Tenha uma boa viagem!

Abschied aus Rom

Abschied aus Rom

Unterwegs ist das Leben irgendwie intensiver. Wenn man auf Reise geht – sei es geistliche auf Pilgerreise oder einfach nur auf Geschäfts- oder Urlaubsreise – ist alles farbiger, klarer, aber auch schneller vorbei als der normale Alltag.

Das gilt auch für Papstreisen. Vier davon habe ich bislang begleiten dürfen, Großbritannien, Deutschland, Cuba und nach Assisi, und keinem der Begleiter entgeht die Besonderheit dieser Situation. Das wird auch mit Papst Franziskus und seiner Reise nach Rio de Janeiro nicht anders gehen, und auch uns Beobachtern nicht. Selbst uns daheim gebliebenen nicht, es ist ein Intensivkurs in Sachen Papst.

Ohne zu wissen, was Franziskus genau sagen wird, scheint mir aber jetzt schon eine Tendenz klar: Er wird das, was er in Rom in Predigten und Begegnungen angefangen hat, fortsetzen. Es wird deutlicher werden als vielleicht hier, eben weil er unterwegs ist, auf Reisen. Aber wir werden gedrängt und intensiv das mitbekommen, wofür dieser Papst steht.

Gute Reise, Boa sorte, tudo de bom e que Deus abençoe!

Veröffentlicht unter Allgemein, Franziskus, Jahr des Glaubens, Papstreise | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

Papstversteher

Papst Franziskus und Vatikansprecher Pater Federico Lombardi

Papst Franziskus und Vatikansprecher Pater Federico Lombardi

Die Welt ist fasziniert von Papst Franziskus. Auch wenn das große Aufsehen vor allem in den Medien nachgelassen hat, so sind die Reaktionen auf diesen „Neuen“ im Vatikan immer noch von Begeisterung und Zuspruch geprägt.

Vor allem die Morgenmessen haben ihr eigenes Publikum gefunden, daneben aber auch die vielen Gedanken und Formulierungen aus Predigten und Ansprachen, denen der Papst in seiner ihm eigenen Direktheit einen ganz eigenen Charakter gegeben hat.

Auf die gleiche Weise findet er aber auch Widerspruch: Wie kann er etwa die Flüchtlinge in Lampedusa so sehr in den Fokus rücken ohne die politischen Rahmenbedingungen anzugehen? Oder kürzer formuliert: Ist er nicht etwas naiv?

Am Montag wird der Papst nach Brasilien aufbrechen und wir bekommen – so der Plan – etwa fünfzehn Ansprachen, Predigten etc. des Papstes. Vielleicht ist es deswegen Zeit, sich etwas vorzubereiten. Ich möchte – auf die Vorarbeit meines Mitbruders P Andrzej Koprowski zurückgreifend – einige Schlüsselbegriffe vorstellen, die hilfreich sein könnten, den Papst in der kommenden Woche zu verstehen.

 

Erstens: Die Kirche gehört nicht uns, sie ist die Kirche Christi. Planungen und auch Reformen müssen zuerst die Frage stellen, was Christus von mir will und dann was Christus von uns, der Kirche, will. Dieser Gedanke findet sich immer wieder in seinen Predigten und Ansprachen.

 

Zweitens: „Auf dem Weg“, „lebendiger Stein“, „nicht langweilig“, „auf den Spuren Jesu“, das sind alles Charakteristiken eines Christen, wie der Papst ihn beschreibt. Dazu gehören andere, meist sehr einfach formulierte packende Beschreibungen. Er nennt genauso häufig aber auch das Gegenteil, ganz und gar nicht christliche Charakteristiken: „Gesicht wie eine Chili in Öl“, „Sklaven der Dinge“, „Karrierismus“, letztlich alles was den christlichen Glauben als etwas versteht, was dem Christen einen festen Platz in der Welt und in der Gesellschaft verschafft, was traurig aussehen lässt. „Wo ist der Heilige Geist, der vorwärts drängt?“, fragt da der Papst. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Franziskus, Glaube und Gerechtigkeit, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Jahr des Glaubens, Kirche und Medien, Papstreise, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , , , | 9 Kommentare

Kontrollfragen

Wer kontrolliert im Vatikan eigentlich wen? Diese Frage wird akut, wenn man auf die neueste Entscheidung des Papstes schaut: Eine weitere Kommission ist eingerichtet, dieses mal zur wirtschaftlichen Verwaltung des Heiligen Stuhles [der Leitung der Weltkirche, im Gegensatz zum Staat der Vatikanstadt].

