Spaemann und der Widerspruch zu den Worten Jesu

Die Sichtweise von Papst Franziskus zu Ehe und Familie ist nicht evangeliumskonform. Ich bin zwar kein Philosoph wie Robert Spaemann, der diese These in die Welt setzt, aber ich denke schon, dass so was nicht einfach gesagt werden kann, ohne kommentiert zu werden. Er spricht in einem Artikel in der Tagespost.

Widerspruch oder nicht?

Widerspruch oder nicht?

Vordergründig geht es Spaemann um die Frage von Ehe und Familie, hier weigere sich der Papst, die klaren Worte seiner Vorgänger zu wiederholen, meint er. Aber eben nur vordergründig. Dahinter liegt etwas Anderes:

Spaemann sagt zu seiner Aussage zum Bruch des Papstes mit der Lehrtradition der katholischen Kirche (ein Zitat aus einem früheren Interview, der Mann ist Wiederholungstäter) „Was ich sagen wollte, war, dass einige Äußerungen des Heiligen Vaters in eindeutigem Widerspruch stehen zu Worten Jesu, zu Worten der Apostel sowie zu der traditionellen Lehre der Kirche. Von einem Bruch sprechen sollte man allerdings nur dann, wenn ein Papst unter förmlicher Berufung auf seine apostolische Vollmacht eindeutig und ausdrücklich – also nicht beiläufig in einer Fußnote – etwas lehrt, was im Widerspruch zur genannten Lehrtradition steht. Der Fall ist hier nicht gegeben.“ Verstehe das, wer will. Was soll bitte der Unterschied sein zwischen einem „eindeutigen Widerspruch“ zu den Worten Jesu und dem formalen Unterschied, das in apostolischer Vollmacht zu tun. Das kann wirklich nur jemand auseinanderhalten, der stark legalistisch denkt.

Natürlich ist das ein Unterschied, aber der ist minimal, wenn es um einen Widerspruch zu Jesu Worten geht. Meint er etwa, so ein Widerspruch sei weniger schlimm, wenn er formal anders daher kommt?

Vordergründig geht es Spaemann um die Familie, aber nur vordergründig. Dahinter liegt seine Überzeugung, dieser Papst halte es mit Jesus und der Lehre nicht so genau. Klug wird dann das Wort „Häresie“ eingeführt, natürlich ohne den Papst selbst zu meinen, aber es steht da und jeder Leser kann sich seinen Teil denken.

Er will einem Vorschlag widersprechen, sagt er. Das ist ja auch gut so, wenn es denn so wäre. Ist es aber nicht. Es ist ein massiver Vorwurf, der hier im Raum steht. Unbelegt.

 

Barmherzigkeit? Gebote?

 

Über die Familie und die Frage nach der Ehe und so weiter kann und muss man sprechen, Jesu Worte sind auch keine einfach zu schluckenden Lebens-Verbesserer, da hat Spaemann Recht. Es ist prophetisches und herausforderndes Sprechen, man lese nur den großen, sich über einige Kapitel hinziehenden Konflikt im Johannesevangelium. Aber das kann und muss man auslegen. Es reicht nicht, sich Zitate um die Ohren zu hauen, denn da gibt es zu viele von.

Die einen betonen Barmherzigkeit, die man aber nicht gegen Gottes Gebot ausspielen darf. Die anderen die Gebote, die aber nicht Gottes unendliche Liebe schmälern dürfen. Sich mit Zitaten zu bewaffnen reicht nicht, ein Philosoph sollte das wissen. Da muss man schon mehr tun.

Für jede kluge und philosophisch untermauerte Beteiligung daran – auch und gerade wenn es kritisch ist – sind wir alle dankbar. Aber den Widerspruch des Papstes zu den Worten Jesu zu konstatieren, ist unverschämt.

