Nach dem Papstbesuch, vor dem Papstbesuch

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, wenn es in den vergangenen Tagen etwas gehapert haben sollte mit dem Lesen und Freischalten von Beiträgen und so, liegt das daran, dass ich in Kuba bin und das mit dem Internet hier so eine Sache ist.

Als Ausgleich einige Bilder vom letzten Papstbesuch, 2012 durfte ich ja schon mal hier sein, damals noch mit Benedikt XVI. Es hat sich viel geändert. Später dazu mehr, sowohl hier also auch auf unserer Radio-Webseite.

Kuba
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Wer wir sind

Wenn Historiker in 100 oder 200 Jahren zurück blicken werden auf uns, woran werden sie uns messen? Denn messen werden sie uns, genau so wie wir die Vergangenheit messen. Sie werden uns messen an der Art und Weise, wie wir jetzt und heute mit den Flüchtlingen umgehen. Je länger ich die Tragödien hier in Italien und seit kurzem – und es ist verglichen mit Italien wirklich erst kurz – auch nördlich der Alpen beobachte, desto ratloser werde ich einerseits, desto sicherer wird aber auch mein Urteil, dass es genau dies ist, was in der Zukunft an unserer Zeit wichtig ist.

Man kann über Glauben reden und Kirche, über Ökumene und die Synode, über Sexualmoral und all die Themen, die uns immer schon beschäftigen und auch beschäftigen sollen. Wenn es eine wirklich ernste Debatte wird, dann geht es aber nicht darum, sondern um die Flüchtlinge.

So lange haben wir uns auf einen vermeidlich stabilen Nahen Osten verlassen, das Öl gekauft und nicht genau hingesehen? Seit 1918 wahrscheinlich, seitdem Europa nach dem Krieg die Gegend unter sich aufgeteilt hat und den Grundstein gelegt hat für eine Staatlichkeit, die unsere war, die aber gegen alle Zugehörigkeitsgefühle dort ging. Und geht. Wir haben hier im Westen Herrscher erfunden und gestützt, aber das wissen Sie ja alles.

Lange waren die Flüchtlinge ja auch in Italien, das damit nicht fertig wurde, und in Griechenland, das damit nicht fertig wurde, und in Südspanien und auf Malta. Lampedusa ist das Stichwort. Aber jetzt, wo Deutschland wenn auch nur für kurze Zeit seine Grenzen zumacht, dann ist das auf einmal ganz nah dran. Dann ist das eine Niederlage für Europa. Dann fühle ich einen Schock: mein Leben lang gab es scheinbar immer weniger Grenzen, und nun dies.

 

Lange war das alles weit weg

 

Und es reicht auch nicht, mit dem Finger auf die vermeidlich unsolidarischen zu zeigen, auf Polen und Ungarn. Damit ist nichts gewonnen. Werben müssen wir, nicht zeigen. Und dieses Mal können wir anders als in der Finanzkrise auch nicht einfach Geldsummen erfinden und auf den Markt werfen, dieses Mal stehen Menschen bei uns auf der Straße. Weiterlesen

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… Sie als Geistlicher

Als Fortsetzung der Debatte um meinen letzten Beitrag fühle ich mich bemüßigt, auf die Metaebene zu wechseln. Einige Beiträge, die ich frei geschaltet habe, und einige andere, die keine Beiträge sind, können nicht einfach so stehen bleiben. Da ich mich aber verzetteln würde, würde ich auf alles einzeln antworten wollen, versuche ich es also mit einem eigenen Beitrag.

Und zwar geht es um Logik. Es geht darum, wie Argumente funktionieren und wie nicht, was ein Argument ist und wie man miteinander debattiert. Die Klassiker kannten Regeln, nach denen die Logik funktioniert, und einige davon möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich nennen.

Es ist nicht immer ein direkter Bezug zu dem, was im Blog unter den Kommentaren zu finden ist, zu sehen oder intendiert, ich mache den Konflikt vielleicht bewusst schärfer, als er ist, aber dadurch wird einiges klarer.

