Sitten sind das!

Schamlos: Ohne Papst kommt auch diese Ausstellung nicht aus

Schamlos: Ohne Papst kommt auch diese Ausstellung nicht aus

Selbst der Vatikan-Fragebogen zur Familie hat es mittlerweile ins Museum geschafft: In Bonn dreht sich eine kleine aber gute Ausstellung um die Sexualmoral der Deutschen seit dem Krieg. Einige Päpste sind zu sehen – Franziskus und Paul VI. auf Spiegel-Titeln – und eben der Fragebogen mit einigen Antworten aus dem Erzbistum München und Freising.

Die Ausstellung im Haus der Geschichte spricht im Titel vom Wandel der Sexualmoral. Da steht zwar ein Fragezeichen, aber genau diese Veränderungen werden gezeigt. „Schamlos“ heißt diese Ausstellung, die einen Wandel zeigen will.

Was mir aber in all dem viel interessanter erscheint, ist was sich durch all den Wandel eben nicht geändert hat. Man kann sagen, dass die Sexualmoral viel freier, unverkrampfter geworden sei, weniger bigott. Aber gleichzeitig haben sich viele Dinge nicht geändert, und man muss schon zwei Mal hinsehen, um das zu entdecken.

Da ist der Hingucker-Effekt. Nackte Haut war sehr viel weniger zu sehen, aber das angeblich so verruchte war auch in den 50er Jahren ein Magnet, genau so wie es die viele Nacktheit in der Öffentlichkeit heute ist. Und auch die Ausstellung kann es sich nicht verkneifen, damit zu spielen, siehe Foto weiter unten.

 

Sex sells nun mal

 

Auch die Rollenzuschreibungen haben sich nicht unbedingt gändert. „Die Frau als Hüterin der christlichen Familie wählt CDU“ würde heute zwar keinem Parteiorganisator mehr einfallen, aber trotzdem bleiben die Rollen doch ziemlich fix, bei allem Wandel. Auch hier hilft der Blick auf das Foto weiter unten: Sex sells, und zwar der weibliche.

Das gilt übrigens nicht nur für Autobauer oder Zeitungsdrucker oder wer noch mit leicht bekleideten Frauen Produkte an den Mann bringen will. Auch die Verteidiger der Bürgerlichkeit spielen mit dem Thema: Die Erregung von Erregung wider den „Pornounterricht“ – gemeint war Aufklärung – lebt von den gleichen Mechanismen wie das Autoverkaufen. Sex sells.

Was sich ebenfalls nicht geändert hat – und das fällt im Nachhinein am meisten auf – ist die unsägliche Tendenz, zu moralisieren. „Ich warne vor einer Auflösung der sittlichen Grundlagen unserer Gesellschaft“ wird in der Ausstellung ein Minister, dieses Mal SPD, zitiert. Das kennen wir, dass von einer Seite immer der Untergang des Abendlandes prognostiziert wird. Aber auch die andere Richtung ist nicht weniger von überbordenden Moralität geprägt, sie kommt nur im Gewand der Befreiung daher. Natürlich muss in der Ausstellung eine Kanzel aufgebaut sein, Zeichen für „Moral von oben“. Die darin ausgedrückte Überlegenheit ist aber selber moralisch. Man kann sich ja jetzt besser fühlen, moderner.

Moral ist das eine, Moralisierung ist das andere. Letzteres ist aber so lebendig wie ebenda, neu im Gewand, mal als Warnung, mal als Forderung, aber so zieht sie sich in sich ändernden Gewändern durch all den Wandel.

 

Kein nachlassender Sexismus festzustellen

 

Kurz: Der Sexismus hat nicht wirklich nachgelassen. Bestimmt ist er unverfrohrener geworden, kommerzieller, direkter. Die Verdrängung der Bigotterie haben wir mit hohem Preis bezahlt. Was heute an offenem Sexismus als normale Werbesprache durchgeht, das erschreckt mich jedes Mal, wenn ich aus Italien nach Deutschland komme. Bigotterie sind wir vielleicht los, stattdessen haben wir uns den Konsum-Sexismus eingefangen.

Die Sexualmoral hat sich gewandelt, ohne Zweifel. Aber darunter gibt es immer noch Strömungen, die gleich stark laufen.

Alles, was den Blick einfängt

Alles, was den Blick einfängt

Leider ist die Ausstellung im ansonsten großzügig angelegten Haus der Geschichte etwas in eine Ecke gedrängt, man will die Enge schaffen, was auch glückt. Das wirkt von außen etwas lieblos. Drinnen aber kann man sehr gut nachvollziehen, welchen Wandel und durch all diesen Wandel welche Konstanten sich durch die Moral der vergangenen Jahrzehnte ziehen.

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80 Kommentare zu Sitten sind das!

  1. Amica sagt:

    Ehrlich gesagt würde ich nie in so eine Ausstellung gehen.
    Bei Ihnen mögen die Beweggründe natürlich solche sein, dass man sich eine objektive Meinung vom Zeitgeist bilden möchte, eben in Bezug auf den Fragebogen.
    Aber als Privatperson gehe ich in so eine Ausstellung aus folgenden Gründen nicht:
    Auch wenn es etwas altmodisch klingen mag, Sexualität ist etwas sehr Individuelles und ich finde, man kann mich da auslachen, etwas fast Spirituelles. Also, wenn man das praktiziert, dann nicht sofort und mit jedem. So eine Ausstellung nimmt der Sache das Magische und man gleicht die eigenen Vorstellungen denen der Allgemeinheit an. Das möchte ich allerdings nicht, deshalb geh ich da sicher nicht rein. Denn alles was man konsumiert hat irgendwie auch Einfluss auf das eigene Denken und eventuell Handeln.
    Manchmal ist weniger mehr, manchmal sollte man seinen Kopf, sein Denken, vor Dingen einfach nur fernhalten, schonen, schützen.
    Klingt blöd, ist aber so. 🙂

  2. JLTD sagt:

    „Die Erregung von Erregung wider den ‚Pornounterricht‘ – gemeint war Aufklärung“

    Am traurigsten und am konsequenzreichsten finde ich den Wandel der Sexualmoral unserer heutigen Theologen auf so breiter Front, dass sogar im Namen des Vatikans die Kritik an den ‚Pornounterricht‘ als künstliche Erregung dargestellt wird.

    Ist das nicht ein Zeichen des nahenden Endes unserer Zivilisation? Ah ja, das ist moralisierend, muss also nicht ernst genommen werden.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Es gibt kritik und es gibt Kritik. Die Logik kennt einen Fehlschluss, die petitio principii, welchen es zu vermeiden gilt: das zu Beweisende wird schon als wahr vorausgesetzt. Sie Behaupten, dass Aufklärung „Pornounterricht“ sei. Dann wird natürlich Protest notwendig. Aber genau das war ja die Frage. Wenn sie sich der nicht stellen wollen, ist das zwar eine persönliche Meinung, hilfreich ist das aber nicht.
      „Zeichen des nahenden Endes unserer Zivilisation“? Geht es bitte ein wenig kleiner?

  3. Rosi Steffens sagt:

    Ist nicht die eigentliche Frage die, wie Moral auf ein für alle erreichbares Maß festgelegt werden kann? Worin liegen die Grenzen zwischen dem moralischen Aufbau, dessen Höhepunkt und dem Verfall? Für mich gilt auch in diesem Zusammenhang das Maß, das durch gegenseitigen Respekt die Würde des Menschen in den Vordergrund rückt. Das Schlagwort ist „Selbstwertgefühl“ und daran kann man als „Moralapostel“ nur schwer arbeiten, das würde die Privatsphäre des Einzelnen verletzen und ihn damit einem Vorurteil unterwerfen. Man muss sehr sensibel mit der Moral umgehen, denn dabei erfährt man auch viele Dinge über sich selbst. Als Mensch sind Mann und Frau eine Einheit, deren Differenziertheit meist offensichtlich ist und so der menschlichen Gleichstellung unterliegt. Die Sexualität sollte dabei der Bildung einer Familie dienen und nicht dem Lustgewinn mit dem Wunsch der daraus resultierenden Befriedigung unterliegen, das müsste man in diesbezügliche Debatten mit einfließen lassen, um eine Vorstellung dessen zu bekommen, was Moral für den Einzelnen bedeuten kann. Wenn jeder! Mensch in der Lage ist seine Triebe so in den Griff zu bekommen, das daraus gegenseitige, auch sexuelle Anerkennung wird, dann sehe ich uns als Menschen an dem Punkt angekommen, an dem wir im privaten Bereich so leben können, dass wir auf dessen Veröffentlichung verzichten können. Es ist also auch hier die Aufgabe des einzelnen Menschen an sich selbst zu arbeiten, um als entsprechendes Vorbild aus der eigenen Moralvorstellung heraus leben zu können. Warum ist es denn für Menschen von heute offensichtlich so schwer, sich mit ihrer Sexualität im privaten Bereich zu identifizieren? Was fördert die öffentliche Präsentation der eigenen Sexualität, um dadurch eine Provokation hervorzurufen, ob nun beabsichtigt oder unbewusst? Sexuelle Normalität ist für mich etwas anderes, etwas das im Einvernehmen geleichberechtigter Partner gelebt werden sollte, ohne gleich eine allgemeine Anerkennung oder gar Gültigkeit zu fordern. Vielleicht liegt es an dem tief im Menschen verwurzelten Bedürfnis nach gelebter Freiheit und deren gesellschaftlicher Akzeptanz, die jedoch oft mit der grenzenlosen Freizügigkeit verwechselt wird, die rücksichtslos dort um sich greift, wo das Recht des Stärkeren gilt, und damit die eigenen Ansprüche ganz bewusst und sehr egoistisch in den Vordergrund gerückt werden, wo die Unauffälligen und Leisen darunter leiden müssen. Das gilt übrigens in meinen Augen nicht nur für die Sexualität sondern für alle Lebensbereiche. Die Zeit fordert diese zur Schaustellung der eigenen Person nicht, das ist für mich eine ganz persönliche Gier nach Selbstbefriedigung, die meist sehr rücksichtslos durchgesetzt wird. Vom Ebenbild Gottes ist dieses Verhalten meiner Ansicht nach weit entfernt, und doch sind wir auf dem richtigen Weg, denn wir reden öffentlich darüber und schweigen es nicht tot. Damit hat jeder die Möglichkeit sich seine eigene Ansicht über Sexualität zu bewahren und um neue Eindrücke zu ergänzen, die er dann wiederum in sein Umfeld einbringen kann. Jeder von uns hat die Möglichkeit seine Moralvorstellungen als Mitmensch zu teilen, mitzuteilen, um durch die Resonanz deren allgemeinen Konsens zu erfahren. Ich glaube die eigene Sensibilität für das Wohlergehen anderer tritt dann in den Vordergrund, wenn man sich selbst erzieht anhand einer vorbildlichen Lebensweise im Kreise seiner „Lieben“, die dann auch ganz bewusst eine persönliche Entwicklung nach sich zieht, ohne auf Allgemeingültigkeit zu beharren. Die Komplexität des Lebens ist nicht in eine Moralvorstellung zu packen, sie sollte daraus Menschen formen, deren Individualität zu einer sinnvollen Lebensgestaltung beiträgt, die dem Menschen auch würdig ist.

  4. Agitt sagt:

    Herr Pater, was wollen Sie mit derartigen Artikeln erreichen?

    Systematische Desensibilierung…nennt man das.

    Schon sonderbar…die deutschsprachige Sektion auf Radio Vatikan.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Desensibilisierung? So nennt „man“ das nicht, so nennen Sie das, und zwar ohne jede Begründung. Was soll daran sonderbar sein, in eine Ausstellung zu gehen und darüber zu berichten? Sie machen einen Vorwurf, ohne ihn zu begründen, etwas mehr möchte ich schon von ihnen wissen. Ihr Vorwurf – so billig er daher kommt – reicht nicht.

      • Amica sagt:

        Der Vorwurf ist nicht billig.
        Ihr Problem in diesem Fall, lieber Pater Hagenkord, ist wohl nur, dass Sie ein Geistlicher sind.
        Hätten Sie hier einen Artikel über eine Ausstellung über beispielsweise die Kunst des Flirtens gebracht, wäre jeder entzückt gewesen. Aus Unwissenheit heraus haben Sie einfach – um wohl besonders modern zu wirken – eine solche Ausstellung hier thematisieren wollen.
        Menschen jedes Alters sehnen sich nach echten Liebesgeschichten, nicht nach Sexgeschichten.
        Und lassen Sie mich das eine noch anfügen, Augen, nicht gestählte Körper, sind wohl das Erotischte was es geben kann. Augen können uns manchmal das Gefühl geben unglaublich schön zu sein, unglaublich begehrenswert. Warme Augen präsentieren, repräsentieren nicht, sie kommunizieren, sie nehmen das Gegenüber wahr und zeigen, dass sie mehr vom Anderen erfahren wollen.
        Ich kannte mal jemand der hatte grüne Augen und man hätte darin versinken können, so lieb waren die Augen. Und das hat tatsächlich sensibilisiert. Das müsste ich einfach los werden. Nix für ungut. 😉

        • Pater Hagenkord sagt:

          Weil ich Geistlicher bin, darf ich bestimmte Teile der Wirklichkeit nicht thematisieren? Bitte entschuldigen Sie mir die Frage: Was soll das den bedeuten? Und Sie unterstellen mir „Unwissenheit“? Noch mal die Frage. Was soll das denn bedeuten?
          Eine Antwort, die ich auf eine andere Frage auf den gleichen Post gegeben habe: Sie verdrehen Ursache und Wirkung. Ich zeige etwas, was überall zu sehen ist, wenn man durch unsere Straßen geht. Das ist Wirklichkeit, die wird nicht erst durch einen Beitrag hergestellt. Das aber zu unterstellen – und das tut der Vorwurf der „Desensibilisierung“ – das ist billig.