 

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23 Kommentare zu Spaemann und der Widerspruch zu den Worten Jesu

  1. der Vater dieses Herrn war der langjährige geistliche Leiter des Vianney Hauses in Überlingen

    (er war Witwer und wurde später Priester)

    Diese HEINRICH SPÄEMANN war ein wunderbarer Begleiter seelisch

    angeschlagenen Menschen und ua. ein feinsinniger Kommentator in CiG.
    dort hat er immer wieder den fälligen reformstau der Kirche angemahnt. Natürlich hat er Franziskus nicht mehr erleben dürfen

    kurzum mir scheint manchmal, dass der Sohn mit seinem „spätpubertierenden“ Gehabe ein ungeklärtes Vater Problem hat..

  2. Andreas sagt:

    Es ist wie in der Ehe: Ehepaare können sich durchaus ständig widersprechen, ohne die Ehe zu brechen. Ja manche leben erst so richtig auf, wenn sie einen solchen Sparringspartner gefunden haben. Davon leben nebenbei auch viele Blogs.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Richtig. Und gut so. Aber den Worten Jesu widersprechen ist doch etwas anderes als sich in einem Streit, in einer Debatte oder einem Blog zu widersprechen.

      • Andreas sagt:

        Was Jesus genau sagte, wissen wir ja nicht. Weder schrieb er es auf, noch wurde es von anderen an Ort und Stelle aufgeschrieben. Oder es ging verloren. Was er gesprochen hat ist in gewisser Weise erst später durch die Evangelisten „veredelt“, in angenommener irrtumsfreier Inspiration, niedergeschrieben worden. Jeder Richter täte sich heute schwer, unter diesen Umständen die Richtigkeit einer Aussage beweiskräftig festzustellen. Insofern widerspricht man Jesu Worten, auch wenn sie in wörtlicher Rede erscheinen, nicht unmittelbar, sondern einem überlieferten Konstrukt um sein Wirken, dem man eine herausgehobene, unüberbietbare Bedeutung auf der Grundlage von vermeintlich verlässlichen Zeitzeugen verleiht. Ist mit diesen Voraussetzungen jeder Widerspruch nicht bloß ein Widerspruch light?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Ich denke nicht, denn die Tradition ist ja nicht einfach nur Tradition, sondern „garantierte“ Tradition. Wir haben den Heiligen Geist erhalten und wir glauben, dass unser Glaube eben nicht von uns konstruiert ist, sondern von Gott garantiert bleibt. Die historische Entstehung haben sie ganz korrekt geschildert, aber das schließt den Geist ja nicht aus.

          • Andreas sagt:

            Der Heilige Geist scheint mir ein sehr schwieriger Begriff zu sein, der noch schwieriger wird, wenn man in ihm eine Person sieht. Da er aber offenbar auf Engste mit unserem Bewußtsein verbunden ist, das seinerseits ohne einen materiellen Träger nicht erfahrbar ist, könnte man ihn nüchtern als eine Art Informationsträger oder Informationsfeld ansehen. Man könnte ferner annehmen, dass der Heilige Geist und seine Unbestimmtheit unserem Verständnis der modernen Quantentheorie entspricht oder diese bedingt. Leider gewinnt man oft den Eindruck, dass er im gewöhnlichen Alltag für vieles sprachlich herhalten muss, um Unwissen oder eine Verlegenheit mit einer wirkmächtigen Vokabel zu überspielen.

          • Andreas sagt:

            Ad finem: πνεῦμα, prāṇa, rûaḥ – das Verspüren der Bewegung eines unsichtbaren, sich nicht greifen lassenden volatilen Stoffes im und am eigenen Körper hat die Menschen seit jeher in heiliger Weise erstaunt und sie diese existentielle Grunderfahrung auf vielfältige Weise transzendieren lassen.

  3. Rosi Steffens sagt:

    Für mich steht die Ehe in jeder Hinsicht außer Frage, sie setzt Zeichen und Maßstäbe an die Wirklichkeit, denn die reagiert auf geteilte Werte und eint dafür das Leben in seiner Menschlichkeit. Ob dafür jedoch jeder Mann und jede Frau bestimmt sind, das scheint die Realität darzulegen und nicht Papst Franziskus, er sucht nur einen Weg die Betroffenen trotz allem auf dem Weg zu Gott mitzunehmen und gibt diese Anforderung an all die weiter, die davon betroffen sind. Außerdem steht es keinem Menschen zu über andere den Stab zu brechen, denn zunächst sollte man die eigenen Augen frei bekommen, um den anderen auch in seiner ganzen Würde zu erkennen.