Beginnen wir mit dem Argumentum ad hominem, wie es heißt, also der Tatsache, nicht das Argument anzugreifen, sondern die Person. „Sie als Geistlicher…“ fällt in diese Kategorie. Es geht nicht um ein Argument, sondern um den, der argumentiert und es wird ganz konkret unterstellt, dass für Geistliche andere moralische Regeln gelten als für den Rest. Das ist natürlich theologisch falsch. Richtig ist, dass öffentliche Figuren Verantwortung haben und klar und deutlich für etwas einstehen. Diese Verantwortung geht aber in alle Richtungen, aus der Tatsache der Verantwortung folgt noch nicht, dass man genau das machen und sagen muss, was erwartet wird. Diese Verantwortung kann auch heißen, dass man genau das Gegenteil machen muss, das Prophetische und das Pastorale gehören beide zum „Geistlichen“, wenn wir mal dabei bleiben.

Eine zweite der vielen logischen Regeln der Rhetorik ist die Petitio principii, also die Figur dass man das, was eigentlich zu zeigen ist, voraussetzt. Beispiel „Pornounterricht“: hier wird die Wertung, vorausgesetzt, aus der folgt, dass die Kirche dagegen sein muss, oder ein Christ, ein Katholik oder wer auch immer. Aber gerade das ist ja die Frage. Wenn ich das voarb schon setzt, dann kann ich nicht mehr miteinander sprechen. Und logisch ist es ein Fehlschluss, logisch folgt daraus nichts.

Dann gibt es noch Onus probandi, im Gericht nennt man das die Umkehr der Beweislast. Wer etwas behauptet, muss zeigen, dass es so ist. Dem Gegenüber den schwarzen Peter zuschieben ist kein sauberes, ehrliches Argumentieren. Das klingt mächtig, kommt aber meistens klein daher wie in der Formulierung „aber X ist doch …“. Das kann man machen, man schiebt durch das Wort „doch“ aber dem Gegenüber die Aufgabe zu, zu zeigen. In der Schule ist das gut und richtig, will man sich aber mit einem Thema auseinander setzen, dann muss man selber auch Argumente haben.

An dieser Stelle noch mal ein Lob der Menschen, die sich hier im Blog beteiligen. Auch wenn ich manchmal zugespitzt reagiere, finde ich die Debatten gut, sonst würde ich das ja auch nicht machen. Aber manchmal – und in der vergangenen Woche öfters – gibt es eben auch Formen der Debatte, die man auch mal genauer unter die Lupe nehmen darf.

Klingt das Oberlehrerhaft? Herablassend? Vielleicht. Das tut mir Leid. Aber die als Argumente getarnten Angriffe – die meisten davon nicht frei geschaltet, also nicht aufregen – brauchen halt manchmal Licht, um sie als das zu erkennen, was sie sind.

 

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Sitten sind das!

Schamlos: Ohne Papst kommt auch diese Ausstellung nicht aus

Schamlos: Ohne Papst kommt auch diese Ausstellung nicht aus

Selbst der Vatikan-Fragebogen zur Familie hat es mittlerweile ins Museum geschafft: In Bonn dreht sich eine kleine aber gute Ausstellung um die Sexualmoral der Deutschen seit dem Krieg. Einige Päpste sind zu sehen – Franziskus und Paul VI. auf Spiegel-Titeln – und eben der Fragebogen mit einigen Antworten aus dem Erzbistum München und Freising.

Die Ausstellung im Haus der Geschichte spricht im Titel vom Wandel der Sexualmoral. Da steht zwar ein Fragezeichen, aber genau diese Veränderungen werden gezeigt. „Schamlos“ heißt diese Ausstellung, die einen Wandel zeigen will.

Was mir aber in all dem viel interessanter erscheint, ist was sich durch all den Wandel eben nicht geändert hat. Man kann sagen, dass die Sexualmoral viel freier, unverkrampfter geworden sei, weniger bigott. Aber gleichzeitig haben sich viele Dinge nicht geändert, und man muss schon zwei Mal hinsehen, um das zu entdecken.

Da ist der Hingucker-Effekt. Nackte Haut war sehr viel weniger zu sehen, aber das angeblich so verruchte war auch in den 50er Jahren ein Magnet, genau so wie es die viele Nacktheit in der Öffentlichkeit heute ist. Und auch die Ausstellung kann es sich nicht verkneifen, damit zu spielen, siehe Foto weiter unten.