          • Amica sagt:

            Na, dann frag ich auch mal nach: Was unterscheidet Ihrer Meinung nach denn einen Geistlichen von einem Laien heute noch? Wieso muss man ausgerechnet hier so was thematisieren? Das ist Realität, schreiben Sie, ja, gut, schön. Sie sind aber auch nicht der erste der die Sexualmoral zum Thema stellt. Also noch eine Frage: Was genau bezwecken Sie denn mit Ihrem Artikel? Wenn Sie die Ausstellung mit Inhalten des Fragebogens verglichen hätten und in relativ sachlicher Sprache hier geschrieben hätte, hätte sich niemand groß aufgeregt.
            Aber Sie wollen scheint’s provozieren, als würden in der von Ihnen so hochgelobten Realität nicht genug Provokateure ihre Meinung zum Besten geben.
            Und ich empfinde mein Statement nicht als billig, wenn Sie mir da nicht folgen können, haben Sie vielleicht einige Dinge nicht begriffen – zwischenmenschlicher Art. Vielleicht ist mir Ihr Orden aber auch nicht kontemplativ genug… vielleicht begreife ich die Ziele und Inhalte Ihrer Ordensgemeinschaft nicht recht. Das müssen Sie aber verstehen, die Jesuiten sind einfach nicht leicht zu fassen, irgendwie sind sie fest in der Welt verankert – sehr weltoffen – und irgendwie auch wieder nicht, weil sie Geistliche sind, sich ja auch mit dem Transzendenten beschäftigen. Das geht mir nicht so recht in den Kopf. Ich verstehe einfach nicht, wie ein solcher Pater überhaupt noch Ruhe finden kann um zu beten bzw. zu meditieren. Mich würde das überfordern.

      • JLTD sagt:

        Pater, mit Verlaub, ich finde es seltsam, dass Sie nicht wissen, was der andere Forist meint. Ich verstehe ihn sehr wohl. Was finden Sie daran billig? Ich finde seinen Beitrag mutig und richtig.

        Was bezwecken Sie z.B. mit dem letzten Bild, auf das Sie sogar zweimal hinweisen?
        „siehe Foto weiter unten“
        „Auch hier hilft der Blick auf das Foto weiter unten“

        Wofür so ein Bild im Namen des Vatikans? Der Text wird dadurch nicht besser verständlich, denn leider weiß jeder wie eine halbnackte Frau aussieht. Hat der Herr Ihnen von Jugend an Keuschheit geschenkt? Das würde mich für Sie sehr freuen! Andere Männer haben es damit aber in der Regel nicht so leicht.

        Ich verstehe sehr wohl, was der andere Forist mit „systematischer Desensibilisierung“ meint, und verstehe dagegen Ihre Empörung nicht.

        Gelobt sei Jesus Christus!

        • Pater Hagenkord sagt:

          Sie verdrehen Ursache und Wirkung. Ich zeige etwas, was überall zu sehen ist, wenn man durch unsere Straßen geht. Das ist Wirklichkeit, die wird nicht erst durch einen Beitrag hergestellt. Das aber zu unterstellen – und das tut der Vorwurf der „Desensibilisierung“ – das ist billig.

          • JLTD sagt:

            Ja, ich verstehe. Aber entziehen Sie sich mit dieser Begründung nicht der moralischen Bewertung? Es ist Fakt, dass das, was Sie z.B. im letzten Bild zeigen, überall Wirklichkeit ist. Dieses Faktum enthält aber keine normative Aussage.

            Der Punkt ist: Warum entscheiden Sie sich, ein Geistlicher, der sehr viel Verantwortung für die gesamte deutschsprachige Kirche trägt, im Namen des Vatikans dafür, diese (verkehrte?) Wirklichkeit auch hier zu zeigen? Diese Frage ist diejenige, die der andere Forist mit „systematischer Desensibilisierung“ beantwortete.

            Die Frage ist also nicht, ob Sie diese Wirklichkeit herstellen oder ob sie schon vor Ihrem Bericht existierte. Sondern die Frage ist, was Sie mit dem Zeigen dieser Wirklichkeit als Geistlicher und im Namen des Vatikans bezwecken.

            Pater, nochmals mit Verlaub, man fragt sich tatsächlich ebenso, wie bereits jemand anders schrieb, ob es Ihnen ein Anliegen ist, modern zu wirken.

            Niemand braucht eine ‚moderne‘ Kirche mit ‚modernen‘ Geistlichen. Ein ‚moderner‘ Geistlicher hat gar keine Chance gegen irgendeinen Manager dieser Welt. Noch schlimmer als das, ein Geistlicher, der nicht allein Gott ergeben ist und Gefallen in der Welt sucht, erscheint gerade in den Augen junger Menschen ganz intuitiv als nicht ernst zu nehmende Person, als Widerspruch. Die Glaubwürdigkeit der Kirche fängt nicht mit ihrer Aufgeklärten Nähe zur ‚Wirklichkeit‘ der Welt, sondern mit ihrer Treue zum Guten und zum Wahren.

            Mir ist es z.B. ein Rätsel wie Sie die Kritik an den ‚Pornounterricht‘ so einseitig als künstliche Erregung von Erregung abtun können. Mir scheint es auch, mit Verlaub, dass Sie, sicher ohne es zu beabsichtigen, damit in die falsche Richtung ziehen.

            Und man fragt sich warum. Im Versuch der Beantwortung erscheinen tatsächlich „Desensibilisierung“ oder „modern Wirken“ als mögliche, vernünftige Antworten. Aber letztendlich können das nur Sie beantworten und mit Ihren Blog-Beiträgen auch glaubhaft machen.

            Pater, ich finde es nicht gut, Ihnen dies öffentlich zu schreiben. Es wäre besser, es Ihnen persönlich zu schreiben. Allerdings ist Ihr Blog wirklich an prominenter Stelle und wird von vielen Menschen gelesen, nicht als Ihre private Meinung sondern als die Meinung der deutschsprachigen Kirche. So erscheint es mir als das geringere Übel, diese Diskussion in der Öffentlichkeit zu führen. Besser wäre es aber, wenn das sich vermeiden liese.

            Gelobt sei Jesus Christus! Er schenke uns Ohren, die einander verstehen wollen!

          • Pater Hagenkord sagt:

            Liebe oder lieber JLTD-Anonymus, ich will nicht wirken, schon gar nicht modern, was auch immer das heißen soll. Damit ist von Ihnen wohl anbiedern gemeint oder anpassen oder so etwas, oder?
            Und wie Sie dann „modern“ füllen, darin kann ich mich nicht wieder finden. Darin finde ich auch diesen Blog nicht wieder. Und darin finde ich auch diesen Beitrag nicht wieder. An einem Foto machen Sie eine ganze Analyse dessen fest, für das Sie mich halten?
            Und noch einmal: es gibt keinen Pornounterricht. Chrisma hat das an dieser Stelle klar und deutlich ausgedrückt. Und wir müssen uns der Wirklichkeit stellen, egal ob wir sie gut heißen oder ob wir sie kritisieren – beides hat seinen Platz. Sie unterstellen mir aber, dass ich das nicht mache, weil Wirklichkeit wichtig ist, sondern weil ich irgendwie „wirken“ möchte.
            Das ist nicht der Fall. Aber ich werde jetzt nicht Ihr Spiel spielen und versuchen, dass mit Blogeinträgen glaubhaft zu machen. Das mache ich nämlich schon, und zwar seit 2011.

          • chrisma sagt:

            @ JLTD Nun verstehe ich worum es Ihnen wirklich geht. Es ist nicht der halbe nackte Frauenpopo. Es geht um eine Kirche die sich der Wirklichkeit entzieht, die sich den Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit verschließt. Es geht darum lebensferne Geistliche aus überhöhter Position auf die Menschen herabblicken zu lassen. Und im Vatikan sollen dann wieder Modernisten Eide geschworen werden. Na prima. Wollen die Menschen aber nicht mehr. Es gab – sicher sehr zu Ihrem Leidwesen – Vatikanum II. Es führte die Kirche in Welt und endgültig in die heutige/moderne Zeit. Wir brauchen eine moderne Kirche, wir brauchen moderne Priester, wir brauchen einen lebendigen offen Glauben. Dieser Glaube erscheint in den Augen junger Menschen als wahrhaftig und aufrichtig. Hier setzt die Treue zum Guten und Wahren ein, zur Lehre Jesu im neuen Testament. Bei der massiven Kritik an unserer Kirche im Geiste von Vatikanum II und der übergriffigen persönlichen Kritik an Pater Hagenkord sollten Sie nicht unter einem Kürzel schreiben.
            PS Der Herr schenkte uns Ohren, die hören und zum selbst denken führen.

        • chrisma sagt:

          @JLTD Wie die weiblichen Brüste aussehen wissen wir spätestens nachdem unsere Mütter uns genährt haben. Ein „leider“ kann ich da nicht finden. Dem Himmel sei Dank wissen wir inzwischen auch wie ein weiblicher und auch ein männlicher Unterleib aussieht. Nicht nur das, wir wissen inzwischen auch wie und wo die kleinen Kinder herkommen. Kinder entwickeln sehr früh ein Verständnis für ihre Sexualität. Sexualkundeunterricht ist eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Zeit. @Angelika Oetken hat es bereits angesprochen, durch die Entwicklung der Sexualwissenschaften „hat es aber gesellschaftlich in den vergangenen Jahrzehnten eine enorme Entwicklung gegeben. Hin zu mehr Pragmatismus, Realitätssinn und Menschlichkeit im Umgang mit sexuellen Themen.“ Das unterstreiche ich hier nochmal nachdrücklich. Pornografie hingegen ist „die ist die direkte Darstellung der menschlichen Sexualität oder des Sexualakts, in der Regel mit dem Ziel, den Betrachter sexuell zu erregen. Dabei werden die Geschlechtsorgane in ihrer sexuellen Aktivität häufig bewusst betont.“ (Nach Wikipedia). Ein solches Fach wird weder an deutschen Schulen gelehrt noch hat es mit der Ausstellung zu tun die Pater Hagenkord hier beschreibt. Und was nun den Vatikan anlangt: der ist voll von wesentlich leichter bekleideten Menschen (Kunstwerke). Halten Sie einfach den Ball etwas flacher…

          • Angelika Oetken sagt:

            Ich möchte Ihnen beipflichten. Ich engagiere mich beim Erweiterten Hilfesystem für Missbrauchsopfer dem EHS-FSM. Das, was die AntragstellerInnen dort schildern, zu denen auch Opfer der Katholischen Kirche gehören, bringt die ganze Misere unserer Sexualkultur auf den Punkt. Die hinter ihrem wahlweise ach so aufgeschlossenen oder reglementierenden Anspruch ziemlich menschenfeindlich ist. „Heteronormativ“ nennt es ein homosexueller Mitstreiter. Und nicht von ungefähr unterscheiden sich im Ergebnis die rigiden von den libertären Positionen nicht wirklich. Das, was an der unlängst geschlossenen Odenwaldschule und im Kinderfolterlager Etterzhausen passiert ist, stellt das unter Beweis. Zu mindestens das Missbrauchssystem an der OWS wird erforscht. Im Bistum Regensburg huddelt man dagegen weiter vor sich hin.
            Dabei ist ein realistischer und ernsthafter Diskurs dringend nötig. Denn die Porno- und Prostitutionskultur reproduziert alltägliche, tief verwurzelte Missbrauchsgefüge. Hier die – meistens weiblichen – Objekte, von denen ein großer Teil schon in der Kindheit missbraucht wurde. Dort die überwiegend männlichen Benutzer. Meine persönliche These dazu: es handelt sich bei diesen Männern um welche, die Defizite ausleben, die ihnen von ihren Müttern aufgeladen wurden. Wenn schon die Zeugung eines Kindes auf lieblose oder sogar gewalttätige Weise geschieht, was leider häufig ist, dann hat es dessen Mutter schwerer ihren Nachwuchs anzunehmen. Wozu auch gehört, ihm eine positive und unbefangene Einstellung zur Sexualität zu vermitteln. Söhne solcher traumatisierter Mütter laufen Gefahr, Frauen gegenüber in einer Art Hassliebe gefangen zu bleiben. Zwischen Idealisierung und Abwertung hin- und herzuirrlichtern. Und ihre Aggressionen über sexuelle Aktivitäten auszuleben. Prof. Rolf Pohl hat das in seinem Buch „Feindbild Frau“ sehr gut heraus gearbeitet. Aber die Sexualisierung männlicher Gewaltimpulse rein sozialpsychologisch begründet. Aspekte transgenerationaler Traumatisierung und gestörter Bindung ließ er unberücksichtigt.

