Sorgen und Nöte

Es ist wieder ein Feiertag für den emeritierten Papst Benedikt XVI., er feiert sein Priesterjubiläum und im Vatikan wird das in kleinem Rahmen, in Anwesenheit von Papst Franziskus, gewürdigt (der eigentliche Tag ist Morgen, das Fest Peter und Paul. Aber die Feierstunde ist heute).

Benedikt XVI. war ein wichtiger Papst und wie ich das schon direkt nach dem Rücktritt gesagt habe sage ich das auch heute noch: Von seinen geistlichen Schriften werden wir noch lange etwas haben, mit seiner Rücktritts-Entscheidung und dem Durchtragen dieser Entscheidung hat er das Amt modernisiert. Und anders als eine zu einfache Presse ihm alles mögliche unterstellt hat und jetzt – je länger seine Amtszeit zurück liegt – wieder vereinfachend unterstellt, um so wichtiger ist es, genauer hin zu sehen. Wer sich denn die Mühe machen will.

Ein Papst geht: Benedikt XVI. im Februar 2013

Ein Papst geht: Benedikt XVI. im Februar 2013

Aber dann gibt es ja noch diejenigen, die sich nach Papst Benedikt zurück sehnen. Oder besser und präziser: nach dem Bild, dass sie sich von Papst Benedikt gemacht haben.

Dabei fehlt natürlich die historische Würdigung, eine solche Sehnsucht hat immer etwas verklärendes, ist immer eine Projektion und geht letztlich an Benedikt XVI. vorbei. Aber sie sind echt, sie kommen immer wieder bei uns und bei Facebook und sonstwie als Rückmeldung an.

Neulich wünschte sich ein Kommentator unter einem Blogeintrag (aus anderen Gründen nicht frei geschaltet), dass Gott ihm eine Rückkehr ins Amt schenken wolle, in einem anderen Post wünschte er sich einen Benedikt XVII herbei, der uns erlösen solle. Kein Scherz, Sprache von Erlösung, wo es doch nur um die Frage geht, wer Papst ist und wer nicht.

Als Grund gibt er eine Frage an: „Warum werden unsere Sorgen und Nöte dort auch noch als Papstnörgelei diskreditiert?“ Und da fange ich an zu stutzen.

 

Die Frage muss erlaubt sein

 

Dass es diese Sorgen und Nöte gibt, kann und will ich nicht bezweifeln. Aber die Frage muss erlaubt sein, was das für Sorgen und Nöte sind. Es müssen ja welche sein, die bei Papst Franziskus nicht ankommen. Hier wäre also ein wirklicher Bruch zu verzeichnen, und zwar einer, der mit Emotionen zu tun hat, nicht mit Theologie oder Lehre oder so.

Nun frage ich mich, was das für Sorgen und Nöte sein können, die Papst Franziskus nicht anspricht. Er, der immer und immer wieder auf alle eingeht, die mit Sorgen und Nöten leben müssen.

Ist es die Liturgie, die weniger ausgefallen ist? Sind das schon Sorgen und Nöte? Oder etwas Anderes?

Papst Franziskus überfordert viele. Anders kann mich mir solche Empfindungen nicht erklären. er steht für keine andere Lehre, für keine andere Kirche, denkt vielleicht anders als sein Vorgänger, aber das ist ja Teil der Geschichte der Papsttums seit Jahrhunderten.

Benedikt XVI. hingegen hat viele mit der Kirche versöhnt, die sich im Abseits wähnten, die nicht das so genannte progressiv-katholische mitgemacht haben, das den emeritierten Papst zur Rede von „Entweltlichung“ und den aktuellen Papst zur Rede von „arme Kirche für die Armen“ geführt hat. Hier liegt eine Lektion. Es gibt viele „Glaubenskulturen“ in der Kirche, eine versöhnte Verschiedenheit. Die aber nicht immer so versöhnt ist, wie wir meinen.

Von daher höre ich von den „Sorgen und Nöten“ mit Unruhe, auch wenn ich da meine Anfragen habe.