  4. Elasund sagt:

    Ich finde nicht, dass es „unverschämt“ ist Aussagen des Papstes an den Worten Jesu zu messen. Die Zeiten sind hoffentlich vorbei wo der Papst sakrosakt war und seine Worte nicht hinterfragt werden durften.
    Und dass Christen unterschiedlicher Meinung sein dürfen (ob bestimmte Aussagen mit Schrift und Tradition übereinstimmen) finde ich auch selbstverständlich.

  5. Suarez sagt:

    @Elasund: Selbstverständlich ist und bleiben Person und Amt des Papstes sakrosankt.

    Mich nervt bei der Debatte echt Einiges: Berufene und Unberufene äußern sich und meinen entweder den Willen Gottes oder die Worte Jesu genau zu kennen.

    Jesus hat nie Geschiedenen gesprochen. Schon gleich nicht von geschieden Wiederverheirateten. Und auch nicht von deren Kommunion. Aber das Abendmahl, das hat er auch Petrus gegeben, der ihn doch verleugnete. Und er hat gesagt: Nehmt und esst ALLE davon.
    Und was mich ankotzt, pardon, ist, wenn die Kirche untergeht, weil Sünder die Kommunion bekommen oder noch besser: Der Papst die Unauflöslichkeit der Ehe (die es so einfach hin nicht gibt) durch die Kommunion aushebeln soll – die Unauflöslichkeit der sakramental gültigen und vollzogenen Ehe wird nur dadurch abgeschafft, dass man eine sakramental gültige Zweitehe einführt. Das hat niemand vor.
    Und dieser Herr Spaemann mag ja Religionsphilosoph sein. Theologe und Kanonist ist nicht. Er sollte lieber mal den Mund halten und den Papst seinen Job machen lassen. Er macht ihn nämlich verdammt gut. Und ich hoffe und bete Gott gibt dazu seinen Segen.

    • Elasund sagt:

      Ich finde nicht, dass sich nur Theologen zu theologischen Fragen äußern dürfen. Spaemann ist nicht Teil des kirchlichen Lehramtes, aber er kann die Bibel lesen, Kirchenvätertexte und sich mit Theologen austauschen. Damit kann er sich eine Meinung bilden, die er genauso äußern darf wie jeder Diplomtheologe. Journalisten gehen mir in ihrer Ahnungslosigkeit manchmal auf den Keks, aber ich glaube Spaemann weiß wovon er spricht. (Meinen Sie Papst Franziskus würde Ihrer Aussage zustimmen, dass Herr Spaemann lieber mal den Mund halten sollte? Ich hoffe es nicht!)
      Auch mich kotzt es an, dass es Menschen gibt, die meinen die Kirche geht unter, wenn wer auch immer die Kommunion bekommt. Ebenso kotzt es mich aber auch an, dass es Menschen gibt, die meinen, dass die Kirche dadurch gerettet oder verbessert wird, dass irgendjemand offiziell zur Kommunion zugelassen wird. Jeder der möchte bekommt die Kommunion. Warum reicht das nicht? Wieso nimmt die Kirche nicht wahr, dass die meisten geschiedenen Wiederverheirateten allenfalls bei Familienfeiern überhaupt zur Kommunion wollen? Sonst sind sie nämlich (wie die übrigen Katholiken auch) meist gar nicht mehr im Gottesdienst.
      (Bzgl. Papstamt bin ich tatsächlich etwas unrömisch. Ich halte ihn nicht für unfehlbar. Das liegt schon daran, dass ich dieses komische Dogma zur unbefleckten Empfängnis nicht glaube. Ein Priester sagte mir mal, dass ich damit in Gesellschaft mit Thomas von Aquin und Katharina von Siena bin. Keine Ahnung ob das stimmt. Ich möchte nicht abschweifen. Also (natürlich) ist weder Amt noch Person des Papstes sakrosankt! Ich hoffe Sie können diese Meinung akzeptieren. Viele Katholiken sehen das so aus den unterschiedlichsten Gründen.)