            Was religiöse Vorgaben betrifft: gerade in sehr traditionellen Gefügen überwiegt die Vorstellung von Sexualität als einem mechanischen Akt. Da wird etwas euphemistisch als „Liebe“ bezeichnet, was rein praktisch alles Andere ist. Nach dem Motto „er tut es trotzdem, sie muss ihn trotzdem lieben“. Ich halte das für menschenunwürdig. In grauer Vorzeit hatte es vorübergehend mal einen sozialen Sinn, die Sexualität zwischen Frauen und Männern auf die Aspekte der Fortpflanzung zu reduzieren. Vorher war das nicht zweckmäßig, wirkte sogar stabilisierend. Und heute beginnen wir, diese Sichtweise zu verwandeln. Aus gutem Grund.
            Wie alles im Leben ist Sex ambivalent. Hat weder nur positive, noch nur negative Seiten. Und je unwissender ich bin, wenn ich damit konfrontiert werde, desto größer die Gefahr, dass ich hilflos oder überreagiere. Gerade das war es, was viele Missbrauchsopfer nachhaltig traumatisiert hat: plötzlich mit der Wucht der destruktiven sexuellen Ambitionen von Erwachsenen konfrontiert zu werden. Ohne sie überhaupt nur einordnen zu können. Und auch in unserem Alltag werden wir ständig mit sexualisierten Reizen bombardiert. Aber das Wissen über die verschiedenen Aspekte von Sexualität ist auch unter lebenserfahrenen Erwachsenen erschreckend gering.
            Und: wo ich keine echte Liebe erfahre, mein Leben wenig lustvoll ist, werde ich auch anfälliger für radikale, fundamentale Lehren. Vor Allem religiöser oder politischer Art. Denn sie abstrahieren ein Empfinden, das so gut wie alle Menschen benötigen, um gesund zu bleiben und sich wohl zu fühlen.

    • Angelika Oetken sagt:

      Wenn Sie mit „systematische Desensibilisierung“ auf typische Täterstrategien ansprechen, wie sie zum Beispiel der erst in diesem Jahr verurteilte Pfarrer Georg K. anwandte: ich gehe davon aus, dass mehr authentische Informationen über Sexualität den Erwachsenen im Umfeld der Opfer geholfen hätten, zu erkennnen, wie gefährlich Menschen wie K. für Kinder sind. Die Opfer, an die er sich auf eine besonders hinterhältige Weise heran gemacht hat, sind heute junge Männer und dadurch schwer traumatisiert worden. Denn entgegen des leider immer noch gängigen Klischees sind Täterinnen und Täter alles andere als monströs. Überhaupt nicht: meistens geben sie sich äußerst sympathisch. Kinder und Jugendliche, die ihnen zum Opfer fallen oder auch geopfert werden, können durch diese Erfahrungen das Vertrauen in sich selbst verlieren.Sie laufen Gefahr, fortan jede Annäherung, jedes Interesse anderer Menschen als Versuch, sie zu manipulieren und jede sexuelle Regung als potentiellen Angriff auf ihre Identität zu erleben. Denn wo oft sogar Erwachsene aufgrund naiver oder oberflächlicher Vorstellungen über Sexuelles nicht bemerken, wo sich in ihrem Umfeld TäterInnen bewegen, können wir es von Kindern erst recht nicht erwarten.

  5. Angelika Oetken sagt:

    Die kommerzielle Sicht auf Sexualität ist sicherlich einer sehr traditionellen verhaftet. Die fast ausschließlich mechanische Aspekte berücksichtigt bzw. anspricht.
    Jenseits dessen hat es aber gesellschaftlich in den vergangenen Jahrzehnten eine enorme Entwicklung gegeben. Hin zu mehr Pragmatismus, Realitätssinn und Menschlichkeit im Umgang mit sexuellen Themen. Was sich nicht zuletzt daran zeigt, auf welches Interesse die Missbrauchsdebatte stieß, die 2010 durch das Outing der Opfer von jesuitischen Priestern und der Schulen, die sie besuchten angestoßen wurde. In der Folge wurde Missbrauchsopfern in unserem Land zum ersten Mal wirklich zugehört.

    Das ist ein enormer Fortschritt.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

  6. Silvia Brückner sagt:

    Eigentlich wollte ich hierzu nichts schreiben, weil ich nicht verstehe, was dieser Beitrag soll mich aber auch darüber nicht aufregen kann.

    Die junge Frau auf dem letzten Bild wirkt auf mich aber wie eine Prostituierte.

    Auch das gehört natürlich leider zu unserer Wirklichkeit. Aber zum Glück sieht man diese Art von Bekleidung – noch – nicht im normalen Straßenbild sondern wahrscheinlich auf dem Straßenstrich.

    Kunst liegt im Auge des Betrachters.

    Wie gesagt, mich regt weder der Beitrag noch die Diskussion hier auf ich kann nur darin keinen Sinn erkennen.

    Allerdings möchte ich mich dazu bekennen, dass ich mir eine solche Ausstellung nicht anschauen würde, weil ich das unschön finde.

    Ich weiß auch so, wie unbekleidete Menschen aussehen.

  7. JLTD sagt:

    In diesem Beitrag der FAZ werden die ‚großen Errungenschaften‘ des sogenannten Sexualkundeunterrichts kommentiert:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/sexualkundeunterricht-soll-moeglichst-explizit-sein-13524595.html

    Es ist mir ein Rätsel, wie jemand, geschweige denn ein Geistlicher, darin irgendetwas gutes finden kann.

    Man mag die überspitzte Bezeichnung ‚Pornounterricht‘ unangebracht finden. Aber trotzdem sollte man klar Stellung zum eigentlichen Streitpunkt beziehen, bei dem es um den ‚Pornounterricht‘ geht. Und zwar hoffentlich auf Basis der Lehren, die die Kirche lehrt!

    Die Veröffentlichung solcher Bilder wie das letzte in diesem Beitrag widerspricht ganz klar den Lehren der Kirche. Es macht mich ratlos, dass Sie, Pater, das nicht sehen. Ich verstehe Sie nicht.

    Der Herr behüte Seine Kirche!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Was ist an Sexualkundeunterricht bitte „sogenannt“?

      • JLTD sagt:

        An Sexualkundeunterricht an sich ist nichts ’sogenannt‘, sondern das, was ich verlinkt habe und heute wohl die Regel ist und sogar noch weiter pervertiert werden soll (siehe Diskussion um den geplanten Lehrplanänderungen in BW), das kann man nicht allen Ernstes „Sexualkunde“ nennen. Diese Bezeichnung ist ganz klar euphemistisch.

        Pater, ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen!

        Gelobt sei Jesus Christus!

        • chrisma sagt:

          Hier für Sie JLTD, Interessierte im Blog und für mich abschließend in dieser Debatte ein sachliches Interview zum Thema Sexualkundeunterricht und den Vorgängen in BW

        • Carmen Fink sagt:

          Lesen Sie sich bitte in Ruhe den Bildungsplan von BW durch dann werden sie feststellen dass es weder „pervers“ noch „pornografisch“ zugeht im neuen Bildungsplan!

          Das Kernan­liegen ist es, „Respekt sowie die gegenseitige Achtung und Wertschätzung von Verschie­denheit“ zu fördern.

          Dies ist sie Neufassung: http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/Startseite/Informationen/de_BTV

          • Angelika Oetken sagt:

            Genauso ist es. Die Diskussion wurde von Kräften instrumentalisiert, die sich an der Grenze zu Rechtsaußen bewegen. Dabei handelt es sich um eine zu wichtige Debatte, als dass sie auf derart populistische Weise benutzt werden sollte. Den Evangelikalen, die das Ganze in Baden Würtemberg angeheizt haben, geht es gar nicht um Moral. Sie nutzen nur eine Strategie, um davon abzulenken, dass sie Wirtschaftsklüngel bilden. Ein von anderen pseudoreligiösen Gruppierungen bestens bekanntes Muster.
            Aufhänger war das Fachbuch „Sexualpädagogik der Vielfalt“. Das in seiner Erstauflage mehr als diskutabel ist. Einerseits weil der Punkt „Sexuelle Ausbeutung“ viel zu kurz kommt. Dabei ist er ein Kernelement der gegenwärtigen Sexualkultur. Andererseits weil Haltungen propagiert werden, die zu gegenseitigen Grenzüberschreitungen einladen. Dabei ist sich die Fachwelt in einem mittlerweile einig: das Wichtigste an der Sexualpädagogik ist, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass niemand wegen seiner Neigungen, Gewohnheiten und Bedürfnisse ausgegrenzt werden sollte. Sofern sie nicht ungesetzlich sind.

    • chrisma sagt:

      @JLTD Danke das Sie uns diesen Artikel zugänglich gemacht haben. Die Youngster darin, sind Klasse beschrieben. Hier zeigt sich deutlich wie wichtig der Sexualkundeunterricht an Schulen ist. Wir dürfen unsere Kinder und Jugendlichen nicht allein lassen mit ihren Fragen an die Sexualität. Die Gesellschaft und ihre Familien lassen sie viel zu oft allein, teilweise werden sie durch Pornografie aufgeklärt, nicht zuletzt wenn das Elternhaus versagt. Sachliche Aufklärung ist notwendig, dies geschieht im Sexualkundeunterricht, da wird eben sachlich informiert, da kann auch mal gelacht werden, da können Fragen gestellt werden. usw usf. Ich bin vierfache Mutter von Söhnen, die selbst inzwischen Kinder haben. Es gab bei uns eine liebevolle Aufklärung ohne Tabu, mit größtmöglicher Denkfreiheit, ohne igitt, verboten. da Wort „unkeusch“ gabs bei uns nicht. Übrigens alle vier führen christliche Ehen und haben teilweise selbst Kinder. Und wo bitte widerspricht „sexuelle Aufklärung“ den Lehren unserer Kirche????

    • Silvia Brückner sagt:

      Ich habe den verlinkten Artikel gelesen.

      Zunächst fiel mir auf, dass Jungen und Mädchen, obwohl in etwa gleichaltrig, eine sehr unterschiedliche Reife bzgl. ihrer Pubertät haben.

      Das macht einen gemeinsamen Sexualkundeunterricht schwierig.

      Auf das gerade in der Pubertät doch stark ausgeprägte Schamgefühl der Jugendlichen nimmt diese Art von Unterricht keine Rücksicht. Einfühlsam ist was anderes.

      Völlig unmöglich ist die Übung „Wir bauen einen Puff“ angesichts von Menschenhandel und Zwansprostitution, diese werden dadurch verharmlost.

      Wenn ich an all die schwer traumatisierten Frauen und Mädchen, die sexuell missbraucht worden sind, und die jetzt als Flüchtlinge bei uns Schutz suchen, denke, ist diese Übung der reinste Zynismus.

      Ein Teil dieser Mädchen wird demnächst unsere Schulen besuchen. Hat man sich schon einmal gefragt, was eine solche Übung an zusätzlicher seelischer verletzung bei diesen Mädchen (und ihren Müttern) auslöst?

      Schwester Lea Ackermann führt einen unermüdlichen Kampf gegen die Prostitution und Schwester Hatune Dogan betreut Frauen und Mädchen, gerade auch jesidische, die vom IS als Sexsklavinnen missbraucht worden sind, die dadurch teilweise auch schwere körperliche Verletzungen erlitten haben.

      Und in unseren Schulen „spielt“ man „Wir bauen einen Puff“…..

      Als Frau, Katholikin und Sozialarbeiterin protestiere ich gegen eine solche Verharmlosung von Prostitution.