 

Sex sells nun mal

 

Auch die Rollenzuschreibungen haben sich nicht unbedingt gändert. „Die Frau als Hüterin der christlichen Familie wählt CDU“ würde heute zwar keinem Parteiorganisator mehr einfallen, aber trotzdem bleiben die Rollen doch ziemlich fix, bei allem Wandel. Auch hier hilft der Blick auf das Foto weiter unten: Sex sells, und zwar der weibliche. Weiterlesen

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Bekehrung der Strukturen

Wenn der Papst von Reform spricht, dann spricht er meistens vom Amt des Bischofs. Was ja auch selbsterklärend ist, denn das Bischofsamt ist das Leitungsamt. Bereits in Rio, bei seiner ersten großen Reise, hat er den Bischöfen einiges ins Stammbuch geschrieben („Was Franziskus von den Bischöfen will“), in Evangelii Gaudium ebenfalls. Es geht um die „Psychologie von Prinzen“ und dergleichen, „Der Bischof muss leiten, was nicht dasselbe ist wie sich als Herr aufzuspielen“ hat er in Rio gesagt. in Kritik und Warnung vor Versuchungen ist der Papst immer sehr stark.

Es ist auch eine notwendige Debatte, weil die Frage nach Leitung immer wieder laut gestellt wird, was ich hier ja auch schon einmal aufgegriffen habe. Es ist die Frage hinter der Debatte zur Bedeutung der Synode und so weiter.

Aber es geht auch anders herum, was wir heute gesehen haben. Papst Franziskus ändert das Kirchenrecht in Sachen Ehenichtigkeitsverfahren. Und dabei weist er den Bischöfen die zentrale Rolle zu. Bereits in Rio gab es dieses Thema: „Die Bischöfe müssen Hirten sein, nahe am Volk, Väter und Brüder, mit viel Milde; geduldig und barmherzig“.

Deswegen bekommt der Bischof auch in der Kirchenrechtsänderung von heute eine wichtige Rolle. Nicht der Bischof als Bistumsverwaltung, sondern die Person des Bischofs. Er kann nun selber in offensichtlichen Fällen selber entscheiden, ohne dass eine zweite Instanz automatisch involviert wird. Außerdem verfügt der Papst, dass der Bischof das nicht vollständig delegieren darf, er muss also selber an diesen Verfahren beteiligt sein.

Die Frage, ob eine Ehe überhaupt nach katholischem Verständnis eine wirkliche und gültige Ehe ist und jemals war, wird also nun pastoraler. Immer wieder hatte es – nicht zuletzt bei der Synode – Beschwerden gegeben, dass es in vielen Ländern fast unmöglich sei, eine solche Frage beantwortet zu bekommen, weil die Strukturen dazu zu weit weg wären und damit das Ganze viel zu teuer. Das darf nicht sein, sagt Papst Franziskus. Es braucht eine „Bekehrung der Strukturen“, damit diese näher bei den Menschen sind. Es soll und muss pastoraler werden.

Der Papst zitiert selber sein Schreiben Evangelii Gaudiumm und es lohnt sich wirklich, in Sachen Reform das Ziel, das da genannt wird, nicht aus den Augen zu verlieren: „Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Bekehrung der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des „Aufbruchs“ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet. Wie Johannes Paul II. zu den Bischöfen Ozeaniens sagte, muss ‚jede Erneuerung in der Kirche […] auf die Mission abzielen, um nicht einer Art kirchlicher Introversion zu verfallen’.“ (Nr. 27)

 

NB: Ich habe im Zitat abweichend von der offiziellen Übersetzung conversión (Originaltext) nicht als „Reform“, sondern als „Bekehrung“ übersetzt, wie auch alle anderen Sprachen: conversione, conversion und so weiter. Das ist ein religiös aufgeladenes Wort, das man nicht nur als „Reform“ wiedergeben kann.

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Betonwald

von weitem: die Kapelle, die nicht aussieht, wie eine Kapelle

von weitem: die Kapelle, die nicht aussieht, wie eine Kapelle

Wer sie kennt, wird zustimmen: wenn man auf die Bruder Klaus Kapelle in der Eifel zugeht und nicht weiß, was es ist, wird man auf alles Mögliche kommen, nur nicht auf eine Kapelle. Ein übergroßes Umspann-Haus vielleicht, ein Silo, ein aufgegebener Rohbau. Aber keine Kapelle.

Natürlich ist es moderne Architektur, Peter Zumthor hat schon schon einige wunderbare Bauten aus Beton geschaffen, als erstes fällt mir das Kolumba-Museum in Köln ein.

Aber es ist auch sperrig. Ein wenig wie der Heilige selbst auch, der dort verehrt wird, Bruder Klaus von der Flühe. Der erschließt sich heutigem Denken und Empfinden auch nicht unmittelbar: Ein Mann, der Frau und Familie zurück lässt und sich in die Einsamkeit zurück zieht. Und die Kirche findet das auch noch gut? Sehr sperrig.