      • Elasund sagt:

        …und gerade Petrus der ihn doch verleugnete. Der hat sehr kluge und gute Dinge gesagt. Die anderen haben ihn als ihren Sprecher akzeptiert. Manchmal war es auch ein Wirrkopf oder etwas zu spontan. Also wenn wir den Papst als Nachfolger Petri sehen, dürfen wir doch Kritik an ihm ganz gelassen zur Kenntnis nehmen.

      • Suarez sagt:

        „Ich finde nicht, dass sich nur Theologen zu theologischen Fragen äußern dürfen.“

        Geht man eigentlich in der Medizin auch so vor? Man stelle sich vor, Maier hat Lungenkrebs. Da wird dann die Postbotin, der Bäcker und die befreundete Grundschullehrerin nach deren Expertise gefragt, denn googlen kann jedeR, den Beipackzettel der Medikamente kann auch jedeR lesen und man kann sich mit befreundeten Doktores der Medizin ja unterhalten.
        Was wir derzeit erleben, ist ein Verfall des Zutrauens in die Fachwissenschaften. Wie im Schulwesen (weil ja jeder mal Schüler*in war), so meint auch Hinz und Kunz in theologischen Sachfragen mitreden zu können. Ich halte diesbezüglich Herrn Spaemann schon länger für weit überschätzt.

        „Spaemann ist nicht Teil des kirchlichen Lehramtes“ – Gottseidank!

        „aber er kann die Bibel lesen, Kirchenvätertexte und sich mit Theologen austauschen.“ Das ist keine Garantie für sachgemäße Wissenschaftlichkeit, s.o.

        „Damit kann er sich eine Meinung bilden, die er genauso äußern darf wie jeder Diplomtheologe.“

        In der platonischen Philosophie heißt die Meinung auf griechisch „dóxa“ – und ist das Gegenteil der Wahrheit. Mir wär recht, wenn viele erst mal ihre Meinung für sich behielten und erst überlegten, ob ihre Meinung wahrheitsrelevant wäre. Hätte man sich daran gehalten, hätte es z.B. auch keinen Brexit gegeben.

        „Journalisten gehen mir in ihrer Ahnungslosigkeit manchmal auf den Keks, aber ich glaube Spaemann weiß wovon er spricht.“ Wenn ich nicht von Senilität ausgehen will, dann muss ich sagen, Spaemann weiß nicht im Ansatz, dass er Unsinn redet.

        „Meinen Sie Papst Franziskus würde Ihrer Aussage zustimmen, dass Herr Spaemann lieber mal den Mund halten sollte? Ich hoffe es nicht!“ Ich hoffe schon, dass unser Papst der Meinung ist, dass man, ehe man redet, nachdenken sollte.

        „Auch mich kotzt es an, dass es Menschen gibt, die meinen die Kirche geht unter, wenn wer auch immer die Kommunion bekommt. Ebenso kotzt es mich aber auch an, dass es Menschen gibt, die meinen, dass die Kirche dadurch gerettet oder verbessert wird, dass irgendjemand offiziell zur Kommunion zugelassen wird. Jeder der möchte bekommt die Kommunion. Warum reicht das nicht? Wieso nimmt die Kirche nicht wahr, dass die meisten geschiedenen Wiederverheirateten allenfalls bei Familienfeiern überhaupt zur Kommunion wollen? Sonst sind sie nämlich (wie die übrigen Katholiken auch) meist gar nicht mehr im Gottesdienst.“

        1) Woher wissen Sie das so genau? 2) Sakramente vermitteln die Gnade, die sie bezeichnen – die Kirche hat daher die Türen zu ihnen soweit als möglich offen zu halten. Wer sind Sie, dass Sie Sakramente zu einer derartigen quan­ti­té né­g­li­gea­b­le degradieren, v.a. die Eucharistie?

