Wiederholungstäter

Und er hat es wieder getan. Eugenio Scalfari, Gründer und langjähriger Leiter der Zeitung La Repubblica, hat wieder ein Gespräch mit dem Papst geführt und wieder hat er daraus einen Artikel gemacht und wieder hat er direkte Zitate gebracht, die nicht autorisiert waren – was journalistischer Usus ist – und die auch nicht auf Aufzeichnungen beruhen, weder schriftlich noch per Rekorder. Der Herr in seinem hohen Alter hat sich auf sein Gedächtnis verlassen.

Da es aber um so heikle Themen geht wie Pädophilie und die Mafia finde ich das ziemlich haarsträubend. An alle, die jetzt einige der Aussagen gerne für wahr halten würden: Wer Mindeststandarts nicht einhält, bei dem ist kein Satz zu glauben.

 

Gedrehte Geschichte

 

Was diesen Text aber auch interessant macht ist die Tatsache, wie darüber berichtet wird. SPON zum Beispiel macht daraus die Geschichte des vatikanischen Einspruchs und räumt Vatikansprecher Federico Lombardi viel Platz ein. Die Geschichte wird sozusagen gegen die Zeitung gedreht. Erst nimmt man also die Zitate auf, dann – nach Lombardis Intervention – kommen den Redaktionen Zweifel. Man glaubt also nicht mehr alles, nur weil es in italienischen Zeitungen steht. Weiterlesen

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Vor einem Monat erst

giardini vaticaniMan erkennt ihn kaum: ganz am Ende des Rasenstücks, in der Lücke zwischen den Hecken und unter dem Bogen, steht der Olivenbaum, der seit einem Monat in den Vatikanischen Gärten wächst. Gepflanzt vom Papst, von den Präsidenten Peres und Abbas und von Patriarch Bartholomaios, nach den Friedensgebeten. Auf dem Weg zu einem Interview bin ich an dem Rasenstück vorbei gekommen. Einen Seufzer kann man beim Anblick fast gar nicht unterdrücken. Zu aussichtslos scheint die aktuelle Lage, die von Panzern und Raketen dominiert wird. Ein allzu bekanntes Bild.

Die Hoffnung, die von da aus damals ausging, ist offenbar längst verpufft. Die alte Hassplatte spielt ihre Musik. Zur Erinnerung, dass es Menschen gibt, die aus diesem Teufelskreis heraus wollen, heute hier das Bild des Baumes.

 

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Troll-Brigade

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, die FAZ hat es vorgemacht, einen Artikel gegen die Trolle im Netz. Wer sich umtut auf Blogs und Seiten mit Kommentarfunktion oder gar an der Empfängerseite der Post sitzt, der wird bei der Lektüre des wunderbar unaufgeregten Artikels mehrfach mit dem Kopf nicken. “Meine Tage im Hass” heißt es da bei faz.net, zur Reflexion empfohlen. Denn auch das ist Teil unserer “Kultur”, wenn wir es denn so nennen wollen.

Kein eigener Beitrag von mir heute, einfach mal eine Lektüreempfehlung. Die Taktik des lauten Vorlesens verfolge ich übrigens auch, egal ob gerade jemand zuhört oder nicht. Und das absurdeste wird aufgehoben, in einem eigenen Ordner. Sonst glaubt einem das ja keiner.

 

 

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Papstfußball

fussballEiner der Nachteile des Rücktritts Papst Benedikt XVI.: Heute will jeder wissen, ob der argentinische Papst und der deutsche emeritierte Papst zusammen Fußball schauen werden. Boulevardblatt und ernsthafte Zeitung, Nachrichtenagentur und Fernsehsender, Radio, Radio, Radio: Alles wollen wissen, ob Franziskus Fußball geschaut hat und ob er am Sonntag – am besten noch gemeinsam mit Benedikt – Fußball schauen wird.