      • chrisma sagt:

        Liebe Slvia Brückner,
        im Artikel wird geschrieben:“die Lehrerin könnte“, sie tut es aber nicht. Das Buch in dem dieses dikaktische und andere doch etwas fragwürdige Mittel vorgeschlagen werden, findet inzwischen fast keine Anwendung mehr. Dann sollten Sie sich eine solche Lehreinheit einmal vorurteilsfrei anschauen, es ging darum überhaupt erst einmal aufzuzeigen „was ist Prostitution“. Über die Wahl der Mittel kann man sicher streiten. Ich finde es auch nicht sehr geglückt.
        1977 entschied das Bundesverfassungsgericht, die schulische Sexualerziehung habe sich auf die Wissensvermittlung zu beschränken und müsse auf die „religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen“ der Eltern Rücksicht nehmen. Dies vorausgesetzt, sei keine besondere Zustimmung zum Unterricht notwendig. Allerdings müssten Eltern rechtzeitig über Inhalt und Methodik des Unterrichts informiert werden. Die Entscheidung über die Einführung der Sexualerziehung sei dabei Ländersache.
        Dies ist bis heute so und führt dazu, dass die Sexualerziehung von Bundesland zu Bundesland, manchmal sogar von Schule zu Schule, verschieden ist. Es gilt aber Erst- und Zweitklässer sollen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen kennenlernen sowie sich gegen unangenehme Berührungen behaupten können (Prävention von sexuellem Missbrauch).Erst ab Jahrgangsstufe Fünf geht es um „die Entstehung von menschlichem Leben“. Die Eltern werden bei den Klassenelternversammlungen informiert; Probleme, das zeigen die Fälle der Vergangenheit, gibt es immer dann, wenn die Eltern nicht ausreichend informiert waren. In letzter Zeit gab es Probleme insbesondere dann wenn es darum ging unterschiedliche sexuelle Präferenzen aufzuzeigen. Der Protest dagegen wir von konservativen Kreisen forciert. Hauptinstanz bei der Aufklärung ist immer noch das Elternhaus. Allerdings wird die Schule in Zeiten des Internets, das dazu führt, dass schon Kinder Pornofilme konsumieren, immer wichtiger. Bei der Sexualerziehung gibt es drei Zielgruppen die Kinder, ihre Eltern und die Lehrer. Wenn dieses Dreieck nicht funktioniert, kann der Sexualkundeunterricht scheitern. Durch Krieg traumatisierte Kinder haben in „normalen“ Schulen eigentlich nichts zu suchen. Hier kommen noch schwere Aufgaben auf uns zu. Soweit…..

        • Silvia Brückner sagt:

          Liebe chrisma, in aller Kürze, ich bin gerade in Zeitdruck.

          Was das Thema des Sexualkundeunterrichts angeht, bekkene ich mich dazu, konservativ zu sein. Diesen Standpunkt zu vertreten, sollte mir in einer Demokratie zugestanden werden. Ich lebe übrigens in Baden – Württemberg.

          Dass (schwer) traumatisierte (Flüchtlings)kinder eigentlich nicht in „normale“ Schulen gehören, darin stimme ich Ihnen zu.

          Diese Kinder und ihre Eltern brauchen zunächst einmal einen Schutzraum, un ihre seelischen und körperlichen Verletzungen aufzuarbeiten, soweit das überhaupt möglich ist.

          Nur, wie soll das gelingen, beim derzeitigen Flüchtlingschaos? Es gelingt ja kaum eine ordnungsgemäße Registrierung der menschen, von einer demnächst notwendig werdenden winterfesten Unterkunft ganz zu schweigen.

          Und an Dolmetschern scheint es auch zu fehlen.

          Ich würde mich z.B. gerne ehrenamtlich einbringen speziell in die Hilfe für Flüchtlingsfrauen und – kinder, aber ich kann keine Silbe arabisch.

  8. chrisma sagt:

    @ Amica, so ein bisschen verlaufen haben Sie sich in Ihren Beiträgen schon. Wenn Sie so wie ich eine ältere Dame sind wie ich, kennen Sie die furchtbaren Jahre in denen über Sexualität nur geflüstert wurde, sie ein „Dunkelthema, war, Frauen wegen unehelicher Kinder geächtet wurden, ihnen die eigenständige Sexualität abgesprochen wurde. Vergewaltigung im Ehebett war kein Straftatbestand, sexuelle Übergriffe auf Kinder normal, waren ja bloß Kinder und hatten kein Recht auf eine eigenständige Sexualität. Die Menschen unterlagen einer restriktiven Moral. Wenn wir 1968 als „Schlüsseldatum“ setzen, hat sich seit ca. 45 Jahren und dies ist kein langer Zeitraum in der Geschichte, diese Vorstellung radikal gewandelt und vor diesem Hintergrund hat eine solche Ausstellung ihre Berechtigung. Da die katholische Kirche, in weiten teilen die Hüterin einer restriktiven Sexualmoral ist, hat auch sie in dieser Ausstellung ihren verdienten Platz. Jede Medaille hat zwei Seiten und mit der Veränderung der sog. sexuellen „Befreiung“ ging eine „Übersexualisierung“ aller Lebensbereiche einher und dies beschreibt Pater Hagenkord sehr gut. Hinter der Fassade der scheinbaren Befreiung bleiben alte Muster erhalten, wie ein traditionelles Familienbild, Sexismus, ausufernde Pornografie in allen Schattierungen, völlige Überbewertung der Sexualität in allen Bereichen etc. Sie haben sich der romantischen Liebe verpflichtet, auch noch nicht so alt mal so kappe 200 Jährchen, das ist ihr sehr, sehr gutes Recht, sollte aber nicht dazu führen das Sie eine solche Ausstellung ad absurdum führen und die Auseinandersetzung damit in dem Bereich „zu modern“ verweisen. Übrigens nur mit grünen Augen ist es in der Liebe nicht getan, die grünen Augen machen iregendwann den Mund auf und was da raus kommt ist entscheidend. Noch ein kleiner Nachsatz: auch Menschen die sich einem zölibatären Lebensweg verpflichtet haben können, sollen und müssen über Sexualität, Familie und Liebe sprechen.

    @Rosi Steffens, ich überfliege Ihre Beiträge nur, sehen Sie es mir bitte nach.
    Aus diesem Beitrag flog aber ein Satz heraus, den ich auch als katholische Christin so nicht stehen lassen werde „ Die Sexualität sollte dabei der Bildung einer Familie dienen und nicht dem Lustgewinn mit dem Wunsch der daraus resultierenden Befriedigung unterliegen.“ Gott schuf uns ebenbildlich und dabei gab er uns den wunderbaren Garten der Lust. Die Sexualität dient unserer Lust, muss verantwortlich im Respekt dem „Anderen“ gegenüber gelebt werden. Mehr nicht…….Die Bildung einer Familie steht auf einem anderen Zettel.

    • Angelika Oetken sagt:

      Dazu welche verheerenden Folgen es haben kann, wenn Sexualität von Gewalt, Zweckdienlichkeit und Ausbeutung und nicht von Lust und Liebe getragen wird, sind aktuell in der Süddeutschen online erschienen: „Die Kinder der Traumatisierten“ und „Rassismus der NS-Zeit überdauerte den Untergang von Hitler-Deutschland“. Darin geht es unter Anderem um Kinder, die im Zuge einer Vergewaltigung gezeugt wurden. Was für viele Frauen früherer Generationen Alltag war. Und nicht nur Kriegsfolge. Auch das Konsequenz einer Auffassung von Moral, die sich eher an den Prinzipien der Tierzucht ausrichtete, denn an Menschlichkeit.

    • Amica sagt:

      Meine Liebe Chrisma,

      stellen Sie sich vor, ich bin Mitte 30, und o Gott, ja, ich glaube an die „romantische Liebe“. Schrecklich nicht?
      Und es soll Menschen geben, auch relative junge Menschen, die an Ideale glauben auch wenn Sie die Realität kennen und teils enttäuscht wurden.
      Ich lasse mir diese Ideale von keinem nehmen… und wenn es sein muss verteidige ich sie mit Krallen und Raubtierzähnen.
      Ohne den Glauben an diese Ideale wäre ich nämlich verbraucht und uralt. Und zum Glück habe ich in meinem Leben Menschen kennen gelernt, die ähnlich denken, übrigens auch Geistliche.

      • Silvia Brückner sagt:

        Liebe Amica, und ich bin 64 Jahre, glaube auch, das Leben zu kennen, und möchte Sie gerade deswegen ermutigen, sich Ihre Ideale und Ihren Glauben an die romantische Liebe nicht nehmen zu lassen.

        Diese romantische Liebe ist es doch, von der fast alle Menschen träumen, ohne diese Liebe würde doch kaum jemand heiraten.

      • chrisma sagt:

        Hallo Amica, ich will Ihnen die Ideale nicht nehmen. Auch wenn ich schon „urmelalt“ bin habe ich auch welche und zwar viele, ganz viele……Wie geschrieben: die Verpflichtung zur romantischen Liebe ist Ihr sehr, sehr gutes Recht. Soweit bis zum nächsten Mal. Maria möge Sie schützen.

      • Angelika Oetken sagt:

        Ideale sind wichtig. Sie helfen dabei, konkrete Ziele zu entwickeln. Romantische Liebe gibt es, sie ist etwas Wunderbares und keinesfalls ein Zeichen von Naivität oder eine Frage des Alters. Aber bei aller Liebe und viel gutem Willen: es gibt in Partnerschaften leider ganz konkrete und praktische Stolpersteine. Und nicht selten liegen die im sexuellen Bereich begründet. Gut, wenn beide dann Gelegenheit haben, sich wirksamen Rat zu holen.

  9. Rosi Steffens sagt:

    Ich sehe im Garten Eden die menschlichen Möglichkeiten und nicht einen Ansporn zum Lustgewinn, eher das Ergebnis aus einer menschlich unermesslichen Liebe. Freier Wille heißt für mich auch nicht, dass ich anderen gegenüber in Verantwortung treten muss, denn das würde ja den freien Willen ad absurdum führen, ich muss mich meinem eigenen Willen als Mensch unterwerfen und damit in Verantwortung mir selbst gegenüber treten, um das sein zu können, was ich bin. Sexualität dient in meinen Augen auch nicht, sie kann das Selbstbewusstsein fördern und das macht für mich einen riesen Unterschied. Der respektvolle Umgang damit ist vom Menschen als solchem gefordert, denn schließlich ist er ja Mensch in allen Bereichen und nicht nur dort, wo es ihm gerade gefällt. Die Bildung der Menschheitsfamilie kann auf keinem anderen Zettel stehen, denn sie ist das Resultat aus dem Anfang, der für alle und jeden das gleiche schöpferische Potential bietet und in einem Leben zusammenführt, was uns die Zeit aufzeigen kann. Gott steht als Wort in diesem Anfang bereit und schöpft aus all dem, was sich ihm bietet das geistige Potential, das sich in seinen Kindern wiederspiegelt. Der Sohn Gottes hat als Mensch durch Wort und Schrift ins Leben geführt, was diesen Geist trägt. Sexualität ist also nicht mehr und nicht weniger als es das derzeitige menschliche Ermessen zulässt.

  10. JLTD sagt:

    Pater, es wurde schon mehrmals gefragt, was Sie mit diesem Beitrag und meinerseits vor allem mit der Veröffentlichung des letzten Bildes bezwecken. Könnten Sie diese Fragen noch beantworten?

    Ich denke, dass mit der Veröffentlichung eines solchen Bildes ein weiteres Stück Realität geschaffen wird. Man kann sich dabei unmöglich darauf berufen, dass das doch überall zu sehen sei. Es ist die eigene Entscheidung, ob man dazu beitragen will, dass das auch hier zu sehen ist, oder eben nicht.

    Also, was bezwecken Sie mit Veröffentlichungen wie diese, und warum tun Sie das im Namen des Vatikans? Was genau möchten Sie mit Ihrem Artikel sagen? Welchen Platz nimmt dieser Artikel bei der Ausbreitung des Reiches unseres Herrn? Warum ist es richtig, bei dieser Veröffentlichung die Autorität, die der Herr Ihnen in Seiner Kirche gibt, zu verwenden? (Sie könnten ansonsten ja auch einen privaten Blog nutzen).

    Wieso nehmen Sie so einseitig Stellung gegen die Bezeichnung ‚Pornounterricht‘ und vermeiden dabei jede Aussage über die Pervertierung des Sexualkundeunterrichts, die ja der Grund für diese Überspitzung ist? Könnte man das als Außenstehender nicht so verstehen, dass Sie die als Sexualkunde daherkommende Ideologisierung zugunsten sexueller Unzucht gut heißen? Wenn Sie nicht falsch verstanden werden wollen, wenn Sie also nicht zu etwas Verkehrtem unwillentlich beitragen wollen, sollten Sie klar sagen, was Sie für gut und was Sie für nicht gut halten.

    Mit Bezug auf die „Dekrete der 35. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu“ habe ich auch eine Frage:

    Zitat:
    Im Geist der Gewissenserforschung bitten wir den Herrn um die Gnade der Bekehrung und laden jeden Mitbruder ein, seine eigene Weise, an den „neuen Grenzen“ unserer Zeit zu leben und zu arbeiten, zu „erforschen“. Es geht darum, sich zu erforschen über: […] die Bemühung um „Übereinstimmung mit dem Lehramt, durch die vermieden wird, dass sich im Gottesvolk Verwirrung und Befremden einstellt“ in Bezug auf die „Themen, die heute ständig diskutiert und in Frage gestellt werden, wie die Rettung aller Menschen in Christus, die Sexualmoral, Ehe und Familie im Zusammenhang mit der heutigen Wirklichkeit“. Deshalb wird jeder Jesuit eingeladen, seine Irrtümer und Fehler demütig anzuerkennen, den Herrn um Gnade zu bitten, die Sendung zu leben, und, wo nötig, die Gnade seiner Vergebung zu erflehen.
    Zitat Ende.

