„Es ist nicht möglich, dass eine Ordenschrist nicht mit der Kirche fühlt“

(c) Malek Homayonifar

(c) Malek Homayonifar

Das Amt und das Charisma sind zwei beliebte Topoi, die in der Geschichte der Kirche immer mal wieder gegeneinander gesetzt werden. Gefüllt werden sie gerne mit der Hierarchie der Kirche, dem Ausüben der Autorität und der Struktur auf der einen Seite und dem Charisma der Ordenschristen auf der anderen Seite.

Immer wieder gab es und gibt es Spannungen, meistens fruchtbar, ab und zu aber auch in Form eines Konfliktes, wie etwa zur Zeit in den Gesprächen zwischen dem Vatikan und einer der Vereinigungen von US-Ordensoberinnen (LCWR). In den vergangenen Tagen hatte sich bereits der Präfekt der Kongregation für die Ordensleute, Kardinal Joao Bráz de Aviz (selber kein Ordensmann) dazu geäußert.

An diesem Mittwoch traf nun Papst Franziskus, der selber aus einem Orden kommt, einen Kongress internationaler Ordensoberinnen. „Der Dienst der Leitung gemäß dem Evangelium” – unter diese Überschrift stellte der Papst seine Ansprache. Seine drei Gedanken, so der Papst, überlasse er dann der gemeinschaftlichen und individuellen Vertiefung: Erstens zu den evangelischen Räten, zweitens gegen den Karrierismus und drittens zur Kirchlichkeit.

 

Gehorsam, Armut, Keuschheit

 

Der erster Punkt des Papstes ist der, dass eine Berufung immer Initiative Gottes ist, nie vom Menschen gemacht oder gewählt. Daraus folge für Ordenschristen ein ständiger „Exodus aus uns selbst“, denn der Wille Gottes sei es, der zähle. Dieser „Exodus“ sei ein Weg der Anbetung und des Dienstes: Zwei Elemente des Ordenslebens, die nicht zu trennen seien. „Den Herrn anbeten und dem Nächsten zu dienen, nichts für sich behalten: Das ist die „Beraubung“ [spoliatio, ein Begriff aus der geistlichen Tradition der Orden: Beim Eintritt gibt das Neumitglied den alten Besitz an die Gemeinschaft] derer, die Autorität ausüben. Weiterlesen

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Es geht nicht um uns

„Jeder Christ und jede Gemeinschaft ist in dem Maße missionarisch, in dem sie das Evangelium bringt und lebt und die Liebe Gottes zu allen, besonders zu den Notleidenden bezeugt.“ Ein Satz aus der Predigt von Papst Franziskus am Sonntag.

Zunächst mal ein nicht sehr auffälliger Satz, aber er ist bei mir hängen geblieben, weil er über eines der Themen spricht, die uns als Kirch schon lange beschäftigen: Wie heute in der modernen Welt den Glauben verkündigen? Nennen wir es Neuevangelisierung, nennen wir es missionarische Seelsorge, nennen wir es verkündende Kirche: Der klassische Begriff ist „Mission“, also der Auftrag zur Verkündigung.

Papst Franziskus benennt ein Maß, an dem wir „missionarisch“ erkennen können. Zuerst klang das in meinen Ohren leicht tautologisch: Es ist blau, weil es blau ist. Ich will das auch gar nicht zu der Weisheit letztem Schluss erklären, aber es weist auf zwei Dinge hin: Erstens geht es nicht ohne Evangelium und zweitens nicht ohne die Notleidenden als Präferenz. Oder umgekehrt formuliert: Es geht nicht um uns selbst.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass wir bei der Frage, ob das Salz noch salzig ist, zu viel in den Spiegel sehen. Wir gründen Institute, stellen Menschen ein, verfassen Papiere, diskutieren Konzepte und betreiben Organisationsentwicklung. Das mag alles schön und gut sein, aber der Satz erinnert mich, dass ich vielleicht ein wenig altmodisch bin.

Das Maß der Verkündung einer Gemeinschaft zeigt sich darin, wie wenig sie mit sich selber beschäftigt ist.

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Das neue Pontifikat: Quer

Mit etwas Verspätung, der Teil 3

Papst Franziskus nimmt man alles ab. Fast schon klagend hört sich die Beschreibung an, die im Augenblick unter einigen ,Vaticanisti‘ in den italienischen Zeitungen die Runde macht. Was Benedikt XVI. niemals habe sagen dürfen, Franziskus kommt damit durch. Das gilt vielleicht am deutlichsten an einem Punkt, mit dem ich meinen dritten Teil beginnen möchte.

 

Der Teufel und der Satan

 

Ein dritter Punkt, den ich nennen möchte, betrifft eine gewisse Fremdheit, die dieser Papst auch hat. Wir meinen, durch die Symbole und die vielen Anekdoten den Papst begreifen zu können, aber dann kommt da etwas, was uns quer liegt, was uns stört. Die Art des Auftritts scheint und vertraut, diese Vertrautheit wird an vielen Stellen verwirrt.

Der Papst spricht vom Teufel. Und zwar mehrfach.