Liebe Kollegen, ich verstehe euch ja. Das ist so schön menschlich, eine richtig klasse zu erzählende Geschichte rund um die Weltmeisterschaft, über die bislang alles schon erzählt wurde, drei bis vier mal. Es ist also was Neues an einem Tag, an dem es sonst nichts Neues zum Fußball gibt.

Aber ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Und ehrlich gesagt: Interessiert es mich auch nicht wirklich. Die beiden – Franziskus und Benedikt – haben auch ein Recht auf ein wenig Privatleben, selbst wenn das eine so schöne Story wäre.

Also: Bitte nicht mehr anrufen!

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Gewaltenteilung und ‘checks and balances’ im Vatikan: Es riecht nach Reform

„Wann macht er endlich mal was?“ Die Frage wird Ihnen vertraut vorkommen, manch einer wird sie sich selbst auch schon mal gestellt haben. Hintergrund: Ist Papst Franziskus nur Wort oder folgen dem auch Taten?

Sie folgen. Zum Beispiel heute. Der Papst ist über die letzten Monate ein Problemfeld angegangen, was er eigentlich noch nicht sofort angehen wollte, das sich dann aber aufgedrängt hatte, nämlich das Feld der Finanzen, der Vatikanbank, der Verwaltung der Vermögen und so weiter.

Er hat ein eigenes Sekretariat und einen Rat dazu gegründet, und der Leiter dieses Sekretariats, Kardinal George Pell, hat das in einer Pressekonferenz erläutert. Und da fallen Worte wie „Gewaltenteilung“, „Checks und Balances“, da wird berichtet, dass alle Mitglieder des Gremiums gleichberechtigt sind, gleich ob sie Priester sind oder nicht. Kardinal Pell bezeichnet das als „neu im Vatikan“, und dem kann ich nur zustimmen.

Sein Bezugspunkt ist interessanterweise derselbe wie der, den Papst Franziskus immer wieder nennt: Die Beratungen der Kardinäle vor dem letzten Konklave. Die wollten Reform und die wollten Veränderung.

Und dafür gibt es jetzt auch die Strukturen. Papst Franziskus hat zum Beispiel in einem heute veröffentlichten Rechtsakt die Güterverwaltung des Vatikan neu geordnet, die Budgeterstellung und all das andere, was man als Finanzministerium eines Landes so macht, denn genau dazu entwickelt sich das Sekretariat, wenn man einen außerkirchlichen Vergleich sucht. Pell selber vergleicht das eher mit der Leitung einer Uni, aber das können Sie dann selber entscheiden.

Um zur Frage zurück zu kommen: Ja, er macht was. Die Reform passiert.

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Ein Schritt, nicht nur Symbolismus

Das Thema ist nicht vorbei. Ein Treffen des Papstes mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt und von Missbrauch ist ein Schritt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Vertreter von Betroffenen haben das Ereignis im Vatikan als „Public Relations Event bezeichnet“, nachzulesen bei der BBC oder USANews, um nur zwei zu nennen.

Leere Stellungnahmen seien das, reiner Symbolismus. Geld müsse fließen, etc., je nach Vertreter sind die Schwerpunkte der Kritik verschieden. Und ein Punkt dabei stimmt ja auch: Wenn der Papst sagt, dass Bischöfe und andere kirchliche Obere daran gemessen werden, wie sie sich um den Schutz Minderjähriger kümmern, dann ist das erst einmal ein Wort. Die Umsetzung muss – soweit sie noch nicht existiert – folgen. Hier gibt es aber bereits in einigen Ländern klare Strukturen, und die sechs Betroffenen kommen auch aus solchen Ländern.

 

Wut, Zorn, Erinnerung

 

Auch in diesem Blog sind Kommentare eingestellt worden, die verlangen, dass dieses oder jenes noch gehört und gelesen werden soll. Wegen des beschimpfenden Charakters der Texte habe ich die dann nicht eingestellt, aber die Tatsache dass sie gibt zeigt doch, dass es immer noch nicht einfach ist, über das Thema zu sprechen.