So passen Form und Inhalt dort in der Eifel gut zusammen. Aber das gilt nicht nur für den Blick aus der Ferne. Die Kapelle drinnen bildet sozusagen ein Negativbild der Ranft, also des Tals in der Schweiz, in das sich Bruder Klaus zurück gezogen hatte. Im vergangenen Jahr war ich einmal dort, in der Schweiz und habe mir das Original angesehen.

Gebaut wurde sie, indem Beton auf Baumstämme gegossen wurde, die aufgestellt wurden. Wo die Stämme zusammen kommen, blieb ein Loch, auch in der Kapelle. Die Bäume wurden dann angezündet und so entstand das Negativbild. Es ist nicht naturalistisch oder irgendwie anbiedernd, aber man versteht dort drin, eng und dunkel wie es ist, ein wenig vom Eremitendasein von Bruder Klaus. Dramatisch ist es, vielleicht mehr als das ein Eremit damals erlebt hat, aber das darf Architektur ja auch.

Was die Kapelle aber ausmacht ist der Automatismus des Halses, den sie auslöst. Automatisch – man kann sich gar nicht dagegen wehren – geht der Kopf in den Nacken und der Blick nach oben. Bei gotischen Kathedralen kennen wir das ja, aber in dem engen Raum dieser Kapelle ist das frappierend. Man kann gar nicht anders, als nach oben zu blicken. Und da sich der Fixpunkt direkt über den Köpfen befindet, findet das Auge auf dem Weg nach oben keinen Halt, man muss ganz in den Nacken mit dem Kopf.

Diese Architektur macht etwas mit dem Betrachter. Ein gutes Prinzip für eine Kapelle.

Bruder Klaus Kapelle
Der Eingang zur Kapelle
Eingang
Kerzen und Büste des Heiligen
Blick nach oben
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Naipauls Argentinien

Verstehe einer Argentinien. Es ist ein Land, das eigentlich alles hat, um ein wohlhabendes, reiches Land zu sein. Bodenschätze, Land, Kultur, die Zutaten sind alle da. Und doch, irgendwie klappt es nicht. Irgendwie schrammt das Land immer wieder am Bankrott oder an Militärputschen vorbei, durch eine Geschichte von Caudillos und Militär, Gewalt und Ausbeutung.

Es hilft, etwas vom Land zu verstehen, will man den Hintergrund ertasten, aus dem unser Papst stammt. All das steckt ja in seinen Erinnerungen, seiner Familiengeschichte, seiner kulturellen Prägung, wie bei uns und unseren Kulturen das ja auch gilt.

Aber der Sommer ist zu warm für Geschichtsbücher und eine Reise kommt nicht in Frage. Also was tun? V.S. Naipaul lesen. In irgendeiner der Franziskus Biographien wird erwähnt, dass der Nobelpreisträger ein Buch über Amerika geschrieben hat, in dem Argentinien ausführlich erwähnt und bereist wird, aus der Perspektive eines Literaten und Reisejournalisten. Für den Sommer das Richtige, und die Qualität des Schriftstellers – und seiner Übersetzung – lässt etwas verstehen, was alles in diesem Land und seinen Menschen drin steckt.

 

Mit Beobachtung und Unverständnis

 

Naipaul, der selber nicht aus dem Land stammt, beschreibt den Reichtum aber gleichzeitig auch das Unverständnis, dass daraus nichts gewachsen ist. Mit klarem Blick und manchmal wunderbar beiläufigen, immer klug beobachteten und nie aufdringlichen Beschreibungen nähert er sich dem Land und seiner Regierung. Der Schatten von Eva Perón und damit die gesamte jüngere Geschichte des Landes durchzieht die Kapitel des Buches, die von Argentinien handeln. Wie könnte es auch anders sein. Weiterlesen

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Beten ist Handeln

Der Papst hat unmittelbar reagiert. Der Vorschlag, einen gemeinsamen Gebetstag für die Schöpfung einzuführen, wurde bei der Vorstellung der Enzyklika Laudato Si’ durch den Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche ausgesprochen, und noch in diesem Jahr findet der Tag statt.  Der Papst verliert keine Zeit.