In verschiedenen Diskussionen ist mir eine Denkfigur aufgefallen, die mich immer wieder ärgert aber ohne die wir in Europa kaum auszukommen scheinen: „Wir leben doch im 21. Jahrhundert“. Wir meinen, dass das Reden vom Teufel ein Entwicklungszustand ist, ein Stadium, das wir ach so Aufgeklärten überwunden haben. Weiterlesen

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Papst & Papst

Papst und PapstPapst emeritus Benedikt XVI. ist zurück im Vatikan. Ohne viel Aufhebens wurde er am Donnerstag von Papst Franziskus in seinem neuen Domizil begrüßt.

Damit beginnt eine neue Phase in der Geschichte der Kirche und des Vatikans: Erstmals residiert der Papst neben seinem Vorgänger. Einen Rücktritt dieser Art hat es in der jüngeren Kirchengeschichte und dem Papsttum der Moderne noch nie gegeben, an diese Situation wird sich der Vatikan erst gewöhnen müssen.

Papst Benedikt hatte kurz vor seinem Rücktritt aber durch das Gehorsamsversprechen seinem damals noch nicht gewählten Nachfolger gegenüber deutlich gemacht, dass es nur einen amtierenden Papst geben könne und dass er sich tatsächlich vollständig zurückzuziehen gedenke: „Schon heute verspreche ich dem neuen Papst meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam,“ so die Worte des Papstes am 28. Februar.

Eine Frage, die mir dauernd in Interviews gestellt wird: Wird der ‚alte’ Papst dem ‚neuen’ helfen? Ihn beraten? Eigene Akzente setzen? Das sollte damit beantwortet sein: Wir haben nur einen Papst.

Eine neue Situation der Kirchengeschichte: Vielleicht wird das Amt ein wenig menschlicher, eine Dienst, der für immer mit dem Namen Benedikt verbunden sein wird.

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Einschub: Der Papst unterwegs

Der Papst hat sich heute Mittag via Webcam mit dem Kloster in Assisi verbinden lassen und gemeinsam mit den Franziskanern am Grab des heiligen Franziskus gebetet, virtuell und gleichzeitig real.

Franziskus ist wirklich überall.

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Das neue Pontifikat: Themen

Teil 2

Er stellt Schweizergardisten Stühle hin, er ruft Pförtner und Zeitungsausträger an, er steigt in den Kardinals-Bus, anstatt sich fahren zu lassen. All diese Geschichten haben uns zu Beginn des Pontifikates fasziniert. Dann aber kam auch bald die Frage – und sie kam gerne in den beobachtenden Medien – wann nun die inhaltlichen oder personellen Entscheidungen kämen. Oder übersetzt: Die wichtigen Entscheidungen.

Vor einigen Wochen war es dann soweit: Der Papst sprach über das Vatikanum. Endlich, dachten viele, endlich gibt es Inhalt.

 

Der Heilige Geist und das Zweite Vatikanum

 

 

Es war eine Predigt, die auf sehr viel Aufmerksamkeit gestoßen ist. Nach all den kleinen Symbolen und Zeichen schien hier nun das erste mal eine inhaltliche Stellungnahme zu einem in der Kirche umstrittenen Thema zu geben: Dem Umgang mit dem Konzil.

Viel ist um das Konzilsjubiläum herum aber auch schon davor, etwa bei der Auseinandersetzung mit der Piusbruderschaft, um die „Erbschaft des Konzils“ gestritten worden. Vorwürfe hin und her. Und nun will der Papst die Dynamik des Konzils – den Heiligen Geist – wach halten, er wirft einigen sogar vor, vor das Konzil zurück zu wollen. Klare inhaltliche Aussagen. Weiterlesen

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Das neue Pontifikat

Teil 1

So langsam schält sich heraus, was für einen Papst wir haben. Die ersten 100 Tage sind noch längst nicht um, aber trotzdem kann man schon sehen, wie Papst Franziskus ein Amt auszufüllen gedenkt. In den vergangenen Tagen und Wochen war ich viel unterwegs, um über den Papst zu Sprechen, den einen und den anderen Vortrag zu halten und mich mit Kollegen auszutauschen. Als ein vorläufiges Ergebnis möchte ich einige Gedanken zum Pontifikat vorstellen. Es ist „work in progress“, noch keinesfalls ein fertiger Gedanke, aber ich probiere mal eine erste vorsichtige Einschätzung.

Drei Punkte möchte ich nennen, dementsprechend kommen die Gedanken in drei Teilen. Teil 1 beginnt mit diesem Audio:

 

„Liebe Brüder uns Schwestern, guten Abend!“

 

Seit dem Auftritt auf dem Balkon am 13. März beginnt der Papst seine Ansprachen mit dieser Art Begrüßung: ,Guten Tag‘ oder ,Guten Abend‘. Es ist ein unspektakuläres Auftreten. Alle seine Gesten und Worte, seine liturgische Kleidung, seine Gestik und Mimik, sein Predigen im Stehen, all das will einfach sein.