    Wie lässt sich begründen, dass die Veröffentlichung eines solchen Bildes auf den Webseiten des Vatikans (sowie auch schon mal das Bild zweier sich küssenden lesbischen Frauen, welches in diesem Blog auch verteidigt wurde) im Einklang mit dem Lehramt der Kirche steht?

    Meine Fragen sind ernst gemeint.

    KKK 2357: Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. […] Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.

    KKK 2353: Unzucht ist die körperliche Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau, die nicht miteinander verheiratet sind. Sie ist ein schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen und der menschlichen Geschlechtlichkeit selbst, die von Natur aus auf das Wohl der Ehegatten sowie auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet ist. Zudem ist sie ein schweres Ärgernis, wenn dadurch junge Menschen sittlich verdorben werden.

    Demgegenüber Zitate aus „Richtlinien und Lehrpläne zur Sexualerziehung“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2004):

    „Ausdrücklich und ausführlich wird darauf eingegangen, dass für die Identitätsentwicklung eine Auseinandersetzung mit gleichgeschlechtlichen Lebens- und Liebesformen hilfreich ist.“
    „Ein kritisches Infragestellen der traditionellen Geschlechtsrollen wird explizit angeregt“
    „Die SchülerInnen sollen in diesem Zusammenhang „Sexualität als integrierten Bestandteil von Freundschaften“ kennen lernen, indem Themen wie „Selbstbefriedigung“, „vorehelicher Geschlechtsverkehr“ oder „Petting“ angesprochen werden“
    „Heterosexuelle Partnerschaften und homosexuelle Partnerschaften werden als gleichwertig anerkannt.“
    „Deutlich herausgestellt wird hier ebenfalls, dass Homosexualität als eine der Heterosexualität gleichwertige Liebes- und Lebensform anzuerkennen, zu tolerieren und zu respektieren sei.“

    U.s.w. Und nun möchte man den Sexualkundeunterricht noch stärker für die Verbreitung einer Ideologie nutzen, die ganz klar schädlich ist, und zwar in einer Explizitheit in der Weise, die dem Konsum von Pornographie ähnelt, weshalb die überspitzte Bezeichnung ‚Pornounterricht‘. Ja, es gibt keinen ‚Pornounterricht‘. Aber das, was damit überspitzt bezeichnet wird, das gibt es schon und verdient diese Überspitzung.

    Ich werde heute Nacht unseren Herrn, der auch will, dass Sein Reich im Internet sich ausbreitet, darum bitten, mir die Augen zu öffnen, wenn ich blind für das Gute in Ihrem Artikel bin. Vorerst zumindest ist mir aber dieser Artikel so wie auch vor ein paar Wochen Ihre Stellungnahme zum Bild der sich küssenden Frauen ein wirkliches Ärgernis, und nicht eine bloße Debatte. Aber Er hat uns versprochen, Seine Kirche nie allein zu lassen, und wird auch Sie leiten im Gebrauch der Autorität, die Ihnen gegeben ist.

    Gelobt sei Jesus Christus!

    • Rosi Steffens sagt:

      Man sollte Tatsachen nicht totschweigen, man sollte sie aber auch nicht tot reden. Ich kann ihre Aufregung zwar nachvollziehen, doch kann ich mich ihr nicht anschließen. Meiner Meinung nach hat jeder Mensch die gleichen Rechte, auch wenn er in Amt und Würden steht, im Gegenteil, die „Autoritäten“ sollten sich für eine Öffentlichkeit mit all ihren Inhalten einsetzen und sie auch vor Augen führen, um sie bewusst zu lenken. Wohin wären Ihre Gedanken verschwunden, hätte Pater Hagenkord diesen Beitrag nicht auf seinem Blog veröffentlicht? Es ist manchmal einfach wichtig, sich seiner Gedanken so zu entledigen, dass dadurch neue Gedanken ins Leben finden, die einem die Chance geben einen Blickwinkel einzunehmen, der so noch nicht bedacht wurde. Auch ich bin gegen den Sexualkundeunterricht in der Schule und doch nahmen meine Kinder daran teil. In meinen Augen findet er viel zu früh statt und Kinder entwickeln sich nun einmal nicht altersgerecht sondern naturbedingt. Außerdem ist die Erziehung der Kinder Elternsache und dazu gehört auch die Sexualität. Es gibt jedoch so viele Professoren, die es besser wissen als die Mütter und auch der Staat steht offensichtlich hinter deren Ansichten. Leider spielt in der heutigen Zeit der Einfluss der Familie nur noch eine untergeordnete Rolle, weil die Politiker und die Wirtschaftsbosse mit ihren Beratern das Zepter in der Hand halten. Damit verlieren wir immer mehr unserer eigenen Identität und das nimmt auch Einfluss auf unser Verhalten, denn es befördert uns zurück in eine Zeit in der wir uns vorschreiben ließen, was wir zu denken haben und deshalb unseren „Trieben“ folgten, statt sie als Mensch in den Griff zu bekommen. Heute geschieht diese Bevormundung zwar unter den Augen der Öffentlichkeit über das Internet, doch das macht es nicht besser. In der „Kirche“ sind Menschen tätig und auch sie sind von Gott erschaffen, wie wir alle, nicht besser und nicht schlechter. Gerade die Kirchendiener also sollten sich verpflichtet fühlen ihre Gedanken in Bahnen zu leiten, die für den Menschen nachvollziehbar der Wahrheit entsprechen. Es sind unser aller Gedanken, die die Wirklichkeit formen, weil wir diese Gedanken in ein Leben umsetzen, an dem wir auch alle beteiligt sind. Warum also sollte Pater Hagenkord sich für etwas rechtfertigen, was ihm offensichtlich auf der Seele liegt? Ich glaube es ist ein Vorurteil, wenn man eine bestimmte Absicht unterstellt, nur weil die eigene Vorstellung nicht in das vorgegebene Bild passt. Wir alle sollten uns zunächst vorurteilsfrei machen, um objektiv beurteilen zu können, wie wir zu einer gegebenen Tatsache stehen.

      An dieser Stelle musste ich mich einfach einmischen, denn ich fühlte mich von Ihrer Interpretation dieser Thematik angesprochen, obwohl sie Pater Hagenkord direkt ansprachen.

    • Angelika Oetken sagt:

      Wer ist „KKK“?

      • Rosi Steffens sagt:

        KKK ist eine Abkürzung für Katechismus der Katholischen Kirche, das habe ich über das Internet herausgefunden.

        • Angelika Oetken sagt:

          Danke für den Hinweis 😉

          Laut Wiki handelt es sich beim KKK um eine Art Handbuch für Grundfragen des Katholischen Glaubens. Leider ging aus dem Text nicht klar hervor, wer genau darüber entscheidet, was da rein gehört und vor Allem wie diese Entscheidungen getroffen werden. Das ist ja nicht unerheblich 🙂
          Denn immerhin hat sich ja der Forist JLTD oben in seiner Kritik an Pater Bernd Hagenkord auf den KKK berufen.

          • chrisma sagt:

            @Angelika Oetken Sie finden unter Wikipedia eine durchaus umfassende und sachliche Beschreibung wer daran mit gearbeitet hat. Wir sind an den KKK nicht dogmatisch gebunden. Was nun die Haltung des Foristen JLTD und ähnlich agierender Personen anlangt: die wedeln gern mit diesem Katechismus vor der Nase anders denkender und auch handelnden katholischer Christen herum. Ich glaube aber nicht an irgendeinen Katechismus, der sich in den Jahrhunderten ständig gewandelt hat sondern zu förderst an das neue Testament. Wir haben im Laufe unserer 2.000 Jahre währenden Geschichte kluge äußerst kluge Theologen hervorgebracht an denen ich mich orientiere. Und wie unsere Mitblogerin Carmen Fink es neulich formulierte: Gott ist größer als das Regelwerk seiner Kirche…….

      • chrisma sagt:

        Der erste Katechismus wurde im 8. Jahrhundert von dem englischen Gelehrten Alkuin verfasst und es folgten weitere erweiterte Katechismen. In der Reformationszeit verfasste Martin Luther 1529 den kleinen Katechismus und speziell für Theologen und Pfarrer ab 1528 den großen Katechismus. Das veranlasste Petrus Canisius 1555 zur Veröffentlichung des Größeren Katechismus für Studenten. 1566 wurde schließlich der Catechismus Romanus aufgrund eines Dekrets des Trienter Konzils verfasst und war primär für Pfarrer bestimmt. Dieser wurde in mehrere Landessprachen übersetzt, darunter ins Deutsche. Danach erschienen vor allem im 20. Jahrhundert weitere Erwachsenen- und Kleine Katechismen.

        • chrisma sagt:

          Sorry aber beim ersten Beitrag ist die Einleitung futsch, hier also nochmal
          @Angelika Oetkgen Danke liebe @Rosi Steffen, da ich aber Angelika Oetgken in diesem Blog schon kennen und schätzen gelernt habe hier etwas ausführlicher. Richtig KKK Katechismus der katholischen Kirche. Erstmals erschienen im Der erste Katechismus wurde im 8. Jahrhundert von dem englischen Gelehrten Alkuin verfasst und es folgten weitere erweiterte Katechismen. In der Reformationszeit verfasste Martin Luther 1529 den kleinen Katechismus und speziell für Theologen und Pfarrer ab 1528 den großen Katechismus. Das veranlasste Petrus Canisius 1555 zur Veröffentlichung des Größeren Katechismus für Studenten. 1566 wurde schließlich der Catechismus Romanus aufgrund eines Dekrets des Trienter Konzils verfasst und war primär für Pfarrer bestimmt. Dieser wurde in mehrere Landessprachen übersetzt, darunter ins Deutsche. Danach erschienen vor allem im 20. Jahrhundert weitere Erwachsenen- und Kleine Katechismen. Der jetzige erschien im Jahr 1992 ist umstritten. Zum einen da er hinter Vatikanum II zurück geht, zum anderen weil er eine Sexualmoral enthält die mit der Lebenswirklichkeit der meisten katholischen Menschen nichts mehr zu tun hat, darüber hinaus enthält er in Teilen eine äußerst rigide Sexualmoral wie Sie den genannten Beispielen durchaus entnehmen können. Die Diskussion ist in vollem Gang.

          • Angelika Oetken sagt:

            Danke für die Zusammenfassung @chrisma!

            Der Katechismus ist also in einem ständigen Entwicklungsprozess, wenn ich Sie richtig verstehe. Und was seine, letzte, also aktuelle Überarbeitung betrifft, wird auch noch deren Rechtsmäßigkeit bezweifelt. Wie kommt dann der Forist JLTD darauf, die Inhalte des gegenwärtig gültigen Katechismus könnten für einen jesuitischen Priester, wie es Bernd Hagenkord einer ist bindend sein?

          • Silvia Brückner sagt:

            Was den Katechismus und die Lehre angeht, so ist ein Teil der katholiken (Kleriker und Laien9 der Meinung, diese Lehre sei wie in Stein gehauen und dürfe sich nicht weiterentwickeln, der größere Teil derer, die sich als zur Kirche zugehörig verstehen, ist aber der Meinung, dass sich die Lehre weiterentwickeln muss.

            Das sind u.a. theologische Streithemen. Die heute vertretene Lehre ist ja auch nicht vor 2000 Jahren, so, wie sie heute ist, vom Himmel gefallen sondern hat sich entwickelt genauso wie die kirchlichen Strukturen und Ämter.

            Das wissen aber viele Katholiken gar nicht und verteidigen deshalb das, was sie mal als Kinder im Religionsunterricht gelernt haben, als alleingültige Wahrheit.

            Gott wirkt aber in der Zeit und nicht dagegen, dh., seit dem 2. Vaticanum sieht man Vieles anders als vorher und ist offen für Entwicklung. Ein Teil der Katholiken lehnt aber das 2. Vatikanische Konzil (1962 – 1965) aus genau diesem Grund mehr oder weniger deutlich ab und denkt, dass dieses Konzil quasi die Wurzel allen Übels war.

            Das Gegenteil ist aber der Fall. Problematisch wird es immer dann, wenn eine Religion für sich beansprucht, im alleinigen Besitz „der Wahrheit“ zu sein. Von dieser unheilvollen Einstellung hat sich die katholische Kirche in diesem Konzil gelöst, aber Einige gehen da halt nicht mit.

            Als Christ in einer pluralistischen Gesellschaft kann ich nur sagen, was für MICH wahr ist, ich kann diese meine Wahrheit aber niemandem aufzwingen, auch nicht meinen Mitkatholiken. Das hat etwas mit Toleranz zu tun.