        „Bzgl. Papstamt bin ich tatsächlich etwas unrömisch. Ich halte ihn nicht für unfehlbar.“

        1) Das stimmt im Deutschen nicht (worauf bezieht sich das „ihn“ – Papstamt ist ein Neutrum). 2) Nicht der Papst ist unfehlbar, sondern seine im feierlichen Urteil gesprochenen Lehrsätze sind aus sich heraus und ohne Akzeptanz durch Dritte unreformierbar. 3) Seltsam, dass es sogar im Staate letztverantwortliche, nicht mehr hinterfragbare Instanzen gibt wie z.B. das Bundesverfassungsgericht, aber dass in der Kirche Hinz und Kunz meint, es immer besser zu wissen. Ich bin jedenfalls froh, dass es das Papstamt mit seiner Letztentscheidungskompetenz gibt.

        „Das liegt schon daran, dass ich dieses komische Dogma zur unbefleckten Empfängnis nicht glaube.“ Dann haben Sie sich ggf. nicht intensiv genug mit der Aussage des Dogmas beschäftigt – die Aussage, dass es komisch sei, legt das nahe. Etwas Unbegriffenes aber einfach so lächerlich zu machen, sagt mehr aus über den, der nicht versteht als über das Unverstandene.

        „Ein Priester sagte mir mal, dass ich damit in Gesellschaft mit Thomas von Aquin und Katharina von Siena bin. Keine Ahnung ob das stimmt.“

        Dass das stimmt, kann man so nicht sagen, weil sich die Einsicht in das Dogma erst im Mittelalter herausgebildet hat. Thomas lehnt die Immaculata ab, meint aber nicht unbedingt zu 100% das, was Katholiken mit religiösem Gehorsam zu glauben haben.

        „Also (natürlich) ist weder Amt noch Person des Papstes sakrosankt!“ Selbstverständlich ist dieser Satz nach wie vor sachlich falsch. Sie haben einen falschen Begriff der Sacrosanctitas. Denn diese Eigenschaft hat das Amt des Papstes eo ipso.

        „Ich hoffe Sie können diese Meinung akzeptieren.“ Natürlich nicht, ich würde aufgeben, Katholik zu sein, wenn ich es täte.

        „Viele Katholiken sehen das so aus den unterschiedlichsten Gründen.“ Das macht die Sache nicht besser. Fehler, die von vielen begangen werden, bleiben immer noch Fehler.

        • Elasund sagt:

          @Suarez, ich kann nicht auf alle Punkte eingehen – vielleicht Ihre Frage „Geht man eigentlich in der Medizin auch so vor?“ Meine Antwort: Ja, das sollte man! Meine Tante (Klosterfrau) hat sich mit über 80 Jahren gegen eine Chemotherapie entschieden. Dazu hat sie nicht nur mit Ärzten gesprochen (die alle für die Chemo waren) sondern auch mit Mitschwestern, Familie und der besten Freundin aus Schultagen. Und dann hat sie selbst Verantwortung übernommen und diese nicht den Ärzten überlassen. Analog würde ich es bei der Frage sehen „Menschen in irregulären Beziehungen“ (wie sie von Theologen beschrieben werden) können selbst entscheiden, ob sie zur Kommunion gehen oder nicht. Das ist eine Gewissensentscheidung! Ich kenne zwei Frauen in geistlichen Gemeinschaften (beide eben in irregulären Beziehungen oder wie auch immer die Theologen das nennen wollen) die bewußt auf die Kommunion verzichten. Ich habe beide gefragt, ob sie bei einer „offiziellen Zulassung“ zur Kommunion gehen würden. Die eine meinte „Das weiß ich nicht.“ die andere „Nein! Das würde meine Meinung nicht ändern.“ Also ich finde Theologen können Argumente entwickeln, Kirchenrecht darlegen, die Schrift auslegen oder was auch immer. Dann steht der einzelne Gläubige vor Gott und entscheidet, ob er „in rechter Weise disponiert ist, die Kommunion zu empfangen“.