Papst Franziskus zeigt damit, dass er mit uns auf Augenhöhe sprechen will. Seine Art der Kommunikation ist direkt und unvermittelt, er baut keine Rollen auf, keine Distanzen. Man sieht das auch an den langen Fahrten auf dem Petersplatz und den Begrüßungen am Ende der Generalaudienzen: Der Papst ist bis zu einer Stunde unter den Menschen, er umarmt, spricht, küsst, berührt und segnet. Weiterlesen

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Der direkte Papst

Generalaudienz vor einer Woche, (c) Osservatore Romano

Generalaudienz vor einer Woche, (c) Osservatore Romano

Es ist wie an einem Hochfest. Vergangene Woche war es so, diese Woche wieder: Die Generalaudienzen am Mittwoch finden auf einem übervollen Petersplatz statt. Die Menschen warten schon vor acht Uhr vor den Toren, strömen dann hinein, und bis zum Beginn der Audienz sind dann der Platz, der davor gelegene Platz und alle Zugänge voll. Die Menschen wollen in Zahlen zur Generalaudienz, wie wir sie – wie gesagt – sonst nur von Hochfesten kennen.

Der Papst berührt etwas in den Menschen. Seine Direktheit, seine Augenhöhe, seine einfachen Worte: Er kommuniziert den Glauben auf eine Weise, die unmittelbar ankommt. Wenn er nach der Audienz bis zu 40 Minuten die wegen des einfachen Zugangs in einem Sonderbereich versammelten Kranken, Alten und Behinderten begrüßt, umarmt, küsst und segnet, alles unter dem gnadenlosen Blick der Kameras, dann wird auch dem letzten klar, wofür der Papst Zeugnis ablegt.

Und deswegen kommen die Menschen. Die Bescheidenheit der Gesten des Papstes macht mehr als deutlich, dass hier kein Star auftritt, der die Massen bewegen will. Im Gegenteil, er ist kein Star. Er ist auch nicht das, was man ein „Medienphänomen“ nennt.

Das Gegenstück dazu: Vergangenen Sonntag, ebenfalls auf dem Petersplatz, nach der Messe. Papst Franziskus betet das Mittagsgebet und von oben kommuniziert er mit den Jugendlichen: „Habt ihr Jesu Bitte an euch schon mal gehört?“ „Wie bitte, ich habe euch nicht verstanden!“ Und die Jugendlichen rufen „Si, Si“, „Ja, Ja“. Weiterlesen

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Der Jesuit Bergoglio

Der 22. April ist im Jesuitenorden einer der klassischen internen Tage: Am 22. April 1541 legten unsere Gründer in Rom ihre so genannten Professgelübde ab, nachdem der Papst – Paul III. – die Regel des Ordens, die von uns so genannte formula instituti, anerkannt hatte.

Der Tag ist für uns deswegen wichtig, weil dieser Tag gerne genommen wird, um Jesuiten jeweils ihre Gelübde ablegen zu lassen. Es sind die „letzten Gelübde“, wie wir sie intern nennen. Bei anderen Orden heißen sie „ewige Gelübde“, was bei uns nicht zutrifft, denn auch die ersten Gelübde sind schon ewig bindend. Es sind die Gelübde der vollständigen und feierlichen Bindung einer Person an den Orden.

Und so hat vor genau 40 Jahren, am 22. April 1973, ein gewisser Pater Jorge Mario Bergoglio seine Professgelübde abgelegt. Herzlichen Glückwunsch dazu.

Wer oder was die Jesuiten heute sind: Hier eine Seite, die vor kurzem Online gegangen ist.

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Berufungen – Zeichen der Hoffnung aus dem Glauben

Botschaft, verfasst von Papst Benedikt XVI. zum 50. Weltgebetstag um Geistliche Berufungen am 4. Sonntag der Osterzeit, dem 21. April 2013. Die Botschaft wurde bereits 2012 veröffentlicht, stammt also aus der Feder von Papst Benedikt.

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Zum 50. Weltgebetstag für geistliche Berufungen, der am vierten Sonntag der Osterzeit, dem 21. April 2013, begangen wird, möchte ich euch dazu einladen, das Thema „Berufungen – Zeichen der Hoffnung aus dem Glauben“ zu bedenken, das sich gut in den Kontext des Jahres des Glaubens und des 50. Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils einfügt. Der Diener Gottes Paul VI. hat während der Konzilsversammlung diesen Tag der vereinten Anrufung Gottes, des Vaters, eingeführt, damit der Herr weiterhin Arbeiter für seine Kirche sende (vgl. Mt 9,38). „Das Problem der ausreichenden Zahl von Priestern“, betonte damals der Papst, „geht alle Gläubigen unmittelbar an: nicht nur weil davon die religiöse Zukunft der christlichen Gesellschaft abhängt, sondern auch weil dieses Problem der präzise und unerbittliche Indikator für die Vitalität des Glaubens und der Liebe der einzelnen Pfarrgemeinden und Diözesen sowie Zeugnis für die sittliche Gesundheit der christlichen Familien ist. Wo Priester- und Ordensberufungen in großer  Zahl erblühen, dort lebt man großherzig nach dem Evangelium“ (Paul VI., Radiobotschaft, 11. April 1964). Weiterlesen

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