  11. KRP sagt:

    Im großen und ganzen mögen so manche Ausführung zum Sexualunterricht stimmen und die Eltern haben da mit Sicherheit den größten Anteil zutragen und dann erst die Lehrer meines erachtens. Doch dem letzten Satz über kriegstraumatisierte Kinder kann ich so nicht zustimmen denn die haben die Realität doch schon kennengelernt und möchten lernen wo wollen Sie die denn abschieben in Sonderschulklassen wo sie wieder nur unter ihres gleichen sind wäre es nicht besser sie zu integrieren in einen normalen Tagesablauf und schulbetrieb? So schaut dann Integration aus Kinder abzuschieben und auszugrenzen…

    • Angelika Oetken sagt:

      Sehe ich auch so. Bei den meisten der geflüchteten Syrer, handelt es sich um gebildete Mittelständler. Die alles verloren haben und aus berechtigter Angst aus ihrer Heimat fliehen mussten. Ich glaube, die Aussicht, dass ihre Kinder in deutschen Schulen mit vielfältigem Sexualkundeunterricht in Berührung kommen, ist wohl eine ihrer geringeren Sorgen.

      • chrisma sagt:

        Hallo liebe Angelika Oetken, dieser Satz von mir weiter oben führt bei KRP dazu mir zu unterstellen ich würde Kinder abschieben und nicht integrieren wollen, sie gar in Sonderschulen unterbringen wollen
        „Durch Krieg traumatisierte Kinder haben in „normalen“ Schulen eigentlich nichts zu suchen. Hier kommen noch schwere Aufgaben auf uns zu.“ Nicht alle Kinder die aus den Kriegsgebieten kommen sind traumatisiert, aber die die es sind benötigen Schutz. Sie dem normalen Schulalltag ohne besonderes Maßnahmen auszusetzen könnte und wird fatale folgen haben. Eine Aussage wie „die haben die Realität doch schon kennengelernt“ klingt für mich zynisch, sorry aber dies muss gesagt werden. Noch ein Nachsatz, der Text den ich hier veröffentlicht habe ist nach Gernot Brauchle

        • Silvia Brückner sagt:

          Den Satz „die haben die Realität doch schon kennengelernt“ fand ich auch im höchsten Maße unsensibel.

          Und auch Kinder von Mittelstandseltern können traumatisiert sein. Dass die Eltern so von Existenzsorgen belastet sind, dass sie dies gar nicht richtig realisieren, macht die Sache für die Kinder nun wirklich nicht besser.

          Es geht mir auch nicht darum, ob die Eltern Bedenken gegen diese Form von Sexualkundeunterricht haben, sondern was das bei Kindern auslösen kann, die brutale Vergewaltigungen mitansehen mussten, vielleicht auch selbst vergewaltigt worden sind.

          Ich weiß nicht, ob unter den Flüchtlingen auch Jesiden sind, wenn ja, ist hier erst recht ein besonderer Schutz nötig. Jesidische Frauen und Mädchen, die dem IS entkommen konnten, sind seelisch und körperlich für ihr Leben gezeichnet.

          Das herunterzuspielen ist menschenverachtend.

          Baden – Wrttemberg hat 200 Jesidinnen, die vom IS als Sexsklavinnen missbraucht worden sind, aufgenommen, an einen geschützten, geheim gehaltenen Ort gebracht, wo sie eine Traumatherapie erhalten.

          • KRP sagt:

            Ich würde mal den ganzen Satz lesen und nicht nur die Hälfte denn da steht auch das sie lernen möchten und lernen hilft mit der Realität fertig zu werden. Aber herzlichen Dank für Ihre Kritik die immer sehr sensibel ist???

          • chrisma sagt:

            @Silvia Brückner, in den letzten Tagen hatte ich Nachtdienst. Eines Nachts lief ein Doku auf Phönix mit dem Titel „Flucht aus der Sklaverei“. Eine der Frauen, die über ihr grauenvolles Erleben berichtetet kollabierte während dieser Schilderung. Die Schilderungen verlassen mich nicht mehr. Berufsbedingt habe ich mechanismen solche Erzählungen nicht an mich heran zulassen, aber hier versagen sie. Etwas hat mich in all dem Grauen auch gefreut. Die jesidische Gemeinschaft nimmt die Frauen nach ihren leidvollen Erfahrungen wieder an und auf. Über das Projekt das sie beschreiben freue ich mich sehr.

        • KRP sagt:

          Zynisch ist es keineswegs gewesen und sollte es nicht sein, denn da wo diese Menschen, Kinder herkommen und das was sie erlebt haben ist Realität wo soll das zynisch sein?

        • Rosi Steffens sagt:

          Das tägliche Leben ist Therapie und ich bin aus tiefstem Herzen davon überzeugt, man muss es den Eltern überlassen sich um ihre Kinder selbst zu kümmern. Wer sind „wir“ denn, dass „wir“ uns über andere stellen, um ihnen dann zu sagen, was gut und richtig für sie oder ihre Kinder ist? Wenn Eltern sich freiwillig für eine Therapie ihrer Kinder entscheiden, dann finde ich das in Ordnung, doch wenn ihnen entsprechende Vorgaben gemacht werden, dann ist das eine Diskriminierung und greift ganz klar in die elterliche Fürsorgepflicht den Kindern gegenüber ein und verletzt das Selbstbestimmungsrecht. Die Erziehungs- und Fürsorgepflicht darf nicht vom Staat formuliert werden, denn sie liegt in der Natur der Eltern. Wir hatten schon einmal Vorschriften diesbezüglich und die ganze Welt weiß, was dabei herausgekommen ist. Diktaturen leben von der Erziehung der Kinder in der Obhut staatlicher Ansichten. Soll das für Demokratien auch gültig sein? Wer bestimmt dann den Grad der Freiheit, den der Einzelne hat, gerade im Gefüge einer Familie? Es mag ja in guter Absicht entschieden werden, doch die Grenze des öffentlichen Interesses ist dort, wo der Privatbereich sich vom öffentlichen Leben trennt. Der Schutz der Familie liegt in den Händen Gottes, diesen Respekt sind wir uns selbst schuldig. Offensichtliche Misshandlungen an Familienmitgliedern müssen selbstverständlich dem Recht zugeführt werden, indem dafür jeder seine Verantwortung trägt. Wären wir alle perfekt, dann hätten wir auch keine Probleme mit dem gegenseitigen respektvollen Umgang miteinander, doch allein das Recht begründet die Selbstdisziplin die die menschliche Unvollkommenheit anerkennt und nach ihrer Vollkommenheit strebt. Keiner darf sich dieser Unvollkommenheit entziehen, indem er sich über das Recht stellt, auch wenn er es nur gut meint.

    • chrisma sagt:

      KRP Da Sie offensichtlich u.a. Syrisch sprechen und über eine Ausbildung verfügen von der aus Sie einschätzen können was Kriegstrauma bedeutet, sollten Sie sich schleunigst bei einer Hilfsorganisationen melden. Es geht hier um kriegstraumatisierte Kinder. Sonderschulklassen und abschieben sind hier nicht die richtigen Worte/Begriffe sondern Unterstellungen mit denen Sie immer noch gern arbeiten

      • chrisma sagt:

        @KRP für Sie eine kleine Zusammenfassung die Ihnen hilft zu verstehen vor welchen Hintergrund wir der Auffassung sind das kriegtstraumatisierte Kinder unseren besonderen Schutz und unsere besondere Hilfe brauchen.

        Kriegstraumatisierte Kinder und Jugendliche Die vielfältigen Symptome, die infolge von Krieg und Vertreibung bei Kindern und Jugendlichen auftreten, sind als Versuch der Psyche zu sehen, die traumatischen Erfahrungen zu bewältigen. Dennoch ist zu beachten, dass diese Symptome mit enormem Leid verknüpft sind, intensive Unsicherheit, Hilflosigkeit und Angst bedingen und sich im Laufe der Zeit chronifizieren können. Wie intensiv und welcher Art die Reaktionen von Kindern und Jugendlichen sind, hängt von der Entwicklungsphase des Kindes, dem Geschlecht, dem Ausmass und der Art der Kriegserlebnisse, den individuellen Bewältigungsstrategien, der Familiendynamik, aber auch mit dem Aufenthaltsstatus im Exilland zusammen. Dabei können die Erfahrungen im Exilland die Kriegserfahrungen des Ausgeliefertseins immer wieder neu reproduzieren und bei Kindern und Jugendlichen zu einer Art «Opferidentität» führen. 12.1 Feindbilder, Rollenübernahme und unrealistische Heilungserwartungen Feindbilder: Vor allem im Zusammenhang mit der «Opfer identität» bauen kriegsvertriebene Kinder und Jugend liche oft starre Feindbilder auf. Insbesondere Personen, die als kontrollierend und «verfolgend» wahrgenommen werden – wie Behörden und Sozialarbeiter –, können zu Feindbildern werden. Dies kann aber auch Therapeuten und Lehrer, sowie, wenn es sich um Jugendliche handelt, die eigenen Eltern betreffen. Dabei werden besonders in der Pubertät die eigenen Eltern mit ihren Normen und Werten als hilflos und schwach erlebt und massiv abgelehnt. Rollenübernahme: Kriegsvertriebene Kinder müssen oft Aufgaben und Verantwortungen übernehmen, die nicht altersgemäss sind. Dies kann zum Beispiel eine Vermittlerrolle in der Aussenwelt, aber auch die Versorgung der Eltern beinhalten. Übernehmen Kinder Rollen und Aufgaben auf der Elternebene, bezeichnet man dies als Parentifizierung. Vor allem unrealistische Heilungserwartungen auf Grund kultureller Heiltraditionen (z.B. durch Heiler, Gesundbeter, weise Frauen etc.) führen oft dazu, dass Flüchtlinge für sich und ihre Kinder ein unrealistisch schnelles Verschwinden der Symptome erwarten – ohne eigene Beteiligung im therapeutischen Prozess. 12.2 Mögliche Folgen und die «Blindheit» der Eltern Die traumatischen Erfahrungen von Krieg und Vertreibung für Kinder und Jugendliche haben weitreichende Folgen für die emotionale, kognitive und soziale Entwicklung. Dies zeigt sich beispielsweise in Form von emotionalen Störungen, wie Depressionen und Angststörungen, Drogenmissbrauch oder Störungen des Sozialverhaltens. Ebenfalls häufig sind Leistungsversagen und Schulabbruch, frühe ungewollte Schwangerschaften oder Gesetzesübertretungen und Straftaten. Da oft die Eltern dieser Kinder selbst durch eigene Traumatisierungen beeinträchtigt und verunsichert sind, werden die Verhaltensauffälligkeiten der eigenen Kinder als schamhafte Kränkung erlebt, die eine erneute Stigmatisierung bedeutet oder, auf Grund der Schwierigkeiten, sogar eine Abschiebung zur Folge haben kann. Auffälligkeiten der Kinder werden somit geleugnet beziehungsweise auf Grund der vorherrschenden existenziellen Probleme als unbedeutend angesehen und pädagogisch-therapeutische Angebote abgelehnt. 43 12.3 Verzeihen und Versöhnen Hannah Arendt spricht von dem bedeutenden Nutzen, den das Verzeihen – als Voraussetzung für Versöhnung – für die Opfer haben kann. Verzeihen helfe den Opfern aus der Ohnmacht des Unterlegenen heraus, die Kontrolle des Handelnden wiederzugewinnen und so den pathologischen Gefühlen der Hilflosigkeit und Ohnmacht zu entgehen. Dabei bedeutet Verzeihen nicht, das Unrecht zu entschuldigen! Verzeihen muss als intrapsychischer Prozess gesehen werden, der einerseits Hass und Selbsthass vermindert und im Gegenzug wieder Vertrauen in Andere und die Welt ermöglicht. Dies stellt eine wesentliche Voraussetzung für ein positives Leben dar. Verzeihen ist – im Gegensatz zur Versöhnung – eine Reaktion einer Person auf eine Verletzung. Bei einer Versöhnung hingegen müssen beide Beteiligten – Opfer und Täter – zueinander finden. 12.4 Umgang im Schulalltag Für die Verarbeitung des Erlebten ist professionelle Hilfe nötig. Lehrkräfte können bei der Vermittlung von entsprechenden Angeboten ihre Erfahrungen so weit mit einbringen, dass eine befreiende Lösung möglich wird. Kinder und Jugendliche mit traumatischen Erfahrungen brauchen viel Verständnis, Geduld und Strukturen, welche ihnen Sicherheit geben. Dies unter dem Aspekt des Wohlwollens, dass diese Schülerinnen und Schüler verletzlicher sind als andere.