Der Papst hat in seiner Predigt am Montag wie ich finde gute Worte gefunden. Und Pater Hans Zollner im Interview mit mir auch. Er kennt zwei der Betroffenen, er hat die angespannte Atmosphäre vor dem Treffen mitbekommen, aber auch das, was er Dankbarkeit, Gelöstheit und Hoffnung nennt. Weiterlesen

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Humildemente pido perdón: Papst Franziskus predigt vor Missbrauchopfern

Seit 2010 ist das Thema „Missbrauch an Minderjährigen“ bzw. „Sexualisierte Gewalt in der Kirche“ auf der Tagesordnung. „Vorbei“, wie einige zu Hoffen glauben müssen, ist es noch lange nicht, zu viel Schaden ist angerichtet, zu viele Narben sind geschlagen worden.

Papst Benedikt hatte sich einige Male Missbrauchsopfer getroffen, nun auch Papst Franziskus. Wie sein Vorgänger empfing er nur eine kleine Gruppe, um – wie sein Sprecher Pater Federico Lombardi in der Pressekonferenz dazu sagte – tiefere Gespräche zu ermöglichen, die es in großen Gruppen so nicht geben kann. Die Menschen kamen aus Irland, Deutschland und England.

Davor hatte der Papst in der Morgenmesse mit den Opfern, ihren Angehörigen bzw. Begleitern und den Angehörigen der neuen Päpstlichen Kommission zu diesem Thema gepredigt, ungewöhnlicherweise nicht auf Italienisch, sondern in seiner eigenen Sprache, Spanisch. Auch wenn nicht alle Leser diese Sprache lesen können, möchte ich den gesamten Text hier zur Verfügung stellen:

 

Die Predigt von Papst Franziskus bei der Morgenmesse am 7. Juli.

 

La imagen de Pedro viendo salir a Jesús de esa sesión de tortura e interrogatorio, de Pedro que se cruza la mirada con Jesús y llora. Me viene hoy al corazón en la mirada de ustedes, de tantos hombres y mujeres, niños y niñas, siento la mirada de Jesús y pido la gracia de su orar. La gracia de que la Iglesia llore y repare por sus hijos e hijas que han traicionado su misión, que han torturado inocentes por el camino de los abusos. Y hoy estoy agradecido a ustedes por haber venido hasta aquí.

Desde hace tiempo siento en el corazón el profundo dolor, sufrimiento, tanto tiempo oculto, tanto tiempo disimulado con una complicidad que no, no tiene explicación, hasta que alguien sintio que Jesus miraba, y otro lo mismo y otro lo mismo… y se animaron a sostener esa mirada. Weiterlesen

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Scheuklappen-treu

Was ist eigentlich „Papsttreue“? Immer mal wieder begegnet man auf dem Markt der Meinungen in der Kirche diesem Attribut, und immer lässt es mich ratlos zurück. Wie auch heute, als uns in der Redaktion eine Pressemitteilung erreichte, die vom „Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen“ kam. Es ging um Limburg und um Bischof Tebartz-van Elst.

Die Mitteilung beginnt so: „Was viele erwartet haben, hat sich nun in vollem Umfang bestätigt: Der auf Druck der Medien zurückgetre­tene Bischof von Limburg Tebartz van Elst ist nach dem geltenden Recht in jeder Hinsicht rehabilitiert, nachdem endlich auch die zuständige Staatsanwaltschaft das Untersuchungsverfahren gegen ihn eingestellt hat.“

Ist es also ein Ausweis von Papsttreue, wenn man die Tatsachen ignoriert, die sich in dem sehr umfangreichen Untersuchungsbericht finden? „Auf Druck der Medien zurückgetretene(r) Bischof“ ist absurd, wenn man studiert, was dort geschrieben steht. Dass die Verantwortung nicht allein auf den Schultern einer Person lastet, steht ja auch in dem Bericht, aber von Rehabilitierung zu sprechen, dazu braucht es schon ein großes Paar Scheuklappen.