Benedikt XVI. hat uns etwas hinterlassen, und Papst Franziskus hat das neulich ausdrücklich gewürdigt. Für den Augenblick aber: Herzlichen Glückwunsch, Papst emeritus Benedikt XVI., zum Priesterjubiläum.

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9 Kommentare zu Sorgen und Nöte

  1. S.G. sagt:

    Ja, herzlichen Glückwunsch Papst emeritus Benedikt XVI., zum Priesterjubiläum!
    Benedikt XVI ist und bleibt sein Leben lang bescheiden und demütig.
    Er war lediglich ein Werkzeug Gottes. Er empfand sein Amt immer als Bürde, weil es nicht sein, sondern Gottes Wille war, an der Spitze zu stehen. Wenn die Wortwahl von Gaenswein beabsichtigt war(was ich nicht glaube – die Presse dreht alles so, wie sie es gerne haben will), ist das eher unbewusst geschehen. Ich glaube, dass Gaenswein es nicht so verkraftet hat, dass Benedikt nicht mehr Papst ist. Vielleicht muss er demnächst irgendein Bistum in Deutschland übernehmen – das wird sicherlich kein Zuckerschlecken….

  2. Elasund sagt:

    Johannes Paul II haben auch viele sehr vermisst. Das lange Leiden und öffentliche Sterben hatte hier aber allen klar gemacht, dass dieser Abschied sein muss. So konnten sie einen neuen Papst mit einem anderen Stil besser akzeptieren. Ich glaube der Rücktritt Benedikts wurde dann von vielen als Modernisierung erlebt, die sie nur schwer akzeptieren können oder gefühlsmäßig sogar ablehnen. Es ist dann schwer den Neuen zu akzeptieren wenn die Gefühle „nein!“ schreien.
    Dann hatte Benedikt das Pontifikat von JPII maßgeblich mitgeprägt. Eine fehlende Kontinuität in der Lehre konnte nicht mal vermutet werden. Selbst wenn Benedikt unerwartete Äußerungen oder Handlungen gezeigt hat – das hat er!! -, war diese Kontinuität halt außer Frage.
    Und dann würde ich sagen, was viele Konservative extrem irritiert ist das Jubeln der Progressiven (also der bisherigen „Kirchenfeinde“ und „Nicht-Papsttreuen“). Da freuen sich die Progressiven, dass der Papst demnächst Diakoninnen weihen wird, das/den Zölibat abschafft, moderne Bischöfe ernennt usw.. Ich vermute das sind einige der Sorgen und Nöte der Konservativen (dass sich diese Hoffnungen erfüllen könnten).
    So ganz nachvollziehen kann ich diesen letzten Punkt nicht, denn ich sehe nicht die großen Umstürze und finde, dass der Papst meist sagt und tut was Päpste halt so tun.
    Gut die Liturgie: Also mich erinnert der Papst immer an meine Neffen, wenn sie nicht rechtzeitig eine Möglichkeit gefunden haben sich vor der Messe zu drücken. So wirklich zu lieben scheint er die Liturgie nicht. Das ist halt auch nicht allen gegeben und vielleicht auch nicht Schwerpunkt der ignatianischen Spiritualität. Vielleicht strahlt er das nicht nur für mich aus, sondern auch für andere. Anders kann ich mir diese „Liturgieunzufriedenheit“ nicht erklären, denn Theologen versichern mir, dass sich dieser Papst an alle liturgischen Vorschriften hält.

  3. Suarez sagt:

    „Eine fehlende Kontinuität in der Lehre konnte nicht mal vermutet werden. Selbst wenn Benedikt unerwartete Äußerungen oder Handlungen gezeigt hat – das hat er!! -, war diese Kontinuität halt außer Frage.“

    Das halte ich für ein Gerücht – Johannes Paul II. stand immer für die deutsche, englische, italienische Übersetzung „alle“ im pro multis ein. Benedikt wollte gegen ALLE deutsche Bischöfe unbedingt eine andere Übersetzung, obwohl er deren Problematik selber erkannt hat. M.W. hat Johannes Paul sogar mehrfach Ratzingers Ansinnen der Änderung kategorisch abgelehnt.