      • KRP sagt:

        Was unterstellen Sie mir eigentlich wieder ich war nicht generell gegen Ihre Ausführungen nur gegen eine Art von Sonderschulen das sich so für mich herausliest und Ihrem unteren langen abgeschriebenen Ausführungen mag sicher auch etwas dran sein aber nicht alle Flüchtlingskinder sind automatisch traumatisiert und Kinder können oft besser verarbeiten als man denkt. Ich habe nichts unterstellt sondern nur kommentiert was ich herausgelesen habe. Schätzen Sie sich doch glücklich wenn Sie die Sprache der Syrer kennen und verstehen und Sie als Ärztin sind sicher in der Lage entsprechend zu helfen.

      • KRP sagt:

        Für Sie liebe chrisma noch etwas von Kardinal Woelki:

        „…Aus einer Willkommenskultur sollte eine Integrationskultur in Deutschland werden: Dazu ruft der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki auf. Nur warm und sicher reiche nicht aus. Und es reiche auch nicht aus, Menschen irgendwo unterzubringen, sagte er in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur.

        Der seit einem Jahr amtierende Erzbischof warnte davor, dass Ghettos mit Flüchtlingen entstehen könnten. „Das würde auf Dauer sozialen Sprengstoff bergen, wie der Blick in andere europäische Länder zeigt.“ Zuwanderer müssten die neuen Nachbarn der Einheimischen werden, „mit ihnen und nicht neben ihnen her leben“. Der Kardinal hatte zu Beginn seiner Amtszeit die „Aktion Neue Nachbarn“ zur Unterstützung von Gemeinde-Initiativen für Flüchtlinge gegründet. Allein auf Facebook hätten sich über 2.700 Menschen vernetzt, um für Spenden zu werben oder Best-Practice-Beispiele auszutauschen, so Woelki

        Zu einer wirklichen Integrationskultur gehört für den Kardinal auch, den Flüchtlingen Sprachkenntnisse zu vermitteln, „damit sie sich hier verständigen und wirklich ankommen können“. Zudem gelte es, Kinder und Jugendliche in den Schulen zu integrieren und ihnen wie auch den Eltern Zugang zum Arbeitsmarkt zu eröffnen – und damit die Teilhabe an der Gesellschaft…“

        (kna 16.09.2015 pdy)

        • chrisma sagt:

          @KRP Das sehe ich ganz genauso, danke für den Text. Übrigens Kardinal Woelki hatte ja schon in Berlin eine gute Entwicklung genommen, die er hier im Rheinland fortsetzt. Euch „Berlinern“ viel Glück mit dem Neuen.

          • KRP sagt:

            Schön das es doch noch Übereinstimmungen gibt aber ich bin kein Berliner sondern aus Oberfranken (Bayern) schätze Kardinal Woelki sehr und wünschte es gäbe mehr von seiner Art.

  12. JLTD sagt:

    Der KKK ist nichts mehr und nichts weniger als das, was die Kirche lehrt. Er ist umstritten, u.z. unter denjenigen, die das nicht glauben wollen, was die Kirche lehrt.

    Wer das glaubt, was die Kirche lehrt, wird heute „erzkonservativ“ genannt und der „Bevormundung“ anderer beschuldigt, wenn er ihnen sagt, dass sie etwas glauben wollen, was die Kirche nicht lehrt. „Katholisch“ heißt dann „erzkonservativ“, denn „katholisch“ wollen nun diejenigen heißen, die das nicht glauben möchten, was die Kirche lehrt.

    Und alles im Namen der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe!

    Wer dann den aktuellen Zustand beim Namen nennt, ist ein Spalter. Oder noch schlimmer: er ist dann ggf. sogar schuld, wenn tatsächlich soetwas passieren könnte, denn er hat es „heraufbeschworen“.

    Dass wir ganz und gar faktisch gespalten sind, sieht man daran, wieviele Katholiken die Lehre der Kirche nicht mehr glauben wollen. Die Schlussfolgerung dieser Gläubigen ist aber nicht: lasst uns Protestanten werden. Nein, sie schlußfolgern vielmehr: die Kirche muss sich ändern!

    Die Kirche beansprucht Autorität in Sachen der Glaubens- und der Morallehre (also auch der Sexuallehre). Wer mit dem Inhalt des Katechismus nicht einverstanden ist (Glaubenszustimmung), und auch nicht bemüht ist, damit einverstanden sein zu können (Glaubensgehorsam), ist kein Katholik.

    Man möchte weiter katholisch heißen ohne es sein zu brauchen. Konsequenter wäre:

    a) Protestant werden
    b) ohne wenn und aber die Lehre der Kirche annehmen, und sich darum bemühen, das, was ihnen Schwierigkeiten bereitet, im Gebet verstehen zu lernen

    Wenn Sie wissen wollen, was die Kirche lehrt, lesen Sie im KKK nach. Wenn Sie mit dem Inhalt weder einverstanden sind noch sich darum bemühen möchten, damit einverstanden sein zu können, dann wäre es an der Zeit, sich zu fragen, ob nicht in einer der anderen etwa 35.000 Konfessionen genau diejenige zu finden ist, die all das lehrt, was Sie glauben möchten.

    Das wäre doch eine tolle Geschäftsidee. Die Webseite „Der Konfessiomat“. Sie beantworten dort einen Fragebogen zu den interessantesten und ganz brandaktuellen Themen wie:

    – Frauenordination
    – homosexuelle Partnerschaften
    – sonstige Sexualmoral
    – ‚Pornounterricht‘
    – Zölibat
    – Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene
    – Gender-Gedöns (in zehn Jahren so salonfähig wie die Homo-Ehe)
    – Demokratie in der Kirche
    – Existenz der Hölle, des Teufels und des Fegefeuers
    – die absolute Wahrheit des Christentums

    und der Server sucht in einer Datenbank aus über 35000 Konfessionen genau diejenige raus, die alles so lehrt, wie Sie es glauben möchten. Dann wechseln Sie dorthin per Klick auf „Ja, ich will meine Konfession ändern“ und der Server kümmert sich um den Rest.

    Aber nein, die Kirche soll sich ändern. Die Kirche, also die Lehrerin, hat nämlich keine Ahnung. Wir müssen sie auf den aktuellen Stand bringen, damit sie uns, „den Menschen von heute“ endlich unterrichten kann.

    Es ist mir ein Rätsel, wie es sich bei Menschen innerlich nichts rühren kann, die behaupten der KKK müsse nicht so genau genommen werden, und man könne trotzdem einfach Katholik bleiben. Noch weniger kann ich verstehen, wie so jemand auf die Idee kommt, dass nicht er sondern die Kirche sich ändern müsse. Der KKK stimmt einfach nicht und muss geändert werden.
    Begründung:

    a) da könnte ja sonst jeder kommen
    b) hält sich eh keiner dran
    c) wurde von „erzkonservativen“ geschrieben
    d) ist fast 20 Jahre alt!
    e) damals hatte man doch kein Internet
    f) verstößt gegen die Barmherzigkeit!!!
    g) verstößt gegen unsere christliche Identität
    h) ist viel zu lang, wer soll das alles lesen
    i) kann man alles „heute nicht mehr sagen“
    j) ist reaktionär
    k) mit „verkrusteten Strukturen“
    l) will nicht „von der Welt lernen“
    m) wir müssen „die Fenster aufmachen, damit das Licht reinkommt“

    u.s.w.

    Wer noch nicht „Herr der Welt“ von R. Benson gelesen hat, sollte das wirklich ganz dringend nachholen.
    Übrigens auch eine Leseempfehlung von Papst Franziskus, der ja in den Augen so vieler nicht „erzkonservativ“ ist.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Nur einen Einwand zu ihrem langen Text: es ist ein Unterschied, einfach nur Sätze zu wiederholen, oder sie auf die sich ständig ändernde Realität anzuwenden. Ersteres wird der Lehre der Kirche nicht gerecht, sie ist kein fixes Gerüst von Sätzen, wir glauben an eine Person und aus diesem Glauben folgen all die Dinge, die dann im KKK zusammen gefasst stehen. Die frei machende Wahrheit ist Jesus Christus selbst, nicht ein Buch. Das Buch ist Hilfe und Anleitung.
      Ganz problematisch finde ich Ihre Anmaßung entscheiden zu wollen, wer denn nun Katholik ist und wer nicht. Gerade bin ich in Kuba, wo etwa 1% aller Getauften zur Messe gehen. Das ist ein Bruchteil der Prozentsätze bei uns. Trotzdem wehren sich alle in unseren Interviews dagegen, Glauben an aktivem Messbesuch zu messen. Man müsse sehen, wo alles dieser GLaube zu sehen sei. Glaube sei viel größer als das, was wir statistisch zählen können.
      Und ganz biblisch: richtet nicht!

      • JLTD sagt:

        Danke, Pater. Es freut mich, dass ich Ihnen an dieser Stelle in allen Punkten zustimmen kann.

        Nur eines möchte ich noch einmal betonen: es ist unvernünftig, katholisch heißen zu wollen ohne auch an die katholische Glaubenslehre glauben zu wollen. Wer so denkt, will ins Wasser gehen aber nicht nass werden. So ein Zustand drängt ganz von allein zu einer Entscheidung, sofern man überhaupt für den Widerspruch empfänglich ist, in dem man sich dabei befindet.

        Die Kirche hat eine Lehre, die immer wieder auf die aktuelle Zeit angewendet (nicht angepasst) wird. Und die auch korrigiert und erweitert wird. Aber hoffentlich nicht, weil sie nicht zum aktuellen Zeitgeist passt!

        Und zuletzt, nicht als Einwand gegen Sie sondern als Ergänzung für die anderen Foristen, ein Zitat von Johannes Paul II über den heute gültigen Katechismus:

        „Der Katechismus der Katholischen Kirche […] ist eine Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre, wie sie von der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und vom Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet wird. Ich erkenne ihn als sichere Norm für die Lehre des Glaubens an und somit als gültiges und legitimes Werkzeug im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft.“

        Wer sich katholisch nennt und den Katechismus für ungültig hält, befindet sich ganz objektiv in einem Widerspruch. Analog zu dem Widerspruch, in dem sich derjenige befindet, der sich Christ nennt, aber den Herrn nicht für den Herrn sondern für einen Propheten hält.

        Meiner Ansicht nach ist ein Christ dann ein katholischer Christ, wenn er den Lehren der Katholischen Kirche gegenüber mindestens glaubensgehorsam sein will.
        Wer dagegen von vornherein denkt, er könne katholisch sein und sich aus den Lehren der Kirche aussuchen, an welche er glauben will und an welche nicht, ist in einem Zustand des Widerspruchs, und zwar unabhängig davon, ob er sich dessen im Klaren ist oder nicht.

        Für mich bedeutet Glaubensgehorsam in diesen Tagen konkret, dass ich mich jetzt schon an die möglichen Folgen der nächsten Synode halten und sie wohlwollend annehmen und verstehen wollen werde. Ob sie mir gefallen oder nicht, ob ich sie für „zeitgemäß“ halte oder nicht, ob ich sie für Anpassung an den Zeitgeist halte oder nicht, das soll dabei keine Rolle spielen, denn es ist nicht meine sondern Seine Kirche. Dieser Gehorsam gründet in meinem Glauben an Seine Worte. Sollte ich eines Tages nicht einmal die Bereitschaft haben können, die Lehren der Kirche *glauben zu wollen*, so wäre ich zumindest für die Dauer dieses Zustandes nicht mehr Teil der Katholischen Kirche. Ich wüßte nicht, wie man das anders sehen könnte.

    • chrisma sagt:

      @JLTD Sie schreiben hier anonym, ich weiß nicht ob Sie römisch katholisch sind oder einer der vielen Gruppen an der Rändern unserer Kirche angehören.Ich finde es anmaßend, dass Sie hier entscheiden wollen, wer römisch katholisch sein darf. ICH BIN ES, durch die Taufe und einmal im Jahr in der Osternacht wiederhole ich mein Bekenntnis zu meinem Glauben an Jesus Christus unseren Herr und zu seiner Kirche. Wie arm im Herzen kann man sein, katholischen Menschen, die Ihre gebetsmühlenartig wiederholten Sätze nicht akzeptieren wollen und können zu empfehlen sich per Internet eine andere Religion zu suchen.

    • Angelika Oetken sagt:

      @JLTD,

      wer ist denn Ihrer Ansicht nach „die Kirche“?

  13. KRP sagt:

    Wer @JLTD ist weis ich nicht und seine od. Ihre Ausführungen zum Katechismus sind mir zum lesen viel zu lang und viel zu sehr von sich selber eingenommen als sei er/Sie jemand der den echten Glauben zu haben meint. Ich finde Ihre Antwort P. Hagenkord auf dieses Statement vollkommen richtig und schließe mich an. nur ist es sicher keine Lösung egal an welchen Rändern Glaubensrichtungen solche Menschen stehen sie dann an andere zu verweisen. Der Katechismus beschreibt nichts anderes als das was in der Bibel steht und im Grunde genommen braucht es diesen gar nicht es reicht die Bibel aber es gibt eben Menschen die benötigen noch die Ausführungen eines Katechismus weil sie die alleine nicht verstehen.