Die orthodoxe Kirche hat den Zeitpunkt vorgegeben, für ihren liturgischen Kalender ist es der Beginn des Kirchenjahres, es ist also der Verweis auf den Beginn, die Schöpfung.
Diese Symbolik geht uns zwar bei diesem Datum verloren, dafür gewinnen wir die Gemeinsamkeit. Es ist ein ökumenischer Schritt. Und die klare Aufforderung des Papstes an Kardinal Kurt Koch, den Ökumene-Verantwortlichen im Vatikan, das auch mit dem Weltkirchenrat zu koordinieren zeigt, dass es nicht nur um die Ökumene mit der Orthodoxie geht.

Dieser Tag ist also heute.

Hilft denn Beten? Einmal abgesehen von theologischen Überlegungen über die Rolle des Gebetes im Leben, über die ich gerne auch einmal etwas hier schreiben möchte und bestimmt auch einmal werde, bleibt auf jeden Fall eine Dimension erhalten. Das Beten verweist auf die Grund-Haltung gegenüber der Umwelt oder Mitwelt. Es verweist darauf, dass wir sie empfangen haben.

„Sich die Erde untertan machen“ wird die Schrift meistens zitiert, Papst Franziskus hat das wiederholt – in seiner Predigt beim Amtsantritt zuerst und dann bis zur Enzyklika immer wieder – als „sich sorgen um“ ausgelegt. Gott bleibt der Herr der Schöpfung, auch wenn sie uns anvertraut ist, könnte man es übersetzen. Wir sind nicht Herren der Schöpfung wie Gott unser Herr ist. Wir stehen neben und inmitten der anderen Geschöpfe.

Das gemeinsame Beten hat nur dann Sinn, wenn ich das akzeptiere. Wenn ich meine, dass ich den Bezug zu Gott brauche und mich in Beziehung zu Gott verstehe, dann drücke ich das im Beten aus. Beten verschiebt nicht das Tun. Es ersetzt es nicht, aber es gibt dem Handeln eine Grundlage.

Beten setzt die Beziehung zu Gott in den Kern des Handelns.

Und damit wäre ja schon einmal ein erster Schritt getan hin zur „ökologischen Umkehr“, wie sie Franziskus fordert. Nicht wir sind die Kategorie, an der sich in der Welt alles entscheidet. Ohne die Beziehung zu Gott geht gar nichts. Auch nicht – und an diesem Gebetstag gerade nicht – unser Einsatz für eine gerechtere Welt.

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Wieder da

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Sommer war hier im Blog ziemlich leer, ich war zwar nicht im Urlaub, aber die Redaktionsarbeit war wie üblich ziemlich anstrengend. Aber jetzt ist auch der Blog wieder da.

Und Themen bieten sich ja an. Zuerst ist da die Reise nach Kuba und in die USA, wo ich dabei sein werde. Darauf freue ich mich richtig, mit Benedikt XVI. war ich ja schon einmal auf Kuba, jetzt zu sehen, wie sich die Kirche dort entwickelt finde ich sehr spannend.

Die USA sind für mich noch völliges Neuland, da war ich noch nie. Meine Neugierde ist da, es kann also eine gute Reise für mich werden.

Dann kommt die lange und mit Spannung erwartete Synode. Und vieles mehr.

Schön, dass Sie wieder dabei sind.

P Bernd Hagenkord

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Der Sommer

Pause_icon_statusDieser Blog war in der jüngsten Zeit etwas arg monothematisch. Familiensynode und die Enzyklika Laudato Si‘ haben sehr viel Platz in meinem Hirn eingenommen, und das hatte Auswirkungen. Das soll aber nun, nach der Lateinamerikareise des Papstes, anders werden. Es gibt ja auch noch viele andere schöne Themen und Beobachtungen, die hierher passen und die ich habe liegen lassen müssen, weil die Menge RAM in meinem Kopf nun Mal beschränkt ist.

Die Familiensynode wird uns weiter beschäftigen, das Thema sogar über den Oktober hinaus. Aber anderes wird seinen Platz haben. Kuba zum Beispiel: Ich habe das Vergnügen, zur Papstreise wieder dorthin fahren zu dürfen, wie 2012 schon bei der Reise von Benedikt XVI. Und dann die USA, auch da darf ich dabei sein, nach einer Einreise direkt von Kuba aus.

Und das sind allein die päpstlichen Themen, mehr, viel mehr wird dazu kommen.

Aber – und hier die Message von heute – all das nach einer Sommerpause. Die Redaktion bei uns wird kleiner, die Urlaube stehen an, da gönne ich mir in den kommenden Wochen eine Blog-Auszeit.

Über den Newsletter von RV werden Sie erfahren, wann es weiter geht, spätestens im September. Bis dahin einen schönen Sommer und auf bald.

 

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