Seine Apostel – In Konferenz

Es ist ein sprachlicher Stolperstein: in Evangelii Gaudium spricht der Papst von „authentischer Lehrautorität“, einem so deutlich technischen Begriff, der irgendwie gar nicht in den Rest des Schreibens passen will. Und dann scheint er ihn auch noch mit dem Wort „gewissen“ zu relativieren oder anzupassen (Nr. 32). Da ist ein Gedanke, der noch der weiteren Entwicklung bedarf, scheint mir der Satz zu sagen.

Auf jeden Fall ist es das deutlichste Anzeichen für das, was später Dezentralisierung genannt wird, und durch das Wort „Lehrautorität“ wird klar, dass es um die wichtigen Dinge geht, die dezentralisiert werden wollen, nicht nur um Nebensächlichkeiten.

Erste Konferenz der deutschen Bischöfe 1848

Erste Konferenz der deutschen Bischöfe 1848

Der Referenztext dazu stammt aus dem Jahr 1998, es ist das Motu Proprio „Apostolos Suos“ von Papst Johannes Paul II., in dem er auf die Bischofskonferenzen eingeht. Das ist auch der Text, den Papst Franziskus zitiert.

Erstens ist wichtig zu notieren, dass Kollegialität und Autorität des Einzelnen sich nicht gegenseitig schädigen. Absatz drei macht das ganz klar: Hier wird keine Verantwortung an ein Gremium übergeben, ein Bischof bleibt ein Bischof.

 

Partikularkonzile

 

Dann wird es aber gleich spannend, denn um zum Thema Bischofskonferenz zu kommen, wählte Papst Johannes Paul II. den Weg über die historische Entwicklung, und die lief über Partikularkonzile. Der Text betont ausdrücklich, dass das heutige Kirchenrecht immer noch Regelungen für solche Konzile vorsieht [CIC Can 439 § 2, Can 440 ff.]. Man muss also sagen, dass die Idee Franziskus’ mit der lehramtlichen Autorität vielleicht sprachlich neu ist, die Idee hatte schon Johannes Paul. Das Kirchenrecht kennt sogar Provinzialkonzile, also Konzile für eine Kirchenprovinz, mehrer zu einem Erzbistum gehörende Bistümer.

Mir ist nicht bekannt, wann das letzte mal so ein Partikularkonzil abgehalten wurde, und vielleicht ist das ja auch der Name nicht mehr wirklich hilfreich, zu beladen mit Erwartungen. Aber es bleibt die Tatsache, dass wir die Figur der lehramtlichen Autorität außerhalb des Papstes und der allgemeinen Konzilien bereits kennen.oesterreichische-bischofskonferenz_px

Eine Einschränkung: Ich bin mir bewusst, dass ich mich auf wackligem Grund und Boden befinde, bin ich doch weder ein Kirchenrechtler noch ein Fachmann in Sachen Lehramt.

Mit dieser Einschränkung aber lese ich einfach mal weiter das Dokument aus dem Jahr 1998: Es geht um das Entstehen von Kollegialität, was nicht dasselbe ist wie Gemeinschaftsleitung. „Austausch von Kenntnissen und Erfahrung“ und „gegenseitige Beratung“ ist gefordert (Nr. 4). Konkrete Kollegialität unter den Bischöfen und dann auch unter den verschiedenen Konferenzen hebt die Verantwortung nicht auf, die mit der Leitung der Kirche einher geht. Es ist keine Kollektivleitung (Nr. 7, 10 und vor allem N. 20).

 

Kirche ist keine Föderation

 

Das macht es natürlich schwer, von „gewissen authentischem Lehramt“ zu sprechen, wie Papst Franziskus es tut. Der Schlüssel dazu scheint mir der Begriff „Einheit“ zu sein, den der Text entwickelt. „Die höchste Gewalt, die die Körperschaft der Bischöfe (..) besitzt, kann von ihnen nur kollegial ausgeübt werden.“ (Nr. 9). Voraussetzung ist, dass der Papst dazu aufruft, die Handlung billigt oder frei annimmt. Das ist genau das, wovon der Papst in Evangelii Gaudium spricht.

dbk-logo-01_2Bischofskonferenzen können also nur mit Blick auf die Einheit Leitung wahrnehmen, nicht mit Blick auf die Partikularität. Soll heißen: Wenn etwas die Einheit schädigt, dann geht es nicht.

Die Kirche ist eben keine „Summe der Teilkirchen“ noch eine „Föderation von Teilkirchen“ (Nr. 12), sie ist eine einzige Kirche. Das erst gibt der Dezentralisierung überhaupt ihren Rahmen.