Neben der Reform-Kommission der acht Kardinäle und der päpstlichen Kommission für die ‚Vatikanbank’ IOR ist das die dritte Kommission, die Franziskus einberuft. Da es aber schon vorher solche Gremien gegeben hat, wird die Lage langsam komplex.

Was will Franziskus damit erreichen?

Zum einen will er glaube ich selber einen genauen Überblick bekommen. Darauf aufbauend will er seine Reformschritte machen. Er selber hatte ja betont, dass er für das Strukturelle wenig Sinn habe und deswegen sich Hilfe hole, was das bedeutet sehen wir gerade.

Zum anderen glaube ich aber auch, dass wir Franziskus’ Betonung des Kollegialen sehen. Er ernennt keine Person oder vergibt ein Amt, er errichtet Gremien und Gruppen. Von der Arbeitsweise her sind die weniger schnell und flexibel, aber sie stellen sicher, dass mehr als nur eine Meinung und ein Kontinent und ein Erfahrungshorizont eine Rolle spielt.

Mich macht das sehr optimistisch, was die anstehende Reform des Vatikan angeht.

Veröffentlicht unter Allgemein, Franziskus, Vatikan | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

Tagesgebet

Die Worte ‚Examen’ und ‚Spiritualität’ passen nicht recht zusammen, hat das eine doch mit Freiheit und Geist zu tun und das andere riecht nach Noten und Auswendig lernen. Und doch hat das Wort ‚Examen’ in der jesuitischen Tradition einen hohen Stellenwert, bezeichnen wir damit doch das wichtigste Gebet des Tages.

Es ist der Tagesrückblick, der im Exerzitienbuch des Ignatius vorgeschlagen wird und in der Ausbildung zum Jesuiten vorgeschrieben ist. Von dort aus hat es seinen festen Platz in der christlichen Welt erobert. Ignatius hat es nicht erfunden, aber in seiner Systematik – das war vielleicht sein größtes Genie: geistlicher ordnen können – hat es in dieser Form sicherlich die größte Wirkung gehabt.

Das Wort ‚Prüfung’ ist gar nicht mal so schlecht, soll man doch prüfen, was einen den Tag über bewegt hat. Darüber kommt man dann ins Gebet: Ein Dank, dann ein Blick auf den Tag, dann die Frage wo Gott in all dem war und dann der Blick auf den Herrn im Gebet.

Papst Franziskus hat das neulich in einer seiner Morgenpredigten wunderbar formuliert:

„Wir haben die Angewohnheit, uns vor dem Ende des Tages zu fragen: ‚Was hat der Heilige Geist heute in mir getan? Was für ein Zeugnis hat er in mir abgelegt? Wie hat er gesprochen? Was hat er in mir angeregt?’ Es ist eine göttliche Präsenz in uns, die uns weiterhilft auf unserem Lebensweg als Christen. Er möge uns schenken, wie wir im Gebet erbeten haben, dass uns in jedem Augenblick unseres Lebens die Fruchtbarkeit des Osterfestes vor Augen stehe. So sei es.“

Veröffentlicht unter Franziskus, Glaube und Welt, Glaubens-Funde, Jahr des Glaubens, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 32 Kommentare

Schlussverkauf

Eisenwaren - es war einmal

Eisenwaren – es war einmal

Es war einmal ein Eisenwarenladen. So einen, wie es ihn bei uns schon längst nicht mehr gibt. Einen Laden, in dem eine Frau umrahmt von Regalen, Pappkartons, Werkzeugen und allerlei anderen geheimnisvollen Metallgegenständen saß wie in einer offenen Garage und auf Kunden wartete. Brauchte man Nägel, dann ging man hin und beschrieb seinen Bedarf. „Für Bilder“, aha, dann sind diese hier richtig. Und sie riss eine Seite aus einem alten Telefonbuch, legte es auf die Waage, goss einige Nägel aus der Pappschachtel darauf, wog das Ganze, wickelte die 9 Nägel in die gelbe Seite und gab sie einem. Man bezahlte seine Groschen – Cents ist hier irgendwie unangebracht – und ging seiner Wege.