Der Vorwurf der Untreue träfe nicht zu, heißt es in der Pressemittelung weiter. Die angeführte Begründung: Die Staatsanwaltschaft eröffnet kein Verfahren. Und was ist mit den im Untersuchungsbericht geschilderten Vorgängen? Auf 108 Seiten werden diese Vorgänge in schmerzlich zu lesenden Details dargestellt. Sie betreffen nicht nur den Bischof, aber eben auch.

Aber ich wollte ja über „Papsttreue“ sprechen: Wahrhaftigkeit ist eines der Worte, die mit in Bezug auf die beiden Päpste einfällt, denen ich bisher hier in Rom begegnet bin. Der Realität ins Auge sehen gehört dazu. „Wahrheitstreu“ wäre ein Wort, was mir als Ergänzung einfiele. Weiterlesen

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Die vernetzte Religion

Letzter Akt meiner Reise war in der vergangenenKAS Berlin Woche die Teilnahme am „Adenauer-Lab“, einer Veranstaltung der Adenauer Stiftung in Berlin. Sechs Leute sollten nicht länger als zehn Minuten über Wandel und Veränderung durch Internet und soziale Medien sprechen. Unter anderem auch ich. Meinen Text – ich musste ihm beim Lesen kürzen, damit er unter zehn Minuten blieb – war Folgender:

 

Vorweg: Sie haben jemanden aus dem Vatikan gefragt. Meine Perspektive ist hier und heute die des Christentums. Internet-Rekrutierung durch Islamisten etc. ist ein Thema, aber nicht meins, nicht hier und heute.

Ich möchte Ihnen aus meiner Praxis fünf Beobachtungen vorstellen, zusammen gefasst in 5 Thesen.

 

These 1, oder die Frank Schirrmacher These

Es gibt vor allem in den USA die Vorstellung, die Zunahme der Wichtigkeit des Internets führe gleichzeitig zu einer Abnahme der Wichtigkeit von Religion. Zahlen glauben, das auch belegen zu können. Die Begründung dahinter: Religion wird durch Wissen besiegt, Internet stellt Wissen unkontrolliert und unzensiert zur Verfügung, daraus folgt eben ein Mehr an Aufklärung. Hier interessiert mich die zweite Annahme: Internet stellt Wissen zur Verfügung. Das tut es nicht.

Sie buchen eine Reise, sind dann bei Amazon unterwegs und bekommen Bücher zum Reiseziel angeboten. Das Phänomen kennen wir alle. Algorithmen bestimmen, was wir zu sehen bekommen.

In den USA gibt es bereits Software, die Nachrichten schreibt. Nachrichten schreibt, für Webseiten.

Packen wir das eine mit dem anderen zusammen, dann gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass in nicht allzu langer Ferne jeder von uns spezifische Nachrichten generiert bekommt. Sprachstil und Inhalt, je nach eigenen Präferenzen.

Und die Orientierung ist der Konsum. Nicht die Aufklärung. Auf die Religion angewandt: Es entsteht im Netz eine marktgerechte und konsumorientierte Form von Religion und Religionsdiskurs.

 

These 2, oder die Blog-These

Seit 2011 betreibe ich meinen eigenen (diesen) Blog. Da versammeln sich in der Kommentar-Spalte alle möglichen Meinungen. Und wenn ich im Netz auf anderen Blogs herumlese, oder besser noch auf anderen sich mit Glauben und Kirche befassenden Seiten, dann zeigt sich ein Bild: Selten kommt es zu einer wirklich interessanten Debatte. Web 2.0 ist also noch weit weg, wirkliches Engagement wird nur von einer wirklich sehr kleinen Gruppe betrieben. Weiterlesen

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+++ bin unterwegs +++

Ab dem 17. Juni bin nicht für zwei Wochen unterwegs, unter anderem um in der Schweiz Beiträge für die Sommerserie von Radio Vatikan zu machen. Danach geht es hier munter weiter. Also bis bald …

Kloster Einsiedeln

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