Lesen wir weiter: Das Kirchenrecht ist sehr klar, was die Aufgaben der Bischofskonferenzen angeht. Es geht um pastorale Aufgaben, um Formen und Methoden des Apostolates und um die zeitlichen und örtlichen Umstände, denen diese Pastoral angepasst werden muss (CIC Can 447). Lesen wir dazu Evangelii Gaudium und den Wunsch des Papstes, die Kirche in einen Zustand „permanenter Mission“ zu versetzen (EG 25),  dann passen diese Dinge sehr gut zusammen. Überhaupt fällt der Begriff der „authentischen Lehrautorität“ bei Franziskus unter anderem im Zusammenhang mit der „pastoralen Neuausrichtung“ (EG 32).

Das ist aber nicht der einzige Zusammenhang, ein zweiter muss erwähnt werden, und zwar die Form der Primatsausübung, also das Amt des Papstes. Auf dem Weg, sich neuen Situationen zu öffnen, sei man seit Johannes Paul II. wenig vorangekommen, so die Analyse des Papstes. Dazu lesen wir dann Canon 753 des Kirchenrechtes, der von der Lehrautorität der Bischöfe spricht, sowohl einzeln als auch als Bischofskonferenz. Johannes Paul II. selber spricht in Apostolos Suos ebenfalls davon, dass im Fall der Einmütigkeit „authentisches Lehramt“ der Bischöfe in einer Konferenz gegeben ist (Nr. 22).

Ich mag nicht spekulieren, was genau der Papst meint, aber seine logo_sbkEinladung, nachzudenken über eine Weiterentwicklung und eine Anpassung der Regelungen der Kirche findet sicherlich hier sehr viel Nahrung.

Es gibt noch keine Lösung. Das ist erst einmal der erste, was ich aus meiner morgentlichen Lektüre mitnehme.

Zweitens: Die Worte des Papstes haben eine Vorgeschichte. Das Erstaunen über die Radikalität des Papstes mag berechtigt sein, aber der Papst greift nicht einfach Ideen aus der Luft. Das hat alles Hand und Fuß.

Drittens erfinden wir hier nichts revolutionär Neues. Die Kirche der Reform oder der Revolution der zärtlichen Liebe ist keine Reißbrett-Unternehmung. Wir basteln uns die Ideale Kirche, sozusagen. Viel humaner ist es, zu sehen, wo Anknüpfungspunkte sind. Und die gibt es reichlich, wie ich habe feststellen dürfen.

Mal sehen, ob ich demnächst hier noch weitere posten kann.

 

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17 Kommentare zu Seine Apostel – In Konferenz

  1. tercio sagt:

    Ob’s „Hand und Fuss“ hat wird sich herausstellen, aber Tradition hat das sicher und damit möglicherweise auch Sinn. „Wir“ – der Papst und Sie? Oder: die Leute im Vatikan oder die Marketingabteilung? – „Ich“ statt „Man“ oder „Wir“ – dann hätte es „Hand und Fuss“. Bongiorno!

  2. Silvia Brückner sagt:

    Was das Kirchenrecht angeht, das ist aber keine unveränderliche Größe wie z.B. ein Dogma und könnte demnach jederzeit geändert werden, oder täusche ich mich da?

  3. Agon_Ferrer sagt:

    Jeder sollte heutzutage Apostel sein und autentisch die Lehre der katholischen Kirche verteidigen können.

    Jeder sollte Christus nachfolgen…

    Hier sind wahrhaft mutige junge männer in Argentinien, die in San Juan de Cuyo die Kathedrale gegen militante Kirchengegnerinnen verteidigen und dabei bespuckt und erniedrigt wurden.

    DIESE JUNGEN MÄNNER SIND WAHRE VORBILDER!

  4. veruschka sagt:

    Ich hätte eine geschichtliche Frage. Darf ich?
    In der Lithographie (oder was auch immer das jetzt genau für ein drucktechnisches Verfahren ist… das kann an bei der schlechten Abbildung nicht beurteilen) werden 24 Kirchenmänner abgebildet (wohl Bischöfe und Kardinäle) aber die Randleiste zeigt nur 23 Kirchen/Dome, die ihnen wohl zugeordnet werden, ab. Wieso? Hatte da einer keine Kirche?
    Und noch eins: Der wichtigste unter diesen Männern ist der mittig sitzende, ganz vorne. Er ist im Übrigen auch der Jüngste.
    Der Erzbischof von Köln; nach der Randleiste müsste ihm diese Kirche zugeordnet werden? Wenn das stimmen sollte, stellt sich mir die Frage, seit wann Köln eigentlich diese Vorreiterposition innerhalb Deutschlands/im deutschsprachigen Raum besitzt?
    Warten Sie mal… ich googel ein bisschen rum…