Das ganze war im Borgo Pio, eine Parallelstraße zur Touristenmeile Via della Conciliazione, die zum Vatikan führt. Diesen Borgo hatten wir – die Römer – bislang für uns alleine. Bis vor zwei Jahren auch hier Ladenlokal um Ladenlokal von Industrieeis, Pizza-auf-die-Hand, Religions-Nippes und Touri-Restaurant eingenommen wurde. Und jetzt also auch unsere „Ferramenta“. Nun kann man da Schuhe und Handtaschen und Armreifen kaufen. Nicht wirklich typisch römisch, das könnte genauso auch in Paris oder Madrid auf einer Tourimeile stehen.

Ich könnte jetzt den guten alten Zeiten nachweinen, als alles noch irgendwie menschlicher war.

Ich könnte jetzt auch darauf hinweisen, dass wir die Läden, die wir im Kino so lieben, in der Realität durch unser Touri-sein verdrängen. Und durch Baumärkte auf dem platten Land.

Vielleicht klage ich auch einfach nur, dass ein weiteres Stück römisches Rom Vergangenheit ist, dass die künstliche Welt, die den Besuchern präsentiert wird, überhand nimmt und wir hier Lebenden uns noch mehr Wege durch die undurchdringlichen Massen von Touristen bahnen müssen. Wahrscheinlich ist es letzteres, was mich ein wenig melancholisch werden lässt.

Schade um die Ferramenta.

Das erste, was beim neuen und frisch polierten Laden übrigens ins Schaufenster gehängt wurde war ein Schild: „Saldi“. Schlussverkauf.

Veröffentlicht unter Allgemein, Kunst, Kultur und Können, Rom | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Jahrmarkt der Eitelkeiten, II.

Ein Nachtrag: Gestern haben wir gemeldet, dass Papst Franziskus veranlasst hat, dass eine Statue seiner Person entfernt wird. Das Erzbistum Buenos Aires – sein eigenes bis vor kurzem – hatte sie im Garten hinter der Kathedrale aufgestellt, vermutlich aus Freude darüber, dass der Papst einer der ihren ist. Diese Statue – mannshoch, wie berichtet wurde – wurde schnell der Anziehungspunkt für Touristen.

Jetzt also das aus: Der Papst will keine Statuen von sich. Sobald er gehört habe, dass es diese Statue gebe, habe er ihre Entfernung veranlasst.

Zur ‚Vatity Fair’ Geschichte von Gestern habe ich einige Radio-Interviews gegeben, unter anderem wurde die Frage gestellt, was denn der Papst davon hält, sich auf dem Cover der Modezeitschrift zu sehen.

Die Antwort gibt Buenos Aires.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Franziskus, Kirche und Medien, Neulich im Internet | Verschlagwortet mit , , , , | 14 Kommentare

Franziskus auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten

Das lässt einen irgendwie perplex zurück. ‚Vanity Fair’ kürt Papst Franziskus zum „Mann des Jahres“. ‚Vanity Fair’ heißt übersetzt ‚Jahrmarkt der Eitelkeit’ und ist ein Mode- und Stilmagazin, dass sonst eher minderbekleidete Frauen präsentiert. Ich weiß, das wissen Sie, das muss an dieser Stelle aber einfach wiederholt werden. Und: Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Mann des Jahres. Ausgerechnet Papst Franziskus.

Ist der Papst eine Stilikone? Es steht doch mit allem was er sagt in diametralem Gegensatz zu den Grundsätzen, nach denen ‚Fanity Fair’ die Welt gestaltet sehen will. Oder sehe ich das falsch? Ist das zynisch, dass man nun den Papst auf seinen ‚Stil’ reduziert? Elton John darf im Heft was sagen, außerdem Andrea Bocelli, also keine genuin religiösen Redner. Schaut man auf die Webseite, sieht man allerlei Größen und A, B, C und sonstige Promis, die gerade irgend was gemacht haben und sich dabei haben fotografieren lassen, damit sie in die Zeitung kommen. Nein, nicht die Zeitung: Vanity Fair. Da gehört Franziskus doch eigentlich gar nicht hin.

Oder haben wir den Papst auch da unterschätzt, dass seine Persönlichkeit und Botschaft nun auch auf nichtreligiösem Gebiet ihre Spuren hinterlassen? Immerhin wird er als jemand gewürdigt, der in nur kurzer Zeit eine „Führungspersönlichkeit, die Geschichte gemacht hat“ geworden sei.

Bislang wurde der Papst als innerer Reformer wahrgenommen, als jemand, der das Christentum neu mit Dynamik versorgt und sich um Kurienreform etc. kümmere, also ad intra. Gerne und zufrieden haben wir wahrgenommen, dass auch außerhalb der Kirche andere religiöse oder spirituelle Menschen ihn als einen der „Ihren“ erkannt haben, seien es Muslime, Buddhisten oder keiner Religion zugehörige. Aber alles bleibt irgendwie Religion.