    Johannes Paul II. hatte kein Problem mit einer sündigen Kirche und hat um Verzeihung für die Sünden der Kirche gebetet – Benedikt schwärmt von der Heiligkeit der Kirche, die nicht Sünderin sein kann. Wohin diese – in meinen Augen – Ideologie geführt hat, sieht man auch bei der Kindesmissbrauchsangelegenheit.

    „Gut die Liturgie: Also mich erinnert der Papst immer an meine Neffen, wenn sie nicht rechtzeitig eine Möglichkeit gefunden haben sich vor der Messe zu drücken. So wirklich zu lieben scheint er die Liturgie nicht.“

    Wer solches behauptet, sieht die innere Anteilnahme unseres Papstes am Gottesdienst nicht. Ich habe selten einen so ungemein innerlichen Zelebranten erlebt.

    Man könnte eigentlich auch fragen: Wo waren eigentlich Johannes Paul II. und noch viel mehr Benedikt XVI. in Diskontinuität zu Paul VI. oder Johannes XXIII.? Dann würde man nämlich sehen, dass Franziskus die größte Kontinität mit – Paul VI. hat.

    Johannes Paul II. stand ohne Vorbehalte für die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung ein, Benedikt diskreditierte sie.

    Johannes Paul II. hatte absolut keine Probleme mit interreligiösem Gebet (was ihm die Reaktionäre bis heute nicht verzeihen) – Benedikt wollte dies nicht.

    Johannes Paul II. hat die unreformierte Liturgie als Lakmustest der Treue zur Kirche ZUGESTANDEN, Benedikt schwärmt für sie.

    Soviel zur angeblichen Kontinuität.

    • Elasund sagt:

      @Suarez, die Kontinuität behaupte ich nicht, sondern vermute sie als Sichtweise derjenigen, die jetzt Sorgen und Nöte haben. Sorgen und Nöte können ja auch auf unzutreffenden Wahrnehmungen beruhen.
      Ja, ich sehe die innere Anteilnahme des Papstes am Gottesdienst halt nicht so, Wahrnehmungen sind unterschiedlich. Das kam mir dazu, warum vielleicht manchen die Liturgien des Papstes Sorgen bereiten. Es freut mich, dass es auch viele anders erleben.
      Bzgl. Kindesmissbrauch wäre ich ganz vorsichtig. JPII kann da posthum noch einiges blühen. Deswegen war ich auch gegen die frühe Heiligsprechung. Den Zusammenhang zwischen Schwärmen von der Heiligkeit der Kirche und Kindesmissbrauch verstehe ich nicht. Was war denn bzgl. Kindesmissbrauch in der Zeit von JPII besser als danach?
      Was ich schon sehe (vielleicht geht das in die von Ihnen genannte Richtung) ist, dass Priester Zugeständnisse bekommen die andere Männer nicht bekommen. Ich war 1992 in Wien auf dem Taizétreffen und wir hatten einen polnischen Priester als Dauergast in unserem Frauen-Schlafraum. Er hat uns beim Umziehen zugeschaut, das hat viele gestört, aber es ging leider nur in diesem Raum und er sich viel unterhalten (und das war der Schlafraum für die Frauen im Schweigen). Ich habe zunächst den Priester angesprochen (silentium! femina!). Er hat mich ignoriert und später verspottet. Dann habe ich die polnische Übersetzerin gebeten ihm zu sagen, dass er verschwinden soll. Die Frau war total entsetzt über mein Ansinnen. Dann bin ich zum Ansprechpartner von Taizé und sagte zu ihm, dass jeder andere Mann hier rausfliegen würde. Er hat nur mit den Schultern gezuckt. Die Autoritätshörigkeit gegenüber Priestern hat in dieser Beziehung mehr angerichtet als der Glaube an die Heiligkeit der Kirche. Ich finde das grundsätzlich sehr wichtig beides zu sehen und diese Spannung auch auszuhalten.