    • veruschka sagt:

      Aha:
      Die Darstellung zeigt die Vertreter der ersten „deutschen“ Bischofskonferenz, die 1848 in Würzburg stattgefunden hatte. Geleitet wurde sie tatsächlich vom Kölner Erzbischof (späteren Kardinal) Johannes von Geisel (1796-1864), dem Mann vorne in der Mitte (der da aber schon 52 Jahre alt sein müsste… naja, soviel zur korrekten Dokumentation im Mitte des 19. Jhs).
      Die Bischöfe die hieran teilnahmen waren die Bischöfe folgender Bistümer: Köln, Ölmütz, Kulm, Brixen, Breslau, Augsburg, München, Bamberg, Freiburg, Limburg, Speyer, Passau, Paderborn, Würzburg, Regensburg, Rottenburg, Eichstätt, Münster, Hildesheim, Mainz, Trier, Dresden und Salzburg (so werden jedenfalls die Kirchen auf der Randleiste bezeichnet).
      Und das mit Köln ist eigentlich klar (der Erzbischof von Köln gehörte schon im Mittelalter zu den drei geistlichen Kurfürsten und die Gebeine von den Heiligen drei Königen haben sie ja auch … das wusste ich eigentlich… hab’s grade nur vergessen gehabt).
      In jener Konferenz ging es wohl unter anderem um die „interkonfessionelle Ehe“ die die Bischöfe wohl verhindern wollten. Soweit Wikipedia.
      Aber das mit dem einen Geistlichen zuviel bleibt offen.
      Ok, soweit zu den Anfängen.

      • KRP sagt:

        Vielen Dank für die Ausführungen zur 1. Deutschen Bischofskonferenz nur eine Frage dazu die Sie mir sicher erklären und beantworten können – was ist die „interkonfessionelle Ehe“ und was hat das mit dem Begriff „authentischer Lehrautorität“ im Evangelii Gaudium zu tun?

        • veruschka sagt:

          Naja, muss ich das jetzt echt beantworten? Ich unterstelle Ihnen jedenfalls nicht, dass Sie nicht wissen, was „inter“ bedeutet. Sie immer mit ihren „Fangfragen“!
          Ich weiß jedenfalls, dass diese „Mischehen“ noch zur Zeit meiner Großeltern ein rechtes Problem darstellten (zumindest im ländlichen Bayern): Wie sollte man Kinder aus solchen Verbindungen erziehen? Katholisch oder evangelisch? Mein preußischer Opa konvertierte deshalb auch.
          Ich hab‘ das Beispiel nur angefügt, weil auf Wikipedia in Bezug auf diese Würzburger Konferenz primär auf jene Streitfrage eingegegangen wird und offensichtlich das ganze 19. Jahrhundert lang das ein sehr großes Problem darstellte (Stichwort: „Kulturkampf“). Heute sind wir ein Stück weiter.
          Zudem wurde schon einmal im Aufsatz zur „Toleranz“ (hier im Blog) auf konfessionelle „Mischehen“ kurz eingegangen.
          Mein „geschichtlicher Ausflug“ sollte nur als Randbemerkung betrachtet werden; besonders auch, weil ich mir „Evangelii Gaudium“ erst nach Weihnachten durchlesen werde… also hier nicht groß mitreden kann und will).
          PS: Der Erzbischof/Kardinal hieß übrigens nicht „Geisel“ sondern „Geissel“

          • KRP sagt:

            Ich kann mich nicht erinnern Ihnen schon mal eine „Fangfrage“ gestellt zu haben, da Sie ja eigentlich diejenige sind die Fragen stellt, aber egal meine Frage haben Sie mir eigentlich nicht beantwortet, womit ich auch nicht gerechnet habe.

          • Chrisma sagt:

            @Veruschka, das war keine „Fangfrage“ von KRP sondern eine völlig überflüssige Polemik.

          • KRP sagt:

            Sie Chrisma wissen das ja mit Sicherheit da Sie mich ja kennen nehme ich mal an und die Polemik habe ich von Ihnen und veruschka gelernt. Wünsche noch einen schönen Sonntag Abend. Auf diesem Niveau diskutiere ich eh nicht mehr.

  5. KRP sagt:

    @ Chrisma alle die eine andere Meinung haben wie Sie denen unterstellen Sie Polemik nur was Sie schreiben ist immer richtig und natürlich veruschka auch wenn es nicht zum Thema passt.

    • veruschka sagt:

      Die „böse Veruschka“… an irgendjemaden aus Ihrer Vergangenheit muss ich Sie wohl erinnern. Dass Sie so eine Wut auf mich haben? Ich versteh‘ das nicht.
      Aber gut, ist halt so.
      Und noch eins: Zum eigentlichen Thema haben Sie bisher auch kein kleinstes Wörtchen verloren, nicht?
      Also, wir lesen gerne Ihre detaillierten Einschätzungen hierzu!