Nun aber auch ‚Vanity Fair’. Seien wir einmal nicht zynisch und nehmen wir an, dass das bedeutet, dass sich dem Papst auch die Modekreise nicht entziehen können. Ein so ausgemacht unmodischer Mensch auf dem Cover einer Mode- und Eitelkeitszeitschrift: Die Welt ist noch nicht verloren!

Veröffentlicht unter Allgemein, Franziskus, Glaube und Welt, Kirche und Medien, Neulich im Internet | Verschlagwortet mit , , , , | 8 Kommentare

Die Kunst des Bittens

Amanda Palmer bei der TED Konferenz

Amanda Palmer bei der TED Konferenz

Amanda Palmer hat das Bitten gelernt. Als eine dieser Figuren, die auf Plätzen und in Fußgängerzonen regungslos als menschliche Statue stehen, hat sie nach ihrem Uni-Abschluss Geld verdient. Die „weiße Braut“ war sie, hat geschwiegen und in mechanisch anmutenden Bewegungen Menschen eine Blume geschenkt, wenn sie etwas Geld in ihren Hut geworfen haben. Jetzt ist sie Musikerin – vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack – aber ihre Wurzeln hat sie nicht verlassen.

In einer TED-Konferenz schildert sie die „Kunst des Bittens“, danke an Sarah, die mich auf diesen Clip aufmerksam gemacht hat. Kurz: Sie verschenkt ihre Musik und bittet um Unterkunft oder ein Abendessen oder was auch immer. Und das interessante ist, dass es funktioniert.

Per Twitter sagt sie, was sie braucht und kurz darauf bekommt sie es: Ein Klavier zum Üben, Menschen für Auftritte, oder das, was sie Couch-Surfing nennt: „Ich brauche ein Sofa zum Übernachten“. Es funktioniert. Und sie bekommt unendlich viele enge Kontakte mit Menschen.

Wie Crowd-Surfing sei das, also wenn ein Künstler sich in die Zuschauer fallen lässt und sich tragen lässt.

Ihr Musik-Label hat sie verlassen, weil sie nicht genug CDs verkaufte. Also machte sie das Bitten und Geben zum Prinzip; sie gibt ihre Musik weg und ermutigt downloading und sharing, aber im Gegenzug bittet sie um Hilfe. Für eine Platte brauchte sie einmal $ 25.000, sie bekam fast 1,2 Mio über Crowdfunding.

Sie verlangt keine Bezahlung für Musik, etwa beim Kauf, sondern bittet. Und bitten funktioniert. Das alles macht das Musikverteilen sehr menschlich, nicht zum Geschäft der Unterhaltungsindustrie. Es ist zwar ein Risiko, aber durch Geld nicht zu ersetzen. Bei der TED-Konferenz erzählt sie das wunderbar. Mir zeigt das, dass unsere Art des Wirtschaftens nicht alternativlos ist. Es gibt Alternativen, die sehr menschlich sind.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Kunst, Kultur und Können, Neulich im Internet | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

„Wer weint um die Toten?“

Papst Franziskus auf Lampedusa

Papst Franziskus auf Lampedusa

Seit Beginn des Pontifikates spricht Papst Franziskus von der „Peripherie“, den Rändern der Gesellschaft, zu denen wir Christen aufbrechen sollen.

Wo und was das genau ist, das hat er mit seiner ersten Reise gezeigt: Für uns Europäer ist das Lampedusa, dort, wo das reiche Europa sich gegen die Armut verteidigt. Man geht von 20.000 Menschen aus, die auf dem Meer in 30 Jahren umgekommen sind. Und die, die ankommen, müssen erst mal in Lagern leben.

Papst Franziskus erklärt es nicht, er zeigt es nicht, er fährt selber hin. Was mich am meisten beeindruckt hat war aber nicht die Mahnung, uns unserer Geschwister anzunehmen, die dort vor unserer Tür elendig verrecken. Das ist wichtig und kann gar nicht oft genug gesagt werden. Aber trotzdem: Was mich in seiner Predigt am meisten bewegt hat war nicht das, sondern die Klage des Papstes, dass uns das Wegschauen verändert, dass wir in unserer Gleichgültigkeit das Weinen verlernt haben.