          • Suarez sagt:

            Ich habe oben davon geschrieben, dass man – unter Verzicht auf den Rat von Fachleuten – sein eigenes Süppchen braut. Das haben Sie leider fehltgedeutet. Ich habe nichts dagegen auch die Meinung eines zweiten Fachmannes/frau einzuholen. Aber der Postbote hat da nichts verloren (es sei denn, es geht um Fragen des Postausteilens).

          • Rosi Steffens sagt:

            Ich kann Ihnen mit dieser Einstellung gut folgen. Die Gewissensfreiheit ist für mich wichtigster Bestandteil meiner Person. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder jedem vorschreiben könnte, wie er sich zu entscheiden habe. Die Menschheit teilt eine Schöpfungsgeschichte, die durch sie aufgeklärt wird, sodass sich jeder daran beteiligen kann. Sich selbst Privilegierende, die aus „Wissen“ das Leben neu schöpfen wollen stellen dahingegen ihre persönlichen Ansichten in den Raum und konfrontieren damit ein Leben, das bereits seit allen Zeiten menschlicher Einsicht unterworfen ist, um daraus Erkenntnisse zu schöpfen die als Menschheit im Alltag ihren Anklang finden. Ich will einfach nicht verstehen, was denn so schwer daran sein soll, jeden Menschen im Geiste seines Angesichts als den Partner anzuerkennen, mit dem man das gleiche Leben teilt statt es ihm vorzuschreiben.

        • Rosi Steffens sagt:

          Lehre ist nach meiner Überzeugung die Unterweisung in einem Fachgebiet, dessen sich der Lehrer in seiner ganzen Komplexität bewusst ist, um sie dem Schüler als solches zu vermitteln. (Das ist meine persönliche Interpretation einer Lehre.) Ich glaube eine Lehre sollte davon ausgehen, dass alle Schüler ihren Anspruch erreichen können und damit dem nachfolgenden Leben aus Dankbarkeit dem Lehrer gegenüber ihren persönlichen Dienst erweisen.

          Auch ich bin eine Gläubige Schülerin, die Jesus ihr Leben anvertraut, um es durch Ihn, mit Ihm und in Ihm in Einklang mit Gott zu bringen. Meine Vernunft sagt mir, dass nur Gott in der Lage ist die bestehende Menschheit aus ihrer eigenen Menschlichkeit die tägliche Arbeit schöpfen zu lassen, die zwingend erforderlich ist, um diesem Leben endlich gerecht zu werden.

          Da hier immer wieder von der Lehre aus dem Amt derer die Rede ist, die Gläubige unterweisen und dabei möglichst niemanden ausschließen wollen, nach dem Vorbild Jesus eben, frage ich mich, wie man aus dieser Lehre oder dem Amt Schlüsse ziehen kann, die bereits durch das Leben selbst im Geiste einer ganzen Menschheit aufgeklärt sind.

          Theologie ist „Die Lehre von Gott“ laut Wikipedia. Das bedeutet Lehrer der Theologie unterweisen in die uneingeschränkte Liebe einer Macht, die durch die Güte ihrer Allmächtigkeit die ganze Menschheit erreichen kann. Einzig Zeit hilft dem Lehrer dabei, sich um seine Schüler in Geduld verdient zu machen. Was seine Schüler als gelebte Menschlichkeit verwirklichen, lässt den Lehrer Vertrauen in seine Fähigkeiten schöpfen und damit dem Nächsten die gemeinsame Geschichte angemessen vermitteln.

          Wann das Amt des Lehrers erfüllt ist, das entscheiden in diesem einzigartigen Fall die Herren, die Gott selbst dazu berufen hat. Durch diese Lehre erworbene Erkenntnisse kommen der ganzen Menschheit zu Gute, da sie ihre Werkstücke mit denen teilt, die sich um deren Komplexität bemühen.