    • Gabriele Luzia sagt:

      Wie Sie bin ich zutiefst beeindruckt von der Innerlichkeit, die Papst Franziskus als Zelebrant ausstrahlt während der Feier der Hl. Messe. Für mich nicht unwichtig ist auch, dass er bei der Entgegennahme der Gaben auf diejenigen Menschen konzentriert ist, die sie ihm bzw. Gott darbringen, und er nimmt sie an, wie sie als Gemeinde vor ihm stehen, sie alle bilden damit diese Gemeinschaft, die die Anwesenheit des Herrn feiern will. Ich empfinde seine Gottesdienste sehr stimmig und bin gern dabei via Internet. Ich spüre seine (Franziskus‘) vertrauensvolle Nähe zu Jesus in seinen Gottesdiensten, und das kommt bis zu mir herüber.
      Ich habe das Glück, in meiner Region einen Priester gefunden zu haben, der auch diese Art hat, Gottesdienst so zu feiern, so dass es mich durch die Woche trägt. Leider kann ich dort nur ab und zu Gast sein.

  4. Elasund sagt:

    Oh, der letzte Satz ist Quatsch. Ich meine: Kirche der Heiligen und Kirche der Sünder. Das gilt beides und das sollte man nicht gegeneinander ausspielen, denn in dieser Spannung stehen wir jeden Tag.

  5. Stephan sagt:

    Was manche so für Sorgen und Nöte halten…ich weiß ja nicht. Ich dachte bei Sorgen und Nöten an dieses Video aus der FAZ Website, wo eine junge Frau sehr ernst ihre Erlebnisse nach Überfall des „IS“ auf ihre Familie bezeugt:

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/geschlagen-und-vergewaltigt-maedchen-spricht-ueber-15-monate-in-is-gefangenschaft-14313416.html

    Die Idee, für die Opfer der Gewalt und die Bekehrung der Gewaltverbrecher zu beten, die von Papst Franziskus zu mir kam, spricht mich hier an. Und nicht nur beten; daß diese junge Frau die Möglichkeit hat, so tapfer ihre Erlebnisse, Sorgen und Nöte zu bezeugen und auszusprechen, und, daß wir die Zeugen sein können, ist bestimmt allen eine Hilfe. Es ist aber auch eine hohe Anforderung. Wer soll das ertragen?
    Stephan

    • Rosi Steffens sagt:

      Gott hilft jedem von uns dabei zu ertragen, was wir ertragen müssen und wir brauchen ihm dafür nur unseren tiefen Glauben schenken.

  6. Elasund sagt:

    Das mit den Sorgen und Ängsten geht mir noch nach. Also was mir beim Papst Sorgen und Ängste macht sind die riesigen Erwartungen die er auslöst und ebenso die großen Befürchtungen die er auslöst. Wie kann so viel auf eine einzelne Person konzentriert sein? Ich habe einmal einen Vortrag gehört von einem engen Mitarbeiter von Johannes Paul der von Verachtung für Benedikt nur so getrieft hat. Das ging mir wochenlang nach. Wie kann Papst Benedikt bei einem Bischof so viel Haß auslösen? Manche Äußerungen über Franziskus sind leider vergleichbar, wirklich voller Haß. Interessant auch: Dieser Bischof in seinem Vortrag über Johannes Paul sprach nur von Ratzinger nicht von Papst Benedikt. Ebenso sprechen manche Kritiker vom jetzigen Papst nur von Bergoglio nicht von Papst Franziskus.
    Mich nervt der Papst manchmal aber Ängste und Sorgen löst er vor allem indirekt aus und halt öfter auch Ärger oder Belustigung. Vor kurzem hat mir eine 80jährige Frau in der Pfarrei nach dem Gottesdienst gesagt: „Also ich finde es gut, dass der Papst jetzt Diakoninnen weihen will.“ Und ich dachte mir: ‚Ich will es einfach nicht wissen, was er jetzt schon wieder gesagt hat.‘
    Wichtig finde ich auch, die Menschen mit ihren Ängste und Sorgen nicht zu pathologisieren oder sozusagen mit Gewalt verstehen zu wollen – zuhören reicht und vielleicht Gemeinsamkeiten suchen.

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