Weinen ist bei uns schambesetzt. Papst Franziskus sagt uns, dass das falsch ist. Wir sollen trauern, um die vielen Menschen, die umkommen, ertrinken oder perverserweise auf dem Wasser verdursten. Er selber hat einen Kranz ins Wasser geworfen um der vielen zu gedenken, an die sonst keiner denkt. Wir verlieren unsere Menschlichkeit, wenn wir nicht hinsehen und helfen und auch wenn wir nicht einmal mehr trauern, nicht weinen können, so die Botschaft des Papstes.

Das sind die Peripherien, dort sind wir als Christen gefragt. Dort schließen sich Menschen in sich selber ein und brechen nicht auf, ein anderes zentrales Thema dieses Papstes. Das ist nicht moralisch gemeint, hier geht es nicht um Appelle an und Aufforderungen zu, hier geht es schlicht darum, wozu wir geschaffen sind: Brüder und Schwestern zu sein, uns zu helfen und umeinander zu weinen.

Gott fragt uns, sagt der Papst, wir Christen sind gefragt, das alles nicht hinzunehmen, die so genannten Fakten, hinter denen wir uns in unserem Wohlstand verstecken, nicht regieren zu lassen. Papst Franziskus rütteln an unseren Herzen und er tut das von dem Ort, der für ihn der wichtigste ist: Die Peripherie, der Rand unserer eigenen Welt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Franziskus, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Glaubens-Funde, Jahr des Glaubens, Papstreise, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 31 Kommentare

Keine Angst vor Kirchenreformen

„Im Leben der Christen und auch im Leben der Kirche gibt es antike Strukturen, vergängliche Strukturen: Es ist nötig, dass wir sie erneuern!“ Das sind die Sätze, die viele vom Papst erwartet haben. In der Predigt am Samstag – der letzten seiner Morgenpredigten vor der Sommerpause, hat er noch einmal das Thema angesprochen, auf das viele in Deutschland warten: Die Reform.

 

„Erinnern wir uns nur an die erste theologische Auseinandersetzung: Um Christ zu werden, ist es da nötig, sämtliche jüdische Praktiken zu befolgen, oder nicht? Nein! [Die ersten Christen] haben gesagt, es ist nicht nötig! Anders- und Nichtgläubige können kommen, so wie sie sind, sie können in die Kirche eintreten und die Taufe empfangen. Das ist eine erste Erneuerung in der Struktur. Und so ist die Kirche immer voran gegangen, im Vertrauen darauf, dass der Heilige Geist diese Strukturen erneuern möge, Strukturen der Kirche. Habt also davor keine Angst! Habt keine Angst vor den Neuigkeiten des Evangeliums! Habt keine Angst vor dem Neuen, das der Heilige Geist in uns bewirkt! Habt keine Angst vor der Erneuerung der Strukturen!“

 

„Neuer Wein in neuen Schläuchen“, das sei das Motto, so Franziskus. Um dann aber das anzuführen, was so gar nicht in die Berichterstattung passt: Christsein bedeutet, sich selbst erneuern zu lassen. Sich selbst, und nicht nur die Hoffnung, dass ein anderer die anderen erneuert.

„Wird der Papst die Kurie reformieren?“, „ist er stark genug?“, das sind so Fragen, die mir in Interviews gestellt werden. Aber ohne den Verweis auf die geistliche Dimension der Reform sind diese Fragen letztlich nicht zu beantworten bzw. bleiben sie an der Oberfläche.

Der Verweis auf den Streit um die Beschneidung unter den ersten Christen zeigt außerdem, dass die Reformdebatte auch eine Selbstanfrage ist: Will ich „meine“ Strukturen verändern, bin ich bereit, von mir und meiner Weise Kirche zu sein abrücken? Kann ich das überhaupt? Das erst ist der geistliche Nährboden für eine mögliche Reform.

 

Angstfrei

 

Dieser Papst ist und bleibt beeindruckend. Sein Reformdenken wird seinen Einfluss haben, sowohl auf die Strukturen hier im Vatikan als auch auf die geistliche Gestalt der Kirche weltweit.

Denn seine Predigt zeigt auch noch etwas anderes: Keine Angst haben – das ist auch ein Charakteristikum seiner selbst. Papst Franziskus hat keine Angst, und das sieht man ihm geradezu an. Die besten Voraussetzungen für Reform, meiner selbst wie auch der Strukturen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Glaube und Welt, Glaubens-Funde, Jahr des Glaubens, Spiritualität / Geistliches Leben | Verschlagwortet mit , , , , , | 10 Kommentare