  6. Chrisma sagt:

    @ KRP Polemik hat wie viele Fremdworte mehrere Bedeutungen: Ein Kennzeichen von Polemik sind oft scharfe und direkte Äußerungen, teilweise auch persönliche Angriffe, wobei man zum Beispiel die Glaubwürdigkeit des Anderen anzweifelt, indem man evtl. Widersprüchlichkeiten seiner Ausführungen versucht zu diffamieren. Häufig wird mit den Mitteln der der Ironie und des Sarkasmus gearbeitet. Um „Polemik“ festzustellen muss ich niemanden „kennen“. Mit „Meinung“ hat Polemik schon erst recht nix zu tun. Ich habe hier noch niemandem Polemik unterstellt, da ich sie außer in Ihren Beiträgen sehr selten gefunden habe. Übrigens: viele verschiedene Meinungen nennt man Meinungsvielfalt und die ist äußerst interessant.
    @ Veruschka ich habe zu dem“ authentische Lehramt“ noch keine Meinung. So kannte ich bis zu diesem Beitrag von Pater Hagenkord den Begriff „Partikularkonzile“ überhaupt nicht. Ich habe den Beitrag mit großem Interesse gelesen und fange nun an mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich finde es prima, dass Sie sich mit dem Studium von EG erst dann beschäftigen, wenn Sie „Zeit“ dafür finden, auch ich habe festgestellt das EG viele wichtig Aspekt, weg von den sicher wichtigen Hauptthemen. Es bleibt aufregend. Ihren kleinen historischen Ausflug fand ich spannend…
    PS Es gibt in der Verhaltenspsychologie den Begriff „toxischer Mensch“….

    • KRP sagt:

      Scharfe und direkte Äußerungen sind doch genau Ihr Ding. Wer Kritik austeilt sollte auch Kritik einstecken können und vor allem nicht immer von sich auf andere schließen.

      • Chrisma sagt:

        @ KRP einmal grundsätzlich zwischen Ihnen und mir: Neben dem Begriff „toxischer Mensch“ Kennen wir in der Verhaltenspsychologie auch den Begriff des „toxischen Schreibens“ und den Begriff der „ toxischen Kommunikation“ um diese Begriffe geht es mir hier. Dazu muss ich Sie nicht persönlich kennen, es genügt zu lesen was und wie Sie es schreiben. In vielen Ihrer Beiträge geht es nicht um Meinung, sondern darum die Meinung Anderer zu konterkarieren (durchkreuzen, hintertreiben). Ein anderes Merkmal des „toxischen Schreiben: die von außen geäußerte Kritik wird auf den der kritisiert hat „zurückgeworfen“ Neutrales Beispiel: X kritisiert das Y zu laut ist, Y antwortet Nein, Du bist zu laut. Es kann also kein Dialog entstehen……
        Ich möchte nicht näher darauf eingehen warum, wieso, weshalb dieses „toxisch sein“ entsteht, nur so viel: im Umgang damit – vor allem aus der Distanz eines anonymen Blog – helfen Humor, ruhiges Nachfragen/Konfrontation mit dem geschriebenen oder vollständig ignorieren. Da ich mich in diesem Blog nicht über Gebühr mit Ihnen beschäftigen möchte, wähle ich in Zukunft vollständiges ignorieren. Machen Sie sich also in Zukunft nicht mehr die Mühe meine Meinung zu konterkarieren, ich lese die Ihre nicht.

    • veruschka sagt:

      Liebe Chrisma,
      Sie fanden meine kleine Nebenbemerkung über die „Zeit“ (siehe: Autoscheibe) wohl amüsant… das Phänomen von „Zeit“ ist ein sehr spannendes (ich hab‘ mich sogar in meiner Magisterarbeit damit beschäftigt… da ging es im Übrigen auch um Wilhelm Busch).
      Manchmal gibt es im Leben auch seltsame Déjà-vu-Erlebnisse (da wird es einem dann gleich ganz anders… gestern hatte ich wieder so eins… das war echt nicht lustig).
      Nichtsdestotrotz werde ich meine Zeit vom 24.12. bis Heilig-Drei-König sinnvoll gestalten. Ich glaub‘, ich fahr‘ mal wieder nach München in die Alte Pinakothek. Da gibt es viele religiöse Kunst zu bestaunen. Sollten Sie auch mal machen!
      Oder in ein anderes Museum in Ihrer Nähe, liebe Chrisma!
      Machen Sie es gut!

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