          Kontinuität ist Gott im Wortschatz der Menschheit, die aus dem Herrn schöpft, was sie im Glauben festigt und durch Vernunft aus Zeit schöpfen kann, um es in Wort und Schrift zu hinterlassen. Logos kann Lebendigkeit nicht ausschließen, die in Nous wächst, er stellt sich dem, was auf ihn zukommt, um daraus das Gute zu schöpfen. Jesus ist das Gut im Herrn dessen Menschlichkeit vom Leben fordert, was vor weiterem Unheil bewahrt.

          Die Allmacht Gottes wird mit Seiner Hilfe letztendlich der ganzen Menschheit offenbart.

          Damit will ich sagen, ich bin es leid mir anzuhören, dass es Menschen gibt, die die Dinge des Lebens besser im Griff haben als andere Menschen. Ich bin traurig darüber, dass das Leben sich diesen Menschen nicht als der Sachverhalt präsentieren kann, der menschenwürdige Entscheidungen fordert, die zu verantworten jeder Mensch selbst in der Lage sein sollte. Gott steht als leeres Wort mitten im Leben, um darin das Bewusstsein zu offenbaren, dessen sich die ganze Menschheit bedienen kann. Jeder Mensch sollte wahrnehmen können, was sich ihm als Werkzeug bietet, das aus eigener Motivation schafft, woran sich das ganze Leben bereichert.

  6. trep sagt:

    „Für jede kluge und philosophisch untermauerte Beteiligung daran – auch und gerade wenn es kritisch ist – sind wir alle dankbar. Aber einfach etwas nicht zu verstehen und dem anderen zu schuld dafür zu geben, ist unverschämt.“

    Wenn Sie Prof. Spaemann widersprechen, haben Sie die Beweislast. In meinen Augen muss er dafür, dass Sie die Beweislast haben, nicht einmal sein Aussagen begründen. So viel Autorität hat er inne.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das hier ist keine Gerichtsverhandlung. Ich darf widersprechen und habe das auch getan und auch gesagt (geschrieben), warum ich das tue. Jetzt eine Immunisierungsstrategie zu fahren, hilft nicht.

      • trep sagt:

        Freilich dürfen Sie widersprechen. Aber dann müssen Sie auch mehr tun als seine Argumentation auf ein „sich mit Zitaten bewaffnen“ zu reduzieren. Sie sind auf keinen seiner Argumente eingegangen, stattdessen haben Sie ihn in seinen Absichten vermeintlich erklärt.

        Wie bereits geschrieben: wenn Sie Prof. Spaemann widersprechen, haben Sie mehr zu tun. Sie müssen nämlich erklären, warum seine Begründung nicht stimmt.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Da muss ich jetzt aber lächeln. Sie führen das Autoritätsargument an. Und weil ich eben keine Bücher veröffengtlicht und keinen Professorentitel habe – ich übertreibe hier bewusst – muss ich mehr für meine Meinung tun, als Prof. Spaemann das muss. Ich bin sehr wohl auf die Argumente eingegangen, indem ich sie hinterfragt habe. Das mag ihnen nicht passen und das ist ihr gutes Recht und das macht die Debatte ja auch interessant, aber schlicht Forderungen zu stellen, bringt niemanden weiter. Spaemann hat Autorität inne. Aber ich wage immer noch, eine eigene Meinung zu haben. Spaemann schreibt über seine Ansichten. Ich auch.

          • Suarez sagt:

            „Spaemann hat Autorität inne. Aber ich wage immer noch, eine eigene Meinung zu haben. Spaemann schreibt über seine Ansichten. Ich auch.“

            Und dafür gebührt Ihnen Dank. Auch Autoritäten sind nicht vor senilen Ausfällen gefeit.

    • Rosi Steffens sagt:

      Wo ist in Ihrer Interpretation das Wir? Muss sich denn jeder gegen jeden rechtfertigen oder genügt es der Einsicht aufgeklärt genug zu sein, um die Zeit für sich arbeiten zu lassen? Zu manchen Menschen fehlt einfach der Zugang und den können sie nur selbst frei geben.

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