    • KRP sagt:

      Noch eines P. Hagenkord Ihren letzten Satz stimme ich voll zu …“Und ganz biblisch: richtet nicht!“…

    • didimus sagt:

      „Der Katechismus beschreibt nichts anderes als das was in der Bibel steht und im Grunde genommen braucht es diesen gar nicht es reicht die Bibel aber es gibt eben Menschen die benötigen noch die Ausführungen eines Katechismus weil sie die alleine nicht verstehen.“
      Vorsicht! Das hört sich ein wenig nach „sola scriptura“ an. Ist aber nicht katholisch.

      „es reicht die Bibel“ – was soll das heißen? Die Bibel macht uns nicht satt, sie heilt keine Krankheiten, schenkt uns kein zweites Leben… sie ist erstmal nur ein Buch. Zu gebrauchen ist sie erst, wenn man sie interpretiert – aber wie interpretiert man sie? Die Antwort kann ganze Doktorarbeiten füllen – klar ist aus katholischer Sichtweise aber: nicht ohne traditio. Oder anders formuliert: Katholiken glauben eben, dass der heilige Geist nicht nur in dem Moment wirkt, wo die Bibel von einem Einzelnen gelesen wird, sondern auch über die Zeit in der Kirche als Ganze gewirkt hat (und wirkt) und damit das sich festsetzende Verständnis geprägt hat und prägt.
      Und den aktuellen Stand der „traditio“ würde ich zusammengefasst im KKK sehen. [hier möge man mich korrigieren, wenn ich irre]

  14. Angelika Oetken sagt:

    „Die Kirche beansprucht Autorität in Sachen der Glaubens- und der Morallehre (also auch der Sexuallehre). Wer mit dem Inhalt des Katechismus nicht einverstanden ist (Glaubenszustimmung), und auch nicht bemüht ist, damit einverstanden sein zu können (Glaubensgehorsam), ist kein Katholik.“

    @JLTD,

    warum ist die Sexuallehre eigentlich so ein zentrales Thema für das, was Sie als „die Kirche“ bezeichnen?

    • Silvia Brückner sagt:

      Frau Oetken, Sie schreiben:

      „@JLTD,

      warum ist die Sexuallehre eigentlich so ein zentrales Thema für das, was Sie als „die Kirche“ bezeichnen?“

      DAS frage ich mich allerdings auch, und das schon lange.

      • Angelika Oetken sagt:

        Liebe Frau Brückner,

        laut Uta Ranke-Heinemann ist die Sexuallehre der Katholischen Kirche ja von Theologen beeinflusst, die der Gnosis nahe stehen. Sie bewertet deren Ablehnung von Sinnlichkeit und Sexualität als Zeichen einer Neurose. Das ergibt durchaus Sinn. In „Irren ist menschlich“, einem sozialpsychiatrischen Standardwerk heißt es über die Neurose: „Vieles, was neurotisch genannte wird, ist der Versuch, indadäquat, einseitig Lebensprobleme zu bewältigen. Man klammert sich an alte Lösungen, bemüht sich und andere auf die gleiche vergebliche Weise“.

        Allerdings erklärt sich für mich daraus noch nicht die Vehemenz mit der lustvolle Sexualität von diesen Leuten abgelehnt wird. Mir erscheint da s aus einer Mischung von Faszination und Angst heraus zu geschehen. Angst vor Kontrollverlust? Den eigenen Phantasien und Impulsen gegenüber? Sorge, es könne Verdrängtes aufflammen, wenn man den Eingebungen nachgibt?

        Abgesehen davon, ist ja das Bedürfnis dieser Verfechter, Anderen etwas zu Verbieten und zu Versagen auch überdeutlich. Verbunden mit der Absicht, vermeintlich Attraktives zur „Sünde“ zu erklären. Daraus kann man ja auch ein Prinzip ableiten: deklariere ich ganz normale Aktivitäten, solche die sowieso alle ausführen als schlecht, unmoralisch und sündhaft, dann sind alle, die sich normal verhalten automatisch Sünder.

        Sehr praktisch. Im Übrigen eine Methode, die MissbraucherInnen anwenden, um ihre Opfer gefügig zu machen und zum Schweigen zu verdonnern.

        • Silvia Brückner sagt:

          Liebe Frau Oetken,

          „DAS frage ich mich allerdings auch, und das schon lange.“ War eine rhetorische Frage.

          Nichtsdestotrotz denke ich über dieses Problem auch ernsthaft nach.
          Ich bin eine gläubige, praktizierende Katholikin, aber eine kritische.

          Ich habe in meinem Leben schon unzählige Predigten von Geistlichen gehört. Aus vielen dieser Predigten klingt auch heute noch eine gewisse Lebens – und Weltverneinung durch.

          Nichts scheint vererflicher zu sein als das irdische Glück von Menschen und alles, was eben zum Glücklichsein oder zumindest zum Zufriedensein gehört, inclusive auch Wohlstand, der nach der Sexualität das zweite Thema ist, das unsere Geistlichkeit nachhaltig beschäftigt.

          Das Buch „Eunuchen für das Himmelreich“ von Uta Ranke – Heinemann besitze ich auch, ich nehme an, dass Sie dieses Buch meinen.

          • Angelika Oetken sagt:

            Liebe Frau Brückner,

            ich habe im Zuge meines Engagements für die Sache der Missbrauchsopfer schon einige sehr integere gläubige Katholiken kennen gelernt. Alle ziemlich unterschiedliche Menschen, manche von ihnen durchaus konservativ eingestellt.

            Wissen Sie, was die aber eint:

            a) sie haben kein Interesse am Geld anderer Leute
            b) sie mischen sich nicht ungebeten in die Privatangelegenheiten von Anderen ein
            c) sie strahlen viel Lebensfreude aus
            d) ihre Mitmenschen sind ihnen wichtiger als irgendwelche Posten oder persönliche Vorteile
            d) sie liegen grundsätzlich im Clinch mit der Institution RKK

            Und noch etwas, scherzhaft formuliert, aber durchaus ernst gemeint:

            Ich führe eine kleine Praxis. Wenn meine Angestellten mir gegenüber so wenig Loyalität zeigen würden, wie die MitarbeiterInnen der Katholischen Kirche in Bezug auf ihre – klerikalen – Vorgesetzten, dann würde ich meinen Betrieb sofort schließen. In mich gehen, mir vermutlich eine Beratung holen und ggf. fortan allein weiterarbeiten. Ich hätte als Führungskraft versagt. Denn: entweder tue ich Unrecht und meine Angestellten identifizieren sich aus guten Gründen nicht mit mir oder ich mache alles richtig, bin aber unfähig ihnen das zu vermitteln.

            Was denken Sie, wie ist es in der Beziehung um die klerikale Führungsebene bestellt?

          • Silvia Brückner sagt:

            Liebe Frau Oetken, wie es in der von Ihnen angesprochenen Hinsicht um die klerikale Führungsebene bestellt ist?

            Hm, aus meiner Sicht hat ein Großteil dieser Führungsebene schon lange den Kontakt zur Basis, den Gläubigen also, und zum normalen Leben normaler Menschen in all seiner Vielfalt verloren.

            Manche dürften auch ein ausgeprägtes Machtbewusstsein haben. Und mein persönlicher Eindruck ist, dass Viele Wasser predigen aber selbst Wein trinken.

            Und dann kommt ein Papst, der versucht, diesen „verkrusteten Laden“ aufzumischen. Mir geht es dabei oft zu langsam und ich bin gespannt, was dabei herauskommen wird.

            Um noch mal auf die Führungsebene zu kommen: Ich denke, da hat sich so mancher weit von der Lehre Jesu entfernt, vielleicht, ohne es selbst überhaupt zu merken.

        • chrisma sagt:

          @Ankelika Oetken. „Irren ist menschlich“ ist eines meiner favorisierten Standardwerke. Also eine gute Wahl für Zitate. Vieles von dem was Sie schreiben würde ich auch so sehen. Bei den Sätzen die Sie mit Fragezeichen versehen, würde ich dies auch tun. (Kann, muss nicht) Sie kennen inzwischen meine Ablehnung gegen allgemeine oder gar kollektive Anamesen, diese bedürfen immer der individuellen Betrachtung.
          Ich möchte Ihnen auf diesem Weg einen Text von Prof. Dr. Stephan Goertz zukommen lassen, der das Problem kurz und bündig klarstellt.

          http://www.moral.kath.theologie.uni-mainz.de/Dateien/Sexualitaet.Christentum_Trier2015.pdf

          PS Uta Ranke- Heinemann ist nicht „meins“. Sie war mir immer zu plakativ. Aber das ist Ansichtssache.

  15. Silvia Brückner sagt:

    Ich möchte gerne noch mal was zu dem letzten Bild sagen.

    Dass dessen Veröffentlichung „gegen die katholische Lehre verstoße“ ist Quatsch.

    Ich denke, wer sich so anziehen will, soll es meinetwegen tun, mich regt das nicht auf, ich finde das Outfit der jungen Frau auf dem Bild zwar „nuttig“, ist aber nicht mein Problem.

    Bedenklich finde isch allerdings, dass manchen jungen Frauen und Mädchen offenbar nicht klar ist, dass sie mit solch freizügiger Kleidung damit sexuelle Übergriffe provozieren können, das ist das Einzige, was mir in diesem Zusammenhang wirklich Sorgen macht.

    Ich hatte mit Zwanzig übrigens auch Hot Pants, aber die waren damals nicht ganz so kurz, der Po war bedeckt.

    Ich erinnere mich auch, dass es sehr viele Jahre später dannmal so genannte Wintershorts gab (da war ich so um die Vierzig), die trug man über Strumpfhosen. Ich hatte auch eine, aber die war auch noch „züchtig“.

    Diese Mode hielt sich nicht lang, war wohl nicht warm genug im Winter.

    Also gegen modische Kleidung habe ich wirklich nichts.

    • JLTD sagt:

      Falls hier noch irgendwann gelesen wird, ein paar Zitate unserer vergangenen Päpste (da der KKK vielleicht nicht genug Autorität hat):

      Benedikt XV in Enzyklika Sacra Propediem:
      „19. From this point of view one cannot sufficiently deplore the blindness of so many women of every age and condition; made foolish by desire to please, they do not see to what a degree the indecency of their clothing shocks every honest man, and offends God. Most of them would formerly have blushed for those toilettes as for a grave fault against Christian modesty; now it does not suffice for them to exhibit them on the public thoroughfares; they do not fear to cross the threshold of the churches, to assist at the Holy sacrifice of the Mass, and even to bear the seducing food of shameful passions to the Eucharistic Table where one receives the heavenly Author of purity. „

      Pius XII:
      „Wenn Christinnen eine Ahnung hätten von Versuchung und Fall, die sie bei anderen durch ihre Kleidung verschulden, sie würden erschrecken vor ihrer Verantwortung. – Seht ihr nicht, dass es eine Grenze gibt, die von keinem Einfall der Mode überschritten werden darf, weil sonst die ‘Mode’ zum Verderben für die eigene Seele und für die der anderen wird?”

      „O Christian mothers, if only you knew the future distress, peril and ill-restrained shame that you prepare for your sons and daughters by imprudently accustoming them to live barely clothed, and permitting them to lose the sense of modesty, you would be ashamed of yourselves, and of the harm done to the little ones entrusted to you by Heaven to be reared in a Christian dignity and culture.“

      Benedikt XVI:
      Jeder Trend, Programme und Produkte, einschließlich Zeichentrickfilme und Videospiele zu produzieren, die im Namen der Unterhaltung Gewalt verherrlichen und antisoziales Verhalten oder die Banalisierung menschlicher Sexualität, darstellen, ist eine Perversion – um so abstoßender, wenn sich diese Programme an Kinder oder Jugendliche richten.
      – Diesbezüglich würde jeder gut daran tun, über den Gegensatz zwischen Christus, der „die Kinder in Seine Arme nahm, ihnen die Hände auflegte und sie segnete” (Mk 10,16) – und demjenigen nachzudenken, der „einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt”.
      – Jesus fügt hinzu: „Es wäre besser, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen” (Lk 17,2).

      Pius XI in Enzyklika Miserentissimus Redemptor:
      „there is a sad forgetfulness of Christian modesty especially in the life and the dress of women;“

      ********

      Die Liste könnte fortgesetzt werden. Kleidung in der Öffentlichkeit ist nicht reine Privatsache. Und Männer, die durch aufreizerisch gekleidete (oder halb-gekleidete) Frauen zu Unkeuschheit verführt werden, sind nicht allein daran schuld.

      Ich habe auch nichts gegen modische Kleidung. Es sei denn, die konkrete Mode selbst ist verwerflich. Wenn Frauen sich in der Öffentlichkeit so kleiden, wie im Bild gezeigt, ist das nicht nur ihr Problem.

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