuzeit. Die Heiligkeit ihres jeweiligen Lebens und die Tiefe ihrer Einsichten machen beide aktuell: Denn die Gnade des Heiligen Geistes versetzte sie in die Erfahrung des umfassenden Verstehens der göttlichen Offenbarung und des intelligenten Dialogs mit der Welt, die den permanenten Horizont des Lebens und Handelns der Kirche bestimmt.“

Mit dieser Geste nimmt die Kirche „auch ein modernes Bild von Frau auf, das in der Galerie der Heiligen sehr gefehlt hat.“ Das unterstreicht die Bingen-Biographin Barbara Beuys im Gespräch mit Radio Vatikan. Hildegard von Bingen war nicht nur Klostergründerin, Seelsorgerin, Predigerin, Musikerin, Biologin und Medizinerin, sie war auch eine hervorragende Theologin, die aus ihrer Zeit bis heute in die Moderne hineinragt, sagt die promovierte Historikerin und Sachbuchautorin. Weiterlesen

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Pfingsten gegen Babel

Mittelalterliche Darstellung des Turmbaus zu Babel

Der Turmbau

Das Pfingstwunder steht der Geschichte vom Turmbau zu Babel gegenüber. Ohne die Verwirrung von Sprachen lässt sich unsere Welt nicht verstehen, und ohne diese Welt auch nicht der Heilige Geist.

Weil wir sind wie wir sind herrscht Verwirrung unter uns. Weil wir Dinge hineinhören, heraushören, weil wir in verschiedenen Welten leben und ganz verschiedene Vorstellungen haben, ist das Sprechen so schwierig geworden. Auch innerhalb einer Sprache.

Wie verwirrt das alles ist, das kann man in diesen Tagen im Vatikan beobachten. Anonyme Strippenzieher wollen ihren eigenen Willen und ihre Interessen durchsetzen.

Dagegen kann man nichts machen, außer sich zu fragen, was wir hier eigentlich tun, in der Kirche, als Gläubige, als Leitung der Kirche: Wo ist in all dem Gott, wo spricht der Heilige Geist.

Und genau das machte Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt zum Fest:

 

Liebe Brüder und Schwestern!

(…) Heute ist Pfingsten; dieses Geheimnis bedeutet die Taufe der Kirche, es ist ein Ereignis, das ihr sozusagen die ursprüngliche Form gegeben hat und den Anstoß zu ihrer Mission. Und diese „Form“ und dieser „Anstoß“ bleiben gültig, bleiben aktuell und erneuern sich vor allem in der Liturgie.

Ich möchte heute morgen vor allem über einen wesentlichen Aspekt des Pfingstgeheimnisses sprechen, das bis in unsere Tage von großer Bedeutung ist. Pfingsten ist das Fest der Einheit, des Verständnisses und der Gemeinschaft unter den Menschen. Wir können alle feststellen, wie in unserer Welt – trotz der wachsenden Nähe, die uns die Entwicklung der Medien erlaubt, und auch wenn die geografischen Entfernungen zu schrumpfen scheinen – das Verständnis und die Gemeinschaft unter den Menschen oft oberflächlich und schwierig ist. Ungleichgewichte bestehen weiter, die nicht zufällig zu Konflikten führen; das Gespräch zwischen den Generationen wird mühsam, und manchmal nimmt der Streit überhand; wir erleben im Alltag Dinge, die uns den Eindruck vermitteln, als ob die Menschen aggressiver und streitsüchtiger würden; es sieht fast so aus, als wäre es zu anstrengend, sich um Verständigung zu bemühen, und als sollte man sich besser an sein eigenes Ich, an seine eigenen Interessen halten. Weiterlesen

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Bis einer weint!

Lieber Vatikaner,

hört endlich auf! In der vergangenen Woche ist unendlich viel Porzellan zerschlagen worden, sind letzte Reste Vertrauen in den Vatikan verloren und so viel Unglaubliches gteschehen und an die Öffentlichkeit gekommen, dass es für eine Aufsehen erregende Entlassung und eine Verhaftung gereicht hat.

Jetzt lese ich im Corriere della Sera ein Dokument, das ebenso geheim ist. Sein sollte. Das Protokoll der Sitzung des Aufsichtsrates der Vatikanbank, an deren Ende das Misstrauensvotum gegen deren Chef stand. Reicht eine Entlassung und eine Verhaftung nicht? Wer meint hier nachlegen zu müssen? Wer will unbedingt Lösungen verhindern und ein Maximum an Schaden anrichten?

Aufhören!

Liebe Leser, Sie kennen das T-Shirt mit dem Aufdruck zweier Panzer, die aufeinander zufahren mit der Unterschrift „Bis einer weint“? Genauso kommt mir das vor.

Liebe Veröffentlicher, wer auch immer was auch immer für Absichten hat, könnt ihr bitte ein wenig erwachsen werden? Es geht um Glauben und Kirche, es geht um das Vertrauen von Menschen und die Einheit und die Weitergabe des Glaubens. Der Papst will ein Jahr des Glaubens beginnen und darüber sprechen, wie Glaubensweitergabe in der Welt heute passieren kann. Stattdessen werden wir über euch reden, die ihr euch nicht zu erkennen zu geben wagt. Die ihr geheim Dokumente weitergebt. Die ihr eure Agenda verfolgt, die keiner kontrolliert, die keiner gegenliest, die keinem Votum, keiner Kompetenz, keinem Mandat unterworfen ist.

Mir ist klar, dass es immer „Lecks“ geben wird, völlig naiv bin ich auch nicht. Aber was ihr hier anstellt, das übersteigt das Maß dessen, was ich bereit bin zu akzeptieren.

Es wird Zeit, dass ihr euch eurer Verantwortung bewusst werdet, in der Leitung der Kirche zu arbeiten. Oder ihr geht. Aber bitte schnell.

 

 

Wer auch dafür ist, kommentiere bitte mit einem „bin auch dafür“ o.Ä.

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